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Full text of "Anglia"

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ANGLIA. 

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ZEITSCHRIFT 


FÜR 


ENGLISCHE  PHILOLOGIE. 


UNTER    LEITUNG    VON 

RICHARD  PAUL  WÜLKER 

HERAUSGEGEBEN 
VON 

EWALD  FLÜGEL  und  GUSTAV  SCHIRMER. 


XII.   BAN  l). 


HALLE  a.S. 
MAX    NIEMETER. 

1889. 


VERZEICHNTSS  DER  MITARBEITER. 


Dr.  B.  Assmanu  in  Leipzig. 

Dr.  G.  Baist  in  Erlangen. 

Prof.  Dr.  W.  M.  Baskervill  in  Nash- 

ville,  Tenn.  U.  S.  A. 
Oberlehrer  M.  Bech  in  Metz. 
W.  Bernhardt  in  Bonn. 
Dr.  K.  Borchard  in  Halle  a.  S. 
K.  Boyle  in  St.  Petersburg. 
H.  Brandes  in  Berlin. 
Prof.  Dr.  A.  Brandl  in  Göttingen. 
Dr.  P.  Branscheid  in  Bärge  i.  Schles. 
Prof.  Dr.  H.  Breymann  in  München. 
Prof.  Dr.  B.  ten  Brink    in    Strass- 

burg  im  Elsass. 
Dr.  P.  Buss  in  Leipzig. 
Dr.  R.  Carl  in  Dresden. 
Dr.  F.  Charitius  in  Jena. 
Dr.  J.  L.  Cheney  in   Chicago,  III., 

ü.  S.  A. 
Oberlehrer  0.  Collmann  in  Posen. 
Prof.  Dr.  W.  Creizenach  in  Krakau. 
Dr.  H.  v.  Dadelsen  in  Gebweiler. 
Prof.  Dr.  N.  Delius  in  Bonn,  f 
Oberlehrer    Dr.  C.  Deutschbein    in 

Zwickau. 
Dr.  A.  Diebler  in  Freiberg  in  Sachs. 
Dr.  F.  Dieter  in  Berlin. 
Dr.  E.  Döhler  in  Wismar. 
F.  Dünne  in  Frankfurt  a.  M. 
Bibliothekar  Prof.  Dr.  H.  Düntzer  in 

Köln. 
Prof.  Dr.  A.  Ebert  in  Leipzig. 
Dr.  H.  Effer  in  Aachen. 
Dr.  £.  Einenkel,  docent  an  der  aka- 

demie  zu  Münster  i.  W. 


Dr.  W.  Ellmer  in  Weimar. 

Prof.  Dr.  K.  Elze  in  Halle  a.  S.  f 

Dr.  H.  Fernow  in  Hamburg. 

H.  Fischer  in  London. 

Dr.  R.  Fischer  in  Göttingen. 

F.  G.  Fleay  in  London. 

Dr.  E.  Flügel,  docent  an  der  Uni- 
versität Leipzig. 

Dr.  E.  Förster  z.  z.  in  London. 

Oberl.  Dr.  A.  Fritzsche  in  Leipzig. 

Dr.  J.  Fred.  Furnivall  in  London. 

Dr.  H.  Gabler  in  Plauen. 

Prof.  Dr.  11.  Gering  in  Kiel. 

Dr.  0.  Glöde  in  Rostock. 

Dr.  0.  Goldberg  in  Crimmitschau. 

Dr.  A.  Graf  in  Husum. 

Archivar  Prof.  Dr.  Chr.  Grein  in 
Hannover,  f 

Dr.  F.  Groschopp  in  Markneukirchen 
im  Voigtl. 

Dr.  F.  K.  Haase  in  Leipzig. 

Prof.  J.  A.  Harrison  in  Lexington, 
Va.,  ü.  S.  A. 

Oberl.  Dr.  M.  Hartmann  in  Leipzig. 

Dr.  E.  Häufte  in  Greifswald. 

Dr.  E.  Hausknecht  in  Tokio. 

H.  R.  Helwich  in  Oberdöbling  bei 
Wien. 

Dr.  P.  Hennig  in  Werdau. 

Director  Prof.  Dr.  W.  Hertzberg  in 
Bremen,  f 

Dr.  W.  Heuser  in  Hannover. 

Dr.  F.  Hicketier  in  Berlin. 

Dr.  E.  Hönncher  in  Leipzig. 

Dr.  0.  Hofer  in  Leipzig. 


IV 


VERZEICHNIS  DER  MITARBEITER. 


Dr.  F.  Holtbuer  in  Leipzig. 

Oberbibliothekar  Prof.  Dr.  A.  Holder 
in  Karlsruhe. 

Dr.  A.  Hohlfeld  in  Heidelberg. 

Dr.  £.  Holthaus  in  Köln. 

Dr.  F.  Holthausen,  docent  an  der 
Universität  Göttingen. 

Oberl.  Dr.  K.  Horstmann,  docent  an 
der  Universität  Berlin. 

Dr.  H.  Hupe  in  Lübeck. 

Dr.  J.  Kail  in  Wien. 

Dr.  P.  Kamann  in  Leipzig. 

Prof.  Dr.  F.  Kluge  in  Jena. 

Dr.  J.  Koch  in  Berlin. 

Oberbibliothekar  Dr.  R.  Köhler  in 
Weimar. 

Dr.  £.  Koeppel,  docent  a.  d.  Univer- 
sität MUnchen. 

Dr.  H.  Krebs,  Taylor  Institution  in 
Oxford. 

Dr.  P.  Lange  in  Würzen. 

J.  Lawrence  in  Ilkley  near  Leeds. 

Dr.  P.  Lefevre  in  Halberstadt. 

Dr.  A.  Leicht  in  Meissen. 

Dr.  K.  Lentzner,  Örehoi  b.  Helsingör 
(Dänemark). 

Prof.  Dr.  F.  A.  Leo  in  Berlin. 

Oberlehrer  Dr.B.Leonhardtin  Anna- 
berg. 

Dr.  S.  Levy,  lektor  a.  d.  Universität 
Strassburg. 

Dr.  F.  Liebermann  in  Berlin. 

Dr.  H.  Logeman  in  Gent. 

W.  S.  Logeman  in  Rock  Ferry  bei 
Liverpool. 

Dr.  0.  Lohmann  in  Lüneburg. 

Dr.  H.  Löschhorn  in  Berlin. 

Dr.  F.  Ludorff  in  Bonn. 

Dr.  G.  Lttdtke  in  Berlin. 

Cand.  F.  Lüns  in  Wesel. 

Dr.  K.  Luick  in  Wien. 

Prof.  Dr.  G.  £.  MacLean  in  Minne- 
apolis,  Minn.,  U.  S.  A. 

Dr.  M.  Mann  in  Meissen. 

Dr.  £.  Menthel  in  Elberfeld. 

W.  Merkes  in  Bonn. 

Dr.  Th.  Miller,  lektor  an  der  Univer- 
sität Göttingen. 


Dr.  L.  Morsbach,  docent  an  der  Uni- 
versität Bonn. 

Dr.  W.  Mushacke  in  Bonn. 

Dr.  W.  Nader  in  Wien. 

Prof.  Dr.  A.  Napier  in  Oxford. 

Dr.  R.  Nuck  in  Berlin. 

Dr.  E.  Peters  in  Berlin. 

Dr.  J.  Phelan  in  Louisville,  Ky., 
U.  S.  A. 

J.  Platt  in  London. 

Mrs.  Const.  M.  Pott  in  London. 

Oberlehrer  Dr.  L.  Proescholdt  in 
Homburg  v.  d.  Höhe. 

Prof.  Dr.  K.  Regel  in  Gotha. 

Dr.*  0.  Reissert  in  Hannover. 

Dr.  A.  Reum  in  Reudnitz-  Leipzig. 

Oberlehrer  Dr.  D.  Rohde  in  Ham- 
burg. 

Direktor  Dr.  F.  Rosenthal  in  Han- 
nover. 

Dr.  R.  Rössger  in  Bernburg. 

Prof.  Dr.  K.  Sachs  in  Branden- 
burg a.  H. 

Cand.  P.  Sahlender  in  London. 

Oberlehrer  J.  Sahr  in  Dresden. 

Dr.  Gr.  Sarrazin,  docent  a.  d.  Uni- 
versität Kiel. 

Oberlehrer  Dr. W.Sattler  in  Bremen. 

Dr.  P.  Sauerstein  in  Borna. 

Prof.  Dr.  J.  Schipper  in  Wien. 

Dr.  G.  Sehinner,  docent  an  der  Uni- 
versität Leipzig. 

Dr.  G.  Schleich  in  Berlin. 

Director  Dr.  Alexander  Schmidt  iu 
Königsberg,  f 

Dr.  0.  Schöpke  in  Dresden. 

Prof.  Dr.  A.  Schröer  in  Freiburg  im 
Breisgau. 

Prof.  Dr.  K.  J.  Schröer  in  Wien. 

Dr.  W.  Schumann  in  Elberfeld. 

Prof.  Dr.  E.  Sievers  in  Halle  a.  S. 

Prof.  W.  W.  Skeat  in  Cambridge. 

Miss  L.  Toulmin  Smith  in  London. 

Dr.  W.  Sopp  in  Marburg. 

E.  Stiehler  in  Plauen. 

F.  H.  Stoddard  in  Berkeley,  Cali- 

fornia. 
Dr.  F.  H.  Stratmann  in  Köln,  f 


VERZEICHNIS  DER  MITARBEITER. 


Dr.  A.  Sturmfels  in  Giessen. 
Prof.  Dr.  H.  Suchier  in  Halle  a.  S. 
Dr.  U.  Sweet  in  London. 
Dr.  G.  Tanger  in  Berlin. 
Oberl.  Prof.  H.  Thurein  in  Berlin. 
Prof.  Dr.  M.  Trautmann  in  Bonn. 
Dr.  £.  Uhlemann  in  Osnabrück. 
Prof.  Dr.  H.  Varnhagen  in  Erlangen. 
Cand.  F.  Voges  in  Göttingen,  f 
Prof.  Dr.  W.  Wagner  in  Hamburg,  f 
Dt.  K.  Weiser  in  Czernowitz. 
B.  W.  Wells  in  Providence,  R.  J. 
U.  S.  A. 


Dr.  J.  Wichmann  in  Leipzig. 

Dr.  W.  Wilke  in  Halle  a.  S. 

Dr.  H.  Willer t  in  Berlin. 

Dr.  Th.  Wissmann  in  Wiesbaden,  f 

Prof.  Dr.  H.  Wood  in  Baltimore,  Md. 

U.  S.  A. 
Prof.  Dr.  R.  P.  Wülker  in  Leipzig. 
Dr.  AI.  WUrzner  in  Wien. 
Prof.  Dr.  F.  Zarncke  in  Leipzig. 
Dr.  W.  Zeitlin  in  Gomel  in  Rassland. 
Oberl.  Dr.  U.  Zernial  in  Berlin. 
Dr.  A.  Zetsche  in  Altenburg. 
Prof.  Dr.  J.  Zupitza  in  Berlin. 


BAND-INHALT. 

Seite 

G.  Schirm  er:  lieber  James  Sheridan  Knowles'  William  Teil   ...        1 

E.Flügel:  Pyramys  aud  Tysbe.  —  (Vgl.  nachtrag  am  schlusse  des 
bandes) 13 

J.  Kail:  Ueber  die  parallelstellen  in  der  angelsächsischen  poesie     .      21 

M.Mann:  Quentin  Durward 41 

E.  Koeppel:    Die    englischen   Tasso-übersetzungeu    des    !♦>.  Jahr- 
hunderts   1D8 

G.  Sarrazin:  Die  entstehuug  der  Hamlet-tragüdic 143 

I.  Shakespeare^  Hamlet  und  Thomas  Kyd. 

0.  Hofer:  Leber  die  entstehung  des  angelsächs.  gedientes  4 Daniel'     15b 

Bücheranzeigen: 205 

The  Century.  Gädcrtz,  Zur  Kenutniss  d.  ultcngl.  Bühne.  — 
Lee  hl  er,  John  Wycliffe.  —  Lumby,  Morc's  Utopia.  —  Lumby, 
More's  History  of  King  Riehard  III.  —  Seebohm,  The  Oxford 
Reformers.  —  Nader  u.  Würzner,  Elementarbuch  der  engl. 
Sprache.  —  Ten  de  ring,  Kurzgef.  Lehrbuch  d.  engl.  Sprache.  - 
DOll,  Neues  Lehrbuch  d.  eugl.  Sprache.  —  Ben  ecke,  English 
Pronunciation.  —  Baedeker,  Groat  Britain.  —  Baedeker, 
London.—  Martin,  Old  Chelsea.  —  Hunt,  The  English  Church 
in  the  Middlc  Ages.  —  Poole,  Wycliffe.  —  Tyler,  Patrick 
Henry.  —  Iligginson,  Short  Studies  of  American  Authors.  — 
Montague,  Arnold  Toynbee.  —  De  Quincey,  Bekenntnisse 
eines  Opiumessers.  —  Hume,  Chronicle  of  King  Henry  VTII. 

E.Flügel:  Liedersammlungen  des  XVI.  Jahrhunderts,  besondersaus 

der  zeit  Heinrieh\s  VIII 225 

1.  Die  lieder  des  Add.  Ms.  3IH22.  —  2.  Die  lieder  des  Royal  Ms. 
Appendix  5*\ 

W.  Sopp:  Orthographie   und   ausspräche  der  ersten  neuengl.  bibel- 
übersetzung  des  William  Tyndale 273 

F.  K.Haas  e:  Die  altengl.  bearbeitungen  von  Grosseteste's  'Chastoau 
d'ainour'  verglichen  mit  der  <juelle 311 

(J.  Sarrazin:  Die  'Fata  Apostolomm'  und  der  dichter  Kyuewulf     .    375 

H.Hupe:  Die  präpositiou  for 388 


BAND-INHALT.  VII 

Seite 

Th.  Miller:  The  position  of  Grendel's  arm  in  Heorot 396 

K.  Lentzner:  Die  Cotewoldspiele  und  ihre  dichterische  Verherrlichung    401 

K.  L u ick:  Zur  uietrik   der  mittelenglischen  reimend-alliterierenden 

dichtung 437 

I.  Die  kurzzeilen.  —  II.  Der  einfluss  des  endreims  auf  die 
rhythmik  des  verses.  —  III.  Zu  'The  Awntyrs  of  Arthure7. 

E.Flügel:  Ein  brief  Emerson's 454 

W.Sattler:  Englische  kollektaueen 4(10 

III.  Reise:  journey,  voyage,  travel(s). 

R.  Wiilker:  Zu  Anglia  XII,  375  ff. 464 

BUcherauzeigen: 465 

Müllenhoff,  Beovulf.  —  Engl.  Stud.  XII,  3.  lieft;  XIII,  1.  u. 
2.  heft.  —  tenBrink,  Gesch.  d.  engl.  Lit.  —  Balg,  A  Compa- 
rative  Glossary.  —  Skeat,  The  Legend  of  Good  Women.  — 
Külbing,  Ipomedon.  —  Schmidt,  jElfred's  Bedaübersetzg. — 
Dewitz,  Alfred's  Uebers.  d.  Cura  past.  —  Sommer,  Le  Morte 
d'Arthur.  —  Tiete,  Gower's  Confessio  Amantis.  —  Günther, 
Engl.  Leben  im  14.  Jh.  —  Cossack,  Die  altengl.  metrische  Be- 
arbeitung von  Boethius.  —  Schleich,  Ywain  und  Gawain.  — 
Landshoff,  Kindheit  Jesu.  —  Dritter  allgem.  deutscher  Ncu- 
philologentag.  —  Jusserand,  English  Wayfaring  Life. —  Cor- 
son,  Robert  Browning's  Poetry.  —  George,  The  Prelude.  — 
Kent,  Leigh  Hunt.  —  Hcinze,  Zur  altengl.  Genesis.  —  Regel 
u.  Schuler,  Einführung  in  d.  heutige  Englisch.  —  Regel  11. 
Schuler,  Materialien  f.  d.  neuengl.  Seminar.  —  Jacobi,  Physio- 
logical  Notes.  —  Trent,  Engl  Culture  in  Virginia.  —  Eggle- 
ston, The  Household  History.  —  Eggleston,  The  H.  History 
(School  Edition).  —  Higginson,  Atlantic  Essays.  —  Higgin- 
son,  Army  Life.  —  Higginson,  Travellers  and  Outlaws. 

II.  Loge  man:  Anglo-Saxonica  Minora 497 

F.  Holthausen:  Die  quelle  von  Ben  Jonson's  Volpone 519 

F.  Holthausen:  Zu  Middleton's  'No  wit,  no  help  like  a  woman's'      526 

H.Logeman:  Stray  Gleanings 52s 

1.  O.E.  c/im  in  Corpus  Gl.  427.  —  2.  Haupt's  Zeitschrift  IX, 
503  b.  —  3.  Englische  Studien  VIII,  474.  —  4.  Wright-Wülker 
p.  100,  1.  44. 

A.Graef:  Die  präsentischen  tempora  bei  Chaucer 532 

I.  teil.    Das  praesens. 

W.Heuser:    Zu  Fischer,  Sprache  und  autorscbaft  der  mittelengl. 
legenden  St.  Editha  und  St.  Etheldreda 578 

E.Flügel:  Liedersammlungen  des  XVI. Jahrhunderts,  besondersaus 
der  zeit  Heinrich 's  VIII.  (fortsetzung) 585 

J.  Lawrence:  On  Codex  Junius  XI  (p.  143  to  212) 598 

1.  Stoddard  B.  C.  D.  —  2.  Additions  to  Siever's  Collation.  — 

2.  Grein's  Variations.  — -  4.  Kluge's  Variations. 


VIII  BAND-INHALT. 

Seite 

F.  Holthausen:  Zu  Anglia  XII,  530,  2 606 

R.  Wülker:  Zu  Partanope  of  Blois 607 

Bticheranzeigen: 621 

Whitney,  The  Century  Dictionary.  —  Ges.  Abhandlungen  v.  Dr. 
Alex.  Schmidt.  —  Fiske,  Critical  Period  of  Americ.  History.  — 
The  Ideals  of  the  Republic  etc.  —  Markham,  'The  Fighting 
Veres'.  —  Poet-Lore  (Jan.-Okt.).  —  Engl.  Stiid.  XII,  3.  heft.  — 
Saunders,  Chaucer's  Canterbury  Tales.  —  Kent,  Library  of 
Anglo-Saxon  Poetry. 


ÜBER  JAMES  SHERIDAN  KNOWLES' 

WILLIAM  TELL. 

L.  Hasberg  bemerkt  auf  seite  66  seiner  doktordissertation 
über  ' James  Sheridan  Knowles'  Leben  und  dramatische  Werke1 
(Lingen  1883),  dass  er  bei  den  ihm  zu  geböte  stehenden  hilfs- 
mitteln  nicht  im  stände  gewesen  sei  festzustellen,  aus  welcher 
quelle  Knowles  den  stoff  zu  seinem  drama  William  Teil1  ge- 
schöpft habe.  Es  ist  mir  nun  sehr  wahrscheinlich,  dass  in 
den  teilen  seines  Schauspieles,  in  welchen  Teil  die  hauptperson 
ist,  der  englische  dichter  von  der  erzählung  des  Franzosen 
J.  P.  Claris  de  Florian  46uillaume  Teil  ou  la  Suisse 
libre'2  stark  beeinflusst  wurde.  Diese  während  der  wildesten 
zeit  der  französischen  revolution  in  der  gefangenschaft  nieder- 
geschriebene erzählung,  die  nach  des  Verfassers  eigenem  aus- 
sprach in  den  gemütern  der  jungen  Franzosen  liebe  zur  republik 
und  achtung  fttr  reine  sitten  erwecken  sollte 3,  war  früher  sehr 
beliebt  und  weit  verbreitet 

Der  beweis  nun,  dass  Knowles  bei  der  ausarbeitung  seines 
Schauspieles '  William  Teil'  dieser  französischen  novelle,  die  man 
beinahe  eine  idylle  nennen  möchte,  folgte,  ist  leicht  zu  leisten. 
Bevor  wir  jedoch  an  eine  vergleichung  der  beiden  dichtungen 
gehen,  seien  noch  ein  paar  worte  über  einige  der  personen- 
namen  im  englischen  drama,  bei  deren  Verleihung  Knowles 
teilweise  von  Florian  abgewichen  ist,  gesagt. 

Florian  nennt  Tell's  gattin  Edmee,  Knowles  Emma.  Der 
name  Edmie  mochte  dem  Engländer  etwas  fremdartig  geklungen 


1  Das  stück  wurde  1825  zum  ersten  male  aufgeführt. 

*  Die  erzählung  liegt  mir  vor  in  den  ( Oeuvres  de  Florian'  Tom.  I 
(Paris,  an  IX),  p.95ff.;  das  drama  von  Knowles  in  'The  Dramatic  Works 
of  James  Sheridan  Knowles'  (London,  George  Routledge  &  Sons)  Vol.  I, 
p.  113  ff. 

8  Oeuvres  Tom.  I,  p.  62. 

AnglU,  XII.  band.  1 


2  SCHIRMRR, 

haben,  er  ersetzte  ihn  daher  durch  den  annähernd  gleichlau- 
tenden, aber  .viel  geläufigeren  Emma.  Ebenso  hat  Knowles 
den  knaben  des  Teil  Albert  genannt  und  so  wider  einen  recht 
gebräuchlichen  namen  eingeführt  an  stelle  des  Florian'schen 
Gemmi.  Dies  die  unbedeutenden  abweichungen  in  den  per- 
sonenbezeichnungen.  Gleich  sind  die  namen  Vertier  für  den 
repräsentanten  des  landes  Schwiz,  Fürst  für  den  Vertreter  der 
Urner;  aus  Unterwaiden  sind  der  alte  und  der  junge  Melchtal 
(bei  Florian  Melctal).  Während  nun  aber  Florian  den  vater 
Henri  und  den  söhn  einfach  Melctal  nennt,  so  weiss  Knowles, 
dass  der  Jüngling  Erni  hiess.  Erni  ist  ja  bekanntlich  die  volks- 
tümliche abkürzung  für  Arnold  und  seit  Aegidius  Tschudi  *  und 
Johannes  von  Müller2  die  gang  und  gäbe  benennung  für  den 
jungen  Unterwaldner.  Der  österreichische  landvogt  heisst  bei 
beiden  dichtem  Gesler,  sein  offizier  Sarnem.  Dieser  name,  der, 
so  viel  ich  weiss,  in  der  schweizerischen  befreiungssage  nicht 
vorkommt,  lehnt  sich  gewiss  an  den  Ortsnamen  Samen  an.  In 
Sarnen,  dem  jetzigen  hauptorte  von  Obwalden,  soll  ja  bekannt- 
lich der  landvogt  Beringer  von  Landenberg  seine  bürg  gehabt 
haben.  —  Dieselbe  autorität,  welche  dem  Irländer  sagte,  der 
junge  mann  aus  dem  Melchtale  habe  Erni  geheissen,  wird  ihn 
auch  darüber  belehrt  haben,  dass  der  platz,  auf  dem  die  eid- 
genossen  sich  nächtlicher  weile  zum  schwüre  zusammentaten, 
'the  Field  of  Grulli'  (Will.  Teil,  akt  I,  scene  2)  und  nicht  wie 
Florian  an  mehreren  stellen  sagt  'Grutti'  (z.  b.  s.  213)  oder  gar 
7a  caverne  de  Grutti*  (s.  147,  169)  gewesen  sei.  —  Da  hier 
gerade  von  den  namen  die  rede  ist,  so  mag  noch  auf  die  be- 
zeichnungen  der  personen  hingewiesen  werden,  welche  im  eng- 
lischen Schauspiele  in  den  mehr  komisch  gehaltenen,  mit  der 
eigentlichen  haupthandlung  in  bedenklich  losem  Zusammenhang 
stehenden  liebesscenen  von  bedeutung  sind.  Für  diese  teile 
des  dramas  bot  Florian  Knowles  keinerlei  anhaltspunkte,  die 
Teilsage  ebenfalls  nicht  und  die  Vermutung  liegt  daher  nicht 
allzufern,  dass  der  geschickte  dramatiker  und  Schauspieler 
Knowles  diese  heiteren,  auf  der  bühne  gewiss  recht  wirksamen 
liebesabenteuer  frei  erfunden  habe.    Die  hauptpersonen  dieser 


1  ChroDicon  Helveticum,  herausgegeben  von  J.  Rud.  Iselin,  erster  teil 
(Basel  1734)  s.  234,  236. 

*  Der  Geschichten  schweizerischer  Eidgenossenschaft  erster  Teil 
(Leipzig  1M)6)  s.  642. 


KNOWLES*  TELL.  3 

nebenhandlung  sind  die  beiden  jungen  Altbrfer  Michael  Wald- 
man und  Jaghell,  sowie  die  zwei  mädchen  Anneli  und  Agnes. 
Erstere  ist  die  Stieftochter  von  Gessler's  seneschal  Struth,  Agnes 
ihre  base.  Ueber  diese  beiden  mädchennamen  ist  nicht  viel 
zu  sagen;  beide,  namentlich  Anneli^  sind  in  der  Schweiz  häufig. 
Ohne  weitere  konsequenzen  für  den  namen  Agnes  bei  Knowles 
ziehen  zu  wollen,  will  ich  hier  nebenbei  doch  bemerken,  dass 
eine  Agnes  ja  allerdings  in  Verbindung  mit  der  befreiung  der 
drei  waldstätte  gebracht  wird,  nämlich  die  tochter  könig  Alb- 
rech t's,  die  grausame  Agnes  von  Ungarn1,  und  dass  in  dem 
vaterländischen  Originalschauspiel  'Der  Drey-Bund'  (1791)  Stauf- 
facher's  frau  Agnes  heisst.  Struth  ist  dem  kenner  der  Schweizer- 
geschichte ein  geläufiger  name,  weil  der  held  von  Sempach  ein 
ritter  Arnold  Strutthan  von  Winkelried  gewesen  sein  soll2  und 
sein  allerdings  weniger  bekannter  vorfahre,  der  drachentöte r 
von  Wilen3,  auch  Struth  von  Winkelried  hiess.4  Den  namen 
Waldman  wählte  Knowles  wol  für  den  jugendlichen  helden  der 
liebesepisoden,  weil  er  in  dem  gewiss  über  die  grenzen  seines 
Vaterlandes  berühmten  Züricher  btirgermeister  Hans  Waldmann 
einen  Schweizer  dieses  namens  kennen  gelernt.  Sollte  endlich 
Jagheli  eine  deminutivform  sein  wie  Anneli?  Sie  würde  dann  auf- 
fallend zu  dem  in  der  Schweiz  recht  häufigen  namen  Schaggeli 
(d.  i.  das  deminutiv  zu  dem  französischen  Jacques)  oder  vielleicht 
noch  eher  zu  Joggeli  (der  koseform  von  Jacob 5)  stimmen.  Knowles 
allerdings  dachte  sich  den  namen  wol  Jaghili  betont,  wie  fol- 
gende verse  zeigen: 

(s.117)  'The  Seneschal 

Has  a  fair  daughter!    Friend  Jagheli,  mind'  — 
(s.  121)   'Jagheli)  thou  must  play  tbe  leechP 
oder  s.  166:   *  Welcome,  Jaghelil    Father,  my  chief  man  .  . .' 

(s.  167)   'Ha!  there's  the  light  —  Jagheli,  that's  the  casementl' 

Indem  wir  uns  nun  zur  vergleichung  des  englischen  dramas 
mit  der  französischen  erzählung  wenden,  werden  wir  sehen, 
dass,  nachdem  wir  in  der  ersten  scene  des  ersten  aufzuges 
durch  den  alten  Waldman,  seinen  söhn  Michael  und  Teil  mit 


1  Vgl.  z.  b.  Müller  II,  s.  16;  auch  Schiller's  Wilhelm  Teil,  aufz.  V,  sc.  1. 
8  Müller  II,  s.  471. 
8  Dörfchen  in  der  nähe  von  Stans. 

4  Tschudi  I,  s.  146.    Auch  in  Schiller's  Teil  kommt  ja  ein  Struth  von 
'Winkelried  vor. 

6  Vgl.  über  die  namen  Jagheli  und  Anneli  die  bemerkung  auf  s.  9. 

1* 


4  SCHTKMtR, 

dem  bedauernswerten  zustande  der  Schweiz  bekannt  gemacht 
worden,  in  der  zweiten  scene  ans  kurz  der  Grütlischwur  vor- 
geführt and  in  der  dritten  scene  ans  erzählt  wurde,  wie  der 
als  arzt  verkleidete  junge  Schweizer  Jagheli  zu  seiner  geliebten, 
dem  angeblich  kranken  Anneli,  der  tochter  von  Gessler's  sene- 
schal  Struth  gelangt,  vom  zweiten  akte  an  Knowles  in  ab- 
hängigkeit  zu  Florian  tritt  Die  scene  spielt  vor  Tell's  htttte. 
Schon  die  btthnenanweisung  zu  diesem  zweiten  aufzuge  zeigt 
eine  anlehnung  an  Florian.  Letzterer  schildert  nämlich  Tell's 
wohnung  als  lune  pauvre  chaumiäre,  environnäe  d'un  modique 
champ,  (Tun  plant  de  vignes'  (s.  100);   bei  Knowles  heisst  es: 

*  Tell's  Cottage  on  the  right  of  a  Mountain on  one  side  a 

Vmeyard'.  Dass  zwei  dichter  unabhängig  von  einander  dazu 
kommen  sollten,  in  das  rauhe  Urnerland  einen  weinberg  zu 
verlegen,  ist  wenig  glaublich.  Viel  wichtiger  aber  ist  natürlich, 
dass  die  ganze  den  zweiten  akt  ausfüllende  scene  zwischen 
Teil  und  seiner  gattin  sich  auch  bei  Florian  findet  (s.  122  ff.): 
Teil  schüttet  sein  von  gram  und  erbitterung  über  die  öster- 
reichische tyrannei  erfülltes  herz  vor  seiner  treuen  gattin  aus. 
Nichts  kann  man  mehr  sein  eigen  nennen. 

(Ma  terre,  ma  femme,  raon  fils,  jusqu'au  toinbeau  de  mon  pere,  rien 
ii'est  ä  moi,  tout  est  au  tyran', 

ruft  Teil  verzweifelt  in  der  französischen  fassung  (s.  125)  aus. 

'What  is  this  boy  to  me? 
What  art  thou,  Emma,  to  me  —  when  a  breath 
Of  Gesler1s  can  take  all!' 

lautet  bei  Knowles  des  dem  fröhlichen  spiele  seines  sohnes  zu- 
schauenden vaters  sorgenvolle  klage.  Wie  Teil  dann  auf  dem 
punkte  ist,  seiner  gemahlin  die  plane  zur  befreiung  des  Vater- 
landes, welche  er  in  seiner  brüst  hegt,  zu  enthüllen,  kommt  der 
durch  Gessler  geblendete  alte  Melchtal  herein  und  erzählt,  wie 
des  landvogts  knechte  ihm  und  seinem  söhne  die  ochsen  vom 
erntewagen  wegnehmen  wollten,  wie  der  junge  Melchtal  diese 
frechheit  nicht  dulden  konnte,  dann  aber  auf  des  vaters  rat  hin 
floh,  wie  der  alte  statt  des  jungen  gefangen  vor  Gessler  geführt 
und  als  er  das  versteck  seines  sohnes  nicht  verraten  wollte, 
geblendet  wurde.  Nach  dieser  herzzerreißenden  erzählung  des 
greises  steht  Tell's  entschluss  fest: 

4  Mon  pere,  tu  seras  vengeT    (Fl.  s.  137), 
'Father,  thou  shalt  be  reveugedl'    (Kn.  s.  HO) 


KNOWLES'  TELL.  5 

ruft  Teil  dem  blinden  zu.  Mit  einem  dolch  als  erkennungs- 
zeichen  schickt  Teil  seinen  söhn  nach  dem  verstecke  des 
jungen  Melchtal  am  Faig eiber ge  im  lande  Unterwaiden.  Es  ist 
nun  gerade  recht  bezeichnend  für  die  abhängigkeit  des  eng- 
lischen dichters  von  Florian,  dass  er  auch  des  letzteren  mon- 
tagne  de  Faxgel  als  Mount  Faigel  übernommen  hat;  denn  ein 
Faigelberg  kommt,  so  viel  ich  wenigstens  weiss,  in  keiner  be- 
arbeitung  der  Teilsage  vor  und  auch  der  schweizerischen  geo- 
graphie  ist  diese  örtlichkeit  sehr  unbekannt.  Knowles  konnte 
also  doch  wol  nur  durch  Florian  auf  diesen  wunderbaren  Mount 
Faigel  kommen.1  —  Im  weiteren  musste  nun  allerdings  der  die 
btthne  berücksichtigende  dramatiker  darauf  verzichten,  seinem 
vorbilde  in  der  Schilderung  der  reise  Gemmi's  und  Claire's2, 
sowie  in  der  beschreibung  des  besuches  der  beiden  bei  dem 
jungen  Melchtal  zu  folgen,  er  lehnt  sich  erst  wider  an  Florian 
an,  wo  dieser  den  söhn  des  Teil  auf  dem  wege  nach  Altorf 
mit  dem  unbekannten,  verirrten  Jägersmann  zusammenbringt 
(FL  s.  154  ff.,  Kn.  akt  III,  sc.  1).  Auch  hier,  wie  tiberall  übrigens, 
ist  aber  die  Situation  bei  Knowles  viel  kräftiger  und  männlicher 
gezeichnet  als  bei  dem  weichen  und  empfindsamen  Florian, 
dem  Verfasser  des  schäferromans  'Estelle'.  Auf  rauhem,  ge- 
fährlichem bergpfade,  umgeben  von  nebel,  regenschauern,  blitz 
und  donner,  trifft  Albert  den  ermatteten,  zusammensinkenden 
Gessler,  denn  er  ist  der  verirrte  waidmann.3  Der  jüngling  ge- 
leitet den  landvogt  nach  Altorf.  Aus  der  Unterredung  mit  dem 
knaben  ersieht  Gessler  wes  geistes  kind  des  Jünglings  vater 
sein  muss  und  er  verlangt  von  dem  söhne  daher  den  namen 
der  vaters.  Albert  bei  Knowles,  Gemmi  bei  Florian  weigern 
sich  vorsichtiger  weise  des  unbekannten  frage  zu  beantworten 
und  Gessler  lässt  deshalb  den  knaben,  sobald  sie  Altorf  erreicht, 
festnehmen  mit  den  w orten: 


1  Ein  einigermassen  gleichlautender  Ortsname  ist  allenfalls  'Figler- 
flueh'  bei  Morgarten,  kanton  Schwiz.  Die  bezeichnung  ist  abgeleitet  von 
dem  worte  Figler  und  darunter  versteht  man  ein  '  schutzhilttchen  fiir  die 
schaf-  und  ziegenhirten  auf  hohen,  abgelegenen  alpen,  nur  ans  einer  Stein- 
platte oder  rohen  steinen,  seltener  aus  holz  erstellt'.  Schweiz.  Idiot.  I, 
sp.  689. 

*  So  nennt  Florian  die  tochter  des  alten  Melchtal.  Knowles  hat  das 
mädchen  ia  ganz  weggelassen  und  es  soll  daher  auch  von  uns  nicht  weiter 
berücksichtigt  werden. 

3  Vergleiche  die  ähnliche  erzählung  in  Schiller's  Wilhelm  Teil,  akt  III, 
scene  1. 


6  SCHIRMER, 

'qu'on  ait  soin  de  m'amener  les  premiers  habitans  d'Altorff  qui  se 
präsenteront  pour  les1  reclamer'  (Fl.  3.  158); 

bei  Knowles: 

4  Send  partie8 
Into  the  mountains,  to  explore  them  far 
And  wide ;  and  if  they  chance  to  light  upon 
A  father,  who  expects  his  child,  command  them 
To  drag  him  straight  before  us\ 

(Kn.  akt  III,  sc.  S). 

Von  beiden  Schriftstellern  wird  dem  Gessler  ein  Selbstgespräch 
in  den  mnnd  gelegt,  durch  das  der  landvogt  seine  furcht  äussert 
vor  dem  geiste  der  Unabhängigkeit  und  des  Widerstandes,  den 
er  in  dem  knaben,  welchen  er  getroffen,  bemerkt  habe  und 
welcher  sicherlich  das  ganze  volk  der  Schweizer  erfülle.  Deren 
Unterwürfigkeit  will  er  prüfen:  Sarnem  soll  eine  Stange  mit 
Gessler's  hut  auf  dem  marktplatze  von  Altorf  aufrichten  und 
befehlen,  dass  jeder  an.  der  stange  vorübergehende  dem  hüte 
seine  reverenz  erzeige  (Fl.  s.  162;  Kn.  akt  III,  sc.  3  am  schluss). 
Während  nun  aber  bei  Knowles  die  ereignisse  sich  zur  ent- 
scheidung  hin  drängen,  lässt  Florian  sich  noch  zeit:  er  schil- 
dert am  Schlüsse  des  zweiten  buches  die  angst  der  gemahlin 
Tell's  über  das  lange  ausbleiben  ihres  sohnes.  Teil  selbst 
aber,  der  seine  hütte  kurz  nach  Gemmi  verlassen  hat,  geht 
nach  Schwiz  zu  Verner,  bespricht  sich  mit  diesem  über  die 
läge  des  Vaterlandes  und  beide  machen  sich  dann  auf  'pour 
la  caverne  de  Grutti'  (Fl.  s.  169),  woselbst  sie  auch  den  jungen 
Melchtal  treffen.  Des  langen  und  breiten  wird  dann  von 
diesen  dreien  über  die  zu  wagende  befreiung  des  Vaterlandes 
gesprochen.  Knowles  hat  ja  diesen  Grütlibund  ebenfalls,  aber 
an  anderer  stelle,  nämlich  akt  I,  sc.  2.  Der  landläufigen  Über- 
lieferung zu  folge  lässt  er  an  der  beratung,  die  übrigens  sehr 
kurz  ist  und,  wie  die  ganze  scene,  nicht  an  Florian  erinnert, 
auch  Fürst  (Fürst  bei  Florian  und  Knowles)  teilnehmen.  Da- 
gegen schliesst  sich  der  dramatiker  wider  an  Florian  in  der 
scene  an,  welche  sich  um  den  hut  auf  der  stange  gruppiert 
(Fl.  8.  182  ff.,  Kn.  akt  III,  sc.  4).  Allerdings  ist  ja  der  eingang 
dieser  scene  in  beiden  dichtungen  etwas  verschieden.  Bei 
Florian  kommt  Teil  vom  Grütli  her  nach  Altorf  und  sieht  die 
von   wachen   umgebene   stange   mit   dem   aufgesteckten   hüte. 


1  sc.  Gemmi  et  Ciaire. 


KNOWLES'  TELL.  7 

In  dem  englischen  Schauspiele  wird,  als  Teil,  Verner  und  ver- 
schiedenes volk  schon  auf  der  bühne  sind,  um  dem  anftritte 
mehr  leben  zn  geben,  die  stange  unter  Verkündigung  des  land- 
vogÜichen  befehls  durch  Sarnem  aufgerichtet.  Wider  mehr  an 
Florian  erinnert  es,  wenn  Teil  über  den  servilismus  der  sich 
untertänig  vor  Gessler's  hut  beugenden  leute  tief  entrüstet  in 
die  worte  ausbricht: 

'They  do  it1,  Verner! 
They  do  it!  —  Look!  —  Ne'er  call  me  man  again! 
111  herd  with  baser  animals!    They  keep 
Their  stations.    Still  the  dog's  a  dog  —  The  reptile 
Doth  know  bis  proper  rank,  and  sinks  not  to 
The  uses  of  the  grade  below  him.  —  Man! 
Man!  that  exalts  his  head  above  them  all, 
Doth  ape  them  all!    He's  man,  and  he's  the  reptile! 
Look!  —  Look!    Have  I  the  outline  of  that  caitiff, 
Who  to  the  tyrant's  feather  bends  his  crown, 
The  while  he  loathes  the  tyrant?'  (Kn.  s.  152/53), 

während   bei  Florian  Teil   seine   Verachtung   in   den   worten 

ausdrückt: 

41  est  justifi6a  par  la  lächete  de  ce  peuple.  F  excuse,  j'approuve 
Gesler ;  il  doit  nous  traiter  en  esclaves,  il  ne  peut  pas  assez  mäpriser 
des  hommes,  assez  bas  pour  se  soumettre  ä  des  caprices  aussi  d6- 
gradans'.  (Fl.  s.  183/84). 

Sonst  verfährt  ja  Knowles  in  dieser  scene  recht  selbständig. 
Um  den  haupthelden  der  nebenhandlung  und  damit  diese  selbst, 
welcher  ausser  den  schon  genannten  scenen  des  ersten  aufzuges 
noch  die  zweite  des  dritten  aktes  gewidmet  ist,  mit  der  haupt- 
handlung  in  Zusammenhang  zu  bringen,  lässt  Knowles  den 
Michael  Waldman  die  sonst  dem  Teil  zugeteilte  rolle  über- 
nehmen: Michael  verachtet  des  landvogts  befehl,  den  hut  zu 
grüssen,  wird  von  Sarnem  daher  gefangen  genommen,  durch 
den  herbeieilenden  Teil  aber  wider  befreit,  der  nun  seinerseits 
von  der  wache  übermannt  und  gefesselt  vor  Gessler  geführt 
wird.  Die  Unterredungen  zwischen  dem  ty rannen  und  dem 
freiheitsstolzen  Jäger  (Fl.  s.  185  ff.,  Kn.  akt  IV,  sc.  1)  gleichen 
sich  in  beiden  dichtungen  insofern,  als  in  beiden  Teil  dem 
landvogt  in  beredten,  trotzigen  worten  furchtlos  den  hass  und 
den  rachedurst,  der  die  Schweizer  gegen  ihre  Unterdrücker  er- 


1  D.  h.  sich  bücken  vor  dem  hut. 

2  D.  h.  *cet  exces  de  tyraunie  et  de  dämence'  die  leute  einen  hut 
grüssen  zu  lassen. 


8  SCHIRMER, 

fülle,  kund  tut.  Als  Gessler  erfährt,  dass  Teil  verheiratet  sei 
und  kinder  habe,  lägst  er  durch  Sarnem  den  gefangen  gehal- 
tenen knaben  herbeiführen.  Auch  hier  hat  Knowles  wider 
einen  zag  von  Florian  entlehnt:  Der  junge  Teil,  die  seinem 
vater  drohende  gefahr  erkennend,  verleugnet  diesen.  Knowles 
führt  dies  nun  weiter  aus,  indem  er  den  alten  Teil  auf  die 
täuschung  des  knaben  eingehen  lässt,  während  bei  Florian  der 
vater  gleich  ausruft: 

'0  Gemmi!  6  mon  fils!  je  peux  l'embrasser  encore!  et  dans  quels 

lieux pourquoi comment?' 

und  so  den  wahren  Sachverhalt  verrät  Im  englischen  drama 
kann  Teil  erst  nach  langer  Selbstbeherrschung,  als  Gessler  den 
knaben  zum  tode  führen  lassen  will,  seinen  väterlichen  gefühlen 
nicht  mehr  gewalt  antun:  seinen  söhn  umarmend  ruft  er  aus: 

'He  is  my  child!' 

Auf  das  bekenntniss  TelFs  enthüllt  nun  Gessler  bei  Florian  und 
Knowles  seinen  teuflischen  plan: 

'C'est  toi  dont  l'adresse  est  si  renommäe  dans  l'art  de  conduire  une 
barquel  c'est  toi  dont  les  fleches  toujours  süres  n'ont  jamais  man- 
que  le  but!'  (Fl.  s.  189). 

(What!  he  so  famed  'bove  all  his  countrymen 

For  guiding  o'er  the  stormy  lake  the  boat? 

And  such  a  master  of  his  bow,  'tis  said 

His  arrows  never  miss?'  (Kn.  8.  163), 

sagt  Gessler  zu  Teil  und  befiehlt  ihm  auf  das  hin  einen  apfel 
vom  haupte  seines  kindes  zu  schiessen.  Bei  Florian  wird  Teil 
gleich  auf  den  platz  geführt,  wo  der  apfelschuss  geschehen 
soll.  Knowles  lässt  noch  eine  pause  eintreten:  Teil  schützt 
die  dunkelheit  des  einbrechenden  abends  vor,  um  den  schuss 
auf  den  folgenden  tag  zu  verschieben.  Gessler  hört  auf  Tell's 
einwände  und  vater  und  söhn  werden  in  denselben  kerker  ge- 
führt. Knowles  brauchte  diese  Unterbrechung  der  haupthand- 
lung,  um  im  akt  IV,  sc.  2  dem  Zuschauer  vorzuführen,  wie 
Michael  Waldman  und  seine  genossen  nächtlicher  weile  in 
Gessler's  schloss  dringen.  Bei  dieser  eroberung  der  feste  zu 
Altorf  erinnerte  sich  Knowles  sicherlich  an  die  in  der  schweize- 
rischen befreiungssage  erzählte  einnähme  der  bürg  auf  dem 

Rotzberge: 

'  In  der  ersten  Stunde  des  Jahres  drey zehnhundert  und  acht  wurde  ein 
Jüngling  zu  Unterwaiden  aus  der  Zahl  deren,  welche  die  Befreyung 
der  Waldstätte  verschworen,  von  einer  Magd  auf  der  Burg  Rosberg 


KNOWLES*  TELL.  9 

an  einem  Seil  in  ihre  Kammer  hinaufgezogen:  sein  warteten  im  Graben 
der  Burg  zwanzig  Freunde  des  Landes,  die  er  mit  eben  diesem  Seil 
in  die  Burg  hinauf  zog.  Die  Jünglinge  nahmen  den  Burgamtmann, 
sein  Gesinde  und  vier  Knechte  gefangen,  bemeisterten  sich  des  Thors 
und  waren  still'. 
So  lautet  die  erzählung  in  Müller' 8  Schweizergeschichte  buch  II, 
seite  1.    In  einer  anmerkung  zu  diesen  worten  sagt  Müller: 

'Das  ist  was  von  Joggeli  und  Anneli  das  Unterwaldner  Volkslied 
singt'. 

Es  ist  doch  nun  gewiss  mehr  als  blosser  zufall,  dass  in  dem 
englischen  Schauspiele  ein  Jagheli  und  Anneli  ebenfalls  als  ein- 
ander liebend  dargestellt  werden,  dass  Jagheli  ein  junger 
Schweizer,  Anneli  eine  insassin  von  des  landvogts  schloss  ist, 
und  dass  endlich  Jagheli  auch  auf  einer  Strickleiter  in  die 
bürg  gelangt  Noch  verwandter  als  Joggeli  ist  mit  unserem 
englischen  Jagheli  die  namensform  Jakeli,  welche  AL  Businger 
erwähnt  in  seiner  schrift  'Der  Kanton  Unterwaiden '  (gemälde 
der  Schweiz  1836)  auf  s.  162,  wo  er  vom  Rotzberg  sagt,  man 
sehe  dort  noch  die  reste  der  mauer,  'über  die  einst  das  schöne 
Anneli  den  lieben  Jakeli  hinaufzog'  und  dann  noch  beifügt,  ein 
alter  vers  auf  die  einnähme  der  bürg  Rotzberg  laute: 

'Rozberg  mit  sonderbarer  List, 

Eines  Buhlers  b'stiegen  und  g'schlissen  ist'.1 

Allerdings  ist  ja  die  hauptperson  bei  der  ersteigung  von  Gessler's 

schloss  nicht  Jagheli,  sondern  wider  Michael.    Er  ist  es,  der 

seine  geliebte  Agnes  aus  dem  'house  of  wolves',  wie  er  die 

bürg  nennt,  entführen  will: 

'No  sentinel 
Keeps  watch  beneath  the  casement  where  you  sleep: 
There  could  I  hang,  by  aid  of  this  kind  night, 
A  ladder- —  such  a  one  as  lovers  find 
Their  way  by  to  their  mistress'  arms,  when  doors 
Are  barr'd  against  them  — '  (akt  III,  sc.  2). 

Hit  dieser  tat  der  liebe  will  der  junge  Schweizer  aber  auch 
eine  patriotische  tat  verbinden.  Nach  Tell's  gefangennähme 
bei  dem  hüte  verkündet  Michael  dem  Verner  seinen  plan.  Auf 
Gessler's  bürg  zeigend  sagt  er  zu  seinem  landsmann: 


1  Diese  mitteilung  aus  Businger  verdanke  ich  der  freundlichkeit  des 
heim  Prof.  Dr.  Dierauer  in  St.  Gallen.  —  Auf  ein  Volkslied  über  die  erobe- 
rung  der  bürg  Rotzberg  wird  sogar  angespielt  in  Murray's  Handbook  for 
Travellers  in  Switzerland  Part  I,  p.  62.  Die  einnähme  des  Schlosses  wird 
nach  bekanntem  vorbilde  erzählt  und  dann  au  gefügt:  'The  loves  oiJägeli 
and  Anneli  have,  from  that  day  forth,  been  celebrated  in  Swiss  song  . 


10  SCHIRMER, 

(Spy  you  a  casement,  too, 
Just  half-way  np? 

This  night  to  me 
That  casement  opens;  and  a  cord,  let  down, 
Takes  up  a  hempen  ladder,  strong  enoogh 
For  me  to  mount. 

When  I  have  won 
The  prize  I  venture  for,  and  safe  bestow'd 
What  hinders  ten  or  twenty  of  my  friends  — 
What  hinders  them,  I  say,  to  lodge  with  me 
This  night  in  yonder  tulTet?,1  (akt  III,  sc.  4). 

In  der  zweiten  scene  des  vierten  aufzuges  wird  dann  die  er- 
Steigung  des  Schlosses  durch  Michael,  Jagheli  und  andere  junge 
männer  vorbereitet  und,  allerdings  hinter  der  bühne,  auch  aus- 
geführt. 

In  akt  V,  sc.  1  wird  uns  geschildert,  was  sich  während 
Tell's  und  Albert's  abwesenheit  in  Tell's  haus  ereignet:  Emma, 
Tell's  gattin,  ist  von  sorgen  gepeinigt  über  das  lange  ausbleiben 
von  gemahl  und  söhn;  durch  einen  fremden  erfährt  sie  die 
gefangennähme  ihrer  beiden  lieben,  ebenso  dass  feuerzeichen 
auf  den  bergen  den  anstoss  zur  empörung  des  landes  geben 
sollen.  Auf  diese  nachricht  hin  wirft  nun  das  mutige  weib 
mit  eigener  band  den  feuerbrand  in  ihre  traute  hlitte  und  sieht 
mit  begeisterung  an  den  auf  allen  httgeln  emporflammenden 
Signalen,  dass  ihr  zeichen  anklang  und  verständniss  gefunden. 
Auch  für  diese  prächtige  scene  bot  dem  dramatiker  der  fran- 
zösische novellist  eine  geeignete  vorläge.  Bei  Florian  zündet 
Tell's  gattin,  allerdings  erst  nach  einem  langatmigen  gespräoh 
mit  dem  alten  Melchtal  ihre  hütte  an,  als  sie  von  Ciaire  über 
die  ereignisse  in  Altorf  unterrichtet  worden  (Fl.  s.  202  ff.). 

Die  wirksamste  scene  nun,  die  apfelschussscene,  hat 
Knowles  an  den  schluss  seines  Schauspieles  gestellt.  Es  ist 
unverkennbar,    dass   auch   bei   ausarbeitnng   dieses   auftrittes 


1  Bei  dem  auf  Tschndi  und  Müller  fassenden  Schiller  wird  bekannt- 
lich auch  die  erobemng  der  burg  Rotzberg  erwähnt;  in  der  GrUtliscene 
sagt  Melchtal: 

'Den  rossberg  übernehm'  ich  zu  ersteigen. 
Denn  eine  dirn'  des  Schlosses  ist  mir  hold, 
Und  leicht  betör'  ich  sie,  zum  nächtlichen 
Besuch  die  schwanke  leiter  mir  zu  reichen; 
Bin  ich  droben  erst,  zieh'  ich  die  freunde  nach'. 


KNOWLES'  TELL.  11 

unserem  englischen  dichter  die  französische  erzählnng  vorge- 
schwebt; aber  ebenso  begreiflich  ist  es,  dass  ein  so  tüchtiger 
dramatiker  wie  Knowles  bei  der  darstellung  dieser  wichtigen 
begebenheit  auch  seiner  eigenen  phantasie  gebührenden  Spiel- 
raum liess.  Nur  ein  unbedeutendes,  aber  vielleicht  gerade 
darum  um  so  charakteristischeres  moment  zeigt  die  abhängig- 
keit  des  Engländers  von  dem  Franzosen:  Bei  Florian  heisst 
es  s.  196: 

(On  lui  (a  Teil)  präsente  son  arc  avec  une  seule  fläche;  apres  en 
avoir  essaye  la  pointe,  il  la  brise,  la  rejette  et  demande  son  carquois ; 
on  le  lui  applorte;  il  le  vide  ä  ses  pieds,  cherche,  choisit  parmi  tous 
ses  traits,  demeure  longtemps  baiss6,  saisit  un  instant  favorable  et 
cache  une  fleche  sous  ses  vetemens'. 

Bei  Knowles  lautet  die  scene  auf  s.  174/75: 

Teil:       Let  me  see  my  quiver. 

Gesler:  Give  him  a  Single  arrow. 

Teil:       Do  you  shoot? 

Lutold:  1  do. 

Teil:       Is  't  so  you  pick  an  arrow,  friend? 

The  point,  you  see,  is  blunt,  the  feather  jagg'd; 

That's  all  the  use  'tis  fit  for.  [ßreaks  it.] 

Gesler:  Let  him  have 

Another. 
Teil:       Why,  'tis  better  than  the  first, 

But.  yet  not  good  enough  for  such  an  aim 

As  I'm  to  take.    'Tis  heavy  in  the  shaft: 

I'll  not  shoot  with  it!  [Throws  il  away.]  Let  me  see  my  quiver. 

Bring  itl  'tis  not  one  arrow  in  a  dozen 

I'd  take  to  shoot  with  at  a  dove,  much  less 
V  A  dove  like  that,?    What  is  't  you  fear?    I'  am  but 

A  naked  man!  —  A  wretched  naked  man! 

Your  helpless  thrall,  alone  in  the  midst  of  you, 

With  every  one  of  you  a  weapon  in 

His  hand.    What  can  I  do  in  such  a  strait 

With  all  the  arrows  in  that  quiver?    Come, 

Will  you  give  it  me  or  not? 
Gesler:  It  matters  not. 

Show  him  the  quiver.    You're  resolved,  I  see, 

Nothing  shall  please  you. 
[Teil  kneels  and  picks  out  an  arrow,  which  he  hides  under  his  vest, 
and  then  selecls  another.] 

Sonst  ist,  wie  gesagt,  in  dem  Schauspiel  wo  durch  reden  aus- 
gedrückt werden  muss,  was  in  der  prosaerzählung  episch  ge- 
schildert werden  kann,  keine  anlehnung  mehr  an  denFlorian- 
schen  Teil.    Am  bedeutendsten  aber  weicht  der  eine  straffere 


12  SCHIRMBR,   KNOWLES*  TBLL. 

handlang  bezweckende  dramatiker  von  dem  novellisten  da- 
durch ab,  dass  er  Teil  den  auf  die  frage  Gessler's: 

*For  what 

Hid  you  that  arrow  in  your  breast?    Speak,  slavel' 

entgegnenden  worten: 

'To  kill  thee,  tyrant,  had  I  slain  my  son!' 

damit  einen  furchtbaren  nachdrack  verleihen  lägst,  dass  Teil 
auch  wirklich  mit  dem  pfeile  sofort  Gessler's  brüst  durchbohrt. 
Wie  sich  die  ihres  fUhrers  beraubten  Oesterreicher  in  das  feste 
schloss  zurückziehen  wollen,  erscheint  Michael  mit  seinen  ge- 
nossen auf  dessen  wällen;  mit  dieser  doppelten  befreiungstat 
findet  denn  auch  das  englische  drama  seinen  würdigen  ab- 
schluss.  Es  sei  noch  bemerkt,  dass  bei  Florian  Geösler  von 
Teil  an  der  Teilsplatte  erschossen  und  die  bürg  zu  Altorf 
durch  die  Schweizer  in  offenem  stürme  erobert  wird. 

Diese  andeutungen  mögen  genügen  um  zu  beweisen,  dass 
Knowles  der  erzählung  Florian's  in  der  hauptsache  bei  der 
ausarbeitung  seines  dramas  gefolgt  ist.  Sicherlich  hat  aber 
der  dichter  sich  noch  mit  der  befreiungssage  der  waldstätte 
durch  eine  andere  quelle  bekannt  gemacht;  wenn  als  solche 
Johannes  von  Mttller's  Schweizergeschichte  hingestellt  wurde, 
so  geschah  dies  bloss,  weil  durch  deren  klassische,  von  patrio- 
tischer wärme  durchzogene  darstellung  die  sagenhafte  und 
dichterisch  ausgeschmückte  geschichte  von  der  begründung 
der  schweizerischen  freiheit  ein  gemeingut  aller  gebildeten  ge- 
worden ist. 

Leipzig.  6.  Schirmer. 


PYRAMYS  AND  TYSBE. 

Der  zweite  anfsatz  in  Gädertz'  buche  'Zur  Kenntniss 
der  altenglischen  Bühne'  (1888)  hat  die  frage  nach  einer  von 
Shakespeare  benutzten,  bis  jetzt  aber  unbekannten  neuen  vor- 
läge zum  Zwischenspiel  im  Sommernachtstraum  aufs  neue  an- 
geregt, und  obwol  ich  entschieden  der  meinung  bin,  dass  das 
von  Warton  (IV,  297)  zuerst  herbeigezogene  'Boke  of  Perymus 
and  Thesbye',  welches  1562  die  'licenz'  erhielt,  höchst  wahr- 
scheinlich dem  dichter  bekannt  war,  denke  ich  doch  wird 
eine  fassung  des  geschichtchens  aus  dem  jähre  1521 1  nicht 
unwillkommen  sein,  auch  wenn  sie  stark  von  Boccaccio  be- 
einflusst  ist.  Diese  fassung  befindet  sich  in  dem  'Boke  of  the 
Cyte  of  Lady  es',  welches  15212  von  Henry  Pepwell  verlegt 
wurde,  und  über  dessen  Urheber  Pepwell  selbst  in  dem  der 
tabula  folgendem  prolog  berichtet: 

^1  Here  after  foloweth  the  Prologue  of  the  prynter. 

(8ig.  Aa,  IV  r)    The  kyndly  entente  |  of  euery  gentylman 

18  the  furtheraunce  |  of  all  gentylenesse. 
And  to  procure  |  in  all  that  euer  he  can. 
For  to  renewe  |  all  noble  worthynesse. 
This  dayly  is  sene  |  at  our  eye  expresse. 
Of  noble  men  |  that  do  endyte  and  rede. 
In  bokes  olde  |  theyr  worthy  uiyndes  to  fede. 
^1   So  nowe  of  late  |  came  in  my  custodye. 
This  foresayd  boke  |  by  Bryan  Anslay. 
Yoman  of  the  seller  |  with  the  eyght  kynge  Henry. 
Of  gentylwoinen  |  the  excellence  to  say. 
The  whiche  I  lyked  |  but  yet  I  made  delay 

1  Gädertz  erwähnt  s.  26  Hans  Holbein's  darstellun?  der  sage  v.  j.  1526. 

*  Das  koiophon  lautet:  ^1  Here  endeth  (folgt  der  oben  gegebene  titel). 
%  Imprynted  at  London  in  Poules  chyrchyarde  at  the  sygne  of  the  Trynyte 
by  Henry  Pepwell.  In  y«  yere  of  oure  lorde  .M.CCCCOXXI.  The  .XXVI. 
day  of  öctober.  And  the  .XH.  yere  of  the  reygne  of  oure  souerayne 
lorde  kynge  Henry  the  .VIII. 


14  FLÜGEL, 

It  to  impresse  |  for  that  it  is  the  guyse. 

Of  people  lewde  |  theyr  prowesse  to  dyspyse. 
^]  But  then  I  shewed  |  the  foresayd  boke 

Unto  my  lorde  |  the  gentyll  Erle  of  Rente. 

And  hym  requyred  |  theron  to  loke. 

With  his  counsayle  |  to  put  it  in  to  prente. 

And  he  forthwith  |  as  euer  dylygente 

Of  ladyes  (abrode)  to  sprede  theyr  royall  fame. 

Exhorted  me  |  to  prynte  it  in  his  name. 
^]  And  I  obeyenge  gladly  to  his  instaunce 

Haue  done  my  deuoyre  |  of  it  to  make  an  ende 

Prayenge  his  lordshyp  |  with  others  yl  shall  chaunce. 

On  it  to  rede  |  the  fautes  for  to  amende. 

If  any  be  |  for  I  do  fayne  intende. 

Gladly  to  please  |  And  wylfully  remytte. 

This  ordre  mde  |  to  thein  that  haue  fresshe  wytte. 

f  Thus  endeth  the  prologue. 

Ueber  den  inhalt  des  buches  gibt  uns  der  titel  schon 
einigen  aufschluss:  11  Here  bygynneth  the  boke  of  the  Cyte 
of  Ladyes  |  the  ||  whiche  boke  is  deuyded  in  to  .III.  partes. 
The  fyrst  par  ||  te  telleth  howe  and  by  whom  the  walle  and 
the  cloyster  ||  aboute  the  Cyte  was  made.  The  seconde  parte 
telleth  ||  howe  and  by  whom  the  cyte  was  buylded  within  and  || 
peopled.  The  thyrde  parte  telleth  howe  and  by  whom  ||  the 
hyghe  battylmentes  of  the  towres  were  parfytely  ||  made  | 
and  what  noble  ladyes  were  ordeyned  to  dwell  ||  in  y®  hyghe 
dongeons.  And  ye  fyrst  ||  chapytre  telleth  how  and  by  whom 
and  by  what  mouynge  the  sayd  cyte  was  made.  (folgt  holz- 
schnitt:  zwei  damen  vor  einer  barg  darstellend;  auf  der  rück- 
sei te  des  titeis  holzschnitt:  eine  nonne  predigt. 

Ich  behalte  mir  vor.  an  anderer  stelle  über  den  inhalt  des 

*  « 

buches '  nnd  seine  quellen  (besonders  auch  über  Henry  Parker 
Lord  Morley's  Übersetzung  von  Boccaccio's  'De  Claris  Mulieri- 
bns')  näheres  anzugeben,  nnd  bringe  hier  nur  aus  dem  2.  buche 
das  56.  kapitei  zum  abdruck. 

U   Of  Tysbe  the  mayden.    ca.  LVI. 

Ouyde  telleth  in  his  booke  of  Methamorphoseos  that  in  the  cyte 
of  Babylone  were  .II.  noble  and  ryche  cytezynes   ryght  nyghe  neygh- 


1  Warton  und  nach  ihm  George  Ellis  (Speciinens  II,  20)  halten  das 
buch  für  ein  gedieht!  Anslay's  werk  ist  bearbeitung  des  Tresor  de  U 
cite  des  Dames  der  Christine  de  Pizan  (wie  schon  Ellis  vermutet);  nichts 
über  Anslay  in  Fr.  Koch's  Leben  und  Werke  der  Christina  (1885). 


PYRAMYS  AND  TYSBE.  15 

boures  y*  y«  walles  of  theyr  houses  y*  they  dwelled  in  joyned  togyder. 
The  .IL  men  had  .II.  chyldren  fayre  aboue  all  others  \  yl  one  a  sone 
y*  was  named  Pyramys  |  and  ye  other  a  doughter  whiche  was  named 
Tysbe.  These  .II.  chyldren  whiche  yet  were  without  malyce  |  as  of  ye 
age  of  .VII.  yeres  loued  so  parfytely  togyder  y*  they  myght  not  abyde 
one  from  another.  And  it  was  theyr  guyse  alwaye  euery  day  to  ryse 
in  y«  mornynge[,]  togyder  to  take  theyr  refeccyon[J  of  theyr  faders  for 
to  go  to  play  wth  other  chyldren  of  theyr  age  to  y6  entente  y*  they 
myght  be  alway  togyder  |  &  at  al  theyr  playes  one  myght  so  them  to- 
gyder |  &  thus  endure  tyll  they  were  waxe  grete  |  &  as  they  grewe  in 
age  so  encreased  ye  flames  of  theyr  loue  |  so  moche  yt  by  theyr  haunt- 
ynge  they  were  perceyued  |  &  so  some  had  suspeccyon[.]  by  [rückseite] 
the  whiche  it  was  reported  to  the  moder  of  Tysbe.  The  whiche  toke 
suche  wrathe  of  this  thynge  y*  she  shytte  her  faste  in  her  chambres  |  and 
sayd  that  she  wolde  kepe  her  well  ynoughe  fro  the  hauntynge  of  Pyramus. 
Of  this  pryson  were  ryght  sorowfull  these  two  louers  that  theyr  wepynges 
&  complayntes  were  ryght  pyteous.  And  so  was  this  sorowe  to  them 
ryght  harde  for  that  none  of  thtym  myght  se  other.  This  dy stresse 
endured  passynge  longe  |  the  whiche  made  not  lesse  theyr  loue  |  ne  made 
them  nothynge  ye  slower[.]  for  so  moche  as  they  sawe  not  eche  other 
but  alway  encreased  the  hete  of  theyr  age  |  so  moche  that  they  were 
come  to  the  age  of  .XV.  yeres.  It  happened  on  a  daye  so  as  fortune 
wolde  that  Tysbe  that  thought  alwaye  in  her  loue  all  wepynge  in  her 
chambre  beholdynge  the  walle  that  was  bytwene  ye  .II.  houses  in  sayenge 
pyteously.  0  thou  walle  of  harde  stone  whiche  makest  the  departynge 
bytwene  my  loue  and  me  |  yf  there  were  any  pyte  in  the[,]  thou  woldest 
cleue  in  sondre  to  the  entente  that  I  myght  se  hym  that  I  haue  desyred 
so  moche.  And  as  she  sayd  these  wordes  |  she  sawe  by  aduenture  in  a 
corner  y«  walle  cleued  by  the  whiche  she  perceyued  the  lyght  of  that 
other  parte  |  and  then  she  dygged  in  the  clefte  with  a  pendant  of  her 
gyrdell  |  for  other  toole  had  she  none  |  ye  hole  encreased  so  moche  y*  she 
put  thrughe  the  pendant  |  to  the  entente  that  Pyramus  sholde  perceyue  it. 
The  whiche  thynge  happened  as  by  this  token  these  .II.  louers  often  tymes 
assembled  [neue  seite:  Ol]  to  speke  togyder  in  the  foresayd  hole  where 
they  made  theyr  pyteous  complayntes.  And  at  last  constrayned  by  grete 
loue  they  toke  coücayle  that  they  wolde  stele  awaye  by  nyght  fro  theyr 
faders  and  moders.  And  that  eche  of  them  sholde  fynde  other  at  a  welle 
vnder  a  whyte  mulbery  tre  where  they  were  wonte  to  playe  in  theyr 
youthe.  And  as  Tysbe  whiche  loued  more  was  the  fyrst  come  to  the 
welle  abydynge  her  loue  |  she  beynge  aferde  of  a  lyon  that  she  herde 
comynge  to  drynke  at  the  well  she  fled  to  hyde  her  in  a  busshe  there  by. 
And  in  goyngef,]  she  let  fall  a  whyte  couerchefe  the  whiche  the  lyon 
fonnde  |  and  caste  vpon  the  entrayles  of  beestes  that  he  had  devoured  | 
Pyramus  came  or  yl  Tysbe  durste  come  out  of  the  busshe.  And  for  that 
he  found  the  couerchefe  of  Tysbe  whiche,  he  perceyued  by  the  moon 
lyght  charged  with  the  entraylles  |  trowed  verely  that  his  loue  was  de- 
nonred.  So  be  had  so  grete  sorowe  that  he  slewe  hymselfe  with  his 
■werde.    And  as  he  was  in  dyenge  Tysbe  came  whiche  founde  hym  in 


b 


«^i-NÄh-ii  L.  >  .  .-•• 


16  FLÜGEL, 

that  poynt  and  by  the  token  of  couerchefe  yt  she  wolde  lyue  no  longer. 
And  when  she  sawe  that  the  spyryte  of  her  loue  was  out  of  his  body 
after  many  grete  lamentacyons  that  she  made  she  slewe  herseife  with 
the  same  swerde. 

Diesem  kapitel  folgt  eins  (ca.  LVII):  Of  the  good  woman 
Hero,  in  welchem  der  held  als  Ilander  figuriert,  während  Bottom 
und  Flute  (M.N.  Dr.  V,  1,  192.  193)  das  liebespaar  zu  Limander 
und  Helen  machen. 

Noch  älter  als  die  obige  englische  bearbeitung  der  Pyra- 
muserzählung  (welche  seit  Chaucer  zu  den  lieblingsgeschich- 
ten  des  englischen  volkes  gehört  zu  haben  scheint)  ist  eine 
metrische  fassung  in  einem  ms.  des  Balliol  College  zu  Oxford 
(no.  354).  Dies  ms.  ist  ein  sammelband  von  legenden,  liedern 
u.  s.  w.,  der  hauptsache  nach  von  Joh.  Hyde  zusammengestellt 
und  in  die  letzten  jähre  des  15.#oder  die  ersten  des  16.  Jahr- 
hunderts zu  setzen.  Als  dichtnng  beansprucht  die  fassung  frei- 
lich keinen  wert.    Sie  lautet: 

[fol.  93  a] 

The  tale  of  pyram9  &  thesbee  which  slew 

the  seif  vp  a  swerde. 

1  rede  a  tale  &  tellith  this 

The  cite  whiche  Symyramys 

Enclosed  hath  with  wall  abowt 

of  worthy  folke  with  many  a  rowt 

was  Inhabited  here  &  ther 

ainonge  the  which  two  ther  were 

above  all  other  noble  &  gret 

dwellyng  thar  wl  in  on  stret 

So  nygh  to  geder  as  it  was  sene 

yt  ther  was  no  thyng  them  be  twene 

But  hows  to  hows  &  wall  to  wall 

This  o[ne]  lord  had  in  esspecyall 

a  sone  a  lusty  bachelore 

In  all  the  towne  was  non  his  pere 

that  other  had  a  dowght*  eke 

In  all  the  londe  ffor  to  seke[.] 

Men  knew  non  so  fayre  as  she 

&  [so  it]  ffell  as  it  should  be 

This  ffayre  dowght«"  nygh  this  son 

As  they  to  gether  than  wonne 

Cupide  hath  so  thyngs  shape 

That  they  myght  not  his  hond9  escape 

Bat  he  his  ffyre  on  them  he  caste 

That  he  ther  hart9  hath  over  cast 


FYRAMYS  AND  TYSBE.  17 

To  folow  that  lernynge  &  sewe 
Which  never  man  myght  yet  eschewe 
&  it  was  love  as  it  is  happid 
Which  hath  ther  hart9  so  be  trappid     • 
&  they  by  all  weyes  seche 
howe  that  they  myght  com  to  speche 
Ther  wofull  payn  |  for  to  lesse 
Who  loveth  well  hit  may  not  mysse 
And  namely  |  whan  ther  be  two 
Of  on  accord  how  so  it  go 
But  yf  that  they  som  way  fynd 
ffor  love  ys  ever  of  suche  a  kynde 
&  hath  his  ffolk9  so  well  affeyted 
that  how  so  eur  hit  be  awayted 
Ther  may  no  man  ye  purpose  lett 
&  thus  betwen  them  two  they  sett 
An  hole  thorow  a  wall  to  make 
Thorow  which  they  haue  yr  cownsaill  take 
At  all  tymes  whan  they  myght 
This  ffayre  mayde  thesbee  hight 
&  he  whom  that  she  loved  hote 
was  pyram9  by  name  hote 
So  lönge  ther  (lesson)  they  recorde 
Till  at  the  last  they  accorde 
by  nyght9  tyme  for  to  wende 
alon  owt  of  the  townes.  ende 
[fol.  93 h]      Wher  was  a  well  vnder  a  tree 
&  who  cam  first  oyr  she  or  he 
Shuld  still  ther  abide 
So  it  befell  by  nyght9  tide 
This  mayd  which  disgised  was 
All  pTiuyly  a  softe  paas 
Goth  thorow  the  large  town  vnknowe 
Tyll  that  she  cam  w*  in  a  throwe 
Where  that  she  lyketh  for  to  dwell 
At  that  vnhappy  fresshe  well 
Which  was  also  the  forest  nygh 
Wher  she  cömyng  a  lyon  sigh 
In  to  the  feld  to  take  his  pray 
In  hast  this  mayd  went  a  way 
So  as  fortune  shuld  ffall 
ffor  fere  &  lete  her  wymple  fall 
Nygh  to  ye  well  vpon  the  creage(?) 
This  lyon  in  his  wilde  Rage 
A  beste  which  that  he  fonde  owt 
hath  slayn  &  w*  his  blody  snowt 
Whan  he  had  eten  what  he  wold 
To  drynke  of  the  stremes  cold 

Angli»,  XII.  band,  0 


18  FLÜGEL, 

Com  to  the  well  wh$r  he  fbnde 
The  wymple  which  owt  of  he[r]  honde 
was  ffall  |  &  he  it  hath  to  drawe 
&  with  his  blody  mowth  to  gnawe 
And  than  he  went  for  to  drynk 
Vpon  the  fresshe  welles  brynk 
And  after  that  owt  of  the  playn 
he  tornethe  to  the  woode  a  gayn 
&  thesbee  durst  not  remeve 
But  as  a  byrde  which  was  in  mewe 
with  in  a  busshe  she  kept  her  close 
So  still  that  she  nowght  a  rose 
vnto  her  seif  she  playneth  aye 
&  it  feil  while  that  she  ther  laye 
This  pyram9  cam  after  sone 
vnto  the  well  |  &  by  the  mone 
he  fonde  her  wymple  blody  ther[.] 
Cam  neveryet  to  mann9  ere 
Tydyng  |  ne  to  mann9  sight 
Marvayll  |  which  so  sore  a  fright 
Made  any  mann9  hart  |  as  it  tho  dide 
hym  |  which  in  that  same  stede 
With  many  a  woffull  cöplaynyng 
he  begon  his  hand9  for  to  wrynge 
As  he  which  deineth  sykerly 
That  she  is  dede  &  sodeynly 
his  sword  all  naked  owt  he  brayd 
In  his  fole  hast  |  &  thus  he  sayd 
I  am  cawse  of  this  felonye 
So  it  is  Reason  that  I  dye 
&  she  is  dede  by  cawse  me 
And  w*  y*  word  vpon  his  knee 
he  ffel  &  to  the  god9  all 
vnto  them  he  gan  call 
he  prtyed  sithen  hit  was  soo 
That  he  may  not  his  love  as  thoo 
[fol.  IM»]      Haue  In  this  worlde  |  y*  of  yr  grace 
he  myght  her  haue  in  other  place 
ffor  her  wold  he  not  a  bidc 
he  seyth  |  but  as  it  shall  be  tide 
The  pomell  of  his  sword  he  grownd 
he  sett  &  thorow  his  hart  a  wownd 
he  made  vp  to  the  bare  hilt 
In  this  wyse  hym  seif  he  spilt 
With  his  fole  hast  |  &  deth  he  nam[.] 
w*  in  a  while  this  mayd  forth  cam 
Where  he  lay  ded  vpon  his  knyff 
So  woffull  yet  was  never  lyff 


PYRAMYS  AND  TYSBE.  19 


as  thesbee  was  whä  she  hym  sigh 
She  myght  not  on  word  on  high 
spoke  owt  |  for  her  hert  was  so  shett 
That  of  her  lyff  no  pryse  she  sett 
But  dede  swounyng  |  down  she  ffell 
Till  äff  whan  it  so  beffell 
That  she  owt  of  her  trance  awoke 
With  many  a  wofull  pytyowous  loke 
her  eye  alway  ainonge  she  caste 
Vpon  her  love  &  at  the  laste 
She  cawght  breth  &  said  thus 

0  thow  which  called  art  venus 
Goddes  of  love  &  thow  cnpide 
Which  loves  cawse  hast  for  to  gide 

1  know  now  well  that  ye  be  blynde 
Bv  this  vnhappe  |  which  I  now  fynde 
Only  betwen  my  love  &  me 

This  pyram9  which  I  nowe  see 
Bledyng  |  what  hath  he  desemed 
ifor  he  yo*  heste  hath  kept  &  serued 
&  was  yonge  &  I  bothe  also 
Aias  why  do  you  with  us  so 
ye  sett  owrhart9  both  on  ffyre 
And  made  vs  such  thyng  desyre 
Wher  of  that  we  no  skyll  cowthe 
But  thus  owr  fresshe  lusty  yowthe 
With  owt  Joye  is  all  dyspendid 
Whiche  thyng  may  never  be  amendid 
ifor  as  for  me  thus  will  I  say 
That  me  is  lever  for  to  dye 
Than  leve  aftr  this  sorowfull  day 
&  with  this  word9  ther  as  she  lay 
Her  love  in  armes  she  Inbraseth 
Her  own  deth  |  &  so  purchaseth[,] 
That  now  she  wept  |  &  now  she  kyst 
Tyll  at  the  last  or  she  it  wyste 
So  gret  a  sorowe  is  to  her  ffall 
which  over  goth  her  witt9  all 
&  she  which  myght  it  not  asterte 
The  sword9  poynt  agayn  her  harte 
She  sett  &  feil  down  ther  vpon 
Wher  of  that  she  was  dede  anon 
&  thus  vpon  on  sword  bledyng 
They  were  both  fownd  dede  lying[.] 
Now  thow  my  son  haste  hard  this  tale 
[fol.  94  b]      Beware  that  of  thyn  own  bale 

Thow  be  not  cawse  In  thy  fole  haste 
&  kepe  that  y*  thy  wit  not  waste 


2* 


20  FLÜGEL,   PYRAMYS  AND  TYSBE. 

vpon  thy  thowght  in  a  venture 

Wher  of  thy  lyves  forfeyture 

May  ffall  |  &  yf  thow  haue  so  thowght 

amend  it  or  elles  doste  thow  nowght 

Nor  hast  not  thyn  own  sorowe 

Rather  a  bide  tyll  to  morowe 

My  son  take  this  in  thy  Reason 

he  hath  not  leste  y(  bydeth  a  good  season 

By  ensample  that  ffell  thus 

Thow  myght  well  take  of  pyram9 

Whan  he  in  hast  his  sword  owt  drowgh 

&  on  ye  poynt  hyself  he  slowgh 

ffor  love  of  thesbee  pytyowsly 

ffor  he  her  wymple  fowde  blody 

&  wend  a  beste  had  her  slayn 

Wher  as  he  owght  to  haue  ben  ffayn 

ffor  she  was  ther  all  Ȋff  be  side 

but  for  he  wold  not  abide 

This  myscheff  ffell  for  thy  beware 

My  son  as  I  the  warne  dare 

Do  no  thyng  in  suche  ffolishenesse 

ffor  sufferans  ys  the  well  of  pesse 

ffole  haste  doth  non  avauntage 

But  cawsith  a  man  to  fall  in  Rage. 

In  der  Überschrift  u.  s.  w.  ist  . .  .9  für  den  Schnörkel, 
dessen  bedentnng  ys,  us,  is  n.  s.  f.  ist,  gesetzt;  für  zusammen- 
gezogene buchstaben  in  ser..  n.  äbnl.  ist  ser  gesetzt;  die  rune 
kommt  im  Balliol-ms.  nicht  vor,  statt  dessen  stets  y. 

Eine  dritte  fassnng  vom  Pyramns  findet  sich  etwa  gleich- 
zeitig mit  Anslay  in  'La  conusance  damours'  (s.  5;  a4),  welche 
ich  gelegentlich  einer  besprecbung  dieses  gedichtes  nachzu- 
tragen gedenke. 

Leipzig.  Ewald  FlügEl. 


ÜBER  DIE  PARALLELSTELLEN  IN  DER 
ANGELSÄCHSISCHEN  POESIE. 

Sarrazin  hat  in  seinen  Beowulfstudien  zwischen  Beowulf 
einerseits  und  Cynewulfs  echten  und  den  ihm  zugeschriebenen 
dichtungen  andererseits,  ferner  zwischen  B.-Cynewulf  einerseits 
und  der  übrigen  angelsächsischen  poesie  andererseits  eine  grosse 
anzahl  parallelstellen  nachgewiesen.  Nur  in  Ps.,  Hy.,  Met,  Fse. 
und  Zaub.  sollen  sich  keine  Übereinstimmungen  mit  B.-Cynew. 
finden.  Es  schien  mir  auffallend,  dass  die  erwähnten  gedichte 
allein  eine  ausnähme  bilden  sollten.  An  das  von  Sarrazin  ge- 
sammelte material  anschliessend,  untersuchte  ich:  1)  Ob  Ps.,  Hy., 
Met,  F®.,  Zaub.  nicht  vielleicht  doch  anklänge  an  B.-Cynew. 
enthielten.  2)  Ob-  parallelstellen  nur  zwischen  Cynew.  und  der 
übrigen  poesie  sich  fänden,  oder  ob  etwa  auch  nichtcynewul- 
fische  dichtungen  untereinander  gemeinsamkeit  des  ausdrucks 
zeigten.  Schliesslich,  als  diese  Vermutungen  sich  bestätigten, 
3)  ob  sich  etwas  über  die  herkunft  und  bewegung  der  parallel- 
stellen ermitteln  liesse.  Im  laufe  der  arbeit  fanden  sich  noch 
einige  nachtrage  zu  Sarrazin  kap.  IV.  Ich  führe  zunächst  die 
stellen  an,  behaupte  aber  keineswegs,  unbedingte  Vollständig- 
keit erreicht  zu  haben,  obwol  ich  dieselbe  stets  angestrebt 
Im  gegenteil,  ich  bin  überzeugt,  dass  sich  sowol  zu  Sarrazin's 
als  zu  meinen  belegstellen  noch  immer  nachtrage  finden  werden. 
Doch  glaube  ich,  dass  das  jetzt  vorhandene  material  hinreicht, 
um  daraus  ein  urteil  über  die  bedeutung  der  parallelstellen 
fällen  zu  können. 

Bei  den  folgenden  aufzählungen  gehe  ich  von  den  nach 
S.  (s.  153)  Cynewulfschen  werken  aus  und  vergleiche  mit  ihnen 
die  übrigen  ags.  dichtungen  in  der  reihenfolge  von  Grein  s 
Bibliothek  der  ags.  Poesie.  Die  verschlusse,  auf  deren  Über- 
einstimmung S.  besonderes  gewicht  legt,  bezeichne  ich,  wo  sie 
nicht  ohnehin  ersichtlich  sind,  durch  einen  senkrechten  strich. 


22 


KA1L, 


1.  Nachtrag  zu  Sarrazin^  material. 


B.8 

weox  under  wolcnum 

Gen. 1702 

weox  )>&  under  wolcnum 

»9 

aeghwilc  {?ara  ymbsittendra 

„    2488 

anra  gehwilcum  ymbstan- 
dendra 

»10 

ofer  hronrade 

„    205 

geond  hronrade 

„100 

ottyaet  an  ongan 

„    30 

J?e    }>one    unrsed    ongan 
»rest  fremman 

fyrene  fremman 

»    19 

firena  fremman 

»119 

sorge  ne  cufton  | 

»    18 

Synna  ne  cufton  | 

„301 

flota  stille  bad  | 

Exod.550  here  stille  bad  | 

„916 

Hwilum  fealwe  strsete 

„     170  Hwilum   of  }>am   werode 

wlance  ^egnas 

mearum  mseton 

maston     milpaöas    meara 
bogum 

„93 

swa  wseter  bebugeö 

Dan.  321 

swa  heofonsteorran 

bebugaÖ 

„250 

naefne  him  his  wlite  leoge 

„   416 

nales  me  sefa  leogeÖ  | 

„654 

and  }>aet  word  acwaeÖ  | 

„    283 

and  }?a  word  acwaeo"  | 

„658 

hafa  nu  and  geheald 

„    198 

habban  ne  healdan 

„983 

ofer  heahne  hrof 

„    442 

on  heahne  hrof 

„  1082 

)>tet  he  ne  meahte  on  J?am 

„    145 

ne  meahte  J>a  seo  menigeo 

meftelstede 

on  ^am  mettelstede 

„1277 

gifre  and  gealgmod 

„    230 

grim  and  gealhmod 

„  1569 

secg  weorce  gefeah  | 

„    268 

J?ara  j?e  \>y  weorce  gefegon  | 

„2320 

ser  dseges  hwile  | 

„    349 

on  dseges  hwile  | 

„2696 

swa  him  gecynde  wass  | 

»    3 

swa  him  gecynde  wees  | 

„  2805  heah  hlifian 

„    603 

heah  hlifian 

„3035 

}>a  wses  endedseg  | 

„    679 

}?a  wees  endedseg  | 

„145 

otyset  idel  stod 

Wand.  86 

i  oÖf>aet  .  .  . 

husa  seiest 

eald   enta   geweorc    idlu 

stodon 

»547 

nipende  niht 

»      104 

nipeÖ  nahtscua 

„  2870 

ower  feor  otfte  neah  findan 

»     26 

hwaer  ic  feor  oÖÖe  neah 

meahte 

findan  meahte. 

„547 

nipende  niht 

Seef.  31 

nap  nahtscua 

„955 

awa  to  caldre 

»     79 

awa  to  ealdre 

„  1736  adl  no  yldo 

»     "0 

adl  olppo  yldo 

„99 

Swa  )?a  drihtguman  dreamum 

Rui.    22 

Beorht  wa»ron  burgreced, 

lifdon 

burnsele  monige, 

eadiglice  oÖ}>yet  an  ongan 

heah  horngestreon ,  here- 

fyrene  fremman 

weg  micel 
meodoheall  nionig,  man- 

dreama  füll, 
o8}>aet  paet  onwende  Wyrd 
sco  swiöe 

„1024 

Beowulf  ge^ah 

Wids.  :* 

oft  he  on  flette  ge|>eah 

ful  on  flette 

mynelicne  maddum 

PARALLELSTELLEN  IN  DER  AGS.  POESIE. 


23 


B. 


n 
n 
n 

n 

n 
n 

n 


n 
n 
n 
n 
n 
n 


1041  naefre  on  ore  l»g 

wi8cuoes  wig  )>onne  . .  . 
343    Beowulf  is  min  nama 
656    siftftan    ic   hond  and  rond 

hebban  mihte  | 
658    hafa  nu  and  geheald 


675    gespreec  gylpworda  sum 
2017  folcaflet  eal  geondhwearf 
2030  lytle  hwile  | 
754    forht  on  ferhöe;  no  \>y  aer 

fram  meahte 
1337  he  «et  wige  gecrang  | 
1545  hyrc  seax  geteah 

brad  and  brnnecg 
1573  waepen  hafenade 

heard  be  hiltum  Higelaces 
J>egn 

yrre  and  anraed 
2524  Nelle  ic  beorges  weard, 

feond  oferfleon  fotes  trem 
2646  Nu  is  se  daeg  comen 

2984  wselstowe  wealden  moston 
1950  ofer  fealone  flod 
464    ofer  yfta  gewealc 
1861  ofer  ganotes  baeo" 
14  }>one  god  sende 

folce  to  frofre 


n  1898  mearum  and  maftmum 

n  2861  t>am  }>e  aer  his  eine  forleas. 

„  471    ofer  waeteres  hrycg  | 

„  730    his  mod  ahlog  | 

n  1622  )>as  laenan  gesceaft 
£1. 109     byman  sungon  | 

„  731    ealne  gehwyrft  and  uprador 


n 
n 
n 
n 

n 
n 
n 
n 


530    sevde  soocwiftum 

924    goda  geasne 

983    ofer  heahne  holm 

134    flugon  on  faesten  and  feore 

borgon 
88      faele  frioowebba 
239    ofer  eargeblond 
74      aer  otföe  siö" 
292  waeron  wuldorcyninge 

drihtne  dyre 


By. 

274 

Sal. 

185 

* 

367 

By. 

317 

n 

324 

n 

162 

n 


n 


n 


n 


Wids.119  ful  oft  }>»r  wig  ne  alaeg 

J>onne  . . . 
Fi.  24        SigeferÖ  is  min  nama 
By.  235      )?a  hwile   J>e   he  waepen 
maege  | 
habban  and  healdan,  he- 

ardne  mece 
gar  and  god  swurd 
gylpwordum  spraec 
land  eal  geondhwearf  | 
lytle  hwile  | 
Ic  eom  frod  feores;  fram 

ic  ne  wille 
he  on  hilde  gecranc  | 
braed  bill  of  sceÖe 
brad  and  brnnecg 
42       bord  hatenode 

wand  wacne  aesc,  wordum 

maelde 
yrre  and  anraed 
247     J?aet  ic  heonan  nelle 

fleon  fotes  trymm 
104     waes  seo  tid  cnmen  | 
95       waelstowe  wealdan  mote  | 
Ae^elst.  36    on  fealone  flod 
Eadg.  45    ofer  yöa  gewealc 
Eadg.  46   ofer  ganotes  baeo" 
Men.  228  faeder  engla 

his  sunu  sende 
folcum  to  frofre 
Gn.  Ex.  88  mearum  and  maomum 

„    „188  ]?8et  he  eine  forleose 
Sal.  19       on  waeteres  hricg  | 
„    178     his  ferhÖ  ahlog  | 
„   326     on  {risse  laenan  gesceafte 
Exod.  160  byman  sungon  |  (Dan.  192) 
„      26    eoröan  ymbhwyrft  and  up- 
rodor 
Dan.  446    sevton  soifcwidum 
Wal.  46     goda  geasne 
Wand.  82  ofer  heahne  holm 
Wald.  15   on  weal  fleon,  lice  beorgan 

Wids.  6     faelre  friÖÖowebban 
Ae|>elst.  26    ofer  eargeblond 
Men.  200  siÖ  otföe  aer 
„      192  waeron 

dryhtne  dyre 


24 


KAIL, 


£1:  1189  be  J?am  se  witga  sang  | 

„    470    asced  t>ara  scylda 
Jul.417    bifolen  in  foldan 

„    564    )>8et  fyr  tosceaf  | 

„    566    f>one  lig  towearp 

„    335    oÖÖe  feor  oÖÖe  neah  fundne 
weoriten 

„    495    J>eah  ic  gesitte  samorlangne 
d«g 
bugan  from  beaduwe 
ic  behlihhan  ne  f>earf  | 
ic  to  soöe  wat 
ea  inflede 
freonda  feasceaft 
]?aet  hie  ne  murndon  aefter 

mandreame 
j?onne  gemet  waere  | 
acol  for  }?y  egesan 
man  on  moldan 
Hiht  waes  geniwad  | 
ofer  yöa  gej>ring  | 
hreftre  behabban 
ofer  hwaeles  eÖel 
83t  lides  stefnan  | 
for  frean  egesan  | 
he   wundra   fela    wordum 

gecyÖoe 
sweotuira  and  gesynra 
ofer  fisces  baeÖ  | 
manfulra  hloÖ  | 
scadu  sweöredon 
]>one  grimman  gryre 
acol  for  J?am  egesan 
dygle  stowe 
hie  gielpan  ne  J?orfton  | 
cuÖ  is  wiÖe 

claene 
womma  lease 
wide  and  side  | 
geond  woruld  innan 
Ufdon  leahtrum  fa  | 
for  fasder  egesan  | 
geofum  unhneawum  | 
us  secgaft  bec  | 
swa  gewritu  secgaÖ  | 
swa  «er  bcforan  sungon 
witgena  word 

Rä.81*4   gifrost  and  graedgost 


n 

385 

n 

526 

n 

547 

An.  1506 

n 

1130 

r» 

37 

n 

1180 

n 

1268 

n 

14S6 

n 

1012 

n 

368 

n 

818 

n 

274 

n 

403 

n 

457 

n 

564 

n 

293 

n 

42 

GÜ.1262 

n 

543 

n 

664 

n 

130 

n 

210 

n 

507 

Cri.187 

n 

394 

n 

469 

r> 

830 

n 

1015 

n 

686 

n 

785 

n 

547 

n 

468 

Men.  59  swa  se  witga  sang  | 

Sal.  56  asceaoan  of  scyldum 

Dan.  560  foldan  befolen 

„    340  t>one  lig  tosceaf  | 


Kl.  37 


By .  1 85 


n 


n 


567 
Kr.  148 
Seh.  79 

Seef.  60 


n 


n 


Wand.  26  hwser  ic  feor  oÖÖe  neah 
findan  meahte 
\>&r  ic  sittan  mot  sumor- 

langne  dseg 
bugon  fram  beaduwe 
Ae^elst.  47  hlihhan  ne  }>orftan  | 
Sal.  429     ic  to  soÖum  wat 
Gen.  232    ea  inflede 

„    2699  freonda  feasceaft 
Dan.  571    }m  ne  gemyndgast  aefter 
mandreame 
250,  492  f>onne  gemet  waere  | 
726  acol  for  }?am  egesan 
man  on  moldan 
Hiht  waes  geniwad  | 
undet  waetera  ge^ring  | 
behabban  on  hreftre 
ofer  hwaeles  edel  (Eadg.  48) 
7       öet  nacan  stefnan  | 
101    for  godes  egesan  | 
Men.  126  haefdon  maenige  «er  wun- 
dra geworhte 
swutelra  and  gesynra 
Run.  16     ofer  fisces  baeÖ  | 
Sal.  148     manfulra  heap  | 
Gen.  133   sceado  sweart  swiÖrien 
Dan.  439    of  J?am  grimman  gryre 

n     726   acol  for  }>am  egesan 
Pa.  37        dygle  stowe 
Ae^elst.  44  gylpan  ne  J?orfte  | 
Gn.  Ex.  199  cuÖ  waes  wide 
Dom.  93  claene 

womma  lease 
wide  and  side  | 
geond  worold  innan 
\>&t  he  biÖ  leahtrum  fah  j 
Seef.  101    for  godes  egesan  | 
Wids.139  geofum  anhueawne  | 
Ae|>elst.  68  J>aes  }>e  us  seegao*  bec  | 
Eadg.  14    J?aes  J?e  gewritu  seegaö  | 
Men.  59     swa  se  witga  sang  | 

Seef.  62     gifre  and  gredig 


n     10 
Pa.  4 

Wal.  66 


PAKALLRLSTELLEN  IN  DER  AGS.  POESIE. 


25 


Rä.  53*  hearde  twegen  | 

„    14*  sweotol  and  gesyne 

„    826  a  Menden  ic  lifige  | 

„    629  red  hwaet  ic  maene  | 

Ph.475  weorce  to  leane  | 

„    674  brncan  blaeddaga 

„    595  fah  feond,gemah 

„    176  mine  gefreege  | 

„    496  men  on  moldan 
n    385  and  siÖÖan  a 

wunian  in  worulde  weorca 
to  leane 

„    245  wiste  wynsume 


By.  80 
Men.  128 
Fä.  8 
Sal.  236 
Gen.  37 

»     200 
Wal.  39 
Wids.  71 

Eadg.  25 
Men.  146 


Leas.  22 


modige  twegen  | 
sweotolra  and  gesynra 
a  Menden  ]>n  lifige  | 
saga  hwaet  ic  maene  | 


weorce  to  leane 
brucaÖ  blseddaga 
flah  feond  gemah 
mine  gefraege  |  (Eadg.  9, 36, 

Men.  27) 
men  on  moldan 
haefÖ  nu  lif  wiö"  p&n 
mid  wuldorfseder  weorca 

to  leane 
wynsume  wist. 


2.   Parallelstellen  zwischen  den  nach  Sarrazin 
Cynewulfischen   dichtungen   einerseits,   und   Ps.,  Hy., 

Met,  Faed.,  Zaub.  andererseits. 


B.   801    sawle  secean 
„    9        oft^set   him   aeghwilc   }?ara 
ymbsittendra     , 
ofer  hronrade  hyran  scolde 

„  80      he  beot  neh  aleh 

„  259    wordhord.  onleac  | 

„  561    swa  hit  gedefe  wses  | 

„  576    ander  heofenes  hwealf 

„  687    swa  him  gemet  J?ince  | 

„  1119  wand  to  wolcnum 

„  2182  ginfaestan  gife 

n  1609  )H>nne  forstes  bend  faeder 
onlaeteÖ  | 


n    1622  \>as  laenan  gesceaft 
.    1754  lichoma  laene 


„    1224  Menden  }>u  lifige  | 
„    407    Wes  J?u  Hro^gar  hal 
„    471    ofer  wacteres  hrycg 

El.  951    J>aer  awa  scealt 

wiöerhycgende  wergöu  dre- 
ogan 
„    239    ofer  eargeblond 
„    1024  golde  beweorcan  and  gim- 
cynnum 


Ps.  1415 
Met.  9" 


n 


n 


n 


J89 
6l 


n 


n 


mine  sawle  secan  wolde 
eal  J>aet  Nerone  nede  o$Öe 

lnstum 
heaftorinca  gehwilc  heran 

sceolde. 
he  J?aet  eal  aleag 
wordhord  onleac  | 
26w  swa  hit  gedefe  ne  waes  | 
107    heofenes  hwealfe 
2943  swa  him  gemet  }>raceÖ  | 
3118  windat5  ofer  wolcnum 
20M7  ginfsesta  gifa 
11"   J>onne  him  sigora  weard 
his  gewealdleÖer  wille  on- 
laetan  | 
20 157  J?as  laenan  geßceaft  | 
„    26118  lichoman  lsenne 
„    26 l06  Isenes  lichoman 
Fae.  8        Menden  }m  lifge  | 
Zaub.  I67  Hai  wes  Jm  folde 

„      4**  ofer  saes  hrycg 
Ps.  68*       on  saes  hricg 
Hy.  457      forj^on  hy  longe  sculan 
werge  wihte  wraece  }>ro- 

wian 
ofer  eargeblond 
golde  geglengde  and  gim- 
cynnum 


n 


Met.  830 
15* 


r> 


26 


KAIL, 


n 


n 


Jul.112    heofon    and    eorftan    and 

holma  begong 
„    168    ginfseste  gife 
„    295    heafde  beheawan 
Cri.394    wide  and  side  | 
„    785    us  secgaÖ  bec  | 
„    204    leoman  onlyhte 
„    382    earme  eoröware 
„    667    singan  and  secgan 
677    ofer  sealtne  saß 
693    hsedre  heofontungol 
910    eadgnm  and  earmum 
Rä.  359    blowan  and  growan  | 
„    14*    sweotol  and  gesyne 
An.  1215  herd  hyge  f>inne,  heortan 
staoola 
12S4  J?u  wsest  and  const  | 
1558  feasceaft  hseleft 
61      grette  gnmena  brego  geom- 
ran  stefhe 
. . .  and  fms  wordum  cwseÖ 
195    holma  begang  | 
1628  mine  gefrege  | 
Gu.  1059  mode  and  msegne  (Ph.  471) 
543    in  }>one  grimman  gryre 
761    haiig     hyrde     heofonrices 
weard  | 
Gen.  1744  \>*  se  halga  sprec  heofon- 
rices weard  | 
Ph.  117    sföftan  wuldres  gim 

ofer  geofones  gong  grund 
gecineö 
42      ealne  middangeard 


Met.  25« 


ll30 


n 


n 


» 


n 


n 


n 

20W7 

n 

1" 

Ps. 

56*  ,s 

Hy. 

7*> 

Met 

.  2lM 

n 

457 

n 

217 

n 

19,a 

n 

22" 

Zaub.  4" 

Ps. 

64» 

Hy. 

950 

Ps. 

7710 

n 

55" 

Hy. 

411t 

Met 

.  lM 

rt 

ll80 

rt 

20*2' 

r> 

487 

Zaub.  8S 

M 

1" 

golde  gegerede  and  gim- 

cynnum 
heofon   and   eoröan  and 

eal  holma  begong 
ginfeesta  gifa 
heafde  beheawan 
wide  and  side  | 
^ses  ]>q  secgao*  bec  | 
leoman  onlihtan 
earme  eorÖwaran 
secgan  oÖÖe  singan 
on  sealtne  see 
hador  heofontungol 
earmum  and  eadigum 
blowaft  and  growao*  | 
swutele  and  gesyne 
nsefdon  heora  heortan  hige 

gestaftelod 
ic  wat  and  can  | 
feasceaft  haele 
cleopode  to  drihtne 
geomran  stefhe 
gyddode  }ms 
eal  holma  begong  | 
24*  mine  gefraege  | 
mode  and  msegne 
w\]>  }?ane  grimman  gryre 
}>one  haligan  heofonrices 

weard 


n 


Met.  22M  }>onne  swegles  gim 

hador  heofontungol  hlut- 
rost  scineÖ 
Zaub.  54     geond  ealne  middangeard. 


3.   Parallelstellen  zwischen 

nie  htcyne  wulfischen 

Gen.  346    wiÖ  god  winnan  |  Exod. 

n    537    his  word  . . .  wel  healdan         „ 
lsestan  his  lare 
1 180  land  and  leodward 
2737  he  waes  leof  gode 
2909  Here  stille  gebad  | 
75      susl  {rowedon  | 
962    eard  and  eöel 
1102  mid  grimme  gryre 


n 


n 


n 


n 


Dan. 


den  nach  Sarrazin 
gedichten. 

514  hie  wiö"  god  wunnon  | 
560  gif  ge    gehealdaS   haiige 

lare 
57    land  and  leod weard 
12    He  waes  leof  gode 
300  mere  still  bad  | 
621  susl  ^rowode  | 
612  eard  and  eöel 
439  of  )>am  grimman  gryre 


PARALLELSTELLEN  IN  DER  AGS.  POESIE. 


27 


Gen.  1669 


2332 


n 


n 


n 


n 


n 


n 


n 


1820 


1970 
1991 


76 
104 


2005 
2723 
1332 
1990 
1999 


n      2057 

1,     2192 
2772 


17 

125 

134 

375 

418 

962 

1517 

1696 

2596 

1051 
2027 


»     2723 
Exod.  160 


54G 


.301 


Y&  foremeahtigan  folces 

raeswan 
lufan  and  lisse 
geseah  Egypta 
hornsele  hwite  and  hea 

byrig 
beorhte  blican 
blachleor  ides 
Handum  brngdon 
haeleÖ  of  scaeÖum  hring- 

maeled  sweord 
ecgum  dihtig 
t>ystrum  be^eahte 
}>es  wide  grund 
stod  deop  and  dim  drihtne 

fremde 
idel  and  unnyt 
weold  waelstowe 
J>aer  }?e  leofost  sie  | 
on  lides  bosme 
waelgara  wrixl 
Gewiton  feorh  heora 
fram  ]>am  folcstede  fleame 

nergan 
heardan  handplegan 
ofer  brad  brimu 
swa  him  cynde  waeron 
aeöelo  fram  yldrum 
demdon  drihtnes 
swa  se  wyrhta  bebead  | 
geond  sidne  grund  | 
ufan  and  neoÖone 
windan  on  wolcne 
eard  and  eöel 
eoröe  aelgrene 
Jnirh  his  mihta  sped 
wunode  wealdende  leof 
dsegrimes  worn  and  his  doh- 
wineleas  wrecca  [tortwa 
Aner  and  Manie   Escol 

^riddan  | 
J>aer  }?e  leofast  sie 
byman  sungon  | 
duguft  on  dreame  drihten 

heriao* 
Hofon    herecyste    hwite 

linde 
segnas  on  sande 


n 


Dan.  667    frod     foremihtig     folces 
raeswa 
„    340    mid  lufan  and  lisse 
Jud.  136    J?aet  hie   sweotollice  ge- 
seon  mihten 
J?aere  wlitegan  byrig  weal- 
las  blican 
„    128    blachleor  ides 

229  mundum  brugdon 

scealcas  of  sceaÖum  scir- 

mseled  swyrd 
ecgum  gecoste 
be^eahte  mid  ^ystre 
Wand.  86  ot5}?aet  burgwara  breahtma 
lease 
eald  enta   geweorc  idlu 

stodon 
waelstowe  wealdan 
)?aer  him  leofost  waes  | 
AeJ?elst.  27  on  lides  bosme 
51  waepengewrixles 
36  on  fealone  flod  feorh  ge- 
nerede 


H(5.  55 


By.  95 

.    23 


n 


n 


n 


Ap.  10 


25  heardes  hondplegan 
71  ofer  brade  brimu 
7    swa  him  geaeöelo  waes 
fram  cneomagum 
deman  drihtnes  ae 
Leas.  39     swa  him  god  bebead  | 
Met.  20 m  geond  )risne  sidan  grund 
„   20m  ufane  and  neooane 
3118    windaC  ofer  wolcnum 
2480    eard  and  eftel 
eoröe  aelgreno 
[?urh  )?inra  meahta  sped 

}>aer  Apollines 
dohtor  wunode  daegrimes 
wineleas  wrecca      [worn 
heofonwaru  and  eoröwaru 

helwaru  }?ridde  | 
swa  him  leofust  waes 
byman  sungon  | 
ofstum  heredon 
drihten  on  dreame 
Leofsunu    gemaeldo   and 

linde  ahof 
bord  to  gebeorge 


n 


n 


n 


n 


2078 

4» 

2688 


Hy.  490 


7w 


Ps.  80« 
Dan.  192 
257 


n 


By.  244 


i 


28 


KAIL, 


n 


n 


Exod.  481 
129 
80 
346 
327 
198 
223 
442 


n 

Dan. 


n 
n 


613 
335 


Jud.  205 


Hü.  2 
Dom.  68 
Seel.  81 

Mod.  14 
Seef.  46 

Bo.  13 


Wids.  1 
Fi.  29 
By.  169 

n  283 
»  293 

„  23 
„  9& 

„  70 


faege  crungon  | 
fus  on  foroweg 
wand  ofer  wolcnum 
morgen  mseretorht 
hat  and  ceald 
habban  ne  healdan 
bitera  deafc 
on  healme  hrof  lieofona 

rices 
for  }>am  gilpe 
metndes  miltse  and  his 

mihta  sped 
}?aes  se  hlanca  gefeah 
wulf   in   walde    and    se 

wanna  hrefn 
waelgilfre  fugl  .  .  . 
earn    «tes   georn    urig- 

fettera 
salowigpada  .  .  . 
hyrnednebba 
gumena  gemot  | 
no  J^aes  gilpan  J?earf  | 
feldgangende  feoh  butan 

snyttro 
wlonce  wigsmiftas 
ymb  yöa  gewalc  | 
oferhwseles  eoel 
\>set  }>u  sinchroden   sylf 

gemunde 
on  gewitlocan  wordbeo- 

tunga 
}>e  git   on  aerdaguni  ou 

gespraecon 
Menden   git    moston   on 

meodoburgnm 
eard  weardigan,  an  lond 

bugan 
freondscipe  fremman 
wordhord  onleac  | 
celod  bord 
har  hilderinc 
clufon  ccllod  bord 
on    wielstowe    wundum 

sweltan 
J>ter  him  leofost  w«s 
ofer   scir   waeter  scildas 

wegon 
ne  mihte  .  .  .  derian 


A ekelst.  10  bettend  crungon  | 

Men.  218    fus  on  forÖweg 

Met.  311'2    windaft  ofer  wolcnum 

n    1301    morgen  meretorhtne 
Dom.  106  hates  and  cealdes 
By.  236      habban  and  healdan 
Eadw.  26   deaft  se  bitera 
Met.  24*     ofer  heane  hrof  heofones 

Risses 
„  eitil.  8   for*  his  gilpe 
Sal.  492      metodes  miltse  and  his 

msega  rad 
Ae^elst.  61  salowigpadan  )>one 
sweartan  hrefn 
hyrnednebban  and  )n>ne 

heasupadan 
earn  .  .  . 

...  and  J>aet  graege  deor 
wulf  on  wealde 

Ae^elst.  50  gumena  gemotes  | 
„        44  gilpan  ne  }wfte  | 
Sal.  23         feldgangende  feoh  butan 

gewitte 
A ekelst.  72  wlance  wigsmiöas 
Eadg.  45    ofer  yöa  gewealc  | 

n     48    ofer  hwaeles  eoel 
By.  212      Gemun  f>a  maela  J>a  we 
oft  8et  meodo  spraecon 
f>onne  we  on  bence  beot 

ahofon 
haeleÖ   on    healle    ymbe 
heard  gewinn 


n 


Met.  61        wordhord  onleaJll 
By.  283      cellod  bord 
Ae^elst.  39  har  hilderinc 

5      bordweall  clufon1 
43    on  wealstowe  w 
forgrunden 
swa  him  leofust 
eastan  of  Scioftia  s 
lsrddon 
Zaub.  6"    derian  ne  moste 


Ps.  s»" 
Met.  1» 


idutn 


ridas 


PARALLELSTELLEN  IN  DER  AGS.  POESIE, 


29 


fey.  SO        Aelfre  and  Marcos  modige 
twegen 
„  42         ByrhtnoÖ  maöelode,  bord 
hafenode 
wand  wacne  «sc,  wordam 

maelde 
yrre  and    anrsed,    ageaf 
-  him  andsware 
Ae)>e]st.  68  pxs  pe  ns  secgaÖ  bec 
„        13  siÖÖan  sunne  upp 

on  morgentid  maere  tungol 
glad  ofer  grundas  godes 

candel  beorht 
6p  \>xt  seo  segele  gesceaft 
sah  to  setle 
AeJ?elst.  68  J>aes  pe  us  secgaö  bec 

ealde  uöwitan 
„        26  ofer  eargeblond 
„        53  gewiton  him  )>a 

ofer  deop  waeter  Dyflin 
secan 
Eadg.  22    ceas  him  öfter  leoht 
wlitig  and  winsum 


Men.  57 

n       129 
n       162 

„     87 

n      88 
n      59 

Ap.  84 
Leas.  2 
Kr.  16 

Gn.  C  23 
Ps.  64» 

*   68» 
Met.  5" 


Zaub.  437 
Wald.  43 


mannum  to  frofre 
swutelra  and  gesynra 
betwux    wife    and    were 

wurde  acenned 
be  faeder  leafe 
bringö"  .  .  snmor  to  tune 

wearme  gewideru 
swa  se  witega  sang 
ealle  forhogodan  | 
manig  and  mislic 
gegyred  mid  golde,  gim- 

mas  hsefdon 
steap  and  geap 
blowaft  and  growaÖ  | 
on  saes  hricg 
J^aet  hit  seo  ece  ne  mot 

innan  geondscinan 
sunne 


Eadg.  14 
Men.  109 


Hy.  7*> 
Met.  22M 


n     8» 

Sal.  203 


Ap.  19 


Hy.  733 


n 


950 

787 


Met.  1 1*7 

•  1160 

n        l  l 

Zaub.  I35 
Ps.  77°» 
Met.  253 

n     25« 

Sal.  413 
Met.  20w 
Zaub.  4M 
Sal.  338 


Fille  and  Finule,  fela  mih- 

tigu  twa 
Waldere  ma&elode  wiga 

ellenrof 
hsefde  him  onhandahilde- 

frofre 
guftbilla  gripe,  gyddode 

}>U8 

l>aes  pe  gewritu  secgao* 
on  ]>&m  gim  astihÖ 
on  heofones  up  hyhst  on 

geare 
tungla  torhtast  and  of  tille 

agrynt, 
to  sete  sigeÖ 
}>aes  pe  secgao*  bec 
psst  us  reahte  gio 
eald  uowita 
ofer  eargeblond 
gif  p\\  gewitest  on  Wen- 
delese 
ofer  Coferflod  cyÖÖe  secan 

him  ece  geceas 
langsumre  lif,  leoht  un- 

hwilen 
mannum  to  frofre  | 
swutele  and  gesyne 
pe  fram  wife  and  were 

wurdon  acenned 
butan  frean  leafe 

sumor  of  cymeÖ 
wearm  gewideru 
swa  se  witega  cw»Ö 
eal  forhogode  | 
manegum  and  mislicum 
golde  gegerede  and  gim- 

cynnum 
steap  and  geap 
bloweö  and  groweÖ 
ofer  sses  hrycg 
ne  mot  seon  sunne  siöe 

gesceafte 
scire  geondscinan 


Aus  dem  vorgeführten  material  ergeben  sieh  für  die  von 
Sarrazin  entwickelte  theorie  folgende  konseqaenzen: 

1.   Aus  den  anter  1  angegebenen  stellen  folgt ,  dass  die 


30  KAIL, 

abhängigkeit  der  einzelnen  dichter  von  Cynew.  eine  noch  weit 
grössere  war,  als  S.  sie  darstellt. 

2.  Es  müs8ten  auch  Ps.,  Hy.,  Met.,  F®.,  Zaub.  von  Cynew. 
oder  einem  seiner  nachahmer  herrühren.  Die  ganze  ags.  poesie 
wäre  somit  unter  dem  einflusse  dieses  einzigen  dichtere  ent- 
standen. 

3.  Einige  gedichte  haben  unter  einander  parallelstellen 
gemein,  welche  im  Cynew.  nicht  zu  belegen  sind  (Mod.  14  : 
Aep.  72,  Seel.  81 :  Sal.  23,  Men.  90 :  Met.  11«  Met.  11" :  Sal.  338, 
Gen.  2596 :  Met.  2633).  Dieselben  müssten  also  aus  verloren  ge- 
gangenen werken  Cynew.'s  entlehnt  sein,  oder,  wie  S.  (s.  187) 
vermutet,  aus  anderen  nicht  erhaltenen  mustern  des  epischen 
Stiles  stammen.  Es  gäbe  dann  keine  spur  eines  selbständigen 
ags.  stiles,  alles  wäre  unter  fremdem  einfluss  entstanden. 

Durch  diese  konsequenzen  wird  der  ags.  poesie  eine  ent- 
wicklung  zugeschrieben,  wie  sie  in  historischer  zeit  in  keiner 
literatur  nachzuweisen  ist.  Es  ist  doch  nicht  wahrscheinlich, 
dass  sich  in  der  ags.  literatur  allein  erscheinungen  finden,  die 
nirgends  auch  nur  ein  entferntes  analogon  haben. 

Sarrazin  gründet  seine  theorie  auf  die  annähme,  parallel- 
stellen seien  ein  charakteristikon  für  einen  bestimmten  autor. 
Diese  hypothesc  spielt  in  der  Cynewulffrage  eine  grosse  rolle. 
Auf  grundlage  von  Übereinstimmungen  mit  seinen  echten  werken 
hat  man  Cynew.  die  verschiedensten  ags.  gedichte  zugeschrieben. 
Wenn  etwas  eigentümlichkeit  eines  gewissen  dichtere  sein  soll, 
so  darf  es  auch  nur  bei  ihm  allein  vorkommen.  Zieht  man 
nun  aber  zu  dem  S.'schen  material  noch  die  verschiedenen 
einzeluntersuchungen  (namentlich  Charitius,  Fritzsche  Anglia  II, 
Lefövre  Anglia  VI,  Rieger  Zs.  f.  d.  Ph.  I  u.  a.)  und  die  hier  ge- 
gebenen belegstellen  heran,  so  wird  man  zwischen  irgend 
welchen,  auch  nur  einigermassen  umfangreichen  ags.  gedichten 
parallelstellen  nachweisen  können.  Wenn  nun  letztere  gemein- 
gut  der  gesammten  poesie  sind,  wie  sollen  sie  für  einen  be- 
stimmten dichter  charakteristisch  seinV  Wenn  es  wirklieh 
parallelstellen  gäbe,  welche  als  ein  derartiges  charakteristikon 
gelten  könnten,  so  würden  sich  solche  wol  am  ehesten  mit 
hilfe  der  sicher  Cynewulfischen  dichtungen  ermitteln  lassen. 
In  den  letzteren  würde  es  vielleicht  gewisse  phasen  geben, 
welche  sich  vor  denen  der  übrigen  gedichte  in  irgend  einer 
weise  auszeichnen.     Es  sind  mir  ausser  den  von  Ramhorst, 


PARALLELSTELLEN  IN  DER  AGS.  POESIE. 


31 


'Das  altengl.  Gedicht  vom  heil.  Andreas'  und  von  Hoflfmann, 
'  Reim  formein  im  Westgermanischen'  angeführten  noch  folgende 
parallelstellen  zwischen  den  echt  Cynewulfischen  dichtnngen 
aufgefallen : 


Elene. 
371    gedwolan  fylgdon  | 
859    ge^rowade  Jnymines  hyrde 
979    J>aer  hie  hit  for  worulde  wen- 

dan  meahton 
1050    Criste  gecweme 
1129    egesan  geaclod 
1161    het  )*  gefetigan 
427    faestlice  ferhÖ  staöelien 

Elene. 
18S    to  heofonum  astag  | 
252    ald  yöhofu  oncrum  faeste 
279    on  gemot  cuman  | 
41 8    giedda  gearusnottor 
673    godes  gastsunu 
737    mid  ^a  leohtan  gedryht 
808    Nu  ic  )>urh  soÖ  hafh  seolf  ge- 
cnawen 
on  heardum    hyge,   \>set  \>u 
haelend  eart 
565    .  .  .  heo  waeron  stearce  stane 

heardran 
1006    haeleft    hwaetniode    to    J>aere 

haligan  byrg 
1132    ]m  waes  wopes  hring 
1148    geornlice  gastgerynum 

Grist. 
90    gehöum  magnaä  | 
481    geond  ealne  yrmenne  grund  | 
662    monigfealde  modes  snyttru 
1219  folca  gehwylcum 

scyppend  scinende  scrifeÖ  bi 

gewyrhtum 
eall  aefter  rihte 

1580  Menden  him  lic  and  gaest 

somodfaest  seon 


Juliane. 
202    gedwolan  fylgest  | 
448    ge^rowade  J?rymmes  ealdor 
570    \>&t  he  hit  for  worulde  wen- 

dan  meahte 
259    Criste  gecweme 
268    egesan  geaclad 
60    het  }>a  gefetigan 
270    faestlice  ferhö  staoelian 

Crist. 
737    to  heofonum  astag  |. 
864    ealde  yömearas  ancrum  faeste 
943    on  gemot  cuman  | 
713    giedda  gearusnottor 
660    godes  gastsunu 
515    mid  J>as  engla  gedryht 
1187  Leode  ne  cuoan 

modblinde   men  meotud  on- 
cnawan 
flintum  heardran 


461     haeleö  mid  hlaford,  to  )?«re 

haligan  byrg 
537    J?aer  waes  wopes  hring 
440    geornlice  gastgerynum 

Juliane. 
391    gehöu  maenan  | 

10  ofer  ealne  yrmenne  grund  | 
366  monigfealde  modes  gaelsan 
726  seo  Jnyness  ymbsittende 

in  annesse  aelda  cynne 
J?urh  }>a  sciran  gesceaft  scrifeÖ 

bi  gewyrhtum 
meorde  monna  gehwam 
714    ^endan  gaest  and  lic  geador 
siöedan 


Es  mögen  sich  vielleicht  hie  und  da  noch  einige  anklänge 
finden,  aber  jedenfalls  werden  sie  nicht  zahlreich  und  nur  von 
untergeordneter  bedeutung  sein.  Cynewulf 's  echte  werke  haben 
mit  anderen  gedichten  weit  mehr  parallelstellen  gemein  als  unter- 


32  KAIL, 

einander.  Hoflfmann  macht  ü.  a.  o.  8. 40  dieselbe  bemerkung  be- 
züglich der  reimformeln.  Er  findet  deren  eine  grössere  anzahl 
zwischen  GüÖlac  und  den  Cynewulfischen  dichtungen  als  die 
letzteren  untereinander  ausweisen.  Was  die  genanigkeit  der 
Übereinstimmung  betrifft,  so  ist  dieselbe  nicht  grösser  als  bei 
parallelstellen  anderer  gediente.  Es  gibt  also  keinen  unterschied 
zwischen  den  Cynewulfischen  und  den  übrigen  phrasen. 

Es  ist  wol  das  natürlichste,  die  parallelstellen  als  einen 
gemeinsamen  poetischen  formelschatz  zu  betrachten,  aus  wel- 
chem alle  ags.  dichter  unabhängig  von  einander  je  nach  bedarf 
ihren  ausdruck  entnahmen.  In  diesem  sinne  mag  man  von 
einem  gemeinschaftlichen  muster  sprechen,  nach  welchem  alle 
ags.  dichter  arbeiteten  oder  ihren  etil  bildeten.  Dieses  muster 
ist  aber  nicht  in  einer  bestimmten  dichtung  zu  suchen,  sondern 
dasselbe  mttsste  sich  vielmehr  mit  hilfe  der  gesammten  ags. 
poesie  wenigstens  annäherungsweise  rekonstruieren  lassen. 

Woher  hatten  die  Angelsachsen  diesen  formelvorrat? 

Ein  teil  desselben  lässt  sich  auch  in  der  altsächsischen 
und  althochdeutschen  alliterationspoesie  nachweisen.  Sievers 
hat  in  seiner  schritt:  'Der  Heliand  und  die  ags.  Genesis9  ge- 
meinsamkeit  des  ausdrucks  zwischen  altsächsischer  und  angel- 
sächsicher  dichtung  nachgewiesen  und  dann  in  seiner  ausgäbe 
des  Heliand  die  den  altsächsischen  entsprechenden  ags.  bezeich- 
nungen  für  einzelne  begriffe  zusammengestellt.  Im  folgenden 
zähle  ich  weitere  parallelstellen  auf  zwischen  Heliand  und  den 
ahd.  alliterierenden  dichtungen  einerseits  und  der  gesammten 
ags.  poesie  andererseits.  Die  stellen  sind  nach  der  reihenfolge 
im  Heliand  und  in  den  ahd.  dichtungen  geordnet. 

Heliand.  Ags.  poesie. 

5    mid  uuordun  endi  mid  uuereun  B.  1S3S     wordum  and  weorcum 

41    himil  endi  ertha  endi  al  tbat  Met.  II80  heofon  and  eoröan  and  eal 

sea  behlidan  egun  holma  begang 

51     managon  te  helpun  B.  1709     haeleöuin  to  helpe 

Cri.  427    guinum  to  helpe 

70    than  lang  hie  geuuald  ehta  B.  1859     Menden  ic  wealde  widan 

Erodes  thes  ri^eas  rices 

559    sithor  ik  muosta  thieses  erlo 
folcas 
ginualdan  theses  uuidon  rikeas 

85    ne  saca  ne  sundea  Ph.  54       ne  synu  ne  saen 

B.  2472     synn  and  saca 

854    ia  Und  ia  liudi  Edw.  25   Und  and  leode 


PARALLELSTELLEN  IN  DER  AGS.  POESIE. 


33 


367    Thar  gifran  ik 

415    uimdtm  thuru  thiu  uuolkan 

495    obar  thesan  middilgard 

58S    an  thesan  middilgard 
554    Hueder  ledeat  gi  uundan  gold 
te  gethi  huilicon  guraono?  te 

hui  gi  sus  an  gange  cumat 
gifaran  an  fathie?    Iluat,  gi 

nethnanan  ferran  sind 
erlös  fan  ooron  theodon.    lk 

gisiho  that  gi  sind  ediligi- 

burdion 
cunnies  fan  cnnosle  guodon: 

nio  hier  er  sulica  cumana 

ni  uurÖun 
eri  fan  oÖron  thiodon  sithor  ik 

muosta  thieses  erlo  folcas. 
giuualdan  theses  uuidon  rikeas. 

Gi  sculon  mi  te  uuanin  seg- 

gian 
far  theson  liudeo  folca  bihui  gi 

sin  te  theson  lande  cum  an. 


734    ni  uuarth  siÖ  noh  err 
941     so  mikilu  is  hie  betera  than  ik 
9C8    so  nuarth  im  is  hugi  bliÖi 
1293  is  muo*  antioc 

1393    uuliti  endi  uunsam 
1542    an  thesaro  lehnun  uueroldi 
1765    uuerthan  te  uuillien 
1836    thea  hie  for  thero  menigi  gi- 

sprak  | 
2005  Uuerod  blithoda 

uuarun  thar  an  luston  liudi 
atsamna 
2009    uuas  thar  erlo  drom  | 
2254    nis  nu  J&ng  te  thiu 
2781    tho  rf  was  lang  te  thiu 
207 1    Thno  nuarth  that  so  uuido  cuth 
2076    Ne  mag  that  gitelliean  man 

jreseggian  to  suothen 
2603  'thar    sculun    sia    gibundana 
bittra  logna 
thraunerc  tholon 

Anglia,  XII.  band. 


B.  2773     }>a  ic  .  .  gefraegn 

Exod.  80  wand  ofer  wolcnum 

B.  75        geond  )>isne  middangeard 

(Wand.  75) 

Kr.  104     on  ]?ysne  middangeard 

B.  237       Hwaet  syndon  ge  .  .  .  )?e 

\>U8  brontne  ceol  [mon 

ofer  lagustraetc  laedan  cwo- 

hider  ofer  holmas  hringed- 

stefnan? 
Ic    wses     endesaeta,    seg- 

wearde  heold  .  .  . 
no  her  cuölicor  cuman  on- 

gunnon 
lindhaebbende  .  .  .   Nsefre 

ic  maran  geseah 
eorla  ofer  eor}?an  Öonne  is 

eowcr  sura, 
secg  on  searwum :  nis  |?aet 

seldguma 
waepnum  geweoröad,  naefne 

him  his  wlite  leoge 
senlic  ansyn !  Nu  ic  eotver 
sceal  [is  selost 

frumcyn  witan  .  .  .  ofost 
to     gecyÖanne ,     hwanan 
eowre  cyme  syndon. 
El.  240      ne  siÖ  ne  asr  | 
B.  469      se  waes  betera  Öonne  ic  | 
Dan.  117  Naes  him  bliÖe  hige 
B.  259       wordhord  onleac  |  (Wids.  1) 
Eadg.  23  wlitig  and  winsum 
Met.  908    geond  J?as  laenan  worold 
Ps.  C  104  to  }?inum  willan  weoröan 
B.  1215     heo    fore     psew    werede 

spraec  |  (El.  332) 
Jud.  161  Here  waes  on  lustum 

Exod.  564  After  |>am  wordum  werod 

waes  on  salum 
B.  497  ]>2ds  waes  haeleöa  dream  | 

B.  2591,  2S45    Naes  )>a  long  to  J?on 

B.  2923     ac  waes  wide  cuÖ 
B.  50        Men  ne  cunnon 

secgan  to  soöe 

Cri.  1539  J^aer  hi  leahtrum   fa   lege 

gebundne 

swylt  }>rowiaÖ 

3 


34 


KAIL, 


4430  Bithiu  gi  an  hellia  sculun 

tholon  an  thiustre 
2619  aldarlangan  tir  | 

2729  so  thar  gitald  habdun 

fruoda  folcuueros 
2731    So  uuas  thero  liudeo  thau 
2743    Uuas   thes  an  luston  landes 

hirdi 
2778    hie  ni  mohta  is  quidi  liogan 
2807    hobdu  bihauuan 
2819  antthat  an  aband  seg 

sunna  to  sedle 
2852  That  folc  stillo  bed, 

sat  gisithi  mikil 
3421    sumarlanges  dages 

3579    hren  sia  thuo  mid  is  handon 
3681  sagdun  uualdande  thanc 

3614  mahtig  drohtin 

is  selbes  suno  sendean  uuelda 
3683  Thuo  gisah  uualdand  Crist 

blican  thena  berges  uual  endi 
bu  Judeono. 
4075    fuldu  bifolhan 
4241     so  lioht  ostana  quam  | 
4278    Thuo  thie  rikeo  sprak 

her  hebancuning,  hordun  thia 
oöra 

4299    huann  thiu  maria  tid 

giuuirthit  an  thesaro  uueroldi 

4342  ist  sumer  ginahid 

uuaram    endi    uunsam    endi 
uueder  sconi 

4801    so  hie  err  deda  | 

5060    irri  endi  enhard 

5563    uuerco  te  lone 

5729    Hie  giuuet  im  thuo  forth  thanan 

5914    uuas  iro  iamar  inuod 

Hildebrand. 
1     Ik  gihorta  Sat  seggen 

7  er  uuas  hcroro  man 

ferahes  frotoro 
15    dat  sage  tun  mi  usere  liuti 
alte  joh  frote 


An.  177 
B.  607 

B.  80 


B.  301 

Kl.  37 
Met.  4,e 
B.  722 


B.  588       ]?aes  Jm  in  helle  scealt 
werhöo"  dreogan 

A ekelst.  3  ealdorlangne  tir  | 

Men.  17    swa  hit  getealdon  geo 
frode  gesiöas 
Swa  is  \>fBte  menigeo  )>eaw 
|?a  wses  on  salum  sinces 

brytta  (El.  194) 
He  beot  ne  aleh 

Met.  14S    heafde  beheawan 

A ekelst.  16  oof'aet  seo  segele  gesceaft 
sah  to  setle 

flota  stille  bad,   [med  scip 
seomode  on  sole  sidfoj?- 
sumarlangne  daeg  (Jul.  495) 
sum urlange  dagas 
sjÖÖan  he  hire  folmum  hran 

An.  1471  s»gdeuictudeJ?anc(By.147) 

Men.  226        faeder  engla 
his  sunu  sende 

Jud.  136    )>&t  hie  sweotollice  geseon 

mihten  [blican 

J>«re  wlitegan  byrigweallas 

Dan.  560  foldan  befolen 

Leoht  eastan  com  | 
]>&  se  eorl  .  .  .       [waeter 
ougan  ceallian  j>a  ofer  cald 
Byrhthelmes  bearn,  beor- 
nas  gehlyston 
on  J>am  oftust  cyinö 
seo  inaere  tid  mannum  to 
frofre 

sumor  Hefter  cymeö 
wearm  gewiSeru 
swa  hie  oft  aer  dydon  | 
yrre  and  anraed 
weorca  to  leane 
ic  gewite  .  .  .  J>onan 
waes  him  geomor  sefa, 
üHirnende  mod. 


B.  569 
By.  91 


Men.  56 


Met.  U60 

B. 1238 
By.  44 
Ph.  386 
Ph.  554 
B.  50 


Pa.  8 
Rcbh.  1 
By.  317 

B.  415 


We  .  .  hyrda*  •  •  secgan 
Hyrde  ic  secgaW 
Ic  eoin  frod  feol"«» 

t?a  me  |>et  gelaerdon" leo<ie 

mine  \ 

J>a  seleatan,  snotere  ce)orlfta 


FARAIXELSTELLEN  IN  DER  AGS.  POESIE. 


21 

bam  unwahsan 

Gen.  2871 

bearn  unweaxen 

24 

friuntlaos  man 

Wand.  4E 

i  wineleaa  guma  (An.  1707 
freonda  leas,  B.  1665 
winigea  leasum) 

36 

Hadubraht  giinalta,  Hiltibran- 

B.  1383 

Beowulf  mabelode,  bearn 

Ecgbeowes 

42 

dat  sage  tun  ml  seolidante  | 

B.  377 

bonne  safgdon  sseliScndo  [ 

43 

<iat  inan  wie  furnam  | 

Wand.  80 

,  El.  131   suiue  wig  fornam  | 

47 

herron  gotan 

Poor.  39 

holdne  hlaford 

52 

li  an  ii  n  ni  gifaata 

El.  477 

dcati  oBfastan 

54 

breton  sinu  b  i  11  in 

Exod.  199  billum  abreotan 

54 

ti  banin  werdan  | 

B. 2203 

to  banan  wurdon  | 

55 

ibu  dir  diu  eilen  taoe  | 

An.  460 

gif  bis  eilen  deah  |  B.  573 
|>onne  h.  e.  d.  | 

57 

rauba  birahanen 

Rä.  14' 

reafe  beroten e 

60 

niuse  de  motti 

B. 1387 

wyree  se  be  nioto 

64 

"*n*° ""'" 

Jud.  78 

scearpne  ineee 
scDTum  heardne 

6G 

staim  bort  chludnn, 

Aebelst. 

5        bordweall  clufon 

heiiwun  harnilicco  huittc  seilt! 

hcowan  licooolinda  hamora 

untiiin  irolintunliittilowiirtun 

lafiiro 

68 

giwigan  miti  wambuuui 

By.  120 

wigan  mid  wtepnum 

Muspilli. 

14    dari  is  lip  ano  tod,  lioht  ano 

aelida  ano    sorgun:   dar  nist 
sinn  neoman 

18    pidin  iat  dürft  mililiil  daz  ze 

pidenchanne 
20    daz  er  kotes   uuillun  kerno 

kituoe 
51     ho  inprinnant  die  peiga,  poum 
ni  kistentit 
einic  in  crdn,  aha  gar  artrnk- 

nent 
mnor  varsunilhit  sin,  suilizot 

longiu 
der  himil,  mano  pivallit,  prin- 
nit  iniüilagart 

70    das  der  man  er  enti  aid  upilos 

kifrumita 
81    Mal  nianno   güih   fona   dorn 


Cri.  1653  bser  is  leofra  lufu,  lif  buian 
endedeaSe, 
.  .  .  hajlii  butan  sare 
.  .  .  dieg  butan  beostniin 
.  .  .  blis  butan  sorgtiw 
Cri.  848     Is  ns  bearf  micel 

|>tet  wo  . .  georne  bibencen 
Ps.  ui2™  b«t  bi  hia  willan  wyreean 

georne 
Cri.  965     bonne  eal  breo   on   efen 
ninteS  won  fyres  wseltn 
se  swearta  Kg:   sa;s  mid 

byra  fiscum 
eorSan  mid  bire  beorgum 

and  upheofon 
torhtne  mid  his  tunglum; 
teonleg  somod    [on  an 
bryönm  bterneS  breo  eal 
Cri.  1053  bxt  hi  asr  oSÖe  siS 
worbtun  in  worulde 
Cri.  1080  Sceal  bonne  anragehwylc 
fore   Cristes    cyme    ewie 

■rittn 
leoönm  onfon  and  llohoman 
8* 


36 


KAIL, 


90    so  dar  manno  nohhein  uuiht 
pimidan  ni  mak 


93    uuaz  er  untar  man  nun  mordes 

kifrumita. 
102    augit  er  dio  masun  dio  er  in 

menniski 
dunih  desse  mancunnes  minna 

Wessobrunner  Gebet. 
1    Dat  gafregin  ih 


Cri.  1048    ne    raagon    hord    weras 

heortan  gef>ohtas 
for   waldende   wihte    be- 

midan 
Jud.  181    J>e  us  inonna  maest  moröra 

gefremede 
Cri.  1116  magon  him  sylfe   geseon 

)>onne 
open   orgete   f>aet  he  for 

aelda  lufan  .  .  . 


Dan.  1 


Gefraegn  ic.  Ph.  1   Haebbe 
ic  gefrugnen. 

Die  Übereinstimmung  im  ausdruck  zwischen  diesen  dich- 
tungen  kann  auf  dreierlei  weise  herbeigeführt  worden  sein: 
1)  Es  können  formein  mit  den  Angelsachsen  vom  kontinente 
in  die  neue  heimat  gekommen  sein.  2)  Einige  können  nach 
der  angelsächsischen  einwanderung  übertragen  worden  sein. 
3)  Es  können  sich  angelsächsische  phrasen  unabhängig  von 
den  altsächsischen  und  althochdeutschen  entwickelt  haben. 

Unter  den  ersten  fall  sind  wol  einige  reimformeln  einzu- 
reihen, welche  sich  auf  kämpf  beziehen.  Krieg  war  das  hand- 
werk  der  Germanen  auf  dem  festlande  gewesen  und  blieb  es 
in  England.  Dass  mit  der  sache  selbst  die  auf  sie  bezüglichen 
ausdrücke  herübergenommen  wurde»,  ist  begreiflich.  Wenn 
einige  phrasen  der  Angelsachsen  ererbt  sind,  so  muss  es  schon 
einen  gewissen  formelvorrat  im  Westgermanischen  gegeben 
haben.  Beweis  für  das  Vorhandensein  eines  solchen  sind  die 
Übereinstimmungen  zwischen  altsächsischen  und  althochdeut- 
schen dichtungen: 


Wessob.  G.  16  enti  dinan  uuilleon  za 

gauurchanne 
Hildebr.  13  al  irimndeot 

„      54  irao  ti  banin  werdan  | 
„      64  scarpen  scuriui 
Musp.  18      pidiu  is  dürft  mihbil  daz 
ze  pidenchanne 
allero  manno  uuelihhemo 

„    23  heizzan  laue 

„    35  dar  scal  er  vora  rihhe  az 

rahhu  stantan 
„    89  dia  dar  ar  resti  nf  arstent 


Ilel.  1589     te   giuuirkeanne  thinan 
uuilleon 

„     1773  al  irminthiod 

„      644  im  ti  banen  nuerthan  | 

n    5136  scarpon  scuron 

n  4375  For  thiu  scal  allaro  leodo 
gihuilic  gethenkean  for 
them  thinge,  thest  is  tharf 
mikil  manno  gihuilicon 

„    2573  heta  logna 

„    1894  Oft  sculun  gi  thar  for  rikie 
gibundana  standan 

„    2201        upp  astandan  | 

ariaan  fan  theru  restun. 


PARALLELSTELLEN  IN  DER  AGS.  POESIE.  37 

Musp.  102  dio  er  in  menniski  Hei.  5504  hie  it  all  githolodi  thiodo 

duruh    desse    mancunnes  drohtin 

minna  mahtig  thuru  thia  minnia 

manno  cunnies. 

Wie  kamen  die  Germanen  zu  ihrem  phrasenvorrat? 

1.  Eine  anzahl  der  formein  sind  einfach  auf  rechnung  des 
allgemein  epischen  Stiles  zu  setzen.  Phrasen  wie  and  pcet  word 
acwceö,  ageaf  him  andsware,  cefter  pissum  wordum  u.  ä.  haben 
ihre  entsprechungen  in  den  epischen  dichtungen  verschiedener 
Völker.  Es  ist  gar  nicht  auffallend,  wenn  wir  sie  bei  den  ger- 
manischen stammen  widerfinden. 

2.  Bei  den  Germanen  speziell  war  für  die  ausbildung 
stehender  phrasen  die  alliteration  ein  wichtiges  förderungs- 
mittel.  Besonders  in  der  ersten  hälfte  der  alliterierenden  vers- 
zeile,  wo  zwei  gleiche  stäbe  verlangt  werden,  entstehen  leicht 
formelhafte  Wendungen.  Die  entwicklung  derselben  begünstigen 
namentlich: 

a)  Die  Verbindung  von  synonymen  und  die  antithetische 
Zergliederung,  z.  b.  eard  and  etiel,  hord  and  Hamas,  land  and 
leode,  gifre  and  grcedig,  habban  and  healdan,  lebf  and  lab,  earm 
and  tadig,  innan  and  utan. 

b)  Die  wortkomposition:  frece  andgrim  wird  der  alliteration 
wegen  zu  frece  and  fertigrim,  fus  on  weg  zu  fus  on  foröweg. 
Ebenso  entstehen  ausdrücke  wie  hcedre  heofontungol,  sunne  swegh 
torht,  morgen  mceretorht,  eoröe  and  upheofon,  rveroda  rvuldor- 
cyning,  sigora  so&cyning,  heofena  heahfrea,  Ufes  leohtfruma  u.  a. 

c)  Der  gebrauch  von  präpositionalen  Verbindungen  wie 
under  rvolcnum,  under  roderum  u.  dergl.  Die  wähl  des  sub- 
stantivums  hängt  von  dem  vorausgehenden  ersten  stab  ab. 
Daher  die  formein  weras  under  rvolcnum,  hceleb  under  heofenum, 
haiig  under  hrusan,  men  on  moldan,  eorl  on  eorban,  rice  under 
roderum,  hus  under  hrofe,  geseon  under  sruegle,  feol  to  foldan, 
lebrde  under  lyfte,  murnan  on  mode,  hycgan  on  heortan,  forht  on 
ferhfte,  hrinan  mid  handum. 

In  der  zweiten  halbzeile  finden  sich  besonders  häufig: 

a)  Die  sogenannten  flicksätze  mit  swa:  swa  him  god  bebead, 
srva  he  oft  (per)  dyde,  swa  him  gemet  wcere. 

b)  Ausrufe,  wie  pcet  wces  god  cyning,  nces  pcet  herlic  dced  u.  ä. 

Auch  eine  reihe  weitgehender  Übereinstimmungen  sind 
durch  den  einfluss  der  alliteration  zu  erklären.    Durch  die  ein- 


38  KAIL, 

Wirkung  der  letzteren  können  ganze  Situationsschilderungen 
ebenso  phrasenhaft  werden  wie  einfache  reimformeln.  Es  ist 
von  vornherein  zu  erwarten,  dass  darstellungen  gleicher  Hand- 
lungen und  zustände  wenigstens  der  hauptsache  nach  gleiche 
ausdrücke  enthalten.  Letztere  müssen  als  die  dem  sinne  nach 
wichtigsten  Wörter  den  Stabreim  tragen.  Sind  nun  durch  den- 
selben einzelne  teile  des  satzes  in  ein  festes  geftige  gebracht, 
so  wird  sich  die  ganze  konstruktion  nicht  so  leicht  ändern. 
Sie  kann  erstarren  und  formelhaft  werden.  Wenn  dann  einmal 
eine  bequeme  phrase  vorhanden  ist,  so  wird  nicht  jeder  dichter, 
sobald  dieselbe  Situation  widerkehrt,  immer  eine  neue  Schilde- 
rung derselben  beginnen.  Und  selbst  wenn  er  dies  tun  wollte,  so 
würde  ihm  doch  der  Stabreim  bei  dem  gleichen  Stoffe  auch  wider 
gleiche  ausdrücke  zuführen,  die  neue  Schilderung  würde  sich  von 
der  alten  nur  wenig,  oft  vielleicht  gar  nicht  unterscheiden. 

Die  religiösen  formein  können  nicht  mit  vom  festlande 
gekommen  sein,  da  ja  die  Angelsachsen  erst  in  England  mit 
dem  christentume  bekannt  wurden.  Sie  müssen  also  zu  jenen 
phrasen  gehören,  welche  eine  spätere  Übertragung  oder  eine 
selbständige  entwicklung  auf  englischem  boden  sind.  Einige 
Übereinstimmungen  des  ausdruckes  mögen  auf  den  gegen- 
seitigen einfluss  zwischen  Angelsachsen  und  kontinentalen  zu- 
rückzuführen sein.  Ob  man  aber  stets  mit  Sicherheit  feststellen 
kann,  welche  phrasen  die  übertragenen  sind,  scheint  zweifelhaft. 
Man  sagt  allerdings,  jene  stellen  seien  entlehnt,  welche  bei 
ganz  unpassender  gelegenheit  angebracht  werden,  Widersprüche 
zu  früher  gesagtem  enthalten  u.  ä.  Allein  ich  glaube,  dass 
der  gebrauch  der  einzelnen  Wendungen  ein  viel  zu  mecha- 
nischer, formelhafter  war,  als  dass  man  daraus  sichere  Schlüsse 
ziehen  dürfte.  Von  einem  und  demselben  autor  wird  zuweilen 
in  einer  dichtung  derselbe  ausdruck  auf  verschiedene  dinge 
bezogen.  Glöde  stellt  Anglia  IX,  s.  308  dar,  wie  Cynewulf  in 
der  Elene  die  kenning  'sigebeam'  sowol  für  das  kreuz  Christi 
als  auch  flir  die  kreuze  der  Schacher  gebraucht.  Ein  weiteres 
beispiel  für  unpassenden  gebrauch  einer  formel  führt  Sarrazin 
a.  a.  o.  s.  119  an:  Die  phrase  'wlitig  on  wage*  wird  auf  ein  altes 
schwert  angewendet.  Gewiss  nicht  passend.1  Aber  dieser  ge- 
brauch erklärt  sich  leicht  dadurch,  dass  dem  dichter  die  dar- 

1  Vgl.  dagegen  Anglia  XI,  537.  R.  W. 


PARALLELSTELLEN  IN  DER  AGS.  POESIE.  39 

Stellung  eines  blinkenden  Schwertes  viel  geläufiger  ist  als  die 
eines  alten,  ungebrauchten.  Er  überträgt  ohne  weiteres  die 
formel  von  jenem  auf  dieses  und  bildet  sich  nicht  erst  immer 
neue  phrasen. 

Eine  grosse  anzahl  Übereinstimmungen  können  ganz  unab- 
hängig von  einander  entstanden  sein.  Es  gibt  zwar  einige 
parallestellen,  welche  in  der  ganzen  ags.  poesie  nur  einmal  vor- 
kommen, dagegen  in  den  kontinentalen  dichtungen  sich  wider 
finden,  wie  By.  89,  Aep.  3,  B.  237  ff.  Wollte  man  aber  hier 
entlehungen  annehmen,  so  müsste  der  gegenseitige  einfluss  von 
ags.  und  kontinentaler  dichtung  ein  ungemein  grosser  gewesen 
sein.  Der  dichter  des  Hei.  müsste  B.  gekannt  haben,  und  die 
dichter  von  By.  und  Ae)>.  müssten  widerum  nach  dem  muster 
des  Heliand  gearbeitet  haben.  Allein  es  ist  nicht  nötig,  an 
eine  solche,  Jahrhunderte  lang  dauernde  wechselseitige  ein- 
wirkung  zu  denken.  Wenn  die  einzelnen  dialekte  einen  teil 
des  germanischen  formelschatzes  geerbt  haben,  so  konnten  sie 
diesen  später  ganz  selbständig  weiter  ausbilden.  Dabei  können 
in  verschiedenen  dialekten  oft  ähnliche  oder  gleiche  phrasen 
produziert  worden  sein.  Die  Übereinstimmungen  zwischen 
B.  237  ff.  und  Hei.  554  ff.  erklärt  sich  z.  b.  dadurch,  dass  in 
beiden  fällen  ähnliche  Situation  vorliegt  und  diese  bringt  ähn- 
lichen ausdruck  mit  sich.  Herodes  will  gleich  dem  strandwart 
von  fremden  ankömmlingen  erfahren,  woher  sie  kommen  und 
was  der  zweck  ihrer  reise  sei.  Ihre  stattliche  erscheinung 
lässt  ihn,  wie  den  Wächter  in  B.,  vermuten,  dass  sie  nicht  von 
geringer  herkunft  seien. 

Es  ist  ferner  ganz  wol  denkbar,  dass  gleiche  lateinische 
ausdrücke  in  den  verschiedenen  germanischen  dialekten  wider 
gleiche  Wendungen  hervorrufen.  Stellen  wie:  dinan  uuilleon  za 
gauurchanne  (Wessobr.  6. 16)  und:  te  giuuirkeanne  t hinan  wilteon 
(Hei.  1589);  ferner:  daz  er  kotes  uuillun  kerno  tuoe  (Musp.  20) 
und:  pcet  hi  his  willan  wyrcean  georne  (Ps.10220)  können  leicht 
durch  dieselbe  lateinische  formel  entstanden  sein.  Ebenso 
sind  ohne  zweifei  die  zahlreichen  Übereinstimmungen  zwischen 
Muspilli  und  Crist  durch  verwandte  lateinische  Vorbilder  ver- 
anlasst worden. 

Unter  denjenigen  parallelstellen,  welche  im  Ags.  oft,  in 
der  ahd.  und  as.  alliterationspoesie  nur  selten  oder  gar  nicht 
begegnen,  sind  besonders  die  zu  nennen,  welche  sich  auf  see- 


40  KAIL,   PARALLBLSTELL^N  IN  DER  AGS.  POESIE. 

fahrt  beziehen.  Derartige  reimformeln  und  phrasen  treffen  wir 
allenthalben  in  den  ags.  dichtungen,  fast  nie  im  Ahd.  und  As.  — 
Ferner  kommen  ausführliche  Schilderungen  von  kampfscenen 
im  Ags.  sehr  häufig  vor,  während  die  auf  krieg  bezüglichen 
phrasen  der  kontinentalen  dichtungen  meist  bloss  allgemeine 
reimformeln  sind.  Die  darstellung  derartiger  scenen  ist  geradezu 
typisch.  Das  geschrei  der  schlachtraben  wird  immer  in  gleicher 
weise  erwähnt.  Desgleichen  wird  die  schmähliche  flucht  der 
feigen  stets  mit  gleichen  oder  ähnlichen  worten  dargestellt, 
z.  b.  Gen.  1999,  AeJ>.  36,  El.  134,  Wald.  15  u.  ö.  —  Beim  unter- 
gang  von  beiden  werden  oft  dieselben  begleitenden  neben- 
umstände angeführt.  So  finden  sich  viele  züge  aus  B.  in  By. 
wider.  By.  wird  von  seinen  genossen  im  suche  gelassen  wie  B. 
(By.  185,  193  f.,  B.  2598),  nur  wenige  harren  bei  ihm  aus,  dar- 
unter besonders  ein  heldenhafter  Jüngling  (210,  vgl.  B.  2626). 
Es  wird  der  von  dem  herrn  empfangenen  auszeichnung  (By.  196, 
B.  2606)  gedacht,  sowie  der  in  der  halle  gegebenen  versprechen 
(By.  211  ff.,  B.  2631  ff.).  Kurz  vor  seinem  tode  spricht  der  held 
ein  dankgebet  (By.  173  f.,  B.  2794  f.). 

Aus  dem  häufigen  vorkommen  solcher  parallelstellen  ist 
weiter  gar  nichts  zu  schliessen,  als  dass  sie,  dem  gewöhnlichen 
leben  der  Angelsachsen  entnommen,  bei  denselben  allgemein 
beliebt  waren.  Infolge  ihres  fortwährenden  gebrauches  werden 
sie  phrasenhaft  und  dann  ebenso  mitunter  an  unpassender  stelle 
angebracht  wie  die  einfachen  reimformeln.  Sarrazin  führt  a.  a. 
o.  s.  120  die  rede  des  Wiglaf  als  beispiel  an.  Derartige  fälle 
finden  sich  auch  sonst,  dass  personen  durch  erinnerung  an 
ihre  früheren  Versprechungen  zum  ausharren  und  zur  ttichtig- 
keit  angeregt  werden.  Ausser  B.  2663  und  Gü.  144  noch  in 
B.  2632,  Bo.  13,  By.  212. 

Was  die  ausbreitung  des  ags.  phrasenschatzes  betrifft,  so 
haben  alle  dichtungen  an  demselben  anteil,  jedoch  nicht  in 
gleichem  masse.  Im  allgemeinen  weisen  die  heldenhaften  epen 
die  grösste  anzahl  von  parallelstellen  aus,  ihnen  zunächst  steht 
die  geistliche  epik,  schliesslich  die  didaktik.  Im  verhältniss 
zu  ihrer  verszahl  haben  z.  b.  Wand.,  By.  gegen  10%»  AeJ>elst. 
10%,  die  echt  Cynewulfischen  dichtungen,  Exod.,  Dan.,  Sat. 
etwa  4%,  Seel.,  Seh.,  Dom.,  Cr»,  nur  1%  parallelstellen. 

Wien.  J.  Kail. 


QUENTIN  DURWARD. 

I. 
Einleitung. 

1.    Geschichtliche  vorbetrachtung. 

Bald  nach  dem  zerfalle  des  fränkischen  weitreiches  hatte 
sich  im  Südosten  des  heutigen  Frankreich  ein  cisjuranisches 
Burgunderreich  gebildet,  das  auch  nach  seiner  hauptstadt  Arles 
das  arelatische  hiess  und  sich  im  jähre  930  mit  dem  fast  gleich- 
zeitig entstandenen  transuranischen  oder  hochburgundischen 
reiche  zu  einem  königreiche  Arelat  zusammenschloss.  Dasselbe 
war  zwar  Deutschland  lehnspflichtig,  aber  die  äusseren  wie 
inneren  verknüpfenden  bände  waren  so  loser  art,  dass  das 
inzwischen  geschwächte  heilige  römische  reich  deutscher  nation 
den  zerfall  in  einzelne  herrschaften  nicht  hindern  konnte  und 
zusehen  musste,  wie  schliesslich  Frankreich  dieselben  nach  und 
nach  an  sich  riss. 

Neben  dem  Arelat  nun  wurde  das  eigentliche  Burgund, 
das  herzogtum,  im  anfange  des  10.  Jahrhunderts  von  Richard 
von  Autun  gestiftet  Es  erstreckte  sich  damals  von  Ghälons 
sur  Saöne  bis  nach  Ghatillon  sur  Seine  und  kam  bald  durch 
heirat  an  die  Gapetinger,  die  es  bis  1361  beherrschten,  in  wel- 
chem jähre  ihr  geschlecht  erlosch.  Das  land  hätte  nun  durch 
Vererbung  an  Frankreich  fallen  müssen,  allein  könig  Johann 
belehnte  damit  im  jähre  1363  seinen  jüngsten  söhn  Philipp 
den  kühnen  von  Valois.  Dadurch  wurde  das  herzogtum  wider 
selbständig;  aber  Johann's  schritt  war  ein  höchst  bedenklicher, 
denn  sobald  es  zum  bewusstsein  seiner  Selbständigkeit  kam, 
musste  es  bei  den  damaligen  politischen  Verhältnissen  mit 
Frankreich  in  Wettbewerb  treten  um  die  Vorherrschaft  im  west- 
lichen Europa.  Dass  beider  länder  herrscherfamilien  durch 
engste  blutsverwandtschaft  einander  verbunden  waren,  kann 


42  MANN, 

für  jene  zeit  nicht  in  rechnung  kommen,  hat  ja  doch  auch  in 
der  folge  der  menchelmord  zwischen  ihnen  eine  grosse  rolle 
gespielt.  Der  kämpf,  versteckt  oder  offen,  sollte  bald  genng 
beginnen;  denn  während  in  Frankreich  unter  schwachen  oder 
wahnsinnigen  herrschern  die  macht  des  königtums  im  sinken 
begriffen  war,  gelangte  Burgund,  von  kräftiger  band  geleitet, 
in  kurzer  zeit  zu  hoher  blute.  Die  herzöge  Philipp  der  kühne, 
Johann  der  unerschrockene  und  Philipp  der  gute  erweiterten 
durch  kauf,  vertrag  und  Waffengewalt  ihr  gebiet  in  ausser- 
ordentlicher weise,  sodass  es  sich,  die  reichen  niederländischen 
provinzen  und  die  durch  den  vertrag  von  Arras  (1435)  ge- 
wonnenen städte  an  der  Somme  umfassend,  nordwärts  bis  an 
das  deutsche  meer  erstreckte.  Während  nun  in  Frankreich 
der  volkswolstand  durch  die  kriege  mit  England  und  durch 
innere  unruhen  empfindlich  geschädigt  worden  war,  blühten  in 
Burgund,  besonders  aber  in  den  flandrischen  Städten,  handel 
und  gewerbe,  wodurch  die  herzöge  nicht  nur  in  den  stand 
gesetzt  wurden,  ihren  hof  mit  einem  glänze  zu  umgeben,  wie 
ihn  damals  kein  zweites  land  kannte,  sondern  vor  allen  dingen 
sich  ein  wolgeschultes  Söldnerheer  zu  halten,  das  insbesondere 
durch  starkes  geschütz  der  schrecken  seiner  feinde  war.  Zieht 
man  in  betracht,  dass  die  grossen  französischen  kronvasallen 
sich  nur  widerwillig  ihrem  könige  fügten,  so  darf  man  wol 
behaupten,  dass  Burgund  im  15.  Jahrhundert  ein  Übergewicht 
über  Frankreich  erlangt  hatte. 

Der  erste  herrscher,  der  die  seinem  lande  von  Burgund 
drohende  gefahr  nicht  nur  in  ihrem  vollen  umfange  erkannte, 
sondern  ihr  auch  planmässig  entgegenzuwirken  beschloss,  war 
Ludwig  XI. 

Ludwig  XL,  von  dem  sich  deV  wideraufschwung  Frank- 
reichs herschreibt,  war  kein  bedeutender,  geschweige  denn 
genialer  köpf;  aber  er  besass  einen  scharfen  und  nüchternen 
verstand,  der  zielbewusst  nur  das  wirklich  erreichbare  ins  äuge 
fasste.  Er  war  tatkräftig,  zäh  und  ausdauernd  im  handeln,  und 
seine  kaltblütigkeit  verliess  ihn  selbst  in  augenblicken  grösster 
gefahr  nicht.  Von  natur  heimtückisch  und  grausam  war  ihm 
in  der  Verfolgung  seiner  ziele  jedes  mittel  recht,  selbst  der 
meuchelmord  an  seinem  eigenen  bruder.  Bande  der  dankbar- 
keit,  freundschaft  und  Verwandtschaft  trat  er  mit  fliesen;  er 
schwor  die  heiligsten  eide  und  brach  sie  wider,  je  nachdem  es 


X 


QUBNTIN  DURWARD.  43 

sein  eigener  vorteil  rätlich  erscheinen  Hess.  In  fällen  innerer 
Unsicherheit  gab  ihm  ein  tiefeingewurzelter  aberglaube  den 
nötigen  halt 

Sobald  dieser  mann  auf  den  tron  gelangt  war,  begann  er, 
offenem  kämpfe  abhold,  sein  ränkevolles  spiel  gegen  Burgund; 
zunächst,  noch  zurückhaltend,  gegen  Philipp  den  guten,  der 
ihn  gastlich  aufgenommen  und  jahrelang  in  seinem  lande  unter 
königlichen  ehren  beherbergt  hatte,  als  er  als  dauphin  vor  dem 
gerechten  zorne  seines  vaters  flüchtend  in  die  Verbannung  gehen 
musste;  dann  aber,  nach  dessen  tode,  um  so  rücksichtsloser 
gegen  seinen  genossen  aus  den  tagen  der  Verbannung,  gegen 
Karl  den  kühnen,  dem  er  in  geistiger  beziehung  durchaus 
überlegen  war. 

Karl  war  so  ziemlich  in  allem  das  gegenstück  zu  Ludwig. 
Von  natur  gutmütig  und  offen,  aber  leicht  aufbrausend,  steigerte 
sich  ihm  der  zorn  schnell  zur  wut,  ja  raserei;  er  war  tapfer  bis 
zur  tollkühnheit,  ehrgeizig  bis  zum  Wahnwitz,  hartnäckig  bis 
zum  Starrsinn;  es  fehlte  ihm  also  an  der  nötigen  einsieht  und 
Selbstbeherrschung,  um  diese  leidenschaften  im  zäum  zu  halten. 
An  glänz  gewöhnt  und  von  den  ehrgeizigsten  planen  für  die 
zukunft  erfüllt,  hasste  er  die  schäbige  art  und  den  nüchternen 
sinn  des  königs,  und  er  hatte  schon  frühzeitig  ihm  misstraut, 
ohne  sich  rechenschaft  geben  zu  können,'  warum. 

Diese  beiden  so  verschiedenartigen  gewalten  stiessen  nun 
feindlich  aufeinander.  Den  hbhepunkt  des  konfliktes  und  zu- 
gleich den  mittelpunkt  der  handlung  in  Walter  Scotts  roman 
Quentin  Durward  bildet  die  Zusammenkunft  beider  herrscher 
in  Peronne  (1468).  Ludwig  hatte  eben  die  herzöge  von  Bre- 
tagne und  von  Berry,  die  verbündeten  Karl's,  bekriegt  und  mit 
ihnen  einen  günstigen  sondervertrag  abgeschlossen,  als  Karl 
mit  einem  starken  heere  gegen  die  Somme  heranzog.  Des 
königs  Unterhändler  konnten  den  kriegerischen  sinn  des  Her- 
zogs nicht  beschwichtigen;  Ludwig  beschloss,  seine  eigene  Über- 
redungskunst zu  versuchen.  Dieser  schritt  wurde  für  Ludwig 
verhängnissvoll,  denn  ein  von  ihm  angezettelter  aufruhr  der 
Lütticher  gegen  Karl  brach  zu  früh,  noch  während  er  des  Her- 
zogs gast  war,  aus,  sodass  ihn  dieser  gefangen  setzte.  Nur 
unter  demütigenden  bedingungen  konnte  der  könig,  nachdem 
er  die  ratgeber  seines  feindes  bestochen  hatte,  seine  freiheit 
erkaufen.    Der  zug  Karl's  gegen  die  Lütticher,  auf  dem  ihn 


44  MANN, 

Ludwig  begleiten  musste,  bezeichnet  den  höhepunkt  der  bnr- 
gundischen  macht  Der  Zusammensturz  folgte  nur  zu  bald, 
und  er  war  wesentlich  Ludwig's  werk. 

2.   Entstehung  des  romanes. 

Ueber  das  allmählige  werden  der  dichtung  sind  wir  hin- 
reichend unterrichtet  durch  Lockhart.1  Für  das  jähr  1822 
gibt  er  an,  dass  Scott  'was  ftnishing  Peveril  of  the  Peak,  and 
projecting  his  inimitdble  portraitures  of  Louis  AI.  and  Charles 
of  Burgundry'  (V,  229).  Das  erste  zeugniss  Scotfs  selbst  über 
seine  beschäftigung  mit  dem  gegenstände  unseres  romanes  findet 
sich  in  einem  briefe,  den  er  von  Abbotsford  aus  am  10.  Nov. 
1822  an  Terry  richtet.    In  demselben  heisst  es: 

*.  .  .  Peveril  will,  I  fear,  smell  of  the  apoplexy.  I  propose  a  good 
rally,  however,  and  hopo  it  will  be  a  powerful  eflfect.  My  idea  is, 
entre  nous,  a  Scolch  archer  in  the  French  King's  guard,  tempore 
Louis  XL,  the  most  picluresque  of  all  times'  (V,  237). 

Obgleich  kurz  darauf  der  besuch  des  königs  mit  einem  zahl- 
reichen gefolge  ihn  von  seinen  literarischen  arbeiten  abhielt, 
vollendete  er  doch  noch  in  demselben  jähre  Peveril  und  kam 
mit  dem  ersten  bände  von  Quentin  Durward  vorwärts.  In 
einem  briefe  an  Terry  vom  9.  Januar  1823  heisst  es  schliess- 
lich (V,  245): 

*.  .  .  /  think  I  have  something  nerv  likely  to  be  actually  dramatical. 
I  will  send  it  yon  presently;  but,  on  your  lifo,  show  it  no  one,  for 
certain  reasons.  The  very  name  is  kept  secret,  and,  stränge  to  teil, 
it  will  be  printed  without  one.' 

Diese  vorsieht  wurde  in  der  tat  beim  drucke  des  Werkes  ge- 
braucht, weil  ein  setzer  Ballantyne's  aushängebogen  von  Peveril 
an  einen  amerikanischen  Verleger  verkauft  hatte.  Scott  stiess 
aber  bei  der  abfassung  von  Quentin  Durward  auf  nicht  unbe- 
deutende Schwierigkeiten,  insbesondere  machte  ihm  die  Schilde- 
rung der  örtlichkeiten  viel  zu  schaffen.  Nach  Lockhart  (V,  253) 
fand  er  eine  wesentliche  Unterstützung  bei  seinem  freunde 
Skene*,  der  gerade  zu  dieser  zeit  von  einer  Vergnügungsreise 
nach  Frankreich  zurückkehrte  und  Scott  sein  tagebuch  und 
seine  Zeichnungen  zur  Verfügung  stellte.    Aus  einem  abschnitte 

1  Memoire  of  the  life  of  Sir  Walter  Scott,  Bart.  VII  vols.  1S37. 

*  Es  ist  das  derselbe  Skene.  dem  wir  die  'Series  of  sketches  of  the 
existing  localities  alluded  to  in  the  Waverlev  Novels'  verdanken  (drawn 
and  etched  by  himself,  with  Descriptions.    Edinburgh  1829,  etc.). 


QUENTIN  DURWARD.  45 

der  aufeeichnungen  Skene's  habe  Scott  sogar  den  stoff  zu  der 
ursprünglichen  einleitung  des  romanes,  einer  kleinen  geschichte, 
die  sich  zu  Hantlien  an  der  Loire  abspielt,  genommen,  was  bei- 
läufig von  dem  herausgeber  der  Centenary  Edition  der  Waverley 
Novels  (Edinburgh  1871,  t.  XVI,  p.  23,  note)  ohne  angäbe  von 
gründen  bestritten  wird.  Nach  Lockhart's  zeugniss  war  Scott 
in  dieser  zeit  ein  häufiger  besucher  der  Advocates'  Library  in 
Edinburgh.  Den  besten  einblick  in  die  sorgen  des  dichters 
gewährt  uns  sein  brief  an  Archibald  Constable  vom  23.  Januar 
1823.    Derselbe  lautet  (V,  254  f.): 

'It  is  a  vile  place  this  vülage  of  Plessis  les  Tours  that  can 
baffle  both  you  and  me.  It  is  a  place  famous  in  history;  and,  more- 
over,  is,  as  your  Gazetteer  assures  us,  a  village  of  1000  inhabitants, 
yet  I  have  not  found  it  in  any  map,  provincial  or  general,  which  I 
have  consultcd.  I  think  something  must  be  found  in  Malte  Brun's 
Geographical  Works.  I  have  also  suggested  to  Mr.  Cadell  that 
Wraxall's  History  of  France,  or  his  Travels,  may  probably  help 
us.  In  (he  mean  time  I  am  getting  on\  and  instead  of  description 
holding  the  place  of  sense,  I  must  try  to  make  such  sense  as  I  can 
find  hold  the  place  of  description. 

/  knorv  Backwood  's  story\  he  was  originally,  I  believe,  a  tailor 
ii  London,  and  became  a  noted  leader  of  Condottieri  in  Italy. 

/  shall  be  obliged  to  Mr.  David  (d.i.  Constable's  ältester  söhn)  to 
get  from  the  Advocates1  Library,  and  send  me,  the  large  copy  of 
Philip  de  Commmcs,  in  4°.  /  returned  it,  inlending  to  bring  mine 
from  Abbotsford,  but  left  it  in  my  hurry ;  and  the  author  is  the  very 
key  to  my  period' 

Zu  der  anspielung  auf  Hackwood's  story  ist  zu  bemerken, 
dass  Constable  geglaubt  hatte,  sie  habe  Scott  angeregt  zur 
Schaffung  der  gestalt  seines  helden  Quentin  Durward.  Hack- 
wood war  armer  leute  kind,  hatte  sich  vom  schneiderlehrling 
zum  soldatenftihrer  erhoben  und  starb  hochgeehrt  1393  in 
Florenz.  Es  ist  jedoch  kaum  glaublich,  dass  unser  dichter  in 
seinem  helden  eine  bestimmte  persönlichkeit  hätte  idealisieren 
wollen;  denn  es  ist  durchaus  nichts  ungewöhnliches,  und  am 
allerwenigsten  in  England,  dass  junge  leute  in  die  fremde 
ziehen,'  dort  ihr  glück  machen  und  sich  eine  glänzende  lebens- 
stellung  erringen.  Wir  erinnern  selbst  an  Dick  Wittington, 
der  es  vom  bettelarmen  Schiffsjungen  bis  zum  Lordmayor  von 
London  gebracht  hatte.1 


1  Seine  geschiente  ist  volksbekannt.    Sie  bildete  1884/5  den  gegen- 
ständ einer  Christmas  pantomime  im  Drury  Lane. 


4*  MANN, 

Utas  Scott  um  das  gelingen  seines  romans  ausserordent- 
fc*  besorgt  war,  erhellt  aus  einem  briefe,  den  er  am  14.  Febr. 
IÄJ4  an  D.  Terry  richtet.  Es  heisst  darin  am  ende  (Lock- 
bart V,  266): 

4I  have  no  idea  my  present  labours  will  be  dramatic  in  Situation: 
ms  to  character,  that  of  Louis  XI.,  the  sagacious,  perfidious,  super - 
stitious,  jocular,  and  politic  tyrant,  would  be,  for  a  historical  chronicle, 
oontaining  his  life  and  death,  one  of  the  most  powerful  ever  brought 
on  tbe  stage.' 

Am  19.  oder  20.  Juni  1823  wurde  Qu  entin  Durward  ausge- 
geben und  erregte  bald  in  England  und  allerwärts  grosses 
aufsehen  und  bewundernng.  Scott  hatte  also  mit  der  wähl 
des  Stoffes  einen  glücklichen  griff  getan,  und  wenn  der  erfolg 
eines  werkes  einen  sicheren  rückschluss  gestattet  auf  seinen 
künstlerischen  wert,  so  hatte  er  auch  in  Quentin  Durward  ein 
unsterbliches  meisterwerk  geschaffen. 


3.   Quellennachweis. 

Da  die  historischen  romane  ihren  stoff  aus  der  geschichte 
entlehnen,  ja  sogar  ansprach  erheben  auf  historische  treue,  so 
wird  man  es  nur  erklärlich  finden,  dass  die  Verfasser  selbst 
auf  ihre  quellen  verweisen  oder  gar  ihre  dichtungen  mit  einem 
umfangreichen  historischen  und  antiquarischen  apparate  ver- 
sehen, wie  es  in  unseren  tagen  z.  b.  Scheffel  und  Ebers  getan 
haben.  Aehnlich  verhält  sich  schon  Scott.  Wir  müssen  aber 
wol  unterscheiden  zwischen  Scott  dem  dichter  und  Scott  dem 
historiker. 

Scott  der  dichter  schreibt  zu  einer  zeit,  als  er  sich  noch 
nicht  offen  zur  Verfasserschaft  der  'Waverley  Novels'  bekannt 
hatte,  für  Quentin  Durward  eine  einleitung,  in  welcher  er  uns 
darüber  aufschluss  gibt,  wie  er  zu  seinem  Stoffe  gekommen  sei. 
Diese  einleitung  ist  selbst  wider  eine  kleine  erzählung  für  sich 
und  sie  wäre  sehr  angenehm  zu  lesen,  wenn  Scott  nicht  immer, 
um  den  schein  eines  tiefen  und  allseitigen  wissens  zu  erwecken, 
zu  fernerliegendem  abschweifte,  das  ihm  gerade  geläufig  ist, 
wenn  er  sich  massigen  könnte  in  der  sucht,  citate  und  fremd- 
wörter  anzubringen,  und  wenn  er  schliesslich  nicht  immer  sein 
liebes  ich,  den  *  Chevalier  Scott',  in  den  Vordergrund  zu  stellen 
wüsste.  Er  berichtet  uns  nun,  wie  er  —  es  mag  ungefähr  das 
jähr  1820  sein  —  zur  erholung  im  'garten  Frankreichs',  in 


QÜENTIN  DURWARD.  47 

einem  dorfe  an  den  ufern  der  Loire,  einen  sommeraufenthalt 
genommen  hat,  also  gerade  in  der  gegend,  in  welcher  die 
anfange  seines  romanes  spielen.  Hier,  auf  diesem  herrlichen 
flecken  erde,  ergreift  ihn  eine  tiefe  Sehnsucht,  aber  nicht  nach 
den  bergen  und  seen  seines  heimatlandes,  sondern  nach  einem 
'genuine  steak'  und  einem  'double  straick  of  John  Barleycorn' 
In  dem  kaffeehause  des  dorfes  sucht  er  die  bekanntschaft  des 
marquis  de  Hautlieu,  eines  alten  treuen  anhängers  des  unglück- 
lichen Ludwig,  der  in  den  stürmen  der  revolution  weib  und 
kind  und  vermögen  verloren  hat  und  nun  einsam  auf  seinem 
halbzerstörten  schlösse  Hautlieu  haust  und  ein  standesgemässes 
auftreten,  soweit  es  seine  mittel  ermöglichen,  zu  wahren  sucht, 
was  Scott  sehr  ergötzlich  schildert.  Anfangs  verhält  er  sich 
kühl  gegen  den  fremden,  als  er  aber  zufällig  entdeckt,  dass 
derselbe  ein  Schotte  ist,  gestaltet  sich  der  verkehr  weit  wärmer, 
weil  der  marquis  selbst  beziehungen  verwandtschaftlicher  art 
zu  *  Hanguisse '  (Angus)  hat.  Scott  wird  eines  tages  eingeladen, 
mit  dem  cur£  zusammen  auf  dem  schlösse  zu  speisen.  Bei 
tische  kommt  man  auf  die  geschichte  des  Schlosses  zu  sprechen 
und  der  curä  erwähnt  dabei,  dass  sich  noch  in  einem  türme 
der  rest  einer  überaus  reichen  bücherei  befinde,  welche  von 
den  nächsten  vorfahren  des  marquis  unter  anwendung  bedeu- 
tender mittel  zusammengetragen  worden  sei.  1790  sei  sie  bei 
der  Zerstörung  des  Schlosses  durch  die  schwarze  bände  zer- 
streut worden,  aber  er,  der  cur6,  hätte  durch  geld  und  gute 
worte  einen  geringen  aber  wertvollen  teil  für  den  marquis 
noch  retten  können,  welcher  sogar  die  bewunderung  des  grossen 
bibliomanen  Dibdin  erregt  hätte.1  Scott  erhält  zutritt  zu  diesen 
schätzen  und  findet  in  den  familienaufzeichnungen  alte  be- 
ziehungen der  Hautlieu's  zu  Schottland,  zu  Quentin  Durward, 
also,  während  ihm  handschriften  und  alte  drucke  den  weiteren 
stoff  zu  seinem  romane  geben.  Daher  nennt  er  ihn  nach  art 
der  romantiker  eine  wahrhaftige  geschichte  und  gibt  uns  im 
Xu.  kapitel  den  folgenden  genauen  aufschluss  (s.  180  f.): 

'In  this  place,  the  Memoire,  which  we  have  chiefly  foliowed  in 
compiling  this  true  history,  were  unhappily  defective;  for,  founded 
chiefly  on  information  suppUed  by  Quentin,  they  do  not  convey  the 


1  Damit  wird  angespielt  auf  eine  reise  Dibdin's,  deren  ergebnisse  er 
afedezgelegt  hat  in  dem  werke:  Biblioffraphical,  Antiquarian  and  Picturesque 
Tour  m  France  and  Germany.    3  vols.    London  1821. 


48  '     MANN, 

purport  of  the  dialogue  which,  in  bis  absence,  took  place  between 
tbe  King  and  his  secret  counsellor.  Fortunately,  the  Library  of  Haut- 
Heu  contains  a  manu  Script  copy  of  the  Chronique  Scandaleuse  of 
Jean  de  Troyes,  muck  more  füll  than  that  which  has  been  printed; 
to  which  are  added  several  curious  memoranda,  which  we  incline  to 
think  must  have  been  written  down  by  Oliver  bimself  after  the  death 
of  bis  master,  and  before  be  had  the  happiness  to  be  rewarded  with 
the  halter  which  he  had  so  long  merited.  From  this  we  have  been 
able  to  extract  a  very  füll  account  of  the  obscure  favourite's  con- 
versation  with  Louis  upon  the  present  occasion,  which  throws  a  light 
upon  the  policy  of  that  Prince,  which  we  might  otherwise  have  sought 
in  vain  for.' 

Daher  sagt  der  dichter  auch  von  der  gräfin  Haraeline  von  Croye 

(XV,  221^): 

4  the  good  Countess  was  at  least  thirty-five,  if  the  records  of  that 

noble  house  speak  the  truth', 
und  was  er  über  Ludwig's  tun  und  treiben   berichtet  in  der 
ersten  nacht,  da  dieser  als  gefangener  im  schlösse  zu  Peronne 
sass,  will  er  gleichfalls  in  einer  alten  handschrift  gefunden 
haben  (vgl  note  S,  s.  508). 

Ganz  anders  nun  Scott  der  historiker.  Wiegte  uns  die 
einleitung  in  den  schönen  wahn,  dass  jenes  prächtige  land- 
schaftsgemälde  von  den  ufern  der  Loire  und  die  Zeichnung  der 
ehrwürdigen  greisengestalt  des  marquis  de  Hautlieu,  des  letzten 
sprösslings  eines  glanzvollen  geschlechtes,  der  Wirklichkeit  ab- 
gelauscht wäre,  so  zerstört  uns  diesen  wahn  die  trockene  an- 
merkung  zur  nachschrift  der  einleitung  (s.  11): 

'It  is  scarcely  necessary  to  say  that  all  that  follows  is  imaginär}'.' 
Ja  selbst  in  bezug  auf  die  grätin  Hameline,  der  wir  sonst  wenig 
Zuneigung  entgegenbringen  können,  wird  uns  ausdrücklich  ver- 
sichert (XXXVI,  474  anm.): 

'It  is  aluiost  unneccssary  to  add,  that  the " marriage  of  William  de  la 

Marck  with  the  Lady  Hameline,  is  as  apocryphal  as  the  lady  herseif.' 

Es  gibt  also  kein  schloss  Hautlieu,  der  dichter  kennt  den 
schausplatz  der  handlung  seines  romancs  nicht  ans  eigener 
anschauung  und,  was  vor  allem  wichtig  ist,  er  hat  seine  ge- 
schichte  nicht  aufgezeichnet  gefunden  in  den  handschriften  der 
gräflichen  bücherei.  Welches  waren  also  seine  quellen? 
Im  texte  selbst  verweist  Scott  auf: 

Philip  des  Comines,  (2.)  Introduction  to  Qucntin  Durward,  s.  7; 
XXX,  405. 

1  Die  römischen  Ziffern  bezeichnen  die  kapitel,  die  arabischen  die 
Seiten  der  ausgäbe  in  der  Tauchnitz  edition. 


QUENTIN  DURWARD.  49 

Jean  de  Troyes,  Chronique  Scandaleuse,  XII,  180. 
Brantome,  XXVII,  367. 
Janus  Pannonius,  XIII,  194. 

Beiläufig  werden  noch  in  den  einleitungen  erwähnt: 

Borke  (einl.  v.  1831,  s.  4)  und  Bayes  (s.  33), 

ferner  s.  26: 

An  Itinerary  of  Provence  and  the  Rhone,  made  during  the  year 
1819;  by  John  Hughes,  A.  M.,  of  Oriel  College,  Oxford. 

In  den  wenigen  anmerkungen  unter  dem  texte  wird  nur  auf: 

Varillas  (History  of  Louis  XL),  XXVIII,  391 

verwiesen. 

Die  meisten  hindeutungen  und  belege  hat  jedoch  Scott  in 
einem  besonderen  anhange,  Notes  to  Qüentin  Durward,  gegeben. 
Dort  führt  er  an: 

Philip  des  Comines,  note  0,  s.  507;  note  P,  s.  507;  note  Q,  s.  507 
u.  f.;  note  U,  s.  511;  note  X,  s.  512;  note  Y,  s.  514. 

Jean  de  Troyes,  note  E,  s.  503;  note  H,  s.  504;  note  N,  s.  506. 

Brantome,  note  S,  s.  508. 

Olivier  de  la  Marche,  note  N,  s.  506. 

Matthieu  d'Arvas,  note  N,  s.  506. 

Ronsard,  note  U,  s.  511. 

Bayle,  note  T,  s.  510. 

Tacitus,  Annalen,  note  T,  s.  509. 

Pasquier,  note  D,  s.  501. 

Ausserdem  bezieht  er  sich  in  der  note  D  (s.  500)  auf  sein 
eigenes  werk  Guy  Mannering  \  ferner  auf 

Wraxall,  History  of  France,  vol.  I,  s.  143  note,  in  der  note  G, 

s.  503. 
Sleidan  (the  historian),  note  N,  s.  506. 

Fyne  Morrison,  Itinerary,  Edition  1617,  s.165,  in  der  note  M,  s.506. 
Ferne,  Blazen  of  Gentry,  1586,  s.  161,  in  der  note  X,  s.  512. 

Unter  dieser  langen  reihe  von  quellenschriften  nehmen  die 
erste  stelle  Comines'  meraoiren  ein,  denn  dieser  scharfdenkende 
und  gerechte  geschichtsschreiber  stellt  am  ausführlichsten  und 
getreuesten  die  ereignisse  dar,  die  auch  in  Quentin  Durward 
zur  Verknüpfung  der  handlung  dienen.  Scott  kannte  Comines' 
werk,  wie  aus  der  note  N  (s.506)  hervorgeht,  in  der  ausgäbe 
von  Petitot1,  in  dessen  trefflichem  memoirensammelwerke  es 
die  bände  11—13  einnimmt.  Hieraus  erklärt  sich,  dass  manche 
stelle  im  nachtrage,  wie  wir  noch  erweisen  werden,  auf  eine 
anmerkung  Petitors  sich  gründet.     Da  aber  Comines  in  der 


1  Petitot,  Collection  Complete  des  Memoires  Relatifs  a  l'Histoire  de 
France.    1'«  Serie.    Paris  1826. 

Anglia,  XII.  band.  4 


50  MANN, 

ausgäbe  Petitot'g  erst  im  jähre  1826  erschien,  während  Quentin 
Dtirward  1823  entstanden  ist,  so  ergibt  sich  einmal,  dass  Scott 
bei  abfassnng  dieses  romanes  eine  andere  ausgäbe  Comines' 
zu  rate  gezogen  hat,  dann  aber,  dass  die  *  Notes  to  Quentin 
Durward  *  erst  später,  frühestens  aber  1826,  hinzugefügt  worden 
sind.  Welche  andere  ausgäbe  Comines'  der  dichter  ursprüng- 
lich gebraucht  hat,  lässt  sich  mit  völliger  Sicherheit  nicht  fest- 
stellen. Aus  dem  oben  angeführten  briefe  an  Archibald  Con- 
stable  vom  23.  Januar  1823  geht  hervor,  dass  er  aus  der  Ad- 
vocates'  Library  eine  quartoausgabe  benutzt  hat,  also  wahr- 
scheinlich schon  1822,  und  wider  benutzen  will.  Es  kann  dies, 
wenn  sich  auch,  wie  mir  herr  J.  T.  Clark,  der  keeper  der  biblio- 
thek,  mitteilt,  kein  eintrag  im  receipt  book  findet,  keine  andere 
sein  als  die  folgende:  Mämoires  de  Philippe  de  Commines. 
Nouvelle  Edition  par  Messieurs  Godefroy  augmentee  par  M. 
TAbb6  Lenglet  du  Fresnoy.  A  Londres  et  k  Paris  1747.  4  vols. 
Eines  steht  freilich  dieser  annähme  entgegen;  aus  den  worten: 
'/  returned  it  intending  to  bring  mine  from  Abbotsford'  ergibt 
sich,  dass  er  dieselbe  ausgäbe  besass;  aber  in  dem  kataloge 
der  Abbotsfordbibliothek  wird  keine  vierbändige  quartoausgabe 
aufgeführt. 

Von  den  von  Scott  selbst  citierten  quellenschriften  hatte 
er  folgende  in  seiner  eigenen  bibliothek: 

1.  Commines,  in  der  Petitot'schen  Sammlung. 

2.  Commines,  Memoires  sur  les  faicts  et  gestes  de  Loya  XI.  et 
Charles  VIII.    8vo.    Paris  1566. 

3.  Jean  de  Troyes,  Cbronique  Scandaleuse,  in  der  sammlang  von 
Petitot.  Also  muss  er  für  den  roman  selbst  eine  frühere  ausgäbe 
geliehen  haben. 

4.  Brantome,  Oeuvres.    8  t.    8vo.    Paris  1787. 

5.  Fendlon,  Contes  et  Fables.  Bd.  18  der  Collection  chosie  des  Contes 
des  Fees,  et  autres  Contes  Merveilleux,  par  Mayer.  41  t  8vo. 
Amsterdam  1785—6. 

6.  John  Hughes,  Itinerary  of  Provence  and  the  Rhone  in  1819. 
Svo.    London  1822. 

7.  Edmund  ßurke,  Maxims,  Opinions,  and  Characters,  Moral,  Poli- 
tical,  and  Economical.  Selected  from  his  Works.  2«d  edition. 
2  vols.    London  1811. 

8.  Olivier  de  la  Marche,  Memoires.   Bd.  9  u.  10  der  Sammlung  Petitot. 

9.  Pierre  Bayle,  Dictionnaire  Historique  et  Critique.  4m«  Mit  revne 
etc.  par  M.  des  Maizeaux.    4  t.    Fol.    Amsterdam  1 730. 

10.  Sir  N.  W.  Wraxall,   History  of  France   under  the  Kings  of  the 
Race  of  Valois.    3»"d  edition.    2  vols.    8vo.    London  1807. 


QUENTIN  DUR  WARD.  5l 

11.  Sleidane,  Commentaries  etc.  Translated  by  John  Davis.  Fol. 
London  1560. 

12.  Fynes  Moryson,  Itinerary  etc.  Containing  his  Ten  Yeeres  Travell 
through  the  twelve  Dominions  of  Germany,  Bohmerland,  Sweitzer- 
land,  Netherland,  Denmarke,  Poland,  Italy,  Tarkey,  France,  Eng- 
land, Scotland,  and  Ireland.    In  3  parts.    Fol.    London  1617. 

13.  John  Ferne,  Blazon  of  Gentrie.    sm.  4to.    London  1586. 

Die  Schriften  von  Skene  und  Dibdin  sind  schon  genannt 
worden.  Die  werke  von  Varillas,  Pasquier  und  Matthieu  d'Arvas 
sind,  da  sie  Scott's  bibliothek  nicht  aufweist,  wahrscheinlich 
durch  die  Advocates*  Library  geliefert  worden,  während  die 
autoren  Tacitus,  Janus  Pannonius  und  Ronsard  auf  grund  der 
an  den  betreffenden  stellen  benutzten  bücher  angeführt  werden 
wie  ich  gelegentlich  zeigen  will. 

Damit  sind  jedoch  des  dichters  hilfsmittel  noch  nicht  er- 
schöpft. Seine  ungeheuere  belesenheit  gab  ihm  viele  ztige  ein, 
die  er  wahrscheinlich  selbst  nicht  sogleich  auf  eine  bestimmte 
quelle  hätte  zurückführen  können.  Man  bedenke  nur,  wie  reich 
die  gebiete:  Chivalry  and  Romance,  Divination,  Astrology,  Pre- 
dictions,  Magic,  Witchcraft,  Demonology  und  andere  in  seiner 
bibliothek  vertreten  sind!.  Neuere  werke  über  die  geschichte 
Ludwig's  XL,  wie  das  von  Duclos,  hat  er  gewiss  für  Quentin 
Durward  studiert,  und  schliesslich  werde  ich  weiter  unten 
den  beweis  erbringen,  dass  seiner  darstellung  Schriften  zu 
gründe  gelegen  haben,  die  namhaft  zu  machen  er  nicht  für 
nötig  hält. 

Ueber  die  art,  wie  Scott  im  allgemeinen  seine  quellen  be- 
nutzt hat,  gibt  er  uns  selbst  eine  andeutung  in  einer  zweiten 
einleitung,  datiert  Abbotsford,  den  1.  Dezember  1831,  welche 
er  vielleicht  zur  selben  zeit,  als  er  die  Notes  hinzufügte,  dem 
ganzen  werke  voranstellte.    Hier  (s.  9)  sagt  er  uns: 

(Amidst  so  great  an  abundance  of  materials,  it  was  difficult  to 
select  such  as  should  be  most  intelligible  and  interesting  to  the  reader; 
and  the  author  had  to  regret,  that  though  he  made  liberal  use  of  the 
power  of  departing  from  the  reality  of  history,  he  feit  by  no  means 
confident  of  having  brought  his  story  into  a  pleasing,  compact,  and 
sufficiently  intelligible  form.  The  mainspring  of  the  plot  is  that  which 
all  who  know  the  least  of  the  feudal  System  can  easily  understand, 
though  the  facts  are  absolutely  fictitious.' 

Sehen  wir  nun  im  einzelnen  zu,  wie  weit  der  dichter  seinen 
quellen  folgt. 

4* 


52  MANN, 

IL 
Quellen. 

1.   Einleitung  von  1831. 

Die ' Introduction  to  Quentin  Durward'1,  welche  sich  in  der 
Tauchnitz  edition  auf  s.  1 — 10  findet,  stammt  aus  dem  jähre 
1831,  ist  also  erst  einer  späteren  aufläge  zugefügt  worden.  Sie 
scheint  mir  ihren  Ursprung  den  zahlreichen  beurteilungen  zu 
verdanken,  welche  Scott's  roman  gleich  nach  seinem  erscheinen 
erfahren  hat,  und  hat  sicherlich  nur  den  zweck,  das  bild  der 
beiden  hauptpersonen  und  manches  andere,  was  in  der  erzäh- 
lung  nicht  sehr  hervorgetreten  war  oder  sich  ins  anekdoten- 
hafte verzog,  mit  schärferen  strichen  zu  zeichnen.  Man  darf 
nicht  vergessen,  dass  die  beurteilungen  von  seiten  der  kritik 
nicht  alle  sich  in  lob  ergingen,  sondern,  zum  weitaus  kleineren 
teile  allerdings,  in  recht  scharfen  Verurteilungen  durch  hervor- 
ragende männer  bestanden.  Ich  sehe  einen  beweis  für  die 
erste  behauptung  darin,  dass  Scott,  der  anfangs  nicht  wenig 
stolz  auf  seinen  helden  war,  nunmehr  (s.  8)  etwas  kleinlaut  von 
der  'little  love  intrigue  of  Quentin'  spricht  und  dass  er  sich  nicht 
sicher  fühlt  'of  having  brought  his  story  into  a  pleasing,  compact, 
and  sufficiently  int ellig ible  form'.  Und  der  zweck  dieser  ein- 
leitung  ist  Vervollständigung,  denn  Scott  hat  für  sie  ein  reiches 
quellenmaterial  herbeigezogen.    Suchen  wir  dasselbe  auf. 

Keiner  der  alten  Chronisten  kann  Ludwig's  aberglauben 
unerwähnt  lassen.    So  berichtet  Matthieu2  (XI,  618): 

'Iamais  houiuie  ne  fut  plus  plus  bigot  &  superstitieux  quo  luy, 
il  faisoit  des  choses  qui  estoient  bonnes  en  apparence,  mais  a  mau- 
uaise  intention,  &  par  sa  bigotterie  H  pensoit  tromper  Dieu  &  le 
monde.  Les  superstitieux  &  bigots  ne  craignent  pas  de  faire  mal, 
pour  l'opinion  qu'ils  ont  d'auoir  leur  absolution  par  les  actes  de  leur 
bigotterie  &  superstition.' 

Und  vorher  (XI,  617): 

'.  .  .  les  pelerinages  ä  pied  &  ä  cheual,  &  les  deuotions  plus  ardentea 
de  ce  Prince  ont  souuent  couuert  des  desseins  qui  repugnoiöt  i  la 

1  Es  darf  nicht  unerwähnt  bleiben,  dass  sich  in  dem  buche  *  Notice« 
and  Anecdotes  illustrative  of  the  ineidents,  characters,  and  scenery  de- 
scribed  in  the  Novels  and  Romances  of  Sir  Walter  Scott,  Bart.,  with  a 
complete  glossary  for  all  his  works.  Paris  1833'  (ohne  verfasserangabe) 
auf  s.  340 — 347  ein  artikel  *  Quentin  Durward'  befindet,  welcher  in  einigen 
wenigen  stellen  Scott's  quelle  nachweist. 

8  De  Matthieu,  Histoire  de  Lovys  XI.  Paris  1620.  4°.  (Die  ausgäbe 
von  1628  weicht  um  weniges  in  der  paginierung  ab.)  Die  römische  ilffer 
gibt  das  kapitel  an,  die  arabische  die  seite  der  benutzten  ausgäbe. 


QUENTIN  DÜRWARD.  53 

piete"  &  a  la  iustice.  II  y  attrapoit  tousiours  quelqu'vn,  . . . .  on  dit 
qu'il  accommodoit  sa  religion  ä  ses  desseins,  plustost  que  ses  desseins 
ä  sa  religion.' 

Varillas  (X,  61) *  spricht  von  seinem  Marienkultus: 

( La  devotion  particuliere  de  Louis  pour  la  sainte  Vierge,  ne  con- 
sista  pas  seulement  dans  l'Image  qu'il  en  portoit  ä  son  chapeau :  mais 
encore  dans  l'ordonnance  qu'il  fit  qu'ä  l'avenir  on  sonneroit  dans  chaque 
Eglise  une  cloche  a  l'heure  de  midy,  pour  avertir  les  Peuples  de  reciter 
l'Ave  Maria.' 

Derselbe  Schriftsteller  berichtet  uns  (X,  50  f.),  dass  er  wenig  auf 
den  glänz  des  königtums  gab  und  die  diener  seines  Staates  aus 
den  unteren  klassen  des  volkes  entnahm  (vgl.  Q.  D.  s.  5): 

'  Mais  on  ne  scauroit  disconvenir  qu'il  avoit  une  antipathie  naturelle 
&  un  secret  mäpris  pour  les  marques  de  la  Royautä  qui  sont  les  plus 
eclatantes  &  qui  contribuent  da  van  tage  a  conserver,  &  memes  ä  aug- 
menter le  respect  des  Sujets  pour  leurs  Souverains.  Qu'aprez  avoir 
chasse  de  sa  Maison  presque  tous  les  hommes  de  merite  &  de  qua- 
lite,  il  se  servit  de  son  Tailleur  pour  Heraut  d'annes,  de  son  Barbier 
pour  Ambassadeur,  &  de  son  Medecin  pour  Cbancelier.  Et  de  fait 
il  s'abaissa  quelquefois  jusqu'ä  s'entretenir  avec  ses  Marmitons;  &  a 
recevoir  a  sa  table  des  gens,  que  ses  valets  auroient  eu  peine  d'in- 
viter  ä  la  leur.' 

Von  Ludwig's  hang  zur  Sinnlichkeit,  zur  gemeinheit,  und  von 
seiner  geringschätzung  des  schönen  geschlechts  spricht  Bran- 
töme  (VII,  528  f.):2 

(.  .  .  Loüis  XI,  ce  bon  rompu,  duquel  on,  dit  que  la  pluspart  du 
du  temps  il  mangeoit  en  commun,  ä  pleine  sale,  avec  force  gentils- 
hommes  de  ses  plus  privez,  et  autres  et  tout;  et  celuy  qui  luy  faisoit 
le  meilleur  et  plus  laseif  conte  des  dames  de  joye,  il  estoit  le  mieux 
venu  et  festoye;  et  luy-mesme  ne  s'espargnoit  a  en  faire,  car  il 
s'enqueroit  fort,  et  en  vouloit  souvent  seavoir,  et  puis  en  faisoit  part 
auz  autres,  et  publiquement  ...  II  avoit  tres-mauvaise  opinion  des 
femmes.' 

Varillas  (X,  44)  kennt  sogar  die  namen  einer  anzahl  maitressen, 
welche  der  könig  auf  seinen  zttgen  mit  sich  führte,  und  es 
sind  uns  auch  die  kontrakte  über  die  heiraten  dreier  natür- 
licher töchter  erhalten. 

In  dem  aus  aberglauben  und  verkennung  der  religion 
hervorgegangenem  streben,  dieselbe  seinen  wünschen  anzu- 
passen, bildete  sich  Ludwig  eine  Stufenleiter  von  eiden,  sodass 


1  Varillas,  Histoire  de  Louis  Onze.  2  bde.  Paris  1689.  Kap.  5— 11 
bilden  den  2.  band.  Kap.  X  und  XI  haben  besondere  paginierung:  Hist. 
de  Louis  onze  .  ou  les  aneedotes  de  ce  prince. 

8  Oeuvres  completes  du  Seigneur  de  Brantöme.   Paris  1822.    8  bde. 


54  MANN, 

ihm  ein  eid  bei  der  heiligen  Jungfrau  von  Embrun  höher  stand 
als  einer  bei  der  heiligen  Jungfrau  von  Paris.  Nichtsdesto- 
weniger machte  er  sich  nicht  das  geringste  gewissen  daraus, 
dieselben  in  schamlosester  weise  zu  brechen.  Auf  das  kreuz 
Sainct-Lou  d'Angers  schwur  er  freilich  nicht  ohne  not,  ein 
solcher  schwur  stand  ihm  am  höchsten.  Als  er  einst  den  durch 
seine  treulosigkeit  berüchtigten  connetable  von  Saint-Paul  auf- 
forderte, zu  ihm  zu  kommen,  antwortete  ihm  dieser,  er  würde 
der  aufforderung  folgen,  wenn  Ludwig  ihm  seine  persönliche 
Sicherheit  bei  jenem  kreuze  gewährleiste: 

'et  a  cela  luy  respondit  le  Roy  que  jamais  ne  feroit  ce  serment  & 
homuie;  mais  que  tout  autre  serment  que  ledit  connestable  luy  vou- 
droit  demander,  qu'il  estoit  content  de  le  faire'  (Comines  IV,  VI; 
P.  XII,  129;  vgl.  Q.  D.  s.  5).1 

Nicht  die  Vergebung  seiner  Sünden  lag  ihm  am  herzen,  sondern 
die  Verlängerung  seines  lebens: 

4 II  estoit  neantmoings  aumosnier,  &  faisoit  de  grands  biens  aux 
Eglises,  non  pas  tant  seulement  au  Royaume,  mais  en  plusieurs  autres 
cartiers,  oü  il  mettoit  sa  deuotion  &  fantasie.  Mais  ce  n'estoit  que 
pour  cuider  prolonger  sa  vie.  Ce  quo  Ton  apperceuoit  assez,  par  ce 
qu'il  ne  demandoit  iamais  aux  gens  d'Eglise,  ausqnels  il  faisoit  ces 
dons,  qu'ils  priassent  pour  la  remission  de  ses  pechez:  mais  tant  seule- 
ment pour  sa  prosperite,  sante,  &  longue  vie.  Tellement  que  faisant 
vne  fois  reciter  par  vn  Prestre  l'Oraison  que  Ton  faisoit  en  l'EgUse 
ä  Sainct  Eutrope,  auquel  il  s'estoit  vott6  &  recommande,  Et  voyant 
qu'elle  contenoit  &  requeroit  pour  auoir  sante  de  Tarne,  &  du  corps, 
commanda  que  Ton  ostast  ce  mot  Farne,  dlsant  que  cf estoit  assez, 
que  le  dict  Sainct  luy  feist  auoir  sante  du  corps,  sans  Timportuner 
de  tant  de  choses'  (Soyssel2  i)\  f.;  vgl.  Q.  D.  s.  6  f.). 

Das  misstrauen,  mit  welchem  Ludwig  jedermann  begeg- 
nete, steigerte  sich  in  seinen  letzten  stunden  bis  zu  völliger 
menschenscheu: 

'Quelques  cinq  ou  six  mois  devant  cette  mort,  il  avoit  suspicion 
de  tous  ho  mm  es,  et  spccialeincnt  de  tous  eeux  qui  estoient  dignes 
d'avoir  authorite.  II  avoit  crainte  de  son  fils:l,  et  le  faisoit  estruitc- 
inent  garder;  ne  nul  hoinme  ne  le  voyoit,  ue  parloit  a  luy,  sinon  par 
son  counuandeiuent.  11  avoit  doute  ä  la  fin  de  sa  rille  et  de  son 
gendre,  ;i  present  duc  de  Bourbon,  et  vouloit  sc,avoir  quelles  gens 
entroyent  aux  Plessis  quand  et  eux;  et  ä  la  tin  rompit  un  conseil 

1  .Jedes  citat  aus  Comines  gebe  ich  nach  der  cinteilung  des  Werkes 
und  zugleich  nach  Petitot. 

*  Claude  de  Seyssel?  Histoiro  de  Lovys  XII.    Paris  1015.    4°. 

3  Es  sind  uns  briete  des  königs  au  Pressuiro  erhalten,  in  welchen 
er  diesem  ausdrücklich  aufträgt,  den  dauphiu  zu  überwachen  (vgl.  z.  b. 
Brantome  11,  37). 


QÜENTIN  DÜRWARD.  55 

que  le  duc  de  Bourbon  son  gendre  tenoit  leans  par  son  Commande- 
rn ent'  (Comines  VI,  XII;  P.  XII,  400). 

'Oncqnes  homme  ne  craignit  plus  la  mort,'  et  ne  fit  tant  de 
choses  pour  y  cuider  mettre  remede,  comme  luy'  (P.  XII,  398). 

'Tousjours  avoit  esperance  en  ce  bon  hermite  qui  estoit  au 
Plessis,  dont  j'ay  parte,  quHl  avoit  fait  venir  de  Calabrej  et  inces- 
samment  envoyoit  devers  luy,  disant  que  s'il  vouloit  il  luy  allonge- 
roit  bien  sa  vie'  (P.  XII,  396  f.;  vgl.  Q.  D.  6  f.). 

So  gross  waren  die  quälen,  welche  Ludwig  auf  seinem  toten- 
bette  erduldete,  dass  Comines  sie  in  einem  besonderen  kapitel 
mit  den  leiden  vergleicht,  welche  der  tyrann  anderen  ver- 
ursacht hatte: 

*  Comparaison  des  maux  et  douleurs  que  souffrit  le  roy  Louys,  a 
ceux  qu'il  avoit  fait  souffrir  a  plusieurs  personnes;  avec  continuation 
de  ce  qu'il  fit  et  fut  fait  envers  luy  jusques  ä  sa  mort'  (VI,  XII;  P. 
XII,  396  ff.). 

Auch  F6n61on  gibt  uns  im  Pygmalion  ein  bild  dieses  tyrannen.1 
Doch  fehlen  in  seinem  Charakter  nicht  auch  die  lichtseiten. 

'II  estoit  pourtant  au  surplus  mult  saige  &  clair  voyant  en  ses 
affaires,  &  soubdain  ä  executer  ses  entreprinses ,  hardy  de  sa  per- 
sonne, &  plus  ais6  a  deceuoir  autruy,  que  a  se  laisser  tromper.  Car 
il  auoit  vn  entendement  aigu,  &  cauteleux„&  vn  parier  artificieux  & 
captieux,  prompt  ä  gaudisserie,  &  cauillation '  (Seyssel  93). 

'Et  par  effect,  il  teint  de  son  temps  par  son  sens,  &  par  sa 
puissance,  son  Royaume  en  grande  obeYssance,  seuretß,  &  reputation. 
Et  ses  subiects,  et  aussi  ses  voisins,  en  grand  craincte,  &  soupcon' 
(Seyssel  94). 

Man  möchte  beinahe  sagen,  dass  so  und  nicht  anders  der 
Charakter  desjenigen  beschaffen  sein  musste,  der  das  staats- 
schiff  Frankreichs  sicher  durch  stürm  und  wetter  leiten  sollte. 
Die  zeiten  waren  unruhevoll,  mächtige  feinde  der  königsgewalt 
erhoben  sich  im  innern,  mächtige  gegner  lauerten  an  den 
grenzen,  um  bei  jeder  günstigen  gelegenheit  mit  den  grossen 
des  landes  gemeinsame  sache  zu  machen  gegen  die  wachsende 
königsmacht.  Wahrlich,  es  bedurfte  eines  willensstarken  und 
rücksichtslosen  herrschers,  wenn  Frankreich  als  grossmacht 
gerettet  werden  sollte,  einer  scharfen  faust,  und  Ludwig  XI. 
war  eine  'tight-ftsted  hand  at  the  grmdstone'. 

2.   Ereignisse  in  Plessis-les-Tours. 

Das  erste  kapitel,  welches  in  trefflicher  Charakteristik  die 
beiden  hauptcharaktere  Ludwig  und  Karl  von  Burgund  gegen- 

1  Fänelon,  Les  Avantures  de  Telemaque.  Paris  1753,  1.  III,  p.  47 — 49. 


56  MANN, 

überstellt,  beginnt  mit  einer  einleitenden  betrachttmg  über  die 
politischen  Zeitverhältnisse,  über  den  kämpf  der  grossen  gegen 
das  königtum,  wie  sie  Scott  auf  grund  einer  allgemeinen  Welt- 
geschichte oder  einer  speziellen  geschiente  Ludwig's  geben 
konnte.1  Auch  durch  Seyssel  scheint  er  hierin  beeinfiusst  zu 
sein,  wenigstens  ist  beiden  ein  und  dieselbe  wendnng  gemein: 

Scott:  'He  (Louis) . . .  showed  so  much  dexterity  in  sowing  jea- 
lousies  among  those  great  powere,  that  their  alliance  "for  the  public 
weal",  as  they  termed  it,  but  in  reality,  for  the  overthrow  of  all  but 
the  external  appearance  of  the  French  monarchy  .  .  .'  (s.  40). 

Seyssel:  '. . .  les  Princes  &  grands  Seigneurs  du  Royaume.  . .  . 
se  meirent  en  armes  contre  luy;  soubs  ombre  toutesfois  du  bien  pu- 
blicque,  mais  a  la  verit6  pour  luy  faire  perdre  le  Royaume,  ensemble 
la  vie'  (8.  61). 

Von  den  hauptztigen  seines  wesens  schildert  Scott  (s.  38)  zu- 
nächst seinen  aberglauben,  sicherlich  wider  in  anlehnung  an 
Seyssel  (s.  93): 

'Et  veritablement  sa  deuotion  sembloit  plus  superstitieuse,  que 
religieuse.  Car  a  quelque  i inaige,  ou  Egliso  de  Dieu,  &  des  Saincto, 
&  lnesmement  de  nostre  Dame,  qu'il  entendist  que  le  peuple  eust 
deuotion,  &  oü  se  feist  quelques  miracles,  il  y  alloit  faire  ses  offrandes, 
ou  y  envoyoit  hörne  expres.  II  auoit  au  surplus  son  chappeau,  tout 
plein  d'imaiges,  la  plus  part  de  plöb,  ou  d'estain.  Lesquelles  a 
tous  propos,  quand  il  luy  venoit  quelques  nouuelles  bonnes,  ou  mau- 
uaises,  ou  que  sa  fantaisie  luy  prenoit,  il  baisoit,  se  ruant  a  genoüils 
quelque  part  qu'il  se  trouuast,  si  soubdainement,  quelques  foia,  qu'il 
sembloit  plus  blesse  d'entendement,  que  saige  homme.  Et  s'il  scauoit 
quelque  homme  que  Ton  estimast  de  sainete  vie,  il  taschoit  l'auoir 
en  quelque  pays  qu'il  fenst,  &  quoy  qu'il  luy  coustast,  Ainsi  qu'il 
feit  de  frere  Francisque  de  Paule,  qui  depuis  fonda  l'ordre  des  Mini- 
mes.  Lequei  ä  grando  diffieult^,  il  feit  amener  de  Calabre,  esperant 
par  ses  prieres,  &  merites,  obtenir  sante,  &  gucrison.' 

Man  hat  sich  nun  die  benutznng  der  quellenschriften  von 
Seiten  Scott's  so  zu  denken,  dass  er  aas  den  vielen  büchern, 
die  er,  um  material  Air  seinen  roman  zu  sammeln,  studierte, 
die  hauptstellen  sich  anmerkte,  während  er  die  vielen  einzelnen 
charakterzüge  Ludwig's,  die  er  hier  und  dort  verstreut  fand, 
sich  herausschrieb,  um  sie  dann  zu  einem  zusammenhängenden 
bilde  zu  verarbeiten.  Wenigstens  so  erklärt  sich  das  Charakter- 
bild, welches  er  s.  36  ff.  von  Ludwig  entwirft,  und  dessen  einzel- 

1  Vgl.  Duclos,  Histoire  de  Louis  XI.  :t  bände.  Amsterdam  1746. 
Vgl.  z.  b.  fllr  s.  30  Dudos  1,  K 


QÜENTIN  PURWARD.  57 

heiten  zum  teile  wörtlich  mit  den  folgenden  stellen  tiberein- 
stimmen: 

'.  .  .  il  estimoit  la  dissimulation  la  premiere  des  Royales  vertus* 
(Matthieu  VI,  291;  vgl.  Q.  D.  s.  37). 

'Et  considerant  que  les  secret  estoit  Tarne  &  l'esprit  de  toutes 
sortes  de  desseins,  il  disoit  quelquefois,  *'  Ie  bruslerois  mon  chappeau 
s'il  scauoit  ce  qui  est  en  ma  teste'  (Matthieu  XI,  726;  Q.  D.  s.  37). 

Von  seiner  rachsucht  und  grausamkeit  (Q.  D.  s.  37)  spricht 

Matthieu  widerholt.    Er  nennt  ihn  einen  'Prince  plein  de  ven- 

geance  fy  de  desdain'  und  fügt  hinzu  (VI,  290):  'contre  le  naturel 

de  Cesar  il  n'oublioit  iamais  les  injures'.    Später  (XI,  663)  heisst 

es  von  ihm: 

'Les  offences  n'enuieillissent  pas  en  sa  memoire,  &  les  coups 
sourds  que  sa  conscience  luy  donnoit  au  reproche  de  tant  de  gens 
qui  auoient  est£  battus  &  abbattus  du  foudre  de  sa  Iustice,  ne  le 
redoient  pas  plus  facile  au  pardon.' 

In  solcher  gesinnung  hat  er  z.  b.  drei  grosse  Würdenträger  des 
Parlaments  von  Grenoble,  welche  sich  zur  zeit  seiner  erhebung 
gegen  den  eigenen  vater  für  den  vater  erklärt  hatten,  nie  aus 
den  äugen  verloren,  und  als  er  den  tron  bestiegen  hatte,  liess 
er  die  pflichtgetreuen  der  'felonnie,  ingratitude  fy  leze  Majeste* 
überführen,  beraubte  sie  aller  rechte  und  besitztümer  und  ver- 
bannte sie  noch  obendrein: 

'.  .  .  son  naturel  estoit  plus  prompt  ä  la  vengeance  de  l'offence 
qu'ä  la  recognoissance  du  bien-faict,  &  plus  facile  ä  hayr  qu'ä  aymer' 
(Matthieu  XI,  664). 

Sein  Strafverfahren  war  eigenmächtig,  kurz  und  bündig,  nicht 
die  gerechtigkeit  leitete  ihn,  sondern  sein  eigener  vorteil: 

'II  auoit  est6  nourry  en  vn  siecle  de  tant  de  licence,  quo  comme 
il  auoit  este  contraint  de  voir  &  de  souffrir  plusieurs  iniustices,  il 
ne  se  soucia  que  de  faire  la  iustice  soy-mesme  selon  les  loix  de  sa 
volonte,  estimant  que  son  denoir  estoit  dans  les  limites  de  son  plaisir, 
&  la  raison  en  celles  de  sa  volonte7  (Matthieu  XI,  666). 

An  anderer  stelle  (XI,  678)  fügt  Matthieu  ergänzend  hinzu: 

'.  .  .  en  plusieurs  procedures  il  vouloit  que  la  iustice  se  fit  ä  son 
gre,  &  ne  s'en  fioit  pas  a  ceux  qui  en  auoient  la  charge.  On  monstre 
encore  au  Plessis  lez  Tours,  l'endroit  oü  il  se  tenoit  pour  voir  sans 
estre  veu  son  Preuost  quand  il  examinoit  les  prisonniers.' 

Von  seinem  hang  zu  sinnlichen  ausschweifungen  weiss 
die  geschichte  genug  zu  melden.  Matthieu  (XI,  736)  berichtet, 
dass  er  zwei  natürliche  töchter  hatte,  welche  er  offiziell  als 
solche  anerkannte  und  an  hohe  herren  verheiratete.  Man  weiss 
ferner,  und  es  findet  sich  urkundlich  aufgezeichnet,  dass  er 


58  MANN, 

einst  eine  summe  von  etwas  mehr  als  300  Uvres  von  einem 
Beiner  diener  entlieh,  am  sie  auf  seine  weise  zu  verwenden, 
'pour  femployer  a  ses  plaisirs  et  a  ses  voluptez'.  Solche  and 
ähnliche  züge,  die  alle  dazu  angetan  sind,  sein  lockeres  Privat- 
leben blosszulegen ,  Hessen  sich  aus  den  Chronisten  in  grosser 
zahl  beibringen.  Zur  zeit,  als  er  sich  in  Flandern  aufhielt, 
mag  er  sich  besonders  stark  der  Völlerei  hingegeben  haben. 
ComineB  berichtet  hierüber  gelegentlich: 

'Les   despenses   et   liabilleraeas   d'homniea   et  de  fernmes  grands 

et  auperflua.    Les  convits  et  b&nqueta  plus  grands  et  plus  prodlgaea 

qu'en   nul  autie  Heu  doot  j'ay  eu  coguoissance :    Ics  baignoirea  et 

autres  festoyemena  avec  femmes  granda  et  desordonnea  et  a  peu 

de  honte'. 

Matthieu  (XI,  738)  kennt  an  ihm  'des  voluptez  peu  communes  <y 

connues  aux  Ryis  de  France  ses  predecesseurs'.     Hand  in  hand 

damit  geht  seine  Vorliebe  für  schlüpfrigen  witz,  und  wenn  ihn 

auch  Scott  mit  unrecht  als  den  geistigen  urheber  der  anekdoten- 

sammlung   der  Cent  Nouvelles  Nouvelles   ansieht1,   so   wissen 

doch  seine  Zeitgenossen  auch  von  dieser  richtung  seines  geistea 

genug  zu  erzählen. 

Ebenso  eifrig  wie  den  damen  war  er  auch  der  jagd  er- 
geben: 'de  ses  exercices  la  chasse  fut  le  plus  ardant'  (Matthieu 
XI,  743).  Ausserdem  aber  verkehrte  er  gern  mit  dem  volke: 

'Le  Roy  ae  famlliariaant  fort  auec  les  gea  [de  ceste  sorte],  lea  faiaolt 
manger  ä  sa  table  pour  cauaer  plus  libreuieut'  (Matthieu  XL  742). 
Daher  kam  es  auch,  dass  er  sich  aus  dem  volke  beamte  und 
vertraute  ratgeber  wählte: 

M  soußroit  an  labinut  pluaieurs  petita  cowpagiiös  qui  ne  ae  pou- 
uoieut  aouvenir  de  la  condition  de  leurs  ayeulx  sans  rougir  ou  sans 
lea  dcsadiioller'  (Matt  bleu  XI,  744). 

l.'eber  Karl  den  kühnen  gibt  uns  Comines,  der  ja  lange 
im  vertrauten  umgange  mit  ihm  lebte,  gelegentlieh  in  seinem 
werke  anziehende  Schilderungen: 

'Dem  chosea  (plus)  je  dtray  de  luy:  l'une  est  quo  Jamals  nul 
bouiiuu  peust  porter  plus  de  travail  que  luy  en  tous  endroits  oü  fl 
taut  exerciter  la  personne:  l'autre,  qit'ä  mon  advia  je  ne  conna 
oneques  huiunic  plus  bardy.  Je  ne  luy  ouy  oneques  dire  qu'U  fust 
las,  ny  ne  luy  vey  janiais  faire  aemblant  d'avoir  pour,  et  si  ay  estö 

1  Scott  ritiert  selbst  auf  grund  von  De  Bure,  'Bibliographie  Instrao- 
tive,  ou  Trtitii  de  la  connoiasance  des  Livres  rares  et  singullere'  eine  von 
Antoine  Yerard  in  Paria  gedruckte  ausgäbe.  In  seiner  eigenen  blbllothek 
hatte  er  eine  vielbändige  in  Köln  lTStt  verilffentlicbte  widergabe. 


QÜENTIN  DURWARD.  59 

7  annees  de  rang  en  la  guerre  avec  luy,  Feste1  pour  le  moins,  et  en 
aucunes  l'hyver  et  l'est6.  Ses  pens6es  et  conclusions  estoient  grandes ; 
mais  nul  homme  ne  les  scavoit  mettre  a  fin,  si  Dieu  n'y  eust  adjoutä 
de  sa  puissance'  (C.  I,  IV;  P.  XI,  373). 

*.  .  .  il  taschoit  ä  tant  de  choses  grandes,  qu'il  n'avoit  point  le 
temps  a  vivre  pour  les  mettre  a  fin;  et  estoient  choses  quasi  impos- 
sibles,  car  la  moittä  d'Europe  ne  l'eust  sceu  contenter.  II  avoit  assez 
hardement  pour  entreprendre  toutes  choses,  sa- personne  pouvoit 
'assez  porter  le  travail  qui  luy  estoit  necessaire.  U  estoit  assez  puis- 
sant  de  gens  et  d'argent;  mais  il  n'avoit  point  assez  de  sens  ne  de 
malice  pour  conduire  ses  entreprises:  car  avec  les  autres  choses  pro- 
pices  a  faire  conquestes,  si  le  tr&s-grand  sens  n'y  est,  tont  le  de- 
meurant  n'est  rien ;  et  croyez  qu'il  faut  que  cela  vienne  de  Dieu.  Qui 
eust  pü  prendre  partie  des  conditions  du  Roy  nostre  maistre  et  partie 
des  siennes,  en  eust  bien  fait  un  prince  parfait;  car  sans  nulle  doute 
le  Roy  en  sens  le  passoit  de  trop:  et  la  fin  l'a  monsträ  par  ses  oeuvres' 
(C.  HI,  III;  P.  xn,  21  f.). 

'.  .  .  ä  la  verite,  il  avoit  de  bonnes  et  de  vertueuses  parties  en 
luy.  Nul  prince  ne  le  passa  jaraais  de  desirer  nourrir  grandes  gens, 
et  les  tenir  bien  reglez.  Ses  bienfaits  n'estoient  point  fort  grands 
pour  ce  qu'il  vouloit  que  chacun  s'en  ressentit:  jamais  nul  plus  libe- 
rale ment  ne  donna  audience  a  ses  serviteurs  et  sujets.  Pour  le  temps 
que  je  Tay  connu,  il  n'estoit  point  cruel;  mais  le  devint  peu  avant 
sa  inort  qui  estoit  mauvais  signe  de  longue  dure*e.  II  estoit  fort  pom- 
peux  en  habillemens,  et  en  toutes  autres  choses^  un  peu  trop.  II 
portoit  fort  grand  honneur  aux  ambassadeurs  et  gens  estrangers,  ils 
estoient  fort  bien  festoyez  et  recueillis  chez  luy.  11  desiroit  grande 
gloire,  qui  estoit  ce  qui  plus  le  mettoit  en  ses  guerres  que  nulle  autre 
chose;  et  eut  bien  voulu  ressembler  ä  ces  anciens  princes  dont  il  a 
est6  tant  parle  apres  leur  mort;  et  estoit  autant  hardy  qu'homme  qui 
ait  regne  de  son  temps'  (C.  V,  IX;  P.  XII,  238). 

'Toutesfois  je  n'ay  connu  nulle  seigneurie  ne  pays,  tant  pour 
tant,  ny  de  beaucoup  plus  grande  estenduc  encores,  qui  fast  si  aoon- 
dant  en  richesses,  en  meubles  et  en  edifices,  et  aussi  en  toutes  pro- 
digalitez,  despenses,  festoyemens,  cheres,  comme  je  les  ay  veus,  pour 
le  temps  que  j'y  estois'  (P.  XII,  240). 

4  La  gloire  luy  monta  au  coeur,  et  l'esmeut  de  conquerir  tout  ce 
qui  luy  estoit  bien  seant.  Tous  les  estez  tenoit  les  champs,  en  grand 
peril  de  sa  personne,  et  prenoit  tout  le  soin  et  la  eure  de  l'ost,  et 
n'en  avoit  pas  encore  assez  a  son  gre.  II  se  levoit  le  lier  et  so 
couchoit  le  demier,  tout  vestu,  comme  le  plus  pauvre  de  son  ost' 
(C.  VI,  XIII;  P.  XII,  412). 

So  erscheint  Karl  im  urteile  seines  einstigen  ratgebers.  Dass 
dieses  urteil  nicht  ungerecht  ist,  ergibt  sich  aus  den  auf- 
Zeichnungen  Olivier's  de  la  Marche,  der  dem  hofstaate  Karl's 
angehörte  und  seinem  herrn  bis  zum  tode  treu  diente.  Er 
schreibt: 


60  MANN, 

(Ce  duc  Charles  se  trouva  du  vivant  de  son  pfre  et  märe,  bomme 
faict,  sage,  et  de  grand  entendement,  puissant  de  corps  et  d'amis, 
aime  et  quis  de  ses  sujets.  II  estoit  puissant  jousteur,  puissant  archer, 
et.  puissant  joueur  de  barres.  II  estoit  pompeux  d'habillements  et 
curieux  d'estre  accompaigne,  et  tenoit  grand  estat  et  grande  noblesse 
en  sa  maison.  II  aimoit  la  chasse  sur  toutes  choses,  et  volontiere 
combatoit  le  sanglier  et  en  tua  plusieurs.  II  aimoit  le  vol  du  heron. 
II  aimoit  la  musique,  combien  qu'il  eust  mauvais  voix:  mais  toutes- 
fois  il  avoit  Part  et  fit  le  chant  de  plusieurs  chansons,  bien  faites  et 
bien  notäes.' 

41  estoit  large  et  donnoit  volontiere,  et  vouloit  scavoir  oü  et  a 
qui.  Tout  jeune,  il  vouloit  cognoistre  ses  affaires.  II  servoit  Dieu 
et  fut  grand  aumonier.  II  aimoit  la  guerre  et  n'cust  point  voulu  ne 
souffert  estre  foulß  de  ses  voisins.  .  .  .  Vices  apparens  de  luy  ne 
viendrent  oncques  a  ma  cognoissance:  et  si  faute  y  a  qu'il  fale  que 
je  cognoisse,  ce  fut  de  trop  valoir  et  de  trop  entreprendre.  A  qnoy 
vous,  monsieur,  devez  avoir  exemple  et  regard :  car  en  toutes  choses 
ou  trop  y  a,  il  passe  la  raison :  et  oü  raison  n'est,  commundment  per- 
dition  est  preste'  (Olivier  de  la  Marche,  chap.  V;  Petitot  IX,  179). 

Das  zweite  kapitel  führt  den  jungen  Schotten  Quentin  Dar- 
ward ein,  den  letzten  spross  eines  edlen  geschlechtes,  der  stolz 
auf  fünfzehn  ahnen  zurückblickt  und  in  der  fremde  kriegs- 
dienst  sucht.  Auf  seinem  wege  nach  Plessis-les-Tours,  dem 
festen  schlösse  des  königs,  trifft  er  mit  zwei  bürgerlich  geklei- 
deten männern  am  Cher  zusammen,  von  denen  er  den  einen  für 
einen  kaufmann,  den  anderen  für  einen  schiächte r  hält  Es 
sind  der  könig  und  sein  berüchtigter  profoss  Tristan  l'Hermite. 
Scott's  beschreibung  der  persönlichkeit  Ludwig's  geht  einmal 
zurück  auf  bildliche  dar  Stellung,  dann  aber  auf  die  berichte, 
welche  die  alten  Chronisten  übereinstimmend  von  dem  ärmlichen 
äusseren  des  herrschers  von  Frankreich  geben.  Für  dieses  kapitel 
dürfte  Seyssel  den  dichter  wesentlich  beeinflusst  haben: 

'.  .  .  (II)  n'vsoit  iamais  guieres  d'habillcmens  riches,  &  mesme- 
ment  de  soye,  ne  aussi  de  fourreures  precieuses'  (93  f.). 

'.  .  .  il  sembloit  bien  souuent  mieulx  vninarchand,  ou  hörne  de 
basse  condition,  que  vn  Roy'  (111;  vgl.  auch  Varillas  XI,  103). 

Wir  vervollständigen  dieses  bild  durch  Varillas  (III,  207:) 

4  Lotus  etoit  grand  &  bien-fait:  mais  si  mal  vetu,  qu'a  le  volr 
soul  on  Pauroit  pris  pour  un  bomme  de  mediocrc  fortune.  11  n'etoit 
distingue  du  commun  que  par  une  Nötre-Dame  de  plomb  qu'il  por- 
toit  a  son  bonnct,  &  qu'il  avoit  accoütume  de  baiser  en  donnant 
quclque  ordre  severe.' 

Durch  eine  merkwürdige  Verkettung  von  umständen  fühlt 
sich  der  könig  bewogen,  sich  näher  mit  Quentin  einzulassen. 


QÜKNTIN  DURWARD.  61 

Seine  beteuerungen:  Pasques-dieu,  Mort-dieu,  und  die  anrede 
'gossip'  an  Tristan  sind  historisch.1  Im  laufe  des  gespräches 
(s.  51)  wird  auch  das  strenge  Jagdgesetz  berührt,  welches  der 
könig  mit  allen  mittein  durchführte: 

'Avssi  feit-il  les  defenses  des  chasses,  dont  il  se  delectoit  grande- 
ment,  si  aspres,  &  si  rigoureuses,  qu'il  estoit  plus  remissible  de  tner 
vn  homme,  que  vn  cerf,  ou  vn  sanglier'  (Seyssel  81). 

Quentin  begleitet  schliesslich  den  könig  zu  einer  morgenandacht 
in  die  kapeile  des  heiligen  Hubertus,  welche  im  schlossparke 
stand,  und  von  da  zu  dem  unweit  des  Schlosses  gelegenen 
gasthaus  zur  lilie,  wo  der  könig  durch  Tristan  ein  frühstück 
für  Quentin  hatte  vorausbestellen  lassen.  Auf  dem  wege  dahin 
kommen  sie  an  Plessis-les-Tours  vorbei.  Hier  stand  früher 
die  bürg  Montily-les-Tours  des  Audouin  Touchard  de  Maille, 
welche  Ludwig  im  jähre  1465  kaufte  und  niederreissen  Hess. 
An  ihre  stelle  baute  er  das  feste  schloss  Plessis-les-Tours, 
welches  von  seinen  nachfolgern  verlassen,  mannigfache  Schick- 
sale im  laufe  der  zeiten  erlitt  und  heute  nur  noch  als  ruine 
dasteht  In  der  beschreibung  dieses  Schlosses  stützt  sich  Scott 
durchaus  auf  Comines: 

(£n  premieur  lieu  il  n'entroit  gueres  de  gens  dedans  le  Plessis- 
du-Parc  (qui  estoit  le  lieu  oü  il  se  tenoit),  exceptä  gens  domestiques, 
et  les  archers,  dont  il  en  avoit  quatre  cens,  qui  en  bon  nombre  fai- 
soient  chacun  jour  le  guet,  et  se  pourmenoient  par  la  place,  et  gar- 
doient  la  porte.  Nul  seigneur  ne  grand  personnage  ne  logeoit  dedans, 
ne  n'y  entroit  gueres  compagnie  de  grands  seigneurs.  .  .  .  Tout  ä 
l'environ  de  la  place  dudit  Plessis  il  fit  faire  un  treillis  de  gros 
barreaux  de  fer,  et  planter  dedans  la  muraille  des  broches  de  fer 
ayans  plusieurs  pointes,  comme  ä  l'entree,  par  oü  Ton  eut  peu  entrer 
anx  fossez  dudit  Plessis.  Aussi  fit  faire  quatre  moyneaux  tous  de 
fer  bien  espais,  en  lieu  par  oü  Ton  pouvoit  bien  tirer  ä  son  aise,  et 
estoit  chose  bien  triomphante  et  cousta  plus  de  vingt  mille  francs: 
et  ä  la  fin  y  mit  quarante  arbalestriers ,  qui  jour  et  nuict  estoient  en 
ces  fossez  avec  comtnission  de  tirer  ä  tout  homme  qui  en  approche- 
roit  de  nuict,  jusques  a  ce  que  la  porte  fut  ouverte  le  matin  .  .  . 
Pour  compagnie  tenoit  leans  un  homme  ou  deux  aapres  de  luy, 
gens  de  petite  condition  et  assez  mal  renommez '  (C.  VI,  VII ;  P.  XII, 
374  f.). 

'La  porte  du  Plessis  ne  s'ouvroit  qu'il  ne  fut  huict  heures  du 
matin,  ny  ne  baissoit  on  le  pont  jusques  ä  ladite  heure:  et  lors  y 
entroient  les  officiers,  et  les  capitaines  des  gardes  mettoient  les  por- 


1  Päques-Dieu:  Varillas  X,  81;  Matthieu  XI,  713.    Tristan  son  com- 
pere:  Matthieu  XI,  662. 


62  MANN, 

tiers  ordinaires,  et  puis  ordonnoient  leur  gnet  d'archers  tant  a  la  porte 
qne  parmy  la  cour,  comme  en  une  place  frontiere  estroitement  gard6e, 
et  n'y  entroit  nul  que  par  le  guichet,  et  que  ce  ne  fut  du  sceu  du 
Roy  .  .  ;'  (C.  VI,  XII;  P.  XII,  404). 

Auf  den  freien  söhn  der  berge  kann  ein  solches  gebäude, 
welches  eher  einem  gefängnisse,  als  einem  schlösse  gleicht, 
nur  einen  unheimlichen  eindruck  machen.  Aber  noch  anderes 
missfällt  ihm:  an  den  ästen  der  bäume  hängen  die  opfer 
königlicher  Justiz.  Claude  de  Seyssel  ist  hier  Scott's  quelle 
gewesen;  er  charakterisiert  in  wenigen,  aber  treffenden  Worten 
des  künigs  bündiges  verfahren  und  sein  nur  zu  gefügiges 
Werkzeug  Tristan  (s.  91): 

'Car  pour  l'imagination  qu'il  auoit  contre  eulx,  il  entroit  facile- 
ment  en  soup^on  de  plusieurs  gens,  &  croyoit  legerenient  aux  rap- 
porteurs.  De  sorte  que  bien  souuent,  sans  grands  indices,  il  faisoit 
prendre  &  gehenner  plusieurs  gens,  &  tat  nobles,  que  autres,  & 
&  quelques  fois  comme  Ton  dict,  mourir.  Dont  puis  apres  estant 
aduerty  de  leur  innocence,  se  repentoit,  &  taschoit  Tarnender  en 
quelque  facö.  Et  s'il  le  commandoit  chauldement,  il  auoit  Tristan 
l'Hennite,  son  Preuost  de  Mareschaux,  hörne  sans  pitie,  qui  l'exe- 
cutoit  aussi  promptement,  Et  n'y  auoit  de  luy  aucun  appel.  Telle- 
ment  que  l'on  voyoit  autour  des  lieux,  ou  le  dict  Roy  se  tenoit, 
grand  nombrc  de  gens  pendus  aux  arbres,  &  les  prisons,  &  autres 
maisons  circonuoisines,  pleines  de  prisonniers,  Lesquels  on  oyoit  bien 
souuent  de  iour,  &  de  nuict,  crier  pour  les  tourmens  qu'on  leur  fai- 
soit.   Sans  ceulx,  qui  estoient  secretement  iettez  en  la  riviere.'  — 

Während  der  könig  im  wirtshause  (kap.  IV)  den  hnnger 
des  jungen  Schotten  stillt,  hat  er  gelegenheit  genug,  sich  an 
den  frischen  antworten  seines  Schützlings  zu  ergötzen:  '77  se 
plaisoit  aux  responsee  promptes  <jr  vives,  et  qui  se  fönt  sans  y 
songer'  (Matthieu  726  f.).  Nach  beendetem  mahle  spricht  Ludwig 
mit  Quentin  über  die  grossen,  in  deren  dienst  dieser  wol  treten 
könnte,  über  sich  selbst,  über  Karl  von  Burgund,  über  Wilhelm 
von  der  Mark,  über  den  herzog  von  Geldern  und  den  conne- 
table  von  Saint- Paul.  In  Karl's  dienste  kann  Quentin  nicht, 
weil  er  einen  bnrgundischen  Jäger  übel  behandelt  hat,  und 
bei  den  anderen  missfällt  ihm  die  art  ihres  wesens,  so  bei 
Ludwig  besonders  die  kindliche  untreue,  welche  er  seinem 
vater  erwiesen  hat.  Wir  verstehen,  warum  der  könig  sich  an- 
behaglich fühlt  bei  Qnentin's  scharfem  urteile.  —  Dass  Ludwig 
den  connetable  als  Städtebrenner  hinstellt,  ist  ein  anachronis- 
mus,  derselbe  machte  sich  erst  1469  als  solcher  einen  namen. 
Sehlieulich  führt  der  dichter  noch  ein  junges  mädehen  ein, 


QUENTIN  DUR  WARD.  63 

welches  den  könig  bedient.  Es  ist  die  jüngere  der  beiden 
gräfinnen  Croy,  die  incognito  als  gaste  Ludwig's  im  wirtshause 
weilen.  Von  ihnen  wird  noch  zu  sprechen  sein.  Hier  jedoch 
muss  hervorgehoben  werden,  dass  der  könig,  dessen  geringe 
meinung  von  der  frau  und  dessen  hang  zu  Schlüpfrigkeiten 
wir  schon  kennen  gelernt  haben,  den  damen  zu  ihrer  Verklei- 
dung die  namen  Jacqueline  und  Perette  gegeben  hat,  das  sind 
die  namen  zweier  hetären,  die  zu  einer  zeit  häufig  mit  ihm 
waren  (vgl  Jean  de  Troyes  bei  Petitot  XIII,  326  u.  364). 

Das  fttnfte  kapitel  schildert  uns  das  zusammentreffen  Quen- 
tin's  mit  seinem  onkel  Ludovic  Lesly,  mit  dem  beinamen  Le 
Balafre,  einem  ritter  aus  der  berühmten  schottischen  garde.  Es 
ist  reich  an  anspielungen  auf  Ludwig's  Charakter,  seine  diener, 
seine  politik.1  Nach  dem  gespräch  mit  Balafr£  geht  Quentin 
am  ufer  des  Cher  spazieren  und  unbekannt  mit  den  gebrauchen 
des  landes  lässt  er  sich  durch  seine  Menschenliebe  verleiten, 
einen  eben  aufgeknüpften  zigeuner  abzuschneiden.  Er  vergeht 
sich  dadurch  gegen  das  königliche  verbot,  sich  an  den  ver- 
urteilten zu  vergreifen,  und  wäre  dem  hinzugekommenen  Tristan 
FHermite  und  seinen  henkersknechten  Trois-Echelles  und  Petit- 
Andrö  verfallen  gewesen,  wenn  nicht  der  zufall  Ludovic  Lesly 
und  eine  anzahl  Schotten  aus  des  königs  garde  des  weges 
dahergefbhrt  hätte.  Aber  Tristan,  den  Schlauheit,  grausamkeit 
und  geschick  im  handwerk  zum  urbild  eines  henkerknechtes 
machen,  lässt  so  leicht  die  einmal  erfasste  beute  nicht  fahren, 
und  nur  durch  die  Vorspiegelung,  'dass  Quentin  schon  für 
die  schottische  leibwache  ausgehoben'  sei,  kann  der  profoss 
bewogen  werden,  ihn  wider  freizugeben.  Denn  er  kennt  die 
Vorliebe  seines  'compere'  Ludwig  für  diese  mietlinge.  Freilich 
ist  dadurch  auch  über  Quentin's  nächste  laufbahn  entschie- 
den: will  er  allen  Unannehmlichkeiten  aus  dem  wege  gehen, 
so  muss  er  sich  wol  oder  Übel   doch    noch   in    die  waffen- 


1  Da  Ludovic  sich  im  gespräche  rühmt,  seine  goldene  kette  für  seine 
bei  der  erstünnung  eines  festen  Schlosses  bewiesene  tapferkeit  erhalten 
zu  haben,  so  scheint  es  mir  nicht,  unmöglich,  dass  Scott  aie  gestalt  dieses 
gutmütigen  und  tapferen  Söldners  auf  grund  einer  von  Matthieu  (XI,  721) 
erzählten  episode  geschaffen  hat.  Bei  der  erstürmung  einer  Stadt  hatte 
sich  ein  junger  edelmann,  Raoul  de  Launoy,  so  ausgezeichnet,  dass  der 
könig  ihm  zur  belohnung  eine  goldene  kette  gab,  indem  er  sagte:  'Pasque 
Dieu  mon  amy  vous  estes  trop  furieux  en  vn  combat,  il  vous  faut  en- 
chaisner  pour  moderer  vostre  ardeur,  car  ie  ne  vous  veux  pqint  perdre, 
desirant  me  seruir  de  vous  plus  que  d'vne  fois\ 


64  MANN, 

genossenschaft  seiner  landsleute  aufnehmen  zu  lassen.    Scotts 

darstellnng  ist  durch  Matthieu  gerechtfertigt: 

*  Tristan  son  grand  Preuost  qui  meritoit  aussi  iustement  que 
Maximien  pour  ses  fa^ons  barbares  &  seueres,  le  nom  de  Triste, 
estoit  si  prompt  a  l'execution  de  ses  rigoureux  commandemens  qu*Q 
a  quelquefois  faict  perdre  Finnocent  pour  le  coulpable,  a  tousiours 
disposä  ce  Prince  a  se  seruir  plustost  de  l'espee  pour  punir  les  fmu- 
tes,  que  de  la  bride  pour  empescher  de  broncher'  (XI,  655). 
Da  es  keine  zeit  zu  verlieren  galt,  reiten  sie  stracks  zum 
schlösse,  um  ihrem  alten  ftihrer,  lord  Crawford  \  die  angelegen- 
heit  vorzutragen.  Sie  treffen  ihn  gerade  auf  seinem  zimmer 
mit  der  durchsieht  des  Rosier  de  la  Guerre2  beschäftigt  and 
berichten  ihm  von  dem  zusammentreffen.  Der  edle  lord  zeigt 
sich  zwar  zunächst  höchst  ungehalten  über  das  eingreifen  seiner 
leute,  weil  ähnliche  Vorkommnisse  schon  widerholt  sich  ereignet 
hatten  (vgl.  note  E)  und  nur  dazu  dienen  konnten,  ihnen  die 
gunst  des  königs  zu  entziehen,  denn  der  zu  allem  bereite  Tri- 
stan war  bei  Ludwig  persona  gratissima.  Ausserdem  hatten 
sie  als  bevorzugte  und  vielbeneidete  fremdlinge  allen  grand, 
sich  vor  handlangen  zu  hüten,  die  zu  klagen  führen  konnten. 
Quentin's  fall  ist  jedoch  so  absonderlich,  und  er  weiss  durch 
geschickte  antworten  sich  des  lords  gunst  so  sehr  zu  gewinnen, 
dass  derselbe  ihn  schliesslich  in  die  4  namenrolle '  aufnimmt 
Der  eintritt  eines  neuen  mitgliedes  in  ihr  corps  unter  so  ausser- 
ordentlichen umständen  wurde  am  abend  von  Ludovic's  freunden 
durch  ein  grosses  trinkgelage  gefeiert,  dem  auch  Crawford  bei- 
wohnte. Aus  ihren  gesprächen  erfahren  wir  mancherlei,  was 
kommende  ereignisse  vorbereitet,  und  wir  lernen  dabei  die 
Schotten  als  tapfere  zecher  kennen,  die  hoffentlich  ebenso  tapfer 
im  schlachtgewühle  sich  erweisen,  als  harmlos  fröhliche  men- 
schen, die  die  feste  feiern  wie  sie  fallen,  und  niemandem  ein 
härchen  krümmen.  Scott  ist  hier  bewusst  oder  unbewusst 
Schönfärber  gewesen.  So  harmlos,  wie  wir  nach  seiner  dar- 
stellung  glauben  sollten,  waren  die  Schotten  keinesfalls;  im 
gegenteil  erlaubten  sie  sich  im  bewusstsein  ihrer  bevorzugten 
Stellung  häufig  recht  grobe  ausschreitungen,  insbesondere  auch 

1  Die  gestalt  dieses  ehrlichen  alten  haudegens  ist  eine  freie  erfindung 
des  diohters.    Sie  erscheint  bei  Delavigne  wider. 

1  Nach  Scott  (8.  112)  von  Ludwig  XI.  selbst.  Aber  schon  Naudä, 
Addition  ä  l'histoire  de  Louvs  XI.  Paris  1630,  bestreitet  Ludwig's  Autor- 
schaft (liv.  III,  p.  71— 73).  Eine  kurze  notiz  und  die  einleitung  findet  sich 
bei  Duclos  III,  3S1  f. 


QUENTIN  DURWARD.  65 

gegen  die  weibliche  bevölkerung,  und  Delavigne  trifft  mit  seiner 
darstellung  in  Louis  XI.  (III,  1)  zweifellos  das  richtige. 

Am  morgen  nach  dem  gelage  (kap.  VIII)  versammeln  sich 
der  könig  und  sein  gefolge  zu  einer  grossen  jagd  im  schlösse. 
Da  Quentin  seinem  onkel  zugeteilt  war,  welcher  gerade  im 
dienst  ist,  so  hat  er  gleich  am  ersten  tage  gelegenheit,  den 
könig  und  seinen  hofstaat  kennen  zu  lernen.  Der  junge  Schotte 
hat  eine  hohe  Vorstellung  von  dem  glänze  eines  königshofes, 
und  seine  erwartungen  werden  noch  gesteigert,  als  er  mit  seinem 
verwandten  über  den  schlosshof  schreitet  und  die  prächtigen 
rttden  Ludwig's  bewundern  kann.  Wer  so  edle  tiere  hält,  wird 
auch  in  seinem  auftreten  königlichen  glänz  entwickeln.  Er 
sollte  -sich  freilich  in  seiner  annähme  getäuscht  sehen.  Wol 
war  der  saal  gefüllt  mit  höheren  beamten  und  Offizieren,  aber 
jene  waren  aus  niederem  stände,  diese  waren  Söldlinge;  es 
fehlte  der  adel  des  landes,  der  mit  äusserem  prunke  auch 
feinere  Umgangsformen  verbindet  und  so  einen  königshof  zu 
einem  anziehenden  bilde  macht.  Warum  sich  die  adligen  fern 
hielten,  ist  aus  den  bürgerkriegen  nur  zu  verständlich,  und 
Ludwig's  grundsatz  war  es  ja  'd'employer  de  petites  gern  aiix 
grandes  affaires,  fy  manier  de  grandes  machines  par  de  petits 
engins'  (Matthieu  VIII,  430  f.).  Die  kosten  seiner  hofhaltung 
hielten  sich  in  den  bescheidensten  grenzen  (vgl.  Matthieu  XI, 
646  ff.)  und  er  betätigte  an  sich  selbst  sein  Sparsamkeitssystem. 
Wie  erschrak  daher  Quentin,  als  er  in  dem  könig  seine  be- 
kanntschaft  vom  vergangenen  tage  erkannte.  Und  er  würde 
ihn  auch  heute  nicht  als  solchen  angesehen  haben,  wenn  ihm 
nicht  die  ehrenerweisungen  eines  königs  gezollt  worden  wären. 
Denn  seine  kleidung  unterschied  sich  nur  wenig  von  der,  die 
wir  bereits  an  ihm  kennen: 

'Louis  XI.  s'en  soucioit  si  peu  qu'ä  voir  ses  habits,  on  eut  dit 
qu'il  vouloit  viure  pauure  pour  mourir  riche.  II  s'habilloit  simple- 
ment  de  drap  de  petit  prix,  &  ne  prenoit  plaisir  de  voir  les  habits 
somptueux'  (Matthieu  XI,  64G).1 

Wenden  wir  uns  nun  zur  betrachtung  der  einzelnen  hervor- 
ragenden persönlichkeiten,  so  fällt  uns  auf,  dass  darunter  die 
königin  fehlt.  Sie  lebte,  nachdem  sie  dem  reiche  einen  erben 
gegeben  hatte,  in  der  regel  getrennt  von  ihrem  gatten,  mehr 


1  Bodin:  vn   chappeau  gras   &  du   plus   meschant  drap  (Matthieu 
XI,  647). 

AnglU,  XII.  band.  5 


66  MANN, 

als  gefangene  denn  als  königin  bald  auf  diesem,  bald  auf  jenem 
schlösse  und  wurde  gegen  das  ende  seiner  tage  nach  der  Dau- 
phinä  geschickt  unter  dem  ausdrücklichen  verbot,  bei  ihrem 
söhne  zu  bleiben,  wenn  er  könig  sein  würde.  Dieses  und  noch 
mehr  erzählt  uns  in  seiner  naiven  weise  Claude  de  Seyssel. 
Aber  auch  der  kronprinz  durfte  nicht  in  der  nähe  seines  vaters 
weilen.  Ludwig  wusste,  dass  er  selbst  ein  ungetreuer  und  auf- 
rührischer  söhn  gewesen  war,  und  misstrauisch,  wie  er  bis  zum 
letzten  atemzuge  war,  fürchtete  er,  dass  nun  auch  in  seinem 
eigenen  sprösslinge  durch  fremde  einwirkung  vorzeitig  gelüste 
nach  dem  trone  erweckt  werden  könnten  (Matthieu  XI,  630). 
Er  hielt  ihn  darum  fern  vom  hofe  in  der  einsamkeit  und  Hess 
ihm  nur  den  allernotwendigsten  Unterricht  zu  teil  werden, 
damit  er  dem  einflusse  der  grossen  entzogen  sei  und  als  '(um 
her'  gar  nicht  darauf  kommen  könne,  ehrgeizige  bestrebungen 
zu  hegen.    Sonst  war  die  meinung  der  zeit: 

'L'estude  des  sciences  rabat  les  courages'  (Matthieu  XI,  630). 

Er  wird  des  öfteren  als  'mal  ne  et  pirement  esleui'  bezeichnet 
Matthieu  (X,  607)  sagt  von  ihm : 

'Les  histoires  de  ce  temps  la  parlent  bien  de  la  grandeur  de  son 
courage  &  de  la  foiblesse  de  son  esprit.  Elles  sont  toutes  d'accord 
qu'il  n'estoit  ny  de  grand  eptendement,  ny  de  grande  prudence.' 

Des  königs  bruder  Karl  wurde  zeit  seines  lebens  nicht  froh, 
denn  überall  waren  ihm  fallen  gestellt  und  sein  tod,  der  unter 
eigentümlichen  umständen  erfolgte,  wird  dem  könig  zur  last 
gelegt:  die  Chronisten  Ludwig's  vermuten  ziemlich  allgemein, 
dass  ihm  auf  des  königs  befehl  oder  wünsch  gift  gereicht 
worden  war  (vgl.  Matthieu  V,  255  ff.).  Unser  dichter  hat  sich 
also  an  tatsächliche  Verhältnisse  gehalten,  wenn  er  die  eben- 
besprochenen persönlichkeiten  in  seinem  romane  nicht  auf- 
treten lässt. 

Von  den  prinzen  königlichen  geblütes,  die,  vom  dauphin 
abgesehen,  dem  trone  am  nächsten  standen,  bleibt  dann  nur 
noch  der  junge  herzog  von  Orleans  übrig,  der  söhn  eines 
jüngeren  bruders  des  königs.  Diesen  überwachte  der  könig 
selbst,  indem  er  ihn  beständig  in  seinem  gefolge  behielt,  damit 
er  ja  nichts  gegen  ihn  oder  den  dauphin  unternehme,  dessen 
schwache  gesundheit  kein  geheim niss  war  und  hoffnungen  er- 
weeken  konnte.  Aber  das  genügte  dem  alten  tyrannen  noch 
keineswegs.    Um  solchen  hoffnungen  oder  gedanken  jegliche 


QUENTIN  DURWARD.  67 

aussieht  auf  erfolg  zu  rauben  und  den  tronerben  von  dieser 
seite  vor  verwandten  zu  bewahren,  die  sich  ihm  möglicher- 
weise feindlich  zeigen  könnten,  bestimmte  er  dem  jungen, 
lebensfrischen  herzog  seine  zweite  tochter  Johanna  zur  frau, 
ein  armes,  verkrüppeltes,  unglückliches  wesen,  von  dem  mit 
Sicherheit  keine  nachkommenschaft  zu  erwarten  war.  Lud- 
wig's  Charakter  enthüllt  -uns  viele  dunkle  Seiten  des  mensch- 
tums,  vor  solchem  cynismus  der  gesinnung  aber,  wie  er  sich  in 
dieser  handlungsweise  offenbart,  wendet  man  sieh  mit  ekel  und 
grausen  ab.  Die  ehe  wurde  in  der  tat  geschlossen,  weil  der 
könig  jeden  widersprach  niederzwang: 

'. . .  II  faisoit  de  la  France  comme  d'vn  grand  verger,  duquel  il 
coupoit,  arrachoit,  &  transplan  toit  les  arbres  comme  il  luy  plaisoit' 
(Matthieu  XI,  635). 

Aber  es  ist,  als  wenn  die  Vorsehung  sich  habe  rächen  wollen 
für  solch'  frevelhaften  eingriff  in  ihr  heiliges  bestimmungsrecht: 
Ludwig  von  Orleans  kam  nach  Karl's  kurzer  regierung  wirk- 
lich als  Ludwig  XII.  auf  den  tron  und  eine  seiner  ersten  hand- 
langen war,  einen  scheidungsprozess  gegen  die  ihm  aufge- 
zwungene gattin  anzustrengen: 

'La  cause  de  lenr  diuorce  fut  la  sterilite  et  le  deffaut  du  con- 
sentement  au  manage '  (Matthieu  X,  G06). 

So  sehr  das  Schicksal  der  unglücklichen  ftirstin  zu  beklagen 
war,  so  kann  man  doch  Ludwig  XIL  für  sein  vorgehen  nicht 
tadeln;  an  den  prozess  knüpft  sich  freilich  eine  recht  un- 
saubere und  indecente  beweisaufnahme  (vergleiche  den  bericht 
bei  Duclos  II,  101  ff.).  In  bezug  auf  des  königs  beweggründe 
heisst  es  bei  Matthieu  (XI,  634): 

'Louys  Duc  d'Orleans  succeda  ä  ce  mauuais  traictement,  &  afin 
que  ce  mespris  fut  vn  contrepoids  a  la  grädeur  de  son  courage,  il 
voulut  que  sa  nourriture  fut  moins  exquise  que  la  generosite  de  son 
naturel  ne  le  permettoit,  &  le  contraignit  par  force  d'espouser  sa 
fille  impuissante  &  contrefaicte ,  luy  donnant  a  ronger  plus  de  vingt 
ans  vn  os  d'ennuy  &  de  regret'. 

Von  des  königs  töchtern  tritt  diese  Johanna  im  romane  wegen 
ihrer  Verbindung  mit  dem  herzöge  ziemlich  hervor  und  ist  mit 
ihrem  verlobten  oft  die  Zielscheibe  des  spottes.  Scott. war  zu 
seiner  darstellung  durch  Matthieu  (XI,  606)  berechtigt: 

'Son  pere  ne  l'aymoit  point,  par  ce  que  la  nature  luy  auoit 
donne  occasion  de  se  plaindre  de  sa  difformitä,  &  de  n'auoir  imprimö 
aueune  marque  de  ses  faueurs,  ny  sur  son  visage,  ny  stir  sa  taille. 

5* 


68  MANN, 

Gar  eile  estoit  noire,  petite,  &  voustee.  Le  Seigneur  de  Lesguiere 
son  Gouuerneur  la  cachoit  souuent  sous  sa  robbe  longue  qnand  le 
Roy  la  rencontroit,  affin  qu'il  ne  s'affligeast  de  sa  veue.' 

In  ihrem  gebrechlichen  körper  wohnte  ein  gutes  herz,  das  in 
trener  sorge  für  den  gatten  schlug;  als  sie  später  geschieden 
wurde,  gründete  sie  1501  mit  erlaubniss  des  papstes  Alexan- 
der VI.  in  Bourges  einen  nonnenorden  und  ein  kloster  und 
starb  daselbst. 

Ihre  ältere  Schwester  Anna  wird  vom  dichter  (s.  129)  nur 
beiläufig  erwähnt.  Auch  Matthieu  berichtet  nur,  dass  sie  an 
den  herzog  Pierre  de  Bourbon  verheiratet  war  (XI,  606).  Selt- 
samerweise war  dieser  Pierre,  der  unter  dem  namen  eines 
Sieur  de  Beaujeu  bekannt  ist,  der  einzige  unter  den  grossen 
des  reiches  und  zugleich  unter  seinen  verwandten,  dem  Ludwig 

unbedingtes  vertrauen  schenkte: 

4 II  luy  remettoit  tont  le  soing  des  affaires  lors  que  le  plaisir  de 
la  chasse  l'entretenoit  par  les  forests  non  des  iours,  mais  des  moys 
entiers'  (Matthieu  X,  5G5). 

Im  romane  wird  seiner  nie  gedacht. 

Von  den  personen  aus  des  königs  Umgebung  führt  Scott 
(s.  123)  zunächst  den  grafen  Dunois  ein,  einen  söhn  des  be- 
kannten bastards  von  Orleans.  Obwol  von  ihm  wenig  mehr 
zu  sagen  ist,  als  dass  er  eine  scharfe  lanze  führt  und  wuch- 
tige hiebe  schlägt,  da  er  sonst  im  romane  keine  bedeutende 
rolle  spielt,  schildert  Scott  ihn  doch  in  seiner  weise  ziemlich 
genau  vom  scheitel  bis  zur  sohle  und  schreibt  ihm  sogar  ein 
paar  krummer  beine  zu,  die  ich  freilich  bei  meinem  Chronisten 
nicht  bestätigt  gefunden  habe. 

Es  folgen  nun  die  edlen  helfershelfer  Ludwig's,  zunächst 
der  berüchtigte  kardinal  Balue.  Aus  dem  volke  hervorgegangen 
war  er  allmählig  bis  zum  vertrauten  ratgeber  des  königs  empor- 
gestiegen und  mit  ehren  und  gutem  überhäuft  worden.  Aber 
er  war  ein  ränkesüchtiger  mann.  Matthieu  nennt  ihn  einen 
'esprit  remuant,  desireux  d'embroüiller  les  affaires,  fr  ffexceller 
plustost  par  auctorite  que  par  merite'  (II,  84  f.),  'coeur  double, 
esprit  turbulent  fr  passionne'  (V,  225).  Zur  zeit,  da  unser  roman 
spielt,  war  er  dem  köuig  schon  verdächtig,  dass  er  Verbindungen 
mit  seinen  feinden  unterhielte.  Nichtsdestoweniger  Hess  sich 
wesentlich  durch  ihn  Ludwig  noch  bestimmen,  nach  Peronne 
zu  gehen.  Man  weiss,  welch1  schlimmen  ausgang  für  den  * 
könig  diese  reise  nahm.    Als  daher  zur  selben  zeit  briefe  des 


QUENTIN  DURWARD.  69 

kardinale  an  den  herzog  von  Berry  abgefangen  worden,  welche 
unzweideutig  seine  schuld  erwiesen,  da  kannte  des  königs  wut 
keine  grenzen  und  er  schickte  den  hohen  kirchenfürsten  nach 
Loches  in  jene  eisenkäfige,  die  von  Balue  selbst  zur  grösseren 
quäl  der  gefangenen  erfunden  sein  sollen.  Erst  kurz  vor  seinem 
eigenen  tode  wurde  Ludwig  milder  gestimmt  durch  römischen 
einfluss  und  liess  ihn  frei  (Matthieu  X,  524  f.).  Balue  starb  als 
bischof  von  Preneste.  Zur  zeit  als  er  bei  Ludwig  in  höchster 
gunst  stand,  nannte  ihn  dieser  häufig,  um  seine  anerkennung 
auszusprechen,  einen  'didble  d'evesque'. 

Nicht  minder  eingeteufelt  war  aber  der  edle  barbier  Olivier, 

der  des  königs  vertrauen  dermassen  genoss,  dass  hoch  und 

niedrig  um  dieses  arglistigen  menschen  gunst  buhlte.    Mit  recht 

sagt  Matthieu  (VUI,  431)  von  ihm: 

'  (II)  auoit  tant  d'authoritä  sur  les  esprits  mesmes  du  Roy  qu'on 
pouuoit  demander  aux  Francis  allans  du  Royaume  entre  autre  nou- 
uelles  de  la  Cour,  &  par  moquerie,  si  Loya  estoit  tousiours  bien 
auec  (Miiiier.' 

Er  war  vlämischer  abkunft,  aus  Thielt,  'vili  pago  ac  loco  juxta 
Gandarum  natus',  und  scheint  in  seiner  heimat  den  zunamen 
'teufer  geführt  zu  haben,  weshalb  man  ihn  in  Frankreich 
'Olivier  le  Mauvais'  nannte.  Als  aber  Ludwig  seinen  'teuren  und 
vielgeliebten'  kammerdiener  im  jähre  1474  wegen  seiner  'bons, 
grands,  continuels  et  recommandables  Services'  in  den  adelstand 
erhob,  verlieh  er  ihm  den  namen  'Olivier  le  Daim'  und  verbot 
den  gebrauch  des  alten  ausdrücklich  jedermann.  So  schmäh- 
lich wie  Olivier's  handlungsweise  sein  ganzes  leben  lang  ge- 
wesen war,  so  schmählich  war  seine  letzte  tat  und  sein  ende. 
Als  sein  gönner  schon  verschieden  war,  hatte  ein  edelmann 
einst  ein  verbrechen  begangen,  wofür  ihm  die  todesstrafe  in 
aussieht  stand.  Seine  gattin  wendet  sich  in  der  meinung,  dass 
Olivier  noch  den  alten  einfluss  besitze,  mit  der  bitte  um  hilfe 
an  ihn,  um  die  freilassung  ihres  mannes  zu  erwirken.  Olivier 
verspricht  ihr  seinen  beistand  unter  der  bedingung,  dass  sie 
sich  ihm  zu  willen  gebe.  In  ihrer  bedrängniss  sieht  die  un- 
glückliche frau  keinen  anderen  ausweg,  als  die  schände  ihres 
gatten  mit  ihrer  eigenen  zu  erkaufen,  und  sie  willigt  ein. 
Olivier  aber  kann  seine  gegenleistung  nicht  einhalten,  weil 
seine  macht  nicht  mehr  ausreicht  und  um  wenigstens  den  edel- 
mann vor  der  schmach  einer  hinrichtung  zu  erretten,  lässt  er 


70  MANN, 

ihn  im  gefängniss  ermorden  und  den  leichnam  in  die  Seine 
werfen.  Dort  wird  er  gefanden;  die  gattin  klagt  Olivier  an, 
auf  der  folter  gesteht  der  einst  allmächtige  seine  Schandtat 
ein  und  wird  dafür  gehenkt.  Das  geschah  im  jähre  1484. l  — 
Nach  diesen  bemerkungen  wird  man  Scott  die  berechtigung  zu 
seiner  Charakterisierung  des  barbiers  nicht  absprechen  können, 
der  dichter  hält  sich  durchaus  innerhalb  der  grenzen  geschicht- 
licher Wahrheit,  und  was  er  ihm  andichtet,  z.  b.  das  streben 
nach  der  hand  der  jungen  gräfin  Croy,  passt  psychologisch 
völlig  zu  seinen  sonstigen  verbürgten  taten. 

Als  dritter  im  kleeblatt  bliebe  nun  noch  der  grossprofoas 
Tristan  FErmite  übrig.  Von  ihm  ist  schon  öfters  gesprochen 
worden.    Jean  de  Troyes  (P.  XIII,  364)  nennt  ihn: 

4  Messire  Tristan  TErmite,  preyost  des  marchaulx  de  Tostel  du  Roy.' 
Er   ist   im   romane    nur   nebenfigur.     Bei   Matthieu  (XI,  751) 

heisst  es: 

4  Tristan  l'Hermite,  que  la  rigueur  de  ce  regne  a  rendu  si  renomme' 
pour  la  soudainete  de  ses  executions,  fut  grand  Preuost.  Le  Roy 
Charles  VII.  le  fit  Cheualier  apres  le  siege  de  Fronsac.' 

Dies  waren  die  hauptpersonen  der  Jagdgesellschaft.  Der 
aufbrach  wird  jedoch  noch  verschoben  durch  die  ankunft  eines 
burgundischen  gesandten,  des  grafen  Philipp  von  Crövecoeur, 
der  seiner  Stellung  entsprechend  mit  dem  ganzen  prunke  auf- 
trat, der  am  burgundischen  hofe  üblich  war,  und  die  ausliefe- 
rung  der  gräfinnen  Croy,  die  entschädigung  für  verschiedene 
grenzverletzungen  und  die  Zurückziehung  der  geheimen  ge- 
sandten aus  den  burgundischen  Städten  Gent,  Lüttich  und 
Mecheln  forderte.  Als  Ludwig  ausweichende  antworten  gibt, 
erklärt  der  gesandte  im  namen  seines  herrn  das  lehnsver- 
hältniss  zwischen  Burgund  und  Frankreich  durch  des  königs 
treulosigkeit  für  gelöst,  wirft  dem  könig  den  fchdehandschuh 
vor  die  füsse  und  verlässt  eilends  den  saal.  Ludwig  schickt 
jedoch  den  kardinal  Balue  nach,  um  den  grafen  zu  besänftigen 
und  einen  aufschub  von  24  stunden  zu  erlangen,  was  ihm  auch 
gelingt.  Die  persönlichkeit  des  gesandten  ist  geschichtlich,  er 
war  einer  der  hervorragendsten  anhänger  des  herzogs  Karl; 
seine  Sendung  jedoch  ist  erfunden,  wenngleich  die  forderungen 

1  Le  Baron  de  Reitfenberg,  Notice  sur  Olivier  le  Diablo  ou  le  Daim, 
barbier  et  confidcnt  de  Louis  XI.  In:  Nouv.  Mein,  de  PAcad.  Roy.  des 
Sciences  et  Belics-Lettres  de  Bruxelles.     1S29.    t.  V, 


QUENTIN  DURWARD.  71 

• 

in  betreff  der  grenzstreitigkeiten  und  der  belgischen  Städte  an 
wirkliche  Vorkommnisse  anknüpfen.  Und  eine  freie  erfindung 
des  dichters  sind  auch  die  gestalten  der  älteren  und  jüngeren 
gräfin  Croy.  Nach  Scott  flüchtet  sich  die  jüngere  gräfin,  ein 
ebenso  reiches  wie  schönes  elternloses  mädchen  zu  Ludwig, 
weil  sie  Karl  der  kühne  zwingen  will,  den  ihr  verhassten 
grafen  Campobasso  zu  heiraten.  Ihre  anverwandte,  die  gräfin 
Hameline,  hatte  sie  im  widerstände  bestärkt  und  auf  der  flucht 
begleitet.  Ludwig  nimmt  sie  bereitwillig  auf,  weil  er  hofft,  sie 
an  einen  seiner  günstlinge  verheiraten  und  durch  ihre  ausge- 
dehnten besitzungen  in  Burgund  erhöhten  einfluss  gewinnen 
zu  können.  Hieran  ist  weiter  nichts  historisch,  als  die  namen 
Croy  und  Campobasso.  Das  geschlecht  derer  von  Croy  blüht 
noch  heute,  bis  1464  waren  sie  die  mächtigsten  Vasallen  Bur- 
gunds;  aber  sie  handelten  treulos  gegen  Karl,  sodass  er  sie 
des  landes  verwies  und  ihre  guter  einzog  (C.  1,1;  P.  XI,  340.  — 
Olivier  de  la  Marche  XXXIII;  Petitot  IX,  222).  Dies  mag  der 
dichter  verknüpft  haben  mit  der  tatsache,  dass  Ludwig  einst 
(1476)  Madame  de  Savoie  heimlich  acht  tage  lang  in  Plessis 
beherbergte  und  schliesslich  unter  dem  gelöbniss  der  freund- 
schaft  heimgeleiten  Hess.  Und  Campobasso  ist  jener  doppel- 
züngige Italiener,  der  im  heere  Karl's  mit  auszeichnung  diente 
und  schliesslich  seinen  ihm  so  gewogenen  herrn  vor  Nancy 
verriet. 

Wahrheitsgetreu  ist  in  diesem  kapitel  die  Schilderung  des 
hofes  Ludwig's.  Auch  lernen  wir  Ludwig's  sarkastischen  witz 
wider  kennen  und  seinen  grundsatz,  mehr  durch  Unterhand- 
lungen als  durch  kriege  vorteile  zu  erwirken.  Comines  (I,  IX; 
P.  XI,  399)  sagt  in  dieser  beziehung: 

'Mais  son  intention  estoit  de  traiter  paix  et  departir  la  compagnie, 
sans  mettre  son  Estat  en  peril  de  chose  si  incertaine  qu'une  bataille.' 

Daher  beschwichtigt  er  den  kriegerischen  mut  der  seinigen, 
den  er  mit  dem  hinweis  auf  das  banner  der  Oriflamm©  und 
den  kriegsruf  JXennis  Montjoie  eben  angefacht  hat,  sofort  wider, 
und  darum  schickt  er  dem  in  feindschaft  enteilenden  Cr6ve- 
coeur  den  kardinal  Balue  nach,  um  ihn  zu  besänftigen  und 
einen  aufschub  der  kriegserklärung  zu  erlangen.  Auch  dass 
er  sich  so  liebenswürdig  und  gewinnend  gegen  diesen  tüch- 
tigen kämpen  zeigt,  ist  ein  zug,  den  Scott  der  geschichte  ab- 
gelauscht hat; 


72  MANN, 

'Outre  l'exacte  intelligence  de  ses  affaires,  il  auoit  le  iugement 
grand  au  choix  des  hommes,  &  la  prudence  admirable  pour  les  retenir 
&  coDserner.  II  en  faisoit  conte,  les  obligeoit,  ne  les  laissoit  vieillir 
en  quelque  mescontentement ,  ny  en  l'attente  du  fruict  de  leurs  ser- 
uices  .  .  .  Quand  il  rencontroit  quelque  esprit  ferme  qui  reiettoit  s& 
recherche  &  refusoit  ses  öftres,  il  ne  laissoit  reffroidir  pour  cela  ss 
poursuite,  estimant  que  Ton  ne  pouuoit  trop  employer  de  temps  k 
gagner  vn  homme  qui  pouuoit  nuire  ou  seruir'  (Matthieu  XI,  685  f.). 

Im  neunten  kapitel  schildert  uns  Scott  den  verlauf  der 
eberjagd,  welche  nach  dem  empfange  des  burgundischen  ge- 
sandten noch  stattfindet.  Er  nimmt  hierbei  gelegenheit,  uns 
weiteren  aufschluss  über  den  Charakter  des  kardinals  zu  geben 
und  zeigt  uns  den  könig  wider  als  ebenso  grausamen  spötter 
wie  waidgerechten  Jäger.  Des  königs  leidenschaft  für  die  jagd 
ist  schon  widerholt  gedacht  worden.    Es  sei  hier  als  weiterer 

zeuge  noch  Matthieu  angeführt: 

'De  ses  exercices  la  chasse  fut  le  plus  ardant,  &  aussi  est-ce 
le  plus  royal  &  le  plus  necessaire  .  . .  mais  il  ne  vouloit  pas  que  c£t 
exercice  fut  commun,  encore  qu'il  appartienne  iustement  a  la  No- 
blesse au  temps  qu'elle  est  dispensde  du  seruice  de  son  espee.  II 
deffendit  la  chasse  tont  au  commencement  de  son  regne,  &  adiousta 
a  la  deffence  des  peines  odieuses.  C'estoit  vn  cas  pendable  a  vn 
Gentil-hoinme  de  fuir  Foysiuete,  on  le  punissoit  aussi  rigoureusement 
pour  auoir  tu6  vne  beste  sauuage  qu'vn  homme'  (XI,  743). 

Auf  der  jagd  hat  Quentin  dem  könige  wichtige  dienste 
geleistet,  denn  er  hat  ihn  vor  den  zahnen  eines  riesigen  ebers 
gerettet  und  hat  ihm  berichten  können,  dass  Balue  in  beglei- 
tung  des  burgundischen  gesandten  den  wald  vorzeitig  verlassen 
habe.  In  anerkennung  dessen  wird  Quentin  vom  könige  dazu 
ausersehen,  im  innern  des  Schlosses  schildwache  zu  stehen, 
eine  ehre,  die  sonst  nur  alten,  bewährten  mitgliedern  der 
schottischen  garde  zu  teil  wurde.  So  hält  er  denn  zunächst 
in  der  Rolandsgallerie l  längere  zeit  wache;  man  sieht  nicht 
recht  ein,  zu  welchem  zwecke,  wenn  man  nicht  annimmt,  dass 
der  könig  ihn  auf  seine  Wachsamkeit  hin  habe  prüfen  wollen; 
wenigstens  ertappt  ihn  nachher  der  könig  auf  einer  Unauf- 
merksamkeit, da  er  sich  unbemerkt  heranschleichen  konnte. 
Ludwig  nimmt  ihn  dann  mit  in  ein  nahes  gemach  und  macht 
ihn  mit  seiner  neuen  aufgäbe  bekannt.    Er  soll  dort,  während 


1  Dass  eine  solche  in  Plessis  wirklich  vorhanden  gewesen  sei,  habe 
ich  nirgends  gefundeu.  Dass  abert  wie  Scott  s.  157  auui.  sagt,  Ludwig 
Karl  dem  grossen  besondere  ehre  erwies,  bestätigt  sich  durch  Matthieu 
XI,  620  ff. 


QÜBNTIN  DURWARD.  73 

der  könig,  Balue  und  Crävecour  von  Olivier  bedient  speisen, 
hinter  einer  spanischen  wand  verborgen  wache  halten  und 
sobald  der  könig  ruft:  'Ecossc  en  avant*  den  burgundischen  ge- 
sandten mit  seiner  büchse  unverzüglich  niederschiessen.  Der 
könig  wittert  überall  verrat  und  er  erwähnt  ja  Quentin  gegen- 
über aus  der  geschichte  (vgl.  Q.  D.  s.  161)  genügend  viel  bei- 
spiele,  die  zur  vorsieht  mahnen  könnten,  aber  so  viel  vorsieht, 
wie  er  anwendet,  bezeugt  ein  fast  an  verfolgungswahnsinn 
grenzendes  misstrauen.  Der  dichter  schildert  uns  aber  Ludwig 
nicht  bloss  von  neuem  als  misstrauischen  ty rannen,  sondern 
auch  als  fröhlichen  tafelgenossen,  der  sich  auf  scherz  versteht 
und  selbst  manches  derbe  Scherzwort  äussert,  und  als  einen 
Politiker,  der  zu  bestechen  weiss: 

'Ses  plus  confidents  seruiteurs  estoient  d'ordinaire  ä  sa  table,  & 
les  faisoit  causer  sur  dinerses  recontres.  II  ne  vouloit  point  que  Ton 
eut  Fesprit  aux  nues  pendant  que  le  corps  estoit  ä  table.' 

Ludwig  besass  eine  'fapon  populaire'  und  eine  'popidaire  faci- 

lite',  die  ihm  die  herzen  des  Volkes  gewann: 

'Le  Seigneur  du  Haillant  dit,  Qu'estant  arriu6  ä  Paris  il  alloit 
de  nie  en  nie,  de  maison  en  maison,  diener  &  souper  chez  l'vn  & 
chez  l'autre,  parlant  priu£ment  ä  chaeun  pour  se  rendre  agreable  au 
peuple  &  l'irriter  contre  ses  ennemis  .  .  .'  (Matthieu  XI,  741;  vgl.  Q.  D. 
s.  167). 

So  weiss  er  auch  durch  leutseligkeit  und  durch  wertvolles  ge- 
schenk  auf  Crävecoeur  einzuwirken,  sodass  dieser  biedermann 
sicherlich  mit  keinem  ungünstigen  eindrucke  vom  hofe  schied. 
Und  nach  Karl's  untergange  trat  der  '  Seigneur  d'Esquerdes' 
wirklich  in  französische  dienste  und  erlangte  die  marschalls- 
würde  (Matthieu  XI,  750  f.). 

Nachdem  das  mahl  ohne  Zwischenfall  vorübergegangen  ist, 
hat  Quentin  noch  in  der  Rolandshalle  wache  zu  stehen,  wo  die 
gräfinnen  Croy  mit  der  prinzessin  Johanna  zusammenkommen. 
Später  leistet  den  damen  Ludwig  von  Orleans  noch  gesell- 
schaft,  der  zum  grossen  missvergnügen  Quentin's  der  jüngeren 
gräfin  mehr  aufmerksamkeit  erweist,  als  ihm  als  bräutigam 
und  noch  dazu  im  beisein  seiner  braut  erlaubt  ist.  Ihre  Unter- 
haltung wird  unterbrochen  durch  einen  ohnmachtsanfall  der 
prinzessin  und  durch  das  eintreten  des  königs. 

Die  anwesenheit  der  burgundischen  gaste  war  ihm  mittler- 
weile unbequem  geworden,  weil  sein  zukünftiger  Schwiegersohn 
eine  neigung  für  Isabella  zeigte,  und  mehr  noch,  weil  Karl  der 


74  MANN, 

kühne  mit  guten  gründen  den  verdacht  hegte,  dass  sie  wirk- 
lich bei  Ludwig  eine  Zuflucht  gefunden  hätten.  Um  Karl  nicht 
zur  unzeit  weiter  aufzureitzen,  beschließet  er,  sie  wider  zur  ab- 
reise zu  veranlassen.  Eine  Unterredung  mit  Olivier  gibt  uns 
(kap.  XI)  über  seine  wahren  beweggründe  aufschluss,  und  er 
kommt  endlich  mit  seinem  kammerdiener  dahin  überein,  dass 
es  das  beste  für  ihn  ist,  wenn  die  damen  sich  in  den  schätz 
des  bischofs  von  Lüttich  begeben.  Quentin  wird  zu  ihrem  be- 
gleiter  ausersehen,  und  der  könig  weiss  sie  zu  der  reise  nach 
Lüttich  zu  bestimmen,  nachdem  er  ihnen  die  Unmöglichkeit 
dargetan  hat,  länger  in  Plessis  zu  bleiben.  —  Dieses  kapitel 
enthält  eine  meisterliche  Zeichnung  der  Charaktere  Ludwig's 
und  Olivier's  und  birgt  zugleich  die  kommenden  ereignisse  im 
keime,  während  es  zum  verständniss  des  vorhergehenden  den 
Schlüssel  bietet.  Meisterlich  ist  insbesondere  auch  die  Schil- 
derung der  bigotterie  Ludwig's,  uud  unser  dichter  begeht  darin 
keine  Übertreibung.  Wir  brauchen  uns  da  nur  der  oben  an- 
geführten worte  Seyssel's  zu  erinnern  oder  den  Seigneur  du 

Haillant  zu  hören: 

'Iamais  homme  ne  fut  plus  bigot  &  superstitieux  que  luy,  il  fai- 
soit  des  choses  qui  estoient  bonnes  en  apparence,  inais  ä  mauuaise 
intentioD,  &  par  sa  bigotterie  il  pensoit  troinper  Dien  &  le  monde. 
•  Les  superstitieux  &  bigots  ne  craignent  pas  de  iaire  mal,  pour  l'opinion 
qu'ils  out  d'auoir  leur  absolntion  par  les  actes  de  leur  bigotterie  & 
superstition'  (Matthieu  XI,  6 IS). 

Seine  religion  war  eben  ein  beständiger  tausch  handel  mit  dem 

himmel,  der  auf  dem  prinzipe  beruhte:  Do  ut  des.  —  Auf  die 

anspielungen  auf  Adolf  von  Geldern,  Wilhelm  von  der  Mark 

und  Ludwig,  den  bischof  von  Lüttich,  werde  ich  weiter  unten 

zurückkommen.  —  Sein  aberglaube  wurde  genährt  durch  den 

blinden  glauben,  den  er  seinen  astrologen  entgegenbrachte: 

'Durant  le  teiups  qu'il  fut  en  Flandres  il  consultait  tousjoure  les 
Astrologues  sur  l'aduenir'  (Matthieu  XI,  72S;  Q.  D.  s.  1S9), 

und  er  hat  solcher  eine  menge  bis  zu  seinem  letzten  äugen- 
blicke  an  seinen  hof  gezogen  und  teuer  bezahlt. 

Als  daher  (kap.  XIII)  Quentin  mit  den  nötigen  Instruktionen 
für  die  reise  versehen  war,  besucht  der  könig  mit  ihm  seinen 
astrologen  Galeotti,  der  in  einem  besonderen  türme  des  Schlosses 
wohnte,  um  von  demselben  etwas  zu  erfahren  über  den  verlauf 
der  geplanten  reise  und  über  das  weitere  Schicksal  des  jungen 
Schotten.    Dieser  Galeotti  hat  wirklich  existiert,  und  es  ist  sehr 


QUENTIN  DÜRWARD.  75 

bezeichnend  für  Scott's  art  und  weise,  die  quellen  zu  benutzen, 
dass  er  die  lebensbeschreibung  dieses  mannes  aus  Naud6  fast 
wörtlich  entlehnt,  ohne  dieses  Schriftstellers  auch  nur  mit  einem 
worte  zu  gedenken.  Man  vergleiche  mit  Q.  D.  s.  197  ff.  das 
folgende  aus  Naudä: 

'Quant  a  Galeotus  Martius1  qui  estoit  natif  de  la  ville  de  Narny 
en  Italie,  c'estoit  vn  honime  consonime*  dans  les  bonnes  lettres,  grand 
Critique,  Philosophe,  Medecin,  Astrologue,  Humaniste  &  Orateur, 
cfime  en  fönt  foy  ses  liures,  de  doctrina  promiscua,  de  ßotnine,  de 
dictis  Matthie  Regis,  de  censura  operü  Philelphi,  Sf  de  vulgo  inco- 
gniiis,  desquels  combien  que  ie  n'en  aye  veu  que  les  trois  premiers 
imprimez,  il  faut  neantmoins  croire  que  le  quatriesme  la  aussi  est6  . . . 
Outre  ce  il  estoit  encore  fort  addroit  au  maniement  de  toutes  sortes 
d 'arm es,  &  quoy  qu'il  fust  de  corpulence  assez  grosse,  pesante  &  in- 
coinmode,  il  surmonta  neantmoins  en  vn  deffy  solemnel  &  par  com- 
bat regl6  le  plus  habile  Luicteur  de  son  temps,  comme  Ianus  Panno- 
nius  Euesque  de  cinq  Eglises  a  remarque"  en  cet  Epigramme  . . .  C'est 
pourquoy  Louys  XL  ayant  entendu  parier  d'vn  tel  prodige  de  s$a- 
'  uoir,  deuint  comme  enuieux  de  Matthias  Coruinus  qui  l'auoit  choisi 
pour  maistre  &  cöpagnon  de  ses  estudes,  &  par  vne  honneste  eniu- 
lation  luy  fit  proposer  de  si  grand s  aduantages,  qu'il  se  delibera  en 
fin  de  quitter  la  Hongrie  pour  mieux  &  plus  plainement  sauourer 
l'honneur  &  la  reputation  qu'il  s'estoit  acquis  par  ses  merites,  &  re- 
spirer  auec  toute  commodit6  Fair  de  la  France,  soubs  la  faueur  & 
liberalitä  d'vn  si  puissant  Roy.  Mais,  ö  malheur  estrange!  comme  il 
fut  arriu6  ä  Lyon  oü  le  Roy  estoit  Fan  1476.  il  se  trouua  si  surpris 
la  par  la  soudaine  rencontre  qu'il  en  fit,  que  se  precipitant  de  mettre 
pied  a  terre  pour  le  saluer,  il  tomba  de  dessus  son  cheual  auec  teile 
violence,  qu'il  se  rompit  le  col,  &  mourut  sur  la  place'  (Naude  V, 
126—129). 

3.   Ereignisse  in  Lüttich. 

Mitten  in  der  nacht  brechen  die  beiden  gräfinnen  Croy 
mit  ihrem  kammermädchen  auf  unter  dem  schütze  Quentiu 
Durward's  und  seiner  kleinen  schaar.  Bei  tagesgrauen,  als  sie 
schon  Tours  weit  hinter  sich  gelassen  haben,  werden  sie  von 
zwei  vollbewaffneten  rittern  eingeholt,  welche  von  dem  jungen 
Schotten  die  Übergabe  der  beiden  damen  verlangen.  Quentin 
setzt  sich  zur  wehr,  wirft  den  einen  durch  einen  geschickten 
lanzenstoss  vom  pferde,  während  der  schwertkampf  mit  dem 
anderen  Quentin  in   der  waffenfUhrung  überlegenen  noch  an- 


1  Nande*  stützt  sich  auf  Mouius  in  elogiis'  (randbemerkung)  und  Scott 
(s.  194)  nimmt  dieses  citat  auf! 


76  MANN, 

dauert,  als  zu  seinem  glück  (kap.  XV)  lord  Crawford  and  Tri- 
stan l'Hermite  auf  dem  schauplatze  erscheinen.  Lord  Crawford 
verhaftet  die  beiden  ritter,  es  sind  Dunois  und  Ludwig  von 
Orleans.  Dieser  hatte,  wie  wir  wissen,  ein  lebhaftes  Inter- 
esse an  der  schönen  gräfin  Isabella  gewonnen  und  hatte  den 
tapferen  grafen  Dunois  vermocht,  mit  ihm  den  damen  nach- 
zusetzen. Das  abenteuer  sollte  ein  schlechtes  ende  nehmen; 
denn  Ludwig,  der  erste  prinz  Frankreichs,  wurde  nicht  nur 
von  Quentin  im  Zweikampfe  besiegt,  er  musste  sogar  mit  Du- 
nois seinen  leichtsinn  im  gefängniss  zu  Loches  büssen.  Diese 
erzählnng  ist  des  dichters  freie  erfindung,  aber  historisch  ist 
die  beschreibung  jenes  gefangnisses,  welche  er  uns  bei  dieser 
gelegenheit  gibt  (XV,  218).»  Comines  berichtet  (VI,  XIII;  Pe- 
titot  XII,  402): 

'II  est  vray  que  le  Roy  nostre  maistre  avoit  fait  de  rigoureuses 
prisoDS,  comme  cages  de  fer  et  autrcs  de  bois,  couvertes  de  plaque» 
de  fer  par  le  dehors  et  par  le  dedans,  avec  terribles  ferrures,  de 
quelques  huict  pieds  de  large,  et  de  la  bauteur  d'un  homme,  et  an 
pied  plus.  Le  preinier  qui  les  de  vis»  fat  l'evesque  de  Verdun,  qui 
en  la  premiere  qui  fut  faite  fut  mis  incontinent  et  a  couche  quatorze 
ans.  Plusieurs  depuis  Tont  maudit,  et  raoi  aussi,  qui  en  ay  tastö, 
sous  le  Roy  de  präsent,  1'espace  de  huict  mois.  Autrefois  avoit  fait 
faire  ä  des  Allemans  des  fers  tres-pesans  et  terribles,  pour  mettre 
aux  pieds;  et  y  estoit  un  anneau  pour  mettre  au  pied  fort  malaise  & 
couvrir,  comme  a  un  carquan;  la  chaine  grosse  et  pesante,  et  une 
grosse  boule  de  fer  au  bout,  beaueoup  plus  pesante  que  n' estoit  de 
raison,  et  les  appeloit-1'on  les  fillettes  du  Roy.' 

Nicht  lange  nach  dem  blutigen  zusammenstosse  mit  Lud- 
wig von  Orleans  und  Dunois  schliesst  sich  Quentin  der  zigeuner 
Hayraddin  Maugrabin  an,  welcher  von  Louis  XI.  den  auftrag 
hat,  den  gräfinnen  Croy  als  führer  bis  nach  LUttich  zu  dienen. 
Scott  liebt  es,  in  seinen  romanen  zigeuner  auftreten  zu  lassen. 
Er  mag  die  Vorliebe  Air  dieses  merkwürdige,  oft  besungene 
wandervolk  in  seinem  heimatlande  gewonnen  haben,  das  noch 
heute  von  einzelnen  abteilungen  durchzogen  wird;  auch  mögen 
seine  Studien  über  den  aberglauben  ihn  auf  sie  besonders  hin- 
gewiesen haben.  Er  versäumt  darum  nicht,  uns  (kap.  XVI) 
durch  den  mund  Ilayraddin's,  der  von  Quentin  befragt  wird, 

1  Nach  Scott  sind  diese  cages  eine  erfindung  Balue's.  Er  wäre  dann 
allerdings  auch  gehörig  ge«traft:  '11  y  avoit  nuatorze  ans  que  le  Cardinal 
BalUe  etoit  enferuie  uans  une  cage  de  fer'  (Varillas  X,  35  =  Scott  XV, 
218  anm.). 


QUENTIN  DURWARD.  77 

über  ihr  wesen  auskunft  zu  geben,  und  fügt  im  anbang  über 
sie  noch  zwei  noten  (D  und  K)  hinzu,  auf  welche  wir  noch 
zurückkommen  werden.  Unter  gesprächen  mit  dem  zigeuner 
oder  den  gräfinnen  setzt  Quentin  seine  reise  fort.  Am  zwölften 
tage  ungefähr  übernachtet  er  in  der  nähe  von  Namur  in  einem 
Franziskanerkloster.  Von  dem  würdigen  abte  desselben  erfährt 
er,  dass  der  berüchtigte  graf  Guillaume  de  la  Marck  die  gegend 
brandschatze,  und  dass  die  Lütticher  einen  aufstand  vorberei- 
teten gegen  ihr  geistliches  Oberhaupt,  den  bischof  Louis  de 
Bourbon,  und  damit  zugleich  auch  gegen  ihren  weltlichen  herrn, 
Karl  von  Burgund.  Trotz  drohender  gefahren  (kap.  XVII)  ge- 
leitet jedoch  Quentin  seine  damen  unangefochten  zum  bischof 
Louis,  der  in  seinem  schlösse  Schönwald  unweit  Lüttich  resi- 
diert, weil  er  sich  in  der  Stadt  selbst  nicht  sicher  genug  fühlt. 
Damit  berührt  Scott  wider  die  geschichte. 

Louis  de  Bourbon,  der  jüngste  von  drei  brüdern  aus  dem 
älteren  zweige  des  hauses  Bourbon,  'possedait  de  helles  quali- 
tez  pour  le  monde',  aber  durch  seinen  onkel,  Philipp  den  guten, 
zum  bischof  von  Lüttich  gemacht,  war  er  den  stolzen  Lüttichern 
im  laufe  der  zeit  missliebig  geworden.1  Varillas  (IV,  335  f.)  gibt 
uns  die  gründe  an: 

'Lotiis  de  Bourbon  Eveque  de  Liege  avoit  et6  61eve  dez  le  ber- 
ceau  ä  la  Cour  de  Bourgogne.  II  ne  connoissoit  personne  dans  celle 
de  France.  II  avoit  de  Fesprit,  &  se  trouvoit  sensible  ä  la  reconnois- 
sance.  Ces  quatre  dispusitions  le  porterent  ä  composer  son  Conseil 
de  Bourgnignons ;  &  ä  confier  ä  cette  Nation  les  principales  Charges 
de  son  Etat,  &  rentiere  direction  de  ses  affaires.  II  rendit  depuis  ä  ses 
Gonfidens  deux  raisons  d'une  si  bizarre  conduite.  L'une  que  les  Etats 
se  conservoient  par  les  meines  voyes  qu'ils  avoient  6t6  acquis,  & 
qu'il  prätendoit  engager  la  Maison  de  Bourgogne  a  le  maintenir  dans 
Liege,  puisqu'U  en  abandonnoit  le  Gouvernement  aux  Serviteurs  les 
plus  devoüez  ä  cette  Maison.  L'autre  qu'ayant  dessein  de  vivre  d'une 
maniere  encore  plus  licencieuse  que  n'avoit  ete  celle  de  son  Prede- 
cesseur,  &  preVoyant  qu'il  y  trouveroit  aussi  de  plus  grands  obstacles, 
il  cherchoit  ä  s'appuyer  des  Bourguignons'. 

Die  Lütticher  nun, 

'jaloux  de  voir  passer  rentiere  administration  de  leur  Etat  en  des  mains 
ätrangeres,  &  scandalisez  de  l'impudicitä  publique  de  leur  Prälat', 

suchten  beim  papste  um  enthebung  Ludwig's  von  seinem  amte 

1  Vgl.  Doc.  relatifs  aux  troubles  du  pays  de  Liege,  sous  les  princes- 
äveques  Louis  de  Bourbon  et  Jean  de  Hörne,  publtäs  par  P.-F.-H.  de  Ram. 
Bruxelles,  1844,  in-4°  =  bd.  XVI  der  Coli,  de  Chroniques  Beiges  Inedites 
publiec  par  ordre  du  gouv. 


78  MANN, 

nach  und  griffen,  als  diese  nicht  gewährt  wurde,  zu  den 
waifen. 

Man  wird  durch  diese  stelle  bei  Varillas  lebhaft  an  das 
bild  erinnert,  welches  im  20.  kapitel  des  romanes  (s.  273)  der 
kaplan  von  dem  vorleben  des  bischofs  Quentin  Durward  gegen- 
über entwirft.  Comines  berichtet  gelegentlich  (II,  IV;  P.  XI,  461): 
'Or  estoient  ces  Liegeois,  desquels  avons  parle  ci-dessus,  ex- 
communiez  cinq  ans  avoit,  pour  le  differend  de  leur  evesque;  dont 
ne  faisoient  nulle  estime,  mais  continuoient  en  leur  folle  etmauvaise 
opinion,  sans  qu'ils  eussent  sceu  dire  qui  les  mouvoit,  fors  trop  de 
bicn  et  grand  orgueil.' 

Im  jähre  1467  hatte  Karl  widerholt  gegen  sie  zu  kämpfen  ge- 
habt, sein  vater,  Philipp  der  gute,  war  über  diesen  kämpfen 
gestorben.  Endlich  schlug  sie  Karl  bei  Saint  Tron,  eroberte 
ihre  Stadt  und  hielt,  nachdem  er  sie  ihrer  Privilegien  beraubt 

hatte,  seinen  einzug  in  die  schwer  gedemütigte  Stadt: 

'Le  lendemain  qne  les  partes  curent  este  baillces  entra  le  duc 
en  la  cite  de  Liege  en  grand  triomphe,  et  luy  fut  abbatu  vingt  brassen 
de  mur,  et  uny  le  fosse  du  long  de  la  grande  breche.  A  l'environ 
de  luy  entrerent  a  pied  bien  deux  mille  hommes  d'armes  armes  de 
tontes  pieces,  et  dix  mille  archers:  et  si  demeura  largement  gens  en 
Tost.  Luy  estant  a  cheval,  entra  avec  les  gens  de  sa  maison,  et  les 
plus  grands  de  l'ost,  les  mieux  parez  et  mieux  accoustrez  que  pour- 
roient  estre'  (Comines  II,  VI;  P.  XI,  456  f.;  vgl.  Scott  XIX,  271  ff.). 

Aber  das  reiche  Lüttich  erholte  sich  bald;. 

( en  ce  temps-la  Liege  estoit  une  des  plus  puissantes  cite*  de  la  con- 
trße,  et  des  plus  peuplfos.' 

Schon  nach  kurzer  zeit,  nach  weniger  denn  einem  jähre,  sehen 
wir  es  wider  im  aufruhr  begriffen.  Die  treibende  Ursache,  ihr 
böser  geist,  war  Louis  XI.  Ludwig  kämpfte  gerade  gegen  die 
herzöge  von  Berry  und  von  der  Bretagne,  deren  verbündeter 
Karl  war.  Er,  der  sich  schon  oft  als  meister  in  der  kunst 
erwiesen  hatte,  verbündete  feinde  zu  trennen1,  richtete  auch 
jetzt  sein  hauptaugenmerk  darauf,  Karl  durch  innere  Unruhen 
in  seinem  lande  von  sich  fern  zu  halten.  Die  Lütticher  schienen 
ihm  die  besten  helfershelfer  zu  sein.  Er  sandte  darum  boten 
an  sie,  um  sie  in  ihrer  widerspänstigkeit  gegen  ihren  herrn  zu 
bestärken.    Als  dann  später  Ludwig  sich  nach  Peronne  begibt, 

1  '.  .  .  le  roy  Louis  nostre  maistre  a  mieux  sceu  entendre  cet  art 
de  separer  les  gens,  que  nul  autre  prince  que  j'aye  janiais  veu  ny  connu; 
et  n'espargnoit  l'argent,  ny  ses  biena,  ny  sa  peine,  non  point  seulement 
envers  les  maistres,  mais  aussi  bien  envers  les  serviteurs'  (Comines  II,  I; 
P.  XI,  435). 


QÜENTIN  DÜRWARD.  79 

um  persönlich  mit  Karl  zu   unterhandeln,  hatte  er  an   diese 

boten  nicht  mehr  gedacht: 

'Le  Roy,  en  venant  a  Peronne,  ne  s'estoit  point  advise  qu'il 
avoit  envoye  deux  ambassadeurs  a  Liege  pour  les  solliciter  contre 
ledit  duc;  et  neantmoins  lesdits  ambassadeurs  avoient  si  bien  diligente, 
qu'ils  avoient  ja  fait  un  grand  amas'  (Comines  II,  VII;  P.  XI,  474). 

Wenn  also  Quentin  bei  seinem  besnche  der  Stadt  wegen 
seines  äusseren  —  er  ging  in  der  tracht  der  schottischen  garde  — 
ftir  einen  der  erwarteten  abgesandten  Ludwig's  gehalten  wird 
und  dadurch,  ohne  es  zu  wollen,  den  anstoss  gibt  zur  be- 
schleunigung  des  angriffs  auf  schloss  Schönwald,  so  ist  deut- 
lich zu  sehen,  wie  weit  hier  Scott  Wahrheit  und  dichtung  ver- 
mengt hat. 

Ein  kämpf  gegen  den  bischof  fand  nun  allerdings  im  jähre 
1468  statt;  derselbe  brach  jedoch  erst  aus,  als  Ludwig  schon 
in  Peronne  war,  und  Quentin  Durward  ist  dort  der  verkünder 
der  schlimmen  botschaft  von  seinem  ausgange. 

Aber  der  dichter  begeht  hier  einen  doppelten  anachronis- 
mus.  Louis  de  Bourbon  wird  nicht  in  diesem  jähre  ermordet, 
ebenso  wenig  wie  Guillaume  de  la  Marck  dieses  mal  beteiligt 
gewesen  ist.  Allerdings  war  nach  den  ersten  nachrichten  aus 
Lüttich  der  bischof  unter  den  getöteten,  und  Scott  mag  sich 
hierdurch  nur  bestärkt  gefühlt  haben,  zum  grossen  vorteil  für 
seine  dichtung  zwei  um  viele  jähre  auseinanderliegende  ereig- 
nisse  zu  verknüpfen. 

Den  aufruhr  von  1468  stellt  Comines  folgendermassen  dar 

(II,  VII;  P.  XI,  474  f.): 

'Et  vinrent  d'emblße  les  Liegeois  prendre  la  ville  de  Tongres 
(=  Schönwald  bei  Scott),  oü  estoit  PeVesque  de  Liege,  et  le  seigneur 
d'Hymbercourt  bien  accoinpagne,  jusques  a  deux  mille  hoinmes  et 
plus,  et  prirent  ledit  ßvesque  et  ledit  d'Hymbercourt,  tuerent  peu  de 
gens,  et  n'en  prirent  nuls  que  ces  deux,  et  aucuns  particuliers  de 
l'ßvesque.  Les  autres  s'enfuyrent,  laissans  tout  ce  qu'ils  avoient, 
comme  gens  desconfits.  Apres  cela  les  dits  Liegois  se  mirent  en 
chemin  vers  la  cite  de  Liege,  assise  assez  pres  de  ladite  ville  de 

Tongres Ce  peuple  estoit  fort  joyeux  de  la  prise  de  leur 

evesque,  le  seigneur  de  Liege.  Ils  avoient  en  baine  plusieurs  cha- 
noines  qu'ils  avoient  pris  ce  jour,  et  a  la  premiere  repue  en  tuerent 
cinq  ou  six  .  .  .  .  Ils  tuerent  ledit  maistre  Robert,  present  ledit 
evesque,  et  en  firent  plusieurs  pieces  qu'ils  se  jettoient  ä  la  teste 
Fun  de  l'autre,  par  grande  derision. 

Avant  qu'ils  eussent  fait  sept  on  huit  Heues  qu'ils  avoient  ä 
faire,  ils  tuerent  jusques  ä  seize  personnes,  chanoines,  ou  autres  gens 


80  MANN, 

de  bien,  quasi  tous  serviteurs  dudit  6vesque.  Faisans  ces  oeuvres, 
lascberent  aucuns  Bourguignons ;  car  ja  sentoient  le  traitä  de  paix 
encoinmencä ,  et  eussent  este  contraints  de  dire  que  ce  n' estoit  que 
contre  leur  evesque  lequel  ils  menerent  prisonnier  en  leur  cite.  Les 
fuyans  dont  j'ay  parle  effroyaient  fort  tout  le  quartier  par  oü  ils  pas- 
soient,  et  vinrent  tost  ces  nouvelles  au  duc.  Les  uns  disoient  que 
tout  estoit  mort,  les  autres  le  contraire.  De  telles  matieres  ne  vient 
point  volontiere  un  messager  seul ;  mais  en  vinrent  aucuns  qui  avoient 
veu  habiller  ces  chanoines,  que  cuidoient  que  ledit  evesque  fast  de 
ce  nombre,  et  ledit  seigneur  d'Hymbercourt,  et  que  tout  le  demen- 
rant  fut  mort  et  certifioient  avoir  veu  les  ambassadeurs  du  Roy  en 
ceste  compagnie  et  les  nommoient.' 

Auch  bei  Varillas  finden  sich  ztige,  welche  Scott  benatzt  hat 
So  gründet  sich  vor  allem  seine  grausig-schöne  Schilderung  des 
nächtlichen  Überfalles  auf  folgende  stelle  bei  Varillas  (IV,  368): 

'L'Eveque  de  Liege,  &  Imbercourt  y  etaient  entrez  avec  deux 
mille  soldats  choisis  des  Troupes  du  Duc  de  Bourgogne:  mais  on  y 
faisoit  si  mauvaise  garde,  que  la  Place  fut  surprise  la  nuit;  &  tout 
ce  qu'il  y  avoit  dedans  fut  fait  prisonnier,  sans  qu'il  en  coutat  aux 
Liegeois  une  goute  de  sang.' 

Scott  lässt  allerdings  den  tapferen  Imbercourt  nicht  mit 
am  kämpfe  teilnehmen,  weil  er  die  besatzung  des  schlösse« 
möglichst  schwach  darstellen  wollte.  Wol  aber  sind  die  wol- 
habenden  Lütticher  bürger  Pavillon  und  Rouslaer  historische 
persönlichkeiten,  wiewol  sie  erst  1482  im  bunde  mit  Olivier  de 
Marck,  dem  eber  der  Ardennen,  an  dem  aufstände  gegen  den 
bischof  sich  hervortun. 

Ueber  diesen  berüchtigten  Olivier  sagt  zunächst  Comines 

(V,  XVI;  Petitot  XII,  280): 

•Peil  connoissant  ce  qui  luy  estoit  bon  ou  contraire  [Louis  de 
Bourbon]  retira  ä  luy  messire  GuUlaume  de  la  Marck,  un  beau  Che- 
valier et  vaillant,  tr£s-cruel  et  mal  conditionnä,  qui  tousjours  avoit 
este  son  ennemy,  et  de  la  maison  de  Bourgogne  aussi,  en  faveur 
des  Liegeois.' 
Hierauf  erwähnt  Comines  ganz  kurz  den  Untergang  Ludwig's. 
Scott' s  hauptquelle  aber  für  die  darstellung  der  eroberung  von 
Schönwald  ist  jedoch,  ohne  dass  sie  der  dichter  freilieh  nennt, 
der  chronist  Jean  de  Troyes.    Was  derselbe  von  den  ereig- 
nissen,  welche  den  tod  des  bischofs  im  gefolge  hatten,  berichtet, 
lässt  sich  zum  grössten  teil  in  der  lebendigen,  von  der  phan- 
tasie  ausgeschmückten  Schilderung  Scott's  widererkennen.    Es 
heisst  bei  Jean  de  Troyes  (Petitot  XIV,  105  f.): 

'En  ladicte  annee  (1482),  6s  mois  d'aoust  et  septembre,  un  Che- 
valier du  pays  de  Liege,  nomuie  messire  GuUlaume  de  la  lUrehe, 


QüENTIN  DURWARD.  81 

dit  le  Sanglier  d'Aniainc,  fist  et  conapira  guerre  ni  ort  eile  aleccontre 
de  tres-noble  et  tres-reverend  pere  en  Dien  monaeigneur  Loys  de 
Bourbon,  evesque  de  ladicte  cite  de  Liege;  qui  avoit  panvant  nourry 
ledit  Sanglier  d'Ardaine,  pour  le  tuer  et  meurdrir;  et  apres  ce  fait, 
de  mettre  et  faire  evesque  dudit  Liege  le  frcre  dudit  Sanglier.  Et 
pour  faire  par  icelluy  Sanglier  aa  dampnee  entreprise,  le  Roy  luy  fist 
delivrcr  argent  et  gens  de  guerre  en  grant  nombre,  au  moyen  dea- 
qiiels,  et  ansai  de  certain  nombre  de  maiivais  gar^ons,  larrons  et 
pipeurs,  et  pillars,  qu'il  print  et  assembla  tant  on  ta  Tille  de  Paris 
que  en  aucuns  des  villaiges  voiains  d'icelle  ville,  jusques  au  nombre 
de  II  i  III  mil,  lesquels  il  fist  vestir  et  babiller  de  robes  rongea,  et 
ä  chascunö  desdites  robea  desaua  la  manche  seneatre  y  fist  mettre 
ii ue  bore  de  sanglier.  Et  eatoient  lesdits  inauvais  gargona  legiere- 
raent  armez:  et  ainsi  ledit  Sanglier  les  mena  jusques  audit  pays  du 
Liege.  Et  luy  illec  arrive,  trouva  fac,on  et  moyen  d'avoir  iutelligence 
avecques  aucuns  traistres  Liegeois  de  ladicte  ville  alencontro  de  leur 
seigneur,  de  deehaaaer,  tuer  et  meurdrir  leurdit  evesque,  et  le  mettre 
horB  de  la  cite,  avecques  ce  qu'il  avoit  de  gens:  ce  que  firent  leadicts 
Liegois;  et,  soubs  umbre  d'une  amitif,  fainte  qu'ila  disoient  avoir  i\ 
leurdit  evesque,  luy  dirent  que  force  estoit  qu'il  alaat  asaaillir  sondit 
eonemy,  et  que  sesdits  habitans  le  suivroient  cn  armes,  et  vivroient 
et  mourroient  pour  luy,  et  qu'il  n'y  auroit  point  de  faulte  que  ledit 
Sanglier  et  aa  compaignie  demoureroient  desconfita  et  destruita.  I.e- 
quel  monaeigneur  du  Liege,  taclinant  ä  leur  requeste,  saillit  de  ladicte 
cite  du  Liege,  et  ala  avecques  eulx  ans  champa  tout  droit  ou  estoit 
ledit  de  la  Harche  lequel  quaut  il  vit  ledit  evesque,  ae  descouvrit 
de  l'embucbe  oi'i  il  estoit,  et  s'eu  vint  tout  droit  audit  monaeigneur 
l'evesque.  Et  quant  lesdits  traistres  habitans  du  Liege  virent  leurdit 
evesque  es  maiua  dudit  de  La  Harche  aon  ennemy,  lui  tournerent  le 
dos,  et  aans  coup  ferir  s'en  retouruerent  en  ladicte  cite  de  Liege. 
Et  Incontinent  ledit  monaeigneur  de  Liege,  qui  n'avoit  ayde  ne  se- 
coura  que  de  sea  aerviteurs  et  familiers,  ae  trouva  fort  esbahy:  ear 
ledit  de  La  Harche  qui  estoit  sailly  de  sadite  embusche,  s'en  vint  a 
luy,  et  uns  aultre  choae  dire  luy  bailla  d'une  taille  aur  le  visage  et 
puis  luy  inesme  le  tu»  de  aa  propre  main:  et  apres  ce  fait,  iceluy  de 
La  Harche  fist  mener  et  getter  ledit  evesque,  et  estendre  tout  nud  en 
la  grant  place  devant  l'eglise  Sainct  Lambert,  maistresse  egliae  de 
ladicte  cite  de  Liege,  ou  illec  fut  manifestem ent  monsträ  tout  mort 
■nx  habitans  de  ladicte  ville,  et  a  un  enasenn  qui  le  vouloit  veoir.' 

Nor  wenig  von  Jeat  de  Troyes  abweichend  erzählt  anefi 
Varillas  diese  blutigen  Vorgänge.  Seine  darsteilung  ist  aber  des- 
halb für  uns  so>  wichtig,  weil  er  nns  ausserdem  eine  charakter- 
zuiuhnnog  Olivier'e  gibt,  die  das  bisher  ans  der  geschichte  ge- 
wonnene bild  wesentlich  vervollständigt.  Hag  Scott  anch  mit 
diehterim:ber  frei  hei  t  das  bild  dieses  nnmenschen  zu  sehr  in's 
Übertrieben  haben,  er  hat  doch 


82  MANN, 

alle  hauptmomente  seiner  darstellung  aus  dem  wahrheitsgetreuen 
Varillas  geschöpft.    Es  heisst  da  (VIII,  255  f.): 

cL'Ev£que  de  Liege  avoit  ete  sujet  ä  Finconvenient  des  Souve- 
räns, qui  pretendent  mener  une  vie  voluptueuse;  puisqu'il  avoit  ab- 
solument  laisse  le  soin  de  ses  affaires  tant  politiques  que  domestiquea 
a  Guillaume  de  la  Mark  son  Favory.  La  Mark  etait  de  taille  de 
geant;  &  si  robuste,  que  les  hommes  les  plus  vigoureux  n'osofent 
I117  preter  le  colet.  Sa  grandeur  &  sa  grosseur  dtjmesurees  ne  Pem- 
barassoient  point,  parce  qu'il  etoit  extraordinairement  souple.  II 
reiississoit  en  toutes  sortes  d'exercices  de  la  guerre ;  &  pour  achever 
de  former  son  caractere,  il  suffit  de  dire  qu'il  sembloit  que  l'Empe- 
reur  Maximin  fftt  ressuscite  en  luv;  puisqu'il  en  avoit  non  seulement 
toutes  les  bonnes  qualitez,  mais  encore  toutes  les  mauvaises.  II  l'6ga- 
loit  en  brutalite,  &  s'il  ne  surmontoit  en  inconstance,  en  cruautä,  et 
en  perfidie,  ce  n'etoit  pas  qu'il  n'y  föt  assez  porte :  mais  c'etoit  taute 
d'occasion.' 

Diese  ereignisse  benutzt  nun  Scott  folgendermassen:  Nach- 
dem Quentin  Durward  seine  damen  unter  dem  schütze  des 
bischofs  weiss,  begibt  er  sich,  um  sich  zu  zerstreuen,  in  die 
nahegelegene  Stadt  Luttich.  Hier  erregt  seine  erscheinung  bald 
grosses  aufsehen  und  er  wird  von  neugierigen  umlagert,  weil 
man  ihn  wegen  seines  mit  der  lilie  geschmückten  helmes  für 
einen  der  erwarteten  abgesandten  Ludwig's  hält.  Nur  durch 
eine  list  entzieht  er  sich  so  lästiger  Umgebung  und  gelangt 
wider  nach  dem  schlösse  (kap.  XIX).  Dort  ruft  sein  bericht 
von  dem  aufrührerischen  gebahren  der  Ltitticher,  das  er  eben 
kennen  gelernt  hat,  grosse  niedergeschlagen  hei  t,  ja  sogar  furcht 
hervor.  Sie  war  nur  zu  begründet,  denn  in  eben  dieser  nacht 
machten  die  Ltitticher  ihren  angriff  auf  das  schloss.  Quentin 
wird  durch  den  zigeuner  geweckt,  der  die  rettung  der  damen 
schon  vorbereitet  hat.  Und  schon  glaubt  auch  Quentin  sie 
ausser  aller  gefahr,  da  entdeckt  er,  dass  die  nicht  dabei  ist, 
ftir  die  sein  herz  sich  entzündet  hat;  und  er  eilt  zurück  nnd 
bahnt  sich  durch  das  kampfgewühl  einen  weg  zu  ihr,  nm  sie 
zu  retten  (kap.  XX).  Wol  findet  er  sie  noch  unversehrt  in 
einem  versteck  ihrer  wohnnng  vor;  aber  da  Wilhelm  von  der 
Mark  die  tore  hat  schliessen  lassen,  um  die  reichen  gräfinnen 
von  Croy,  von  denen  das  gerücht  ging,  dass  sie  im  schlösse 
wären,  nicht  entkommen  zu  lassen,  gilt  es  zur  list  seine  Zuflucht 
zu  nehmen.  Glücklicherweise  verbindet  sich  Quentin  durch 
hilfeleistung  den  reichen  und  angesehenen  Lütticher  bttrger 
Pavillon,  der  nun  die  gräfin  für  seine  tochter  aaszugeben  ver- 


QUENTIN  DURWARD.  83 

spricht  (kap.  XXI).  Von  einer  sckaar  Lütticher  begleitet  ziehen 
sie,  um  ungehinderten  abzog  zu  erlangen,  in  die  grosse  halle 
des  Schlosses,  wo  der  wilde  eber  mit  seinen  wilden  genossen 
ein  wüstes  siegesfest  feiert  Wie  gefährlich  ihr  unternehmen 
ist,  wie  viel  list  und  ktihnheit  es  erfordert,  und  welch  gräss- 
lichen  scenen  sie  hierbei  ausgesetzt  sind,  wird  uns  in  kap.  XXII 
geschildert  Quentin  zeigt  sich  wider  als  der  helfer  in  der  not 
und  als  ein  wahres  wunder  von  unerschrockenheit.  Nachdem 
sie  auch  noch  den  tod  des  bischofs  mit  haben  ansehen  müssen, 
dürfen  sie  endlich  abziehen,  und  so  kommt  Quentin  mit  der 
jungen  gräfin  in  das  gastliche  haus  Pavillon's.  Aber  auch  hier 
ist  ihres  bleibens  nicht  lange,  da  ihre  an  Wesenheit  verdacht 
erregen  und  dem  biederen  Syndikus  arge  Verlegenheit  bereiten 
musste.  Da  die  gräfin  Isabella  sich  keinen  rat  mehr  weiss, 
beschliesst  sie  in  ihrer  not,  an  den  burgundischen  hof  zurück- 
zukehren und  ihren  lehnsherrn  um  gnade  anzuflehen.  Quentin 
begleitet  sie.  Mit  der  Unterstützung  Pavillon's  verkleiden  sie 
sich  und  gelangen  unbehelligt  aus  der  stadt.  Unterwegs  jedoch 
werden  sie  von  einer  abteilung  jener  berüchtigten  schwarzreiter 
verfolgt;  sie  suchen  ihr  heil  in  der  flucht  und  fallen  dabei  einem 
häufen  burgundischer  reisiger  in  die  bände,  welcher^  unter  dem 
befehle  des  grafen  von  Crövecoeur  steht  (kap.  XXIII).  Dieser 
übergibt  seine  trappe  seinem  neffen  und  schickt  sich  an,  die 
gräfin  selbst  nach  Peronne,  wo  sich  der  herzog  aufhielt,  zu 
geleiten.  Quentin  muss  ihm  folgen.  Als  er  jedoch  durch  den 
Schotten  vernimmt,  was  sich  in  Lüttich  zugetragen,  lässt  er 
die  gräfin  in  Charleroi  in  einem  kloster  zurück  und  sucht  so 
schnell  als  möglich  mit  Quentin  nach  Peronne  zu  gelangen, 
um  dem  herzog  als  erster  die  unheilvolle  künde  zu  überbringen 
(kap.  XXIV)  und  ihm  beratend  und  helfend  zur  seite  zu  stehen. 
Ungefähr  zwei  meilen  von  der  Stadt  trifft  er  auf  zwei  herren 
von  hohem  rang,  welche  der  falkenjagd  obliegen  (kap.  XXV). 
Der  eine  ist  der  tapfere  ritter  Hymbercourt,  der  später  seine 
treue  anhänglichkeit  an  das  haus  Burgund  mit  seinem  blute 
besiegelte  (Matthieu  VIII,  437  f.).  Er  stammte  aus  der  um- 
gegend  von  Amiens  (Petitot  XI,  443)  und  wurde  im  jähre  1477 
von  den  aufrührerischen  bewohnern  der  Stadt  Gent  fast  unter 
den  äugen  seiner  ftirstin  Maria  trotz  deren  flehentlicher  fürbitte 
hingerichtet  (C.  V,  XVII;  P.  XII,  281).  Im  romane  spielt  er  eine 
ganz  untergeordnete  rolle.    Comines  (II,  II;  P.  XI,  443)  nennt  ihn 

6* 


84  MANN, 

(un  des  plus  sages  Chevaliers  et  des  plus  cntendus  que  je  connus 
jamais ', 

und  an  anderer  stelle  (V,  XV;  P.  XII,  268)  sagt  er  von  ihm: 

'et  n'ay  point  souvenance  d'avoir  veu  un  plus  sage  gentilhomme,  ne 
mieux  adextre  pour  conduire  grandes  matteres.' 

Alle  zengnisse  stimmen  darin  ttberein,  dass  er  eine  durchaus 
gerade  und  ehrliche  natur  war,  eine  cigenschaft,  die  in  dieser 
zeit  des  lugs  und  trugs  an  einem  manne  seiner  Stellung  beson- 
ders hoch  zu  schätzen  ist.  Sein  begleiter  nun  auf  der  falken- 
jagd  ist  der  grosse  geschichtsschreiber  Ludwig's  XI.,  Philippe 
des  Comines.  Kaum  sind  die  beiden  Jäger  des  streitbaren 
Crßvceoeur  ansichtig  geworden,  als  sie  ihn  mit  der  nachricht 
überraschen,  dass  könig  Ludwig  in  Peronne  sei.  So  unglaub- 
lich klingt  die  künde,  dass  es  geraumer  zeit  bedarf,  ehe  der 
graf  sich  von  seinem  staunen  erholt  und  nach  gründen  sucht, 
die  das  wagehalsige  unternehmen  des  königs  erklären  könnten. 
Sie  berichten  ihm  dann  weiter:  Karl  der  kühne,  der  ewigen 
Umtriebe  seines  königlichen  vetters  müde,  habe  eben  seinen 
herold  Toison  d'Or  satteln  heissen,  um  dem  bösen  nachbar 
fehde  anzusagen,  da  sei  dessen  herold  Montjoie  in's  lager  ge- 
ritten und  habe  die  ankunft  seines  herrn  vermeldet  Dieser 
sei  denn  auch  zur  Verwunderung  aller  bald  darauf  in  seinem 
gewohnten  ärmlichen  aufzuge  und  unter  ganz  geringer  be- 
deckung  eingezogen.  Unter  seinem  gefolge  befunden  sich  Or- 
leans und  Dunois  und  seine  wenigen  vertrauten:  der  kardinal 
Balue,  der  barbier  Olivier,  der  astrolog  Galeotti  und  der  pro- 
foss  Tristan.  Der  herzog  habe  Ludwig  zu  seiner  Sicherheit 
die  besetzung  eines  tores  und  einer  brücke  über  die  Somme 
durch  die  schottische  garde  angeboten  und  bequeme  wohnung 
in  einem  anliegenden  hause,  aber  der  könig  habe  im  lager 
Karl's  die  banner  so  vieler  von  ihm  geächteter  französischer 
ritter  gesehen,  dass  er,  deren  räche  fürchtend,  sich  das  feste 
schloss  der  stadt  selbst  zum  anfenthaltsort  auserbeten  habe. 
Dort  wohne  er  nun  tatsächlich,  sicher  zwar  vor  einem  Überfall 
jener  herren,  aber  um  so  sicherer  auch  in  den  händen  seines 
gegners.  Deshalb  habe  man  auch  Karl  geraten,  diese  günstige 
gelegenheit  auszunutzen,  er  aber  habe  seinen  willen  dahin  kund 
gegeben,  dass  er  sich,  so  lange  ihm  Ludwig  die  treue  halte, 
nicht  an  ihm  vergreifen  werde;  auch  gedenke  er,  dass  nach 
der  schlacht  von  Montl'hery  der  zufall  ihn  in  des  königs  band 


QUENTIN  DURWARD.  85 

gegeben,  und  doch  habe  Ludwig  ihn  ungekränkt  ziehen  lassen. 
Dies  sind  in  kürze  die  ereignisse,  welche  Hymbercourt  und 
Comines  dem  grafen  berichten.  Sie  wenden  sich  nun  alle  zur 
heimkehr,  während  welcher  Crövecoeur  seinerseits  die  neuig- 
keiten  erzählt,  die  er  von  Quentin  erfahren  hat.  Gestreckten 
laufes  erreichen  sie  die  Stadt  der  denkwürdigen  Zusammenkunft. 

4.   Die  Zusammenkunft. 

Hatte  Crßvecoeur  die  nachricht  von  des  königs  anwesen- 
heit  in  Peronne  zunächst  nicht  anders  sich  erklären  können, 
als  dass  Ludwig  diese  Stadt  belagere,  oder  dass  Eduard  von 
England,  der  verbündete  Karl's,  plötzlich  herübergekommen  sei, 
ein  zweites  Poitiers  erfochten  habe  und  nun  Ludwig  gefangen 
halte,  so  kommt  ihm  schliesslich,  nachdem  ihm  die  tatsäch- 
lichen Verhältnisse  auseinandergesetzt  sind,  fast  blitzartig  der 
gedanke,  dass  Ludwig  den  verhängnissvollen  schritt  auf  ein- 
gebung  des  kardinals  Balue  getan  habe.  Nun  ist  zwar  das 
zusammentreffen  der  drei  burgundischen  Würdenträger  vor  der 
stadt  eine  freie,  aber  ausserordentlich  glückliche  erfindung  des 
dichtere,  in  der  angedeuteten  Vermutung  jedoch,  welche  er 
Crövecoeur  aussprechen  lässt,  wie  überhaupt  in  den  reden,  die 
er  allen  dreien  in  den  mund  legt,  hält  sich  Scott  durchaus 
innerhalb  der  geschichtlichen  Wahrheit 

Es  kann  keinem  zweifei  unterliegen,  dass  der  ränkesüch- 
tige ratgeber  seinen  ränkesüchtigen  herrn  in  eine  falle  ge- 
lockt hat.  Jean  de  Troyes  (Petitot  XIII,  388  f.)  spricht  es  rück- 
haltslos aus: 

'Au  mois  d'avril  ensuivant  1469,  maistre  Jehan  Ballue,  cardinal 
d'Angiers,  qui  en  peu  de  temps  avoit  eu  de  moult  grans  biens  du 
Roy  et  du  Pape  par  le  moyen  du  Roy,  qui  pour  Pavancer  et  faire  si 
grand  comme  de  cardinal,  et  auquel  cardinal  le  Roy  se  fioit  moult 
fort,  et  faisoit  plus  pour  luy  que  pour  prince  de  son  sang  et  lignaige, 
et  icelluy  cardinal  non  ayant  Dieu  en  memoire,  ne  l'lionneur  et  prouffit 
du  Roy,  ne  du  royaulme  devant  ses  yeux,  mena  le  Roy  jusques  a 
Peronne,  auquel  Heu  il  le  fist  joindre  avec  icelluy  duc  de  Bourgogne, 
et  leur  fit  faire  une  teile  quelle  paix,  laquelle  fut  juree  et  promise 
entre  les  mains  dudit  cardinal.' 

Balue  war  es  auch  gewesen,  welcher  im  verein  mit  Tanne- 
guy du  Chastel  in  Peronne  die  Verhandlungen  führte,  die  dem 
besuche  des  königs  voraufgingen.  Denn  überraschend  und  un- 
erwartet, wie  der  dichter  es  darstellt,  kam  Ludwig  nicht  nach 


86  MANN, 

Peronne,  ja  es  bedurfte  sogar  der  Überredungskunst  seiner  ab- 
gesandten, um  Karl  überhaupt  für  eine  Zusammenkunft  geneigt 
zu  machen,  da  dem  herzog  der  aufstand  der  Ltitticher  drohte 
und  er  hinter  der  absieht  des  königs  nur  unheil  für  sich  ver- 
mutete. Ludwig  seinerseits  war  klug  genug,  sich  für  sich  und 
seine  begleiter  Sicherheit  der  person  und  freies  geleit  für  die 
hin-  und  rtickreise  gewährleisten  zu  lassen  (C.  II,  V;  P.  XI,  465). 
Man  sieht,  eine  fürstenzusammenkunft  war  schon  damals  ein 
ereigniss,  das  die  kabinete  vorher  bewegte.  Der  geleitsbrief 
Karls,  gewissermassen  ein  offizielles  einladungsschreiben,  möge 
hier  folgen: 

'  Monseigneur, 

trcs-humblement  en  vostre  bonne  gräce  me  recommande.  Mon- 
seigneur, se  vostre  plaisir  est  venir  en  cette  ville  de  Peronne  pour 
nous  entrevoir,  je  vous  jure  et  promets,  par  ma  foy  et  sur  mon 
honneur,  que  vous  y  pouvez  venir,  demourer  et  sejourner,  et  vous 
en  re tourner  seurement  äs  lieux  de  Cbauny  et  de  Noyon,  ä  vostre 
bon  plaisir,  toutes  les  fois  qu'il  vous  plaira,  franchement  et  quitte- 
ment,  sans  ce  qu'aucun  empeschement  de  ce  faire  soit  donne  ä  vous, 
ny  nuls  de  vos  gens,  par  moy  ne  par  autre,  pour  quelque  cas  qni 
soit  ou  puisse  advenir.  En  tesmoin  de  ce,  j'uy  escrit  et  signe  cette 
cedule  de  ma  main  en  la  ville  de  Peronne,  le  huictiesme  jour  d'oe- 
tobre  Tan  146S. 

Vostre  tres-humble  et  tr£s-obeissant  subjet, 

Charles.' 

Für  die  Unterhaltung  der  drei  burgundischen  grossen  hat 
sich  nun  Scott  folgendes  aus  Comines  (II,  V;  Petitot  XI,  467  ff.) 
entnommen: 

'Vous  avez  entendu  par  quelle  maniere  avoit  este  conclu  que 
le  Roy  viendroit  ä  Peronne.  Ainsi  le  fit,  et  n'ainena  nulle  garde; 
mais  voulut  venir  de  tous  poinets  a  la  garde  et  seurete  dudit  duc, 
et  voulut  que  monseigneur  des  Cordes  iuy  vint  au  devant  avec  Us 
archers  dudit  duc  pour  le  conduire.    Ainsi  fut  fait.    Peu  de  gemi 

vinrent  avec  luy:  toutesfois  il  y  vint  de  grands  personnages 

Aussi  y  vint  le  cardinal  Ballue Comrae  le  Roy  approcha  de 

la  ville  de  Peronne,  ledit  duc  luy  alla  au  devant  bien  fort  aecompagne, 
et  le  mena  en  la  ville  et  le  logea  chez  le  receveur  (qui  avoit  belle 
maison,  et  pre's  du  chausteau),  car  le  logis  du  chasteau  ne  valoit 
rien,  et  y  en  avoit  peu.J 

'Le  duc  de  Bourgogne  avoit  mandc  Tarniee  de  Bourgogne,  oü 
pour  ce  tenips-lii  avoit  grand'  noblessc;  et  avec  eux  venoient  mon- 
seigneur de  Bresse  (=  Philippe  de  Savoie),  l'evesque  de  Geneve 
(=  Francis  de  Savoic),  le  couitc  de  Romont  (=  Jacques  de  Savoie), 
tous  freres,  enfans  de  la  maison  de  Savoye  ....  Or  faut  entendre 
que  le  Roy  avoit  autrefois  tenu  ledit  seigneur  de  Bresse  en  prison, 


QÜENTIN  DURWARD.  87 

a  cause  de  deux  Chevaliers  qu'il  avolt  fait  tner  en  Savoye:  par  quoy 
n'y  avoit  pas  grand  amour  entre  eux  deux. 

En  cette  compagnie  estoit  encore  monseigneur  Du  Lau  (que  le 
Roy  semblablement  avoit  long  temps  tenu  prisonnier . .  .)  et  messire 
Poncet  de  Riviere,  et  le  seigneur  d'Urf6  ....  et  entra  ledit  de  Bresse 
et  les  trois  dont  j'ay  parte,  en  la  ville  de  Peronne,  portans  la  croix 
Sainct-Andr6  .  .  .  .' 

Tost  fut  le  Roy  adverty  de  l'arrivee  de  tous  ces  gens  dessus 
nomniez,  et  des  babillemens  en  quoy  estoient  arrivez:  si  entra  en 
grande  peur,  et  envoya  prier  au  duc  de  Bourgogne  qu'il  püt  loger 
au  chasteau,  et  que  tous  ceux  la  qui  estoient  venus  estoient  ses  mal- 
veillans.  Ledit  duc  en  fut  träs  joyeux,  et  luy  fit  faire  son  logis,  et 
l'asseura  fort  de  n'avoir  nul  doute.' 

Man  wird  hierzu  die  entsprechenden  stellen  des  25.  kapitels 
im  romane  leicht  auffinden.  Nicht  unwichtig  scheint  mir  noch 
hervorzuheben,  dass  Ludwig  gerade  Crövecoeur  —  Crövecoeur 
und  des  Cordes  ist  ein  und  dieselbe  persönlichkeit  —  zum  ge- 
leitsmann  sich  auserbeten  hat.  Wir  erinnern  uns,  dass  Cröve- 
coeur  als  burgundischer  abgesandter  in  Plessis  vom  könig  mit 
besonderer  auszeichnung  empfangen  wurde.  In  dieser  darstellung 
fosste  Scott  gewiss  auf  der  angegebenen  tatsache.  Comines  führt 
noch  als  hervorragende  begleiter  Ludwig's  die  herzöge  Charles 
und  Jean  de  Bourbon  und  den  grafen  von  Saint-Paul  an;  die- 
selben treten  aber  bei  Scott  nicht  handelnd  auf. 

Die  grundlage  für  die  kapitel  XXVI  und  XXVII  bildet 
widerum  Comines.    Er  erzählt  (II,  VII;  Petitot  XI,  473  ff.): 

'Or  vous  avez  ouy  de  l'arriväe  de  cette  arm6e  de  Bourgogne, 
laquelle  fut  a  Peronne  presque  aussi  tost  que  le  Roy,  car  ledit  duc 
ne  les  eust  sceu  contraindre  ny  contremander  a  temps;  car  ja  bien 
avant  estoient  en  campagne  quand  la  venue  du  Roy  se  traitoit,  et 
troublerent  assez  la  feste  par  les  syspicions  qui  advinrent  apres. 
Toutesfois  ces  deux  princes  cominirent  de  leurs  gens  a  estre  en- 
semble,  et  traiter  de  leurs  affaires  le  plus  amiablement  que  faire  se 
pourroit :  et  comrae  ils  estoient  bien  avant  en  besogne,  et  ja  y  avoient 
est6  par  trois  ou  quatre  jours,  survinrent  de  tr6s-grandes  nouvelles  et 
affaires  de  Liege,  que  je  vous  diray. 

Le  Roy,  en  venant  ä  Peronne,  ne  s'estoit  point  advisä  qu'il 
avoit  envoye  deux  ambassadeurs  a  Liege  pour  les  solliciter  contre 
ledit  duc;  et  neantinoins  lesdits  ambassadeurs  avoient  si  bien  dili- 
gentia, qu'il  avoient  ja  fait  grand  amas.1  ...  et  vinrent  tost  ces  nou- 
velles au  duc  ....  aucuns  ....  certifioient  avoir  ven  les  ambassa- 
deurs du  Roy  en  cette  compagnie,  et  les  nommoient.    Et  fut  contä 

1  Hier  folgen  die '  einzelbeiten  des  kampfes ,  die  wir  oben  schon 
anführten. 


88  MANN, 

tout  cecy  audit  duc,  qui  sondainement  y  adjousta  foy,  et  entra  en 
une  grande  colere,  disant  que  le  Roy  estoit  venu  la  pour  le  tromper: 
et  soudainement  envoya  fermer  les  portes  de  la  ville  et  da  ch&steaa  . . . 
Le  Roy  qui  se  vid  enferme  en  ce  chasteau  (qui  estoit  petit),  otforoe 
arehers  a  la  porte,  n'estoit  point  sans  doute,  et  se  voyoit  löge  rasibus 
d'une  grosse  tour,  oü  un  comte  de  Yermandois1  fit  mourir  un  sien 
predecesseur  roy  de  France.  Pour-  lors  estoye  encor  aveo  ledit  duc, 
et  le  servoye  de  chambellan,  et  couchoye  en  sa  chambre  quand  je 
vouloys;  car  tel  estoit  l'usance  de  cette  maison. 

Ledit  duc,  quand  il  vid  ses  portes  formees,  fit  saillir  les  gens 
de  sa  chambre,  et  dit,  a  aucuns  que  nous  estions,  que  le  Roy  estoit 
venu  lä  pour  le  trahir,  et  qu'il  avoit  dissimule  ladite  venue  de  tonte 
sa  puissance,  et  qu'elle  s'cstoit  faite  contre  son  vouloir:  et  va  conter 
ces  nouvelles  de  Liege,  et  comme  le  Roy  l'avoit  fait  conduire  par 
ses  ambassadeurs,  et  comme  tous  ses  gens  avoient  estö  tuez:  et  estoit 
terriblement  esmeu  contre  le  Roy,  et  le  menacoit  fort:  et  croy  veri- 
tablement  que  si  ä  cette  heure-la  il  eut  trouve  ceux  ä  qui  il  s'adres- 
soit  prests  a  le  conforter  ou  conseiller  de  faire  an  Roy  une  mauvaiae 
compagnie,  il  eust  este  ainsi  fait,  et  pour  le  moins  eust  este  mis  en 
cette  grosse  tour.  Avec  moi  n'y  avoit  ä  ces  paroles  que  deux  va- 
lets-de-chambre,  Fun  appellc  Charles  de  Visen,  natif  de  Dijon,  homme 
honneste,  et  qui  avoit  grand  credit  avec  son  maistre.  Nous  n'aigrismes 
rien,  nous  audoucismes  a  notre  pouvoir.  Tost  apres  tint  aucunes  de 
ces  paroles  ä  plusieurs,  et  coururent  par  toute  la  ville,  jusques  en  la 
chambre  oü  estoit  le  Roy,  lequel  tut  fort  effraye:  et  si  estoit  geme- 
ralement  chacun,  voyant  grande  apparence  de  mal,  et  regardant  quantes 
choses  y  a  a  considerer  pour  pacefier  un  differend,  quand  il  est  com- 
mence  entre  si  grands  princes,  et  les  erreurs  qu'ils  firent  tous  deux 
de  n'advertir  leurs  serviteurs  qui  estoient  loin  d'eux,  empesches  pour 
leurs  affaires,  et  ce  qui  soudainement  en  cuida  advenir. 

J'ay  beaucoup  mis,  avant  que  retourner  ä  mon  propos  de  rarrest, 
en  quoy  estimoit  le  Roy  estre  a  Peronne,  dont  j'ay  parl6  cy-devant: 
et  en  suis  sailly  pour  dire  mon  advis  aux  princes  de  telles  assem- 
blees.  Ces  portes  ainsi  fermees,  et  gard^es  par  ceux  qui  y  estoient 
commis,  furent  ainsi  II  ou  III  jours:  et  cependant  ledit  duc  de  Bour- 
gogne  ne  vit  point  le  Roy,  ny  n'entroit  des  gens  du  Roy  au  chasteau 
que  peu,  et  par  le  guichet  de  la  porte.  Nuls  des  gens  dudit  seigneur 
ne  furent  ostez  d'aupres  de  luy;  mais  peu  ou  nuls  de  ceux  du  due 
alloient  parier  ;\  luy  ny  en  sa  chambre,  au  moins  de  ceux  qui  avoient 
aucune  authorite  avec  luy.  Le  premier  jour,  ce  fut  tout  effroy  et 
murmure  par  la  ville.  Le  second  jour,  ledit  duc  fut  un  peu  refroidy: 
il  tint  conseil  la  pliispart  du  jour,  et  partie  de  la  nuict.  Le  Roy  fai- 
soit  parier  a  tous  ceux  qu'il  pouvoit  penser  <|ui  luy  ]>ourroient  ayder, 
et  ne  failloit  pas  a  promettre,  et  ordonna  distribuer  quinze  mille  escus 


1  üerbert  de  Yermandois.  Man  machte  den  künig  darauf  aufmerk- 
sam mit  den  worten:  'C'est  k*i  (ju'est  mort  un  roi  de  France  \  Petitot 
XI,  27 G,  anm.  3.    Scott  benutzte  diese  anmerkung. 


QÜENTIN  DÜRWARD.  89 

d'or:  mala  celuy  qui  en  eut  la  Charge  en  retint  une  partie,  et  s'en 
acquita  mal,  comme  le  Roy  sceut  depuis.  Le  Roy  craignoit  fort  ceux 
qui  autresfois  l'avoient  servy,  lesquels  estoient  venus  avec  cette 
armee  de  Bourgogne  dont  j'ay  parl6,  qui  ja  se  disoient  au  duc  de 
Normandie  son  frere.  A  ce  conseil  dont  j'ay  parle,  y  eut  plusieurs 
opinions:  la  pluspart  disoient  que  la  seuretä  qu'avoit  le  Roy,  luy  fust 
gardäe,  veu  qu'il  accordoit  assez  la  paix  en  la  forme  qu'elle  avoit 
est6  couch6e  par  escript.  Autres  vouloient  sa  prise  rondement,  sans 
ceremonie.  Aucuns  autres  disoient  qu'ä  diligence  on  fist  venir  mon- 
seigneur  de  Normandie  son  frere,  et  qu'on  fist  une  paix  bien  avanta- 
geuse  pour  tous  les  princes  de  France.  Et  sembloit  bien  a  ceux  qui 
faisoient  cette  ouverture  que  si  eile  s'accordoit,  le  Roy  seroit  restrainct, 
et  qu'on  luy  bailleroit  gardes;  et  qu'un  si  grand  seigneur  pris  ne  se 
delivre  jamais  ou  ä  peine,  quand  on  luy  a  fait  si  grande  offence.  Et 
füren t  les  cboses  si  pr6s,  que  je  vis  un  bomme  house  et  prest  ä  partir, 
qui  ja  avoit  plusieurs  lettres  addressantes  ä  monseigneur  de  Normandie 
estant  en  Bretagne,  et  n'attendoit  que  les  lettres  du  duc:  toutesfois 
cecy  fut  rompu.  Le  Roy  fit  faire  des  ouvertures,  et  offrir  de  bailler 
en  ostage  le  duc  de  Bourbon  et  le  cardinal  son  frere,  le  connestable, 
et  plusieurs  autres,  et  qu'apräs  la  paix  conclue  il  pust  retourner  jus- 
ques  a'Compiegne;  et  qü'incontinent  il  feroit  que  les  Liegeois  repare- 
roient  tout,  ou  se  declareroient  contr'eux.  Ceux  que  le  Roy  nommoit 
pour  estre  ostages,  s'offroient  fort,  au  moins  en  public.  Je  ne  scay 
s'ils  disoient  ainsi  a  part;  je  me  doute  que  non.  Et,  ä  la  veritä,  je 
croy  qu'il  les  y  eust  laissez,  et  qu'il  ne  fust  pas  revenu. 

Ceste  nuict,  qui  fut  la  tierce,  ledit  duc  ne  se  dßpoüilla  oncques : 
seulement  se  coucba  par  deux  ou  trois  fois  sur  son  lit,  et  puis  se 
pourmenoit;  car  teile  estoit  sa  facon  quand  il  estoit  troublä.  Je 
couchay  cette  nuict  en  sa  chambre,  et  me  pourmenay  avec  luy  par 
plusieurs  fois.  Sur  le  matin  se  trouva  en  plus  grande  colere  que  jamais, 
en  usant  de  menaces,  et  prest  ä  executer  grand'  cbose:  toutesfois  il 
se  reduisit  en  sorte  que  si  le  Roy  juroit  la  paix  et  vouloit  aller  avec 
luy  a  Liege  pour  luy  aider  ä  venger  monseigneur  de  Liege  qui  estoit 
son  procbe  parent,  il  se  contenteroit:  et  soudainement  partit  pour 
aller  en  la  cbambre  du  Roy,  et  lui  porter  ses  paroles.  Le  Roy  eut 
quelque  ami  qui  Ten  advertit,  l'asseurant  de  n'avoir  nul  mal  s'il  accor- 
doit ses  deux  poincts;  mais  que,  en  faisant  le  contraire,  il  se  mettoit 
en  si  grand  peril,  que  nul  plus  grand  ne  luy  pourroit  advenir. 

Comme  le  duc  arriva  en  sa  presence,  la  voix  lui  trembloit,  tant 
il  estoit  esmü,  et  prest  de  se  courroucer.  II  fit  humble  contenance 
de  corps,  mais  sa  geste  et  parole  estoit  aspre,  demandant  au  Roy, 
s'il  vouloit  tenir  le  traite  de  paix  qui  avoit  este  escript  et  accordö 
et  si  ainsi  le  vouloit  jurer:  et  le  Roy  lui  respondit  que  ouy.  A  la 
verite  il  n'y  avoit  rien  este  renouvelle  de  ce  qui  avoit  est£  fait  de- 
vant  Paris  toucbant  le  duc  de  Bourgogne,  ou  peu  du  moins:  et  tou- 
chant  le  duc  de  Normandie,  luy  estoit  amande  beaucoup,  car  il  estoit 
dit  qu'il  renonceroit  ä  la  duche  de  Normandie;  et  auroit  Champagne 
et  Brie,  et  autres  pieces  voisines,  pour  son  partage.    Aprßs  luy  de- 


90  MANN, 

manda  ledit  dnc  s'il  ne  vouloit  point  venir  avec  luy  a  Liege,  pour 
aider  ä  revancher  la  trahison  que  les  Liegeois  luy  avoient  firito  k 
cause  de  luy  et  de  sa  venue:  et  aussi  il  luy  dit  la  prochainete  du 
lignage  qui  estoit  entre  le  Roy  et  FeVesque  de  Liege,  car  il  estoit 
de  la  maison  de  Bourbon.  A  ces  paroles  le  Roy  respondit  que  ony, 
mais  que  la  paix  fust  jur6e;  qu'il  estoit  content  d'aller  avec  luy  £ 
Liege,  et  d'y  mener  des  gens  en  si  petit  ou  si  grand  nombre  que 
bon  hü  sembleroit.  Ces  paroles  ejoüirent  fort  ledit  duc,  et  incon- 
tinent  fut  apport6  ledit  traittä  de  paix  et  tut  tiree  des  coffres  du  Roy 
la  vraye  croix  que  sainct  Charlemagne  portoit,  qui  s'appelle  la  croix 
de  victoire,  et  jurerent  la  paix,  et  tan  tost  furent  sonn£es  les  clocbes 
par  la  ville,  et  tont  le  monde  fut  fort  ejotiy.  Autrefois  a  pln  au  Roy 
nie  faire  cet  honneur  de  dire  que  j'avoys  bien  servy  a  cette  pacifi- 
cation.  Incontinent  escrivit  ledit  duc  en  Bretagne  ces  nou volles,  et 
envoya  le  double  du  traitte  par  lequel  ne  se  dejoignoit  ny  se  delioit 
d'eux:  et  si  avoit  ledit  inonseigneur  Charles  partage  bon,  veu  le  traittö 
qu'ils  avoient  fait  peu  avant  en  Bretagne,  par  lequel  ne  luy  demeuroit 
qu'une  pension,  conime  avez  ouy  dire.' 

Nehmeu  wir  nun  den  faden  der  erzählung  wider  auf. 
Nachdem  wir  im  25.  kapitel  durch  die  gespräche  Hymber- 
court's,  Gomines'  und  Crßvecoeur's  auf  die  Zusammenkunft  hin- 
reichend vorbereitet  sind,  kann  uns  der  dichter  nun  mitten 
in  den  ström  der  ereignisse  führen.  So  finden  wir  denn  im 
folgenden  kapitel  Ludwig  und  Karl  nach  den  förmlichkeiten 
des  empfanges  in  lebhafter  Unterhaltung.  Ludwig  ist  sichtlich 
bemüht,  das  misstrauen,  welches  ihm  Karl  entgegenbringt,  zu 
verscheuchen  und  ihn  in  gute  laune  zu  versetzen.  Er  knüpft 
deshalb  an  die  verwandtschaftlichen  beziehungen  an,  in  denen 
sein  haus  und  das  burgundische  zu  einander  stehen,  gedenkt 
mit  erheuchelter  dankbarkeit  und  wemut  der  tage  seiner  Ver- 
bannung \  die  er  unter  dem  schütze  des  gUtigen  herzogs  Philipp 
in  Genappe  im  trauten  verkehr  mit  Karl  verlebt  habe.  Diese 
Sanftmut  behält  er  den  ganzen  tag  bei.  Je  aufgeregter  und 
störrischer  Karl  sich  zeigt,  desto  ruhiger,  geschmeidiger  und 
gefUgiger  stellt  sich  Ludwig.  Und  als  Karl  durch  einen  hin- 
weis  auf  den  connetahle  von  Saint-Paul  in  den  grössten  zorn 
gerät,  weiss  er  ihn  schnell  zu  beruhigen,  indem  er  ihm  nnter 
scherzen  das  haupt  des  grafen  zugesteht,  da  ihm  wolbekannt 

1  Ueber  dieselben  hat  gehandelt:  Baron  de  Reiftenberg,  Memoires 
sur  le  sejour  que  Louis,  Dauphin  de  Viennuis,  dejmis  Koi  sous  le  nom 
de  Louis  XI,  tit  aux  Pays-Kas,  de  Tan  1450  ä  ran  1401.  In:  Nouv. 
Mem.  de  l'Acadcinic  Koyale  des  Sciences  et  Beiles- Lettres  de  Bruxelles. 
t.  V.    1829. 


QUENTIN  DURWARD.  91 

war,  dass  auch  Karl  denselben  jetzt  hasste.1  Aber  es  ist  eine 
mühevolle  aufgäbe  für  den  könig,  den  wilden  sinn  des  herzogs 
zu  meistern,  und  als  er  sich  endlich  zur  nachtruhe  in's  schloss 
zurückziehen  darf,  da  fühlt  er  sich  doch  müde,  abgespannt  und 
niedergeschlagen.  Die  unheimlichkeit  seiner  neuen  wohnung, 
auf  die  er,  wie  auch  Comines  berichtet,  ausdrücklich  aufmerksam 
gemacht  wird,  ist  nicht  geeignet,  seine  Stimmung  zu  erhöhen, 
und  erst  als  er  nachricht  erhalten,  dass  Quentin  Durward  glück- 
lich nach  Lüttich  gekommen  sei  und  als  er  sich  mit  seinen  ge- 
treuen besprochen  hat,  kehrt  sein  lebensmut  zurück. 

Doch  der  neue  tag  bringt  neue  sorgen  (kap.  XXVII).  Zu 
ehren  des  hohen  gastes  findet  zunächst  eine  truppenschau  statt; 
aber  wenn  auch  Ludwig  eine  gleichgiltige  miene  anzunehmen 
weiss,  so  beunruhigt  ihn  doch  die  stattlichkeit  des  burgun- 
dischen  heeres  und  nicht  minder  auch  der  umstand,  dass  so 
viele  französische  grosse  in  demselben  dienen.  Er  richtet  des- 
halb sein  hauptaugenmerk  darauf,  diese  wider  an  sich  zu 
ziehen  und  benutzt  vor  allem  eine  im  laufe  des  tages  statt- 
findende eberjagd  dazu,  die  einflussreichen  persönlichkeiten 
des  burgundischen  hofes  durch  leutselige  rede  und  geschenk 
zu  gewinnen.    Dieser  zug  ist  durchaus  historisch: 

'II  auoit  des  amys  dans  le  conseil  du  Duc',  sagt  Matthieu  (IV,  192), 
'&  faisant  ietter  parmy  eux  douze  ou  quinze  mille  escus,  il  fut  par  ce 
moyen  aduerty  des  resolutions  que  Ton  y  faisoit,  dont  les  plus  douces 
(et)  &  moderees  ne  luy  estoient  pas  agreables.' 

Am  abend  dieses  zweiten  tages  ist  ein  grosses  gastmahl,  wel- 
ches unterbrochen  wird  durch  die  ankunft  Hymbercourt's  und 
Comines',  die  mit  trüben  gesichtern  von  der  falkenjagd  heim- 
kehren und  nach  dem  gründe  ihrer  Verstimmung  gefragt  auf 
die  nachricht  verweisen,  die  Crövecoeur  dem  herzog  in  beson- 
derer audienz  mitteilen  werde.  Er  muss  jedoch  sofort  erscheinen, 
und  so  fällt  mitten  in  das  festgelage  wie  eine  bombe  die  nach- 
richt von  den  ereignissen  in  Lüttich,  die  Ludwig's  verrat  offen- 
kundig machen.  Karl's  zorn  kennt  keine  grenzen,  die  Ver- 
sammlung endet  in  einem  tumult,  und  es  wäre  vielleicht  um 
den  könig  geschehen  gewesen,  wenn  nicht  auf  beiden  Seiten 


1  Wie  wir  gesehen  haben,  begleitete  der  connetable  den  könig  nach 
Pe rönne.  Scott  lässt  ihn  abwesend  sein,  deutet  aber  sein  späteres  Schicksal 
im  obigen  an.  Comines  (II,  V)  berichtet:  *. .  .  pour  lors  le  coeur  luy  estoit 
creu,  et  ne  se  trouvoit  pas  huinble  envers  ledit  duc  comme  autretbis:  et 
pour  cette  cause  n'y  avoit  nul  ainour  entre  les  deux'  (P.  XI,  488). 


92  MANN, 

massgebende  stimmen  zur  Überlegung  gemahnt  hätten:  so  wird 
er  schliesslich  als  gefangener  unter  entsprechendem  geleit  in's 
schloss  gebracht. 

So  anschaulich  der  dichter  diese  Vorgänge  zu  schildern 
weiss,  zum  teil  eben  weil  er  von  der  geschichte  abweicht,  so 
können  wir  ihm  doch  einen  Vorwurf  nicht  ersparen.  Das  recht, 
geschehenes  umzugestalten,  ist  gewiss  in  der  freiheit  des  dichr 
ters  begründet,  aber  er  darf  dabei  den  boden  der  Wahrschein- 
lichkeit nicht  verlassen.  Durchaus  unwahrscheinlich  ist  es  nnn, 
dass  Comines,  der  ratgeber,  und  Hymbercourt,  der  soldat,  am 
zweiten  tage  der  Zusammenkunft,  der  durch  seine  Veranstal- 
tungen der  haupttag  war,  ihrem  eigenen  vergnügen,  einer  tol- 
kenjagd,  hätten  nachgehen  können,  um  so  unwahrscheinlicher 
deshalb,  weil  ja  Karl  schon  eine  jagd  angesetzt  hat  Nicht 
minder  unwahrscheinlich  ist  es,  dass  sie  sich  zum  bankett 
verspäten  dürfen,  da  das  ceremoniell  des  burgnndischen  hofes 
durch  spanischen  einfluss  ausserordentlich  streng  war.  Sie 
werden  also  als  den  ganzen  tag  über  abwesend  gedacht,  und 
doch  begeht  Scott  zwischendurch  die  gedankenlosigkeit,  sie  an 
der  eberjagd  teilnehmen  zu  lassen: 

'During  a  boar-hunt  in  the  forest  .  .  .  Louis  .  .  .  sought  and 
found  the  means  of  speaking  secretly  and  separately  to  many  of 
tbose  who  where  reported  to  have  most  interest  with  Charles,  among 
whom  D' Hymbercourt  and  Comines  tvere  not  forgotten.'  — 

So  kehrt  denn  Ludwig  als  gefangener  in  das  schloss 
zurück,  das  er  am  morgen  als  gebietender  herr  verlassen  und 
die  erinnernng  an  die  blutigen  Vorgänge,  die  sich  in  dessen 
unfreundlichen  räumen  zugetragen  haben,  vermehrt  nur  noch 
seine  düstere  Stimmung.  Welche  gedanken  in  jener  nacht  auf 
ihn  eingestürmt  sind,  weiss  die  geschichte  nicht.  Hier  tritt  der 
dichter  in  sein  recht.  Nachdem  Ludwig  sich  vom  grafen  CWve- 
coeur  in  gewinnender  weise  verabschiedet  und  sein  ehrenwertes 
gefolge  entlassen  hat,  kostet  er  zunächst  die  ganze  quäl  seiner 
läge  durch,  bis  das  gefllhl  der  Ohnmacht  sich  löst  in  vorwürfe 
gegen  sich  selbst  und  endlich  ganz  aufgeht  in  dem  gedanken, 
räche  zu  nehmen  an  denen,  die  ihn  zu  dem  verhängnissvollen 
schritte  verleitet  haben,  Balue  durch  seinen  rat  und  Galeotti 
durch  seine  günstigen  deutungen  aus  den  Sternen.  Balue  ist 
in  der  Stadt,  so  kehrt  sich  denn  seine  wut  gegen  den  astro- 
logen.    Doch  zuvor  sucht  er  trost  im  gebet  zur  heiligen  jung- 


QUENTIN  DURWARD.  93 

frau  von  Clery,  deren  schütz  er  durch  das  versprechen  be- 
stimmter weihgeschenke  zu  erlangen  hofft.  Die  eigentümliche 
fassung  desselben  ist  eine  nachbildung  jenes  für  Ludwig's 
aberglauben  so  bezeichnenden  gebetes,  das  er  einst  zur  selben 
Jungfrau  gesprochen.  Dasselbe  ist  uns  mit  den  näheren  um- 
ständen von  Brantöme1  überliefert: 

'Entre  plusieurs  bons  tours  de  dissimulation,  faintes,  finesses  et 
galanteries  que  fit  ce  bon  roy  en  son  temps,  ce  fut  celuy,  lors  que 
par  gentiile  industrie  il  fit  mourir  son  frere  le  duc  de  Guyenne,  quand 
il  pensoit  le  moins,  et  luy  faisoit  le  plus  beau  semblant  de  l'aiiner 
luy  vivant  et  le  regretter  apres  sa  mort;  si  bien  que  personne  ne  s'en 
aperceut  qu'il  eust  fait  faire  le  coup,  si-non  par  le  moyen  de  son  fol, 
qui  avoit  este  au-dit  duc  son  frere,  et  il  l'avoit  retire  avec  luy  apres 
sa  mort,  car  il  estoit  plaisant.  Estant  donc  un  jour  en  ses  bonnes 
prieres  et  oraisons  ä  Clery,  devant  Nostre  Dame,  qu'il  appeloit  sa 
bonne  patronne,  au  grand  autel,  et  n'ayant  personne  pres  de  luy, 
sinon  ce  fol,  qui  en  estoit  un  peu  eloignß,  et  auqnel  il  ne  se  doutoit 
qu'il  fust  si  fol,  fat,  sot  qu'il  ne  peust  rien  rapporter,  il  l'entendit 
comme  il  disoit: 

'Ah!  ma  bonne  Dame,  ma  petile  maistresse,  ma  grande  amie, 
en  qui  fay  eu  tousjours  mon  reconfort,  je  le  prie  de  supplier  Dieu 
pour  moy  et  estre  mon  advocat  envers  luy,  quil  me  pardonne  la 
mort  de  mon  frere,  que  fay  fait  empoisonner  par  ce  meschant  abbe 
de  Saint- Je  an.  Je  m'en  confesse  ä  toy,  comme  ä  ma  bonne  patronne 
et  maistresse.  Mais  aussi  qu'eusse~je  sceu  faire?  II  ne  me  faisoit 
que  troubler  mon  royaume.  Fay-moi  doncques  pardonner,  ma  bonne 
Dame,  et  je  scay  ce  que  je  te  donneray.1 

Wem  die  Vergebung  der  Sünden  ein  tauschgeschäft  mit 
dem  himmel  ist,  der  darf  vom  gebet  sofort  zum  meuchelmord 
übergehen.  Der  könig  entbietet  den  Sterndeuter  zu  einer  Unter- 
redung, nachdem  er  vorher  seine  henkersknechte  dahin  ver- 
ständigt hat,  dass  sie  auf  ein  gewisses  von  ihm  gesprochenes 
wort  über  ihn  herfallen,  auf  ein  anderes  aber  ihn  ungehindert 
gehen  lassen  sollen.  Galeotti  erscheint.  Die  heftigen  vorwürfe 
des  königs  bestärken  ihn  in  dem  verdachte,  dass  gefahr  im 
anzuge  ist.  Aber  seine  geschickten  antworten  besänftigen  den 
könig  keineswegs.  Schon  hat  Ludwig  widerholt  das  verhäng- 
nissvolle wort  unauffällig  in  seine  zornige  rede  eingeflochten, 
da  fragt  er  sein  opfer,  wann  es  sterben  werde,  und  der  schlaue 
Italiener  rettet  durch  seine  kühne  antwort:  Genau  24  stunden 
vor  ew.  majestät,  sich  selbst  nicht  nur  das  leben,  sondern  die 


1  Oeuvres  completes  du  seigneur  Brantöme.    Paris  1822.    T.  II,  Di- 
gression  sur  Louis  XI,  p.  23. 


94  MANN, 

gunst  die  königs,  der  nun  um  die  erhaltung  seines  astrologen 
ängstlich  besorgt  ist. 

Ohne  zweifei  erinnerte  sich  hierbei  Scott  daran,  dass  einst 
ein  mordanschlag  auf  Lorenz  von  Medici  in  der  kirche  aasge- 
führt werden  sollte,  sobald  in  der  grossen  messe  das  sanctus 
erklänge  (C.  VI,  V;  P.  XII,  350)  und  er  übertrug  auf  Galeotti 
in  etwas  veränderter  form  die  an t wort,  die  einst  in  ähnlicher 
läge  ein  anderer  astrolog  dem  könig  gab,  nämlich  die,  er  werde 
genau  8  tage  vor  seiner  majestät  sterben  (s.  anhang,  note  T). 

Im  XXX.  kapitel  gibt  uns  der  dichter  auf  grund  von  Co- 
mincs  aufschluss  darüber,  wie  es  Karl  in  der  Zwischenzeit  er- 
gangen ist.  Nachdem  er  zwei  tage  und  zwei  nachte  in  toller 
aufregung  verbracht  hat,  gelingt  es  seinen  ratgebern  endlich, 
ihn  ruhiger  zu  stimmen,  und  er  entschliesst  sich,  den  könig 
aufzusuchen,  um  seine  bedingungen  mitzuteilen.  Comines  aber 
eilt  ihm  voraus,  um  den  könig  vorzubereiten  und  ihm  vor- 
läufig wenigstens  völlige  nachgiebigkeit  anzuempfehlen.  Der 
dichter  steht  hiermit  durchaus  auf  dem  boden  geschichtlicher 
Wahrheit,  denn  es  unterliegt  gar  keinem  zweifei,  dass  Co- 
mines' eigene  worte:  'Le  Roy  eut  quelque  ami  qui  Ven  advertit9 
u.  s.  w.  (s.  oben)  sich  eben  nur  auf  ihn  selbst  beziehen.   Nimmt 

man  hinzu  sein  späteres  geständniss: 

'Autrefois  a  plü  au  Roy  me  faire  cet  honneur  de  dire  que  j'avoys 
bien  servy  ä  cette  paeification', 

so  erhellt  daraus  zur  gewissheit,  dass  seine  handlungsweise 
eine  höchst  zweideutige  war,  die  einem  verrate  gleich  kommt 
Wir  dürfen  also  dem  dichter  die  innere  berechtigung  nicht  ab- 
sprechen, dass  er  während  ihres  Zusammenseins  den  könig  die 
ersten  wirksamen  versuche  machen  lässt,  den  grossen  Staats- 
mann auf  seine  scite  zu  ziehen,  wenngleich  wir  mit  den  mittein 
nicht  ganz  einverstanden  sind.  Die  berechtigung  verliert  nicht 
an  Wahrscheinlichkeit  dadurch,  dass  Comines  förmlich  erst  1472 
in  französische  dienste  trat. 

Nachdem  der  könig  mit  verhaltungsmassregcln  versehen 
ist,  werden  noch  Quentin  Durward  und  die  gräfin  Croy,  die 
unterdess  nach  Peronne  gebracht  worden  ist,  dahin  verständigt, 
dass  sie  nichts  Ludwig  belastendes  aussagen  sollen  (kap.  XXXI). 
Als  daher  Karl  seinen  lehnsherrn  im  schloss  aufgesucht  und 
dann  zur  teilnähme  an  einer  beratung  gezwungen  hat,  hat  der 
könig  bei  seiner  überlegenen  beredtsamkeit  und  diplomatischen 


QÜENTIN  DÜRWARD.  95 


/ 


Gewandtheit  verhältnissmässig  leichtes  spiel,  die  anklagen 
KaiTs  zu  entkräften,  zumal  da  die  obengenannten  zeugen  in 
sophistischer  weise  mit  der  Wahrheit  hinter  dem  berge  halten. 
Zwar  erscheint  ein  anderer  zeuge,  der  zigeuner  Maugrabin,  als 
abgesandter  des  wilden  ebers  in  heroldskleidung,  aber  als  er 
entlarvt  und  seine  gefährlichkeit  erkannt  ist,  sorgen  des  königs 
henkersknechte  dafür,  dass  sein  mund  für  immer  stumm  sei. 
In  einem  Wäldchen  nahe  der  Stadt  soll  er  aufgeknüpft  werden, 
doch  vor  der  hinrichtung  vermacht  er  dem  unter  den  Zuschauern 
herbeigekommenen  Quentin  sein  pferd,  verrät  ihm  den  kriegs- 
plan des  grafen  von  der  Mark  und  übergibt  ihm  einen  brief 
der  gräfin  Hameline  an  ihre  nichte  (kap.  XXXII— XXXIV). 

Diese  soll,  das  war  eine  von  Karl's  bedingungen,  mit  dem 
herzog  von  Orleans  verlobt  werden  (kap.  XXXV).  Diese  be- 
dingung,  die  auch  in  den  vorhergehenden  kapiteln  schon  eine 
rolle  spielt,  ist  entschieden  vom  dichter  nicht  glücklich  erfunden, 
geschweige  denn  irgend  wie  begründet  worden.  KarFs  plan 
scheitert  jedoch  an  der  hartnäckigen  Weigerung  der  gräfin,  so 
dass  er  sie  schliesslich  in  seinem  zorn  demjenigen  als  gemahl 
verspricht,  der  ihm  aus  dem  bevorstehenden  kämpfe  den  köpf 
des  ebers  bringen  werde.  Nun  hat  aber  die  gräfin  Hameline 
in  ihrem  briefe  gesagt,  dass  ihr  gatte  zu  seiner  Sicherheit  nicht 
seinen  gewöhnlichen  waffenrock,  sondern  einen  mit  dem  wappen 
der  Dunois  gezierten  tragen  werde.  Quentin  erfährt  das  durch 
die,  die  er  liebt;  der  ausgang  der  liebesgeschichte  ist  also  nicht 
mehr  zweifelhaft:  Quentin  Durward  niuss  den  preis  erringen 
und  erringt  ihn  auch.  Mit  der  eroberung  Lttttich's,  welche 
Scott  im  engsten  anschluss  an  Comines  schildert,  ist  die  er- 
zählung  zum  ende  gelangt.  Die  glückliche  lösung  der  liebes- 
geschichte soll  den  etwas  plötzlichen  abbruch  der  haupthand- 
lung  verdecken.  Aber  ihre  lösung  ist  prädestiniert,  gewalt- 
sam, und  die  ästhetische  Wirkung  wird  dadurch  wesentlich 
beeinträchtigt. 

in. 

Scott' s  'Notes  to  Quentin  Dur  ward'. 

Wie  im  eingange  dieser  arbeit  hervorgehoben  wurde,  hat  Scott  einer 
späteren  aufläge  unseres  romanes  die  Notes  to  Quentin  Durward  hinzu- 
gefügt, das  sind  anmerkungen  historischen  und  antiquarischen  inhalts, 
und  zwar  25  an  der  zahl,  welche  deshalb  mit  den  buchstaben  des  alpha- 


96  MANN, 

bets  bezeichnet  werden.  Ausserdem  trägt  jede  eine  auf  ihren  inhalt  be- 
zügliche Überschrift,  und  im  texte  wird  an  den  einschlägigen  stellen  auf 
sie  verwiesen.  Im  folgenden  gebe  ich  der  reihe  nach  zu  jeder  einzelnen, 
soweit  es  überhaupt  möglich  ist,  die  quelle  an,  aus  der  Scott  bei  ihrer 
abfassnng  geschöpft  hat. 

Note  A,  p.  52.     Saint  Hubert. 
Das  matcrial  zu  dieser  anmerkung  konnte  Scott  aus  jeder  beliebigen 
encyklopädie  entnehmen. 

Note  B,  p.  66.     Duke  of  Gueldres. 
Scott  entlehnt  hier  ohne  Quellenangabe  seinen  stoff  aus  Comines, 
der  die  Schicksale  dieses  ruchlosen  menschen  ausführlich  erzählt 

Vgl.  Comines  IV,  I;  P.  XII,  95  ff.    Vgl.  auch  Matthieu  VIII,  438  ff. 

Note  C,  p.  67.     Constable  Saint  Paul. 

Scott  fusst  ohne  Quellenangabe  auf  Comines. 

Vgl.  Comines  III,  XI;  P.  XII,  80.  —  IV,  IV;  P.  XII,  119.  —  IV,  VI; 
P.  XII,  128.  —  IV,  VIII;  P.  XII,  139.  —  IV,  XI;  P.  XII,  161.  —  IV,  XII; 
P.  XII,  170.  —  Vgl.  auch  Matthieu  VII,  339—354. 

Der  connetable  war  ein  ränkesüchtiger  Parteigänger,  der  seinen  vor- 
teil bald  in  diesem  bald  in  jenem  bündniss  suchte  und  eben  deshalb  sieh 
mit  allen  verfeindete  und  um  so  sicherer  dem  untergange  entgegen  ging. 
Schon  die  Überschriften  der  aus  Comines  angezogenen  kapitel  lassen  sein 
spiel  deutlich  erkennen.  Die  des  letzteitierten  lautet  sehr  bezeichnend: 
'Conmient  la  mort  du  connestable  fut  jur6e  entre  le  Roy  et  le  duo  de 
Hourgognc;  et  comment,  s'estant  retire  du  pays  du  duc,  fut  par  le  com- 
mandement  d'iceluy  livre  au  Roy,  qui  le  fit  mourir  par  justice.' 

Note  D,  p.  100.     Gipsies  or  Bohemians. 

Es  ist  widerholt  schon  darauf  aufmerksam  gemacht  worden,  dass 
Scott  in  seinen  werken  eine  besondere  Vorliebe  für  zigeuner  zeigt.  Der 
sagenhafte  Ursprung  dieses  leichtlebigen  volkes,  der  poetische  haueh,  der 
ihr  zielloses  wandern  umgibt,  und  ihr  eigentümliches  wesen  haben  von 
jeher  die  dichter  angezogen.  Scott  aber  mögen  ausserdem  noch  die  be- 
sonderen Verhältnisse  seines  heimatlandes,  wie  seine  arbeiten  'on  saper- 
stition'  beeinflusst  haben.  Er  verweist  in  unserer  anmerkung  selbst  zu- 
nächst auf  eine  anmerkung  zu  Guy  Mannering  (vgl.  Tauchnitz  edition, 
notes)  und  gibt  dann  (s.  501  f.)  einen  bericht  über  ihr  erstes  erscheinen 
in  Frankreich.    Derselbe  gründet  sich  wörtlich  auf: 

Pasquier,   Les  recherches  de  la  France.    Paris  1665.  Vgl.  1.  IV, 

eh.  XIX,  p.  359 — 361.  —  *Vers  quel  temps  vu  tas  de  gen*  vaga- 

bonds,  que  les  aueuns  nomment  Aegyptiens,  les  autres  Bohewäens, 

commencerent  de  roder  en  France.' 
Vergleiche  ferner: 

Bibliotheque    de   l'Ecole    des    Chart  es.     Ire  serie.     t.  V.     De  l'appa- 

rition  et  de  la  dispersion  des  Bohemiens  en  Europe,  par  M.  Pfcttl 

Bataillard. 


QÜENTIN  DÜRWARD.  97 

Ib.   3«  sene.   1. 1.  Nouvelles  recherches  . . .  en  Europe  et  sur  l'origine 

de  ce  peuple,  par  M.  Paul  Bataillard. 
Leland,  The  English  Gipsies  and  their  language.    1873. 
J.  de  Goeje,  Bydrage  tot  de  Geschiedenis  der  Zigeuners.    1875. 

Note  E,  p.  113.     Scottish  Archers. 
Vgl.  Jean  de  Troyes ,  Histoire  de  Louys  Unziesme  in  der  ausgäbe 
Petitot  XIII,  s.  455  f. 

Note  F,  p.  134.     Card-Playing. 

Scott  gibt  auf  grund  von  Dr.  Dryasdust  eine  ganz  kurze  notiz  Über 
die  erfindung  der  Spielkarten  und  schliesst  daran  eine  anekdote. 

Vgl.  Bullet,  Eclaircissements  sur  Finvention  des  cartes  a  jouer  = 
t.  X  der  Coli,  des  meilleurs  diss.,  not.  et  traites  particuliers  relatifs  a  l'hist. 
de  France  publ.  par  C.  Leber,  Paris  1838  etc.,  in-8°. 

Note  G,  p.  144.     A  Peaceful  and  Quiet  Household,  eto. 

Der  in  halt  dieser  anmerkung  ist  schon  oben  berührt  worden,  wie  sie 
überhaupt  im  wesentlichen  nichts  neues  bietet.  Neu  ist  nur  eine  stelle 
aus  einem  briefe  Ludwig's  an  den  grafen  von  Dammartin,  in  welcher  er 
sich  in  seiner  kaustischen  weise  über  die  Verbindung  seiner  tochter  Jo- 
hanna mit  Ludwig  von  Orleans  ausspricht.  Scott  citiert  diese  stelle,  wie 
er  selbst  angibt,  auf  grund  von  WraxalTs  History  of  France,  vol.  I,  p.  143 
note.  Der  vollständige  titel  dieses  werkes  ist:  The  History  of  France 
under  the  Kings  of  the  race  of  Valois.  The  2n<*  edition.  By  Nath\  William 
Wraxall.  London  1785.  Ludwig  XI.  wird  darin  s.  66— 109  behandelt.  Es 
mag  dieser  abschnitt  unserem  dichter  einen  guten  überblick  verschafft 
haben  über  die  geschichte  jener  zeit,  eine  direkte  entlehnung  aus  Wraxall 
haben  wir  nur  in  der  anmerkung  G  feststellen  können.  Eben  jener  herzens- 
erguss  Ludwig's  findet  sich  auch  bei  Matthieu  XI,  748. 

Note  H,  p.  146.     The  Cardinal  Balue. 

Der  inhalt  dieser  anmerkung  setzt  sich  aus  zwei  aufzeichnungen  von 
Jean  de  Troyes  zusammen.    Die  erste  lautet: 

'Et  le  lundy  second  jour  de  jurllet  audit  an  [1465]  maistre  Jehan 
Balue,  evesque  d'Evreux,  fist  le  guet  de  nuit  parmi  ladicte  yille,  et 
mena  avecques  luy  la  compagnie  dudit  Jouachain  Rouault  avecques 
clairons,  trompettes  et  autres  instrumens  sonans  par  les  nies  et  sur 
les  niurs,  qui  n'estoit  pas  aecoustumä  de  faire  a  gens  faisans  guet.' 
•  Vgl.  Petitot  XIII,  275. 
Die  andere  aufzeichnung  berichtet  ein  abenteuer  des  kardinals: 

(Et  cedit  jour  au  soir,  environ  deux  heures  de  nuit,  monsei- 
gneur  l'evesque  d'Evreux  Balue  fut  guette  et  accueilly  par  aueuns  ses 
ennemis  en  la  rue  de  la  Barre  du  Bec,  ä  Penviron  de  la  porte  de 
derriere  de  feu  maistre  Bureau  Boucher,  lesquels  chargerent  sus  luy, 
et  de  premiere  arrivee  vindrent  oster  et  souffler  deux  torches  que  on 
portoit  devant  luy,  et  apres  vindrent  audit  Balue  qui  estoit  monte 
sur  une  bonne  mule,  qui  le  sauva  et  gaigna  a  fuyr,  car  tous  ses  gens 

Anglia,  XII.  band.  1 


98  MANN, 

a  l'effroy  l'abandonncrent  pour  paonr  des  horions;  et  emporta  Udicte 
mulo  son  dit  maistre  Balue  jusques  au  cloistre  Nostre  Dame  en  son 
hoste),  dont  eile  estoit  partie.'    Vgl.  Petitot  XIII,  313. 

Note  I,  p.  201.     Galeotti. 
Scott  hat  den  Stoff  zu  dieser  anmerkung  ans  Naude  (V,  1 26  ff.)  ge- 
nommen, wie  schon  oben  angegeben  wurde.    Ausführlich  handelt  auch 
von  diesem  astrologen  Varillas  IX,  344  ff. 

Note  K,  p.  224.     Religion  of  the  Bohemians. 
Die  anmerkung  bietet  nur  eigene  gedanken  von  Scott.     Die  ein- 
schlägige litcratur  haben  wir  schon  citiert. 

Note  L,  p.  303.     Murder  of  the  Bishop  of  Liege. 

Was  Scott  in  dieser  anmerkung  berichtet,  gründet  sich  auf  die  oben 
angegebenen  stellen  aus  seinen  quellenschriften ,  auf  die  ich  hiermit  aus- 
drücklich verweise. 

Note  M,  p.  323.     Schwarz-Reiters. 
Der  dichter  gibt  seine  quelle  selbst  genau  an:   Fynes  Morrison's 
Itinerary.    Edition  1(>17,  p.  1G5.    Man  vergleiche  ausserdem:  De  la  milice 
des  reistres  et  lanskenets  du  Rhingrave  =  t.  XX  des  in  note  F  citierten 
Sammelwerkes. 

Note  N,  p.  340.     Philip  des  Comines. 
Von  Comines  handelt  Matthieu  d'Arvas,  auf  den  Scott  verweist,  im 
X.  buche,  s.  751  ff.  der  von  uns  benutzten  ausgäbe.    Die  stellen  aus  Jean 
de  Troyes  und  Olivier  de  la  Marche  gibt  der  dichter  selbst  genau  an,  und 
zwar  hat  er  dazu  die  ausgäbe  von  Petitot  benutzt. 

Note  O,  p.  342.     Meeting   of  Louis   and  Charles   after   the 

Battle  of  MontThery. 
Die  quelle  hierzu  ist  Comines  I,  XIII;  Petitot  XI,  419  f. 

Note  P,  p.  349.     Castle  of  Peronne. 

Die  quelle  ist  schon  oben  angegeben  worden.  Uebereinstimmend 
berichtet  Matthieu  IV,  190  f.: 

'Incontinent  apres  arriuerent  TEuesque  de  Geneue,  le  Comte  de 
Bresse,  lo  Cöte  de  Roinot,  trois  freres  du  Duc  de  Sauoye,  le  Mare- 
schal  de  Bourgongne,  le  Seigneur  du  Lau,  Poncet  de  Riuiere,  le  sei- 
gneur  d'Yrft,  tous  portans  la  croix  sainet  Andre.  &  au  coeur  quelque 
ressentiment  d'offenee.  Quand  le  Roy  en  fu  aduerty  il  entra  en  ex- 
treme defiiance,  &  trouua  ses  peusees  toutes  eonfuses  &  enueloppes 
dans  le  repentir  de  n'auoir  mieux  pense  ä  son  voyage.  II  enuoym 
prier  le  Duc  de  faire  loger  au  Chasteau  parce  que  tous  ces  Seigneurs 
qui  estoient  arriuez  ne  celoient  pas  qiuls  ne  fussent  ses  malueülans. 
Le  Duc  tut  bien  aise  que  le  Roy  choisit  le  logis  qu'il  ne  luy  eust 
ose  donner  &  le  pria  de  n'estre  en  doute  d'aucune  chose.' 


QÜENTIN  DURWARD.  99 

Hierbei  passiert  Scott,  weil  er  die  anm.  2  zu  Petitot  XI,  469  zu  flüchtig 
überlas,  das  unglück,  dass  er  den  mitaufgeführten  Seigneur  d'Urfe  ver- 
wechselt mit  dem  späteren  Honorä  d'Urfö,  welcher  sich  1%  Jahrhundert 
darnach  durch  seine  schäferromane  bekannt  gemacht  hat. 

Note  Q,  p.  378. 

Der  verlauf  der  denkwürdigen  Zusammenkunft  in  Peronne  wird  von 
Comines  ausführlich  geschildert.    Vgl.  II,  IX;  P.  XI,  484  ff. 

Note  R,  p.  385.     Balue. 

Ueber  die  einzelheiten  der  gefangenschaft  des  kardinals  und  seiner 
endlichen  befreiung  vergleiche  man  Matthieu  X,  544  ff. ' 

Note  S,  p.  387.     Prayer  of  Louis  XI. 

Der  inhalt  dieser  anmerkung  gründet  sich  auf  Brantöme,  wie  schon 
oben  dargelegt  wurde. 

Note  T,  p.  339.     Martius-  Galeotti. 
Was  Scott  von  den  umständen  berichtet,  unter  welchen  dieser  astrolog 
verstarb,  ist  oben  schon  auf  seine  quelle  zurückgeführt  worden.    Es  findet 
sich  bei  Naud6  im  V.  buche,  s.  128  f.  der  von  uns  citierten  ausgäbe. 

Der  dichter  schliesst  hieran  einige  anekdoten  von  Wahrsagern  und 
fus8t  dabei  auf  dem  Dictionnaire  Historique  et  Critique  par  Mr.  Pierre 
Bayle.    V*  6dition.    1740. 

Derselbe  berichtet  auf  s.  175  von  Ludwig's  'credulile  pour  V Astro- 
logie '  und  fügt  die  anekdoten  bei,  die  auch  unsere  anmerkung  T  enthält. 
Aber  wir  sehen  daraus,  dass  Scott,  der  ihn  wort  für  wort  ausnutzt,  die 
reihenfolge  verändert  hat.  Er -stellt  die  anekdote  von  Tiberius  und  Thra- 
sullu8  voran  und  beruft  .sich  höchst  gewissenhaft  auf  Tacitus,  Annalen, 
lib.  VI,  cap.  22.  Hierauf  lässt  er  eine  zweite  ohne  quellenangabe  folgen, 
dann  eine  dritte,  die,  so  sagt  er,  von  Bayle  berichtet  werde.  Jedoch  nicht 
nur  diese  letzte,  sondern  eben  alle  drei  sind  buchstäblich  aus  Bayle  ent- 
nommen, nicht  zu  vergessen  das  gelehrte  citat  aus  Tacitus.  Das  heisst 
dem  leser  sand  in  die  äugen  streuen.  Doch  nicht  genug  damit.  Bayle 
verweist  gegen  ende  hin  auf  Matthieu,  und  Scott  benutzt  diesen  wink 
um  nun  in  dem  letzten  abschnitt  seiner  anmerkung  auch  die  angedeuteten 
stellen  aus  diesem  Chronisten  zu  verwenden. 

Derselbe  berichtet  VII,  392  und  widerholt  es  XI,  729,  dass  Angelo 
Cattho  den  tod  des  herzogs  von  Burgund  vorausgesagt  habe.  Weiter 
heisst  es  bei  ihm  X,  593  von  Ludwig  XL: 

*I1  .  .  .  dependoit  de  la  nidesse  de  Jean  Cottier  son  Medecin, 
auquel  il  donnoit  tous  les  mois  dix  mille  escus,  ne  luy  osoit  rie 
refuser,  &  luy  promettoit  tout  ce  qu'il  desiroit,  pourueu  qu'il  chassast 
le  Phantosme  espouuantable  de  la  mort,  au  nom  de  laquelle  il  se  cou- 
loit  entre  ses  draps.  Ce  Medecin  luy  disoit  quelquesfois  par  brauade, 
le  scay  bien  qu'vn  matin  vous  me  chasserez  aussi  bien  que  les  autres, 
niais  ie  iure  Dieu  vous  ne  viurez  pas  huict  jours  apres.'  Vgl.  auch 
C.  VI,  XII;  P.  XII,  401). 

7* 


100  MANN, 

Note  TT,  p.  422.     Philip  des  Comines. 

Diese  aninerkung  gibt  in  gekürzter  fassung  ohne  quellencitat  den 
inlialt  der  'Notiee  sur  Philippe  de  Comines'  wider,  welche  Petitot  im  XI. 
bände  seines  oft  genannten  Werkes  der  ausgäbe  Comines'  voranstellt.  Auch 
Scott's  berufting  auf  ein  gedieht  Ronsard's  geschieht  nur  auf  grund  von 
Petitot  (vgl.  hierzu  Petitot  XI,  139,  anm.  4). 

Dass  Comines,  der  1472  formlich  in  Ludwig's  dienste  übertrat,  an 
seinem  ersten  herrn  zum  Verräter  geworden,  geht  zur  genüge  aus  der 
Schenkungsurkunde  über  ländereien  hervor,  die  der  könig  ihm  noch  im 
selben  jähre  überschrieb.  Darin  heisst  es  nicht  nur,  dass  er  sich  seit 
seinen  jungen  jähren  dem  könig  gefällig  erwiesen  habe,  sondern  es  wird 
unverblümt  ausgesprochen : 

'Nostredit  conseiller  et  chambellan,  sans  crainte  de  danger,  qui 

lui  en  pouvoit  lors  venir,  nous  advertit  de  tout  ce  qn'il  pouvoit  pour 

nostre  bien,  et  tellement  s'employa  que  par  son  moyen  et  aide  nous 

saillimcs  des  mains  de  nos  rebelies  et  desobeissants.' 

Der  dichter  brauchte  also  dem  könig  Comines  gegenüber  die  übrigens 

nicht  einmal  erwiesene  geschichte,  dass  Comines  einst  von  Karl  mit  einem 

stiefel  gröblich  behandelt  worden  sei  (tele  boltee,  P.  XI,  s.  1 27),  nicht  in 

den  mund  zu  legen,  um  dessen  übertritt  glaubhaft  zu  machen. 

Note  X,  p.  452.     Disguised  Herald. 

Dass  Ludwig  einst  einen  einfachen  kammerdiener  in  heroldsgewand 
kleidete  und  in  offizieller  eigenschaft  absandte,  erzählt  uns  Comines  IV, 
VII;  Petitot  XII,  135  ff. 

Der  übrige  teil  dieser  aninerkung  geht,  wie  Scott  selbst  angibt,  auf 
Fernem  Blazon  of  Gentry  zurück. 

Note  Y,  p.  482.     Attack  upon  Liege. 

Scott  folgt  hier  wie  im  roman  genau  seiner  quelle:  Comines  II, 
X-XIH;  Petitot  XI,  4S9  ff. 

Man  vergleiche  ferner:  Documents  relatifs  aux  troubles  du  pays  de 
Liege,  sous  les  princes-eveques  Louis  de  ßourbon  et  Jean  de  Hörne, 
publies  par  P.-F.-H.  de  Ram.    Bruxelles  1 844,  in-4°. 

Note  Z,  p.  404.     Count  of  La  Marck. 

Den  Untergang  des  ebers  berichtet  Comines  V,  XVII;  P.  XII,  280. 
Jean  de  Troyes  (Petitot  XIV,  105)  nennt  ihn  Guillaumc  de  la  Marche, 
dit  le  Sanglier  d'Ardaine.    Aus  seinem  berichte,  der  sich  im  übrigen  mit 
denen  der  anderen  Chronisten  deckt,  sei  die  stelle  hervorgehoben,  die  für 
Ludwig  und  seinen  wüsten  bundesgenossen  sehr  bezeichnend  ist: 

'.  .  .  Et  pour  faire  par  icelluy  Sanglier  sa  dampnee  entreprise, 
le  Roy  luv  fist  delivrer  argent  et  gens  de  guerre  en  grant  nombre, 
au  moyen  desquels,  et  aussi  de  certaiu  nombre  de  mauvais  gar^ons, 
larrons  et  pipeurs,  et  pillars,  qu'il  print  et  assembla  tant  en  la  ville 
de  Paris  que  en  aueuns  des  villaiges  voisines  d'icelle  ville,  jusquee 
au  nombre  de  II  a  III  mil,  lesquels  il  fist  vestir  et  habiller  de  robee 


QUENTIN  DÜRWARD.  101 

rouges,  et  ä  chascune  desdites  robes  dessus  la  manche  senestre  y  fist 

mettre  une  hure  de  sanglier  .  .  .' 
In  dem  darauf  folgenden  kämpfe  tötete  Wilhelm  mit  eigener  hand  den 
bischof  und  Hess  dessen  leiche  nackt  auf  dem  platze  vor  der  Lamberts- 
kirche in  LUttich  öffentlich  ausstellen.  Erst  drei  jähre  später,  1485,  ereilte 
ihn  die  strafe  für  seine  freveltat:  er  wurde  auf  kaiser  Maximilian^  befebl 
enthauptet. 

Schluss. 

Am  Schlüsse  meiner  Untersuchung  angelangt,  fasse  ich  die 
ergebnisse  derselben  in  folgende  sätze  zusammen:  Walter  Scott 
benatzte  für  seinen  roman  Quentin  Durward  als  hauptquelle, 
wie  er  ja  auch  selbst  angibt,  die  memoiren  Philipp's  von  Co- 
mines.  Daneben  leisteten  ihm  in  zweiter  linie  die  Chroniken 
des  Jean  de  Troyes  und  Olivier  de  la  Marche,  sowie  die  ge- 
schichtlichen Schriften  eines  Claude  de  Seyssel,  eines  Pierre 
Matthieu  d'Arvas,  eines  Gabriel  Naud6  und  eines  Varillas  über 
Ludwig  XL  ausgezeichnete  dienste.  In  allen  diesen  Schriften  be- 
kundet der  dichter  eine  ausserordentliche  belesenheit.  Weiterhin 
macht  er  sich  zu  nutze  werke  geographischen  und  encyklopä- 
dischen  inhalts  und  für  einzelne  züge,  die  er  hier  und  da  ein- 
flicht, eine  anzahl  von  büchern  aus  den  verschiedensten  ge- 
bieten der  literatur.  Da  er  selbst  von  den  angeführten  quellen 
nicht  alle  namhaft  macht,  ist  die  benutzung  weiterer  werke 
nicht  ausgeschlossen,  ja  sogar  wahrscheinlich,  weil  der  dichter 
ausgebreitete  antiquarische  kenntnisse  besass.  Andrerseits  frei- 
lich liebt  er  es,  mit  citaten  zu  glänzen,  und  versäumt  darum 
nie,  nicht  nur  die  citate  seiner  quellenschriften  gewissen- 
haft aufzunehmen,  sondern  erweckt  stellenweise  sogar  den 
schein,  als  wenn  er  sie  aus  seinem  eigenen  wissensschatz  ge- 
schöpft hätte. 

Die  fassung  des  romanes  anlangend,  sind  dem  dichter 
einige  sachliche  fehler,  flüchtigkeiten  und  unwahrscheinlich- 
keiten  unterlaufen,  die  bei  seiner  art  zu  arbeiten  erklärlich  sind. 
Es  ist  bekannt,  dass  allen  seinen  ungereimten  Schöpfungen  die 
letzte  feile  fehlt.  Dieser  tadel  soll  keineswegs  den  roman  in 
seinem  wert  als  künstlerisches  ganze  herabsetzen.  Im  gegenteil, 
gerade  indem  ich  dem  dichter  auf  schritt  und  tritt  auf  seinen 
Streifzügen  ins  mittelalter  folgte,  bin  ich  von  um  so  grösserer 
hochschätzung  für  sein  werk  erfüllt  worden,  denn  es  ist  be- 


102  MANN,  QUENTIN  DUR  WARD. 

wunderungswtirdig,  wie  er  es  verstanden  hat,  ans  einer  menge 
unzusammenhängender  einzelzüge  ein  packendes  und  dabei  ge- 
treues gemälde  einer  bewegten  zeit  zu  schaffen.  Und  getreu 
ist  dasselbe  in  der  gesammtstimmung  sowol  wie  in  der  ein- 
zelnen ausführung,  besonders  aber  in  der  Zeichnung  der  haupt- 
charaktere.  Das  einzige,  worin  der  dichter  wesentlich  von  der 
geschichte  abweicht,  ist,  dass  er  ereignisse,  die  auseinander 
liegen  und  nichts  gemein  haben,  in  innere  und  zeitliche  Ver- 
bindung bringt.  Heisst  der  historische  roman  historisch,  nicht 
weil  er  geschichte  sein  will,  sondern  nur,  weil  er  seine  an- 
regung  aus  der  geschichte  empfängt,  so  wird  man  aus  solchen 
anachronismen  dem  dichter  keinen  Vorwurf  machen  dürfen. 

Die  lösung  der  frage,  welche  quellen  Walter  Scott  für 
Quentin  Durward  benutzt  hat,  hat  mir  hohen  genuss  gewährt, 
denn  ich  sah  den  roman  vor  meinen  inneren  äugen  wider  ent- 
stehen. Nicht  minder  anziehend  ist  die  frage,  wie  der  dichter 
seine  quellen  benutzt,  warum  er  in  einzelnen  fällen  von  der  ge- 
schichte abweicht.  Die  besprechung  derselben  soll  einer  ästhe- 
tischen betrachtung  seiner  hauptromane  vorbehalten  bleiben, 
die  ich,  soweit  das  möglich  ist,  auf  grundlage  der  quellen  an- 
zustellen gedenke. 

Dresden.  Max  Friedrich  Mann. 


DIE  ENGLISCHEN  TASSO-ÜBERSETZUNGEN 

DES  16.  JAHRHUNDERTS. 

C.    Edward  Fairefax'  Godfrey  of  Bulloigne. 

'And  tvhich  of  the  Golden  Rivers  fiorveth  mbre  currently,  then 
(he  silver  streame  of  the  English  Ariosto?    Oh  that  we  had  such 
an  English  Tasso!'  ruft  im  jähre  1593  Gabriel  Harvey  aus,  in 
einer  lobrede  auf  die  englischen  schriftsteiler  seiner  zeit.1    Er 
sollte  die  erftillung  dieses  Wunsches  erleben:  auf  der  wende 
des  Jahrhunderts  erschien   eine  Übersetzung  der  Gerusalemme 
Liberata,  welche  den  silberstrom  des  englischen  Ariost  an  wert 
und  glänz  noch  weit  übertraf: 
Godfrey  of  Bulloigne,  or  the  Recoverie  of  Jerusalem.    Done  into  Eng- 
lish Heroicall  verse,  by  Edward  Fairefax  Gent.    Imprinted  at  London 
by  Ar.  Hatfield,  for  J.  Jaggard  and  M.  Lownes.    1600.    fol. 

Gewidmet  ist  diese  Übersetzung  der  königin  Elisabeth,  wel- 
cher Fairefax  die  grössten  Schmeicheleien  sagt,  und  die  er  in 
ihren  alten  tagen  noch  als  Towre  of  goodnes,  vertue,  bewtie 
bezeichnet 

Von  dem  leben  des  Edward  Fairefax  wissen  wir  sehr  wenig 
nicht  einmal  sein  geburtsjahr  konnte  bis.  jetzt  festgestellt  werden. 
Es  war  ein  —  fraglich,  ob  legitimer  oder  illegitimer  —  spross 
des  hauses,  welches  im  17.  Jahrhundert  durch  die  person  des 
Thomas,  lord  Fairfax,  CromwelTs  freund  und  kriegsgenosse,  be- 
rühmt wurde;  er  lebte  still  und  zurückgezogen  auf  seiner  be- 
sitzung  New  Hall  in  dem  dorfe  Fuystone  in  Yorkshire,  seiner 
familie  und  seinen  Studien  gewidmet,  und  genoss  den  ruf  und 
das  ansehen  eines  gelehrten  mannes.  Sein  tod  wird  in  das  jähr 
1632,  jedenfalls  nach  1631,  gesetzt  Ausser  seiner  berühmten 
Tasso-tibersetzung  soll  er  geschrieben  haben:  eine  'History  of 
Edward  the  Black  Prince',  welche  nie  gedruckt  wurde2,  und 
zwölf  'Eclogues',  von  welchen  nur  eine,  die  vierte,  gedruckt 


104  KOEPPEL, 

worden  zu  sein  scheint3;  ferner  besitzen  wir  von  ihm  eine 
kulturhistorisch  und  biographisch  gleich  beachtenswerte  prosa- 
schrift,  einen  ausführlichen  bericht  über  die  Verfolgungen, 
welche  seine  töchter  von  hexen  zu  erdulden  hatten,  und  über 
den  verlauf  des  von  ihm  gegen  diese  hexen  angestrengten 
prozesses.4 

Die  erste  frage,  welche  wir  uns  dem  Übersetzer  Fairefax 
gegenüber  aufzuwerfen  haben,  ist :  Wie  stellt  er  sich  zu  seinen 
Vorgängern  Spenser  und  Carew? 

Was  das  Carew'sche  fragment  betrifft  —  um  den  weniger 
wichtigen  teil  dieser  doppelfrage  zuerst  zu  erledigen  — ,  so  ist 
von  vornherein  anzunehmen,  dass  Fairefax  dasselbe  kannte. 
Hin  und  wider  glaubt  man  auch  den  unmittelbaren  einflnss 
Carew's  zu  erkennen,  wie  z.  b.  an  folgenden  stellen: 

I,  1    Car.  Much  in  his  glorious  conquest  suffred  heo. 

Fair.  Much  in  that  glorious  conquest  suffred  hee.5 

I,  50  Car.  Readie  t'  assayle  aud  to  retire  at  will, 

Disordred,  scattred,  fled,  yet  fight  they  still. 

Fair.  Readie  to  charge  and  to  retire  at  will, 

Though  broken,  scattred,  fled,  they  skirmish  still. 

Auch  der  bei  Carew  gertigte  fehler  betreffs  Clotareo  (I,  37,  vgl. 
Anglia  XI,  s.  337)  findet  sich,  verschieden  ausgedrückt,  bei 
Fairefax;  aber  doch  ist  gerade  aus  den  Übersetzungsfehlern 
des  Fairefax,  von,  man  kann  ohne  Übertreibung  sagen,  tausend 
anderen  Verschiedenheiten  abgesehen,  mit  vollster  Sicherheit  zu 
schliessen,  dass  er  die  gewissenhafte,  genaue  arbeit  Carew's) 
nicht  stets  vor  äugen  hatte.  Fairefax  hat  sich  in  den  5  ersten 
gesängen  mehrere,  grosse  und  kleine,  versehen  zu  schulden 
kommen  lassen,  welche  bei  Carew,  mit  ausnähme  des  oben- 
erwähnten missverständuisses,  vermieden  sind.  Und  dabei 
handelt  es  sich  nicht  etwa  um  einfache  siiines Varianten,  nein, 
Fairefax  steht  dem  italienischen  text  manchmal  so  gänzlich 
verständnisslos  gegenüber,  ist  bei  seiner  Übersetzung  so  sehr 
auf  abwege  geraten,  dass  er  Carew's  version  unmöglich  vor  sieh 
liegen  gehabt  haben  kann;  ein  blick  in  dieselbe  würde  ihn  Über 
seinen  irrtuin  aufgeklärt  haben.  Kiue  probe  wird  den  nötigen 
beweis  liefern.    Bei  Tasso  lesen  wir  von  Clorinda  (II,  40): 

Sequi  le  gnerre;  e  in  esse,  e  fra  le  sclve, 
Fem  iigli  uoniini  parve,  uomo  alle  bclve, 

was  Carew  hart  genug,  aber  richtig  verdollmetscht  mit: 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBEKSETZUNGEN.  105 

She  warre  ensewes,  in  whicb,  and  in  forreasts, 
Men  savage  her,  man  her  deeme  savage  beasts, 

während  sich  Fairefax  folgende  phantasie  leistet: 

The  Satyres  rough,  the  Fawnes  and  Fairies  wilde, 
She  chased  oft,  oft  tooke  and  oft  beguilde.  * 

Von  einem  einflusse  Carew's  auf  Fairefax  —  von  wenigen 
wörtlichen,  vielleicht  zufälligen  Übereinstimmungen  abgesehen  — 
kann  somit  nicht  die  rede  sein;  beide  männer  fassen  ihre  auf- 
gäbe so  verschieden  als  nur  möglich  auf.  Eine  ganz  andere 
bedeutung  hat  Spenser  für  unseren  dichter.  Dass  er  sich  in 
seiner  widergabe  des  15.  und  16.  gesanges  mehrfach  an  Spenser's 
Übersetzung  angeschlossen  hat,  ist  schon  öfters  betont  worden.6 
Wir  werden  erstens  häufig  an  Spenser's  Wortlaut  erinnert: 

XV,  60,3    Or  as  the  Queene  of  love,  new  borne  and  bred 

Of  th'Oceans  fruitfull  froth,  did  first  arise. 

(=  F.  Q.  II,  12,65)7 
61, 1     And  her  faire  locke s,  that  on  a  knot  were  tide, 
High  on  her  crowne,  she  gan  at  large  unfold;    • 
Which  falling  long  and  thicke,  and  spreading  wide, 
The  ivorie  soft  and  white,  inantied  in  gold. 

(=  F.Q.  II,  12,67) 
62,1     With  all  she  sniiled,  and  she  blusht  withall. 

(=±  F.  Q.  II,  12,  68) 

XVI,  9,8    No  where  appeard  the  arte  whiche  all  this  wrought. 

(=  F.  Q.  II,  1 2,  58) 
12,1    The  joyous  birds,  hid  under  greenewood  shade, 

Sung  merrie  notes.  (=  F.  Q.  II,  12,  71); 

zweitens  —  und  das  ist  der  schlagende  beweis  seiner  benutzung 
Spenser's  —  hat  Fairefax  ein  detail,  welches  Tasso  nicht  hat, 
aus  Spenser  in  seine  verse  aufgenommen.  Tasso's  vogel  singt 
von  der  verwelkten  rose: 

Quella  non  par,  che  desiata  avanti 

Fu  da  mille  donzelle  e  mille  amanti    (XVI,  14); 

Spenser  fügt  bei,  wozu  die  rose  begehrt  wurde: 

That  earst  was  sought  so  deck  both  bed  and  bowre 
Of  many  a  lady,  and  many  a  Paramowre 

(F.Q.  II,  12,75). 

und  ebenso  Fairefax: 

Nor  seemes  the  same,  that  decked  bed  and  bonre 
Of  many  a  ladio  late,  and  paramoure.     . 

Mit  der  erwähnung  dieser  unwesentlichen  anleihen  bei 
Spenser  wird  man  jedoch  der  Wirkung  des  gefeierten  dichters 
auf'  Fairefax   keineswegs   gerecht.     Dieser  ist   vielmehr,    im 


% 


106  KOEPPEL, 

i 

vollsten  sinne  des  Wortes,  ein  schttler  Spenser's,  wie  der  möneh 

von  Bury  der  schttler  Chaucer's  war.    Wir  finden  die  sparen 

seiner  gründlichen  kenntniss,  seines  Studiums  der  Spenser'schen 

dichtungen  in  seinem  Wortschatz,  in  seiner  metrik,  in  seinen 

dichterischen  formein  und  bildern.    Der  beweis  für  den  einfliiss 

Spenser's  auf  Fairefax'  Wortschatz  lässt  sich   freilich  insofern 

nicht  mit  unanfechtbarer  Sicherheit  führen,  als  die  meisten  der 

uns  an  Spenser  erinnernden  veralteten  Wörter8  auch  noch  von 

anderen    zeitgenössischen  dichtem   hin   und  wider  gebraucht 

werden;  besondere  beachtung  verdient  jedoch,  dass  das  seltene 

wort  yond,  wie  bei  Spenser  (F.  Q.  II,  8, 40;  III,  7, 26),  auch  bei 

Fairefax  erscheint: 

Nor  those  three  brethren,  Lombards  fierce  and  yond  (I,  55). 

N  ^s  Deutlicher  tritt  uns  die  nachahmung  Spenser'scher  eigen- 
\  •  ttimlichkeiten  auf  dem  gebiete  der  metrik  entgegen.    Fairefax 
hat  seinem  vorbilde  manche   der  archaisierenden  metrischen 
licenzen  abgesehen: 

a)  im  versinnern 

1.  das  silbenbildende  -en  als  endung  des  plur.  ind.  praes.9 
und  des  inf.10, 

2.  das  präfix  y-  des  pari  praet.11; 

b)  im  reime 

1.  plur.  ind.  praes.  auf  -nen  und  inf.  auf  -we18, 

2.  schwache  substantiv-plurale  auf  -neu. 

Wie  in  dieser  auf  wort  und  vers  ruhenden  archaistischen 
färbung,  wird  uns  auch  in  dem  überreichen  schmucke,  mit 
welchem  Fairefax  das  italienische  original  bedacht  hat,  in 
den  von  dem  Übersetzer  eingefügten  bildern,  gleichnissen  und 
anderen  einzelheiten  das  walten  des  Spenser'schen  geistes  nicht 
selten  fühlbar.  Natürlich  ist  auch  hier  allgemeines,  den  dich- 
tem der  ganzen  periode  gemeinsames,  auszuscheiden.  Wenn 
wir  finden,  dass  Fairefax  seine  verse  bis  zum  überdruss  mit 
den  typen  der  klassischen  mythologie  füllt,  dass  ihm  die  sonne 
stets  Titan,  Phoebus  oder  Hyperion,  der  mond  Ginthia  oder 
Phoebe,  der  ozean  Neptun  oder  Thetis  ist,  dass  er  nicht  vom 
kriege  ohne  Mars,  Bellona,  nicht  von  liebe  ohne  Cupid  sprechen 
kann,  so  erkennen  wir  hierin  allerdings  eine  eigensehaft  der 
Spenser'schen  werke,  zugleich  aber  auch  eines  der  aufdring- 
lichsten merkmale  der  renaissancedichtung  überhaupt  Doch 
werden    wir    uns    selbst    bei   diesem   herkömmlichen   mytho- 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZUNGEN.  107 

logischen  zierrat  hin  nnd  wider  der  nähe  Spenser's  bewusst. 
Dieser  liebt  es,  bei  tagesanbruch  die  rosenfingrige  Aurora  er- 
rötend dem  lager  des  greisen  Tithonus  entsteigen  zu  lassen15; 
Tasso  benutzt  diese  formel  an  keiner  stelle  und  doch  lesen 
wir  bei  Fairefax: 

I  rose  and  journayd  on  my  way  direct, 

When  blushing  morne  from  Tithons  bed  foorth  came  (XII,  37) 

The  rosie  fingred  morne  with  gladsome  ray, 
Rose  to  her  taske  from  old  Tithonus  lap    (XV,  1). 

Ausser  der  heidnischen  götterlehre  entlehnen  Spenser  und  Faire- 
fax auch  der  bibel  manche  illustration,  wobei  sich  wider  eine 
Übereinstimmung  zwischen  meister  und  schüler  ergibt.  Spenser 
vergleicht,  in  erinnerung  der  worte  des  psalmisten  (ps.  19,  6), 
die  aus  den  toren  des  himmels  tretende  sonne  einem  bräutigam 
(F.  Q.  I,  5,2);  —  ähnlich  sagt  Fairefax,  durchaus  verschieden 
von  Tasso: 

Aurora  bright  her  cristal  gates  unbard 

And  bride-groome-like  forth  stept  the  glorious  sunne  (I,  71). 

Auch  für  den  sonstigen,  profanen  bilderschmuck  seiner  be- 
arbeitung  der  Gerusalemme  scheint  Fairefax  noch  des  öfteren 
aus  der  gleichnissfülle  der  F.Q.  geschöpft  zu  haben.  Bei  Spenser 
leuchten  die  äugen  sowol  des  drachen,  den  der  Rederosse  knight 
bekämpft  (1, 11, 14),  als  auch  des  einen  peinigers  der  Mirabella 
(VI,  7, 42)  wie  die  waraungsfeuer  (beacons),  welche  die  männer 
zu  den  waffen  rufen.  Fairefax  verwendet  dieses  bild  für  die 
äugen  des  höllenfürsten: 

His  eyes,  that  füll  of  rage  and  venome  swell,  •■ 

Two  beacons  seeme,  that  men  to  armes  assemble    (IV,  7), 

während  Tasso  denselben  den  glänz  eines  unheilverkündenden 
kometen  verleiht.  Spenser  bedient  sich  zweimal  (II,  4, 11;  III, 
7,  34)  —  an  beiden  stellen  meines  erachtens  nicht  mit  gewohn- 
tem glück  und  gesc&ick  —  des  bildeö'-der  gehemmten,  die  ufer 
überschwemmenden  flut;   Fairefax  vergleicht  ihr  die  wut  des 

Rinaldo:  k 

•    His  bridled  furie  grew  thereby  more  feil, 

So  rivers  stopt,  above  their  banks  doe  swell  (III,  53), 

und  des  Argante: 

These  worthies  strove  to  stop  him,  but  iu  vaine, 

With  these  strong  lets  increased  still  his  ire, 

Like  rivers  stopt,  or  closely  smouldred  fire    (VII,  108). 


108  KOEPPEL, 

Ausserdem  begegnen  sich  die  beiden  dichter  noch  in  folgenden 
bildern:  ein  geränsch  erinnert  sie  an  das  summen  der  schwär- 
menden bienen16;  der  besiegte  held  stürzt  zu  boden,  wie  ein 
zerschmetterter  türm17;  ein  blutbad  wird  dem  hinschlachten 
von  schafen  verglichen18;  die  feinde  erschrecken  beim  anblick 
des  helden,  wie  tauben  beim  nahen  eines  raubvogels10;  der 
gegner  wird  vom  schwert  zerstückt,  wie  der  bäum  vom  messer 
des  gärtners20;  sorglose  menschen  ähneln  den  fliegen,  welche 
der  kälte  des  winters  nicht  gedenken.21  Auch  einer  geschmack- 
losigkeit  des  Fairefax  lässt  sich  aus  den  werken  des  grösseren 
dichtere  ein  gegenstück  zur  seite  stellen:  wenn  jener  die  schöne 
Sofronia  als  einen  mit  reichem,  aber  nicht  zum  verkaufe  aus- 
gelegtem stoif  gefüllten  laden  bezeichnet22,  so  ist  das  nicht 
schlimmer,  als  wenn  Spenser  in  die  Übersetzung  eines  Tasso- 
schen  sonetts  zwei  zeilen  einschiebt,  des  inhalts,  dass  der 
busen  der  geliebte  einer  mit  kostbarem  gut  beladenen  barke 
gleiche.23 

.  Bei  mancher  unwesentlichen  einzclheit,  durch  welche  sich 
Fairefax  von  Tasso  unterscheidet,  scheint  er  ebenfalls  auf  den 
spuren  Spenser's  zu  wandeln.  So  erwähnt  er,  gänzlich  un- 
motiviert, das  kaspische  meer,  was  uns  verständlich  wird,  wenn 
wir  berücksichtigen,  dass  auch  Spenser  widerholt  dieses  meeres 
gedenkt24;  Spenser  nennt  in  der  Schilderung  der  grotte  des 
mammon  die  harpye  Celeno,  Fairfax  bezeichnet  die  harpyen 
als  Cilenos  rout2b;  der  körper  ist  ihm,  wie  Spenser,  der  käfig 
der  seele26;  wenn  er,  unpassend  genug,  die  erschlagenen 
Christen  mit  bleiernen  sargen  bedenkt,  fällt  uns  Spenser's 
häufiges  'tvrapt  in  lead'  ein27;  Spenser  lässt  bei  Turtnagant 
und  Mahound  schwören,  und  auch  bei  Fairefax  erscheinen  die 
beiden  götzen  in  einer  zeile2*,  in  welcher  der  italienische  text 
nur  Macometto  bietet;  das  ungeheuer,  auf  welchem  Spenser's 
Duessa  reitet,  reisst  mit  seinem  schweife  die  gestirne  vom 
himrael  —  das  gleiche  berichtet  Fairefax  von  den  geistern 
der  hölle.-«» 

Schliesslich  ist  noch  zu  betonen,  dass  sich  Fairefax  für 
seine  ganze  dichterische  tätigkeit  Spenser's  schaffen  zum  muster 
genommen  hat.  Spenser  hat  die  englische  literatur  um  ein  in 
seiner  art  einziges  epos  bereichert  —  Fairefax  tat,  nach  dem 
masse  seiner  kräfte,  sein  möglichstes,  indem  er  seinem  volke  die 
kenntniss  eines  hochberühmten  fremdländischen  epos  erschloss. 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBBRSETZUN6EN.  109 

Spenser  hat  in  dem  Shep.  Cal.  einen  cyklus  von  zwölf  eklogen, 
nicht  nur  erotischen,  sondern  auch  satyrisch-didaktischen  inhalts 
geliefert  —  von  Fairefax  hören  wir,  dass  er  seine  anschauung 
und  beurteilung  seiner  zeit  ebenfalls  in  zwölf  eklogen  nieder- 
gelegt habe.  Noch  mehr  —  Spenser  erzählt  in  der  Mai-ekloge 
die  traurige  mähre  von  dem  leichtsinnigen  zicklein,  das  sich 
von  dem  schlauen  fuchs  betören  lässt  und  ihm  zum  opfer  fällt; 
der  kommentator  "E.  K.  bemerkt,  dass  diese  fabel  als  eine 
warnung  für  gute,  schlichte  Christen  gemeint  sei,  sich  ja  nicht 
mit  den  falschen  und  treulosen  papisten  einzulassen.  Fairefax 
berichtet  in  der  einzigen  gedruckten  ekloge,  der  vierten,  die 
leidensgeschichte  eines .  lammes,  das,  von  dem  heimtückischen 
fuchs  verführt,  von  einer  tötlichen  krankheit  befallen  wird, 
welche  nur  durch  das  blut  des  heiligen  lammes  geheilt  werden 
kann.  Dass  Fairefax  ein  strenggläubiger  Protestant  war,  wissen 
wir  aus  seinem  eigenen  munde30:  die  beiden  allegorien  stehen 
sich  somit,  wenn  auch  verschieden  ausgeführt,  dem  religiösen 
Grundgedanken  und  der  einkleidung  nach  sehr  nahe. 

Wenn  wir  nun,  nachdem  wir  Fairefax,  verhältniss  zu  seinen 
Vorgängern  erörtert  haben,  daran  gehen,  seine  Stellung  zu  Tasso 
zu  beleuchten,  so  ist  vor  allen  dingen  zu  rühmen,  dass  er  das 
metrum  des  Originals,  die  ottava  rima,  beibehalten  und  im  ganzen 
mit  grossem  geschick  gehandhabt  hat  Von  dem  plane  des  ge- 
dichtes  ist  er  nicht  abgewichen,  er  hat  sich  keine  kürzungen 
und  erweiterungen  desselben  erlaubt,  und  seine  eigenmächtigste 
handlang  in  dieser  hinsieht  ist,  dass  er  sich  in  der  widmungs- 
und  huldigungsstrophe  (1, 4)  statt  mit  Tasso  an  den  magnanimo 
Alfonso,  an  die  noble  Princes  im  allgemeinen  wendet.  Aber 
diese  seine  treue  im  grossen  bewährt  sich  im  kleinen  nicht; 
schon  aus  dem  bisher  gesagten  ist  hervorgegangen,  dass  Faire- 
fax im  detail  nichts  weniger  als  ein  sorgfältiger,  getreuer  Über- 
setzer war*  In  der  tat  fehlt  ihm  für  diese  rolle  die  conditio 
sine  qua  non  —  eine  gründliche  kenntniss  der  italienischen 
spräche.  Die  hilfsmittel  für  die  erlernung  des  fremden  idioms 
—  deren  es  damals  in  England  schon  eine  ziemliche  anzahl 
gab31  —  waren  ihm  entweder  in  seiner  ländlichen  abgeschieden- 
heit  nicht  zur  hand,  oder  er  hat  sie  nicht  genügend  benutzt  — 
gewiss  ist,  dass  ihn  die  geringste  sprachliche  Schwierigkeit 
zu  fall  bringt,  und  dass  er  sich  fehler  jeder  art  zu  schulden 
kommen  lässt.    Manchmal  genügt  schon  ein  wort,  um  seine 


110  KOEPPEL, 

rege  phantasie  auf  eine  falsche  fährte  zu  leiten.    Vergleichen 

wir  folgende  stelle  in  original  und  Übersetzung  (III,  32): 
Tal  gran  tauro  talor  neu'  ampio  agone, 
Se  volge  il  corno  ai  cani,  ond'  e  seguito, 

S'  arretran  essi 

As  the  swift  Ure  by  Volgacs  rolling  flood 

Chas'd  through  the  plaines  the  mastive  curres  toforne, 

Flies  to  the  succour  of  some  neighbor  wood    .    .    . 

so  wird  sich  der  Zusammenhang  zwischen  Tasso's  volge  und  des 
Engländers  überraschender  Volga  schwerlich  in  abrede  stellen 
lassen.  An  vielen  stellen  ist  ihm  der  sinn  dunkel  geblieben 
und  er  hat  sich  in  folge  dessen  auf's  raten  verlegt.  Bei  Tasso 
entdeckt  die  verliebte  Erminia  dem  himmel  ihre  flammen,  bei 
Fairefax  wirft  sie  durch  den  glänz  ihrer  Schönheit  leuchtende 
strahlen  (VI,  103);  der  italienische  Orcano  sagt,  dass  Argante 
mit  tod  drohe  und  die  Wahrheit  nicht  hören  wolle,  der  eng- 
lische, dass  der  ritter  entrüstet  sei,  mit  nahem  tode  bedroht  zu 
werden  (X,  46);  Tasso  lässt  im  schlösse  der  Armida  Schlummer 
regnen,  Fairefax  blätter  (X,  63);  jener  bezeichnet  den  Rinaldo 
als  einsamen  liebenden,  dieser  gesellt  ihm  einen  falschen  ere- 
miten,  namens  liebe  (XVI,  26)  u.  s.  w.  Sehr  häufig  —  man 
möchte  fast  sagen,  mit  einer  gewissen  hartnäckigkeit  —  spricht 
Fairefax  in  solchen  fällen  gerade  das  gegenteil  von  dem  aus, 
was  Tasso  meint.  Tasso's  grimmiger  Thracier,  dem  die  beute 
abzujagen  ist,  verwandelt  sich  bei  ihm  in  das  leidvolle  Thra- 
cien,  welches  den  Ismaeliten  abgenommen  werden  muss  (I,  5); 
wird  im  Italienischen  Erminia  auch  schlafend  von  ihrer  liebe 
gepeinigt,  so  lässt  Fairefax  im  gegenteil  den  Schlummer  der 
schönen  von  dem  liebesgott,  seiner  mutter  und  den  grazien  be- 
wachen und  schützen  (VII,  4);  im  original  lesen  wir,  dass  die 
Araber  das  christliche  beer  von  der  meeresküste  abschneiden  — 
in  der  Übersetzung,  dass  dieses  jenen  den  weg  versperrt  (IX,  7); 
betont  Tasso,  dass  Lesbin's  kiun  noch  ohne  flaum  war,  so 
stattet  Fairefax  den  liebling  des  sultans  mit  einem  bärtchen 
aus  (IX,  81);  die  italienische  Armida  erklärt,  sie  wolle  zu  dem 
könig  von  Egypten  eilen,  bevor  er  aufgebrochen  sei  —  die 
englische,  sie  wolle  nicht  gehen,  bis  er  sich  in  bewegung  ge- 
setzt habe  (XVI,  72);  Rinaldo  wird,  zum  unterschied  von  den 
anderen  rittern,  im  zauberwalde  nicht  von  donner,  sondern  von 
gesang  begrüsst,  bei  Fairefax  bekommt  er  einen  bäume  er- 
schütternden donnersehlag  zu  hören  (XVIII,  19)  u.  s.  w.3* 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBBRSETZUNGRN.  111 

Selbst  die  mühe  des  ratens,  des  angelns  nach  dem  mög- 
liehen sinne  des  italienischen  textes  hat  sich  unser  freund  nicht 
immer  gegeben.  Statt  sich  über  eine  schwierige  stelle  den 
köpf  zn  zerbrechen,  zieht  er  es  vor,  Tasso's  verse  ganz  bei 
seite  zu  lassen  und  die  atrophe  mit  seinen  eigenen  gedanken 
und  worten  zu,  füllen.    Man  vergleiche: 

II,  55    Dura  division!  scaccia  sol  quelli 

Di  forte  corpo  e  di  feroce  ingegno; 
.  Ma'l  mansueto  sesso,  e  gli  anni  imbelli 
Seco  ritien,  siccome  ostaggi  in  pegno. 

A  hard  division,  when  the  harmlesse  sheepe 
Must  leaye  their  lambes  to  hungrie  wolves  in  Charge, 
But  labour's  vertues  watching,  ease  her  sleepe, 
Trouble  best  winde  that  drives  salvations  bärge. 

XVIII,  13    Ha  il  suo  gran  carro  il  di;  le  anrate  stelle 
Spiega  la  notte  e  1'  argen tata  luna: 
Ma  non  e  chi  vagheggi  o  questa  o  quelle; 
£  miriam  noi  torbida  luce  e  bruna, 
Che  un  girar  d'  occhi,  un  balenar  di  riso 
Scopre  in  breve  confin  di  fragil  viso. 

Day  hath  his  golden  sun,  her  moon  the  night, 

Her  fixt  and  wandring  stars  the  azure  skie, 

So  framed  all  by  their  creators  might, 

That  still  they  live  and  sinne,  and  never  shall  die, 

Till  (in  a  moment)  with  the  last  daies  brand 

They  burne,  and  with  them  burnes  sea,  aire  and  lande. 

Beispiele  dieser  art  Hessen  sich  häufen33,  aber  das  mitgeteilte 
genügt,'  uns  zu  beweisen,  dass  sich  Fairefax  seine  sache  leicht 
gemacht  hat,  und  dass  wir,  falls  wir  nur  der  stimme  des  philo- 
logischen gewissens  lauschen  wollten,  des  bedenklichen  kopf- 
schüttelns  kein  ende  finden  könnten. 

Aber  auch  ohne  dass  wir  an  unübersteigliohe  sprachliche 
hindernisse  und  Übersetzungsfehler  zu  denken  haben,  sehen 
wir  Fairefax  oft  genug  auf  nach  eigenem  belieben  gewählten, 
einem  gewissenhaften  interpreten  verbotenen  wegen  wandeln. 
Folgen  wir  ihm  auf  denselben,  so  fällt  uns  vor  allen  dingen 
seine  neigung  auf,  das  von  Tasso  gebotene  noch  in  die  höhe  zu 
schrauben,  seine  vorläge  in  noch  kräftigeren,  dickeren  strichen 
widerzugeben.  Diesem  hange  fröhnt  er  im  kleinen  und  grossen: 
von  der  harmlosen  Steigerung  der  zahl  der  vor  dem  Marienbild 
brennenden  lichter  —  Tasso  spricht  von  einer  fackel,  Fairefax 
von  hundert  lampen  (II,  5)  —  bis  zu  der  unsinnigen  hyperbel, 


112  KOEPPEL, 

dass,  nach  der  erstürmung  der  mauern  Jerusalems,  die  fluten 
vor  freude  in  die  bände  klatschen  und  die  bäume  auf  den 
bergen  tanzen.34  Tasso's  Aladin  entbrennt  in  grimmem  zorn 
gegen  den  Wächter,  der  ihm  das  verschwinden  des  heiligen- 
bildes  meldet  —  bei  Fairefax  tötet  er  ihn  (II,  8);  der  Schilde- 
rung der  höllischen  ungeheuer  fügt  er  noch  bei,  dass  die  einen 
die  um  ihre  schultern  hängenden  schlangen  zernagen 3&,  andere 
dem  himmel  mit  ihren  zackigen  schweifen  seine  sterne  ent- 
reissen;  tut  Tasso  sein  möglichstes,  indem  er  Rinaldo  dem 
kampfbereiten  kriegsgott  vergleicht,  so  tibertrumpft  ihn  der 
Engländer  noch  mit  der  bemerkung,  dass  die  blickte  des  beiden 
dem  grossen  Mars  selbst  furcht  eingeflösst  haben  würden  (V,  44); 
Vafrin,  der  schon  bei  Tasso  ziemlich  ketzerische  ansichten  über 
die  frauen  hegt,  findet  bei  Fairefax  in  ihren  Worten  den  tod,  in 
ihrem  lächeln  die  hölle  (XIX,  84).  Im  allgemeinen  ist  Faire- 
fax jedoch  höflich  gegen  das  zarte  geschlecht,  und  wenn  von 
schönen  frauen  die  rede  ist,  erklingt  sein  lob  so  Überschwang- 
lieh,  dass  er  sich  auch  hier,  nicht  zu  seinem  vorteil,  über  sein 
vorbild  erhebt  und  noch  süsslicher,  noch  gezierter  wird  als 
Tasso,  obwol  dessen  erotische  stellen  reichlich  genug  mit  con- 
cetti  beflittert  sind.  Ich  will  nur  Fairefax'  zutaten  zu  der  schon 
bei  Tasso  stark  gewürzten  Schilderung  der  reize  Ännidens  in 
kürze  berühren.  Er  vergleicht  sie  der  marmorstatue  der  Venus 
zu  Cnidos  (IV,  29);  ihre  errötenden  lippen  küssen  sich,  so  oft 
sie  sich  schliessen  (IV,  30);  ihre  tränen  sind  Hektar,  der  aus 
dem  destillirhelm  ihrer  diamantenen  äugen  flieset,  in  jedem 
tropfen  badet  sich  eine  unsichtbare  grazie36;  ausserdem  ist  die 
weinende  schöne  umflogen  von  sechzig  amoretten,  welche  den 
saft  auffangen,  und  aus  jedem  tropfen  entweder  einen  neuen 
pfeil  schmieden,  oder  den  krystallenen  ball  als  wildfeuer  gegen 
rebellische  herzen  schleudern37;  ihre  blicke  sind  die  pfeile  des 
liebesgottes,  ihre  äugen  seine  köcher  (V,  61).  Ein  gewisses 
gegengewicht  dieser  anhäufung  von  süsslichkeiten  bietet  Faire- 
fax, indem  er  sich  an  den  galanten  stellen  etwas  derber  und 
deutlicher  ausdrückt  als  Tasso.38 

Eine  weitere  Verschiedenheit  zwischen  original  und  Über- 
setzung ergibt  sich  dadurch,  dass  Fairefax  mit  dem  italienischen 
text  nicht  haus  zu  halten  versteht,  dass  er  unzählige  male  den 
silhen-  und  Zeilenbedarf  seiner  verse  und  Strophen  nicht  mit 
ihm  zu  decken  vermag.    Er  hilft  sich  dann  auf  mehrfache  weise. 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZÜNGEN.  113 

Als  einfachstes  auskunftsmittel  boten  sich  ihm  natürlich  epitheta 

ornantia,  welche  er  mit  Vorliebe39  und  zum  teil  sehr  glücklich 

verwendet.    In  den  folgenden  zeilen  möchte  wol  niemand  die 

in  Wahrheit  schmückenden  beiwörter  missen: 

I,  33    This  done,  report  displaies  her  teltale  wings, 
And  to  each  eare  the  newes  and  tidings  brings. 

IX,  66  And  towards  hell  their  lazie  wings  display. 
Weder  ftlr  die  schwingen  der  geschwätzigen  fama,  noch 
der  widerwillig  zur  hölle  entweichenden  geister  konnten  sich 
passendere  epitheta  finden  lassen.  Genügen  einzelne  Wörter 
nicht,  so  führt  er  eine  andeutung  Tasso's  weiter  aus  und  er- 
gänzt dessen  knappe  striche  zu  kleinen,  teilweise  reiz-  und 
lebensvollen  bildern.  Während  Tässo  Clorinda  mit  ziemlich 
nüchternen  Worten  zu  der  verhängnissvollen  waldquelle  führt, 
zeigt  sie  uns  Fairefax,  wie  sie  den  kühlen  hauch  des  windes 
mit  dem  netz  ihrer  gelösten  haare  auffängt  (1, 47);  die  meidung, 
dass  sich  die  Christen  waffnen,  belebt  er,  indem  er  die  masse 
in  mehrere  gruppen  mit  verschiedener  ausrüstung  gliedert40; 
vergleicht  Tasso  die  Clorinda  der  pfeilsendenden  Jungfrau  von 
Delos,  so  bringt  uns  Fairefax  die  tochter  der  Latona  vor  äugen, 
wie  sie  Niobe  und  deren  kinder  tötet41;  ist  von  dem  zauber- 
wagen der  Armida  die  rede,  so  versäumt  er  nie,  das  drachen- 
gespann  desselben  zu  erwähnen  (XIV,  68;  XVI,  69).42  In  viel 
reicheren  färben  als  Tasso  pflegt  der  Engländer  das  anbrechen 
des  tages  zu  malen.  Die  goldene  sonne  entsteigt  der  silbernen 
welle43;  spricht  schon  Tasso  von  der  rosenstirne  und  den  gol- 
denen füssen  des  morgens,  so  wirft  ihm  Fairefax  noch  einen 
silbermantel  um44;  auf  seiner  silberkrone  trägt  der  morgen  der 
sonne  goldstrahl.4*    Wunderschön  sagt  Fairefax: 

with  purple  wings  upflew 

In  golden  weed  the  mornings  lustie  queene    (XVIII,  15); 

dagegen  steigert  sich  diese  pracht  der  färben  zu  geschmack- 
loser Verschwendung,  wenn  er  den  purpurnen  morgen  dem 
hochroten  lager  entsteigen  und  die  zinnoberroten  gewänder 
umnehmen  lässt.46 

Leider  ist  es  dem  Übersetzer  jedoch  nicht  immer  gelungen, 
seine  verse  mit  schmückenden  beiwörtern  und  miniaturen  zu 
füllen.  Er  greift  nur  zu  oft  zu  dem  rein  mechanischem  hilfs- 
mittel, Synonyma  und  andere  Wörter  —  substantiva,  adjectiva, 
verba  —  aneinander  zu  reihen,  bis  er  den  vers  auf  die  richtige 

Anglift,  XU.  band  8 


114  KOEPPEL, 

silbenzabl  gebracht  hat.  Die  zahl  dieser  plumpen  häufungen 
ist  legion;  ich  gebe  im  nachstehenden  stets  nur  ein  beispiel 
von  jeder  Wortklasse.  Am  mildesten  tritt  diese  krank  hei  t  in 
der  erscheinungsform  auf,  welche  uns  aus  den  reden  des  auf- 
geblasenen Sir  Robert  Hazlewood  in  Walter  Scotts  'Guy  Man- 
nering '  bekannt  ist  —  als  triadensucht: 

Blood,  murder,  death,  each  streete,  house,  church  de- 

filde  (XIX,  30)« 
Untill  at  last  im  markt,  unview'd,  unseene    .    .    . 
Within  bis  side  he  sheath'd  his  weapon  kccne   (IIT,  45)48 

Hierusalem  (behold)  appeer'd  in  sight, 

Ilierusalem  they  view,  they  see,  they  spie    (III,  3) 4Ö 

Nicht  minder  beliebt  ist  bei  Fairefax  die  vierzahl: 

Your  disobedience 

liefer  I  justly  to  a  further  spring, 

Spring  of  sedition,  strife,  oppression,  tort, 

I  meane  cominanding  powre  to  sundry  given, 

In  thought,  opinion,  wortb,  estate,  uneven    (I,  30)50 

His  robes  were  such  as  best  beseenien  might 

A  king  so  great,  so  grave,  so  rieb,  so  old    (XVII,  10)M 

On  ereric  liart  tlius  sbone  this  lustfull  sonne 
All   strove  to  serve,    to  please,    to  wowe,    to  love  her 

(IV,  88) " 

Auch  fUnfgliedrige  wortreihen  gehören  nicht  zu  den  Seltenheiten : 

Egypt  tbe  beadland  is,  where  lieaped  lies 

Tby  fame,  wortb,  justice,  wisedome,  victories  (II,  62)M 

It  was  a  cave  high,  wide,  large,  ainple,  plaine, 

With  goodly  rooines,  halles,  Chambers,  galleries    (XIV,  48) M 

It  fild  bis  hart  with  malice,  strife  and  hate, 
It  made   him   rage,  blaspheme,   sweare,   curse  and  ban 

(V,  18)65. 
Mit  sechs  gliedern,  wie  z.  b.: 

And  sweet  breath'd  Zephire  on  bis  spreading  wings 

Slcepe,  ease,  repose,  rest,  peaceand  quiet  brings(XIV,l)M 

Amas'd,  asham'd,  disgras'd,  sad,  silent,  trist, 
Alone  he  would  all  day  in  darknes  sit    (XIII,  20) 

Ismen  dead*  bones  laid  in  cold  graves  that  warmes 
And  inakes    them    speake,    smell,  taste,  touch,  see  and 

beere    (II,  1) 

hat  dieses  flicksystem  für  adjeetivum  und  verbum  seinen  höhe- 
punkt  erreicht,  während  es  Fairefax  auf  dem  gebiete  der  sub- 
stantiva  glücklich  so  weit  gebracht  hat,  sieben,  acht,  ja  neun 
Wörter  in  eine  zeile  zu  pressen: 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZUNGEN.  115 

And  thence  to  raoisteu  all  the  earth,  he  brings 
Seas,    rivers,    flouds,    lakes,    fountaines,    weis    and 

Springs  (XIV,  37) 

Then  bend  thine  eies  on  yonder  earth  and  mould, 
All  in  that  masse,  that  globe,  and  compasse  see, 
Land,  sea,  spring,  fountainc,  man,  beast,  grasse  and 

tree    (XIV,  9) 

To  know  all  things  that  God  had  fram'd  or  wrought, 
Fire,   aire,   sea,   earth,  man,   beast,   sprite,   place  and 

time    (XIV,  45) 

Die  nachteile  dieses  Verfahrens  liegen  auf  der  band:  der  Über- 
setzer wird  zu  unerträglichen  tautologien  veranlasst,  und  der 
leser  wird  allzu  oft  an  die  mühe  des  verseschmiedes  erinnert. 
Dass  der  hauptgrund  dieser  häufungen  in  der  tat  in  einer  ge- 
wissen ermattung  und  hilflosigkeit  des  dichtere  zu  suchen  ist 
—  wenn  auch  nicht  zu  leugnen  ist,  dass  sein  ohr  an  verschie- 
denen derselben,  vor  allem  an  dem  dreiklang,  gefallen  fand57 — , 
wird  dadurch  bewiesen,  dass  ihre  zahl  gegen  das  ende  der 
arbeit  mehr  und  mehr  wächst,  so  dass  wir  sie  im  20.  gesang 
als  einen  hässlichen  makel  der  Übersetzung  empfinden.  Wäh- 
rend es  in  den  früheren  gesängen  eine  Seltenheit  ist,  wenn  sich 
in  einer  strophe  zwei  derartige  wortreihen  finden,  stossen  wir 
im  letzten  gesang  auf  Strophen  mit  zwei,  drei,  ja  vier  zeilen 
solch  unkünstlerischen  Stückwerks: 

Rinaldo  came,  whose  furie,  haste,  and  ire, 

Seem'd  earthquake,  thunder,  tempcst,  storme  and  fire 

(XX,  57) 
Their  captaine,  clad  in  purple,  and  in  guuld, 
That  seemes  so  fierce,  so  hardy,  stout  and  strong  .  .  . 
What  can  he  do,  (though  wise,  though  sage,  thoughbould) 
In  that  confusion,  trouble,  thrust  and  throng?    (ib.  17) 

With  horrour,  feare,  amazednesse  and  dreed, 

Cold  were  the  harts  of  all  that  saw  the  fray, 

And  Soliman  (that  view'd  that  noble  deed) 

Trembled,  his  palenesse  did  his  feare  bewray; 

For  in  that  stroake  he  did  his  ende  arreed, 

He  wist  not  what  to  thinke,  to  doe,  to  say, 

A  thing  in  him  unnsed,  rare  and  stränge, 

Bat  so  doth  heav'n  mens  harts  turne,  alter,  change 

(ib.  104)58. 

Die  bisher  besprochenen  eigentümlichkeiten  der  Fairefax- 
schen  version  haben  den  leser  gewiss  bereits  erkennen  lassen, 
welch  verändertes  aussehen  Tasso  im  englischen  gewande  hat. 

8* 


116  KOEPPBL, 

Gleichwol  haben  wir  der  bedeutsamsten  Verschiedenheit  zwischen 
original  und  Übersetzung  ej*st  noch  zu  gedenken:  der  grösseren 
bildlichkeit  im  Englischen  und  der  fülle  von  Sprichwörtern, 
vergleichen  und  gleichnissen,  welche  Fairefax,  nach  dem  ge- 
schmacke  seiner  zeit  und  seines  Volkes,  eingestreut  hat  In  der 
Verwendung  des  volkstümlichen  elementes  werden  wir  häufig 
an  Chaucer's  widergabe  von  Boccaccio's  Filostrato  erinnert.  Es 
ist  sehr  ergötzlich  zu  beobachten,  wie  sich  in  den  glatten  und 
sorgfältig  über  das  gewöhnliche  erhobenen  werken  der  Italiener 
der  derbere  englische  geist  geltung  verschafft  hat.  Stellen  wir 
uns  auf  diesen  historischen  Standpunkt,  so  sind  wir  gar  nicht 
entrüstet,  wenn  die  bereitwilligkeit  Aladin's,  die  Christen  zu 
strafen,  mit 

A  staffle  to  beate  that  dog  he  long  had  sought    (II,  11), 

die  freude  des  Artemidoro  über  das  loos,  welches  ihn  zum 
kämpen  Armidens  bestimmt,  mit 

Doubtlesse  the  Countie  thought  his  bread  well  baken    (V,  73), 
die  Verzweiflung  der  letzteren  nach  der  verlorenen  schlacht  mit 

[The  dame]  Thought,  now  her  field  lay  wast,  her  hedge  lay  downe 

(XX,  116) 

ausgedrückt  wird 59  —  Wendungen,  welche  Fairefax  von  späteren, 
verfeinerten  kritikern  schwer  verübelt  wurden.  Das  übermass 
des  bildlichen  ausdruckes  aber  wirkt  wol  auf  jeden  ermüdend: 
es  ist  dem  dichter  fast  unmöglich,  die  dinge  schlecht  und  recht 
bei  ihren  namen  zu  nennen,  und  seine  rege  phantasie  lässt  ihn 
um  tropen  aller  art  nie  verlegen  sein.  So  sind  ihm  die  Sterne 
die  kleinen  kerzen  des  himmels  (IX,  10),  die  funkelnden,  zum  ver- 
kauf ausgeschütteten  diamanten  der  nacht  (IX,  14),  die  lampen 
in  Jupiter's  palast  (XVIII,  12) 60;  das  meer  ist  ihm  der  Spiegel 
des  himmels  (XV,  9),  Jerusalem  Israel's  schönste  tochter  (1, 81). 
Flösst  Tasso's  Soliman  seinen  Soldaten  mut  ein,  indem  er  ihnen 
sagt,  dass  der  grössere  teil  des  christlichen  heeres  zu  gründe 
gegangen  sei,  so  spricht  er  bei  Fairefax  von  hefe  und  ausge- 
laufenem wein  (IX,  18);  Aladin's  befehl,  alle  Christen  zu  töten, 
damit  der  schuldige  nicht  entrinne,  ergeht  bei  Tasso  in  scharfen, 
klaren  Worten,  in  der  Übersetzung  ist  von  dem  ausschütten  ver- 
gifteten weines,  dem  ausrotten  eines  mit  unkraut  bedeckten 
feldes  und  von  einem  mit  dornen  überwucherten  weinberg  die 
rede61;  in  gänzlicher  ab  weichung  von  Tasso  lässt  Fairefax 
seinen  Oodfrey  klagen,  dass  mit  dem  von  Argante  erschlagenen 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZUNGEN.  117 

Düdone  ihr  schiff  den  mast,  ihr  wagen  die  räder,  ihre  Speere 
die  spitzen,  und  der  siegesvogel  seine  hauptfeder  verloren  hätten 
(III,  69);  Aletes  fordert  den  föhrer  der  Christen  auf,  mit  seiner 
unbesiegten  hand  den  kostbaren  henkel  des  bechers  der  liebe 
zu  ergreifen.62  Die  ganze  rede  des  Aletes  ist  sehr  beachtens- 
wert, sie  strotzt  von  tropen,  bildern  und  gleichnissen;  Fairefax 
hat  mit  ihr  sichtlich  ein  prachtstück  seiner  redekunst  liefern 
wollen.  Die  fülle  des  gebotenen,  der  reichtum  seiner  phantasie 
ist  gewiss  erstaunlich,  wenn  auch  nicht  immer  bewundernswert, 
da  er  hin  und  wider  in  der  wähl  seiner  Illustrationen  fehlgreift. 
So  ist  es  z.  b.  wenig  geschmackvoll,  wenn  er  betreffs  des  helm- 
schmuckes der  Clorinda,  einer  tigerin,  bemerkt,  dass  man  an 
diesem  zeichen  das  schöne  Wirtshaus  zu  erkennen  pflegte: 

By  which  bright  signe  well  knowne  was  that  faire  Inne  (11,38). 

Betreffs  der  vergleiche  und  gleichnisse  der  Übersetzung  ist 

vor  allem  noch  zu  betonen,  dass  sich  Fairefax  dem  guten  und 

schönen  gegenüber,  welches  ihm  das  original  in  dieser  hinsieht 

bot,  sehr  kritisch  und  ablehnend  verhält.    Nicht  selten  ändert 

er  Tasso's  bilder,  verbessert  sie,  nach  seiner  ansieht  —  eine 

ansieht,  die  wir  freilich  nicht  teilen   können.     Erscheint  uns 

schon  bei  einem  blick  auf  folgende  zeilen: 

IV,  72    Se  non  mi  vedi  ancor  del  regno  priva, 

Qual  vittima  al  coltello  andar  cattiva; 

My  kingdome  lost,  and  lastly  restetb  now, 

Downe  with  the  tree,  sith  broke  is  every  bow, 

Tasso's  vergleich  als  der  schönere  und  in  Armidens  mund 
passendere,  so  können  wir  uns  vollends  gar  nicht  freuen,  wenn 
Fairefax  Tasso's  schlichtes  und  treffendes  bild,  dass  sich  die 
singenden  Christen  um  die  lärmenden  heiden  nicht  mehr  küm- 
merten, als  um  eine  geschwätzige  vogelschaar,  aufgibt  und 
dafür  schwülstig  sagt: 

'    So  with  Apolloes  harpfe  Pan  tunes  his  reed, 
So  adders  hisse,  where  Philomela  sings    (XI,  13). 

Er  scheint  entschieden  der  meinung  zu  sein,  dass  der  Italiener 
diesen  schmuck  nicht  in  richtiger  weise63  und  viel  zu  spar- 
sam verwendet.  Deshalb  hat  er  sich  auch  nicht  mit  einigen 
Umformungen  des  vorhandenen  begnügt,  sondern  hat  noch 
eine  anzahl  von  gleichnissen  eigener  oder  doch  englischer 
mache  eingeflochten.  Ein  gemeinsames  merkmal  derselben  ist 
—  von  den  landläufigen  kurzen  vergleichen  wie  like  velvet  soft 


118  KOEPPBL, 

ß 

(XIII,  38);  fierce  (XVII,  28),  hot  (ib.  52),  as  fire;  swifl  as  winde 
(XVII,  28),  as  thought  (XX,  93);  bright  as  sunne  (XVIH,  5),  as 
shining  glas  (ib.  64)  etc.  ganz  abgesehen  —  ein  gemeinsames 
merkmal  dieser  gleicbnisse  ist  ihre  knappe,  gedrängte  fassung. 
Einmal  erlaubt  sich  Fairefax  vier  zeilen,  indem  er  Erminia, 
die  ihren  kummer  nicht  ihrer  liebe,  sondern  anderen  gründen 
zuschreibt,  dem  vogel  vergleicht,  der,  um  die  suchenden  irre 
zu  führen,  fern  von  seinem  neste  schreit64;  in  den  meisten  fällen 
jedoch  räumt  er  seinen  Zusätzen  nur  eine,  mit  besonderer  Vor- 
liebe die  letzte  zeile  der  Strophe  ein,  der  er  stets  grössere  Sorg- 
falt zuwendet,  um  einen  wirkungsvollen  schluss  zu  erzielen.65 
Er  bleibt  übrigens  nicht  während  der  dauer  der  ganzen  Über- 
setzung in  solch  angeregter,  schaffensfreudiger  Stimmung,  welche 
ihn  zwingt,  dem  fremden  werke  seine  gedanken  aufzudrängen; 
die  zweite  hälfte  seiner  arbeit  unterscheidet  sich  in  dieser  hin- 
sieht merklich  von  der  ersten.  Die  anfangs  so  reichlich  spru- 
delnde quelle  versiegt  allmählig,  so  dass  wir  in  mehreren  der 
letzten  gesänge  gar  keiner  derartigen  zugäbe  des  Engländers 
begegnen. 

Den  stoff  seiner  vergleiche  und  gleichnisse  entlehnte  Faire- 
fax der  bibel,  dem  griechisch-römischen  altertum,  besonders  der 
antiken  götter-  und  heldensage,  und  der  natur,  mit  bevorzugung 
der  tier-  und  pflanzenweit.  Die  heilige  schrift  ist  nicht  stark 
benutzt:  Ismen,  der  zauberer,  tritt  dem  heidenkönig  als  berater 
zur  seite,  wie  Achitophel  dem  Absalon  (II,  2);  ein  fluss  teilt 
sich,  wie  einst  das  rote  meer  und  der  Jordan  (XIV,  36).66  Weit 
anspruchsvoller  tritt  uns  das  mythologische  element  entgegen, 
aufdringlicher  als  bei  Tasso,  der  auch  hier  mass  zu  halten 
versteht.  Fairefax  vergleicht  seine  beiden  dem  zornigen  Mars 
(III,  33),  dem  söhne  des  Peleus  (ib.  37);  den  Rinaldo,  nach  Virgil, 
dem  die  winde  scheltenden  und  bändigenden  Neptun  (ib.  52); 
auf  den  mauern  Jerusalems  erglänzt  Clorinda  in  silberner 
rüstung  wie  Cinthia  (XI,  27);  die  liebe  besitzt  die  verwundende 
und  heilende  kraft  der  lanze  des  Achilles  (IV,  92).67  Auch 
seine  kenntniss  der  topographie  des  altertums  ist  verwertet: 
den  lüsternen  gedanken,  der  sich  die  verhüllten  reize  der  Ar- 
mida ausmalt,  vergleicht  er  dem  Sonnenstrahl,  der  durch  die 
wellen  des  Tagus  zur  goldkammer  des  flusses  dringen  will 
(IV,  32);  die  riesengestalt  Soliman's  ragt  empor,  wie  zu  Rhodus 
der  koloss  der  sonne  (XI,  27);  der  sturmbock  zerschmettert  die 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBER  SETZUNGEN.  119 

t 

mauern,  wie  einst  der  fall  des  berges  Taigetus  die  stadt  Sparta 
(XI,  38).68  Am  zahlreichsten  sind  die  der  tier-  und  pflanzen- 
weit entnommenen  vergleiche,  doch  sind  dieselben  vollkommen 
frei  von  den  absurditäten  des  euphuismus,  der  für  Fairefax  ein 
überwundener  Standpunkt  ist.  Ein  einziges  mal  streift  er  die 
zoologische  fabel:  Armida  verhält  sich  den  vorschlagen  ihres 
oheims  gegenüber  wie  die  natter,  welche  sich  die  ohren  ver- 
stopft, um  die  Zaubersprüche  nicht  zu  hören  (IV,  47).  Im 
übrigen  operiert  er  einfach  mit  löwen,  wölfen  und  schafen, 
mit  adlern,  tauben,  weihen,  habichten  und  krähen,  mit  bienen 
und  fliegen,  mit  cedern,  ulme  und  rebe  u.  s.  w.69  Einige  seiner 
bilder  lassen  ein  aufmerksames  beachten  der  erscheinungen 
der  unbelebten  natur  erkennen:  die  himmlischen  heerschaaren 
dehnen  sich  in  kreisen  aus,  wie  von  einem  stein  bewegtes, 
stilles  wasser  (XVIII,  96);  Erminiens  hoffnung  gleicht  einem 
von  der  sonne  ausgetrockneten  graben,  ihre  liebe  einem  berg, 
der  von  der  erinnerung  an  Tancred's  wert  und  rühm  be- 
schienen wird.70  In  das  Wunderland  des  Ostens,  nach  Indien, 
blickt  er,  indem  er  griechische  treue  dem  halbdurchsägten 
bäume  vergleicht,  der  zum  fang  der  elephanten  dient  (ü,  72); 
die  moderne  kriegskunst  leiht  ihm  das  bild  von  zwei  aus  einer 
kanone  fliegenden  kettenkugeln  —  Argante  und  Clorinda,  die 
vereint  auf  die  Christen  losstürmen  (IX,  54);  echt  englisch  ist 
es,  wenn  er  das  abgeschlagene  haupt  des  Alarco  wie  einen 
fussball  über  das  gras  rollen  Jässt.71 

Im  allgemeinen  können  wir  der  gewandtheit,  mit  welcher 
Fairefax  seine  gleichnisse  in  das  original  einfügt,  unsere  an- 
erkennung  nicht  versagen.  Hin  und  wider  lässt  er  sich  aber 
doch  von  seiner  Vorliebe  für  diese  art  des  redeschmucks  über 
die  grenzen  des  passenden  und  sinnfälligen  locken.  So  wirkt 
es  unwiderstehlich  komisch,  wenn  er  den  Egypter  Aletes,  der 
geringer  leute  kind,  zu  hohen  würden  emporstieg,  einer  dem 
dornbusch  entsprossenen  rose  vergleicht,  und  diese  rose  in  den 
nächsten  zeilen  mit  den  ehrentiteln  Schmeichler,  fuchsschwänzer 
lügner  belegt72  Einer  groben  widersinnigkeit  macht  er  sich 
schuldig,  indem  er  den  eintritt  des  Soliman  in  eine  enge  und 
niedrige  höhle  mit  der  bemerkung  begleitet: 

So  creepes  a  cameil  througb  a  needies  eye    (X,  33). 

Der  sinn  des  bekannten  bibelwortes,  welches  Fairefax  vor- 
schwebte, ist  natürlich,  dass  ein  kameel  eben  nicht  durch  ein 


120  KOEPPEL, 

nadelöhr  passieren  kann,  während  der  sultan  ganz  ungehindert 
die  höhle  betritt  und  durchschreitet. 

So  verlieren  wir,  unter  Fairefax*  ftihrung,  Tasso's  text  sehr 
oft  gänzlich  aus  den  äugen.  Selten  werden  wir  durch  die  wähl 
der  Wörter  an  die  italienische  vorläge  erinnert;  Fairefax  hat 
sich  nicht,  wie  so  viele  seiner  Zeitgenossen,  durch  die  fremde 
spräche  zu  gewagten  neubildungen  verleiten  lassen.  Die  Wörter, 
mit  welchen  er  sich  dem  italienischen  texte  eng  anschliesst,  sind 
den  Schriftstellern  der  zeit  geläufig  (vgl.  z.  b.  eierno  :  eterne  IX,  99, 
mostro :  monsier  XII,  76,  signoreggiano :  signories  XIII,  53);  aufge- 
fallen ist  mir  die  annähme  des  italienischen  Wortes  nur  in: 

XX,  20    Parve  che  nel  fornir  di  tai  parole 

Scendesse  im  lampo  lucido  e  sereno, 

Upon  the  captaine  (when  bis  speech  was  donne), 
It  seem'd  a  lampe  and  golden  light  downe  came, 

weil  das  englische  wort  das  italienische  begrifflich  nicht  deckt. 
Dass  sich  Fairefax  auch  mit  der  spanischen  spräche  beschäf- 
tigte, läset  sich  daraus  schliessen,  dass  er  an  zwei  stellen  nach 
dem  bedürfniss  des  verses  spanische  wort  formen  verwendet  hat: 

yX^*//  The  Princesse  dond  a  poore  pastoraes  geare    (VII,  17) 
\~"  /  But  ever  (as  the  Scythian  Hör  das  stray) 


From  place  to  place  their  wandring  cities  gad    (XVII,  21). 

Fairefax'  Englisch  zeigt  einige  dialektische  eigentümlich- 
keiten,  welche  uns  daran  erinnern,  dass  der  dichter  fern  der 
hauptstadt,  in  Yorkshire,  lebte.  Er  gebraucht  widerholt  die 
zweite  person  sing.  ind.  praes.  in  der  den  nördlichen  dialekten 
eigenen  form: 

By  that  right  hand,  and  by  those  temples  pure, 
Thou  seekes  to  free  from  Macons  lore,  I  crave 

Helpe  for  this  sicknes (IV,  02) 

0  gather  then  the  rose,  while  time  thou  has 

(:  the  gras  :  doth  pas)   (XVI,  15); 

ferner  begegnen  wir  bei  ihm  sehr  vielen  a:ai-reimen73;  zu  to 
Ixe :  liegen  bildet  er  mit  Vorliebe  das  praeteritum  laid: 

At  last,  therc  downe  she  light,  and  downe  she  laid    (VII,  3) 
Panting  he  laid,  and  gath'red  fresher  aire    (XIII,  63) 7I, 

und  im  reim  erscheinen  ausserdem  folgende,  teils  veraltete,  teils 
dialektische,  von  der  Schriftsprache  nicht  sanktionierte  verbal- 
formen: hing  praes."5,  rave  praet.76,  rove  praet.77,  see  praet.78, 
inthrong  praet.79      Auch    im    Wortschatz    weisen    Wörter    wi§ 


/•- 


e 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZÜNGEN.  "        121 

beild*0,  buskt*1,  forenenst*2  nach  dem  norden.  Doch  fordert 
die  dialektfrage  eine  gründlichere  erörterung,  als  ich  ihr  hier 
zu  teil  werden  lassen  kann. 

Den  nicht  geringen  reimansprüchen  der  ottava  rima  genügt 
Fairefax  im  ganzen  mit  grosser  gewandtheit;  dass  er  sich  alle 
damaligen  und  zum  teil  noch  jetzt  üblichen  reimlicenzen  der 
englischen  metrik  zu  nutzen  macht,  ist  selbstverständlich.83 
Auf  besondere  künsteleien,  reimspielereien,  lässt  er  sich  nicht 
ein;  eine  einzige  Strophe  findet  sich,  welche  in  den  6  ersten 
zeilen  künstliche  weibliche  reime  zeigt,  deren  letzte  silbe  ein 
selbständiges  wort  ist.84  Mit  dem  schmucke  des  Stabreimes, 
welcher  in  Spenser's  stanzen  so  üppig  wuchert,  geht  Fairefax 
spärlicher  um.  Selten  verteilt  er  ihn  über  einen  ganzen  vers85; 
hin  und  widor  verwendet  er  ihn  zur  betonung  seiner  triaden86; 
im  allgemeinen  beschränkt  er  sich  auf  kurze  alliterierende 
formein,  deren  seine  verse  eine  erhebliche  anzahl  aufzuweisen 
haben.87 

Werfen  wir  schliesslich  noch  einen  blick  auf  den  inneren 
bau,  auf  das  Satzgefüge  der  Strophen  des  englischen  Tasso,  so 
wird  uns  vor  allen  dingen  die  überreichliche  Verwendung  des 
hilfszeitwortes  to  do  auffallen  und  nicht  erfreuen.  Eine  beson- 
ders unangenehme  Wirkung  erzielt  Fairefax,  wenn  er  eine  seiner 
beliebten  häufungen  sinnverwandter  verba  noch  durch  dieses 
füll  wort  verschlimmert: 

They  sighing  left  the  lands,  his  silver  sheepe 
Where  Hesperus  dothlead,  dothfeod,  dothkeepe   (IX,  65) 
Through  fire  and  sword.  through  blood  and  death  (Vafrine) 
Which  all  my  friends  did  burne,  did  kill,  did  chace 

(XIX,  93) 
By  you  this  campe  doth  live,  doth  winnc,  doth  raine 

(ib.  129). 

Allerdings  folgt  Fairefax  auch  in  diesem  falle  dem  beispiele 
seines  meisters:  Spenser  bedient  sich  ebenfalls  allzu  häufig 
dieses  bequemen  mittels,  seine  verse  zu  strecken.88 

Nicht  zu  loben  ist  ferner  eine  von  Fairefax  oft  gebrauchte 
art  der  prolepsis.  Er  liebt  es,  teile  der  relativsätze  —  meistens 
das  objekt  —  vor  das  relativum  zu  setzen,  wodurch  das  ver- 
ständniss  des  ganzen  Satzes  erschwert  wird: 

Ismen  dead  bones  laid  in  cold  graves  that  warmes    (II,  1) 
And  Atlas  tops,  the  cloud  in  height  that  passe    (IV,  6) 
Furies  my  guiltie  conscience  that  torment    (XII,  77) 


122  KOEPPEL, 

Tigranes,  Kapold  Sterne,  the  men  that  fare 

By  sea,  that  robbed  in  each  creeke  and  port    (XVII,  30). " 

Auch  sonst  kranken  seine  sätze  hin  und  wider  an  allzu  kühnen 
inversionen;  man  vergleiche: 

IX,  13       jfts<cia  Toste  veloce,  anzi  si  corre, 

Che^ella  fama  il  volo  anco  precorre. 

Tbus  on  thejtmarched,  and  thus  on  they  wont, 
Of  their  approa^  their  speed  the  news  prevent.00 

ib.  71        Ma  far  provaSi^lor  non  e  lor  dato; 
Ch'a  nemico  maggjor  le  serba  il  fato. 

Yet  fortune  [n]ould  they  should  the  battailo  trie, 
Of  mightier  foes  for  both  were  framed  to  die.01 

X,  46        Veggio  portar  da  inevitabil  sorta 

II  nemico  fatale  a  certi  segni. 

Yet  to  this  State  of  losse  and  danger  great 

From  this  strong  foe  I  see  the  tokens  plaine.         x 

Diese  unschönen  Umstellungen  mögen  zum  teil  durch  den  zwang 
des  reimes  oder  die  hast  des  Übersetzers  veranlasst  sein;  aber 
mit  vollem  bewusstsein  sündigt  Fairefax  gegen  die  gesetze  des 
satzbaues,  indem  er  Sidney's  dreifach  verschränkte  gedichte 
nachahmt: 

Olindo,  blessed  be  this  act  of  thine, 

True  witnes  of  thy  great  and  heav'nly  minde, 

1  2  3  12  3 

Where  sunne,  moone,  stars,  of  love,  faith,  vertue,  shine  (II,  53); 

von  dem  Schwerte,  welches  Godfrey  dem  Argantes  schenkt, 

sagt  er: 

There  curious  art  exceld  the  substance  much: 

1  ,2  3  1  2  3 

Thus  faire,  rieh,  sharpe,  to  see,  to  have,  to  feele, 
Glad  was  the  Painim  to  enjoy  it  such    (ib.  93). 

Von  diesen  kleinen  mangeln,  welche  uns  aus  der  masse 
der  dichtung  keineswegs  störend  in's  äuge  springen,  abgesehen, 
ist  rückhaltslos  anzuerkennen,  dass  sich  Fairefax'  verse  glatt 
und  flüssig  lesen  lassen,  und  auch  dem  modernen  leser,  wenn 
er  sich  einmal  mit  der  archaistischen  hülle  vertraut  gemacht 
hat,  keinerlei  Schwierigkeiten  bieten.  Seine  Strophen  sind  zum 
teil  von  grossem  wollaut,  namentlich  im  schlusscouplet  lässt 
sich  oft  die  sorgfältige  feile  des  dichters  erkennen.  Von  dem- 
selben bestreben  erfüllt,  welches,  auf  einem  weiteren  felde,  die 
englischen  dramatiker  veranlasste,  ihre  scenen  in  reimen  aus- 
klingen zu  lassen,  ist  auch  Fairefax  bemüht,  in  den  letzten 
Zeilen  seiner  Strophen  einen  vollen  ton  anzuschlagen.   Ich  habe 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZÜNGEN.  123 

bereits  erwähnt,  dass  er  das  schlusscouplet  häufig  mit  einem 
bilde  verziert,  aber  auch  ohne  diesen  schmuck  versteht  er  es, 
dasselbe  epigrammatisch  zuzuspitzen,  in  einer  weise,  welche 
uns  an  den  späteren  meister  des  Couplets,  an  Pope,  erinnert. 
Wenige  beispiele  müssen  gentigen: 

For  chance  assisteth  oft  th'ignobler  part, 

We  lost  the  field,  yet  lost  we  not  our  hart    (IV,  15) 

Thus  he  appear'd,  and  thus  he  gan  them  teach 

In  shape  an  angell,  and  a  God  in  speach    (VIII,  78) 

A  wortbie  end,  fit  for  a  man  of  fame, 

That  dying,  slew,  and  conqu'red,  overcame    (IX,  39) 

A  cunning  leader  and  a  souldiour  bold, 

For  strength  and  courage,  yoong;  for  wisedome,  old  (XVII,  32). 

• 

Wir  wollen  uns  nun  noch  in  kürze  die  hauptsächlichsten 
späteren  ausgaben  des  Fairefax'schen  Tasso  und  das  urteil  der 
mit-  und  nachweit  über  denselben  vor  äugen  bringen. 

17.  Jahrhundert.  —  1624  erlebte  der  dichter  die  freude, 
dass  seine  Übersetzung  neu  gedruckt  wurde  —  von  John  Bill, 
fol.  —  und  zwar  auf  besonderen  wünsch  des  königs  Jakob  I. 
Diese  zweite  aufläge  ist  von  dem  drucker  dem  kronprinzen 
Charles,  Prince  of  Wales,  gewidmet.  Hoffentlich  ist  mit  dieser 
anerkennung  von  höchster  seite  ein  lichtstrahl  in  das  leben 
unseres  dichters  gefallen,  welches  in  den  vorhergehenden  jähren 
von  der  nacht  des  unheilvollsten  aberglaubens,  der  hexenfurcht, 
verdüstert  gewesen  war. 

1687: 

Godfrey  of  Bulloigne :  or  the  Recovery  of  Jerusalem.  Done  into  Eng- 
lish  Heroical  Verse,  by  Edward  Fairfax,  Gent.  Together  with  the 
Life  of  the  said  Godfrey.  Licensed  to  be  Reprinted.  Sept.  18,  1686. 
Ro.  L'Estrange.    London.    8°. 

Diesem  neudrucke  ist  ein  gedieht  von  Robert  Gould  voran- 
gestellt, welches,  ausser  dem  lobe  des  Übersetzers  und  einer 
abfälligen  kritik  der  zeitgenössischen  Übersetzungskunst,  bereits 
eine  anspielung  auf  die  archaismen  des  Fairefax  enthält.92 

Dass  seine  Übersetzung  am  hofe  der  Stuart's  gelesen  und 
geschätzt  wurde,  wird  durch  die  veranlassung  und  Widmung 
der  zweiten  aufläge  bewiesen.  So  ist  denn  auch  die  Über- 
lieferung, dass  der  englische  Tasso  zu  den  büchern  gehörte, 
mit  welchen  sich  der  unglückliche  Karl  I.  die  müsse  seiner 
gefangenschaft  kürzte,  durchaus  glaubwürdig.93  Aber  nicht  nur 
gekrönte  häupter  fanden  gefallen  an  dem  eigenartigen  werke  — > 


124  KOEPPEL, 

sein  lob  wurde  von  noch  weit  massgebenderen  stimmen  ver- 
kündet, von  den  stimmen  der  dichterfürsten  des  Jahrhunderts. 
Edmund  Waller  gestand  Dryden  gegenüber,  dass  er  den  fluss 
seiner  verse,  the  harmony  of  his  numbers,  dem  Studium  des  God- 
frey  verdanke94;  ein  späterer  herausgeber  der  werke  Waller's 
hat  denn  auch  verschiedene,  allerdings  wenig  belangreiche,  Über- 
einstimmungen zwischen  diesem  und  Fairefax  hervorgehoben.95 
Dryden,  der  die  kunst  und  die  Schwierigkeit  des  Übersetzens 
aus  langjähriger  eigener  erfahrung  kannte,  feierte  in  der  vor- 
rede seiner  letzten  grossen  publikation,  der  fabeln  (1700),  Spenser 
und  Fairefax  als  great  masters  in  öur  language.**  Milton  scheint 
sich  nicht  Über  Fairefax  geäussert  zu  haben;  dass  er  aber  sein 
werk  genau  kannte,  ist  daraus  geschlossen  worden,  dass  sich  in 
Milton's  Schilderung  des  erzengels  Raphael  ein  leiser  anklang  an 
Fairefax'  beschreibung  des  himmlischen  boten  erkennen  lässt: 

Fairefax  I,  14: 

On  Libanon  at  first  his  foote  he  set, 

And  shooke  his  wings  with  roarie  May-dewes  wet, 

Milton,  P.  L.  V,  v.  285  sq.: 

Like  Maia's  son  he  stood, 

And  shook  his  plumes,  that'  heav'uly  fragrance  fill'd 
The  circuit  wide.97 

Gewiss  ist,  dass  ein  dem  blinden  sänger  durch  bände  des  blutes 
und  der  freundschaft  nahe  stehender  mann  sehr  anerkennend 
von  Fairefax  gesprochen  hat:  Edward  Phillips,  der  kompilator 
des  'Theatrum  Poetarum,  or  a  Compleat  Collection  of  the  Poets, 
especially  the  most  Eminent,  of  all  Ages'  (London  1675).  Dass 
Phillips  die  exactness  der  Übersetzung  betont98,  beweist  jeden- 
falls, dass  er  sich  nicht  die  mühe  einer  vergleichung  mit  dem 
original  genommen  hat.  Aus  dem  vielbenutzten  Phillips'sohen 
Sammelwerke  ging  das  lob  unseres  dichters  in  ein  anderes 
Schriftstellerlexikon  der  zeit  über,  dessen  Verfasser  Phillips  in 
schäm  loser  weise  ausschreibt  —  in  William  Winstanley's  'Lives 
of  the  most  Famous  English  Poets'.99 

Diesen  lobenden  stimmen  des  Jahrhunderts  steht  aber  auch 
ein  scharfer  tadel  gegenüber.  Im  Januar  1619  sagte  Ben  Jon- 
son  zu  William  Drummond  von  Hawthornden:  That  Silvester" s 
translation  of  Du  Bar  tos  was  not  well  done;  and  that  he  wrote 
his  verses  before  it,  ere  he  understood  to  conferr:  Nor  that  of 
Fair  fax  his.  Fairefax  selbst  hat  wol  nie  etwas  von  diesem 
ungünstigen  urteil  des  galligen  poet  laureate  gehört,  und  seine 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZUNGEN.  125 

freunde  und  be wunderer  müssen  sich  damit  trösten,  dass  es  an 
demselben  tage  gefällt  worden  zu  sein  scheint,  an  welchem  sich 
Jonson  u.  a.  auch  dahin  äusserte,  dass  Spenser's  stanzaes  pleased 
htm  not,  nor  his  matter;  und  That  Shakspeer  rvanted  arte.100 

18.  Jahrhundert.  —  1726  erschien  in  Dublin  ein   nach- 

druck  der  dritten  aufläge. 

1749: 
Tasso's  Jerusalem  Delivered:    or  Godfrey   of  Bulloign.     An  Heroic 
Poem.    Done  into  English,  in  the  Reign  of  Queen  Elizabeth,  by 
Edward  Fairfax,  Gent.    The  fourth  Edition,  with  a  Glossary,  and 
Index.    London.    8°. 

Am  Schlüsse  seiner  vorrede  sagt  der  anonyme  her  ausgeben  '// 
now  only  remains  to  be  observed,  that,  in  the  present  edition, 
some  ferv  Alterations  have  been  made  in  such  Stanzas,  as  seemed 
necessarily  to  require  them:  but,  it  is  hoped,  as  this  Liberty  hath 
been  used  with  Cautiony  that  the  Reader  will  find  no  just  Cause 
of  Complaint'.  Diese  hoffnung  des  herausgebers  hat  sich  nicht 
erfüllt;  die  leser  und  kritiker  haben  sich  im  gegenteil  oft  und 
laut  —  und  mit  recht  —  beklagt  über  seine  some  few  Altera- 
lions,  welche  sehr  zahlreich  sind.  Historisch  betrachtet  sind 
seine  änderungen  nicht  ohne  interesse,  weil  sie  uns  den  Um- 
schwung des  ästhetischen  geschmackes  erkennen  lassen  —  wir 
werden  fortwährend  daran  erinnert,  dass  Pope  gelebt  und  ge- 
wirkt und  eine  dichterschule  erzeugt  hatte,  der  es  vor  allen 
dingen  auf  form  und  decorum  ankam,  und  der  das  freie  ge- 
bahren  der  elisabethanischen  muse  ein  gräuel  war.  Viele  der 
naiven  ausdrücke,  ja  ganze  verszeilen  des  Fairefax  sind  aus- 
gemerzt und  durch  gespreizte  und  doch  matte  redensarten  er- 
setzt, z.  b.: 

1600:    A  stafife  to  beate  that  dog  he  long  had  sought 
1749:    For  long  the  faithfuli  to  molest  he  sought    (II,  12) 

1600:    Onely  that  voice  heavn's  rolliug  circles  kest, 

Sung  lullabie,  to  bring  the  world  to  rest. 
1749:    Sooth'd  mortal  Cares,  and  lull'd  the  World  to  Rest    (II,  96) 

1600:    As  one  that  forst  not  all  their  strength  a  pin. 
1749:    As  one  who  wish'd  the  Combat  to  begin    (IX,  76). 

Wie  sehr  die  eigenart  der  Übersetzung  unter  dieser  schneidigen 
besserungsmethode  litt,  ist  augenscheinlich. 

Aber  diese  im  gründe  doch  gut  gemeinte  ausgäbe  ist  nicht 
die  einzige,  nicht  die  grösste  sünde  des  Jahrhunderts  gegen 
unseren  dichter.     Bevor  wir  uns  jedoch  seinem   niedergange 


126  KOEPPEL, 

zuwenden,  sind  noch  einige  ihm  günstige  urteile  zu  berühren. 
Die  herausgeberin  der  bereits  erwähnten  gedieh tsammlung  *  The 
Muses  Library'  (1737),  Mrs.  Cooper,  widmet  ihm  einen  längeren 
abschnitt  (s.  342  ff.),  spendet  ihm  reiches  lob  und  druckt,  ausser 
der  vierten  ekloge,  auch  eine  probe  aus  seinem  Godfrey  ab 
(s.  345  ff,  canto  XVI,  st.  23— 70).  Der  unglückliche  William 
Collins  sagt,  in  seiner 'Ode  on  the  Populär  Superstitions  of  the 
Highlands  of  Scotland',  gedichtet  1749,  gedruckt  1788,  mit  wel- 
chem entzücken  er  den  tönen  lauschte,  die  Fairefax  der  harfe 
Tasso's  entlockte.101  Auch  David  Hume  findet  in  seiner  'History 
of  England'  (1754 — 62)  noch  einige  anerkennende  worte  für 
Fairefax;  sehr  vertraut  kann  er  jedoch  mit  dessen  werk  nicht 
gewesen  sein,  sonst  hätte  er  nicht  mit  solcher  bestimmtheit  be- 
haupten können,  dass  sich  die  Übersetzung  zeile  für  zeile  mit 
dem  original  decke.102  1762  endlich  lässt  der  anonyme  Verfasser 
eines  gespräches  zwischen  Milton  und  Tasso  jenen  zu  diesem 
sagen:  'You  are  reaily  obliged  to  Fairfax  for  the  elegant  dress 
in  rvhich  he  hos  exhibited  you  to  my  countrymen'.m 

Dem  herrschenden  geschmacke  der  zeit  genügte  jedoch 
Fairefax'  leistung  nicht  mehr.  Der  deutlichste  beweis  dafür  ist, 
dass  schon  in  der  ersten  hälfte  des  Jahrhunderts  verschiedene 
versuche  gemacht  wurden,  dieselbe  durch  eine  neue  Übersetzung 
zu  verdrängen.  Zuerst  blieb  es  bei  fragmenten.  Mrs.  Elizabeth 
Rowe  gab  verschiedene  proben  aus  der  Gerusalemme104;  der 
dichter  der  kirchhofselegie,  Thomas  Gray,  plante  eine  Über- 
setzung, von  welcher  aber  nur  8  Strophen  auf  uns  gekommen 
sind105;  Thomas  Hooke  (1738)  übersetzte  den  ersten  gesang10*, 
Henry  Brooke  (1738)  die  ersten  drei  gpsänge107,  Layng  (1748) 
den  15.  und  16.  gesang.10*  Eine  vollständige  neue  Übersetzung 
der  Gerusalemme  Liberata  brachte  erst  das  jähr  1761,  von  Philip 
Doyne,  in  blank  verse.  Dieser  dichter  rügt  zwar,  in  dem  ein- 
leitenden essay,  die  übergrosse  freiheit  und  einige  der  fehler 
des  Fairefax,  gesteht  aber  doch,  dass  er  ihm  hin  und  wider 
eine  zeile  entlehnt  habe,  weil  er  manchmal  dem  original 
mindestens  ebenbürtig  sei.  Doyne  hatte  auch  alle  Ursache, 
seinen  Vorgänger  zu  schonen,  denn  er  hat  nicht  nur  einzelne, 
zeilen,  sondern  längere  stellen  aus  ihm  abgeschrieben,  indem 
er  sich  einfach  damit  begnügte,  den  reim  zu  beseitigen.109 
Uebrigens  scheint  seine  arbeit  nur  wenig  beachtung  gefunden 
zu  haben. 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZÜNGEN.  127 

Zwei  jähre  später,  1763,  wurde  die  Übersetzung  des  ita- 
lienischen epos  veröffentlicht,  welche  für  Jahrzehnte  die  mass- 
gebende bleiben  und  Fairefax.  gänzlich  in  den  schatten"  stellen 
sollte.  Sie  floss  aus  der  feder  eines  beamten  des  India  House, 
namens  John  Hoole110,  eines  fleissigen  —  er  hat  ausser  der 
Gerusalemme  u.  a.  noch  Tasso's  'Rinaldo'  (1792)  und  den  'Or- 
lando Furioso'  (1783)  übersetzt  — ,  aber  sehr  bescheiden  be- 
gabten verseschmiedes,  dessen  werk  sich  an  poetischem  reiz  mit 
dem  unseres  dichters  nicht  messen  kann.  Hoole  war  aber  so 
glücklich,  die  freundschaft  des  mannes  zu  besitzen,  dessen  urteil 
die  literarischen  kreise  der  zeit  beherrschte  —  des  Dr.  Samuel 
Johnson.  Dieser  schrieb  ihm  die  seiner  Tasso-Übersetzung  vor- 
gestellte Widmung  an  die  königin  und  Hoole  durfte  sich  in 
seiner  vorrede  auf  eine  äusserung  des  doktors  berufen,  dass 
eine  moderne  englische  Version  der  Gerusalemme  allen  anspruch 
auf  die  beachtung  der  leserweit  habe.  Johnson  förderte  die 
sache  seines  freundes  noch,  indem  er  in  seinen  'Lives  of  the 
English  Poets'  (1779—81)  am  Schlüsse  von  Waller's  leben,  der 
sich  als  schüler  des  Fairefax  bekannte,  einige  Strophen  der 
älteren  Übersetzung  (canto  VII,  st.  1 — 18)  citierte,  mit  der  be- 
merkung,  dieselbe  werde  ja  doch  vermutlich  nach  Mr.  Hoole's 
Publikation  sobald  nicht  widär  gedruckt  werden.  In  einem 
postskript  zu  seiner  Übersetzung  des  Orlando  Furioso  nennt 
Hoole  Johnson  nochmals  mit  besonderem  nachdruck  unter  seinen 
gönnern  und  dankt  ihm  mit  warmen  Worten  für  seine  freund- 
schaft. Zweifelsohne  verfehlte  das  günstige  urteil  des  hoch- 
angesehenen und  gefürchteten  kritikers  seine  Wirkung  auf  das 
publikum  nicht.  Hoole's  Übersetzung  erlebte  bald  neue  auf- 
lagen111, und  so  wurde  Fairefax  mehr  und  mehr  aus  dem  ge- 
sichtskreiße  der  nation  gedrängt.  Wir  wissen  von  mehreren  be- 
rühmten männern,  deren  Jugend  in  das  ende  des  18.  Jahrhunderts 
fällt  —  so  z.  b.  von  Walter  Scott,  Southey  und  de  Quincey  m  — , 
dass  sie  das  befreite  Jerusalem  zuerst  in  Hoole's  Übersetzung 
kennen  lernten.113 

19.  Jahrhundert.  —  Hoole's  herrschaft  war  jedoch  nicht 
von  langer  dauer.  Das  aufblühen  einer  neuen  dichtergeneration, 
welche  anderen  Schönheitsidealen  huldigte,  als  die  poeten  des 
18.  Jahrhunderts,  bewirkte  bald  einen  Umschwung  der  Verhält- 
nisse, eine  Wandlung  des  geschmacks,  durch  welche  auch  Faire- 
fax wider  zu  ehren  kam.    Es  war  nur  natürlich,  dass  männer, 


128  KOEPPEL, 

welche  sich  der  Üppigkeit  der  Spenser'schen  dichtung  freuten 
und  die  zeit  der  Elisabeth  gegenüber  dem  nüchternen  treiben 
des  vergangenem  Jahrhunderts  verherrlichten,  an  der  kalten, 
poesielosen  Übersetzung  Hoole's  keinen  gefallen  fanden  und  mit 
begierde  auf  das  ältere  werk,  auf  das  werk  eines  Zeitgenossen 
Spenser's,  zurückgriffen.  Der  buchhandel  benutzte  sofort  diesen 
Umschlag  der  öffentlichen  meinung:  1817  erschienen,  unmittel- 
bar nach  einander,  zwei  ausgaben  des  Fairefax'schen  Tasso  — 
die  eine  besorgt  von  Charles  Enight  (The  fifth  edition,  reprinted 
from  the  Original  Folio  of  1600),  die  andere  von  S.  W.  Singer, 
dem  dichter  Samuel  Rogers  gewidmet.  Zu  einer  alleinherr- 
schaft  konnte  es  Fairefax  in  unserem  Jahrhundert  freilich  nicht 
mehr  bringen;  es  erwuchsen  ihm,  nachdem  Hoole  aus  dem  felde 
geschlagen  war,  viele  neue  rivalen.  Das  jähr  1818  brachte 
die  erste  Übersetzung  der  Gerusalemme  Liberata  in  unserem 
Jahrhundert,  von  J.  A.  Hunt,  welcher  die  Übersetzungen  von 
J.  H.  Wiffen  (1821—25),  J.  R.  Broadhead  (1837),  Ch.  Lesingham 
Smith  (1851),  Alex.  Cuningham  Robertson  (1853),  Hugh  Bent 
(1856),  Henry  A.  Griffith  (1863),  John  Kingston  James  (1865) 
folgten.114  Nichtsdestoweniger  haben  wir  1844  noch  eine 
weitere  aufläge  der  Knight'schen  ausgäbe  des  Eairefax'schen 
Tasso  und  1858  eine  neue  ausgäbe  von  Robert  Aris  Willmott 
(in  Routledge's  British  Poets)  zu  verzeichnen.116  Willmott  be- 
handelte den  text  nach  dem  für  den  philologen  sehr  unerfreu- 
lichen grundsatze:  'Mere  rust  never  enriches  the  medaV.  Ein 
sorgfältiger  neudruck  dieser  reizvollen  dichtung  wäre  daher 
sehr  wünschenswert.  — 

So  hat  es  denn  dem  ältesten  englischen  Übersetzer  des  be- 
freiten Jerusalems  in  unserem  Jahrhundert  nicht  an  anerkennung 
gefehlt.  Die  Engländer  haben  auch  alle  Ursache,  die  eigen- 
artige leißtung  des  Fairefax  in  ehren  zu  halten.  Sie  ist  mit 
allen  ihren  Vorzügen  und  absonderlichkeiten  ein  echt  nationales, 
durch  und  durch  englisches  werk.  Fairefax'  neigung  zu  bild- 
licher darstellung,  sein  bestreben,  durch  diese  art  des  schmuckes 
seine  leser  zu  fesseln,  ist  echt  englisch :  diese  Vorliebe  für  bilder 
und  gleichnisse  tritt  uns  noch  heute,  nicht  nur  in  der  poesie, 
sondern  auch  in  vielen  populär-wissenschaftlichen  werken  und 
in  den  oratorischen  leistungen  unserer  englischen  Zeitgenossen 
auffällig  entgegen.  Wenn  man  sich  des  tages  über  im  British 
Museum  an  der  bilderfülle  des  Fairefax  ergötzt  hat,  und  dann 


ENGLISCHE  TA SSO-ÜBER SETZUNGEN.  129 

abends  im  City  Temple  einen  prediger  das  stille  walten  der 
göttlichen  Vorsehung  dem  gebahren  Rubinstein's  beim  Vortrag 
einer  seiner  sonaten  vergleichen  hört  —  wie  der  maestro 
scheinbar  teilnahmslos  am  klavier  sitzt,  aber  stets  im  richtigen 
augenblick  eingreift  und  mächtige  accorde  weckt,  ebenso  ver- 
säumt auch  die  Vorsehung  nie  ihre  zeit  — ,  so  spinnen  sich  un- 
willkürlich gedankenfäden  zwischen  gegenwart  und  Vergangen- 
heit Und  was  den  gegen  Fairefax  erhobenen  Vorwurf  der 
pietätlosen  behandlung  des  Originals  anlangt,  so  erkennen  wir 
in  diesem  rücksichtslosen  aufprägen  des  nationalen  stempeis 
auf  fremdes  gut  erst  recht  eine  englische  eigentümlichkeit. 
Freilich  hat  sich  der  geschmack  seit  Fairefax  gereinigt  und 
gebessert;  die  englischen  übersetzungsannalen  unseres  Jahrhun- 
derts verzeichnen  die  glänzende  tat  des  Wallenstein  von  Cole- 
ridge.116  Aber  der  moderne  Engländer  wird  sich  doch  be- 
sinnen, bevor  er  den  ersten  stein  auf  Fairefax  wirft  —  er 
wird  sich  der  gewaltsamen  Umformung  einer  deutschen  dich- 
tung  erinnern,  des  sogenannten  Lyceum's  Faust,  welcher  in  den 
letztverflossenen  jähren  das  publikum  der  metropolis  für  hun- 
dert und  aber  hundert  nachte  in  das  Lyceum  lockte  und  in 
allen  grösseren  Städten  Englands  und  Schottlands  bewundert 
und  beklatscht  wurde.  Alle  freiheiten,  welche  sich  Fairefax 
Tasso  gegenüber  erlaubte,  alle  seine  ander ungen  und  Zusätze 
sind  verzeihlich  im  vergleich  mit  dieser  groben  ent Stellung 
eines  der  meisterwerke  der  Weltliteratur. 


Anmerkungen. 

1 .  In  der  schritt  *A  New  Letter  of  Notable  Contents ',  vgl.  The  Works 
of  Gabriel  Harvey.  Ed.  by  A.  B.  Grosart  (The  Huth  Library).  In  3  vols., 
London  1884/85;  vol.  I,  p.  266. 

2.  Vgl.  Ritson's  Bibliographie  Poetica  (London  1802)  p.  202  f. 

3.  Vgl.  The  Muses  Library;  or  a  Series  of  English  Poetry,  froni  the 
Saxons,  to  the  Reign  of  King  Charles  II;  ed.  by  Mrs.  Cooper,  vol.  I  (London 
1737)  p.  342  ff.  Die  herausgeberin  bemerkt  (p.  344),  dass  die  Eclogues  noch 
in  manuskript  seien,  und  dass  sie  nur  durch  die  gute  der  familie  in  den 
stand  gesetzt  sei,  der  weit  eine  probe  ihrer  Schönheiten  zu  schenken. 
Ueber  den  inhalt  der  eklogen  sagt  sie:  'The  Eclogues . .  .  are  in  Number 
Twelve;  all  of  them  wrote  after  the  Accession  of  King.  James  to  the 
Throne  of  England,  on  imporlant  Subjects  relating  to  the  Manners, 
Characlers,  and  Incidenls  of  the  Times  he  lived  in;  They  are  pamted 
tvith  many  fine  Slrokes  of  Satire;    dignify'd  tvith  tvholesome  Lessons 

Anglift,  XII.  band.  '  9 


130  KORPPEL, 

of  Morality,  and  Policy,  to  those  of  the  highest  Rank;  and  some  modest 
Hints  even  to  Maiesty  itself . . .  the  Learning  they  contain,  is  so  various, 
and  extensive,  that,  according  to  the  Evidence  of  his  Son  ftvho  has 
tvritten  large  Annotations  on  each),  No  Man's  Reading,  beside  his  otvn, 
was  sufficient  to  expiain  his  References  effectually*  (p.  363);  und  p.  364  ff. 
gibt  sie  den  text  der  4.  ekloge  (35  Strophen  von  je  6  heroischen  verecn, 
mit  der  reimordnung  ababec;  dass  die  17.  Strophe  5  zeilen  zählt  (ahacc), 
ist  wol  nur  ein  versehen).  Aus  dem  Sammelwerk  der  Mrs.  Gooper  ging 
diese  4.  ekloge  in  einige  der  zahlreichen  neudrucke  des  Faire  fax'schen 
Tasso  über,  in  die  von  S.W.Singer  (London  1817,  in  2  vols.;  vol.  I, 
p.  XXV  sq.)  und  von  Charles  Knight  (The  seventh  Edition  reprinted  frora 
the  original  folio  of  1600.  In  2  vols.,  London  1844;  vol.  I,  p.  47  sq.)  be- 
sorgten ausgaben. 

4.  Vgl.  Miscellanies  of  the  Philobiblon  Society.  Vol.  V.  London 
1858/59  (100  copies).  A  Discourse  of  Witchcraft.  As  it  was  acted  in 
the  family  of  Mr.  Edward  Fairfax  of  Fuystone  in  the  County  of  York,  in 
the  year  1621.  From  the  Original  Copy  written  with  his  own  band.  Sibi 
parat  mal  um,  qui  alten  parat.  Communicated  by  R.  M.  Milnes.  Ueber 
Fairefax'  leben  und  schaffen  vergleiche  ausserdem  noch  einen  artikel  der 
ßibliographia  Britannica  vol.  I,  p.  644  ff.  (London  1 793).  Von  seiner  1.  c. 
erwähnten  kontroverse  mit  einem  katholischen  priester  scheint  kein  lite- 
rarischer rest  auf  uns  gekommen  zu  sein. 

5.  So  lautet  diese  zeile  allerdings  erst  in  der  dritten  und  letzten 
version  dieser  ersten  Strophe,  welche,  ganz  wie  dem  Tasso  selbst,  auch 
dem  Engländer  viel  zu  schaffen  gemacht  hat.  Er  hat  nicht  weniger  als 
drei  verschiedene  bearbeitungen  derselben  geliefert:  die  ursprungliche, 
1600  gedruckte  —  eine  zweite,  welche  in  verschiedenen  exemplaren  der 
editio  prineeps  der  ersten  aufgeklebt  ist,  —  und  eine  dritte,  mir  nicht 
aus  eigener  anschauung  bekannte,  welche  mit  einer  Umformung  der  argn- 
ment-strophe  verbunden  und  der  zu  ehren  das  ganze  erste  blatt  neu- 
gedruckt worden  sein  soll  (vgl.  Notes  and  Queries  1S50  no.  51,  p.  325, 
no.  52,  p.  359  und  no.  53,  p.  377;  Fairefax1  Tasso  ed.  by  Robert  Aris  WiU- 
mott,  London  1S5S,  p.  IX  f.;  Collier's  Bibliogr.  and  Grit.  Account,  London 
1865,  vol.  I,  p.  268  f.).  Uebrigens  wird  man  auch  in  der  ersten  form  der 
Strophe  an  Carew  erinnert,  besonders  in  der  zweiten  zeile: 

Car.       Who  great  sepulchre  of  our  Lord  did  free. 
r  Fairef.    That  the  great  sepulcher  of  Crist  did  free. 

v  6.   Vgl.  J.  P.  Collier's  Preface    zu  Coleridgc's  'Scvcn  Lectures  on 

Shakespeare  and  Milton'  (London  1856)  p.  XXXIV  f.;  Collier's  Bibliogr. 
and  Crit.  Account  vol.  I,  p.  267  und  seine  anmerkungen  zu  den  betreffen- 
den stellen  der  F.  Q.  in  seiner  Spenser- aus  gäbe  vol.  II,  p.  328  u.  330. 

7.  Vergleiche  zu  dieser  stelle  und  den  vier  folgenden  meine  eitate 
aus  der  F.  Q.  Anglia  XI,  s.  349  ff. 

8.  Wie  z.  b.:  he  abraid  XIII,  50  (F.  Q.  III,  10,  50);  algates  III,  42 
(ib.  II,  1,2);  toamate  XI,  12  (ib.  I,  1,51);  to  arreed  XX,  104  (ib.  I,  8,31); 
ehevisance  IV,  81  (ib.  II,  9,  8);  eame  oheim  IV,  49  (ib.  II,  10,  47);  eath 
X,  42  (ib.  II,  3, 40);  eftsoones  VI,  64  (ib.  I,  3, 34);  to  embay  XII,  62  (Ib. 
II,  1, 40);  flit  adj.  XVII,  85  (sonnet,  vgl.  Collier's  ausgäbe  vol.  I,  p.  160); 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZUNGEN.  131 

foole-hardice  V,  23  (F.  Q.  II,  2,  17);  to  foreslowe  I,  28  (ib.  IV,  10,  15); 
froarie  aäj.  II,  40  (ib.  IH,  8,  35);    to  hend  XII,  18  (ib.  II,  2, 1);    lay  wiese 

XV,  33  (ib.  III,  10,23);  leden  spräche  XVI,  13  (ib.  IV,  9,19);  mickle  XI, 
35  (ib.  II,  1,  6);  jmirksome  XIII,  75  (ib.  I,  5,  28);   mister  wight  IV,  28  (ib. 

'  itMTL,  9,  23);  most  and  least  VIU,  72  (ib.  IV,  11, 9);  nar  näher  II,  88  (Sh.  Cal. 
July  v.  97);  nathlesse  XIII,  32  (F.  Q.  I,  9,  54);  /  note  (gedruckt  /  nolte) 
=  ne  wote  XVIII,  50  (ib.  II,  4,  13);  /  nould  =  ne  would  V,  47  (ib.  V,  5, 16); 
to  overren  XV,  21  (ib.  V,  2, 19);  to  raile  fliessen  III,  30  (ib.  I,  6,  43);  rem 
reihe  XVH,  75  (ib.  III,  6, 17);  sheene  adj.  XIV,  39  (ib.  II,  1,10);  somedeale 

II,  26  (Sh.  Cal.,  May  v.  56);  spring  wald  XIII,  31  (ib.,  June  v.  53);  Sterne 
schweif  XV,  50  (F.  Q.  I,  11,  28);  siound  XIX,  28  (ib!  I,  7,  25);  storvre  I,  55 
(ib.  I,  2,  7);  teene  zorn  X,  25  (ib.  I,  12, 18);  thorom  präp.  VIII,  64  (ib.  I, 
1,32);  to  tool  blicken  X,  56  (Sh.  Cal.,  March  v.  66);  uneath  IV,  59  (F.  Q. 
I,  9, 38);  to  weete  V,  86  (ib.  I,  3, 6);  withouten  präp.  V,  77  (ib.  T,  6, 27); 
to  tvonne  IX,  28  (ib.  I,  6, 39)  etc.  etc.  —  Ausserdem  verwendet  Fairefax 
wie  Spenser  folgende  archaistische  präteritalformen:  brast  (:  haste)  II,  27 
(F.  Q.  I,  8, 4);  brüst  (:  just)  XVIII,  44  (ib.  HI,  1, 48);  forlore  (:  rore)  III,  76 
(ib.  II,  12, 52);  fand  (:  land)  IV,  55  (ib.  II,  9,  60  fond)\  kest  (:  rest)  II,  96 
(ib.  II,  11, 42);  lad  (:  bad)  IX,  89  (ib.  V,  1, 22);  sprad  (:  had)  I,  64  (ib.  V, 
9,14);  good{:flood)  XIV,  33  (ib.  I,  10,53).  Die  meisten  dieser  altertüm- 
lichen Wörter  und  formen  kehren  bei  Fairefax  öfters  wider. 

9.   Vgl.  IV,  36:  Above  her  merit  you  commenden  soe. 

10.  Vgl.  I,  33:  To  malten  war  both  when  and  where  he  will;  II,  57. 
XI,  24.  XII,  42.  XIII,  51.  XVII,  10. 

11.  Vgl.  I,  37:   And  hardie  knight  isprong  of  princes  blood;  1,83. 

III,  71.  IV,  6, 13,  28.  VI,  10,  54.  VIII,  45.  X,  23,  25,  39,  40.  XIII,  20.  XIV,  72. 

XVI,  56.  XVIII,  56.  XX,  81. 

12.  Vgl.  beene:  your  bold  defies  |  By  your  brave  foes  accepted 
boldly  beene  VI,  20;  IX,  21.  Xu,  37  etc.  saine:  The  field  Elisian  (as 
fond  heathen  aaine)  XV,  36  (F.  Q.  III,  9, 40  etc.). 

13.  Vgl.  to  gone:  Doe  thou  permit  the  chosen  ten  to  gone  V,  7; 
V,  70  (F.  Q.:  to  doon  II,  3,  15  etc.;  to  sayne  III,  9,48).  Vergleiche  noch 
long  agone  IV,  19  mit  F.  Q.  Leg.  of  Constancie  7,2  long  ygone. 

14.  Vgl.  eyne  VIII,  76.  X,  73  etc.;  föne  VIII,  78.  XVIII,  97  etc.; 
treene  HI,  75.  VII,  1,  22.  VIII,  51.  XIV,  14.  XVIII,  23.  Beachtenswert 
ist  in  Fairefax1  reimen  noch  die  häufige  Verwendung  des  prät.  could  = 
konnte  in  bindungen  mit  Wörtern,  deren  /  lautliche  geltung  hat  (vgl.  VIII,  32 
:  bould;  X,  4  :  ould;  XIII,  39  :  hould  :  bould;  XVI,  52.  XVII,  90.  XX,  17). 
Spenser  verwendet  das  wort  in  gleicher  weise  (vgl.  z.  b.  F.  Q.  IV,  10, 10. 
V,  4, 30.  6, 2  etc.).  In  diesem  falle  haben  wir  es  jedoch  nicht  mit  einer 
altertümelnden,  sondern  mit  einer  dem  16.  Jahrhundert  angehörigen  reim- 
gewohnheit  zu  tun,  welche  uns  auch  bei  anderen  dichtern  vereinzelt  be- 
gegnet (so  bei  Sidney,  vgl.  Ellis,  (On  Early  English  Pronunciation'  p.  874. 
bei  Cbapman,  vgl.  H.  M.  Regel,  'Ueber  George  Chapman's  HomerUber- 
setznng',  Engl.  Stud.  V,  309). 

15.  Vgl.  F.  Q.  I,  2,7.  11,51.  III,  3,20;  Epithal.  v.  75. 

16.  Vgl.  F.  Q.  I,  1,41  und  Fair.  III,  1. 

17.  Vgl.  F.  Q.  I,  2, 20  und  Fair.  XX,  103. 

9* 


132  KOEPPEL, 

18.  Vgl.  F.  Q.  I,  8,  35  und  Fair.  IX,  45. 

19.  Vgl.  F.  Q.  III,  4,49.  V,  12,5.  VI,  8,49  und  Fair.  III,  52. 

20.  Vgl.  F.  Q.  V,  11,11  und  Fair.  III,  43. 

21.  Vgl.  Shep.  Cal.,  Febr.  v.39  und  Fair.  II,  68. 

22.  And  foorth  she  went,  a  shop  for  merchandise 

Füll  of  rieh  stuffe,  but  none  for  sale  exposed  (II,  18). 
Der  menschliche  kürper  wird  auch  von  Spenser  einmal  mit  shop  bezeichnet 
(F.Q.  II,  1,43). 

23.  Vgl.  Amoretti  son.  81  und  Anglia  XI,  345  und  361. 

24.  Vgl.  F.  Q.  II,  7, 14.  II,  11,26  und  Fair.  VI,  38: 

Or  as  when  clouds  together  crusht  and  brused, 
Powre  downe  a  tempest  by  the  Caspian  shore. 

25.  Vgl.  F.  Q.  II,  7, 23  und  Fair.  IV,  5: 

There  were  Cilenos  foule  and  loathsome  rout, 
There  Sphinghs,  Centaures,  there  were  Gorgons  feil. 

26.  Vgl.  F.  Q.  III,  11 , 1 2  und  Fair.  IX,  33.  XIX,  95.  Letztere  stelle  lautet: 

Mine  was  the  boflie,  his  the  soule  and  minde, 
He  gave  the  cage,  but  kept  the  birde  behinde. 

27.  Vgl.  Shep.  Cal.,  June  v.  89;  Oct.  v.  63;  Nov.  v.  59  und  Fair.  X,  26: 

And  there  with  stately  pompe  by  heapes  they  wend, 
And  Christians  slaine  rolle  up  in  webs  of  lead. 

28.  Vgl.  F.  Q.  VI,  7,  47  und  Fair.  I,  84: 

The  lesser  part  in  Christ  beleeved  well, 
On  Termagant  the  more  and  on  Mahowne. 

29.  Vgl.  F.  Q.  I,  7, 18  und  Fair.  IV,  4: 

And  some  their  forked  tailes  Stretch  forth  on  hie, 
And  teare  the  twinkling  stars  from  trembling  skie. 

30.  In  der  Preface  to  the  Reader  seines  'Discourse  of  WitchcrafV 
legt  er  folgendes  glaubcnsbekenntniss  ab:  '/  enlreat  Ihee  to  be  assured 
that  for  myself  I  am  in  religion  neither  a  fantastic  Puritan,  nor  super- 
stitious  Papist,  but  so  settled  in  conscience,  that  I  have  the  sure 
ground  of  God's  word  to  Warrant  all  I  believe,  and  the  commendable 
ordinances  of  our  English  Church  to  approve  all  I  pr actis e;  in  rvhich 
course  I  live  a  faithful  Christian  and  an  ob e dient  subjeet,  and  so  teaeh 
my  famiiy'  (p.  6). 

31.  Vgl.  Warton,  H.  E.  P.  (1871)  vol.  IV,  p.  334  f. 

32.  Aehnliche,  mehr  oder  minder  grobe  Übersetzungsfehler  finden 
sich  noch:  I,  34,  37.  III,  60.  V,  5,  57.  VI,  60,  89.  IX,  1,  57,  68,  96.  XII,  90, 94. 
XIII,  11.  XVII,  46,70.  XVIII,  30,79.  XX,  124. 

33.  Beachte  besonders  noch:  II,  40  (vgl.  s.  104  f.),  62,  96.  III,  36.  IV, 
46.  V,  10.  VI,  9.  VII,  122.  XV,  27.  XVI,  24. 

34.  XVIII,  100: 

Earth  laughes  for  joy,  the  streames  forbeare  their  hast, 
Floods  clap  their  hands,  on  mountaincs  dance  the  pines, 
And  Sions  towres  and  sacred  temples  smile, 
For  their  dehVrance  from  that  bondage  vile. 

35.  IV,  4: 

Some  gnaw  the  snakes  that  on  their  Shoulders  hing . . . 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSBTZUNOEN.  133 

Spenser's  hexe  Envy  nagt  auch  an  einer  schlänge  (F.  Q.  V,  12, 30).  Ueber 
einen  weiteren  Spenser- anklang  dieser  Strophe  vgl.  anm.  29. 

36.  IV,  75: 

Her  cheekes  on  which  his  Streaming  Nectar  feil, 
StilPd  through  the  limbecke  of  her  diamond  £ies, 
The  roses  white  and  red  resembled  well, 
Whereon  the  roarie  May-deaw  sprinkled  lies, 
When  the  faire  morne  first  blusheth  from  her  cell, 
And  breatheth  balme  from  opened  paradies; 
Thus  sigh'd,  thus  mourn'd,  thus  wept,  this  lovely  queene, 
And  in  each  drop,  bathed  a  grace  unseene. 
Zu  limbecke  vgl.  u.  a.  Shakespeare,  Son.  CXIX;  zu  dem  tränenbad  'The 
Mourning  Muse  of  ThestyhV  v.  134  sq.  (Collier's  Spenser  vol.  V,  p.  86). 

37.  IV,  76: 

Thrice  twenty  Cupids  unperceived  flew 
To  gather  up  this  licour,  ere  it  fall, 
And  of  each  drop  an  arrow  forged  new, 
Eise,  as  it  came,  snatcht  up  the  christall  ball, 
And  at  rebellious  harts  for  wilde  fire  threw. 
Beachtenswerte  conceits  hat  der  Übersetzer  ausserdem  noch  in  den  schluss- 
couplets  folgender  Strophen  angebracht:  II,  43.  III,  22.  VI,  84.  VIII,  34. 
XII,  21.  XX,  89,120. 

38.  Vgl.  z.  b.IV,  89: 

On  them,  who  durst  with  fingring  bold  assay 
To  touch  the  softnes  of  her  tender  skin, 
She  lookt  as  coy,  as  if  she  list  not  play, 
And  made  as  things  of  worth  were  hard  to  win; 
und  IV,  31,57.  XVI,  18. 

39.  Vgl.  z.  b.: 

I,  38  Two  Bishops  next  their  Standards  proud  upbare 

CalPd  reverend  William,  and  good  Ademare. 
11,43  Few  silver  drops  her  vermile  cheekes  depaint. 

40.  I,  72: 

Some  Shirts  of  maile,  some  coates  of  plate  put  on, 
Some  dond  a  curace,  some  a  corslet  bright, 
An  hawberke  some,  and  some  a  haberion, 
So  ev'rie  one  in  armes  was  quickly  dight. 

41.  XI,  28: 

So  fit  to  shoot  Latonas  daughter  stood, 
When  Niobe  she  kill'd  and  all  her  brood. 
Seine  kenntniss  der  klassischen  sage  erscheint  hier  nicht  in  bestem  licht. 

42.  Weitere  beispiele  dieser  klein  mal erei  siehe  I,  20  v.  3,  39  v.  1  f.; 
Vü,  96  v.  8;  IX,  15  v.  7;  XIV,  44  v.  7;  XV,  20  v.  6;  XVIII,  24  v.  8. 

43.  I,  35: 

The  golden  sunne  rose  from  the  silver  wave. 

44.  VIII,  1: 

The  silver  mantled  morning  fresh  appeared, 
With  roses  crown'd,  and  buskind  high  with  gold. 


134  KORPPEL, 

45.  XX,  5: 

The  merrie  morning  smil'd,  and  seemd  to  weare 
Upon  her  silver  crowne,  suns  golden  ray. 

46.  III.  1: 

The  purple  morning  left  her  crimsen  bed, 
And  dond  her  robes  of  pure  vermilion  hew. 

47.  Vgl.  noch  I,  59.  IV,  54.  V,  18.  XII,  39.  XIV,  46.  XVII,  29,31,  66. 

XVIII,  30,44,54.  XIX,  93,94,96,104,108,111,114,117,126  etc. 

48.  Vgl.  VIII,  66.  X,  3.  XII,  43.  XVIII,  103.  XIX,  59,  70,  91, 102, 104, 
107,  125,  131  etc. 

49.  Vgl.  III,  46.  IX,  57,  65,  95.  XII,  28.   XIV,  29.  XV,  5.  XVII,  95. 

XIX,  68,93,113,114,116,127,129  etc. 

50.  Vgl.  I,  43,  45,  81.  IV.  18, 19.  VIII,  41.  IX,  24, 56,  57.  X,  9,  45.  XII, 
22,54.  XIII,  32,58.  XIV,  48.  XVIII,  10,57,68,91.  XIX,  92,93,120,121  etc. 

51.  Vgl.  VI,  86,  87, 99.  VIII,  28.  IX,  73.  XI,  83.  XIII,  14,  80.  XVII,  87. 
XVIII,  47,57,96,101.  XIX,  57  etc. 

52.  Vgl.  XII,  37.  XIII,  45.  XIV,  14.  XVIII,  8.  XIX,  55.  XX,  130  etc. 

53.  Vgl.  I,  7.  XII,  29.  XIII,  40,  57,  78.  XIV,  23,  44, 63.  XVII,  31. 

54.  Vgl.  VI,  64.  XVII,  42. 

55.  Vgl.  IX,  90.  XII,  23.  XIX,  16. 

56.  Vgl.  Vin,  72.  IX,  93.  XI,  34.  XIII,  74. 

57.  Auch  in  dem  widmnngsgedichte  an  die  königin,  in  dem  er  seine 
verse  ganz  nach  belieben  bauen  konnte,  ordnen  sich  seine  worte  wie  von 
selbst  in  triaden: 

Towre  of  goodnes,  vertue,  bewtie: 

Forgive  me,  that  presume  to  lay 

My  labours  in  your  cleere  eies  ray: 

This  boldnes  Springs  from  faith,  zeal,  dewtie. 

Her  hand,  her  lap,  her  vestures  hem, 

Muse  touch  not  for  polluting  them, 

All  that  is  hers,  is  pure,  cleere,  holie    .... 

58.  Vgl.  noch  XX,  3,  16,  18,  27,  29,  52,  64,  72,  73,  82,  96,  101,  107,  108, 
135,  143. 

59.  Von  Sprichwörtern  vergleiche  noch: 

II,  65    Things  done  in  haste  at  leasure  be  repented 
II,  77    For  steed  once  stolne,  we  shut  the  doore  too  lato 
II,  79    Better  sit  still  (men  say)  than  rise  to  fall 
IV,  86    She  thought  to  strike  the  iron  that  was  hot. 

Redensarten  der  Umgangssprache  finden  sich  IV,  95.  V,  21.  VI,  78, 93.  IX, 

17,  76.  XVII,  84.  XIX,  56.     Zu  XVI,  19: 

the  armed  pare 

These  follics  all  beheld,  and  this  hot  farc 

vgl.  Chaucer's  Troylus  and  Cryseyde  b.  V,  st.  73. 

60.  Sehr  gesucht  vergleicht  er  in  seiner  ekloge  die  Sterne  silber- 
stäubchen,  welche  der  tag  mit  seinem  morgenbesen  von  dem  stahlboden 
des  himmels  kehrt  (Muses'  Library  p.  372): 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZÜNGEN.  135 

Till  timely  Day-spring  with  her  Morning-Broom 

Had  swept  the  Silver-Motes  from  Heav'ns  Steel-Flore. 

61.  H,  12: 

To  spül  the  wine  with  poison  mixt  who  spares? 
Slay  then  the  righteous,  with  the  faultie  one, 
Destroy  this  field,  that  yeeldeth  nought  but  tares, 
With  thornes  this  vineyard  all  is  overgone. 

62.  11,64: 

Receive  therefore  in  that  unconquered  hand 

The  pretious  handle  of  this  cup  of  love. 
Für  besonders  auffällige  beispiele  dieser  rede  weise,  welche  fast  in  jeder 
Strophe  bemerkbar  ist,  verweise  ich  noch  auf  I,  58.  II,  3, 14,  18,  28,  62,63, 
68,  71.  IV,  16,  34,  42,  92,  93.  V,  7,  61.  VI,  71.  XI,  57.  XI,  57.  XII,  33.  XIX, 
131.  XX,  25. 

63.  Wechsel  des  bildes  hat  Fairefax  ausserdem  beliebt  in  IV,  3,  7, 34. 
IX,  48, 85.  XI,  36, 48. 

64.  VI,  80: 

To  other  cause  her  sorrow  she  refard  .... 
Like  as  the  bird  that  having  close  imbard 
Her  tender  yong  ones  in  the  springing  bent, 
To  draw  the  searcher  further  from  her  neast, 
Cries  and  complaines  most,  where  she  needeth  least. 
Anspruch  auf  Originalität  kann  dieser  schöne  und  hier  sehr  glückliche 
vergleich  freilich  nicht  erheben:   er  ist,   in  prosa  und  poesie,   ein  be- 
kannter gemeinplatz  der  Elisabethaner,  aus  welchen  er  in  unserer  zeit 
auch  in  Tennyson's  'Queen  Mary'  (III,  5)  übergegangen  ist.    . 

65.  Solche  bildergeschmückte  Strophenausgänge  finden  wir  I,  61,  62 
77.  II,  2,  32,  39,  63,  68,  71,  76,  94.  III,  1,  21,  27,  33,  36,  37,  43,  52,  53,  57. 
IV,  29,  47,  72,  92.  VII,  108,  122.  IX,  44,  54.  XI,  27.  XII,  24,  64.  XIV,  36. 
XVI,  3.  XVIH,  96.  XX,  33,  103. 

66.  Anklänge  an  die  spräche  und  anspielungen  auf  ereignisse  der 
bibel  bemerkt  man  ausserdem  in  I,  71  (vgl.  s.  7).  II,  13.  X,  33  (vgl.  s.  119). 

XII,  92.  XIII,  56,  75.  XX,  114. 

67.  Vgl.  noch  I,  61.    III,  76.  IV,  29,  46,  49.   VI,  8.  VIII,  32.   X,  17. 

XIII,  55. 

68.  Vgl.  noch  VI,  40.  XVI,  1. 

69.  Vgl.  II,  26,  32,  39,  63,  68,  76,  89.  III,  1,  17,  27,  52.  IV,  7.  VI,  «0 
(vgl.  anm.  64).  VII,  122.  IX,  44,  45.  XII,  24,  64.  XVI,  3.  XX,  25. 

70.  VI,  60: 

The  seelie  maide  in  secret  longing  pined, 
Her  hope  a  mote  drawne  up  by  Phebus  raies, 
Her  love  a  mountaine  seein'd,  whereon  bright  shined 
Fresh  memorie  of  Tancreds  worth  and  praise. 

71.  XX,  33: 

And  then  Alarcos  head  she  swapt  of  cleene, 
Which  like  a  footbali  tumbled  on  the  greene. 
Ausser  den  bereits  im  text  und  in  den  anmerkungen  erwähnten,  von 
Fairefax  eingefügten  bildern  und  vergleichen  beachte  man  noch:  I,  62 


136  KOEPPEL, 

schnell  schwindender  mut  =  Strohfeuer;  I,  77  treue  fUhrer  =  Hesperus, 
der  die  sonne  leitet;  III,  21  haare  der  Clorinda  =  Sonnenstrahlen  auf 
alabasterfelsen;  III,  36  Tancred  tötet  die  feinde,  wie  der  donner  hohe 
bäume  des  Libanon  zerschmettert;  III,  49  die  geschosse  fallen  dicht  wie 
die  tropfen  eines  aprilregens;  III,  57  Christus,  in  Bethlehem  geboren, 
gleicht  einer  in  stahl  gefassten  perle,  einem  in  kupfer  gefassten  diamanten; 
VIII,  32  mondstrahl  =  Sternschnuppe;  IX,  19  das  Schwert  mäht  die  feinde, 
wie  sicheln  die  kornfelder;  XIV,  39  perlen  und  edelsteine  leuchten  wie 
sterne  oder  bühnenlampen ;  XX,  22  die  flügel  des  heeres  gleichen  den 
hörnern  des  neumondes. 

72.  II,  58: 

The  first  Aletes,  borne  in  lowly  shed 
Of  parents  base,  a  rose,  sprong  from  a  brier, 
That  now  his  branches  over  Egypt  spred, 
No  plant  in  Pharaoes  garden  prospred  hier, 
With  pleasing  tales  his  Lords  vaine  ears  he  fed, 
A  ilatterer,  a  pickthanke,  and  a  lier, 
Curst  be  estate  got  with  so  many  a  crime, 
Yet  this  is  oft  the  staire  by  which  men  clime. 

73.  Vgl.  hath:  faith  IV,  12,44.  VIII,  7.  XX,  55;    thou  masle  :  hast : 
fast  wüste  IV,  26;     saith  :  wraith  zorn  :  haith  V,  33;    hath  :  sath  :  scalh 

VI,  100;  wrath  :  he  sath  VI,  108;  faith  :  wraith  :  haith  VII,  79;  faith  : 
scaith  :  wraith  VIII,  23;  denai'th  :  faith  :  haith  VIII,  29;  wrath  :  scath  : 
sath  VIII,  82;  wraith  :  faith  :  prai'th  X,  69  etc.  Auch  eine  a  :  it-bindung 
findet  sich  grave  :  reeave  (i.  e.  reeeive) :  gave  XIX,  95. 

74.  Weitere  beispiele  siehe  VI,  106.  IX,  25.  XI,  83.  XII,  23.  XIII,  72. 
XIV,  57,66.  XVI,  27.  XVII,  80.  XIX,  69, 103, 120.  Auch  in  unserem  Jahr- 
hundert wird  in  prosa  und  poesie  noch  oft  genug  durch  Vermischung  der 
beiden  Zeitwörter  gesündigt.  Einige  beispiele  aus  prosaikern  citiert  Storm, 
Englische  Philologie  s.  285;  dichterslinden  dieser  art  finden  sich  u.  a.  bei 
Byron  (Ch.  Har.  IV,  180),  Shelley  (Rev.  of  Isl.  III,  30.  VII,  33;  Passage  of 
the  Apennines  v.  9),  Keats  (End.  IV). 

75.  IV,  4:  Some  gnaw  the  snakes  that  on  their  Shoulders  hing 
(:  bring  :  king)  und  X,  77.  XVII,  13. 

76.  XII,  66:  His  hart  rolenting  nigh  insunder  rave  (:  crave). 

77.  XII,  82:  Through  which  my  cruell  blade  this  fiood-gatc  rove 
(:  move  :  love). 

78.  XIII,  41:  Out  of  the  rift  red  streames  he  trickling  see  (:  tree). 

79.  XIX,  37:  His  people  like  a  flowing  streame  inthrong(:  strong). 

80.  11,84:  This  is  our  beild,  the  blustring  windes  to  shun;  und 
XVI,  49. 

81.  VII,  37:  And  buskt  him  boldly  to  the  dreadfull  fight;  IX,  20. 

82.  IX,  4:  The  lands  forenenst  the  Greekish  shore  he  held;  XV, 
15.  XVII,  81.  X VIII,  67. 

*3.  Beachtenswert  ist,  dass  er  rxear :  näher  in  drei  verschiedenen 
bmdungen  verwendet:  nar :  fitr :  war  II,  88 ;  ire :  nire :  inspire  VI,  39, 102; 
to  reare  :  neare  VIII,  13. 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZÜNGEN.  137 

84.  Annida  spricht  (IV,  72): 

So  both  thy  goodnes,  and  good  hap,  denaid  me, 
Griefe,  sorrow,  mischiefe,  care,  hath  overthrowne  me, 
The  star  that  rul'd  my  birth-day  hath  betraid  me, 
My  Genius  sees  his  Charge,  but  dares  not  owiie  me, 
Of  Queen-like  State,  my  flight  hath  disarraid  me, 
My  father  dide,  ere  he  five  yeeres  had  knowne  me, 
My  kingdome  lost,  and  lastly  resteth  now, 
Downe  with  the  tree,  sith  broke  is  every  bow. 

85.  Vgl  z.  b.: 

IX,  20 :  And  buskt  them  bold  to  bataile  and  to  fight 
XVI,  61 :  To  land  he  lookt,  tili  land  unseene  he  left 
VIII,  23:  Stroken  he  strikes,  still  stronger  more  they  strive 
XV,  58 :  Sometimes  for  Speed  and  skill  in  swimming  strive. 
Noch  seltener  lässt  sich  derselbe  Stabreim  in  die  zweite  zeile  verfolgen: 
IV,  34:  This  was  the  foule  that  first  feil  in  the  snare, 
He  saw  her  faire,  and  hopte  to  finde  her  kinde. 

86.  Vgl.  z.  b.: 

IX,  57 :  He  tosseth,  tumbleth,  turneth  as  he  lust 
XX,  5 :  Bent  downe,  to  see  this  field,  this  fray,  this  fight. 
XX,  123:  And  yet  displeas'd  with  lucke,  with  life,  with  love. 

87.  banke  and  bulwarke  111,42;  a  barke  or  böte  XVI,  5;  battailous 
and  bold  I,  37;  bed  and  boure  XVI,  14;  bend  and  bow  XIV,  25;  bide  or 
beare  VI,  66;  borne  and  bred  XV,  60;  branch  and  bow  XVI,  12;  broad  and 
bold  XVI,  14;  the  bud  and  blossome  XVI,  15;  bush  and  bramble  VIII,  51; 
bush  and  brire  VII,  2;  [he]  buskt  him  boldly  VII,  37.  —  chance  and  change 
XX,  73.  —  over  dale  and  downe  I,  73;  death  or  danger  I,  42;  drops  and 
dewes  XV,  33.  —  faint  and  few  XIII,  14;  she  faints,  she  falles  XX,  96; 
faire  and  false  V,  60;  their  fate,  their  fall  XX,  101;  what  fault  or  fate 
II,  43;  feares  and  flies  III,  52;  fierce  and  fearlesse  XIX,  42;  fierce  as  fire 
XVII,  28;  their  fights  and  fraies  VIII,  65;  fire  and  flame  XVIII,  87;  firme 
or  fast  XX,  108;  fleete  and  flöte  XVI,  5;  force  and  furie  XVIII,  70;  frost 
and  fier  IV,  93;  froth  and  fome  XV,  33.  —  nor  gold  nor  guerdon  XIX,  64; 
on  grasse  or  ground  III,  40.  —  haps  and  hazards  VI,  69;  their  haste  and  heato 
XX,  4;  they  have  and  hould  XX,  4;  over  holts  and  hags  VIII,  41;  ore  hoult 
and  heath  VIII,  12;  with  hope  and  haste  XVII,  82;  hope  and  helpe  XIX,  4; 
hurt  or  härme  IX,  23.  —  downe  she  light,  and  downe  she  laid  VII,  3;  lives  and 
lies  XX,  7;  lust  and  love  XV,  58;  a  lustie  lovely  las  XIX,  77.  —  doth  make 
. . .  doth  marre  XII,  46;  meeke  and  milde  XII,  30;  of  mickle  might  XII,  52; 
with  might  and  maine  IX,  78.  —  part  and  portion  XIX,  110;  the  pompc 
and  powre  IX,  57;  pompe  and  pride  XX,  3;  to  preach  or  prate  V,  57; 
prop  and  post  XX,  137;  pure  and  precious  XVIII,  15.  —  he  ranne  and 
road  XX,  122;  the  ranks  and  ranges  VII,  107;  as  red  as  rose  XIX,  114; 
nor  rest  nor  reason  XIX,  126;  rieh  and  raire  XVI,  24;  roam  and  ränge 
XVHI,  35;  the  rod  and  raine  XVII,  85;  rore  and  rave  XV,  8;  he  rose  and 
reard  himseife  XX,  87.  —  sad  and  sable  XV,  2;  safe  and  sure  XIX,  82; 
in  shew  and  shape  1, 13;  shew  and  shine  XX,  6;  scite  and  seat  XIX,  59; 
not  slow,  nor  slack  XX,  53;  nor  slumbred  nor  slept  XIX,  66;  smilde  and 


138  KOKPPEL, 

smeld  XVIII,  20;  I  spend  and  spül  XVIII,  99;  he  staid  and  stood  VII,  31; 
thc  stay  and  staffe  VIII,  6;  stern  and  stout  II,  39;  stiffe  and  strong  IX,  8; 
neither  stir  nor  start  XII,  55;  he  stirr'd  or  stood  XIX,  20;  not  stop  nor 
stay  VIII,  2;  stop  and  stay  XVIII,  103;  stopt  and  stood  XIV,  33;  strong 
and  sturdie  VI,  32;  strong  and  stout  IX,  24;  stufte  and  störe  XVIII,  42; 
in  sturdie  steele  XV,  2.  —  thicke  and  thinne  VII,  3;  thrust  and  throng 
(sub.)  XX,  17;  at  tilt  or  tournay  (sub)  XVII,  91;  to  tilt  and  tournay  (verb.) 
II,  40;  time  and  tide  XIX,  85;  from  top  to  toe  VIII,  22;  townes  and  towres 
VII,  8;  towres  and  turrets  VI,  41;  in  traine  or  trap  II,  89;  by  treason  or 
by  trayne  I,  86;  turne  and  twine  XV,  61.  —  waies  and  wiles  VII,  90;  he 
walkt  and  wandred  XIX,  60;  the  wanton  winde  XVI,  18;  waste  and  wilde 
XIX,  86;  watch  and  wake  XII,  17;  watch  and  warde  (sub.)  VII,  4;  sore 
watcht  and  wearie  X,  7;  weake  and  wearie  X,  1;  weake  and  woefull  XII,  65; 
wish  or  want  XIX,  64.    Viele  dieser  form  ein  kommen  öfters  vor. 

88.  Wir  finden  es  bei  ihm  nicht  selten  flinfmal  in  einer  Strophe 
(I,  1,39.  II,  2,24  etc.),  ja  sechsmal  (I,  4,11).  Auch  einer  der  oben  bei 
Fairefax  gerügten  häufungen  begegnen  wir  in  der  F.  Q.: 

IV,  2,  8    Therefore  he  her  did  court,  did  serve,  did  woo. 

89.  Vgl.  noch  IV,  9.  IX,  65.  XIX,  69. 

90.  I.  e.  prevented.  Die  berüchtigte  ausgäbe  von  1749,  welche  sich 
mit  dem  texte  allerlei  freiheiten  erlaubt,  hat: 

Speed  doth  the  News  of  their  Approach  prevent. 

91.  Die  editio  princeps  hat  would  und  falsche  interpunktion:  komma 
nach  foes.    1749  liest: 

Yet  Fortune  nould  they  should  the  Battle  try, 
For  both  were  frain'd  by  mightier  Foes  to  dye. 

92.  'Tis  true,  some  few  exploded  Words  we  find, 
To  which  we  've  Obligation  to  be  kind; 

For  if  the  Truth  is  scann'd,  we  must  allow 
They're  better  than  the  New  admitted  now: 
Our  language  is  at  best,  and  it  will  fail 
As  th'  Inundation  of  French  Words  prevail. 
Let  Waller  be  our  Standard,  all  beyond 
Tho'  spoke  at  Court,  is  foppery  and  fond. 

93.  Vgl.  Biographia  Borealis;  or  Lives  of  Distinguished  Northenero 
by  Hartley  Coleridge,  London  1833,  p.  176  anm. 

94.  Vgl.  Dryden's  Preface  to  the  Fables:  'Mition  was  the  poetical 

son  of  Spenser,  and  Mr.  Waller  of  Fairfax many  besides  myself 

have  heard  our  famous  Waller  own,  that  he  derived  the  harmony  of 
his  numbers  from  "Godfrey  of  Bulloigne"  which  was  turned  into  Eng- 
lish  by  Mr.  Fair  fax'  (Works,  ed.  by  Scott-Saintsbury,  Edinburgh  1885, 
vol.  XI,  p.  209  f.). 

95.  Vgl.  The  Works  of  Edmund  Waller  Esq.  in  verse  and  prose. 
Publ.  by  Mr.  Fenton.  London  1729,  4°.  Die  bemerk  ungen  betreffs  Faire- 
fax finden  sich  am  schluss ,  in  Fenton's  *  Observations  on  some  of  Mr. 
Waller's  Poems'  passira. 

96.  1.  c.  p.  209:  *  Spenser  and  Fairfax  both  flourished  in  the  reign 
of  Queen  Elizabeth;  great  masters  in  our  language,  and  who  saw  m%ich 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZUNGEN.  139 

further  into  the  beauties  of  our  numbers,  than  those  who  immediately 
follorved  than'. 

97.  Vgl.  The  Editor's  Preface  der  Singer'schen  Fairefax-ausgabe, 
London  1817.  Einen  weiteren  beleg  für  Milton's  kenntniss  des  englischen 
Tasso  bietet  ans  meines  erachtens  P.  L.  II,  v.  713  sq.: 

such  a  frown 

Each  cast  at  th'  other,  as  when  two  black  clouds' 
With  HeavVs  artill'ry  fraught,  come  rattling  on 
Over  the  Caspian 

David  Masson  (vol.  III,  p.  144)  bemerkt  zu  Caspian:  lThis  sea  is  chosen 
either  merely  for  the  sake  of  a  name,  or  be cause  it  is  "  remarkably 
tempestuous".1  Sollte  Milton  zu* der  wähl  dieses  geographischen  namens 
nicht  durch  Fair.  VI,  38: 

Or  as  when  clouds  together  crusht  and  brused, 
Powre  downe  a  tempest  by  the  Caspian  shore, 

bestimmt  worden  sein?    Spenser's  Caspian-steUen  sind  ganz  verschieden. 
Auch  bei  dem  genialsten,  bilderreichsten  dramatiker  der  nachshakespeare- 
schen  zeit,  bei  John  Webster,  werden  wir  öfters  an  Fairefax  erinnert: 
Fair.  XX,  133: 

Yet  waies  enough  I  know  to  stop  this  winde: 
A  thousand  entries  hath  the  house  of  fate. 

Duch.  of  Malfi  IV,  2: 

I  know  death  hath  ten  thousand  several  doors 
For  men  to  take  their  exits. 

Fair.  IX,  54: 

Clorinda  went  the  proud  Circassian  bie, 
So  from  ti  piece  two  chained  bullets  flie. 

1.  c:      Your  brother  and  yourself  are  worthy  men : 
You  have  a  pair  of  hearts  are  hollow  graves, 
Rotten  and  rotting  others;  and  your  vengeance, 
Like  two  chain'd  bullets,  still  goes  arm  in  arm. 

98.  '  Edmund  [\]  Fair  fax,  one  ofthe  most  Judicious,  Elegant  and  haply\ 
in  his  time,  most  approved  of  English  Translatours ,  both  for  his  choice 
of  so  worthüy  ExtolCd  a  Heroic  Poet  as  Torquato  Tasso;  as  for  the 
exactness  of  his  Version,  in  which  he  is  judg'd  by  some  to  have  approved 
himself  no  less  a  Poet  than  in  tvhat  he  he  hath  tvritten  of  his  orvn 
Genius1  (p.  34). 

99.  The  Lives  of  the  most  Famous  English  Poets,  or  the  Hononr 
of  Parnassus  etc.  Written  by  William  Winstanley,  Author  of  the  English 
Worthies,  London  1687,  p.  201. 

100.  Vgl.  Notes  of  Ben  Jonson's  Conversations  with  William  Drum- 
mond  of  Hawthornden.  January,  1619.  [Ed.  by  David  Laing.]  London: 
printed  for  the  Shakespeare  Society,  1842;  p.  2  f.  Auf  weniger  Wider- 
spruch dürfte  Jonson's  beurteilung  des  ersten  Tasso-mterpreten  Englands, 
Abraham  Fraunce,  stossen:  Abram  Francis,  in  his  English  Hexameters, 
was  a  foole  (ib.  p.  4). 


140  KOEPPEL, 

101.  How  have  I  sat,  when  pip'd  the  pensive  wind, 
To  hear  his  barp  by  British  Fairfax  strung! 

102.  l Fairfax  has  translated  Tasso  rvilh  an  elegance  and  ease,  and 
at  the  same  Urne  rvith  an  exactness,  which  for  (hat  age  are  surprising. 
Each  tine  in  the  original  is  faithfully  r endered  by  a  correspondent  line 
m  the  translation'  (H.  of  E.,  London  1830,  in  6  vols.;  vol.  IV,  p.  389). 

103.  II  Tasso.  A  Dialogue.  The  Speakers,  John  Milton,  Torquato 
Tasso.    London  1762,  p.  12. 

104.  Select  Translations  from  Tasso's  Jerusalem.  Three  Pastorais, 
with  some  other  pieces.  By  Mrs.  Elizabeth  Rowe.  London  1738.  Die 
Übersetzungen  aus  Tasso  sind :  The  Resolution  of  the  Christian  Princes 
to  free  Jerusalem.  Satan's  Advice  to  prevent  it.  From  the  fourth  Book. 
First  Printed,  1704;  A  Description  of  the  Inchanted  Palace  and  Garden 

of  Armida From  the  sixth  Book.    First  Printed,  1704;   The  Story 

of  Erminia  from  the  Seventh  Book.  First  Printed,  1709.  Vgl.  ausserdem: 
Friendship  in  Death:  in  twenty  letters  from  the  Dead  to  the  Living.  To 
which  are  added,  Letters  Moral  and  Entertaining,  in  Prose  and  Verse. 
In  three  parts.  By  Mrs.  Elizabeth  Rowe.  London  1 740.  Part  II,  Letter 
XVI,  p.  307  sq.:  The  Story  of  Olinda  [!]  and  Sophronia  (Translated  from 
Tasso's  Jerusalem,  Book  II).  Part  III,  Letter  V,  p.  368  sq.:  The  En- 
chanted  Forest  (Taken  from  Tasso's  Jerusalem,  Book  XVIII).  Diese 
Übersetzungen  sind  sehr  frei  und  stark  von  dem  anstandsgefiihl  der  dame 
bceinflusst.    Metrum:  heroic  verse. 

105.  C.  XIV,  st.  32—39  vgl.  Works  of  Thomas  Gray,  ed.  by  Edmund 
Gosse,  London  1884,  4  vols.;  vol.  I,  p.  148  sq.    Heroic  verse. 

106.  The  Jerusalem  of  Torquato  Tasso.  Translated  by  Thomas  Hooke. 
London  1738,  4°.  Diese,  in  heroic  verse  abgefasste  Übersetzung,  welche 
voll  hochtrabender,  geschraubter  ausdrücke  ist,  lässt  gleichwol  an  vielen 
stellen  den  einfluss  der  Fairefax'schen  version  erkennen.    Vgl.  z.  b.: 

I,  3    Fair.    They  drinke  deceiv'd ;  and  so  deceiv'd,  they  live. 
Hooke.    They  drink  deceiv'd,  and  thus  deceiv'd  they  live. 

I.  89  Fair.    To  other  thqughts  he  bent  his  fierce  desire 
Hooke.    And  bends  to  other  Thoughts  his  fierce  desire. 

107.  Tasso's  Jerusalem,  an  Epic  Poem.  Translated  from  the  Italian. 
By  Henry  Brooke,  Esq.  London  1738,  4°.  In  heroic  verse.  Ob  Brooke 
den  italienischen  text  selbst  vor  äugen  hatte,  ist  mir  sehr  zweifelhaft; 
sein  fragment  macht  den  eindruck  einer  freien  paraphrase  der  Fairefax- 
schen  Übersetzung.    Faire  fax  bezeichnet  z.  b.  Rinaldo  als 

A  co m et,  worthie  each  eies  wondering    (I,  58), 

wovon  Tasso  kein  wort  sagt,  und  bei  Brooke  lesen  wir: 

Last  in  the  Rear  of  that  embattl'd  Train 
Shone  the  young  Comet  of  the  glittring  Piain, 

Rinaldo 

Auch  die  Volga  des  Fairefax  (vgl.  s.  HO)  finden  wir  bei  Brooke  wider. 

108.  Several  Pieces  in  Prose  and  Verse.  By  Mr.  Layng.  London: 
printed  for  the  Author  .  .  .  1748,  4°;  p.  77  sq.    Metrum:  heroic  verse. 


ENGLISCHE  TASSO-ÜBERSETZUNGEN.  141 

109.  The  Delivery  of  Jerusalem.  An  Heroick  Poem.  By  Torquato 
Tasso.  In  20  Books.  Translated  into  English  Blank  Verse  by  Philip 
Doyne  Esq.;  To  which  is  added  The  Life  of  Tasso,  and  an  Essay  on 
the  Gerusalemme  Liberata.  Vols.  2.  Dublin  1761,  8°.  Wie  gründlich  sich 
Doyne  die  ältere  Übersetzung  zu  nutze  gemacht  hat,  mag  ein  beispiel 
beweisen.    Fair.  XVI,  15: 

So,  in  the  passing  of  a  day,  doth  pas 
,  The  bud  and  blossome  of  the  life  of  man, 

Nor  ere  doth  flourish  more,  but  like  the  gras 
Cut  downe,  becometh  withred,  pale  and  wan: 
0  gather  then  the  rose,  while  time  thou  has, 
Short  is  the  day,  done  when  it  scant  began, 
Gather  the  rose  of  love,  while  yet  thou  raast 
Loving,  be  lov'd;  embrasing,  be  erabrast. 

Doyne  XVI,  v.  125  sq.: 

So  in  the  passing  of  a  day,  doth  pass 
The  blossom,  and  the  bud,  of  mortal  life, 
Nor  ere  doth  flourish  more;  but  like  the  herb 
Cut  down,  becometh  wither'd,  wan  and  pale. 
0!  gather  then  the  rose  while  in  its  prime: 
Short  is  the  day,  ere  we  can  think  it  come, 
'Tis  past;  oh!  gather  then  the  rose  of  love, 
While  yet  thou  may'st.    Oh!  love  and  be  belov'd. 

Es  ist  übrigens  nur  gerecht  zu  betonen,  dass  Doyne  viele  der  fehler  und 
conceits  des  Fairefax  nicht  aufgenommen  hat,  und  dass  er  eine  nicht  zu 
verachtende  beherrschung  des  blank  verse  an  den  tag  legt. 

110.  Jerusalem  Delivered;  An  Heroick  Poem:  Translated  from  the 
Italian  of  Torquato  Tasso.  By  John  Hoole.  In  2  vols.  London  1763,  8°. 
Metrum:  heroic  verse. 

111.  1783  erschien  sie  bereits  in  fünfter  aufläge. 

112.  Vgl.  Dowden's  'Southey',  London  1879,  p.  14;  Masson's  'De 
Quincey',  London  1881,  p.  18  (Morley's  English  Men  of  Letters).  Die  be- 
treffende stelle  aus  Walter  Scott's  biographie  citiert  Allibone  in  seinem 
(Critical  Dictionary'  bei  John  Hoole. 

113.  Vgl.  für  das  18.  Jahrhundert  ausserdem  noch  den  s.  130,  anm.  4 
citierten  artikel  der  Bibliographia  Britannica,  welcher,  1793  gedruckt,  das 
urteil  des  Jahrhunderts  über  Fairefax  und  Hoole  zusammenfasst :  Fairefax 
wird  zwar  gegen  die  abfälligen  bemerkungen  Hoole's  in  schütz  genommen, 
die  Überlegenheit  des  letzteren  aber  doch  anerkannt.  Der  artikel  bringt 
einige  weitere  urteile  über  Fairefax  und  gibt  eine  längere  probe  seiner 
Übersetzung  (c.  XII,  st.  18 — 41)  nach  dem  text  der  ausgäbe  von  1687. 

114.  Ein  fragment  der  Gerusalemme  bietet  Henry  Gosse  in  seinen 
'Poetical  Translations ',  London  1822.  Jerusalem  Delivered.  Canto  XVI, 
p.  1 — 66.  Metrum:  heroic  verse.  Eine  Übersetzung  des  befreiten  Jeru- 
salem von  Miss  Susan  Watts,  welche  ich  bei  Wiffen  (Jer.  Del.,  Book  the 
Fourth,  London  1821;  Inlroduction  p.  6)  und  in  'Hymns  and  Poems  of  the 


142  KOEPPKL,   ENGLISCHE  TASSO-ÜBRRSBTZUNGKN. 

late  Mrs.  Susanna  Watts,  with  a  few  Recollections  of  her  Life',  Leicester 
1842,  p.  55,  erwähnt  fand,  habe  ich  nicht  entdecken  können. 

115.  Allibone  führt  noch  eine  amerikanische  ausgäbe  von  1855,  auf 
grund  des  Knight'schen  textes,  an. 

116.  Alex.  C.  Robertson  teilt  in  der  vorrede  seiner  obenerwähnten, 
1853  erschienenen  Übersetzung  der  Gerusalemme  ein  gespräch  mit  Words- 
worth  mit,  welchen  er  1846  betreffs  der  von  ihm  geplanten  Übersetzung 
befragte.  Wordsworth  sagte  u.a.:  'Wiffens  Iranslaiion  is  a  failurc; 
Boote's  is  contemptible.  Co!  er  läge's  translation  of  " Wallenstein"  is  the 
model  translation  of  the  English  tanguage,  it  is  in  many  place s  better 
than  the  original;  the  rneire  is  better  \ 

München.  E.  Koeppel. 


i^v  *■  * 


DIE  ENTSTEHUNG   DER  HAMCET-TRAGÖDIE. 

I. 
Shakespeare'»  Hamlet  und  Thomas  Kyd. 

Ueber  den  Verfasser  des  alten,  verlorengegangenen  Hamlet- 
dramas, dessen  existenz  schon  durch  eine  anspielung  aus  dem 
jähre  1589(87?)  bezeugt  wird,  sind  die  meinungen  bekanntlich 
geteilt.  Elze  nahm  mit  Knight  an,  dass  der  urhamlet  ein  jugend- 
werk Shakespeare's  gewesen,  eine  blut-  und  rachetragödie  im 
stile  des  Titus  Andronicus  (einleitung  zu  Elze's  ausgäbe  des 
Hamlet  s.  XVII  f.).  Die  nichterwähnung  des  Hamlet  in  Francis 
Meres'  Palladis  Tamia  (1598)  bei  der  aufzählung  von  Shake- 
speares stttcken  ist  allerdings  kein  gewichtiger  gegengrund 
gegen  die  annähme,  obgleich  es  immerhin  etwas  auffällig  wäre, 
wenn  Meres  gerade  ein  so  beliebtes  und  berühmtes  drama  aus- 
gelassen hätte. 

Allein  mehrere  andere  gründe  sprechen  gegen  Elze's  hypo- 
these.  Läge  in  unserem  Hamlet  die  Überarbeitung  eines  jugend- 
werkes  von  Shakespeare  vor,  wie  wir  es  bei  jener  Voraussetzung 
doch  annehmen  müssten,  so  wäre  zu  erwarten,  dass  sich  wenig- 
stens an  einigen  stellen  noch  ein  stil  geltend  machte,  der  an 
die  anderen  Jugendtragödien:  Titus  Andronicus,  Henry  VI.  deut- 
lich erinnerte.  Allein  nach  H.  Isaac's  Untersuchungen  (Archiv 
f.  neuere  Sprachen  bd.  73 — 75)  treten  irgend  welche  bestimmtere 
anklänge  an  diese  nicht  hervor,  und  der  stil  des  Hamlet  lässt 
sich  nur  ganz  im  allgemeinen  mit  denselben  vergleichen. 

Die  personennamen  im  Hamlet  sind  nicht  ganz  in  Shake- 
speare^ geschmack  und  weisen  zum  teil  über  ihn  hinaus.  Bei 
aller  Vorliebe  für  die  italienische  spräche  hätte  unser  dichter 
doch  wol  kaum  aus  eigenem  antriebe  den  Dänen  italienische 
oder  lateinische  namen  beigelegt:  Bernardo,  Francisco,  Montana 
(Beynaldo),  Horalio,  Claudius  {Claudio),  Marcellus;  wenigstens  hat 


144  SARRAZIN, 

er  eine  solche  Störung  des  lokalkolorits  in  den  anderen  nor- 
dischen dramen:  Lear,  Macbeth  vermieden  (in  Cymbeline  sind 
die  personen  zum  teil  wirklich  als  Römer,  Italiener  gedacht). 
Noch  weniger  ist  anzunehmen,  dass  Shakespeare  den  ans  einem 
griechischen  abstractum  gebildeten  namen  Ophelia  (=  co<piXeia)x 
.  selbst  erfunden. 

Die  Charaktere  im  Hamlet  sind  trotz  aller  feinheit  und 
kunst,  mit  welcher  Shakespeare  sie  ausgeführt  hat,  doch  zum 
teil  schablonenhaft;,  feum  teil  unsicher  in  der  Zeichnung,  so  dass 
sie  bekanntlich  von  den  verschiedenen  erklärern  in  der  verschie- 
densten weise  aufgefasst  worden  sind.  Dieser  mangel  würde 
sich  zwar  zur  not  auch  durch  die  Umarbeitung  eines  eigenen 
Jugendwerkes  erklären  lassen,  noch  besser  aber  bei  der  an- 
nähme, dass  Shakespeare  ein  fremdes  drama  benutzt  und 
die  von  seinem  Vorgänger  skizzierten  Charaktere  nicht  immer 
dessen  intentionen  entsprechend,  frei  ausgeführt  hätte.  Die 
figuren  des  Polonius,  Laertes,  der  Gertrud,  Ophelia  scheinen 
ausserdem  auch  aus  weicherem  holz  geschnitzt  zu  sein,  als  bei 
Shakespeare  sonst  üblich  ist. 

Auch  die  komposition  des  Stückes  ist  zum  teil  etwas  un- 
shakespearisch,  als  wenn  der  plan  von  einem  anderen  dichter 
vorgezeichnet  wäre.  Scenen  wie  der  schluss  des  ersten  aktes, 
der  aufstand  des  Laertes,  die  beerdigung  der  Ophelia  und  die 
rauferei  zwischen  Hamlet  und  Laertes,  die  fleuretmensur  (sämmt- 
lich  in  der  alten  sage  nicht  angedeutet),  machen  nicht  den  ein- 
druck,  als  wenn  sie  von  Shakespeare,  selbst  in  seiner  frühesten 
jugend,  erfunden  sein  könnten;  dazu  sind  sie  einerseits  zu  ge- 
schickt auf  den  bühneneffekt  berechnet,  andererseits  zu  ober- 
flächlich und  psychologisch  mangelhaft  motiviert. 

Wäre  der  urhamlet  von  Shakespeare  selbst  verfasst,  so 
müssten  wir  entweder  annehmen,  dass  der  junge  dichter  schon 
die  sage  ganz  frei  und  selbständig  behandelte,  während  er  doch 
z.  b.  noch  in  Romeo  und  Julia  sich  in  bezug  auf  den  gang  der 
bandlung  eng  an  seine  vorläge  hielt,  oder  dass  er  in  späteren 
jahren  sein  eigenes  werk  vollständig  umarbeitete  und  zwar  in 
einer  weise,  die  weder  seiner  frühesten,  noch  seiner  späteren 


1  Nach  der  alten  sage  (Saxo)  steht  das  ungenannte  mädchen,  welches 
der  Ophelia  des  dramas  entspricht,  dem  Anilethus  bei  und  hilft  ihm  die 
von  seinem  oheini  gelegten  schlingen  vermeiden.  Sollte  etwa  daher  der 
name,  welcher  'beistand,  hilfe'  bedeutet,  gewählt  sein? 


ENTSTEHUNG  DER  HAMLET-TRAGÖDIE.  145 

kompositionsart  entspricht.  Beide  annahmen  sind  unwahr- 
scheinlich. 

Ferner  deutet  die  bei  Shakespeare  (trotz  dem,  was  Macau- 
lay,  Gervinus  und  andere  zur  erklärung  anführten)  auffallende, 
aussergewöhnlich  starke  katholische  färbung  unseres  dramas 
auf  einen  fremdartigen  Ursprung,  denn  aus  Saxo  oder  Belie- 
ferest kann  sie  nicht  entnommen  sein.  Auch  die  systematische 
modernisierung  des  alten  sagenstoifes  stimmt  nicht  zu  Shake- 
speares behandlungsweise,  der  sonst  das  antike  oder  mittel- 
alterliche kolorit  wenigstens  im  allgemeinen  wahrt,  wenn  er 
sich  auch  manche  anachronismen  gestattet. 

Endlich  sprechen  auch  noch  die  abweichungen  der  Qu.A, 
welche  nach  H.  Isaac's  Untersuchungen  doch  wol  im  wesent- 
lichen auf  einer  früheren  redaktion  beruht,  gegen  die  an- 
nähme, dass  der  alte  Hamlet  von  Shakespeare  selbst  herrühre, 
denn,  wie  auch  die  herausgeber  der  Cambridge  Edition  hervor- 
heben (Preface  to  Hamlet,  Clarendon  Press,  s.  XI),  an  einigen 
stellen  der  Qu.A  tritt  deutlich  der  stil  eines  anderen,  weniger 
bedeutenden  dichters  hervor. 

• 

Diese  erwägungen  lassen  Elze's  hypothese  als  unannehm- 
bar erscheinen  und  drängen  zu  der  von  den  meisten  eng- 
lischen und  deutschen  gelehrten  vertretenen  annähme,  dass 
der  alte  Hamlet,  auf  welchem  Shakespeare's  drama  doch  ohne 
zweifei  beruht,  von  einem  anderen  dichter  verfasst  ist. 

Der  einzige  vorshakespearische  dramatiker,  der  als  Ver- 
fasser eines  urhamlet  in  betracht  kommen  kann,  ist  Thomas 
Ky  d.  Schon  Malone  vermutete,  dass  der  alte  Hamlet  ein  werk 
Kyd's  sei.  In  Lowndes'  Bibliographer's  Manual  (new  edit.  by 
Henry  G.  Bohn,  London  1858,  s.  935),  einem  sonst  ganz  zuver- 
lässigen werke,  ist  von  'A'ydd's  old  play  of  Hamlet,  published  in 
1589,  4*°*  wie  von  einem  wirklich  vorhandenen  buche  die  rede; 
diese  auffallende  notiz  muss  schon  in  der  ersten  ausgäbe  von 
1834  stehen,  da  Elze  in  der  vorrede  zu  seiner  Hamletausgabe 
von  1857  auf  dieselbe  bezug  nimmt.  Möglicherweise  ist  die 
angäbe  durch  Malone's  hypothese  veranlasst,  sie  kann  aber 
auch  aus  alter  tradition  oder  aus  einer  uns  nicht  mehr  zugäng- 
lichen quelle  geschöpft  sein. 

Für  die  hypothese  eines  Kyd'schen  urhamlet,  als  quelle 
von  Shakespeare^  drama,  sprechen  in  der  tat  zahlreiche  und 
zum  teil  recht  gewichtige  innere  gründe. 

Anglift,  XII.  bftiid.  10 


146  SARRAZIN. 

Shakespeare's  drama  weist  in  der  komposition,  darstellungs- 
weise, ja  stellenweise  sogar  im  stil  eine  gewisse  familienähn- 
lichkeit  mit  den  erhaltenen  Kyd'schen  dramen  auf. 

Kyd's  Spanische  Tragödie  besonders  ist,  wie  bekannt, 
in  bezug  auf  dramatische  motive,  Charaktere,  komposition  ein 
pendant  zum  Hamlet.  Wie  im  Hamlet,  ist  auch  in  der  Sp.  Tr. 
blutrache  das  leitmotiv  der  handlung;  umgekehrt  wie  im  Hamlet 
hat  hier  ein  vater  seinen  ermordeten  söhn  zu  rächen;  auch  in 
der  Sp.  Tr.  schiebt  der  zur  blutrache  verpflichtete  die  ausfüh- 
rung  derselben  hinaus,  schilt  sich  selbst  wegen  seiner  unent- 
schlossenheit  und  wird  von  anderen  deswegen  gescholten;  auch 
dort  stellt  er  sich  schwachsinnig  (Dodsley-Hazlitt,  Collection  of 
Old  Englisli  Plays  V,  124),  verfällt  aber  dabei  in  eine  wirkliche 
geisteszerrüttung,  die  an  irrsinn  grenzt;  wie  im  Hamlet  heuchelt 
er  eine  versöhnliche  und  sogar  lustige  Stimmung  (a.  a.  o.  s.  116); 
der  ironisch-sarkastische  ton,  in  welchem  er  mit  seinen  feinden 
spricht,  ähnelt  dem  Hamlet's;  wie  im  Hamlet  ist  der  rächer 
als  ein  gelehrter,  büh  neu  verständiger,  dramaturgisch  gebil- 
deter mann  dargestellt  und  führt  durch  ein  von  ihm  in  scene 
gesetztes  Schauspiel  die  katastrophe  herbei,  freilich  in  ganz 
anderer  weise.  Wie  im  Hamlet  die  tochter  des  ermordeten  Po- 
lonius,  so  wird  in  der  Sp.  Tr.  die  mutter  des  ermordeten  Horatio 
wahnsinnig  und  bringt  sich  um.  Wie  im  Hamlet  tritt  in  der 
Sp.  Tr.  ein  zur  räche  mahnender  geist  auf.  Der  Charakter  des 
Lorenzo,  der  den  geliebten  seiner  Schwester  ermordet,  in  der 
Sp.  Tr.,  entspricht  ungefähr  dem  des  Laertes. 

Auch  Kyd's  drama  Jeronimo1  (eine  art  Vorspiel  zu  der 
Sp.  Tr.)  bietet  parallelen.  Der  Charakter  des  alten  marschalls 
Jeronimo  ist  in  diesem  stücke  ganz  ähnlich  gezeichnet  wie  der 
des  Polonius.  Auch  Jeronimo  ist  der  langbewährte,  in  hoher 
gunst  stehende  diener  seines  fttrsten,  der  'hofbiedermamT;  aber 
auch  er  ist  dabei  etwas  als  komischer  alter  geschildert  (Dodsley- 
Hazlitt  IV,  361  ff.);  auch  er  rühmt  sich  seiner  Schlauheit  (s.  361) 
und  gibt  seinem  söhne  und  anderen  gute  lehren  in  bezug  auf 
diplomatische  kunst  und  feines  benehmen  (s.  351,  367).  Sein 
söhn  Horatio  ist  indessen  in  bezug  auf  den  charakter  nicht 
etwa  dem  Laertes  zu  vergleichen,  sondern  der  gleichnamigen 


1  Die   autorschaft  Kvd's   zeigt  Markscheffel   in   seinem   programm : 
'Thomas  Kyd'H  Tragödien'  IS86,  I,  s.  13  ff. 


ENTSTEHUNG  DER  HAMLET-TRAGÖDIE.  147 

person  im  Hamlet;  er  ist  vertrauter  and  des  helden  (Andrea) 
treuer  freund,  der  sich  nur  mit  rauhe  zurückhalten  lässt,  ihm 
in  den  tod  zu  folgen.  / 

Die  erste  scene  des  Schauspiels  Jeronimo,  in  welcher  der 
könig  von  Spanien  seinen  getreuen  marschall  und  dessen  söhn 
Horatio  in  huldvoller  audienz  empfängt,  und  einen  gesandten, 
der  in  Portugal  ein  Ultimatum  stellen  soll,  entlässt,  während 
Lorenzo  unzufrieden  bei  seite  steht  und  seinem  groll  zuletzt  in 
einem  monolog  luft  macht,  ist  im  scenischen  arrangement  und 
in  der  gruppierung  der  personen  auffallend  ähnlich  der  zwei- 
ten scene  des  Hamlet  Die  zweite  scene  des  Jeronimo  widerum 
bildet  ein  pendant  zu  der  dritten  des  Hamlet;  denn  wie  dort  ein 
bruder  von  seiner  Schwester  (Laertes  von  Ophelia),  so  nimmt 
hier  ein  liebender  von  seiner  geliebten  (Andreas  von  Bellim- 
peria)  vor  einer  grösseren  seereise  zärtlichen  abschied;  und  die 
letzten  worte  klingen  sogar  merkwürdig  ähnlich.1 

Im  allgemeinen  ist  noch  zu  bemerken,  dass  in  diesen  beiden 
Kyd'schen  dramen  dieselbe  atmosphäre  sittlicher  korruption  zu 
tage  tritt,  wie  im  Hamlet:  meuchelmord,  intrigue,  heuchelei, 
Verstellung,  spionierwesen  ist  auch  dort  ganz  allgemein  im 
schwänge. 

Kyd  hebt  bei  den  helden  seiner  tragödien  (Jeronimo,  Ho- 
ratio, Andrea)  in  auffallender  weise  die  Universitätsbildung 
hervor  (Dodsley  IV,  367,389;  V,  123, 148),  ganz  ähnlich,  wie  es 
bekanntlich  im  Hamlet  (sonst  aber  in  Shakespeare's  tragödien 
und  historien  nicht!)  der  fall  ist. 

In  der  bekannten  stelle  von  Nash's  epistel,  die  auf  den 
dichter  des  urhamlet  anspielt,  wird  angedeutet,  dass  derselbe 
die  juristische  laufbahn  {trade  of  noverint)  aufgegeben  habe, 
um  buhnendichter  zu  werden.  Dieser  umstand  würde  auf  Kyd 
mindestens  ebenso  gut  passen,  wie  auf  Shakespeare;  denn  in 
der  Sp.  Tr.  kommen  (s.  126)  juristische  kunstausdrücke  vor,  die 
einige  sachkenntniss  verraten :  action  of  baüery,  ejectio  firma. 

1  Jeron.  (Dodsley-Hazlitt  IV,  356): 

Bellimp.   Faretvell,  my  lord: 

Be  mindful  of  my  love  and  of  your  word. 
And.   T  is  fixed  upon  my  heart 

Haml.  I,  3,  84: 

Laer.   Fareweü,  Ophelia;  and  remember  well 

What  I  have  said  to  you. 
Oph.  9T  is  in  my  memory  lock'd  .... 

10* 


148  SARRAZIN, 

Dass  bei  Kyd,  ebenso  wol  wie  im  Hamlet,  häufig  klassisch- 
mythologische  anspielungeu  sich  finden,  ist  kaum  erwähnens- 
wert, weil  im  Zeitgeschmack  begründet  und  allgemein  üblich. 
Doch  scheint  es  mir,  dass  die  neigung  dazu  im  Hamlet  sich 
stärker  äussert,  als  sonst  bei  Shakespeare  (vgl.  Delius,  Abhand- 
lungen zu  Shakspere,  n.  f.,  s.  179  ff.). 

In  Kyd's  dramen  zeigt  sich  eine  auffallende  Vorliebe  für 
das  waffenhandwerk.  Ausführliche,  von  einer  gewissen  sach- 
kenntniss  zeugende  schlacht-  und  gefechtsschilderungen  kommen 
sowol  in  der  Sp.  Tr.,  wie  im  Jeron.  vor  (IV,  387;  V,  11  ff.,  239  ff); 
der  soldatische  beruf  wird  als  besonders  ehrenvoll  hervorge- 
hoben (IV,  385);  seitsame,  dem  militärwesen  entnommene  ver- 
gleiche finden  sich,  z.  b.  'spleens  big  as  a  cannon-bullet'  (IV,  382) 
oder  'my  heart  grown  hard  gainst  mischief's  battery'  (V,  24).  Ist 
Kyd  etwa  eine  Zeitlang  soldat  gewesen,  wie  Ben  Jonson? 

Auch  in  Shakespeare's  dramen  im  allgemeinen  ist  natür- 
lich viel  von  schlachten  und  Zweikämpfen  die  rede;  allein  doch 
meist  nur  im  anschluss  an  die  quelle  und  ohne  dass  ein  leben- 
digeres interesse  des  dichters  für  das  kriegswesen  sich  zeigte, 
wie  etwa  für  jagd  und  falkenbeize.  Der  Hamlet  nimmt  auch 
in  dieser  beziehung  eine  Sonderstellung  unter  Shakespeare's 
dramen  ein.  Obwol  hier  die  alte  sage  und  die  ganze  anläge 
des  Stückes  nur  wenig  veranlassung  bot,  militärische  dinge  zu 
erwähnen,  geschieht  dies  doch  aussergewöhnlich  häufig.  Die 
kriegsrüstungen  in  Dänemark,  der  Polenfeldzug  des  Fortin- 
bras,  das  Seegefecht  Hamlet's  sind  romanhafte,  mit  der  eigent- 
lichen handlung  nur  in  geringem  zusammenhange  stehende  aus- 
schmückungen  der  fabel,  mehr  in  Kyd's  als  in  Shakespeare's 
geschmack.  In  Übereinstimmung  damit  steht  die  schildwacht- 
scene  im  eingang  des  Stückes  und  das  militärische  begräbniss 
Hamlet's  am  schluss  {Bear  Hamlet,  Uke  a  soldier,  to  the  stage  .  . 
The  soldiers9  music  and  the  rites  of  war  Speak  loudly  for  htm  .  . 
Go,  bid  the  soldiers  shoot).  Hamlet  wird  von  Ophelia  bezeich- 
net als:  'The  courtier's,  soldier's,  scholar's  eye,  tongue,  sword* 
(ni,  1),  er  selbst  ermahnt  seine  freunde  mit  den  Worten:  'as 
you  are  friends,  scholars  and  soldiers'  (I,  5),  ganz  ähnlich  wie 
z.  b.  im  Jeronimo  (Dodsley  IV,  385)  die  personen  einander  bei 
der  soldatenehre  fassen.  Auch  der  im  Hamlet  mehrfach  vor- 
kommende militärische  lärm  von  trompeten,  kesselpauken, 
böllerschüssen   und  flintensalven  (Hamlet  I,  2;  I,  4;  V,  2)  ist 


ENTSTEHUNG  DBR  HAMLET-TRAGÖDIE.  149 

weniger  in  Shakespeare^,  als  in  Kyd's  geschmack  (vgl.  z.  b. 
Dodsley  IV,  362,  382,  383;  V,  15, 171).  Militärische  vergleiche 
und  metaphern  sind  im  Hamlet  aussergewöhnlich  häufig:  I,  1, 
31, 151;  I,  3,  34;  I,  4,  28;  I,  5, 162;  III,  4,  37, 120;  III,  5,  207; 
IV,  1,42;  IV,  5,78,95. 

Kyd's  Cornelia  kann  bei  der  vergleich ung  nicht  sehr  in 
betracht  kommen,  da  dies  stück  nur  die  Übersetzung  eines 
französischen  Schauspiels  von  Garnier  ist.  Indessen  ist  eine 
bemerkenswerte  Übereinstimmung,  dass  in  diesem  drama  viel 
gesprochen  wird  von  den  leicht  zu  trocknenden  tränen  der 
witwen;  Cornelia  macht  sich  vorwürfe  wegen  ihrer  zweiten 
heirat  und  erzählt,  dass  der  geist  ihres  verstorbenen  gemahls 
ihr  erschienen  sei.  Cicero  tröstet  sie  beim  tode  ihres  zweiten 
gatten  mit  ganz  ähnlichen  gemeinplätzen,  wie  Claudius  und 
Gertrud  den  Hamlet  in  der  zweiten  scene  des  ersten  aktes.1 

Die  erwägungen  in  der  Cornelia,  ob  der  Selbstmord  eine 
handlung  der  feigheit  oder  des  höchsten  mutes  sei,  erinnern 
inhaltlich  an  Hamlet's  berühmten  monolog.2 

Die  tragödie  'Soliman  and  Perseda'  (welche  doch  woi 
höchstwahrscheinlich  von  Kyd  herrührt,  da  Kyd  sie  dem  in 
der  Sp.  Tr.  eingelegten  Schauspiel  zu  gründe  gelegt  hat,  und , 
der  stil  dem  der  anderen  tragödien  sehr  ähnlich  ist3)  bietet 
keine  charakteristischen  vergleichungspunkte,  ausser  darin, 
dass  die  katastrophe  auch   hier  durch   ein   duell  und  durch 


1  Cornelia  (Dodsley-Hazlitt  V)  s.  197: 

Madam,  you  must  not  thus  transpose  yourself; 

W e  see  your  sorrow,  but  rvho  sorrows  not? 

The  grxef  is  common    .... 

All  things  are  subject  to  death's  tyranny, 

Both  clowns  and  kings  one  seifsame  course  must  run, 

And  whatsoever  lives,  is  sure  to  die. 

Vgl.  Hamlet  I,  2,72: 

Thou  know'st'l  is  common;  all  that  lives  must  die. 

8  Dodsley-Hazlitt  V,  201: 

T  is  not  for  frailty  or  faint  corvardice, 
That  men  (to  shun  mischances)  seek  for  dealh; 
But  rather  he  that  seeks  it  shorvs  himself 
Of  certain  courage  gainst  uncerlain  chance. 
he  that  retires  not  at  the  threals  of  death, 
Is  not,  as  are  the  vulgär,  slightly  fray'd. 

3  Markscheffel,  a.  a.  o.  II,  s.  11.  Ich  führe  noch  den  aiisdruck  (Ely- 
sian  shades'  Solim.  (Dodsley-Hazlitt  V)  s.  334  an,  der  gerade  bei  Kyd  be- 
liebt ist,  z.  b.  in  der  Cornelia  (Dodsley-Hazlitt  V)  s.  200,  208;  ferner  den  ähn- 
lichen vergleich  Solim.  (a.a.O.)  s. 371 :  And  boils,  like  Aetna,  in  my  frying 
guts  —  Sp.  Tr.  s.  100:  }Vho  burnt,  like  Aetna,  for  Andreas  loss. 


150  SARRAZIN, 

Vergiftung  herbeigeführt  wird.  Bemerkenswert  ist  ferner,  dass 
an  einer  anderen  stelle  dieses  Stückes  auf  eine  fleuretmensur 
mit  vergifteten  degenspitzen  angespielt  wird,  was  doch  jeden- 
falls ein  sehr  ungewöhnliches  vorkommniss  war.1 

Eine  ganze  anzahl  dramatischer  motive  der  Hamlettragödie, 
und  zwar  gerade  solche,  die  nicht  der  alten  sage  entnommen 
sind,  finden  sich  also  in  Kyd'schen  dramen  wider,  und  der 
grundcharakter  stimmt  ziemlich  überein.  Diese  tatsache  an 
sich  ist  schon  beachtenswert.  Sie  wird  aber  noch  bedeutsamer 
durch  den  umstand,  dass  mehrfach  im  Hamlet  stilähnlich- 
keit,  zum  teil  sogar  in  wörtlichen  anklängen  an  Kyd's  dra- 
men hervortritt. 

Es  gibt  einige  stellen  im  Hamlet,  die  sich  durch  einen 
etwas  steifen,  hölzernen,  gespreizten  stil  deutlich  von  dem 
übrigen  drama  abheben.  Besonders  das  eingelegte  Schauspiel 
ist  in  dieser  hinsieht  bemerkenswert,  in  geringerem  grade  auch 
z.  b.  die  rede  des  geistes(l,5)  und  Hamlet1 8  Zwiegespräch  mit 
seiner  mutter  (III,  4).  Gerade  an  solchen  stellen  nun  finden 
wir  denselben  puppenspielartigen  ton,  dieselbe  Vorliebe  für  Sen- 
tenzen und  'treffliche  pragmatische  maximen',  dieselbe  neigung 
zu  antithesen  mit  alliteration  und  zur  widerholung  gewisser 
schlagworte,  wir  finden  ganz  ähnliche  klassisch-mythologische 
allegorien  und  metaphern  wie  bei  Kyd.  Und  gerade  in  den- 
selben partien  kommen  auch  wörtliche  anklänge  an  Kyd's  dra- 
men vor.  So  lässt  sich  in  dem  eingelegten  Schauspiel  (Hamlet 
III,  2)  vergleichen: 

v.  169    Since  love  our  hearls  and  Hymen  did  our  hands 
Unile  commutual  in  most  sacred  bands 

Vgl.  Cornelia  (Dodsley-IIazlitt  V,  192): 

Untie  the  bands  (hat  sacred  Hymen  knit 


v.  181    Where  love  is  great,  the  lilllest  doubts  are  fear; 

Where  Utile  fears  gtu<w  great,  great  love  grows  there. 
Vgl.  Com.  (Dodsley  V,  199)*: 

Great  losses  greatly  are  to  be  deplord; 

The  loss  is  great  that  cannol  be  restor'd 


1  Solim.  (Dodsley-IIazlitt  V)  s.  264: 

In  Italy  I  put  my  knighthood  ony 

Where  in  my  shirt  but  witli  a  sitigle  rapier 

I  combated  a  Roman  much  renown'd, 

His  weapon's  point  empoison'd  for  my  bane. 

*  A eh n lieh  Solim.  (Dodsley  V,  284):  great  losses  seldom  are  restofd. 


ENTSTEHUNG  DER  HAMLET-TRAGÖDIE.  151 

Sp.  Tr.  (Dodsley  V,  50): 

IUI  conquer  my  misdoubt, 

And  in  thy  love  and  counsei  drown  my  fear. 

I  fear  no  more:  love  is  norv  all  my  ihoughts. 

(Die  letztere  stelle,  welche  wegen  der  widerholten  antithese  love- 
fear  verglichen  ist,  steht  in  der  Sp.  Tr.  in  ganz  ähnlichem  inhaltlichen 
zusammenhange,  wie  die  entsprechende  des  Hamlet.  In  beiden  fällen  ist 
sie  dem  Zwiegespräch  zweier  liebenden  (ehegatten)  entnommen,  welches 
bei  einem  Schäferstündchen  im  garten  stattfindet;  in  beiden  fällen  ist  es 
die  liebende,  welche  spricht  und  mit  diesen  worten  eine  böse  Vorahnung 
und  die  besorgniss,  dass  dem  geliebten  etwas  zustossen  könnte,  äussert; 
in  beiden  fällen  wird  der  geliebte  (gemahl)  wirklich  bald  darauf  ermordet.) 


v.  208    Where  joy  most  revels,  grief  doth  most  lament; 
Grief  joys,  joy  grieves,  on  slender  aeeident. 

Vgl.  Sp.  Tr.  (a.  a.  o.  s.  59): 

Then  will  I  joy  amidst  my  discontent. 

Sp.  Tr.  (a.  a.  o.  s.  124): 

Thus  therefore  will  I  rest  me  in  unrest 
Dissembling  quiet  in  unquietness. 

Sp.  Tr.  (a.  a.  o.  s.  26): 

l'll  turn    .... 

Their  joys  to  pain,  their  bliss  to  misery. 


v.  210    This  world  is  not  for  aye,  nor  't  is  not  Strange, 

That  even  our  loves  should  with  our  forlunes  c hange. 

Vgl.  Corn.  (a.  a.  o.  s.  194): 

The  wide  world's  aeeidents  are  apt  to  c hange. 


v.  212    For  7  is  a  question  left  us  yet  to  prove, 

Whether  love  lead  fortune,  or  eise  fortune  love. 

Vgl.  Solim.  (a.  a.  o.  s.  291): 

But  where fore  slay  we?  let  the  sequel  prove 
Who  is  the  greatest:  Fortune,  Death  or  Love. 


v.  215    The  poor  advanced  makes  friends  of  enemies. 
v.  218    And  who  in  want  a  hollow  friend  doth  try, 

Directly  seasons  htm  his  enemy. 
Vgl.  Com.  (a.  a.  o.  s.  233): 

A  man  may  make  his  foe  his  friend,  you  know. 

A  man  may  easier  make  his  friend  his  foe. 


v.  223    Our  thoughts  are  ours,  their  ends  none  of  our  own 

Vgl.  Corn.  (a.  a.  o.  s.  200): 

Death' s  always  ready,  and  our  Urne  is  known 
To  be  at  Heavens  dispose,  and  not  our  own. 


/ 


152  SARRAZIN, 

v.  228      To  desperation  turn  tny  trust  and  hope 
Vgl.  Sp.  Tr.  (a.  a.  o.  8.  36): 

77/  turn  their  hope  into  despair. 


Diese  parallelstellen  werden  genügen,  um  darzutun,  dass 
das  eingelegte  Schauspiel  in  einem  dem  Kyd'schen  sehr  ähn- 
liehen stile  gesehrieben  ist. 

Sonst  finden  sich  im  Hamlet  nur  sehr  vereinzelte  anklänge 
an  Kyd's  dramen: 

I,  1,42    Thou  art  a  scholar;  speak  to  it,  Horatio! 
Vgl.  Jeron.  (Dodsley-Hazlitt  IV,  368): 

Art  thou  a  scholar,  Don  Horatio? 

(Vielleicht  zufällige  Übereinstimmung.) 

I,  4,  85    l'll  make  a  ghost  of  htm  that  lets  me. 
Vgl.  Jeron.  (a.  a.  o.  s.  360): 

Let  me  aJone,  77/  turn  him  to  a  ghost. 
(Charakteristische  Übereinstimmung   in   euphemistischer  ausdrucksweise.) 


II,  2,  240 
Haml.    W hat's  the  nervs? 
Rosencr.    None,  my  lord,  but  that  the  World 's  grorvn  honest. 
Haml.    Then  is  doomsday  near.    But  your  nervs  is  not  true. 
Vgl.  Jeron.  (a.  a.  o.  s.  360): 
Jeron.   Strange  news: 

Lorenzo  is  become  an  honest  man. 
Isab.   7s  this  your  wondrous  news? 
Jeron.   75  it  not  wondrous 

To  have  honesiy  in  hell? 


Haml.  II,  3, 15  wird  das  loos  der  künige  verglichen  mit: 
.    .    a  massy  wheel, 
Fix'd  on  the  summit  of  the  highest  mount. 

Aehnlich  Sp.  Tr.  (Dodsley  V,  61): 

lnfortunate  condition  of  kings, 

.    .    we  are  plac'd  upon  extremest  height, 

.    .    but  ever  subject  to  the  wheel  of  chance. 


Haml.  III,  4, 57 

Hyperion's  curls,  the  front  of  Jove  himself 
Vgl.  Solim.  (Dodsley  V,  333): 

Fair  locks1,  resemblmg  Phoebus'  radiant  beains; 

Smooth  forehead,  like  the  table  of  high  Jove. 


1  Ohne  zweifei  ist  'locks'  zu  lesen  statt  des  'looks'  der  ausgäbe, 
was  nur  einen  schiefen  sinn  gibt,  zu  dem  epitheton  'fair'  nicht  passt, 
und  den  Zusammenhang  der  Schilderung  stört.    Von  den  äugen  ist  erst 


ENTSTEHUNG  DER  HAMLET-TRAGÖDIE.  153 

Haml.  V)  1,  239  ff.  ist  die  bombastische  redcweise  in  dem  streite 
zwischen  Hamlet  und  Laertes  vergleichbar  mit  dem  Wortgefecht  zwischen 
Andrea  und  Balthazar  im  Jeron.  (Dodsley  IV,  364): 

Bai.    /  teil  thee,  noble  spiril, 

I  *d  wade  up  to  the  knees  in  blood,  I  *d  make 
A  bridge  of  Spanish  carcasses,  to  Single  thee 
Out  of  the  gasping  army. 
And.     Wo ot  thou,  prince?    .... 
Bai.    Tut,  love  nie,  man,  ruhen  tve  have  drunk 
Hot  blood  together    .... 
(der  letzte  ausdruck  findet  sich  Hamlet  III,  2,407:  now  could  I  drink 
hot  blood  .  .  .).  

Haml.  V,  2,375: 

0  proud  death, 

What  feast  is  toward  in  thine  eternal  cell, 
That  thou  so  many  princes  at  a  shot 
So  bloodily  hast  slrucjc? 

Aehnliches  gleichniss  Jeron.  (Dodsley  IV)  s.  387: 

Notv  death  doth  heap  his  goods  up  all  at  once, 
And  crams  his  storehouse  to  the  top  rvith  blood. 


Vielleicht  ist  es  nicht  ohne  bedeutung,  dass  stileigentlim- 
liehkeiten,  die,  wenn  auch  nicht  ausschliesslich,  so  doch  vor- 
wiegend Kyd  angehören,  sich  gerade  im  Hamlet  an  einigen 
stellen  finden.  So  sind  bei  Kyd  epitheta,  die  mit  participien  zu- 
sammengesetzt sind,  beliebt  (Markscheffel  a.a.  o.I,  s.  18).  Aehn- 
lich  im  Hamlet:  seeming-virtuous  I,  5,  47  (vgl.  chastest-seeming 
Dodsley  IV,  359),  heaven-kissing  III,  4,  59,   wonder-rvounded  V, 

1,  280,  shrill'sounding  I,  1,  151. 

Paradoxa,  kontraste,  oxymora  wendet  Kyd  mit  Vorliebe  an 
(Markscheffel  a.  a.  o.  I,  s.  18).    Dazu  vergleiche  man  Haml.  I, 

2,  10  with  a  defeated  joy\  I,  2,  12  With  mirth  in  funeral  and 
with  dirge  in  marriage,  und  die  schon  angeführten  stellen  I,  2, 
72;  111,  2,  208,  288;  ferner  III,  4,  178  /  must  be  cruel,  only  to 
be  kind]  III,  4,  161  That  monsler  custom  .  .  of  habits  devil,  is 
atigel  yet  in  this\  I,  2,  43  bent  safety  his  in  fear. 

Eine  eigenttimlichkeit,  die  Kyd  mit  anderen  älteren  dra- 
m atikern,  z.  b.  Mario we,  gemein  hat,  welche  aber  von  Shake- 
speare sonst  nur  in  geringem  masse  geteilt  wird,  ist,  dass  er 

nachher  die  rede;  die  stelle  gehört  zu  einer  Schilderung  der  bestandteile 
weiblicher  Schönheit,  welche  genau  von  oben  nach  unten  geht:  locks, 
forehead,  eyebrorvs,  eyes,  Ups,  cheeks,  neck,  breasts. 


154  SARRAZIN, 

seine  figuren  von  sich  selbst  in  der  dritten  person  sprechen 
lässt,  z.  b.  Sp.  Tr.  (Dodsley  V)  s.  103,  131,  136,  155,  163,  165. 
Ebenso  redet  im  Hamlet  der  könig  (I,  2,34;  V,  2,82),  die 
königin  (V,  2,  300),  Fortinbras  (IV,  4,  2),  Hamlet  (V,  2,  244)  in 
der  dritten  person  von  sich. 

Ein  Wortspiel  wie  Haml.  1, 2, 65:  (A  Uttle  more  than  kin,  and 
less  than  kind'  scheint  mehr  in  Kyd's  als  in  Shakespeare^  ge- 
schmack;  vgl.  Corn.  (Dodsley  V)  8. 199:  their  death  (pur  dearth) 
Haih  hid  them  both  emborvelVd  in  the  earth.  Doch  soll  auf  die 
letzteren  Stilähnlichkeiten  kein  grosses  gewicht  gelegt  werden. 

So  viel  wird  indessen  durch  die  vergleich ung  bewiesen  sein, 
dass  ein  bestimmter  literarhistorischer  Zusammenhang  zwischen 
dem  Hamlet  und  Kyd's  dramen  bestehen  muss.  Man  könnte 
nun  freilich  immer  noch  diesen  Zusammenhang  so  erklären, 
dass  Shakespeare  Kyd's  stil  und  kompositionsweise  im  Hamlet 
nachgeahmt  habe.  Dass  er  Kyd's  dramen  kannte  ist  von  vorn- 
herein wahrscheinlich,  und  wenigstens  für  die  Spanische  Tra- 
gödie durch  die  bekannte  anspielung  im  Vorspiel  zur  Bezähmten 
Widerspänstigen  sicher.1  Es  kann  auch  kaum  einem  zweifei 
unterliegen,  dass  Shakespeare  bisweilen,  namentlich  in  seinen 
Jugenddichtungen,  Kyd's  stil  bewusst  oder  unbewusst  nachge- 
ahmt hat.    So  lässt  sich  vergleichen: 

Sp.  Tr.  (Dodsley  V,  21): 

Then  rest  we  here  arvhUc  in  our  unresl 
Tit.  Andron.  IV,  2,  31: 

Buhlet  her  rest  in  her  unrest  awhile 

(Uhulich  Richard  III.,  IV,  4,  29). 

Sp.  Tr.  (Dodsley  V,  24):    my   heart  grorvn  hard  gainst  mischte fs 

battery. 
Venus  and  Adon.  426:  for  where  a  heart  is  hard,  they  (viz.  your 

feigned  tears)  make  no  battery. 

Sp.  Tr.  (Dodsley  V,  II)): 

So  hares  may  pull  dead  lions  by  the  bead 

King  John  II,  1,  137: 

You  are  the  hare  of  rvhom  the  proverb  goes, 
Whose  valour  plucks  dead  lions  by  the  heard. 

Sp.  Tr.  (Dodsley  V,  G7): 

0  lifel  no  life  but  iively  form  of  dealh! 

1  In  King  John  I,  1,  244  kommt  auch  eine  anspielung  auf  eine  figur 
aus  Soliman  und  Perseda,  Basilisco,  vor. 


ENTSTEHUNG  DER  HAMLET-TRAGÖDIE.  155 

Rom.  and  Jul.  IV,  5,  58: 

0  love!  0  life!  not  life,  but  love  in  death! 

Selbst  noch  bis  in  spätere  tragödien  Shakespeare's  lässt 
sich  der  einfluss  von  Kyd  verfolgen.  So  scheint  mir  z.  b.  die 
zweite  scene  des  ersten  aktes  von  Macbeth  angeregt  durch  die 
erste  scene  der  Sp.  Tr.  In  beiden  fällen  lässt  sich  ein  könig 
nach  einer  schlacht  bericht  erstatten  über  den  verlauf  dersel- 
ben, in  der  Sp.  Tr.  durch  einen  general,  in  Macb.  durch  einen 
verwundeten  Offizier;  die  worte,  in  denen  der  könig  seinen  dank 
und  seine  anerkennung  ausspricht,  klingen  deutlich  an: 

Sp.  Tr.  (Dodsley-Hazlitt  V,  15): 

These  words,  these  deeds  become  thy  person  well, 

Macb.  I,  2 : 

So  well  thy  words  become  thee  as  thy  wounds. 

Aehnliche  anklänge  und  Übereinstimmungen  mit  Kyd,  be- 
sonders im  metaphorischen  ausdruck,  liessen  sich  gewiss  noch 
mannigfach  aus  Shakespeare's  dramen,  besonders  denen  seiner 
ersten  periode,  beibringen.  Es  scheint  mir  auch,  dass  Shake- 
speare in  der  anwendung  der  stichomythie,  der  alliterierenden 
antithese,  der  anaphora  und  anderer  rhetorischer  figuren  von 
Kyd's  stil  im  allgemeinen  wesentlich  beeinflusst  worden  ist. 

Allein  zwischen  derartigen  reminiscenzen  und  nach- 
ahmungen  und  den  anklängen  im  Hamlet  bestehen  doch  er- 
hebliche unterschiede. 

Zunächst  fällt  auf,  dass  sonstige  reminiscenzen  so  weit  ich 
beobachten  konnte,  immer  nur  genauere  bekanntschaft  mit  der 
Sp.  Tr.  verraten,  die  bei  den  Kyd-anklängen  im  Hamlet  gerade 
verhältnissmässig  schwach  vertreten  ist.  Die  Sp.  Tr.  war  be- 
kanntlich ein  zugstück  der  elisabethanischen  zeit,  das  sich 
auch  noch  neben  Shakespeare's  dramen  lange  zeit  auf  dem 
repertoir  erhielt  und  von  Ben  Jonson  neu  bearbeitet  wurde. 
In  der  hauptrolle  (Jeronimo)  trat,  nach  einer  anspielung  im 
Satiromastix,  Shakespeare's  freund  Ben  Jonson  auf  (Dodsley 
IV,  361).  Shakespeare  wird  vielleicht  selbst  oft  darin  mitge- 
spielt, jedenfalls  die  Sp.  Tr.  häufig  gehört  haben.  Es  ist  also 
leicht  erklärlich,  dass  gerade  verse  und  Sätze  dieses  Stückes 
in  der  erinnerung  des  grossen  dichters  haften  blieben. 

Kyd's  schwächere  dramen  aber  verschwanden  wahrschein- 
lich sehr  bald  von  der  bühne;  die  Cornelia,  ein  handlungs- 
armes buchdrama,  wurde  gewiss  überhaupt  nicht  aufgeführt, 


156  SARRAZIN, 

Es  wäre  unter  diesen  umständen  sehr  sonderbar,  wenn  Shake- 
speare im  Hamlet  gerade  diese  unbedeutenden  dramen  nach- 
geahmt hätte. 

Ausserdem  ist  nicht  zu  verkennen,  dass  die  Kyd-anklänge 
im  Hamlet  einerseits  häufiger  sind,  andererseits  viel  leichter 
und  ungezwungener  erscheinen,  als  in  anderen  dramen  Shake- 
speare^, und  dass  sie  eine  viel  intimere  Vertrautheit  mit  dem 
stil  Kyd's  voraussetzen.  Einen  einzelnen  charakteristischen 
vers  oder  satz,  einen  vergleich,  ein  gleichniss  kann  ein  dichter 
einem  anderen  leicht  abborgen  oder  nachahmen;  aber  eine 
längere  partie  eines  Stückes  oder  gar  ein  ganzes  stück  kon- 
sequent im  stil  eines  anderen  zu  schreiben,  dazu  gehört  eine 
geistige  Selbstverleugnung  und  eine  fähigkeit  des  anempfin- 
dens,  die  wol  nur  bei  sehr  wenig  dichtem  anzutreffen  ist,  am 
wenigsten  bei  einem  so  originalen  wie  Shakespeare.  Ganz 
unwahrscheinlich  aber  ist  es,  dass  Shakespeare  auf  der  höhe 
seines  dichterischen  Schaffens  sich  dazu  bequemt  haben  sollte, 
den  stil  eines  älteren,  viel  unbedeutenderen,  dichtere  syste- 
matisch nachzuahmen,  wie  wir  es  bei  jener  Voraussetzung  für 
den  Hamlet  (dessen  erste  abfassung  wol  mit  recht  in  die  jähre 
1597 — 1602  gesetzt  wird)  annehmen  mttssten. 

Die  einzig  wahrscheinliche  erklärung  jener  weitgehenden 
Übereinstimmung  in  stil  und  darstellungsweise,  komposition, 
Charakterzeichnung  und  dramatischen  motiven  dürfte  also  in 
der  annähme  liegen,  dass  Shakespeare's  Hamlet  die  be- 
arbeitung  eines  verlorenen  Stückes  von  Kyd  ist  Und 
zwar  muss  der  grosse  dichter  sich  seinem  Vorgänger  nicht 
bloss  in  dem  allgemeinen  gange  der  handlung  angeschlossen, 
sondern  an  einigen  stellen  sogar  den  Wortlaut  der  original- 
dichtung  beibehalten  haben.  Die  annähme  eines  solchen  Ver- 
fahrens ist  mit  dem,  was  wir  sonst  über  Shakespeare's  dich- 
terisches schaffen  wissen,  sehr  wol  vereinbar.  Die  abhängig- 
keit  von  seiner  vorläge  wäre  z.  b.  nicht  grösser  als  in  Romeo 
and  Juliet. 

Durch  diese  hypothese  erklären  sich  ganz  von  selbst  die 
erwähnten  unshakespearischen  eigentümlichkeiten  in  der  dra- 
matischen behandlung  des  Stoffes:  die  Vorliebe  für  italienische 
namen,  die  streng  katholische  färbung,  die  modernisierung  und 
civilisierung  der  alten  sage;  alle  diese  züge  finden  sich  über- 
einstimmend in  Kyd's  dramen. 


ENTSTEHUNG  DER  HAMLET-TRAGÖDIE.  1 57 

Es  löst  sich  ferner  die  Schwierigkeit,  welche  bisher  darin 
bestand,  dass  man  Shakespeare  direkt  aus  Boisteau  und  Belle- 
forest's  Histoires  Tragiques  schöpfen  Hess  (Shakespeare's  Hamlet, 
herausgegeben  von  Elze,  s.  XV  f.):  ob  Shakespeare  so  viel  Fran- 
zösisch verstand,  um  es  geläufig  lesen  zu  können,  ist  trotz 
Elze's  bemerkungen  (William  Shakespeare  s.  441)  sehr  unge- 
wiss; von  Kyd  aber,  dem  Übersetzer  von  Garnier's  Cornelie, 
können  wir  es  mit  Sicherheit  annehmen. 

Kiel.  Gregor  Sarrazin. 


ÜBER 

DIE  ENTSTEHUNG  DES  ANGELSÄCHSISCHEN 

GEDICHTES  «DANIEL*. 

Unter  den  ags.  gedichten,  welche  in  der  Sammelhandschrift 
Junius  XI  auf  uns  gekommen  sind,  nimmt  der  Daniel  eine  be- 
sondere Stellung  ein,  denn  nur  von  ihm  findet  sich  ein  bruch- 
stück  noch  in  einer  zweiten  handschrift,  dem  Exeterbuche, 
wider.  Bei  Verteilung  der  werke  des  Junius-Caedmon  an  eine 
bestimmte  anzahl  von  dichtem  benutzte  Balg  diese  zweifache 
Überlieferung  als  einen  handgreiflichen  beweis  für  seine  an- 
sieht Über  die  entstehung  des  Daniel.  Die  eigentümliche  art 
von  Balg's  abhandlung  aber,  die  unzuverlässigkeit  seiner  an- 
gaben, sowie  andere  beobachtungen ,  welche  sich  gelegentlich 
der  beschäftigung  mit  Dan.  aufdrängten,  veranlassten  mich  zu 
folgender  Untersuchung  über  die  Verfasserschaft  des  Daniel. 

I.   Zum  Inhalt  und  stil  des  Daniel. 

Morley  und  nach  ihm  Balg  machten  schon  auf  eine  wider- 
holung  in  jenem  teile  unseres  gedichtes  aufmerksam,  welcher 
vom  Schicksale  der  drei  Jünglinge  im  feuerofen  handelt.  Nach- 
dem dieselben  gebunden  und  in  die  flammen  hinabgestossen 
waren,  sandte  ihnen  Gott  einen  engel.  Dieser  trat  zu  ihnen  in 
den  ofen  und  schützte  sie  vor  jeder  Verletzung  durch  das  feuer: 

v.  23s  ff.    engel  in  }>one  ofn  innan  beewom,  Jwr  hie  |>set  agläc  drugon, 
freobearn  fatfimiin  be)>eahte  under  f>am  fyrenan  hröfe, 
ne  mthte  |vah  heora  wlite  je  wem  man. 

Aus  diesem  gründe  lobten  sie  freudig  Gott: 

v.  260  ff.     Kliman  gla?duiöde  jod  wuröedon 

under  paes  faeönie  |?e  gefl^ined  wearö 

frecne  f^res  h&to:  fröobearn  wurdon 

äl&ten  llges  gange;  ne  hie  hiin  \>&t  liiÖ  gedydon. 


HOFER,    DANIEL.  159 

Und  der  könig  selbst  schaute  bereits  das  im  ofen  geschehene 
wunder,  nämlich  die   drei  Jünglinge,  ihrer  fesseln  ledig  und 
unverletzt,  dazu  den  engel  bei  ihnen  (v.  269—274). 
Ausserdem  wird  ausdrücklich  gesagt: 

v.  278  f.    .    .    {?«t  waes  wuldres  god 

{?e  hie  jenerede  wiÖ  }>ara  niöhete, 

so  dass  des  Azarias'  gebet  um  Gottes  beistand  (v.  284 — 333),  z.  b. 

v.  294  ff.    nu  we  J>ec  for  Jreaura  and  for  |>eo-nydum 
and  for  eaömedum  ärna  biddaÖ 
lige  belegde    .... 

in  der  tat  als  ein  anachronismus  erscheint,  indem  seine  erfüllung 
schon  eingetreten  ist,  ehe  es  überhaupt  an  Gott  gerichtet  wurde. 
Und  nach  v.  336  ff.  steigt  abermals  ein  engel  vom  himmel 
herab,  um  im  feuerofen  ein  wunder  zu  tun,  das  durch  einen 
engel  dort  bereits  geschehen.  So  berichten  v.  336  b — 361  die 
nämliche  tatsache  wie  v.  233—279. 

Dem  gegenüber  ist  freilich  bekannt,  dass  die  altgerma- 
nische poesie,  namentlich  auch  die  angelsächsische,  im  allge- 
meinen eine  abneigung  besass  gegen  den  ununterbrochenen 
fortschritt  in  der  erzählung  von  begebenheiten  oder  in  der 
Schilderung  von  zuständen  und  leidenschaften.1  Oft  bricht  der 
dichter  plötzlich  seine  geschichte  ab.  um  ein  anderes  ereigniss 
einzuführen,  auf  einen  anderen  zustand  hinzudeuten,  die  er 
ihrerseits  widerum  erst  dann  weiter  ausspinnt,  nachdem  die 
unterbrochene  geschichte  fortgesetzt  und  beendigt  ist.  Diese 
neigung  findet  sich  nun  gerade  an  denjenigen  stellen  haupt- 
sächlich, welche  in  dem  betreffenden  gedichte  die  grösste  teil- 
nähme erregen,  wie  hier  die  scene  im  feuerofen.  Aber  solche 
eigentümliche  Unterbrechungen,  verschlingungen  und  wider- 
holungen  lassen  sich  nur  bei  berichten  von  dauernden  hand- 
langen oder  zuständen  anbringen,  nicht  dort,  wo  von  dem  ein- 
tritt einer  einmaligen  handlung,  wie  in  unserer  Danielstelle, 
erzählt  wird.  Eine  Stileigentümlichkeit  der  angelsächsischen 
dichtung  kann  den  erwähnten  anachronismus  also  nicht  ent- 
schuldigen. 

Eine  andere  erklärung  desselben  gibt  Heinzel: 

'  *  Rieh.  Heinzel,  Ueber  den  Stil  der  altgermanischen  Poesie.  Strass- 
burg  und  London  1875  (10.  band  der  'Quellen  und  Forschungen  zur  Sprach- 
und  Kulturgeschichte  der  germanischen  Völker'.  Hrsg.  von  B.  ten  Briuk, 
W.  Scherer,  £.  Steinmeyer),  s.  9  f. 


160  HOFER, 

'Die  biblischen  Stoffe  konnten  flir  die  poetische  technik  (sc.  der 
Angelsachsen)  nicht  forderlich  sein.  Vor  allem,  weil  man  sich  an  das 
unverständliche  und  widersprechende  der  biblischen  erzählungen  ge- 
wöhnte ....  Die  geschiente  der  drei  Jünglinge  iin  feuerofen  ist  in 
zwei  abweichenden  fassungen  erhalten,  die  in  der  Vulgata  unmittelbar 
aufeinanderfolgen  .  .  .  Nur  selten  wurden  solche  Unebenheiten  be- 
merkt und  geglättet.  In  der  regel  nahm  sie  der  angelsächsische  Über- 
setzer ehrfurchtsvoll  oder  gedankenlos  in  seine  arbeit  hinüber.'1 

Aber  Heinzers  behauptung  wird,  soweit  sie  die  feuerofen- 
geschichte  angeht,  durch  eine  genaue  prüfung  der  bezüglichen 
bibelstellen  keineswegs  bekräftigt;  denn  von  den  'zwei  ab- 
weichenden, unmittelbar  aufeinanderfolgenden  fassungen'  lesen 
wir  die  erste  in  Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  19 — 23  und  v.  91 — 100,  und 
die  zweite  ebenda  v.  24 — 90,  so  dass  in  Wirklichkeit  diese  in 
jene  eingeschaltet  erscheint.  Dazu  kommt  noch,  dass  die  ein- 
geschaltete durchaus  kein  selbständiger  bericht  derselben  ge- 
schichte  ist.  Ihr  unterscheidendes  merkmal  ist  allein  ihre  apo- 
kryphe natur.  Sie  wurde  in  den  kanonischen  bericht  nur  zu 
dem  zwecke  einer  mehr  ins  einzelne  gehenden,  geheimniss- 
volleren ausschmückung  desselben  eingefügt.  Beide,  die  kano- 
nische mit  der  apokryphischen  fassung,  zusammengenommen 
sind  in  Wirklichkeit  nur  eine  erzählung.  Nur  im  apokryphen 
teile  steigt  der  engel  vom  himmel  herab  in  den  ofen,  wandeln 
die  Jünglinge  in  den  flammen  umher,  ist  die  glut  sommer- 
lich mild. 

Die  bibel  also  bot  keinen  anlass  dazu,  dieselben  ereignisse 
zweimal  zu  erzählen. 

Ten  Brink  seheint  das  auffällige  in  der  fraglichen  stelle 
des  Daniel  durch  die  eigenartige  darstellungsweise  des  dich- 
ters  begründen  zu  wollen: 

'Die  darstellung  (sc.  im  Daniel)  zeigt  weniger  gleichmässig  epi- 
schen gang,  stärkere  einmischung  subjektiver  empfindung  als  in  der 
Genesis.  Während  der  dichter  sich  im  ganzen  ziemlich  kurz  fasst,  von 
der  direkten  rede  wenig  gebrauch  macht,  nicht  gar  viel  episches  detail 
bringt,  verweilt  er  mit  besonderem  nachdruck  auf  den  hauptmomenten, 
entwickelt  dort,  wie  namentlich  in  der  scene  der  drei  männer  im 
feuerofen,  den  ganzen  glänz  und  reichtum  seiner  spräche.7  a 

Gewiss  bilden  die  verse  280 — 409,  besonders  v.  363— 409,  den 
vorzüglichsten  teil  des  ganzen  gedichtes.  Vermag  aber  diese 
trefflichkeit  das  schwierige  in  der  auffälligen  wider  holung,  in 

1  Rieh.  Heinzel,  a.  a.  o.  s.  43. 

*  B.  ten  Brink,  Gesch.  d.  engl.  Litteratur.  1.  bd.  Berlin  1877.  S.  58  f. 


DANIEL.  161 

dem  störenden  anachronismus  zu  mindern  oder  zu  beseitigen? 
Im  gegenteil,  je  glänzender  diese  verse  sind,  um  so  weniger 
kann  die  erwähnte  Unebenheit  in  unserem  gediehte  entschuldigt 
werden. 

Zwei  aufeinanderfolgende  berichte  desselben  ereignisses 
sind  für  die  ursprüngliche  gestalt  des  Daniel  unmöglich;  wir 
haben  uns  entweder  für  den  in  v.  233 — 279,  oder  ftlr  den  in 
v.  280—409  zu  entscheiden.  Nun  steht  der  letztere,  wenn  man 
den  stil  in  dem  übrigen  teile  unseres  gedientes  beachtet,  in 
offenkundigem  gegensatze  zu  diesem,  während  v.  233 — 279  gar 
wol  demselben  entsprechen. 

Im  vergleiche  mit  Beowulf,  Elene,  Exodus,  Judith,  die  ich 
zufällig  heranzog,  überrascht  unser  gedieht  durch  den  häufigen 
versanfang  mit  pä.  Unter  635  versen  (v.  280—409  sind  aus- 
genommen) führen  sich  47  oder  7,4  %  mit  pä  ein,  dagegen 

in  B.    65  verse  oder  2,04  °/0 

„  El.    31       „         „      2,35  „ 

»  Ex.  13      „        „      2,21  „ 

„  Jul.    9       „         „      2,57  „ 

Rührender  reim,  den  andere  ags.  dichter  meiden1  (ausser 

in  feststehenden  ausdrücken  wie  cyninga  cyning,  rvotulda  rvoruld, 

dryhtna  dryhten,  prymma  prym  etc.),  findet  sich  6  mal  im  Dan.: 

v.  5  wearÖ  wl  j  gifen  w ige  na  msenieo 

v.  204  guinan  tö  J>am  gyldnan  jylde 

v.  206  haeftas  hearan  (=  altiores,  superiores)  in  {?isse  he  an  byrij. 

v.  265  ne  se  bryne  beot  nisecgiim  Menden  in  }>am  beote  w&ron. 

v.  266  ac  |>aet  fyr  fyrscyde  tö  )>km 

v.  551  ärcraeftig  är  tö  }>am  aeÖelinge. 

Ausserdem  widerholte  der  dichter  2  mal  ein  wort  mit  der 
hebung  des  zweiten  halbverses  in  der  hebung  des  folgenden 
ersten  halbverses: 

v.  33b    rices  {^oden       :    v.  34a    unhold  )?e öden 
v.  36b    metode  d^rust    :    v.  3Ta    dugoÖa  dyrust. 

Diese  einförmigkeit2  zeigt  sich  ebenfalls  in  der  widerholung 
ganzer  oder  halber  verse,  wie  in  dem  sehr  ähnlichen  bau  von 
ganz-  und  halbversen  an  verschiedenen  stellen  unseres  gedichtes. 

Einander  gleich  sind  folgende  verse: 


1  Dr.  Ferd.  Vetter,  Zum  Muspilli  und  zur  germanischen  Alliterations- 
poesie.   Wien  1672.    8.  45. 

*  Vgl.  Ebert:  'Der  Wortschatz  (sc.  des  Danieldichters)  ist  ein  geringer, 
dieselben  ausdrücke  kehren  oft  unmittelbar  hintereinander  mehrfach  wider  \ 
Allgein.  Gesch.  der  Lit.  des  Mittelalters  im  Abendlande.    III.  bd.,  s.  24. 

Anglia,  XU.  band.  \\ 


162  HOPER, 

v.  1 20  =  v.  469  =  v.  527  (ihnen  ähnlich  v.  79) 
v.  127  ==  v.  134  (ihnen  ähnlich  v.  742) 
v.  151  ==  v.  737;  v.  705  —  v.  749; 

und  die  halbverse: 

v.  30a  =  v.  115a;  v.  32a  =  v.  745a;  v.  504a  =  v.  515a;  v.  600a  = 
v.  668a  =  v. 702a;  v.612a  =  v.638a;  v.621a  =  v.639a;  v.674a  =  v.690a; 
v.  27b  =  v.  132b ;  v.  38b  =  v.  54b  =  v.  699b  (ihnen  ähnl.  v.  206b,  v.  666b); 
v.  110b  =  v.  118b  =  v.  539;  v.  250b  =  v.  492b;  v.  660b  =  v.  724b  = 
v.  730b;  v.  677b  =  v.  713b; 

v.  100a  =  v.  161b  ==  v.  529a;  v.  104b  =  v.  209b  =  v.  229b  =  v.  488a; 
v.  230b  =  v.  533a  =  v.  743a;  v.  704b  =  v.  757a;  v.  723b  =  v.  747a; 
v.  729b  =  v.  733a. 

Fast  gleich  (d.  h.  ihre  abweichungen  sind  geringfügig)  sind: 

v.  12  v.  26;  v.  204  v.  216;  v.  561  v.582;  v.  562  v.583;  v.23b  v.  187b 
v.  28b  v.578bp  v.67b  v.632b;'v.  120b  v.469b  v.649;  v.  162b  v.  541b 
v.  255b  v.  504b;  v.  410b  v.  758b;  v.  517b  v.  585b;  v.  653b  v.  760b 
v.  465  b  v.  533  a. 

Einander  ähnlich1  sind  folgende  verse: 

v.  8  :  v.  686;  v.  27  :  v.  142;  v.  40— 41  :  v.  43— 44;  v.  49  :  v.732;  v.  53 
v.  76;  v.  99-100  :  v.  449-450;  v.  117  :  v.  256;  v.  119:  v.625;  v.  124 
v.  726;  v.  148  :  v.  165;  v.  150  :  v.  548  :  v.736;  v.  154  :  v.  199  :  v.421 
v.  163—165  :  v.  455—456;  v.  165—166  :  v.  483;  v.  173  :  v.  449;  v.  196 
v. 433;  v.  200  :  v. 758;  v.  203  :  v.  540;  v.  217  :  v.432;  v.  230  :  v.  465 
v.  234  :  v.  241;  v.  240  :  v.  437;  v.  269  :  v.  416;  v.  271  :  v.  462;  v.  411 
v.  497;  v.  438  :  v.  466;  v.  448  :  v.  452;  v.  471-472  :  v.  653;  v.  478 
v.  762;  v.  486  :  v.  536;  v.  516  :  v.  559;  v.  537  —  538  :  v.  647  —  648 
v.  542  :  v.  741;  v.  552  :  v.  604  :  v.  731;  v.  564  :  v.626;  v.  605  :  v.  615 
v.  607  :  v.644  :  v.670;  v.613  :  v.636;  v.  689  :  v.  700;  v.  695  :  v.  714 
v.  713  :  v.  725;  v.  752  :  v.  755. 

und  diese  halbverse: 

v.  33a  :  v.  178a  :  v.  224a  :  v.  713a  :  v.  725a;  v.  113a  :  v.  496  a 
v.  1 16a  :  v.  524a;  v.  182a  :  v.  208a;  v.  183a  :  v.  186a;  v.  214a  :  v.  228a 
v.  234a  :  v.  262a  :  v.  466a;  v.  229a  :  v.  519a;  v.  235a  :  v.  237a 
v.  459— 461a:  v.  759— 760;  v.  498a  :  v.  505a  :  v.  509a;  v.  507a  :  v.  513a 
v.  563a  :  v.  584;  v.  706a  :  v.  751a; 

v.  7b  :  v.  24b  :  v.  278b;  v.  9b  :  v.  IIb  :  v.  117b  :  v.  128b  :  v.  500b 
v.  62b:  v.684b:  v.686b;  v.93b:  v.434b;  v.  10Gb— 107  :  v.489b— 490 
v.  119b  :  v.  625b;  v.  163b  :  v.  213b  :  v.  599b  :  v.  604b  :  v.  738b;  v.  183b 
v.  185b;  v.  204b:  v.  208b:  v.  216b;  v.  225b  :  v.  243b;  v.  438b  :  v.  466b 
v.  455  b  :  v.  456  b  :  v.  457b ;  v.  466  b— 467  :  v.  592  b— 593 ;  v.  476  b  :  v.  479  b 
v.  481b;  v.  480b  :  v.  537b;  v.  483b:  v.  557b;  v.  4*6b  :  v.  536b:  v.595b 
v.488b  :  v.  460  :  v.631b;  v.5S8b  :  v.592b;  v.591b  :  v.645b;  v.668b 
v.  670b:  v.  678b;  v.  707b-708  :  v.  710b— 711;  v.  748b  :  v.  755bj 


1  Nicht  mitgerechnet  sind  diejenigen,  welche  ausser  der  gleichen 
eingangspartikel,  wie  sititian,  pä,  nö,  pcet  u.  s.  w.,  nichts  mit  einander 
gemein  haben. 


DANIEL.  163 

v.  3a  :  v.  680b;  v.  17a  :  v.  29 b, :  v.  752 b ;  v.  118a:  v.  597b;  v.  149b: 
v.  640b  :  v.  736a;  v.  490a  :  v.  551b  :  v.  638b;  v.  528b  —  529a: 
v.  605b— 606a;  v.  529b  :  v.  542b  :  v.545a  :  v.  729b. 

Als  besonders  lehrreiches  bei  spiel  sei  angeführt: 

v.  504    twigum  and  telgum  J?&r  he  tö  gesSah  \ 

v.  515    twigum  and  telgum  and  {?eh  tacen  wesan    / 

f    b.  \>&t  he  tö  starude 

v   718  \ 

l    a.  him  J?aet  täcen  wearÖ. 

Diese  beispiele  von  grösserer  oder  geringerer  Überein- 
stimmung ganzer  wie  halber  verse  sind  so  zahlreich  und  offen- 
kundig, dass  sie  notwendig  ihren  Ursprung  in  der  eigenart  der 
person  des  dichters  haben  müssen. 

Untersucht  man  dagegen  zu  gleichem  zwecke  die  verse 
280 — 409,  welche  bei  vorstehender  aufzählung  nicht  mit  ein- 
gereiht wurden,  so  findet  man,  dass  es  innerhalb  dieses  Stückes 
gewiss  verse  gibt,  die  einander  sehr  ähnlich  sind.  Gering  aber 
ist  die  zahl  derjenigen  fälle,  wo  ein  vers  des  bezeichneten 
Stückes  an  einen  vers  des  übrigen,  grösseren  teiles  unseres 
gedichtes  unverkennbar  erinnerte.  Als  solche  können  nur  die 
folgenden  in  betracht  kommen: 

{v.  284      inetod  alwihta!  hwaet  \>u  eart  mihtum  swiö 
v.  14        möd  and  mihte,  metod  alwihta 
{v.  346      }?ä  wses  on  }>am  ofne  \>&r  se  enjel  becwom 
v.  238a    engel  in  }?one  ofn  innan  becwom 
|  v.  299b    burhsittende 

I  v.  660  b  =  v.  724  b  =  v.  730  b  burhsittendum 
i  v.  306  b    sehta  gewealde 
1  v.  757  b   in  his  sehte  jeweald  ^ 

{v.  408  a    heahcyning  heofones 1 
v.  626  a   heofona  hßahcyninj 
v.  331  f.  and  ]>set  }>u  äna  eart  ece  drihten 
weroda  waldend  woruldg esceafta 
v.  761  f.  j?aet  he  w&re  äna  ealra  gesceafta 

drihten  and  waldend  .  .  . 
v.336bf.  Da  of  roderum  wsbs 

enjel  aelbeorht  ufan  onsended 
j  v.  509  f.  J?set  engel  ufan  of  roderum 
*  sttgan  cwöme. 

Das  sind  nur  sieben  fälle,  von  denen  widerum  fünf,  als 
dem  letzteren  teile  unseres  gedichtes  (v.  410  —  schluss)  ange- 
hörig, weiter  unten  ihre  erklärung  finden  sollen.2 

1  Der  singular  von  heofon  findet  sich  nur  hier,  sonst  stets  plural 
dieses  Wortes  in  unserm  gediente. 
*  S.  s.  182,  3  dieser  abhandlung. 

11* 


164  HOFKR, 

Diese  wenig  zahlreichen  aqklänge  und  Übereinstimmungen 

sind  aber  um  so  minder  als  ursprüngliche  erzeugnisse  der  eigen- 

art  des  Danieldichters  anzusehen,  als  sich  im  versbau  und  im 

Wortschätze   recht   auffällige  Verschiedenheiten   zwischen   vers 

280—409  (Dan.  B)  und  dem  übrigen  (Dan.  A)  vorfinden. 

Während  Dan.  A  die  zweistäbige  alliteration  vorzieht,  Überwiegt  in 
Dan.  B  diejenige  mit  drei  Stäben  bedeutend. 

Von  je  100  versen1  haben      in  Dan.  A,      in  Dan.  B 

2  reimstäbe  54  37 

3  reimstäbe  46  63. 

Dan.  B  gebraucht  and  =  et  weit  öfter  als  Dan.  A,  nämlich 
im  auftakt  des  l.halbverses     Dan.  A:  19 mal  =  3°/0 

Dan.  B:  18mai  =  14%; 
im  auftakt  des  2.  halbverses     Dan.  A:  19  mal  =  3% 

Dan.  B:  19mal  =  15%; 
innerhalb  des  l.halbverses       Dan.  A:  26 mal  =  4% 

Dan.  B:  14  mal  =  11%; 
innerhalb  des  2.  halbverses       Dan.  A:    3  mal  =  */*% 

Dan.  B:    5  mal  =  4%. 
Dan.  B  hat  7  mit  tö-  zusammengesetzte  verben: 

töwrecan  v.  301;      töhweorfan  v.  302;      toscüfan  v.  340; 
toswapan  v.  342;     töswendan  v.  342;       tödrtfan  v.  353; 
tudwaescan  v.  353. 

Es  ist  auffällig,  dass  sich  derartige  verben  sonst  nirgends 

in  unserem  gedichte  finden,  und  doch  liebte  der  Danieldichter 

widerholungen.    Ganz  überraschend  jedoch  ist  der  verschiedene 

gebrauch  von  bezeichnungen  für  Gott  in  Dan.  A  und  Dan.  B. 

Dan.  A  Dan.  B 

3 od  v.  21,  24,  S6,  154,  156,  219,  230,  237,  260,  — 

465,  471,  474,  489,  518,  526,  533,  549,592, 
607,617,  630,  644,  651,  670,  714,  738,  743, 
752,  755 

aelmihtij  . .  v.  426  — 

. .  an  öce  v.  422  — 

. .  [öce]  v.  658  — 

. .  mihtig  —  v.  373 

. .  frea  v.  65 1  — 

wuldres  . .  v.  278  — 

drihten  v.  32,  37,  87,  150,  258,  438,  445,  456,  v.  282 

466,  721,  736,  745 

öce  . .  —  v.  310, 331, 360, 382, 397 

1  Nicht  gezählt  sind  die  verse  192,  207,  225,  240,  272,  282,  289,  293, 
397,  407,  460,  477,  528,  591,  658,  704,  711  wegen  zweifelhafter  Überlieferung 
und  V.  59,  203—205,  226,  228,  233,  234,  236-239,  241  -246,  262—271,  436, 
445,  448,  450,  452,  453,  455—458  als  schwell  verse. 


DANIEL.  165 


Dan.  A 

Dan.  B 

Israeia  ece  ..                          v.  717 

— 

ece  . .  selmihtig                         v.  477 

— 

hälig  ..                                      v.  12 

v.  293,  405 

witig  ..                                         — 

v.  404 

wereda  . .                                  v.  220 

— 

ealra  gesceafta  . .  and  waldend  v.  761 

— 

heahcyning                            v.  198 

— 

. .  heofones                                  — 

v.  408 

heofona  . .                                 v.  626 

— 

wereda  wuldorcyning             —    . 

v.  309 

witij  . .  worlde  and  heofona  v.  427 

— 

bylywit  faeder                            — 

v  363 

. .  selmihtig                                  — 

v.  401 

frSa                                             — 

v.  351 

. .  mihtig                                      — 

v.  378 

. .  folca  gehwses                           — 

v.  401 

jod  ..                                        v.  651 

— 

liffirea                                           — 

v.  396 

liffruma                                      v.  643 

— 

llfes  leohtfruma                            — 

v.  409 

metod  v.  4,  20,  36,  56,  92,  119,  169,  174,  235 

v.  335,  399,  4 

538,  567,  590,  625,  631,  648,  659,  681 

halig  . . 

v.  443 

— 

sööfaest  .. 

— 

v.  333,  384 

. .  selmihtig 

v.  494 

— 

. .  alwihta 

v.  14 

v.  284 

an  . .  reccend  and  rice 

v.  579 

— 

^doden 

— 

v.  358 

unhold  .  . 

v.  34 

— 

rices  . . 

v.  33 

— 

jumena  weard 

v.  237 

— 

heofonrices  . . 

v.  1 2,  26 

— 

hälig  heofonrices  .. 

v.  458 

— 

wuldres  . . 

v.  760 

— 

waldend 

v.  241 

— 

mihta  . . 

v.  448 

— 

m&re  mihta  . . 

v.  452 

— 

rodora  .  . 

v.  457 

v.  291 

f>eoda  .. 

— 

v.  361 

wuldres  .  . 

v.  13 

— 

weroda  . .  wuldorjesceafta 

— 

v.  332 

ealra  gesceafta  drihten  and  . 

.  v.  761 

— 

hyrde  göd 

v.  11 

— 

gästa  . . 

v.  199 

— 

haeleÖa  helpend 

— 

v.  403 

nervend 

— 

v.  375 

niöa  .. 

—- 

v.  313 

166  HOFBR, 


Dan.  A 

Dan.  B 

säwla  . . 

— 

v.  402 

Ähta  scyppend 

— 

v.  392 

gästa  . . 

— 

v.  292,  315 

sijora  settend 

— 

v.  333 

löansellend 

— 

v.  396 

aelmihtig 

v.  274,  485 

v.  368 

häng  gast 

— 

v.  403 

äna  ece  . . 

v.  627 

— 

Ergebniss:  Dan.  A  erwähnt  die  person  Gottes  an  96  stellen 
und  gebraucht  an  34  davon  den  ausdruck  god;  Dan.B  hat  dieses 
wort  nur  an  einer  einzigen  stelle  unter  39. 

weard  und  hyrde,  welche  in  Dan.  A  mehrfach  vorkommen, 
fehlen  in  Dan.  B  ganz;  dagegen  hat  der  letztere  fceder  und 
die  nomina  agentis  scyppend,  nervend,  helpend,  settend,  die  in 
Dan.  A  nicht  zu  finden  sind;  frea  erscheint  4  mal  in  Dan.  B, 
1  mal  in  Dan.  A. 

Bezeichnungen  für  die  drei  Jünglinge: 

Dan.  A  Dan.  B 

weras  Ebrea    v.  97,  215  wer    v.  283,  334 
haiige                v.  252,  267,  481  v.  281,  334,  352 

]>Tf  v.  93,  188,  272,  413  v.  358,  361. 

Nur  in  Dan.  A  kommen  vor: 

Abrahame*  bearn  v.  193;  freobearn  v.  239,262;  beornas  v.  232,428; 
cnihtas  v.  83, 89, 196,  226, 267,  431, 472, 475;  eorlas  v. 210;  . .  Ebrea 
v.  257;  . .  Israela  v.  189;  guman  v.  204, 216,  260, 440;  haeleÖ  v.  434; 
hyssas  v.  217,  231,  252,  271,  432,  445,  462;  haeftas  bearan  v.206; 
hälige  gästas  v.  481;  maecgas  v.  265;  godes  spelbodan  v.  230,  465 
(vgl.  v.  533,  743). 

«Öele  v.  89;  &f«ste  v.  89,  248,  272;  w&rfseste  v.  194;  bltße  v.256; 
bliÖemödo  v.  253;  glacdmöde  v.  260;  gtöawroöde  v.  440;  jladc 
v.  439;  cynejöde  v.  196,  433;  freagleawe  v.  88;  jcongc,  311136, 
jenge  v.90,  102,  211,  232,  422,  434;  hale  v.  271;  bearde  v.94,  432; 
hige^ancle  v.  94;  leofe  v.  249;  metodo  jecorcnc  v.  92  (vgl.  v.  150, 
736);   göde  in  jods&de  v.  90. 

Allein  in  Dan.B  finden  sich: 

d&dhwate  v.  353;  mödhwate  v.  357;  d&da  ^eorn  v.  282;  womma 
leas  v.  283;  mödum  horsce  v.  362. 

Charakteristisch  ftlr  Dan.  A  sind  die  adjektivzusammen- 
Setzungen  auf  -fmsle,  -möde,  für  Dan.  B  die  auf  -hwate. 

Bezeichnungen  wie:  cnihtas,  beornas,  eorlas,  guman, 
hyssas,  geonge,  die  in  Dan.  A  ziemlich  oft  begegnen,  fehlen 
in  Dan.  B. 

Dan.  A  deutet  mehrfach  auf  die  freudige,  heitere  Stimmung 


DANIEL.  167 

der  drei  Jünglinge  hin,  welche  in  Dan.  B  nur  als  klug,  tätig, 
makellos  erscheinen. 

Die  schürenden  knechte  werden  genannt  in  Dan.  A: 

scealcas  v.231,  253;  esnas  v.244;  läöe  inen  v.  251;  h&Öne  v.  252; 
h&Öene  haeftas  v.  267;  werige  v.  268;  töonfulle  v.  255; 

in  Dan.  B: 

feondas  v.  345. 

Bezeichnungen  für  das  feuer  im  ofen: 

Dan.  A  Dan.  B 

&led,  älet  v.  243,  254  — 

b£l  v.  414  — 

b&lblyse  v.  232  — 

bryne  v.  265,  455  — 

fyres  . .  v.  461  — 

. .  bläcan  fyres  v.  246  — 

fyr 

fr§cne  .. 
hat  . . 

byrnende  . . 
byrnende  f^res  leoma 
faeöm-fyres  lij 
fr£cne  f^res  h&to 
frecne  fyres  lig 
frecne  fyres  wylm 

Itg 
hat  . . 

läcende  . .  v.  476  — 

liges  leoma                                  —  v.  343 

wylm  )?8es  waefran  Hjes  v.  241  — 

wylm  v.  464  — 

Ergebniss:  Von  diesen  ausdrücken  sind  eigentümlich  dem 
Dan.  B:  hat  fj/r  und  hat  Hg,  dem  Dan.  A:  feled,  bcel,  bryne,  wylm, 
vor  allen  aber  die  Verbindung  frecne  fyr  [celed,  bcel,  bryne,  gled 
finden  sich  im  Azarias  wider). 

Die    hitze   des    ofen 8,   welche    sich    den    drei  Jünglingen 

gegenüber  in  eine  milde  wärme  verwandelt,  wird  beschrieben 

in  Dan.  A  als: 

sunnan  sclma  v.  264 ;    )>onne  sunne  scineÖ  v.  276 ;    ]?onne  deaw-drlas 
weorÖeÖ  winde  jeondsäwen  v.  277; 

anders  in  Dan.  B: 

windig  and  wynsuin  v.  347;  |>onne  sended  weorÖeÖ  dropena  dröarung, 
weannlic  wolcna  scür  v.  348. 

Als  ergebniss  geht  aus  vorstehenden  vergleichenden  be- 
trachtungen  über  stil  und  Wortschatz  von  Dan.  B  hervor,  dass 


v.  266,  438, 

463 

v.  345,  351 

v.  466 

— 

— 

v.  341 

— 

v.  374 

v.  414 

— 

v.  234 

—  • 

v.  262 

— - 

v.  228 

— 

v.  214 

— 

v.  465 

— 

v.  249,  251, 

263 

v.  296,  340 

— 

v.  281,  352 

168  HOFER, 

dieser  teil  unseres  gedichtes  in  offenbarem  gegensatze  zu  Dan.  A 
steht;  er  kann  nicht  das  ursprüngliche  erzeugniss  des  Daniel- 
dichters sein,  sondern  wurde  in  unser  gedieht  hineingearbeitet 
Von  wem,  das  werden  wir  späterhin  erwägen. 

II.    Daniel  B  (v.  280-409). 

In  der  dissertation:  'Der  Dichter  Csedmon  und  seine  Werke' 
sagt  Balg: 

'Wir  sind  der  meinung,  dass  die  verse  280—410  und  422—427 
teile  eines  älteren,  in  den  Daniel  hineingearbeiteten  gedichtes  sind 
(s.  27).  Ihrem  ganzen  Charakter  nach  passen  die  verse  280—410  und 
422—427  (Dan.  B)  nicht  zu  den  vorhergehenden.  So  einfach  und 
schmucklos  die  verse  1 — 280  und  427—486  (Dan.  A)  sind,  so  reich 
poetisch,  kunstvoll  und  glänzend  ist  B.  Gebraucht  der  dichter  von 
A  in  den  ersten  280  versen  im  ganzen  nur  für  12  verse  die  direkte 
rede1,  so  sind  in  B  überhaupt  nur  33  verse,  in  welchen  die  direkte 
rede  keine  anwendung  findet  (s.  28).  Die  verse  422—427  scheiden 
wir  aus,  und  erhalten  hierdurch  von  v.  427  —  486  ein  einheitliches  ge- 
dieht. Durch  diese  ausscheidung  lösen  wir  auch  einen  Widerspruch 
im  inhalt  etc.  (s.  29).  Die  hier  aufgezählten  sprachlichen  Verschieden- 
heiten werden  wol  genügen,  um  einen  jeden  zu  überzeugen,  . . .  dass 
der  teil  B  zu  einem  grösseren,  nicht  mehr  vorhandenen  gediente  ge- 
hört, von  dem  eben  nur  noch  die  betreffenden  verse  280 — 410  und 
422—427  und  das  im  Exeter  Book  vorhandene,  bei  Grein  unter  dem 
titel  "Azarias"  abgedruckte  bruchstück  existieren1  (s.  32). 

Zunächst  kann  man  den  Zahlenangaben  Balg's  den  Vor- 
wurf der  ungenauigkeit2  nicht  ersparen.  Zweifellos  nimmt  er 
die  verse  280—409  und  421—427  einschl.  für  Dan.  B  in  an- 
spruch,  denn  v.  422  gingum  icedelinge  ist  von  v.  421  hwä  pä 
gyfe  sealde  als  abhängiger  dativ  unmöglich  zu  trennen.  Und 
dann  zähle  ich  sechzehn  verse  mit  direkter  rede:  v.  130 — 133, 
136—144,  206—208.  Doch  das  sind  kleinigkeiten.  Was  nun 
v.  421—427  anbelangt,  so  haben  wir  keine  veranlassung,  die- 
selben für  hineingearbeitet  zu  halten,  da  sie  weder  eine  wider- 


1  Warum  lässt  Balg  den  übrigen  Dan.  A  (v.  410—420  428—765)  un- 
berücksichtigt, wo  sich  mehr  als  90  verse  mit  direkter  rede  finden? 

*  Auf  die  eigentümliche  art  dieser  abhandlung  hat  schon  profeasor 
WUlker  hingewiesen  (Grundr.  z.  Gesch.  d.  ags.  Litteratur  s.  129).  Betreffs 
der  glaubwürdigkeit  der  angaben  Balg's  bemerke  ich,  dass  in  der  wort- 
zusammenstellung  (s.  34—30),  von  accentversehen  und  gegen  20  drnck- 
fehlern  abgesehen,  sich  über  20  Wörter  aufgezählt  finden,  welche  tatsäch- 
lich in  Gen.  oder  Rxod.  oder  in  beiden  vorkommen,  darunter  onewefian 
6  mal,  sil  4  mal,  biter  3  mal,  beodan  4  mal  in  Gen.,  2  mal  in  Exod.  Dafür 
sind  allerdings  9  andere  Wörter,  die  sich  nur  im  Dan.  finden,  von  Balg 
weggelassen  worden. 


DANIEL.  169 

holung,  Doeh  einen  widersprach  im  inhalte  des  gedichtes  ver- 
anlassen, wie  professor  Wülker  nachgewiesen  hat.1 

Die  frage  nach  dem  ursprünglichen  umfange  von  Dan.  B 
(v.  280 — 409)  aber  kann  ich  nicht  anders  beantworten  als  mit 
der  behauptung,  dass  weder  am  eingange,  noch  am  ende  dieses 
Stückes  etwas  fehle.  Es  ist  vollständig  so,  wie  wir  es  im  ms. 
Jun.  XI  haben.  Dagegen  fehlen  in  seinem  innern  einige  verse 
an  verschiedenen  stellen:  ein  vers  zwischen  v.  378  und  379, 
zwei  verse  zwischen  v.  392  und  393,  ein  vers  zwischen  v.  393 
und  394.  Andererseits  ist  v.  397  erst  später  eingeschaltet  wor- 
den; ebenso  vielleicht  v.  289.2 

Zum  beweise  dieser  behauptungen  vergleiche  man  die 
quelle  von  Dan.  B. 

Dan.  B  setzt  sich  aus  vier  teilen  zusammen: 

1.  (v.  280 — 283)  einleitung,  welche  auf  des  Azarias  befin- 
den im  ofen  hindeutet  und  vorbereitet  zum  folgenden 

2.  gebet  des  Azarias  um  Gottes  hilfe  (v.  284—333), 

3.  erflillung  des  gebetes  (v.  334—362), 

4.  lobgesang  der  drei  Jünglinge  im  ofen  (v.  363 — 409). 
Das  ist  genau  der  inhalt  der  apokryphen  interpolation  im 

3.  kapitel  des  biblischen  buches  Daniel.  Hieronymus  grenzte 
dieselbe  in  der  Vulgata  durch  'quce  sequuntur,  in  Hebrceis  volu- 
minibus  non  reperi'  nach  v.  23  und  'hucusque  in  Hebrceo  non 
habetur:  et  quce  posuimus,  de  Theodotionis  editione  translata 
sunt'  vor  v.  91  ab.3 

Es  sind  jedoch  offenkundige  anzeichen4  dafür  vorhanden, 
dass  nicht  die  Vulgata  als  quelle  für  Dan.  B  diente,  sondern 
eine  jener  alten  lateinischen  Übersetzungen  der  Septuaginta5, 
welche  vor  der  Vulgata  vorhanden  und  im  gebrauch  waren. 


1  Grundr.  s.  130,  anm.  1. 

2  Dieser  vers  zeigt,  obwol  er  die  mindestzahl  von  silben  nicht  ent- 
hält, eine  beabsichtigte  zweifache  allitcration  und  ist  vielleicht  von  einem 
Schreiber  zugefügt  worden. 

3  'Dieses  stück  findet  sich  im  cod.  Alex,  nach  den  psalmen  gestellt 
als  hymnus  IX  und  X.  Diese  handschrift  steht  in  dieser  beziehung  keines- 
wegs vereinzelt,  vielmehr  sind  vielen  psalterien  diese  und  andere  biblische 
hymnen  angefügt.  Schon  im  Vet.  Lat.  scheinen  die  hymnen  diese  stelle 
erhalten  zu  haben.'  O.  Fr.  Fritzsche,  Handbuch  z.  d.  Apokryphen  bd.  I, 
Leipzig  1851,  s.  112. 

4  Vgl.  s.  193  f.  dieser  abhandlung. 

•"'  Das  buch  Daniel  war  in  dieser  griechischen  Übersetzung  des  alten 
testamentes,  deren  sich  die  alte  christliche  kirche  bediente,  zu  frei  und 
willkürlich  behandelt  worden;  man  ersetzte  dasselbe  dämm  in  der  LXX 
durch  die  griechische  genauere  Übersetzung  des  Theodotion  (vergleiche 


170  HOFER, 

In  der  Septuaginta  folgt  auf  Dan.  c.  III,  v.  23  die  Über- 
schrift: 'IlQooevxfj  jiC,aQlov  xal  v/ivog  xd>v  xqicop'.  Dieser  ab- 
schnitt, dessen  verse  von  1  anfangend  gezählt  werden,  beginnt 
mit  dem  verse:  'xal  övoräg  A^aQiaq  XQoötjvgaxo  ovxax;  .  xal 
avolgaq  xo  özofia  avxov  Iv  (teöcp  xov  jtvQÖq  eljiev'  (=  Vulg. 
Dan.  c.  111,  v.  25).  Dem  entspricht  der  erste  teil  von  Dan.  B 
(v.  280—283). 

Die  in  der  LXX  folgenden  verse  2—21  =  Vulg.  Dan.  c.  III, 
v.  26 — 45  enthalten  das  gebet  des  Azarias,  welches  der  Angel- 
sachse ziemlich  frei  in  v.  284— 333  paraphrasiert  hat. 

LXX  v.  22—24  =  Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  46—48  sind  angel- 
sächsisch nicht  widergegeben. 

LXX  v.  25—26  =  Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  49  -50  finden  ihre 
paraphrase  im  ags.  Dan.  v.  334 — 353  a. 

In  v.  353b— 361a  holte  dann  der  Angelsachse  nach,  was 
er  am  anfange  der  apokryphen  interpolation  der  bibel  (LXX 
c.  111,  v.  23  =  Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  24)  bei  seiner  paraphrase, 
offenbar  absichtlich,  ausgelassen  hatte,  zumal  dieser  vers  zur 
IlQoösvxi]  Ä^aQiov  nicht  gehört 

Welche  veranlassung  hätte  der  ags.  dichter  zu  dieser  Um- 
stellung gehabt,  wenn  er  seine  dichtung  nicht  mit  v.  280  be- 
gonnen hätte? 

LXX  v.  27  =  Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  51  =  ags.  Dan.  v.  361b— 362 
enthält  die  ankündigung  des  lobgesanges  der  drei  Jünglinge, 
der  in  LXX  v.  28—67  =  Vulg.  v.  52—90  folgt. 

LXX  v.  28 — 33  =  Vulg.  v.  52—56  sind  ohne  ags.  paraphrase 
geblieben,  während  ags.  Dan.  v.  400 — 409  nichts  gleichwertiges 
in  der  bibel  auffinden  lassen. 

In  ihrem  lobgesange  fordern  die  Jünglinge  die  geschöpfe 
des  himmels  und  der  erde  zum  preise  Gottes  auf.  Die  Ord- 
nung nun,  nach  der  diese  geschöpfe  aufgezählt  werden,  weicht 
in   der  LXX  von  derjenigen  in  der  Vulgata   beträchtlich  ab. 

C.  v.  Lengerke,  Buch  Daniel,  Königsberg  1835,  s.  CVI  f.;  O.  Fr.  Fritzsche, 
bd.  I,  s.  113  f.;  Herzog's  Keal-Encyklopädie  für  protestantische  Theologie 
und  Kirche  bd.  I,  Leipzig  1877,  s.  283).  Mit  Septuaginta  ist  im  folgenden 
immer  des  Theodotion  Daniclubcrsetzuug  gemeint.  Die  stellen  werden 
angeführt  nach: 

Vctus  Testamentuni  CJraece  juxta  LXX  interpretes  ed.  Constantinus 

Tischendorf.    Editio  quarta.    Tomus  11.    Lipsia-  1869. 
Biblia  sacra  veteris   et  vulgatse    editionis   iuxta    exemplar  Yaticanum 

opera   et   impensa   recusa   presulis  Jonannis  Fortunati  Zam- 

boni.    Ronise  1616. 


DANIEL. 


171 


Der  Angelsachse  stimmt  hierin  zumeist  mit  jener  überein,  wie 
aus  folgender  Zusammenstellung  erhellt: 


■1 

Ags.  Dan. 

LXX 

Vulg.  Dan.  c.  III 

v.  364    woruldcrefta 

1  v.  34  navxa  xa  igya 

v.  57  omnia  opcra 

wlite  and   weorca 

■ 

jehwilc 

1 

v.365 

heofonas 

v.  35  ovgavoi 

v.  59  csel! 

< 

englas 

v.  36  ayysXoi 

v.58  angeli 

hluttor   waBter 

v.  37  vöaxa 

v.  60  aquae  omnes 

v.  366  f.  )?ä  \>e  on  rode-  \  v.  38  näoaiaidvvafxeiq      v.  61  \  omnes   virtutes 

rum  on  rihtre  ge-  {  \  Domini 

sceaft   wuniaÖ    in 

wnldre  * 
v.  369— 37  la  sunne  and      v.  39  tjXioq  xal  oekrjvTj      v.  62  sol  et  luna 

nidna 
v.  371b  heofonsteorran 


v.  372   deaw  and  deor 

scür 
v.  373  gästas 

v.  374  byraendefyr  and 

beorht  sumor 
y.  375  niht  and  d%£ 

•v.  376  a  landa  gehwilc 
v.  376  b  leoht  and  Jjßos- 

tro 
v.  377  hat  and  ceald 
v.  376  forstas  and  snä- 

was 
ii  (1  vere  fehlt  im  ms.)4 


v.  40  aaxga  xov  ovga-      v.  63  stell«  cseli 

vov 
v.  41  naq    ofxßgoq   xal      v.  64  omnisimberetros 

ÖQoaoq 
v.  42  ndvxa   xa    nvsv- 

fxaxa 
v.  42  nvQ  xal  xavfjia 


v.  65  omnes  Spiritus  Dei 
v.  66  ignis  et  aestus 


v.  46  vvxteq  xal  rffii-      v.  71  noctes  et  dies 

yai* 
v.  51  tj  yfj9 
v.  47  <pwq  xal  oxoxoq 


v.  74  terra 

v.  72  lux  et  tenebrae 


v.  48  tpvxoq  xal  xav/ua      v.  67  frigus  et  aestus 
v.  49  na%vai  xal%ioveq      v.  70  glacies  et  nives 

v.  68  rores  et  pruina 


1  'Die  mächtigen  hiininelsbewohner,  die  himmelsmächte',  vgl.  Fritzsche, 
Handb.  z.  d.  Apokr.  bd.  I,  s.  129. 

2  Vor  diesem  verse  finden  sich  in  manchen  handschriften  noch  zwei 
andere,  deren  Wortlaut  ebenso  streitig  ist  wie  ihre  Stellung  (Fritzsche, 
Handb.  z.  d.  Apokr.  bd.  I,  s.  128).  Dass  diese  beiden  verse  in  der  qnelle 
des  Angelsachsen  fehlten,  ist  um  so  wahrscheinlicher,  als  die  bei  Sweet 
(vgl  unten  s.  178}  abgedruckte  mercische  interlinearversion  des  hymnus 
trium  puerorum  für  dieselben  (s.  414,  z.  7)  auch  nichts  entsprechendes  auf- 
weist. Genannte  interlinearversion  folgt,  was  ausdrücklich  erwähnt  sei, 
in  der  reihenfolge  bei  aufzählung  der  geschöpfe  durchaus  der  LXX,  nicht 
der  Vulgata. 

3  Diese  Umstellung  im  ags.  gedieht  wurde  wol  durch  den  Stabreim 
auf  /  mit  folgendem  leoht  verursacht. 

4  Der  inhalt  des  ausgefallenen  ags.  verses  und  des  v.  379  a  kann 
ebenso  gut  eine  von  dem  ags.  dichter  vorgenommene  ausspinnung  von 
LXX  v.  48  u.  49  wie  eine  widergabe  von  LXX  v.  44  Qiyoq  xal  y>v%oq  und 
v.  45  öqoooi  xal  vupexoi  sein;  vgl.  oben  anm.  2. 


172 


HOFER, 


Ags.  Dan.  LXX 

v.  379  a    winterbiter 

weder 
v.  379b  —  381     wolccn-      v.  50  dar  q  anal  xal  ve- 

faru  and  lijetu  (pekai 

v.382  ealleorÖangrund1  J  v.  58  ndvza    xa    <pvo- 

)  fieva  iv  xy  yy2 

v  383  liy Hasan dhrflsan      v.  52  oqtj  xal  ßovvoi 

and  hea  beor^as 
v.  384— 385a  sealtesaV 
gastream 


i 


wffiias 


v.  54  Üakacroa  xal  no- 
xafxoi 


Vulg.  Dan.  c.  III 
v.  69  gelu  et  frigus 

v.  73  fulgura  et  nubes 

v.  76  uni  versa     germi- 

nantia  in  terra 
v.  75  montes  et  colles 

v.  78  maria  et  flumina 


yöa 


v.  385  b— 386     upcyme,      v.  55  a\  nr\yai 

w8Bter8prync  wylla 
v.  387a,    v.  388b— 389a 

hwalas;    \>k  \>e  la-  | 

gostreamas  waeter-  | 

scipe  wecgaö*  J 

v.  387b— 388a    heofon-      v.  57 

fugolas  lyftlacende 


v.  56  xr\xr\  xal  navxa 
xa  xivovfteva  iv 
xoiq  vöaoi 


navxte  xa  nt- 
xeiva  xov  ovga- 
vov 

v.  389b  —  390  wildu  deor  v.  58  J  navxa  xa  fhjQta 
and  ncata  gehwilc 

v.  391  manna  bearn 


v.  77  fontes 

v.  79  i  cete  et  omnia 
quee  moventur 
in  aquis 

v.  80  I  omne3  volncres 
I  ca3li 

v.81  |  omnes  besti«  et 

)  pecora 
v.  82  filii  hominum 

v.  83  Israel 
v.  84  sacerdotes    Do- 
mini 
v.  85  servi  Domini 
v.  87  |  sancti  et  humi- 

|  les  corde 
v.  86  I  spiritus  et  ani- 
\  mae  jnstorum 
jastas 

v.  398—399    Annan ias,      v.  65  Ävavia,    k$aQia,      v.  8S  J  Anania,  Azaria, 
Adzarias,  Misael  MioatjX  \  Misael. 

Diese  Zusammenstellung  beweist,  dass  die  reihenfolge  der 
gescbüpfe,  welche  zum  preise  Gottes  aufgefordert  werden,  im 
Angelsächsischen  der  Septuaginta  eng  folgt,  zur  Vulgata  da- 


v.392  Israela 
x2   l  fehlen  im  ms. 
x8  /        Jun.XI 
v.  393  heran  \>im 
v.  394  häligra    heortan 

craeftas8 
v.  395  — 397    sööfsestra 
gehwaes  säwle  and 


|   xal  xa  xxi\vr\ 
v.  59  v\ol  xwv  dv&gw- 

nwv 
v.  60  'laQat}X 
v.  61  ifQelq 

v. 62  öovXoi 

v.  64  \  Öawi  xal  xansi- 

\  vol  xy  xaQdiq 
v.  63  /  nvevfxaxa     xal 

)  yvxal     öixaiwv 


1  eortian  grund  =  ackerland;  vgl.  Wright-Wülker,  Anglo-Saxon  and 
Old  Enirlish  Vocab.     Part  I  (London  ISS3),  s.  154,  z.  35  arrum  =  eortia. 

*  Die  Umstellung  dieses  verscs  im  ags.  gedieht  war  gewiss  eine  folge 
derjenigen  von  v.  51;  v.  53,  welcher  inhaltlich  an  v.  51  anklingt,  sollte  wol 
die  stelle  dieses  letzteren  in  der  regelmässigen  ordnung  ausfüllen? 

3  Für  die  Umstellung  von  LXX  v.  63  u.  64  im  Angelsächsischen  ist 
mir  kein  grund  ersichtlich,  es  wäre  denn  der  versbau.  Vgl.  s.  174  dieser 
abbandlung. 


DANIEL.  173 

gegen  im  widerstreite  steht.    Nur  für  die  Umstellung  von  LXX 

y.  63  und  64  ist  mir  kein  grund  ersichtlich. 

Für  die  ags.  verse  400—409,  welche  das  ende  des  lob- 

gesanges  der  drei  Jünglinge  bilden,  hat  die  bibel  nicht  den  an- 

lass  bieten  können;  schon  deswegen  nicht,  weil  eine  anrufung 

der  dreieinigkeit,  wie  im  ags.  gedichte,  in  einer  alttestamentlichen 

schriffc  unmöglich  war.    Und  doch  ist  diese  anrufung  durchaus 

nicht  von  dem  dichter  eigenmächtig  angefügt  worden,  da  wir 

ihr  lateinisches  urbild  im  Breviarium  Romanum '  widerfinden. 

v.  400  f.    breostgebancum  we  }>ec  bletsiaÖ,     1 

Benedicamus  Patrem 


aö,     1 
ihtis,  / 


Benedictus  es,  Domine,  in 
finuamento  caeli:  et  lauda- 
bilis,  et  gloriosus,  et  super- 
cxaltatus  in  saecula. 


frea  folca  gehwaes,  faeder  aelmihtig 
v.  402 — 403  a    söÖ  sunu  inetodes,  säwla  nergend,  \ 

h*leÖa  helpend  i  et  i,lmm 

v.  403  b    and  J>ec  hälig  gast  cum  sancto  Spiritu; 

v.  405— 406  a    we  j>ec  herigaÖ,  haiig  drillten,  ^  laudenius   et  superexalte- 

and  gebedum  bremaÖ  (  mus  eum  in  saecula. 

v.  406  b— 409    Jni  jebletsad  eart 

gewurfcad  ferhÖ  ofer  worulde 

hröf, 
heahcyning  heofones,  hälgum 

mihtum, 
lifes  leohtfruma,   ofer  landa 
gehwilc 

Das  nämliche  Breviarium  indessen  gibt  auch  die  erklä- 
rung  dafiir,  dass  LXX  v.  28—33  =  Vulg.  Dan.  c.  111,  v.  52—56 
als  anfang  des  lobgesanges  von  dem  Angelsachsen  nicht  para- 
ph rasiert  wurden;  denn  diese  verse  fehlen  ebenfalls  im  Brevia- 
rium, wo  das  'Canticum  trium  puerorum'  anhebt  mit  'Benedi- 
cile  omnia  opera  Domini  Domino'.  Daraus  ergibt  sich:  1)  dass 
die  ags.  verse  363—409  nicht  die  bibel  als  unmittelbare  quelle 
benutzten,  sondern  eine  paraphrase  des  'Canticum  trium  pue- 
rorum' aus  dem  Brev.  Rom.  sein  sollten;  2)  dass  dieses  Can- 
ticum im  Brev.  Rom.  nicht  aus  der  Vulgata,  sondern  aus  irgend 
einer  lateinischen  Übersetzung  der  Septuaginta  genommen  wor- 
den war. 

Da  nun  der  erste  teil  von  Dan.  B  (v.  280 — 362),  wie  wir 
sahen,  sich  auf  die  bibel  stützt,  so  drängt  sich  aus  dieser  zwei- 
fachen quellenbenntzung  die  frage  auf,  ob  überhaupt  Dan.  B 
nur  einem  Verfasser  oder  zweien  zuzuweisen  ist 


1  Vgl.  Breviarium  Romanum  ex  decreto  ss.  concilii  Tridentini  resti- 
tutum.  Campoduni  MDCCCLXXIX.  Pars  Hiemalis  p.  21,  Pars  Venia  p.  21, 
Pars  Aestiva  p.  20,  Pars  Autumnalis  p.  20. 


174  HOFER, 

Ueberliest  man  das  ags.  Canticum  (v.  368 — 409)  mit  rttck- 
sicht  auf  den  versbau,  so  wird  man  eine  überraschende  Über- 
einstimmung von  versen  in  gewissen  abständen  finden: 

v.  363  De  gebletsige       bylywit  f&der1 

v.  368  and  }>ec  »lmihtig        ealle  gesceafte 

v.  378  and  }>ec  frea  mihtig        forstas  and  siiäwas 

v.  392  and  ]>ec  Isräela        &hta  scyppend 

v.  394  and  J>ec  h&li^ra       heortan  cr&ftas 

v.  405  we  J>ec  herigaÖ(?)        h&lig  drihten. 

Als  von  gleichem    metrischen   Schema  können   wir   noch 

hinzufügen: 

v.  373  and  J>ec  god  mihtig        g&stas  lofige 

v.  400  we  ]>ec  bletsiaÖ        breostge^ancum 

v.  382  eall  eoröan  jrund        ece  drihten 

v.  387  hwalas  J>cc  herigaöf?)        and  heofonfü^olas. 

Dabei  war  allerdings  vermutet,  dass  die  Überlieferung  der 
handschrift  in  v.  373  und  v.  400  unzuverlässig  ist2,  denn  dort 
war  eine  Umstellung  von  mihtig  god  —  diese  entspricht  auch 
dem  gebrauche  in  der  Stellung  der  reimstäbe  —  hier  eine  solche 
der  beiden  halbverse  notwendig;  und  v.  382  und  v.  387  könnten 
auch  in  anderer  weise  skandiert  werden.  —  Ferner  vergleiche 
man  die  folgenden  verse  mit  einander: 

v.  367  wuniaÖ  in  wuldre        \>h  \>cc  wurÖiaÖ 

v.  372  deaw  and  deor  scür        \>k  pec  dornige 

v.  381  bl&cc  berhtmhwate        }>a  }>cc  bletsige 

v.  386  waetersprync  wylla        \>k  \*ec  wurÖiäÖ 

v.  377  herije  on  hade        somod  hÄt  and  ceald 

v.  409  llfes  leohtfruma       ofer  landa  gehwilc; 

ebenso  mit  einander: 

v.  391    and  manna  bearn       m6dum  lufiaft 

v.  399    and  Misae'l        metod  dö'mije. 

v.  404    wuroaÖ  in  wuldre      witij  metod     stimmt  in  seinem 
ersten  halbverse  mit  v.  367  etc.,  im  zweiten  mit  v.  391  etc.  Uberein. 

Der  abstand  zwischen  je  zwei  gleichen  versen  beträgt,  mit 
wenigen  ausnahmefällen,  fiinf  verse: 

v.  363.  368.  37:1.  378—382.  387.  392.  —  394—400.  405. 
v.  367.  372.  377     381.  386;  391—399.  404;  409. 

Diese  periodisch  widerkehreude  Übereinstimmung  im  vers- 
bau  kann   nicht  zufällig  sein,  sondern   sie  muss  als  hinweis 

1  Die  alliterierenden  hebungen  sind  durch  fetten  druck,  die  übrigen 
durch  acute  bezeichnet. 

*  Vgl.  Sfevers  in  Paul  und  Braune's  Beiträgen  bd.  X,  s.  458:  'Die  in 
metrischer  beziehung  besonders  schlechte  handschrift  Junius  XI  \ 


DANIEL.  175 

auf  eine  vom  dichter  vorbedachte,  künstliche  anordnung  des 
ganzen  ags.  Canticnm  angesehen  werden.  Dieses  wurde  bei 
seiner  entstehung  vom  Verfasser  in  strophenartige  gruppen 
von  je  fünf  versen  planmässig  abgeteilt  Das  enjambement 
von  sinn  nnd  vers  \  das  gewöhnliche  merkzeichen  der  dichtung 
ohne  strophische  gliederung,  findet  sich  am  ende  keiner  ein- 
zigen strophischen  gruppe  unseres  Canticnm,  deren  jede  als 
ein  in  sich  abgeschlossener  teil  des  ganzen  erscheint.  Dass 
Grein's  interpunktion  des  textes  in  seiner  Bibl.  der  ags.  Poesie 
dabei  mehrfach  zu  ändern  ist,  kann  nicht  als  beweis  gegen 
unsere  meinung  dienen.  Uebrigens  ist  die  Übereinstimmung 
im  bau  nicht  allein  auf  den  eingangs-  und  endvers  der  ein- 
zelnen gruppen  beschränkt.  Man  vergleiche  z.  b.  v.  364.  369. 
374.  383;  v.  365.  370.  379.  389;  v.  384.  396.  402;  v.  371.  380. 
393  etc. 

Möglicherweise  würde  diese  zahl  gleichgebauter  verse  noch 
grösser  sein,  hätten  wir  die  ursprüngliche  gestalt  des  ags. 
Canticnm  vor  uns.  Zweifellos  bestand  dasselbe  dort  aus  50 
(10  mal  5)  versen.  Unsere  handschrift  aber  hat  deren  nur  47 
überliefert;  von  diesen  scheint  v.  397  erst  später  eingefügt 
worden  zu  sein,  denn  derselbe  zeigt  nicht  die  notwendige  min- 
destzahl der  silben,  ist  für  die  Verbindung  von  v.  396  mit  v.  398 
wol  entbehrlich  und  stört  die  sonst  regelmässige  strophenartige 
gliederung.  Somit  sind  vier  verse  von  dem  ursprünglichen  Can- 
ticnm verloren  gegangen,  was  aus  den  lücken  in  zwei  gruppen 
(der  4.  und  7.)  ersichtlich  ist.  Diese  lücken  werden  nicht  nur 
durch  den  mangel  an  Übereinstimmung  im  versbau  mit  den 
übrigen  vollständigen  gruppen,  sondern  auch  in  obiger  ver- 
gleichung  des  angelsächsischen  Canticnm  mit  dem  lateinischen 
angedeutet. 

Vielleicht  endigte  der  nach  v.  393  ausgefallene  vers  mit 
einer  optativform  eines  ähnlichen  verbums  wie  wurbian,  db- 
tnian,  blelsian,  lufian,  herianl  Die  vor  v.  393  fehlenden  beiden 
verse  enthielten,  höchstwahrscheinlich  zwei,  ags.  ausdrücke  für 
lat  sacerdotes,  wie  sacerdas,  mee sseras  (vgl.  Az.  v.  148.  149).. 

Der  in  rede  stehende  teil  unseres  gedieh tes  'Daniel',  das 
ags.  Canticnm,  würde  sich  in  seiner  gliederung  nach  fünfzeiligen, 
strophischen  gruppen  also  ausnehmen: 

1  Vgl.  Vetter,  Zum  Muspüli  s.  66. 


176 


HOPER, 


I. 


v.  303 

v.  :ie5 


De  gebletsige, 
womldcraefta  wlite 
heofonas  and  englas 
\>»  pe  on  roderum 
wuniaÖ  in  wuldre: 


II. 


v.  30S 


v.  370 


And  f>ec,  aelniihtig, 
rodorbeorhtan  tunglu 
sunne  and  möna, 
herige  in  häde, 
deaw  and  deor  scür: 


III. 

v.  373    And  |>ec,  god  mihtig, 
byrnende  fyr 

v.  375    nergend,  hergao, 

and  ]>ec  landa  gehwilc, 
herige  on  bade, 

IV. 

v.  378    And  J>ec,  frea  mihtig, 
*  *  * 

winterbiter  weder 

v.  380    lofige  on  lyfte 

blace  berhtrali wate : 

y. 

v.  3S2    Kall  eorftan  grund, ' 
hyllas  and  hrftsan 
sealte  s&wsegas, 

v.  385    eastream  yöa 

wtetersprync  wylla: 

VI. 
v.  387    Hwalas  J>ec  herigaö 

lyftläcende, 

wseterscipe  weegaÖ, 
v.  390    and  neata  gehwilc 

and  manna  bearn 

VII. 
v.  392    And  J>ec  Israela, 


v.  394 
v.  395 


herigao  in  häde 

*  *  * 

And  f>cc  häligra 
sööftestra  geh  w  «es 
lofiaS  liffrean 


VIII. 


bylywit  f«der, 
and  weorca  gehwilc, 
and  hluttor  waeter, 
on  rihtre  gescoaft 
)>a  \>cc  wurftiafi! 

ealie  gesccafte, 
J>ä  )>e  ryne  healdaö, 
sundor  änra  gehwilc 
and  heofonsteorran, 
J>ä  \>ec  dornige! 

gfistas  lofige, 
and  beorht  sumor, 
niht  somod  and  dspg; 
leoht  and  j>eostro 
somod  hat  and  ceald! 

forstas  and  snäwas, 

*  *         * 
and  wolcenfaru 
and  pec  ligetu, 
J>i  Yec  bletsige! 

ece  drihten, 
and  hea  beorgas, 
söftfaest  inetod, 
and  upcyme, 
J>a  J>ec  wur&iaft! 

and  heofonfugolas, 
\>k  \>e  lagostreauias, 
and  wildu  deor 
naman  bletsie, 
mödum  lufiao! 

Ähta  scyppend, 

#  *  ♦ 

♦  *  # 
heran  |»ine 

*  *  ♦ 

heortan  craftas, 
sawle  and  gastas, 
leansellende ; 


DANIEL.  177 

Ann  auf  as  f>ec  and  Adzartas 

and  Mtsael,  metod,  döniige! 

IX. 

v.  400    We  \>ec  bletsiaö"  breostje^ancwn, 

frea  folca  jehwses,  faeder  aelmihtij, 

söÖ  sunu  metodes,  säwla  nerjend, 

haeleÖa  helpend,  and  }>ec,  hälij  jäst, 

wurÖaÖ  in  wuldre,  witig  drihten! 

X. 

v.  405    We  \>ec  herigaö,  halij  drihten, 

and  gebednm  breraaÖ;  \>u  gebletsad  eart, 

gewuröad  [wtde]  ferhÖ  ofer  worulde  hröf, 

heahcyninj  heofones,    .  hälgum  mihtum, 

lifes  leohtfrnma,  ofer  landa  gehwilc! 

Ob  dieser  lobgesang  der  drei  Jünglinge  im  feuerofen  unab- 
hängig von  den  übrigen  versen  (280 — 362)  entstanden  ist  und  für 
sich  bestanden  hat,  ist  schwerlieh  zu  beweisen,  ergibt  sich  aber 
mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  aus  folgenden  beobachtungen: 

1.  Die  erwähnte  strophische  gliederung  findet  sich  nicht 
im  gebete  des  Azarias  (v.  284 — 333). 

2.  Die  quelle  für  v.  363—409  war  das  Brev.  Romanum, 
für  v.  280—362  aber  die  bibel. 

3.  Die  ags.  paraphrase  in  v.  363 — 409  ist  nicht  so  frei  wie 
in  v.  280—362. 

4.  Die  bezeichnungen  für  Gott  deuten  nicht  auf  ein  und 
denselben  Verfasser  hin.  In  v.  280 — 362  gibt  es  deren  16  ver- 
schiedene an  19  stellen,  in  v.  363 — 409  deren  18  verschiedene 
an  20  stellen;  darunter  finden  sich  nur  4  ausdrücke  in  beiden 

abschnitten: 

metod,  haiig  drihten,  See  drihten,  söÖfaest  metod, 
von  denen  die  beiden  ersten  auch  in  Daniel  A  vorkommen. 
gästa  scyppend  zweimal,  waldend  dreimal  in  v.  280 — 362  fehlen 
in  v.  363 — 409,  wo  dagegen  feeder  zweimal  begegnet,  ohne  in 
v.  280— 362  zu  begegnen. 

5.  Wenn  die  Orthographie  unserer  hs.  irgend  welches  ge- 
wicht fiir  die  entscheidung  dieser  frage  besitzt,  so  sei  erwähnt: 

Adzarias  v.  398      :    Azarias  v.  280,  356  (vgl.  v.  91) 
Annanias  v.  398     :    Ananfas  v.  356. 

6.  Das  'Canticum  trium  puerorum'  bildete  einen  wesent- 
lichen teil  der  katholischen  liturgie.  Nach  den  beschlüssen  des 
konzils  von  Toledo  (i.  j.  633)  war  das  ' Benedicite' ,  wie  es  von 
seinem  anfangsworte  genannt  ist,   an  jedem  sonn-  und  feier- 

Anglla,  XII.  band.  12 


178  HOPER, 

tage  der  märtyrer  in  den  kirchen  und  klöstern  bei  strafe  der 
excommunication  zu  singen.  Ans  diesem  gründe  ist  es  anch 
ins  römische  brevier  aufgenommen  worden,  wo  wir  es  noch 
jetzt  unter  'De  Laudibus'1,  'De  Psalmis'*,  'De  Canticis'*  erwähnt 
finden. 

Dass  demgemäss  auch  die  ags.  Christen  das  ' Betiedicite' 
gebrauchten,  geht  aus  dem  ags.  Benedictiner-Officium 4  hervor, 
in  welchem  auch  eine  alliterierende  paraphrase  des  'Gloria 
Patri'h,  des  'Pater  noster'*,  des  'Credo*1  steht. 

Die  psalmenhandschrift  Vespasian  A  I  enthält  gegen  ende 
eine  reihe  von  hymnen;  unter  diesen  auch  lHymnum  trium  pue- 
rorum'  mit  ags.  interlinearversion.8 

Ausserdem  wissen  wir,  dass  der  von  Thorpe  herausgegebene 
ags.  psalter  in  ags.  kirchen  in  gebrauch  gewesen  ist.9 

Liegt  da  nicht  die  Vermutung  nahe,  dass  unser  ags.  Can- 
ticum  (Dan.  v.  363 — 409)  ursprünglich  fttr  kirchliche  zwecke  ge- 
dichtet und  gebraucht  wurde,  ehe  noch  Dan.  v.  280 — 302  vor- 
handen waren? 

III.   Von  wem  und  warum  wurde  Dan.  B  in  Dan.  A 

eingeschaltet? 

Welches  ziel  steckte  sich  der  dichter  von  Dan.  A,  als  er 

sein  gedieht  begann?    Wollte  er  von  anfang  an  eine  paraphrase 

des  biblischen  buches  Daniel  schreiben,  wie  wir  dieselbe  jetzt 

haben?    Eine  paraphrase,  welche 

4  nicht  eine  einzelne  begebenheit  aus  dem  grösseren  zusammenhange 
herausgegriffen  darstellt,  sondern,  dem  gange  der  biblischen  erzahlung 
folgend,  eine  reihe  von  begebenheiten  umfasst',  wo  'der  dichter  seiner 
quelle  gegenüber  sich  mit  grösserer  freiheit  bewegt,  aus  dem  ihm 
vorliegenden  Stoffe  eine  planmässige  aus  wähl  trifft.  Sein  plan  aber 
wird  bestimmt  dnreh  die  ideen,  welche  im  buch  Daniel  vorzugsweise 

1  Brev.  Rom.  Pars  Hiem.  s.  XLV. 

*  Ebenda  s.  XLV1II. 

3  Ebenda  s.  XLIX. 

4  Bouterwek,  Caedmon's  bibl.  Dichtungen  bd.I,  s.CXCIl  u.  CLXXXVI; 
.1.  I/mgard,  Altertümer  der  an  gel. such  s.  Kirche,  übersetzt  von  Dr.  F.  H.  in 
Rom,  herausgegeben  von  Dr.  ,1.  J.  Ritter,  Breslau  1847;  s.  121. 

5  Bouterwek,  Caedmon's  bibl.  Dichtungen  bd.  I,  s.  CXCVI  f. 

6  Ebenda  s.  CC  f. 

»  Ebenda  s.  CCIV  f. 

8  Vgl  The  Oldest  English  Texts,  edited  with  introduetions  and  a 

glossary  bv  Henry  Sweet.    London:  publisbed  for  the  Early  English  Text 
oeiety.    ÄDCCCLXXXV.    S.  414  f. 

•  Bouterwek,  a.  a.  o.  a.  CLXXXIII. 


DANIEL.  179 

zum  ausdruck  gelangen . . .  Gleichgiltige  nebenzüge  lässt  der  dichter 
daher  ganz  weg,  was  flir  den  zweck  von  untergeordneter  bedeutung 
ist,  wird  nur  kurz  angedeutet.'1 

Der  Verfasser  von  Dan.  A  zeigt  sich  mit  den  heiligen 
Schriften  wol  vertraut2  Mag  er  auch  die  bibel  als  ftihrer  vor 
sich  gehabt  haben,  so  befand  sich  der  stoff  für  sein  werk  im 
grossen  und  ganzen  doch  gewiss  in  seinem  köpfe.  Im  anfange 
seines  dichtens  kannte  er  die  begebenheiten,  welche  im  wei- 
teren verlaufe  und  schliesslich  am  ende  eintreten  sollten. 

Nun  sind  die  heiligen  gefässe,  welche  Nabuchodonosor  aus 
dem  tempel  zu  Jerusalem  mit  sich  nach  seiner  hauptstadt  hin- 
wegführte, von  besonderer  Wichtigkeit  am  ende  der  ganzen 
erzählung:  ihre  entweihung  ist  die  verhängnissvolle  Ursache 
für  das  wunder  der  schreibenden  hand,  für  den  Untergang  des 
Baldazar  (und  für  die  spätere  befreiung  der  Juden  aus  der 
gefangenschaft). 

In  der  bibel  werden  diese  heiligen  gefässe  ausdrücklich 

erwähnt.    Vulg.  Dan.  c.  I,  v.  2: 

Et  tradidit  Dominus  in  manum  ejus  .  .  .  partem  vasorum 
dorn us  De i:  et  asportavit  ea  in  terram  Sennaar  in  domum  Dei  sui, 
et  vasa  intulit  in  domum  thesauri  Dei  sui. 

Warum  hat  unser  dichter  trotzdem  diese  heiligen  gefässe3  im 

anfange  seines  gedichtes  mit  stillschweigen  übergangen,  da  er 

doch  später  von  ihrer  entweihung  redet? 

Nicht  minder  wichtig  ist  der  folgende  umstand. 

Vulg.  Dan.  c.I,  v.6  sagt:  Fuerunt  ergo  inter  eos  de  filiis  Juda: 
Daniel,  Ananias,  Misael,  et  Azarias;  in  v.  7,  10,  11,17,19  er- 
scheint ebenfalls  Daniel  zusammen  mit  den  drei  Jünglingen, 
und,  was  noch  bedeutsamer  ist,  wird  er  vor  seinen  genossen 
ganz  besonders  ausgezeichnet,  denn 

1.  er  wird  immer  an  erster  stelle  genannt  (v.6,  7,  11,  19); 

2.  er  spricht  im  namen  seiner  genossen  mit  Asphenez 
(v.  8 — 9)  und  mit  Melzar  (v.  11 — 13),  des  königs  kämmerern ; 

3.  nur  er  besitzt  die  gäbe  der  traumdeutung,  v.  17: 
Pueris  autem  his  (sc.  Anan.,  Mis.,  Azar.)  dedit  Deus  scientiam  et 

disciplinam  in  omni  libro  et  sapientia:  Daniel i  autem  intelligentiam 
omnium  visionum  et  somniorum; 


1  B.  ten  Brink,  Gesch.  d.  engl.  Litteratur  bd.  I,  s.  58. 

*  Vgl.  s.  192  ff.  dieser  abhandlung. 

8  In  Dan.  v.  59 — 66  sind  sie  nicht  erwähnt;  die  beute  besteht  aus 
'read  gold,  sine,  seolfor,  zeslr&on,  fto,  freos'\  vgl.  dagegen  v.  705,  749 
'hüslfatu\  v.  755  'zoldfatu. 

12* 


180  HOFER, 

4.  er  deutet  zweimal  des  künigs  träume  und  sagt  aus  der 
verhäDgni8svollen  scbrift  auf  der  wand  den  bevorstehenden 
Untergang  des  Baldazar  voraus. 

Er  spielt  also,  wie  man  daraus  ersieht,  eine  wichtige  rolle 
in  der  ganzen  erzählung  —  gleichwol  hat  unser  dichter  ihn 
nur  ganz  zufällig  und  nebensächlich  eingefühlt 

In  offenem  Widerspruche  mit  der  bibel  lässt  der  angelsäch- 
sische dichter  (v.  88  ff.)  nur  drei  knaben  aus  den  gefangenen 
Juden  zu  höfischer  erziehung  auswählen ,  und  Daniel  ist  nicht 
unter  ihnen.  Er  erscheint  nicht  in  der  losesten  Verbindung 
mit  Azaria8,  Ananias  und  Misael;  über  seine  erziehung  sagt 
der  Angelsachse  nicht  ein  wort.1 

Wie  die  person  einer  episode,  die  nur  locker  in  die  baupt- 
erzählung  eingefügt  ist,  erscheint  er  als  'nnt^a,  se  tvces  drihtne 
gecoren,  snotor  and  söbfcest'  (v.  149 — 151)  und  'ordfruma  earmre 
läfe*  (v.  152),  um  des  königs  träum  zu  deuten  und  dann  wider 
zu  verschwinden. 

Beide  umstände,  das  stillschweigende  übergehen  der  hei- 
ligen gefässe  wie  die  nebensächliche,  der  bibel  widersprechende 
behandlung  Daniel'»,  sind  unerklärlich,  wenn  der  dichter  von 
anfang  an  den  plan  gehabt  hätte,  ein  so  umfangreiches  gedieht 
zu  schreiben.  Durchaus  nicht  auffällig  aber,  sondern  gar  wol 
berechtigt  sind  dieselben  dann,  wenn  der  dichter  ursprünglich 
nur  das  geschick  der  drei  Jünglinge  im  feuerofen  besingen 
wollte.  Dafiir  waren  weder  die  heiligen  gefässe,  noch  Daniel's 
person  von  bedeutung.  Mit  recht  erzählt  er  dann  nur  von  der 
erziehung  dieser  drei,  welche  im  mittelpunkte  seiner  teilnähme 
standen;  Daniel's  auslegung  des  ersten  traumes  war  in  den 
dienst  des  hauptgegenstandes  gestellt,  indem  dieselbe  Nabuoho- 
donosor's  grausame  handlungsweise  gegen  Azarias  und  seine 
beiden  genossen  um  so  erstaunlicher  machte. 

So  kommt  es,  dass  der  dichter  bei  behandlung  der  kata- 
strophe,  des  verbrennens  im  ofen,  den  böhepunkt  seiner  poe- 
tischen darstellung  erreicht  Hier  entfaltet  er  seine  ganze  be- 
redtsamkeit,  hier  scheint  er  unerschöpflich  an  ausdrücken,  die 
flammen,  ihre  hitze  und  gewalt  zu  schildern,  die  rettung  und 
freude  der  Jünglinge  im  ofen   und  das  verderben  der  beiden 

1  Hammericirs  bebauptung:  'Ebenso  ist  Daniel's  erziehung  nur  eben 
leiebt  hingeworfen'  (vgl.  Aelteste  christl.  Epik  s.  62)  kann  nicht  aus  dem 
durchlesen  unseres  gedientes  gewonnen  sein. 


DANIEL.  181 

draussen  zu  malen.  Hier  begnügte  er  sich  nicht  mit  dem  Inhalte 
des  kanonischen  teiles  des  buches  Daniel,  sondern  er  zog  auch 
den  apokryphen  heran 

(ags.  Dan.  v.  236—241;  v.  261-268  =  Vulg.  Dan.  c. III,  v. 49—50;  ags. 
v.  244  b— 256  a  =  Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  46—48;  ags.  v.  274  b— 278  a  = 
Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  50). 

Und  ganz  passend  schloss  er  sein  gedieht  mit  v.  278b — 279: 
*|>aet  waes  wuldres  god  J?e  hie  generede  wiö  }>am  nifchete\ 

In  dieser  gestalt  (v.  1 — 279)  bestand  wol  unser  gedieht 
einige  zeit  lang.  Doch  haben  wir  oben  v.  410 — 765  ebenfalls 
für  denselben  dichter  beansprucht,  und  diese  verse  sind  kein 
selbständiges  gedieht!  Betreffs  ihrer  entstehung  scheint  mir 
das  folgende  grosse  Wahrscheinlichkeit  für  sich  zu  haben. 

Einige  zeit  nach  der  abfassung  von  v.  1 — 279  wurde  der 
dichter  irgend  wie  mit  dem  vorhandenen  gediente  Daniel  B 
(v.  280 — 409)  bekannt.  Da  er  dessen  hohen  poetischen  wert 
wol  schätzte,  fügte  er  in  eigener  person  Dan.  B  seinen  versen 
hinzu,  wobei  er  entweder  eine  gewisse  widerholung  im  inhalte 
desselben  nicht  bemerkte,  oder  nicht  willens  war,  mehrere 
seiner  eigenen  verse,  die  er  mit  mühe  gedichtet  hatte,  wider 
zu  tilgen.  Und  dann  machte  er  sich  daran,  in  v.  410  ff.  als 
fortsetzung  die  folgende  erzählung  des  biblischen  buches  Daniel 
zu  paraphrasieren.    Folgende  tatsachen  deuten  darauf  hin: 

1.  Wenn  v.  422 — 427  dem  dichter  von  Dan.  A  angehören, 

so  müssen  dieselben  notwendig  erst  nach  dem  vorausgehenden 

ags.  Canticum  trium  puerorum  verfasst  sein,  denn  der  dichter 

konnte  unmöglich  sagen: 

v.  422  ff. hie  god  herigaft 

änne  öene  and  ealles  him 

be  naman  gehwäm  on  neod  sprecaÖ, 

ohne  ihren  gesang  erwähnt  zu  haben,  wo  sie  alle  geschöpfe 
bei  ihren  namen  zum  lobe  Gottes  auffordern. 

2.  Es  ist  oft  gesagt  worden,  dass  der  dichter  von  Dan.  A 
den  dialog  und  die  direkte  rede1  nicht  liebt;  aber  diese  be- 
bauptung  gilt  mehr  von  v.  1—279;  als  von  v.  410 — 765,  denn 
dort  enthalten  nur  16  verse,  hier  dagegen  mehr  als  90  direkte 
rede.     War  es  nicht  eine   begeisterung,   die   aus  des  Azarias 

1  Vgl.  Götzinger,  Diebtungen  des  Angelsachsen  Caedmon  s.  32;  B.  ten 
Brink,  Geschichte  der  engl.  Litteratur  bd.I,  s.  58;  Balg,  Der  Dichter  Csed- 
mon  s.  2S. 


182  HOFER, 

gebet  and  dem  kurz  vorhergehenden  Canticum  entsprang,  dass 
unser  dichter  sogleich  in  v.  410  ff.  einen  dialog  (von  17  versen) 
zwischen  dem  könige  und  seinem  'rckswa'  einfügte,  ohne  in  der 
bibel  anstoss  dafür  zu  finden?  Dass  er  bei  auslegung  des 
zweiten  träum  es  Daniel  in  42  versen  reden  lässt,  ohne  dass 
diese  ausdehnung  zum  Verständnisse  des  Zusammenhanges  er- 
forderlich wäre?  Dass  Daniel  ebenso  in  22  versen  gegen  schluss 
des  gedichtes  zu  Baldazar  spricht? 

3.  Die  ähnlichkeit  von  v.  306  b  mit  v.  757b,  von  v.  336  b— 337 
mit  v.509,  von  v.  331— 332  mit  v.  761— 762a,  von  v.408b  mit 
v.  626  b  kann  auf  unseres  dichters  bekanntschaft  mit  Dan.  B 
beruhen. 

4.  Dan.  At  (v.  1—279)  und  Dan.  A2  (v.  410—765)  zeigen 
einen  gewissen  unterschied  in  ihren  bezeichnungen  für  könig, 
fürst,  welcher  durch  einen  zwischen  ihrer  abfassung  liegenden 
längeren  Zeitraum  erklärlich  wäre. 


Dan.  Aj 

Dan.  As 

weard 

6  mal  (v.  99.  104. 

117.  167. 

9  mal  (v.  449.  461.488.552. 

173.  176.  209. 

229) 

566.  597.  636.  642.  740) 

swfömöd 

3mal  (v.  100.  161. 

.  269) 

3  mal  (v.  450.  529.  606) 

folctoja 

lmal  (v.  108) 

2  mal  (v.  656.  725) 

cyninj 

3  mal  (v.  129.  148, 

.  165) 

3  mal  (v.  417.  431.  436) 

adj.  +  cyninj 

7  mal  (v.95.  100. 
224.  247.  269) 

135.  161. 

1  mal  (v.  529) 

genitiv  4-  cyninj 

— 

4  mal  (v.  600.  622.  668.  702) 

J>eoden 

5  mal  (v.93.  109. 
242) 

188.  205. 

2  mal  (v.  420.  468) 

frea 

2  mal  (v.  159.  1*5 

) 

lmal  (v.  586) 

Babilone(s)  brejo 

2  mal  (v.  47.  256) 

— 

brego  Caldea 

— 

lmal  (v.  428) 

wisa 

lmal  (v.  203) 

3  mal  (v.  540.  566.  703) 

drihten 

lmal  (v.  130) 

3  mal  (v.  548.  594.  613) 

drihtenweard 

— 

lmal  (v.  535) 

mandrihten 

lmal  (v.  157) 

lmal  (v.  637) 

aldor 

lmal  (v.  183) 

8mal  (v.  410.  549.  646.677. 
6S8.  713.  754.  758) 

aldorfrca 

lmal  (v.  46) 

— 

ieöelinj 

— 

4  mal  (v.  490.525.  551.638) 

r&swa 

— 

3  mal  (v.  487.  640.  667) 

höre  4-  tyma,  wösa 

i                        — 

2  mal  (v.  603.629) 

beorn 

lmal  (v.  99) 

— 

denia 

lmal  (v.  71) 

— 

wulfheort 

3  mal  (v.  116.  135 

.  247) 

— 

höabheort 

— 

lmal  (v.  540) 

DANIEL.  183 

Dan.  Aj  Dan.  A2 

8e  wlanca                         lmal  (v.  96)  — 

hläford                                    —  tmal  (v.  675) 

se  hfcöena                         2 mal  (v.  94.  153)  lmal  (v.  434) 

Ergebnis»:  Dan.  A{  entbehrt  cebeling,  rcesrva  und  Zu- 
sammensetzungen mit  here-  und  gibt  aldor,  nisa,  drihlen  nur 
je  einmal,  während  diese  Wörter  ziemlich  oft  in  Dan.  A2  sich 
finden.  Dan.  At  bevorzugt  die  Verbindung  von  adj.  +  cyning, 
Dan.  A2  die  von  gen.  +  cyning.  Dan.  Ai  gebraucht  peoden,  frea 
(aidorfrea)  häufiger  als  Dan.  A2. 

5.  Es  gibt  orthographische  Verschiedenheiten  zwischen 
Dan.  A|  und  Dan.  A>,  wenn  dieselben  für  die  entscheidung 
vorliegender  frage  von  gewicht  sein  können. 

Dan.  Ai  säende  v.  160,  ässegde  v.  156,  ssegdon  v.  137.  205  :  ges&de  v.  165, 

s&don  v.  148. 
Dan.  A2  säende  v.  649.  661  :  s&de  v.  695,  jes^ede  v.  483,   s&don  v.  446. 
Dan.  At  ofcrhyjd  v.  107,  gehygdum  v.  49. 
Dan.  A2  oferhygd  v.490  :  oferh^d  v.  495.  615.  679;  jehydum  v.732;  än- 

hydig  v.  605. 
Dan.  Ai  hat  die  älteren  formen  mit  erhaltenem  £  vor  d  häufiger  als 

Dan.  As. 
Dan.  Aj  lifgean  v.  1,  wurÖijean  v.  20S,  ^röwijean  v.  213;  wyrcean  v.  24, 

ä^encean  v.  146. 

Solche  ältere  endungen  auf  guttural  4-  ean  finden  sich  nicht  mehr 

in  Dan.  As. 

Dan.  A1  hat  öfter  heora  v.  234.  240,  hiera  v.  10  als  hyra  v.  183.  185 

Dan.  A2  hat  öfter  hyra  v.  436.  437.  457.  675  als  heora  v.  455.  507. 

Dan.  Ai  bewahrte  häufiger  den  vollen  vokal  in  der  endung  als  Dan.  A2 

dujutJe  v.  87,  dugofta  v.  37,  geogoÖe  v.  81  :  Dan.  A2  dujuÖe  v.  456, 

dugeÖe  v.  745,  dugeÖuni  v.  765. 

Dan.  Ai   werudes  v.  76;         werod  v.  44.  53    :    wereda  v.  160.  220 

werude  v.  13.  27;     werode  v.  142 

Dan.  A2  werodes  v.  487    :    weredes  v.  552 

werede  v.  604.  731. 
Man  vergleiche: 

Dan.  At  Babilonia  v.  70.  164,  Babilonie  v.  167,  Babilonigc  v.  173;  Babi- 
lone  v.  99.  104.  117.  209.  229.  256,  Babilones  v.  47  mit 

Dan.  A2  Babilone  v.  449.  455.  487.  601.  642.  660.  683.  689.  700;  Babilones 
v.  461,  Babilon  v.  694. 

Dan.  Ai  Hierusalem  v.  2    :    öerusalem  Dan.  Aa  v.  708. 

6.  Nur  in  Dan.  A{  sind  die  Juden  Ebreas,  Hebreos  genannt 
(v.  1.  78.  97.  215.  257),  nur  in  Dan.  A2  Judeas  (v.  708),  während 
Israelas  in  Dan.  A,  (v.  23.  43.  50.  55.  69.  73.  80.  189)  und  in 
Dan.  A,  (v.  717.  751.  757)  sich  findet/ 


184  HOFER, 

IY.   Das  yerhältniss  des  'Azarias'  zum  'Daniel'. 

Ein  gegenseitiger  vergleich  der  verse  beider  gedichte  er- 
gibt folgende  grade  der  Übereinstimmung: 

1.   Einander  gleich  sind  folgende  verse,  und  zwar 

a)  buchstäblich 

Az.  v.  7  =  Dan.  v.  286 ;  Az.  v.  56  =  Dan.  v.  341 ;  Az.  v.  72  =  Dan.  v.  362 
„v.  20=  „  v.  300;  „  v.  66  =  „  v.352;  „  v.  95  =  „  v.  374 
w  v.  49=      „     v.334;       „    v.67=      „     v.353;       „  v.  174  =      „     v.415 

zusammen  9  verse. 

b)  bei  orthographischen  abweichungen: 

Az.    v.  2  =  Dan.  v.  281;    Az.  v.  30  =  Dan.  v.  314; 


n       V.6  = 

n     v.285; 

n     V.71  = 

n    v.361; 

n     V.  15  = 

„     v.  295 ; 

n    v.75  = 

„     v.365; 

n     V.  16  = 

n     v.296; 

zusammen  7  verse. 

2.  Neben  orthographischen  abweichungen  finden  sich  in 

sonst  gleichen  versen  verschiedene  casusendungen  gebraucht: 
Az.  v.  22  hylda  lcase        :    Dan.  v.  302      hylde  leasc 
n    v.  26  äht^cwealda    i         „    v.  306  f  sfehta  gewealdc 

eorocyninges  /  :  \  eoröcyninga 

n    v.  37  tö  hcbban  :       „    v.  321      tö  hebbanne1 

n    v.  43  )?ine  wordcwidas  :    n    v.  327      pinne  wordcwyde 
n    v.  52  aelbeorhta  :       „    v.  337      aelbeorht  (unflect.); 

zusammen  5  verse. 

3.  Ausser  erwähnten  Verschiedenheiten  findet  sich  bei 
folgenden  versen  eine  abweichende  einsilbige,  sinnverwandte 
präposition: 

Az.  v.  33  on  :  Dan.  v.  317  in;      Az.  v.  64  mid  :  Dan.  v.  349  on; 
„    v.  18  in    :      „     v.  298  for*;      „    v.  68  mid  :       „     v.  358  on; 
„    v.  17  in    :      „     v.  297  on3;      „    v.  55  Jmrh:       „     v.  340  mid 
„    v. 53  in    :      „     v. 338  on; 
zusammen  7  verse. 

4.  In  einigen  versen  des  Az.  findet  sich  ein  nicht  allite- 
rierendes wort  an  der  stelle  eines  im  Dan.  als  sinnverwandt 
gebrauchten : 

Dan.  v.  290  syndon; 
„    v.  301  siendon; 
„    v.  303  is; 
„    v.  31^  |>a?tte  (=  )>«t  J»e); 


Az.  v.  lo  eac 

„    v.  21  wurdon 

„    v.  23  wii'S 

n    v.  34  l'ii't  hit 


1  hat  ms.  .Tun ins  XI  verschrieben  für  häd,  vgl.  unten  h.  203,  4. 
a  Eine   Umstellung  ausserdem:   Az.  v.  18  y/dran  ussc  :   Dan.  v.  298 
öser  yldran. 

*  dyde  Schreibfehler  fiir  dydon,  vgl.  unten  s.  203,  6. 


DANIEL.  185 


Az.  v.  51  wearÖ  :  Dan.  v.  336  waes; 

„    v.  60  swa    1  :  „    v. 343  f  J>aet ! 

8cöd  J  \   W8BS; 

„    v.  61  ac         x  :  „    v.  346  r  J>ä 


|     :        „    v.d4t>  ( 


cwom  I  '  becwoin 

„    v.  62  onlicust  :      „    v.  347  jelicost; 

„    v.  70  gesceafte  :      „    v.  360  landgesceaft; 
zusammen  0  verse. 

5.  Ein  nicht  alliterierendes,  einsilbiges  (einmal  zweisilbiges) 
wort  erscheint  in  einigen  versen  des  Dan.,  während  es  im  Az. 
fehlt,  und  zwar 

a)  im  auftakt  des  1.  halbverses: 

Dan.  v.  315  and  tö  Jacobe 
„    v.  331  and  p&t  \>u 
„    v.  348  |?onne  hit  on; 


Az.  v.  31  and  Jacobe 
„    v.  46  \>&t  \>\i 


„    v.  63  t'onne  on 
zusammen  3  verse; 

b)  im  auftakt  des  2.  halbverses: 

Az.  v.  5  \>u  eart  :    Dan.  v.  284  h  w  je  t !  \>u  eart 

„  v.  59  )?urh  swiÖes  meaht  :        „     v.  342  }mrh  \>k  swiSan  miht; 
zusammen  2  verse; 

c)  zwischen  1.  und  2.  hebung: 

Az.  v.  9  söÖ^geswiÖde  :  Dan.  v.  288  sööe  and  g. 

„  v.  32  \>u  him  gehete  :  „    v.  316  )m  him  {>aet  3. 

„  v.  59  töswSop  and  :  „    v.  342  töswßop  hine  and; 
zusammen  3  verse; 

d)  nach  der  2.  hebung: 

Az.  v.  12  geoca  us  georne    :    Dan.  v.  292  geoca  üser  georne  nu. 

6.   Ein  solches  wort  begegnet  im  Az.,  fehlt  dagegen  im 

Dan.,  and  zwar 

a)   im  auftakt  des  1.  halbverses: 


Dan.  v.  280  \>k 

„    v.  299  br&con  bebodo 
„    v.  329  folca  fela 
„    v.  398  Annanias  \>ec 


Az.     v.  1  him  \>k 
„     v.  19  ]>\vl  bibodu  br&con 
n     v.  45  eac  fela  folca 
„    v.  153  nu  |?ec  Ananias 
zusammen  4  verse; 

b)  im  auftakt  des  2.  halbverses: 

Az.  v.  65  for  frean  mihtum     :    Dan.  v.  351  frean  m. 

c)  zwischen  1.  und  2.  hebung  und  im  auftakt  des  2.  halbverses: 

Az.  v.  42  f  fyl  nu  }>ä  frumsprsece    :    Dan.  v.  326  f  fyl  nu  f. 
i  t>dah  \>e  \  {>6ah 

7.   Az.  hat  in  der  1.  hebung  ein  alliterierendes  wort,  wel- 
ches im  Dan.  fehlt: 


1  hyre  Schreibfehler,  vgl.  unten  s.  203,  5, 


186  HOFER, 

Az.  v.  3  dreag  dftduin  georn    :    Dan.  v.  282  d&da  georn 
„  v.  13  and  Jmrh  hyldo  help  :        „    v.  293  and  Jmrh  help; 
zusammen  2  verse. 

Da  diese  halbverse  des  Dan.  nicht  die  notwendige  mindest- 
zahl von  4  silben  aufweisen,  sind  sie  offenbar  verstümmelt  über- 
liefert und  wol  dem  Az.  folgend  zu  ergänzen. 

8.  Einige  verse  mit  2  reimstäben  ersetzen  den  einen  durch 
ein  synonym,  und  zwar 

a)  den  ersten: 

Az.  v.  35  cyne  ryce    :    Dan.  v.  319  cneorissum 
„    v.  73  bletsige        :       „    v.  303  gebletsige. 

b)  den  zweiten: 

Az.  v.  8  on  d&da  gehwam  =  semper  :  Dan.  v.  287  in  daga  geh  warn  =  semper ; 
zusammen  3  verse. 

9.  1  vers  mit  2  reimstäben  ersetzt  die  nicht  reimenden 
hebungen  durch  synonyme: 

Az.  v.  94  dryhtcn  |     Dan.  v.  373  mihtig 
bergen  /  *  lofige 

10.  In  2  versen  mit  3  reimstäben  sind  2  durch  syno- 
nyme ersetzt: 

Az.  v.  1 4  partum         1     Dan.  v.  294  Jvöaum 

j>rßanyduni    J  :  Ögonyduni 

Az.  v.  47  sigerof  1     Dan.  v.  833  sigora 
söÖ        J  :  söÖfest. 

11.  3  verse  mit  3  reimstäben  ersetzen  den  einen  durch 
ein  nicht  sinnverwandtes  wort: 

Az.  v.  11  mid  r&de    :    Dan.  v.  291  and  gerftme 
„    v.  50  mödsefan     :  v.  335  nlihta  sp&l 

nv.  173  gebunden     :  v.  414  geboden. 

12.  In  2  versen  mit  3  reimstäben  wurde  der  eine  durch 
ein  synonym,  der  zweite  durch  ein  anderes  wort  ersetzt: 

Az.  v.  48  woruldsceafta  I     Dan.  v.  332  woruldgesceafta 

wuldres  |  '  weroda 

Az.  v.  74  wuldor  |     Dan.  v.  364  wlite 

woruldsceafta  /  *  woruldcrafta. 

13.  1  vers  des  Dan.  mit  3  reimstäben  erscheint  im  Az. 
mit  2  Stäben: 

Az.  v.  41  wintra  hwearft    :     Dan.  v.  325  wintra  worn. 

11.  4  verse  stimmen  in  der  einen  hälfte  überein,  während 
die  andere  abweicht: 

Az.  v.  24  :  Dan.  v.  304;    Az.  v.  107  :  Dan.  v.  3S1; 
69  :  359;  143  :  3S7, 


DANIEL. 


187 


15.  In  5  versen  ist  die  eine  hälfte  nur  noch  ähnlich: 

Az.  v.  4  :  Dan.  v.  283;    Az.  v.  38  :  Dau.  v.  322; 
25  :  305;  54  :  339; 

27  :  307. 

16.  21  verse  des  Daniel  finden  sich  im  Azarias  dergestalt 
wider,  dass  beide  halbverse  beträchtliche  Veränderungen  zeigen, 
ohne  ihren  gegenseitigen  Zusammenhang  ganz  zu  verbergen 


Az.  v.  39 

:  Dan.  1 

w.  323 

;    Az.  v.  144 

:  Dan.  v 

.388 

;   Az.  v 

.  171 

:  Dan.  v.  413; 

40  : 

324 

;                146 

391 

175 

416; 

76  : 

368 

;              147  : 

392 

;      182- 

-183 

431; 

77b.  93a  : 

370; 

154 

399 

185 

432; 

99  : 

375 

;                155 

400 

187 

464; 

104  : 

378; 

156 

401 

188 

:                465; 

106  : 

380; 

157  : 

402; 

60  : 

462. 

17. 

Nur  noch  dem  inhalfc 

3  nach, 

da  die  form  durchaus  ver- 

schieden 

,  lassen  sich  folgende 

verse 

mit  einander  vergleichen: 

Az.  v. 

100b  : 

Dan.  v.  376  b;  Az. 

v.  141— 

-142 

:  Dan. 

v.  388  b— 389a; 

103      : 

377; 

145 

• 
• 

389  b— 390; 

117- 

-119 

:       382—383; 

150 

• 
• 

393; 

122- 

-124a 

;      384— 385  a; 

151- 

-152 

• 

394—397 ; 

134- 

-135a  : 

385b-386a; 

36 

• 
• 

320; 

140     : 

387. 

18.  Az.  v.  47 — 48  entsprechen  in  umgekehrter  folge  Dan. 
v.  332—333.  Dass  die  anordnung  beider  verse  im  Dan.  nicht 
zufällig,  vielleicht  ein  versehen  des  Schreibers  ist,  läset  sich 
beweisen.  Man  vergleiche  die  aufeinanderfolge  der  bezeich- 
nungen  für  Gott  in  v.  331—333:  drihten  —  tvaldend  —  settend  — 
meiod  mit  v.  456—458:  drihten  —  waldend  —  weard;  v.  360—361 
(=  Az.  v.  70—71):  drihten  —  waldend;  v.  445—448:  drihten  — 
waldend;  v.  762:  drihten  —  waldend. 

19.  Dan.  v.  289,  308—313,  330,  344—345,  350,  354—357, 
417 — 430,  haben  nichts  entsprechendes  im  Azarias.  Mit  aus- 
nähme von  v.  289  scheinen  alle  diese  verse  im  Dan.  ursprüng- 
lich zu  sein,  denn  es  beruhen  auf  bibelstellen: 

v.  330  =  Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  44  omnes  qui  ostendunt  servis  tuis  mala; 
„        „        „     v.  48  et  erupit  et  incendit  quos  reperit  juxta 

fornacem  de  Chaldseis: 
v.  354— 357  =      „        „        „      v.  24  et  ambulabant  in  inedio  flamm«; 
v.  30S— 313  fallen  in  eine  ltfcke  der  Exeter-hs.,  in  welcher  das  erste  und 
letzte  wort  betreffender  stelle  noch  erhalten  sind. 

Als  erinnerungszeichen  blieb  zurück  aus  dem  Dan.  v.  289 
eac  in  Az.  v.  10  und  ac  aus  Dan.  v.  344  in  Az.  v.  61. 


v.  344—345  = 


188  HOFER, 

Der  ausfall  von  Dan.  v.  354—357  ist  durch  das  o/ioio- 
zeXevrov  von  v.  353  ...pckr  pä  d&dhwatan  mit  v.  357  ...p(br 
pä  mödhtvatan  erklärlich. 

Dass  nach  Az.  v.  179  a  eine  rede  des  cy  tätiges  r&srva  (wie 
Dan.  v.  417— 430)  ausgefallen  ist,  erhellt  aus  Az.  v.  179b  f.:  'pä 
him  wordum  srvealg  brego  Caldea'  =  dann  verschlang  der  Chal- 
däerfttrst  die  worte  (welche  offenbar  eine  andere  person  an  ihn 
gerichtet  hatte),  hörte  die  rede  seines  kämmerers;  vgl.  Andr 
709  Idre  swelgan. 

20.  Bei  aufzählung  der  geschöpfe  himinels  und  der  erde 

im  gesange  der  drei  Jünglinge  fehlen  im  Az.  gleichwertige  be- 

zeichnungen  für: 

Dan.  v.  366  f.  \>k  J>e  on  roderuni  wuniaÖ 

37 1  heofonsteorran 

372  deaw  and  deor  scür 

376  landa  gehwilc 

377  hat. 

Gegen  ende  des  gesanges  entsprechen  Az.  v.  155—157  :  Dan.  v.  400— 404, 
d.  i.  dem  eingange  des  aus  dem  Brev.  Rom.  entnommenen  Schlusses,  dessen 
ende  jedoch  (=  Dan.  v.  405—409)  in  Az.  fehlt,  wo  dagegen  v.  158— 161a 
auf  Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  8S  beruhen  und  keine  parallele  im  Dan.  haben. 

21.  Az.  v.  57 — 58  sind  nicht  im  Dan.  widerzufinden.  Es 
lässt  sich  nicht  entscheiden,  ob  dieselben  nur  infolge  mangel- 
hafter Überlieferung  des  letzteren  verloren  gingen.  Die  dortige 
bezeichnung  'cefceste  prV  für  die  drei  Jünglinge  findet  sich  in 
Dan.  v.  272  wider. 

22.  Unter  den  geschöpfen,  welche  Gott  preisen  sollen, 
nennt  Az.: 

v.  1 1 9    fseder  rtce  =  himmelreich 
14S  f.    sacerdas,  insesseras. 

Ersteres  findet  sieh  weder  in  der  bibel,  noch  im  Brev.  Rom.; 
letztere  sind  durch  irgend  einen  fehler  in  der  Danielüberliefe- 
rung  verlorengegangen  (vgl.  s.  169  ff.). 

Az.  v.  79—93,  96—98,  101—102,  108—116,  120—121, 
12-1  b— 133,  135  b — 138  bringen  alle  denselben  gedanken,  Gottes 
alimacht  und  gute,  zum  ausdruck  und  gehören  diesem  ge- 
dichte  allein  an.  Ebenso  fehlt  im  Dan.  entsprechendes  für  Az. 
v.  161b— 169,  188b — 191,  welche  ebenso  wenig  auf  irgend 
welcher  biblischen  angäbe  beruhen. 

Ergebniss:  Die  Übereinstimmung  in  gewissen  versen  des 
Dan.  und  des  Az.  bewegt  sich  innerhalb  der  grenzen  von  Dan. 
v.  280  und  v.  465.    Wer  nun  annimmt,  dass  eine  interpolation 


DANIEL.  189 

in  den  Dan.  erfolgt  ist,  und  dass  fragliches  interpolierte  stück 
im  Az.  als  ursprünglicher  noch  erhalten  ist,  muss  dasselbe 
notwendigerweise  mit  vorstehenden  Danielversen  280  und  465 
abgrenzen.  Balg's  behauptung,  dass  Dan.  B  nur  v.  280 — 409, 
421 — 427  umfasste  (und  implicite,  dass  Az.  nicht  von  unserem 
Dan.,  sondern  dieser  von  jenem  abhängig  wurde),  war  ohne 
genaue  vergleichung  beider  texte  aufgestellt,  denn  die  gegen- 
seitige abhängigkeit  von  Az.v.  60  b:  Dan.  v.  464  b;  Az.v.171 — 175: 
Dan.  v.  413—416;  Az.  v.  182—183  :  Dan.  v.  431;  Az.  v.  185  :  Dan. 
v.  432;  Az.  v.  187—188  :  Dan.  v.  464—465  ist  unverkennbar. 

In  der  oben  gegebenen  gruppierung  der  sich  wechselseitig 
entsprechenden  verse  beider  gedichte  gehören  die  abteilungen 
1 — 7,  welche  gleiche  oder  trotz  geringer  abweichungen  doch 
fast  gleiche  verse  enthalten,  weit  mehr  dem  ersten  teile  des 
Az.  (v.  1 — 72)  als  dem  letzten  an:  50  gegen  4  verse.  In  ab- 
teilnng  16  dagegen,  wo  beide  halbverse  ganz  beträchtliche  Ver- 
schiedenheiten aufweisen,  ohne  ihre  abhängigkeit  jedoch  völlig 
zu  verbergen,  finden  wir  20  verse  aus  dem  letzten  teile  des  Az. 
gegen  2  aus  dem  ersten.  Zwischen  beiden  äussersten  grenzen 
stehen  nr.  8—15  mit  17  versen  aus  diesem  und  4  versen  aus 
jenem.  Daraas  ergibt  sich  die  regel:  je  grösser  die  ähnlich- 
keit  der  verse  des  Az.  mit  solchen  des  Dan.,  nm  so  grösser 
die  zahl  der  verse  im  ersten  teile  des  Az.;  je  bedeutender  die 
unterschiede,  um  so  bedeutender  ihre  anzahl  im  letzten  teile 

des  Azarias.  . — "" 

Wir   haben   oben-i   gezeigt,   dass  Dan.  B  nicht   mehr   als 
v.  280—409  umfasste,  zumal  dies  genau  dem  apokryphen  ab- 
schnitte im  *-<*.  biblischen  buche  Dan.  entspricht,  demnach  kann 
Azarias  ^icht  Jenes  interpolierte  stück  des  ags.  Dan.,  etwa  gar 
in  n<ych  ursprünglicher  gestalt  enthalten.    Die  tatsache,  dass 
de,,gesang  der  drei  Jünglinge  eine  absichtliche  kunstmässige 
Gliederung  in  ftinfzeilige  gruppen  im  Dan.,  nicht  aber  im  Az. 
zeigt,  ist  ein  offenkundiger  beweis,  dass  dieser  teil  dort  ur- 
sprünglicher erhalten  ist  als  hier.    Wenn  Verschiedenheiten  des 
Sprachgebrauchs  irgendwo  beweiskräftig  sind,  so  hier.    Die  an- 
nähme, dass  Az.  einem  Verfasser  seine  entstehung  verdankt 
wird  durch   die   für  Gott  gebrauchten   bezeichnungen  wider- 
legt   Az.  v.  1—75  hat  deren   14   verschiedene  an   16  stellen, 
Az.  v.  76—191  deren   36  verschiedene  an  53  stellen:   unter 
diesen  im  letztern  teile 


190  HOFER, 

7  verschiedene  mit  'cyninj*  in  10  versen  (v.  77.  80.  99.  103.  110.  114.  122. 

133.  137.  148), 
6  „  „    'god'  in  8  versen  (v.  78. 94. 112. 117. 147. 152. 155. 163), 

3  „  „    'fader'  in  3  versen  (v.  104.  139.  156), 

2  „  „    'hyrde'  „    3      „        (v.  121.  129.  150), 

aber  cyning,  %od,  hyrde  finden  sich  nicht  ein  mal  im  ersten  teile,  fceder 
allerdings  in  gleicher  Verbindung  bilwit  fceder  v.  73  wie  v.  139.  Dies 
kann  keine  Zufälligkeit  sein. 

Azarias  entstand  nach  dem  Daniel,  und  zwar  nach  der 
hineinarbeitung  von  Dan.  B  in  Dan.  A ,  durch  einen  Verfasser, 
welcher  Dan.  kannte.  Derselbe  trug  jenen  teil  des  Dan.  im 
gedächtniss  und  schrieb  seinen  Az.  aus  dem  gedächtniss  nieder, 
wo  ihn  dieses  verliess,  dichtete  er  selbst  entsprechende  verse. 

So  kommt  es,  dass  die  Übereinstimmung  mit  Dan.  um  so 
geringer  wird,  je  weiter  er  sich  vom  anfange  entfernt;  dass  er 
manche  verse  ganz  ausgelassen,  die  im  Dan.  doch  auf  bibel- 
stellen beruhen;  dass  sich  von  2  derselben  erinnerungszeichen 
erhielten;  dass  in  einem  falle  das  bfiotoriXevTov  die  Ursache 
für  auslassen  mehrerer  verse  bildete;  dass  Dan.  v.  332 — 333  bei 
ihm  umgestellt  sind;  dass  dem  Verfasser  in  v.  100  unwillkür- 
lich statt  des  ags.  leoht  and  peoslro  (Dan.  v.  376)  die  lat  Wörter 
'lux  and  tenebre'  aus  der  feder  flössen,  Wörter,  welche  ihm  in 
dieser  Verbindung  aus  dem  Benedicite  (vgl.  Vulg.  Dan.  c.  IIIt 
v.  72)  ganz  geläufig  waren.  So  verlor  auch  der  Az.-verfasser 
im  gesange  der  drei  männer,  welcher  ja  dem  zweiten  teile 
seines  gedichtes  angehört,  j€2?  ftnfzeilige  gliederung;  so  er- 
setzte er  Wörter  des  Dan.  durch  sinnverwandte,  glich  v.  60b 
dem  Dan.  v.  464  b  an  und  baute  den  schluss  <k-s  gesanges  der 
drei  männer  aus  stellen  des  breviers  und  der  bibel  zusammen. 

Warum  nun  der  Verfasser  des  Az.  gerade  dieses  stock  aus 
dem  Dan.  auswählte,  beantwortet  sich  in  gleicher  weisfr,  wie 
die  frage,  warum  Dan.  B  nicht  mehr  als  v.  280—409  umfaßte. 
Das  gebet  des  Azarias  und  der  hymnus  der  drei  Jünglinge 
—  der  inhalt  der  apokryphen  einschaltung  in  der  bibel  —  be- 
anspruchte am  meisten  seine  aufmerksamkeit  Und  mit  einem 
berichte,  wie  die  drei  Jünglinge  aus  dem  ofen  befreit  wurden 
(v.  162—191  :  Dan.  v.  410—467)  wünschte  er  sein  bruchsttick 
abzuschlie8sen. 

Anklänge  wie: 
Az.  v.  160    engel  ns  mid  fiörura  bewröah  wiö  bryne  bröjan 
Dan.  v.  289  enjel  freobearn  fseömum  be^eahte  under  }>am  tyrenan  hröfe; 


DANIBL.  191 

Az.  v.  58      äfaestum  }?rim 

Dan.  v.  272  &f«ste  J?ry  (&faeste  noch  Dan.  v.  89.  248); 

Az.  v.  177    ofhes  Aled 

Dan.  v.  243  Äled  wses  unjesceäd  micel  (älet  noch  Dan.  v.  254) 

sind  vielleicht  als  reminiscenzen  des  Az.-dichters  an  verse  de$ 
Dan.  zu  erklären. 

Es  ist  nun  keine  Veranlassung  gegeben,  etwa  die  Exeter- 
handschrift  als  betreffende  erste  niederschrift  des  Azarias  aus 
dem  gedächtniss  anzusehen,  noch  die  handschrift  Junius  XI 
als  quelle  zu  betrachten,  aus  welcher  der  Az.-dichter  seine 
kenntniss  des  Daniel  schöpfte.  Im  gegenteil  können  wir  für 
den  letzten  punkt  sogar  nachweisen,  dass  jene  quelle  einige 
unterschiede  dem  ms.  Junius  XI  gegenüber  aufwies. 

So  enthielt  sie  gewiss  Dan.  v.  282  und  293  in  vollständiger 
gestalt,  die  beiden  nach  Dan.  v.  392  fehlenden  verse,  vielleicht 
auch  den  nach  Dan.  v.  378  und  den  nach  Dan.  v.  393  fehlen- 
den vers. 

Mit  Junius  XI  stimmte  sie  insofern  überein,  als  sie  Dan. 
v.  289,  308—313,  330,  344—345,  350,  354—357  enthielt,  dazu 
auch,  was  ganz  besonderer  erwähnung  verdient,  den  Schreib- 
fehler 'selfa'  in  Dan.  v.  416  statt  'sefa'  aufwies.  Während  der 
Schreiber  von  Junius  XI  diesen  fehler  mit  abschrieb,  nahm  der 
Az.-dichter  denselben  für  das  flirwort  'seolfa,  sylfa'  und  richtete 
dem  entsprechend  den  schluss  seines  v.  175  ein. 

Y.  Die  person  der  Verfasser  unseres  gefliehtes. 

Das  uns  in  ms.  Junius  XI  erhaltene  gedieht  Daniel  be- 
steht, wie  früher  gezeigt  wurde,  aus  den  werken  von  wenig- 
stens zwei,  vielleicht  von  drei  dichtem,  aber  der  grössere 
teil  und  die  eigentliche  komposition  desselben  gehört  einem 
allein  an. 

Der  Verfasser  des  lobgesanges  der  drei  Jünglinge  war 
zweifellos  ein  reichbegabter  dichter,  was  nicht  bloss  aus  der 
strophenartigen  gliedernng  des  ganzen,  sondern  auch  aus  der 
grossen  mannigfaltigkeit  seiner  bezeichnungen  für  'Gott'  hervor- 
geht: an  20  stellen  gebraucht  er  19  verschiedene  ausdrücke. 
Er  schrieb  sein  angelsächsisches  canticum,  indem  er  dem 
römischen  brevier  folgte,  gehörte  also  dem  geistlichen  stände 
an.  Dass  dieser  dichter  mit  Beda's  Csedmon  nicht  dieselbe 
person  sein  kann,  bedarf  demnach  keines  weiteren  be weises. 


r 


192  HOFER, 

Ob  Dan.  v.  280 — 362  ihm  ebenfalls  zugebüren,  kann  nicht  mit 
Sicherheit  entschieden  werden. 

Und  der  Verfasser  von  Dan.  A  war  nicht  minder  ein  geist- 
licher, denn  er  zeigt  grosse  bibelkenntniss  im  anfange  des  ge- 
dichtes.  Götzinger1  hat  die  einleitung  des  ags.  Dan.  als  eine 
selbständige,  vom  ags.  dichter  allein  herrührende  bezeichnet 
Diese  behauptang  trifft  nur  ftlr  v.  1 — 16  and  rücksichtlich  des 
biblischen  buches  Daniel  zu.  Dieses  letztere  bot  dem  dichter 
nur  die  veranlassung,  nicht  den  stoff  für  seine  erzählung  von 
Nabuchodonosor's  zug  gegen  Jerusalem.  Die  bibel  berichtet 
von  drei' solchen  zügen  des  königs: 

1)  IV  Regum  c.  XXIV,  v.  1— 2  =  II  Paral.  c.  XXXVI,  v.  6—7  =  Dan. 

c.  I,  v.  6 — 7  während  der  regierung  des  Joakim ; 

2)  IV  Regum  c.  XXIV,  v.  10  ff.  =  II  Paral.  c.  XXXVI,  v.  10  zur  zeit 

Joachiin's; 

3)  IV  Regum  c.  XXV,  v.  1  ff.  =  II  Paral.  c.  XXXVI,  v.  17  ff.  =  Jcrem. 

c.  XXXIX  =  Je  rem.  c.  LH,  v.  4  ff.  unter  Sedecias. 

Letzterer  war  der  wichtigste,  da  er  die  jüdische  herrschaft  in 
Canaan  gänzlich  vernichtete.  Von  ihm  spricht  unser  dichter 
im  gegensatze  zum  biblischen  buche  Daniel. 

Ein  vergleich  des  ags.  gedichtes  mit  den  vier  berichten  in 
der  bibel  ergibt,  dass  dasselbe  zumeist  mit  II  Paral.  c.  XXXVI, 
v.  17  ff.  zusammenstimmt,  aber  einzelheiten  aus  den  übrigen 
dreien  mit  hineingeflochten  hat.  So  entspricht  inhaltlich,  wenn- 
gleich nur  im  umriss: 

ags.  Dan.  v.  17—24  :  II  Paral.  c.  XXXVI,  v.  12—14 
„       „      v.  25-27  :  v.  15 

„      „     v.  28-34  :  v.  16 

„       „      v.  35—48  :  v.  17 

(die  äussere  Veranlassung  des  zuges  wird  von  dem  Angelsachsen  in  v.  49—51 

anders  als  II  Paral.  c.  XXXVI  v.  13  angegeben). 

Weiter  entsprechen: 

ags.  Dan.  v.  52—53  :  IV  Regum  c.  XXIV,  v.  17 
Die  'hatfeneyningas'  in  Dan.  v.  54  werden  Jerem.  c.  XXXIX,  v.  3  namhaft 
gemacht. 

Ferner  sind  zu  vergleichen: 

ags.  Dan.  v.  55—56  :  II  Paral.  c.  XXXVI,  v.  IS 
„       „      v.  57—64  :  n  v.  19 

„      „     v.  65—67  :  Jerem.  c.  LH,  v.  18—23 
„      „     v.  68—74  :  II  Paral.  c.  XXXVI,  r.  20 
„      r     75—78  :  IV  Regum  c.  XXV,  v.  22. 


1  Dichtungen  des  Angelsachsen  Caedmon  s.  29. 


DANIEL.  193 

Erst  von  v.  79  an  folgt  das  ags.  gedieht  dem  buche  Daniel, 
z.  b.  v.  79 — 84  entsprechen  Dan.  c.  I,  v.  3 — 4. 

Doch  unser  Verfasser  kannte  ausser  der  bibel  auch  sonstige 
kirchenschriftsteller.  In  der  bibel  (Dan.  c.  V,  v.  2,  11, 13, 18, 22) 
erscheint  Nabuchodonosor  als  vater  des  Balthasar,  in  unserm 
gedieh  te  als  dessen  gross  vater: 

v.  676  f.    |?ä  in  }?&re  }?6ode  äwöc  bis  (sc.  Nabuchodonor's)  J>fet  j^ridde 
cneow,  wsBS  Baldazar  burja  aldor. 

Dasselbe  verwandtschaftsverhältniss  beider  könige  gibt  auch 
Flavius  Jo8ephus  (37 — 100  n.  Chr.)  an,  wie  aus  der  anmerkung l 
des  Hieronymus  zu  Dan.  c.  V,  v.  9  hervorgeht. 

Nun  zur  bestimmung  der  entstehungszeit  unseres  gedichtes. 
Als  sehr  wertvoller  ausgangspunkt  dafür  bietet  sich  uns  die 
tatsache,  dass  nicht  die  Vulgata,  sondern  die  Septuaginta  (in 
irgend  einer  lateinischen  Übertragung)  als  quelle  gedient  hat. 
Obwol  die  abweichungen  zwischen  beiden  Übersetzungen  des 
alten  testamentes  bezüglich  des  buches  Daniel  nicht  sehr  zahl- 
reich sind,  so  stimmt  gleichwol  unser  gedieht  mehrfach  mit 
der  Septuaginta  überein: 

1)  Vulg.  Dan.  c.  I,  v.  3:  'Et  ait  rex  Asphenez  pr«posito  Eunuchorum, 
ut  introduceret  de  filiis  Israel  et  de  semine  regio,  et  tyrannoruui  pueros,    * 
qui  .  .'  bietet  nichts  gleichwertiges  für  das  in  diesem  zusammenhange  vor- 
kommende ags.  Israela  earme  liife  (v.  40),  das  wir  widerfinden  in 

LXX  laviTjk  c.  I,  v.  3:  xal  tintv  6  ßaotkevq  x(p  *4o<pavl±  xw  aQ%i- 
fvvovxtp  avxov  tlaayuyetv  dno  xwv  vlüv  x?jq  ar//bia Xcoo la^'lofjaijk  xal 
dno  xov  07itQfiaxog  .  .  . 

2)  Vulg.  Dan.  c.  I,  v.  6:  'Fuerunt  ergo  inter  eos  de  filiis  Juda  Daniel, 
Ananias,  Misael  et  Azarias'  stimmt  in  der  reibenfolge  der  letzten  3  namen 
nicht  mit  dem  ags.  v.  91  f.:  an  waes  Anantas,  OÖer  Azarfas,  |?ridda 
Misael  überein,  wol  aber 

LXX  Javitjk  c.  I,  v.  0 :  xal  iysvexo  iv  avxolq  ix  xwv  viwv  'Iovöa 
JavitjX  xal  kvaviaq  xal  Ä^aQiaq  xal  MioatjX. 

3)  Das  feld,  wo  der  künig  das  goldene  gützenbild  aufrichten  lässt, 
wird  in  der  Vulg.  Dan.  c.  ELI,  v.  1  Dura,  in  LXX  Aavir\X  c.  III,  v.  1 
Jff  i(>«*,  in  ags.  Dan.  v.  171  Diran  genannt. 

4)  Die  reibenfolge  der  einzelnen  geschb'pfe,  welche  im  gesange  der 
drei  männer  zum  preise  Gottes  aufgefordert  werden,  stimmt  im  Ags.  nicht 
zur  Vulg.,  dagegen  zur  Septuag.,  wie  oben  nachgewiesen.8 

5)  Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  97:  'Tunc  rex  promovit  Sidrach,  Misach  et 
Abdenago  in  provincia  BabylomV  erzählt  nichts  davon,  dass  der  künig 
die  drei  frommen  Jünglinge  an  die  spitze  der  gefangenen  Juden  stellt, 

1  v.  Lengerke,  Das  Buch  Daniel  s.  204. 

3  ebenda  s.  115,  anm.  a. 

8  Vgl.  s.  171  f.  dieser  abhandlung. 

▲uglia,  XII.  band.  13 


194  HOFER, 

wie  der  Ags.  berichtet  v.  453  ägaef  him  (sc.hyssum)  \>&  his  leoda  läfe 
\>e  )>&t  ^elaedde  w&ron,  wozu  die  parallele  sich  findet  in 

LXX  Aavir\X  c.  III,  v.  30:  xoxe  6  ßaoiXtvg  xaxevS-vve  xbv  SeSoax 
Mioax  hßdevayw  iv  xy  %ajQft  BaßvXwvog,  xal  rjv^asv  avrovg  xal 
^iwasv  avrovg  fjyelo&ai  ndvxwv  xwv  'Iovdaiwv  xwv  iv  xy 
ßaaiXeia  avxov. 

6)  Vulg.  Dan.  c.  IV,  v.  11 — 12:  'Clamavit  fortiter  et  sie  ait:  Succi- 
dite  arborein,  et  praeeidite  ramos  ejus:  excutite  folia  ejus,  et  dispergite 
fruetus  ejus:  .  .  .  Verum  tarnen  geruien  radicum  ejus  in  terra  sinke,  et 
allig etur  vineulo  ferreo  et  aereo,  in  herbis,  quse  foris  sunt,  et  rore  caeli 
tingatur,  et  cum  feris  pars  ejus  in  herba  terrae  .  .'  weicht  im  letzten  teile 
beträchtlich  von  unserm  gedichte  ab,  v.  511 — 521:  torhtan  reorde  h£t|>aet 
treow  ccorfan,  .  .  .  het  |?onne  besn&dan  seolfes  bl&dum,  twijum  and 
telgum  and  J>eh  täcen  wesan,  wunian  wyrtruman  J?aes  wuduböaraes 
eoröan  faestne  .  .  .,  het  eac  gebindan  beain  )>one  miclan  Ären  um 
clammum  and  fsernum  and  jes&ledne  in  süsl  dön. 

In  beiden  erzählungen  wird  der  bäum  umgehauen,  seiner  äste,  blätter 
und  fruchte  beraubt,  sein  wurzelstock  aber  im  boden  stehen  gelassen. 
Während  aber  die  Vulgata  erzählt,  dass  der  wurzelstock1  in  fesseln  ge- 
schlagen und  gepeinigt  wird,  hat  im  ags.  gedichte  der  umgehauene  bäum- 
st am  m  fesseln  und  quälen  zu  erdulden,  wie  dies  auch  berichtet  ist  in 

LXX  c.  IV,  v.  11—12:  *Exxo\paxe  xb  devdoov,  xal  ixxiXaxe  xovg 
xXdöovg  avxov  xal  ixxtvd^axe  xa  <pvXXa  avxov  xal  Aiaoxoonlaaxf  xbv 
xaonbv  avxov  .  .  .  TcXtjv  xtjv  (pvrjv  xwv  pi^wv  avxov  iv  xy  yy  idoaxe, 
xal  iv  Seoftw  oi<Uj(jlö  xal  %aXxw  xal  iv  xy  Z^*'}V  XV  *SW  xa^  &  TZ 
öqoow  xov  ovoavov  xotxag&tjoexai,  xal  fitxct  xwv  &tjoiwv  //  [itolg  avxov 
iv  xw  %6qxw  xfjg  yijq,  wo 

/}  fteolg  avxov  =  rj  fieglg  xov  öevöoov. 
Stimmte  die  Septuaginta  mit  der  Vulgata  überein,  so  würden  wir  statt 
dessen  lesen: 

^  fisolg  avxijq  =  rj  fieglg  xijg  (pvijg  xwv  $iC,wv. 

Die  angeführten  Übereinstimmungen  beweisen  also,  dass 
unserem  gedichte  als  quelle  die  Septuaginta  diente,  welche  latei- 
nisch übersetzt  als  *  Versio  antiqua  Laiina1 ',  oder  'Vetus  Latina', 
oder  'Itala'  vor  der  Vulgata  im  gebrauche  der  kirche  war. 

Im  7.  und  8.  Jahrhundert  nun  wurde  diese  Vetus  Latina 
von  des  Hieronymus'  bibelübersetzung  mehr  und  mehr  ver- 
drängt2, welche  ihrerseits  von  der  mitte  des  9.  Jahrhunderts 

1  v.  Lengerke,  Das  Buch  Daniel  8.  170  und  s.  172  anm.  p:  'Dass  der 
wurzelstamm  mit  eisenbanden  umklammert  wird,  geschieht,  um  ihn  vor 
Sprüngen  und  rissen  und  völligem  untergange  zu  bewahren'. 

1  Herzog's  Realencyklopädie  f.  prot.  Theologie  bd.  VII 1,  s.  442:  'Als 
unsere  Übersetzung  (d.  i.  die  Versio  antiqua  Latina)  im  laufe  des  7.  und 
8.  Jahrhunderts  allmählich  ganz  ausser  gebrauch  kam,  fielen  ihre  hss.  der 

Vergessenheit  und   dem   staube   anheim Die  erhaltenen  hss.  sind 

daher  fast  alle  sehr  alt,  und  wenige  werden  Über  das  7.  Jahrhundert 
hinausreichen '. 


DANIBL.  195 

ab  ausschliesslich  üblich  war.1  Dieser  letzte  Zeitpunkt  ist  dem- 
nach als  äusserster  terminus  ad  quem  für  die  entstehung  unseres 
gedichtes  anzusetzen.  Noch  näher  aber  kommen  wir  der  ab- 
fassungszeit  desselben,  wenn  wir  folgendes  in  erwägung  ziehen : 

1.  Die  mundart  der  handschriften,  welche  ags.  gedichte 
überliefern,  bietet  bekanntlich  keinen  zuverlässigen  anhält  für 
die  datierung  ihres  ersten  daseins.  Da  die  Schreiber  bei  ihrer 
arbeit  oft,  entweder  vorsätzlich  oder  unwillkürlich,  ihre  vor- 
lagen in  ihre  eigene  mundart  übertrugen,  so  zeigen  die  hand- 
schriftlich erhaltenen  gedichte  häufig  mehr  der  Schreiber  als 
der  ursprünglichen  dichter  dialekt. 

In  seiner  abhandlung  über  die  rhythmik  des  germanischen 
alliterationsverses  hat  Sievers  bereits  darauf  hingewiesen,  dass 
der  Daniel  zuerst  in  anglischer  mundart,  nicht  in  westsäch- 
sischer gedichtet  wurde,  dass  ms.  Junius  XI  dagegen  von  einem 
sächsischen  oder  kentischen  Schreiber  herrühre.  Sievers  erörtert 
die  metrischen  gesetze  am  Beowulf  und  zeigt,  dass  dieselben 
in  ihren  grundformen  von  allen  ags.  gedichten  —  die  spätesten 
allein  ausgenommen  —  sorgfältig  beobachtet  werden.  Mit  hilfe 
dieser  gesetze  lässt  sich  dann  nachweisen,  dass  gewisse  gram- 
matische formen  der  handschrift  unmöglich  dem  dichter  an- 
gehören können.  Für  unseren  Daniel  ergaben  sich  daraus 
folgende  tatsachen: 

a)  Die  zusammengezogenen  verbalformen  li'Ö  v.  563  a,  cymsl  v.  585  b 
sind  in  des  dichters  dialekt  nicht  zusammengezogen  gewesen2; 

b)  der  jetzt  zweisilbige  Superlativ  nehsium  v.  411b  war  bei  dem 
dichter  dreisilbig8; 

c)  die  pluralform  fcondas  v.  345a  gehört  als  zweisilbig  dem  dichter  an4 ; 

d)  ebenso  die  formen  fde^re  v.  498b,  ontriowde  v.  269b5; 

e)  in  v.  196  b  cüft  ^edydon  wurde  die  sächsische  verbalform  mit  kurzem 
Stammvokal  für  die  ursprüngliche,  anglische  mit  langem  Stammvokal  %e- 
ddedon  eingesetzt.6    Diese  ist  noch  erhalten  in  be  feore  debde  v.  101b. 

1  Herzog,  a.  a.  o.  bd.  VIII,  s.  448:  'Wenn  daher  schon  Isidorus  Hispal. 
(a.  d.  560—636)  de  div.  offic.  1,12  schreibt:  Hieronymi  editione  generaliter 
omnes  ecclesiae  usquequaque  utuntur  . . .,  so  war  dies,  streng  genommen, 
noch  nicht  wahr,  aber  wol  durfte  es  Hraban.  Maurus  (f  856)  de  instit.  cleric. 
2,  54  für  seine  zeit  nachschreiben.  Noch  Beda  Venerabilis  bezieht  sich 
zuweilen  auf  die  alte  Übersetzung,  ob  wol  er  für  gewöhnlich  die  neue 
braucht.  Erst  im  9.  Jahrhundert  entschied  sich  der  sieg  der  neuen  voll- 
ständig '. 

*  Paul  und  Braune,  Beiträge  bd.  X,  s.  464  f.,  473,  475  f. 

3  ebenda  s.  478. 

4  ebenda  s.  474,  473;  bd.  IX,  s.  252. 

5  ebenda  s.  233,  474,  498. 

6  ebenda  bd.  X,  s.  498. 

13* 


196  HOFER, 

Wir  fügen  noch  diese  hinzu: 

f )  dream  as  v.  30,  115  als  gen.  sing,  ist  nordhumbrisch * : 

g)  ägcef  v.  453,  on^et  v.  460.  488.  631  prät.  sing.;  begite  v.  618  opt. 
prät.  plur.  gehören  nicht  dem  sächsischen  dialekte  an 9 ; 

h)  cyme  v.  517.  588;  dieser  opt.  präs.  findet  sich  immer  im  anglischen 
psalter,  zuweilen  auch  in  westsächsischen  denk  malern8; 

i)  unser  gedieht  hat  den  plur.  opt.  prät.  zumeist  auf  ~e:  deede  v.  101, 
www  de  v.  123,  rebrde  v.  191,  sceolde  v.  212,  rvolde  v.  214,  %elwsU  v.  219, 
hwyrfe  v.  221,  näme  v.  508,  betete  v.  618,  dornige  v.  372.  399,  lofi^e 
v.  373.  380,  blelsige  v.  381,  bletsie  v.  390,  cyme  v.  517;  nur  ein  mal  findet 
er  sich  auf  -en:  rvolden  v.  203.  Die  apokope  des  auslautenden  -»  war  im 
nordhumbrischen  dialekte  gewöhnlich. 

In  Exodus  habe  ich  nur  formen  auf  -en  gefunden;  Groschopp  und 
Kühne,  welche  den  dialekt  von  'Crist  und  Satan'  untersuchten,  haben 
auch  aus  diesem  gedichte  keine  formen  auf  -e  beigebracht. 

Die  obenangeführten  grammatischen  formen  deuten  darauf 
hin,  dass  der  Daniel  ursprünglich  in  der  nordhumbrischen 
mundart  entstand.  Seine  Verfasser  waren  mithin  Nordhumbrier, 
welche  dem  geistlichen  stände  angehörten.  Nun  wissen  wir, 
dass  die  raubzüge  der  Dänen  bereits  um  die  mitte  des  8.  Jahr- 
hunderts die  nordhumbrischen  klöster  und  kirchensitze  zerstört 
hatten,  jene  beschaulichen  pflanzstätten,  wo  die  angelsächsische 
dichtkunst,  von  jugendlich-christlichem  feuereifer  gepflegt,  ihre 
ersten  biUten  entfaltete.  Um  die  mitte  des  8.  Jahrhunderts  muss 
also  unser  gedieht  schon  vorhanden  gewesen  sein. 

2.  Auf  diese  zeit  weist  auch  der  Wortschatz  des  Daniel 
hin.  In  nachfolgender  Zusammenstellung  haben  wir  sowol  die 
cwrag  Xsyofjitra,  als  auch  jene  Wörter  ausgelassen,  welche  viel- 
fach in  der  angelsächsischen  poesie  widerkehren.  Nur  die 
seltener  gebrauchten  Wörter  sind  ausgewählt  worden. 

Nur  im  Beowulf  finden  sich  noch  belegt: 

»tberan  D.  v.  538,  B.  v.  28.  624.  1561.  2127.  2614.  3092;  besw&lan  D. 
v.  438,  B.  v.  3041;  endelßan  D.  v.  187,  B.  v.  1092;  f&rsryre  D.  v.  463,  B. 
v.  174;  stedeling  D.  v.  422,  B.  v.  2617.  2949;  hreohmod  D.  v.  242,  B. 
v.  2132,  2296;  w&fre  D.  v.  241,  B.  v.  1150.  1331.  2420;  ]n\  wa»s  endedaej 
D.  v.  679,  B.  v.  3035;  swä  him  gecynde  w»s  l>.  v.  3,  B.  v.  2696. 

Ausser  im  Beowulf  finden  sich  noch  in  einigen  anderen 
ags.  gedieh  ten: 

aj>encan  D.  v.  146,  B.  v.  2643,  Gen.  v.  400,  Cri.  v.  990;  bolgeuinöd  D. 
v.  209,  B.  v.  709.  1713,  An.  v.  128.  1223,  GA.  v.  529;   brytnian  D.  v.  691, 


1  Sievers,  Ags.  Gram.  §  237,  anm.  1. 
*  ebenda  §  391,  anm.  2. 
8  ebenda  §  390,  anm.  2. 


DANIEL.  197 

B.  v.  2383,  Edw.  v.  7.  21;  drSamlSas  D.  v.  558,  B.  v.  1720,  Cri.  v.  1628; 
earmsceapen  D.  v.  632,  B.  v.  1351.  2229,  An.  v.  1131.  1347,  Jul.  v.  418; 
endedaeg  v.  679,  B.  v.  637.  3035,  Hy.  7m,  Ap.  v.  79;  forhabban  D.  v.  147, 
B.  v.  1151.  2609,  Exod.  v.  487;  hordweard  D.  v.  65,  B.  v.  1047.  1852.  2293. 
2302.  2554.  2593,  Exod.  v.  35.  511;  inyndjian  D.  v.  144,  B.  v.  1105.  2057, 
EL  v.  657;  gemyndjian  D.  v.  571,  B.  v.  2450,  Ps.  763.  86*.  1352*.  1426; 
treddian  D.  v.  439,  B.  v.  725.  922,  Ps.  655;  unblfÖe  D.  v.  127.  134,  B.  v.  130. 
2268.  3031,  Gen.  v.  2259;  unwäcltc  D.  v.  674,  B.  v.  3138,  Jul.  v.  50,  By. 
v.  308;  dorn  fafian  D.  v.  190,  B.  2963,  Gü.  v.573;  tö  symble  jesittan  D. 
v.  701,  B.  v.  2104;  tö  symble  sittan  B.  v.  489,  Jud.  v.  15;  Kr.  141. 

Wörter   und  ausdrücke,   die  nur  in  Dan.  und  Gen.  vor- 
kommen: 

äwacan  D.  v.  676,  G.  v.  1708.  2615;  bresne  D.  v.  173.  449,  G.  v.  2801;  jc- 
rüme  D.  v.291,  G.  v.  759;  herewösa  D.v.629,  G.  v.  85;  manltca  D.  v.  174, 
G.  v.  2566;  onSgan  D.  v.  697,  G.  v.  1829;  r&dl$as  D.  v.  177,  G.  v.  44; 
reÖemöd  D.  v.  33,  G.  v.  47.  1684.  2492;  weorc^ow  D.  v.  74,  G.  v.  2260. 
2720;  cüö  gedön  D.  v.  196;  cüÖ  dön  G.  v.  1503.  1851;  feorh  nerigan  D. 
v.  355,  G.  1999.  2510;  metode  gecoren  D.  v.  92,  G.  v.  1734;  w&da  leas  D. 
v.634,  G.v.867;  w&pna  laf  D.v.74,  G.v.2005;  weard  and  wisaD.v.566, 
G.  v.  1157;  in  wintra  worn  D.  v.  325;  ymb  wintra  worn  G.  v.  1320;  )mrh  ge- 
msene  word  cweÖan  D.  v.  362;  }?urh  genifene  word  andswarian  G.  v.  2474; 
waes  him  beorht  wela  D.  v.  9 ;  him  waes  beorht  wela  G.  v.  1 603 ;  welan 
wunden  gold  D.  v.  678,  G.  v.  1931;  hie  wlenco  anwöd  aet  wtn^ege,  druncne 
je|?ohtas  D.  v.  17;  hie  J^ass  wlenco  onwöd  and  wingedrync  G.  v.  2579; 
öö"  }>aet  him  cwealm  gesceöd  D.  v.  668 ;  )>a  him  cwealm  gesceode  G. 
v.  1623;  siÖÖan  }?£r  his  aferan  öad  bryttedon  D.  672;  siÖÖan  his  eaforan 
öad  bryttedon  G.  v.  1602;  ead  bryttedon  G.  v.  1891;  ne  meahte  \>k  seo 
maenigeo  wihte  ä^encean  D.  v.  145;  gif  we  hit  m&gen  wihte  äj?encan 
G.  v.  400 ;  fröd  foremihti j  folca  r&swa  D.  v.  667;  swä  J>a  foremeahtige 
folces  r&swan  G.  v.  1669;  )>u  eart  seo  micle  and  min  seo  m&re  burh  \>e 
ic  jeworhte  tö  wurÖmyndum,  rüine  rice  D.  v.  609—  II;  J>is  is  söo  eorÖe 
)>e  ic  seltene  tudre  }?inum  torhte  wille  waestmum  gewlö  on  geweald 
dön,  rüme  rice  G.  v.  1787—90. 

Folgende  Wörter  und  ausdrücke  gehören  dem  Dan.,  der 
Gen.  und  wenigen  andern  ags.  gedichten  an: 

ähicgan  D.  v.  130.  147,  G.  v.  2031,  Cri.  v.  903,  Crae.  v.  44,  Gn.Ex.  v.  202; 
ahweorfan  D.  v.630,  G.v.25.  2067,  An.  v.  959,  Ps.1251;  anmöd1  D.v.224, 
G.  v.  1650.  1662,  Ex.  v.  203,  Run.  2;  anwadan  D.  v.  17;  onwadan  G. 
v.  1260.  2579,  An.  v.  140;  «faest  D.  v.  89.  248.  272,  G.  v.  1182.  1802,  Gö. 
v.  497,  L6as.  v.  35;  bliÖemöd  D.  v.  253.  713,  G.  v.  1468.  1800,  Edw.  v.  15; 
cynegöd  D.  v.  196.  433,  G.  v.  1590.  1736,  Wid.  v.  56;  earfoÖsiÖ  D.  v.  657, 
G.  v.  1476,  An.  v.  678.  1285,  Wy.  v.  59;  folcgesiÖas  D.  v.  412,  G.  v.  2134, 
Met.  17Ü;  forbrecan  D.  v.  709,  G.  v.  698.  798,  Jul.  v.  473,  Sat.  v.  468,  Hö. 
v.  35;  foremihtig  D.  v.  667,  G.  v.  1669,  Ph.  v.  159;  hämsittende  D.  v.  687, 
G.  v.  1815,  An.  v.  686;   sceon  D.  v.  266,  G.  v.  1103,  Ex.  v.  586;   weoruld- 


1  onmöd  An.  v.  54,  Gft.  v.  717,  Fin.  v.  12. 


198  HOFER, 

Sesceaft  D.  v.  332,  G.  v.  101.  110.  863,  Met.  111^-101.  201W.  297*,  Men. 
v.  115;  wiöerbroca  D.  v.  566,  G.  v.  64.  2288,  Jul.  v.  260,  Gtt.  v.  265;  lufan 
and  lisse  D.  v.  340,  G.  v.  2332;  luffum  and  lissum  G.  v.  1940.2737;  lufena 
and  lissa  Gu.  v.  1040;  |>eowned  Julian  D.  v.  308,  G.  v.  2030,  El.  v.  770; 
d&Öe  sweltan  D.  v.  143,  G.  v.  1205,  Jul.  v.  125;  drihtne  jecoren  D.  v.  150. 
736,  G.v.  1818,  Ap.  v.5,  Ps.  I315;  eard  and  6Öel  D.v.  612.  638,  G.v.632, 
Ph.  v.  158.  427,  Met.  2450* ö9;  sttsl  }>rdwian  D.  v.  621,  G.  v.  75,  Sat.  v.  41; 
jodes  spelboda  D.  v.  230.  465.  538.  743,  G.  v.  2494,  Cri.  v.  336,  Ph.  v.  571, 
Gü.  v.  11. 

In  Dan.  und  Exod.  sind  belegt: 

b&lb$s  D.  v.  232,  Ex.  v.401;  herbes  wisa  D.v. 203.  540,  Ex. v.  13;  here- 
don  drihten  on  dreame  D.  v.  257—258;  on  dreanie  drihten  herigaÖ  Ex. 
v.  546;  ni&st  and  m&rost  \>är&  \>q  men  bün  D.v.  693;  maest  and  m&rost 
pkm  \>e  manna  bearn  Ex.  v.  395. 

In  Dan.,  Exod.  und  einigen  andern  ags.  gedichten  finden  sieb: 

böcere  D.  v.  164,  Ex.  v.  530,  An.  v.  607,  Wy.  v.  71;  folemaegen  D.  v.  185, 
Ex.  v.  347,  An.  v.  1062;  geseeon  D.  v.  620,  Ex.  v.  560,  An.  v.  18;  mdd- 
hwtet  D.v.  357,  Ex.  v.  124,  Hy.  II16;  heortan  jetenje  D.  v.  629,  Ex. 
v.  14S,  Ps.  101«;  w&re  healdan  D.  v.  10,  Ex.  v.  421,  El.  v.8>3;  w&re  je- 
healdan  Gn.  Ex.  v.  101. 

Wörter  und  Wortverbindungen,  welche  nur  dem  Dan.  und 
Cynewulf's  echten  werken  angehören: 

aglac  D.  v.  238,  El.  v.  1188,  Rä.  47.  79«.  88";  äcraßft  D.  v.  19,  El.  v.  435, 
brSostloea  D.  v.  167,  El.  v.  1250;  cöapian  D.  v.  739,  Cri.  v.  1096;  d£d- 
hwset  D.v.  353,  El.  v.  292,  Cri.  v.  385,  Jul.  v.  2;  hl£p  D.v.  574,  Cri.  v.  720. 
726.730.747;  hreddan  D.  v.  671,  Cri.  v.  274,  Rä.  1518;  lfonUm  D.v.  764, 
Cri.  v.  1120;  nlöwracu  D.  v.  664,  Jul.  v.  187;  s&faroÖ  D.  v.  323,  El.  v.  251; 
upcyme  D.  v.  385,  Rä.  31*;  wolcenfaru  D.  v.  379,  Rä.  4";  böca  bebod 
D.  v.  82,  Cri.  v.  1631;  aglac  dröojan  D.  v.  288,  Rä.  796;  dujuÖum  wealdan 
D.  v.  765,  El.  v.  450;  set  godes  earce  D.  v.  752,  El.  v.  399;  lacende  Uj 
D.  v.  476,  El.  v.580.  1111,  Cri.  v.  1595;  rice  under  roderum  D.  v.640,  El. 
v.  13.  147.  631;  siÖfaet  seegan  D.  v.  649,  Jul.  v.  285.  31S;  swefnes  wöma 
D.  v.  110.  118.  539,  El.  v.  71;  s&ton  him  aet  wtne  D.  v.  696;  säet  him  «t 
wine  Rä.  47'. 

Die  folgenden  Wörter  und  Wortverbindungen  begegnen 
ausser  im  Dan.  noch  in  einigen  sonstigen  ags.  gedichten: 
aeeorfan  D.  v.  568,  Ps.  88*°;  äfeallan  D.  v.  557,  By.  v.  202;  anmedla1  D. 
v.  748,  Sat.  v.  74;  äwinnan  D.  v.  654,  Gü.  v.  440;  aelmysse  D.  v.  587,  Ph. 
v.  453,  Gü.  v.  48,  Alm.  v.  8,  Ps.  Th.  19»;  basu  D.  v.  724,  Ph.  v.  296;  breost- 
je^anc  D.  v.  400,  Fä.  v.  33;  caldorlagu  D.  v.  139,  Gü.  v.  1234;  ealdorman 
D.  v.  685,  An.  v.  608,  Ps.  12  mal,  By.  v.  219;  earfoÖmaecg  D.  v.  623,  Wy. 
v.  11;  ^eocian  d.  v.  292,  Hy.  445- 5y;  gesigefwstan  D.  v.  288,  Ps.  102»;  30- 
strüdan   D.  v.  61 ,  Sal.  v.  73.  154;    jlöawmAd  D.  v.  440,   Gü.  v.  975,  An. 

1  oniuedla  B.  v.  2926,   Cri.  v.  S15,  El.  v.  1266,   Sat.  v.  429,  Sal.  v.  351, 
Seef.  v.  81. 


DANIEL.  199 

v.  15S1,  Ph.  v.  571;  goldfset  D.  v.  755,  Ph.  v.  303;  sramlice  d.  714,  Ps. 
5415.  7780.  10512;  herepaÖ  D.  v.  38,  Jud.  v.  303;  hreman  D.  v.  756,  JEtel 
v.  39;  hyjecraeft  D.  v.  98,  Hy.  63,  Gn.  Ex.  v.  3,  Ps.  1161.  118«-  ";  hyge- 
J?ancol  D.  v.  94,  An.  v.  341 ,  Jud.  v.  131;  langung  D.  v.  29,  Seef.  v.  47, 
Hy.  497,  Ps.  I  IS2«;  lyjeword  D.  v.  720,  Ph.  v.  547,  Ps.578;  medial  D. 
v.  703,  Jud.  v.  26,  Wy.  v.  52.  57;  minsian  D.  v.  268,  Reiml.  v.  29;  niÖhete 
D.v. 48.  279,  An.  v.  836;  oferfaeÖman  D.v.  502,  Hy.  11";  orleje  D.  v.697, 
Ps.  Th.  46 '• 8;  wandian  D.  v.  550,  By.  v.  258.  268;  w&rgenga  D.  v.  663, 
Gn.  v.  685;  wingäl  D.  v.  116,  Seef.  v.  29,  Ruine  v.  35;  win{>egu  D.  v.  17, 
Cr«,  v.  74;  woruldcraeft  D.  v.  364,  Crae.  v.  22;  woruldspöd  D.  v.  290,  An. 
v.  318;  acol  for  (on)  J>am  egesan  D.  v.  124.  726,  An.  v.  1268,  Gü.  v.  664; 
gnmena  rice  D.  v.  607,  Wid.  v.  133,  Met.  941;  hat  and  ceald  D.  v.  377, 
Dom.  v.  106,  Sat.  v.  132;  jmrh  reorde  reccan  D.  v.  336,  Gü.  v.  131;  spd- 
wende sp£d  D.v.  479,  Gü.  v.  225;  ^enden  reordberend  reste  wunode 
D.  v.  123;  syÖÖan  reordberend  reste  wunedon  Kr.  v.  3. 

Aus  dieser  Zusammenstellung  ersiebt  man,  dass  die  Wörter 
und  Wortverbindungen,  welche  gleichfalls  sich  im  Beowulf,  in 
Gen.,  Exod.  und  Cynewulfs  echten  werken  belegt  finden,  gar 
zahlreich  in  unserm  Daniel  begegnen.  Und  diese  werke  gehören 
alle  dem  klassischen  Zeitalter  der  ags.  dicbtkunst  an.  Sehr 
gering  ist  dagegen  die  zahl  von  Wörtern  und  Wortverbindungen, 
welche  unserm  gedichte  mit  werken  einer  späteren  zeit,  wie 
Psalter,  Byrhtno}?,  Reimlied,  AeÖelstan,  gemeinsam  sind.  Der 
Daniel  entstand  also  um  die  mitte  des  8.  Jahrhunderts,  wo  der 
vorerwähnte  Wortschatz  in  allgemeinem  gebrauche  war.  Die 
äbnlicbkeiten  jedoch,  welche  in  dieser  beziehung  zwischen 
Daniel  und  Genesis  hervortreten,  scheinen  auf  etwas  mehr  als 
einer  bloss  gleichzeitigen  entstehung  zu  beruhen.  Dieselben 
machen  es  wahrscheinlich,  dass  der  Verfasser  von  Dan.  A  — 
denn  hier  treten  sie  zahlreicher  als  in  Dan.  B  auf  —  die 
Genesis  eingehender  gekannt  hat. 

Anhang. 

Beiträge  zur  textkritik  des  Daniel. 

Im  folgenden  zähle  ich  auch  die  besserungsvorschläge 
anderer  auf,  soweit  ich  denselben  zustimmen  kann. 

v.  22  />ä  gedrillt  (G.1);  v.  29  hie  (G.);  v.  35  wisode  (B.*),  prät.  von 
tvisian  sw.  v.  (Sievers'  ags.  gram.  §412);  vgl.  v.  52  gesamnode,  86  f>an~ 
code,  123  wunode,  134  andsrvarode  etc.  Vielleicht  ist  das  b~  der  hs.  ein 
Überrest  vou  d  mit  übergeschriebenem  0?  —  v.  38  [iätfne]  herepa%\  pob~ 

1  Grein. 

2  Bouterwek. 


200  HOFEK, 

ist  weder  in  Grein's  Sprachschatz,  noch  in  Wright-Wtilker's  Vocabularies  be- 
legt; vgl.  Paul  und  ßraune's  Beitr.  X,  514  und  s.  203,  2  dieser  Zeitschrift.  — 
v.  41  tvigan  (S.1).  —  v.  53  föron*  für  faran\  die  abhängigkeit  des  infini- 
tivs  ist  nicht  ersichtlich;  and  =  et  (nicht  'and  west*  =  in  occid entern 
versus  D.8).  Der  satz  ist  also  gebaut:  wcelhriow  wer  od  gesamnode  pä 
stitian  and  nortian  and  fdron  west\  vgl.  v.  76:  onsende  rvorn  pces  wc- 
rudes  west  (6  feran.  Für  den  Wechsel  des  numerus  des  verbum  ver- 
gleiche Ex.  v.  100—104,  319—322,  Jud.  v.  261b— 265,  B.  v.  3030  b— 3032.  — 
v.  56  lucon*  für  tufan;  Israela  eZelweardas  lucon  lifwelan  =  die  künige 
der  Israeliten  verwahrten  die  lebensschätze  (d.  h.  die  heiligen  opfergefasse 
im  tempel).  —  v.  57  ic  (G.).  —  v.  61  gestrudon;  ^estreom.  wol  im  ms.; 
vgl.  Archaeologia  vol.  XXIV,  plate  LIII,  z.  2  tveredi,  z.  4  ealrn,  zesceafl*, 
z.  5  truma  etc.,  wo  a  ähnlich  dem  u  geschrieben.  —  v.  66  fio  (B.)  acc. 
sing.  Für  die  deutung  dieses  wortes  und  des  folgenden  freos,  das  bisher 
mit  fragezeichen  behandelt  wurde,  verweise  ich  auf  die  eingehende  Schil- 
derung von  der  plünderung  Jerusalems  durch  Nabuchodonosor  iu  Vulg. 
Jerem.  c.  LH,  v.  18  Et  lebetes,  et  creagras:  et  psalteria,  et  phialas,  et 
mortariola,  et  omnia  vasa  aerea,  quse  in  ministerio  fuerant,  tulerunt.  v.  19 
Et  hydrias,  et  thymiamateria,  et  urceos,  et  pelves,  et  candelabra,  et  mor- 
taria,  et  cyathos:  quotquot  aurea,  aurea:  et  quotquot  argentea,  argentea, 
tulit  magister  militiae:  vgl.  ags.  Dan.  v.  59  riadan  gofde,  v.  60  since  and 
seoifre,  v.  61  geslriona,  v.  65  hordwearda  gestreon.  v.  20  Et  columnas 
duas,  et  mare  unum,  et  vitulos  duodecim  aereos,  qui  erant  sub  basi- 
bus,  quas  fecerat  rex  Salomon  in  domo  Domini:  vgl.  ags.  Dan.  v.  65  flo. 
v.  21  De  columnis  autem,  decera  et  octo  cubiti  altitudinis  erant  in  columna 
una,  et  funiculus  duodecim  cubitorum  circuibat  eam:  porro  grossitudo 
ejus  quatuor  digitorum,  et  intrinsecus  cara  erat  v.  22  Et  capitella  super 
utramque  aerea:  altitudo  capitelli  unius  quinque  cubitorum:  et  retiacula, 
et  malogranata  super  coronam  in  circuitu,  omnia  aerea.  Similiter  columnas 
sccundae,  et  malogranata.  v.  23  Et  fuerunt  malogranata  nonaginta  sex  de- 
pendentia:  et  omnia  malagranata  centum,  retiaculis  circumdabantur.  Vgl. 
Gritnm'8  Deutsches  Wörterbuch  uuter  4  Fries  2)',  dessen  bedeutung  als 
'gekräuselter  zierrat  am  köpfe  der  saulen  über  dem  architrab'  gegeben 
wird.  Ist  es  nun  nicht  dieser,  in  vorstehenden  bibelversen  22  f.  uäher  be- 
schriebene Säulenfries,  den  unser  dichter  mit  seinem  freos  in  v.  65  aus- 
drücklich als  beutestück  der  Babylonier  erwähnen  wollte?  —  v.  73  ofer 
(G.);  ofer  ealle  lufen  =  über  alle  hoffnung  hinaus  (aus  der  gefangenscbaft 
jemals  wider  befreit  zu  werden).  —  v.  76  west  tu  (G.).  —  v.  77  leoda 
(G.).  —  v.  97  ciföan  (G.).  —  v.  119  tvcef  (G.).  —  v.  139  cefter  wie  ms.; 
eine  veranlassung  zur  besserung  Grein's  liegt  nicht  vor.  Der  sinn  dieser 
stelle  ist:  dass  ihr  (vorher)  gekannt  hattet  meines  lebens  Schicksal,  wie 
es  (tatsächlich)  später  (schon)  eingetreten  ist,  oder  ich  noch  in  zukunft 
dasselbe  erfahren  werde.  v.  142  berad,  wozu  )>ä  pe  =  £v  subjekt  ist; 
mcetinz  als  subjekt  würde  beodan  als  verbum  erfordern,  vgl.  v.  132,  542, 
741.  —   v.  152   tvces  (G.).   —    v.  192  herebtjman  ((}.).  —   v.  202  zebctdan 

1  Sievers.         *  Vgl.  s.  2»3,  2  und  7. 
3  Dietrich.        «  Vgl.  s.  203,  4  und  5. 


DANIEL. 


201 


mihte  (G.).  —  v.  207  h&bengyld  (G.).  —  v.  221  m<£  gin  (G.);  dieser  vers 
ist  vor  v.  220  zu  stellen ,  da  sein  verbum  hrvyrfe  plur.  opt.  prät.  ebenso 
wie  gelöste  in  v.  219  von  hogedon  georne  pcet  abhängt,  und  der  v.  220 
den  satzbau  unterbricht.  —  v.  225  ist  im  ms.  lückenhaft;  man  ergänze: 
hei  he  [egeslicor]  ofn  onhcelan\  vgl.  Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  19  Tunc  Nabu- 
chodonosor  repletus  est  furore  ...  et  praecepit,  ut  succenderetur  fornax 
septuplum  quam  succendi  consueverat.1  —  v.  227  glctded;  vgl. 
glcedslede  Gen.  v.  2842.  —  v.  234  fcetim-fyres.  —  v.  240  ne  mihte  heora 
tvliie  gewemman  piah.  —  v.  247  oncelde  für  rvolde  ms.;  oder  ist  ags. 
ncelde  =  oncelde,  wie  engl,  to  neal  =  to  anneaH  —  v.  256  blifte  (G.).  — 
v.  265  penden  (G.).  —  v.  267  cnihtum.  —  v.  268  pära  (G.).  —  v.  272  un- 
forbcerned  (G.).  —  v.  293  purh  hyldo  help  (T.2),  wie  Az.  v.  13.  —  v.  297 
dydon,  plur.  wie  brcecon  v.  299,  oferhogedon  v.  300;  vgl.  Az.  v.  17.  — 
v.  299  burhsittende  (G.).  —  v.  'MO  äne,  welches  zum  ersten  halbverse  ge- 
hört: ne  forlcet  pu  usic  äne  =  Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  34  ne  tradas  nos  in 
perpetuum;  vgl.  v.  19  pä  hie  cecrceftas  äne  forttlon,  v.  31  hie  sylfe  for- 
lelon  drihlnes  domas.  —  v.  321  häd\  promissum,  stipulatio,  votum  ist  ags. 
nur  gehät;  vgl.  mhd.  heiz,  heize  —  jussum,  praeceptum;  aber  geheiz,  ge- 
heize =  jus8um,  praeceptum;  votum,  promissum,  stipulatio.  —  v.  322  öö~ 
pcet  brim  faratf.  —  v.  332  pcer.  —  v.  343  hyra  (G.)  —  v.  370  sunne.  — 
v.  373  god  mihtig.  —  v.  393  ist  in  der  hs.  zweifellos  entstellt  überliefert; 
wie  sich  v.  343  ligges  =  liges,  v.  596  reccan  =  recan,  und  andererseits 
wiggend  =  wigend,  hlutlor  =  hlülor  findet,  so  dürfen  wir  an  dieser 
stelle  herran  =  hiran  d.  i.  hörige,  diener,  und  pinne  =  pine  lesen.  Dass 
diese  Vermutung  zutreffend  ist,  beweist  ein  vergleich  von  Dan.  v.  391-399 
mit  Az.  v.  146—154  und  mit  Vulg.  Dan.  c.  111,  v.  82—88: 


Dan. 
v.391  manna  bearn    : 

392  Israela  : 

*  (  fehlen  im  ms. 

*  /  Jun.  XI3 

393  heran  )?ine        : 
393  häli^ran  heor-  : 

tan  erseftas 
395  etc. 


Az. 
v.  146  monna  bearn 

147  Israhela  cyn 

148  )>ine  sacerdas 

149  milde  msesseras 

150  )>ine  )>as 

152  eabmöd  heorte 

151  etc. 


} 


Vulg.  Dan.  c.  III 
v.82  filii  hominum 

83  Israel 

84  sacerdotes  Do- 
mini 

85  servi  Domini 

87  saneti  et  huimles 
corde 

86  spiritus  et  aniinae 


justorum.  — 
v.  407  widefehrt)  (G.).  —  v.  410  ealdor  (G.).  —  v.  413  piodendl  nomen 
agentis  zu  peodan  sw.  v.  =  subjugare,  subjungere,  nodari,  ligari,  adigere4, 
wie  nergend,  demend,  wigend,  seilend,  reccend  zu  nergan,  du  man  etc.; 
vgl.  gut.  piudanönds  in  I  Timotheus  1, 15  piudans  piudanöndane  =  ßaoi- 
Xtv<;  xütv  ßaoilevovuav  und  Az.  v.  171  pcoda  wisan  .  peodend  mine  würde 


1  'Der  ofen  war  gleich  anfangs  geheizt,  um  gleich  die  menge  einzu- 
schüchtern, jetzt  soll  er  aber  über  gebühr  geheizt  werden',  v.  Lengcrke, 
Das  Buch  Daniel  s.  135,  anm.  r. 

2  Thorpe. 

3  Vgl.  oben  s.  169  ff. 

4  Vgl.  Haupt's  Zeitschrift  bd.  IX,  ags.  glossen  mitgeteilt  von  Bouter- 
wek  414,  466,  481. 


202  HOFER, 

entsprechen:  opthnatibus  suis  in  Vulg.  Dan.  c.  III,  v.  91.  —  v.  413  sendon 
(G.).  —  v.  410  sefa  (B.)  ohne  zweifei  für  das  verschriebene  selfa  (vgl. 
sylf  v.  645;  sylfa  v.  289,  347;  sylfe  v.  31,  591;  seolfes  v.  514);  nales  me 
sefa  leo^elS  deutet  zurück  auf  v.  2f>9  %eseah  pä  switfmod  cynivg,  pä  hi 
his  sefan  oniriowde.  —  v.  420  gerysno.  —  v.  435  bende  (G.).  ™  ▼•  446 
septon  (Zupitza1)-  —  v.  453  bezieht  Grein  htm  und  his  irrtümlich  auf 
Daniel,  der  zuletzt  in  v.  168  erwähnt  ist.  Hirn  dat.plur.  =  den  drei  Jüng- 
lingen, his  leoda  läfe  =  die  in  des  königs  gcwalt  befindlichen  gefangenen 
Juden;  vgl.  LXX  davitjk  III,  30  xal  t^icooev  avzovg  f^yelaO-ai  navxwv  twv 
'Iovöaiwv  xöiv  iv  rjj  ßaaikeia  avtov.  —  v.  454  rahte  (D.).  —  v.  460 — 61 
sind  zu  einem  schwellverse  zu  vereinigen:  Babilones  weard  |mrh  tyres 
bryne,  siÖÖan  he  wundor  onget,  vgl.  v.  455,  456,  457;  purh  fyres  bryne 
=  wegen  des  brandes  des  feuers.  —  v.  476  läcendne.  —  v.  477  und  478 
sind  also  zu  ergänzen: 

for^am  he  is  äna  ece  [ealra  gesceafta] 

drihten  aelmihtig,  se  ]>e  him  döm  forgeaf,  vgl.  v.  761 — 762.  — 
v.  495  ästigatf.  —  v.  533  %äst  wie  sonst  stets  in  dieser  hs.  —  v.  559  wyr- 
truma,  denn  nach  v.  51 1  ff.  und  nach  v.  581  ff.  ist  wyrlruma  Subjekt  in 
dem  satze:  his  w.  sceolde  foldan  befolen  rvesan,  siede  eft  onfön\  die 
Ursache  für  den  Schreibfehler  liegt  auf  der  band:  von  zehn  auf  einander 
folgeuden  Wörtern  endigen  sechs  auf  -n,  davon  drei  auf  -an.  —  v.  571 
Zemynd$asl  (T.).  —  v.  591  [rvomtnas]  rvyrcan:  Gott  verzieh  den  men- 
schen oft  das  sündenwirken,  wenn  . .  —  v.  600  tveall  (G.).  —  v.  616  wod 
(D.).  —  v.  628  pces  (G.).  —  v.  658  swä  he  ofstltce  god  [icne]  speitode, 
vgl.  Vulg.  Dan.  c.  IV,  v.  31  et  Altissimo  benedixi,  et  viventem  in  sempi- 
ternum  laudavi  et  glorificavi:  quia  potestas  ejus  sempiterna,  et  reg- 
num  ejus  in  generationem  et  generationem.  -  v.  668  cwealm,  da 
cwelm  von  Grein  nirgends  belegt.  —  v.  682  ymb  (T.).  —  v.  695  freasade 
(D.).  —  v.  704  hit  in  <Pht  päm  beran\  wenn  hebt  wirklich  in  der  hs.,  so 
ist  dieses  wol  eine  zusammenziehung  des  Schreibers  aus  hct  in  echt,  vgl. 
v.  748;  sonst  nur  hit  in  unserem  gedichte  belegt.  —  v.  711  torhte  freetwe 
(T.).  —  v.  740  [peere]  bürge  weard  (vgl.  v.  173);  der  plur.  weardas  der  hs. 
steht  im  Widerspruch  zur  folgenden  antwort  des  Daniel  und  passt  nicht 
zur  entsprechenden  bibelstelle  Vulg.  Dan.  c.  V,  v.  16  si  ergo  vales  scrip- 
turam  legere,  et  interpretationein  ejus  indicare  mihi,  purpura  vestieris, 
...  et  tertius  in  regno  meo  prineeps  eris. 

Im  folgenden  sind  nun  die  meisten  vorerwähnten  Schreibfehler  unserer 
hand8chrift  nach  abteilungen  zusammengestellt,  aus  denen  man  die  wirken- 
den  Ursachen  für  des  Schreibers  versehen  wol  erkennen  wird. 

1.  Der  vokal  einer  silbe  wurde  demjenigen  der  vorhergehenden  an- 
geglichen : 

v.  712  ju/pun  von  dem  Schreiber  verbessert  zu  gulpon* 

v.  701  tö  somble  von  dem  Schreiber  verbessert  zu  tö  symble. 

v.  598  heorlon  von  anderer  band  verbessert  zu  heortan. 

v.  9S    beom  bto(i)bead  radiert  zu  beorn  bebead. 

S.  XI. 


1  J.  Zupitza,  Cynewulf's  Elenc,  Berlin  1877.    S.  > 
*  Vgl.  Sievers,  Haupt's  Zeitschrift  bd.  XV,  s.  459. 


DANIEL.  203 

v.  52    samvodon  verbessert  und  radiert  zu  samnode. 
Eis  blieben  zu  verbessern: 

v.  73    otor  zu  ofer\  v.  142  bcrtfi  :  berat \  v.  310  £/ia  :  ane\  v.  413  pry 

syndon  :  sendon\  v.  533  rvces  gnst :  gast. 
2.    Der   vokal   einer   silbu   wurde   demjenigen    der   folgenden  an- 
geglichen: 

v.  249  ist  in  der  hs.  /u(?)/*tim  radiert  und  verbessert  zu  leofum. 
Es  blieben  zu  bessern: 

v.  22     pt  gedriht :  pä)  v.  38  herepoti  tö :  herepatü;  v.  53  fzran :  föron; 

v.  66  /Va  and  :  fco\  v.  370  sunti*  and  :  sunne. 
3*   Der  vokal  einer  silbe  wurde  denjenigen  der  vorhergehenden  und 
der  folgendeu  angeglichen: 

Es  war  zu  bessern  v.  57  pä  eac  etfan  :  pä  ic  etian. 
4.   Ein  konsonant  wurde  einem  vorhergehenden  oder  folgenden  an- 
geglichen : 

v.  71     dem  am  ist  in  der  hs.  radiert  zu  diman. 
v.  228  pä  ]>e  pyder  von  dem  Schreiber  verbessert  zu  pä  hc  pyder. 
v.  499  se  Ipces  von  dem  Schreiber  verbessert  zu  se  rvces. 
Es  blieben  zu  bessern: 

v.  56    iuian  Cifwelan  :  lucon;  v.  152  se  \>ces  :  tvces\  v.  252  wolde  tvulf- 

heort :  oncelde  (ndeldel)\  v.  321  hä\  to  :  häd\  v.  323  pws  sebfa- 

rotfa  :  pcer\  v.  416  se\fa  /Söget  :  sefa\  v.  516  rvyrlrumam  :  rvyr- 

lruman\  v.  522  mipigra  :  mihligra. 

5«   Die  endsilbe  eines  wortes  wurde  derjenigen  eines  folgenden  oder 

vorhergehenden  angeglichen: 

v.  56  lufwa  Itfwelan  :  hucon\  v.  343  hyn  lice  :  hyra\  v.  410  elUode 
ealde  peode  :  ealdor\  v.  435  banne  forburnenc  :  bende\  v.  628 
pm  pe  he  der  :  pees. 
8.  Das  ende  eines  halbverses  wurde  dem  des  anderen  gleich  gemacht: 
v.  196a  cynegode,  196b  gedyto  vom  Schreiber  verbessert  zu  gedy- 
don.  Aehnlich  zu  bessern  v.  77a  liodt,  77b  gehiolde :  ieoda; 
v.  297a  worulde,  297  b  dyd*  :  dydon\  v.  559  a  wunian,  559  b 
wyrlrumM  :  wyr(ruma\  v.  740  a  burhgerveardzs  t  740  b  böc- 
stafas :  bürge  rveard. 

7.  Das  ende  eines  verses  wurde  durch  dasjenige  des  vorhergehenden 
oder  des  folgenden  beeinflusst: 

v.  96  sceoldon,  97  ..  c//frdon;  v.  52  norfian,  53  . .  /aran  :  foron\ 
v.  201  ..  rvilite  ne  röhton,  202  ..  mihte  gebäedon  :  gebdedanmihte\ 
v.  266  .  .  rvorhton,  267  . .  cniMon  :  cnihtum;  v.  298  ..  ofer- 
hygdum,  299  ..  burhsiltendum  :  burhsittende\  v.  494  ..  ded, 
495  . .  äsligtft  :  ästigatf. 

8.  Paläographisch  ähnliche  zeichen  wurden  vom  Schreiber  irrtümlich 
mit  einander  verwechselt:  /  mit  f,  ft  mit  d,  s  mit  /*,  hi  mit  m  in  v.  29, 
35,  73,   119,  454,  616. 

Von  den  übrigen  Schreibfehlern,  wo  eine  unmittelbare  Ursache  nicht 
ersichtlich  ist,  können  wir  hier  absehen. 

Ein  oberflächlicher  blick  auf  diese  Zusammenstellung  beweist,  dass 
der  Schreiber  unseres  gedichtes  in  Jimius  XI  keinen  wert  auf  einen  tadel- 


204  HOFER,   DANIEL. 

losen  text  gelegt  hat.  Nicht  der  inhalt  und  sinn  der  verse,  sondern  der 
klang,  die  äussere  form  der  worte  führte  seine  schreibende  hand.  Daraus 
geht  hervor,  dass  er  das  gedieht  nicht  etwa  aus  dem  gedächtnisse,  sondern 
vers  für  vers  aus  einer  vorläge  oder  nach  diktat  niederschrieb,  nicht  für 
sich  selbst,  sondern  im  auftrage  einer  anderen,  höherstehenden  person. 
So  liegt  auch  kein  grund  zu  der  annähme  vor,  dass  unser  Schreiber  ab- 
sichtlich seinen  dialekt  seiner  arbeit  aufgeprägt  habe;  noch  hat  er  mit 
willen  worte  oder  verse  ausgelassen  und  hinzugefügt.  Die  eigentliche 
sogenannte  redaktion  des  gedichtes  war  in  seiner  vorläge  bereits  fertig. 
Ob  diese  letztere  selbst  fehlerlos  war,  ist  sehr  zweifelhaft.  Jedenfalls 
fand  sich  v.  416  'selfa*  verschrieben  für  lsefa   schon  in  jener  vorläge. 

Leipzig.  Oscar  Hofer. 


DANIEL.  203 

v.  52    samt) od on  verbessert  und  radiert  zu  samnode. 
Es  blieben  zu  verbessern: 

v.  73  oior  zu  ofer\  v.  142  bcrtö  :  berat)  \  v.  310  an*  :  ane\  v.  413  pry 
syndon  :  sendon\  v.  533  was  gmst :  gast. 

2.    Der  vokal   einer   sübu   wurde   demjenigen    der   folgenden  an- 
geglichen: 

v.  249  ist  in  der  hs.  /u(?)/wm  radiert  und  verbessert  zu  leofum. 
Es  blieben  zu  bessern: 

v.  22  pt  gedriht :  pä\  v.  88  herepotf  tö :  herepatl\  v.  53  ßran  :  föron\ 
v.  66  /Va  and  :  feo\  v.  370  sunn*  and  :  sunne. 

3*  Der  vokal  einer  silbe  wurde  denjenigen  der  vorhergehenden  nud 
der  folgenden  angeglichen: 

Es  war  zu  bessern  v.  57  pä  eai  ctlan  :  pä  ic  ctfan. 

4.  Ein  konsonant  wurde  einem  vorhergehenden  oder  folgenden  an- 
geglichen : 

v.  71     dem  am  ist  in  der  hs.  radiert  zu  diman. 

v.  228  pä  \>e  pyder  von  dem  Schreiber  verbessert  zu  pä  he  pyder. 

v.  499  se  \>ces  von  dem  Schreiber  verbessert  zu  se  wees. 
Es  blieben  zu  bessern: 

v.  56  luian  fiftvelan  :  lucon\  v.  152  se  )pccs  :  w(es\  v.  252  wolde  wulf- 
heort :  oncblde  (ncblde1)\  v.  321  hä\  (6  :  häd\  v.  328  pect  scefa- 
rotfa  :  pdbr\  v.  416  se\fa  leoget)  :  sefa\  v.  516  rvyrtrumam  :  wyr- 
lruman\  v.  522  migtigra  :  mihligra. 

5.  Die  endsilbe  eines  Wortes  wurde  derjenigen  eines  folgenden  oder 
vorhergehenden  angeglichen: 

v.  56  /u/an  lifwelan  :  lucon\  v.  843  %re  /tar  :  Ayra;  v.  410  elilode 
ealde  peode  :  ealdor\  v.  435  btnne  forburnenc  :  bende\  v.  628 
/>äer  />*  A*  cer  ipees. 
ö.  Das  ende  eines  halbverses  wurde  dem  des  anderen  gleich  gemacht: 
v.  196a  cynegöde1  196b  gedyto  vom  Schreiber  verbessert  zu  gedy- 
don.  Aehnlich  zu  bessern  v.  77a  /iode,  77b  gehiolde  :  leoda\ 
v.  297a  worulde,  297  b  dyde  :  dydon\  v.  559  a  wunian,  559  b 
wyr  trumin  :  wyrlruma\  v.  740a  burhgeweard&s ,  740b  Wtf- 
stafas :  bürge  tveard. 

7.  Das  ende  eines  verses  wurde  durch  dasjenige  des  vorhergehenden 
oder  des  folgendeu  beeinflusst: 

v.  96  sceoldon,  97  ..  cyddon;  v.  52  nortian,  53  . .  farwa  :  foron\ 
v.  201  ..  wihte  ne  röhton,  202  ..  mihte  jebaedon  :  gebdbdanmihte\ 
v.  266  .  .  worhton,  267  . .  c/iMton  :  cnihlum\  v.  298  ..  o/efr- 
hygdum,  299  . .  burhsiltendum  :  burhsitlende\  v.  494  . .  </i$, 
495  . .  äsli^  :  ästig  ad. 

8.  Paläographisch  ähnliche  zeichen  wurden  vom  Schreiber  irrtümlich 
mit  einander  verwechselt:  /  mit  f,  9  mit  d,  s  mit  f,  hi  mit  m  in  v.  29, 
35,  73,  119,  454,  616. 

Von  den  Ubrigcu  Schreibfehlern,  wo  eine  unmittelbare  Ursache  nicht 
ersichtlich  ist,  können  wir  hier  absehen. 

Ein  oberflächlicher  blick  auf  diese  Zusammenstellung  beweist,  dass 
der  Schreiber  unseres  gedichtes  in  Junius  XI  keinen  wert  auf  einen  tadel- 


20G  BÜCHERANZEIGEN. 

tretende  'pseudo-romance'  The  Last  Assembly  Ball  von  Mary  Hailock 
Foote  (s.  105— 112).  Auch  an  poetischen  ergtlssen  fehlt  es  nicht,  dies 
zeigen  die  kurzen  gedieh te  auf  s.  89,  104,  122,  160.  Topics  of  the  Time 
(s.  154 — 157)  und  Üpen  Leiters  (s.  157 — 159)  bilden  den  schluss  des  ge- 
schmackvoll ausgestatteten,  belehrenden  wie  unterhaltenden  hefte*. 

G.  S. 

Gädertz,  Karl  Theodor.    Zar  Kenntniss  der  altenglischen  Bühne, 
nebst  anderen  Beiträgen  zur  Shakespeare-Literatur.    Bremen 

1888.    VIII,  79  ss.    8°. 

Gädertz'  buch  ist  ein  äusserst  willkommener  beitrag  zur  geschiente 
der  Shakespeare'schen  biihne,  es  liefert  in  seinem  ersten  (und  wichtigsten) 
kapitel  einen  ebenso  unerwarteten  als  wertvollen  bericht  des  holländischen 
kanonikus  und  polyhistor  Johannes  de  Witt  'ex  observationibus  Londi- 
nensibus'  aus  den  letzten  jähren  des  16.  Jahrhunderts,  welcher,  bis  ihn 
Gädertz  fand,  in  der  Universitätsbibliothek  zu  Utrecht  vergraben  lag. 

Johannes  de  Witt,  kanonikus  zu  Utrecht  (u.  a.  der  Verfasser  einer 
bis  jetzt  leider  noch  nicht  aufgefundenen  holländischen  künstlergeschichte), 
hatte  sich  in  London  um  das  jähr  1596  eine  skizze  des  schwantheaters 
gezeichnet  und  eine  kurze  beschreibung  desselben  (offenbar  in  seinem 
tagebuche)  aufgesetzt.  Er  war  nach  Holland  zurückgekehrt  und  dort  hatte 
sich  sein  freund  A.  van  Buchell  in  ein  sammelbuch  (Aanteekeningnen  van 
den  meest  verschillenden  aard ;  excerpten  uit  handschriften  en  boeken  etc.) 
gerade  die  skizze  des  schwantheaters  abgezeichnet  und  die  Schilderung 
eingetragen,  de  Witt's  original  ist  verloren,  aber  van  Buchell's  Zeichnung 
ist  auf  uns  gekommen  (s.  132  geteekende  Aaf bellding  van  het  theater  ge- 
naamd  de  Zwaan  te  London),  und  von  Gädertz  zu  einem  anschaulichen 
bilde  der  damaligen  biihne  verwandt  worden  (s.  1 — 18). 

Der  zweite  aufsatz  behandelt  das  Zwischenspiel  im  Sommernachts- 
traum (s.  21 — 32),  und  kommt  zu  dem  ergebniss,  dass  ein  englisches  wie 
ein  deutsches  buch  (etwa  ein  Volksbuch)  von  Pyramus  und  Thisbe  im 
16.  Jahrhundert  vorhandeu  gewesen  sein  muss,  zu  dem  Lukas  Cranach  die 
titeleinfassung  zeichnete,  das  aber  bis  auf  diese  titeleinfassung  spurlos 
verschwunden  ist.  Die  betreffende  titeleinfassung  (bei  Gädertz  repro- 
duziert) stellt  den  Selbstmord  der  Thisbe  dar  (rechts  daneben  den  toten 
Pyramus,  im  hintergrunde  noch  den  löwen),  und  findet  sich,  nach  Gädertz' 
überaus  fleissigen  forschungen  um  die  titel  mehrerer  biieher,  welche  selbst 
in  nicht  dem  geringsten  zusammenhange  mit  der  darauf  dargestellten 
scene  stehen  (z.  b.  von  einem  werke  Sauromann's  1526,  dem  Dialogue  of 
Comfort  against  tribulacion  1553,  der  Historie  of  Quintus  Curtius  1553). 
Gädertz  schliesst  nun  mit  recht:  hatte  diese  ganze  einfassung  irgend  einen 
sinn,  so  musste  sie  ursprünglich  vor  einem  buche  stehen,  welches  die 
sage  selbst  behandelte.  Dem  ref.  erscheint  höchst  wahrscheinlich,  dass 
das  1562  'erlaubte'  Boke  of  Perymus  and  Thisbye  (Warton  IV,  297)  das 
unbekannte  buch  oder  ein  neudruck  desselben  gewesen  ist. 

Der  dritte  aufsatz  ist  eine  hübsche  Studie  über  eine  von  capt  James 
Saundere  18*28  abgefasste  und  illustrierte  handschrift  (jetzt  in  Shakespeare'« 


BÜCHERANZEIGEN. 


The  Century.  Illustrated  Monthly  Magazine.  Vol.  XXXVIII. 

No.  1.    May  1889. 

Schon  äusserlich  macht  das  vorliegende  lieft  dieser  amerikanischen 
Zeitschrift  einen  sehr  guten  eindruck  wegen  der  vielen  äusserst  sorg- 
fältig ausgeführten  Illustrationen  und  des  schönen  deutlichen  druckes. 
Aber  auch  sein  inhalt  ist  recht  anziehend  und  mannigfach.  Am  meisten 
interesse  für  die  gegenwart  dürften  wol  die  drei  aufsätze  über  Samoa 
haben:  Samoa:  the  Isles  of  the  Navigators  von  Hervey  W.  Whitaker 
(s.  12—25);  Our  Relalions  lo  Samoa  (s.  25 --33)  und  The  'Tuscarora's' 
Mission  to  Samoa  (s.  34—37).  Der  zweite  der  genannten  aufsätze  stammt 
aus  der  feder  des  gegenwärtig  vielgenannten  George  H.  Bates  und  gibt 
uns  aufschluss  über  die  geschichte  und  entwickelung  des  amerikanischen 
und  deutschen  einflusses  auf  deu  Samoainseln.  Der  reisebeschreib ung  sind 
noch  weitere  aufsätze  gewidmet:  Cinching  up  (s.  3—4)  bildet  den  sechsten 
teil  der  Pictures  of  the  Far  West,  während  uns  die  Schilderung  Round 
aboul  Jerusalem  von  Edward  L.  Wilson  (s.42— 55)  und  George  Kennan's 
Ride  through  the  Trans-Baikal  (s.69— 83)  in  den  fernen  osten  unserer  erde 
führen.  Einen  mehr  historischen  Charakter  zeigt  der  auch  wissenschaft- 
lich gar  nicht  wertlose  tiberblick  über  die  geschichte  der  mönchsorden 
in  Irland  von  Charles  de  Kay,  betitelt:  The  Monasteries  of  Ireland 
(s.  113 — 122).  Mit  der  grossen  und  ereignissreichen  zeit  des  amerika- 
nischen bürgerkrieges  beschäftigen  sich  die  stücke  Abraham  Lincoln:  a 
Ristory  von  John  G.  Nicolay  und  John  Hay  (s.  123—149)  und  The 
Western  Soldier  von  Henry  King  (s.  148—154).  Die  kunst  wird  berück- 
sichtigt in  der  biographie  des  alten  italienischen  maiers  Orcaqna  (Andrea 
di  CioneJ  1308—1368,  dargestellt  von  W.  J.  Stillman  (s.  4— 11),  und  in 
Wyatt  Eaton 's  Recolleclions  of  Jean  Francois  Mille  t,  des  modernen  fran- 
zösischen künstlers.  In  auffällig  schmuckloser,  ja  man  kann  sagen  trocke- 
ner, aber  daher  um  so  wirkungsvollerer  darstellung  erzählt  uns  George  W. 
Cable  auf  s.  56— 69  in  seiner  Salome  Müller  die  Schicksale  elsässischer 
ein wanderer  in  Amerika.  In  das  gebiet  der  novellistik  gehören  die  erz an- 
hing Roby's  Christian  Charity  von  James  T.  McKay  (s.  87 — 41),  die  ganz 
lustige  negergeschichte  von  Harry  Stillwell  Edwards:  Tom's  Slrategy 
(s.  84—89)  und  die  im  vorliegenden  hefte  leider  nur  in  Part  III  entgegen- 


208  BÜCHERANZEIGEN. 

College  in  WyclinVs  Time)  und  fünfte  (Popularity  of  Wycliffe)  besonders 
zu  bemerken,  sowie  die  liste  von  W.'s  werken  (s.  408—499). 

Eine  s.  159  erwähnte  anmerkung  über  W.'s  porträt  scheint  aus  ver- 
sehen weggeblieben  zu  sein,  und  kleinere  druckfehler  (besonders  in  den 
lateinischen  citaten)  sind  auf  s.  310,  407,  422  zu  bemerken. 

Wenn  s.  429  ein  vortrefflicher  vergleich  (Lechler's)  zwischen  W.  und 
Luther  durchgeführt  wird,  so  fehlt  doch  der  für  einen  Engländer  noch 
näher  liegende  vergleich  zwischen  W.  und  Tyndale,  wie  ihn  Lorimer  hätte 
nachtragen  können  (und  wie  ihn  Fronde,  Hist.  I,  510  meisterhaft  gibt). 

Lorimer's  ausgäbe  wird  den  Deutschen  besonders  freuen  durch  die 
schöne  gesinnung,  mit  der  er  das  werk  des  deutschen  gelehrten  in  seinem 
vaterlande  eingebürgert  hat ;  hat  er  dadurch  doch  auch  jenseits  des  kanals 
dem  grossen  kirchenhistoriker  ein  bleibendes  denkmal  gesetzt.     E.  F. 


1.  More's  Utopia.  The  Englisb  Translation  thereof  made  by 
Kaphe  liobynson,  printed  from  the  second  edition  155G  . .  . 
edited  with  Introdnction,  Notes,  Glossary  and  Index  of  Names, 
by  .1.  Raw8on  Luinby,  D.D.  Cambridge,  Univcrsity  Press, 
1888.    LVI,  259  ss.    8<>. 

2.  More's  History  of  King  Richard  III.    Edited  . . .  by  J.  Rawson 

Luinby,  D.  D.    Cambridge,  Univ.  Press,  1888.  VI,  212  ss.  8°. 

Die  vorliegenden  ausgaben  gehören  zu  der  Pitt  Press  Serics,  welche 
in  England  mit  recht  sich  allgemeiner  anerkennung  erfreut.  Sie  geben, 
wie  Arber's  neudrucke,  zunächst  den  text  in  gewissenhafter  form,  aber 
ausserdem  bieten  sie  reichhaltige  anmerkungen,  welche  bei  Arber's  aus- 
gaben zu  wünschen  übrig  bleiben.  Arbers  neudrucke  sind  freilich  filr 
den  gelehrten  im  allgemeinen,  und  die  ausgaben  der -Pitt  Press  fllr  die 
englische  höhere  schule  und  Universität  in  erster  linie. 

More's  Utopia  ist  bei  Rawson  Luinby  wie  bei  Arber  nach  Robyn- 
son's  zweiter  ausgäbe  von  1556  gegeben  worden,  jedenfalls  weil  man  an- 
nimmt, dass  Robynson  deu  text  seiner  ersten  ausgäbe  (von  1551)  in  der 
zweiten  wesentlich  gebessert  hätte.  Dies  freilich  ist  noch  einer  genaueren 
priifung  zu  unterziehen,  und  einstweilen  wäre  es  jedenfalls  zu  wünschen 
den  text  der  ersten  ausgäbe  wenigstens  hie  und  da  berücksichtigt  zu 
sehen.  Ein  vergleich  seiner  abweichnngen  von  dem  der  zweiten  ausgäbe 
und  ferner  durchgängige  vergleiche  mit  dem  lateinischen  urtexte  wäre 
selbst  für  die  schullektüre  (natürlich  in  England)  belehrend. 

Den  ref.  stehen  nur  wenige  kapitel  des  ersten  dnickes  (1551)  zum 
vergleich  zu  geböte,  aber  da  erscheinen  dessen  lesarten  (weder  bei  Arber, 
noch  bei  Luinby  gegeben)  sogar  noch  besser  als  die  des  zweiten.  Schon 
in  der  einleitung  z.  b.  steht  bei  Arber  und  Luinby  nach  ed.  1 55t»  the 
Maregrave  und  Casselses,  wo  ed.  1551  richtig  liest  Marcgrave,  Casxclcs. 
R.  Lumby  kommentiert  dies,  scheint  aber  nicht  an  der  korrektheit  seines 
textes  zu  zweifeln.  Auch  sonst  noch  finden  sich  Verschiedenheiten,  auch 
grosserer  art.    Z.  b.  ist  das  tempus  häu6g  verschieden  (ed.  1551  liebt  in 


BÜCHERANZEIGEN.  207 

geburtshaus  zu  Stratford  aufbewahrt),  welche  sich  auf  die  perle  unter 
Washington  Irving's  skizzen,  Stratford-on-Avon,  bezieht.  Der  vierte  auf- 
satz  ist  die  biographische  einleitung  zum  ersten,  und  gibt  das  leben  und 
briefauszüge  de  Witt's.  Zum  schluss  endlich  (s.  76—79)  legt  G.  den  Zu- 
sammenhang dar  eines  Singspiels  von  1630  (aus  den  *  Englischen  Gomüdien 
vnd  Tragödien')  mit  Rollenhagen's  Amantes  Amentes  (1609). 

Besonders  aber  ist  es  die  belehrung,  welche  man  Gädertz  für  seinen 
ersten  aufsatz  schuldig  ist,  welche  dem  buche  bei  jedem  Shakespeare- 
freunde eingang  verschaffen  wird.  E.  F. 


John  Wycliffe  and  his  English  Precursors.  By  Prof.  Lech ler. 
Translated  from  the  German,  with  Additional  Notes 
by  the  Late  Professor  Lorimer.  A  new  edition  revised. 
London,  Religious  Tract  Soc.  [1885].    XXII,  512  ss.  gr.  8°. 

Loriiner's  Übersetzung  von  Lechler's  werke  beschränkte  sich  auf  den 
teil  des  ersten  bandes,  welcher  Wycliffe  selbst  behandelt,  und  gab  die 
umfangreiche  einleitung  Lechler's  über  Wycliffe's  Vorgänger  nur  in  ge- 
drängtem auszuge.  Nach  Lorimer's  tode  ist  dies  neu  durchgcscheu  und 
ein  auszug  aus  dem  zweiten  bände  von  Lechler's  werke  beigegeben  wor- 
den, welcher  die  nachwirkungen  Wycliffe's  behandelt. 

Am  texte  selbst  scheint  wenig  geändert  worden  zu  sein,  die  ergeb- 
nisse  der  neuesten  forschung  sind  hie  und  da  nachgetragen  (z.  b.  s.  417), 
aber  die  gr  und  läge  von  Lechler's  epochemachenden  Untersuchungen  ist  un- 
antastbar geblieben.  Während  die  englische  Wycliffeforschung  sich  haupt- 
sächlich mit  Wycliffe  dem  patrioten  und  bibelübersetzer  beschäftigte,  ist 
das  hauptmerkmal  von  Lechler's  arbeit  eine  kritische  betrachtung  von 
Wycliffe's  besonders  religiöser  und  philosophischer  entwickelung.  Da  ist 
Lechler's  hauptverdienst  die  scharfe  kritik  der  früheren  Wycliffeforschung, 
welche  die  werke  Wycliffe's  aus  den  verschiedensten  lebenszeiten  nicht 
genügend  auseinanderhielt,  und  leicht  als  Wycliffe's  abschliessende  mei- 
nung  sätze  aufstellte,  welche  von  W.  selbst  im  laufe  seines  langen  lebens 
gänzlich  beseitigt  worden  waren. 

Gegenüber  dem  dogmatischen  interesse  an  Wycliffe's  entwickelung 
scheint  bei  Lechler  das  historische  und  nationale  l  etwas  im  Hintergründe 
zu  stehen,  wenngleich  es  keinesfalls  vernachlässigt  ist. 

Wenn  die  englische  bearbeitung,  welche  in  jeder  beziehung  zu  loben 
ist,  noch  ausführlicheres  über  die  Lollarden  gebracht  hätte8,  wäre  es  sicher 
gut  gewesen.  Besonders  bequem  ist  in  der  englischen  ausgäbe  die  Un- 
ordnung der  anmerkungen  und  die  beigäbe  der  randnoten. 

Von  den  im  appendix  gegebenen  beilagen  ist  die  dritte  (über  Balliol 


1  Auch  hier  ist  die  wichtige  Chronologie  nicht  immer  nachgewiesen; 
z.  b.  s.  233  fehlt  der  historische  nachweis  der  entstehungszeit  der  schrift 
De  veritate  Script.  Sanct. 

*  Zu  erwlin sehen  wäre  es  auch  s.  210  die  'seltenen'  stellen  angeführt 
zu  sehen,  an  denen  Wycliffe  über  seine  bibelUbersetzung  spricht. 


210  BÜCHERANZKIGEN. 

The  Oxford  Reformers:  John ' Co I et,  Erasmus,  and  Thomas  More. 
Being  a  llistory  of  their  Fellow-work  by  Frederic  See- 
bo hm.  Third  Edition.  London,  Longmans,  Green,  and  Co. 
1887.    XVI,  551  ss.    8». 

Als  Seebohin's  werk  zuerst  erschien  (1807),  war  es  epochemachend, 
und  noch  heute  in  seiner  dritten  aufläge  ist  es  unübertroffen  an  Gediegen- 
heit der  forschung  und  Schönheit  der  darstellung.  Seebohni  wollte  von 
anfang  an  nicht  als  biograph  der  Oxforder  reformatoren  eintreten;  es  lag 
nicht  in  seiner  absieht,  zusammenhängende  biographien  von  Oolet,  Eras- 
uius  und  More  zu  geben,  wie  er  dies  schon  auf  dem  titel  durch  den 
zusatz  *a  history  of  their  fellow-work'  andeutet,  und  so  ist  in  der  tat 
derjenige  teil  seines  werkes,  welcher  Colet  gewidmet  war,  durch  Lupton 
(1.  ausgäbe  von  Colefs  St.  Paul  Mss.  1S09;  2.  biographie  Colct's)  ergänzt, 
aber  keinesfalls  in  den  Hintergrund  gestellt. 

Das  buch  behandelt  in  10  kapiteln  die  geschiente  der  englischen 
geistesentwickelung  zwischen  1400  und  1519.  Mit  Colet's  riiekkehr  aus 
Italien  (14%)  beginnt  die  eigentliche  englische  reformation,  und  mit 
seinem  tode  (1519)  hört  wenigstens  das  zusammenwirken  der  Oxford  Re- 
formers auf. 

Die  ersten  zwei  kapitel  geben  die  Vorgeschichte  von  Colet  und  More 
bis  zu  Erasmus'  ankunft  in  Oxford  (149b),  das  8.  kapitel  zeigt  den  vor 
Seebohm  noch  nicht  genau  festgestellten  bedeutenden  einfluss  Colct's  auf 
die  gesammtentwickelung  des  E  ras  ums  von  dem  augenblicke  an,  wo  ihm 
('ölet  zu  Oxford  seiue  freundschaft  antrug.  Die  nun  folgenden  kapitel 
behandeln,  chronologisch  vorgehend,  gleichsam  parallel  die  tätigkeit  der 
drei  freunde;  das  4.  kapitel  die  jähre  1500 — 1505  (Colet's  berufung  an 
St.  Paul;  Erasmus'  Enchiridion);  das  5.  die  jähre  1505— 1510  (verschiedene 
reisen  des  Erasmus,  anfang  der  öffentlichen  Wirksamkeit  More's,  das  lob 
der  torheit);  das  0.  ist  ganz  der  gründung  der  St.  Paul'sschule  gewidmet, 
1510—11  (deren  geschieh te  übrigens  auch  von  Knight  schon  vortrefflich 
geschrieben  war);  das  7.  und  S.  behandelt  Colet's  berühmte  ketzerpredigt 
vor  der  convocation  1512  und  ihre  folgen,  und  die  weniger  berühmten, 
aber  gleich  bedeutenden  predigten  vor  Heinrich  VIII.  gegen  dessen  fran- 
zösischen krieg  (1513);  die  drei  folgenden  kapitel  (9.  — 11.)  sind  fast  aus- 
schliesslich Erasmus  gewidmet  (Paraclesis,  Novuin  Instrumentum,  1516), 
das  12.  bringt  dann  die  jähre  (1515 — 16)  der  Utopia  und  der  Institutio 
Principis  Christiani.  Der  schluss  des  buches  behandelt  die  letzten  jähre 
des  Zusammenseins  der  drei  freunde:  Erasmus  geht  nach  Deutschland 
(wie  er  selbst  denkt  vorübergehend,  um  nach  abschluss  des  drucke«  der 
2.  aufläge  des  Novuin  Testamentum  seinen  wohnsitz  dauernd  in  England 
aufzuschlagen),  More  wird  vom  politischen  dienste  vollständig  in  anspruch 
genommen,  und  Colet,  den  die  aussergewöhu liehe  arbeit  seines  lebena 
vor  der  zeit  aufgerieben,  stirbt  (1519). 

Der  appendix  gibt  auszüge  aus  den  Cambridge  Mss.  von  Colet's  Vor- 
lesungen über  die  pauiinischen  briefe,  ferner  die  bekannte  ontdeckung 
des  geburtsjahres  und  tages  von  Thomas  More  durch  Aldis  W.  Wright, 
eiue  von  Lupton  beigesteuerte  Zeittafel  zu  Colet's  leben,  und  endlich  du* 


BÖCHERANZEIGEN.  209 

lebhafter  erzäblung  das  präsens)  und  der  ausdruck  häufig  verändert  (z.  b. 
ed.  1551:  certayne  houses  gegen  certayne  severall  houses  der  ed.  1556, 
s.  92  bei  Arber;  ed.  1551:  the  yonger  (hat  sit  ofbothe  sides  of  Ihem,  gegen 
the  yonger  on  ecke  side  of  the  der  ed.  1556,  s.  94  bei  Arber).  Derartige 
kleine  abweichungen  kommen  auf  jeder  seite  fast  vor ;  sie  verdienen  viel- 
leicht nicht  sorgfältig  bemerkt  zu  werden,  sind  aber  eines  hinweises  im 
allgemeinen  wert  bei  einer  ausgäbe,  welche  auch  textkritischen  wert  be- 
ansprucht. 

Der  kurzen  einleitung  Lumby's  (wo  man  allerdings  noch  mehr  aus 
der  vergleichenden  literaturgeschichte  jener  zeit  erwartet  haben  dürfte1), 
seh  lies  st  sich  ein  abdruck  aus  Hearne's  ausgäbe  der  Roper'schen  lebens- 
besebreibung  More's  an.  Bei  der  Seltenheit  von  Hearne's  text  ist  dies  sehr 
dankbar  anzunehmen.  Ein  hinweis  aber  auf  den  frühesten  druck  und  die 
mss.  der  Vita  wäre  schön  gewesen  und  eine  kurze  bezeichnung  des  Verhält- 
nisses von  Roper's  werk  zu  demjenigen  Stapelton's  (1588),  zu  dem  Lam- 
beth  Ms.  (von  Nicholas  Harpsfield  ?)  u.  s.  f.  Auch  ein  neudruck  der  seit 
1557  nicht  wider  zugänglich  gemachten  wenigen  englischen  briefe  More's 
wäre  in  einem  anhange  erwünscht,  dieselben  wären  natürlich  mit  den 
autographen  des  Record  Office  zu  vervollständigen,  würden  aber  dann 
R.  Lumby's  ausgäbe  zu  eiuer  der  wertvollsten  beitrage  der  Moreliteratur 
machen. 

2.  Die  ausgäbe  von  More's  Richard  III.  ist  von  grösserem  werte, 
allein  schon,  weil  ein  genauer  text  von  dem  werke,  welches  More's 
namen  in  der  englischen  geschichtsschreibung  unsterblich  macht,  schwer 
zu  haben  ist  (denn  Singe  r's  vortreffliche  ausgäbe  vom  jähre  1821  ist 
doch  schwer  zugänglich).  Die  einleitung  R.  Lumby's  ist  auf  zwei  Seiten 
beschränkt,  auf  die  reichhaltigen  anmerkungen  dagegen  (s.  131 — 189)  ist 
grösseres  gewicht  gelegt.  Was  allerdings  noch  immer  zu  wünschen  übrig 
bleibt,  wäre  ein  genaueres  eingehen  auf  das  verhältniss  des  lateinischen 
rätselhaften  Urtextes  (?)  zu  More's  englischer  bearbeitung  (vom  jähre  1509), 
ferner  zu  Ilardyng's  fortsetzung  (vom  jähre  1543)  und  zu  Hall  (1542?; 
R.  Lumby  druckt  nach  der  ausgäbe  von  1550).  So  ist  z.  b.  Hall  (Ed- 
ward V.,  fol.  2»  der  ausg.  1548)  gänzlich  verschieden  von  Hardyng's  fort- 
setzung, und  verlohnte  genauen  abdruck.  Lumby  gibt  allerdings  in  deu 
anmerkungen  auf  grössere  abweichungen  Verweisungen,  diese  aber  wären 
in  noch  reichlicherem  masse  erwünscht  und  vielleicht  an  den  fuss  der 
seiten  zu  setzen. 

Wie  bei  Arber  so  fehlt  auch  bei  Lumby  jede  randnote  über  den 
Seitenanfang  und  -schluss  in  der  Originalausgabe;  es  ist  dies  ein  entschie- 
dener mangel,  und  es  wäre  da  den  englischen  herausgebern  zu  raten, 
dem  beispiele  der  Braune'schen  musterhaften  neudrucke  zu  folgen. 

Mit  alledem  soll  jedoch  der  wert  der  Lumby 'sehen  ausgabeu  nicht 
gering  angesetzt  seiu;  im  gegenteil  seien  dieselben,  besonders  der  an- 
merkungeu  halber,  angelegentlichst  empfohlen.  E.  F. 

1  Z.  b.  ein  paar  beinerkungen  des  Verhältnisses  der  More'schen  ideen 
zu  denen,  welche  Erasmus  gleichzeitig  in  der  Instit.  Princip.  niederlegte, 
und  ähnliches,  was  allerdings  schon  von  Seebohm  erörtert  worden  ist. 

Anglia,  XII.  band  14 


212  BÜCHEKANZEIGEN. 

Tendering,  F.    Kurzgefasstes  Lehrbuch  der  englischen  Sprache. 
Berlin  1889.    Gärtner's  verlag.     120  ss. 

Der  verf.  hat  sein  lehrbuch  hauptsächlich  für  gymnasien  bestimmt, 
die  mit  reiferen  schillern  den  englischen  Unterricht  beginnen.  Er  steht 
auf  ähnlichem  Standpunkte  wie  die  Verfasser  des  oben  besprochenen  ele- 
inentarbuchs,  indem  auch  er  nach  einer  kurzen  lautlehre  den  schüler  sofort 
an  zusammenhängenden  stücken  in  die  spräche  einführt.  Dieser  lesestoff 
ist,  von  den  acht  gedichten  abgesehen,  durchweg  aus  Dickens,  A  Child's 
History  of  England,  entnommen.  Die  einzelnen  abschnitte  sind  am  Schlüsse 
des  buches  zu  einer  reihe  von  Übungsstücken  zum  übersetzen  ins  Eng- 
lische verarbeitet.  Die  grammatik  folgt  den  englischen  lesestücken,  und 
zwar  ist  bei  jedem  einzelnen  auf  gewisse  grammatische  kapitel,  die  an 
ihm  erläutert  werden  sollen,  verwiesen.  In  ihrer  darstellung  befleissigt 
sich  der  verf.,  wol  mit  rücksicht  auf  reifere  und  grammatisch  besser  vor- 
gebildete schüler,  äusserster  kürze;  formenlehre  und  syntax  umfassen  nur 
26  Seiten,  von  denen  die  beiden  letzten  eigentümlichkeiten  im  Sprach- 
gebrauch Shakespeare's  behandeln.  —  Dieses  an  sich  lobenswerte  streben 
nach  kürze  tut  aber  unseres  erachte us  der  lautlehre  eintrag;  sie  ermangelt 
rechter  Übersichtlichkeit  und  klarheit.  Die  beispiele  sind  zu  spärlich,  zu- 
weilen auch  schlecht  oder  falsch  gewählt.  So  findet  sich  iu  §  10  bereits 
das  wort  although,  während  erst  in  §  14  der  /A-laut  besprochen  wird. 
Ferner  ist  in  §  12  als  musterbeispiel  für  stimmhaftes  s  case  aufgeführt, 
bekanntlich  ist  aber  dieses  eine  ausnähme  und  wird  stimmlos  gesprochen. 
Gerade  für  gereiftere  schüler  wäre  wol  auch  eine  erwähnung  regelmässiger 
entsprechungen  englischer  und  deutscher  laute,  besonders  so  weit  sie  sich 
auf  das  lautverschiebungsgesetz  gründen,  am  platze  gewesen.      P.  L. 


Doli,  J.    Nenes  Lehrbuch  der  englischen  Sprache.   I.  teil.   Karls- 
ruhe 1888.     Verlag  von  Reiff.    XVI,  200  ss. 

Von  der  anschauung  ausgehend,  dass  jeder,  der  eine  fremde  spräche 
erlernt,  zu  derselben  in  ein  ähnliches  verhältniss  tritt,  wie  das  kind  zu 
seiner  muttersprache,  erscheint  dem  verf.  die  methode  der  fi  bei  als  der 
geeignetste  weg  zur  einfUhrung  in  den  Sprachunterricht.  Da  nun  die 
ineisten  englischen  Übeln  ihren  gang  auf  die  ausspräche  gründen,  so  bat 
auch  Doli  seinen  lehrstoff  mit  rücksicht  auf  die  ausspräche  zusammen- 
gestellt, von  grammatik  aber  und  Übungsbeispielen  zum  übersetzen  ins 
Englische  völlig  abgesehen.  Dieser  lehrstoff  selbst  ist  hauptsächlich  der 
täglichen  Umgangssprache  der  kinder  unter  einander  und  mit  erwachsenen 
entnommen.  Anfangs  ist  er  in  unzusammenhängenden  sätzen,  gegen  ende 
des  buches  in  kleinen  erzählungen,  briefchen  und  gedichten  gegeben. 
Der  gebotene  wortvorrat  erscheint  referenten  zu  reich,  zumal  eine  ganze 
anzahl  der  worte,  unter  denen  zuweilen  recht  seltene  sich  finden,  in  den 
beispielen  gar  nicht  zur  Verwendung  gelangen.  Auch  dürfte  sich  der 
mangel  eines  alphabetischen  Wörterverzeichnisses  recht  bald  fühlbar 
machen.    Wenn  verf.  glaubt,  dass  die  einmal  gelernten  worte  nun  auch 


BÜCHERANZEIGEN.  211 

verzeicbniss  einer  sanunlung  von  werken  des  Erasmus  und  More  in  Sec- 
bohm's  besitz,  wie  sie  ihres  gleichen  suchen  kann.  Bei  diesen  beiden 
Verzeichnissen  freilich  wäre  es  immerhin  erwünscht  gewesen,  die  editiones 
principes,  wenn  sie  nicht  in  Seebohm's  besitz  waren  (vielleicht  in  eckiger 
klammer)  mit  aufgenommen  zu  sehen. 

Die  Oxford  Reformers  sind  in  der  tat  das  anziehendste  und  wich- 
tigste kapitel  nicht  nur  der  literatur  im  engeren  sinne,  sondern  der  ge- 
sammten  geistesentwickelung  Englands  zu  anfang  des  16.  Jahrhunderts, 
und  Seebohin's  art  und  weise,  dies  kapitel  zu  bearbeiten,  ist  im  höchsten 
grade  fesselnd  und  vollendet.  Besonders  angenehm  überraschend  ist  es 
—  bei  der  sonstigen  ci  taten  scheu  der  Engländer  — ,  dass  Scebohm  nicht 
ansteht,  lange  stellen  aus  briefen  und  werken  in  den  text  aufzunehmen 
und  anzuführen,  welche  sonst  schwer  zugänglich  sind.  Dadurch  hat  er 
seiner  darstellung  nicht  nur  nicht  geschadet  (wie  man  in  England  zu 
denken  pflegt),  sondern  dieselbe  belebt  und  ihren  wert  erhöht,  denn  es 
wird  wenige  geben,  welche  in  den  umfangreichen  briefsammlungen  des 
Erasmus  so  genau  bescheid  wissen  wie  Seebohm. 

Wenn  ein  kleiner  nachtrag  gestattet  wäre,  so  wäre  auf  eine  englische 
Übersetzung  der  bekannten  lat.  satire  Julius  de  coclo  exclusus  (151b)  hin- 
zuweisen, welche  auf  s.  42G  hätte  angeführt  werden  können.        E.  F. 


Nader  und  Würzner.     Elementarbach   der   englischen  Sprache. 
Wien,  Holder,  1889.    X,  133  ss. 

Unter  den  zahlreichen  englischen  lehr-  und  Übungsbüchern  verdient 
das  vorliegende  ganz  besondere  beachtung,  denn  die  Verfasser  haben  in 
ihm  alle  die  neuerdings  für  den  neusprachlichen  Unterricht  aufgestellten 
grundsätze  mit  geschick  und  verständniss  zur  anwendung  gebracht.  Das 
buch  beginnt  mit  einer  kurzen  laut-  und  leselehrc  und  bietet  dann  in 
22  kapiteln  die  wichtigsten  spracherscheinungen,  und  zwar  immer  an  zu- 
sammenhängenden lesestücken,  die  nach  form  und  inhalt  (es  sind  erzäh- 
lungen,  beschreibungen,  gespräche,  gedichte,  die  sich  auf  natur-  und  Volks- 
leben, besonders  englisches,  beziehen)  reiche  abwechselung  gewähren.  Die 
theoretische  behandlung  der  in  dem  jeweiligen  lesestück  zur  anschauung 
gebrachten  grammatischen  erscheinung  folgt  in  knapper,  klarer  form  und 
mit  kluger  beschränkung  auf  das  wesentlichste.  Der  erforderliche  Wort- 
schatz ist  anfangs  unter  den  lesestücken,  später  in  einer  besonderen  prä- 
paration,  endlich  in  einem  alphabetischen  Wörterverzeichnisse  gegeben,  in 
dem  jedes  wort  mit  voller  aussprachebezeichnung  in  umschriebener  form 
versehen  ist.  Den  schluss  des  buches  bilden  anleitungen  zu  schriftlichen 
und  mündlichen  Übungen,  die  inhaltlich  an  die  lesestücke  sich  anlehnen  und 
mehr  anregend,  als  erschöpfend  sein  sollen.  Durch  die  ganze  anordnung 
und  behandlung  des  Stoffes  ist  dem  lehrer  volle  freiheit  für  die  gestaltung 
des  Unterrichts  vergönnt.  Auch  die  äussere  ausstattung  des  buches  verdient 
anerkennung.  Wir  sehen  daher  mit  freudiger  erwartung  dem  erscheinen 
des  zweiten  teiles,  der  in  ähnlicher  weise  die  syntax  behandeln  soll,  ent- 
gegen und  wünschen  dem  buche  recht  weite  Verbreitung.  P.  L. 

14* 


214  BÜCHERANZEIGEN. 

eine  (etwas  allzu  knapp«*)  Übersicht  der  englischen  geschichte,  einen  ab- 
schnitt über  Wales  and  thc  Welsh  Language,  eine  bibliographie  von 
werken  über  England  und  eine  (wie  zu  erwarten  ist  ausgezeichnete)  dar- 
stellung  der  geschichte  der  englischen  baukunst  von  prof.  Edward  A. 
Freeman  (s.  XXXIII-LXII). 

Uni  nun  an  dieser  stelle  besonders  auf  die  nützlichkeit  des  reise- 
buchs  für  den  englischen  philologen  hinzuweisen,  wird  sich  in  der  tat  die 
behauptung  rechtfertigen,  dass  es  kein  gleich  handliches  und  reichhaltiges 
topographisches  werk  gibt.  Man  kann  sich  wappnen  mit  fragen,  um  das 
buch  auf  unvollständigkeit  zu  ertappen:  aber  vergeblich.  Man  findet  Myrtlc 
Cottage  zu  Clevedon  (Coleridge's  geburtshaus),  das  grab  von  Dr.  John- 
son^ Tetty  zu  Bromley  (Kent),  Roper's  haus  zu  Canterbury,  Hayes  Place 
(die  Wilberforce  Oak  auf  Keston  Common  hätte  erwähnt  sein  können), 
den  Sacharissa  Walk  zu  Penshurst ',  bei  Stanton  Harcourt  wird  richtig  an 
Pope's  Iliade  gedacht2  u.  s.  f. 

Es  wäre  unmöglich  eine  seite  zu  lesen,  und  dabei  nicht  ein  dutzend 
mal  erfreut  und  erstaunt  zu  sein,  belehrung  zu  finden,  welche  das  buch 
geradezu  zu  einer  kleinen  encyklopädie  über  England  machen. 

Dass  lücken  zu  finden  und  hie  und  da  etwas  zu  wünschen  übrig 
bleibt,  versteht  sich  von  selbst  und  gereicht  dem  buche  nicht  zum  tadel. 
So  fehlt  bei  Dumfries  (468)  der  interessante  mid-steeple;  Ecclefecchan  ist 
erwähnt  (ebenso  auch  das  grab  der  Mrs.  Carlyle  zu  Haddington),  aber  es 
fehlt  joder  ratschlag  über  die  ziemlich  schwierige  route  nach  Craigen- 
puttock.  Auch  die  karte  lässt  da  im  stich.8  Und  man  kann  doch  nicht 
verlangen,  dass  der  reisende  sich  die  grosse  Ordnance  Map4  für  diesen 
tagesausflug  anschafft,  oder  mit  der  neuen  ausgäbe  von  Carlyle's  Remi- 
niscences  (welche  eine  vortreffliche  karte  enthält)  dahin  pilgert.  Forner 
wäre  es  erwünscht  gewesen,  Sudbury,  Nostell  Priory,  Burford,  Warming- 
ton,  Titmarsh,  Howden,  Monkwearmouth  und  Wanstead  und  ein  paar 
andere  historisch  wichtige  orte  berücksichtigt  zu  finden. 

Die  bibliographie  bietet  natürlich  mehrfache  lücken;  so  wäre  ent- 
schieden Ilawtliorne's  Our  old  Home  aufzuführen,  wenn  seiner  Note-books 
gedacht  wird,  der  amerikanische  radfahrer  wird  vortrefflich  mit  karten 
unterstützt,  dem  touristen  fehlt  angäbe  des  so  handlichen  und  bequemen 
kleinen  Handy  Atlas  of  the  Counties  of  England  (5sh.),  Scotland  (3sh.  ßd.) 
und  Irland  (3sh.  0.  d.),  von  George  Philip  &  Son  verlegt  und  durch  sein 
ortsregister  sehr  bequem.  Um  eines  Werkes  nicht  zu  vergessen,  welches 
den  literarhistorischen  reisenden  besonders  interessiert,  sei  hier  noch 
Kim  bau lt 's  Round  England  with  Dickens  angeführt  (und  des  gleichen 


1  Gerade  bei  Penshurst  gibt  Bädeker  auch  für  den  kunsthistoriker 
winke,  welche  um  so  willkommener  sind,  als  Wagcn's  grosses  werk  doch 
nur  eine  auswahl  der  privat gallerien  beschreibt. 

2  Pope  schrieb  daselbst  allerdings  nicht  'most  of  his  Uiad',  sondern 
nur  das  b.  buch. 

3  Die  karten  des  buches  sind  fast  ohne  ausnähme  musterarbeiten, 
z.  b.  die  Umgebungen  von  London,  von  Stratford  -  on  -  Avon,  vom  Lake 
District,  vom  Firth  of  Forth  und  den  schottischen  secn. 

4  Blacks  sonst  grosse  und  genügende  karte  taugt  für  diese  tonr  nicht. 


BÜCHERANZEIGEN.  213 

dauernder  besitz  des  Schülers  sind,  zumal  wenn  dieselben,  wie  er  gleich- 
falls fordert,  n  u  r  in  der  schule  eingeprägt  werden,  so  ist  das  eine  Voraus- 
setzung, die  sich  in  Wirklichkeit  selten  erfüllen  dürfte.  P.  L. 


Benecke,  A.  English  Pronunciation  and  English  Vocabulary. 
Methodische  Anleitung  zum  Erlernen  der  englischen  Aus- 
sprache und  deutsch- englisches  Vokabular.  Potsdam,  Stein, 
1888.    Sechste,  neu  bearb.  aufläge.    XVIII,  211  ss. 

Dass  das  buch  bereits  die  sechste  aufläge  erlebt  hat,  legt  hinreichend 
zeugniss  für  seine  brauchbarkeit  und  beliebtheit  ab.  Die  neue  aufläge  ist 
in  beiden  teilen,  der  anleitung  zur  ausspräche  wie  dem  Vokabular,  umge- 
arbeitet, beziehentlich  erweitert  worden.  Schon  der  umstand,  dass  Sweet's 
elementarbuch  des  gesprochenen  Englisch  die  veranlassung  zur  Umarbei- 
tung gab,  muss  ihr  zur  empfehlung  gereichen.  Die  Veränderungen  be- 
ziehen sich  besonders  auf  eine  abweichende  bezeichnung  der  laute  o  und  a 
in  gewissen  Verbindungen,  ferner  des  -tu  und  -du  in  posttonischer  silbc 
(for'tutte,  ver'dure)  u.  s.  f.  —  Die  auf  den  ersten  blick  noch  etwas  alter- 
tümlich erscheinende  Ziffernbezeichnung  für  die  verschiedenen  vokalwerte 
sucht  der  verf.  besonders  zu  rechtfertigen.  Manche  feine  anmerkung  ist 
in  dieser  anleitung  enthalten;  auch  der,  welcher  schon  weit  über  die 
anfangsgründe  hinaus  ist,  kann  aus  ihr  rat  und  belehrung  schöpfen.  — 
Rücksichtlich  des  Vokabulars  erstreckt  sich  die  bereicherung  vorzüglich 
auf  ausdrücke,  die  auf  den  Unterricht  sich  beziehen,  wodurch  das  buch 
noch  brauchbarer  für  die  schule  wird.  Die  alphabetisch  geordneten  städte- 
namen  sind  gegenüber  früheren  auflagen  ganz  verändert.  P.  L. 


Great  Britain.  England,  Wales,  and  Scotland  (as  far  as  Loch 
Maree  and  the  Cromarty  Firth).  Handbook  for  Travellers 
by  K.  Baedeker.  With  14  Maps,  24  Plans,  and  a  Pano- 
rama.   Leipzig1,  Karl  Baedeker,  1887.    LXII,  530  ss. 

Man  greift  zu  den  roten  bänden  mit  demselben  vertrauen,  welches 
man  einem  alten  freunde  entgegenbringt,  und  ßädeker's  Gross-Britannien 
übertrifft  sich  selbst  an  gewissenhaftigkeit,  Zuverlässigkeit  und  (bei  aller 
knappheit)  grosser  reichhaltigkeit. 

Es  fehlt  zwar  Irland  und  der  äusserste  norden  von  Schottland,  aber 
man  kann  in  dem  gegebenen  umfange  eine  auch  nur  einigermassen  aus- 
reichende behandlung  hiervon  einfach  nicht  verlangen. 

Die  cinleitung  bringt  in  neun  abschnitten  neben  den  bewährten  rat- 
schlagen noch  kleine  aufsätze  über  Sports  und  Pastimes  (von  W.  Blew), 

1  Bädeker  opfert  den  ehrlichen  namen  der  lindenstadt  der  laune  des 
Engländers  und  schreibt  Leipsic.  Wie  schade,  dass  er  sich  diese  gelegen- 
heit  zur  erziehung  des  Engländers  entgehen  lässt. 


216  BÜCHERANZEIGEN. 

wie  Bädeker's  London  eine  solche  grosse  fülle  von  belehrung  spendet, 
und  durch  seine  ausgezeichneten  karten  sich  flir  den  praktischen  gebrauch 
unübertrefflich  zeigt.  £.  F. 


Old  Chelsea.  A  Summer-day's  Stroll  by  Benj.  Ellis  Martin. 
Illustrated  by  Joseph  Penneil.  London,  T.  Fisher  Unwin, 
1889.    Second  Edition.    192  ss.  8°. 

Es  ist  dies  die  Schilderung  eines  Spazierganges  durch  das  moderne 
Chelsea,  um  das  alte  darin  zu  finden,  und  wenn  dieser  gang  auch  in  der 
geschilderten  weise  einen  sehr  langen  sonntag  in  ansprach  nehmen  würde, 
und  wenn  auch  die  meisten  der  berühmtesten  erfrisch ungsplätze  des  alten 
Chelsea  (Ranelagh  Gardens,  Don  Saltero's,  das  Bun  Honso  u.  a.)  nun  leider 
längst  verschwunden  sind,  man  würde  in  Martin  und  Pennell's  gesellschaft 
doch  nicht  müde  werden.  Der  erzählende  fllhrer  offenbart  sich  plötzlich 
s.  179  als  Amerikaner,  hat  sich  also  seine  kenntnisse  selbst  erst  anstudiert  — 
aber  eingeborene  ftihrer  sind  gar  nicht  immer  die  hosten. 

Der  ausgangspunkt  ist  Sir  Thomas  More's  verschwundener  palast, 
dem  mit  seinen  gärten  und  historischen  nebengebäuden  der  längste  ab- 
schnitt des  buches  gewidmet  ist;  von  demselben  ist  s.  57  auch  ein  bild 
gegeben,  sehr  willkommen,  da  der  originalstich  sehr  selten  ist  (der  letz- 
tere wird  s.  57  von  16S2  datiert,  ist  es  derselbe,  welcher  s.  37  als  L.  Knyff 
del.  1699  angeführt  ist?). 

Die  lokalgeschiohte  Chelsea's  von  Tho.  Faulkner  ist  benutzt,  jeden- 
falls wol  auch  Cunningham's  hauptquellenbuch ,  dass  sich  trotz  Jesse, 
Loftie ,  Thorne ,  Cassels  u.  a.  noch  als  das  wissenschaftlichste  und  dabei 
handlichste  erweist;  es  wäre  aber  erwünscht,  dass  Martin  uns  (natürlich  heim- 
gekehrt vom  Spaziergange)  ein  paar  der  werke  selbst  zur  hand  reichte,  aus 
denen  er  so  hübsch  uns  erzählt  hat  (und  einstweilen  anmerkungen  gäbe). 

Sehr  hübsch  ist  die  rekapitulation  auf  s.  134,  welche  noch  einmal 
alle  die  liebgewonnenen  gestalten  Chelsea's  vorüberziehen  iässt:  More  und 
Heinrich  VIII.,  Elisabeth  und  Effingham,  George  Herbert,  Donnc,  Walton, 
Arbuthnot,  Locke,  Sloane,  Addison,  Steele,  Johnson,  bis  herab  auf  Leigh 
Hunt,  Carlyle,  Turner,  George  Eliot  und  Rossetti. 

Das  schön  geschriebene  und  prächtig  ausgestattete  büchlein  sei  jedom 
liebhaber  des  alten  Londons  empfohlen.  E.  F. 


Hunt  William.    The  English  Church  in  the  Middle  Agcs. 

I^ondon,  Longmans,  Green  and  Co.,  1HHS  (Vol.  XI  der  Epochs 

of  Church  J/istory,  edited  by  Prof.  Mandell  Creighton). 

Dieses  buch  hat,  wie  die  vorrede  sagt,  sich  zur  aufgäbe  gestellt,  das 
verhältniss  der  englischen  kirche  zum  papstum  und  zum  englischen  Staat 
bis  zur  reformation  Wyelifs  darzustellen.  Es  ist  in  neun  kapitcl  ein- 
geteilt, deren  inhalt  schon  in  den  einzelnen  prägnanten  Überschriften  aus- 
gedrückt wird.    So  zeigt  uns  gleich  der  titel  des  I.  kap.:  Home  and  Jonay 


BÜCHER  ANZEIGEN.  215 

with  Thackeray).  Zu  Freeman's  aufsatze  wären  ein  paar  skizzen  nötig 
gewesen;  ferner  kommt  die  architektur  zu  gut  weg,  wenn  die  Übrigen 
künste  gar  nicht  erwähnt  werden,  so  dass  der  wünsch  rege  wird,  von 
Springer's  meisterhand  eine  einleitung  in  die  geschichte  der  englischen 
maierei  und  plastik  zu  finden.  —  Aber  dieser  und  ähnlicher  desiderata  ist 
eigentlich  gar  nicht  zu  gedenken  bei  einem  so  vortrefflichen  buche. 

E.  F. 


London  and  its  Environs.  Handbook  for  Travellers  by  K.  Bae- 
deker. With  3  Maps  and  15  Plans.  Sixth  Edition.  1887. 
VIII,  340  ss. 

Bädeker's  London  hat  dieselben  Vorzüge  wie  sein  Gross-Britannien, 
und  vielleicht  noch  weniger  Kicken,  weil  der  räum  für  London  allein 
weniger  beschränkt  war.  Die  englische  ausgäbe  ist  zwar  augenscheinlich 
besonders  für  Amerikaner  berechnet  (s.  46  u.  16),  aber  nichts  destoweniger 
ist  sie  auch  für  den  Deutschen  sehr  brauchbar.  Die  literarischen  platze 
Londons  sind  bis  auf  die  neueste  zeit  sehr  vollständig  eingetragen  (bis 
auf  Walter  Besant's  All  Sorts  and  Conditions  of  Men  und  den  Peoplc's 
Pallace),  aber  dennoch  bleibt  hier  manches  zu  wünschen. 

So  scheint  Holborn  etwas  zu  kurz  wegzukommen,  FurnivalFs  Inn 
mit  seiner  interessanten  wohnung  von  Dickens  wird  nur  als  eine  der 
Inns  of  Court  erwähnt  (s.  136,  fehlt  im  index  ganz!),  Brooke  Street,  durch 
Fulke  Greville  und  Chatterton  berühmt,  scheint  ganz  zu  fehlen,  ebenso 
Barbican,  Bucklersbury.  Der  Cheshire  Cheese  ist  erwähnt,  aber  Gough 
Square  fehlt  auf  der  karte  (und  ist  nicht  ganz  leicht  zu  finden,  wenn  man 
in  Fetter  Lane,  Newton  Hall  —  ebenfalls  nicht  erwähnt  —  oder  Dean 
Street  verpasst  hat).  Dass  Pope  in  Lombard  Street  geboren  wurde,  oder 
in  Lincoln's  Inn  Davenant's  Private  Theatre  sich  befand,  oder  Burchill 
Fields  Cemetery  früher  Tindall's  Burial  Ground  hiess  und  ähnliches,  kann 
man  nicht  verlangen,  aber  ein  historischer  ort,  wie  Chelsea,  hätte  eine 
halbe  seite  mehr  rechtfertigen  dürfen.  Dort  fehlt  der  Moravian  Burial 
Ground  (mit  Zinzendorf's  grab  und  den  interessanten  einzigen  Überresten 
von  Tho.  More's  hause),  Sandford  Manor  House,  Sand's  end  (wo  Addison 
wohnte,  noch  unzerstört),  ferner  Turner's  haus,  das  pfarrhaus  (lange  jähre 
das  heim  von  Charles,  George  und  Henry  Kingsley),  Don  Saltcro's  u.a. 
Auch  wäre  es  nicht  zu  schwierig  gewesen,  die  nummern  für  die  häuser 
von  Carlyle,  George  Eliot  u.  s.  f.  einzufügen. 

Auf  s.SO  findet  sich  eine  liste  von  Books  relating  to  London,  da- 
runter fehlt  Jesse  und  Peter  Cunningham.  Besonders  das  fehlen  des 
letzteren  buches  ist  zu  rügen,  denn  wenngleich  1850  erschienen  (in  2.  auf- 
läge, die  3.  lässt  lange  auf  sich  warten)  und  natürlich  für  die  neuerungen 
1850— SS  nicht  zu  benutzen,  ist  und  bleibt  es  das  wissenschaftliche  reise- 
buch für  London  für  denjenigen,  der  ein  Studium  aus  der  Stadt  machen 
will  —  unschätzbar  durch  seine  genauen  quellenangaben. 

Aber  man  darf  nicht  im   tadel  von  einem  buche  scheiden,  welches 


218  BÜCHER  ANZEIGEN. 

kirche  einen  krcuzzug  und  Hess  während  seiner  langen  abwesenheit  von 
England  dieses  hauptsächlich  von  geistlichen  Würdenträgern  regieren,  von 
denen  wol  der  bedeutendste  Hubert  Walter,  erzbischof  von  Canterbury 
von  1103 — 1205,  war.  Nicht  unerwähnt  soll  gelassen  werden,  dass  unter 
Heinrich  II.  auch  Irland  und  Wales  kirchlich  mit  England  verbunden 
werden,  während  1188  die  schottische  kirche  durch  einen  beschluss  von 
papst  Clemens  111.  von  der  oberhohheit  des  erzbischofs  von  York  los- 
gelöst wird  und  unmittelbar  unter  Roms  herrschaft  zu  stehen  kommt.  — 
Der  titel  Vassalage  ist  für  das  VII.  kapitel  gewählt,  um  das  lehnsver- 
hältniss  zwischen  dem  englischen  könig  Johann  und  papst  Innozenz  III. 
gehörig  in  den  Vordergrund  zu  stellen.  Die  entriistung  über  die  unwür- 
dige Stellung  des  englischen  herrschers  veranlasst  nicht  nur  den  englischen 
adel,  sondern  auch  einen  grossen  teil  der  geistlichkeit,  an  ihrer  spitze  den 
patriotischen  erzbischof  von  Canterbury,  Stephen  Langton  (1207 — 1228), 
zur  abfassung  der  Magna  Charta.  Johann's  nachfolger,  Heinrich  III.,  war 
vollständig  in  den  händen  des  papstes,  der  England  mit  italienischen  geist- 
lichen überschwemmte  und  aus  dem  inselreiche  möglichst  viel  geld  heraus- 
presste,  zum  grossen  ärger  der  barone  und  der  einheimischen  geistlich- 
keit, unter  welcher  der  als  gelehrter  und  patriot  gleich  bedeutende  bischof 
von  Lincoln,  Robert  Grosseteste  (1235— 1253),  namentlich  hervorragt.  Ein 
freund  Grosseteste's  war  Simon  von  Montfort,  der  kühne  fUhrer  der  barone 
in  dem  kämpfe  gegen  den  könig,  wobei  widerum  ein  grosser  teil  der  ein- 
heimischen geistlichkeit  mit  den  baronen  hand  in  hand  ging.  —  Kap.  VIII 
—  The  Church  and  Ute  Nation  —  zeigt  dann,  dass  in  könig  Edward  I. 
die  nationalen  bestrebungen  der  englischen  kirche  einen  eifrigen  und  kräf- 
tigen förderer  gefunden  hatten,  der  nicht  wie  Johann  und  Heinrich  III. 
gemeinsam  mit  dem  papste  gegen  sein  eigenes  volk,  sondern  gemeinsam 
mit  dem  letzteren  gegen  den  römischen  einfluss  front  machte.  In  den  un- 
ruhigen zeiten  unter  Ed ward's  IL  regierung  (1307— 1327)  nahm  die  kirche 
dann  wider  redlich  teil  an  den  kämpfen  für  und  wider  den  unbeliebten 
könig  und  die  päpste  machten  ihre  autorität  namentlich  durch  willkür- 
liche besetzungen  geistlicher  stellen  in  England  kräftig  geltend.  —  Das 
IX.  und  letzte  kapitel  trägt  endlich  noch  die  Überschrift:  The  Papacy  and 
Ute  Purliament  und  ist  der  betrachtung  der  regierungszeit  Edward's  III. 
(1327 — 1377)  gewidmet.  Diese  fünfzig  jähre  sind  wichtig  für  die  geschichte 
der  englischen  kirche,  weil  in  ihnen  das  parlament  zum  ersten  male  ener- 
gisch dem  übergewicht  des  papsttums  entgegentritt  (durch  parlanients- 
beschluss  wird  z.  b.  13t>6  das  von  Johann  angeknüpfte  lehnsverhältniss 
zwischen  dem  kimig  von  England  und  dem  papste  aufgelöst)  und  ein 
geist  der  Unzufriedenheit  über  die  schaden  und  missbräuche  in  der  kirche 
unter  der  nation  sich  erhebt,  welcher  dann  im  verlaufe  des  14. Jahrhun- 
derts .lohn  Wyelif  zu  seinem  refonnatorischen  vorgehen  veranlasst.  Mit 
einem  nochmaligen  resume  des  in  den  neun  kapiteln  gesagten  schliesst 
das  hübsch  ausgestattete  buch,  das  demjenigen,  welcher  sich  einen  Über- 
blick über  die  englische  kirchengeschichte  von  ca.  (loo  1377  verschaffen 
will,  gewiss  auf  das  wärmste  empfohlen  werden  kann.  (i.  S. 


BÜCHER  ANZEIGEN.  217 

dass  in  diesem  abschnitte  von  dem  streite  der  römischen  und  keltischen 
kirche  auf  der  britischen  insel  gesprochen  wird,  der  dann  ja  durch  die 
synode  von  Whitby  (664)  mit  dem  siege  des  papsttums  endete.  —  Das 
II.  kap.,  unter  dem  titel  Organisation,  behandelt  die  innere  einrichtung 
der  englischen  kirche  von  664  bis  in  die  mitte  des  8.  Jahrhunderts ;  am 
anfange  wird  der  organisatorischen  tätigkeit  des  Theodor  von  Tarsus,  erz- 
bischofs  von  Canterbury  (668—690),  gebührend  gedacht  und  am  Schlüsse 
des  abschnittes  noch  darauf  hingewiesen,  wie  zur  damaligen  zeit  nament- 
lich durch  Alcuin  die  englische  kirche  in  nahe  berührung  gebracht  wurde 
mit  der  fränkischen.  —  Im  III.  kap.:  Ruin  and  Revival,  wird  gezeigt,  wie 
der  verfall  der  englischen  kirche  am  ende  des  8.  und  im  9.  Jahrhundert 
im  engsten  zusammenhange  steht  mit  den  einfallen  der  Dänen,  während 
der  wideraufschwung  des  kirchlichen  lebens  sich  anschliesst  an  Aelfred  den 
grossen  und  nach  ihm  namentlich  an  den  erzbischof  Dunstan  (960 — 988). 
Auch  die  Ubersetzungstätigkeit  des  abtes  Aelfric  findet  gegen  den  schluss 
dieses  dritten  abschnittes  ihre  verdiente  erwähnung.  —  Die  zeit,  deren 
betrachtung  das  IV.  kap.  —  Exhaustion  —  gewidmet  ist ,  erstreckt  sich 
nun  vom  ende  des  10.  Jahrhunderts  bis  1066,  bis  zur  normannischen 
eroberung.  Es  ist  dies  eine  zeit  grosser  Selbständigkeit  und  Unabhängig- 
keit der  englischen  kirche,  die  man  beinahe  eine  nationalkirche  nennen 
möchte,  vom  päpstlichen  stuhle,  aber  zugleich  auch  grosser  verweltlichung. 
Wie  der  angelsächsische  Staat,  so  drohte  auch  die  angelsächsische  kirche 
in  ihrer  abgeschlossenheit  von  dem  leben  und  treiben  des  festlandes  zu 
versumpfen.  Einen  frischeren  und  kosmopolitischeren  zug  in  die  kirch- 
lichen Verhältnisse  brachte  die  anstellung  mancher  romanischer  geistlicher 
durch  Eduard  den  bekenner,  z.  b.  die  des  Robert  von  Jumieges  auf  den 
erzbischofsstuhl  von  Canterbury  1051.  Durch  diesen  französischen  klerus 
auf  englischem  boden  wird  dann  die  bekanntlich  unter  päpstlichem  schütze 
in  ausftihrung  gebrachte  normannische  eroberung  mit  vorbereitet.  —  Das 
V.  kap.  ist  überschrieben :  Royal  Supremacy.  Es  umfasst  die  regierungs- 
jahre  Wilhelm's  des  eroberers  und  seiner  zwei  söhne,  Wilhelm's  des  roten 
und  Heinrich's  I.,  also  die  zeit  von  1066—1135.  Die  tendenz  dieser  drei 
willensstarken  Normannen  bestand  darin,  die  kirche  ganz  vom  Staate  zu 
trennen,  aber  jene  diesem  vollkommen  unterzuordnen.  Während  Wilhelm 
der  eroberer  in  diesen  bestrebungen  von  dem  berühmten  erzbischof  von 
Canterbury,  Lanfranc  (1070—1089),  redlich  unterstützt  wurde,  hatte  sein 
söhn,  der  gewalttätige  Wilhelm  II.,  mit  Lanfranc's  nachfolger,  Anselm  von 
Canterbury  (1093— 1109),  heftige  kämpfe  zu  bestehen.  In  die  regierungs- 
zeit  Heinrich's  I.  fällt  der  Wettstreit  zwischen  den  erzbischöfen  von 
Canterbury  und  York,  welcher  von  dem  die  allgewalt  des  erzbischofs 
von  Canterbury  fürchtenden  papste  dahin  entschieden  wurde,  dass  York 
mit  Canterbury  coordiniert  sein  solle.  —  Clerical  Pretensions  steht  an  der 
spitze  des  VI.  kap.,  und  diese  Überschrift  deutet  uns  schon  an,  dass  wir 
es  hier  mit  dem  bestreben  der  kirche,  sich  von  der  Oberhoheit  des  Staates 
zu  befreien,  zu  tun  haben.  Es  gelingt  ihr  diesen  wünsch  teilweise  zu 
realisieren  unter  dem  schwachen  Stephan  von  Blois.  Auch  Heinrich  II. 
musste  gleichsam  zur  sühne  für  Thomas  Becket's  ermordung  sich  mit 
Rom  auf  guten  fuss  stellen ;  sein  söhn  Richard  unternahm  im  dienste  der 


220  BÜCHERANZEIGEN. 

In  kap.  VI:  Wyäiffes  Ettrlier  Doctr'mc  werden  die  beiden  bedeutendsten 
Schriften  WyclinVs  vor  1378,  also*  De  dorainio  divino'  und  *  De  civili  do- 
minio',  des  näheren  betrachtet.  —  Schon  der  titel  von  kap.  VII:  Wycliffe 
and  the  Great  Schism  bereitet  uns  auf  die  tatsache  vor,  dass  durch  die 
doppelte  papstwahl  im  jähre  1378  der  englische  reformator  zu  schärferem 
vorgehen  gegen  die  römische  kirche  getrieben  wurde.  Er  schickte  die 
sogenannten  'poor  priests'  im  lande  herum,  um  seine  lehren  unter  die 
leute  zu  bringen;  er  machte  in  Verbindung  mit  Nicholas  Hereford  und 
John  Purvey  die  bibel  durch  seine  Übersetzung  ins  Englische  allen  zu- 
gänglich; er  trat  gegen  die  mönche  auf  und  tat  dann  im  sommer  1381 
den  verhängnissvollsten  und  weitgehendsten  schritt,  indem  er  die  trans- 
substantiation  leugnete.  Diese  letztgenannte  ketzerei  tmg  ihm  manche 
Verfolgung  ein,  doch  vor  einer  persönlichen  Verantwortung  vor  papst 
Urban  VI.  rettete  ihn  der  tod,  der  am  28.  Dezember  1384  dem  taten-  und 
ereignissreichen  leben  des  grossen  mannes  ein  ende  bereitete.  —  Aus  der 
Überschrift  zu  kap.  VIII:  Lollardy  in  England  and  Bohemia  ist  ersicht- 
lich, dass  wider  nur  ein  teil  dieses  abschnittes  in  den  engeren  rahmen 
unserer  darstellung  gehört.  Zwei  dinge  sind  es,  für  die  Wycliffe  in  erster 
linie  eintrat:  einmal  die  befreiung  der  kirche  von  weltlicher  macht  und 
weltlichen  interessen,  dann  die  reform  der  kirchlichen  lehre  nach  dem 
evangelium.  Diese  bestrebungen  waren  auch  die  der  Lollarden.  Letztere 
konnten  die  energische  Verfolgung  durch  die  beiden  ersten  Lancaster- 
könige  nicht  überleben  und  sind  daher  seit  den  zwanziger  jähren  des 
15.  Jahrhunderts  für  England  ohne  jegliche  bedeutung  mehr,  während  in 
Böhmen  der  von  Wycliffe  gesäete  samen  einen  günstigen  boden  zu  Weiter- 
entwicklung fand.  Den  böhmischen  reformbewegungen  ist  denn  auch  der 
schluss  von  kap.  VIII  gewidmet,  und  auch  die  noch  folgenden  kapitel  be- 
schäftigen sich  im  allgemeinen  mit  den  Vorzeichen  der  wirklichen  refor- 
mation,  so  dass  die  angäbe  der  kapitelüberschriften  hier  wie  im  anfang 
eine  eingehendere  darstellung  des  noch  übrigbleibenden  inhaltes  der 
gründlichen,  klaren,  mit  woltuender  Unparteilichkeit  und  toleranz  abge- 
fassten  schrift  ersetzen  muss.  Kap.  IX:  The  Divide d  Papacy.  —  Kap.  X: 
The  Councils  of  Pisa  and  Conslance.  —  Kap.  XI:  John  Hus.  —  Kap.  XII: 
The  End  of  ihe  First  Reform  Movement.  —  Kap.  XIII:  Religiou*  Revival 
in  Spain  and  ltaly.  —  Kap.  XIV:  Reform  in  Gennany:  The  Lateran 
Council,  (t.  S. 


Patrick  Henry;  by  Moses  Coit  Tyler.    Boston  and  New  York, 
Houston  Mifflin  and  Co.     1888.     VII,  308  ss.  8«. 

Vom  verf.  der  grossen  amerikanischen  literaturgeschiehte  —  welche 
dereinst  nach  ihrer  Vollendung  das  grund-  und  quellenbuch  Air  die  Wissen- 
schaft der  amerikanischen  literaturforschung  sein  wird  -  liegt  eine  bio- 
graphie  Patrick  Henry 's  vor,  welcher  zwar  als  gewaltigster  amerikanischer 
redner  wol  bekannt  war,  dessen  leben  und  wirken  in  seiner  ganzen  histo- 
rischen bedeutung  aber  vor  Tyler  noch  nicht  wissenschaftlich  durch- 
gearbeitet war. 


BÜCHER  ANZEIGEN.  219 

Poole,  Reginald  Lane.  Wycliffe  and  Movements  for  Reform. 
London,  Longmans,  Green  and  Co.  1889  (Vol.  XIV  der  Epochs 
of  Church  History,  edited  by  Prof.  Mandell  Creighlon). 

Dieses  buch  schliesst  sich  also  ganz  direkt  an  das  vorhin  besprochene 
an,  indem  es  in  vierzehn  kapiteln  die  reformbestrebungen  des  14.  und  15. 
Jahrhunderts  behandelt.  Da  aber  der  Verfasser  sich  in  der  betrachtung  der 
antipäpstlichen  bewegungen  nicht  auf  die  beschränkt,  welche  auf  eng- 
lischem boden  in  jener  zeit  nachgewiesen  sind,  so  steht  ein  teil  des 
übrigens  sehr  gründlichen  und  klar  geschriebenen  buches  ausserhalb  des 
besprechungsgebietes  dieser  Zeitschrift.  Für  die  ersten  beiden  kapitel 
mögen  die  Überschriften  den  inhalt  genügend  charakterisieren;  kap.  I: 
Boniface  the  Eighth  —  The  Papat  Position;  —  kap.  II:  The  Franciscan 
Controversy.  —  Marsiglio  of  Padua  and  William  of  Ockham.  —  Auch 
der  erste  teil  von  kap.  III:  The  Popes  at  Avignon  beschäftigt  sich  nicht 
direkt  mit  England,  wol  aber  der  zweite:  The  Papacy  and  England,  und 
zwar  werden  hier  wider,  wie  schon  im  letzten  kapitel  von  Hunt's  buch, 
die  gründe  angeführt,  wanim  im  14.  Jahrhundert  namentlich  das  papsttum 
und  dessen  treues te  garde,  die  bettelmönche ,  in  England  anfangen  sehr 
unpopulär  zu  werden.  Ein  Vorläufer  Wycliffe's  (so  schreibt  Poole  den 
namen)  in  der  Verdammung  der  Franziskaner  war  kein  geringerer  als  der 
erzbischof  von  Armagh,  Richard  Fitz  Ralph.  —  Mit  kap.  IV  tritt  dann  der 
englische  reformator  in  den  Vordergrund  und  zwar  wird  zunächst,  wie  die 
Überschrift  zeigt,  The  Early  Life  of  John  Wycliffe  behandelt.  Ueber 
dieses  weiss  man  ja  bekanntlich  recht  wenig  und  unser  vorsichtiger  und 
gewissenhafter  biograph  muss  daher  in  seiner  darstellung  von  den  wört- 
chen 'probably',  'possible',  *it  is  believed'  etc.  einen  ausgiebigen  gebrauch 
machen.  Mit  recht  wird  hervorgehoben,  dass  Wycliffe  schon  1366  bei 
anlass  der  auflösung  des  lehnsverhältnisses  zwischen  England  und  Rom 
mit  seiner  schrift:  'Detenninatio  qusedam  de  dominio'  bedeutsam  an  die 
Öffentlichkeit  tritt.  Dass  der  im  jähre  1365  vom  erzbischof  Simon  Islip 
erwählte  und  1367  von  Islip's  nachfolger  wider  abgesetzte  vorstand  der 
Canterbury-Hall  zu  Oxford  John  Wycliffe  unser  reformator  gewesen,  wird 
von  Poole  im  text  zwar  angenommen,  aber  in  einer  anmerkung  stark  be 
zweifelt.  Etwa  mit  dem  jähre  1370,  als  WycHffe  doktor  geworden,  be- 
ginnt er  die  katholische  kirelie  anzugreifen,  doch  ist  hervorzuheben,  dass 
er  trotzdem  bis  zum  jähre  1381  von  seinen  gegnern  stets  mit  Hochachtung 
und  würde  behandelt  und  selbst  in  den  vom  papst  Gregor  XL  gegen  ihn 
geschleuderten  fünf  bullen  nie  der  ketzerei  angeklagt  wurde.  —  Kap.  V 
führt  unter  dem  titel :  Wycliffe  and  English  Potitics,  die  lebensgeschichte 
des  mannes  weiter  von  1374—78  und  verweilt  namentlich  bei  der  teil- 
nähme WyclifTs  an  den  Unterhandlungen  zu  Brügge  (1374),  bei  seiner 
Verbindung  mit  John  of  Gaunt,  bei  den  von  papst  Gregor  XL  gegen  ihn 
losgelassenen  bullen  und  schliesst  mit  dem  hinweis  auf  den  rück  halt,  den 
Wycliffe  in  seinem  vorgehen  gegen  die  kirche  nicht  nur  an  dem  eng- 
lischen volke,  sondern  auch  an  der  regierung,  dem  parlament  und  der 
Universität  Oxford  hatte,  weshalb  denn  auch  von  seite  des  klerus  nicht 
scharf  gegen  den  unbequemen  reformer  vorgegangen  werden  konnte.  — 


222  BÜCHERANZEIGEN. 

Arnold  Toynbee.  By  F.  C.  Montague,  Fellow  of  Oriel  College, 
Oxford.  Baltimore,  January  1889  (Johns  Hopkins  University 
Studies  in  Historical  and  Political  Science;    7th  Series.    I). 

70  ss.  8°. 

Arnold  Toynbee  repräsentiert  die  grösste  sittliche  höhe,  welche  die 
Universität  Oxford  in  dem  letzten  Jahrzehnt  erreicht  hat  und  die  in  dank- 
barer anerkennung  seiner  Verdienste  und  zur  erinnerung  an  sein  lebens- 
ziel  begründete  Toynbee  Hall  zu  Whitechapel,  London  kann  wol  eben- 
falls anspruch  erheben  —  wenn  zunächst  nicht  die  wissenschaftliche  tttch- 
tigkeit,  so  doch  jedenfalls  die  sittliche  kraft  — ,  der  englischen  Universi- 
täten als  vorbild  aufzustellen. 

Seit  Toynbee's  tode  1883  sind  seine  werke  gesammelt,  die  geringsten 
Überreste  seines  lebenswerkes,  denn  seine  hauptwirksamkeit  und  bedeu- 
tung  lag  in  dem  persönlichen  wirken  des  mannes;  auch  an  kürzeren  bio- 
graphischen abrissen  war  kein  mangel,  aber  wenn  der  gegenwärtige  auch 
nur  kurz,  eigentlich  allzu  kurz  ist,  kann  man  ihn  doch  zur  Orientierung 
über  Toynbee  am  besten  empfehlen  —  und  zwar  besonders  für  Deutsch- 
land, wo  ausser  einem  vortrefflichen  aufsatze  von  v.  Schulze-Gävcrnitz 
(Grenzboten  188G)  von  Toynbee  noch  nicht  viel  die  rede  gewesen  ist. 

In  einem  appendix  wird  ein  wichtiger  brief  Toynbee's  abgedruckt 
(man  sähe  gern  noch  mehrere!),  ferner  zwei  hübsche  aufsatze  (von  Lyttel- 
ton  Gell)  über  The  Work  at  Toynbee  Hall,  und  (Stover)  über  The  Neigh- 
bourhood  Guild  in  New  York  —  die  letztere  scheint  auf  dem  wege,  sich 
ebenfalls  mit  den  Universitäten  in  .Verbindung  zu  setzen,  und  damit  in 
der  tat  eine  neue  grosse  'bewegung'  zu  schaffen.  E.  F. 


Bekenntnisse  eines  Opiumessers  von  Thomas  de  Qnincey. 
Deutsch  von  L.  Ottin  an  n.  Zweite,  durch  den  Lebensah riss 
des  Verfassers  erweiterte  Auflage.     Stuttgart,  Robert  Lutz. 

1888.    XXIX,  160  ss.  kl.  8<>. 

Mit  Zugrundelegung  von  Garnett's  neudrucke  der  ältesten,  kürzesten 
und  am  meisten  fesselnden  fassung  der  Confessions  of  an  Opium  Kater 
erscheint  hier  (schon  in  zweiter  aufläge)  eine  Übersetzung  des  beliebten 
werkchens,  schön  ausgestattet  und  durch  eine  biographische  einleitung^ 
eingeführt.  Dass  somit  der  versuch  gemacht  wird  De  Quincey  in  Deutsch- 
land etwas  bekannter  zu  machen,  ist  sicher  willkommen  zu  heissen,  denn 
das  schweigen,  mit  dem  derselbe  übergangen  wird,  ist  höchst  ungerecht- 
fertigt und  nicht  gerade  zu  unserer  ehre. 

Was  die  Übersetzung  selbst  anbetrifft,  so  liest  sich  dieselbe  gut,  bis 
auf  einige  noch  zu  beseitigende  anglicismen  und  u  n  genau  igkeiten.  Be- 
sonders auffallend  waren  die  'arabischen  niärchen'auf  s.  X,  wo  wir  daftir 
looi  nacht  sagen;  ferner:  'jungen,  welche  mit  mir  auf  der  ersten  bank 
sassen '  für  ( who  composed  the  Hrst  form '  ist  zunächst  nicht  richtig  über- 
setzt; 'elegantere  gelehrte'  (s.  X)  ist  nicht  deutsch,  'meine  natürliche 
neigung  zur  liebe'  (s.  17)  tlir  'who  was  frauied  for  love'  allzu  frei  und 


BÜCHERAKZEIGBN.  221 

Es  gab  mehrere  biographien  Henry's  (von  Will.  Wirth  und  W.  W. 
Henry),  aber  einmal  ist  es  die  benutzung  von  neueröffneten  ms.-quellen, 
dann  die  ruhige  historische  Würdigung,  welche  das  Tylcr'sche  buch  nicht 
nur  zur  bedeutendsten  schrift  über  Henry,  sondern  zu  einem  wichtigen 
beitrage  der  amerikanischen  geschichte  überhaupt  macht 

Besonders  anziehend  ist  das  verhältniss  Henry's  zu  Washington  von 
Tyler  geschildert  und  von  den  vielfachen  schlacken  der  Überlieferung  ge 
reinigt:  ein  leuchtendes  bild  der  freundschaft  grosser  naturen.  Die  vor- 
übergehende trübung  dieses  Verhältnisses  durch  Henry's  Stellung  zur  *  Con- 
stitution', welche  demselben  übel  ausgelegt  wurde,  ist  von  Tyler  endgiltig 
und  einfach  erklärt.  Ueberhaupt  ist  Henry  durch  dieses  buch  von  dem 
unsinnigen  vorwürfe  der  baren  ungebildetheit  gereinigt  und  vor  Jeffer- 
son's  nicht  milde  zu  beurteilenden  malicen  gerechtfertigt  worden. 

Der  stil  des  ganzen  werkes  —  welches  die  grösste  gelehrsamkeit 
(ganz  wie  die  amerikanische  literaturgeschichte  des  verf.)  mit  der  schönsten 
darstellung  verbindet  —  macht  das  buch  geradezu  zu  einer  klassischen 
biographie. 

Die  ansstattung  ist  wie  bei  allen  büohern  der  Riverside  Press 
musterhaft.  E.  F. 


Short  Studies  of  American  Authors  by  Thomas  Wendworth 

Higginson.    Enlarged  Edition.     Boston,  Lee  and  Shepard. 

1888.    78  ss.  kl.  8°. 

Col.  Higginson,  der  amerikanische  essayist,  romanschriftsteller,  dichter 
und  Historiker,  welchen  allein  schon  seine  lange  militärische  lauf  bahn  zum 
scharfen  und  feinen  beobachter  der  menschen  gemacht  hat,  sammelt  seine 
skizzen  aus  dem  gebiete  der  amerikanischen  literaturgeschichte  in  einem 
kleinen  bändchen,  welches  zunächst  schon  durch  seine  kürze  den  leser 
anzieht,  bald  aber  durch  seinen  wirklich  reichen  inhalt  fesselt.  Higginson 
behandelt  acht  amerikanische  autoren:  Hawthorne,  Poe,  Thoreau,  Howells, 
Helen  Jackson,  James,  Louisa  Mary  Alcott  und  Whipple  —  vielbehandelte 
männer  darunter,  aber  bei  jedem  zeigt  er  uns  eine  neue  seite  und  be- 
sonders seine  Schilderungen  von  Hawthorne  und  Thoreau  führen  uns  per- 
sönlich bei  diesen  ein.  Die  skizze  über  Thoreau  scheint  die  frischeste 
*%u  sein  und  ist  der  einseitigen  Charakteristik  desselben  in  Lowell's  Study 
Windows  als  gegengewicht  entgegen  zu  stellen.  Helen  Jackson  (H.  H.) 
wird  dem  europäischen  leser  wol  zum  ersten  male  in  ihrer  grossen  be- 
deutung  vorgeführt,  und  auch  L.  Mary  Alcott  (die  zweite  Miss  Sedgwick) 
wird  diesseits  des  ozeans  noch  wenig  bekannt  sein.  Das,  was  an  ihr  zu 
tadeln,  oder  besser  das,  wodurch  sie  zur  warnung  gereicht,  wird  darin 
offen  bekannt,  und  dazu  gehört  einiger  mut  bei  dem  ungeteilten,  aber 
unkritischen  lobe,  welches  derselben  zu  teil  zu  werden  pflegt.  Als  bei- 
gäbe zur  literaturgeschichte  ist  das  hübsch  ausgestattete  büchlein  warm 
zu  empfehlen.  E.  F. 


224  BÜCHER  ANZEIGEN. 

sich  täuschen  künnen),  so  ist  die  mehrzahl  der  erzählungen  des  Chronisten 
dennoch  leicht  durch  Urkunden  zu  stützen,  und  ist  der  wert  der  chronik 
als  historische  nebenquelle  nicht  unbedeutend. 

Dem  Iiterarhistoriker  wird  die  ausführliche  erzählung  von  Sir  Thomas 
Wyatt's  (des  älteren)  gefangenahme,  von  seinem  liebesverhältnisse  zu  Anna 
Boleyn,  und  dem  in  der  chronik  mitgeteilten  briefe  an  Heinrich  (von  dem 
man  aus  den  State  Papers  noch  nichts  wusste)  eine  bereicherung  des 
quellenmaterials  sein.  Für  den  philologen  ist  die  phonetische  transkription 
besonders  englischer  eigennamen  von  Wichtigkeit:  es  zeigt  diese,  wie  der 
autor  (der  also  kein  gebildeter  mann  war  und  die  nanien  offenbar  nicht 
geschrieben  gesehen  hatte)  die  namen  ausgesprochen  hörte,  z.  b.  Thomas 
Bayan  und  Bagan  für  Vaughan  (s.  47,  48) ,  gut  pipel  für  good  pcople 
(s.  103),  Quenebet  für  Knyvett  (s.  117),  Sergil  Espul  für  Sir  Giles  Pole 
(8.  HU),  Huaruyque  für  Warwick  (s.  141,207).  Man  wäre  dem  Übersetzer 
dankbar,  wenn  er  noch  mehr  derartige  proben  im  texte  gegeben  hätte. 

Die  Übersetzung  selbst  liest  sich  sehr  glatt  und  niemand  wird  die- 
selbe ohne  nutzen  aus  der  band  legen.    Die  ausstattung  ist  vorzüglich. 

E.F. 


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BÜCHRRANZBIGEN.  223 

gar  nicht  schön.  Häufig  weiss  man  nicht,  was  dialektische  Stileigentüm- 
lichkeit des  Verfassers  (oder  wol  der  Verfasserin?)  ist:  'sich  auf  lebens- 
zeit  gesetzt'  (settled  for  life !);  'besass  ziemlich  mehr  als  der  ihr  ge- 
bührende teil'  für  'rather  more';  'dieser  mann  war  durch  Brasenose  College 
auf  seine  stelle  ernannt'  (had  been  appointed  for  his  Situation,  s.  13)  u.  s.f. 
Wir  wollen  damit  nur  andeuten,  wobei  es  bei  einer  zu  wünschenden 
dritten  aufläge  der  schrift  ankäme,  welche  schon  als  vereinzelter  versuch 
De  Quincey  bei  uns  einzuführen,  willkommen  ist.  E.  F. 


Chronicle  of  King  Henry  VIII.  of  England,  being  a  contemporary 
record  of  some  of  tbe  principal  events  of  the  reigns  of 
Henry  VIII,  and  Edward  VI.,  written  in  Spanish  by  an  nn- 
known  band.  Translated  . . .  by  Martin  A.  Sharp  Hume. 
London,  George  Bell  and  Sons.   1889.    XXVI,  229  ss.  8°. 

Ganz  unerwartet  eröffnet  eine  spanische  quelle  einen  einblick  in 
das  englische  leben  zur  zeit  Ueinrich's  VIII.,  welcher  mit  freuden  zu  bc- 
grüssen  ist.  Im  jähre  1873  wurde  eine  Chronica  del  Rey  Enrico 
Otavo  de  Ingla terra  aufgefunden,  welche  vom  marquis  de  Molins  in 
der  Zwischenzeit  als  in  noch  elf  handschriften  überliefert  nachgewiesen 
wurde.  Diese  handschriften  sind  nun  nicht  von  gleichem  gewichte  und 
alter,  die  wichtigste  scheint  ein  ms.  der  chronik  zu  sein,  mit  dem  datum 
Gent  31.0ct.  1556.  Die  chronik  behandelt  die  jähre  vom  beginne  der 
ehescheidungsfirage  bis  zur  hinrichtung  Seymour's,  und  fesselt  durch  ihre 
lebhafte  Schilderung  der  ereignisse.  Wer  war  nun  der  Verfasser  dieser 
chronik?  Mehrere  Vermutungen  weist  Sharp  Hume  zurück  und  kommt 
zu  dem  Schlüsse,  dass  es  ein  zu  London  ansässiger  Spanier  gewesen  sein 
müsse,  der  in  der  nähe  von  Katherine's  Wharf  gewohnt  habe  und  höchst- 
wahrscheinlich den  grafen  Albuquerque  als  dolmetsch  vor  Boulogne  be- 
gleitete. In  London  konnte  er  als  Spanier  leicht  durch  Chapuys,  Fran- 
cisco Feiice  u.a.  von  dingen  hören,  welche  anderen  entgehen  mussten 
(z.  b.  dem  eidschwure  der  Katharina  s.  40,  von  den  näheren  umständen 
ihres  todes  etc.);  ja  es  werden  manche  scenen  so  lebhaft  geschildert 
(Montoya's  flucht  s.  6,  die  scene  vor  Boulogne  s.  in,  das  duell  s.  128), 
dass  man  eine  reihe  von  rollen  dem  Verfasser  zuschreiben  möchte. 

Es  wäre  gar  nicht  unmöglich,  dass  der  verf.  diener  eines  in  London 
beschäftigten  Spaniers  war,  den  feldzug  von  Boulogne  aber  als  soldat 
mitmachte,  so  wäre  das  widerholte  lob  über  Heinrich's  freigebigkeit 
armen  spanischen  Soldaten  gegenüber  (s.  127,  128,  155,  216)  am  ehesten 
zu  erklären. 

Wenn  nun  auch  eine  ziemliche  reihe  von  tatsachen  einfach  falsch 
berichtet  ist1  (wie  Zeitgenossen  natürlich  leicht  über  politische  motive  etc. 

1  Z.  b.  der  besuch  Henry's  im  Tower  s.  22,  das  datum  der  hinrichtung 
Fisher's  und  More's  s.  36,  das  datum  des  todes  der  Jane  Seymour  s.  73, 
die  reihenfolge  der  Katharina  und  Anna  von  Cleve  8.  75  u.  s.  w. 


226  FLÜGEL, 

rieh's  VIII.  Überlieferten  liederhandschriften ,  da  es  zunächst 
darauf  ankommt,  die  texte  derselben  so  gewissenhaft  als  mög- 
lich zu  geben. 

1.   Die  lieder  des  Add.  Ms.  31922. 

Das  Britische  Museum  kaufte  am  22.  April  1882  vom  buch- 
händler  Quaritch  eine  kostbare  liederhandschrift,  welche  sich 
bis  dahin  in  Privatbesitz  befunden  hatte  und  von  der  die  eng- 
lische literaturgeschichtsforschung  nur  durch  einen  für  seine 
zeit  sehr  willkommenen,  aber  höchst  unvollständigen  bericht 
ChappelTs  (Archaeologia  41,  371)  erfahren  hatte.1 

Diese  handschrift  hat  notwendigerweise  den  Vorrang  vor 
allen  anderen  aus  der  zeit  Heinrich's  VIII.,  denn  sie  war  in 
des  königs  eigenem  besitze  und  enthält  die  einzige  bekannte 
Sammlung  der  von  Heinrieh  VIII.  selbst  gedichteten  und  kom- 
ponierten lieder.  Auf  127  blättern  enthält  die  handschrift  59 
vollständige  oder  annähernd  vollständige  lieder,  40  kompo- 
sitionen  ohne  text  und  7  kompositioneu  zu  liederu,  von  denen 
in  der  handschrift  nur  die  ersten  anfangsworte  gegeben  sind. 

Von  Heinrich  VIII.  sind  14  lieder  und  IG  kompositionen 
mit  seinem  namen  bezeichnet,  10  lieder  sind  von  dem  auch 
sonst  bekannten  William  Cornysh  (von  der  königl.  kapeile) 
komponiert  (und  bis  auf  8  wol  auch  gedichtet2),  4  von  ffar- 
dyng  (gedichtet?  und)  komponiert3,  4  von  Dr.  Cooper  (dem 
auch  sonst  bekannten  CowperV),  2  von  f  flu  yd,  je  eins  von 
Will™  daggere  und  Kysbye  und  Pygott,  20  lieder  tragen 
gar  keinen  namen,  eins  aber  (no.  39)  aus  der  zahl  der  letzteren 
dürfte  wol  Heinrich  VIII.  noch  beizulegen  sein. 

Der  inhalt  der  lieder  des  königs  weist  auf  ein  jugend- 
liches alter  desselben  hin,  auf  die  zeit,  wo  uns  die  Chroniken 

1  Ich  möchte  Chappell's  aufsatz  (der  mir  erst  nachdem  ich  von  der 
handschrift  abschritt  genommen,  bekannt  wurde)  in  keiner  weise  zu  nahe 
treten.  Seine  historischen  bemerkungen  sind  sehr  gut,  auch  die  texte 
gut  kopiert  —  aber  von  den  säinwtlichcn  50  liederu  gibt  er  nur  19,  nnd 
davon  4  nur  im  bruchstiiek. 

*  No.  :ü,  ful.  f>3>>  4A  robyn  gentyl  Robyn'  wird  Wyatt  zugeschrieben 
(vgl.  die  anmerkung  dazu),  und  no.  32,  fol.  54b  (Whilc  lyue  or  breth  is  in 
my  brest'  könnte  von  einer  dame  gedichtet  sein,  die  ihr  lied  dann  von 
C.  komponieren  Hess;  C.  lebte  noch  1521,  vgl.  Kutland  Papers  56. 

3  Thomas  Fardyng  wird  als  Gentleman  of  the  royal  Chapel  1511 
erwähnt,  vgl.  ltimbault's  Littlo  Book  of  Songs  and  ballads  1851,  wo 
mit  no.  XI U  ein  lied  Fardvng's:  'As  I  laj  slepynge  In  dreemes  fletynge' 
aus  einem  umuuskript  in  ltimbault's  besitze  abgedruckt  ist. 


LIEDERSAMMLUNGEN 
DES  XVI.  JAHRHUNDERTS,  BESONDERS  AUS 

DER  ZEIT  HEINRICHS  VIH. 

I. 

Den  englischen  bailaden  und  Volksliedern  ist  das  grosse 
glück  zu  teil  geworden,  in  der  Vergangenheit  und  besonders 
in  der  gegen  wart  ausgezeichnete  forscher,  Sammler  und  heraus- 
geber  anzuziehen.  Das  —  meist  ziemlich  kurze  —  lyrische,  zum 
gesang  bestimmte  gedieht,  also  das  lied  im  engern  sinne  (beson- 
ders wenn  es  ohne  literarhistorisch  bekannten  namen  tiberliefert 
ist)  scheint  noch  nicht  genügend  beachtet  worden  zu  sein.1 

In  «allen  grösseren  englischen  bibliotheken  finden  sich 
grössere  oder  kleinere  liederhandschriften  aus  dem  15.  und 
16.  Jahrhundert,  aber  noch  immer  harren  dieselben  im  grossen 
und  ganzen  des  Sammlers,  und  im  einzelnen  des  treuen  heraus- 
gebers.  Eine  grössere  oder  kleinere  anzahl  von  liedern  (liebes- 
liedern,  weihnachtsliedern,  jagdliedern,  Soldaten-  und  matrosen- 
liedern)  ist  bei  Ritson,  Rimbault,  Chappell  u.  a.  veröffentlicht, 
Wright,  Halliwell,  Sandys,  •Furnivall  u.  a.  haben  einige  hand- 
schriften  des  15.  und  16.  Jahrhunderts  ziemlich  vollständig  und  gut 
abgedruckt,  aber  eine  Sammlung  der  sämmtlichen  lieder  auch  nur 
einer  periode  gibt  es  noch  nicht.  Und  wie  eine  vergleichung 
besonders  der  von  Chappell  in  der  sonst  vortrefflichen  l Po- 
pulär Music  of  the  Olden  Times'  gedruckten  texte  mit  den  mag. 
lehrt,  ist  der  jetzt  vorhandene  text  dieser  lieder  und  liedchen 
in  keiner  weise  als  grundlage  der  forschung  zu  benutzen. 

Ich  erspare  mir  zunächst  eine  gesammtübersicht  der  ergeb- 
nisse  Über  spräche,  metrik  und  inhalt  der  aus  der  zeit  Hein- 


1  Ich  denke  hierbei  zunächst  an  das  lied  vom  anfang  bis  zur  mitte 
des  1 6.  Jahrhunderts.  Denn  das  lied  der  elisabethanischen  zeit  ist  vortreff- 
lich bearbeitet  und  herausgegeben  (von  A.  H.  Bullen). 

Anglift,  XII.  band.  15 


228  FLÜGEL, 

so  dass  dieses  lied  wenigstens  mit  Sicherheit  Januar/Februar 
1511  datiert  werden  kann. 

Auch  das  kriegslicd  (fol.  100b)  'England  be  glad!  pluk  vp 
thy  lusty  hart!'  scheint  mit  seiner  deutlichen  anspielnng  auf  den 
papst  und  den  französischen  krieg  Heinrich's  auf  das  jähr  1511 
zu  deuten;  da  sich  aber  der  krieg  ziemlich  in  die  länge  zog 
(Heinrich  selbst  verliess  erst  im  Juni  1513  Dover,  um  sich  auf 
den  kriegsschauplatz  zu  begeben,  vgl.  Holinshed  III,  817),  wäre 
1511—1513  für  die  entstehungszeit  des  liedes  nicht  unmöglich1; 
ja,  es  wäre  gar  nicht  ausgeschlossen,  dass  ein  noch  späterer 
krieg  Heinrich's  gegen  Frankreich  die  historische  grundlage 
bildete,  1515,  1516,  1517  oder  gar  der  bekanteste  von  1544. 

Zum  schluss  füge  ich  der  bequeiölichkeit  halber  ein  ver- 
zeichniss  der  versanfänge  an.2 

*1.  Pastyme  w*  good  Company       fol.  14b 

2.  Adew  nies  amours „    15b 

3.  Pardon  a  moy    (Cornysh) „    15b 

*4.  Adew  madam „     17'» 

*5.  Helas  madam „    lsb 

*().  Alas  what  shall  I  do  for  love n    2ob 

7.  Alone  I  leffe  alone    (Cooper) „  22« 

*S.  0  my  hart  &  o  my  hart „  22b 

\).  Adew  adew  my  hartis  lust    (Cornysh)  .    .    .    .  „  23b 

10.  Aboffe  all  thynge    (ffaredyng) ,  24» 

11.  Downbery  down    (Daggere)       «25» 

12.  Io  may  that  lusty  season    (ffaredyng)  .    .    .    .  „  2<>" 

13.  Whoso  that  wyll    (Rysbye) „  27b 

♦14.  The  tyine  of  youthe „  28b 

15.   The  thowght*  w'in  my  brest    (ffardyng)    .    .    .     „    29b 
IG.   My  loue  she  morneth    (Comyshe) „    30b 

17.  A  the  syghes  yl  cü  fro  my  hart    (Cornysh)  .    .     „    32b 

• 

III,  SOS'»)  gibt  den  22.  Febr.an,  Stowe  (ed.  1005,  p.  618)  den  23.  Febr.  — 
Das  lied  auf  24b  'Aboffe  all  thinge'  könnte  sich  ebenfalls  auf  den  prinien 
Henry  beziehen. 

1  Von  einem  kriegszugc  gegen  Frankreich  ist  noch  ein  lied  auf  uns 
gekommen  (Cotton  Mss.  Dom  it.  A.  XVIII,  zuerst  gedruckt  bei  Ellis,  Orig. 
Letters  1.  Serie  1,  ~H): 

The  Rosse  wolle  in  to  Fraunce  spryng 
Almyghty  God  hym  thy  der  bryng 

(auch  bei  Rimbault,  Little  Book  no  VI  zu  finden).  —  Die  datiemng  der 
handschrift  ist  nicht  unwesentlich  auch  fllr  die  daticrung  des  (im  Harinff- 
tong  Ms.,  s.  unten)  Wyatt  zugeschriebenen  gedientes:  A  Robin  etc.;  da 
Wyatt  15o:i  geboren,  wäre  1511  wol  zu  früh  (sein  söhn  freilich  heiratete 
mit  15  jähren!),  aber  151S  — 2S  würde  fllr  Wyatt 's  gedieht  schön  passen. 

*  Ein  Sternchen  vor  der  nummer  bedeutet  die  Verfasserschaft  Hein- 
rich's VIII. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  227 

in  3  zeilen  von  der  politischen  geschichte  berichten  und  in  30 
von  den  banketts,  turnieren  und  lustbarkeiten:  'kurzweil  in 
guter  companeiP  ist  ihr  refrain,  und  die  frohe  gesellschaft  wird 
höchstens  verlassen,  um  mit  Amyas,  dem  uns  unbekannten 
freunde,  und  Cornyshe  auszureiten  und  ein  ritterliches  aben- 
teuer  zu  bestehen. 

Das  erste  lied,  welches  in  der  handschrift  (bl.  14 h)  steht, 
war  eines  der  populärsten  der  zeit;  es  steht  in  der  liste  der 
Complaint  of  Scotland,  Hugh  Latimer  hielt  dem  jungen  könig, 
Edward  VI.,  eine  ernste  predigt1  darüber,  welche  'passetyme 
w*  good  Company*  für  einen  könig  sich  schicke,  und  noch  in 
den  tagen  der  Elisabeth  finden  sich  gelegentliche  anspielungen 
auf  das  lied. 

Wenn  somit  die  abfassung  der  lieder  im  allgemeinen  schon 

auf  die  Jugendzeit  Heinrich's  hinweist,   setzt  ein  lied   uns  in 

stand,  die  zeit  der  abfassung  bis  auf  den  monat  zu  datieren. 

Es  ist  dies  (bl.  74 b): 

Adew  adew  le  Company 
I  trust  we  shall  mete  often«! 
viue  le  Katerine  et  viue  le  prince! 
le  infant  rosary! 

und  die  widerholung  der  strophe  in  der  handschrift  (von  Chappell 

gerade  weggelassen)  gibt  uns  sogar  den  namen  des  prinzen: 

Adew  adew  le  Company  &c. 
viue  le  Katerine  et  noble  henry! 
viue  le  prince,  le  infant  rosary! 

Der  prinz  Henry  nun  (denn  auf  den  könig  dürfte  sich  der  name 
wol  nicht  beziehen),  übrigens  der  einzige  prinz,  der  überhaupt 
den  tag  seiner  geburt  überlebte,  wurde  am  neujahrstage  1511 
geboren2,  starb  aber  schon  am  22.  Februar  desselben  jahres: 


1  The  seconde  Sermon  of  Master  Hughe  Latemer  whych  he  preached 
. .  .  ye  .  XV  dav  of  Marche  M.CCCCC.XLIX.  Die  bekannte  predigt  (auch 
von  Chappell  benutzt)  mit  den  Worten :  if  good  lyfe  do  not  insue  and 
folow  vpon  our  readynge  to  the  example  of  other,  we  myghto  as  well 
spende  that  tyme  in  reading  of  prophane  hystories,  of  cantorburye  tales, 
or  a  fit  of  Roben  hode  (ed.  Arber  49,  einleitung).  Auf  das  lied  bezüg- 
lich (64):  And  when  the  kyng  is  sette  in  the  seate  of  hys  kyngedome, 
what  shall  he  do?  shal  he  daunce,  and  dally,  banket?  hauke  and  hunte? 
No  forsothe  syr  . . .  and  yet  a  kynge  maye  take  hys  pastyme  in  haukinge 
or  huntyn^e  or  such  like  pleasures.  But  he  must  vse  them  for  recreation 
when  he  is  wery  of  waighty  affayres,  that  he  mai  returne  to  them  the 
more  lustye.    And  this  is  called  pastime  with  good  companye. 

2  Vgl.  die  daten  der  kinder  Heinrich's  VHI.  von  Katharina  bei  Fronde, 
Hist.  of  England  I,  119  anm.    Holinshed's  chronik  (ich  benutze  ed.  1587: 

15* 


230  FLÜÜEL, 

04.  It  is  to  me  a  ryght  grct  Joy fol.  60* 

*65.  In  vray  amour „    85* 

66.  Dulcis  amica „    88b 

67.  Das  französische  vollständige  lied:  Sy  fortune      .  „    50*> 


The  Kynge.h.  VIII. 

[14'»]        PAstyme  w*  good  c01I,panye 

I  loue  &  schall  vntyll  I  dye[!] 

gruche  who  lust[J  but  none  denye 

so  god  be  plesyd  yu*  leue  wyll  I[!] 

for  my  pastäce 

lull  syng  &  dance 

my  hart  is  sett 

all  goodly  sport 

for  my  eotort[!] 

who  schall  me  lettf?]1 

Youthe  must  haue  sü  daliancc 
Off  good  or  yll  so  pastance[!) 
Comi)any  me  thynk™  ther  best 
all  thought«»  &  fansys  to  deiest. 
flfor  Idillness  is  cheff  mastres 
of  vices  all  [—1  then  who  can  say 
but  myrth  and  play 
is  best  of  all  [?] 


1  Für  die  beiden  anderen  stimmen  folgt  nun  dasselbe: 

PAstime  w*  good  companye 
I  loue  &  schall  tyl  I  dye" 
gruche  who  lust  but  none  denve 
so  god  be  plesyd  y"*  leue  will  I 
for  my  pastanee 
hüt  syng  &  dance 
[15H]        my  hart  is  ||  sett 
all  goodly  sport 
for  my  c"mfort 
who  schall  me  lctt[V] 

PAstime  w*  good  e<>»"pany 

1  loue  &  schall  do  tyl  l  dyc 

gruche  who  lust  but"  none  denve 

so  god  be  plesyd  yu"  leue  wyfl  l 

for  my  pastanee 

hüt  syng  &  dance 

luv  hart  is  sett 

all  goodly  sport 

for  my  c"»»fort 

who  schall  nie  lett. 

Pas  lied  ist  ausserdem  noch  überliefert  Ad d.  Ms s.  5665,  fol.  13IJb 
(die  erste  Strophe)  und  fol.  las'»,  i.V.»*  (alle  Strophen);  vgl.  bes.  Murray 's 
ausgäbe  der  Complaiut  of  Scotland  s.  62  IV. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  229 

18.  With  sorowfull  syghs    (ffardyDge) fol.  33b 

19.  Iff  I  had  wytt „     34* 

*20.  Alac  alac  what  shall  I  do „    35b 

21.  This  other  day  I  hard  a  may „    86* 

*22.  Grene  growith  ye  holy „    37b 

23.  Who  so  that  wyll  all  featt  optayne „    39« 

24.  Blowe  ye  hörne  hunter    (Cornysh) „    39b 

25.  Adew  corage  adew    (Cornysh) „    42b 

26.  Trolly  lolly  loly  lo    (Cornysh) „    43b 

27.  I  loue  trewly    (ffardynge) „    44b 

28.  Yow  and  I  and  amyas    (Cornysh) „    45b 

29.  If  loue  now  reynyd „    49a 

♦30.  Wherto  shuld  I  expresse „    51 b 

31.  A  robyn  gentyl  Robyn    (Wyatt  and  Cor-nysh)  .  „    53b 

32.  Whill  lyue  or  breth    (Cornysh) „    54b 

*33.  Thow  that  men  do  call  it  dotage „    55b 

♦34.  Departure  is  my  chef  payne „    60b 

35.  I  haue  ben  a  foste*  long    (Co o per) „    65b 

36.  Farewell  my  Joy    (Cooper) „     66b 

♦37.  Without  dyscord       „     68b 

38.  I  am  a  joly  foster „    69b 

39.  Though  sum  saith „     71b 

40.  Madame  damours    (ffluyd) „    73*> 

41.  Adew  adew  le  Company „    74b 

42.  Deme  ye  best    (ffluyd) „    79b 

43.  Hey  troly  loly  loly »80« 

♦44.  Who  so  that  wyll  for  g"ce  sew „    84b 

45.  Let  not  vs  that  yongmen  be „    87b 

*46.  Lusti  yough  shuld  vs  ensue „    94b 

47.  England  be  glad  pluk  vp „  100b 

48.  And  I  war  a  mayden „  10Gb 

49.  Why  shall  not  I „  107b 

50.  What  remedy  what  remedy? „  108b 

51.  Wher  be  ye  my  loue „  110b 

52.  Yower  cöpany  mak«s  me  so  mery „  111b 

53.  Quid  petis  o  fily    (Pygott) „  112b 

54.  Musyng  on  her  manners „  115b 

55.  My  thought  oppressed „  116b 

56.  My  hope  fröe  me „  117b 

57.  Su  what  musyng „  120*> 

58.  I  loue  vnloued „  122»> 

59.  I  go  to  the  medowe „  124b 

Liedesanfänge. 

60.  Hey  now  nowe „    21b 

61.  Hey  now  now  hey  now „    25b 

62.  De  tous  bien  plane      „    40b 

*63.  Gentil  prince  de  renown „    49b 


232  FLÜGEL, 


alone  I  leff  alonc 

and  sore  I  syghe  for  one 

alone  I  leuo  alone 

and  sore  I  sygh  for  one         Doctor  Coop«r. 


Wh]  The  Kyng.h.VIII. 

0  my  hart  &  o  niy  hart 

My  hart  it  is  so  sore 

sens  I  must  nedys  from  uiy  louc  depart 

and  know  no  cause  wherfore. 


[23 1>]  Adew  adew  my  hartis  lust 

adew  my  Joy  and  my  solace. 

wyth  dowbyl  sorow 

cöplayn  I  must 

vntyl  I  dye  alas  alas.  Cornish. 


[24^1  Aboffe  all  thynge 

now  lete  vs  synge 
both  day  and  nyght 
Adew  mornyng 
a  bud  is  spryngynge. 
Adewe  mornyng 
Adew  mornyng 
adew  now  let  vs  syng 
a  bud  is  spryngynge 
Off  the  red  rose  and  the  whyght. 
Aboffe  vt  supra.  Ffaredynge. 

[25  a]  Downbery  down 

now  am  I  exild  my  lady  fro 

and  no  cause  geuyn  therto 

wherfor  to  her  I  me  complayn 

hey  now 

trustyng  that  dysdayn 

sone  shalbe  slayne 

and  neuer  more  to  remayne 

Downbery  vt  Sil pra.  Wyllm.  Daggere. 

[26»!1  In  inay  that  lusty  season  to  gedc  the  flours  down  by  the  me- 
dows  jrrene  The  byrdys  sang  on  euery  syde  so  m,,ryly  it  ioyed 
uiy  hart  they  toyned  so  clene  the  nyghtyngale  saug  on  hie  ioy- 
tully  so  luercly    Among  the  thornys  kene. 

T.  ffaredyng. 

1  Blatt  251»  enthält  noten  und  die  worte:  Hey  now  now  hey  now. 
Thomas  ffaredyng.  Ich  wage  nicht,  das  lied  auf  blatt  26»  in  verse 
zu  zerlegen. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  231 

Company  w*  honeste 

is  vertu  [ — ]  vices  to  ffle 

Company  is  good  &  ill 

but  euery  man  hath  hys  fre  wyll[!] 

the  best  ensew 

the  worst  eschew 

my  mynde  schalbe[:] 

vertu  to  vse 

vice  to  refuce[,] 

thus  schall  I  vse  me.1 


[20b]  The  Ring.  h.  VIII. 

Alas  what  shall  I  do  for  love  for  love 

Alasse  what  shall  I  do 

Syth  now  so  kynd 

I  do  yow  fynde 

to  kepe  yow  me  vnto 

Alasse   (zweimal  widerholt). 


[22  h]3  Alone  I  leffe  alone 

and  sore  I  sygh  ffor  one 


1  Auf  obiges  lied  folgen  nun  im  ms.  vier  kleine  französische  liedchen 

[15  b]        Adew  mes  amours  et  mon  desyre 
ie  vous  depränce 
de  part  amant 

et  sy  ie  vous  a  fayt  de  plesure 
sy  na  passance 
coihanaament    (flir  drei  stimmen  widerholt). 


Pardon  a  moy  tres  hüblemänt 
ie  le  demand. 
Ja  my  mon  eure 
a  seruys  loyalmant 
olas  ie  bien 
perdieu  ma  payn 

elas  ie  bien  perdieu  ma  payne    (dreimal  widerholt). 
Cornyshe. 

[17'>]  The  Kyng.h.  VIII. 

Adew  madam  et  ma  mastres 

Adew  mon  solas  et  mon  Joy 

Adieu  jusque  vous  reuoye 

Adieu  vous  diz  par  gränt  tristesse   (dreimal  widerholt). 


[18»»]  The  Kinge  .  h  .  VIII. 

Helas  madam  cel  que  ieme  tant 
soffre[z]  que  soie  veutre  hüble  seruant 
Voutre  humble  seruant  ie  scray  a  vous 
A  tousiours 
etant  que  vivray 
aultre  naimeray. 

-  Bl.  21 b  enthält  nur  iioten  und  die  worte:  Hey  now  nowe. 


M'l 


FLÜGEL, 

0  her  kyndnesse[l] 

0  her  gentylnes[l] 
what  sayil  »che  then  to 
The  gode  aboue 
her  schuld  not  moue 
but  atyll  to  morne  i'or  u 

Alas  thougbt  I 

what  remedy. 

ven»»  to  blame  are  ye. 

Now  of  sum  grace 

let  se  purchaae 

to  helpe  my  loue  and  tue  (!] 

Her  for  to  say 

1  tooke  this  way 

I  dyspraysed  her  beawte. 

yet  for  all  that 

atynt  wold  sehe  not. 

so  trew  of  loue  was  schc(!] 

At  last  sehe  wept. 

I  to  her  lept, 

&  aett  her  on  my  knee. 

The  terys  ran  down. 

ha]  ff  in  a  swone 

it  rewyd  my  hart  to  se. 

Wlicn  I  sawe  this 

I  dyd  her  kysse 

ther  wyth  renyued  sehe 

And  her  am  alle  waste  ■ 

ful  fast  volast 

&  sayd  sehe  momed  for  ine. 

Then  as  I  ought. 

I  nie  bu  thougbt. 

and  prajd  hör  to  be  ble. 

To  take  cöfort 

of  my  report. 

and  raorae  no  niore  for  me. 

I  achall  not  fayll. 

bnt  suere  retaylle 

from  «11  other  that  De 

In  well  and  wo 

my  hart  to  go 

wl  her  that  morneth  für  ms[!| 

Ttiuik 


LIEDERSAMMLUNGEN.  233 

[27  *>]  >  Who  so  that  wyll  hymselff  applye 

To  passe  the  tyme  of  youth  joly 
Auaüce  hym  to  the  cöpanye 
Of  lusty  bloddys  &  cheualry 
Off  lusty  bloddys  and  cheualry.  Rysbye.8 


psb]  The  Kynge  .  h  .  VIII. 

The  tyme  of  youthe  is  to  be  spent 
but  vice  in  it  shuld  be  for  fent 
but  vice  in  i[t]2  shuld  be  for  fent. 
[29«]        Pastymes  ther  be  I  nought  trewlye 

Whych  one  may  vse  .  and  vice  denye 
And  they  be  plesant  to  god  and  inan[,] 
Those  shuld  nie  couit  wyn  who  can[:] 
As  featys  of  armys  .  and  suche  other 
wherby  actyuenesse  oon  may  vtter. 
Comparysons  in  them  may  lawfully  be  sett 
ffor  therby  corage  is  suerly  owt  ffett 
Uertue  it  is  .  then  youth  for  to  spend 
In  goode  dysporttys  whych  it  dothe  fend. 


[29 b]  The  thowgt»  w*in  my  brest. 

They  greue  nie  passyng  sore 
That  I  can  not  be  prest 
to  do  seru1«*  you  eu*r  more.       T.  ffardyng. 


[30 b]  My  loue  she  morneth  for  me. 

my  loue  sehe  morneth  for  me. 
Alas  pour  hart 
sen  we  depart 
morne  ye  no  more  for  me  for  me. 

[31*]  In  louys  daunce 

syt  that  oure  chaunce 

of  absence  nedes  must  be  [!] 

My  loue  I  say 

your  loue  do  way 

and  morne  no  more  for  me[!] 

It  is  boote 

to  me  hart  roote 

but  anguysch  and  pete 

wherfore  swete  hart 

your  mynde  reuert 

&  morne  no  more  for  me[l] 


1  Blatt  26 b — 27  a  enthält  eine  komposition  von  ff  lüde  in  armonia 
graduat1".  *  Im  ms.:  im. 

3  Rysbye's  und  Ffardyng's  lied  zweimal  widerholt. 


./ 


236  FLÜGEL, 


She  doth  not  wauer  as  the  wynde. 
nor  for  no  new  ine  chaiig  doth  she. 
But  allway  trew  I  do  her  fynd. 
shall  no  mä  know  her  name  for  ine. 

Yf  I  to  her  than  war  vnkynd. 
pytte  it  war  that  I  shuld  se.1 
ffor  she  to  me  ys  allway  kynd. 
shall  no  mä.    vt  supra. 

lernyng  it  war  for  women  all. 
vnto  ther  louers  trew  for  to  be. 
Pr°myse  I  niake  that  know  non  shall. 
whill  I  leue  her  name  for  njo. 

My  hart  she  hath  .  and  eu"  shall 
[tyll  by]*  deth  departed  we  be. 
Ilappe  what  wyll  happ[,]  fall  what  shall 
shall  no  mä.    vt  supra. 


[35t>]  The  Kyng.h.VIH. 

Alac  alac  what  shall  I  do. 
ffor  care  is  cast  in  to  my  hart. 
And  trew  loue  lokked  therto. 
Alac  alac  what  shall  I  do. 
ffor  care  is  cast  in  to  my  hart. 
And  trew  loue  lokked  ther  to. 
Alac  alac  what  shall  I  do. 
ffor  care  is  cast  in  to  my  hart 
And  trew  loue  lokked  y*  to. 


[30*]        Hey  nony  nony  nony  nony  no  hey  nony  nony 
nony  nony  no  hey  nony  nony  nony  no. 
hey  nony  nony  noy  nony  no. 
hey  nony  nony  nony  noy  no  .  hey  nony  nony  no. 

This  other  day  I  hard  a  may. 
ryght  peteusly  cöplayne. 
She  sayd  allway  .  w*owt  de  nay. 
her  hart  was  füll  of  payne. 
Sehe  said  alas  .  w*owt  trespas. 
her  dere  hart  was  vntrew. 
In  eirry  place  .  I  wot  he  hace. 
ffor  sake  me  for  a  new. 

1  Royal  Mss.,  Append.  58,  fol.  3*>  liest:  sholde  the. 
*  Liest  unser  ms.  nur  to  deth;  ich  setze  die  lesart  aus  Royal  Mss., 
Append.  58  ein. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  235 

all  louer8  that  trew  be 

And  in  especyall 

from  iebardyse  all 

my  loue  y*  mornyth  for  nie.  Cornysb 


[32  b]*      A  the  syghes  y*  etil  fro  my  hart. 
They  greuo  me  passyng  sore 
Sen  ye  must  nedea  frö  me  depart 
ffare  well  my  Joy  for  euer  more[!] 

[33*]        Oft  to  me  her  godely  swet  face 
was  wont  to  cast  an  ye 
And  now  absence  to  be  in  place 
alas  for  wo  I  dye  I  dye[!] 

I  was  wont  her  to  be  hold, 
and  take  in  armys  twayne 
And  now  wyt  syghs  manyfold. 
farwell  my  Joe  &  welcö  paync. 

And  think  I  se  her  yet. 

as  wolt  o  god  I  cowld 

Ther  myght  no  Joys  cöpare  w*  it 

vnto  my  hart[,]  as  now  she  shuld[!]a 

W.  Cornysshe. 

[33  b]        With  sorowfull  syghs  and  greuos  payne. 
Thus  euer  to  endure. 
Alas  pour  hart  tyl  that  we  mete  agayne. 
Joy  shall  I  neuer  ye  may  be  sure.8 

T.  ffardynge. 

[34»>]        Iff  I  had  wytt  for  to  endyght4 
of  my  lady  both  fayre  and  fre[,] 
of  her  godnes  than  wold  I  wryght 
shall  no  mä  know  her  name  for  me 
shall  no  mä  know  her  name  for  me.5 

[35  »]        I  loue  her  well  with  hart  &  mynd. 
she  ys  ryght  trew  I  do  it  se. 
My  hart  to  haue  she  doth  me  bynd. 
shall  no  mane  know  her  name  for  me. 


1  Bl.  31b  und  32 a  enthalten  eine  komposition  von  ff  lud  in  armonia 
graduat.  —  Bl.  32>>.  Die  erste  Strophe  wird  zweimal  widerholt  (Varianten: 
sens  ye:  ffare  well  my  Joe). 

*  Cornysshe's  lied  findet  sich  in  etwas  anderer  fassung  in  Royal 
Mss.,  Append.  58,  fol.  1. 

3  Diese  Strophe  zweimal  widerholt. 

4  Das  lied  findet  sich  auf  Royal  Mss.,  Append.  5S,  fol.  3b. 

5  Diese  Strophe  zweimal  widcrholt. 


238  FLÜGEL, 


A[s]  the  holy  grouth  grene: 
with  lue  all  alono 
when  flowerys,  can  not  be  sene 
and  greno  wode  leuys  be  gone 
vt  supra. 

Now  vnto  niy  lady 
proniyse  to  her  I  make 
ffrome  all  other  only 
to  her  .  I  mc  be  take 
vt  supra. 

Adew  myne  owne  lady. 
Adew  my  spccyall. 
Who  hath  my  hart  trcwly 
he  suere  &  cu*ir  shall 
vt  supra. 


pKi«]1      Who  so  that  wyll  all  featt  optayne 

In  loue  he  must  be  w*  owt  dysdayne. 

ifor  loue  enforcyth  all  nobyll  kynd 

And  dysdayne  dyscorag™  all  gentyl  mynd 

Wher  for  to  loue  .  and  be  not  loued. 

Is  wors  then  deth  .  let  it  be  proued. 

loue  encoragith  .  and  inakyth  on  bohl 

Dysdayne  abattyth  .  and  inakitli  hym  colde. 

loue  ys  geuyn  to  god  and  man. 

to  wonian  also.    I  thynk  the  saine. 

But  dysdayne  ys  viee  .  and  shuld  be  refused. 

Yet  neuer  the  lesse  it  ys  to  nioch  vsed. 

grett  pyte  it  wäre  .  loue  for  to  compell. 

With  dysdayne  .  bothe  falee  and  subtell. 


[39 *»]         Blow  y«  hörne  hunt*r  &  blow  y*  hörne  on  hye 

ther  ys  a  do  in  yonder  wode  in  faith  she  woll  not  dy. 
now  blow  y*  hörne  hunter  &  blow  ye  hörne  Joly  hunter.» 

140»]  Sorc  this  dere  strykyn  ys. 

&  yet  she  bled  no  whytt. 
she  lay  so  fayre  .  I  cowde  nott  mys. 
lord  I  was  glad  of  it. 
As  I  stod  vnder  a  bank: 
the  dere  shoffe  on  the  mede. 
I  stroke  her  so  that  downe  she  sänke. 

1  Bl.  «s»'  enthalt  unter  der  Überschrift:    The   Kynge  .  h  .VIII.  eine 
komposition. 

*  Die  erste  Strophe  zweimal  widerholt.  -•  Die  erste  atrophe  auch  in 
Royal  Ms 9.,  App.  ">\  fol.  5h. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  237 

Seth  he  vntrew  .  bath  chosen  a  new. 

and  thynk68  w*  her  to  rest. 

And  will  not  rew  .  and  so  I  trew : 

wher  fore  my  hart  will  brest. 

And  now  I  may.    In  no  man"  away. 

optayne  that  I  do  sewe. 

So  eucr  &  ay .  w*owt  denay. 

rayne  owne  swet  hart  a  dew. 

A  dew  derlyng  .  a  dew  swettyng. 

A  dew  all  my  welfare. 

Ade w  all  tbyng  .  to  god  perteynyng : 

cryst  kepe  yow  for  me  care 

Adew  füll  swete.    Adew  right  mete. 

to  be  a  ladys  here  .  with  tcrys  wete 

And  yes  replete. 

she  said  adew  my  dere. 

Adew  ferewell.    Adew  labeil. 

A  dew  bothe  frend  and  foo. 

I  can  not  teil .  wher  I  shall  dwell. 

my  hart  it  greuyth  me  so. 

She  had  nott  said  .  but  at  abrayde. 

her  dere  hart  was  füll  nere. 

And  saide  goode  mayde  .  be  not  dysmayd. 

my  loue  my  derlyg  dere. 

In  armys  he  hent .  that  lady  gent. 

In  uoydyng  care  &  mone 

Th[at]  day  thay  spent .  to  ther  in  tent. 

In  wyldernes  a  lone. 


[3Tb]»  The.  Kyng.h.  VIII. 

Grene  growith  y«  holy  so  doth  ye  lue. 
thow  wynter  blastys  blow  neu«r  so  hye 
grene  growth  the  holy. 

Grene  growth  ye  holy  so  doth  the  iuye. 
thow  wynter  blast6»  blow  neuer  so  hye. 
grene  grouth  the  holy. 

Grene  grouth  ye  holy  so  doth  the  lue. 
thow  wynter  blastys  blow  neuer  so  hye. 
grene  grouth  the  holy. 

[38 u]  As  the  holy  grouth  grene. 

and  neuer  chaungeth  hew 
So  I  am  [— ]  euer  hath  bene 
vnto  my  lady  trew 
grene  growth  &c. 

1  Bl.  36b  u.37a  enthalten  kompositionen  von  Dunstable. 


240  FLÜGEL, 

[4(> a] *      The  knyght  knokett  ut  the  castell  gato 
The  lady  meruelyd  who  was  ther  at 
yu  &  I  &  amyas  vt  supr». 

To  call  the  porter  he  wold  not  blyn 
The  lady  said  he  shuld  not  com  in 
yu  &  I  &  amyas  vt  supr*. 

The  portres  was  a  lady  bryght 
S  trän  genes  that  lady  hyght 
y»  &  I  &  amyas  vt  suprft. 

Sho  asked  hym  what  was  his  namc 
he  said[:]  desyre  yo*  man[,]  madame 
y«  &  I  &  amyas  vt  sup*». 

She  said[:]  desyre  what  do  ye  here|?) 
he  said[:]  madame  as  yor  prosoner[!] 
yu  &  I  &  amyas  vt  supr«. 

He  was  cownselled  to  breffe  a  byll 

And  shew  my  lady  hys  oune  wyll 

yu  &  I  &  amyas  vt  siip™. 

Kyndnes[,]  said  she[,]  wold  y\  berc. 
And  pyte[J  said  she[,]  wold  be  ther. 
yu  &  I  &  amyas  vt  supru. 

Tims  how  thay  dyd  we  can  nott  say 
we  left  them  there  &  went  ower  way 
y"  &  I  &  amyas  vt  sup™. 

Cornysh. 


149»]        If  loue  now  reynyd  as  it  hath  bene: 
And  war  rewardid  as  it  hath  sene: 
Nobyll  men  then  wold  suer  enseroh: 
All  ways  wher  by  thay  myght  it  rech: 
Butt  enuy  reynyth  w*  such  [dysdayne*]: 
And  causith  louers  owtwardly  to  refrayne: 
which  putto*  them  to  more  &  more: 
Inwardly  most  grenous  &  sore: 
The  faut  in  whome  I  can  not  sett: 
But  let  them  teil  which  loue  doth  gett: 
To  louers  I  put  now  suer  this  cace: 


1  Bl.  47  enthält  noten.  —  Bl.  IS«  noten  unter  der  Überschrift:  Tho 
Kynge  h.  VIII.    Die  worte  folgen  bl.  4!K 

*  Liest  die  handschrift  enuy;  ich  ersetze  es  durch  dysdayne  nach 
Chappell's  vorgange  (Archaeologia  41,  MI).  Bl.  49»  enthält  kompo- 
sition  zur  Überschrift  The  Kynge  .  11  .  VII.  und  den  worten:  Gentvl 
prince  de  renom.  Bl.  5oh  und  51«  ein  französisches  anonymes  lied:  Sy 
fortune  etc. 


\ 


UBDERSAMMLUNGEN.  239 

but  yet  she  was  not  dede. 

There  she  gothe  se  ye  nott.[?] 

how  she  gothe  ouer  the  playne.p] 

And  yf  ye  lust  to  haue  a  shott. 

I  Warrant  her  bargayne. 

He  to  go  and  I  to  go: 

but  he  ran  fast  a  fore. 

I  bad  hym  shott  and  strik  the  do: 

for  I  myght  shott  no  uierc 

To  the  couert  bothe  thay  went. 

for  I  fownd  wher  she  lay 

An  arrow  in  her  hanch  she  hent. 

for  faynte  she  myght  not  bray. 

I  was  wery  of  the  gaine. 

I  went  to  tauern  to  drynk. 

now  the  construccyon  of  the  same: 

what  do  yow  tneane  or  thynk. 

Here  I  leue  and  make  an  end. 

how  of  this  hunts  lore. 

I  thynk  his  bow  .  ys  well  vn  bent: 

hys  bolt  may  fle  no  morc.  W.  Cornysh. 


[42  b]*  Adew  corage  adew 

hope  &  trust 
I  fynde  y«  not  trew 
adew  corage  adew  adew.         W.  Cornyshe. 


[43»>]        Trolly  lolly  loly  lo 
syng  troly  loly  lo 

my  loue  is  to  the  grene  wode  gone 
now  [afjter  wyll  I  go. 
syng  trolly  loly  lo  lo  ly  lo.a 


[44 b]        I  loue  trewly  w*  owt  feynyng 

my  loue  she  is  so  trew  to  me. 

To  loue  her  sure  .  whill  I  am  leuyng. 

my  hart  w'  her  euer  shall  be. 

T.  ffardynge. 

[45'»]        Yow  and  I  and  amyas 
Amyas  and  yow  and  I 
to  the  grene  wode  must  we  go    Alas 
yow  and  I  my  lyff  and  amyas. 


1  Bl.  40b  enthält  noten  zu  dem  liedesan fange:  De  tous  bien  plane. 
9  Bl.  41*  u.  42»  enthält  noten.  —  Bl.  43*  ist  leer.     Die  worte  der 
Strophen  von  42 b,  43 b,  44 b  sind  zweimal  widerholt. 


242  FLÜGEL, 

[54 n]  My  lady  is  vnkyndc  I  wis 

alac  why  is  she  so 
shc  louyth  another  bett«r  than  me 
and  yet  she  will  say  no[!] 

I  can  not  thynk  such  doubylnes 

for  I  fynd  womcn  trew 

In  facth  my  lady  louith  nie  well 

she  will  change  for  no  ncw. 

A  robyn  vt  supr*.  Cornysh. 


[54 b]        Whill  lyue  or  breth  is  in  my  brest 
my  soucrayne  lord  I  shall  loue  best 
My  soucrayne  lorde  I  shal  loue  best. 
My  souerayne  lorde  I  shal  loue  best.1 

[55«]        My  8ouerayne  lorde  for  my  poure  sake: 
VI  conrfys  at  the  ryng  dyd  makc. 

Of  which  .  IUI  .  tymes  he  dyd  it  take : 
Wherfor  my  hart  I  hym  bequest. 

And  of  all  other  for  to  loue  best: 
my  sou<*rayne  lord. 

My  sou°rayne  lorde  of  pusant  pure: 
as  the  chefteyne  of  a  waryowere. 

w*  spere  and  swerd  at  the  barryoure: 
as  hardy  wl  the  hardyest. 

he  prouith  hym  seife  that  I  sey  best: 
My  souprayne  lorde. 

My  8ouerayne  lorde  in  euery  thyng: 
a  boue  all  other  as  a  kyng. 

In  that  he  doth  no  cöparyng: 
but  of  a  trewth  he  worthyest  is. 

to  haue  the  prayse  of  all  the  best: 
my  8ouerayne  lorde. 

My  soucrayne  lorde  when  that  I  niete: 
his  cherfull  contenance  doth  replete. 

My  hart  w*  Joe  that  I  be  hete: 
next  god  but  he  and  euer  prest 

w*  hart  and  body  to  loue  best: 
my  sou^ayne  lorde. 

So  many  v*1use  geuyn  of  grace: 
yer  is  none  one  lyue  yl  hace. 

Beholde  his  fauor  and  his  face: 
his  pergonage  most  godlyest. 


1  Bl.  54 b  wider  holt  die  erste  atrophe  noch  zweimal 


LIEDERSAMMLUNGEN.  241 

which  of  ther  loues  doth  get  the  grace: 
And  vnto  the  which  doth  it  know: 
Better  than  do  I .  I  thynk  it  so. 


[*i'»l  The  Kynge.H.VIlI. 

Wher  to  shuld  I  expresse 
my  inward  heuynes 
no  myrth  can  make  ine  fayn 
tyl  that  we  mete  Agayne. 

[52 a]  Do  way  dere  hart  not  so 

let  no  thought  yow  dysmaye 
Thow  ye  now  parte  ine  fro: 
we  shall  mete  when  we  may 

When  I  remembyr  me: 
of  yoT  mo8t  gentyll  mynde. 
It  may  in  no  wyse  agre: 
that  I  shuld'be  vnkynde. 

The  daise  delecta[b]le : 
the  violett  wan  and  blo. 
ye  ar  not  varyable: 
I  loue  you  &  no  rao. 

I  make  you  fast  and  sure: 
it  ys  to  me  gret  payne. 
Thus  longe  to  endure: 
tyll  that  me  mete  agayne. 


[53 b]*  A  robyn  gentyl  robyn 

tel  me  how  thy  leman  doth 
and  thow  shal  know  off  myne 

A  robyn  gentil  robyn 

[tel  me  how]2  thy  leman  doth 

and  thow  shalt  know  of  myne. 

A  Robyn  gentil  robyn 

tel  me  how  thy  leman  doth 

and  thow  shalt  know  of  myne. 


1  Das  lied  'A  robyn '  etc.  wird  in  dem  bekanten  Haryngton  Ms.  I 
(abschritt:  Add.  Mss.  28636)  auf  fol.  34  (s.  98)  dem  Sir  Thomas  Wyatt 
zugeteilt,  vgl.  Nott's  ausgäbe  von  Surrey  und  Wyatt  II t  188.  —  Es 
scheint  demnach  nur  die  komposition  von  Cornysh  zu  sein.  —  In  der 
zweiten  Strophe  liest  die  handschrift:  gentil  robyn  gentyl;  in  der  vierten 
Strophe  liest  die  handschrift:  sav  nor  robyn.  Im  Haryngton  Ms.  I  enthält 
das  gedieht  noch  drei  Strophen,  le  pleintif  und  Responce  abwechselnd. 
Vgl.  s.  268:  auch  Add.  Ms.  17492,  fol.  22 1>  u.  23*>;  s.  Percy,  Reliques  I,  185. 

8  Niclit  im  ms. 

Anglift,  XII.  band.  \Q 


234  FLÜGEL, 


0  her  kyndnesse  [!] 

0  her  gentylne8[I] 

what  sayd  sehe  then  to  mc[?] 

The  gode  aboue 

her  schuld  not  moue 

but  styll  to  morne  for  me[!] 

Alas  thought  I 

what  remedy. 

venu»  to  blame  arc  ye. 

Now  of  s um  grace 

let  se  purchase 

to  helpe  my  loue  and  me[!] 

Her  for  to  say 

1  tooke  this  way 

I  dyspraysed  her  beawtc. 

yet  for  all  that 

stynt  wold  sehe  not. 

so  trew  of  loue  was  sehe  [!] 

At  last  sehe  wept. 

I  to  her  lept, 

&  sett  her  on  my  knee. 

The  terys  ran  down. 

halff  in  a  swone 

it  rewyd  my  hart  to  se. 

When  I  sawe  this 

I  dyd  her  kysse 

ther  wyth  reuyued  sehe 

And  her  smalle  wastc  | 

ful  fast  vnlast 

&  sayd  sehe  uiorned  for  nie. 


'it 


Then  as  I  ought. 

I  uie  be  thought, 

and  prayd  her  to  be  blc. 

To  take  cöfort 

of  my  report. 

and  morne  no  morc  for  nie. 

I  schall  not  fayll. 

but  suere  retaylle 

from  all  other  that  be 

in  well  and  wo 

my  hart  to  go 

wt  her  that  morneth  for  mc(!| 

Thus  here  an  ende, 
goode  lord  defiend 


LIEDERSAMMLUNGEN.  248 

A  vengeauce  on  them  y*  loueth  nott  best: 

uiy  8ouerayne  lorde. 
The  souerayne  lorde  yl  is  of  all: 

my  souerayne  lorde  saue[J  principall  [!] 
he  hath  my  hart  &  euer  shall: 

of  god  I  ask  for  hym  request: 
off  all  gode  fortues  to  send  hym  best: 

my  souerayne  lorde.  W.  Cornyshe. 


[55b]  The.  Kyng.h.  VIII. 

Thow  that  men  do  call  it  dotage. 
who  louyth  no[t]  wantith  corage.1 

[56 »]2  And  who  so  euer  may  loue  gete. 

ffrom  venU8  sure  he  must  it  ffett. 
Or  elles  ffrom  her  which  is  her  hayre. 

And  she  to  hym  must  seme  most  fayre 
Wyth  ee  and  mynd  doth  both  a  gre. 

There  is  no  böte  ther  must  it  be. 
The  ee  doth  loke  and  represent. 

But  mynd  afformyth  with  füll  consent. 
Thus  am  I  fyxed  with  owt  gruge 

Myne  ey  with  hart  doth  nie  so  iuge. 
loue  maynteynyth  all  noble  courage. 

who  loue  dysdaynyth  ys  all  of  the  village. 
Soch  louers  though  thay  take  payne. 

It  were  pete  thay  shuld  optayne 
ffor  often  tymes  wher  they  do  sewe. 

Thay  hynder  louers  that  wolde  be  trew. 
ffor  who  so  louith  shuld  loue  butt  oone. 

Chaunge  who  so  wyll  I  wyll  be  none. 


[60b]s  Tfae  Kyng.  H.  VIII. 

Departure  is  my  chef  payne 

I  trust4  ryght  wel  of  retorn  agane. 

Departure  is  my  chef  payne 

I  trust  ryght  wel  of  retorne  a  gayne 

departure  is  my  chef  payne 


1  Bl.  55 b.  Die  erste  Strophe  in  der  handschrift  zweimal  widerholt. 

2  Bl.  56*>  enthält  noten  mit  der  Überschrift:  The  Kyng  .  H  .  VIII.  — 
Bl.  57  a — 58«  enthält  noten  von  ffayrfax.  —  Bl.  58  b  enthält  noten  mit  der 
Überschrift:  The  Kyn*  .  H  .  VIII. 

3  Bl.  61 a  enthält  Komposition  von  The  Kyng.h.  VIII.  zu  den  worten: 
It  is  to  me  a  ryght  gret  Joy.  —  Bl.  61b  enthält  noten  von  The  Kyng  . 
h.  VIII.;  62»— 63«  von  T.  ffardyng;  63^,  64«  von  W.  Cornyshe;  64*>  u. 
65 «  von  The  Kyng  .  H  .  VIII. 

4  Das  ms.  fügt  hier  nochmals  I  ein. 

16* 


24t)  FLÜGEL, 


Whcrfor  shuld  I  tyc  vp  iny  hownd 
vnto  y«  green  wod  spray 
l  can  luge  and  make  a  sute 
as  woll  as  any  in  may[!] 
I  am  &c. 


[71  bp      Though  sum  saith  that  yough  mlytli  me 
1  trust  i  age  to  tarry 
god  and  iny  ryght  &  iny  dewtyo 
t'roniü  theni  shall  1  neucr  vary 
thow  sum  say  yl  yough  rulyth  me[!) 

Thowgh  sü  say  Jrt  youth  nilyth  mo 
I  trust  in  age  for  to  tarry 
god  &  my  ryght  and  my  dewte 
[72  »|        Ironie  the  shall  ||  neuer  vary[!] 

thow  8f  say  y*  yough  rulith  uiu. 

I  pray  you  all  that  aged  be. 
how  well  dyd  ye  yor  yough  carry  (?) 
I  thynk  sü  wars  of  ych  degre. 
rFher  in  a  wager  .  lay  dar  I. 
though  sü  sayth  &c. 

Though  sil  sayth  yt  yough  rulyth  me 
I  trust  i  age  for  to  tarry. 
god  &  my  ryght  &  my  dewte 
frome  them  shall  I  neu"  vary 
thowgh  sü  sayth  yt  yough  rulyth  me. 

(72|>)        Pastymes  of  yough  sü  tymo  a  mong 
none  can  sey  but  necessary 
I  hurt  no  man  I  do  no  wrong 
I  loue  trew  when  I  dyd  mary 
thow  sü  sayth  .  vt .  supr». 

Pastymes  of  yough  sü  tyme  a  monge 
none  can  say  but  necessary 
I  hurt  no  man  I  do  no  wrong 
[7.'t«|        I  loue  trew  wher  I  dyd  mary 
thow  sü  saith  .  vt .  supr». 

Then  sone  dyscusse  that  hcnH  we  must 

pniy  we  to  god  and  seynt  mary. 

That  all  amend  &  here  au  end. 

Thua  sayth  the  kyng  the  .  VI11  .th  harry(:| 

tltou*rh  sü. 


1  l>as  1'umI  wird  in  der  hamlschrift   keinem   bestimmten   autor   xu- 
gewiesen,  die  0.  strophe  zeigt  den  dichter:  Heinrich  VIII. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  245 

bothe  hartes  alone 
to  set  1  one 


best  semyth  me. 

for  wben  one  sole 
ys  in  ye  dole 
of  louys  payne. 

then  helpe  must  baue 
bym  seife  to  saue 
and  loue  to  optayne. 

[69«]  Wber  for  now  we. 

tbat  louers  be. 
let  vs  now  pr»y. 

Onys  loue  sure. 
ffor  to  procure. 

w*  owt  denay. 

wher  loue  so  sewith. 
tber  no  hart  rewitb. 
bu[tj'  condyscend. 

yf  contrarye. 
what  remedy. 

god  yt  amen[d]9. 


[HO b]        I  am  a  joly  foster  I  am  a  joly  foster 
and  baue  ben  many  a  day[J 
&  foster  will  I  be  styll 
for  sbote  ryght  well  I  may 
for  sbot  ryght  well  I  may. 

[70  b]  3      Wher  for  shuld  I  hang  vp  my  bow 
vpon  the  green  wod  bough[?] 
I  cane  bend  &  draw  a  bow 
and  shot  well  enough. 
I  am  a  joly  foster. 

[71  »]4      Wher  for  shuld  I  hang  vp  myne  arrowfe]1 
vpon  ye  gren  wode  lynde  [?] 
I  haue  strengh  to  mak  it  fle 
&  kyll  bothe  hart  &  hynd. 
I  am  &c. 

Wher  for  shuld  I  hang  vp  my  hörne 

vpon  y«  gren  wod  tre[?] 

I  can  blow  ye  fleth  of  a  dere  as  well 

as  any  yt  euer  I  see. 

I  am  &c. 


1  Das  eingeklammerte  nicht  in  der  band  schritt.        2  Nicht  im  ms. 

3  Bl.  70«  widerholt  die  erste  Strophe  zweimal. 

4  Bl.  70 b  widerholt  die  zweite  Strophe  zweimal. 


246  FLÜGEL, 


Whcrfor  shuld  I  tye  vp  iny  hownd 
vnto  y«  green  wod  spray 
1  can  luge  and  roake  a  sute 
as  weil  as  any  in  inay[!] 
I  am  &c. 


[7lb|i      Though  8um  saitb  that  yoügh  nilyth  mc 
I  trust  i  age  to  tarry 
god  and  my  ryght  &  my  dewtye 
fromo  thom  shall  I  neuer  vary 
thow  sum  say  y*  yough  rulyth  ine[!] 

Thowgh  sü  say  Jrt  youth  nilyth  me 
I  trust  in  age  for  to  tarry 
god  &  my  ryght  and  my  dewtc 
[72«]        frome  the  shall  ||  neuer  vary[!] 

thow  sf  say  y*  yough  rulith  me. 

I  pray  you  all  that  aged  be. 
how  well  dyd  ye  yor  yough  carry  [?] 
I  thynk  sü  wars  of  ych  dcgre. 
Ther  in  a  wager .  lay  dar  I. 
though  sü  sayth  &c. 

Though  sü  sayth  y*  yough  rulyth  mc 
I  trust  i  age  for  to  tarry. 
god  &  my  ryght  &  my  dewte 
frome  them  shall  I  neucr  vary 
thowgh  sü  sayth  yt  yough  rulyth  me. 

[T2'>]       Pastymes  of  yough  sü  tyme  a  mong 
none  can  sey  but  necessary 
I  hurt  no  man  I  do  no  wrong 
I  loue  trew  when  I  dyd  mary 
thow  sü  sayth  .  vt .  supr». 

Pastymes  of  yough  sü  tyme  a  monge 
none  can  say  but  necessary 
I  hurt  no  man  I  do  no  wrong 
[7:h»)        I  loue  trew  wher  I  dyd  mary 
thow  sü  saitb  .  vt .  supra. 

Then  sone  dyscusse  that  hens  we  must 

pray  we  to  god  and  seynt  mary. 

That  all  amend  &  here  an  end. 

Tlius  sayth  the  kyng  the  .  VIII  .th  harry[:| 

though  sü. 

1  Das  lied  wird  in  der  handschrift   keinem   bestimmten   autor   an- 
gewiesen, die  0.  Strophe  zeigt  den  dichter:  Heinrich  VIII. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  247 

I  hurt  no  man  I  do  no  wronge 
I  loue  trewly  wher  I  dyd  inary. 
thow  sü  [&c.]. 


[73 b]  Ma  dame  damours 

all  tymes  or  ours 
[frö]1  dole  dolours 
or  lorde  you  gy 
in  all  socours 
vnto  my  pours 
to  be  as  yours 
vntyl  I  dye 
vntyll  I  dye  vntyl  I  dye. 

Madame  damours 

all  tymes  or  ours 

frö  dole  dolours 

ower  lord  yöw  gy 

in  all  socours 

vnto  my  pours 

to  be  as  yours 

vntill  I  dye 

vntyll  I  dye  vntyll  I  dye 

And  make  you  sure 
no  creature 
sball  me  solur 
Nor  yet  retayne, 
but  to  endure 
ye  may  be  sure. 
whyls  lyf  endur/ 
loyall  and  playne. 


[74b]a  Adew  adew  le  Company 

I  trust  we  shall  meto  often". 
viue  le  Katerine  et  viue  le  prince 
le  infant  rosary. 

Adew  adew  le  cöpany 
I  trust  we  shall  mete  oftener 
viue  le  Katerine  et  noble  henry 
viue  le  prince  le  infant  rosary.8 


[79 b]  Deme  ye  best  of  euery  dowt 

tyll  the  trowth  be  try[ed]  owt.4      J.  ffluyd. 

1  Nicht  im  ms.  (aus  der  widerholung  ergänzt). 

*  Bl.  74»  widerholt  73  b  zweimal. 

3  Bl.  75«  widerholt  die  zweite  Strophe.  —  Bl.  75b,  76». b,  77«  noten; 
77b  u.  78»,  78b  u.  79»  komposition  von  The  Kvnge  .  H  .  VIII. 

*  Bl.  79 b.    Ffluyd's  Strophe  zweimal  widernolt. 


And  tbat  we  may  ower  fautt  amend. 
An  blysse  upteyne  at  ower  last  end. 


[IOO*]1     Englond  be  glad  pluk  vp  thy  luaty  hart 

help  now  yf  kyng  y>  kyng  &  tako  bis  part. 

and  take  bys  part 

Englond  hu  glad  pluk  vp  thy  [ItiBty]*  heart 
[IUI»]        hclp  now  yi  Lyng 

y'  kyng  &  lake  bis  [part]*  and  take  bis  part.' 
(101  bl       Agcynst  y«  Ire  nehm  Q  in  tbe  feld  to  fyght 

In  the  tiuarell  of  y°  church  &  in  y  ryght. 

W  spera  &  sbeldy«  on  gudly  horsys  lygbt. 

buwys  &  arows  to  put  the  all  to  flyght 

to  put  thG  all  to  flyglit  .  hulpc  now  yl  kyng.' 

[UiS»]»         Pray  wo  to  god  that  all  roay  gyde 
that  for  o*  kyng  so  to  p"vid 
bo  send  bym  power  to  hym  corage 
he  inay  aiheffe  tliis  gret  viage 
now  let  va  syng  tbis  rownd  all  tlire 
sent  george  grannt  hym  y«  vletory  pray. 

[Ki6hl*     And  I  war  a  mayden  as  many  one  ys 

for  all  y«  gokle  i  englond  I  wohl  not  do  amysse.1 

when  1  was  a  wanton  wench  of .  XII .  yere  of  age. 

Tliee  cowrtjers  w»  ther  amorus  they  kyndlyd  my  corage. 

H'ben  I  was  come  to  the  age  of .  XV.yere. 

In  all  ihis  lond 

nowther  fre  nor  bond 

ui(i  thought  I  bad  no  peie. 

[1117h]  Why  shall  not  1  wby  sha.ll  not  I 

to  my  lady, 

why  shall  not  I  bc  trew 
wby  shall  not  I. 
My  lady  hatb  mo  In  tbat  gracc 
alie  tak"  me  as  her  howno 
her  mynd  is  I  nö  othur  placu 

'  BL  »7h  ist  leer;   auf  Wi«  nuten;  08"  —  HM'  kuinposition  ohne  te 
i  The  Kynge.il  .VIII. 

•  Nicht  im  in».;  ergänzt. 

'  Bl.  im*  widerholt  die  atrophe  noch  einmal. 

•  Bl.  ins«  desgleichen.  s  Bl.  1«+''  int  leer. 

•  111.  Ilia°--|IMI"  kom]iosi!ion  von  Tbe  Kyngo  .  II  .  VIII. 
'  Bl.  HIß«-.     Die  ernten  beiden  vorne  fünfmal  widerholt. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  249 

Wher  for  in  dede  tbe  trouth  to  say. 
It  ys  for  yough  the  metest  play. 


[94b]»  The  Kynge  .  H  .  VIII. 

Lusti  yough  shuld  vs  ensue 
hys  mery  hart  shall  sure  all  rew 
for  what  so  euor  they  do  hym  teil 
it  ys  not  for  hym  we  know  yt  well. 

[95  a]        ffor  they  wold  haue  hym  hys  libertyc  refrayne 
And  all  mery  Company  for  to  dysdayne. 
But  I  wyll  not  so  what  so  euor  thay  say. 
But  follow  hys  mynd  in  all  that  wo  may. 

[95b]a      How  shuld  yough  hyselfe  best  vse 

but  all  dysdaynes  for  to  reftise 
[96»]        .    .    .    .    as  chef  assurans 

yough    .    .    .8 

honest  niyrt  w*  vertus  pastance 

ffor  in  them  consisteth  gret  honor. 

Though  that  dysdaynars  wold  therin  put  error. 

ffor  they  do  sew  to  get  them  grace. 

All  only  reches  to  purchase. 

[90 b]        with  gode  order  coücell  &  equite. 

goode  lord  graut  vs  or  mancyon  to  bc. 

for  w*owt  ye  goode  gydaüce 

yough  shuld  fall  in  grett  myschaücc. 

with  goode  order  coücell  &  equite. 
good  lord  graut  vs  or  mancyon  to  be. 
for  wl  owt  ye  goode  gydaüce 
yough  shull  fall  in  gret  myschaüce. 

tfor  yough  ys  frayle  and  prompt  to  doo. 
As  well  vice«  as  vertuus  to  ensue. 
wherfor  be  thes  he  must  be  gydyd. 
And  vertuus  pastaüce  must  theryn  be  usyd. 

[1)7  »]4      w*  goode  order  coücell  and  equite. 

goode  lord  grät  vs  or  mancyon  to  be. 

for  wt  owt  ye  goode  gydaüce 

yough  shuld  fall  in  to  gret  mys  chaüce. 

Now  vnto  god  thys  prayer  we  make 
That  this  rüde  play  may  well  be  take. 

1  Bl.  94  b.    Die  erste  Strophe  zweimal  widerholt. 

2  Bl.  95 b.    Die  erste  Strophe  in  der  hs.  ist  nicht  zu  ende  geführt. 

3  Grosse  lücke  im  ms.;  offenbar  wurde  der  vers  nicht  fertig  geschrieben. 

4  Bl.  97«.    Die  Strophe  'w*  goode  order'  widerholt. 


FLÜGEL, 

alone  alooe  It  ys 

but  yu  niy  luue  alon  alon. 

Wbfl  ye  be  hens 

w<  y    absencc 

my  myrth  A  ioy  is  gone 

nie  to  comfort 

The  tyine  passyng 
tu  daiince  or  syng 

to  swage  su  what  my  möc 

Is  nothing 

do  cöfortiog 

but  yow  my  lou«  alonu  alooe. 

Tims  w  my  carc 

(*■  yor  w  eifere 

crist  kepe  y«  from  yo'  föne. 

And  God  abone 

kepo  vor  ioue 

for  von  haue  mync  alone. 


Qui[d]  petis  o  fily[?) 

luater  dulcissima  baba 

quid  putig  o  tili['-] 

michi  plaitsus  oscula  da  da[!) 
So  laughyg  in  lap  layde 
So  p"tyly  bo  pertly 
so  passyngiy  well  a  payd 
ful  suftiy  &  füll  soberly 
vnto  bor  swet  son  she  sald[:] 

<l'<t  petys  &c. 
The  moil«  füll  inan"ly  &  rackly  as  a  mayd 
lokyng  on  her  lytill  sou  so  laugliyng  in  lap  layd 
so  p"tyly  so  p"tly  so  passingly  well  apayd 
so  paasygly  wel  a  payd 
füll  softly  &  füll  soberly 
vnto  her  son  sbe  saide 
vnto  her  son  said[:] 

Q'd  pet".' 
1  mene  tliis  by  inary  o'  makers  inod"  of  mygbt 
full  louely  lookyng  ou  or  lord  the  lautemo  of  lyght. 
tlms  s&yng  tu  o'  sauio'  tbis  saw  1  In  my  syght 


'  1)1.  IIS*.  Hie  handaehrift  liest:  Qnü  —  I>iw  er« 
widerholt, 

1  III.  114'.  Die  erste  stn       i  :  mal  widerlinlt 

»  Bl.  t  Uh.  Diese  stropk*  ■  .idatkolL 


■tTOpbfl  i Ir.-ini;* I 


LIEDERSAMMLUNGEN.  251 

now  sith  it  ys  thus  known 
why  shall  not  I. 
My  lady  sayth  of  trouth  it  ys 
no  lotie  that  can  be  lost 
alas,  alas  what  word  ys  this 
her  to  reme[mber  nijest1 
why  shall  not  I. 


[Iü8l>]a     what  remedy  what  remedy[?] 
such  is  fortüep] 
what  remedy  [?] 

such  is  fortüe[!]  what  remedy  [?] 
A  thorae  hath  pcrcyd  my  hart  ryght  sore. 

which  da[i]ly  encressith 

more  &  more. 

thus  wt  owt  cöfort  I  &  forlore 

what  remedy  [,]  what  remedy  [?] 

such  is  for[t]ü[!]8  what  remedy  [?] 

[109 b]       Bewayll  I  may  my  aduenture 
To  se  ye  paynes  y*  I  endure 
Insacicntly  with  owt  recure 
what  what  remedy  what  remedy  [?] 
such  is  fortüe[I]  what  remedy  [?] 

0  my  swet  hart  whome  I  loue  best 
whos  vnkyndnes  hath  me  op  prest 
for  which  my  hart  is  lyk  to  brest 
what  remedy  what  remedy  [?] 
such  is  for[t]üe[!]8  what  remedy  [?] 


[110t>]4     Wher  be  ye  my  loue  my  loue 
and  where  be  ye  gone[?] 
I  am  so  sad  to  make  me  glad 
yt  is  but  you  my  loue  a  lone  a  lone 
it  is  but  yQ  my  loue  alonc  alone. 


[lllb]5  Yower  copany  niake»  me  so  inery 

from  care  &  frö  all  mone. 
but  whe  ye  mysse. 
no  Joy  it  is 
but  yu  my  loue  alonc 

1  Bei  rcme[mber  mlest  das  eingeklammerte  unleserlich. 

2  Bl.  108b — 1 09  b.    Die  Strophen  zweimal  widerholt. 

3  t  nicht  im  ms. 

4  Bl.  110l>.    Die  Strophen  zweimal  widerholt. 

5  Bl.  111 b.    Die  Strophe  zweimal  widerholt. 


254  FLÜGEL, 


right  suere  to  have  no  good  auöture 
good  aveture  in  mc  to  haue  place 
nay  nay  for  why[ch]  yre  ys  no  spa[ce]. 


finis. 


[120»»] "  Sil  what  musyng 

[1  more  mornyng] 

in  remßbryg 

thü  stedfastnes 

p»*  world  bc^g 

of  such  walyng 

[mc  cötry"yng] 

what  may  1  gcsse 

[I  fere  doutles 

remedylcs 

is  now  to  cese 

uiy  wofull  chance  | 

for  vnkyndnes 

wl  owt)T  les 

&  no  redresse 

ine  doth  avance 

w*  dysplesanco 

to  my  greuance 

and  no  suräcc 

of  reniedy 

lo  in  tliis  trftnce 

now  in  substäce 

such  is  my  chance 

willyng  to  dye. 
1121  »»I*  Me  thynk  trewly 

[bowndon  am  I] 

[and  that  gretly] 

to  be  cötent 

[seyng  pla[i]nly] 

fortune  doth  wry 

all  cötrary 

froui  my  entent[!] 
[122«]  IMy  lyf  was  lent] 

to  an  entent 

it  is  ny  spent 

wclcff  fortune 

%  1  Hl.  12o»\  Das  lied  findet  sich  auch  aus  gleicher  zeit  in  etwas 
anderer  fassung  in  Add.  Mss.  54t>5,  fol.  3M b  ff.  und  ist  daselbst  dem  Robert 
ffayrfax  zugeschrieben.  Die  erste  stronhe  zweimal  widerholt.  Die  verae 
in  klammern  sind  aus  der  ersten  widerholung  der  ersten  Strophe  ein- 
getragen. 

*  Bl.  121 b.    Das  eingeklammerte  aus  der  ersten  widerholung  der 
zweiten  atrophe  (letztere  ebenfalls  zweimal  widerholt). 


LIEDERSAMMLUNGEN.  253 

yl«  reson  y*  I  rede  yn  now  I  rede  it  füll  ryght. 

Q«d  pet* 
one  aftyr  the  close. 

Q*d  petys  o  fili.  Pygott. 

1115*»]1     Musyng  on  her  manners  so  ny  ward  was  my  inayne 
saue  it  plesyd  me  so  passyngly  y*  past  was  uiy  payn. 
yet  softly  to  her  swete  soil  me  thought  I  hard  sayn 
now  g'«ciUst  god  and  goode  swete  babe  yet  ons  this  game  agayne. 
Q5d  pet*s  &c. 

[  1 1 6  b]  *     My  thought  oppTessed 
my  mynd  i  trouble 
my  body  languisshyg 
my  hart  i  payn 
my  Joyes  dystres 
my  sorows  dowble. 
My  lyffe  as  one 
y*  dye  wold  fayne 

myn  yes  for  sorow  salt  tcrs  doth  rayne. 
thus  do  I  lyue  in  gret  heuenes 
with  owte  hope  or  cöfort  off  redresse. 


[117'»]a     My  hope  fröe  me  is  clene  exiled 

exilide  for  euor  [— ]  which  is  my  payne  [!] 

my  paye  wl  hope  hath  mc[]  begyled 

hath  me  begiled[!] 

begyled  am  1  and  can  not  refrayne 

refrayne  I  must  yet  i  dysdayne 

in  dysdayn  I  shall  my  lyfe  endure 

endure  alas  w*  owt  hope  of  recure[!] 

[U8b]8     Oftyme  for  death  for  soth  I  call 
in  releasse  off  my  gret  smert 
for  death  ys  end  and  principall 
of  all  the  sorowes  w*in  my  hart 
a  payne  it  is  hens  to  depart 
yet  my  lyfe  it  is  to  me  so  greuus 
that  deth  is  plesur  &  nothyng  noyus. 

[119b]*     Thus  may  ye  se  my  wofull  chance. 

my  chance  contrarious  from  all  plesure 
from  all  plesure  to  gret  penance 
of  penance  &  payne  1  am  right  sure 


1  Bl.  1 15 b  u.  116a.    Diese  Strophen  zweimal  widerholt. 

2  Bl.  117b.    Die  Strophe  *My  hope'  &c.  zweimal  widerholt. 

3  Bl.  118^.    Die  Strophe  *0r  tyme'  &c.  einmal  widerholt  (Varianten: 
v.  1  Oft  tymes;  v.  3  thend. 

4  Bl.  119b,  v.  7.    Das  eingeklammerte  ergänzt 


FLÜGEL, 

1  wysae  my  niothyr  theo  sliatl  vs  sc. 

1  wysae  my  mothyr  theB  sball  vb  ae. 

Now  in  bu  inedows  fayre  &  grene', 

we  niay  vs  sport  &  uott  be  sene. 

&  yi  ye  wyll  I  shall  cöaent 

llow  aey  you  mayde  be  you  ctftentj?] 

Nay  in  good  feytli  I  wyll  not  melle  w'  you. 

I  pray  you  s"  lett  nie  go  mylke  uiy  oow. 

Wliy  wyll  ye  not  geve  me  no  cöforte. 

y'  in  y  feld«  we  niay  vs  sportt? 

Nay  god  for  bede  .  y1  may  not  be  y'  niay  mit  be. 

I  wysse  my  mothyr  than  shall  vs  se. 

1  wysse  my  motliyr  then  sliall  vs  se. 

Ye  be  so  nyce  üb  so  mete  of  age. 

y-  yc  gretly  move  my  corage 

Syth  I  loue  )'ou[,]  loiie  me  agayne. 

Ict  vs  niake  one  tliongb  we  be  twayne 

1  pray  von  s'r  let  me  go  mylk  my  cowc  vt  sup". 

Ye  baue  my  hert  sey  what  ye  wyll. 

Whorfore  ye  muste  my  mynde  fiilfyll. 

&  gönnte  me  bere  yo^  maydynbed 

yoT  maydynhed( — ]  or  olles  I  shall  for  you  be  »led. 

I  pray  you  s'r  let  me  vt  aupra. 

Then  for  y'«  onac  I  schal  you  spare. 

but  y  nente  tyme  ye  mint  liewari'[,| 

bow  in  thc  raedow  ye  mylko  yor  i'ow  .  y«'  eow[l| 

adew  flarewell  &  kysse  me  now. 

adew  farewell  &  kysse  me  now. 

1  pray  you  a"-  let  me  vt  supra 


2.    Die  lleder  des  Royal  Ms.,  Appendix  58. 

Dies  ms.  ist  den  englischen  liederforsckern  wol  bekannt, 
denn  es  enthält  die  lieder:  'A  the  sygbes  that  come  from  my 
hart';  'Westron  wynde';  'Colle  to  me  the  rysuliys  grene'  und 
einige  andere,  welche  von  Cliappell  in  der  'Populär  Mnsic 
of  the  olden  time1  gedruckt  wurden  und  nuch  sonst  angeführt 
werden.11    lieber  die  geschiente  dieses  ins.  lässt  sieh  leider  nicht 

1  Bl.  126».    Die  stropbe  'Now  in  (■*■  medows'  noch  einmal  widerholt. 

1  Bl.  126*.  Die  atrophe  'Ye  haue  my  hart  [flir  basu«]'  und  'Ye  be 
so  nyce  (fllr  medi"<J'  widerholt;  teuer  Stent  ohne  text  dabei.  —  Bl.  137» 
'Then  for'  &c.  zweimal  wider  ho  It. 

9  Kimbault  führt  in  'A  llttle  book  of  Song*  and  Ballada'  IUI  dkt 
o  •>,  13,  15,  iO  an. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  255 

[welcü  fortune] 
ye[t]  I  ne  went 
thus  to  be  shent[!] 
[but  she  is  ment] 
Such  ys  her  went[!] 


[122b]  *     1  loue  vnloued  suche  is  myn  adueture 
and  can  not  cesse  tyll  I  sore  smart 
but  loue  my  fo  that  feruet  creature 
whose  unkyndnes  hath  kyld  myn  hart 

[123b]  *     ffrom  her  loue  no^nge  can  me  rent 
but  [I]  leue  in  payne  whyle  I  endure 
and  loue  vnloued  such  ys  myne  aducnture. 


[I24b]       I  go  to  the  medowe  to  mylke  my  cowe[!] 
than  att  the  medow  I  wyll  you  mete[,] 
to  gather  y«  flowre«  both  fayer  &  swete[!] 
Nay  god  for  bede  that  may  not  be  yl  may  not  be. 
I  wysse  my  mother  then  shall  vs  se[!] 
I  wysse  my  mother  then  schall  vs  se[!] 

Hey  troly  loly  lo  made  whether  go  you[?] 

I  go  to  ye  medow  to  mylke  my  cowe[!] 

Then  at  ye  medow  I  wyll  you  mete. 

to  gather  yc  flourys  both  fayr  &  swete[!] 

Nay  god  for  bede  y*  may  not  be  y*  may  not  be. 

I  wysse  my  mother  then  shall  vs  se. 

I  wysse  my  mother  then  shall  vs  se. 

Hey  troly  loly  lo  mayde  whether  go  you[?] 

Then  att  ye  medow  I  wyll  you  mete 

to  gather  ye  flour«  both  fayre  &  swete. 

Nay  god  for  bede  |H  may  not  be .  y*  may  not  be. 

I  wysse  my  mother  then  shall  vs  se. 

I  wysse  my  mother  ye*1  shall  vs  se. 

[125b]       Now  yn  }>**  medow  fayer  &  grene. 
we  may  vs  Sport  &  not  be  sene. 
&  yf  ye  wyll.    I  shall  consent. 
How  sey  ye  mayde  be  ye  cötentp] 
I  pray  you  slr  lett  me  go  mylke  my  cow. 
why  wyll  ye  nott  geve  me  no  cöfortt 
]>*  now  in  }*«  feld°s  we  may  vs  sportt[?] 
Nay  god  forbede  yl  may  not  be  \>l  may  not  be. 


1  Bl.  122»>  u.  123b     Die  Strophen:  *I  loue'  &c.  und  *from  her  loue'  &c. 
zweimal  widerholt. 

*  Bl.  123^»,  v.  2  ist  [I]  des  rhythmus  halber  ergänzt. 


250  FLÜGFJ., 


And  that  wc  may  ower  fautt  amend. 
An  blysse  opteyne  at  ower  last  cnd. 
Amen. 


[IOC*»]1     Englond  be  glad  pluk  vp  thy  lusty  hart 

help  now  yi  kyng  yl  kyng  &  take  Ins  part. 

and  take  hys  part 

Englond  be  glad  pluk  vp  thy  [lusty]*  heart 
[101»]       help  now  y*  kyng 

yl  kyng  &  take  his  [part]8  and  take  Ins  part.3 

[101»>]       Ageynst  y«  frenchme  in  the  feld  to  fyght 
In  the  quarell  of  yü  church  &  in  ye  ryght. 
w*  spers  &  shcldy*  on  gudly  horsys  lyght. 
bowys  &  arows  to  put  the  all  to  flyght 
to  put  the  all  to  flyght .  helpe  now  yl  kyng.4 

[103«]a  Pray  we  to  god  that  all  may  gyde 

that  for  or  kyng  so  to  p*°vid 
so  send  bym  power  to  hym  corage 
he  may  acheffe  this  gret  viage 
now  let  vs  syng  this  rownd  all  tbre 
sent  george  graunt  hym  y«  victory  pray. 


[1061»]6     And  I  war  a  mayden  as  many  one  ys 

for  all  ye  goldc  T  englond  I  wold  not  do  amysse.7 

when  I  was  a  wanton  wench  of .  XII .  ycre  of  age. 

Thes  cowrtyers  w*  ther  amorus  they  kyndlyd  my  corage. 

When  I  was  come  to  the  age  of .  XV.  yere. 

In  all  this  lond 

nowther  fre  nor  bond 

ido  thought  I  had  no  pere. 

[107 h]  Why  shall  not  I  why  shall  not  I 

to  my  lady, 

why  shall  not  I  be  trew 
whv  shall  not  I. 
My  lady  hath  me  in  that  grace 
she  tak^  me  as  her  howne 
her  mynd  is  i  nö  other  place 

1  Bl.  117»»  ist  leer;   auf  08«  noten;  08 b— 100«  komposition  ohne  text 
von  The  Kynge  .  II  .VIII. 
*  Nicht  im  ms.;  ergänzt. 

3  Bl.  101*  widerholt  die  Strophe  noch  einmal. 

4  Bl.  102«  desgleichen.  Ä  Bl.  1 02 »•  ist  leer. 

6  Bl.  103  »»--10««  komposition  von  The  Kynge  .  II  .  VIII. 

7  Bl.  100»».    Die  ersten  beiden  verse  fünfmal  widerholt. 


*  >-ä 


LIEDERSAMMLUNGEN.  257 

so  viel  sagen  wie  über  die  des  vorhergehenden.  Es  finden  sich 
in  dem  ms.  zwei  lieder,  welche  durch  andere  handschriften  als 
von  Cornyshe  herrührend  angesehen  werden  können,  ferner 
ein  lied  mit  doctrCoper  (wol  derselbe,  welcher  sonst  drCowper, 
auch  Cooper  genannt  wird)  unterschrieben  (19a),  mit  derselben 
Unterschrift  noch  eine  (tanz-?)komposition  ohne  text  (fol.  24 h), 
ferner  kompositionen  (z.  t.  tanzweisen)  mit  den  Überschriften: 
The  short  mesure  of  my  lady  wynkfyelde  (43 b),  The  emperors 
pavyn  (45 a),  The  kings  pavyn  (45 b),  The  Crocke  ([?]  46),  The 
kyngs  macke  (47). 

Das  einzige  lied,  welches  auf  ein  historisches  ereigniss 
anspielt,  ist  das  20.  auf  fol.  15b:  Now  fayre  fayrest  off  euery 
fayre;  die  worte:  'welcu  of  Scotland  to  be  quene'  können  sich 
nur  auf  Margaret,  Heinrich's  VII.  älteste  tochter  beziehen,  welche 
am  8.  August  1503  zu  Edinburgh  Jakob  IV.  angetraut  wurde.1 

Da  Cornysh  nun  schon  bei  der  königin  Elizabeth  (von 
York)  als  hofkapellmeister  erwähnt  ist2,  würden  die  in  dieser 
handschrift  mit  seinem  namen  belegten  lieder  (ob  er  sie  nun 
selbst  dichtete  oder  nur  komponierte)  in  seine  früheste  zeit 
fallen,  und  da  am  hofe  Heinrich's  VII.  spinett  und  laute3  zu 
den  lieblingsinstrumenten  für  alle  art  höfischer  Unterhaltung 
gehörten,  wäre  es  nicht  unmöglich,  dass  ein  teil  der  handschrift 
eine  Sammlung  von  liedern  und  kompositionen  zum  gebrauche 
bei  derartigen  hoffestlichkeiten  aus  der  zeit  Heinrich's  VII.  dar- 
bietet. Ein  anderer  teil  der  handschrift  allerdings  ist  völlig 
anderen  Charakters  und  weist  nicht  auf  den  hof,  sondern  in  das 
kloster.  Da  zeigt  uns  ein  ziemlich  giftiges  lied  (fol.  22 h)  eine 
klosterzänkerei  zwischen  ffrere  gastkyn  und  Raff  Drake 
(ffrere  gastkyn  scheint  ein  wenig  freigeist  gewesen  zu  sein).4 
Ein  anderes  zeigt  den  mönch  parker  von  Stratforde  (in 
EssexV)  in  liebesbanden  (fol.  14 b);  und  das  lied:  Now  Marcy 
Jhesu  I  will  aniend  (fol.  21 a)  wird  wol  auch  nicht  all  zu  fern 
von   den   klostermauern    gesungen  worden  sein.  —  In  jedem 


1  Stowe's  Chronicle  p.  810:  The  S  of  August  James  the  fourth  king 
of  Scots  maried  Margaret,  the  eldest  doughter  of  king  henry  the  seuenth 
at  Edenborough  (die  bekannte  veranlassung  zu  Dunbar's  Thistle  and 
Rose). 

*  Vgl.  die  Privy  Pursc  Expenses  derselben  (p.  83),  von  Pauli,  Gesch. 
Englands  V,  678  angeführt. 

3  Pauli  a.  a.  o.  V,  078. 

4  Rimbault  führt  (a.  a.  o.)  ein  ähnliches  lied  aus  Cambridge  Trinity 
College  Ms.  P.  Q.  10  an. 

Anglia,  XII.  band.  17 


252  FLÜGEL, 


alone  alone  it  ys 

but  yu  luy  loue  alon  alon. 

Whe  ye  be  hens 

wl  y*    absencc 

my  myrth  &  ioy  is  gone 

ine  to  com  fort 

is  no  resort. 

The  tyine  passyng 

to  daunce  or  syng 

to  swage  8ü  what  iny  möc 

Is  nothing 

no  cöforting 

but  yow  my  loue  alono  alone. 

Thus  w*  my  carc 

w-  yor  welfarc 

crist  kepe  yu  from  yor  föne. 

And  God  aboue 

kepe  yor  loue 

for  you  haue  mync  alone. 


[112'»!1  Qui[d]  petis  o  fily[?] 

mater  dulcissima  baba 
quid  pctis  o  fili[V] 
miehi  plausus  oscula  da  da[!] 

[113b]       So  laughyg  in  lap  layde 
So  prctyly  so  pertly 
so  passyngly  well  a  payd 
ful  softly  &  füll  soberly 
vnto  her  swet  son  she  said[:] 
q*d  petys  &c. 

The  moder  füll  man««ly  &  mekly  as  a  mayd 
lokyng  on  her  lytill  son  so  laughyng  in  lap  layd 
so  pretyly  so  p«tly  so  passingly  well  apayd 
so  pass^gly  wel  a  payd 
füll  softly  &  füll  soberly 
vnto  her  son  she  saide 
vnto  her  son  said[:] 
Q»d  petK» 

[1U1»]3     1  mene  this  by  mary  or  makers  mod«*  of  myght 

füll  louely  lookyng  on  or  lord  thc  lanterne  of  lyght. 
thus  sayng  to  or  sauior  this  saw  I  in  my  syght 

1  Hl.  \\'2b.  Die  handschrift  liest:  Quit.  —  Die  erste  Strophe  dreimal 
widerholt. 

*  Bl.  114*.  Die  erste  Strophe  zweimal  widerholt. 

'  Bl.  114b.  Diese  Strophe  einmal  widerholt. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  259 

I  was  wonte  hur  to  be  holde 
and  takyn  in  Arrays  twayne 
and  now  wyth  syghes  manyfolde 
fare  well  my  Joye  &  welcome  payne. 

A  uiy  thynke  that  I  se  hur  yete 
as  wolde  to  gode  that  I  myght 
There  myght  no  Joyes  cöpare  wyt  h[i]' 
Vnto  my  hart  to  make  hyt  lyght. 


[lb]  [t]Hough  that  she  can  not  redresse 

nor  helpe  me  off  my  smerte 
yet  sure  hyt  comyth  of  gentylesse 
that  pytyeth  A  mornynge  hert. 

0  fortune  cruell  and  peniers 
What  wylyth  the  at  me 
All  my  plesure  thow  dost  reuers 
In  to  Aduersite 

Alas  I  love  A  goodly  one 
but  I  cannot  Attayne 
Vnto  hur  love  but  lyue  alone 
for  fere  of  fals  dysdayne 

To  haue  hur  loue  I  thenke  me  sure 
yf  that  she  durst  consent 
hyt  ys  to  hur  A  dysplesure 
to  se  my  loue  mysspent. 

0  cupyd  the  god  of  loue 
Now  help  me  At  my  nede 

the  harte  of  them  for  to  remove 
that  Settyth  me  to  spede 

Woo  worth  fortune  my  fortall  foo 
that  art  soo  rüde  to  me 
To  turne  my  Joy  in  care  &  woo 
that  my  comfort  sholde  be. 

[2«]  [c]011e  to  me  the  rysshys  grene  Colle  to  me 

Colle  to  me  the  rysshys  grene  colle  to  me 

ffor  my  pastyme  vpon  A  day 

1  walkyde  Alone  ryght  secretly 
in  Amornyng  of  lusty  may 

me  to  reioyce  I  dyd  Aplye 

Wher  I  saw  one  in  gret  dystresse 
Complaynyng  hym  thus  pytuously 
Alas  he  sayde  for  my  mastres 
I  well  pe'scyue  that  I  shall  dye 

17* 


254  FLÜGEL, 


right  suere  to  have  no  good  außture 

good  avcture  in  iue  to  haue  place 

nay  nay  for  why[ch]  yre  ys  no  spa[ce]. 

finis. 


[120  h]1  Sü  what  musyng 

[i  more  mornyng] 
in  remßbryg 
thü  stedfastnes 
pl»  world  beyg 
of  such  walyng 
[ine  cötryuyng] 
wliat  may  I  gesse 
[1  fere  doutles 
reraedyles 
is  now  to  cese 
my  wofull  chance] 
for  vnkyndnes 
wl  owty  les 
&  no  redresse 
nie  doth  avance 
w*  dysplesance 
to  my  greuance 
and  no  suräcc 
of  remedy 
lo  in  tbis  trance 
now  in  substace 
such  is  uiy  chance 
willyng  to  dye. 

[121  »>J»  Me  thynk  trcwly 

[bowndon  am  I] 
[and  that  gretly] 
to  be  cötent 
[seyng  pla[i]nly] 
fortune  doth  wry 
all  cdtrary 
from  my  entent[!] 

[122»]  [My  lyf  was  lent] 

to  an  entent 
it  is  ny  spent 
welcfl  fortune 


"  l  Hl.  12o*>.  Das  lied  findet  sich  auch  aus  gleicher  zeit  in  etwas 
anderer  fassung  in  Add.Mss.54K5,  fol.  3.Hbff.  und  ist  daselbst  dem  Robert 
ffayrfax  zugeschrieben.  Die  erste  atrophe  zweimal  widerholt  Die  versa 
in  klammern  sind  aus  der  ersten  widerholung  der  ersten  Strophe  ein- 
getragen. 

*  Bl.  121 b.     Das  eingeklammerte  aus  der  ersten   widerholung  der 
zweiten  atrophe  (letztere  ebenfalls  zweimal  widerholt). 


*•«#!*, 


LIEDERSAMMLUNGEN.  261 

Lornyng  hyt  were  für  young  men  all 
vnto  there  louers  trew  to  be 
promyse  I  made  that  know  noman  shall 
whyllys  that  I  leve  hur  name  for  me 

My  hart  she  hathe  &  euer  shall 
tyll  by  dethe  departyd  we  bee 
hap  what  shall  hape  wyl  befall 
shall  noman  know  hur  name  for  me. 


[4*]  Why  8oo  vnkende  Alas 

why  soo  vnkende  to  me 
Syne  the  tyme  I  knew  yow  fyrst 
you  were  my  Joy  and  my  trust 

Why  soo  vnkende  Alas 

why  so  vnkende  to  me 

Soo  to  be  kende  to  me 

Erly  &  late  I  am  ryghtfayne 

your  love  &  favor  to  attayne 

Why  soo  vnkende  &c. 

ys  ther  no  grace  ne  remedy 
but  euer  to  morne  eternally 
Alas  why  soo  vnkende  &c. 

Off  my  por  s^uys  ye  may  be  sure 
As  long  as  lyff  dothe  last  &  dure 
why  soo  vnkende  &c. 

Hope  dothe  to  me  consolacön 
Else  sholde  I  ren  in  dy[s]parcon  * 
why  soo  vnkende  &c. 

ye  haue  my  hart  ye  haue  my  love 
Gode  sende  me  yours  that  syttyth  above 
why  soo  vnkende  &c. 


[4b]  Kytt  hathe  lost  hur  key  hur  key 

goode  kytte  hath  lost  hur  key 
she  ys  soo  sory  for  the  cause 
she  wotts  nott  what  to  say 
she  ys  soo  sory  for  the  cause 
she  wott  not  what  to  say  to  say 
goode  kytt  good  kytt 
she  ys  soo  sory  for  the  cause 
she  wot  not  to  say  to  say  good  kytt. 


s  nicht  im  ms. 


202  FLÜGEL, 

[5B]  Kytt  she  wept  I  axyde  why  soo 

that  she  made  All  thys  mone 
she  sayde  Alas  I  am  soo  woo 
my  key  ys  lost  and  gone 

Kytt  has  lost  hur  key  vt  supr». 

Kyt  she  wept  &  cryede  one  hye 
and  fore  hur  key  dyd  axe 
she  be  heyght  to  seynt  sythe  a  key 
and  offryde  to  hyra  a  key  of  wexe 
Kyt  hathe  lost  hur  key  &c. 

Kyt  why  dyd  ye  losse  your  key 
for  sothe  ve  were  to  blame 
now  eucry  man  to  yow  wyll  say 
Kyt  losse  key  ys  your  name 
Kyt  hathe  lost  hur  keye  &c. 

&  kyt  she  wept  &*  cryed  Alas 
Hur  key  she  cowde  not  fyndc 
In  fayth  I  trow  yn  bour  she  was 
w''th  sum  that  were  not  kcnde 
Kyt  hath  lost  hur  key  &c. 

Now  fare  well  Kytt  I  can  no  morc 
I  wot  not  what  to  say 
but  I  shall  p»y  to  gode  therc  fore 
that  yow  may  fynde  yor  key 
Kyt  hath  lost  hur  key. 


[bu\  [BJlow  thy  hörne  hunter 

cü  blow  thv  hörne  one  live 

In  vonder  wode  ther5  lveth  A  doo 

In  fayth  she  woll  not  dyc 

eil  blow  thy  hörne  hunter 

eü  blow  thv  hörne  Jolv  hnnter.1 


[(><*]  A  lone  alone  alone  alone  ahme  alonc 

alone  in  wyldernys 

(Das  hier  folgende  lied  ist  ausgestrichen,  vgl.  fol.  71».) 


[f»h]  The  lytell  prety  ny^lityngale 

A  mong  \v  leuys  grcnne 

1  Die  fortsetzung  des  licdes  findet  sich  Add.  Mss.  n I U22 ,  fol.  10«. 
Das  lied  ist  daselbst  W.  Cornysh  zugeschrieben,  (huppe  11,  Popul. 
Mus.  1,  f>7  gibt  nur  die  erste  Strophe. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  263 

y  wold  I  were  I  wold  I  were  wt  hyr  all  nyghth 

but  yet  ye  wot  not  what  I  meane» 

Then  swet  hart  cü  horae  swet  hart  eil  home  agayn 

for  fallyngc  of  the  snow 

for  &  you*  host  wyth  heysso  a  hoo 

ye  may  not  cü  home  cü  home 

cü  home  sweet  hart  cü  home 

The  lytell  prety  nyjthtyngale 

A  monge  J>e  leuys  grene  y  wolde  I  were 

(in  der  handschrift  nicht  fortgesetzt). 


[7*]     nay  mary  nay  mary  I  peter  but  ye  must 
nay  mary  I  peter  DUt  ye  must  &C.1 


[~h]     The  lytyll  prety  nyjhtyngale 
among  the  leuys  grene 

I  wold  I  were  I  wolde  I  were  wyth  her  all  nyght. 
but  yet  ye  wete  not  whome  I  mene. 

The  nyghtyngale  sat  one  abrere 
Among  the  thornys  sherpe  &  keyn 
and  comfort  me  wyth  mery  eher 
but  yet  ye  wot  not  [w]homea  I  mene 

She  dyd  aper  all  on  hur  keynde 

a  lady  ryght  well  be  seyne 

wth  wordys  of  loff  tolde  me  hur  mynde 

but  yet  ye  wot  not  whome  I  mene 

hyt  dyd  me  goode  lipon  hur  to  loke 
hur  corse  was  closyd  all  in  grene 
away  tro  me  hur  hert  she  toke 
but  yet  ye  wot  not  whome  I  mene 

lady  I  cryed  wyth  rufull  mone 

haue  mynd  of  me  that  true  hath  bene 

for  I  loue  none  but  you  alone 

but  yet  ye  wot  not  whome  I  mene. 


[8a]  To  leve  alone  comfort  ys  none 

but  mornyng  more  &  more 
my  awne  tru  hart 
hath  made  me  smart 
whyche  greuyth  me  passyng  sore 

1  Vgl.  fol.  11». 
a  w  nicht  im  ms. 


2()4  FLÜGEL, 

I  may  complayne 
and  Dothyng  faync 
to  god  of  my  lady 

w*  anie  grete  vnryght 
out  of  hur  syght 

she  hath  exylyde  me 

hur  to  dysplease 
my  lyf  to  lease 

neuer  shall  tyll  I  dye 

how  be  hyt  in  payne 
I  am  sertayne 

&  beryth  hyt  paciently 

and  so  I  wyll 
contynew  styll 

wher  euer  I  ryde  or  goo 

I  cannot  chcwse 
nur  vet  refewse 

to  louc  hur  &  no  mo 

One  &  no  mo 
why  say  ye  soo 

o  thus  ys  the  skyl[. .  .|! 

fcw  yerys  agoe 
I  promysyd  soo 

for  to  be  tru  h  [. . .]  * 


[*>b|*         Hy  a  bancke  as  I  lay 

musyng  my  sylfc  alone    hey  how 

A  byrdvs  voyce  dyd  me  reioyce 

syngyng  byfore  the  day 

and  my  thought  on  hure  lay 

she  sayd  wynt"  was  past    hey  how 

Than  dyry  cü  dawn  dyry  eil  dyry  eil  dyry 

[9«|  eil  dyry  eil  dyry  cu  daw  hey  how 

The  inaster  of  musyke. 
the  lusty  nyghtyngale    hey  how 
füll  meryly  &  secrctly 
She  syngyth  in  the  thyke 
And  under  hur  brest  a  prike 
to  kepe  hur  fro  slepe    hey  how  down 

1  In  der  handsehrift  abgerissen. 

J  Kin  lied  mit  demselben  anfange  findet  sich  unter  K[ing]  H[enry  VIIFs] 
inirth  or  freemens  songs  in  Havniscrot't's  Deuteromelia  1 009,  no.  19. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  265 

A  wake  there  for  young  men. 

All  ye  that  louers  be 

th[y]s  monyth  of  may 

soo  fresch  soo  gay 

so  fayre  be  feld8  on  ffen 

bath  ffloryshe  ylke  aden 

grete  Joy  hyt  ys  to  see  hey  bow  &c. 


[10  b]»  Thys  yonders  nyght 

I  herd  a  wygbt 
most  heuyly2  cöplayne 
And  eu°r  a  mong 
thys  was  bys  song 
Alas  I  dye  for  payne 
Alas  I  dye  for  payne. 


[lla]         nay  inary  I  nay  maye  mary 
I  peter  but  ye  must 
nay  mary  I 

In  ye  begynnyng  off  thys  yere 
y  herd  A  louer  saye  vntyll  his  fere 
Swet  wordys  off  love  ryght  petuusly 
and  the  sehe  sayde  nay  mary  I 
Nay  mary  I. 

[14b]3  0  my  lady  dure 

0  my  lady  dure 

1  am  yo*  pr|soner 

0  my  lady  dure 

1  am  yor  prisoner 

Qd  parker  monke  of  Stratforde. 

[15a]  Rasyd  is  my  mynde 

Alacke  for  pety 
Why  ys  sbe  soo  vnkende. 
And  hatb  no  cause  wby 
Rasyd  ys    vt  supra. 


[15b]  Now  fayre  fayrest  off  euery  fayre 
princes  most  plesant  and  preclare 
tbe  lustyest  one  Alyve  that  byne 


1  Bl.  1P>  u.  10  tt  enthält  die  lateinische  hymne  'Spem  in  alium  nüqHm 
habui  pr,,ter  in  te  Deus'.         2  Im  ms.:  beuynly. 

3  Bl.  11»»,  12%  13*  sind  leer;  bl.  12*>  enthält  nur  den  liedanfang  'Coli 
to  me  tbe  russhes  grenc  coli  to  me';  13%  14»  enthält  nur  noten. 


266  FLÜGEL, 

welcii  of  scotlond  to  be  quene 
young  tender  plant  of  pulcritud 
descendy*1  of  Imp«*yall  blöde 
freshe  fragrant  floure  of  ftayrehed  shene 
welcii  of  scotlond  to  be  quene. 
[!(>»]        Lusty  lusü  lady  eiere 

most  myghty  kyng*  do[g]terl  dere 

borne  of  A  princes  most  serene 

welcii  of  scotlond  to  be  quene 

welcii  the  rose  bothe  rede  &  whyte 

welcii  the  floure  of  oure  delyte 

oure  secrete  reioysyng  from  the  son  beine 

welcii  of  s[c]otlond  to  be  quene 

welcii  of  scotlonde  to  be  quene 


[16b]        Thofe  I  doo  syng  ;  *  my  hert  dothe  wepe 

hyt  vaylyth  not  ||  to  fayne  gladnys 

sorow  hath  pi«cyd  ||  my  hart  so  depe 

that  my  lyffe  ys  ||  but  heuynys 
1 1 7 «]        flbr  [  my  cause  ys  ||  remedylesse 

well  may  ye  thenke  ||  then  my  syngyng 

cannot  avayle  ||  my  lamentyng. 

Hut  kepe  hyt  styll  ||  yn  remembraunce 

wl  my  vnvrid  ||  desteny 

settyng  lesse  by  ||  the  worldys  chaunce 

syth  trotli  was  me  ||  no  remedy 

ther5  ys  no  more  ||  but  hertely 
(I71»!         1  p«y  [all  that  ||  here  thys  song 

ben  ye  mery  ||  though  I  haue  wrong 

Petyously  ||  constraynyd  am  I 

w'  wepyng  yes  ||  to  morne  &  playne 

that  wo  soo  ny  ||  of  progeny 

so  sodenly  ||  shulde  parte  [a]  twaync. 

whe  ye  ar  gone 

comfort  ys  none 
[IS-*]         but  All  alone 

endure  must  I 

w*  greuis  grono 

making  my  mono 

as  hyt  were  ono 

that  nedys  shuld  dy[.] 

1  3  nicht  im  ms. 

a  Die  ahtcilungsstrichc  der  ersten  I**  verse  setzte  ich,  um  meinen 
anfänglichen  zweifei  anzudeuten,  ob  die  verse  hier  zu  trennen  wären. 
Fast  seheint  es,  als  ob  es  sich  von  vers  r.)  an  um  ein  neues  lied  handle 
(wovon  weder  die  noten,  noch  die  handschrift  etwas  andeutet).  Pas  me- 
trische System  der  ersten  \\)  verse  ist  zweimal  ababbec  und  abab,  das 


LIEDERSAMMLUNGEN.  267 

With  chaunce  soden 

soo  d[e]the  me  strayne 

yn  euery  vayn[e] 

that  for  nothyng 

I  cannot  layn 

nay  yet  refrayne 
[18^  in  [...]»  twayne 

from  sore  wepyng[.] 

and  when  that  I  wolde 

no  body  shulde 

me  Aspy 

In  such  duraunce 

then  dothe  my  eye9 

my  hert  discry 

and  openly 

shewyth  iny  greu»unce[.] 

lo  eu«ry  nyght 

thus  am  I  dyght 

[to]8  suche  a  plyght 

w*  grevous  payne 
[l4.»«|  ther*  may  no  wyght 

make  my  hert  lyght 

tyll  I  haue  a  syght 

of  yow  a  gayne 

Quod  doctr.  Coper. 

[19b]         When  fortune  had  me  avaunsyd 

vnto  the  grace  of  my  swete  creature 

and  that  hur  trothe  to  me  was  fyauncyd 

euer  faythfully  in  loue  to  endure 

I  had  well  happyd  to  haue  byn  sure 
[20«]         but  now  alas  through  dysdayne 

trougth  ys  exylyd  &  plesiu™ 

&  welcii  payn 

0  goodly  mastres  o  goodly  mastres 

why  do  yow  thus 

syth  yn  me  cause  fynd  ye  none 

nor  neuer  shall 

trust  me  I  wysse 

for  I  haue  ben 
[20 b]        And  shalbe  yours  alone 

for  yow  do  I  wayle 

der  folgenden  verse  (für  deren  trennung  ich  die  Verantwortung  übernehmen 
muss,  denn  in  der  handschrift  sind  sie  fortlaufend  den  noten  folgend  ge- 
schrieben) ist  viermal  aaabaaab  (das  drittemal  allerdings  mit  der  ab- 
weichung  aabcbbbc,  statt  bbbcbbbc). 

1  In  der  handschrift  abgerissen.        2  Die  handschrift  liest  eyes. 

3  Fehlt  in  der  handschrift. 


268  FLÜGEL, 


for  yow  do  I  mone 

and  syth  that  your  loue  I  niay  uot  attayne 

farewell  plesiu™  &  welcü  payne. 


[21»]        Now  marcy  Jhesu  I  wyll  amend 
And  neuer  more  displease  the 
yff  grace  thow  wylt  me  send 
uiy  thogbt  ys  füll  hevy 
and  greuith  me  ryght  sore 
my  synnys  be  pryvy 
whych  repentyth  me  euer  more 
my  flesh  fast  swetyng 
my  paynys  to  renew 
my  body  besely  boylyng 
w*  hetys  for  A  Jhesu[.] 
Tbys  haue  I  füll  surely 
for  tbat  I  was  uniust 

[2 1  b]         to  god  the  sune  off  mary 
and  leuyd  after  my  lust 
Now  mcrcy  Jhesu  my  fete 
sume  tymc  more 
and  lesse  they  do  swete 
my  hert  ys  very  pore 
and  besyly  doth  bete 
my  hed  ys  all  macy 
and  memelowsly  dothc  werke 
my  yne  dyme  and  dasy 
my  neke  ys  füll  Sterke 
Thys  I  haue  roll  surly    vt  supra. 

My  handys  do  me  no  good 
nedys  must  I  ly  so 
and  take  no  erthly  fode 
now  helpe  me  good  lorde 
my  stomake  ys  füll  faynt 
I  make  to  the  acorde 
vppon  payne  off  a  taynt 
1  wyll  no  more  suerly 
to  the  be  so  vni[u]st 
butt  kepe  thy  lawes  truly 
And  put  Away  false  lust. 
Now  m«cy  Jhesu    vt  supra. 


[22»>1  Triplex  pars. 

ffrcre  gastkyn  wo  ye  be 
qnt  manes  hie  in  pat'  a 


LIEDERSAMMLUNGEN.  269 

for  all  y*  here  supportyth  ye 

yu  makyst  ye  way  ad  t*rtara 

tartara  ys  a  place  trewly 

pro  te  et  cösimilibus 

flfor  hy  y*  lyuyth  in  Apostasy 

absetyd  a  claustr*libU8 : 

A  fysche  to  lyve  all  ways  yn  lond 

quid  vero  mirabüius 

A  frere  serteyne  yl  so  doth  stond 

*    amend 

et  mane  tuis  fratribus 

lest  ye  devyll  flfor  ye  do  send 
[23 a]  To  present  ye  deraonib"8 

Et  fac  cü  consilio 

flfor  he  \>l  may  \>W*  renne 

wold  all  such  were  in  pelago 

i  a  böte  füll  of  holys 

vt  ibi  cü  doloribus 

)?[a]s  myght  he  stere  &  blowe  ye  colys 

Tyll  he  were  sub  fluminib»8 

show  thys  I  care  not  lo  whome 

priory  vel  episcopo 
[23  b]  for  all  [suche  frere  scholde  byde  at  horae 

no  vagans  hie  in  seculo 

Q«i  Raff  Drake. 


[4S»]a  Tenor. 

The  whele  oflf  fortune  who  cä  hold 
or  stablysh  y[t]  still  in  one  degre 
ye  vnstabylnes  oflf  pepyll  yowng  &  old 
whos[o]  wold  perform  }rt  can  not  be 
such  ys  fortune  of  hur  mutabilite 
Wherfore  I  say  &  syng  wl  out  scorne 
farewell  the  best  that  euer  was  borne 
Cupyd  the  god  or  venus  the  goddesse 
vnto  the  permitte  what  can  they  prevayle 
yf  fortune  favors  not  the  cause  pensyvenes 
[49 bj         to  troble  there  sayle 

Ther  myndys  to  frett  there  hart8  to  wayle 
w*  grevous  Abseus  ther  lovys  to  be  torne 


1  Lücke  im  manuskript;  etwa  ausgefüllt  mit:  [Wherfore  frere  gast- 
kyn  make]. 

2  Bl.  24— 4S  enthält  kompositionen  ohne  text,  jedoch  mit  den  fol- 
genden Überschriften:  24 b  (doctor  coper)-  38 b—  43  (A  hörne  pype);  43 b 
(The  short  mesure  of  my  lady  wyukfvelae);  45»»  (The  emperors  pavyn); 
45 b  (The  kings  pavyn);  40  (The  Crocke);  47  (The  kyngs  inacke). 


270  FLÜGEL, 


fare  well  thc  best  that  euer  was  borne 

yff  nature  wold  wysdome  hath  tliis  set  loue  alone 

syth  fortune  Rulyth  alo 

off  surte  no  matc**  she  can  dyscuss 

but  euer  mouyng  as  )?e  rollyng  ball 

Now  helpe  to  hold  now  help  to  fall 

Joyus  over  evyn  &  sorow  011  the  morne 

[Farewell  the1]  best  y*  euer  was  borne. 


[50  b]2  Thys  ender  nygth 

I  saw  a  syjth 

a  ster  as  bryjth  as  day 
And  euer  among 

A  maydyn  song[:] 

by  by  baby  lullay3 
[51*]  Thys  vyrgyn  clerc 

wythowtyn  pere 

vnto  hur  son  gane  sing[:] 

my  son  my  lorde 
niy  fathere  dere 
why  lyest  thow  in  hay[V] 

me  thenke  be  ryght 
thow  kyng  &  knyght 
shulde  lye  in  ryche  aray[!] 

yet  none  the  lesse 
I  wyll  not  cess 
to  syng  by  by  lullay  [!] 

Thys  babe  füll  bayne 
aunsweryd  agaynef,] 
&  thus  me  thought  hc  sayde[:] 

I  am  a  kyng 
above  all  thyng 
yn  hay  yff  I  be  layde[l] 

for  ye  shall  see 
that  kynges  thre 
shall  cü  on  twelfe  day[.] 

for  thys  bebest 
[51 h]         geffe  me  [thy]4  brest 

&  sing  by  baby  lullay  [!] 

1  Lücke  in  der  handschrift. 

8  Bl.  4!>  enthält  kouipositionen  zu  dem  liedanfange  '  Loue  to  be  Con- 
sta t  they  say  h1'  und  'The  Duke  of  Sond[V]  has  doiupe[?]\ 

3  Im  texte  zweimal  widerholt. 

4  In  der  handschrift  abgerissen. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  271 

My  son  I  say 

wythowttyn  nay 

thow  art  my  derlyng  dere 

I  shall  the  kepe 
whyle  thow  dost  slepe 
&  mako  the  goode  chere. 

And  all  thy  whylle 
I  wyll  fulfill 
thou  wotyst  hyt  well  yn  fay[.] 

yet  inore  then  thys 
I  wyll  the  kys 
and  syng  by  baby  lullay[.] 

My  moder  swete 
when  I  haue  slepe  [,] 
then  take  me  vp  at  last 

vppon  yor  kne 
thatt  [y]e*  sett  me 
and  handell  me  füll  soft 

&  yn  yor  arme 
[52«]         lap  me  ryght||  warme 

&  kepe  me  myght  &  day 

and  yff  I  wepe 
and  can  nott  slepe 
syng  by  by  baby  lullay[.] 

My  son  my  lorde 
my  father  dere 
syth  all  ys  at  thy  wyll[,] 

I  p»y  the  son 
graunte  me  a  bone 
yff  hyt  be  ryght  &  skylle[:] 

that  chylde  or  man 
may  euer  come 
be  mercy  on  thys  day[,] 

to  blys  them  bryng 
&  I  shall  syng 
by  by  baby  lullay 
&  I  shall  syng 
by  by  baby  lullay  [.] 

My  mother  shene 
of  heuyn  quL'ne 
yor  askyng  shall  I  spedef,] 

so  that  the  myrth 
dysplease  me  nott 
[52 »»]         yn  [wordys]2  ||nor  in  dede[,] 

1  Lücke  in  der  handschrift.         *  Desgleichen. 


272 


FLÜGEL,   LIEDERSAMMLUNGEN. 


syng  what  ye  wyll 
so  that  ye  fullfyll 
my  tcn  cömaundements  ay[,] 

ay  yow  for  to  pleaso 
let  theni  nott  sesso 
to  syng  baby  lullay. 

[53*>]»  My  iyten  fole 

ys  gon  to  play 
sehe  wyll  tary  no  long*'«'  w*  me 

he  how  frisca  Joly 
vnder  ye  grene  wood  tre 
he  how  frisca  Joly  &c. 


Nachtrag  zu  s.  242.  Der  Originaltext  von  Wyatt's  liede 
findet  sich  Add.  Ms.  28636,  fol.  34  (s.  98);  in  der  4.  und  5.  atrophe 
ist  daselbst  irrtümlich  die  Überschrift;  umgesetzt,  hier  dem  sinne 
nach  geändert 


A  Robyn 

Joly  Robyn 

teil  me  how  thv  leman  doeth 

and  thou  shall  know  of  myn[!] 

my  Lady  is  unkynd  p«rde[!] 

alack  whi  is  she  so[V] 

she  loveth  an  othr  better  then  nie 

and  yet  she  will  say  no[!j 

Responce. 
I  fynde  no  such  doublenes 
I  fynde  women  true 
my  Lady  loveth  nie  dowtles 
and  will  ehaunge  for  no  newe[!] 

le  plaintif. 


Thou  art  happy  while  that  doeth  last 
but  I  save  a«  I  fvnde 
that  womens  love  is  but  a  blast 
and  torneth  like  the  wynde[!] 

[Responce.] 
But  if  thou  will  avoyde  thy  banne 
lerne  this  lessen  of  me 
at  othr  fiers  thy  seif  to  warme 
and  let  them  warme  with  the 

[le  plaintif.] 
Suche  folkes  shall  take  no  härme  by 
that  ean  abide  their  torn       [love 
But  I  alas  can  no  way  prove. 
in  love  but  lake  &  mourn. 


1  Bl.  58«  enthält  nur  noten:  bl.  54  widcrholt  das  liedchen  von  53 b; 
auf  bl.  56  steht  ein  Aue  Maria;  1)1.57»'  Possessor  huius  libelli  nuneupatur 
I>MnitiUS  Joh*""es  B[ur?|y.  —  Ich  benutze  die  gelegenheit,  auch  an  dieser 
stelle  herrn  J  Macfarlane  meinen  dank  auszusprechen  daflir,  dass  er  sich 
der  mühe  unterzog,  die  korrektur  nochmals  mit  den  mss.  zu  vergleichen. 
Seiner  gewissenhaftigkeit  verdanke  ich  die  Überzeugung,  dass  die  mit- 
geteilten texte  zuverlässig  sind. 


Lkip/Ki. 


KWALD  FlCGEL. 


ORTHOGRAPHIE  UND  AUSSPRACHE 
DER  ERSTEN  NEUENGL.  BIBELÜBERSETZUNG 

VON  WILLIAM  TYNDALE. 

Abkürzungen. 
Bücher  des  New  Testament. 

M  =  St.  Matthew.  2  Th  =  IL  Thessalonians. 

Ma  =  St.  Mark.  1  Tim  =  I.  Timothy. 

L  =  St.  Luke.  2  Tim  =  IL  Timothy. 

J  =  St.  John.  Tit  =  Titas. 

A  =  The  Acts.  Phil  =  Philemon. 

R  =  The  Epistle  to  the  Ro-      Hebr  =  Hebrews. 

mans.  Jam  =  Epistle  of  James. 

1  C  =  I.  Corinthians.  1  Pet  =  I.  Peter. 

2  C  =  IL  Corinthians.  2  Pet  =  IL  Peter. 
G  =  Galatians.  1  Joh  =  I.  John. 
E  =  Ephesians.  2  Joh  =  IL  John. 
Ph  =  Philippians.  3  Joh  =  III.  John. 
Co  =  Colossians.  Jude. 

1  Th  =  I.  Thessalonians.  Rev  =  Revelation. 


Vorbemerkung. 

Die  Übersetzung  des  neuen  Testaments  von  William  Tyn- 
dale l  ist  für  die  entwickelung  des  religiösen  lebens  in  England, 
da  sie  die  noch  jetzt  im  wesentlichen  unveränderte  grundlagc 
des  so  oft  revidierten  und  in  einer  so  grossen  anzahl  von 
exemplaren  über  die  ganze  erde  verbreiteten  englischen  Neuen 
Testaments  bildet,  von  ganz  unberechenbarer  bedeutung  ge- 
wesen. Als  wichtigstes  denkmal  der  englischen  spräche  aus 
der  ersten  hälfte  des  16.  Jahrhunderts,  vielleicht  aus  der  ganzen 


1  Cheney,  AngliaVI,  277  bemerkt:  *  Henry  Bradshaw,  M.  A.,  Univer- 
sity  Librarian,  Cambridge,  writing  in  the  Bibhographer,  Dec.  1881  shows 
that  the  translater  himself  used  the  form  Tindale  and  not  the  commonly 
accepted  orthography,  Tyndale'.    Vgl.  dazu  die  bemerkung  zu  I. 

AnglU,  XII.  band.  lg 


274  sopp, 

zeit  zwischen  Chaueer  und  Shakespeare  (s.  Marsh,  Lectures  on 
the  English  Language,  First  Series,  besonders  auch  s.  627),  das 
einen  .gewaltigen  einfluss  auf  die  englische  spräche  und  lite- 
ratur  ausgeübt  hat,  ist  sie  dazu  von  grossem  philologischem 
werte. 

Es  möchte  daher  aus  mehreren  gründen  nicht  uninteressant 
sein,  die  spräche  eines  so  einflussreichen  werkes,  auch  in  bezug 
auf  ihre  äussere  form,  einmal  einer  genaueren  betrachtung  zu 
unterziehen. 

Was  die  älteste  erhaltene  version  des  N.  T.  aber  für  die 
geschichte  der  englischen  Orthographie  und  zur  bestimmung  der 
ausspräche  im  beginne  des  10.  Jahrhunderts  neben  der  weiter 
unten  zu  besprechenden  tendenz,  phonetisch  zu  schreiben,  noch 
besonders  wertvoll  macht,  ist  der  umstand,  dass  dieselbe,  in 
Deutschland  von  leuten  gedruckt,  die  doch  wahrscheinlich  kein 
Englisch  verstanden,  den  uniformierenden  einfluss  der  englischen 
drucker  in  bezug  auf  Orthographie  nicht  zu  erleiden  hatte,  und 
dass  der  druck  daher  Tyudale's  manuskript  in  ziemlich  reiner 
form  darstellen  wird. 

Dieser  Untersuchung  liegt  zu  gründe:  The  first  New  Testa- 
ment printed  in  the  Euglish  language  (1525  or  152(3).  Trauslated 
from  the  Greek  by  William  Tyndale.  Reproduced  in  facsimile 
with  an  introduction  by  Francis  Fry,  F. S.A.     Bristol  1862. 

Ueber  Tyndale's  leben  bis  zu  seinem  aufenthalte  in  Deutsch- 
land einschliesslich,  sowie  die  beiden  ersten  drucke  seines  N.  T. 
siehe  besonders  die  vorrede  zu:  The  first  printed  English  New 
Testament.  Trauslated  by  William  Tyndale.  Photo-lithographed 
from  the  unique  fragment,  now  in  the  Greenville  Collection, 
British  Museum.    Edited  by  Edward  Arber.    London  1871. 

Die  neueste  arbeit  über  Tyndale's  leben  bietet  das  hoch- 
interessante buch  von  Rev.  J.  I.  Mombert,  D.D :  English  Version» 
of  the  Bible.  A  Hand*  Book,  with  copious  examples  illustrating 
the  ancestry  and  relationship  of  the  scveral  versions,  and  com- 
parative  tables.  London  and  New- York  1883.  Derselbe  führt 
auch  die  älteren  werke  über  denselben  gegenständ  an. 

Die  frage  nach  dem  druckorte  (das  titelblatt  fehlt  in  den 
erhaltenen  exemplareu),  als  welchen  man  früher  Marburg  an- 
sehen wollte,  entscheidet  schon  Fry  in  seiner  einleitung.  Arber 
setzt  den  leser  durch  abdruck  der  auf  die  frage  bezüglichen 
dokumente  etc.  in  den  stand,  sich  selbst  ein  urteil  zu  bilden. 


• .  ^j 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  275 

Genauer  auf  die  sache  einzugehen  ist  hier  nicht  der  ort.  Er- 
wähnt möge  nur  werden,  dass  Fry  und  Arber  als  druckort 
für  die  4°-ausgabe  des  N.  T.  Köln,  für  die  8°-ausgabe  Worms 
finden. 

Wie  eine  vergleichung  beider  drucke  lehrt,  kann  nicht 
wol  beiden  dasselbe  manuskript  zu  gründe  gelegen  haben.  Der 
text  ist  zwar,  bis  auf  ganz  geringe  abweichungen,  in  beiden 
identisch,  und  auch  die  Orthographie  ist  im  ganzen  dieselbe; 
doch  finden  sich  in  jeder  zeile  einige  kleine  abweichungen, 
wie  setzen  oder  auslassen  eines  stummen  £,  Verdoppelung  oder 
nichtverdoppelung  eines  vokals  oder  konsonauten,  i  in  dem 
einen  druck,  wo  der  andere  y  hat  etc. 

Ueber  die  quellen  von  Tyndale's  N.  T.,  insbesondere  Über 
die  frage,  wie  weit  Luther's  bibelübersetzung  benutzt  wurde, 
spricht  Mombert  a.  a.  o.  s.  93  ff.  Eine  spezielle  Untersuchung 
widmet  diesem  punkte  James  Loring  Cheney:  The  Sources  of 
Tindale's  New  Testament,  Auglia  VI,  277  ff.  Eine  kurze  liste 
jetzt  veralteter  ausdrücke  aus  dem  N.  T.  teilt  Mombert,  a.  a.  o. 
s.  148,  mit. 

Auskunft  über  die  verschiedenen  in  Amsterdam  erschienenen 
'surreptitious  editions*  des  N.  T.  gibt  Fry:  Tyndale's  Version  in 
English,  with  numerous  readings  etc.     London  1878,  4°. 

Fry  gibt  in  seiner  einleitung  auch  eine  beschreibung  der 
ausgäbe  des  N.  T.  von  1526.  Dasselbe  hat,  ausser  einigen 
unbedeutenden  abweichungen,  eine  mit  der  jetzigen  überein- 
stimmende kapiteleinteilung  und  Seitenzählung,  die  aber  an 
einigen  stellen  fehlerhaft  ist.  Obgleich  eine  einteilung  in  verse 
nicht  durchgeführt  ist,  habe  ich  eine  anführung  der  belegsteilen 
nach  kapitel  und  vers  darum  für  vorteilhafter  gehalten,  weil 
die  facsimileausgabe  von  Fry,  nur  in  177  exemplaren  gedruckt, 
die  nicht  einmal  alle  in  den  buchhandel  gekommen  sind  ('  more 
than  50  copies  are  specially  reserved  and  appropriated',  Fry, 
Introd.  p.  17),  doch  nur  selten  zugänglich  sein  dürfte,  der  Zu- 
sammenhang der  stellen  aber  in  der  besser  zugänglichen  'Eng- 
lish Hexapla'1,  welche  den  späteren,  von  T.  selbst  revidierten 
text  des  N.  T.  enthält,  sowie  für  die  evangelien  in  dem  buche 
von  Bosworth:  The  Gothic  and  Auglo-Saxon  Gospels  with  the 
versions  of  Wycliffe  and  Tyndale  in  parallel  columns.   London 


Herausgegeben  von  Bayster,  4°,  London  1841. 

18* 


276  sopp, 

1865,  welche  beide  mit  der  jetzt  gebräuchlichen  einteilung  ver- 
gehen sind,  nachgesehen  werden  kann. 

Tyndale's  Übersetzung  enthält  eine  grosse  anzahl  von  druck- 
fehlern,  was  bei  der  hast,  mit  welcher  gearbeitet  werden  uiusste, 
ja  leicht  erklärlich  ist.  Am  Schlüsse  des  bandes  ist  ein  ver- 
zeichniss  gedruckt:  'The  errours  committed  in  the  prentynge\ 
das  aber  bei  weitem  nicht  alle  druckfehler  enthält,  andrerseits 
fehler  anführt,  die  nicht  existieren  oder  ungenau  anführt.  Bei 
zweifelhaften  fällen  ist  im  folgenden  auf  die  möglichkeit,  dass 
ein  druckfehler  vorliegt,  hingewiesen. 

Mit  wenigen  Worten  werde  hier  an  die  hauptzüge  der  eng- 
lischen Orthographie  vor  dem  16.  Jahrhundert  erinnert. 

Die  altenglische  Schreibung  will  phonetisch  sein  und  ändert 
sich  daher  von  zeit  zu  zeit.  Da  jedoch  das  dem  Altenglischen 
zu  gründe  liegende  lateinische  aiphabet  nicht  für  alle  alteng- 
lischen laute  besondere  zeichen  enthielt,  so  war  die  durchfiih- 
rung  der  absieht  von  vorneherein  unvollkommen. 

Seit  dem  13.  Jahrhundert  ändert  sich  die  Orthographie  durch 
den  einfluss  von  Schreibern,  welche  des  Anglo-Normannischen 
kundig  waren,  bedeutend;  doch  blieb  die  Schreibung  im  wesent- 
lichen phonetisch.  Die  bedeutendste  abweichung  von  dem  bis- 
herigen system  war  die  beibehaltung  des  seit  der  mitte  des 
15.  Jahrhunderts  überall  verstummten  endungs-i  in  der  schritt 
Grosse  Verwirrung  kam  in  die  Orthographie  hinein  durch  das 
seit  wideraufleben  der  klassischen  Studien  aufgekommene  be- 
streben, 'etymologisch'  zu  schreiben,  d.h.  englische  Wörter  dem 
lateinischen  oder  griechischen  original  möglichst  anzugleichen. 
Dass  die  Schreibung  wenigstens  der  tendenz  nach  noch  phone- 
tisch war,  wenn  auch  den  grundlagen  nach  schon  längst  nicht 
mehr,  beweist  die  neueinfUhrung  der  zeichen  ea  und  oa  zur 
Unterscheidung  der  aus  offenem  me.  e  und  *  entstandenen  laute 
von  den  aus  geschlossenem  e  und  ö  entstandenen,  welche  man 
durch  ee  und  oo,  konsequent  aber  erst  seit  der  zweiten  hälfte 
des  16.  Jahrhunderts  bezeichnete.  In  der  definitiven  fest- 
setzung  der  Orthographie,  in  den  uniformierungsbestrebnngen 
der  drucker,  spielt  der  zufall,  die  mode  und  laune  der  setzer 
eine  grosse  rolle.1 


Skeat 


1  Genaueres  über  die  entwickeln^  der  englischen  Orthographie  8.  bei 
,  Prineiples  of  English  Etymology.    Oxford  lbb7,  Clarendon  Press. 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  277 

T.  folgt  unbewu8st  beiden  prinzipien,  dem  phonetischen 
und  etymologisierenden,  aber  keines  führt  er  konsequent  durch. 
So  erscheinen  fremde  Wörter  bald  in  alter  Schreibung,  bald  in 
'etymologisch  verbesserter1  gestalt,  und  die  beiden  neuen 
zeichen  ea  und  oa  (seltener  auch  ie)  werden  schon  häufig  an- 
gewendet, wenn  auch  nicht  immer  am  rechten  orte.  Oft  ist  es 
nicht  möglich  zu  entscheiden,  ob  eine  vorliegende  Schreibung 
historisch  tiberliefert  ist  oder  nicht,  da  die  gebräuchlichen 
Wörterbücher  hier  nicht  selten  im  stiche  lassen.  Und  selbst 
wenn  eine  orthographische  Variante  zufällig  einmal  irgendwo 
im  Me.  belegt  ist,  so  wird  meist  nicht  daran  zu  denken  sein, 
dass  T.  das  wort  auch  in  dieser  abweichenden  schriftgestalt 
gekannt  und  im  gedächtniss  gehabt  habe;  sondern  man  wird 
in  solchen  fällen  annehmen  müssen,  dass  er  in  naiver  weise 
das  ihm  vorschwebende  lautbild  zum  ausdruck  gebracht  und 
so  oft  eine  engere  Verbindung  zwischen  laut-  und  schriftzeichen 
hergestellt  habe,  als  die  gewöhnliche  Orthographie  hätte  dar- 
bieten können.  Doch  ist  das  material  ein  so  reichliches,  dass 
auch  nach  ausscheidung  der  zweifelhaften  fälle  noch  genug 
zur  bestimmung  der  ausspräche  übrig  bleibt. 

Was  die  quantität  der  vokale  anbelangt,  so  wird  länge  des 
vokals  zwar  ausserordentlich  häufig  durch  doppelschrei  bung  des- 
selben, kürze  durch  Verdoppelung  des  folgenden  konsonanten 
bezeichnet;  im  einzelnen  falle  ist  sie  jedoch  nicht  mit  Sicherheit 
zu  bestimmen,  da  nicht  gerade  selten  auch  doppelschreibung 
für  zweifellos  kurzen  vokal  und  Verdoppelung  des  konsonanten 
nach  langem  vokal  vorkommt. 

Ueber  die  betonung  romanischer  worte  ist  zu  bemerken, 
dass  die  starken  abschleifungen,  welche  die  früheren  roma- 
nischen tonvokale  in  zwei-  und  mehrsilbigen  Wörtern  erfahren 
haben  (man  sehe  Schreibungen  wie  certen,  marvel,  foreners, 
leesar,  furnes,  comen,  nurter,  socker,  faver  neben  den  histo- 
rischen certain,  marvayle,  foreigners,  leisure,  fornace,  common, 
nurture,  suckour,  favour),  keinen  zweifei  darüber  lassen,  dass 
in  der  gewöhnlichen  rede  die  germanische  betonung  schon 
lange  die  allein  giltige  war,  obgleich  die  dichter  des  16.  Jahr- 
hunderts, sogar  Spenser  noch,  häufig  die  romanische  tonsilbe  in 
romanischen  subst.  and  adj.  als  reimsilben  benutzen;  s.  Sturm- 
fels, Anglia  VIII,  205. 

Die  gefundenen  resultate  weichen  nicht  selten  von  den 


278  sopp, 

angaben  der  von  EHis *  in  seinem  0.  E.  E.  P.  s.  59  ff.  angeführten 
grammatikerzeugnisse  ab.  Dies  jedoch,  sowie  Widersprüche  der 
orthoepisten  untereinander,  kann  nicht  überraschen,  muss  im 
gegentcil  ganz  selbstverständlich  erscheinen. 

Man  bedenke,  dass  die  ausspräche  TVs,  obgleich  sieher 
schon  eine  weitverbreitete  (T.  ist  geboren  in  Gloucester,  wurde 
aber  zu  Oxford  erzogen  und  lebte  eine  Zeitlang  in  Cambridge 
und  London),  nicht  ohne  weiteres  auf  das  damalige  Englisch 
überhaupt  zu  übertragen  ist,  und  dass  T.  als  ein  mann,  der  für 
das  volk  schrieb2,  wol  eine  fortgeschrittene  ausspräche  dar- 
stellen kann,  die  erst  weit  später  allgemeine  giltigkeit  erlangte. 
Dazu  kommt,  dass  jene  orthoepisten  nicht  einfach  tatsachen  be- 
richten, sondern  teilweise  von  dem  pedantischen  Standpunkte, 
eine  musteraussprache  lehren  zu  wollen,  schreiben.  Uebrigens 
scheint  es  ja  selbst  heutzutage  nicht  in  allen  fällen  ausgemacht, 
was  als  die  'korrekte'  englische  ausspräche  zu  gelten  hat  — 
Und  wie  viel  mehr  als  heutzutage  wird  damals  noch  die  Um- 
gangssprache auch  der  gebildeten  von  dialektischen  eigentüm- 
lichkeiten  beeinfiusst  worden  sein. 

Die  zeichen  und  laute  bei  T.  sind  auf  das  Me.  zurück- 
geführt worden;  nur  wo  es  nötig  schien,  sind  auch  die  ae. 
formen  herangezogen  worden.  Hierfür  ist  Chaucer's  spräche  zu 
gründe  gelegt  worden,  im  anschluss  an  ten  Brink,  Chaucer's 
Sprache  und  Verskunst,  Leipzig  1884,  ohne  dass  damit  natür- 
lich gesagt  sein  soll,  dass  die  einzelnen  formen  bei  T.  direkt 
auf  Chaucer  zurückgingen.    Geordnet  ist  zunächst  nach  deu 


1  EHis,  On  Early  English  Pronunciation,  with  especial  reference  to 
Shakespeare  and  Chaucer  etc.  Publ.  for  the  Early  English  Text  Society. 
London  1S07,  1869,  1S71,  1674. 

3  Man  vergleiche  hierzu,  was  T.  im  jähre  15*20  in  der  hitze  des  ge- 
sprächs  einem  römischen  geistlichen  sagte:  'If  (Jod  spare  my  lifo,  ero 
many  years  I  will  cause  a  boy  that  driveth  the  plough  to  know  morc 
of  the  Script ure  than  you  do\  Angeführt  unter  anderm  von  Mouibert 
a.  a.  o.  s.  TS  ii.  lu;.  Suchte  er  vielleicht  dies  versprechen  einzulösen,  als 
er  fünfzehn  jähre  später,  vom  gefängniss  zu  Vilvorde  aus,  ein  X.  T.  mit 
ganz  eigentümlicher  Orthographie  veröffentlichte?  (Mombert  teilt  beispiele 
dafiir  mit,  a.  a  o.  s.  137).  War  diese  ausgäbe  vielleicht  für  englische  Dauern 
berechnet,  und  suchte  T.  deren  dialekt  darzustellen  V  Freilich  würde,  wie 
Mombert  s.  137  bemerkt,  die  spräche  dadurch  nicht  klarer  geworden  sein 
für  die  bauern.  Per  grund,  welchen  Weseott  und  Eadic  für  die  merk- 
würdige Schreibung  angeben  (Mombert  s.  137),  dass  'the  Hat  diphthongal 
orthography  was  due  to  the  copy  being  read  to  a  Flemish  eompositor 
who  did  not  know  English'  ist  wenig  einleuchtend.  Eine  solche  tätig- 
keit  des  setzers  scheint  doch  höchstens  denkbar,  wenn  derselbe  Englisch 
verstand. 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  279 

zeichen  bei  T.  Unter  jedem  ist  angegeben,  welchen  me.  werten 
es  entspricht.  Es  folgt  dann  aufzählung  und  besprechung  der  ver- 
schiedenen Vertreter,  die  sich  neben  dem  gewöhnlichen  zeichen 
fttr  den  betreffenden  me.  laut  bei  T.  finden,  und  endlich  das,  was 
sich  aus  der  Schreibung  etwa  für  die  ausspräche  ergibt. 


A. 

A  bei  T.  entspricht: 

1.   Me.  ä. 

Z.  b.  after  he  hadde  M  II,  3,  all  M  I,  17,  also  M  I,  1,  thou 
shalt  call  M  I,  21,  he  talketh  A  X,  27,  warne  them  Tit  III,  1, 
calves  Hebr  IX,  19,  halffe  Rev  XI,  11  u.  s.  w. 

Dafür  tritt  ein: 

au  einige  male  vor  1  +  kons.:  caidves  Hebr  IX,  12,  caulfe 
L  XV,  23,  27,  ///  dayes  and  an  haulfe  Rev  XI,  9,  L  XIX,  8; 
vor  r  +  kons.:  chaurge  M  IX,  30,  A  IV,  17.  Historisch  ist  die 
Schreibung  au  bei  keinem  der  angeführten  Wörter.  Ueber  die 
ausspräche  s.  unter  Au. 

e  selten  in  betonter  silbe:  feddoms  (=  fathoms)  A  XXVII,  28, 
beslards  Hebr  XII,  8,  meny  J  I,  12,  hed  spoken  J  XI,  43  (hed 
ist  hier  allerdings  satzunbetont).  Zuweilen  auch  vor  r  +  kons, 
in  Wörtern,  die  me.  nur  a  haben:  her  de  (heried)  R  IX,  18,  her- 
den  (not  your  her  t  es)  Hebr  1H,  15,  an  her  de  saylnge  J  VI,  60,  per- 
don  mehrmals  in  der  am  ende  des  bandes  angehängten  anrede 
4To  the  Reader  \ 

In  unbetonter  silbe  tritt  e  häufiger  statt  a  ein,  z.  b.  embas- 
seatours  L  XIV,  32,  Hebr  HI,  1,  ieoperded  A  XV,  26,  seperate 
1  Tim  VI,  5,  vnreasoneble  A  XXV,  27  u.  s.  w. 

An  sonstigen  Vertretern  kommen  ausnahmsweise  noch  vor: 

o  in  olso  Co  II,  13,  domage  A  XXVII,  10.  Im  erstem  falle 
steht  o  statt  des  häufigeren  au,  im  zweiten  liegt  wol  an- 
gleich ung  an  die  französische  form  vor.  In  unbetonter  silbe: 
obout  M  XXI,  33,  musicions  Rev  XVIII,  22,  saboth  M  XII,  2, 
sabot  M  XII,  1  u.  o.,  visicion  M  IX,  12;  das  wort  kommt  in 
dieser  Schreibung  auch  im  Me.  vor.  Bei  T.  hat  es  immer  die 
jetzige  bedeutung,  während  es  nach  Skeat,  E.D.1  zu  Cotgrave's 


1  Skeat,  An  Etymological  Dictionary  of  the  English  Language.   II.  ed. 
Oxford,  Clarendon  Press,  18S4. 


280  sopp, 

zeit  a  more  'learned'  meaning  hatte  und  'a  naturall  philosopher' 
bedeutete. 

i  einmal  in  testiment  Rev  ende.  Schwanken  zwischen  a 
und  e  wie  im  Me.  zeigen  lo  wax  und  to  wash.    So  steht  z.  b. 

a:  waxe  Ma  XIV,  33,  wasshed  A  XVI,  33; 

e:  wexed  derke  Rev  XVI,  10,  wesshe  L  VII,  38. 

Das  mehrmalige  eintreten  von  e  für  historisches  a  (einmal 
findet  sich  auch  a  für  e  in  betonter  silbe,  s.  E  1)  dürfte  be- 
weisen, dass  ä  schon  keinen  reinen  a-laut  mehr,  sondern  einen 
zwischen  a  und  e  liegenden,  einen  se-laut  bezeichnete.1  Die 
von  Ellis  in  seinem  0.  E.  E.  P.  angeführten  orthoepisten  geben 
allerdings  einen  andern  lautwert  an.  Nach  ihnen  schreibt  Ellis 
kurzem  und  langem  a  für  das  16.  Jahrhundert  noch  reinen  a-laut 
zu,  der  gegen  ende  der  periode  einen  helleren  klang  erhielt 
(a.  a.  o.  s.  65).  Palsgrave's  worte  sind  (s.  59):  'The  soundyng 
of  a,  whiche  is  most  generally  vsed  through  out  the  frenche 
tonge,  is  such  as  we  vse  with  vs,  where  the  best  euglysshe 
is  spoken,  whiche  is  lyke  as  the  Italians  sounde  a,  or  they 
with  vs,  that  pronounce  the  latine  tonge  aryght'.  Ellis  fügt 
hinzu:  4The  reference  to  Latin,  as  pronounced  "aryght"  ought 
to  imply  the  existence  of  an  other  English  pronunciation  in 
common  use,  which  was  not  a.  This  wrong  pronunciation  we 
have  no  means  of  eliciting'.  Die  'falsche'  ausspräche  muss 
aber  doch  jedenfalls  zwischen  a  und  e  liegen;  denn  ä  hatte 
das  bestreben,  palatal  zu  werden2,  und  der  umstand,  dass 
leute,  welche  Latein  sprechen,  die  ' falsche'  ausspräche  haben, 
beweist,  dass  dieselbe  nicht  nur  eine  dialektische  eigentüm- 
lichkeit  gewesen  sein  kann,  sondern  in  derselben  gesellschaft 
neben  der  andern  ausspräche  bestand,  in  ungezwungener  Unter- 
haltung vielleicht  die  gewöhnliche  war.    Sweet,  der  sich  in  der 


1  e  als  Vertreter  für  a  kommt  allerdings  cur  vor  d,  n  und  s  vor 
(ausserdem  vor  r,  wo  es  sich  aber  in  anderer  richtung  weiter  entwickelt 
hat),  also  vor  dentalen.  Da  sich  aber  zeigt,  dass  ä  und  ä  qualitativ  nicht 
merklich  verschieden  gewesen  sein  können,  und  ä  jedenfalls  einen  »-laut 
bezeichnete,  da  ausserdem  die  gleichzeitigen  orthoepisten  eine  von  der 
gewöhnlichen  verschiedene  ausspräche  des  ä  vor  dentalen  nicht  kennen, 
so  ist  wol  die  obige  annähme  einer  mehr  palatalcn  ausspräche  für  sämmt- 
liche  ä  gerechtfertigt. 

2  Nach  Hoofe,  Engl.  Stud.  VIII,  s.  209  ff.,  der  hier  eine  ansieht  von 
Möller  vertritt,  hätte,  entgegen  der  ansieht  von  Ellis  und  Sweet,  ae»  & 
seinen  lautwert  im  Ne.  behalten  und  ao.  ä  wäre  zu  tv  geworden,  so  dass 
also  der  ne.  a?-laut  direkt  aus  dem  Ae.  stammen  würde.  Vgl.  hierzu 
Fischer,  Anglia  XI,  17ü. 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  281 

ersten  aufläge  von  A  H.  of  E.  S.  an  Ellis  anschliesst,  kommt  in 
der  zweiten1  zu  dem  Schlüsse:  lOn  the  whole  it  seems  safest 
to  assume  that  f.  Mn.  (1500 — 1600)  a  had  been  fronted,  —  cer- 
tainly  as  far  as  (a  in  dän.  mane),  and  probably  as  far  as  oe  — 
in  the  London  dialect,  bat  that  the  tradition  of  the  older  a 
(wie  in  father)  was  still  kept  up  by  the  influx  of  provincial 
Speakers,  so  that  the  two  sounds  really  existed  side  by  side' 
(a.  a.  o.  s.  211). 

Einen  ae-laut  muss  T.  auch  in  den  angeführten  Wörtern 
vor  r  +  kons,  gesprochen  haben.  Vorhergehendes  w  übt  auf 
die  ausspräche  des  a  noch  keinen  einfluss  aus,  wogegen  vor 
/  +  kons,  modifikation  des  lautes  stattfindet.    S.  Au  1. 

2.  Me.  ä. 

Z.  b.  to  take  M  I,  20,  shall  save  M  I,  21,  water  M  III,  11, 
name  M  I,  21,  father  M  III,  9,  translate  A  VII,  43  u.  s.  w. 

In  unbetonter  silbe:  bondage  R  VII,  6,  linage  L  II,  4,  tres- 
paseth  L  XI,  4,  fornace  Rev  I,  15;  daneben  auch  furnes  M 
XXIII,  42,  50.    Ausnahmsweise  tritt  für  hochbetontes  ä  ein: 

ay  in  prepayred  2  Tim  II,  21; 

ea  in  bad  them  feare  rvele  A  XXVIII,  21. 

Kurzes  und  langes  a  können  qualitativ  nicht  wesentlich 
von  einander  verschieden  gewesen  sein.  Es  ist  also  auch  für 
ä  ein  ae-laut  anzusetzen,  auf  den  auch  die  Schreibungen  ay  und 
ea  für  a,  sowie  von  a  für  ai  und  den  aus  me.  £  entstandenen 
laut  hindeuten ;  s.  Ai  2  und  E  4.  Die  genauere  nüance  dieses 
lautes  aus  den  Schreibungen  festzustellen,  ist  nicht  möglich. 
Von  vorneherein  ist  eigentlich  zu  erwarten,  dass  er  nicht  so 
weit  nach  e  hin  liegt,  als  die  eben  erwähnten  Verhältnisse 
anzudeuten  scheinen. 

3.  Me.  e  vor  r  +  kons.,  für  das  auch  schon  im  Me.  zuweilen 
a  eintritt    T.  braucht  hier  a  und  e  promiscue. 

a:  darcknes  L  I,  79,  darknes  Ma  XV,  33  u.  o.,  harvest  L  X,  2, 
hath  sparsed  2  C  IX,  9,  marvelous  2  Tes  1, 10,  garlonds  A  XIV,  13, 
no  marvayle  2  C  XI,  14,  marchaunt  M  XIII,  45,  parfect  Hebr  V,14, 
partayne  Hebr  X,  39,  parson  Co  II,  1  (ne.  person)  u.  s.  w. 

e:  derknes  M  IV,  16.  VI,  23,   hervest  M  IX,  37,  derlinge  M 


1  Sweet,  A  Ilistory  of  English  Sounds  from  the  Earliest  Period  with 
fuü  worcl-lists.    Oxford,  Clarendon  Press,  1888. 


282  sopp, 

XII,  13,  ferme  L  XIV,  18,  herberous  Tit  1, 8,  mervelous  M  XXI,  42, 

perfaict  1  C  I,  10,  person  1  C  XII,  17. 

Anm.  In  Wörtern,  welche  auf  r  nach  betontem  vokal  auslauten,  steht 
nur  (i,  z.  1).  starre  M  II,  2,  farre  M  XV,  S.  XXVI,  58,  worr«?  Ma  XIII,  7. 

In  unbetonter  and  ableitungssilbe  wechselt  ebenfalls  a 
mit  e.  Die  festsetzung  des  gebrauchs  in  der  Schreibung  eines 
hierhergehörigen  Wortes  seit  dem  17.  Jahrhundert  beruht  auf 
blossem  zufall. 

a:  abusars  1  C  VI,  9,  bryars  Hebr  VI,  8,  desart  Hebr  III,  17, 
diligmtliar  Ph  II,  28,  evylldoars  L  XXIII,  33,  easiar  M  XI,  24, 
lawears  L  XI,  45,  quartars  Tes  I,  8,  sorserar  A  XIII,  8  u.s.w. 

e:  alters  11X1,3,  begger  L  XVI,  20,  ioylers  M  XVIII,  34,  par- 
ticulerly  Hebr  IX,  5,  singuler  M  V,  47,  veneger  L  XXIII,  36  u.  s.  w. 

Das  rae.  e  vor  r  +  kons.  in  betonter  silbe,  auf  dem  wege 
zum  reinen  a-laute,  muss  bei  T.  einen,  vielleicht  mit  dem  aus 
nie.  ä  entstandenen  identischen  aj-laut  gehabt  haben.  Von  der 
im  jetzigen  Englisch  hervorgetretenen  Spaltung  dieses  lautes  in 
romanischen  Wörtern  (garland,  marvei,  sergeant  etc.  mit  aa 
(Sweet),  person,  merchant  etc.  mit  9d)  findet  sich  noch  keine 
andeutung.  Ueber  die  erwähnte  erscheinung  siehe  Sturmfels, 
Auglia  VIII,  245.  Nach  der  Schreibung  zu  urteilen,  scheint  der 
vokal  in  Wörtern  wie  star  u.  s.  w.  schon  weiter  nach  a  hin 
fortgeschritten  zu  sein,  da  es  bei  dem  häufigen  vorkommen 
dieser  Wörter  wol  nicht  zufällig  sein  kann,  dass  sie  nie  mit  e 
geschrieben  werden. 

In  unbetonter  silbe  muss  ebenfalls  zwischenlaut  zwischen 
a  und  e  gesprochen  worden  sein. 

Ai,  Ei,  bezw.  Ay,  Ey.    (S.  die  bemerkung  zu  I.) 

Obgleich  bei  Chaucer  die  beiden  zeichen  ai  und  ei  (bezw.  ay 
und  cy)  schon  nicht  mehr  scharf  auseinander  gehalten  werden 
und  in  der  ausspräche  jedenfalls  schon  zusammengefallen  waren 
(s.  teu  Hriuk  §  10),  so  scheide  ich  im  folgenden  doch  zwischen 
ursprünglichem  ai  und  ei,  da  sich  so  am  besten  zeigen  wird, 
dass  für  die  spräche  T/s  von  einer  Scheidung  der  ausspräche 
von  ai  und  ei,  welche  von  einigen  orthoepisten  der  zeit  (Ellis, 
0.  E.  E.  l\  s.  lls  ff.)  verlangt  wird,  keine  rede  sein  kann. 

Ai  und  ei  werden  ohne  unterschied  zur  bezeichnnng  des 
aus  ai  und  ei  entstandenen  lautes  gebraucht. 

Ai  (ay)  entspricht: 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  283 

1.  altem  ai,  meist  aus  ae.  ce%,  in  frz.  Wörtern  ai,  entstanden, 
z.  b.  daye  A  1, 1,  chaynes  A  XII,  6,  kayes  R  1, 18,  ae.  kceg,  kcege. 
Das  wort  scheint  damals  noch  nicht  in  der  ausspräche  von 
den  Wörtern  abgewichen  zu  sein,  mit  denen  es  ursprünglich 
gleichen  vokal  hatte,  wie  day  aus  dag.  slayne  A  XII,  52,  saynts 
R  VIII,  27,  Sainct  John  J  XX,  ende,  u.  s.  w. 

In  unbetonter  silbe:  a  Romain  M  XXII,  25,  captayne  A 
XXIII,  17,  to  counterfaite  1  C  IV,  16,  me.  countrefet,  counter- 
faited  Tes  I,  6  u.  s.  w. 

Derselbe  laut  wird  häufig  durch  ei  ausgedrückt,  z.  b.:  the 
cheynes  A  XII,  7,  many  deyes  A  XVI,  18,  fallen  in  dekey  A  XV,  16, 
reyment  M  XXVII,  31,  sley  A  XI,  7  u.  s.  w. 

In  unbetonter  silbe:  chamberlein  A  XII,  20,  she  traveylelh 
J  XVI,  21  u.  s.  w. 

Als  Vertreter  für  dieses  zeichen  kommen  vor 

a:  sanctes  R  I,  7.  XV,  26,  sancts  R  XXV,  31,  1  C  VI,  1, 
Romans  A  XVI,  37.  Diese  formen  sind  wol  auf  rechuung  der 
etymologisierenden  Schreibung  zu  setzen,  the  travallynge  Th 
V,  3,  travallinge  Rev  XII,  2. 

e:  a  man  slear  1  Joh  III,  15,  to  slee  A  IX,  29,  Rev  IX,  15, 
me.  sleen,  slee,  ae.  slian,  slagan;  travelest  G  IV,  27. 

Unbetont:  counterfet  Hebr  XIII,  7. 

oy:  ioylers  M  XVIII,  34,  ioylar  L  XII,  58,  ioyler  A  XVI,  23. 
Chaucer  hat  gailer.  Die  ne.  form  gaol,  auf  afrz.  gaole  zurück- 
gehend, kommt  bei  T.  noch  nicht  vor.  Phonetisch  ist  das 
zeichen  oi  bei  T.  wol  kaum  gemeint. 

2.  altem  ei,  z.  b.:  againe  Ma  II,  1,  against  J  XIII,  29,  the 
ayghth  Rev  XVII,  11,  contayned  Hebr  II,  15,  consaytes  R  XI,  25 
(vgl.  zu  dem  betonten  vokal  in  diesem  worte  Sturmfels,  Anglia 
VIII,  251),  fayne  L  XX,  20,  fayned  things  L  XXIV,  11,  laye 
hnndes  Tim  V,  22,  laye  A  XXVI,  5,  G  I,  14  =  lawe,  religion, 
kommt  nach  Kitchin,  Spencer's  Faery  Queen  II,  271  in  dieser 
form  auch  bei  Chaucer  vor.  Nach  Morris  und  Skeat,  Sp.  of 
E.  E.1  wahrscheinlich  von  frz.  lei,  rather  than  the  cognate  as. 
lagu;  raigne  L  III,  1  (me.  regne),  rayne  M  II,  22,  Ma  X,  42, 
strayghtrvaye  Ma  I,  18,  thaye  be  Co  III,  15,  vayle  Hebr  VI,  19, 
tvayght  J  XIX,  39,  2  C  IV,  17,  awaye  Ma  VI,  45  u.  s.  w. 


1  Morris  and  Skeat,  Specimens  of  Early  English;  with  Introdnction, 
Notes  and  Glossarical  Index.    Oxford,  Clarendon  Press,  1873. 


284  sopp, 

In  unbetonter  silbe:  certain  Ma  XIV,  57,  counsayle  M 
XXVII,  1,  Hebr  VI,  17,  no  marvayle  2  C  XI,  14,  marvayle  nott 
J  III,  7.  V,  28  a  perfaicte  man  (bei  Chaucer  parfit  und  perfit) 
A  XI,  24,  R  XII,  2,  per  faxt  2  C  VIII,  8.  XII,  9.  Auch  bei  diesem 
worte  hat  die  etymologische  Schreibung,  wie  in  so  vielen  andern 
fallen,  auf  die  ausspräche  eingewirkt. 

Fast  ebenso  oft  wird  dieser  laut  durch  ei  bezeichnet,  z.  b.: 
ageyne  M  II,  12.  XII,  44,  ageynste  Ma  III,  24,  M  XVI,  18  u.  o., 
conteynynge  A  I,  12,  deyntie  Rev  XVIII,  14,  feyth  Tim  VI,  10, 
leyde  Ma  XIV,  46,  leyd  L  III,  9,  20,  maynteyners  M  V,  7,  or- 
deined  Ma  III,  14,  perteyned  L  V,  3,  preysed  M  VI,  2,  reyment 
M  XXVII,  31,  reyse  Ma  XII,  19,  receypte  Ma  II,  14,  reygned 
Rev  XX,  4,  L  III,  8,  streight  waye  A  IX,  20,  their  (nie  mit  ai) 
M  IV,  20  u.  o.,  der  bedeutung  nach  me.  here,  hir  entsprechend, 
formen,  die  bei  T.  nicht  mehr  vorkommen;  uwey  Ma  VI,  46. 

Unbetont:  certeyne  M  IX,  3,  Ma  II,  5,  counseill  A  V,  34,  they 
tnarveylled  A  IV,  13,  fherveyle  Ma  V,  20,  murveylously  M  II,  10 
u.  8.  w.  Ueber  die  tonlose  silbe  in  diesen  Wörtern  im  Me.  s. 
Sturmfels,  Anglia  VIII,  259. 

Als  Vertreter  dafür  kommen  vor 

a:  agane  M  XVII,  26,  Ma  X,  34,  L  XVII,  18,  fath  1  Th 
III,  5,  percaved  A  XXIII,  6,  we  saled  A  XXVII,  7.  Sehr  häufig 
wird  einfaches  a  statt  ai  geschrieben  vor  der  participialendung 
-big,  z.  b.  sainge  M  I,  20,  saynge  M  I,  22.  II,  2.  VIII,  13,  betra- 
ynge  M  XXVII,  4  u.  s.  w.  Regelmässig  mit  ai,  z.  b.  sayinge  M 
XIII,  3.  XVI,  7,  13. 

ae:  we  despaered  2  C  I,  8,  saeth  L  III,  4. 

e:  agenst  M  XII,  25,  26.  XV,  4.  XVIII,  15,  agenste  M 
XXVII,  61,  L  XVII,  4,  lefull  M  XII,  12,  or  den  1  C  VII,  17,  or- 
dened  L  XIV,  16,  A  X,  41,  in  there  season  L  I,  20,  ffor  there 
moche  bablyngs  sake  M  VI,  7,  shulde  desceve  Rev  XIX,  3,  /  re- 
ceve  J  V,  41,  A  IX,  17. 

Unbetont:  certente  L  I,  4,  certen  A  XI,  5,  foreners  E  II,  19, 
marvelled  J  IV,  27,  mone  Ma  XII,  16,  perfct  Co  III,  12,  vnpar- 
fectly  1  C  XIII,  12. 

ea:  despeare  z.  10  der  anrede  T.  t  R.,  realings  1  Tim  VI,  4^ 
conceaved  M  I,  20,  perceaved  Ma  II,  8,  ieasur  Ma  VI,  81. 

ee:  leesar  Ma  III,  20. 

oy:  broyded  heare  1  Petr  111,3,  me.  braiden,  breiden,  ae. 
bregdan. 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  285 

y:  agynste  M  X,  21,  iornyed  L  X,  33,  me.  iornee,  jorneie, 
had  lyne  J  XI,  17.  Vielleicht  liegen  hier  druckfehler  vor.  Die 
Schreibungen  pryer  M  XVII,  21,  pryeth  1  C  XI,  5,  me.  preien, 
afrz.  preier,  sind  wol  durch  das  nfrz.prier  veranlasst. 

Die  orthoepisten  des  16.  Jahrhunderts  (Ellis,  0.  E.  E.  P. 
s.  118  ff.)  verlangen  eine  deutliche  diphthongische  ausspräche 
von  ai  und  ei.  Nur  Hart  (1569)  gibt  als  ausspräche  langes  e  an 
und  erwähnt  ai  und  ei  nicht  unter  seinen  diphthongen.  Ellis 
kommt  (a.  a.  o.  s.  124)  zu  dem  Schlüsse,  dass  zu  ende  des  Jahr- 
hunderts die  ausspräche  ee  die  allgemeine  war,  cthough  some 
Speakers  insisted  on  pronouncing  ai\ 

Das  nicht  seltene  eintreten  von  a,  e  und  ea  für  ai  und  ei, 
sowie  dieser  zeichen  flir  a  und  den  aus  me.  f  entstandenen 
laut  (s.  A  2  und  E  4)  beweist  einerseits,  dass  T.  einen  auf  dem 
wege  zur  monophthongierung  schon  weit  fortgeschrittenen,  von 
einem  monophthongen  kaum  zu  unterscheidenden  laut,  viel- 
leicht schon  einfachen  vokal  sprach,  und  anderseits,  dass  der- 
selbe ein  %-laut  gewesen  oder,  wenn  noch  diphthongisch,  einem 
solchen  doch  sehr  nahe  gekommen  sein  muss.  There  und  their, 
adv.  und  pron.,  lauteten  schon  gleich. 

In  der  zweiten  silbe  von  certain,  marvayle,  conseil  u.  s.  w. 
wurde  wahrscheinlich  schon,  neben  der  volleren  ausspräche 
(wie  bei  den  gleichzeitigen  dichtem),  auch  unbestimmter  vokal 
gesprochen. 

Au,  Aw.    (S.  die  bemerkung  zu  U.) 

Au  (aw)  entspricht: 

1.  Me.  au  in  romanischen  Wörtern  vor  mb,  nc,  ng,  nd,  nt,  mit 
a  wechselnd.  Nach  ten  Brink  §  70  bezeichnete  dasselbe  wahr- 
scheinlich einen  dunkeln  a-laut,  nach  Ellis  jedoch  einen  diph- 
thong  au.  Sturmfels,  Anglia  VIII,  239  will  ein  '  dunkles  a  mit 
fakultativ  nachhallendem  kurzem  und  flüchtigem  u'  sprechen. 
Auch  bei  T.  herrscht  schwanken  in  der  Schreibung,  so  jedoch, 
dass  au  noch  bedeutend  überwiegt. 

au:  rvhat  avauntageth  R  III,  1,  the  braunches  R  XI,  16  u.  o., 
it  chaunsed  A  IV,  5,  commaundement  L  XXIII,  56,  daunger  Tit 
III,  3,  daunsed  M  XI,  17,  gravnte  Rev  III,  21,  haunted  J  XI,  54, 
launched  forth  A  XXI,  1,  raunsom  1  Tim  II,  6,  strawngers  A 
XIII,  17  u.  s.  w. 

In  unbetonter  silbe:  abundaunce  M  VII,  27,  acquayntaunce 


286  sopp, 

L  XXIII,  49,  aperaunce  J  VII,  24,  countenaunce  M  XXVIII,  3, 
ignoraunce  A  111,  17,  marchaunt  M  XIII,  45,  remnaunt  R  IX,  27, 
servaunt  M  VIII.  8,  tyraunt  Tim  I,  13  u.  8.  w. 

a:  changed  L  IX,  29,  /Äe  changers  money  J  II,  15,  comman- 
dements  Ma  VII,  7,  lanched  L  VIII,  22,  A  XXVII,  4,  maw^r  L 
II,  7,  strangers  E  II,  19,  a  stranger  A  VII,  29  u.  s.  w. 

In  unbetonter  silbe:  aboundant  2  C  VII,  15.  XI,  23  ignorant 
1  C  XIV,  38,  ignoraacy  E  IV,  18,  1  Petr  I,  14,  inquyrance  A 
X,  17,  sufferance  R  11,  4,  temper ancy  6  V,  23  u.  8.  w. 

2.  Mc.  aw,  das  wie  ai  aus  verschiedenen  älteren  lauten 
entstanden  ist;  z.  b.:  bratvlings  Tit  III,  9,  daunynge  Ma  XIII,  35, 
/7«/r£  ö^*  wynde  A  XXVII,  14,  /ö  /a/rrfe  L  XIX,  37,  lawght  Ma 
V,  40,  lauf ull  Ma  III,  4,  satve  L  VIII,  28,  taught  L  XX,  1  u.  s.  w. 

Ein  Vertreter  für  dieses  zeichen  kommt  nicht  vor;  es  ist 
somit  das  einzige,  welches  konsequent  gebraucht  wird. 

Nach  den  Zeugnissen  der  orthoepisten  schreiben  Ellis  und 
Sweet  filr  das  IG.  Jahrhundert  dem  unter  1.  und  2.  besprochenen 
au  den  diphthongischen  lautwert  au  zu.  Denselben  laut  soll  auch 
a  (au)  vor  /  +  kons,  gehabt  haben.  Für  den  aus  me.  diphthong 
au  entstandenen  laut  scheint  diese  ausspräche  gewiss.  Anders 
für  die  mit  a  wechselnden  au.  Die  Schreibungen  olso  statt 
also  (aulso)  und  saufte  für  soft  (s.  unter  0  2)  sind  zwar  zu  ver- 
einzelt, als  dass  man  aus  ihnen  einen  schluss  auf  eine  monoph- 
thongische ausspräche  des  mit  a  wechselnden  au  ziehen  dürfte. 
Die  zweimalige  Schreibung  au  in  Charge,  wo  au  doch  wol  nur 
dazu  dienen  kann,  anzudeuten,  dass  hier  vor  r  nicht  der  ge- 
wöhnliche a)-laut  des  a  gesprochen  werden  soll,  berechtigt  aber 
vielleicht  doch,  zusammen  mit  den  obigen  formen,  zu  der  an- 
nähme, dass  T.  in  diesen  fällen  nicht  wirklichen  diphthong, 
sondern  einen  von  reinem  a  nur  wenig  verschiedenen  dunklern 
a-laut  gesprochen  habe,  ein  laut,  der  sonst  bei  T.  ganz  fehlen 
würde.  Man  mtisste  in  diesem  falle  allerdings  annehmen,  dass 
entweder  zwei  aussprachen  nebeneinander  bestanden,  oder  dass 
sich  die  orthoepisten  bei  ihren  angaben  durch  das  Schriftbild 
haben  bestimmen  lassen,  wie  das  ja  auch  jedenfalls  bei  ihren 
angaben  über  ei  und  ai  geschehen  ist. 

Anm.  Uebcr  die  ausspräche  des  au  in  romanischen  Wörtern  vor 
nge  bemerkt  Ellis  I,  s.  190:  'In  the  combination  nge%  although  we  have 
the  m  inserted  in  Chancers  tinie,  a  peculiar  thinness  seems  to  have  been 
introduced  by  the  yc,  for  Salesbury  gives  Oranges,  oreintsys,  and  Butler 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  287 

says  that  before  nge,  a  is  pronounced  as  ai,  or  occasionally  (ce\  as  in 
change,  ränge,  danger,  stranger,  words  which  retain  the  evidence  of  this 
pronunciation  in  the  modern  form7.  Ob  dies  auch  für  T.  gilt,  scheint 
zweifelhaft. 

E. 

E  bei  T.  entspricht: 

1.  Me.  e,  z.  b.:  bredth  and  length  E  III,  18,  brest  L  XVIII,  13, 
densed  L  VII,  22,  erth  M  V,  5,  13,  helth  A  XIII,  26,  to  herken 
A  XII,  13,  hert  M  XIII,  15,  hedlynge  Ma  V,  13,  lernynge  Rev 
II,  24,  left  L  XI,  42  (im  Me.  neben  lefte  und  left  auch  lafte 
und  laft),  is  redde  2  C  III,  15,  selves  M  XII,  34,  serched  Ma 
VI,  38,  shepherds  Hebr  XIII,  20,  when  he  was  sei  M  V,  1,  rvelth 
R  XIII,  4,  the  vermen  A  XXVIII,  5,  pl.  von  worin,  wie  im  Ne. 
neben  tvormes]  then  M  III,  11,  L  X,  12,  14  u.  o.;  schon  im  Me. 
schwankt  der  gebrauch  in  der  anwendung  von  ihenne  und 
thonne,  die  beide  ohne  unterschied  in  der  bedeutung  tum  und 
quam  gebraucht  werden.  Bei  T.  steht  immer  then  in  beiden 
bedeutungen. 

Das  ne.  any,  für  das  -sich  me.  die  formen  cenig,  ceni,  ani, 
oni,  etü  finden  (vokalquantität  schwebend  nach  t.  Br.)  erscheint 
bei  T.  fast  immer  als  eng,  so  M  V,  23,  40.  VII,  9  u.  o.  T.  sprach 
also  den  betonten  vokal  jedenfalls  als  e,  während  Bullokar 
(1580)  die  ausspräche  ani  gibt.    Ellis,  0.  E.  E.  P.  s.  881. 

Me.  shutten,  shitten,  shelten,  ae.  scyttan,  erscheint  meist  mit 
e,  z.  b.:  shet  M  XXV,  10,  L  IV,  25,  shetteth  vppe  1  Joh  III,  17, 
shett  L  XIII,  25.  Daneben  kommt  es  aber  auch  mit  u  vor:  shutt 
J  XX,  19,  shut  A  V,  23.  Cheke  1550  (Ellis,  0.  E.  E.  P.  s.  903) 
gibt  als  ausspräche  schit.  Es  scheinen  also  damals  noch  meh- 
rere aussprachen  nebeneinander  bestanden  zu  haben. 

Sehr  häufig  wird  auch  ea  für  diesen  laut  geschrieben,  z.  b.: 
he  ceased  L  XX,  11,  me.  cessen.  T.  scheint  schon  langen  vokal 
gesprochen  zu  haben,  dealte  L  II,  48,  R  XII,  3,  earbes  R  XIV,  2, 
health  2  C  VI,  2,  A  III,  16,  hearde  L  X,  24.  XII,  3,  ieamynge  R 
XV,  4,  /  meante  1  C  V,  10,  meant  L  IX,  45,  A  X,  17,  me.  mente, 
menl  (bei  Chaucer  gewöhnlich)  neben  moende,  tuende,  mened, 
preace  Ma  II,  4.  V,  27,  L  V,  19,  preased  Ma  III,  10,  L  V,  1,  me. 
pressen,  searche  J  V,  39,  treaspases  M  VI,  12.  XVIII,  35,  stvearde 
M  X,  34,  srveardes  M  XXVI,  47  u.  s.  w. 

Von  sonstigen  Vertretern  kommen  vor: 

a  vor  r:  the  toune  clarke  A  XIX,  35,   /  harde  Rev  XV,  1. 


288  sopp, 

XII,  10,  harken  Jam  II,  5,  harkened  A  V,  37,  harts  2  C  III,  15, 
parelous  2  Tim  III,  1,  parrels  2  C  XI,  26,  parell  R  VIII,  35. 
Ausserdem  traspaseth  L  XI,  4.  T.  scheint  also  in  den  ange- 
führten Wörtern  vor  r  einen  ae-laut  gesprochen  zu  haben. 

ee  ziemlich  häufig.  Dies  zeichen  für  kurzen  vokal  ist 
auffällig.  Doch  zeigt  sich  auch  sonst  Vorliebe  flir  doppel- 
schreibungen:  beed  Rev  11,22,  beedds  Ma  VI,  55,  deepth  Ma 
IV,  5,  heerd  M  VIII,  31,  Ma  V,  11,  fleed  Rev  XII,  6,  M  VIII,  33, 
lecd  L  XXI,  24,  leefl  L  XX,  31  (verb),  neet  M  IV,  18,  peersed 
htm  Rev  I,  7,  is  seet  1  C  X,  27,  sheed  L  XI,  50,  theefte  MXV,  19, 
weept  L  VIII,  52  u.  s.  w.  Es  wird  ee  also  sowol  bei  folgendem 
stimmhaftem  als  stimmlosem  konsonant  geschrieben. 

ey  einmal  in  streyngthe  (strength)  1  C  XV,  56. 

i  sehr  oft:  benivolence  2  C  VIII,  6,  cuppe  of  blessinge  which 
we  blysse  1  C  X,  16,  blyssynge  Rev  V,  12,  blyssinge  Rev  V,  13, 
to  blysse  A  III,  26.  Vielleicht  liegt  bei  diesen  Wörtern  eine  Ver- 
wechselung mit  me.  b/is,  ne.  bliss  vor.  lyft  M  XX,  23,  lifte  M 
XX,  21.  Das  wort  (adj.)  kommt  auch  schon  me.  in  dieser  form 
vor.  br Uhren  Ma  III,  31,  silfe  M  V,  24,  33.  IX,  21,  thysüf  M 
VIII,  4,  thysylfe  M  IV,  6,  sylfe  M  XII,  25,  trimblynge  L  VIII,  47, 
(rymblynge  2  C  VII,  15,  tvhither  we  tvake  Tes  V,  10,  rvhilher  he  be 
J IX,  25,  whyther  M  XXVII,  49,  lypper  M  XI,  5,  vyssels  M  XXV,  4. 

Statt  des  gewöhnlichen  her  kommt  auch  noch  historisches 
hyr  vor:  L  II,  19,  Rev  XVI,  19. 

Noch  weit  häufiger  steht  i  statt  e  in  unbetonter  silbe,  be- 
sonders in  der  Substantiv-  und  verbalflexion,  z.  b.:  intreated  A 
XII,  19,  insample  2  Tes  III,  9  (gewöhnlich  ensample\  mchant- 
ment  Rev  XVIII,  23,  to  inioyne  A  XV,  5,  bitrvixt  A  XXVII,  33, 
bitwene  L  XI,  51,  disceaved  J  VII,  47,  diffyle  Ma  VII,  15,  enimys 
L  1,  71,  opyn  Rev  XII,  2,  chosyn  A  XV,  22,  evyn  Rev  II,  13, 
eatyn  A  XII,  23,  spokyn  L  II,  34,  hevin  (heaven)  Ma  XI,  30, 
hevyn  A  XI,  5,  lynnyn  clothe  A  XI,  5,  hondis  L  I,  71,  jewis  Ma 
XV,  26,  placis  A  XXIV,  3,  agreith  A  XV,  15,  ceasith  A  VI,  1», 
drarvith  L  XXI,  28,  apperyd  A  IX,  17,  namyd  A  IX,  33  u. B.w. 
Aus  dem  Wechsel  von  e  und  /  in  den  flexionssilben  es  und  ed, 
der  auch  im  Me.  häufig  ist,  ist  wol  zu  entnehmen,  dass  der  un- 
betonte vokal  hier  noch  in  weiterem  umfange  gesprochen  wurde 
als  heutzutage.     Dasselbe  gilt  von  der  endungssilbe  -en. 

o:  folow  M  XVIII,  33,  folowe  L  XXIII,  2  (me.felawe,  ne. 
fellotv),    throsshelh  IC  IX,  10,    forvent  2  C  VII,  11,    bro  Ihren 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  289 

J  XX,  17.  Hier  steht  o  in  analogie  zum  sing.,  in  folow  viel- 
leicht durch  das  o  der  zweiten  silbe  veranlasst.  In  forvent 
könnte  es  vielleicht  schon  eine  besondere  ausspräche  des  e  vor 
r  +  kons,  bezeichnen.  Historisches  e  fehlt  einmal  in  unbetonter 
silbe  vor  r:  emprour  A  XI,  28. 

e  in  geschlossener  silbe  wird  denselben  laut  gehabt  haben 
wie  im  Me.  und  Ne.  Das  häufige  eintreten  von  i  für  dieses  e 
(8.  auch  I  1)  beweist,  dass  die  tendenz,  e  wie  i  zu  sprechen, 
welche  Ellis,  0.  E.  E.  P.  s.  976,  aus  reimen  und  Wortspielen 
Shakespeare's  konstatiert  und  die  nach  ihm  im  17.  und  18. 
Jahrhundert  allgemein  wurde,  schon  im  anfange  des  16.  Jahr- 
hunderts vorhanden  war. 

2.  Me.  £,  das  mit  a  vor  r  +  kons,  wechselt,  s.  unter  A  3. 

3.  Me.  e.  Die  bezeichnung  des  dem  me.  e  entsprechenden 
lautes  schwankt  zwischen  e,  ea  und  ee.  Am  häufigsten  ist  e\ 
einzelne  Wörter  haben  jedoch  meist  ea,  andere  meist  ee,  wol 
daher,  weil  bei  der  häufigkeit  ihres  Vorkommens  die  einmal 
gebrauchte  form  dem  Schreiber  im  gedächtniss  blieb.  Bemerkt 
mag  jedoch  werden,  dass  ee  vor  r  nur  in  einem  worte  häufig 
vorkommt,  in  heer,  ne.  hair,  und  dass  ea  vor  r  doch  schon  öfter 
erscheint  als  in  anderer  Stellung. 

e:  agre  M  V,  25,  /  beseche  ß  XII,  1,  bene  M  XI,  21,  apered 
M  I,  20,  cleve  M  XIX,  5,  dere  children  E  V,  1,  excede  M  V,  20, 
beleve  M  IX,  28,    felde  M  VI,  28,  fende  Ma  V,  15,    to  esteme  R 

XII,  3  (scheint  im  Me.  noch  nicht  vorzukommen),  feie  A  XVII,  27, 
gretynge  A  XV,  23,    greve  Ma  XIV,  6,    hede  M  XVI,  6,    hele  J 

XIII,  18,  kneled  M  II,  11,  meke  M  XI,  29,  neded  M  XXVI,  8, 
pece  L  XXIV,  42,  preste  M  VIII,  4,  repest  L  XIX,  21,  the  shelde 
E  VI,  16,  swete  Ma  XIV,  12,  a  grete  shete  A  X,  11,  I  speke  frely 
A  XXVI,  26,  on  Ire  A  V,  30,  ihre  M  XII,  40,  teth  M  XII,  42, 
theves  M  VI,  19,  vnbelef  M  XIII,  58,  wepynge  M  II,  18,  yelde  Ma 
IV,  8  u.  s.  w. 

ea:  chear  M  XIV,  27,  cheare  L  XV,  24,  J  XVI,  33,  cleaveth 
L  X,  11,  deare  fr  ende  A  I,  1,  deare  children  J  XIII,  33,  diseases 
M  IV,  23,  healed  M  IV,  23,  heare  (=  here)  M  XII,  42,  J  XV,  8 
u.  o.,  hearers  E  IV,  29,  feadynge  L  VIII,  32,  preached  M  III,  1 
to  preach  M  IV,  17,  neadeth  R  XVI,  2,  nead  M  VI,  8,  proceade 
Ma  VII,  21,  proceade th  M  IV,  4,  teachyng  M  IV,  23  u.  8.  w. 

ee:  betieelh  Ma  XIV,  66,  decreed  1  C  VII,  37,  decrees  A  XVI, 
4,  21,    free  man  Rev  VI,  15,    knees  L  V,  8,  R  XII,  4,  E  HI,  14, 

Angll»,  XU.  band.  19 


290  sopp, 

recpe  1  C  IX,  11,  6  VI,  7,  reep  M  VI,  26,  he  seeth  J  XII,  45, 
tree  L  XVII,  6,  trees  L  III,  9,  J  XII,  13  u.  s.  w. 

Ausnahmsweise  steht 

a:  apparence  2  Th  II,  8,  2  C  X,  7.  Hier  wird  etymologi- 
sierende Schreibung  vorliegen,  da  der  annähme,  das  folgende  r 
habe  hier  den  vorhergehenden  vokal  beeinflusst.  die  Schreibung 
des  wortes  mit  ie  widerstreitet.  Unerklärlich  ist  a  in  exadynge 
tempest  A  XXVII,  18. 

ai,  ei:  pharisayes  A  XXVI,  5,  pharisais  A  XXIII,  9,  pharisey 
A  V,  34.  Wycliff  hat  farisee,  eine  form,  die  auch  bei  T.  häufig 
ist.  Es  ist  also  wol  angleichung  an  die  griechische  form  erstrebt 
threy  tymes  A  XI,  10,  eine  auffällige  Schreibung,  besonders  ver- 
glichen mit  dem  folgenden  für  me.  e  eintretenden  zeichen. 

ie:  appiered  Ma  XVI,  12,  do  not  apiere  Rev  III,  18,  biestes 
Rev  IV,  6.  In  der  Rev  wird  dies  wort  fast  immer  mit  ie  ge- 
schrieben, während  sonst  formen  mit  e,  ea,  ee  vorkommen,  wie 
bestes  Rev  V,  8,  beastes  A  X,  12,  beestes  Rev  IV,  9.  Me.  lautet 
das  wort  beste  (geschrieben  auch  beast,  beest,  s.  Sturmfels,  Anglia 
VIII,  245)  mit  schwebendem  vokal,  ftever  A  XXVIII,  8  (auch 
einmal  fiver  Ma  I,  30;  Sturmfels,  a.  a.  o.  s.  249,  nimmt  irrtüm- 
licherweise an,  der  betonte  vokal  in  diesem  worte  sei  e  im  Ne.). 
/  steht  auch  zuweilen  in  städtenamen  auf  gr.  ia  statt  des  ge- 
wöhnlichen ea,  z.  b.  Laodicia  Rev  III,  14,  Cesaria  A  X,  20. 

An m.  Me.  pepte,  für  das  sich  auch  poeple,  pup/e  findet,  erscheint 
gewöhnlich  als  pepfe,  so  M  VII,  28.  XIV,  22.  XXVII,  15;  daneben  aber 
auch  peopte  M  V,  1,  L  I,  17.  III,  7  und  einmal  poeple  Rev  XXII,  2.  Statt 
der  zu  erwartenden  formen  von  to  ftee  finden  sich  häufig  solche  von  to  fly. 
Schon  im  Ae.  fand  vielfach  Vermischung  der  formen  beider  verba  statt 
(8.  Mätzner  I,  406),  wie  sich  dieselbe  ja  auch  noch  im  Ne.  findet.  Eine 
lautliche  erscheinung  liegt  also  nicht  vor. 

Das  zeichen  ie,  das  bei  T.  nur  ganz  vereinzelt  vorkommt,  wird  erat 
im  17.  jh.  gebräuchlich  (s.  Ellis,  0.  £.  £.  P.  104)  und  hat  sich  aus  dieser 
zeit  rein  zufällig,  wie  es  scheint,  in  einer  anzahl  von  Wörtern  erhalten, 
während  in  anderen  das  ältere  ee  sich  behauptet  hat.  Historisch  be- 
rechtigt ist  also  ne.  ie  nicht.  Die  im  Ae.  vorkommenden  ie  hatten  eine 
andere  funktion. 

Aus  der  allerdings  alleinstehenden  Schreibung  byn  L  XVI,  11  darf 
geschlossen  werden,  dass  hier  schon  klirzung  des  me.  langen  vokals  ein* 
getreten  ist  (Sweet  gibt  als  jetzige  Londoner  ausspräche  bijn  an). 

Ueber  die  ausspräche  s.  unter  4. 

4.  Me.  f.  Neben  e  wird  auch  dieser  laut  oft  durch  ea 
und  ee  gegeben. 


■. «- 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  291 

e:  breth  A  XVII,  25,  bred  M  IV,  3,  to  bet  Ma  XIV,  65, 
clene  M  XXIII,  25,  cheke  M  V,  39,  deffe  Ma  VII,  32,  ded  A 
XXV,  19,  deth  L  XXII,  33,  a  greate  dele  1  C  XII,  22,  dreme  dre- 
mes  A  II,  17,  dede  M  XII,  12,  even  2  C  X,  13,  egles  L  XVII,  37, 
eche  Rev  IV,  8,  ese  M  XI,  28,  esyer  M  IX,  5,  eten  J  VI,  12,  feble 
1  C  XII,  23,  gret  A  VIII,  8,  grell  M  XXII,  36,  heddes  A  III,  17, 
hethen  A  XI,  1,  /^ew  M  XVI,  6,  lest  M  V,  19,  at  the  lest  A 
V,  15,  leve  A  II,  27,  leves  M  XXIV,  32,  mesur  M  VII,  2,  meneth 
M  XII,  7,  mte  L  IV,  16,  resonable  R  XII,  2,  sÄerer  A  VIII,  32, 
shepes  M  XII,  11,  spechlesse  M  XXII,  12,  $/e/>£  M  1,20,  wepens 
J  XVIII,  3,  r/m?  M  II,  16,  ze/ows  A  XXI,  20  u.  s.  w. 

ea:  I  appeale  A  XXV,  11,  bread  Ma  VIII,  16,  to  beare  J  I,  8, 
to  clear  2  C  VII,  11,  deaf  L  VII,  22,  eare  L  XII,  3,  feare  L 
Xu,  4,  forbeare  2  C  XI,  1,  heale  J  XII,  40,  heare  Tim  II,  9, 
greatly  Ph  IV,  10,  to  please  R  XIV,  6,  be  the  meanes  J  XV,  3, 
speake  L  I,  20,  peace  L  I,  79,  sm/s  L  I,  52,  teache  J  XIV,  26 
theare  M  XIX,  2,  L  X,  6,  wÄear*  L  XVII,  37  u.  s.  w. 

ee:  beelen  Ma  XIII,  9,  breed  M  VII,  9  u.  o.,  deed  M  II,  19 
u.  o.,  deelh  M  II,  15  u.  o.,  eest  L  XIII,  29,  feest  M  XXVII,  15, 
heer  M  III,  4  u.  o.,  heepe  R  XI,  16,  heed  M  VI,  17  u.  o.,  leest 
Ma  IV,  31,  leed  M  VI,  13,  meel  M  XIII,  33,  reed  2  C  III,  2,  see 
M  IV,  13  u.  o.,  tvheet  M  III,  12,  yee  R  XIV,  4. 

Ausnahmsweise  treten  für  diese  zeichen  ein: 

a:  I mane  R  IX,  30,  sitt  at  mate  1  C  VIII,  10,  pace  Ma  1, 25, 
to  plase  R  XIV,  6,  /  spake  J  VII,  17,  wäre  ye  1  C  VI,  11. 

i:  this  thre  yeare  L  XIII,  7.  Da  diese  form  für  den  plur. 
schon  im  Me.  vorkommt  und  anch  neu  in  analogie  zum  sing, 
geschrieben  sein  könnte,  so  ist  sie  für  die  bestimmung  der  aus- 
spräche wertlos. 

ei:  abode  they  their  A  XIV,  3,  their  is  an  ydell  1  C  VIII,  7 
(s.  Ai  2).  Es  werden  also  e,  ea,  ei  und  a  benutzt,  um  denselben 
me.  laut  vor  r  zu  bezeichnen,  ein  beweis,  dass  ihre  lautwerte, 
wenigstens  in  dieser  Stellung,  nicht  wesentlich  von  einander 
verschieden  gewesen  sein  können. 

Obw'ol  die  beiden  aus  me.  e  und  e  entstandenen  laute  im 
allgemeinen  durch  dieselben  zeichen  ausgedrückt  werden,  so 
unterliegt  es  doch  keinem  zweifei,  dass  sie  einen  verschiedenen 
lautwert  hatten.  Me.  e  war  schon  zu  i  geworden,  me.  e  war 
offen  geblieben  (s.  Ellis,  0.  E.  E.  P.  s.  81).  Die  einzelnen  ausser- 
gewöhnlichen  Schreibungen  bestätigen  dies. 

19* 


292  sopp, 

Offenes  e  wurde  auch  noch  in  Wörtern  gesprochen,  in 
denen  es  später  geschlossen  wurde  und  sich  mit  dem  aus  me.  e 
entstandeneu  laute  weiter  entwickelte.  Die  Schreibung  a,  ein 
zeichen  übrigens,  das  nach  seiner  sonstigen  bedeutung  den 
fraglichen  laut  doch  nur  sehr  unvollkommen  widergeben  kann, 
beweist  dies. 

Anm.  Das  dem  ae.  ör,  me.  ere  entsprechende  wort  erscheint  als  yer, 
wie  J  I,  15,  30.  VIII,  58  u.  ü.  Andere  Schreibungen  sind:  yerre  J  XVII,  5 
und  yeere  R  IX,  11. 

Für  me.  neighebour,  neghdbour,  ae.  ntahgebür  schreibt  T.  negbour 
Ma  XII,  31,  nehbour  Ma  XII,  33,  neghbour  L  X,  27;  fUr  me.  neithcr,  nather, 
nether,  ne.  neither  hat  er  nether,  so  MV,  15,  34.  VI,  20. 

Auffallige  Schreibungen  sind  noch:  ryse  agayne  from  doelh  J  XX,  9, 
rtswTeccion  from  derth  A  XXIV,  15. 

Ueber  das  stumme  e  vgl.  Sweet,  A  H.  of  0.  S.,  2.  a.,  s.  208  f. 

Ei  s.  Ai. 
Eu,  Ew. 

Eu  entspricht  me.  eu,  ew,  z.  b.:  the  cock  crewe  J  XVIII,  27, 
drewe  A  VIII,  3.  X,  9,  fewe  Rev  II,  14,  jewis  Ma  XV,  26,  nerve 
L  XXII,  20,  rewe  L  XI,  42,  /  will  spew  the  oute  Rev  III,  16 
u.  s.  w.  Für  das  auf  ae.  eaw  zurückgehende  ew  wird  zuweilen 
eaw  geschrieben,  ein  zeichen,  das,  obgleich  äusserlich  mit  dem 
alten  übereinstimmend,  doch  nicht  historisch  sein  kann,  feawe 
M  VII,  14.  IX,  37.  XV,  34,  heawen  toumbe  L  XXIII,  53,  heawen 
asunder,  leawde  myiid  R  I,  28,  leawde  2  Tim  III,  8. 

Statt  ew  steht  oft  u  in  Wörtern,  deren  me.  eu  auf  älteres 
eow,  eow  zurückgeht:  drue  M  XXVI,  51,  renuynge  R  XII,  2, 
renued  E  IV,  23,  the  nue  which  is  renued  Co  III,  10,  slue  M 
II,  16,  overthrue  J  II,  15,  truly  Ma  XII,  14,  truethe  L  IV,  23,  me. 
trewthe,  trouthe,  mit  ew  zufällig  nicht  belegt.  Ausserdem  Jues 
M  II,  2,  jwes  M  XXVII,  11  u.  o. 

Einmal  wird  auch  uw  geschrieben:  he  bluwe  3  XX,  22  und 
einmal  ow:  soweth  Ma  IV,  21,  me.  sewen,  sowen. 

Eu  hatte  noch  diphthongische  geltung  in  den  Wörtern,  wo 
es  älterem  eaw  entspricht  (s.  Ellis,  0.  E.  E.  P.  s.  137  ff.).  Die 
Schreibung  eaw  lässt  ausserdem  vermuten,  dass  der  erste  be- 
st and  teil  des  diphthongen  noch  sehr  deutlich  vom  zweiten  ge- 
schieden und  wahrscheinlich  lang  und  (halb)  offen  war.  In 
den  Wörtern,  in  denen  u  neben  ew  steht,  wurde  einfacher  laut 
gesprochen.    S.  auch  unter  U. 


ZUR  ERSTBN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  293 

Anm.  Die  ne.  vokalverbindung  eou,  die  im  Me.  nur  ausnahmsweise 
vorkommt,  und  in  der  e  jetzt  nur  dazu  dient,  um  die  ausspräche  des  vor- 
hergehenden konsonanten  als  di  bezw.  ts  anzudeuten,  wird  auch  bei  T. 
gewöhnlich  so  geschrieben,  z.  b.  gorgeously  L  VII,  25,  plenleous  R  V,  15, 
2  C  I,  5,  righteous  J  XVII,  25,  M  X,  41,  corteously  A  XXVII,  3  u.  s.  w. 

In  einem  worte  steht  statt  dessen  oft  erv:  righterves  M  IX,  13,  L 
V,  32.  XII,  57,  oder  ou:  rightous  M  XXIII,  28.  XXV,  46. 

GUI  (1621)  gibt  in  diesen  Wörtern  noch  e-\~u  als  ausspräche  an. 

Vielleicht  sprach  T.  das  e  schon  sehr  flüchtig  aus,  worauf  wenigstens 
die  Schreibung  ohne  e  hindeutet. 

Dem  me.  bewte,  beaute  entspricht  beatity  M  IV,  8,  beautifull  R  X,  15, 
A  III,  2.  Ueber  die  ausspräche  dieses  Wortes  s.  Ellis  I,  138  und  Sturm- 
fels, Anglia  VIII,  247. 

I. 

/  und  y  werden  ganz  ohne  unterschied  gebraucht.  Nur 
auslautend  steht  meist  y.    I  entspricht: 

1.  Me.  i,  das  im  Me.  vor  r+kons.  mit  e  wechselt,  z.  b.: 
bylders  M  XXI,  42,  bilde  M  XXIII,  29,  bilt  M  VII,  26  u.  o.;  später 
wurde  die  seltenere  me.  Schreibung  built  gebräuchlich,  während 
die  alte  ausspräche  blieb,  brynge  M  I,  21,  bryddes  M  XIII,  32, 
me.  brid  (wie  auch  noch  meist  bei  T.),  selten  byrde,  cite  A 
VIII,  40.  gyrde  A  XII,  8,  inßrmittes  L  VII,  21,  kynge  M  I,  G, 
minstrels  M  IX,  23,  night  M  II,  14,  sisler  1  C  VII,  15  (daneben 
susier  M  II,  50,  R  XVI,  1),  synnes  M  I,  21,  thrid  M  XXVI,  44, 
me.  thridde,  was  auch  noch  die  gewöhnliche  form  bei  T.  ist 
rvhyther  J  VI,  21  u.  s.  w. 

In  unbetonter  silbe:  baptim  A  I,  22  u.  o.  Die  jetzige  aus- 
spräche mit  s  ist  durch  die  etymologische  Schreibung  veran- 
lasst, disputynge  A  XIX,  8,  evyls  L  III,  19,  examinedst  Rev 
II,  2,  hedlyng  Ma  V,  13,  informe  1  C  II,  16,  pubiisshed  R  I,  8, 
promis  E  III,  6,  savioure  2  Petr  I,  1,  senior  3  Joh  1,  worshippe 
L  IV,  7  u.  s.  w. 

Ebenso  wie  i  für  e,  so  tritt  auch  häufig  umgekehrt  e  für 
i  ein  in  betonter  und  unbetonter  silbe,  z.  b.:  afferme  R  III,  8, 
brengeth  forth  J  XII,  24,  confermed  Hebr  II,  3,  holy  cetie  Rev 
XXII,  19,  gerdell  A  XXI,  11,  hedder  J  IV,  15,  geve  M  IV,  6,  9. 
V,  31,  39  u.  o.,  lebertines  A  VI,  9,  levith  Rev  IV,  9,  mengled  L 
XIII.  1,  (he  rever  Rev  XII,  16,  preson  M  V,  25,  pelowe  Ma 
IV,  38.  sence  AM,  33,  L  VII,  45,  (he  speüe  J  IX,  6,  (o  s(ere 
vppe  R  XVI,  26,  (hengs  1  C  X,  20,  thether  A  XIV,  19,  wedowe 
L  II,  37  u.  s.  w. 


294  sopp, 

In  unbetonter  silbe :  baptem  L  XX,  4,  bodely  L  111,22, 
busenes  AI  XXVII,  24,  citesyn  L  XV,  15,  citesens  L  XIX,  14, 
compareson  Ma  IV,  30,  cosen  L  I,  36,  determened  A  XV,  2,  des- 
puted  A  XVII,  18,  dyvell  AI  IV,  10,  examen  1  C  XI,  28,  to  ede- 
fye  E  IV,  29,  evell  1,  C  X,  32,  enheret  Ma  X,  17,  fynesshed  AI 
XIII,  53,  thou  pro/fets  Tim  IV,  15,  pilgrems  1  Petr  II,  11,  parell 
R  VIII,  35,  punneshed  L  XXIII,  41,  seneour  2  Joh  1,  supplecacion 
Ph  IV,  6,  terreM?  Hebr  XII,  21,  /reates  L  I,  1,  w/y*»  1  C  VII,  34, 
verely  (me.  verraily)  AI  V,  26  a.  8.  w. 

An  Sonderheiten  sind  anzuführen:  *  fehlt  in  verly  Ma  XIV, 
18,  savour  (saviour)  AXIII,  23;  es  ist  unhistorisch  hinzugefügt  in 
stabil  isshes  2  C  I,  21,  me.  stablisen.  Die  ausspräche  dieses  i  war 
zweifellos,  wie  noch  heute,  die  eines  offenen  t.  Vor  ght,  wie 
in  right,  night  u.  s.  w.,  wo  nie  e  statt  i  geschrieben  wird,  wurde 
dagegen  ein  reiner  i-laut  gesprochen;  s.  Ellis,  0.  E.  E.  P.  s.  111. 

Anm.  Statt  der  neu  auf  kommenden  form  Christian,  die  später  auch 
die  ausspräche  bestimmte,  braucht  T.  noch  häufig  die  alte  form  Christen, 
so  Christen  man  Hebr  VI,  1,  Christen  A  XXVI,  28. 

Etymologisierende  Schreibung,  die  nicht  durchgedrungen  ist,  liegt 
vor  in  benefaictes  A  XIV,  17,  me.  bienfet,  selten  bienfait. 

2.  Me.  I,  z.  b.:  bye  M  XXV,  10,  by  AI  XXV,  9  u.  o.,  me. 
buggen  und  biggen;  in  beiden  formen  ist  der  palatal  unter 
dehnung  des  vorhergehenden  vokals  geschwunden.  Im  Ne.  ist 
vermengung  beider  eingetreten;  die  erste  lieferte  die  Schreibung, 
die  zweite  die  ausspräche,  despiseth  L  X,  16,  chylde  AI  II,  9, 
fyre  J  XVIII,  18,  hyred  L  XV,  17,  hye  M  XVI,  21.  XVII,  1,  me. 
heigh,  high,  hey\  nie  AI  XV,  8,  nye  AI  XXIV,  32,  me.  neh,  neih, 
neigh,  nigh;  ryote  1  Petr  IV,  4,  thy  wyfe  AI  I,  20,  tvyse  M  I,  18 
u.  s.  w.    Das  pron.  /  wird  gross  und  klein  geschrieben. 

Andere  Schreibungen  fUr  diesen  laut  sind: 

e  einmal  in  despeselh  L  X,  IG. 

ey:  bey  AI  XIV,  15,  to  beye  J  IV,  8,  bey  and  seil  Jam  IV,  13, 
dey  Ala  XIV,  »1,  J  XL  16  u.  o.,  deney  Ala  XIV,  30,  dreyed  Ala 
V,  29,  by  dreye  longe  (verdruckt  statt  lonete)  Hebr  XI,  29,  heyred 
Ma  1,  20,  L  XV,  19,  J  X,  12,  they  fayth  Jam  II,  18. 

Was  diese  Schreibung  anbetrifft,  so  kommen  schon  im  Me. 
neben  dien,  digen,  dryge,  drige,  buggen,  big  gen,  denien  formen 
mit  ey  vor;  ob  dieselben  T.  Überliefert  sein  können,  ist  zweifel- 
haft. Hei  den  Übrigen  Wörtern  aber  muss  wol  eine  phonetisch 
genauere  widergabe  des  lautes  als  durch  historisches  i,  beab- 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  295 

sichtigt  sein,  wobei  dann  allerdings  anzunehmen  wäre,  dass 
der  Schreiber  nicht  daran  dachte,  dass  er  mit  ei  gewöhnlich 
einen  anderen  laut  bezeichnete. 

ie:  expiered  Rev  XX,  7,  wol  erst  frisch  aufgenommenes 
fremdwort.  Wenigstens  führen  es  die  mittelenglischen  Wörter- 
bücher nicht  an  und  Skeat,  E.  D.,  gibt  beleg  erst  aus  Spenser's 
Faery  Queen. 

Ein  versuch  phonetischer  Schreibung  mag  vorliegen  in  der 
bezeichnung  des  alten  Mautes  vor  r  durch 

ye:  yeron  gale  A  XII,  10,  hott  yeron  Tim  IV,  2,  me.  iren, 
ae.  iren  und  isen,  fyerbrondes  J  XVIII,  3.  Ebenso  vielleicht  in 
der  Schreibung  despyitfully  L  XVIII,  32. 

oy:  royote  Tit  I,  6,  royetous  L  XV,  13,  noye  L  XIX,  29 
(neben  häufigem  neye). 

Im  16.  Jahrhundert  scheint  diphthongische  und  monoph- 
thongische ausspräche  des  aus  me.  i  entstandenen  lautes  neben- 
einander bestanden  zu  haben.  T.  sprach  jedenfalls  keinen 
einfachen  laut  mehr,  sonst  mtisste  man  wenigstens  vereinzelt, 
bei  dem  sonstigen  schwanken  der  Orthographie,  e  für  i  finden. 
Die  Schreibung  despeseth  kann,  weil  ganz  alleinstehend,  nichts 
beweisen.  Dass  wirklich,  wie  Ellis,  0.  E.  E.  P.  s.  115  annimmt, 
schon  ei  gesprochen  wurde,  ist  unwahrscheinlich.  Im  anfange 
wird  sich  der  erste  bestandteil  des  vokals  nur  wenig  von  dem 
zweiten  unterschieden  haben,  etwa  ein  sehr  offenes  i  gewesen 
sein.  Auf  eine  solche  beschaffenheit  des  diphthongen  bei  T. 
deutet  vielleicht  die   allerdings  vereinzelte  Schreibung  despyit- 

fulty  hin. 

Anm.  Grosses  schwanken  herrscht  in  der  darstellung  des  aus  ver- 
schiedenen me.  werten  entstandenen  auslautenden  i-lautes,  jetzt  immer 
durch  y  bezeichnet.  Schwanken  zwischen  e  und  y  findet  statt  bei  dem 
aus  me.  ee  entstandenen  laute  in  romanischen  Wörtern1,  der  übrigens 
schon  bei  Chaucer  die  neigung  hat,  zu  i  zu  werden.    S.  anm. 

y:  surety  L  IX,  27,  sorcery  A  VIII,  11,  beauty  M  IV,  8  u.  s.  w. 

e:  cite  M  II,  23.  IV,  5,  13,  countre  M  II,  12.  VIII,  28.  Bei  diesen 
beiden  Wörtern  ist  die  Schreibung  mit  e  die  bei  weitem  gebräuchlichste. 
auctorile  L  XX,  2,  captivite  M  I,  11,  IT,  certente  L  I,  4  u.  8.  w. 

Aehnlich  werden  die  auf  andere  me.  werte  zurückgehenden  unbe- 
tonten i  behandelt;  doch  ist  bei  diesen  e  weit  seltener. 

y:  mercy  M  V,  7,  falsly  M  V,  11,    body  M  V,  29,    enemy  M  V,  43, 

1  'Die  jüngeren  handschriften  der  kleineren  gedichte  Chaucer's  bieten 
schon  oft  reime  wie :  assembly :  counlry,  majestie :  dignyte,  companie  :  be.1 
Sturmfels,  Afr.  Vokalismus  im  Me.,  Anglia  vIII,  219.' 


296  sopp, 

hony  Ma  I,  6,  barly  loves  J  VI,  9,  Company  L  II,  44,  tnary  (ne.  marrow) 
Hebr  IV,  12  u.  8.  w. 

e :  lyles  M  VI,  28,  evere  man  1  C  VII,  24,  ene  man  G  I,  9,  angre  M 

V,  22,  foule  L  XX,  11.  Ebenso  erscheint  häufig  neben  unbetontem  by, 
wie  J  I,  42,  L  II,  27  die  form  be,  z.  b.  be  londe  A  XX,  13,  be  the  meanes 
£  III,  6.  In  den  angeführten  fällen  wird  eine  art  umgekehrter  Schreibung 
nach  romanischen  Wörtern  auf  i,  wie  exte  u.  s.  w.  vorliegen,  die  beweist, 
dass  die  fraglichen  laute  völlig  zusammengefallen  waren. 

Häufig  wird  dieser  laut  auch  durch  ie  ausgedrückt,  z.  b.:  citie  L  IX, 
5,  10,  52,  fyrie  E  VI,  16,  infirmitie  L  XIII,  11,  iniquilie  L  XIII,  27,  of  a 
surtie  L  XXIII,  47,  maiestie  2  Petr  I,  16. 

Seltener  ist  dafür  ey:  vereley  M  VI,  5,  palsey  M  IV,  24,  counlrey  Ma 

VI,  36.  XIII,  34,  hostrey  L  II,  7  =  hostelry,  jetzt  nicht  mehr  gebräuchlich. 

Sweet,  A  H.  of  E.  S.  s.  217  glaubt  wegen  der  häufigen  Schreibung  ie 
annehmen  zu  müssen,  dass  hier  derselbe  laut  gesprochen  wurde  wie  für  t 
vor  pal. -f  kons.  Die  Schreibung  ey  scheint  jedoch  dagegen  zu  sprechen. 
War  der  vokal  schon  kurz,  wie  Sweet  annimmt,  so  beweist  der  Wechsel 
in  der  Schreibung  zwischen  e  und  i,  dass  schon  ein  dem  heutigen  ähn- 
licher offener  Maut  von  T.  gesprochen  wurde. 

Dem  me.  soudiour,  neben  dem  jedoch  auch  souder,  sodiour,  souldier 
vorkommt,  erscheint  bei  T.  meist  in  der  form  soudier,  z.  b.  soudiers  L 
III,  14.  VII,  8.  XXIII,  36.  Das  wort,  besonders  die  zweite  silbe,  scheint 
dem  Schreiber  Schwierigkeiten  gemacht  zu  haben,  denn  neben  der  ange- 
führten form  finden  sich  noch:  sodier  Ph  II,  25,  sondier s  L  II,  13,  son- 
ders M  XXVIII,  12,  sowdeers  M  VIII,  9,  souldeers  Ma  XV,  16,  soudears 
A  XXVII,  42,  soudeours  M  XXVII,  27,  soudders  Ma  XV,  16. 

Jedenfalls  phonetische  Schreibung  liegt  vor  in:  leftenaunt  L II,  2.  III,  1. 

Etymologisch  zu  erwartendes  t  fehlt  in  questenned  L  XXIII,  9. 

0. 

0  entspricht: 

1.  Me.  o,  a  vor  nd,  ng.  Bei  Chaucer  wird  fast  ausschliess- 
lich o  gebraucht,  ausser  in  der  konj.  and,  die  nach  t  Br.  §  58 
nur  mit  a  vorkommt.  Auch  bei  T.  findet  sie  sich  nur  mit  a, 
während  im  Übrigen  schwanken  bei  Überwiegendem  o  herrscht 

o:  bonde  J  XVIH,3,  garlonds  A  XIV,  13,  hond  M  111,12. ¥111,3, 
londe  M  11,  20,  21,  sonde  M  VII,  26,  stände  M  VIII,  38  u.  s.  w. 

a:  hande  1  C  XVI,  21,  hand  M  VI,  3.  VIII,  15,  lande  A 
XXVII,  39,  strangled  A  XXI,  25  u.s.w. 

Merkwürdigerweise  transkribiert  Salesbury  (Ellis,  O.E.E.P. 
s.  (>2)  a  in  hand  durch  dasselbe  zeichen  wie  sonstiges  tJ,  gibt 
also  hier  eine  fortgeschrittenere  ausspräche  wie  T.,  der  doch 
noch  einen  zwischenlaut  zwischen  o  und  a,  wenigstens  noch 
tiefes  a  gesprochen  zu  haben  scheint.  Wahrscheinlich  bestanden 
also  auch  hier  zwei  aussprachen  nebeneinander. 


- 1*_ 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  297 

2.  Me.  ö,  z.  b.:  bor  des  A  XXVII,  44,  borne  M  II,  1,  contre 
A  XXVII,  2,  god  the  father  J  VI,  27,  fornuce  Rev  1,15,  L  XII,  28, 
mocked  L  XVI,  14,  oxen  J  II,  14,  wolde  M  II,  18.  V,  42.  VI,  1  u.  o., 
wombe  A  III,  2,  workes  M  V,  16  (daneben  noch  häufig  wie  im 
Me.  werk). 

Daflir  tritt  ein: 

oo:  some  boody  L  VIII,  46,  boottoms  Ma  XV,  38,  coornc  M 
M  XII,  1,  floocke  L  XII,  32,  loost  J  VI,  12,  L  VIII,  24.  XV,  4, 
good  R  IV,  6,  cast  looies  J  XIX,  24,  cast  loottes  L  XXIII,  34, 
tootts  Ma  XV,  24,  M  XXVII,  35,  moocked  Ma  XV,  20,  M  II,  16, 
sooft e  M  XI,  8,  toost  M  XIV,  24  von  to  toss,  das  im  Me.  nicht 
belegt  zu  sein  scheint,  u.  s.  w. 

In  unbetonter  silbe:  har loottes  L  XV,  30. 

ou  einige  mal  in  Wörtern,  welche  sich  abweichend  von 
den  übrigen  entwickelt  haben:  ye  couvet  1  C  XIV,  12,  fournace 
M  VI,  30,  shoulde  L  XVII,  6,  J  V,  20.  Sonst  noch  bourde  Ma 
VI,  22. 

u:  shulde  M  V,  29, 30.  VII,  12.  VIII,  8,  turment  Rev  XIV,  11, 
funies  M  XIII,  42,  50. 

Ausnahmen  bilden  saufte  L  VII,  45  und  poyet  Tit  I,  12, 
wol  wider  in  anlehnung  an  das  Griechische. 

0  bezeichnet  hier  wie  im  Me.  offenes  b.  In  den  auch  mit 
ou  und  u  geschriebenen  Wörtern  (dialektisch  vielleicht  auch  in 
bord)  galt  jedoch  schon  derselbe  laut  wie  in  den  unter  3.  be- 
sprochenen. Aus  Schreibungen  wie  commen  J  VII,  49,  comen 
M  XXVII,  27,  etequent  A  XVIII,  24,  kyngdm  M  XIII,  24  neben 
den  historisch  korrekten  formen  ist  zu  schliessen,  dass  der 
unbetonte  vokal,  me.  0,  hier  schon  sehr  geschwächt  war. 

3.  Me.  w,  das  nach  t.  Br.  §  14  bei  Chaucer  nach  w,  sowie 
in  den  zuverlässigsten  handschriften  auch  vor  nn  gewöhnlich 
durch  o  bezeichnet  wird. 

T.  braucht  o  und  u  promiscue,  daneben  ou. 

o:  combred  L  X,  40,  crommes  M  XV,  27,  domme  (dumb)  L 
I,  20,  to  cople  A  IX,  26,  dronken  A  II,  15,  costome  J  XVIII,  39, 
forthermore  1  C  I,  16,  g/otton  L  VII,  34,  honger  L  XV,  17,  tompe 
R  IX,  21,  nombred  L  XII,  7,  morther  L  XXIII,  19,  25,  moche 
M  VI,  7,  norter  (=  nurture)  E  VI,  4,  norsse  Tes  II,  7,  sonne 
(=  sun)  1  C  XV,  41,  the  sonne  of  David  M  I,  20,  socker  2  C 
VIII,  14  (=  succour),  sondred  6  V,  12,  sopper  1  C  XI,  25,  soche 
Ma  VII,  13,  yonge  J  XII,  14  u.  s,  w. 


298  sopp, 

w:  asunder  A  XV,  39,  busshe  A  VII,  80,  customcs  A  XXVI,  3, 
further  L  XXIV,  28,  hungred  Ma  XI,  12,  hundred  L  XVI,  22, 
husbandes  Tit  II,  5,  mnrmure  1  C  X,  10,  purple  woll  Hebr  IX,  19, 
sumwhat  A  XXV,  26,  /  suftre  truble  2  Tim  II,  9,  voluptusnes 
Tit  III,  3,  suche  L  I,  75.  IX,  9  u.  8.  w. 

ou:  honndle  A  XXVIII,  3,  anhoungred  M  XII,  3,  houndreds 
Ma  VI,  40.  X,  30,  hourte  Ma  IX,  42,  noumbrc  A  I,  15,  noursed 
L  IV,  10,  scoulles  Ma  XV,  22,  souche  L  XVIII,  16,  thoundre  Rev 
XIV,  2,  towr/i<tf  A  IX,  35,  lAou;  L  XIX,  28,  /rötwted  L  XXIII,  8, 
younge  man  A  XX III,  17. 

Zweimal  ist  auch  oo  statt  der  angeführten  zeichen  ge- 
schrieben: the  soone  J  VI,  69,  mc.  sone  mit  schwebendem  vokal, 
tvoorlde  Ma  VI,  15,  L  II,  1.  Eine  nicht  zu  erklärende  ausnähme 
bildet  syffre  A  XIII,  35  statt  suffre. 

Anm.  Statt  des  plur.  von  woman:  warnen  wie  A  XVI,  13  kommen 
auch  noch  die  formen  weinen  M  XIV,  21.  XV,  38  und  wt/mmen  2  Tiui 
III,  0  vor. 

O  bezeichnet  in  den  angeführten  Wörtern  einen  kurzen 
u-laut.  Mit  diesem  ist  der  aus  me.  ü  entstandene  zusammen- 
gefallen; neben  o  erscheinen  zu  seiner  bezeichnung  ou  und  u. 

o:  stody  L  XXI,  14,  porcheth  Ma  VII,  19. 

ou:  pourge  1  C  V,  7,  J  XV,  2. 

u:  humbleth  L  XIV,  11.  XVIII,  14,  presumpteous  2  Tetr  II,  19. 

Anm.  Auch  in  dem  me.  bernen,  brennen  entsprechenden  worte 
scheint  tt  gesprochen  worden  zu  sein,  da  sich  neben  den  historischen 
Schreibungen  mit  e%  z.  b.  bren  L  1, 9,  brennynge  L  1, 10.  XII,  35  auch  solche 
mit  u  und  ou  finden,  z.  b.  brurnynge  J  V,  35,  to  bourne  1  C  VII,  9,  are 
bournt  Hebr  XIII,  1 1,  L  III,  17.  In  bezug  auf  die  Stellung  des  r  in  diesem 
worte  herrschte,  nach  der  Schreibung  zu  urteilen,  schwanken. 

Die  Schreibung  syrname  L  XXII,  3,  A I,  23  ist  vielleicht  als  versuch, 
den  französischen  laut  ü  in  surnom  widerzugeben,  aufzufassen.  Nach  dem 
No.  ist  suruame  oder  sourname  mit  tt  zu  erwarten. 

4.    Me.  o. 

Zum  ausdruck  der  aus  me.  ö  und  ö  entstandenen  laute 
dienen  o  und  oo  promiscue  (daneben  die  nur  für  den  einen 
oder  den  andern  laut  geschriebenen  oa  und  ou),  welche  mit 
derselben  inkonsequenz  gebraucht  werden,  wie  e  und  ee, 

o:  beholdc  L  I,  «8,  the  böte  A  XXVII,  38,  bost  not  R  XI,  18, 
clokes  2C  IV.  2.  costs  M  XV,  21,  cot  es  M  X,  10,  abrode  LH,  17, 
fometh  Ma  IX.  ls,  groneth  K  VIII,  22,  holy  L  IV.  34,  more  J 
X,  10.  othe  M  V,  33,  he  rose  L  V,  25,  roreth  Rev  X,  3,  the  shore 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  299 

J  XXI,  4,  whole  A  IX,  34,  wo  M  XI,  21 1  won  flocke  J  X,  16, 
wone  M  X,  23,  wonnes  M  X,  42,  tvons  J  XVI,  15  neben  häufigem 
formen  ohne  w,  wie  one  M  XVIII,  9.  XXII,  46,  ons  M  XXVI, 
42  u.  s.  w. 

oo:  boone  J  XIX,  36,  boolde  A  XXVIII,  15,  cloolhes  L  XIX, 
36,  hoot  cooles  J  XXI,  9,  coole  M  V,  40,  boothe  M  XV,  14,  clooke 
Ma  X,  50,  foole  M  XXI,  5,  goots  M  XXV,  32,  goost  M  XXVII, 
50,  hoolde  Ma  I,  25,  foo  M  XIII,  25,  /oö/"  Ma  VIII,  14,  moore  L 
XII,  23,  oothe  M  XXVI,  72,  roore  L  XXI,  25,  roobe  M  XX VII,  28, 
soolde  Ma  XI,  15,  smoote  L  XXII,  63,  Aöora  L  II,  9,  stoone  Ma 
XII,  10,  sÄoor*  Ma  IV,  1,  thoose  Ma  XI,  23,  wroote  Ma  XII,  19, 
wrooth  M  XVIII,  34  u.  s.  w. 

Hierher  gehören  auch  einige  Wörter,  die  im  Me.  b  ent- 
halten: coolte  L  XIX,  30,  foolke  Ma  VI,  15,  poorche  Ma  XIV,  68, 
M  XXVI,  71,  resoorte  L  XVII,  37,  rooled  Ma  XV,  46,  yooke  M 
XXI,  5,  L  XIV,  19,  2  C  VI,  14. 

Zuweilen  findet  sich  daflir  das  neue  zeichen  oa  (s.  Skeat, 
P.  of  E.  E.  s.  321:  4The  symbol  oa  was  practically  a  new  one, 
though  it  is  found  occasionally  in  the  thirteenth  Century').  Es 
entspricht  dem  neu  eingeführten  ea.  In  beiden  soll  a  eine 
offenere  ausspräche  des  vokals  andeuten.  Während  jedoch  in 
der  anwendung  von  ea  bei  T.  noch  kein  festes  prinzip  zu  er- 
kennen ist,  wird  oa  nur  gebraucht,  wo  wirklich  ein  historisches 
offenes  o  vorliegt,  z.  b.:  abroade  L  I,  65.  V,  15,  J  VII,  35  u.  o., 
abroad  M  IX,  31,  Ma  I,  28,  enfoarce  2  Petr  I,  15,  moare  M  XX, 
31.  XXVI,  42.  XXVII,  24,  whoale  J  V,  4,  6.  VII,  23,  A  IV,  9, 
whoare  Rev  XVII,  16,  rvaole  L  VIII,  50.  Einmal  auch  mooare 
M  X,  10  und,  wol  druckfehler,  no  meare  Hebr  X,  17. 

Angleichung  an  die  französische  Schreibung  liegt  vor  in 
rouled  L  XXIV,  2,  roivled  J  XX,  1. 

Ueber  die  ausspräche  s.  unter  5. 

5.  Me.  ö,  z.  b.:  boke  L  III,  4,  M  I,  1,  croked  L  III,  5,  for- 
soke  M  XXVI,  56,  fote  stole  Ma  XII,  36,  loke  M  XI,  8,  the  broke 
J  XVIII,  1,  cole  L  XVI,  24,  brydgrom  M  XXV,  1,  brydegrom  L 
V,  34,  bridegrom  M  IX,  15,  ae.  brydeguma,  eine  form,  die  auch 
abgesehen  von  dem  später  eingedrungenen  r  lautlich  nicht 
die  grundlage  der  ne.  sein  kann.  Skeat,  E.  D.,  denkt  an  eine 
Verwechselung  des  zweiten  bestandteils  mit  grotne,  a  groom. 
solde  their  goddes  A  II,  45,  godes  M  XII,  29,  lose  M  XXI,  2,  to 
vnlose  J  I,  27,    aboute  none  A  XXII,  6,    the  rott  of  David  Rev 


300  sopp, 

V,  5,  rotes  L  XVII,  6,  the  mone  A  II,  20,  L  XXI,  25,  shoke  A 
XVIII,  6,  smoth  L  III,  5,  sone  Ma  I,  42,  stode  L  XVII,  12,  to 
Ma  III,  21    lolhe  M  V,  38  u.  8.  w. 

oo :  booke  L  IV,  20,  good  workes  M  V,  16,  the  good  M  V,  45, 
toose  L  XV,  4.  XVII,  33,  M  XVI,  25  =  ne.  to  lose.  Nach  Skeat, 
E.  D.,  beruht  ne.  to  lose  auf  einer  Verwechselung  von  me.  lösten, 
lösen  und  leosen,  verlieren,  welches  ne.  leese  ergeben  sollte. 
T.  kennt  die  me.  form  nicht  mehr,  macht  aber  den  ne.  unter- 
schied zwischen  to  loose,  lösen  und  to  lose,  verlieren,  noch  nicht 
vnloose  L  III,  16,  loose  hym  J  XI,  44,  to  loose  the  seales  Rev  V,  2, 
soone  M  XIV,  32,  doo  M  V,  44,  46,  stoole  M  XXVIII,  13,  too  M 
III,  14,  tooke  M  IV,  5,  woode  2  Tim  II,  20,  Rev  IX,  20  u.  s.  w. 

Zuweilen  wird  dafür  ou  geschrieben:  lowse  2  Joh  8,  loused 
Ma  XV,  15,  lotvsest  M  XVI,  19,  he  loused  A  XXII,  30,  soune 
Ma  1, 29,  shoues  L  XXII,  35,  shoue  J  I,  27,  in  the  roume  M II,  22. 
In  einem  worte  auch  ew\  shewes  LXV,  22,  A  VII,  33  und  u:  shues 
M  III,  11.  X,  10,  shue  Ma  I,  7,  L  III,  16. 

Da  ou  und  u  gewöhnlich  kurzen  u-laut  bezeichnen,  wenn 
sie  in  denselben  Wörtern  durcheinander  gebraucht  werden,  so 
ist  anzunehmen,  dass  in  den  folgenden  beispielen,  welche  häufig 
mit  ou  und  u  geschrieben  vorkommen,  schon  kttrzung  des  im 
Me.  langen  vokals  eingetreten  war,  was  in  einigen  fällen  auch 
die  doppelschreibung  des  nachfolgenden  konsonanten  bestätigt 
Es  sind  dies:  bloud  M  IX,  20.  XVI,  17.  XXIII,  30,  bloudde  M 
XXVI,  28,  floud  M  XXIV,  38,  L  XVII,  27,  Rev  XII,  15;  —  btude 
J  XIX,  34,  blud  Hebr  XI,  28,  flud  2  Petr  II,  5,  fludds  M  VII,  25, 
fludde  L  VI,  48,  a  bluddy  flixe  A  XXVIII,  8,  they  shuke  of  A 
XIII,  51.  XXVIII,  5,  shuke  the  erth  Hebr  XII,  26. 

An ra.  Für  other  findet  sich  einige  mal  tvother:  Ma  VI,  15,  J  VII,  46, 
1  C  XI,  34,  2  C  VIII,  13.  T.  sprach  das  wort  also  mit  Vorschlag  eines  w. 
Allgemein  ist  diese  ausspräche  wol  nicht  gewesen,  wenigstens  hat  sie  sich 
nicht  wie  bei  onc  gehalten.  Vorschlag  von  w  auch  bei  other  kommt  noch 
jetzt  dialektisch  in  Somerset  vor  (T.  stammt  aus  der  benachbarten  Und- 
schaft  Glouccster).    8.  Nicolai,  Ilcnig's  Archiv  bd.  55,  s.  386. 

Alleinstehende  Schreibungen  sind :  besomes  L  VI,  :*$,  besame  J  XIII,  23 
statt  bosom. 

Ueber  die  ausspräche  der  unter  t.  und  5.  besprochenen 
zeichen  gilt  dasselbe  wie  das  zu  e,  ea,  ee  bemerkte. 

Me.  ö  war  oft'eu  geblieben,  n  war  zu  eiuem  wahrscheinlich 
halboffenen  u  geworden.  Das  gelegentliche  eintreten  von  oa 
und  ou  f\ir  die  gewöhnlichen  zeichen  bestätigen  dies.    Modi- 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  301 

fikation  des  aus  me.  ö  entstandenen  lautes  vor  folgendem  r 
scheint  noch  nicht  stattgefunden  zu  haben.  S.  Ellis,  O.E.E.P. 
s.  96  und  Sweet,  A  H.  of  E.  S.  s.  238  ff. 

Ou,  Ow. 

Ou  entspricht: 

1.  Me.  ü,  dargestellt  durch  ou  (ow)  (über  das  zeichen  ou  s. 
Ellis  I,  303  und  II,  576),  z.  b.:  cloude  L  XXI,  27,  coulde  L  VI,  48, 
coudest  Ma  XIV,  37,  aboundance  M  XII,  34  u.  o.,  croune  J  XIX,  2, 
borved  J  XIX,  30,  drouned  M  XVIII,  6,  doun  M  II,  11.  IV,  6, 
howre  L  XX,  19,  loude  L  VIII,  28,  soudeours  M  XXVII,  27,  rounde 
aboute  L  II,  9,  throughoute  L  IV,  25,  thow  J  XXI,  18  u.  s.  w. 

Vertreter  dafllr  sind: 

u:  gründe  M  XIII,  8,  20,  abut  G  I,  10,  hrve  that  1  C  VI,  3, 
culde  M  VII,  24,  muthes  Jud  16,  shulders  (me.  mit  schwebendem 
vokal)  M  XXIII,  4,  L  XV,  5,  a  shute  1  Th  IV,  16,  A  VII,  57, 
XIX,  34,  vttrvard  2  C  IV,  16. 

arv:  narve  L  XX,  15,  hatve  that  1  Joh  II,  13. 

ew:  endewed  M  VIII,  26,  sherver  L  XII,  54,  lewched  Ma  V, 
27,  30,  tervche  Ma  V,  28,  31. 

Nach  den  grammatikern  bestanden  die  aussprachen  dieses 
ou  als  einfacher  laut  und  diphthong  nebeneinander  (s.  Ellis, 
O.  E.  E.  P.  s.  149  ff).  T.  sprach  jedenfalls  keinen  einfachen 
laut  mehr.  Das  lässt  sich  schliessen  aus  der  analogie  mit  der 
entwickelung  von  me.  t;  ferner  aus  dem  umstände,  dass  sich 
nie  o  oder  oo  statt  ou  findet,  die  doch,  wenn  ou  noch  ein- 
fachen u-laut  bezeichnet  hätte,  als  Vertreter  für  historisches  ou 
gut  passen  würden;  endlich  aus  dem  als  Vertreter  vorkommen- 
den au.  Ans  a  +  u  wird  der  diphthong  allerdings  noch  nicht 
bestanden  haben.  Der  erste  bestandteil  des  diphthongen  wird 
nur  wenig  vom  zweiten  verschieden,  vielleicht  offenes  u  oder 
geschlossenes  o  gewesen  sein.  S.  das  über  die  ausspräche  von 
i  bemerkte. 

Anni.  In  romanischen  Wörtern  wird  die,  Iat.  örem,  ösum  entsprechende 
endungssilbe  meist  noch  nach  me.  weise  our,  ous  geschrieben,  z.  b.  favour 
A  VII,  46,  honoure  L  XVIII,  20,  Iraytour  L  VI,  16,  doctour  M  XXII,  35, 
erroure  M  XXVII,  64,  supersticious  A  XVII,  22,  glorious  2  C  III,  1 1;  nicht 
selten  auch  eour,  eous,  z.  b.:  greveous  M  XXIII,  4,  L  XI.  46,  merveleuus 
J  XI,  30,  ioyeous  Hebr  XII,  11,  faveour  A  II,  47.  VII,  10. 

Daneben  steht  jedoch  häufig  o  oder  e,  seltener  in  Wörtern  auf  ous 
auch  us. 


302  sopp, 

o:  honore  Ma  X,  11»,  rnmor  L  VII,  17,  co/ored  Rev  XVII,  3,  mediator 
G  III,  10  u.  s.w. 

e:  detters  L  VII,  41,  faver  M  XVI,  22,  governers  G  IV,  2,  possesser 
A  IV,  34,  M<?  söi'<?r  2  0  II,  14.  savre  J  XII,  3,  suckcr  Ma  IX,  24,  parier 
A  I,  1 3  u.  s.  w. 

m:  glorius  2  C  III,  7,  commodius  A  XXVII,  12,  superfluus  2  C  IV,  I, 
Tim  V,  5. 

Die  Schreibung  dieser  worte  mit  e,  dem  historischen  ou  gegenüber, 
dürfte  beweisen,  dass  hier,  wenigstens  in  der  gewöhnlichen  rede,  schon 
ein  sehr  abgeschwächter  vokal  gesprochen  wurde.  Daneben  scheint  aller- 
dings ein  vollerer  vokal  noch  fortbestanden  zu  haben,  da  Spenser  noch 
die  tonlosen  ou  in  our  und  aus  auf  ae.  u  reimt  (s.  Sturmfels,  Anglia  IX, 
500  u.  507);  und  Hutler  sagt,  ou  werde  hier  gesprochen  wie  loo  or  u  short\ 
S.  Ellis  I,  155  u.  304. 

2.  Me.  ou  vor  ghl,  z.  b.:  brought  L  X,  34,  brotvghte  M 
XVIII,  24,  doughter  A  XXL  9,  owght  A  XXV,  11  u.  8.  w. 

Oft  wird  einfaches  o  dafür  geschrieben:  broght  A  XXII,  3, 
M  XIII,  8,  L  II,  23,  nroght  Co  II,  12,  Jam  IL  22,  J  III,  21. 

Andere  Vertreter  kommen  nicht  vor.  Da  beide  zeichen 
historisch  sein  können,  so  gestatten  sie  keinen  schluss  auf  die 
ausspräche.  Die  von  Ellis,  0.  E.  E.  P.  im  Pron.  Dict  angeführ- 
ten autoritäten  geben  diphthongischen  lauf. 

3.  Me.  ou,  z.  b.  dowe  G  V,  9  (=  ne.  dough),  growe  L  XII,  27, 
fotver  M  XXIV,  31,  owne  A  XV,  22,  poured  J  XIII,  5,  slowly  A 
XXVII,  7,  soule  L  X,  9,  wyndowe  A  XX,  9  u.  s.  w. 

Vertreter  für  ou  sind: 

au:  aune  Tit  II,  5,  awne  M  II,  12.  VII,  3.  IX,  1  u.  o.,  tawards 
L  XXIV,  29,  taward  A  XX,  21. 

ew:  tewards  A  XXIV,  15. 

o:  loly  M  XL  29,  their  one  prophets  1  Th  II,  15,  knoledg- 
ing  M  III,  6.  Hart  (Ellis,  0.  E.  E.  P.  s.  152)  transkribiert  dieses 
wort  mit  knotedzh,  während  er  sonst  ou  dnreh  ou  wider- 
gibt, foloeth  M  XV,  23,  foloynge  M  VI,  34.  —  Auffällig  sind 
die  Schreibungen:  solles  of  men  Rev  XVIII,  13,  they  soll  Rev 
XV1IL  14  und  rayne  boll  Rev  IV,  3.  X,  1.  Vielleicht  liegt  hier 
umgekehrte  Schreibung  nach  soll  und  roll  (s.  0  4)  vor,  was  vor- 
aussetzen würde,  dass  das  auslautende  /  in  diesen  Wörtern  in 
TVs  spräche  verstummt  war.    Vgl.  Sweet,  A  IL  of  E.  S.  II,  266. 

oua:  fouare  Ma  XIII,  27. 

An  in.  Das  dem  me.  thruh,  thorough,  thorowe  entsprechende  wort 
kommt  noch  in  verschiedenen  gestalten  vor.  Am  häufigsten  ist  tkrou§k 
J  I,  7,  III,  17  u.  o.,  throughout  M  XII,  43.     Daneben  formen  wie  tkortm* 


^    ia 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  303 

J  XX,  31,  thorooul  L  XXIII,  5,  throw  L  XVII,  1,  ihorow  M  XII,  1,  tho~ 
rowe  J  IV,  4,  throwe  A  X,  4'*,  thorowout  A  VIII,  1  u.  s.  w. 

Neben  der  form  fellorvship  PL  I,  5.  III,  10  kommt  die  auch  im  Me. 
bei  Mätzner  belegte  form  felliship  vor,  so  A  I,  17,  fellyshippe  A  II,  42, 
A  VIII,  21,  1  C  I,  9. 

Für  orv  in  widow,  me.  widewe,  widwe,  tritt  zweimal  oo  ein:  rvid- 
doos  A  IX,  39,  wyddoes  A  IX,  42.  Gill  gibt  rvidoou  als  ausspräche  an. 
Ellis  III,  909. 

Sweet,  A  II.  of  E.  S.,  bemerkt  unter  ou  s.  256:  'There  must 
have  been  a  time  when  the  two  ous  were  close  in  sound,  for 
me.  uu  passed  through  the  (ou)  —  stage  in  f.  Mn.'  Auf  einen 
solchen  zustand  bei  T.  könnten  die  als  Vertreter  für  beide  laute 
gebrauchten  zeichen  au  und  eu  hindeuten.  Der  umstand,  dass 
nicht  gerade  selten  für  den  zweiten  laut  auch  einfaches  o  ge- 
schrieben wird,  spricht  jedoch  gegen  eine  sehr  nahe  Verwandt- 
schaft beider  laute.  Die  orthoepisten  geben  teils  ö  (Salesbury, 
Ellis,  0.  E.  E.  P.  s.  150),  teils  ou  als  ausspräche  an. 

Oi,  Oy. 

Oi  entspricht  me.  oi,  z.  b.:  annoynted  J  XI,  2,  Ma  VI,  13, 
loynes  M  III,  4,  avoid  M  IV,  10.  Das  wort  kommt  bei  T.  nur 
in  der  heutigen  bedeutung  vor,  während  Ghaucer  das  einfache 
voiden  nach  Skeat,  E.  D.,  nur  in  bedeutungen  braucht,  'which 
are  all  connected  with  the  adj.  void\ 

Andere  Schreibungen  sind: 

o:  (o  avode  1  C  VII,  2. 

ou:  broided  L  XXIV,  42,  announted  J  I,  41. 

Die  grammatiker  (Ellis,  O.  E.  E.  P.  s.  130  ff.)  geben  als  aus- 
spräche diphthong  o  +  i  bezw.  u  +  t  an.  T.  kannte,  wie  es 
scheint,  auch  eine  ausspräche  ü. 

Anm.  Statt  des  modernen  voyage  ist  noch  die  me.  form  vyage  ge- 
bräuchlich, z.  b.  A  XXVII,  10. 

ü,  w. 

C  und  w  werden  in  allen  Stellungen  ohne  unterschied  ge- 
braucht. —  U  entspricht : 

1.  Me.  ü,  s.  O  3. 

2.  Me.  ?7,  z.  b.:  ruh  A  VIII,  27,  surely  R III,  2,  vsest  J  XVI,  29, 
frute  M  XXVI,  29,  cruses  Ma  VII,  4, 8,  brused  L  IV,  18  u.  s.  w. 

Ein  häufiger  Vertreter  dafür  ist 

ue:  suerly  Ma  XIV,  70,  fruetes  L  X,  18,  rueler  L  XIX,  2, 


304  sopp, 

dueti  L  XII,  42  (auch  bei  Chaucer  duetee),  enduereth  E  VI,  24, 
confinue  J  XV,  9,  value  L  XII,  7. 

ew  als  ersatz  kommt  nur  selten  vor,  z.  b.  continew  M  X,  22, 
isshew  M  XXII,  25. 

Alleinstehend  ist  o  in  6/wed  M  XII,  20. 

Ob  ue  phonetische  Schreibung  für  den  laut  ü  ist,  ist  nicht 
zu  entscheiden.  So  viel  geht  jedoch  aus  der  Schreibung 
hervor,  dass  ein  ü,  wie  heute,  in  diesen  Wörtern  noch  nicht 
gesprochen  wurde.  Der  vokal  in  brused  bildet  vielleicht  eine 
ausnähme. 

Ellis,  0.  E.  E.  P.  s.  171  gibt  als  allgemeine  ausspräche  für 
das  16.  Jahrhundert  ü  an. 

Konsonanten. 

Da  die  Orthographie  und  ausspräche  der  konsonanten  seit 
der  nie.  zeit  bis  heute  im  grossen  und  ganzen  dieselbe  ge- 
blieben ist,  so  werden  hier  die  eigentümlichkeiten  der  Schrei- 
bung bei  T.  nur  im  allgemeinen  angeführt  und  dann  bei  jedem 
einzelnen  konsonanten  nur  abweichende  oder  besonders  auf- 
fällige formen  bemerkt,  sowie  das,  was  sich  aus  ihnen  etwa 
für  die  ausspräche  ergibt 

Als  unterschied  von  der  ne.  und  teilweise  auch  der  me. 
Schreibung  fallt  die  häufige  doppelschreibung  von  konsonanten 
auf.  Ganz  gewöhnlich  ist  dieselbe  nach  kurzem  vokal;  doch 
kommt  sie  nicht  selten  auch  nach  langem  vokal  und  nach 
andern  konsonanten,  bei  f  auch  im  anlaut  des  Wortes  vor.1 

Beispiele  nach  kurzem  vokal:  cuppe  M  X,  42,  vpp  M  IV,  5, 
dubble  Rev  XVIII,  6,  pnbblesshed  Ha  VII,  36,  proffet  H  XVI,  26, 
xjff  H  IV,  3,  gelt  Ha  I,  44,  studdy  1  Th  IV,  11,  ladde  J  VI,  9, 
doggs  H  VII,  6,  bagges  L  XII,  33,  compell  H  V,  41,  angell  H 1, 20, 
devyll  Ha  VII,  30,  cammel  L  XVIII,  25,  cann  M  VII,  11,  starre 
H  II,  2  u.  s.  w. 

Nach  langem  vokal:  keppyng  1  C  VII,  19,  lyffe  Ha  IX,  43, 
outt  J  XV,  25,  cootts  A  IX,  ;*9,  soudders  Ha  XV,  16,  clotvddes 
H  XXVI,  64,  tvhill  L  XXII,  60,  as  sonne  as  L  XIX,  30,  ourre 
Hebr  III,  1  u.  s.  w. 

1  Da  das  N.  T.  in  Deutschland  gedruckt  ist,  so  ist  wol  nicht  daran 
zu  denken,  dass  die  häutige  doppelscnreibung  der  konsonanten  ein  kunst- 
griff  des  setzen  zum  ausfüllen  der  Zeilen  ist,  wie  es  bei  den  gleichzeitigen 
englischen  druckern  der  fall  war. 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  305 

Nach  kons.:  sharppe  Rev  XIV,  14,  hertls  Ma  III,  5,  helppe 
M  Xu,  24,  whelppes  M  XV,  27,  byltt  M  VII,  24  u.  s.  w. 

Anlautend:  ffor  M  II,  18,  ffulfill  M  II,  23,  ffame  M  IV,  24, 
ffyrste  M  XIX,  30  u.  s.  w. 

Anderseits  wird  auch  oft  nur  einfacher  kons,  geschrieben, 
wo  heute  und  auch  bei  T.  gewöhnlich  doppelkonsonanz  steht. 
Fortwährendes  schwanken  ist  also  auch  hier  das  charakte- 
ristische der  Orthographie. 

Labial  buch  staben. 
B. 

B  steht  auslautend  nach  m  in  lamb\  es  fehlt  dagegen  in 
dorn,  domme,  z.  b.:  lyke  a  lamb  dorn  A  VIII,  32.  Ebenso  findet 
sich  einmal  clymelh  (ne.  climb)  J  XX,  1.  Historisches  b  muss 
also  damals  in  einem  teil  der  hierhergehörigen  Wörter  ver- 
stummt gewesen  sein. 

Später  zugefügtes  '  etymologisches '  b  vor  t  fehlt  noch  in 
dout  M  XXI,  22,  delt  M  VIII,  27,  suttelte  M  XXVI,  4. 

Vor  folgendem  stimmlosen  kons,  wird  einmal  p  statt  b  ge- 
schrieben: optained  A  XIV,  19. 

F,  Ph. 

FUr  f  ist  ph  geschrieben:  vnprophetable  M  XXV,  30. 

F  für  ph  ist  häufiger,  z.  b.:  farises  M  IX,  14,  fisicions  Ma 
V,  26.  Das  letztere  wort  kommt  ausser  mit  ph,  wie  L  V,  31. 
VIII,  43,  einige  mal  mit  v  vor:  visicion  M  IX,  12,  Ma  II,  17, 
L  IV,  23. 

V. 

Für  v  tritt  nicht  selten  u  ein,  z.  b.:  seruants  L  XII,  37,  be- 
leue  J  X,  38.  Daneben  zuweilen  n>:  ye  lowe  J  XIII,  34,  beleweth 
J  XIV,  12,  in  wayne  1  C  XV,  10. 

W?  Wh. 

Statt  rv  steht  einige  mal  v:  vaye  M  V,  25,  vyll  M  XVIII,  20, 
the  revarde  2  Petr  II,  13. 

Wh  im  anlaut  erscheint  schon  wie  heute,  auch  wo  im  Me. 
nur  h  geschrieben  wird,  z.  b.:  whole  L  XXIII,  1,  whormongers 
1  C  VI,  9,  whaole  L  VIII,  50.  Es  kommen  jedoch  auch  noch 
formen  mit  einfachem  h  vor,  wie  holesome  1  Tim  1, 10,  2  Tim 
1, 13.    Da  zuweilen  auch  tvh  statt  des  gewöhnlichem  h  in  holy 

Anglia,  XII.  band,  20 


306  sopp, 

geschrieben  wird:  tvholy  tvemen  1  Petr  III,  5,  rvholy  gost  2  Petr 

I,  21,  tvholy  father  J  XVII,  11  (einmal  auch  whomly  2C  X,  10), 
so  ist  wol  anzunehmen,  dass,  wenn  w  in  Wörtern  wie  rvhole 
wirklich  gesprochen  wurde  (Bullokar  umschreibt  whole  phone- 
tisch durch  whool,  Ellis,  0.  E.  E.  P.  s.  909)  daneben  auch  die 
alte  ausspräche  bestehen  blieb. 

Für  historisches  wh  steht  zweimal  blosses  w:  the  weate 
A  XXVII,  38,  wo  shall  beleve  R  X,  16. 

Vor  r,  wie  in  rvrite,  rvrong,  wurde  n>  noch  gesprochen. 

Dentalbuchstaben. 
D. 

Heute  geschriebenes  d  fehlt  noch  wie  im  Me.  in  kynreds 
Rev  1, 7.  Einmal  findet  sich  noch  die  me.  Schreibung  avauntage 
L  IX,  23  und  einmal  amonition  Tit  III,  10.  In  Wörtern  wie 
murder,  bürden  schwankt  die  Schreibung  zwischen  d  und  th; 
doch  ist  th  häufiger,  während  heutzutage  d  das  gewöhnliche  ist 

Gegen  den  sonstigen  gebrauch  ist  d  angehängt  in  dragonde 
Rev  XII,  13  und  eingeschoben  in  andswer  L  XI,  7. 

T. 

Vor  der  endung  ton  wird  noch  fast  immer  c  geschrieben, 
selten  t  oder  s,  z.  b.: 

c:  affliccion  A  VII,  11,   supplicacion  A  I,  14,   corrupcion  A 

II,  27  u.  s.  w. 

s:  extorsioner  L  XVIII,  11,  mension  1  Th  I,  2. 

t :  question  L  XX,  3,  generation  A  VIII,  33. 

Vor  vokal  wird  nicht  selten  für  historisches  /  das  zeichen  th 
geschrieben:  sathan  Rev  II,  9,  thouched  M  VIII,  15,  winther  A 
XXIV,  20,  puttheth  L  V,  36,  wather  J  V,  3,  authum  Jud  12. 

Den  spirantischen  laut  kann  th  hier  wol  nicht  bezeichnen. 
Ob  aber  h  hier  überhaupt  eine  bedeutung  hat  und  vielleicht 
einen  zwischen  konsonant  und  vokal  eintretenden  hauchlaat 
bezeichnet,  ist  wol  kaum  zu  entscheiden,  da  bei  T.  ja  auch 
sonst  viele  überflüssige  zeichen  geschrieben  werden. 

/  ist  unhistorisch  eingeschoben  in  alients  Hebr  XI,  34, 
aliantes  E  II.  12. 

Th. 

Me.  d  nach  vokal  vor  er  wird  meist  noch  d  geschrieben,  s.  b. 
f Oders  H  XXVL  29,  moder  M  XII,  47,  togedder  M  1, 18  u.  l  w. 


ZUR  ERSTEN  NB.  BIBELÜBERSETZUNG.  307 

th  ist  daneben  jedoch  schon  häufig,  z.  b.:  father  M  VI,  9, 
mother  M  1, 18,  togelher  M  VI,  19  u.  s.  w.  Es  wurde  in  diesen 
Wörtern  also  schon  interdentaler  weicher  spirant  gesprochen. 
Zuweilen  tritt  dafür  auch  dth  ein,  z.  b.:  gadther  M  XIII,  30, 
hydther  M  XIV,  18,  widther  Ma  XIV,  14,  togedthcr  L  XII,  1, 
thidther  L  XVII,  37;  wol  so  zu  erklären,  dass  dem  Schreiber 
das  historische  d  aus  der  feder  floss,  dass  er  sich  dann  aber 
des  schon  gesprochenen  spirantischen  lautes  erinnerte,  ihn  durch 
th  ausdrückte  und  vergass,  das  d  zu  beseitigen. 

Ziemlich  oft  steht  einfaches  t  statt  th:  made  rvit  hondes  Hebr 
IX,  24,  the  fyfle  seale  Rev  XI,  9,  the  sixle  angell  Rev  XVI,  12, 
enytinge  M  XXIV,  17,  failfid  L  XVI,  10,  /  tanke  L  XVIII,  11, 
bot  the  thyngs  E  1, 10.  Eine  übereinstimmende  Ursache  für  diese 
Schreibung  in  den  einzelnen  Wörtern,  etwa  in  der  art  der  be- 
nachbarten konsonanten,  ist  nicht  zu  erkennen,  tt  statt  th  findet 
sich  in  Aliens  A  XVII,  15,  16,  Attenians  A  XVII,  21. 

Auffallig  sind  formen,  in  denen  vor  auslautendem  th  un- 
historisch ein  g  oder  gh,  im  letztern  falle  dann  jedoch  statt  th 
nur  t  geschrieben,  eingeschoben  ist. 

Es  sind:  mought  statt  mouth  M  V,  2  u.  o.,  mougthe  L  I,  70, 
faight  Ma  IX,  19,  fayght  Ma  X,  52,  souglhwest  A  XXVII,  12, 
trugthe  Ma  XII,  32,  faygthfull  Rev  XVII,  14. 

Möglicherweise  liegen  hier  dialektische  eigentümlichkeiten 
vor.    Siehe  jedoch  auch  Gh. 

Dg,  Tch. 

Zur  bezeichnung  der  adfricata  dz  und  ts  erscheint  dg  und 
tch  neben  altem  g  und  ch,  z.  b.:  knorvledge  J  IV,  1,  knowlege 
M  VII,  23,  to  pourdge  Tit  II,  14,  Hebr  IX,  14,  to  pourge  Hebr 
XIH,  11,  witche  crafte  A  VIII,  9,  bewiched  G  III,  1,  partchement 
2  Tim  IV,  13. 

S,  C 

Für  s,  wenn  es  stimmlosen  laut  bezeichnet,  wird  oft  c  oder 
ss  geschrieben,  z.  b.:  falce  M  VII,  15,  ceason  J  V,  4,  housse  M 
V,  15,  coursse  M  V,  44  u.  s.  w. 

Einfaches  c  statt  des  historischen  sc  kommt  vor  in:  con- 
cience  R  XIV,  20  (conscience  R  XIV,  22),  the  cepter  Hebr  I,  8. 

Die  ne.  form  to  ask  ist  noch  nicht  durchgedrungen.  Das 
wort  erscheint  meist  noch  mit  x. 

20* 


308  sopp, 

Aus  der  Schreibung  isshwe  M  XXII,  25  eschue  2  C  VIII,  20 
statt  issue  kann  man  schliessen,  dass  T.  dieses  wort  schon  mit 
breitem  Zischlaut  sprach. 

In  dem  modern-englischen  bajttism  sprach  T.  noch  kein  s. 
S.  1 1.  Für  historisches  c,  wenn  Zischlaut,  tritt  oft  s  ein.  5  wird 
auch  häufig  noch  neben  z  geschrieben,  wo  jetzt  nur  das  letztere 
steht,  z.  b.:  amased  M  XIX,  25,  gasynge  A  I,  11. 

Sh. 

Der  stimmlose  spirant  $  wird  wie  im  Me.  in-  und  auslau- 
tend meist  noch  ssh  geschrieben,  z.  b.:  busshes  L  VI,  44,  flessh 
Ma  XIX,  38  u.  s.  w.  Daneben  sh,  z.  b.:  /leshe  J  XVII,  2,  ashamed 
L  IX,  26  u.s.w.  Zweimal  steht  anlautend  seh:  had  schonte  A 
XVIII,  18,  Silber  schrynes  A  XIX,  24. 

Guttural-  und  palatalbuchstaben. 

K,  C. 

Für  einfaches  k  wird  oft  ck  geschrieben,  z.  b.:  thincke  M 
VI,  7,  atvocke  V  III,  25  u.  8.  w. 

Gesprochenes  c  in  perfeet  ist  erst  später,  durch  die  Schrei- 
bung veranlasst,  in  die  ausspräche  eingedrungen.  Es  finden 
sich  bei  T.  formen  ohne  c,  die  zum  teil  aber  an  das  Frz.  an- 
geglichen sind,  neben  solchen  mit  c.  Belege  s.  Ai  2.  Sonstige 
etymologische  Schreibungen  sind  noch:  sanetes  R  XV, 26,  saync- 
tes  R  XV,  25,  ne  faynete  2  C  IV,  1,  fruets  Rev  XIV,  4. 

G. 

Für  g  wird  einige  mal  anlautend,  wo  im  Me.  stimmhafter 
palataler  spirant  gesprochen  wurde  (zeichen  y  oder  g)  y  ge- 
schrieben, z.  b.:  yate  M  VII,  14,  yeve  M  XVI,  19. 

Das  zeichen  gu,  jetzt  zur  bezeichnung  der  palatalen  media 
vor  e,  i  gebraucht,  kommt  noch  nicht  vor. 

G  erscheint  auch  einige  mal  für  jetziges  j  in  gelous  2  C 
XI,  2,  G  IV,  17,  bei  Chaucer  jatous,  gestinge  E  IV,  4,  me.  geste, 

Gh. 

Gh  war  im  auslant  stumm,  was  aus  der  öftern  auslaasung 
des  historischen  gh  hervorgeht     Belege  s.  unter  I  2  und  Ou  3. 

Vor  t  fehlt  gh  nie.  Ellis.  0.  E.  E.  P.  s.  211  nimmt  fttr  das 
16.  Jahrhundert  tonlosen  Spiranten,  wie  im  deutschen  dach  als 
ausspräche  dieses  Zeichens  an. 


ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG.  309 

Die  Schreibung  abowght  {abowght  II  yeres  agon)  in  einem 
gerichtsprotokoll  von  1528,  das  Arber  in  seiner  einleitung  s.  27 
mitteilt,  sowie  vielleicht  die  bei  T.  vorkommenden  fonnen 
mougthe,  fayght,  sougthwest  (s.  Th)  könnten  jedoch  schliessen 
lassen,  dass  daneben  schon  eine  ausspräche  bestand,  in  der 
gh  verstummt  und  dehnung  des  vorhergehenden  vokals  ein- 
getreten war. 

Hauchlaut  H. 

Anlautendes  h  scheint  nicht  so  stark  artikuliert  worden  zu 
sein  wie  im  jetzigen  Englisch.  Zu  entnehmen  ist  dies  daraus, 
dass  einerseits  nicht  selten  historisches  h  ausgelassen  wird, 
dass  anderseits  h  Wörtern  angesetzt  wird,  wo  es  historisch 
nicht  berechtigt  ist. 

Es  fehlt  z.  b.  in  erbes  L  XI,  42,  Hebr  VI,  7,  kepe  is  sayinge 
J  VIII,  55,  houssolde  A  X,  2,  ypocrites  M  VI,  2,  ymmes  E  V,  1,  9. 

Hinzugefügt  ist  es  z.  b.  in  hisrahelite  J  I,  47,  abhominable 
Tit  I,  16,  habundance  Rev  XVIII,  3,  haboundantly  Hebr  XIII,  19 
(dies  wort  auch  bei  mittellateinischen  Schriftstellern  mit  h). 

II  in  habundance  war  nach  Salesbury  stumm.  Abhominable 
mit  h  wurde  zu  Shakespeare's  zeit  von  pedanten  gesprochen. 
S.  Ellis,  0.  E.  E.  P.  s.  220.  Durch  den  einfluss  der  schrift  wird 
h  jetzt  wider  in  Wörtern  gesprochen,  in  denen  es  nach  den 
Zeugnissen  der  orthoepisten  im  16.  Jahrhundert  stumm  war. 

Einmal  findet  sich  auch  schon  im  Me.  nicht  mehr  gebräuch- 
liches hr  statt  r:  hrent  M  XXII,  7. 

Nasales  und  liquidae. 
M. 

Für  m  vor  labial  wird  selten  n  geschrieben:  conforte  L 
VIII,  48,  assenbled  M  XXVI,  57,  Cynball  1  C  XIII,  1. 

Zwischen  m  und  n  in  to  damn  und  den  daraus  abgeleiteten 
Wörtern  wird  oft  p  eingeschoben,  z.  b.:  dampned  Ma  XVI,  16, 
dampnaciun  M  XXIII,  33  u.  s.  w.  Ohne  p  z.  b.:  condemne  L 
VI,  37,  damned  2  Th  IL  8. 

L. 

L  in  shonld  und  rvould  muss  schon  verstummt  gewesen  sein, 
da  T.  nach  analogie  derselben  neben  formen  ohne  /,  z.  b.  cou- 
dest  Ma  XIV,  37  meist  schon  /  in  diesem  worte  hat,  so  culde 


310  SOPP,    ZUR  ERSTEN  NE.  BIBELÜBERSETZUNG. 

Ma  VII,  24,  covlde  M  VI,  27.  Me.  faute,  später  fault  geschrieben 
und  jetzt  durch  einfluss  der  Orthographie  auch  mit  /  gesprochen, 
erscheint  bei  T.  noch  ohne  /,  z.  b.:  faute  A  XXV,  5,  fautlesse 
Jud  24.  Ebenso  assaute  A  XIV,  5,  assautes  E  VI,  11.  Auch 
soldier  wurde  noch  ohne  /  gesprochen. 

Lieber  //  in  rainboll  s.  Sweet,  A  H.  of  E.  S.  s.  266. 

R. 

R  fehlt  einige  mal  vor  kons.:  scase  A  XIV,  18,  scace  A 
XXVII,  7,  scasly  1  Petr  IV,  18,  me.  scars,  fevently  G  1, 14,  vnde- 
stonde  A  XXVIII,  27. 

Einmal  ist  es  unberechtigt  geschrieben:  resurreccion  from 
derth  A  XXIV,  15.  Wol  durch  das  r  der  folgenden  silbe  ver- 
anlasst steht  es  in  bertray  M  XXVI,  21. 

In  scarce  scheint  T.  kein  r  gesprochen  zu  haben.  Man 
wird  jedoch  aus  den  angeführten  beispielen  nicht  entnehmen 
dürfen,  dass  r  überhaupt  in  dieser  Stellung  schon  verstummt 
war,  wie  im  jetzigen  Südenglisch.  Es  wird  jedoch  wol  schon 
sehr  sehwach  artikuliert  worden  sein. 

Marburg.  Wilhelm  Sopp. 


DIE  ALTENGLISCHEN  BEARBEITUNGEN 

VON  GROSSETESTES  'CHASTEAU  D'AMOUR' 

VERGLICHEN  MIT  DER  QUELLE. 

Unter  den  zahlreichen  werken  Robert  Grosseteste's,  des 
gelehrten  und  gewaltigen  manues,  der  von  1235 — 1253  bischof 
von  Lincoln  war  —  von  1200 — 1235  gehörte  er  der  Universität 
Oxford  an,  wo  er  studiert  hatte,  doktor  der  theologie  war  und 
schliesslich  kanzler  wurde  (rector  scholaruin)1  — ,  ist  es  das 
religiöse  gedieht 'Chasteau  d'amour',  welches  am  berühmtesten 
geworden  ist  und  lange  zeit  einen  grossen  einfluss  ausgeübt  hat. 
Die  weite  Verbreitung  des  Originals  und  dessen  bearbeitungen, 
sowie  der  hohe  grad,  in  welchem  es  gerade  auf  die  besten 
Schöpfungen  jener  zeit  eingewirkt  hat,  beweisen,  wie  allge- 
mein die  bewunderung  und  die  hochschätzung  dieses  ganz 
eigenartigen  literaturwerkes  gewesen  sind.  Aus  der  zahl  der 
hervorragenden  diehtungen,  welche  beeinflusst  sind  durch  das 
Chasteau  d'amour,  will  ich  hier  nur  die  beiden  grossartigen 
lehrgedichte  des  14.  Jahrhunderts  nennen,  nämlich  den  Cursor 
mundi2  und  den  Piers  the  Plowman.3 

Das  original  ist  in  anglo-normannischem  Französisch  ab- 
gefasst  und  liegt  in  vielen  handschriften  vor.  Eine  derselben 
befindet  sich  in  der  Bodleiana  zu  Oxford  und  hat  den  titel: 
'Romance  of  Mestre  Robert  Grosseteste'.  Eine  andere  hand- 
schrift,  welche  betitelt  ist  4Ce  est  la  vie  de  D.  Jhesu  de  sa 
humanite,  fet  et  ordine  de  Saint  Robert  Grosseteste,  ke  fut 
eveque  de  Nichole',  ist  in  Laud.  Bibl.  no.  471.  Ferner  befindet 
sich  eine  prächtig  ausgestattete  handschrift  in  der  bibliothek 
zu  BrUssel,  welche  überschrieben  ist  'Vie  de  dux  Jesu  Christ'. 

1  Lechler,  'Wiclif  bd.  I,  s.  180  ff. 

2  ten  Brink,  Gesch.  d.  engl.  Lit.  s.  3G1. 

3  Skeat,  'Piers  the  Plowman',  Early  English  Text  Soc.  IV,  1  s.  150, 
152,  405. 


312  HAASB, 

In  einigen  andern  hss.  führt  unser  gedieht  den  titel  l  Carmen 
de  creatione  mundi',  und  in  noch  andern  heisst  es  'Chasteau 
d'amour'.  Die  texte  zweier  anglo-normanniseher  hss.  liegen  ge- 
druckt vor  (Publications  of  the  Caxton  Society.  Now  first  edited 
by  Mr.  Cooke.  London  1852).  Der  eine  derselben  —  nach  der 
li8.  des  Corpus  Christi  College  in  Cambridge  —  nennt  das 
gedieht  'Carmen  de  creatione  mundi',  der  andere  text  —  nach 
uo.  1121  der  Ilarleiana  —  gibt  ihm  die  Überschrift  'Chasteau 
d'amour,  otherwise  called  "Carmen  de  creatione  mundi V  Die 
abweichungen  der  beiden  texte  sind  nicht  bedeutend.  Die  C. 
C.  C.-hs.  enthält  ein  mehr  in  den  versen:  429—430,  439—440, 
445—449,  565—506,  577—580,  649—650,  693—694,  837—838, 
843—844,  981—982,  1362-1363,  1540—1543, 1558—1559,  der 
llarleiana-text  hat  mehr:  v.  591—594,  767—768,  1049—1050, 
1168—1169,  1479—1480,  1506—1509,  1529—1557, 1595—1596, 
1619—1628.  1740—1743,  1756—1761. 

Mehr  als  einmal  ist  dieses  gedieht  im  laufe  der  folgenden 
beiden  Jahrhunderte  ins  Englische  Übertragen  worden.  Eine  der 
Übertragungen  ist  die  der  Vernon-hs.  in  der  Bodleiana,  welche 

beginnt: 

Her  byginet  a  tretys 

l>at  is  yclopt  Castel  off  loue 

tat  bisschop  Grostcyzt  inade  y  wis 

For  lewede  mennes  byhoue. 

Eine  zweite  redaktion  desselben  textes  findet  sich  in  einer  hs. 
des  Hrit.  Museums,  'Additional  Mss.  no.  22284'.    Diese  hebt  an: 

I»at  good  J?enche|? .  good  uiay  do. 
And  God  wol  helpe  .  bim  )?erto 
For  nas  neuer  .  good  werk  wroujt. 
W*  oute  beglnynge  .  of  good  ^oujt 
No  neuer  was  wrouht  .  non  eucl  )>ing 
I>1  euel  )>oulit .  was  \>q  biginnyng. 

Denselben  text  modernisiert  und  zum  teil  verderbt  hat  Mr.  Halli- 

well  ediert  nach  einer  hs.,  die  sich  im  Privatbesitz  l>efindet 

Nach  dieser  beginnt  das  gedieht: 

He  that  godd  thenketh  good  may  do, 
And  Ciod  wille  helpene  hiui  tlier-to; 
Far  ther  was  never  good  werke  i-wrougt, 
Withoute  bogynnvug  of  good  tliouglit. 

Diese  drei  hss.  hat  Mr.  Weviiioiitli  benutzt  bei  der  heraus- 
gäbe  des  altenglischen  gedichtes  *  Castel  off  loue'  für  die  Philo- 
logical  Society,     l'eber  das  verhältniss  der  drei  hss.  zu  einander 


CHASTEAU  D'AMOUR.  313 

handelt  der  herausgeber  in  einer  abhandlung,  welche  sich  in 
den  "Transactions  of  the  Philological  Society  1862/63'  p.  48—66 
findet 

Den  text  des  gedichtes,  wie  ihn  Mr.  Weymouth  festgestellt 
hat,  werden  wir  in  folgender  Untersuchung  benutzen  und  den- 
selben kurz  E1  nennen.  Eine  ganz  andere  Übersetzung  ist  die, 
welche  Mr.  Cooke  für  die  Caxton  Society  von  Ms.  Eg.  927  ver- 
öffentlicht hat.  Diese  Übertragung  werden  wir  im  folgenden 
mit  E2  bezeichnen. 

Bei  der  besonderen  Stellung,  welche  das  'Castel  off  loue' 
in  der  englischen  literatur  einnimmt,  dürfte  es  wol  der  mühe 
lohnen,  die  englischen  bearbeitungen  mit  der  französischen  vor- 
läge eingehender  zu  vergleichen,  was  bisher  nicht  geschehen 
ist  Eine  solche  arbeit  wird  uns  einen  blick  in  die  gedanken- 
werkstätte  der  englischen  dichter  gewähren,  und  wir  werden 
die  art  und  weise  ihrer  Übersetzungstätigkeit  kennen  und  wür- 
digen lernen. 

Die  Übersetzungen  im  mittelalter  sollten  nicht  wortgetreue 
Übertragungen  sein,  wie  die  modernen  zu  sein  pflegen,  sondern 
sie  waren  mehr  oder  weniger  freie  bearbeitungen  der  originale. 
Wir  werden  sehen,  dass  die  beiden  englischen  dichter  nur  be- 
strebt sind,  den  inhalt  ihrer  vorläge  genau  widerzugeben.  Sie 
haben  ihr  gedieht  nicht  in  ängstlicher  anlehnung  an  das  Fran- 
zösische verfasst,  vielmehr  sind  sie  dem  originale  gegenüber 
selbständig  und  schöpferisch  verfahren.  Bei  einem  vergleiche 
der  englischen  gedichte  mit  der  französischen  vorläge  kann 
daher  auch  nur  der  inhalt  der  werke  in  betracht  kommen. 

Zur  lösung  unserer  aufgäbe  wird  es  nötig  sein,  dass  wir 
drei  fragen  beantworten: 

1.  Worin  stimmen  die  englischen  dichter  mit  ihrer  vorläge 
überein? 

2.  Was  von  der  vorläge  findet  sich  bei  ihnen  nicht? 

3.  Welche  zusätze  haben  sie  gemacht? 

Ehe  wir  aber  zur  beantwortung  dieser  fragen  schreiten, 
finde  hier  erst  eine  kurze  bemerkung  über  das  versmass  unserer 
gedichte  platz. 

Das  metrum,  welches  dem  Verfasser  des  französischen 
Originals  als  muster  vorschwebte,  war  der  achtsilber  (in  reim- 
paaren).  Bei  weitem  die  meisten  seiner  verse  zählen  acht 
silben,  doch  gibt  es  auch  viele  zeilen  von  nur  sieben,  ja  selbst 


314  HAASB, 

solche  von  nur  sechs  silben.  Dem  einflussse  der  englischen 
raetrik  jener  zeit  ist  es  wol  zuzuschreiben,  dass  aus  dem  kor- 
rekten achtsilbler  zuweilen  sieben-  und  sechssilbige  verse  mit 
vier  hebungen  geworden  sind. 

Das  englische  gedieht  E1  ist  in  reimpaaren  von  viermal 
gehobenen  versen  abgefasst.  Der  dichter  von  E2  hat  sich  an 
kein  bestimmtes  versmass  gebunden.  Er  beginnt  sein  gedieht 
auch  mit  vierhebern,  aber  mit  der  begeisterung  wachsen  dem 
sänger  auch  seine  verse  an  dimension,  so  dass  selbst  Zeilen 
von  15 — 19  silben  sehr  zahlreich  sind. 

Einen  woldurchdachten  und  glücklich  angelegten  plan  hat 
der  gelehrte  bischof  seinem  werke  zu  gründe  gelegt.  Der  gegen- 
ständ seiner  dichtung  ist  kein  geringerer  als  derjenige,  welcher 
im  17.  Jahrhundert  den  grossen  Milton  zu  seinen  unsterblichen 
epen  begeisterte.  'Die  sünde  und  die  erlösung  des  menschen- 
geschlechtes  ',  so  heisst  das  thema  unserer  dichtung.  Ueber 
die  sttnde  und  ihre  folgen  handelt  der  dichter  im  ersten  teile 
(v.  20 — 426);  den  zweiten,  den  bei  weitem  umfangreichern  teil, 
widmet  er  der  erlösung  durch  Christus  (v.  427 — 1485).  Dieser 
zweite  teil  bildet  gleichsam  den  kern  der  dichtung.  Die  kapitel 
von  der  Schöpfung  der  weit  und  vom  sündenfalle  haben  diesem 
gegenüber  nur  vorbereitenden  Charakter,  sie  schaffen  —  so  zu 
sagen  —  nur  das  terrain  für  das  grosse  drama,  welches  sieh 
im  zweiten  teile  abspielt.  Nach  dem  inhalte  dieses  teiles  hätte 
daher  das  gedieht  auch  benannt  werden  müssen.  Von  den 
vielen  namen,  welche  man  ihm  gegeben  hat,  ist  nicht  einer 
recht  bezeichnend,  sie  sind  alle  nur  Überschriften  zu  dem  einen 
oder  andern  wichtigern  abschnitte.  Dass  die  bezeichnung  4De 
creatioue  mundi'  die  am  wenigsten  glückliche  ist,  ergibt  sieh 
aus  dem  weiter  oben  gesagten.  Der  titel  'Chasteau  d'amour' 
ist  auch,  wie  sich  zeigen  wird,  nur  die  Überschrift  zu  einem 
kapitel.  Die  blute,  in  welcher  der  kultus  der  rautter  des  er- 
lösers  stand,  erklärt  es  wol,  dass  dieser  name  anklang  fand 
und  der  beliebteste  titel  des  ganzen  gedichtes  wurde.  Die 
englischen  bearbeitungen  nennen  alle  unser  gedieht  nach  der 
heiligen  Jungfrau.  Auch  der  titel  'Vie  de  dux  Jesu  Christ', 
wie  ihn  die  Brüsseler  hs.  gibt,  oder  'Ce  est  la  vie  de  D.  Jhesu 
de  sa  huinanite'  (nach  Ms.  Laud  47)  gibt  keine  adäquate  Vor- 
stellung vom  inhalte  der  dichtung  und  ist  derselben  von  Grosse- 
teste ganz  gewiss  nicht  verliehen. 


CHASTEAU  D'AMOUR.  315 

Zum  schlösse  gedenkt  der  dichter  noch  der  höllenstrafen 
and  der  freuden  des  himmels.  Harmonisch  lässt  er  das  ganze 
aasklingen,  injdem  er  begeistert  die  Seligkeit  des  reiches  der 
herrlichkeit  schildert.  Der  stand  der  Unschuld,  von  dem  der 
anfang  des  gedichtes  erzählt,  ist  wider  hergestellt,  die  sünde 
ist  getilgt,  Christus  hat  gesiegt,  die  'erlösung  des  menschen- 
geschlechtes'  ist  gelungen. 

-  Die  anordnung  des  franz.  Originals  ist  also  die  folgende: 

Thema:  Die  sünde  and  die  erlösung  des  menschenge- 
schlechtes. 

Einleitung.    Zweck  der  dichtung. 

I.  teil.    Die  sünde: 

1.  De  principio  creationis  mundi. 

2.  De  medio  et  fine. 

3.  De  amissione  mundi  per  peccatum. 

4.  De  restauratione  ejusdcm  per  misericordiam. 

5.  De  rege  et  filio  suo  unico  aequale  patri. 

6.  De  .im.  filiabus  suis: 

a)  De  misericordia. 

b)  De  veritate. 

c)  De  justitia. 
e)  De  pace. 

II.  teil.    Die  erlösung: 

1.  De  adventu  jhesu  christi. 

2.  Quomodo  intravit  in  quoddam  castellum  quod  fuit 
corpus  virginis  intemeratae  mariae. 

3.  De  proprietate  castelli. 

4.  De  prophecia  ysaiae: 

a)  Quomodo  fuit  admirabilis. 

b)  Quomodo  consiliarius. 

c)  Quomodo  deus. 

d)  Quomodo  fortis. 

e)  Quomodo  pater  futuri  seculi. 
[schluss]       f)  Quomodo  princeps  pacis: 

a)  De  fine  seculi. 
ß)  De  die  judicii. 
7)  De  poenis  inferni. 
d)  De  gaudiis  caeli. 
Da  die  englischen  bearbeiter  dieser  anordnung  des  Origi- 
nals genau   folgen,  so   werden  wir  bei  unserer  Untersuchung 


316  HAASE, 

uns  derselben  auch  anschliessen  und  werden  bei  jedem  ab- 
schnitte feststellen,  wie  sich  die  bearbeitungen  der  englischen 
dichter  zu  dem  französischen  texte  verhalten.  Dies  wird  ge- 
schehen in  antwort  auf  die  drei  schon  erwähnten  fragen: 

1  Worin  stimmen  die  englischen  gedichte  mit  der  franzö- 
sischen vorläge  überein  V 

2.  Was  von  der  vorläge  findet  sich  in  ihnen  nicht? 

3.  Was  ist  in  denselben  hinzugefügt? 

In  den  hss.,  welche  Mr.  Weymouth  bei  der  herstellung  des 
textes  E1  benutzte,  finden  sich  stellen  übertragen,  die  man  nur 
in  der  französischen  hs.  des  Corpus  Christi  College,  nicht  in 
derjenigen  der  Ilarleiana  antrifft,  der  text  letzterer  hs.  kommt 
also  bei  unserer  vergleichung  nicht  in  betracht,  da  dem  autor 
des  textes,  auf  welchen  die  von  Mr.  Weymouth  benutzten  hss. 
zurückgehen,  der  text  der  C.  C.  C.-hs.  oder  ein  ganz  ähnlicher 
vorgelegen  hat.1 

Welche  redaktion  des  französischen  textes  dem  mönche 
von  Sallay,  dem  Verfasser  von  E2,  vorlag,  lässt  sich  nicht  be- 
stimmen. Der  dichter  verfährt  mit  dem  originale  so  frei,  das» 
sich  nicht  feststellen  lässt,  ob  einer  der  beiden  vorliegenden 
französischen  texte,  oder  ein  anderer  seine  quelle  war. 

Es  würde  zu  weit  führen,  den  Wortlaut  sämmtlicher  be- 
arbeitungen nebeneinander  zu  stellen  und  es  werden  oft  inhalts- 
angaben  genügen  müssen.  Die  übereinstimmenden  stellen  sollen 
meist  mit  den  Worten  der  dichter  gegeben  werden,  während 
von  den  Verschiedenheiten  nur  das  charakteristische  wörtlich 
hervorgehoben  werden  wird. 

Der  eingang  stimmt  in  den  gedichten  ziemlich  überein: 

F  1.  E1  1. 

Ky  bien  pense  bien  puet  diro  l'at  good  Renket?  good  may  do, 

Sanz  ponser  nc  pout  suffire  And  God  wol  helpe  him  [>orto; 

De  nul  bien  fet  comencer  For  nas  neuere  good  werk  wrou£t 

Deu  nus  doient  a  li  penser.  W«-oute  biginninge  of  good  l>oiijt; 

Ne  neuer  was  wroujt  non  vuel  |>ing 
ihit  vuel  pou^t  uas  J>e  biginnyng. 

E»  1. 
Who  so  wele  thinkes  welc  may  saye 
For  of  gode  thoghtes  coiues  godes  dedes  ayc 

1  Mr.  Weymouth  bat  den  text  in  modern-englischer  weise  inter- 
imngiert,  während  Mr.  Cooke  nur  die  zeichen  setzt,  welche  »ich  in  den 
Ii98.  finden. 


CHASTEAU  D'AMOUR.  317 

God  send  us  thoght  to  his  plesyng 
In  whos  fre  wil  hynges  all  thyng. 

In  Übereinstimmung  mit  dem   original   lassen  dann   auch 

die  englischen  dichter  den   apostolischen  gruss  nebst  einigen 

Sätzen  des  nicänischen  bekenntnisses  folgen: 

F  7.  E1  7. 

Deu  le  pere  e  deu  le  fiz.  God,  Fader  and  Sone  and  Holigost, 

E  deu  li  seinz  esperiz  tat  alle  J>Ig  on  eor)?e  sixt  and  wost 

Tres  sunt  qui  testimonium  tat  o  God  art  and  J?rilli-hod, 

dant  in  caelo:  pater,  verbuui  And  J?reo  persones  in  on-hod, 

et  spiritus  sanetus  .  et  hü  Wty-outen  ende  and  biginninge 

tres  unum  sunt.  To  whom  we  ougten  ouer  all  J>inge, 

Persones  treis  en  trinite  Worschupe  him  wi|?  trewe  loue, 

E  un  sul  deu  en  unite  tat  kinewor|>e  kyng  is  us  aboue; 

Sanz  fin  .  sanz  comencement  In  whom,  of  whoni,  |?orw  whoin  beo|? 

A  ki  honur  e  gloire  apent.  Alle J?e goodschipes J?1  wehere i-seo)?. 

II  nns  doint  ses  oures  fere  He  leue  us  }>enche  and  worchen  so, 

E  nus  defende  de  contrere.  tat  he  us  schylde  from  me  fo. 

E2  v.  5— -14. 
He  is  god  and  lord  of  mygtes  mast 
The  fader  and  sone  and  haligast 
In  godhed  are  thise  persones  thre 
And  all  are  on  god  in  trinite 
None  is  othir  of  thise  persones  thre 
Bot  alle  are  on  God  and  ay  sal  be 
Our  mede  is  to  trowe  this  with  s table  thoght 
AI  be  hit  that  inannes  skil  proves  it  noght 
Bot  when  we  sal  se  God  clerly. 
Than  sal  we  knawe  this  witerly. 

Schliesslich  sprechen  sich  die  dichter  von  F  und  El  in 
ihren  einleitun^en  noch  über  die  absieht  aus,  in  welcher  sie 
ihre  werke  verfassten.  F  sagt  (v.  15 — 23),  dass  er  in  roma- 
nischer spräche  sein  gedieht  geschaffen,  da  nicht  jeder  des 
Hebräischen,  Griechischen  oder  Lateinischen  mächtig  sei,  um 
in  diesen  sprachen  den  schöpfer  zu  loben.  Alle  aber  sollen  das 
lob  Gottes  singen,  lne  claudantur  ora  canentium  ad  te,  deus\ 
Der  dichter  fährt  fort  (v.  23—26): 

Ke  cheseun  en  son  langage 
Le  convisse  sanz  folage 
Son  deu  .  sa  redempchm 
En  romanz  comenz  ma  reison. 

In  E1  wird  dieser  teil  der  einleitung  viel  länger  (v.  19 — 82), 
weil  der  dichter  darin  den  entwurf  seiner  dichtung  hinzufügt, 
welchen  das   original   im  titel  gibt.    Die  motive  des  dichters 


318  HAASE, 

Bind  dieselben,  welche  einst  den  frommen  bischof  zur  Schöpfung 
seines  werkes  getrieben  haben  (v.  22—37): 

Ne  mowe  we  alle  Latin  witc, 

Ne  Ebreu  ne  Gru  )?at  bej?  iwrite, 

Ne  French  ne  \>\&  oJ>er  Speechen 

t>at  nie  inihte  in  world  secheu 

To  herie  God,  ure  derworpe  drillte, 

As  uche  mon  oujte  wl  al  Ins  inihte, 

Lofsong  syngen  to  God  jernc 

\\\\>  such  speche  as  he  con  lerne 

No  monncs  mou)>  ne  be  idut, 

Ne  his  ledene  ihud 

To  seinen  his  God  p*  hl  wroujte 

And  maade  al  \>e  world  of  nötigte 

On  Englisch  I  chul  mi  resun  schowen 

For  hi  J>at  con  not  iknowen 

Nou|>er  French  ne  Latyn. 

Ueber  den  zweck  seines  werkes  redet  der  Verfasser  von  E2 
kurz  in  der  Überschrift,  er  sagt:  lHere  begynnes  a  romanee  of 
englische  of  the  begynnyng  of  the  world  .  and  of  al  that  a  lewed 
man  has  nede  far  to  knawe  far  hele  of  soule\  Der  dichter 
nennt  dann  seine  quelle  und  fügt  hinzu,  dass  er  'eked  mikel 
therto,  as  him  thought  spedeful  to  edeficacion  and  swettenes 
of  devocioun,  and  bering  of  lewed  men\ 

Nach  dieser  einleitung  gehen  die  dichter  zu  der  behand- 
lung  des  ersten  hauptabschnittes  ihres  werkes  über.  Der 
eingang  desselben  erzählt  erst  kurz  von  der  Schöpfung  der 
weit  (F  v.  29—130),  der  rest  handelt  dann  aber  ausführlich 
(F  v.  131 — 426)  von  der  stinde  der  menschen  und  ihren  folgen. 
Wir  haben  daher  den  ganzen  ersten  teil  nach  dem  inhalte 
dieses  zweiten  passus  benannt  Das  ganze  gedieht  nach  dem 
kurzen  eingange  '  Carmen  de  creatione  mundi'  zu  betiteln,  finde 
ich  wenig  gerechtfertigt,  es  sei  denn,  dass  dadurch  ein  gedieht 
bezeichnet  werden  soll,  welches  mit  der  Schöpfung  der  weit 
beginnt. 

Den  ersten  kleinen  abschnitt  nennt  das  original:  'De  prin- 
cipio  ereationis  mundi1.  Es  wird  darin  erzählt  von  der  Schöpfung 
der  weit  —  den  menschen  ausgenommen.  Ehe  durch  die  tor- 
heit  der  menschen  die  sttnde  in  die  weit  kam,  strahlte  die 
Schöpfung  Gottes  in  herrlicher  pracht  Jesaias  bezeugt  das. 
In  E1  wird  dasselbe  gesagt,  nur  erwähnt  der  dichter  schon 
hier  die  überhebung  Lucifer's: 


CHASTEAU  DAMOUR. 


319 


F  v.  43—62. 
Oez  seignurs  comunenient 
Kant  deus  au  comencement 
Ki  tuz  bien  fet  et  tuz  bien  veit 
Ci  el  e  tere  fet  aveit 
Od  tut  lur  aurnemenz. 


E1  v.  91—112. 
LustneJ?  to  me  lordynges: 
I>o  God  atte  begynnynges 
Hedde  imaad  heuene  wij>  ginne 
And  J?e  angeles  so  briht  wij?-inne 
And  \>e  eor)?e  )?erafter  )>erwij>, 
And  al  J?at  euere  in  hire  bilyj? ; 
Lucifer  in  heuene  wox  so  proud, 
tat  he  was  a-non  icast  out, 
And  mo  angeles  )?e  eni  tonge  mai  teile 
Füllen  adoun  w'ip  him  to  helle. 
And  git  was  J?e  söne  )?e  seuesy]?e  iwis 
Brihtore  forso]?e  \>en  heo  now  is; 
Also  schon  \>e  mone  aniht 
So  dop  ]?e  söne  on  dayliht. 

Ne  holde  je  hit  not  for  folye 
For  so  sety  )?e  prophete  Ysaye: 
Alle  ]>e  Schaftes  |?at  \>o  weren 

More  mijt  and  strengte  beren 
Bifore  J?at  Adam  \>e  world  for-les. 

Alias  wjuch  serwe  and  deol  )?er  wes ! 
Alle  heo  beoj?  ibrouht  to  grounde 
bat  of  his  of  springe  beoj?  ifoüde. 

In  E2  wird  die   Schöpfung  der  weit  in  v.  15 — 26  erzählt. 

In  v.  19 — 20  erwähnt  der  dichter  den  fall  der  engel.    Sodann 

fügt  er  hinzu  (v.  16):  die  einsetzung  des  sabbaths  und  (v.25 — 26) 

den  satz,  dass  die   menschen  durch  die  sünde  die  allgewalt 

über  die  tiere  verloren  haben  (v.  15 — 26): 

God  in  VI  dayes  made  bothe  earthe  and  heven 
And  to  make  haliday  cessed  at  the  seven 
Heven  was  occupid  with  angeles  kynde 
Evermore  on  god  for  to  have  thair  mynde 
Bot  many  thorgh  pride  fei  into  helle 
Thar  sal  thei  all  wythouten  ende  dwelle 
Bothe  sunne  and  mone  brigt  thai  wäre 
Then  sevenfold  then  thay  now  are 
And  all  erthli  thing  more  vertuous 
Bi  for  Adam  thurgh  synne  was  vicious 
And  ilk  a  best  sul  have  bowed  to  mannes  will 
Had  he  never  bi  way  of  synne  don  none  ill. 

'De  medio  et  fine'  wird  in  F  der  zweite  abschnitt  des 
gedichtes  genannt.  Er  handelt  von  der  erschaffung  Adam's, 
von  der  Schöpfung  des  weibes,  vom  paradies  und  von  den  zwei 


Li  soleil  fu  a  ceu  tens 

Set  foiz  plus  cler  ki  nest  ores 

E  la  lune  si  cler  lores 

Come  li  soleil  ore  luit 

Lusoit  adonke  de  nuit 

Ne  le  tenez  a  folie 

Kar  cest  le  dit  ysaie 

Tute  les  choses  du  mund 

En  tere  .  en  mer  .  a  val .  a  munt 

De  greignure  vertu  furent 

Avant  ke  forfet  eurent 

Eve  e  Adam  par  folage 

Deu  quel  dolur  quel  damage 

A  la  inort  sunt  tuz  livre 

Ki  du  lignage  sunt  trove. 


320  HAASE, 

ersten  geboten  Gottes.  Der  dichter  von  E1  folgt  seiner  vorläge 
ziemlieh  genau  und  fügt  nur  zuweilen  kleine  züge  hinzu,  die 
sehr  charakteristisch  sind:  während  in  F  die  werke  Gottes 
nach  den  Worten  der  bibel  beschrieben  werden,  fügt  der  Ver- 
fasser von  El  manches  hinzu,  was  auf  eigener  anschauung  der 
dinge  beruht,  er  hat  ein  äuge  für  das  schöne  und  liebliche  in 
der  natur. 

Die  verse  67 — 80  in  F  berichten  von  der  Schöpfung  Adam's: 
Gott  formte  ihn  aus  einem  erdenkloss  nach  seinem  bilde  im 
talc  Hebron  und  gab  ihm  eine  seele  nach  der  heiligen  drei- 
einigkeit.    E1  weicht  von  dieser  darstellung  in  F  wenig  ab: 

F  v.  fJ7—  78.  E1  v.  119—132. 

Kant  Den  le  mund  fet  aveit  l>o  God  hedde  al  )>o.  world  iwroujt 

Issi  ke  rieu  ni  failleit  I>at  f>er  ne  faylede  rijt  noujt, 

Bestes,  arbres,  erbe  nc  fruit  Beest  ne  fisch  ne  foul  to  fleon 

Chescun  solum  eo  kil  fuit  And  uche  }?ing  as  liit  ougte  to  beon. 
Peison  en  ewe  oiscl  en  air 
Co  devons  tre  bien  saveir 

Blostne  on  boug  and  breer  on  rys 
And  alle  J?ing  betere  pen  hit  nou  ia. 

Kant  ico  trestut  fet  a  And  \>o  be  hedde  al  wel  idon 

Tut  anderain  adain  cria  He  com  to  |>e  valeye  of  Ebron 

El  val  de  hehron  sanz  dotance  I'er  he  made  Adam  so  riebe 

Le  fist  de  tere  a  sa  semblance  Of  eor^e,  after  hyni  seif  iliche; 

Apres  la  seinte  trinite.  And  aftur  bis  holy  ^rilli-bod 

Oriat  sahne  en  verite  He  schop  bis  soule  feir  and  good. 

E2  erzählt  diesen  Vorgang  kurz  in  vier  versen  (27 — 30): 

When  god  bad  tbe  world  so  perfit  made 
That  no  partie  of  hit  defaut  bade 
Then  of  erth  he  made  Adam  of  man  age 
To  bis  liknes  in  sanle  he  was  and  his  ymage. 

Die  dichter  berichten  in  dem  folgenden  von  der  gefdhrtin 
des  menschen.  In  F  und  E1  wird  die  erschaffung  des  weibes 
einfach  nach  der  darstellung  der  Genesis  (2,  21 — 23)  gegeben, 
der  Verfasser  von  E2  nimmt  aber  veranlassung,  hier  einen 
kleinen  moralischen  exkurs  zu  machen: 

F.  v.  M— 86.  E1  v.  133— 13S. 

En  parais  lat  mene  To  paradys  be  ladde  bim  \>o 

Somoil  en  lui  ad  jete  And  caste  sleep  on  bim  also 

Une  coste  de  lui  prist  I>at  of  bis  syde  a  rib  he  noiu, 

Pont  sa  couipaigne  li  fist  And  \>a-of  Eue  bis  feere  com. 

E  puis  devant  li  lainena  ne  gaf  Adam  Eue  to  wyne 

E  en  aie  lui  dona.  To  belpen. 


CHASTBAU  D'AMOUR. 


821 


E*  v.  31—36. 
Of  a  rib  of  Adam  syde  when  he  lay  slepand 
God  made  Eve  that  sho  to  him  suld  ay  be  kepand 
Of  on  god  made  al  man  kynde  for  ilkon  suld  love  other 
And  non  til  other  do  wrong  more  .  mor  then  til  bis  hrother 
What  lyf  myjt  mor  be  schewed  to  man  in  charite 
Ten  in  saul  make  him  lik  to  the  haly  trinite. 

Von  dem  glücklichen  zustande  der  menschen  vor  dem 
stindenfalle  handelt  der  folgende  abschnitt  (F  v.  87 — 108,  El 
v.  141 — 166):  Weisheit,  Schönheit,  macht  und  freien  willen  hat 
Gott  den  menschen  gegeben;  über  die  ganze  weit  sollen  sie 
herrschen  ohne  aufhören,  und  das  paradies  soll  ihr  wohnsitz 
sein;  dort  werden  sie  strahlen  in  herrlicher  pracht,  glänzend 
wie  die  sonne  vor  dem  tage  der  sünde.  Das  geschlecht  der 
menschen  wird  herrschen  auf  erden,  bis  es  einst  auffährt  zum 
himmel  ins  reich  der  herrlichkeit.  Alle  drei  gedichte  bringen  den 
glaubenssatz  der  mittelalterlichen  kirche,  dass  die  menschen  so 
lange  in  Jugend  und  Schönheit  auf  erden  walten  werden,  bis 
sie  zahlreich  genug  sind,  die  grosse  schaar  der  gefallenen  engel 
zu  ersetzen: 


El  v.  151—154. 
And  euere  to  libben  iliche  gong, 
0  |?at  of  hem  to  weren  atsprong 
I>e  noumber  of  ]>e  soule  J>at  frö  he- 

uene  feile 
I>orw  Lucifer  adoun  to  helle. 


F  v.  91— 100. 
E  vivre  deskes  cel  estage 
Tut  san  peine  e  san  dolur 
Deske  veinst  iceu  jur 
Que  de  eus  issu  feussent 
Tant  que  paremplir  peussent 
Par  numbre  tant  de  compaignie 
Com  forent  cous  ki  par  folie 
E  par  orgoil  du  ciel  cheirent 
E  en  enferre  descendirent 

Nachdem  der  Verfasser  von  E2  die  freuden  und  guter  der 
unschuldigen  menschen  ganz  in  anlehnung  an  seine  vorläge 
geschildert  hat,  fährt  er  fort  (v.  45 — 50): 

Bot  if  thai  had  kepid  wel  alle  goddis  biddyng 
Thay  suld  have  leved  joyfully  and  all  thair  of  spring 
Til  thay  had  ben  tan  til  heven  to  fille  that  fair  place 
That  thurgh  pride  of  Lucifer  and  his  feres  voyde  was. 

Zwei  geböte  gibt  Gott  den  menschen: 


F  v.  111—112. 
Mes  dous  lais  furent  assis 
A  adam  en  paradis 
E  si  vous  dirrai  bien  queus. 

Anglia,  XII.  band. 


E1  v.  167—168. 
Two  lawen  Adam  scholde  iwis 
Witen  and  holden  in  paradis. 


21 


322  HAASB, 

Das  erste  nennt  das  original  ein  'natürliches'  gebot: 

F  v.  114—117.  E1  v.  169—172. 

Lune  si  fu  natureus  In  on  him  was  ]?orw  kynde  ilet: 
Ke  fere  deut  natureument 

Trestut  le  coraandement  I>at  on  him  taufte  atte  leste 

Kanque  den  lout  comande.  horw  kynde  to  holden  Godes  beste. 

Dieses  erste  gebot  wird  in  E2  nicht  erwähnt.  Das  andere 
gebot,  das  'positive',  wie  es  in  F  genannt  wird,  lautet: 

F  v.  118—124.  E»  v.  173-180. 

La  positive  est  nome  I>at  o|>er  lawe  }>at  him  was  set: 

Cele  que  defent  al  home 

Ne  mangez  pas  de  la  pome  *  Of  }>c  appel  J>ow  neuer  no  et, 

Del  arhre  que  ci  vcez  Of  |?c  tre  |»at  is  forbodo' 

Sachez  se  vous  ia  mangez  So  him  seide  and  higte  God, 

Tut  munrez  cnfin  de  mort  tat  whon  he  of  ]>e  appel  cte 

Sanz  solaz  e  sanz  confort.  frorw  dej>  he  scholde  J>e  lyf  forlcte 

And  al  |>e  kynde  ]>at  of  him  com 
Scholde  )?ole  dulke  dorn. 

Dieses  gebot  findet  sieb  auch  in  E2  (v.  41 — 44): 

Of  all  the  trees  in  paradis  hi  goddis  biddyng  thai  suld  ete 

But  the  frut  of  the  tre  of  wetyng  of  gode  and  illc  thai  suld  lete 

What  tynie  as  thei  ete  of  that  thai  suld  forfet  thair  heritage 

And  be  oblischid  to  deth  and  hole  payne  thai  and  all  their  lynage. 

Nach  diesen  beiden  passus,  die  einleitenden  Charakter 
tragen,  geben  die  dichter  zur  behandlung  des  ersten  teiles  des 
themas  über.  Die  folgenden  abschnitte  bandeln  von  der  Bünde 
und  den  folgen  derselben. 

Der  erste  wird  in  F  überschrieben:  'De  amissione  mnndi 
per  peccatum'.  Adam  isst  von  der  verbotenen  frucht  auf  an- 
reizung  von  seiten  des  weibes.  Alle  drei  dichter  heben  be- 
sonders hervor,  dass  Eva  es  ist,  durch  welche  alles  unheil  in 
die  weit  gekommen.  Durch  diese  tat  Übertritt  Adam  beide 
geböte  Gottes. 

F  v.  135— 13V  E1  v.  191—196. 

Kant  il  la  pome  manga  ho  he  of  J>c  appel  eet, 

Ainhdous  les  loys  trespassa  Godes  beste  he  tobrek 

E  naturelc  et  positive  He  kyndeliche  and  J?e  set  ek 

Par  sa  femme  la  eheitive.  BoJ>e  bis  lawen  he  tobreek, 

And  rarere  he  dude  bis  wynes  bode 
l>en  he  he  old  \>e  hoste  of  Gode. 

In  E2  wird  die  geschichte  der  verfuhrung  durch  Satan  nach 
Gen.  3  ausführlich  erzählt  Der  teufel  kommt  in  schlangengestah 
mit  dem  gesiebte  eines  weibes  und  wendet  sich  an  Eva: 


CHASTBAU  D'AMOUR.  323 

E*  v.  54—56. 
And  sayde  whi  had  god  ge  suld  nogt  etc  of  all  tres  tliat  ther  was 
Of  all  the  trees  quoth  eve  that  their  is  we  niay  ete  at  our  liking 
Out  tan  on  that  is  forbod  paraunt  for  dred  of  deying. 

Der  feind  wendet  sich  dann  mit  erfolg  an  die  eitelkeit 
des  weibes: 

E*  v.  57—61. 
Tban  sayde  the  fend  ge  sali  nogt  deye  therfore  god  wot  it  wele 
Bot  as  god  sali  je  be,  knaw  and  bothc  gode  and  yvell 
Eve  sagh  that  the  frut  was  gode  and  ful  gretly  lykand 
Sho  tastid  sone  and  gaf  therof  tili  her  owen  husband 
Adam  wolde  nojt  greve  his  wyf  bot  sone  he  ete  wit  hir. 

Im  folgenden  ist  dann  die  rede  von  den  unmittelbaren 
folgen,  welche  die  Übertretung  für  Adam  und  sein  weib  persön- 
lich hatte:  sie  werden  aus  dem  paradiese  vertrieben,  müssen  im 
schweisse  ihres  angesiebtes  arbeiten  und  werden  sterblich: 

F  v.  141—150.  E1  v.  197-208. 

Ore  est  adam  engete  I>us  Adam  porw  reujrful  rage 

De  parais  desherite  Was  cast  out  of  his  heritage 

And  out  of  paradys  idriue 

De  joie  mis  est  a  dolur  In  swynk  and  swot  I  world  to  live 

En  travail  e  en  suur  te  blisse  of  lyf  he  ha|>  forsaken 

Per  murir  perdra  sa  vie  And  to  deolful  def>  him  taken 
Ou  querra  il  mes  aie  u.  s.  w. 

u.  s.  w. 

In  E2  wird  nur  der  verlust  des  paradieses  erwähnt  (v.  63 — 64): 

Sone  thai  were  put  fro  that  place  to  sorow  and  to  care 
That  never  niygt  no  creature  recover  it  mare. 

Die  folgende  stelle  fügt  der  dichter  von  E1  hinzu.  Er  lässt 
uns  einen  blick  tun  in  die  hölle  und  zeigt  uns,  welchen  ein- 
druck  die  sünde  der  menschen  dort  macht  Lucifer  und  sein 
anhang  freuen  sich  über  den  erfolg,  denn  ihr  machtzu wachs 
dadurch  ist  bedeutend;  so  verstärkt  werden  sie  es  einst  wagen 
können,  den  kämpf  um  den  verlorenen  himmel  wider  aufzu- 
nehmen. 

E1  v.  209—216. 
Lucifer  gon  wel  lyke  J?o, 
I>o  Adam  was  beswiken  so; 
For  alle  ]?e  fendes  hedden  onde 
I>at  he  scholde  come  to  ]?*  blisful  londe 
I>at  he  hedde  \>otw  pruide  forlore: 
Wel  hit  likede  hem  {?erfore. 
So  muche  wox  heore  miht  |>o, 
tat  al  |>e  world  moste  after  hem  go. 

21* 


324  HAASE, 

Uebereinstimmend  schildern  dann  die  dichter,  welche 
schlimmen  folgen  die  sünde  Adam's  für  die  ganze  weit  hatte: 

F  v.  151-156.  E1  v.  223—228. 

Trop  fu  grief  iceu  pechie  For  egle  and  hard  and  muche  hit  wea 

Kant  trestut  feut  entnschie  l»e  synne  )}t  ]n\s  J»e  world  forles, 

Kanque  de  suz  lc  cicl  fu  bat  uche  |>ing  under  hevendriht 

En  perdi  part  de  sa  vertu.  So  muche  les  of  strengte  and  uiiht. 

Den  ne  fist  chose  si  haute  God  ne  wrouhta  neuer  }>at  )>ing 

Nabessast  pas  sa  defaute  I>at  outles  f>orw  His  wouyng; 

E*  v.  «5— (HS. 
Alle  thying  under  heven  made  was  to  niannes  solace 
And  therfor  syn  he  synned  all  thai  vertue  lesse  has. 

Dass  diese  strafe  Gottes  notwendig  war,  davon  reden  die 
folgenden  verse  (F  v.  157—182,  E*  v.  229—254,  E*  v.  67—70). 
Alles  in  der  weit,  so  sagt  unser  gedieht,  ist  starren  gesetzen 
unterworfen;  wer  den  willen  Gottes  nicht  befolgt,  muss  die  un- 
abwendbaren folgen  seines  fehltrittcs  über  sich  ergehen  lassen. 
Durch  die  sünde  ist  Adam  der  knecht  Satan's  geworden,  ihm 
ist  er  als  sklavc  verfallen.  Als  dieuer  der  sünde  und  des  teufeis 
hat  er  aber  jedes  anrecht  auf  sein  göttliches  erbe  verloren. 

F  v.  177-1S2.  E1  v.  251— 255. 

E  seit  ke  ne  peut  c  lainer  uiie  And  J>euwe  and  )>ral  inay  not  craue 

Ileritez  ne  seignurie  horw  riht  non  heritage  to  haue: 

Puis  ke  serts  est  devenu  As  sone  as  he  is  |>ral  bicome, 

Son  heritage  est  retenu  His  heritage  is  him  binome 

Ne  il  niert  riens  entendu  In  court  ne  in  none  londe 

En  nule  cort  ne  respondu  Me  ne  ougte  onswere  hl  ne  under- 

stonde. 

In  dieser  grossen  bedrängniss  kann  nur  durch  ein  wunder 

rettung  erfolgen.    Ein  erlüser  muss  kommen,  der  wahrer  Gott 

sei,  so  dass  er  ohne  sünde  ist,  und  zugleich  wahrer  mensch, 

damit  er  für  sein  geschleeht  das  verlorene  erbe  wider  erringen 

kann: 

F  v.  1S3— 190.  E  v.  255— 260. 

Dont  sil  veut  son  droit  conquerc 

Uli  covient  autre  quere  l>efic  he  mot  ano}>cr  seche 

Ki  soit  de  frache  nacion  For  to  sehewe  for  hitn  his  spoche 

E  pur  lui  mustre  sa  reison  tat  mowe  his  heritage  craue, 

Pur  clamer  son  heritage  And  )>at  he  fe  kyude  haue; 

E  kil  soit  de  son  lignage  bat  he  beo  iboren  fre, 
En  si  kil  soit  verrais  hoine 

Ne  kil  ne  inangast  de  la  pome.  And  )>at  he  ne  eete  of  )>e  tre. 

Eigentümlich  ist  in  der  folgenden  stelle,  dass  plötzlich 
neben   den    beiden   geboten,    welche  Gott   den   menschen  im 


CHASTEAU  d'äMOUR.  325 

paradiese  gegeben  hat,  auch  das  gesetz  Mosis  genannt  wird; 
der  dichter  lässt  hier,  nachdem  er  bislang  den  drei  ersten 
kapiteln  der  Genesis  im  ganzen  gefolgt  ist,  den  chronologischen 
faden  fallen  und  geht  zu  freier  darstellung  über: 

F  v.  191—195.  E1  v.  261—265. 

Sanz  pechie  lestent  venir  bat  he  habbe  iwust  wijnnne 

E  tutes  le  treis  leys  tenir  l>e  J?reo  lawen  wtyoute  synne, 

Cele  dous  de  paradis  frulke  two  of  Paradys. 

E  cele  du  mont  synais  And  Jnilke  of  \>e  Mount  Synays, 

Ke  feut  a  Moysen  donee.  t>at  to  Moyses  igiuen  was. 

In  E2  wird  in  folgenden  beiden  versen  auf  den  ratschluss 
Gottes  hingewiesen: 

There  was  all  this  world  lost  their  was  no  help  in  creature 
Bot  god  wist  wbat  was  bis  wil  tbat  of  all  tbyng  bas  eure. 

Nach  diesen  beiden  zeilen  folgt  in  E2  eine  lange  para- 
phrase  über  die  zehn  geböte,  welche  vom  dichter  hinzugefügt 
ist  (v.  73 — 146).  Als  sehr  charakteristisch  für  die  behandlungs- 
weise  des  Verfassers  möge  die  Umschreibung  des  vierten  ge- 
botes  hier  folgen: 

E»  v.  99— 106. 
Tbe  ferd  is  worschip  thi  fader  and  thi  moder 
Be  way  of  kynde  thes  two  may  nogt  be  the  to  der 
To  thaim  ogbten  tbou  buxumnes  and  bonor 
And  also  in  tbair  belp  and  socour 
And  baly  kirk  is  tbi  moder  gastly 
And  tbe  keper  of  tbi  saule  tbi  fadir  sotly 
And  who  so  is  tbi  wardly  lord  or  thi  kyng 
Is  taken  for  tbi  fadir  in  tbis  bydding. 

In  den  himmel  wird  die  scene  jetzt  verlegt.  Der  dichter 
schildert  den  eindruck,  welchen  die  sünde  der  menschen  dort 
gemacht  hat;  er  berichtet  über  die  Verhandlungen,  welche  vor 
dem  trone  des  allerhöchsten  über  das  Schicksal  der  gefallenen 
menschheit  stattfinden,  es  entspinnt  sich  ein  förmlicher  prozess. 

Man  bemerkt,  dass  der  gelehrte  Verfasser  Studien  an  der 
Universität  zu  Paris  gemacht  hat;  er  steht  ganz  unter  dem  ein- 
flusse,  welcher  im  13.  Jahrhundert  von  jenem  mittelpunkte  der 
gelehrten  Studien  des  ganzen  abendlandes  aus  sich  weithin 
erstreckte.  Unser  gedieht  zeugt  von  der  Oberherrschaft,  zu 
welcher  die  Scholastik  und  der  mysticismus  gelangt  waren,  es 
ist  selbst  eine  frucht  jener  periode,  in  welcher  die  didaktik 
im  gewande  der  allegorie  allmählich  alle  anderen  dichtungg- 
arten zu  überwuchern  begann. 


326 


HAASE, 


Wie  weit  der  dichter  andere  der  zahlreichen  allegorisch- 
didaktischen  dichtungen  benutzt  hat,  soll  in  einer  späteren 
arbeit  untersucht  werden. 

Diesen  ganzen  abschnitt  (F  v.  205—426,  E*  v.  275—520), 
der  von  den  im  himmel  gepflogenen  Verhandlungen  berichtet, 
welche  der  beschlussfassung  über  die  erlösung  vorangehen, 
überschreibt  der  dichter  '  De  restauratione  ejusdem  per  miseri- 
cordiam'. 

Der  erste  teil  dieses  abschnittes  handelt  über:  'De  rege 
et  filio  suo  unico  aequale  patri\  Bei  den  dichtem  herrscht  an 
dieser  stelle  völlige  Übereinstimmung: 


F  v.  205—216. 
Un  reis  esteit  de  graut  poeir 
De  bon  voleir  .  de  grant  saveir 
Iceu  rois  un  fiz  avoit 
Ki  trestut  son  seu  savoit 
Tut  autre  teus  cum  fu  lo  pere 
Si  est  le  fiz  en  sa  manere 
Dun  saveir  dune  substance 
Dun  voleir  dune  puissance 
Par  ki  trestot  ordineit 
Quanka  son  reaume  apendeit 
Quankil  voleit  conienceir 
Par  son  fiz  le  vont  cheveir. 


E1  v.  275  -288. 
Hit  was  a  kyng  of  muche  mihi, 
Of  good  wille  and  gret  insiht; 
And  p\s  kyng  hedee  a  sone 
Of  such  wit  and  of  such  wone, 
Of  such  strengte  and  of  such  chero, 
As  was  his  fader  in  Ins  manere. 
Of  on  wille  heo  weoren  bo, 
And  of  on  studefastschipe  also; 
Of  on  fulnesse  heo  weoren  outriht, 
And  bo)?e  heo  weoren  of  on  miht. 
I'orw  pe  sone  \>e  fader  al  begon 
I>at  bi-lay  to  his  kynedom. 
What  )?at  was  of  his  begynnynge, 
fre  fader  wolde  to  ende  bringe. 

E»  v.  148—155. 
A  king  thor  was  of  soverayne  worthines 
Ful  of  morcy  and  wysdam  and  all  godenes 
A  sone  he  hadde  knewe  all  his  wille 
And  mygt  and  wald  al  hit  fulfille 
Thai  were  ay  bothe  al  on  substaunce 
And  betwix  theim  was  no  distaunce 
What  as  the  fader  wald  have  amendyd 
By  his  sono  godely  hit  suld  be  endid. 

Der  zweite  teil  macht  uns  mit  den  vier  tüchtern  Gottes 
bekannt.  Ihre  namen  sind:  Misericordia,  Vcritas,  Justitia  und 
Fax.  Es  sind  allegorische  gestalten,  welche  vier  eigenschaften 
Gottes  symbolisieren.  Die  dichter  charakterisieren  die  vier 
Schwestern  übereinstimmend : 


F  v.  217— 22S. 
Quatre  fillies  ot  ceu  rei 
A  chescune  dona  par  sei 
Son  affcraut  de  sa  substance 


E1  v.  289—298. 
Fourc  douhtren  hedde  \>e  kyng, 
And  to  uchone  sunderling 
II e  jaf  a  dole  of  his  fulnesse, 


CHASTEAU  D  AMOÜR. 


327 


De  son  sen  .  de  sa  puissance. 

Chescune  diverseiuent 

Solunc  co  ka  hü  apent 

De  sa  substance  ot  chescune 

£  trestut  et  substance  une 

Ka  lur  pere  avenait 

Ne  sanz  co  ne  poeit 

Son  regne  en  peis  governer 

Nod  dreiture  justiser. 


Of  bis  miht  and  of  bis  wysnesse, 
As  wolde  bifallen  to  uchon; 


And  git  was  al  )?e  folnesse  on 
t>at  to  hiinself  bilay 
Wty-oute  whom  he  ne  may 
His  kindom  wty  pees  wysen 
Ne  wij?  rihte  hit  justisen. 


Ea  v.  156—163. 
Four  doghters  hade  this  grete  kyng 
That  fulfillid  all  bis  likyng 
Thai  weir  of  his  substance  ilkon 
And  all  that  substance  was  bot  on 
Thai  four  doghters  thurgh  comune  assent 
Performed  all  his  jugement 
Bot  if  thise  four  use  ay  wele  thair  myght 
May  never  no  rewme  be  rewled  right. 

In  F  v.  237—243  und  in  Ei  v.  307-318  wird  dann  des 
armen  gefangenen  gedacht,  um  dessen  sein  oder  nichtsein  es 
sich  hier  handelt  (El  v.  317).  Es  lastet  zwar  schwere  schuld 
auf  ihm: 


Ki  par  un  tres  grant  forfet 
Ke  ver  son  seignur  ot  fet 
Par  agard  de  jugement 
Estoit  mis  en  grant  turment 


tat  for  his  gult  strong  and  gret 
W\\>  his  lord  was  so  ivet, 
tat  j?orw  besiht  of  riht  dorn 
To  strong  prison  was  idon; 


aber  der  Übermut  und  die  grausamkeit  seiner  peiniger,  welche 
ihr  opfer  ohne  gnade  quälen,  bringen  endlich  Misericordiam 
dazu,  die  befreiung  des  gefangenen  zu  versuchen. 

Der  folgende  abschnitt  unseres  gedichtes  '  De  .iiii.  filiabus 
suis7  ist  ein  streitgedicht  (däbat,  disputation).  Diese  gattung 
wurde  im  13.  Jahrhundert  sehr  gepflegt,  oft  wurden  damals 
gedichte  in  form  von  prozessen  behandelt.  Es  zeigt  dies  den 
grossen  einfluss  der  Jurisprudenz. 

Die  Schwestern  berufen  sich  alle  auf  ihre  hohe  und  edle 
abstammung,  sie  haben  durch  dieselbe  das  recht  und  die  pflicht, 
in  Sachen  des  gefangenen  zu  reden.  Fast  derselben  worte  be- 
dienen sich  alle;  Pax  z.  b.  sagt: 


F  v.  373—375. 
Ta  fille  sui  sanz  dotance 
Issue  de  ta  substance 
Devant  tei  doi  estre  oie. 


E1  v.  459—60. 
I  am  ]>i  dougter  saugt  and  some, 
And  of  \>i  fulnesse  am  icome. 


328  HAASE, 

Misericordia  sagt  nach  E2  v.  177 — 180: 

Dere  fader  kyng  of  mygtes  niast 
Thi  doghter  y  am  wele  thou  wast 
Füll  of  myknes  swetnes  and  pite 
Dere  fader  alle  thes  have  y  of  the. 

Misericordia,  die  älteste  der  töchter,  wendet  sich  zuerst 
an  den  vater.  Sie  gründet  —  Übereinstimmend  in  den  drei  ge- 
dichten  —  ihre  bitte  um  gnade  darauf,  dass  Satan  auf  unrecht- 
mässige weise  sich  der  herrschaft  über  den  menschen  bemäch- 
tigt habe;  nur  durch  lüge  und  betrug  sei  es  jenem  gelungen, 
diesen  zur  Übertretung  der  geböte  des  Schöpfers  zu  verleiten: 

F  v.  265—270.  E1  v.  335—344. 

Ki  par  premesse  le  trahirent  Heo  hi  made  agulte  fnilke  unwreste, 

Par  unt  trespasser  lc  firent  And  biswikede  hl  forw  heor  feir 

La  primesse  lui  fauserent  beheste, 

Kar  fausetez  tut  tens  querent  And  begüede  hl  J?erof,  and  heo  luytel 

E  fausete  lur  sott  rendu  roujte 

E  le  prison  a  moi  rendu.  For  falshede  euergite  heo  sonnten. 

And  falshede  hem  igolde  be 
And  )?e  wrecche  prisun  isold  to  me. 

E»  v.  183—184,  187—188. 
His  enemys  wit  thair  falshede 
Has  put  him  to  so  gret  nede 
Thair  falshed  may  gretly  letted  ben 
And  that  prison  be  golden  to  men. 

Der  vater  muss  ihr  gnade  gewähren  für  den  unglücklichen  ge- 
fangenen, er  kann  seiner  tochter  die  bitte  nicht  abschlagen: 

F  v.  275—276.  E1  v.  349  -850. 

Ne  dirrai  ke  ta  fille  feusse  Neuer  I  ]>\  douhter  neore, 

Si  de  celui  pitie  neusse.  Bote  milce  toward  him  were. 

E*  v.  190—191. 
That  y  were  thy  dohter  myjt  y  never  saye 
Bot  y  wald  ever  for  sinful  man  praye. 

Sehr  erstaunt  ist  Veritas  über  die  bitte  ihrer  altern  Schwester; 

sie  will  von  gnade  nicht  hören,  hingegen  soll  der  sünder  streng 

nach  dem  gesetze  behandelt  werden. 

Durch  zwei  gründe  wird  sie  zu  dieser  ansieht  bestimmt: 
1.   Zu  grosse  milde  wird  dem  ansehen  Gottes  schaden: 

F  v.  297    -302.  E1  v.  371  -382. 

Fader,  Ich  sigge  ]>e  forji, 
Nu  doit  misericorde  estre  oic  i>ou  ouhtest  noujt  to  heero  Mcrci 

Of  no  booue  J>at  heo  biseche)>  |>e, 
Se  veritü  nc  la  guie.  Bote  Hiht  and  SooJ?  [>ermide  be. 

And  J>ow  louest  So)>  and  batest  leet, 


CHASTKAÜ  d'aMOUR.  329 

For  of  Ju  fiilnesse  icomen  Ich  wes. 
And  eke  j?ow  art  kyng  Rihtwys, 
And  Merci  herte  so  reu)?ful  is 
Se  ma  sorur  peust  sau v er  f>*  gif  heo  mai  saue  w(  hire  mylde 

speche 
Tuz  par  ki  voudra  prier  AI  J?at  heo  wole  fore  biseche, 

Tu  ne  serroies  ja  dote  Neuer  schal  be  misdede  abouht 

Ne  nul  meffet  compare.  And  \>u  kyng  schalt  be  douted  rijt 

nouht. 
E*  v.  207— 211. 
Mercy  of  no  thing  may  wete  gife  the  dorne 
Bot  if  y  sothfastnes  with  her  come. 
Hier  praier  may  nogt  be  herd  of  the 
Bot  if  hit  acordand  be  with  me 
If  all  hir  prayers  suld  ay  be  herd 
Never  no  shrewe  for  the  sul  be  ferd. 

2.    Gott  ist  verpflichtet  sein  gegebenes  wort  zu  halten: 

F  v.  303—10.  E1  v.  383—385,  391—394. 

Mes  tu  es  rois  si  veritables  I>ou  art  also  so  trewe  a  kyng, 

De  corage  si  estables  And  stable  of  J>oujt  in  alle  J>yng, 

Ke  rien  ne  quers  for  verite  ForJ>i  me  J?inke)>  Merci  wilne]?  woug 

E  eil  demande  pitie  And  spekej?  tojeynes  Rigt  inoug. 

Ki  pite  de  sei  n'ot  mie  Whi  scholde  me  helpe  ]?ulke  mon, 

Ne  peut  aveir  altre  aie  tat  nedde  of  hlself  pite  non? 

Jugement  lestuet  soffrir  His  dorn  he  mot  habbe  as  SoJ>  con 

sugge, 

E  tut  son  meffet  punir.  And  al  his  mis-dede  abugge. 

E»  v.  212— 216. 
Ne  never  punist  no  wikkednes 
That  is  gretly  agayns  rijtwisnes 
For  he  suld  have  no  mercy 
That  is  dampned  rijtwysly. 

Justitia  eilt  dann  znr  Unterstützung  ihrer  Schwester  Veritas 
herbei  und  erklärt  sich  ftlr  solidarisch  mit  ihr.  Sie  ist  ver- 
pflichtet, das  konsequent  durchzuführen,  was  Veritas  gebietet. 
Von  gnade  kann  nicht  die  rede  sein.  Der  mensch  hat  be- 
wusst,  ja  mutwillig,  seinen  bund  mit  Gott  gebrochen,  er  muss 
also  die  folgen  seiner  missetat  tragen.  In  gefangenschaft  wird 
er  gehalten  bis  zum  tage  des  gerichts,  und  nichts  wird  ihn 
dann  vom  tode  retten  können  (P  v.  310—349,  E1  v.  395—422, 
E*  v.  217—228). 

Als  genau  tibereinstimmend  hebe  ich  folgendes  hervor: 

F  v.  333—336.  El  v.  419—422 

Kar  justice  nesparvie  For  Riht  ne  spare J?  for  to  jugge 

Rien  ke  verite  li  die  What-so- euere  So}>  wol  sugge. 


330  HAASE, 

A  chescun  dono  par  saveir  t>orw  wisdam  heo  deme)>  alle 

Quankil  doit  par  droit  aveir.  As  wole  to  his  jrult  bifallo. 

E*  v.  219—222. 
I  ne  may  nojt  spare  to  say  to  the 
Alle  that  sothfastnes  telles  to  me 
I  mot  dele  to  ever  ilke  one 
Gode  or  ill  after  tliei  have  done. 

Das  folgende  (F  v. 341—  358,  Ei  v.  423— 444,  E*  v. 229— 240) 
schildert,  wie  Veritas  und  Justitia  rücksichtslos  gegen  den 
menschen  vorgehen.  Sie  entkleiden  denselben  aller  edlen  eigen- 
schaften  und  bringen  ihn  in  entehrende  knechtschaft.  Krieg 
und  Verfolgung  herrschen  auf  erden,  und  die  grausamkeit  der 
beiden  gestrengen  Schwestern  wird  so  gross,  dass  Misericordia 
und  Pax  das  land  verlassen. 

Die  katastrophe,  durch  welche  diese  herrschaft  ihr  ende 
findet,  schildern  die  dichter  übereinstimmend: 

F  v.  359-3<>6.  E1  v.  445—452. 

Ni  a  rien  ki  soil  remis  Nis  }>er  nout  in  world  bileued 

Ka  destructiun  vont  mis  Pat  nis  destrued  and  todreued, 

Tuz  les  ont  mort  et  envoiez  And  dreynt,  forloren,  and  fordemed, 

Ni  ad  ke  .VIII.  almes  sauvez  But  eijte  soulen  pl  weren  igemed, 

Cest  Noe  .  e  ses  treis  fiz  In  J?e  schup;  and  J?at  weoren  heo, 

Iceus  sunt  en  larche  gariz  Noe  and  his  sones  J>reo 

£  lur  fernes  kod  eus  sunt  And  heore  wyues   \>t  heo  hedden 
Plus  ni  ad  remis  en  mund.  bifore: 

Of  al  pe  world  nas  beleued  more. 

In  E2  wird  die  sündflut  nicht  erwähnt,  es  wird  erzählt 

in  v.  241-244: 

All  mankynde  dyes  and  is  put  to  payn 
Bot  Enok  and  Ely  that  sal  come  agayn 
Gret  dole  is  to  think  on  this 
How  all  mankinde  fordone  is. 

In  dieser  not  wendet  sich  Pax  an  den  himmlischen  vater. 
Sie  beklagt  sich  bitter  über  die  beiden  gewalttätigen  Schwestern, 
welche  ein  urteil  über  die  menschen  gesprochen  und  vollsogen 
haben,  ohne  sie  und  Misericordiam  zu  fragen.  Sie  versteht 
den  zweck  dieses  wtttens  und  mordens  nicht,  da  ja  doch  der 
friede  als  das  höchste  gut  das  ziel  alles  daseins  sei.  Folgen- 
den Vorschlag  macht  sie  dann  zur  beilegung  des  Streites  and 
des  grossen  Unglücks: 

F  v.  407—416.  E»  v.  4*5-494. 

De  nus  quatre  vous  dirai  Of  us  foure,  fader,  1  ehul  teile  J>© 

Une  reison  uiut  verrai.  Ilou  me  pinkep  hit  ou£te  to  be. 


CHASTBAU  D'AMOUR.  831 

Puis  que  .IUI.  sunt  assises.  Whon  )>e  foure  be\>  togeder  isent 

Pur  fere  droitureus  justisos.  To  don  an  euene  juggement, 

£  deivent  comunement  And  schul  J>orw  skil  alle  and  some 

Fornir  un  sul  jugement.  3iuen  and  demen  euene  dorne, 

Jugement  naura  record  t>er  ne  oujte  no  dorn  forj?  gon, 

Deskil  soient  dun  accord  Er  J>en  ]?e  foure  ben  aton. 

£n  un  les  covient  consentir  At  on  heo  moten  atstonden  alle, 

£  puis  le  jugement  fornir.  And  loken  sef^en  hou  dorn  wol  falle. 

E8  v.  260—263. 
With  outen  us  thai  be  thaim  seif  hav  gyven  a  juggement 
That  suld  have  ben  gyven  trewly  with  oone  assent 
Ther  for  hit  sal  nojt  ben  of  recorde 
TU  we  four  ben  all  of  on  acorde. 

Den  gefangenen  loszukaufen,  das  ist  nun  aber  die  frage, 
über  welche  man  sich  verständigen  mnss,  von  seinem  tode 
kann  nicht  die  rede  sein.  Ziemlich  übereinstimmend  sprechen 
dies  die  dichter  in  folgenden  versen  aus: 

F  v.  420—424.  El  v.  511—514. 

Pur  co  doit  troveir  pitiez  Forpi  |?ou  ougtest  to  here  me, 

Sire  lur  voil  avez  fet  And  Merci  my  suster  J>*  clepe)?  to  J>e, 

Ore  soit  le  vostre  retret  tat  J>o  Jral  ]?e  prisoun 

Ke  misericorde  tuz  jurs  crie  Mote  come  to  sum  raüsoun. 

Pur  le  serf  kil  cit  aie 

E*  v.  276—279. 

The  prisoner  calles  ever  upon  mercy 

And  mercy  for  him  will  ay  to  the  king  cry 

Til  for  him  be  paied  al  his  raunsoun 

And  he  be  delivered  out  of  prisoun. 

Mit  diesem  resultatlosen  streite  der  vier  töchter  Gottes 
endet  der  erste  teil  unserer  diehtung.  Ueberwältigend  lastet 
der  fluch  der  sünde  auf  der  weit,  dieselbe  ist  Satan  ganz 
anheimgefallen.  Keine  hoffnung  gibt  es  für  das  unglückliche 
geschlecht  Adam's;  der  grimme,  tückische  feind  hält  es  in 
harter  gefangenschaft.  Auf  dem  natürlichen  wege  des  rechtes 
ist  für  dasselbe  nichts  zu  erreichen,  das  haben  Veritas  und 
Justitia  ihren  beiden  milden  Schwestern  unerbittlich  bewiesen. 
Ein  wunder  muss  geschehen  zur  erlösung  des  menschen- 
geschlechtes,  nur  die  alimacht  des  himmels  vermag  die  ban- 
den der  hölle  zu  sprengen.  Von  dem  wunder  der  erlösung 
handelt  der  zweite  —  der  grössere  —  teil  unseres  gedichtes. 
Derselbe  zerfällt  in  drei  abschnitte:  im  ersten  wird  berichtet, 
dass  die  erlösung  der  menschen  im  himmel  beschlossen,  und 
die  gnadenbotschaft  auf  erden  verkündet  wird  (F  v.  427 — 570, 


332 


HAASE, 


E*  v.  521—662,  E*  v.  231—370);  im  zweiten  wird  das  liebes- 
scbloss  geschildert  —  nur  diesem  abschnitte  kommt  der  titel 
'Chasteau  d'amour'  mit  recht  zu  (F  v.  571— 818,  E»  v.  663— 910, 
E2  v.  372 — 428);  im  dritten,  im  umfangreichsten  abschnitte  end- 
lich wird  in  anlehnung  an  Jesaias  9,  6  von  der  person  und  dem 
werke  des  erlösers  gehandelt  (F  v.  819— 1515,  El  v.  911— 1512, 
E*  v.  430—878). 

Der  söhn  Gottes  hat  den  streit  der  Schwestern  angehört 
und  eingesehen,  dass  ohne  sein  eingreifen  derselbe  nicht  bei- 
gelegt werden  kann.    Er  wendet  sich  deshalb  an  seinen  vater: 


F  v.  431—440. 
E  dit  beau  pare  tun  fiz  sui 
De  ton  sen  de  ta  vertui. 
Ta  sapience  sui  clame 
E  de  toi  tant  sui  anie 
Ke  par  moi  feites  le  mund 
Dant  de  fez  tuz  .  ine  oures  sunt 
Kar  un  suroes  en  substance 
En  dignetc  e  en  puissance 
Le  toen  voleir  tut  tenz  frai 
Justiseres  reis  verrai. 


El  v.  527—536. 
(Leoue  fader',  quaj>  he,  'Ich  am  \>i  sone, 
Of  t'i  wit  and  of  \>i  wone, 
And  |>i  wisdam  ine  clepej?  nie. 
And  so  inuche  J?ou  louedest  me 
tat  al  ]>e  world  for  me  J?ou  wrougtest, 
And  so  }>ou  me  in  werke  brougtest; 
For  we  beo}>  on  in  one  fulnesse, 
In  milit  in  strengte,  and  in  heignesse : 
I  chulle  al  don  ]?at  \>\  wille  is, 
For  }>ou  art  kyng  rihtwis. 

E8  v.  286—292. 
Dere  fader  thou  and  I  are  all  on 
On  substance  on  wysdam  and  on  powere 
And  god  while  the  holy  gast  is  our  fere 
All  on  in  substance  if  we  be 
Never  the  les  in  persons  we  are  thre 
Thurgh  me  the  warld  thou  made  of  nojt 
Thurgh  me  agayn  lot  hit  be  boght. 

Der  dichter  von  E2  weicht  in  manchem  von  seiner  vorläge 
ab,  auch  fügt  er  einiges  hinzu. 

Der  söhn  hat  mitleid  mit  dem  gefangenen  und  stellt  sich 
ganz  auf  die  seite  von  Misericordia  und  Pax.  Aber  er,  der 
Gottessohn,  erkennt  auch  klar  die  bercchtigung  der  forde- 
rungen  der  Veritas  und  der  Justitia;  das  recht  darf  nicht 
gebeugt  werden,  gcrechtigkeit  muss  geschehen.  Daher  er- 
bietet er  sich: 

F  v.  449-451».  E»  v.  547—554. 

Du  sorf  prcndrai  la  vesture  Nimcn  I  chulle  J?c  pralles  weden, 

En  verite  e  en  dreiture  As  8u|»  aud  Kiht  hit  wolden  and 
Susteudrai  le  jugement  beoden. 

E  kanka  justice  apent.  And  alone  I  chul  holde  J>e  dooin, 

E  peis  en  terre  frai  crier  As  justise  ouhte  to  don; 


CHASTEAU  D'AMOUK.  333 

£  justice  peis  beiser.  And  maken  I  chulle  Pees  to  londe 

Issi  finerai  la  guerre  come, 

E  sauverai  ta  gent  enterre.  And  Pees  and  Riht  cussen  and  be 

saugt  and  some 
Anddruguen  outwerre,  nuy,  andonde 
And  sauen  al  ]?e  folk  in  londe. 

E*  v.  297—300. 
I  sal  take  the  clething  of  that  wretchid  prisoun 
And  primly  for  him  sal  I  payo  raunsoun 
Of  Ins  kynde  wyl  I  become, 
And  for  him  wyl  y  take  dorne 
More  payn  then  rijt  and  sothfastnes  wold  have 
Wil  y  suffre  that  prisoner  for  to  save 
On  this  man  er  sothfastnes  and  mercy 
Sal  sone  be  made  gode  freneds  verraly 
Also  pece  and  rijtwisnes 
Thai  sal  kiss  with  gret  swetnes. 

In  diesem  übereinkommen  zwischen  dem  vater  und  dem 
söhne  wollen  die  dichter  einen  beweis  für  die  dreieinigkeit 
Gottes  sehen: 

F  v.  461—466.  E2  v.  559-564. 

De  deu  le  pere  est  tute  riens  Wi}>  God  J»e  fader  nis  maked  nouht 

Paf  deu  le  fiz  sunt  fet  tuz  biens  fcorw  God  \>e  Sone  is  al  |>ing  wrouht, 

E  en  deu  le  seinz  esperiz  And  alle  fring  is  folfuld  outriht 

Est  tute  riens  acompliz  I>orw  God  J?e  Holigostes  miht. 

Un  deu  sanz  devisiun  And  alle  J?reo  be\>  on,  J?ouh  hit  be  so, 

Une  sustance  e  plusiun  In  one  fulnesse  and  in  no  mo. 

E*  v.  310— 311. 
Bot  on  is  god  and  persons  thre 
Non  othir  thing  in  god  may  be. 

In  den  folgenden  versen  (F  v.  469—496,  E»  v.  567—594) 
weisen  die  dichter  darauf  hin,  wie  gross  zu  den  menschen  die 
liebe  Gottes  sein  mnss,  der  seines  eingeborenen  sohnes  nicht 
schonet,  sondern  ihn  zur  rettung  der  verlorenen  dahingibt,  der 

F  v.  487—490.  E1  v.  585—588. 

Non&nte  noef  is  lessa  t>e  nlti  nine  he  leuede  and  eode 

Pur  une  quere  sen  ala.  To  sechen  on  in  uncouj>  }>eode. 

Dunt  ni  ad  ci  bon  pastur  fcene  nis  J>er  such  herdemon  non, 

E  merciable  seignur.  Ne  non  so  migtful  lord  as  he  is  on. 

In  E2  ist  diese  schöne  stelle  nicht  erwähnt,  es  wird  aber 
ein  abschnitt  hinzugefügt,  welcher  überschrieben  ist:  'Here  spak 
the  king'  (v.  320—350).  Der  dichter  erzählt  darin,  dass  Gott 
seinem  söhne  gestattet,  das  erlösungswerk  zu  übernehmen. 
Eigentümlich  sind  in  dem  passus  die  folgenden  verse: 


334  HAASE, 

E8  v.  325—332. 
Thou  and  the  haly  gast  with  mo 
Doso  all  godo  dede  that  done  sal  be 
Our  dede  may  never  departid  be 
For  all  on  god  in  kynde  are  we  thre 
All  only  thou  sal  take  inanhede 
Bot  all  we  thre  sali  do  the  dede 
liigt  as  two  virgyns  clethes  tbe  third 
And  31t  none  of  thaim  botb  on  is  cled. 

Der  folgende  abschnitt  (F  v.  497— 567,  E'  v.  595— 662, 
E2  v.  352—270)  handelt  von  der  gnadenbotschaft  Gottes  an 
die  menschen.  Schon  dem  Abraham  ward  die  verheissung  des 
weltheilandes,  und  diese  wurde  dann  durch  den  mund  der 
propheten  immerfort  widerholt    Jesaias  sagt: 

F  v.  509—516.  E1  v.  607-614. 

Un  enfant  nus  est  nez  'A  cbild  ]?er  is  iboren  to  us, 

£  im  fiz  nus  est  donez  And  a  sone  igcuen  us, 

Son  empire  sostendra  l*at  schal  upbolden  his  kynedome, 

£  son  non  nonie  serra.  And  al  Jws  schal  ben  his  nome 

Merveillus  .  e  conseillere  Wonderful  God,  and  of  miht 

E  deu  .  e  fort .  e  li  pere.  And  redeful,  and  fader  ariht 

Du  siecle  ke  vient  apres  Of  al  J>e  world  f>at  her  after  schal  ben 

Liderain  non  prince  de  pres.  Prince  of  Pees  nie  s chal  him  sen. 

E»  v.  352—359. 
Off  jhesu  crist  telles  ysay 
To  all  mankynde  verrayly 
How  a  child  is  born  til  us 
And  a  sone  is  gyven  til  us 
His  name  sal  be  callid  wonderful 
Councellour  and  god  and  strengthful 
Fader  of  the  warld  that  sal  come 
And  prince  of  pece  sali  be  his  nome. 

'Son  premer  non  est  merveillus',  fährt  der  dichter  dann 
fort  und  sucht  seinen  zuhörern  eine  entsprechende  idee  über  das 
wunderbare  der  geburt  dieses  kindes  zu  geben.  Nie  zuvor  ist 
ein  so  grosses  wunder  geschehen  und  nie  wird  sich  ein  solches 
wider  ereignen.  Um  dies  der  anschauung  des  laien  nahe  xn 
bringen,  bedient  sich  der  Verfasser  einiger  bei  spiele: 

F  v.  525—530.  E1  v.  623—628. 

Kar  ki  veist  un  enfant  For  hose  now  iseje  beere 

Ki  de  forfet  en  eust  tant.  A  child  )>at  riht  ilimed  nere, 

Kil  eust  treis  piez  e  treis  uiains  tat  J>reo  feet  and  J>reo  hondB  beere, 

E  un  autre  ki  eust  niaint.  And  ano}>er  \>*t  oj>erwei*  weere, 


CHASTEAU  D'AMOUR.  335 

Ke  li  fausist  e  poin  e  pie  tat  hedde  foot  or  hond  forlore, 

E  kil  feussent  ensint  ne  And  heo  weore  boJ?e  so  ibore. 

Man  würde  dies  kein  wunder  nennen,  Ragen  die  dichter: 

F  v.  535—536.  El  v.  633—634. 

Merveillus  nierent  ja  nomez  Ac  hit  is  as  hit  mot  nede  ben, 

Mes  mustres  soient  apelez.  Ofuninetekuyndeaforschiptestreon. 

Etwas  befremdend  scheint  dem  modernen  leser  das  folgende 
beispiel: 

F  v.  537—544.  E1  v.  635—644. 

Mes  com  merveillus  serroit  Ak  )>at  mihte  muche  wonder  ben, 

Se  un  home  iceo  avoit  3if  me  mijte  eny  iseon 

Ke  domine  eust  tote  la  nature  t>at  monnos  kuynde  hedde  al  ariht, 

Sanz  defaute  e  a  mesure.  tat  hl  neore  to  luite  ne  to  muche  wiht, 

Si  ke  verrais  homme  feust  So  J?at  he  were  al  so]?  fast  mon, 

Ke  nule  defaute  ne  neust.  I»at  no  forschippyng  weore  hl  on, 

E  puis  feust  verrai  chival  And  eke  were  good  hors  w*  alle: 

Inpossible  est  destre  tal.  Such  }>mg  may  neuer  bifalle. 

Ob   der  Verfasser   von  E2   glaubt,   indem   er  von  seiner 

vorläge  hier  abweicht,  die  grosse  des  Wunders  noch  schärfer 

hervorzuheben  ?    V.  361—364 : 

If  any  best  in  shap  passed  cours  of  kynde 
A  wonder  in  that  wald  many  man  fynde 
Bot  if  a  perfit  man  were  a  perfit  as 
Mikel  more  mervayl  wald  man  say  it  was. 

Uebereinstimmend  fahren  die  dichter  fort,  dass  alle  diese 
zeichen  und  wunder  der  menschwerdung  Gottes  gegenüber 
kaum  der  erwähnung  würdig  sind: 

F  v.  547-552.  E1  v.  645—648. 

Plus  merveille  est  nul  itant  And  git  is  more  wonder  a  ]?ousend 
La  grant  merveille  del  enfant.  folde, 

Ke  ysaie  ad  nuncie  Of  }>e  child  |?at  Ysaye  of  tolde, 

Kest  verrais  hom  e  verrai  de  And  clepede  hl  wonderful  for  J>on, 

Dumanite  ne  li  fant  rien  t>at  he  is  so)>  God  and  so\>  mon. 
E  kil  est  plein  deu  co  veun  bien.        For  of  monhede  ne  wonte)?  hl  nouht. 

In  E*  heisst  es  kurz  v.  365—366: 

Bot  more  marvayl  may  who  so  can 
How  verraily  is  on  bothe  god  and  man. 

Um  nun  aber  wahrer  mensch  zu  werden,  so  leitet  unser 
gedieht  über  zu  dem  folgenden  abschnitte,  war  es  nötig,  dass 
Christus  von  einem  weibe  geboren  wurde: 

F  v.  563—566.  E1  v.  659—662. 

E  puis  komme  voleit  estre  And  whonhewolde  alles  bicome  mon, 

De  femme  li  covint  nestre  He  moste  be  boren  of  a  wommon, 


336 


HAASE, 


Pur  rcceivre  la  nature 
De  humaine  creature. 


hilke  acbaft  to  underfonge  wip  alle 
bat  oujte  to  moiiDes  kynde  bifalle. 


E»  v.  368. 
Cliild  of  anerthly  woman  wald  he  be  born. 

Der  folgende  grössere  abschnitt  —  De  eastello,  quod  fait 
corpus  virginis  intemeratae  Mariac  —  zeigt  so  recht  den 
Charakter  der  allegorisch-didaktischen  poesie  des  13.  Jahrhun- 
derts und  ist  ein  schöner  repräsentant  jener  dichtungsart,  wel- 
cher der  roman  von  der  rose,  das  tournoiement  des  antichrist 
und  andere  angehören. 

Der  abschnitt  zerfallt  in  drei  teile:  der  erste  gibt  die  be- 
schreibung  des  licbesschlosses  (F  v.  507— GGO,  E1  v.  6G3— 760, 
E-  v.  IV72 — 405);  der  zweite  —  De  proprietatc  castelli  —  handelt 
von  der  symbolischen  bcdeutnng  der  feste  und  ihrer  einzelnen 
teile  (F  GG1-78G;  E»  7G1— 880,  EM07— 414);  der  dritte  end- 
lich enthält  ein  gebet  des  dichters  an  die  heilige  Jungfrau, 
dass  Hie  ihm  in  der  festen  bürg  aufnähme  und  schütz  gegen 
den  angriff  der  feinde  gewähre  (F  786-  818,  E'  881—910).  In 
E2  ist  das  gebet  sehr  ausführlich  behandelt  in  v.  GGO— 681. 

Nur  in  einer  schönen  und  sicheren  behausung  kann  Gott 
wohnen,  daher  ist  das  liebeschloss  eine  herrliche,  uneinnehm- 
bare feste: 


F  v.  571-570. 
En  im  chastel  bei  e  grant 
Hien  fermez  e  avenant. 
Kar  co  est  chasteau  dauiurs 
De  tuz  solaz  .  de  tuz  sueurs. 
En  la  marcho  est  assis 
Nad  regard  de  ses  ennemis. 


E1  v.  607-072. 
In  a  Castel  wel  comeliche, 
M  uche  and  feir  and  louelicbe; 
tat  is  |>e  Castel  of  alle  flour, 
Of  solas  and  of  soeour 
In  |>e  mere  he  stont  bitwene  two, 
Ne  hap  he  ferlak  for  no  fo. 


E»  v.  372—373. 
Ther  for  a  castel  has  the  kiug  made  at  bis  devys 
That  thar  never  drede  assaut  of  any  enemys. 

Uebereinstimmend  erzählen  die   dichter   von   dem   hohen 
felseu,  auf  welchem  die  feste  gelegen  ist: 

F  v.  5st  —5b«.  E1  v.  077—080. 

Kar  ele  est  si  haut  assise  He  stont  on  heig  röche  and  sound, 

Sor  une  röche  dure  e  bise.  And  is  iplaned  lto  J>e  ground, 

E  bien  poli  de  ci  quaval  l'at  \>er  ne  mai  wone  non  vuel  ping 

Ou  habiter  ne  peut  nul  mal  Ne  derue  no  gynnes  castyng. 
Ne  engin  ni  peut  geter 
Ki  de  rien  le  peut  grever. 


CHASTEAU  D  AMOUR. 


337 


E»  v.  374—377. 
He  sette  hit  on  a  röche  thik  and  hegh 
With  gode  dykes  al  aboute  depe  and  dregh 
Men  niay  never  with  no  craft  this  castil  doun  myne 
We  may  never  do  härme  to  hit  no  maner  engyne. 

Durch  künstliche  befestigung  ist  die  Sicherheit  des  Schlosses 
aber  noch  bedeutend  erhöht  worden: 


F  v.  587—602. 
Envirun  ad  quatre  tureles 
En  tut  le  niund  ni  a  si  beles. 
Puis  a  trois  bailles  entur. 
De  fort  mur  .  de  bei  atur. 
Com  puis  deviser  lorrez 
Ke  beaute  i  ad  plus  assez. 
Ke  lange  ne  peust  descrire 
Quoz  penser  .  ne  buche  dire. 
Sur  röche  naive  sunt  fermez 
Enclos  de  mur  profund  fossez. 
E  aume  de  gran  kerneaus 
Tres  bien  poliz  e  bons  .  e  beaus. 
Barbekanes  i  ad  set 
Ki  par  tel  engin  sunt  fet. 
Ke  cheseune  ad  e  porte  e  tur 
Qu  ja  ni  faudra  sueur. 
Ne  ja  naverat  ennui 
Ki  la  veut  quere  refui. 


E1  v.  685—702. 
Foure  smale  toures  ]?er  bej?  abouten 
To  witcu  pe  heige  tour  wtyouten. 
SeJ?|?e  bco}>  pre  Bayles  wi|>allc 
So  feir  idiht  w*  strong  walle 
As  heo  beoj?  hereafter  iwrite; 
Ne  may  no  mon  \>c  feirschipe  iwite, 
Ne  no  tonge  ne  may  hit  teile, 
Ne  f>ougt  penche,  ne  mou}>  spellc. 
On  trusti  röche  heo  stonde]?  faste, 
And  wi|?  depe  diches  bej?  bicaste. 
And  ]>e  carncls  so  stondej?  upriht, 
Wel  iplaned  and  feir  idiht. 
Seue  berbicans  |?er  beo}>  iwrouht, 
WiJ>  gret  ginne  al  bi|?ouht, 
And  eucrichon  ha)>  gat  and  tour: 
Per  neuer  ne  failej*  socour. 
Neuer  schal  fo  hhn  stonde  wi|> 


tat  leider  wol  flen  to  sechen  gri}>. 

E8  v.  380—385. 
Four  toures  ay  hit  has  and  kerneis  fair 
Thre  bailliees  al  aboute  that  may  nogt  apair 
Nouther  herte  may  wele  thinke  ne  tung  may  wel  teile 
AI  the  bounte  aud  the  bewte  of  this  ilk  castell 
Seven  barbicans  are  sette  so  sekirly  aboute 
That  no  maner  of  shoting  may  greve  fro  with  oute. 

Im  folgenden  abschnitte  wird  über  die  drei  färben  be- 
richtet, in  denen  das  schloss  nach  aussen  erglänzt.  Die  Schilde- 
rungen weichen  dem  inhalte  nach  nicht  von  einander  ab,  nur 
nennt  der  dichter  von  E2  die  färben  in  umgekehrter  reihenfolge: 

F  v.  605—622. 
Li  chasteaus  est  bei  e  bon 


De  hors  depeint  environ. 
De  III  colours  diversement 
Si  est  vert  le  foundement 
Ki  a  la  röche  se  Joint 
De  grant  docour  ni  faut  point. 
Kar  cele  douce  verdour 

Anglia,  XII.  band. 


El  v.  703—720. 
t>is  Castel  is  siker  and  feir  abouten 
And  is  al  depeynted  wkmten 
Wi|?  |?reo  heowes  \>*  wel  bej>  sene; 
So  is  )>e  foundement  al  grene, 
I>at  to  \>e  röche  niste  lty. 
Wel  is  )?at  J?er  mur]?e  isih}>; 
For  pe  greneschipe  laste)'  euere, 

22 


338 


HAASE, 


Ne  pert  janiincs  sa  colour. 
La  colour  kcst  cnuii  lui 
Si  rest  e  ynde  .  e  blui 
Ki  meine  colur  est  noineo 
De  graut  beaute  elluiuinee. 
La  tierce  colur  par  enson 
Les  kameaus  covre  environ. 
Plus  est  nierveille  que  nest  rose 
E  piert  une  ardaute  chose. 
Tant  rcflambeie  environ 
Ke  tut  covcre  le  dongon. 


Aud  his  henh  ne  leose)>  neuere. 

Se)>|>en  abouten  J?at  o|>er  heuj 

So  is  inde  aud  eke  bleu: 

I>at  )>e  middel  beug  wo  clepe)'  ariht, 

And  8chyne)>  so  feire  and  so  brijt. 

I>c  |?ridde  heug  an  oneinast 

Oucrwrige]?  al  and  so  is  icast 

I»at  wi|>iunen  and  wtyouten 

Pe  castel  übt  e)>  al  abouten 

And  is  raddore  )>ü  euere  eny  rose  schal 

foit  |>uiiche|>  as  hit  barnde  al. 


E*  v.  380—39». 
Tbis  castel  is  paynted  with  out  with  thre  maner  colours 
Rede  brennand  colour  is  above  toward  tbe  fair  tours 
Mcyne  colour  is  yinmydes  of  ynde  and  of  blewe 
Grene  colour  be  the  ground  that  uever  chauges  liewe. 

Im  inncrn  des  Schlosses  strahlt  ein  blendendes  weiss: 


F  v.  625-  62S. 
Dcdenz  ost  li  cliastcu  blancs 
Plus  ke  neif  ke  soit  ncganz. 
Ke  jette  si  tres  grant  clarte 
De  luug  la  tur  e  de  le. 


E1  v.  721—72«. 
Wtyinnc  )>e  Castel  is  whit  schinynge, 
So  \>e  snowg  )>at  is  sneuwynge, 
And  castej?  f>at  lijt  so  wyde 
Afterlong  }>e  tour  and  besyde, 
t>at  neuer  coincl>  per  wo  ne  wouj, 
Ac  swetnesse  J>er  is  euere  inoug 

E»  v.  392—393. 
The  castel  al  witb  in  who  so  maye  hit  knawe 
Ay  is  hlaunehed  als  whit  as  any  driven  snawe. 

In  der  mitte  des  hohen  tnrmes  sprudelt  eine  quelle,  aus 
der  sich  vier  buche  ergiessen,  welche  stets  die  graben  des 
schlosses  gefüllt  halten.    Von  ihrem  wasser  sagen  die  dichter: 

F  v.  634-630.  E1  v.  732—734. 

Deu  .  tant  jad  Joe  e  deliz.  Muche  blisse  per  is  oueral, 

Ja  de  mal  nel  osteut  pleindre  Ne  dar  he  seche  non  oJ>er  loche, 

Ka  cel  eawe  pent  ateindre.  tat  niai  riht  of  )>is  water  cleche. 

E*  v.  396—397. 
So  fair  and  so  gode  that  liquor  ther  is 
That  he  that  drank  oght  ther  of  mygt  have  mekel  blls. 

In  dem  türme  befindet  sich  auch  ein  mit  vieler  kunst  her- 
gestellter elfenbeintron.  Die  grosse  Schönheit  desselben  wird 
von  den  dichtem  eingehend  geschildert: 

F  v.  642—64*.  E1  v.  740—746. 

AI  munter  jad  set  degrez.  Seuene  steppes  }>er  beo)*  J^erto, 

Ke  par  ordre  cochez  sunt  l>at  so  feire  w*  ordre  itiged  beo)> 

Ni  ad  si  bete  chose  el  munt.  Feiror  |>ing  in  world  no  mos  teo)>; 


CHASTBAU  d'aMOUR.  389 

Larc  du  ciel  entur  sestent  For  heuonebouwe  is  abouten  ibent 

Od  la  colur  ka  lui  apent.  Wip  alle  )>e  hewes  |>at  him  bep  isent. 

Si  tres  riche  chaere  Neuere  so  feir  ckaygere 

Not  onke  quens  nenparere.  Nedde  kyng  ne  emperere. 

Der  Verfasser  von  E2  fügt  seiner  Schilderung  noch  hinzu, 
dass  es  der  söhn  Gottes  war,  der  sich  den  tron  schuf: 

E2  v.  400—405. 
Was  never  non  so  semlyehade  priuce  ne  quene 
Ne  never  non  half  so  fair  in  this  warld  sene 
Hit  was  made  sotilly  and  al  be  compas  cast 
The  raynbowe  envye-round  it  al  stedefast 
The  kynges  sone  has  made  it  for  his  awne  se 
Was  ther  never  non  so  fair  ne  never  more  sal  be. 

Hier  endet  die  Schilderung  des  liebesschlosses.  Die  dichter 
finden  grosse  freude  am  schildern  des  Wunderwerkes,  welches 
Gott  eigens  für  sich  geschaffen  und  prächtig  ausgestattet  hat. 
Ueberall  tritt  uns  ihr  frommes,  von  der  liebe  zu  ihrem  gegen- 
stände ganz  erfülltes  gemüt  entgegen.  Nach  der  beschreibung 
fast  jedes  einzelnen  teiles  der  schönen  bürg  fügen  sie  einige 
worte  ihrer  bewunderung  hinzu  und  begeistert  schliessen  sie: 

F  v.  657—660.  E1  v.  757—760. 

Sest  li  chasteaus  de  delit  bis  is  pe  Castel  of  loue  and  lisse 

De  solaz  e  de  respit.  Ofsolace,ofsocour,ofjoye}andblisse, 

Plein  desperance  e  damur  Of  hope,  of  hete,  of  sickernesse, 

De  grant  refu  e  de  ducur.  And  ful  of  alle  swetnesse. 

Es  folgt  jetzt  die  deutung  der  bilder,  die  Significatio.  Die- 
selbe ist  in  F  und  in  Übereinstimmung  damit  auch  in  E1  aus- 
führlich und  genau  gegeben,  während  der  dichter  von  E2  sie 
nur  ganz  kurz  berührt.  Mit  feinem  takt  und  grosser  lebendig- 
keit  hat  der  fromme  bischof  diesen  teil  der  dichtung  durch- 
geführt und  hat  glücklich  vermieden,  eintönig  und  fade  zu 
werden. 

Das  liebesschloss  ist  der  leib  der  heiligen  Jungfrau.  Man 
vergleiche: 

F  v.  661-604.  E1  v.  761—764. 

Cest  le  cors  de  la  pucele  fös  is  ]?e  Mayden  bodi  so  freo: 

Onkes  autre  not  for  cele  l>er  neuer  nas  non  böte  heo 

Ke  de  tant  vertuz  feust  garnie  tat  wij?  so  feie  f>ewes  iwarned  wes 

Come  fut  la  douce  Marie  So  J>at  swete  Mayden  Marie  wes. 

E»  v.  407—408. 
This  castil  of  solas  and  of  socour 
Is  hir  blissed  body  that  bar  oure  saveour. 

22* 


340  HAASE, 

An  der  grenze  ist  die  bnrg  gelegen  und  gewährt  allen 
bedrängten  eine  sichere  znflucht  (F  665—668,  E*  765—768, 
E2  409—410). 

Der  fels.  auf  dem  das  schloss  liegt,  ist  das  herz  der  Jung- 
frau Maria.  Der  dichter  vergleicht  dasselbe  deshalb  mit  einem 
harten  felsen,  weil: 

F  v.  «71—674.  E1  v.  771-774. 

Konques  en  mal  ne  mollist  tat  neuer  synne  }>er  wMnne  com, 

Mes  a  den  servir  se  prist.  Ac  heo  to  semen  God  al  hire  nom, 

£  sa  seinte  virginitc  And  wüste  Iure  wl  ninche  boxünesse 

Gardat  en  hunrilite.  Hire  maidenbod  wi|>  swetnesse. 

E*  v.  413. 
That  sette  hir  to  serve  god  with  outen  anye  drede. 

In  E2  ist  durch  irgend  ein  versehen  hier  nach  vers  413  ein 
grösserer  abschnitt  ausgefallen,  denn  der  gegenständ  wird  plötz- 
lich fallen  gelassen  (v.  413)  und  ohne  jeglichen  Übergang  ist  im 
folgenden  von  der  Versuchung  Christi  durch  Satan  die  rede. 

Die  mit  grün  geschmückte  grundfeste  des  Schlosses  ist  der 
glaube  der  Jungfrau.  Er  ist  von  allen  tugenden  das  grund- 
werk. Nach  F  erleuchtet  er  das  'seint  quor*  der  Jungfrau, 
nach  E1  dagegen  verbreitet  sich  sein  licht  durch  4al  hire  bodi\ 
Der  Übersetzer  hat  jedesfalls  'cors'  für  'quor'  gelesen.  Man 
vergleiche: 

F  v.  079— «b4.  E1  v.  770— 782. 

Cest  la  foi  de  la  virgine  l>at  is  \>u  Maydenes  bileeue  so  ribt, 

Ke  sun  seint  quor  illumine.  I>at  haj?  al  hire  bodi  iliht. 

La  verdour  que  tant  est  bele  For  hire  bileeue,  \>l  is  so  trewe, 

Sa  foi  tut  tens  renovele.  I'at  euere  is  grene  and  euere  newe ; 

Kar  foi  est  apertement  For  bileeue  is  apertement 

De  tutes  vertuz  fundement.  Of  alle  vertues  foundement 

Die  weisse  färbe  der  mitte  wird  übereinstimmend  gedeutet: 

F  v.  687— 090.  E1  v.  7b6— 7&S. 

Ke  od  tcndrur  en  esperance.  i>at  in  goode  hope,  as  so  jong  J>ing, 

Scrvi  tut  tens  son  seignor  Heo  was  so  bisy  in  swetnesse 

En  huinilite  e  en  doucour.  To  seruen  God  in  boxuranesse. 

Die  oberste  färbe,  welche  in  F  'vermaille'  genannt  wird  und 
in  E1  (v.  71i>)  fcraddore  |>e  euere  eny  rose  schal',  bedeutet: 

F  v.  09:»— 09*.  E1  v.  793—79«. 

I>a  seinte  ob  ante  l»at  is  |>e  clere  loue  and  briht 

Dunt  ele  est  elluiuine.  Pat  heo  is  al  wi|>  iliht, 

E  esprise  de  feu  dauiur  And  itent  wip  |>e  fuir  of  loue 

Pur  servir  son  creature.  To  serue  God  JnU  U  hire  aboue. 


CHASTEAU  D'AMOUR.  841 

In  der  deutung  der  vier  türmchen  ausserhalb  des  hohen 
turmes  herrscht  eine  geringe  Verschiedenheit.  Rücksicht  auf 
den  reim  ist  vielleicht  die  einzige  nrsache  derselben.  Die  türm- 
chen bedeuten  vier  kardinaltugenden  der  Jungfrau: 

F  v.  703—706.  E1  v.  801  --804. 

Cest  dame  force  .  e  temperance  tat  is,  strengte  and  sleihschupe, 

Si  rest  judice  .  e  prudence.  Rihtfulnesse  and  worschupe, 

As  quatre  portes  sunt  porter  Euerichon  w*  a  gat  w*  ginne, 

Ke  rien  ni  peut  for  bien  entrer.  tat  may  non  vuel  come  gerinne. 

Inhaltlich  stimmen  die  beiden  gedichte  in  dem  folgenden 
wider  überein.  In  E1  sucht  der  Verfasser  in  abweichung  von 
seinem  vorbilde  die  darstellung  dadurch  zu  beleben,  dass  er 
die  deutung  in  frage  und  antwort  kleidet: 

F  v.  707 — 718.  E1  v.  805—816. 

Les  trois  bailles  du  chastel  And  whuche  beo|?}>e  \>reo  bayles  get, 

Ke  sunt  ovrees  a  karnel.  t<  w*  }>e  carnels  be\>  so  wel  iset 

A  beau  compas  en  viron  And  icast  w*  cüpas  and  walled  aboute" 

Si  defendent  le  dongon.  tat  wite}>  \>e  heige  tour  wtyouten? 

Cele  a  la  plus  haut  estage  Bote  \>q  inemaste  bayle,  I  wot, 

Signefie  soen  pucelage.  Bitokne)?  hire  holy  maidenhod 

Kunke  de  rien  ne  fix  blemie  tat  neuer  for  no  |?ing  iworsed  nas, 

Tant  est  de  grace  replenic.  So  ful  of  Godes  grace  heo  was. 

La  baille  kest  en  ini  fernie  te  iniddel  bayle,  j?at  wite  je 

Signefie  sa  chastete.  Bitokne]?  hire  holy  chastite. 

E  puis  est  la  foreine  baille  And  se^en  )>e  outetnaste  bayle 

La  sue  seintime  espusaille.  Bitokne]?  hiro  holy  sposayle. 

Ueber  das  wort 'baille'  macht  der  dichter  dann  in  den 
folgenden  versen  ein  glückliches  Wortspiel: 

F  v.  719-724.  E1  v.  817—822. 

Bailles  a  droit  nomees  sunt  Riht  me  clepep  hem  bayles  for]?i, 

Kant  en  baillie  la  dame  unt.  tat  he  babbe]?  J?is  ladi  in  hire  Bayli, 

Ki  sanz  per  est  singulere  tat  hire-self  one  makeles 

Virgne  chaste  .  espuse  e  mere.  Is  mayden  chast  and  weddet  wes. 

Par  un  des  hus  lesteut  passer  tow  on  of  }>eos  bayles  he  mot  teon, 

Ki  el  mund  se  vent  sauver.  tat  wol  on  ende  iborwed  beon. 

Die  sieben  brustwehren  endlich  bedeuten  dietugenden,  durch 
welche  die  heilige  Jungfrau  die  sieben  todsünden  überwindet: 

F  v.  731—744.  E1  v.  829—842. 

Cest  orgoil  apertement  tat  is  pruide,  J?e  biginnynge 

De  touz  maus  comemement  And  }>c  roote  of  al  vuel  |>inge, 

Ke  veucuz  est  e  mate  AI  maat  and  ouercomen  wes 

Par  la  seinte  humilitc  torw  boxumnes  }>at  heo  ches; 

Charite  confunt  envie  And  hiretrewe  loue  ouercom  envye; 

E  abstinence  glotunie  Aud  hire  abstinence  glotonye, 


342  HAASE, 

£  lecherie  rest  mate  And  lecherye  heo  made  fle 

Par  sa  seinte  chastete.  I'urw  bire  holy  cbastite; 

£  avance  ki  mut  blesco  And  al  was  distruyed  couetyse 

£st  veucue  par  largesee.  t>orw  hire  largesse  in  uche  wyse 

£  pacicnce  rcveint  ire  And  euere  wraJ?J?e  heo  ouercom 

Ki  sei  nieimes  tut  dctirc.  frorw  niekenesse  ]?at  heo  nom; 

£  espcritale  leesce  And  hire  gostliche  gladynge 

Confunt  la  male  tristesce.  Destruyed  sleu|>e  \>orw  alle  {'Ige. 

Die  quelle,  welche  im  innern  des  turmes  fliegst  und  die 
graben  des  Schlosses  stets  gefüllt  hält,  bedeutet  die  unendliche 
gnade  Gottes.  Sie  wird  den  menschen  nur  gewährt  am  der 
Jungfrau  Maria  willen: 

F  v.  749—754.  E1  v.  847—852. 

Kar  la  pucele  tant  ama  Ac  he  louede  so  J>is  mayden  aplijt, 

Ke  pleine  gracc  lui  dona  i>e  fülle  of  grace  he  hire  jaf  outriht, 

Dont  la  grace  ki  suronde  l>orw  whom  |>e  grace  )>at  ouerfleot 

Fet  socors  a  tut  le  muude.  Socourep  al  \>e  world  jut 

Pur  co  est  a  droit  clamee  Forjn  nie  may  hire  riht  clepe  and  calle, 

Sur  tutes  autres  benuree.  (0  blessed  Ladi  ouer  o^ero  alle!* 

Endlich  wird  nocli  nach  der  bedeutung  der  graben  gefragt, 
welche  das  schloss  gegen  alle  waffen  der  feinde  so  sicher 
stellen,  und  an  denen  sich  die  macht  Satan's  gebrochen  hat. 
Die  antwort  lautet: 

F  v.  7t>5— TttS.  E'  v.  859—862. 

Mes  ceste  est  la  damc  gente  For  pis  is  \>e  ladi  so  gent  and  fire 

Dont  deu  dist  a  la  serpeute.  ^God  soideof  to^oneddreonj>etre, 

Kune  feinme  venderoit  fr  |>er  scholde  come"  a  wOmon  blyne 

Ke  tut  son  chief  quasseroit.  tat  scholde  al  his  pouste  to-dryue. 

Nachdem  die  dichter  dann  in  einem  lobgesange  (F  769 — 780, 
E1  859 — 878)  die  himmelskönigin  verherrlicht,  die  so  schön  und 
gut  war,  dass  Gott  ihre  seele  zum  trone  wählen  und  zum  heile 
der  menschheit  von  ihr  fleisch  und  blnt  annehmen  konnte,  be- 
rühren sie  kurz  (F  781  —  780,  E>  874—880)  das  mysteriuni  der 
menschwenlung  Christi.  Sie  lassen  den  schwierigen  gegenständ 
aber  bald  wider  fallen  und  verweisen  beruhigend  auf  die  all- 
mach t  Gottes: 

F  v.  7S3--7S«.  E1  v.  $77—  880. 

Par  la  portc  dose  entra  i>orw  J?e  faste  gat  he  con  inteo, 

AU  issir  dose  la  lessa.  And  at  |>c  outjong  he  lette  faste  beo. 

l)e  coe  niert  nul  contee  nc  plct  How  so  )>at  was,  beo  we  stille, 

Kar  (pianke  deu  veut  si  est  fet.  For  o(  alle  JtfngGod  may  don  his  wille. 

In  einem  abschnitte,  welcher  überschrieben  ist 'Here  spak 
the  autour',  nimmt  der  Verfasser  von  E'2  die  mit  v,  413  plötg- 


CHASTEAU  d'aMOUR.  343 

lieh   unterbrochene   deutung    der    einzelnen   teile   des   liebes- 

schlosses  wider  auf.    Er  hält  sich  anfangs  im  ganzen  an  seine 

vorläge.     Die  verse  607—612  stimmen  dem  inhalte  nach  genau 

mit  F  675—698  überein: 

The  greiie  colour  bi  the  ground  that  wil  so  wele  last 

Is  the  treuth  of  our  ladye  that  aye  was  stedefast 

The  meyne  colour  in  the  uiyddest  of  this  castil  walle 

Was  stable  hope  to  come  to  grace  that  save  mankynde  salle 

The  rede  colour  aboven  breunand  in  the  sijt 

Was  brennand  love  of  gode  and  man  that  gyves  niykil  ligt. 

Ueber  die  vier  türme  sagt  der  dichter  ganz  in  anlehnung 

an  F  699—706: 

The  four  toures  gret  and  strong  that  fair  were  to  se 
Ware  gastlye  strength  and  sobernes  rigt  and  sutilte. 

Uebereinstimmung  herrscht  betreffs  der  deutung  der  drei 
ausfallspforten  (baillis)  und  der  sieben  brustwehren  ebenfalls 
(E»  619—634). 

Selbständige  tätigkeit  des  englischen  bearbeiters  zeigt  sich 

aber  in  den  folgenden  abschnitten.    Ueber  die  quelle,  welche 

im  schlösse  entspringt,  handelt  er  viel  ausführlicher  und  bietet 

dabei  charakteristische  züge  der  Verschiedenheit.  Denn  während 

dieselbe  in  F  gedeutet  wird  als  'La  grace  ki  suronde',  führt  er 

aus  (v.  635—646): 

The  fair  welle  in  the  castil  that  filles  ay  the  dykes 

Is  grace  in  goddes  moder  that  synfhl  man  aye  likes 

Thou  that  niyster  has  of  grace  go  to  this  spring  wele 

Who  so  help  has  of  hir  sal  never  go  to  helle 

Make  the  dykes  of  meknes  and  of  gode  wille 

And  foure  stremes  of  that  grace  sal  the  sone  fille 

On  streme  evermore  sal  the  clene  wasche  of  spynne  that  is  past 

Another  agayn  temptacion  sal  make  the  stedefast 

The  thirde  sal  stere  the  to  do  werkes  of  charite 

And  the  ferd  sal  berre  the  to  blis  that  aye  sal  be 

This  welle  is  evermore  springand  merey  and  pity 

If  thou  have  no  part  therof  it  is  al  lange  on  the. 

Ferner  sagt  er  von  dem  elfenbeintrone  im  hauptturme  des 

Schlosses  und  von  dem  regenbogen  um  denselben,  welche  weder 

in   der  französischen  vorläge  noch  in  El  eine  deutung  finden 

(v.  649—652): 

The  trone  of  yvor  is  the  saule  of  oure  swete  ladye 
Seven  grees  that  hys  ther  to  are  Werkes  of  merey 
The  raynbowe  that  bendes  over  with  his  colours  thre 
Is  the  myjt  that  Covers  hir  of  the  haly  trinite. 


344  HAASE, 

Ob  diese  weise  der  deutung  des  bogens  nicht  auch  nnserm 
dichter  etwas  gewaltsam  vorgekommen  ist?  Ein  gewagtes  an- 
sinnen  an  die  gläubigen  seiner  zeit  war  es  jedenfalls,  dass 
sie  seiner  auslegung  zu  gefalle  im  regenbogen  nur  drei  färben 
unterscheiden  sollten.  Schön  hingegen  ist  das  bekannte  bild, 
durch  welches  der  Verfasser  in  den  folgenden  versen  das 
wunder  der  menschwerdung  Christi  dem  verständniss  nahe  zu 
bringen  sucht. 

V.  655-656. 
He  come  thurgh  the  cloise  £ate  and  when  he  went  clois  it  was 
Rijt  as  the  brigt  sonne  bemc  comes  and  goos  thurgh  the  glas. 

Mit  einem  gebet  an  die  heilige  Jungfrau  schliesst  dieser 
teil  der  dichtung.  Drei  grimmige  feinde  bedrängen  den  dichter 
und  drohen,  ihn  zu  gründe  zu  richten,  wenn  nicht  die  Jungfrau 
ihm  Zuflucht  in  ihrer  sichern  bürg  gewährt. 

Der  erste  der  feinde  ist  Satan.    Von  ihm  heisst  es: 

F  v.  S04— S06.  E»  v.  897—900. 

Li  diables  est  prime  venu  t>e  fend  fürst  is  for|>  iconie; 

Ka  trois  hoste  en  mi  se  dresce  Wif>  }>reo  hostes  he  de]?  nie  gret  wo 

Cest  orgoil .  ire  .  e  peresce.  Wif>  pniide,  and  wra^)?e  and  8lenj?e 

also. 
E»  v.  670-671. 

On  is  the  foule  fende  with  al  his  companie 

That  puttes  forth  pride  and  wrath  and  gret  envye. 

Der  zweite  Widersacher  ist  die  weit: 

F  v.  807— &0S.  El  v.  901—902. 

Li  inuuz  ad  dous  a  sa  devise  l>eworldmehaf>wttwo  hostes  bis tödo. 

Cost  envie  e  coveitise  !>at  is  wi(?  couetyse  and  onde. 

E»  v.  672—673. 
The  secund  is  the  fals  wald  with  many  schrewed  gyse 
That  shotes  aye  at  nie  shar])ly  with  all  covetise. 

Zu  diesen  beiden  gesellt  sich  als  dritte  feindliche  macht 
die  eigene  fleischliche  lust  Von  ihr  sagen  die  dichter  über- 
einstimmend: 

F  v.  $09— MO.  E1  v.  908—904. 

E  la  cliar  que  tant  se  plie  And  my  fleseh  ine  fondeJ>  to  spüle, 

A  füll  delit  e  glutonie.  Wl  glotenye  and  wi)>  vuel  wille. 

Ea  v.  674—675. 
The  tliird  is  myn  awne  fleseh  to  nie  at  gret  eneuiye 
That  prickes  ine  with  lechriu  sleuth  and  glotonye. 

Grosses  unheil  haben  die  drei  feinde  bereits  angerichtet 
und  sie  werden  gewiss  alles  zu  gründe  richten,  es  sei  denn, 


CHASTEAÜ  D'AMOÜR.  345 

daßs  dem  bedrängten  schütz  gewährt  werde.    Mit  der  dringen- 
den bitte  um  diesen  schliesst  der  dichter: 

F  v.  815—818.  E1  v.  907—910. 

Tu  que  fiebles  redrescez  frow  }>at  art  to  alle  febulle  leche, 

Fai  ine  poser  au  fossez.  tow  let  me  of  |?y  dyches  cleche, 

Ou  li  chastel  est  estable  frer  )>e  castel  is  faste  and  stable 

E  charite  rest  conestable.  And  Charite  is  constable. 

E9  v.  678—681. 
Lady  let  me  lye  in  thi  castel  dyke 
And  wasch  me  wele  therto  thi  servant  like 
Then  if  myn  enemys  wil  me  assaile 
In  traist  of  thi  gode  help  y  take  that  bataile. 

Der  folgende  teil  unserer  dichtung  (F  v.  819— 1601,  E1 
v.  911—1512,  E2  v.  682—1277)  handelt  von  dem  wesen  und 
werke  Christi.  Der  gelehrte  Verfasser  hat  dieser  seiner  be- 
trachtung,  welche  eine  kleine  reimpredigt  ftir  sich  ist,  das 
prophetische  wort  des  Jesaias  zu  gründe  gelegt  (Jes.  9, 6).  Er 
nennt  den  abschnitt:  Item  de  prophecia  ysaiae  dicentis,  Puer 
natus  est  nobis  et  filius  datus  est  nobis:  et  vocabitur  nomen 
ejus  admirabilis,  consiliarius,  Deus  fortis,  pater  futuri  seculi, 
princeps  pacis. 

Im  ersten  passus  wird  gezeigt:  Quomodo  fuit  admirabilis 
(F  819—878,  Ei  912—936,  E*  682—710).  Wunderbar  ist  zwar 
alles  bei  der  mensch  werdung  Gottes,  und  nur  in  gleichnissen 
lässt  sich  davon  reden;  aber  neben  dem  Gottessohne  ist  es 
besonders  seine  mutter,  welche  *  admirabilis '  genannt  werden 
muss.    Von  ihr  sagen  daher  die  dichter  zuerst: 

F  v.  823—828.  El  v.  915—920. 

Cest  leschiele  bien  nous  di  forw  |?is  laddre  God  heuenedrihte 

Ou  deu  du  ciel  descendi.  From  heuenc  into  eor)?e  alihte, 

De  lui  prist  humanite  And  nom  of  hire  his  monhede 

Dont  il  covri  sa  deite.  torw  whom  he  wrey  his  Godhede 

La  verge  porta  la  flur  his  is  pe  gard  )?at  bere)?  }>e  flour, 

La  virgne  son  creatur.  tat  maiden  J>at  bar  hire  creatour. 

Der  dichter  von  E2  ist  an  dieser  stelle  viel  ausführlicher. 
Als  ziemlich  übereinstimmend  lieben  wir  die  folgenden  zeilen 
hervor  (v.  686—689): 

Thou  art  the  geit  of  aaron  that  bar  the  faire  flour 
When  thou  in  cleue  inaydenliede  bar  thi  creatour. 
Thou  art  the  stegh  of  jacob  thurgh  wham  is  gate  to  heven 
He  may  hope  wele  of  help  that  devoutlye  wil  the  ncver. 

Vom  söhne  selbst  heisst  es: 


346  HAASK, 

F  v.  831—838.  E1  v.  92S— 9S0. 

Icest  enfant  est  raerveillus  And  nis  he  wonderful  )>erfore 

Kensi  deigna  nestre  por  uns.  Whon  he  is  J>us  for  us  ibore? 

Merveille  tant  nest  ce  nie  seuible  So  inuche  wondcr  nis  of  no  [ringe, 

Come  dous  naturesjoindreensenible.  As  two  kuynden  togeder  bringe, 

Si  ke  chescune  apertement  And  |»at  ei|?er  kuynde  wij>  alle 

Eit  tut  co  ka  lui  apent.  Ilabbe  )>at  wole  to  heora  bifalle, 

Ki  riens  amenuse  ne  soit  l>at  neuer  nou|?er  ne  wonte  no  wiht, 

Mes  lune  e  lautre  eit  son  droit.  Ac  |?at  etyer  habbe  al  his  riht. 

Ueber  den  zweck  seines  kommens  wird  übereinstimmend  gesagt: 

F  v.  841—842.  E1  v.  933— 934. 

Pur  ses  surors  acorder  To  saugte  his  sustren  J>1  were  toboren, 

E  son  prison  dcliverer.  And  dilyueren  )>e  prison  )>l  was  for- 

loren. 
E»  v.  692—693. 

Now  he  has  acorded  alle  his  sistere  foure. 

And  pete  is  cryed  for  man  heghe  up  in  the  toure. 

Im  folgenden  weichen  die  dichter  sehr  von  einander  ab. 
V.  845 — 878  der  französischen  vorläge  finden  sich  in  El  nicht 
übertragen,  und  der  Verfasser  von  E2  behandelt  die  stelle  sehr 
frei  und  selbständig. 

Was  der  gelehrte  bischof  in  diesen  versen  sagt,  scheint 
auf  den  ersten  blick  zu  der  Überschrift,  welche  er  dem  ganzen 
abschnitte  gegeben  hat,  wenig  zu  passen.  Es  ist  jedoch  mög- 
lich, dass  er  dadurch  hat  zeigen  wollen,  wie  schon  die  zeit 
der  wunderbaren  geburt  des  friedensftlrsten  dadurch  ausge- 
zeichnet war,  dass  alle  Völker  auf  erden  sich  des  friedens  er- 
freuten. Der  englische  bearbeiter  von  E1  hat  den  passus  über- 
sprungen, ihm  erschien  der  gedanke  vielleicht  als  zu  fern- 
liegend.   In  E2  findet  die  sache  erwähnung.    Man  vergleiche: 

F  v.  551— S60. 
E  peis  en  terre  est  criez 
A  gent  de  bone  volentez. 
Lors  avoit  teu  peis  en  terre 
Ken  tut  le  munde  ni  ot  guere. 
Ne  ni  ot  contec  ne  descord 
Meis  tuz  furent  dun  acord. 
E  suz  an  prince  governe 
Kant  nostre  sire  fu  ne. 
Augustus  cesar  se  noma 
Ki  coinand  par  tut  ala. 

Der  dichter  von  E2  sagt  v.  700—703: 

In  token  of  the  prince  of  pees  when  he  til  us  come 
Pees  was  over  al  in  the  world  and  reuling  was  in  rome, 


CHASTEAU  D'AMOUR.  347 

Joye  is  sungen  now  to  god  upon  hegh  in  heven, 
And  pes  in  erthe  til  al  man  that  are  of  gode  wil  even. 

Ein  stück  scholastischer  philosophie  jener  zeit  wird  uns 
in  den  versen  F  864 — 870  geboten.  Der  dichter  scheint  einen 
augenblick  vergessen  zu  haben,  zu  welchem  publikura  er  redet. 
Der  Verfasser  von  E2  folgt  seiner  vorläge  darin  nicht,  sondern 
schliesst,  nachdem  er  von  der  wunderbaren  höllenfahrt  Christi 
erzählt  hat,  mit  einem  gebet  an  Maria  um  rettung  von  den 
todsttnden  (E2  703—710).    Der  abschnitt  in  F  lautet: 

v.  864  ff.    Mout  est  nature  enbelie 
Kant  nature  naturante 
A  nature  est  ignoraunte. 
Ke  nature  naturee 
Lors  est  nature  puree. 
Cent  tant  plus  keinz  nestoit 
Einz  kadam  forfet  avoit. 

In  dem  folgenden  umfangreichen  abschnitte  wird  die 
frage  beantwortet:  'Quomodo  fuit  —  Christus  —  consiliarius?' 
(F  879—1192,  Ei  937—1218,  E2  414—606).  Der  dichter  von 
E1  folgt,  nachdem  er  die  ersten  34  verse  der  französischen 
vorläge  übersprungen  hat,  derselben  sehr  genau.  Ein  vergleich 
von  F  und  E2  wird  aber  zeigen,  dass  die  anordnung  in  den 
gedichten  ganz  verschieden  ist;  oft  sind  einzelne  gedanken  und 
bemerkungen,  ja  sogar  grössere  abschnitte  von  F  in  E2  umge- 
stellt und  mit  einander  vertauscht  Der  englische  Übersetzer  ist 
mit  dem  in  halte  seiner  vorläge  ganz  selbständig  verfahren. 

Christus  ist  ein  guter  ratgeber,  so  zeigt  dieser  abschnitt, 
einmal  vor  Gott,  dem  er  die  erlösung  geraten  hat,  ferner  für 
die  menschen,  denen  er  den  weg  zum  himmel  zeigt,  und  end- 
lich Satan  gegenüber,  den  er  schlagend  als  einen  lügner  und 
betrtiger  entlarvt.  Fast  das  ganze  erlösungswerk  ist  kurz  in 
diesem  teile  der  dichtung  behandelt. 

Der  dichter  beginnt  damit,  einen  schlechten  ratgeber  zu 

schildern  (v.  879 — 896).     Dieser  würde  z.  b.  dem   aus   seinem 

lande  vertriebenen  kaiser  von  Rom  den  rat  geben,  in  dasselbe 

zurückzukehren,  ohne   dabei  aber  irgendwie  hilfe  zu  leisten. 

Ein  anderer  ratgeber  ist  Christus.    Von  ihm  sagt  der  dichter 

dann  (v.  898—908): 

II  est  conseillier  adroit. 
Com  il  avint  oi  avez 
H oiu  nie  trovad  esgarez. 


348 


HAASB, 


De  paradis  engetez 

Janiraes  ne  feust  relevez. 

Par  soi  ne  par  ne  par  sa  puissance 

Ne  fust  de  deu  la  redressance. 

Trestouz  nus  vint  conseiller 

E  la  voie  au  ciel  mustrer. 

Uebereinstimmend  weisen  im  folgenden  die  dichter  darauf 
hin,  wie  der  allmächtige  Gott  sich  aller  macht  entäussert,  von 
einem  weibe  geboren  zum  menschen  wird,  um  seinen  verlorenen 
brüdern  zu  raten  und  sie  zu  retten.  'En  si  tres  doce  manere\ 
wendet  er  sich  an  dieselben: 


F  v.  022—932. 
'Beaudoz  frere 
Jo  te  voi  ci  esgarez 
De  tun  pais  eissilez. 
E  si  veez  aperteuient 
Ke  par  toi  vas  recovrement 
Ne  soiez  ja  en  desperanec 
Ne  de  co  naiez  dotance. 
Ke  ci  ererre  ine  voillez 
Tun  heritage  tut  aurez. 
Oes  uioi  tut  suleuient 
E  fetes  mon  coniandement. 


E»  v.  946—956. 
'Leue  brojrnr, 
I  seo  \>e  mislyken  and  al  forjemed, 
And  out  of  }nn  owne  lond  iflenied; 
And  \>o\\  seost  wel  |>at  for  no  J>ing 
l'ow  hast  of  }>i  seif  no  keueryng. 
Ne  beo  )?ou  in  wonbope  non, 
Ac  ful  siker  |?ou  beo  J^eron; 
•W  t'ii  wole  nie  louö  and  underetode, 
I  chul  \>q  bringe  into  J>in  owne  londe. 
Ententyfliche  |>ou  herken  to  me, 


And  do  |>at  ich  coinaude  J>e. 

E*  v.  573— 5S0. 
Dere  brothir  he  said  of  tbe  I  bave  pite  grete 
Tbat  al  tbi  fair  heritage  fotily  is  forfait 
Never  the  lees  sal  nojt  in  despeir 
For  of  that  heritage  y  am  heir 
To  double  rijt  bit  falles  to  me 
The  toun  of  thaim  y  may  wele  gyf  the 
If  thou  wil  kepe  my  comaundement 
Thou  sal  aye  have  it  veraiuent. 

Im  wesentlichen  übereinstimmend  ist  auch  folgende  schöne 
stelle: 


F  v.  933—950. 
Mon  joc  est  suef  a  sentir 
Mon  fcs  legier  a  sustenir. 
Pitie  pur  toi  mad  esuiu 
Pur  toi  sui  jo  ci  venu. 
Mon  conseil  est  que  sirvez  moi 
E  jo  ta  hataillc  enprendroi. 
Priines  por  toi  voil  pleider 
E  ton  droit  voil  chalangcr. 
Kar  jo  sui  de  ton  lingnage 
Si  puis  clamcr  ton  heritage. 
E  sui  de  fr&nche  natiun 


El  v.  957—97«. 
Mi  30k  is  softe  inow  to  weren, 
And  my  bur|>eue  li^t  inouh  to  bereu, 
To  Merci  bihoue  I  am  al  inome, 
And  Jms  I  am  for  \>e  icome; 
And  Ich  J>c  rede  |>ou  suwe  me: 
I  chulle  |»c  batayle  nyrae  for  pe. 
To  ple  I  chulle  t>is  princes  hauen, 
And  |>i  rillte  I  chulle  crauen, 
For  Icham  of  \>\  lynago: 
I  may  crauen  |>iu  heritage. 
And  Icham  of  freo  nacion: 


CHASTEAÜ  D'AMOUR.  349 

Si  ert  oie  ma  reison  Me  ougte  i-here  my  rcson. 

Pur  toi  prendrai  la  bataille  For  J?e  I  chulle  to  batayle  wende, 

Saverez  hone  definaille.  And  sicker  beo  ]>u  of  ful  good  ende, 

Kar  jo  enfin  la  veintrai  For  I  challe  an  ende  ouercome  ]>*  fiht, 

E  ton  droit  dereinerai.  And  todreynen  al  \>\  riht. 

De  rien  ne  testeut  penser  Ne  darstou  on  erf>e  Rechen  ellesnouht, 

Fors  deus  e  ton  prome  amer.  But  God  and  ]?I  cuecriste  to  loue  I 

trewe  J^ougt. 
In  E2  wird  der  inhalt  der  stelle  freier  gegeben  (v.  581 — 591): 

For  I  am  god  blis  is  bounden  to  me  so  fast 

That  y  may  never  fro  me  hit  cast 

For  I  am  of  adam  kynde  and  with  outen  synne 

I  may  clayme  his  heritage  and  bi  skil  hit  wynne 

If  thou  wil  over  al  thing  rigt  hertly  love  me 

And  love  thin  even  cristen  for  the  love  of  me 

All  thin  enemys  the  agayn  sal  no  thing  availe 

And  y  sal  sone  for  thi  sake  to  me  take  this  bataile 

If  thou  wil  hald  thi  hcrt  how  y  for  the  sal  figt 

Mi  gok  sal  aye  be  swete  to  the  and  my  birthin  ful  ligt, 

I  erne  at  me  for  I  am  mylde  and  also  meke  of  hert. 

Nun  folgt  (F  950—896,  E»  977—1022,  E*  592-606)  eine 
Strafpredigt  der  Verfasser  an  die  menschheit.  Das  beispiel  von 
demut  und  Selbstverleugnung,  welches  Christus  den  menschen 
gezeigt  hat,  wird  von  ihnen  nicht  beachtet.  Sie  gehen  ganz 
auf  in  dem  streben  nach  wertlosen  irdischen  dingen,  demut 
und  mildtiitigkeit  werden  nicht  geübt  Der  besitz  grosser  reich- 
tUraer  macht  sie  hoffartig  und  lieblos  gegen  den  nächsten 
(F  950  —  968,  Ei  977-994,  E*  592—596).  Ihre  ttberhebung 
lässt  sie  das  beispiel  Christi  nicht  mehr  sehen,  sie  folgen  ihm 
nicht  und  wollen  seinen  rat  nicht  hören.  Die  demut  verachten 
sie,  ja  sie  möchten  wie  einst  Lucifer: 

F  v.  982—984.  E1  v.  1009—1010. 

Revilen  la  den  pussance. 

Pur  co  si  chai  lucifer  For]?i  Lucifer,  as  ge  habbej?  herd  teile, 

Hors  du  ciel  desken  enfer.  Fei  frö  heuene  adoun  to  helle. 

Auch  der  Verfasser  von  E2  erinnert  warnend  an  den  fall 
Lucifer's  (v.  602—603): 

Ther  for  drede  he  maye  that  so  wil  him  bere 
Of  a  foul  falling  doun  with  lucifere. 

Nicht  der  besitz  des  reichtums  an  sich  ist  sündhaft,  son- 
dern nur  der  verkehrte  gebrauch  desselben.  Nichts  hindert 
die  reichen,  Gott  in  demut  zu  dienen  und  mildtätig  zu  sein 
(F  987—996,  E*  1013—1022,  E2  604—606). 


350 


HAASB, 


Die  dichter  beantworten  darauf  die  frage: 


F  v.  909— 1000. 
Comont  vout  il  por  nus  pleider. 
Coiuent  la  bataille  enprist 
E  oostre  droit  coment  conquist. 


E>  v.  1024—1026. 
Hon  wolde  God  plede  for  us? 
Hou  he  eny  batayle  nom, 
And  won  uro  rigte  and  a  fend  ouer- 

com? 

Sie  zeigen  übereinstimmend,  wie  Christas  diese  schwere 
aufgäbe  löste,  wie  er  von  seiner  geburt  bis  zu  seinem  tode 
für  die  sünde  der  weit  duldete  (F  1002-1166,  E»  1029—1190, 
E*  513—557  und  414—497).  Dies  ganze  zerfällt  in  drei  teile: 
der  erste  erzählt  von  den  leiden  der  kindheit  Christi,  der 
zweite  von  der  Versuchung  durch  Satan  und  der  letzte  von 
der  passion.  —  Von  Christi  Jugend  berichten  die  dichter: 


F  v.  1003—1008. 
Kant  jhesus  el  mund  fu  nez 


Du  diablo  fu  tant  celez. 

Kc  ricn  ne  sout  de  son  venir 

Meis  quidout  par  tot  seignurir. 

Com  il  cinz  ces  fet  avoit 

Mcs  son  poeir  lui  est  toleit. 


E1  v.  1029—1034. 
h>  Jhesu  Godes  sone  in  \>e  world 

was  ibore, 
So  stille  and  derne  he  was  )>e  fend  fore, 
tat  he  of  his  come  riht  saugt  nuste» 
Ac  to  beo  lord  and  syre  jlt  euere  he 

truste, 
As  he  hedde  ben;  ac  his  miht  was 

binome, 
Po  \>l  Jesu  was  ibore  and  Ito  J>«  world 

icome. 

In  E2  v.  464—467  wird  als  ein  leiden  der  Jugend  genannt: 

Whcn  he  was  aght  dayes  old  with  a  culder  of  stone 

Thai  karf  his  tendre  membre  away  that  bi  the  lagh  was  doun 

This  penance  of  that  child  that  was  so  worthi 

Mijt  make  asseth  for  synne  of  mannes  lechery. 

Erst  als  Satan  bemerkt,  dass  Jesus  ohne  sünde  lebt,  wird  er 
argwöhnisch  und  wendet  sich  versuchend  an  ihn  (F  1009 — 1014, 
Ei  1035—1039,  E*  513—517). 

Sehr  interessant  wegen  seiner  form  ist  das  folgende  kapitel 
von  der  Versuchung  Christi.  Der  lebhafte  und  präzise  dialog 
zeigt  so  recht,  welche  grosse  begabung  die  Engländer  schon 
damals  fttr  das  drama  hatten. 

Satan  versucht  Christus  und  sagt* 


F  v.  1015—1016. 

Tut  cest  mund  te  voil  doner 
Si  tu  me  veus  aorer. 

Christus  erwidert: 

F  v.  1017—1018. 
Va  sathanas 
Ton  seignor  deu  ne  teinpteras. 


E1  v.  1042—1043. 
AI  ]>\s  wyde  world  1  chul  geuen  |>e. 
So  |?at  |?ou  bouwe  and  honoure  me. 


E>  v.  1043—1044. 
Go  awai,  Sathan,  go: 
t>i  kuynde  lord  ne  schalt  pow  fondo 


CHASTKAÜ  D'AMOUR.  351 

Satan  beruft  sich  jetzt  auf  seine  erworbenen  rechte: 

F  v.  1020—1036.  E1  v.  1046—1062. 

Prince  sui  de  ceste  terre.  Icham  prince  and  lord  of  Ipia  londe, 

Lung  tens  ai  eu  la  seisine.  And  in  \>e  seisyne  habbe  longe  ibe 

Par  le  grant  le  rei  hautime.  I>orw  \>e  hei^e  kyng  |>at  graut  hit  me*. 

Fors  ful  ke  toen  conseil  ne  vei  Alle  Jung  I  seo,  and  alle  |ng  Ich  wot; 

Ne  rien  ne  convis  ton  secrei.  But  one  \n  J^ougt  no  Jring  I  not 

Mout  averez  grantment  a  fere  frou  nymest  ful  muche  an  hond, 

Si  de  moi  veus  rien  conquere.  To  benymen  me  eny  fing  in  )?is  lond. 

E  si  de  toi  puisance  noie  taug  l  nabbe  miht  ouer  )?e, 

Quide  tu  donc  tolir  ma  proie.  Wenestou  niy  preye  to  benyineme? 

Nai .  le  covenant  est  fermez  Nay,  for  )>at  foreward,  }ww  So}?  and 

Riht, 

E  en  la  grant  cort  cyrografez.  Faste  1  Godes  court  is  congraffet  a- 

pltbt; 

Si  nul  le  comand  den  passant  tat  hose  passede  Godes  heste, 

Od  moi  tut  tens  demorast.  He  scholde  be  myn,  and  in  süne  leste 

E  morroit  en  fin  de  mort  An  ende  dyen  J>orw  had  de]?  inouh : 

Ne  deu  ne  fist  onke  tort.  And  \>e  kyng  of  heuene  nul  do  no 

wouh. 

Mes  bien  tendra  le  covenant  Wbat  weneston  such  foreward  breko 

Ken  sa  cur  fu  fet  avant.  tat  was  in  Godes  court  ispeke? 

Christus  weist  die  unhaltbarkeit  dieser  langen  ausftlhrungen 
Satan's  kurz  nach.  Satan  selbst  hat  den  bund  mit  Gott  zuerst 
verletzt: 

F  v.  1038—1040.  El  v.  1064—1067. 

Li  covenanz  fu  bien  tenu.  tat  foreward  on  ende  wel  was  iholde; 

Meis  tu  primes  l'enfreinsistes  Ac  ]?u  hit  bigonne  formast  to  breke, 

Kant  en  traison  al  serf  deistes  to^^orwtresontonionkyndespeke, 

Tu  ne  murras  pas    u.  s.  w.  And  seidest    u.  s.  w. 

In  E2  wird  die  Versuchung  frei  von  der  französischen  vor- 
läge nach  Matthäus  kap.  4  erzählt.  Satan  versucht  Christus 
4with  thre  thinges': 

518.   If  thou  be  goddes  sone  he  said  make  of  stones  brede 
522.   The  fende  sette  crist  on  the  temple  and  bad  him  lepe  doun 
Goddes  aungeles  to  kepe  him  suld  be  redy  and  boun 
If  he  were  goddes  sone  in  handes  thai  suld  him  bere 
So  at  no  ston  suld  he  stumble  ne  nothing  suld  him  dere. 
527.  The  fend  shewid  him  al  the  warld  and  saide  this  gif  y  the. 
If  thou  wil  bowe  doun  to  the  ground  and  so  adour  me. 

Dann  fährt  der  dichter  seinem  vorbilde  gemäss  fort: 

532.  And  I  am  prince  quod  the  fend  of  this  midierde 
I  have  gode  sesyn  ther  ynne  and  of  ful  lange  tyme 
And  be  conferuiyng  of  god  al  mankynd  is  myne    u.  8.  w. 


352 


HAASB, 


In  derselben  weise,  wie  es  in  F  geschieht,  weist  Christas 
Satan  zurück: 

541.   Man  quod  jhesu  hade  keped  al  goddes  biddyng 

Hade  he  1103t  be  letted  with  betraying. 
545.    IIow  may  thou  covenant  rejoyes  be  resoun 

That  thou  made  man  to  breko  be  thi  foul  tresoun. 

Einen  überwältigenden  eindruck  macht  Christi  wort  auf  Satan: 


E1  v.  1070-1084. 
A  !  Ich  am  bitrayged,  q«1  }>c  fend  f>o, 
Noii  Ich  am  f>orw  ple  ouercoine  so. 
Of  whom  and  hon  come|>  hit, 
Such  rcson,  and  such  wit, 
l>at  |?ou  so  baldeliche  darst  nymen  \>e 
Forte  dispute  ageynes  ine? 
l'orw  plc  Ichabbe  iloren  al  anon; 
Ac  so  nc  may  hit  nou^t  gon. 


F  v.  1047-1054. 
0?  dist  H  diables  trai  sui 
Kant  en  pleidant  sui  vencui. 
E  dist .  dont  te  vient  teil  poeir 
Tcu  vertuz  e  teu  saveir. 
Ka  moi  osiez  enprcndre 
Desputer  .  e  reison  rendre. 
Tut  ai  perdu  en  pleidant 
Mes  ne  demona  mie  atant. 

In  E2  heinst  es  kurz: 

547.   Alas  then  quod  the  fend  wher  hade  thou  this  connyng 
For  to  venquys  me  to  day  thus  with  thi  motyng. 

Vom  tode  oder  von  ewiger  haft  des  gefangenen  ist  jetzt 
nicht  mehr  die  rede,  vielmehr  ist  Satan  bereit,  demselben  die 
freiheit  zu  gewähren.    Er  fordert  indess  hohes  lösegeld: 

F  v.  1058— 10511.  K«  v.  1087— 108S. 

Ne  sanz  redcmption  por  li  And  böte  he  bco  forbougt  of  me, 

Ne  serrai  a  tort  deseisi.  Ile  ne  01131c  from  wo  disseysed  be. 

E*  v.  551— 552. 
Rot  if  thou  before  he  passe  forthe 
Paye  as  mekil  raunson  for  him  as  he  is  al  worthy. 

Besonders  lebhaft  ist  der  dialog  in  folgender  stelle 
(F  1059—1078,  E*  1089—1106): 

Christus: 

And  Ichulle  hi  }>enne  for-bugge. 
Satan: 

rn(  |>ou  wolt  him  bugge  to  bis  feoret 
He  schal  costen  |>e  ful  deore. 

Christus: 

IIou  deore? 
Satan: 

As  he  is  wor}>,  er  |>ennc  he  go 
Out  of  bonde  of  my  prison. 

Christus: 

I»at  is  skile  and  god  reson; 
Ne  kep  I  noujt  tojeynes  riht 
I>orw  maystrie  binyme  J>e  no  wfht. 


Pur  lui  redempcion  frai. 

Si  tn  le  veus  achater 
II  te  costera  mut  chier. 

Cume  chier? 

Tant  com  il  vaut 
Ainz  ke  de  ma  prison  aut. 

Co  est  bien  reison  e  droit. 
Contre  droit  ne  voil  jo  mie 
Tolir  toi  riens  par  mestrie. 


CHASTEAÜ  D'AMOÜR.  353 

Satan: 
Fai  le  me  doncl 

Christus: 
Volontiere, 

Kest  co  donc  ke  tu  quiers? 

Satan: 

Rendez  nioi  donc  que  tant  vaille  No,  ac  er  he  dilyuered  be, 

Com  fönt  ore  tuz  eil  de  mund  tou  most  al  so  muche  delyuere  mo 

E  quanka  pres  tuz  jurs  vendrunt.         As  al  |?is  world  is  wor)?  atte  frome 

Wi|?  alle  }>ulke  \>t  schulen  herafter 

come. 
Christus: 

Volentiers  tut  cest  frai  Ble^eliche,  al  I  chal  don  )?is, 

Kar  mieuz  vaut  mon  petit  dei  For  my  luttel  fynger  uiore  wor|>  is 

Ke  teu  niil  mundes  ne  funt  ten  such  an  bondred  worldes  ben, 

Od  tute  la  gent  que  i  sunt.  Wlal)?atfolk  |>l  nie  may  herafter  sen. 

Der  dichter  von  E2  gibt  diese  stelle  viel  einfacher  wider: 

553.   That  is  resoun  quoth  ihu  crist  and  that  ful  verailye 
I  wil  nogt  tak  man  fro  the  with  unskilful  maistrie 
Loke  what  is  his  raunson  sal  be  skilfully 
And  1  sal  paye  hit  for  bim  and  that  ful  largely. 

410.    For  my  lest  fynger  is  raekil  mor  vailiant 
Then  a  thousand  worldes  if  that  thai  wäre. 

Es  sei  hier  bemerkt,  dass  die  verse  414 — 428  in  E2  an 
eine  falsche  stelle  geraten  sind,  sie  haben  ihren  rechten  platz 
erst  nach  vers  557. 

Auf  zwei  verschiedene  weisen  versucht  es  dann  Satan 
noch,  Christus  von  seinem  vorhaben  abzubringen.  Zuerst  stellt 
er  die  sache  so  dar,  als  ob  die  weit  ein  zu  geringer  gegen- 
ständ sei  ftir  das  bemühen  Gottes  (F  1079—1084,  E»  1007—1012, 
E2  418—422).    Er  schliesst: 

F  v.  1083-1084.  El  v.  1111—1112. 

E  veus  tu  donc  ton  doit  doner  And  woldestou  }>i  finger  geue,  f^auj 

Pur  si  vil  merz  achater?  J>u  so  sugge, 

So  unworJ>  and  so  vyl  chaffare  to 

™  bugge? 

E8  v.  421—422.  66 

And  if  thou  wil  gyve  tili  fynger  bim  to  bye 

Than  sal  thou  inake  a  febil  marchandic. 

Die  list  Satan's  ist  bei  Christus  vergeblich,  dieser  er- 
widert ruhig: 

F  v.  1085— 1080.  E'  v.  1113—1114. 

Nai  fet  il  mes  tut  mon  cors  3e,  and  al  my  body  for  his  raunsoun, 

Ains  kaies  le  prison  hors.  But  I  chttl  hl  habbe  out  of  prisoun. 

Dann  sucht  er  Christus  abzuschrecken  durch  hinweis  auf 
die  grossen  marter  und  den   bittern  tod  (F  1087 — 1094,  El 

AngUa,  XII.  band.  23 


354  HAASE, 

1115—1118.  E2  423— 425).    Doch  auch  dieses  strategcm  Satan's 
ist  erfolglos.     Christus  weist  es  zurück,  indem  er  erwidert: 

F  v.  10% —1100.  E1  v.  1120  -1124. 

Quankas  dit  tut  jert  tcnu.  AI  )>at  |?ou  hast  seid,  al  schal  be  do; 

Kar  verite  le  devise  For  So)?  seide  liit  oujtc  ben  so, 

K  puis  lad  juge  justise.  And  Riht  com  after  and  je|?e  dorn  J>o; 

Plus  ferai  ke  dit  navez  And more )?e  )>" hast  iseid Ich ulledon 

Si  ort  li  serf  deliverez.  To  diliuere  )>c  J»ral  out  of  prison. 

E»  v.  423  -42«. 
Jhesu  said  I  sal  do  more  than  thou  has  ast 
And  tliis  covenant  betwix  us  sal  be  made  ful  fast. 

Der  folgende  abschnitt  handelt  von  der  passion  Christi 
(F  1107— UGÜ,  E»  1131—1100,  E*  430— 497).  Die  leiden  des 
heilandes  werden  in  F  und  E1  nach  folgenden  gesichtspunkten 
geschildert: 

F  v.  1115-lllh.  E1  v.  1139—1142. 

En  tuz  les  nieinbres  komme  ad  In  alle  \>e  lymes  J?at  ha)'  )?o  mon 

Dont  Adam  primes  pechad.  Se^e  Adam  formest  sunne  bigon, 

Vont  il  ses  donz  membres  pener  Wohle  )>at  his  tyuies  alle  ipyned  were, 

Pur  nos  pechiez  aquiter  Tomakenusof  sünealquitandskere. 

Der   Verfasser  von  E2  weicht  von   dieser  anordnung  der 

Schilderung  bedeutend  ab,  er  verhindert  manches  und  fügt  vieles 

hinzu.     Gleich  im  eingange  z.  b.  macht  er  folgenden  zusatz: 

4:i4.   Thre  and  thirty  gere  for  the  to  bye  thi  forfete 

He  suffred  cold  hunger  and  thirst  and  travail  wonder  grete 
Befor  that  he  for  synne  of  man  til  his  passion  jode. 

lieber  die  marter  des  erlösers  heisst  es  in  F  und  E1: 

F  v.  1119—1130.  E>  v.  1143—1154. 

Pur  la  nostre  iniquite  For  ure  unwrestschupe  here 

Son  chief  despine  ad  corune.  l'e  coroune  of  )>ornes  on  his  hed  be 

beere ; 
E  pur  le  nos  fous  regarz  And  for  ure  folye  also 

Ses  eus  bendez  dambe  parz.  His  ejen  weore  blyntwharuet  bo; 

Eu  sa  face  les  copirent  And  al  was  his  face  hifotilet  w'  spot, 

E  des  paumes  le  ferirent.  And  eke  grete  hoflfetes  amög  nie  hl 

smot; 
K  pur  nostre  fou  parier  And  for  ure  speche  unwreste  and  vyl 

Heut  eisil  .  0  fei  amer.  Atter  heo  hl  dude  to  drike  ymeynt 

w*  eisil 
E  pur  nos  mavois  fez  foreiuz  l>e  otewyse  Werkes  as  |?ere  anonden 

Se  lessa  percer  piez  e  meins.  He  lette  bo)>o  purlen  his  feet  and 

hoden. 
Pur  vostre  mavois  penser  And  for  ure  woke  J^oujtes  he  ^olede 

smerte, 
Se  suttri  deskau  quer  percer.  I«  me  bis  syde  )>urlede  rijt  to  |>e  herte. 


CHASTEAÜ  D'AMOÜR.  355 

Dem  dichter  von  E2  war  dies  bild  noch  nicht  düster  genug, 
er  sucht  es  durch  zusätze  noch  schauriger  zu  machen.  So  ge- 
hört z.  b.  ihm  allein  an: 

444.   He  was  lifted  upon  hegh  and  lettcn  doun  so  fast 

Tbat  all  the  raynes  and  the  synuues  and  bis  body  brast. 

Oft  findet  sich  bei  ihm  auch  eine  von  F  abweichende 
deutung  der  leiden  Christi;  z.  b.: 

453.  For  to  uiake  assetb  for  mannes  proudnes 

Ilis  eghen  were  fade  and  dyinine  and  lost  al  tbair  uiygt. 

462.   Bitter  aisel  and  galle  when  he  was  tbristy 

Drank  he  to  make  tully  asscth  for  manes  glotony. 

4(*»8.   AI  the  body  aboute  with  brising  and  beting 

Was  punysched  ynogh  for  synne  of  touching    u.  s.  w. 

Allen  forderungen  Satan's  geschah  durch  Christi  leiden  und 
sterben  volles  genüge  (F  1136—1140,  E»  1161—1164),  denn: 

F  v.  1141—1144.  E1  v.  1165—1168. 

Kar  plus  soffri  cent  itant  For  more  }?olede  an  hundret  folde 

Peines  e  maus  en  moriant  Serwe  and  pyne,  ]>o  he  dyen  wolde, 

Ke  diables  neurent  poeir  I>en  ]?e  fend  inihte  for  eny  synne 

A  humeine  nature  charger.  Leggen  hond  uppon  inonkunne. 

Bei  dem  tode  Christi  ward  es  kund,  dass  er  wahrer  Gott 

war,  so  erzählen  die  dichter  von  F  und  El.     In  E2  heisst  es: 

492.   When  god  thus  sufFred  dede  as  we  rede  in  boke 

The  sunne  sone  withdrough  his  ligt  and  the  erthe  whoke 
And  the  rail  of  the  templo  even  brast  in  two 
And  the  harde  stones  swiftly  cleve  also 
Many  a  man  rose  than  that  were  before  dede 
And  al  bare  thei  wittenes  of  his  godhede. 

Uebereinstimmend  gedenken  die  dichter  dann  der  leiden  und 
freuden  der  Maria  (F  1167— 1192,  E*  1191—1218,  E*  499— 511). 
Die  prophezeiung  des  Simeon  ging  in  erftillung,  ihr  herz  duldete 
mehr  schmerz  bei  dem  anblick  der  quälen  ihres  sohnes,  als 
wenn  durch  dasselbe  ein  schwert  gedrungen  wäre.  Ihre  trauer 
wurde  jedoch  in  freude  verwandelt,  als  der  söhn  über  tod  und 
teufel  siegreich  auferstand.  Die  hölle  war  bezwungen  und 
der  gefangene  erlöst.  Der  glaube  war  es,  welcher  Maria  die 
kraft  gab,  alles  zu  ertragen,  sie  vertraute  auf  Gott,  als  alle 
zweifelten: 

F  v.  1183—1186.  E1  v.  1209—1212. 

Trestuz  furent  en  dotance  In    wonhope    weore    his    disciples 

uchon, 
Mes  vous  en  ferme  creance  Ac  j?ou  weore  studefast  euer  in  on, 

23* 


356  HAASE, 

Demorastes  sanz  doter  Ne  mijte  }>e  no  }>Ig  tornen  out, 

Ta  foi  ne  peut  rien  changer.  In  trewe  bileue  euere  }?u  weore,  stille 

and  loud. 
Anders  spricht  sich  der  Verfasser  von  E2  über  den  glauben 
der  Maria  aus.     Er  sagt: 

507.   Thou  wote  that  he  sal  ryse  agayn  thurgh  his  awen  mygt 
And  with  a  body  ful  of  joye  apertly  to  thi  sijt 
Thou  wote  the  fend  is  venquist  and  wetes  it  nojt    u.  8.  w. 

Mit  einem  gebet  um  die  ftirbitte  der  Jungfrau  bei  dem 
erlöser  sehliesst  der  passus: 

F  v.  US7-  -1192.  E1  v.  1213— 121b. 

Marie  niere  de  pitie  Marie,  Moodcr  of  pite 

Pucelo  pleine  de  Imnte.  May  den  ful  of  alle  boiite, 

En  vous  tu  donc  nostre  creance  Ure  beleeue  was  f>o  in  J>e  iwis; 

Mes  ore  est  nostre  esperance.  And  nou  al  ure  hope  is 

Ke  pur  nus  le  depriez  hat  |»ou  biseche  \>\  sone  for  us, 

Par  ki  sumes  reehatez.  I'at  so  on  rode  forbougt  us. 

'Quomodo  deus'  ist  die  ttbersehrift  des  folgenden  abschnittes 
(F  1205— 1274,  E«  1219—1290,  E*  712— 747),' obgleich  in  dem- 
selben nicht  nur  gezeigt  wird,  dass  Christus  wahrer  gott,  son- 
dern auch,  dass  er  wahrhaftiger  mensch  war.     Es  heisst: 

F  v.  1220-122».  El  v.  1241-1244. 

E  ses  fez  peut  hom  saveir  Men  inay  also,  clerkes  Y  cone  reden, 

E  la  puissance  deu  veeir.  Iseon  bis  Godhede  )?orw  his  deden; 

Kar  tuz  ses  fez  furent  inellez  For  al  ]>c  deden  |>at  he  dude  here 

De  hoinuiesce  e  de  deitez.  W*  Godhede   and   inonhede   weore 

iuieynt  ifere. 

E2  v.  721-722. 
He  shewed  us  the  my^t  of  god  in  his  manhede 
Power  of  god  and  man  was  viellid  in  his  dedis. 

Uebereinstimmend  suchen  die  dichter  das  wunderbare  der 
beiden  naturen  Christi  durch  ein  bild  dem  verständniss  des 
laien  nahe  zu  bringen: 

F  v.  1220  —1237.  E1  v.  1247—1259. 

Ki  eust  k'i  une  espeie  Hose  hedde  a  swerd  hero 

Bien  trenchante  e  aseereie  l'at  wel  isteled  and  kene  were, 

E  enz  un  graut  feu  la  uiist  And  he  hit  into  J>e  fuir  dude 

Tant  kardante  la  feist.  l»at  hit  were  brenynge  in  |>e  stude; 

Tant  com  ele  ardante  feust  Ho  is  )>at  )>enne  mihte, 

Nul  ne  serroit  ipii  peust.  Whon  hit  barnde  so  brihte, 

Le  feu  partir  del  ascer  l»e  fuyr  todelen  )?e  stel  fro, 

Nel  ascer  del  feu  severer.  <)[>er  J>e  stel  froui  J>e  fuir  mo? 

E  ki  del  espeie  ferroit  And  hose  wl  j?e  swerd  smite, 

Do  us  natures  troveroit.  Two  kuynden  he  inigte  sen  and  wite 


CHASTEAÜ  D'AMOÜR.  357 

Lascer  trenchant  per  droiture  te  stel  ]?orw  kuynde  kerue]?  apliht, 

E  le  feu  ardante  par  nature  And  |?e  fuir  brenne^  and  ]>t  is  riht; 

E  tut  dune  espeie  ist.  And  al  of  o  swerd  hit  come. 

E*  v.  724—725. 
Rigt  as  a  sharp  swerd  of  the  fire  al  glowand 
The  egge  kerues  if  he  suiyte  the  hete  is  brennand. 

Die  wahrbeit  dieser  behauptung  wird  dann  durch  die  Vor- 
gänge bei  einigen  Wundertaten  Christi  erwiesen.  Das  erste  der 
wunder  ist  das  auf  der  hochzeit  zu  Cana.  Nachdem  die  dichter 
den  Vorgang  erzählt  haben  fügen  sie  erklärend  hinzu: 

F  v.  124(5—1249.  El  v.  1209-1272. 

Coui  homine  eraplir  les  roua  As  mon  he  bad  don  water  j?erin 

Com  deu  leawe  en  vin  changa  And  as  God  he  torned  hit  to  wyn. 

E  tut  icest  un  oeur  feu  And  )?is  ilke  dede  was  al  on 

E  domine  e  de  verrai  deu.  Of  so|?fast  God  and  so^fast  mon. 

E2  v.  732-735. 
When  he  had  sette  water  he  shewed  his  manhed 
And  when  he  turned  hit  to  wyne  he  shewed  his  godhed 
For  he  myjt  have  made  wyne  with  outen  water  brogt 
Rijt  as  he  made  when  he  wald  al  the  warld  a  nojt. 

An  zweiter  stelle  wird  die  speisung  der  5000  genannt, 
von  diesem  wunder  heisst  es: 

F  v.  1256—1257.  E1  v.  1279—1280. 

Com  homme  le  pain  departeit  As  mon  he  hem  )>e  bred  to  brek, 

Come  deu  les  a  tuz  refeit.  And  as  God  he  ha)?  hem  ifulled  ek. 

E*  v.  740—741. 
His  manhede  to  thaim  alle  delt  bret  and  fische 
Bot  his  godhede  ther  multiplied  al  this. 

Zu  der  glänzendsten  tat  Christi,  der  auferweckung  des 
Lazarus,  bemerken  die  dichter: 

F  v.  1264—1265.  E1  v.  1267—1286. 

Cume  homme  a  lui  criad  Riht  as  mon  he  clepede  him  to, 

E  com  deu  le  resuscitad.  And  as  God  he  arerede  him  also. 

E*  v.  744—745. 
First  he  grette  and  sithen  he  cryed  to  lazar 
That  shewed  that  he  was  veraye  man  thar. 

Die  in  E2  hierauf  folgende  abhandlung  4Of  the  sacrament 

of  the  auter '  ist  zusatz  des  mönches  von  Sallay  (v.  749— 792). 

Er  stellt  darin  die  dogmen  über  diesen  gegenständ  zusammen 

und  umschreibt  dieselben.     Ein  beispiel  mag  zeigen,  in  welcher 

weise  das  geschieht: 

751.    Thurgh  the  vertue  of  cristes  wordes  of  the  sacrament 
That  the  prest  reherces  at  his  messe  with  gode  entent 


358  HAASE, 

Brcde  in  to  cristes  flesche  and  wyne  in  to  his  blöde 
Sudainlye  is  turned  for  mannes  gastlye  fode 
Notber  brede  ne  wyne  is  after  sacryng  in  tbe  messe 
Bot  veray  goddes  flesch  and  blöde  in  tbair  liknes    u.  s.  w. 

Es  wird  dann  zur  beantwortung  der  frage  übergegangen: 
lQuomodo  fuit  fortis?'  (F  1274—1345,  E'  1297—1370,  E* 
794 — 822).  Im  eingange  zu  diesem  abschnitte  sagt  der  dichter 
erst,  dass  er  anvermögend  ist,  einen  so  hehren  gegenständ  wie 
die  alimacht  Gottes  würdig  zn  besingen.  Nur  geringes  ver- 
mag er: 

F  v.  1285—128".  E1  v.  1308-1310. 

Meis  come  en  rongant  les  corce  But  as  a  mon  )>e  rynde  flej>, 

Tochier  la  voil  apertement  Süwbat  touchen  I  chulle  fonde 

Solunc  lc  niieuz  ke  jentenc.  Of  )>at  Ich  may  understonde. 

Dem  dichter  liefert  den  beweis  flir  die  göttliche  macht 
Christi  dessen  glorreicher  und  entscheidender  kämpf  gegen 
Satan  und  die  hölle.  Erschreckend  gross  war  nach  Adam's 
fall  die  macht  Satans  geworden.  Alles  auf  erden  musste  ihm 
gehorchen  und  fürst  der  weit  nannte  sich  prahlend  der  tückische 
feind  Gottes  und  der  menschen.  Alle  anstrengungen  sich  seiner 
herr8chaft  zu  entziehen  waren  vergeblich,  auch  die  besten 
konnten  der  hölle  nicht  entgehen  (F  1288—1299,  E«  1311—1322, 
E2  803 — 810).  Auch  des  sohnes  Gottes  gedachte  er  sich  zu 
bemächtigen: 

F  v.  1303—1307.  El  v.  1326-1332. 

Ke  il  quidout  cum  dautre  gent  l>o  he  wende  of  him  to  done 

Do  jhesu  fere  son  volcir  As  he  hedde  don  of  oj?er  alle 

£  attrere  a  son  poeir.  t>at  he  lette  into  helle  falle: 

Kant  il  le  vit  en  la  croiz  pendre         Alle  he  ladde  herbifore  after  his  wille, 
Lalme  de  II  quidout  prendre.  And  into  helle  con  hem  spille. 

To  |>e  croys  he  con  come 
And  wolde  habben  is  soule  inome. 

E*  v.  811— 812. 
When  tlie  fend  sagh  liiin  wele  on  the  crois  liyngand 
He  wend  to  havc  made  him  forth  aye  in  helle  lengand. 

Schön  schildern  dann  die  dichter  das  jähe  ende  der  macht 
Satan's: 

F  v.  13uj>  -  |:n«.i.  E1  v.  1333  —  134«. 

Meis  li  traitres  a<l  inentuz  Ac  he  faylede,  J>e  traytour; 

II  est  de  Hon  torn  abatnz  lle  was  abated  of  his  tour, 

Kar  sa  seinte  (leite  For  («ödes  (todhedc  hl  hap  doU  eist 

Kesken  enferre  lad  gete  Into  helle  and  ibouuden  fast. 

Ou  il  in eim es  est  alle  For  |>orw  his  Godhede  bis  soule  eode 


CHASTEAÜ  D'AMOUR.  359 

Od  salme  sa  deite.  I>idere  for  hise  )>at  hedden  neode, 

Les  portes  denfer  debriseit  tat  göre  hedden  him  abide 

Le  poer  du  diable  a  toleit.  And  sore  longeden  to  gon  him  mide. 

A  enfern  fist  im  grant  mors  Helle-gates  he  al  to  breek 

Ke  tuz  les  soens  eiitreit  hors.  And  todaschte  al  ]?e  fendes  ek. 

Qui  en  sa  venue  crurcnt  A  gret  bite  he  bot  of  helle  nom 

E  de  bon  quor  servi  leurent.  And  drouh  alle  hise  out  uchon 

l'at  leeueden  his  nome  and  hl  knewe 
And  serueden  hl  wi)>  herte  trewe. 

In  E2  wird  dies  kürzer  ausgedrückt: 

S13.   Bot  sone  the  saul  with  the  godhede  as  a  ferce  lyon 
And  a  king  of  al  the  warld  and  nojt  as  a  prisoner 
Come  to  helle  and  brast  thair  barres  with  his  wille  fre 
And  toke  out  alle  anon  with  him  that  dyed  in  charitie. 

Die  prophezeiung  des  Jesaias  ist  also  glänzend  erfüllt  worden: 
der  söhn  Gottes,  dessen  macht  alles  menschliche  verstehen  über- 
steigt, hat  Satan  überwunden  und  dem  räuber  die  beute  wider 
abgenommen  (F  1320  —  1337,  E'  1347  —  1362,  E*  817  —  820). 
Uebereinstimmend  heisst  es  dann  zum  schluss  von  Christo: 

F  v.  1338—1341.  E1  v.  1363—1366. 

Icit  est  nostre  refu  I>is  is  ure  child  and  ure  help, 

Nostre  force  nostre  salu  Ure  strengte  and  ure  jelp, 

Nostre  foi  e  nostre  amur  Ure  beleue  and  ure  socour, 

Nostre  aie  e  nostre  honur.  Ure  treuj?e  and  ure  honour 

Ea  v.  821—822. 
Thus  is  jhesu  crist  our  refut  strength  and  socour 
Our  help  and  our  hele  our  joye  and  our  honour. 

Im  folgenden  abschnitte  (F  1340—1485,  E»  1371—1512, 
E'2  824 — 878)  soll  gezeigt  werden,  wie  an  Christo  die  prophe- 
zeiung Jesaiae  in  erfüllung  ging: 

F  v.  1350—1352.  E1  v.  1375. 

Ke  son  non  nome  serroit 

Pere  au  poeple  ki  vendroit  Fader  of  the  world  |?at  scholde  come 

Au  siecle  ke  feut  a  venir. 

Christus  ist  in  der  tat  der  'pater  futuri  saeculi',  der  vater 
aller  geschlechter,  welche  nach  seinem  siege  über  Satan  auf 
erden  noch  leben  werden.  Es  beweisen  dies  sowol  sein  tod 
und  seine  auferstehung,  seine  höllenfahrt  wie  seine  himmel- 
fahrt,  als  auch  besonders  seine  eigenen  worte  und  letzten  be- 
fehle an  die  jünger. 

Der  Verfasser  von  E1  hält  sich  auch  hier  genau  an  seine 
französische  vorläge,  während  in  E2  wesentlich  derselbe  inhalt 
freier  und  kürzer  widergegeben  wird. 


360  HAASE, 

Die  dichter  heginnen  damit,  Adam,  ungern  vater  nach  dem 
fleisch,  mit  Christus,  unserm  geistigen  vater,  zu  vergleichen 
(F  1356—1379,  E*  1379—1400,  E'  824  —  833).  Von  Adam 
heisst  es: 

F  v.  1356—1363.  E1  v.  1381-1386. 

En  adara  trestuz  pecherent  frorw  Adam  we  sügeden  fürst  uchon 

E  touz  la  pume  en  li  mangerent.  And  ceten  )>e  appel  wi|>  hi  anon; 

Kanque  de  lui  engendre  furent  And  alle  weof  bimistreonedweoren: 

La  inaleicon  kil  out  eurent.  t>e  cors  \>aX  he  beer  alle  we  beeren. 

Kar  il  leurent  natureument  frorw  kuynde  we  hedden  J?e  curs  alle 

Ne  peut  estre  autrement  frorw  riht  ne  mijt  hit  elles  bifalle. 

Eigentümlich  ist  folgender  gedanke  über  den  weil;  unseres 
daseins,  das  auf  Adam,  unsern  irdischen  vater,  zurückgeht: 

F  v.  1366—1369.  El  v.  1389— 1392. 

Mos  icclo  engendrure  Ac  }?ulke  fleschliche  streonynge 

Feut  a  nus  e  pesme  e  dure.  Beere  us  bale  and  serwynge, 

Ne  feust  la  grace  jhesu  crist  Neore  f>e  grace  of  swete  Jhesu 

Ke  nus  engendra  en  esperit  I>at  us  strenede  }>orw  gostliche  vertu. 

Unendlich  mehr  sind  wir  unserm  geistigen  vater  zu  danke 
verpflichtet,  durch  den  wir  widergeboren  wurden,  der  uns  von 
Sünden  reinwusch  mit  seinem  blute  und  uns  die  freiheit  zurttck- 
erwarb  (F  1370—1375,  Ei  1393—1398).  Schön  schliesst  der 
passus: 

F  v.  1376—1379.  E1  v.  1399—1400. 

Unkes  pere  pur  nul  enfant  Neuer  fader  for  nu  childe 

De  fiu  araor  ue  mustratant  Of  fyn  loue  nas  so  freo  ne  mylde. 

Kant  il  nus  out  tuz  rechatez 
Par  sa  mort  de  mort  delivrez. 

E»  v.  832— S:<3. 
Was  never  no  fader  that  any  son  so  dere  hade  bogt 
As  crist  that  man  wesch  of  synne  and  out  of  prisonne  brogt. 

Fast  wörtlich  überträgt  auch  der  Verfasser  von  E*  hier 
einmal;  er  fühlte  es  wol.  dass  au  dieser  stelle  nichts  geändert 
werden  durfte.  Ganz  frei  behandelt  er  den  inhalt  seiner  vor- 
läge (F  1355-1375). 

s26.   Alle  that  was  of  adam  born  lost  heven  for  Ins  synne 

And  alle  that  cristen  children  will  be  bi  him  inaye  hit  wynne 

Baptisiue  has  the  vertue  of  christes  herd  blöde 

To  make  thaim  bis  childre  that  vvil  take  hit  with  gode 

Thus  ri^t  as  al  mcn  dye<l  thurgh  adam 

So  uiay  al  be  quikned  agayu  in  cristes  name. 

Nach  diesem  vergleiche  gehen  dann  die  dichter  dazu  über, 
durch  die  taten  Christi  von  seiner  höllenfabrt  bis  zur  himmel- 


CHASTBAU  D'AMOÜR.  361 

fahrt  nachzuweisen,  dass  er  wahrlich  der'pater  futuri  saeculi' 
ist.  Die  darstellung  hebt  an  mit  der  erzählung  von  der  höllen- 
fahrt:  vierzig  stunden  war  Christus  in  der  hölle  (F  1380—1382, 
E»  1401—1404,  E2  834). 

Schön  heisst  es  dann  —  besonders  in  F  —  von  der  auf- 
erstehung  des  erlösers: 

F  v.  1384-1 3S9.  E1  v.  1405—1412. 

Par  im  dimain  resuscita  I'at  was  on  \>q  |?ridde  day, 

Kant  laube  prinies  creva.  Erliche  uppon  a  Sonenday, 

Les  seinz  enineine  com  seignur  \>o  |>e  nigt  fro  }?e  day  to  brek 

Kunques  furent  a  nul  jur  So  seide  seint  Austin  ]>o  he  spek. 

Del  ure  kadam  feu  criez  W(  hira  he  drouj  out  alle  hise 

E  jhesus  estoit  resuscitez  I>at  dijeden  in  his  seruise 

From  )>q  tyme  )>at  he  Adam  wrou jto, 
bat  he  upros  and  us  forboujte. 

Der  Verfasser  von  E2  hält  sich  auch  hier  an  den  text  der 
bibel,  er  sagt  nichts  von  der  auferstehung  nach  der  darstellung 
des  heiligen  Augustin. 

Uebereinstimmend  wird  in  dem  folgenden  (F  1390 — 1419, 
E1  1412—1444,  E2  835—846)  erzählt,  wie  Christus  dann  vierzig 
tage  lang  seinen  jungem  erschien,  zu  ihnen  redete  über  das 
reich  Gottes  und  mit  ihnen  ass  und  trank,  um  dieselben  von 
seiner  auferstehung  zu  überzeugen.  Ihr  anfänglicher  Unglaube, 
und  besonders  der  hartnäckige  zweifei  des  Thomas  gelten  allen 
Verfassern  als  bestes  beweismittel  zur  Stärkung  unseres  glaubens. 
Sie  sagen  darüber: 

F  v.  1402— 1405.  El  v.  1425—1428. 

Meis  sachez  vous  lur  doter  Ac  heore  doute  was  ure  biheue, 

Fet  nostre  foi  affermer.  And  fastnede  ful  wel  ure  bileeue; 

Kar  mut  nus  fist  avantance  For  muche  us  dude  sikernesse 

De  thomas  la  mescreance  Of  Thomas  misbileuenesse. 

E2  v.  841-842. 
Bot  it  was  til  our  faith  ful  heplye 
That  Thomas  of  ynde  trowed  lattlye. 

Dem  befehle  Christi  an  seine  jünger,  zu .  lehren  und  zu 
taufen,  nach  der  fassung  in  F  wird  in  E1  (v.  1447)  noch  hinzu- 
gefügt: 

And  sette  tweyne  and  tweyne  to  gon. 

In  E^  findet  sich  dieser  zusatz  nicht  (F  1420—1431,  E* 
1445_14587  E2  847—850). 

Aus  wasser  und  geist  müssen  wir  widergeboren  werden, 
sonst  werden  wir  das  reich  Gottes  nicht  ererben  (F  1432 — 1437, 


E'  1459—1494,  E*  851—852).  Dureli  Christus  wird  uns  diese 
gnadengabe,  so  sagen  die  dichter  darauf  übereinstimmend;  er 
ist  daher  in  Wahrheit  unser  vater: 

F  v.  1188— 1441.  E'  v.  1465-1467. 

E  pua  kil  uns  ad  engendre  And  whon  he  us  haf>  so  strened  iwia, 

Nostro  pere  est  en  verite.  Fnrso|>c  ur«  fader  |>eune  he  is, 

E  dune  »mues  nus  ses  fiz  And  J>enne  wo  alle  his  children  beb. 

Certcs  mut  fet  ko  clioitis. 

In  E-  wird  an  dieaer  stelle  kurz,  gesagt,  dass  wir  'thurgh 
baptysme  be  made  eristee  awen  aone'. 

In  den  folgenden  versen  (F  1442—1443,  E'  1468—1490, 
E1  853 — 856)  wird  der  gegeneatz  zwischen  Christ  us  und  Adam 
nochmals  hervorgehoben:  dieser  war  fleischlich  gesinnt,  ver- 
wirkte sich  und  seinem  ganzeu  geschlechte  das  paradies  and 
brachte  krieg  und  Übel  in  die  weit;  jener,  unser  geistiger  vater, 
kam  vom  Himmel,  erfüllte  zuerst  das  ganze  gesetz  und  brachte 
uns  den  frieden  wider.  F  und  E1  weichen  hier  uiebt  von 
einander  ab,  der  dichter  von  E-  gibt  ganz  kurz  nur  das  wesent- 
liche der  stelle. 

Am  ende  des  abschnittea  ist  dann  von  der  bimmelfahrt 
Christi  die  rede  (F  1464— 1485,  E'  1491  —  1512,  E»  857— 866). 
Die  dichtungen  weichen  dem  inhalte  nach  hier  wenig  von 
einander  ab.    Alle  dichter  bringen  folgende  eigentümliche  stelle: 

F  v.MT0-;l41i.  E1  t.  1496—14(18. 

Tue  les  seinz  uienad  od  II  l'e  fefre  ctipanye  he  bim  laddo  w\p 

Kil  denfern  avolt  ravi.  l'at  he  out  uf  helle  noui, 

A  la  juye  les  meoa  l'at  to  muehe  Misse  com. 
Ky  ja  nul  jur  nefaudra. 


Mit  dem  athanasiachen  credo  und  der  doxologie  wird  dann 
in  F  und  E'  dieser  teil  der  dichtung  geschlossen.  In  E1  folgt 
(860—878)  noch  der  berieht  über  die  ansgiesmmg  des  heiligen 
geistes.  Der  dichter  gibt  denselben  in  aulehuung  an  apostel- 
geBchichtc  kap.  2  und  schliesat: 

S77.    Thai  wutu  so  roiifcrmed  in  trouth  and  ful  of  grace 

'l'liat  for  tu  preche  guodes  law«  tbai  dred  nu  kingoa  face. 

Der  Verfasser  von  K1  schliesst  nein  werk  hier  ab,  die  letzte 
frage,  welche  die  franzümxche  vorläge  noch  behandelt:  'Qoo- 
modo  t'uit  prineeps  pacisV,  d.  i.  den  selilnas  der  diebtang,  tat 


CHASTEAU  D'AMOÜR.  363 

er  nicht  mit  übertragen.    Es  ist  befremdend,  dass  er  hier  so 

plötzlich  abbricht,  da  er  bis  hierher  seinem  vorbilde  so  genau 

gefolgt  ist;  dass  er  den  plan  nicht  erkannt  hätte,  welchen  der 

gelehrte  bischof  seiner  dichtang  zu  gründe  gelegt  hatte,  lässt 

sich  wol  nicht  annehmen,  auch  ist  es  nicht  wahrscheinlich, 

dass  von  dem  gedichte  etwas  verloren  gegangen  wäre,  denn 

es  ist  ja  ein  harmonischer  abschluss  gemacht. 

Der  dichter  schliesst  sein  werk  in  schöner  und  würdiger 

weise  mit   einem  gebete  (v.  1513 — 1524).     Seine  letzte  bitte 

spricht  er  mit  den  Worten  aus: 

1523.   God  leeue  us  here  so  ende, 

I>at  we  ben  worjri  to  heuene  wende.    Amen. 

Der  dichter  von  E2  hat  die  französische  vorläge  bis  zu 
ende  übertragen;  ehe  er  aber  zur  behandlung  des  folgenden 
abschnittes  von  F  übergeht,  fügt  er  vier  passus  (880 — 1012) 
hinzu. 

Im  ersten  derselben  (880—913)  handelt  er  lOf  the  articles 

of  trouth*.    Vierzehn  artikel  werden  genannt,  es  sind  die  des 

nieänischen  bekenntnisses.    Als  beispiel  folge  hier  der  erste 

artikel: 

8S2.  We  sal  trowen  in  on  god  of  niygtes  alther  mast 
That  is  the  fader  and  the  sone  and  the  haligast 
None  is  other  of  this  persones  thre 
Bot  alle  are  on  god  in  trinite 
Thes  thre  are  on  god  and  on  veray  nature 
That  inade  first  of  rigt  nojt  al  inanner  creature. 

Dann  ist  die  rede  (917 — 940):  4Of  the  seven  sacraments'. 

Von  dem  ernten  heisst  es: 

918.   Baptysme  of  al  synne  maye  soecour  alle  inen 
For  who  as  taas  hit  lawefullye 
Of  synne  is  clensed  alle  fullye. 

Der  folgende  abschnitt  ist  überschrieben:  4Of  the  seven 
giftes  of  the  haligast'  (942—979).  Als  solche  werden  genannt: 
1.  Drede  of  god.  2.  Pite.  3.  Cunnyg.  4.  Gastlye  strenghth. 
5.  Counsail.    6.  Understanding.     7.  Wysdam. 

fcOf  antecristes  commyng'  endlich  erzählt  der  dichter  im 
vierten  passus  (981—1012).  Zu  Babylon  wird  der  antichrist 
geboren  werden  aus  dem  stamme  Dan,  und  in  Jerusalem,  wo 
viele  Juden  ihm  zufallen  werden,  wird  er  seine  herrschaft  auf- 
richten. Satan  wird  sich  seiner  bemächtigen  und  wird  durch 
ihn  viele  zeichen  und  wunder  tun.    Trotz  dieser  scheinbaren 


364  HAASB, 

allmacbt  ist  er  jedoch  leicht  als  der  feind  zu  erkennen,  denn 
ihm   fehlt  das   charakteristische  zeichen  eines  dieners  Gottes: 
1)90.   But  ayc  in  him  charite  mercye  and  ineknes  failes. 

Viele  törichte  und  schwache  werden  zum  abfall  von  Christo 
gebracht  werden,  und  viele  guten  werden  den  tod  erleiden 
müssen. 

Eigentumlich  ist  dann  folgende  stelle: 

1001.   Betwix  antecristes  comyng  and  his  gret  ille  doyng 
Sal  Ely  and  Ennok  coine  preche  for  niennos  savyng 
Then  antecrist  sal  sie  thaim  in  Jerusalem 
And  god  sal  raise  thaim  to  lif  and  tak  thaim  tu  his  lerne. 

Die  herrschaft  des  antichristen  wird  aber  nur  drei  und 
ein  halbes  jähr  dauern,  dann  wird  er  durch  Gottes  macht  er- 
schlagen werden.  Viele  Juden  werden  sich  darauf  dem  Christen- 
tum zuwenden,  und  die  heilige  kirche  wird  dann  in  frieden 
herrschen.     Der  dichter  schliesst: 

1011.   Shortir  tyme  or  lenger  til  that  crist  wil  come 

To  make  the  worldcs  ende  and  gif  his  grete  dorne. 

Der  abschnitt  über  die  letzte  frage:  ^uomodo  fuit  prineeps 
pacisV  bildet  den  schluss  unserer  dichtung  (F  1486—1757,  E'2 
1014—1277).  Es  wird  darin  erzählt,  wie  Christus,  der  friedens- 
für8t,  einst  widerkommen  wird,  um  nach  dem  Weltgerichte  über 
das  reich  der  herrlichkeit  zu  herrschen.  In  vier  teile  zerfällt 
derselbe:  zuerst  ist  die  rede  'De  fine  secnli  et  die  judicii1,  dann 
4  De  poenis  inferni  et  gaudiis  coeli'. 

Christus  wird  widerkommen  vom  himmel  (F  1492):  "Tut 
autre'  als  er  hinaufgefahren  ist.  Uebereinstimmend  sagen  die 
dichter  von  ihm: 

F  v.  1494—1496. 
Com  il  soleit  et  mund  aler 
Ses  plaies  voudra  mustrer. 
KU  pur  tut  le  mund  suffri. 

E*  v.  1014—1017. 
In  the  same  forme  in  whilk  crist  suffrid  payn 
To  deme  both  qwhik  and  ded  he  sal  come  agayn 
Than  sal  he  shewe  his  bodye  stremand  al  on  blöde 
And  bis  hert  cloven  in  two  as  he  heugo  on  rode. 

lSo  viel  litt  ich  fUr  euch,  was  habt  ihr  flir  mich  getan V* 
Diese  frage  wird  der  heiland  an  die  menschen  richten  (F  1509, 
E2  1018— 1019).  Da  werden  die  sllnder  zittern  und  mit  den 
zahnen  klappern,  denn  alle  verborgene  Sünde  wird  jetzt  offenbar 


CHASTEAU  D'AMOÜR.  365 

werden,  jedem  wird  seine  schuld  auf  der  stirne  geschrieben 
stehen,  und  kein  noch  so  grosser  reichtura  an  irdischen 
gutem  wird  vor  den  ewigen  strafen  schützen  (F  1510—1525, 
E2  1020 — 1035).  Verzweifelt  werden  sie  mit  schrecklichem 
geschrei  ausrufen: 

F  v.  1526—1529. 
Muntaignes  sur  dus  cheez 
Ha:  tertres  ke  nus  covrez 
Ke  nus  ne  veuui  la  hidur 
Del  ire  au  creatur. 

Ea  v.  1036—1041. 
Montaynes  falles  doun  on  us  for  to  hid  us 
That  we  se  nojt  the  wrath  of  god  that  is  so  hedous 
Alas  that  ever  were  we  boru  any  thing  to  crave 
For  withouten  ende  we  are  born  for  nothing  may  us  save 
Alias  Alias  and  wele  away  wher  of  may  we  jelp 
Whe  are  shent  for  ever  and  aye  for  nothing  may  us  help. 

Die  dichter  gehen  dann  dazu  über,  das  ende  dieser  weit 

zu  schildern  (F  1530—1547,  E2 1042—1069).    Uebereinstimmend 

erzählen  sie  zuerst,  dass  nach  den  Worten  der  schrift  (E2 1044 

nach  Seiut  Peter)  erde  und  wasser  und  die  ganze  weit  in  feuer 

aufgehen  werden.    Die  demente  werden  aufgelöst,  wasser,  luft 

und  das  ganze  all  werden  geläutert  werden.    Wasser  und  feuer 

wird  es  nach  dem  erlöschen  des  weltbrandes  nicht  mehr  geben. 

Der  dichter  von  E2  ist  an  dieser  stelle  noch  viel  ausführlicher, 

er  fügt  hinzu: 

1048.   Fire  sal  nogt  touche  heven  in  the  whilk  is  blis 
Bot  other  hevens  that  under  it  is 
The  fire  sal  purgc  venial  synne 
And  ful  hard  payne  thaim  that  dedlye  is  inne 
Hit  sal  fordo  thing  that  sal  nogt  endure 
And  make  al  the  remanant  of  fairer  figure 
Then  al  the  qwik  bestes  sal  tak  thair  endyng 
That  were  made  bot  for  a  tyme  of  manes  levyng 
The  four  elements  sal  be  fairer  seven  fold 
Than  ever  thai  were  any  tyme  other  newo  or  old 
Ther  sal  be  no  chaunging  fro  cold  to  the  hete 
Ne  non  other  tempest  of  wynd  and  wedirs  gret 
AI  cold  and  hete  foul  venum  fylth  and  stynk 
For  to  punish  thaim  in  helle  sal  doun  then  synk 
The  hevens  sal  nogt  turne  aboute  bot  stand  ay  in  rest 
The  sunne  ay  in  the  est  the  mone  in  the  west. 
Ukon  sal  be  moreclere  seven  fold  than  he  was 
Bot  to  goddes  worschipen  and  to  manes  solas. 


366  HAASE, 

Im  folgenden  abschnitte  (F  1547—1600,  E*  1070—1117) 
schildern  die  dichter  das  Weltgericht.  Sie  weichen  hier  nicht 
stark  von  einander  ab,  indem  sie  sich  beide  ziemlich  genau 
an  die  darstellung  der  bibel  halten  (Matthäus  25,  31 — 46, 
1.  Thes.  4,  16 — 17).  Es  heisst,  die  eugel  werden  die  posaune 
blasen,  und  die,  welche  in  dem  herrn  gestorben  sind,  werden 
—  nach  F  —  zuerst  auferstehen.  Nach  E2  werden  bei  dem 
tone  der  posaune  sogleich  alle  aus  den  gräbern  hervorgehen, 
und  zwar  wie  der  Verfasser  in  v.  1075  hinzufügt:  4Als  in  thair 
awen  statue  of  thritty  £er  age\  In  der  anspräche,  mit  welcher 
Christus  sich  an  die  auserwählten  zu  seiner  rechten  wendet, 
herrscht  auch  Übereinstimmung  (F  1554—1567,  E*  1078—1089). 
Auch  das  Schicksal  der  verdammten  wird  in  beiden  gedich- 
ten  ziemlich  in  gleicher  weise  geschildert  (F  1568 — 1585,  E2 
1090 — 1097).  Einen  charakteristischen  zug  der  Verschiedenheit 
zeigt  dann  aber  der  schluss  dieses  abschuittes.  Der  fromme 
bischof  besingt  (F  1586—1601)  den  glänz  des  himmels  und  das 
glück  der  seligen,  begeistert  schliesst  er: 

F  V.  1594—1601. 
Tant  de  joie  a  donc  serra 
Ke  tnz  jurs  sanz  fin  dum. 
Plus  ken  quor  peut  descendre 
Oil  ver  .  ne  oraille  eutendre. 
Quo  de us  ad  apareillie 
A  cous  ke  de  quor  luiit  ainc. 
La  joie  ne  faudra  jaiuais 
Doncs  est  il  prince  de  peis. 

Den  mönch  von  Sallay  dagegen  drängt  es,  hier  ermahnend 

einzugreifen  (1097—1117).     Er  sagt: 

1 09b.   Take  now  gode  kepe  here  wardly  cristen  men    u.  s.  w. 
1100.   Thurgh  warkes  of  merey  may  men  heven  voynne. 
1102.   But  ther  are  seven  warkes  of  merey  boldelye 

And  also  other  seven  warkes  of  merey e  gastlye. 

Von  den  ersten  sieben  werken  heisst  es: 

lioo.   Sex  bodelye  markes  has  thou  befor  redde 
The  tanght  Tobie  when  he  beryed  the  dedc. 

Die  anderen  werke  nennt  der  dichter  einzeln: 

1110.  The  first  is  for  to  teche  the  uneunnand 

The  second  is  to  counsail  the  doutand 

The  third  is  to  confort  him  that  is  sorowful 

The  ferth  is  to  chasty  him  that  is  in  synne  wilful 

The  fift  is  to  forgif  him  that  has  ille  wratthed  the 


CHASTEAÜ  D'AMOÜR.  367 

The  sext  is  to  support  hira  that  irksum  is  to  the 

The  sevent  is  to  praye  to  god  for  alle  thes  hertelyc 

That  he  araend  thaim  of  thair  faute  thurgh  his  gret  mercye. 

In  der  Schilderung  der  höllenstrafen  (F  1602— 1637,  E2 
1110—1144)  ist  der  Verfasser  von  E2  völlig  unabhängig  von  F. 
Während  hier  gezeigt  wird,  dass  die  verdammten  unselig  sind 
besonders  durch  ihre  geistigen  quälen  und  indem  sie  seelen- 
marter  zu  erdulden  haben,  beschreibt  jener  zuerst  ausführlich 
die  hölle  und  sucht  darzutun,  dass  es  neben  den  gewisscns- 
bissen  auch  besonders  die  schrecken  des  aufenthaltsortes  sind, 
welche  die  opfer  Satan's  so  unglücklich  machen. 

In  F  wird  die  hölle  kurz  Tuz  puant  e  parfunt'  genannt 
(1605),  und  der  dichter  nennt  als  quälen,  die  —  so  zu  sagen  — 
von  aussen  an  die  verdammten  herantreten: 

1608.   Chescune  sur  autre  sera 

Ke  lur  dolur  dublera. 

Lautre  si  ert  tenebrur 
10)2.   La  quarte  feu  nient  esteignable 

£  puis  hidur  de  ver  le  diable 

La  rieu  du  round  que  plus  hemmt 

Devant  eus  tut  tens  verrunt. 

In  E2  wird  über  die  hölle  und  ihre  quälen  berichtet: 

1121.   Hele  is  a  depe  pit  stynkand  with  alle  myrknes 
1123.   Alle  that  is  in  the  warld  of  filth  and  of  stynk 

At  day  of  dorne  sal  down  thedir  synk. 
1125.   For  to  eke  thair  stynkand  payne  all  be  hit  gret 
For  ther  sal  be  of  helle  fire  wondir  huge  grete 
That  brennand  fire  with  outen  ende  so  gretlye  hit  glowes 
That  all  the  water  in  the  warld  may  not  sloke  his  lowes 
Ther  is  also  gret  cold  on  another  side 
Ther  sudanly  for  more  payne  in  to  hit  sal  thei  glide 
Thai  sal  nogt  have  no  roume  ther  on  be  side  another 
Bot  alle  be  cast  on  a  hepe  as  of  turf  a  fother 
Ilkon  sal  stynk  on  other  and  double  his  payne 
And  ilkon  ay  to  greve  other  salle  be  ful  fayne. 

Traurigkeit,  ja  Verzweiflung  wird  sich  der  seele  der  ver- 
dammten bemächtigen.  Schreckliche  Verwünschungen  gegen  sich 
und  andere  werden  sie  ausstossen  und  werden  die  stunde  ihrer 
geburt  verfluchen.  Jeder  tag  wird  ihre  quälen  verdoppeln,  keine 
linderung  und  keine  gnade  gibt  es  für  sie;  ohne  erlösung  werden 
sie  ewig  in  der  hölle  bleiben,  wo  —  wie  der  dichter  schliesst  — 

'Li  diable  lur  prince  serra 

Ki  sanz  peis  les  penera'  (F  1636—1637). 


368  HAASE, 

Ueber  den  seelenzustand  der  verlorenen  heisst  es  in  E1: 

1186.  And  ever  in  the  hcrt  a  sorowe  soverayne 

That  thai  have  for  a  litil  lykyng  lost  of  synne 

The  joye  of  the  sigt  of  god  that  al  godenes  is  inne. 

Die  erinnerung  an  das  verscherzte  glück  ist  der  wurm  in 

ihrer  brüst,  der  nicht  stirbt  und  welcher  sie  mehr  peinigt  als 

alle  andern  schmerzen.    Ueber  das  furchtbarste  der  strafe  spricht 

sich  der  dichter  endlich  in  den  beiden  letzten  versen  aus: 

1148.  And  thus  sal  thei  be  punist  aylastandlye 

With  outen  hopc  of  mereye  or  anye  remedye. 

In  der  Schilderung  der  himmelsfreuden  (F  1638 — 1757, 
E2  1146 — 1277)  weichen  die  darstellungen  der  beiden  dichter 
ebenfalls  bedeutend  von  einander  ab.  Während  in  F  der  Über- 
schrift gemäss  hauptsächlich  von  der  wonne  im  reiche  der 
herrlichkeit  die  rede  ist,  verwendet  der  Verfasser  von  E2  erst 
60  verse  —  fast  die  hälfte  des  ganzen  abschnittes  —  darauf, 
die  leiblichen  und  geistigen  Vorzüge  der  seligen  zu  verherr- 
lichen. In  F  findet  dies  nur  ganz  kurz  (1667 — 1672)  erwäh- 
nung.  Aber  auch  in  der  behandlung  der  mehr  übereinstimmen- 
den stellen  zeigt  der  Verfasser  von  E2  seiner  vorläge  gegenüber 
grosse  Selbständigkeit. 

In  F  heisst  es  kurz  über  die  eigenschaften  der  verklärten : 

Chescun  si  puissant  serra 
Ke  quanke  li  plest  si  terra 
E  puis  serra  si  treslegier 
Kil  la  ou  il  veut  penser. 
E  tuz  si  sotils  serrunt 
Ke  la  ou  vorunt  possenint. 

Ganz  anders  und  viel  ausführlicher  behandelt  der  dichter 

von  E2  diesen  gegenständ.    Er  spricht  zuerst  von  den  attri- 

buten  des  leibes: 

1152.   Ilk  inanncs  bodye  of  thaim  that  god  wil  savc 

Four  fair  dowers  of  joye  in  heven  sal  have. 
1154.  First  the  bodye  sal  be  perfit  thcre. 

Nichts  in  der  weit  vermag  den  verklärten  leib  zu  verletzen; 
selbst  das  höllenfener  kann  ihm  nicht  schaden,  würde  er  auch 
noch  so  lange  hineingeworfen.    Der  dichter  fährt  dann  fort: 
1 1 5s.   The  second  dower  of  the  bodye  sal  be  brijtnes 

Siebenmal  glänzender  werden  die  gerechten  sein  als  die 
sonne,  wenn  sie  am  hellsten  seheint  Derselbe  vergleich  findet 
sich  in  F: 


CHASTEAU  D'AMOÜR.  369 

1693.  Killoekes  meins  serra  beaus 
Ert  si  clers  cum  li  solaus. 
Ki  set  foiz  plus  cler  serra 
Köre  nest  e  plus  lurra. 

Die  folgende  eigenschaft  ist  zusatz  des  dickters  von  E2: 

1164.   The  third  dowcr  of  the  bodye  sal  be  sutilnes. 

So  fein  und  rein  wird  er  sein,  dass  er  irdische  körper  durch- 
dringt, wie  der  Sonnenstrahl  das  glas.  Noch  eine  vierte  be- 
schaftenheit  wird  genannt: 

1168.  The  ferthe  dower  of  the  bodye  sal  be  delivernes. 

So  vollkommen  wird  er  von  aller  schwere  befreit  werden,  dass 
der  verklärte  schnell  fahren  kann,  wohin  er  will. 

Im  folgenden  ist  dann  die  rede  von  lThe  gastlye  parties'. 
Wir  erfahren  im  nächsten  verse: 

1175.   Tlies  are  understanding  a  mynd  and  a  wille. 

'Understanding',  welches  stets  fest  war  im  glauben,  soll  dann 
im  anschauen  Gottes  belohnung  finden.  Je  nach  verdienst  wird 
zwar  das  erkennen  Gottes  mehr  oder  weniger  klar  sein,  aber 
so  deutlich  werden  alle  ihn  schauen,  dass  keiner  noch  mehr 
zu  sehen  wünscht,  und  alle  in  der  klarheit  des  herrn  grösste 
Seligkeit  finden. 

Der  wille  geniesst  in  der  liebe  Gottes  so  hohes  entzücken, 
dass  'Nothing  that  may  befalle  sal  hit  oght  empaire'.  Von  der 
dritten  eigenschaft  wird  gesagt: 

119S.   His  mynd  that  hoped  to  have  joye  thurgh  grace  and  mercye 
And  dyed  stedfast  in  trouth  withouten  synne  dedlye 
Sal  have  mekil  more  joye  then  he  ever  wend 
And  sikirnes  that  hit  last  aye  with  outen  end. 

Von  den  freuden  der  seligen  nennen  die  dichter  zuerst: 

F  v.  1643-1645. 
Ke  li  seint  nomine  verra. 
Face  a  face  sun  creatur 
Son  deu  .  e  son  seignur. 

E2  v.  1210. 
This  gret  joye  is  of  gode  love  and  likyng  and  sijt. 

Ferner  F: 

1652.   Du  ciel  verra  la  largesce 

La  beaute  .  e  la  hautesce. 
Dies  wird  etwas  anders  ausgedrückt  in  E2: 

1262.   Then  sal  man  in  heven  aye  fynde  joye  and  leth 
Above  him  with  inne  him  aboute  and  beneth. 

Angli»,  XII.  band.  24 


370  HAASE, 

Von  den   zahlreichen  freudcn,   welche  der  bisehof  in  den 

folgenden  versen  aufzählt,  nennt  der  Verfasser  von  E2  nur  eine. 

Man  vergleiche: 

F  1058.   Les  IX.  ordres  dangles  verra. 
KHK).    Les  apostres,  les  martyrs, 
Joie  merrunt  san  finirs. 
Puis  verra  les  contessors 
Les  virgnes  od  beaus  aturs. 

E9  1252.   Sitlien  IX  ordres  ol*  aungeles  confortes  man  in  blis. 

Die  reinen  Jungfrauen  werden  in  E2  in  der  zahl  derjenigen 

personen  genannt,  welchen  im  hinunel  besondere  auszeichnung 

zu  teil  wird: 

122S.   Thes  tlirc  maners  are  veraye  martires 
Alle  clene  virgiues  and  halytcchers. 

Zu  den  schönsten  stellen  iu  F  gehört  die,  in  welcher  der 
dichter  das  widersehen  früherer  freunde  und  verwandten  schil- 
dert (1G64— 1(307,  H>73— 1690);  sie  zeigt  uns  den  Charakter  des 
bischofs,  der  ein  konsequenter  und  streitbarer  herr  war  (Lechler, 
Wiclif  I.  180  ff.),  von  der  liebenswürdigsten  seite. 

In  E2  wird  dasselbe  kurz  in  v.  1255—1257  erwähnt 

Uebereinstimmeud  preisen   die   dichter   das  grosse  glück 

der  seligen,  die  Jungfrau  Maria,  die  königin  des  himmels,  von 

angesicht  zu  angesicht  zu  schauen  (F  1(554 — 1657,  1705 — 1729, 

E*  1246—1251).     Ihre  Schönheit  tiberstrahlt  alles: 

F  1710.    Sa  bcaute  tant  multiplie 
Sur  tuz  autres  beautez 
Tant  com  ele  ad  plus  dignitcz 
Dignetez  ad  elc  tant 
Ke  dampnedeus  est  son  enfant. 

E2  1250.    Amang  alle  creatures  she  has  wele  of  alle  weles 
For  she  is  moder  of  the  king  that  al  joye  deles. 

So  gross  wie  ihre  Schönheit  ist  aber  auch  ihre  huld: 

F  1715.   Autant  com  ele  ad  de  beaute 
Sinad  franchise  e  bunte 
A  uul  neseondit  ses  amurs 
Ses  solaz  ne  ses  sueurs. 

E*  124«».   Of  the  qwene  of  haven  our  ladyc  niarye 
12  Is.   Maye  alle  that  are  in  heven  gret  confort  find. 

Von  der  edelsten  freude  der  seligen  redet  der  bischof 
zuletzt : 

F  1730.    Mes  la  joie  o  la  doueor 
Desgarder  son  ereatur 


CHASTEAU  D'AMOUR.  371 

Trestutes  joies  surmunte 
Envers  cele  nad  nul  conte. 

Aehnlich  spricht  sich  der  dichter  von  E2  aus: 

1210.   This  gret  joye  is  of  gode  love  and  likyng  and  si^t 
AI  other  joye  toward  this  of  litil  mygt. 

Es  wird  dann  fast  in  gleicher  weise  von  beiden  Verfassern 
versucht,  einen  begriff  von  dieser  grossen  freude  zu  geben: 

F  1734.   Se  tut  le  sen  kest  el  inund 
De  tute  la  gent  ke  i  sunt 
En  un  sul  homme  feust 
E  il  tuz  jurs  vivre  peust. 
Tant  com  le  inund  peut  durer 
Ne  purroit  il  tant  penser 
Ne  deviser  apertement 
Neis  une  joie  entirement 
Ke  nostre  seignur  ad  assis 
Pur  doner  a  ses  elliz. 

In  E-  heisst  es: 
1220.   If  adam  hade  lyved  to  the  warldes  ende 

And  al  the  wittes  of  alle  men  god  had  him  sende 
5it  mygt  he  nogt  have  told  fullye 
The  lest  poynt  of  that  joye  verailye. 

Menschenverstand  ist  nicht  fähig,  alle  die  wunder  zu  fassen ; 
erst  der  verklärte,  welcher  den  dreieinigen  Gott  schaut,  wird 
alles  verstehen  (F  1745—1754,  E*  1270—1273). 

Der  fromme  bischof  schliesst  sein  werk  mit  einer  ermahnung: 

1755.   Nostre  vie  mener  si 
E  ses  comanz  si  tenir 
v  Ka  sa  peis  pussum  venir. 

Den  schluss  von  E2  bildet  ein  gebet: 

1274.  Therfore  he  that  alle  creatures  first  made  of  no^t 
And  with  his  awne  hert  blöde  al  inankynde  bo£t 
Thurgh  his  grace  and  mercye  graunt  us  that  joye  to  se. 
How  thre  persones  are  alle  on  god  in  trinke.    Amen. 


Nachdem  wir  in  der  vergleichenden  darstellung  der  ge- 
dichte  sowol  das  Übereinstimmende  als  auch  die  abweichungen 
möglichst  vollständig  zusammengestellt  haben,  erübrigt  es,  die 
resultate  zu  sammeln  und  ein  urteil  über  die  englischen  dichter 
abzugeben. 

Was  das  verhältniss  von  E1  zu  F  betrifft,  so  hat  sich 
folgendes  ergeben: 

24* 


372  HAASE, 

E1  stimmt  im  verlaufe  der  darstellung  im  tatsächlichen 
fast  überall  mit  F  Uberein.  Zahlreiche  stellen  hat  der  eng- 
lische dichter  wörtlich  übertragen,  so  weit  dies  das  mass  des 
verses  und  der  reim  erlaubten. 

Die  abweichungen  geben  sich  als  absichtliche  änderungen 
des  englischen  dichters  kund.  Er  erlaubt  sich  kürzungen 
(F  73—74,  90—100,  115—116,  183—189,  222—225,  845—880, 
1486 — 1755  u.  a.),  aber  er  fügt  auch  zahlreiche  erweiterungen 
hinzu  (E»  5—6,  35-42,  96—100,  123—124, 179—180, 195—196, 
209—222,  335—341,  375—378  u.  a.);  die  1485  verse  der  fran- 
zösischen vorläge,  welche  er  behandelt,  vermehrt  er  auf  1512 
verse.  Oft  erweitert  er  andeutungen  seines  Originals  zu  aus- 
führlichen Schilderungen  (209—222,  335—341,  969—976  u.  a.). 
In  der  hauptsache  schliesst  er  sich  seinem  originale  an,  aber 
in  der  bebandlung  des  einzelnen  bewahrt  er  sich  eine  gewisse 
freiheit.  Seine  hauptstärke  beruht  in  der  liebevollen  ausführung 
der  details,  und  mancher  von  ihm  hinzufügte  zug  bekundet 
einen  feinen  sinn  und  eine  glückliche  beobachtung  (E1  155 — 166, 
209—222,  319—334,  635—6(52  u.  a.).  Grosse  liebe  zeigt  der 
dichter  für  die  natur  (El  124—128,  677  ff.  u.  a.).  Mit  wie  viel 
kenntniss  und  interesse  schildert  er  die  einzelnen  teile  des  liebes- 
Schlosses!  (667 — 880).  Er  macht  den  eindruck  einer  milden, 
gutmütig  naiven,  aber  sehr  begabten  natur.  Welch  glückliche 
begabuug  der  dichter  auch  für  dramatische  poesie  bekundet, 
zeigt  der  abschnitt  v.  1039 — 1124.  Der  poetische  wert  von  E1 
ist  in  den  meisten  fällen  dem  von  F  wenigstens  gleich,  in  der 
ausführung  mancher  zärtlichen  oder  naiv- rührenden  stellen, 
sowie  in  der  Schilderung  der  aussenwelt  überragt  sein  Ver- 
fasser das  französische  original  entschieden. 

Von  ganz  anderem  Charakter  ist  die  dichtung  des  mönches 
von  Sallay.  Der  Verfasser  nennt  sein  werk  einen  'Myrour  of 
lewed  men'  (E2  1278),  einen  sittenspiegel  will  er  also  schaffen. 
Die  moralisierende  tendenz  tritt  nun  auch  so  sehr  hervor,  das» 
alles  andere  derselben  dienstbar  gemacht  wird.  In  der  Über- 
schrift heisst  es  über  den  zweck  des  gedichtes:  'Here  begynnes 
a  romance  of  englische  of  the  begynnyng  of  the  world  .  and  of 
al  that  a  lewed  man  has  nede  for  to  knawe  for  hele  of  soule'. 
Der  dichter  will  vor  allem  sittenlehrer  der  grossen  menge 
sein;  das  Seelenheil  der  laienschaar  liegt  ihm  am  herzen,  die 
liebe  zum  gemeinen  manne  lässt  ihn  sein  werk  unternehmen. 


CHASTEAU  D'AMOUR.  373 

Dieser  zweck  bringt  es  mit  sich,  dass  der  Verfasser  nur  für 
das  praktische  ein  äuge  hat;  für  die  poetischen  Schönheiten 
seiner  französischen  vorläge  ist  er  wenig  empfänglich.  Er  ver- 
fährt mit  derselben  überhaupt  sehr  frei:  aus  dem  'Chasteau 
d'amour'  des  bischofs  Grosseteste  hat  er  —  so  zu  sagen  — 
nur  das  grundwerk,  sowie  die  hauptsäulen  und  eckpfeiler  zu 
seinem  bau  benutzt,  alles  andere  fügt  er  nach  eigenem  ermessen 

\  hinzu.  Die  abschnitte,  welche  er  der  französischen  dichtung 
zur  ausstattung  seiner  eigenen  entnimmt,  erhalten  meist  das 
dem  neuen  zwecke  entsprechende  gepräge.  Der  Verfasser  hat 
seinem  plane,  einen  sittenspiegel  zu  schaffen,  alles  so  genau 
angepasst,  dass  man  seine  geschicklichkeit  bewundern  muss. 
Er  war  gewiss  ein  denker  und  ein  wolgeschulter  theolog,  denn 
er  kennt  die  dogmen  der  kirche  ebenso  gründlich  wie  die 
christliche  Sittenlehre,  und  die  verbogenen  tiefen  des  menschen- 
herzens  scheinen  ihm  offenbar  zu  sein.  Der  mönch  von  Sallay 
hält  sich  viel  mehr  an  den  Wortlaut  der  bibel,  als  dies  in  F 
und  E1  der  fall  ist.  Er  scheint  besonders  gewicht  darauf  zu 
legen.  Man  beachte  seine  worte:  4And  her  is  no  thing  sayd 
bot  as  haly  writ  says  and  grete  doctours'.  Da  seine  bearbei- 
tung,  wie  deren  spräche  beweist,  dem  14.  Jahrhundert  angehört, 
so  glaubte  er  sich  wol  sicher  stellen  zu  müssen  gegen  den 
verdacht  der  neuerungen.  Das  puritanische  dement,  welches 
später  auf  die  englische  literatur  so  mächtig  einwirken  sollte 
und  welches  in  den  werken  Langland's  zum  ersten  male  aus- 
druck  fand,  hat  auch  auf  den  dichter  von  E2  bestimmend  ein- 

"  gewirkt. 

Der  dichter  handhabt  die  spräche  offenbar  mit  leichtig- 
keit,  und  da  er  ein  mann  von  gemüt  und  aufrichtiger  frömmig- 
keit  ist,  so  entbehrt  sein  gedieht  nicht  der  effektvollen  stellen. 
Aber  ein  dichter  im  höhern  sinne  des  Wortes  war  er  nicht, 
sein  werk  erreicht  in  hinsieht  auf  poetischen  wert  lange  nicht 
die  dichtungen  F  und  E1.  Ein  dichter  von  beruf  würde,  um 
nur  auf  zwei  mängel  von  E2  aufmerksam  zu  machen,  sich  sowol 
mehr  empfänglich  gezeigt  haben  für  die  poetischen  Schönheiten 
des  französischen  gedichtes,  als  auch  strenger  in  hinsieht  auf 
die  form  des  eigenen  werkes;  er  hätte  gewiss  das  versehen 
nicht  gemacht,  seiner  verszeile  keine  bestimmte  dimension  zu 
geben.  Es  ist  dem  Verfasser  von  E2  indess  gelungen,  sein 
gedieht  dem  gesichtskreise  seines  publikums  anzupassen  und 


374  HAASB,    CHASTAEU  D'AMOUR. 

also  (las  ziel  zu  erreichen,  welches  allein  er  sieh  gesetzt  zu  haben 
scheint.    Unser  lob  werde  ihm  darum  nicht  vorenthalten! 

Eine  so  ins  einzelne  gehende  vergleichung  der  englischen 
gedichte  mit  ihrem  französischen  originale  ist  für  die  Würdigung 
der  dichter  von  Wichtigkeit  und  gewährt  viel  freude.  Wir  er- 
blicken die  dichter  bei  der  arbeit,  wir  sehen,  wie  sich  bei  aller 
gebundenheit  ihrem  originale  gegenüber  doch  die  nötige  Selb- 
ständigkeit zu  behaupten  wissen  und  lernen  die  männer  schätzen, 
welche  es  vermocht  haben,  den  fremden  Stoffen,  wie  W.  Grimm 
so  schön  sagt,  'die  nationale  seele  einzuhauchen9. 

Leipzig.  F.  K.  Haase. 


DIE  'FATA  ArOSTOLORUM'  UND  DER 
DICHTER  KYNEWULF. 

A.  Napier's  interessante  entdeckung  der  schlussverse  des 
gedichtes  Fata  Apostolorum,  welche  in  der  Zschr.  f.  d.  Altert. 
XXXIII,  70  veröffentlicht  ist,  hat  auf  manche  bisher  dunkle 
punkte  der  altenglischen  literaturgeschichte  licht  geworfen. 
Zunächst  ist  die  schon  in  meinen  Beowulfstudien  s.  179  (frtih- 
jahr  1888  erschienen)  auf  grund  stilistischer  Übereinstimmungen 
ausgesprochene  hypothese,  dass  Kynewulf  der  Verfasser  der 
'Fata  Apostolorum'  wäre1,  zur  evidenz  bestätigt  und  damit  ein 
mir  sehr  willkommenes  zeugniss  für  die  richtigkeit  meiner 
stilistischen  Untersuchungsmethode  geliefert  worden. 

Ferner  geht  aus  den  schlussversen  hervor,  was  ich  eben- 
falls schon  vermutet  hatte  (a.  a.  o.  s.  180),  dass  dieses  gedieht 
in  besonders  nahen  beziehungen  zu  Kynewulf s  Elene  steht. 
Wenigstens  erinnern  v.  8  und  10  der  schlussverse  (=  Ap.  schl. 
8,  10)  lebhaft  an  beziehungsweise  El.  1269—71  und  El.  1270. 

Wülker  hat  allerdings  (in  den  berichten  der  kgl.  sächs. 
gesellschaft  der  Wissenschaften,  jahrg.  1888,  s.  209  ff.)  nachzu- 
weisen gesucht,  dass  Ap.  an  den  anfang  von  Kynewulf  s  geist- 


1  Wenn  R.  W.(ülker)  in  der  anzeige  meiner  Beowulfstudien  Anglia 
XI,  536  ff.  mir  den  Vorwurf  macht,  ich  hätte  mir  in  bezug  auf  die  autor- 
schaft  dieses  gedichtes  selbst  widersprochen,  so  beruht  das  auf  einem 
inissverständniss.  Ich  habe  sowol  auf  s.  179  'mit  grösster  bestimmtheit' 
die  Fata  Apostolorum  Kynewulf  zugesprochen,  als  auch  auf  s.  185  be- 
hauptet, dass  die  Fata  Apostolorum  'durchaus  im  geist  und  stil  Kyne- 
wulf's  geschrieben  sind '.  Das  zweite  mal  fügte  ich  nur,  mich  etwas  vor- 
sichtiger ausdrückend,  den  satz  hinzu:  'Wenn  sie  nicht  von  diesem  dichter 
selbst,  so  müssen  sie  von  einem  herrühren,  der  seine  manier  täuschend 
nachzuahmen  wusste,  und  sich  in  seine  anschauungsweise  vollständig  ein- 
gelebt hatte'.  Ich  wollte  mit  dieser  alternative  nur  eine  möglichkeit  an- 
deuten, die  jenseits  der  grenzen  der  Wahrscheinlichkeit  liegt,  um  dadurch 
die  alternative  um  so  wahrscheinlicher  hinzustellen.  Indem  W.(ülker)  den 
letzten  satz  durch  gesperrten  druck  hervorhebt,  gibt  er  ihm  eine  ganz 
andere  als  die  von  mir  beabsichtigte  Wirkung. 


376  SARRAZIN, 

lieber  diehtung  und  mit  der  legende  von  Juliana  zunächst  eng 
zusammengehöre.  Allein  seine  gründe  scheinen  mir  nicht  tiber- 
zeugend. Der  anklang  an  Juliana,  den  er  s.  215  anführt,  setzt 
allerdings  eine  reminiscenz  voraus,  aber  die  von  ihm  selbst 
(s.  216)  und  von  mir  (Beowulfstudien  s.  180)  nachgewiesenen 
Übereinstimmungen  mit  der  Elene  sind  genauer  und  charakte- 
ristischer. Ferner  zeigt  sich,  wie  Wtilker  selbst  (s.  216)  hervor- 
hebt in  der  anwendung  der  runen  eine  Übereinstimmung  zwischen 
Ap.  und  EL,  abweichung  zwischen  Ap.  und  Juliana.  Wenn  nun 
Wtilker  für  seine  ansieht  geltend  macht,  dass  Ap.  wegen  des 
geringen  dichterischen  wertes  mit  Juliana  frtther  anzusetzen 
sei,  so  ist  dieses  subjektive  ästhetische  urteil  doch  ein  zu  un- 
sicheres fundament,  um  darauf  Schlüsse  zu  bauen. 

Ich  finde  wenigstens  in  den  anfangs-  und  schlussversen 
der  Fata  Ap.  einen  poetischen  schwung,  welcher  des  dichters 
der  Elene  vollkommen  würdig  ist.  Der  mittlere  teil  der  Fata 
Ap.  ist  allerdings  etwas  trocken,  steht  aber  hinter  manchen 
schwächeren  partien  der  Elene  kaum  zurück.  Jedenfalls  lässt 
sich  in  bezug  auf  klarheit  und  präzision  der  ausdrucksweise 
Ap.  eher  mit  El.  als  mit  Jul.  vergleichen.  Aber  selbst  wenn 
Ap.  dichterisch  etwas  minderwertig  wäre,  würde  daraus  doch 
noch  kein  chronologischer  schluss  zu  ziehen  sein.  Ein  solcher 
ist  höchstens  durch  eine  objektive  statistische  Stiluntersuchung 
zu  gewinnen.  Ich  wähle  zu  derselben  die  in  Ap.  vorkommen- 
den nominalcomposita ,  da  diese  für  den  dichterischen  angel- 
sächsischen stil,  und  für  den  Kynewulfs  insbesondere,  vor- 
zugsweise charakteristisch  sind.  Auch  in  Ap.  finden  sich  nicht 
wenige  dieser  bildungen.  Ich  führe  sie  sämmtlich  an  und  füge 
die  zahl  der  fälle,  in  denen  dieselben  in  anderen  sicheren  oder 
wahrscheinlichen  dichtungen  Kynewulfs  vorkommen  zur  ver- 
gleichung  hinzu  (bei  der  vergleichung  unberücksichtigt  sind  nur 
die  ganz  gewöhnlichen  und  für  den  stil  nicht  charakteristischen: 
apostolhäd,  cneoris,  middangeard,  maneyn,  tvonäd): 

#gleaw    1  An.,  2  El. 

ajhtwcla    1  (in. 

beaducnvftig    1  Phon. 

beadorof    2  An.,  3  Kl.,  1  Beow. 

boldwela    I  Jul.,  2  An. 

collenferhS    4  An.,  3  Kl.,  2  Beow.  (1  Jud.,  1  Wand.) 

dorntest     1  flu.  (4  Gen.) 

dryhtlic    2  Beow.  (1  Seof.) 


FATA  APOSTOLORUM.  377 

eardwic     1  Phon. 

endedaeg    2  Beow. 

fyrdhwset    2  El.,  1  An.,  2  Beow. 

godcund    2  Cri.,  1  EL,  2  Gu. 

güÖhwset    — 

güöplega    1  Cri.,  1  An. 

h&$engield    2  Jul.,  1  An. 

hygeblind     1  Jul. 

hildecorftor    — 

leoögiddung    1  An. 

lifwela    1  Cri. 

lindgeläc    — 

nearosearo    1  El. 

ordfruina    2  Cri.,  2  An.,  1  Beow. 

siÖfrom    1  Gu.,  2  An.,  1  Beow. 

siÖgeömor    — 

sigelean    1  El. 

stlömöd    1  Beow.  (1  Kr.,  1  Jud.) 

sweordr&s    — 

tilmödig    —  (2  Gen.) 

tireadig    3  EL,  1  Phon.,  t  An.,  1  Beow. 

}>6odcyning    7  Beow. 

waelrSaf    1  Phon.,  1  Beow. 

waelreow     1  Rä.,  1  An.,  1  Beow. 

wer}>eow     1  Rä.,  3  Jul.,  2  Cri.,  3  EL,  4  An. 

w&penhete    — 

wuldorcyning    1  Jul.,  2  Cri.,  3  Phon.,  4  EL,  3  An.,  1  Gu.,  I  Beow. 

wundorerseft     1  Rä.,  1  Jul.,  2  An. 

In  der  anwendung  dieser  zum  teil  sehr  seltenen  nnd  charak- 
teristischen Wörter  stimmt  also  Ap.  vielfach  mit  unbezweifelten 
und  auch  mit  wahrscheinlichen  dichtungen  Kynewulf  s  überein, 
und  zwar  steht  von  den  sicheren  werken  Elene  am  nächsten 
(23  fälle  der  Übereinstimmung),  Juliana  (9  fälle)  und  Crist  (10) 
stehen  ferner,  wobei  allerdings  die  geringere  verszahl  von  Jul. 
in  anschlag  zu  bringen  ist.  Von  Kynewulfs  wahrscheinlichen 
dichtungen  zeigt  die  meiste  ähnlichkeit  Andreas  (28),  danach 
das  Beowulflied  (23);  Guthlac  (6)  und  Phönix  (7)  stehen  fern, 
noch  weniger  bertihrungspunkte  (3)  zeigen  die  rätsei. 

Wenn  man  also  überhaupt  aus  stilistischer  ähnlichkeit 
chronologische  Schlüsse  ziehen  darf,  so  ist  Ap.  chronologisch 
in  die  nähe  von  EL,  und  nicht  von  Jul.  zu  setzen.  Angenommen, 
dass  der  Andr.  von  Kynewulf  verfasst  ist,  würde  Ap.  zwischen 
El.  und  Andr.  zu  stehen  kommen,  wie  ich  bereits  in  den  Beo- 
wulfstudien  a.  a.  o.  vermutet  hatte. 


378  SARRAZIN,     * 

Beachtenswert  ist  die  Stilähnlichkeit  mit  dem  heldenepos, 
welche  auch  in  der  anwendung  der  nominalcomposita  hervor- 
tritt; sie  zeigt,  dass  Fata  Ap.  in  jener  periode  der  dichtung 
Kynewulf's  entstanden  sind,  in  welcher  dieselbe  am  meisten 
vom  stil  des  heldenepos  beeinflusst  war,  d.  h.  in  der  periode 
der  Elene  (und  des  Andreas).  Juliana  und  Crist  haben  viel 
weniger  berührung  mit  dem  Beowulfliede,  zeigen  viel  weniger 
den  heroischen  stil.  Die  in  den  Fata  Ap.  vorkommenden  Wörter 
(ctielhig,  beorn,  rviy,  tir  sind  in  der  Juliana  und  Crist  selten,  in 
Elene  (und  Andreas)  dagegen  häufig:  beom  z.  b.  findet  sich 
(nach  Grein)  in  der  Jul.  1  mal,  im  Cri.  3  mal,  im  Andr.  17  mal, 
in  der  El.  10  mal. 

So  weist  denn  alles  darauf  hin,  dass  Fata  Ap.  kurz  vor 
Elene  anzusetzen  ist  (denn  nach  El.  kann  das  gedieht  wegen 
der  unvollkommenen  fassung  der  runenverse  nicht  wol  ent- 
standen sein. 

Weiter  ergibt  sich  die  folgerung,  dass  auch  der  Andreas 
von  Kynewulf  gedichtet  sein  muss. 

K.  Wülker  hat  freilich  gerade  aus  dem  inhalt  der  'Fata 
Apostoloruin'  den  schluss  gezogen,  dass  das  Andreasgedicht 
nicht  von  Kynewulf  verfasst  sein  könne.  In  einer  besonderen 
abhandlung:  lDer  Dichter  Cynewulf  und  das  Andreasgedicht ' 
(berichte  der  kgl.  sächs.  gesellschaft  der  Wissenschaften,  1888) 
führt  er  mit  grossem  Scharfsinn  aus,  dass  einige  'Widersprüche' 
[dieser  ausdruck  scheint  mir  etwas  zu  stark;  ich  würde  'ab- 
weichungen' sagen]  zwischen  der  darstellung  der  Fata  Ap.  und 
der  des  Andreas  vorhanden  seien.  Er  benutzt  dieselben  zur 
stütze  seiner  Hypothese,  dass  das  Andreasgedicht  von  einem 
nachahmer  Kynewulf's  und  nicht  von  diesem  selbst  verfasst  sei. 
11.  W.(ülker)  macht  mir  auch  in  seiner  anzeige  meiner  Beowulf- 
studien  (Auglia  XI,  536  ff.)  den  Vorwurf,  dass  ich  mich  nicht 
genügend  um  den  inhalt  der  Fata  Ap.  bekümmert  hätte,  weil 
ich  trotz  dieser  'Widersprüche'  das  Andreasgedicht  und  die 
Fata  Ap.  demselben  Verfasser  (Kynewulf)  zuschriebe. 

Ich  hoffe  durch  die  folgenden  beraerkungen  den  Vorwurf 
lt.  W.(ülker)'s  zu  entkräften  und  gleichzeitig  zu  zeigen,  dass 
die  inhaltlichen  abweichungen  nicht  so  schwerwiegend  sind, 
wie  Wülker  sie  hinstellt,  und  dass  sie  der  annähme  desselben 
Verfassers  durchaus  nicht  im  wege  stehen. 

Die  abweichungen  in  der  darstellung  sind  notwendig  be- 


FATA  APOSTOLORUM.  379 

dingt:  1)  durch  den  verschiedenen  gegenständ,  2)  durch  die 
verschiedene  quelle. 

Der  gegenständ  des  Andreasgedichtes  ist  eine  (besonders 
wichtige)  episode  aus  der  legendenhaften  lebensbeschreibung 
der  beiden  apostel  Andreas  und  Matthäus;  von  ihrem  weiteren 
leben  und  tode  sagt  das  Andreasgedicht  nichts;  es  bricht  viel- 
mehr mit  der  rückkehr  des  Andreas  nach  Achaia  ziemlich 
schroff  ab.  —  Der  gegenständ  der  Fata  Ap.  ist  nicht  sowol  das 
leben  und  wirken,  als  vielmehr  das  lebensende,  der  märtyrer- 
tod  der  apostel;  und  zwar  aller  zwölf  apostel,  nicht  bloss  des 
Andreas  und  Matthäus;  es  war  also  sehr  natürlich,  dass  in 
diesem  kurzgefassten  'Martyrologium'  der  abenteuer  des  An- 
dreas und  Matthäus  im  lande  der  Aethiopen  nicht  (noch  einmal) 
gedacht  wurde,  namentlich  wenn,  wie  ich  annehme,  Fata  Ap. 
unmittelbar  nachher,  als  eine  art  epilog  zum  Andreas  gedichtet 
wurden.  Denn  wenn  es  auch  bisweilen  vorkommt,  dass  im 
nachwort  eines  gedichtes  der  inhalt  desselben  rekapituliert 
wird,  so  ist  dies  doch  durchaus  nicht  notwendig.  Der  epilog 
der  Elene  enthält  keine  nähere  hindeutung  auf  den  inhalt  der 
erzählten  legende,  ausser  dass  in  ganz  allgemeinen  ausdrücken 
vom  kreuz  die  rede  ist.  Dass  aber  ein  dichter,  nachdem  er 
von  den  bekehr ungstaten  zweier  apostel  erzählt  hat,  das  be- 
dürfniss  fühlt,  nun  auch  noch  von  ihrem  ende  wenigstens  kurz 
zu  berichten,  und  dass  er  dabei  auch  ihrer  genossen  gedenkt 
(wie  auch  im  eingang  des  Andreas  von  allen  zwölf  aposteln 
die  rede  ist),  scheint  mir  so  natürlich  und  namentlich  so  sehr 
dem  geiste  mittelalterlicher  erzähler  entsprechend,  dass  für 
mein  gefühl  das  Andreasgedicht  ohne  die  Fata  Ap.  einen  un- 
vollendeten, unvollständigen  eindruck  macht,  wie  denn  auch 
tatsächlich  nicht  am  ende  des  Andreasgedichtes  (d.  h.  an  der 
stelle,  wo  die  herausgeber  den  schluss  desselben  ansetzen), 
sondern  erst  hinter  den  schlussversen  der  unmittelbar  darauf 
folgenden  Fata  Ap.  ein  'Finit'  in  der  handschrift  steht. 

Nun  macht  Wtilker  allerdings  auf  den  etwas  befremdlichen 
umstand  aufmerksam,  dass  die  ' Schicksale'  des  Matthäus  und 
des  Andreas  in  den  'Fata'  getrennt  behandelt  sind.  Das  er- 
klärt sich  aber  auf  die  einfachste  weise  von  der  weit  durch 
die  althergebrachte  (auf  die  aufzählungen  im  neuen  testament 
Luk.  6, 14 — 16  und  Matth.  10,  2 — 4  begründete)  reihenfolge,  in 
welcher  die   passionensammlungen    die   zwölf  apostel   durch- 


380  SARRAZIN, 

gehen.  Lipsius  (Apokr.  Apostelgeschichten  I,  153)  hebt  hervor, 
dass  in  den  passionensammlungen  bei  allem  Wechsel  der  an- 
ordnnng  in  einzelnen  fällen  die  aufeinanderfolge  konstant  bleibt: 
4  Petrus  und  Paulus  machen  überall  den  anfang,  fast  ebenso 
regelmässig  folgt  Andreas  als  dritter.  Ganz  konstant  ist  ferner, 
dass  auf  die  passio  des  Matthäus  die  des  Simon  und  Judas 
folgt*.  Und  auf  s.  155:  'Dass  Simon  und  Judas  [Thaddäus] 
wenigstens   häufig  den   schluss   machen,   wird  auf  der  luka- 

nischen  anordnung  beruhen '. 

Die  reihenfolge  des  angelsächsischen  gedichtes  Fata  Ap. 
bestätigt  diese  bemerkungen;  nur  schliesst  sie  sich  noch  enger 
als  dies  gewöhnlich  geschieht,  an  die  reihenfolge  der  evan- 
gelien  an: 

Petrus,  Paulus,  Andreas,  Johannes,  Jacobus  (Zebedaei), 
Philippus,  Bartholomäus,  Thomas,  Matthäus,  Jacobus 
(fr.  Domini),  Simon,  Thaddäus  (=  Judas). 
Das  ist  fast  genau  die  anordnung  von  Matth.  10,  2;  nur 
dass  natürlich  Judas  Iscariot  weggelassen  und  dafür,  wie  ge- 
wöhnlich Paulus  hinter  Petrus  eingesetzt  ist. 

Auch  die  in  den  versen  des  Venantius  Fortunatus  einge- 
haltene reihenfolge  (Lipsius,  a.  a.  o.  I,  166)  stimmt  fast  genau 
mit  der  der  'Fata'  tiberein: 

Paulus,  Petrus,  Andreas,  Johannes,  Jacobus  I,  II,  Phi- 
lippus, Thomas,  Bartholomäus,  Matthäus,  Simon,  Judas 
(=  Thaddäus). 
In  dem  Breviarium  Apostolorum  (Lipsius  I,  211)  sind  die 
apostel  in  ähnlicher  weise  aufgezählt: 

Petrus,  Paulus,  Andreas,  Jacobus  (Zebedaei),  Johannes, 

Thomas,  Philippus,  Jacobus  (frater  Dom.),  Bartholomäus, 

Matthäus,  Simon,  Judas. 

Aus  dieser  übereinstimmenden  reihenfolge  geht  zur  evidenz 

hervor,  dass  Kynewulf  für  die  Fata  Apostolorum  eine 

passionensammlung  als  quelle  benutzt  hat,  welche  mit 

dem  Breviarium  Apostolorum  und  mit  der  schon  dem 

Venantius  bekannten  Sammlung  mindestens  sehr  nahe 

verwandt  gewesen  sein   muss.    Wir  dürfen  mit  Sicherheit 

schliessen,  dass  die  getrennte  behandlung  des  Andreas  nnd 

Matthäus  durch  die  quelle  veranlasst  ist,   auch  wenn  sich  die 

eigentliche  quelle  nicht  mit  Sicherheit  ermitteln  lassen  sollte. 

Was  von  vornherein  wahrscheinlich  ist:  dass  die  quelle 


FATA  APOSTOLORÜM.  381 

in  lateinischer  spräche  abgefasst  war,  wird  durch  die 
lateinischen  kasusformen,  welche  in  den  eigennamen  unseres 
gedichtes  durchblicken:  Gearapolim,  Albano,  Nerones,  fast  zur 
gewissheit. 

Höchst  wahrscheinlich  ist  die  quelle  jene  verlorengegangene 
schrift  'Liber  passionum  duodeciin  apostolorum'  gewesen,  deren 
existenz  von  Lipsius  a.  a.  o.  1, 151  vorausgesetzt  wird  und  welche 
(a.  a.  o.  1, 167)  auch  Beda  Venerabilis  gekannt  und  in  seinem 
Martyrologium  benutzt  hat. 

Der  inhalt  unseres  gedichtes  stimmt  im  wesentlichen 
überein  mit  dem,  was  das  Breviarium  (nach  Lipsius'  inhalts- 
angabe  I,  211)  erzählt;  ebenso  auch  mit  den  angaben  von 
Beda's  Martyrologium. 

Da  mir  das  Breviarium  nicht  zugänglich  ist,  ziehe  ich  die 
am  meisten  charakteristischen  stellen  aus  Beda's  Martyrologium 
zur  vergleichung  heran: 

(A.  d.  II.  Kai.  Dec.)    In  eivitate  Patras  provinciae  Achaiae  natale 

beati  Andreae  Apostoli .    Hie  praedieavit  in  Scythia,  qui  ab  Egea 

proconsule  comprehensus,  cum  perseveranter  in  fide  Christi  et  Evan- 

gelio  duraret ad  ultimum  cruce  ligatis  manibus  et  pedibus 

— spiritum  perrexit  ad  Dominum. 

(Kai.  Maii) Philippus reversus  est  ad  Asiam 

(vgl.  Ap.  38  *mid  Asseum')  et  apud  Hierapolim  (vgl.  Ap.  40  Mn  Geara- 
polim') dormivit  in  pace. 

(A.  d.  IX.  Kai.  Sept.)    (Bartholomaeus) ■  —  apud  Indiam 

Christi  evangelium  praedicans jussu  regis  Astragis  decollatus 

martyrium  complevit  (Vat.:  in  Albano  maioris  Armeniae  urbe  vivens). 

(A.  d.  XL  Kai.  Oct.)  (Mailhaeus) apud  Aethiopiam  prae- 
dieavit et  multos  ad  fidem  convertit,  missnsque  est  speculator  ab  Hir- 
taco  rege,  qui  eum  gladio  feriebat,  efficiens  martyrem  Christi. 

(A.  d.  V.  Kai.  Nov.)    (Simon  et  Thaddens) simul  Persi- 

dam  ingressi martyrium  ibi  cursu  temporis  explentes,  beato  cer- 

tamine  consummaverunt. 

Aus  der  genauen  inhaltlichen,  ja  bisweilen  wörtlichen  Über- 
einstimmung dieser  notizen  mit  den  entsprechenden  stellen 
unseres,  gedichtes  ergibt  sich,  dass  Kynewulf  und  Beda  aus 
derselben  quelle  geschöpft  haben  müssen.  Beda's  notizen  sind 
meist  ausführlicher,  aber  bisweilen  geben  die  Fata  Ap.  ge- 
naueres, so  bei  Philippus  und  besonders  bei  Thomas.  Dort 
wird  auf  die  bekannte  legende  angespielt,  nach  welcher  Thomas 
Gad,  den  bruder  des  königs  Gundephorus,  vom  tode  wider- 
auterweckt  habe,  eine  geschieh te,  welche   aus  den  koptisch- 


382  SARRAZIN, 

äthiopischen  akten  des  Thomas  (Lipsius  I,  252)  in  die  Acta 
Thomae  (Tischendorf,  Acta  Apost.  Apocr.  s.  193  ff.)  und  in  die 
lateinische  passio  von  Thomas  tibergegangen  (Lipsins  1, 143, 254), 
von  da  aus  vielleicht  auch  in  die  passionensammlung  gekommen, 
gewiss  aber  in  jener  zeit  allgemein  bekannt  war.  Es  ist  also 
nicht  unmöglich,  dass  auch  dieser  zug  aus  der  gemeinsamen 
quelle  stammt  und  bei  Beda  nur  unberücksichtigt  geblieben  ist; 
aber  vielleicht  kannte  Kynewulf  diese  legende  auch  irgendwo 
anders  her  und  fügte  die  anspielung  selbständig  ein. 

In  bezug  auf  Andreas  und  Matthäus  stimmt  Kyne- 
wulf jedenfalls  genau  mit  Beda  überein,  wenn  wir  von 
dem  einen  punkte  absehen,  dass  nach  Beda  Andreas  in  Scythia, 
nach  Kynewulf  dagegen  in  Achaia  gestorben  sein  soll,  eine 
leicht  begreifliche  Verwechselung,  die  sich  auch  in  anderen 
passionensaminlungeu  findet;  wollten  wir  auf  diese  abweichung 
gewicht  legen,  so  würde  sie  für  Kynewulf  als  Verfasser  des 
Andreasgedichtes  sprechen;  denn  in  diesem  wird  ja  Achaia 
als  die  eigentliche  Wirkungsstätte  des  Andreas  bezeichnet;  für 
den  Verfasser  des  Andreas  lag  es  also  sehr  nahe,  den  apostel 
auch  dort  sterben  zu  lassen. 

Alles  andere  aber,  was  in  den  Fata  Ap.  über  Andreas  und 
Matthäus  berichtet  ist,  muss  wegen  der  Übereinstimmung  mit 
Beda  aus  der  gemeinsamen  quelle  stammen. 

Damit  erklären  sich  von  selbst  die  geringfügigen  ab- 
weichungen  von  der  darstellung  des  Andreasgedichtes  (Wttlker 
a.  a.  o.  s.  212  ff.):  so,  dass  in  den  Fata  Ap.  das  verdienst  der 
bekehrung  der  Aethiopier  Matthäus  zugeschrieben  wird,  wäh- 
rend im  gedieht  von  Andreas  dieser  apostel  den  hauptteil 
daran  hat;  ferner,  dass  in  den  'Schicksalen'  das  zu  bekehrende 
volk  als  die  Sigelfvare{Sigelrraras)\=  Aethiopier]  bezeichnet  wer- 
den, während  der  Schauplatz  des  Andreas  mit  anderem,  nach 
Zupitza  (Zschr.  f.  d.  Altert.  XXX,  183)  aus  der  quelle  dieses  ge- 
dichtes  stammenden  namen,  als  Marmedonia  bezeichnet  wird. 
Wenn  Kynewulf  in  diesen  wie  in  anderen  punkten  seiner  quelle 
genau  folgte,  musstc  er  zu  geringen  abweichungen  von  der 
darstellung  des  Andreasgedichtes  kommen;  abweichungen,  die 
übrigens  keine  eigentlichen  Widersprüche  sind,  sondern  sieh 
zur  not  in  einklang  bringen  lassen.  Denn  der  name  Marme- 
donia ist  ja  doch  von  Myrmiäon  oder  Myrmene,  einer  Stadt  in 
Aethiopien,  herzuleiten  (Grimm,  Andr.  u.  El.  XIX;  Tischenden^ 


FATA  APOSTOLORUM.  383 

Acta  Apost.  Apocr.  LII),  also  eigentlich  dasselbe  wie  Aethiopien. 
Und  wenn  es  im  Andreasgedichte  heisst,  dass  Matthäus  durch 
Andreas'  hilfe  aus  der  gefangenschaft  der  Aethiopen  (Marme- 
donia)  entkommen  sei,  und  nichts  davon  verlautet,  dass  er  zu 
den  Aethiopen  zurückgekehrt  sei,  so  wäre  es  doch  durchaus 
nicht  unvereinbar  mit  dieser  darstellung,  dass  er  zurückgekehrt 
wäre  und  das  bekehrungswerk  des  Andreas  fortgesetzt  und 
vollendet  hätte.  Was  in  den  mehrfachen  lücken  des  Andreas- 
gedichtes gestanden,  wissen  wir  ja  auch  nicht! 

Gar  nichts  also  im  inhalt  der  beiden  gedichte  hindert  uns, 
sie  demselben  Verfasser  zuzuschreiben.  Wenn  die  annähme, 
dass  Kynewulf  den  Andreas  gedichtet,  nach  Ramhorst's  gründ- 
licher Untersuchung  überhaupt  noch  einer  bestätigung  bedarf, 
so  wird  jeder  zweifei  durch  den  engen  Zusammenhang  des 
'Andreas'  mit  den  'Fata  Apostolorum'  nunmehr  gehoben.  Denn 
Fata  Ap.  folgt  nicht  bloss  unmittelbar  auf  den  Andr.  im  Cod. 
Vercell.,  sondern  bildet  auch  inhaltlich  einen  deutlichen  epilog 
dazu  und  scheint  sich  in  dem  ersten  verse  wie  in  den  neu- 
entdeckten schlussversen  darauf  zu  beziehen;  ausserdem  ent- 
hält Ap.  zahlreiche  Übereinstimmungen  mit  Andr.  besonders  in 
alliterierenden  formein  und  versausgängen: 

Ap.  4  —  Andr.  2,  883;  Ap.  8  --  Andr.  3;  Ap.  10  —  AnJr.  1194,  1403; 
Ap.  12  — Andr.  8;  Ap.  15  — Andr.  543;  Ap.  17  —Andr.  1353;  Ap.  21  — 
Andr.  1202;  Ap.  22  —  Andr.  966;  Ap.  29  —  Andr.  846,  1465;  Ap.  28  — 
Andr.  146;  Ap.  32  —  Andr.  641,  680;  Ap.  33  —  Andr.  524;  Ap.  42  — 
Andr.  14S0;  Ap.  55  —  Andr.  13;  Ap.  58  —  Andr.  1616;  Ap.  61  —  Andr. 
161 1;  Ap.  78  —  Andr.  850;  Ap.  87  —  Andr.  1026;  Ap.  90  —  Andr.  1566; 
Ap.  schl.  22  —  Andr.  1028,  1613  (nach  der  ausgäbe  in  Grein- Wülker's 
Bibliothek  der  ags.  Poesie  citiert). 

Keines  der  unbezweifelt  echten  gedichte  Kynewulf's  steht 
den  Fata  Ap.  in  stilistischer  beziehung  so  nahe  wie  der  An- 
dreas, auch  die  Elene  nicht. 

Wir  dürfen  wol  mit  einiger  Wahrscheinlichkeit  annehmen, 
dass  Fata  Ap.  unmittelbar  nach  dem  Andr.  verfasst  worden  ist, 
um  so  mehr,  als  die  anklänge  an  den  letzten  teil  des  Andr. 
zahlreicher  und  charakteristischer  sind  als  die  an  den  ersten. 
Die  'Schicksale  der  Apostel'  bilden  somit  ein  bindeglied 
zwischen  dem  'Andreas'  und  der  'Elene'  und  bestätigen  die 
ansieht  früherer  forscher,  dass  die  Elene  bald  nach  dem  An- 
dreas gedichtet  wurde.  Höchst  wahrscheinlich  ist  Fata  Ap.  gar 
nicht  als  ein  besonderes  gedieht,  sondern  nur  als  der  schluss  des 


384  SARRAZIN, 

Andr.  anzusehen;  es  wäre  wenigstens  sehr  seltsam,  wenn  der 
dichter  diesem  kleinen,  unbedeutenden  machwerke  die  fabrik- 
marke  seiner  dichterischen  Werkstatt  aufgeprägt,  dagegen  eine 
weit  umfangreichere  und  poetisch  wertvollere  dichtung  ohne 
dieselbe  in  die  weit  geschickt  hätte. 

Der  Andreas  ohne  die  Fata  Ap.  ist  eine  dichtung  ohne 
eigentlichen  schluss;  die  Fata  Ap.  für  sich  allein  sind  ein  epilog 
ohne  ein  entsprechendes  gedieht;  Andr.  und  Ap.  bilden  ein  voll- 
ständiges organisches  ganzes.  Wenn  die  früheren  herausgeber 
von  Ap.  die  schlussverse  nicht  unglücklicher  weise  übersehen, 
und  andererseits  durch  den  zufälligen  umstand,  dass  Ap.  auf 
einer  neuen  seite  des  kodex  beginnt,  sich  nicht  hätten  dazu 
verleiten  lassen,  diese  verse  von  den  vorhergehenden  zu  trennen, 
wäre  dies  gewiss  schon  früher  erkannt,  wäre  mancher  philo- 
logische streit  vermieden  und  der  Andreas  längst  als  dichtung 
Kynewulfs  allgemein  anerkannt  worden.  Die  mehrfache  be- 
rtihrung  der  anfangsverse  von  Fata  Ap.  mit  dem  eingang  des 
Andreas  legt  die  Vermutung  nahe,  dass  der  dichter  für  den 
epilog  seiner  legende  (=  Ap.)  einen  früheren  entwurf  der  ein- 
leitung  benutzte.  Jener  frühere  entwurf  der  einleitung  des 
Andreas  muss  eine  ziemlich  genaue  nachbildung  der  einleitung 
des  Beowulfepos  gewesen  sein  (vgl.  Sievers,  Paul  und  Braune's 
Beitr.  IX,  135);  denn  sowol  die  anfangsverse  des  Andreas  wie 
die  von  Ap.  enthalten  anklänge  an  den  eingang  des  helden- 
sanges. 

Die  lösung  der  verfasserfrage  für  den  Andreas  (+ Fata  Ap.) 
bringt  auch  die  fragen  nach  der  autorschaft  anderer  gedichte 
ihrer  lösung  nahe.  Die  anklänge  an  den  Andreas,  die  sieh  in 
anderen  gedichten  finden,  fallen  nunmehr  schwer  für  Kynewulf 
als  Verfasser  in  gewicht 

Besonders  die  poetische  legende  von  Guthlac  hat  man- 
cherlei bertihrungspunkte  mit  Andr.  +  Ap.,  welche  zum  teil  von 
mir  in  den  Beowulfstudien  s.  153  zusammengestellt  sind.  Ich 
hebe  noch  hervor  die  übereinstimmende  wortverbindng  iSan  im- 
hniien  Ap.  schl.  v.  26,  Guthl.  1060,  1066,  ferner  die  Stabreim- 
formel  hämes  in  hehtio  Ap.  schl.  24,  hämes  in  heahtiwn  Guthl  768. 
Das  wort  whtwela  ist  nach  Grein  nur  Ap.  84,  Guthl.  359  belegt 
Eine  ganz  ähnliche  ausdrucksweise  liegt  vor  in  Ap.  schl.  v.  28 
fjeet  rre  pees  bofies  brilcan  mötan  und  Guthl.  354  p<vr  HS  fttgran 
botles  brüceb. 


FATA  APOSTOLORUM.  385 

Dem  Phönix  und  Ap.  sind  die  seltenenen  worte  beado- 
crceflig,  eardwic,  wcelreaf  gemeinsam,  sowie  die  formel  See  ond 
edgiong  Phon.  608,  Ap.  schl.  28.* 

Das  kleine, 'Von  den  Kräften  der  Menschen' benannte 
gedieht  hat  mit  Ap.  die  formel  beadoerceftig  beorn  gemein: 
Crä.  40,  Ap.  44. 

Zu  vergleichen  ist  ferner  aus  dem  'Seefahrer'  die  formel 
dryhtlicestum  dorne  Seef.  85  mit  Ap.  65  dryhtlic  dorn. 

Natürlich  reichen  alle  diese  Übereinstimmungen  nicht  aus, 
um  gemeinsamkeit  des  Verfassers  zu  erweisen ;  aber  sie  kommen 
doch  zu  den  übrigen  nachgewiesenen  Kynewulfanklängen  als 
verstärkende  beweismomente  hinzu. 

Von  ganz  besonderem  interesse  aber  werden  nunmehr  die 
beziehungen  zwischen  Andreas  +  Fata  Ap.  einerseits  und  dem 
Beowulfliede  andererseits.  Die  zahlreichen  von  anderen  und 
mir  (Beowulfstudien  s.  114 — 117, 180)  nachgewiesenen  parallel- 
stellen zum  Beowulf,  welche  sich  in  Andreas  +  Fata  Ap.  finden, 
sowie  die  Stilähnlichkeit,  welche  zwischen  sämmtlichen  sicheren 
oder  wahrscheinlichen  dichtungen  Kynewulfs  und  dem  Beowulf 
besteht  (Beowulfstudien  s.  110 — 152),  wird  nunmehr  auch  den 
ungläubigsten  überzeugen,  dass  das  heldenepos  mit  Kynewulf 
eng  zusammenhängen  muss.  Weniger  die  altertümlichen  teile 
des  Beowulfepos,  als  namentlich  die  christlich-theologisch  ge- 
färbten zusätze,  welche,  auch  nach  ten  Brink's  gegenwärtiger 
ansieht  (Beowulf  s.  246)  erst  um  die  mitte  oder  gegen  ende  - 
des  8.  Jahrhunderts  hinzugefügt  wurden,  stimmen,  wie  ich  ge- 
zeigt zu  haben  glaube  (Beowulfstudien  s.  143—150),  so  sehr 
mit  dem  etil  der  anerkannten  dichtungen  Kynewulfs  überein, 
dass  stellen  des  Beowulf  sich  gleichsam  mosaikartig  aus  wenig 
modifizierten  versen  und  halbversen  dieser  zusammensetzen 
lassen,  z.  b.  Beo.  185b  =  Rä.  VI,  4b,  Beo.  186b  =  Phon.  516b, 
Beo.  187  =  Andr.  600,  Beo.  188  =  Cri.  773. 

Eine  solche  Stilähnlichkeit  durch  die  annähme  zu  erklären, 
dass  hier  ein  dichter  einen  anderen  nachgeahmt,  heisst  nur  an 
die  stelle  einer  einfachen  und  natürlichen  deutung  des  kausal- 
zusammenhangs  eine  komplizierte  und  unwahrscheinliche  hypo- 
these  setzen.    Dass  ein  dichter  sich  selbst  widerholt,  ist  eine 


1  Bemerkenswerte  Übereinstimmungen  zwischen  Phönix  und  Andreas 
sind  die  formein  säre  srvyltcrvale  Phon.  369,  Andr.  1370  und  fröd  fyrn- 
getveorc  Phon.  84,  Andr.  738. 

AngUft,  XII.  band.  25 


386  SARRAZIN, 

ganz  gewöhnliche  erscheinung  und  für  Kynewulf  insbesondere 
aus  dessen  unbezweifelten  werken  nachgewiesen;  dass  aber 
jemals  zwei  dichter  einander  (wechselseitig?)  in  der  weise  nach- 
geahmt hätten,  wie  wir  es  bei  jener  hypothese  voraussetzen 
mttssten,  dafür  ist  der  nachweis  noch  zu  erbringen;  es  dürfte 
sich  kaum  ein  analogon  aus  der  englischen  literaturgeschichte, 
wol  auch  kaum  aus  der  eines  anderen  Volkes  anführen  lassen. 

Noch  unwahrscheinlicher  wird  aber  die  nachahmungshypo- 
thesc,  wenn  wir  sie  bis  in  alle  ihre  konsequenzen  verfolgen. 
Ihr  zu  folge  hätten  zu  derselben  zeit,  in  derselben  gegend  zwei 
dichter  gelebt,  die  nicht  nur  in  ihren  neigungen  und  ihrer  an- 
schauungsweise  im  allgemeinen  (Beowulfstudien  s.  135  ff.),  son- 
dern auch  namentlich  in  dem  umstände  übereinstimmten,  dass 
sie  eine  streng  kirchliche  richtung  und  theologische  gelehrsam- 
keit  mit  einer  Vorliebe  für  den  alten  heldensang,  für  Schilde- 
rungen von  kämpfen,  Seefahrten  und  trinkgelagen  verbanden: 
Kynewulf,  der  Verfasser  mehrerer  geistlicher  dichtungen  und 
rätsei  und  jener  mysteriöse,  anonyme  'interpolator  B',  der 
redaktor  des  Beowulfliedes.  Kynewulf  (der  im  übrigen  als  ein 
sehr  bedeutender  und  origineller  dichter  gilt)  müsste  seinen 
zeit-  und  Volksgenossen,  von  dem  sonst  keine  originale  dieh- 
tung,  sondern  nur  die  bearbeitung  eines  älteren  heldenepos 
(oder  älterer  einzellieder)  erhalten  wäre,  so  sehr  verehrt  und 
bewundert  haben,  dass  er  von  seinen  erstlingswerken  an  bis 
zu  seiner  reifsten  dichtung  (Elene)  den  stil  und  versbau  dieses 
von  jenem  verfassten  (nach  Mtillenhoff,  Möller  und  ten  Brink 
aus  verschiedenen  einzelliedern  zusammengeschweissten)  mach- 
werks  genau  zu  kopieren  suchte,  besonders  im  eingang  der  Fata 
Apostolorum,  und  vielfach  ausdrücke,  redewendungen,  formein, 
ja  ganze  verse  daraus  stahl  (Beowulfstudien  s.  110 — 130);  ja  in 
seinem  reiferen  alter  müsste  sich  diese  Vorliebe  noch  gesteigert 
haben. 

Dieser  plagiator  Kynewulf  nun  soll  seinerseits  wider  das 
Vorbild  und  mustcr  mehrerer  anderer  anonymer  dichter  ge- 
wesen sein,  die  seinen  stil  nachahmten.  Die  schüler  und  nach- 
aluner  Kynewulf  s  aber  hätten  alle  die  anpassungsfUhigkeit 
and  die  Vorliebe  für  das  werk  des  'interpolator  B'  geerbt;  ja 
einer  von  ihnen  (der  Audreasdichtcr)  hätte  Kynewulf  in  der 
Hystcroatischen  ausbeutung  des  Beowulfliedes  noch  fast  über- 
boten.   Während  also  Kynewulf  gleichsam  auf  den  schultern 


FATA  APOSTOLORUM.  387 

des  'interpolator  B*  stände,  ruhten  seine  nachahmer  zwar  mit 
einem  fusse  auf  Kynewulfs  schultern,  mit  dem  andern  aber 
widerum  direkt  auf  denen  des  'interpolator  B\ 

Und  dieses  künstliche  gebäudc  von  unwahrscheinlichen 
hypothesen  ist  errichtet  worden,  um  den  einfachen  und  natür- 
lichen wahvscheinlichkeitsschluss  zu  vermeiden,  dass  dich- 
tungen,  die  zu  derselben  zeit,  in  derselben  gcgend  verfasst 
sein  müssen,  welche  denselben  stil,  ton  und  Charakter  haben, 
und  in  zahlreichen  Wendungen  an  einander  anklingen  —  von 
demselben  Verfasser  herrühren! 

Kiel.  Gregor  Sarrazin. 


25* 


DIE  PRÄPOSITION  FOR 

TaVl  dem  folgenden  artikel  veranlassen  mich  Engl.  Studien 
IX,  344  nnd  X,  188.  Es  handelt  sich  dort  um  den  satz:  '// 
might  be  a  clarv  for  the  flesh  there  is  upon  it'  in  G.  Wendt's 
ausgäbe  von  Dickens'  A  Christmas  Carol  in  Prose  s.  94.  Wendt 
Übersetzt  und  erklärt  zunächst  richtig:  "Ich  fasse  for  als  but 
for,  also  als  'hindernden  gruud*  auf",  fügt  aber  hinzu:  "Die 
weglassung  des  but  ist  allerdings  grammatisch  nicht  zu  recht- 
fertigen, wol  aber  durch  die  eigentümliche  spräche  des  geistes, 
der  es  sehr  eilig  hat".  Diese  etwas  kühne  erklärungsweise 
scheint  J.  Koch  so  abgeschreckt  zu  haben,  dass  er  sich  lieber 
an  den  nachtrag  Wendt's  hielt:  "Nimmt  man  for  in  der  be- 
deutung  'in  anbetracht'  und  ergänzt  vor  flesh  Utile,  so  hat 
man  den  entgegengesetzten  sinn:  'wegen  des  geringen  fleisches 
könnte  es  schon  eine  kralle  sein',  der  ebenso  viel  für  sich  hat". 

Keineswegs!    Denn  C.  Stoffel  sagt: 

"There  can,  I  think,  be  little  doubt  that  Dickens  ought  to  have 
written  '  It  might  be  a  claw  for  any  flesh  there  is  upon  it '  =  it  might 
be  a  claw,  there  being  no  flesh  upon  it  to  prove  that  it  is  not  one  = 
as1  far  as  flesh  is  coneerned,  it  might  as  well  be  a  claw  as  a  foot 
This  gives  a  better  explanation  than  '  It  might  be  a  claw  for  the  little 
flesh  upon  it';  in  this  case  for  would  mean  'considering',  a  sense  of 
for  which  it  would  be  hard  to  instance  froni  modern  authore". 

Zu  diesem  Schlüsse  gelangte  C.  Stoffel,  indem  er  von  der 

prämisse  ausging: 

"It  is  remembered  that  for  somctimes  ineans  no  twiths  tandin  g; 
that  the  phrase  for  ought  1  know  (to  the  contrary),  frequently  takes 
the  nearly  related  sense  of :  there  being  nothing  to  the  contrary  that 
1  know  of  =  as1  far  as  I  know;  and  if  we  compare  the  following 
passages  from  Nickleby:  1.  'A  parrot  who,  for  any  sign  of  life  he 
had  previously  given,  might  have  been  a  wooden  bird'  =  'The  parrot 
might  have  been  a  wooden  bird,  no  signs  of  life  (i.  e.  of  his  not  being 
a  wooden  bird)  having  been  previously  given  by  him  =  As1  far  as 

1  Sollte  so  far  as  heiasen! 


HUPE,    DIE  PRÄPOSITION  FOR.  389 

signs  of  life  were  conceraed,  he  might  as  well  have  been  a  wooden 
bird  as  a  living  one"  etc. 

Es  ist  unmöglich,  dem  Verfasser  in  diesem  labyrinth  von 
gelehrten  missverständnissen  zu  folgen.  Aber  auch  hier  soll 
die  historische  grammatik  zu  ihrem  rechte  kommen.  Die  bei- 
spiele  sind  grösstenteils  aus  Koch,  Mätzner,  Grein  und  Strat- 
mann  genommen.  Die  abkürzungen  werden  als  bekannt  vor- 
ausgesetzt. 

For  fusst  etymologisch  auf  skr.  pärä  und  ist  mit  got.  faur 

'vor  —  hin'  mit  dem  akkusativ  und  faura  'vor'  mit  dem  dativ 

zu  vergleichen.  —  Ich  unterscheide  eine  lokale,  temporale  und 

kausale  bedeutung. 
'""STAltenglisches  gebiet 

I.  Lokal,  'vor',  mit  dativ  auf  die  frage  wo?,  mit  acc.  auf  die  frage 
wohin?  pcet  he  for  eaxlum  geslöd.  B.  358.  —  no  he  pcere  feoh- 
Zyfte  for  seotendum  scamigan  porfte.  B.  1027.  —  No  dear  ic  forb" 
gän  for  pe  andweardne.  C.  54,  4. 
II.  Temporal,  'vor',  mit  dem  dativ,  in  adverbialen  Wendungen  auch 
mit  dem  acc:  for  feorver  dagum.  Joh.  XI,  39.  —  for  dceg.  Ettm. 
III.   Kausal,  in  folgenden  bedeutungen: 

1.  beziehung,  gemässheit,  beschränkung,  'in  ansehung  von',  'was  . . 
anbetrifft',  'verglichen  mit7,  mit  dem  dativ:  üe  wces  for  wo- 
ruide  cetfelboren.  Greg.  —  Ic  eom  se  lytla  for  pe  and  se  lytira 
man.   Hy.  III,  41. 

2.  Stellvertretung,  vertauschung,  nutzen,  und  bestimmung,  zweck, 
'für',  'zu\ 

a)  Stellvertretung  und  nutzen,  'für',  mit  dem  dativ.  Se  pe 
deaö  for  vs  geprorvode.  C.  306, 18.  —  yfelu  for  gödum.  Ps. 
XXXIV,  4.  —  mit  dem  acc:  pone  Abraham  genam,  and  hine 
on  äd  ahöfy  öfestum  miclum,for  his  ägen  beam.  C.  177,  16 
(2930).  —  Me  rvcbron  mine  learas  for  hläfas.  Ps.  41,  3.  — 
Distributiv:  tob  for  tob".   Mi.  19. 

Aus  dem  begriff  der  Stellvertretung  erklärt  sich  der  gebrauch  von 
for  auch  in  folgenden  Sätzen:  eaU  peodscipe  hine  heold  pä  for  fulne 
cyning.  S.  C.  1013.  —  for  söb~  seczan.  Gn.  64.  —  TeÜafi  min  wedd  for 
näht.  Deut.  31,  20.  —  pcet  he  hine  fteondne  for  peofsloge.  Legg.Inas  35.  — 
JVm  ic  Beotvulf  pec,  secg  betsta,  me  for  sunu  rvylle  freogan.  B.  948. 

b)  bestimmung,  zweck,  'zu',  hine  god  for  ärsiafumvs  onsende. 
B.  382. 

Die  bedeutungen  1  und  2  ergeben  sich  leicht  aus  der  lokalen  be- 
deutung; sie  selber  erweitern  sich  zu  den  begriffen  des  grundes,  der 
Ursache  und  veranlassung. 

3.  subjektiver  grund,  beweggrund,  innere  veranlassung,  *  wegen', 
'aus',  mit  dem  dativ:  ne  dyde  ic  for  fäcne  ne  for  feondscipe. 
C.  163,  1  (2685).  —  mit  dem  acc:  Hyne  Wyrd  fornam,  $yo~o~an 
he  for  wlenco  rvean  ähsode.  B.  1206. 


(/ 


390  HUPE, 

4.   objektiver  grund,  erkenntnissgrund,  äussere  veranlassung,  'wegen', 
'um  .  .willen7,  mit  dem  dativ:   he  rvolde  for  wera  synnum  eaü 
äcküan.  Gen.  1271).  —  ic  rvile  me  pcet  eal  for  gode  polian.  Hy. 
IV,  73.  —  vs  häle  gedo  for  pines  naman  äre.   H.  VIII,  35.  — 
mit  dem  instrum.:  he  hine  feor  forrvrcec  metod  for  py  mäne 
mancynne  fram.  B.  110.  —  adverbiell:  for  pyt  for  hwy. 
Hierher  gehören  auch   sätze  wie:  he  hi  for  drihtne  boed  pcet  hi... 
Met.  I,  64.    Die  Umschreibung  mit  pingum  scheint  nicht  ungewöhnlich  zu 
sein:  stvilce  pu  for  minum  pingum  seo  pines  ägnes  benumen.    Boeth. 
3,  7.  —  Htm  feollon  tearas  for  his  brötior  pingon.  Gen.  43, 13. 
Die  vcranlassuug  kanu  auch  zugleich  bezeichnen: 

a)  das  objekt  der  tätigkeit,  'über7, 'um7:  hi  sebdon  for  manegum 
yflum  da%um.  Nie.  2.  —  pä  pe  for  his  Vife  lyt  sorgedon. 
Exon.  116,  10. 

b)  das  hinderniss,  in  negativen  Sätzen,  'wegen',  und  in  Verbin- 
dung mit  der  negation:  'wenn  nicht ..  war  (wäre)',  'ohne': 
pect  heb  for  flöde  fötum  ne  meahte  fand  gespornan.  Gen. 
1457—58.  —  neie  vs  god  rvUnian  for  his  weldcedum.  Ps.  76,7. 

c)  den  wirkungslosen  grund,  indem  ein  conecssives  verhältniss 
zu  gründe  liegt,  und  zwar  nach  adversativen  partikeln,  die 
auch  dem  sinne  nach  ergänzt  werden  können  —  denn  nur 
durch  die  gegensätzlichkeit  wird  der  grund  concessiv— *  trotz': 
Ac  for  e  all  um  pissum  se  here  ferde,  swä  he  syif  wolde. 
S.  C.  1006. 

B.   Mittelenglisches  gebiet. 
I.   Lokal,  z.b.:  Se  sagh  pal  angel  for  hir  stand.  Cursor  (C)  10497. 

II.  Temporal,  und  zwar  wird  for  gebraucht: 

a)  wie  im  Ae.  etwa  bis  zum  14.  Jahrhundert.  Itt  rvass  for  manigg 
da^z  <*r  ewiddedd.  Orm.  3076.  —  vor  pe  feste.  A.  R.  22.  — 
Fore  domesda  put  sal  be  sene.  Cursor  (C)  22429. 

b)  zur  bezeichnung  der  Zeitdauer,  *  während7:  He  is  a  prisoner 
perpetualty,  nat  oon/y  for  a  yeer.    Ch.  (Morris)  B.  599—60«. 

Diese  bedeutungen  der  Zeitdauer  verdankt  for  dem  einflusse  des 
Französischen.  Als  dieser  noch  nicht  vorhanden  war,  gebrauchte  man  im 
vollständigen  satze  das  pp.  agän,  me.  agan,  agoon:  vre  elderne  christene 
wvoren,  agan  is  preo  hundred  geren.  Lag.  29776;  dann  unter  weglassung 
des  verb.  subst.:  1  have  heer  tvilh  my  cosyn  Palamon  Had  stryf  and 
rancour  many  a  day  a-gon.    Ch.  (Morris)  B.  1925—26. 

Da  sich  for  in  dieser  bedeutung  mit  dem  begriff  eines  Zeitraumes 
verbinden  muss,  so  entspricht  es  auch  dem  d.  'seit7. 

III.  Kausal,  und  bezeichnet  wie  im  Ae.: 

1.   beziehung,  gemässheit,  beschränkung:  for  the  rnore  partie . . . 

they  bare  hem  the  bolder.  Dep.  of  Rieh.  IL,  p.  9.  —  for  me  my- 

selfy  ich  wol  sott  segge.  K.  G.  715.  —  I  tville  make  redempcyon 

As  1  hyght  for  my  person.    Towneley  Myst.,  p.  72. 

Um  die  beziehung  auf  den  nachfolgenden  regierenden  satz  deutlicher 

zu  machen,  wird  schon  früh  as  hinzugefügt:  For  as  for  himseif,  he  Morde 

nvn  evyüe  deserved.    Maund.,  p.  2.    Da  im  Ae.  to  und  for  häufig  neben- 


DIE  PRÄPOSITION  FOR.  391 

einander  gehen,  so  ist  es  erklärlich,  dass  sich  im  Me.  nach  dem  ver- 
gleichenden as  auch  to  einfand.  As  to  my  thynkynge  these  days  thre, 
That  %e  absente  haue  ben  away,  Be  more  l engere  in  (her  degre  Than 
alle  the  Space  of  XI j  gere  day.    Cov.  Myst.,  p.  197. 

Einen  direkten  französischen  einfluss  hier  für  die  entwickelung  von 
for  anzunehmen,  erscheint  also  verkehrt.  Ich  erkenne  einen  solchen  nur 
für  den  begriff  der  Zeitdauer  an,  welchen  por  {pro)  durch  die  Vermischung 
mit  lat.  per  erhalten  hat. 

2.  Vertretung,  nutzen;  bestimmung,  zweck. 

a)  Vertretung  und  nutzen:  pou  büeafest  feier  and  sceone  mine 
dohter  for  alpeodisc  meiden.  Lag.  2301.  —  He  biddeth  pat 
he  peos  sob* feste  tvord  segge  for  his  fader  saufe.  Lag.  62.  — 
Me  heold  heo  for  hehne  godd.  Lag.  1152.  —  tvord  for  tvord 
thus  they  spake.  Alis.  2922. 

b)  bestimmung  und  zweck:  To  lese  thertvith  her  owne  soulis 
more  for  the  mayntenaunce  of  pride  and  her  delicis  than 
for  the  tvorschipe  of  god  or  other  goode  vertues.  Wright 
and  Halliwell,  Rel.  Ant.  I,  42.  —  A  manere  of  wode  . .  the 
whiche  is  good  for  many  diverse  medicynes.  Maund.,  p.  56.  — 
forr  the  näness.  Orm.  7158.  —  for  the  nones.  Alis.  1624. 

Vgl.  auch  for  to  mit  dem  inf.:  For  to  tvere  pe  ronde  tabell.  Curs.(C)  14. 
Ebenso  steht  for  nach  den  verben  der  bewegung  zur  angäbe  des  Zweckes : 
Messangeris  comen  .  .  for  irowage.  Alis.  1653.  —  /  xal  send  for  hem. 
Cov.  Myst.,  p.  94.  —  Amorant  tvent  .  .  for  his  lordes  liueray.  Amis  and 
Amil.  1658.  —  Eine  erweiterung  des  zweckbegriffes  liegt  in  dem  des 
Zieles:  stvithe  com  for  thider  with  me.    Wright,  Anecd.  p.  12. 

3.  subjektiver  grund,  beweggrund,  innere  veranlassung:  he  dude  al 
his  wille  more  for  e%e  pan  for  love.  K.  G.  593.  —  For  s harne. 
Lag.  16971.  —  for  lef  ne  loth.  Hav.  2775.  —  for  tvel  ne  for  wo. 
Hav.  2777. 

4.  objektiver  grund,  erkenn tnissgrund ,  äussere  veranlassung:  tve 
deye  mone  for  (=  'vor')  hunger.  Hav.  840—41.  —  he  died  for 
hungre.  Maund.  230.  —  Nu  bidde'Ö  Lagamon  mlcne  mon  for 
pene  almiten  godd  pett.  Lag.  57.  —  For  the  holi  milce  of  yow, 
üave  merci  of  me,  louerd,  notv.  Hav.  1361—62.  —  Elliptisch: 
Mercy,  Richard,  for  Mary  maid.  Richard  C.  d.  L.  1782.  —  For 
shame,  lete  tho  leuedis  gon.  Amis  and  Amil.  1229.  —  Alasl  for 
sortve,  tvhat  hap  was  this.   Cov.  Myst.,  p.  371. 

Die  ae.  Umschreibung  ist  noch  erhalten:  Feond  he  wes  pes  kinges 
for  Octaves  pingen.  Lag.  II,  49.  —  Abgeschwächt  ist  sie:  for  whulches 
cunnes  pinge  ligge  we  pus  here?  Lag.  II,  446.  —  /,  Ion  Baliol  pe  Scottys 
kyng  I  bicom  pi  man  for  Scotland  ping.  Langt  p.  250.  —  Verdrängt  wird 
sie  durch  sake:  Alle  men  . .  Had  mete  there  for  Goddis  sake.  Ipom.  1549.  — 
Good  were  to  deschargen  hem  For  holy  chirches  sake.  P.Plough.  10677.  — 
A  strong  logge  he  dide  make  . .  for  his  lady  sake.  Am.  and  Amil.  2463.  — 
Hierzu  kommt  noch  die  Umschreibung  mit  because  of:  Thai  makethe  hem 
fle  before  hem,  because  of  the  smelle.  Maund.,  p.  169.  —  To  Jesu  Crist 
prayed  he    Because  of  his  wiffe.    Sir  Cleges  167. 


392  hupb, 

Dann  bezeichnet  die  veranlassung  auch  zugleich: 

a)  das  objekt  der  tätigkeit:  mourning  for  (=<um')  misdede. 
P.  P.,  p.  492.  —  sorwe  for  (=  'um')  synful  lif.  Ibid.  —  For 
(=  'über')  hire  spceche  he  loh.  Lag.  II,  203.  —  Alle  hefne 
and  erthe  crye  for  mercy.    Cov.  Myst.,  p.  107. 

b)  das  hindemiss  in  negativen  sätzen:  heo  ne  dursten  for  gode 
don  per  pa  misbode.    Lag.  13249. 

Die  negation  ist  leicht  aus  einem  hypothetischen  verhältniss  zu  er- 
kennen. /  shal  dreinchen  him  in  pe  se,  For  htm  sc  hole  rve  ben  maked 
fre.  Havel.  561— 62.  Abgesehen  davon,  dass  schote  für  scholde  stehen 
könnte,  genügt  auch  das  futurum :  '  wir  werden  frei  gemacht  worden  sein 
—  d.  i.  wir  sind  es  noch  nicht  —  wenn  er  nicht  mehr  ist7. 

Hinzu  kommt  zum  ausdruck  der  negation  die  Verbindung  mit  butem 
Hit  likede  wel  pan  kinge  buten  for  ane  pinge.  Lag.  III,  264.  —  Nay,  I 
myself  wold  kylle  him    Bot  for  sir  Py/ate.    Tow.  Myst.,  p.  207. 

c)  den  wirkungslosen  grund:  f>e  Reseamiradie  was  taken  pat 
ilk  gere  in  Wales  porgh  a  spie  for  all  his  powere.  Langt., 
p.  247.  —  Lady,  thou  shalt  here  abyde,  For  any  thing  that 
may  belyde.    Richard  C.  d.  L.  225. 

C.   Neuenglisches  gebiet. 
I.   Temporal  zur  bezeichnung  der  Zeitdauer :  He's  safe  for  these  three 
hours.   Sh.,  Tp.  111,  1.  —  He  stopped  there  for  some  Urne.    Bulw., 
Malt.  I,  4.  —  To-day,  for  the  first  time,  dost  thou  refer  me  to  my- 
self.   Coler.,  Picc.  V,  2.   —   For  many  miles  (zcitmass!)  around 
There's  scarce  a  bush.    Sh.,  Lr.  II,  4.  —  For  the  present. 
Für  die  Übersetzung  beachte  man,  dass  for  mit  einem  perfectum  be- 
sonders verbunden  deutschem  'seit'  häufig  entspricht,  z.  b.:  He  has  been 
(=  *  ist ')  here  for  (=  'seit')  a  fortnight.  —  /  have  not  seen  him  for  a 
fortnight.    In  Verbindung  mit  einem  futurum  wird  es  zuweilen  'in'  ent- 
sprechen.   /  shall  not  see  him  for  a  fortnight  (=Mn  den  nächsten  vier- 
zehn tagen').    Der  begriff  eines  Zeitraumes  ist  immer  nötig.  —  Vergleiche 
hiermit:  /  shal/  not  see  him  again  before  a  fortnight  (= 'erst  nach'). 

IL   Kausal,  zur  bezeichnung  von: 

1.   verhältniss,  beziehung,  beschränkung:  for  the  mosi  part.  —  For 
ought  I  know.1    For  ought  that  I  know.  Sh.  —  For  Gloucester's 
death.  —  1  slew  him  not.  Sh.,  Rieh.  IL,  1,1. —  As  for  the  peers 
that  back  the  clergy  thus.  Marl.,  Edw.  IL,  1,  4.  —  As  for  me,  1 
will  call  upon  God.   Ps.  55,  16.  —   He  pleases  the  mob,  but  as 
for  the  nobles,  they  laugh  at  him.    Bulw.,  Rienzi  I,  4. 
In  neuester  zeit  wird  as  to  dem  ausdruck  as  for  vorgezogen. 
Ferner  vergleiche  man  die  Verbindung  eines  durch  too  gesteigerten 
adjektivs  mit  for.  A  punishment  too  goodfor  them.  Sh.,  Much  Ado  111,5. — 
Too  proud  for  art.  Cowp.,  p.  ls.  —  Ohne  too:  That  was  but  little  for  his 
age,  But.,  1, 1,  375.    He  is  short  for  his  age. 


1  StoffeFs  ergänzung  to  the  contrary  ist  unverständlich,  und  seine 
nachfolgende  erklärung  hat  mit  der  grammatischen  definition  von  for 
nichts  zu  tun. 


DIE  PRÄPOSITION  FOR.  393 

2.  Vertretung,  nutzen;  bestimmung,  zweck,  ziel: 

a)  Vertretung,  nutzen:  Here's  money  for  my  meal,  Sh.,  Cymb. 
III,  6.  —  It  shall  be  for  food  for  thee.  Gen.  6,  21.  —  But 
this  for  faithful  truth  I  say.  Scott,  L.  M.  6,  5.  —  /  will  lake 
it  for  granted,  you  are  honest.  Bulw.,  Malt.  1,1.  —  For  cer- 
tain.  Butl.,  Hud.  2,  3,  156.  —  Distributiv:  Eye  for  eye,  tooth 
for  tooth  etc.  Exod.  21,24.  —  Elliptisch:  0  for  a  horse  tvith 
tvings!  Sh.,  Cymb.  III,  2.  —  Hurrah  for  the  knight  of  St.  John! 
Bulw.,  Rienzi  III,  1. 

b)  bestimmung,  zweck,  ziel:  Boih  law  and  physic  are  for  petty 
wits.  Marl.,  Faust  1,1.  —  Ceres  ripe  for  harvesl.  Milton, 
P.  L.  IV,  980.  —  Revenge  is  a  feast  for  (he  gods.  Scott, 
Ivanhoe  24.  —  It  is  impossible  for  us  to  believe.  Carl.,  Past. 
a.  Pres.  1,3.  —  Read  for  yourselves.  Dougl.  Jerr.,  Bubbl.  1.  — 
We  are  bound  for  Naples.  Dick.,  Pict.  from  Italy,  vgl.  Sh., 
Cymb.  III,  6.  —  /  hope  the  king  is  not  yet  shipp'd  for  Ire- 
/and.  Sh.,  Rieh.  II.,  II,  2.  —  He  . .  started  for  the  Indies. 
Dougl.  Jerr.,  K.  D.  I,  2.  —  To  set  sail  for  Spain.  —  He  left 
for  Paris.  —  He  set  out  for  England.  —  They  parted  for 
their  several  homes.  etc. 

3.  subjektiver  grund,  beweggrund,  innere  veranlassung:  None  durst 
come  near  for  fear  of  sudden  death.  Sh.,  1  Henry  VI.,  1,4.  — 
Your  cheek  is  cover'd  o'er  with  blushes!  What,  0  what  can 
that  be  for?    Sh.  Knowles,  Virg.  I,  2. 

Innere  und  äussere  veranlassung  sind  einer  Verwechselung  fähig, 
wie  z.  b.:  Will  he  draw  out  For  anger's  sake,  finite  to  infinite  In  punish'd 
man.  Milt.,  P.  L.  X,  801;  denn  die  Umschreibung  mit  for — sake  bezeichnet 
die  äussere  veranlassung.  Man  vergleiche  auch  die  vertauschung  von  for 
mit  from  und  out  of. 

4.  objektiver  grund,  erkenntnissgrund,  äussere  veranlassung:  Thou 
ort  but  a  dead  man  for  the  woman  which  thou  hast  taken. 
Gen.  20,  3.  —  Do  you  thank  the  gods  for  me?  Knowles,  Virg. 
I,  2.  —  If  I  were  to  die  for  it.  —  Elliptisch:  Alack,  for  pity! 
Sh.,  Tp.  I,  2.  —  Alas,  both  for  the  deed  and  for  the  cause! 
Milt.,  P.  L.  XI,  461.  —  For  shame,  you  a  sailor,  and  carry  sor- 
row  aboard.    Cobb.,  Doct.  a.  Apoth.  I,  1. 

Die  Umschreibung  mit  sake  ist  dem  Ne.  sehr  geläufig:  for  the  sake 
of  peace.  Cowp.,  p.  8.  —  for  your  sake.  Dick.,  Ch.  Car.  3.  —  for  wird 
jetzt  häufig  verdrängt  durch  from,  of,  z.  b.:  to  die  from,  of  hunger. 

Die  veranlassung  bezeichnet  auch  zugleich: 

a)  das  objekt  der  tätigkeit:  Jacob  mourned  for  his  son.  Gen. 
37,  34.  —  I  don't  care  for  you.  —  Vgl.  ferner:  to  look  for, 
to  ask  for,  to  hunger  for,  to  wait  for,  to  hope  for  etc. 

b)  das  hinderniss  in  negativen  Sätzen :  For  one  restraint,  lords 
of  the  world  besides.  Milt.,  P.  L.  I,  32.  Die  negation  liegt 
versteckt  in  dem  zusatze  besides,  der  angibt,  dass  augen- 
blicklich aus  irgend  einem  gründe  etwas  fehlt,  und  der  ellip- 
tische ausdruck  verlangt  eine  konditionale  ergänzung:  they 


:m  hupb, 

woiild  bt,  aus  der  die  negation  noch  deutlicher  zu  schliessen 
ist.  Ich  mache  hinter  will  (vgl.  teit)  ein  komm».  —  Ifit  teert 
not  for  us  and  the  other  genttemen  of  the  sniord,  Drury- 
lane  wouid  be  uninhabited  =  For  us  .  .  .  Drurylane  rvould 
be  uninhabited.  Gay,  Begg.  Op.  II,  1.  //  ü  nitre  not  ist  der 
tleutlichkeit  halber  hinzugefügt,  obwol  die  negation  ans  dem 
konditionalen  hauptsatze  genügend  ersichtlich  ist.  —  It  might 
be  a  etaw  for  ifrt  flesh  t/ttre  is  upon  it.  Dick.,  A  Ch.  C, 
Wendt's  ausgäbe,  p.  !)4.  Die  negation  ist  ancb  hier  ans  der 
konditionalen  form  des  bauptverbs  zu  entnehmen:  it  might 
bt  a  etaw,  but  il  is  none.    Why  not?  For  ikt  flesh  Ihere  is 

Die  Verwendung  von  but  for  und  auch  save  for  ist  dem  Ne.  sehr 
geläufig.  Diese  ergänzungen  dienen  der  deuth'chkeit  des  Ausdruckes,  wenn 
weder  negation  noch  konditionaler  hauptsatz  vorhanden  sind;  sie  sind  also 
die  eigentlichen  Vertreter  der  negation,  die  im  früheren  Englischen  oft 
doppelt  ausgedrückt  wird.  Thtn  was  ihis  »stand  (Save  for  the  son  that 
sht  did  litter  ktre  ,  .)  not  honour'd  with    A  human  shape.  Sb.,  Tp.  1, 1. 

c)  den  wirkungslosen  grund:  And  gel,  for  alt  Ins  tvings  the 
fool  was  dromntt.  Sh.,  ;i  Henry  VI.,  V,  6.  —  Who  . .  scorn 
t'  abale,  for  a«y  U/s,  The  teast  punctilios  of  out  tv'üli. 
But].,  Hud-,  The  Lady's  Answ.  335.  —  A  parrot  who,  for 
any  sign  of  lift  he  had  prtviousty  given,  might  havt  been 
a  wooden  bird.  Dick.,  Nicklcby  II,  CS  (Tauchn.)  =  'noth- 
niiihstanding  any  sign  of  life  ht  might  hart  prtviousty  given  ' 
Die  hinznfUgung  von  any'  dient  dazu,  um  es  in  (rage  zu 
stellen,  ob  er  überhaupt  ein  zeichen  seiner  existenz  von  sich 
gegeben  bat.  'Wenn  er  auch  vielleicht  früher  ein  lebens- 
zeiehen  von  sich  gegeben  hätte,  so  künnte  es  jetzt  doch  ein 
hölzerner  vogcl  sein'.—  Vgl.  noch  Stoffel's  bef  spiel;  Sechen- 
dorf  mag  as  wtti  quit  Friedrich  Wilhelm  altogelher,  for 
any  good  he  wiit  henceforth  do  upon  him.  Carlyle,  Fried. 
III,  1  Su.  People's  Ed.  (=  'wenn  er  auch  vielleicht  später  Ihm 
gute  dienste  erweist'). 
Es  kam  mir  nur  darauf  an.  die  CDtwiekelunp  von  for  dar- 
zustellen. Ein  vollständige»  Verzeichnis»  der  nomina  und  verba, 
nach  denen  in  den  obenbezeiehneten  fällen  for  verwendet  wird, 

1  Nach  StolTel  hätte  Dickens  schreiben  müssen:  'it  might  be  a  dam 
for  uny  flesh  there  is  upon  it',  d.  i. '  wenn  auch  vielleicht  fleisch  darauf 
wäre'.  Stoffel  aber  erklärt  there  bring  nn  flesh  upon  it.'  Seine  Zurück- 
weisung von  for  =  eonsidering  (vgl.  'a  stnse  of  for  which  it  wouid  he 
hard  to  instante  front  modern  nuthors')  verrät  allzu  grosses  selhetbe- 
wuss  tscin.  Sollte  for  =  eonsidering  sein,  so  würde  der  sinn  des  aataea 
der  sein :  '  es  kiiunte  in  aubetrai'ht  des  fleische»,  das  darauf  ist,  eine  krall« 
sein',  aber  so  wird  niemand  erklären  wollen.  Indessen  ist  der  notbebelf 
mit  Unit  auf  keine  weise  zu  rechtfertigen,  abgesehen  davon,  data  der  aut- 
drnek  the  tittle  flesh  für  'das  geringe  fleisch'  nach  meinem  Sprachgefühl 
Überhaupt  nicht  passt. 


DIE  PRÄPOSITION  FOR.  395 

in  einer  grammatischen  darstellung  zu  liefern,  mag  sehr  prak- 
tisch sein,  gehört  aber  besser  in  ein  lexikon.  Für  die  schule 
wird  man  immerhin  eine  anzahl  solcher  beispiele  anführen 
können.  Was  den  direkten  französischen  einfluss  (vgl.  pour) 
anbetrifft,  welchen  Mätzner  noch  für  den  begriff  des  'örtlichen, 
zu  erreichenden  zieles'  fordert,  so  scheint  mir  diese  behauptung 
mehr  von  der  phraseologie  des  verbs  aus  gemacht  zu  sein. 
Diese  trägt  allerdings  häufig  ein  französisches  gewand;  aber 
die  Übereinstimmung  der  präp.  for  mit  pour  in  ihren  begriffen 
erklärt  die  leichte  annähme  der  französischen  ausdrucksweise. 

Lübeck.  H.  Hupe. 


THE  POSITION  OF  GRENDELS  ARM 

IN  IIEOROT. 

Beowulf  834  sqq.  983  sqq. 

In  order  to  determine  with  precision  the  position  in  which 
Beowulf  placed  the  arm  and  Shoulder  whieh  he  tore  away 
from  Grendel,  it  is  neeessary  to  discuss  the  nieaning  of  one 
or  two  words. 

JJorngedp  (82). 

This  scenis  to  mean  'wide  gabled\ 

Ilorn  in  Ieelandie  ineans  a  mathematieal  angle. 

Ilorne  in  M.N.D.  is  'corner'  of  a  street  (Schilhr  u.  LUbben, 
Wtb.  s.  v.). 

Hörn  in  A.  S.  is  used  of  the  'horns'  of  the  altar.  The 
roeanin<r  of  this  term  is  clearly  seen  in  the  illustration  given 
by  Daremberg  et  Saglio  (Dict.  des  Ant  pagc  351)  whero  the 
'hörn'  rcsenibles  a  gable  in  miniature. 

Hörn  in  A.S.  is  often  rendered  by  the  Latin  pinnacnlum. 
This  is  supported  by  Mt  IV.  5  (L)  ofer  hornsceaÜe  tcmples  = 
supra  pinnaculum  fempli  ef.  Lk  IV.  9  (L).  The  sense  of  pinna- 
culum  is  elear  from  Dueange  (s.  v.  Pignaeuluui): 

"Pignaeulum:  culmen  doums.  Galt.  Pignon  de  niaison.    Pinnacu- 
luin  Matt.  IV,  .">.    Charta  Episcopi  Parisiensis  ann.  1222  in  M.  Pastorali 

Hb.  11)  eh.  *W.    Quod  (iomuui  suam non  levabit,  nee  potent  levare 

. . .  ultra  sex  pedes et  secundum  hanc.  elcvationem  modo  com- 

peteuti  domuiii  pignacnlabit,  ita  tarnen  quod  in  anterioris  pignaculi 
elcvatione  nulluni  fenestram, tacere  potent'1. 

A  quotation   from   Littrt»  (Dict.  Fr.  s.v.  pignon)  will   make  the 

meaning  still  ]>lainer: 

"Pignon.    Tenne  d'architecture.    La  partie  des  nmrs  qui  s'eluve 
en  trianfrlr  et  sur  laipiellc  porte  l'extreinite  de  la  couverturo 
Autrefois  c'etait  le  pignou  qui,  comme  aujourd'hui  dans  le«  eglises 
taisait  la  fa^ade  de  la  inaison'*. 


MILLER,   GRENDKL'S  ARM  IN  HEOROT.  397 

We  have  then  hörn  =  pinnaculum  =  pignon,  and  implying 
'gable'  (or  'fa^ade'  possibly).  The  fantastic  accumulation  of 
gable  tops  as  seen  in  the  church  at  Borgund  in  Norway  gave 
rise  to  the  expressions  Horngestreon,  Hornscel,  Hornsele  {Hörn- 
seit  Heliand),  Hornreced. 

The  hall  would  have  at  least  two  gables  one  of  which 
might  be  turned  to  the  road  forming  a  fa$ade  and  containing 
the  entrance.  Coinpare  Volundarkvida  8, 6  sligu  or  sg&lum  \  at 
salar  gafli  \  gengu  inn  paban  \  endlangan  sal.  cp.  Hamdismal  30. 
Grettirsaga  c.  64  (Anglia  III,  80).  If  then  the  gable  formed  an 
end  of  the  hall  turned  towards  the  advancing  spectator,  its 
height  and  width  would  strike  the  eye. 

Sele  hllfade 
heäh  ond  hornjeäp  (Beö.  81). 

These  two  ideas  of  height  and  width   are  combined  in  the 
description  of  the  ship, 

|?a  waes  on  sande  ssegeäp  naca  .... 

rasest  hllfade 

ofer  HroÖgäres  hordjestreonum  (1897). 

The  parallel  is  fully  worked  out    But  this  association  of  height 
and  width  occurs  repeatedly;  as  in  steäp  ond  geap. 

We  may  then  take  Hörn  as  implying  the  fa§ade  and  here 
by  the  door  Beowulf  placed  the  arm  of  Grendel.  It  was  of 
immense  size.  Four  men  could  scarce  carry  the  head  (1638). 
The  Shoulder  is  laid  down  by  the  door,  the  arm  crosses  the 
gablewall  perpendicularly  and  the  band  with  the  fingers  rises 
above  the  gable  point.  The  band  is  dead;  the  fingers  fall 
forward  and  show  the  nails  in  front  (985).  This  is  exactly 
the  counterpart  to  the  imitations  of  antlers  which  we  see  in 
a  similar  position  on  the  Borgund  church. 

A  slight  correction  of  the  text  is  necessary  here.  Sievers 
(Beiträge  X,  232)  considers  the  second  half  verse  as  metrically 
deficient.  Read  therefore  foran  ceghwylcne,  and  both  sense  and 
metre  are  improved.  jEghwylcne  is  in  apposition  to  fingras. 
'They  saw  the  fingers  each  to  the  front \ 

This  setting  up  of  arm  and  hand  as  trophy  is  one  of  the 
parallels  between  Beda  and  Beowulf. 

His  hond  mid  )>y  earme  )>e  of  bis  lichoman  aslegen  wses,  het  to 
ahoon    (Beda  III,  12). 


398  MILLER, 

We  further  read  (835): 

hond  alegde  .  .  . 

under  geäpne  lirAf. 

The  roof  is  ealled  'steep'  and  'high'.  :Wide'  is  appropriate  to 
the  gable  (82)  we  should  probal)ly  read  Hörn.  Hrbf  rests  upon 
Thorkelin's  owu  transcript  (B),  which  gives  hr....    Thorkelin's 

füll  reading  is  under  gearne  hrcegl  (lsub  lanea  veste'.    // 

alone  remains  now:  the  hr —  may  possibly  be  the  displaced 
remains  of  harn;  or  a  preconceived  idea  as  to  the  sense  may 
have  influenced  the  carlier  readers  of  the  Ms.  See  Thorpe's 
note  p.  56. 

I  would  read  hörn.  Then  geäpne  hom  is  in  harmony  with 
horngedp:  lHe  set  the  arm  etc.  down  under  the  wide  gable':  thiß 
points  out  the  exact  position,  which  is  also  the  most  suitable 
for  a  public  exhibition  of  the  trophy,  namely  by  the  door  at 
the  top  of  the  flight  of  ste])S  leading  up  to  the  entrance. 

I  have  assumed  that  the  arm  is  placed  outside.    A  diffi- 

culty  arises  as  to  the  interpretation  of  927  sqq. 

he  to  healle  jeonj 
stöd  on  stapolo,  ^eseah  steäpne  hröf 
golde  fahne  on  orendles  hond. 

On  stapole  is  rendered  by  Heyne  (5th  ed.):  'stand  an  der 
hölzernen  mittelsäule  lleorots'.  As  Bugge  remarks  this  use  of 
on  =  lbeside',  'at'  is  unusual.  Thorpe  translates  in  the  fore- 
court'  and  in  bis  glossary  suggests  'tower'  i.  e.  stepel. 

I  quote  here  Skeat's  account  of  the  word  'staple'  (Etym. 

Dict.  s.  v.): 

"Staple A.  S.  stapul.     'Patronns'  stapul  \  Wright's 

Vocab.  I,  26,  col.  2.  (Here  palronus  =  a  defence;  the  gloss  occurs 
amongst  others  having  reference  to  parts  of  a  house).  Tlio  original 
sense  is  a  prop,  support,  something  that  furnishcs  a  finn  hold,  and  it 
is  derived  from  the  strong  verb  siapan,  to  Step,  to  tread  finnly". 

On  reference  to  Wright's  Vocab.  (see  Prof.  Wttlker's  ed.  126, 8),  it 
will  be  seen  from  the  position  of  the  word  that  it  probably 
means  'flight  of  steps'. 

Ducange  (s.y.patronus),  Grein,  Bosworth  (1838)  give  nothing 
different.  Bosworth  (1849)  however  has  among  other  meanings 
'step',  kan  elevated  place'.  Stratmann  (D.  of  0.  E.)  quote«:  *pe 
steire  of  fifiene  stoples.  Rel.  Ant.  I,  130"  (s.  v.  Stapel).  This  last 
quotation  coufirms  the  conclusion  drawn  from  the  collocation 
in  the  Vocabularies  (Patronus.  stapul.  Ascensorium  stieger). 


grendel's  arm  in  hborot.  399 

The  sense  then  seems  to  be  Hrotbgar  'stood  on  the  Steps'. 

In  illustration  of  this,  and  in  explanation  of  the  word  patronus, 

which  seems  an  cbrag  jLeyofisvov,  I  will  quote  once  more  from 

Schiller  und  Lübben  (M.  N.  D.  Wtb.  s.  v.  Stapel): 

"Ins  bes.  ist  Stapel  auch  der  staffelstein,  die  staffelstcine ,  von 

denen  das  urteil  des  richters  gesprochen  wird Im  M.  A.  waren 

vor  den  burgtoren  steinstaffeln  angebracht,  die  dazu  dienten  um  zu 
pferd  zu  steigen  oder  absteigen,  perron  genannt.  Auf  einem  solchen 
perron  pflegte  sich  aber  auch  der  gerichtsherr  oder  sein  beamter 
nieder  zu  lassen,  wenn  er  recht  sprach.  Einerlei  hiermit  scheint  mir 
nun  der  regis  staplus  (Lex.  rip.  33.  t  ad  regis  staplum,  vel  ad  eum 
locnm  ubi  mallus  est);  Judicium  in  castro  Landskrone  circa  gradus 
Gr.  R.  A.  604". 

To  make  this  still  clearer  I  refer  to  Littre  (Dict.  Fr.  s.v.  perron): 

"Perron.    1°  Espece  de  palier  ou  de  repos,  ou  l'on  monte  par 

plusieurs   marches,  devant  la  porte  d'une  6glise,  ou  d'autres  bäti- 

ments  ....    Au  moyen  age c'est  la  que  se  tiennent  les  suze- 

rains  pour  recevoir  leurs  vassaux Les  perrons  etaient  aecom- 

pagnes   des   montoirs Etym.  bas-lat.  petronus;   du  lat.  petra, 

pierre  ". 

If  then  stapul  =  Stapel  =  perron  it  follows  that  patronus,  is 

nothing  more  than  petronus,  and  perhaps  a  mispelling.1 

Hrotbgar  delivers  bis  speech  from  the  steps  leading  up  to 
the  hall,  or  the  landing  at  the  top  of  the  flight.  This  landing 
wonld  be  the  natural  point  for  an  orator  to  choose  in  addressing 
a  crowd.  Both  this  spefcch  and  that  of  Beowulf  (958)  are  de- 
livered  from  the  same  spot. 

There  still  remains  one  passage  which  has  caused  some 
difficulty,  with  regard  to  Grendel's  band. 

Hream  wearö"  in  Heorote.    Heö  under  heolfre  genam 
cüoe  folme  (1303). 

under  heolfre  =  'amid  its  göre',  'amid  clotted  göre'  (Thorpe); 
'manum  filii  sui  cruore  superfusam'  (Grein). 

This  is  harsh.  Bugge  wonld  read  hröfe,  Grundtvig  in  his 
note  proposes  heolstre:  but  in  the  text  has  heolfre.  Schalde- 
mose  (1851)  translates  *  under  Skuldren  tog  hun',  perhaps 
thinking  of  healf=iQ\de\  If  we  must  retain  heolfre,  I  prefer 
Thorkelin's  version:  'lila  perfusa  tabo  sustulit  familiärem  ma- 
num \  But  I  think  we  should  read  heöfe  lamid  the  wailing'. 
Cp.  Bückling  Homilies   p.  115:  Nu  is  ceghtvonon  hream  7  wop, 

1  Prof.  Nettleship  (Oxford)  teils  me  that  such  a  misspelling  is  quite 
possible. 


400  MILLER,   GRENDEL'S  ARM  IN  HEOROT. 

nu  is  heaf  ccghwonon.  Exod.  35:  hordtvearda  hryre  heäf  w<e$ 
geniwad  (cf.  Beo.  1323).  lThere  was  an  ontcry  in  Heorot;  amid 
the  wailing  she  caught  away  the  wellknown  hand'.    One  more 

quotation   from  Bede  III,  12:  Da  cwom  cefter  geres  fcece 

Osweo  his  mceg  7  (his  hond  mid  ]>y  earme)  pcer  genom  completes 
the  parallel  already  noticed. 

The  evidence  then  seems  to  prove  that  Grendel's  arm  was 
placed  not  mithin  but  outside  Heorot. 

Göttingen.  Thomas  Miller. 


DIE  COTSWOLD-SPIELE 

UND 

IHRE  DICHTERISCHE  VERHERRLICHUNG.1 

I. 

Im  nördlichsten  teile  der  grafschaft  Gloucestershire2  liegt 
ein  landstrich,  welcher,  unberührt  vom  einfluss  des  gesteigerten 
Verkehrs  und  der  nivellierenden  kultur  unserer  zeit,  trotz  der 
ruhelosigkeit  der  ungestüm  vorwärts  drängenden  geschlechter 
und  bei  der  auch  in  der  natur  immer  seltener  werdenden 
romantik  eine  gewisse  Isolierung  in  spräche,  sitten  und  ge- 
brauchen bis  auf  die  gegenwart  sich  bewahrt  hat.  Es  sind 
die  höhen  von  Cotswold3,  welche  in  nordwestlicher  richtung 
von  dem  einen  flusse  Avon  bis  zu  dem  andern  gleichen  namens 
durch  jene  provinz  sich  erstrecken  und  ihren  gipfel  und  ihre 
breiteste  ausdehnung  gerade  da  erreichen,  wo  sie  kurz  darauf 
in   der  grossen   zentralen   ebene  verschwinden.    Das  plateau, 

1  Die  Cotswoldspiele  der  Vergessenheit  entrückt  bat  Alexander  B. 
Grosart  durch  herausgäbe  seiner  1877  gedruckten  üccasional  Issues  of 
Vnique  and  Very  Rare  Books,  welche  in  England  sehr  wenig,  in  Deutsch- 
land gar  nicht  bekannt  wurden.  Darüber  gehandelt  hat  Edmund  W.  Gosse 
in  Sevenleenlh-Centurv  Sludies,  London  1883,  welche  meinem  aufsatze  zu 
gründe  gelegt  sind.  Unbekannt  sind  mir  geblieben  die  Schriften:  Dover* s 
Anniversary  Meeting,  1814,  a  grand  match  at  Backsword,  Wrestling,  etc. 
London  1814  und  J.  D.  Crokers  Cotswold,  and  its  populär  Customs. 

-  Gloucester,  grafschaft  (herzogtura)  im  südwestlichen  England, 
3251  qkm.  mit  572,480  einw.,  Viehzucht  (Gl.  käse),  tuchfabrikation.  Die 
hauptstadt  Gl.,  am  Severn,  36,552  einw.  Bischofssitz.  Gotische  kathedrale. 
Bedeutender  handel  (235  eigene  schiffe). 

3  Weald,  Wold  (German  Wald),  *a  wood';  Waltham,  Waiden,  the 
Cotswolds;  Schwarzwald  ('Black  Forest*).  —  Gotsale  or  Cotsall,  a 
corruption  of  Cotswold:  Wiv.  1,  1,92.  H4  B  III,  2,23.  Cotswold, 
open  downs  in  Gloucestershire,  favorable  for  coursing:  R  2  II,  3,  9.  Vgl. 
Alex.  Schmidt,  Shakespeare-Lexicon,  Berlin  1874. —  Cotsale  für  Cots- 
wold M.  W.  1,  1.  Cotswold,  eine  hügelgegend  in  Gloucestershire,  durch 
ihre  Jagden  berühmt  R.  II.  2,  3.  2  H.  IV.  3,  2.  Vgl.  Nie.  Delius,  Shak- 
spere-Lexicon ,  Bonn  1852.  —  Cotsale:  A  corruption  of  Cotswold, 
open  downs  in  Gloucestershire,  very  favorable  for  coursing.  R.  Nares, 
A  Glossary,  &c.  edit.  Halliwell-Wright,  London  1882. 

Anglift,  XII.  baud.  26 


402  LENTZNER, 

welches  von  diesem  gebirgszuge  gebildet  wird,  ist  begrenzt 
auf  der  einen  seite  vom  Stour  und  dem  tale  von  Evesham1, 
auf  der  andern  von  den  die  woltönenden  namen  Evenlode  und 
WindrusU  führenden  Aussen,  welche,  an  Woodstock  und  Witney 
vorbei  eilend,  ihr  krystallklares  wasser  dem  Themsestrom  zu- 
tragen. 

Die  bewohner  dieser  gegend  sprechen  bis  auf  den  heutigen 
tag  einen  dialekt  so  reich  an  rein  sächsischen  formen,  dass, 
wie  R.  W.  Huntley  versichert,  eiue  bekanntschaft  mit  ihrer  täg- 
lichen Umgangssprache  das  Studium  des  alten  Robert  of  Glou- 
cester  wesentlich  erleichtert,  in  dessen  (inhaltlich  recht  lang- 
weiligen) chronik2  viele  stellen  als  echtes  Cotswolder  Englisch 
unschwer  zu  erkennen  sind.3 

Noch  durchkreuzt  keine  eisenbahn  den  Cotswolder  bezirk, 
der,  obwol  ganz  in  der  nähe  volkreicher  landschaften,  einer 
der  isoliertesten  teile  Englands  geblieben  ist. 

Seit  uralter  zeit  galten  die  htigel  und  die  ebene  dieser 
grasigen  einöde  für  besonders  geeignet  zu  athletischen  spielen.4 
Auf  einer  so  ungeheueren  fläche  hochlandes  konnte  bequem 
die  zusammenkuuft  kolossaler  menschenmengen  stattfinden, 
ohne  Unordnung  und  Störung  im  öffentlichen  verkehr  zu  ver- 

1  Evesham  hat  literarische  bedeutung  durch  das  buch  '  The  Revelation 
to  the  Monk  of  Evesham,  1106',  welches  Edward  Arber  in  einem  neu- 
druck  uns  zugänglich  gemacht  hat. 

2  'As  literature  it  is  as  worthless  as  twelve  thousand  lines  of  verse 
without  onc  spark  of  poetry  can  be.  Here  and  there  we  find  a  trace  ol 
the  quiet  humour  in  which  gentlc  dulness  delights,  but  of  this  the  in- 
stances  are  rare  and  widely  scattered.'  W.  Aldis  Wright,  The  Metrical 
Chronicle  of  Robert  of  Gloucester.  —  Ueber  den  mangel  einer  biogr&phie 
siehe  den  artikel  von  W.  II.  Cooke  in  The  Athenaeum  no.  3159  vom  12.  Mai 
1888  und  den  von  W.Aldis  Wright  in  derselben  Wochenschrift  no.  5160 
vom  19.  Mai  1888. 

a  Vgl.  die  einleitung  zu  Richard  Webster  Huntley,  A  Glossary 
of  the  Cotswold  /G/oucestershire/  Dialect,  illustrated  Inj  cxamv'es  from 
ancient  authors.  London  1  Mi8.  Vgl.  ferner  .1.  O.  II  a  1 1  i  w  e  1 1 ,  A  Dictionaru 
of  Archaic  and  Provinciaf  H'ords.  London  196s,  p.  X  und  p.  XVIlf; 
J.  Bosworth,  Dictionaru  of  Obsolete  and  Provinciaf  English.  London 
1857,  p.  V  f.;  Kichard  Morris,  On  the  survival  of  earty  English  Words 
in  our  present  dialects.  London  1876.  —  Mitteilungen  über  dio  Cots- 
wolder mundart  gedenke  ich  in  einem  der  nächsten  hefte  der  AnglU  tn 
bringen. 

4  'Povers-Giimes:  Annual  sports  held  on  the  Cotswold  hüls  from  time 
immemorial.  They  had  fallen  in  vigour  about  itioo,  but  were  revived 
shortly  aftcr  that  pciiod  bv  Captain  I>over.  The  lull  were  the  garaes  are 
celebrated  is  still  callod  Hover's  Hill;  S.  Halliwell  s.  Hl 3.  Vgl.  auch  Nares 
s.  253  f.  (Ueber  die  spiele  zu  Cotswold  vor  Dover's  zeit  vgl.  ferner  noch 
Kudder's  llistorv  of  (Jlouccstershire  [ausführlich  angeführt  in  N.  Drake's 
Shakespeare  and  liis  Times,  ed.  Baudry  s.  123].    K.  F.) 


DIE  COTSWOLD-SPIBLE.  403 

Ursachen.  Mit  bestimmtheit  ist  nicht  anzugeben,  in  welcher 
zeit  die  Cotswold  Hills  ihrer  öffentlichen  sports  wegen  zuerst 
berühmt  wurden;  jedoch  schon  um  die  mitte  des  16.  Jahrhun- 
derts spricht  der  epigrammatiker  John  Heywood  von  einem,  der 
so  wild  gewesen  sei  as  a  Hon  of  Cotswold,  und  ohne  zweifei 
bezog  diese  anspielung  sich  auf  die  löwenmutige  englische 
jugend,  die  in  der  gesunden  luft  von  North  Gloucestershire  zu 
rennen  und  zu  toben  gewohnt  war.1  Wie  dem  auch  sei,  fest 
steht,  dass  diese  Wettspiele  zur  zeit,  als  William  Shakespeare 
das  mannesalter  erreichte,  öffentliche  anerkennung  gefunden 
hatten  und  in  recht  merkwürdiger  weise  von  statten  gingen. 
Dieses  fast  vergessene  kapitel  aus  dem  Volksleben  Altenglands 
liefert  einen  interessanten  beitrag  zur  geschichte  der  englischen 
dichtung  im  17.  Jahrhundert. 


Zur  zeit  der  tronbesteigung  Jakob's  I.  lebte  in  Warwick- 
shire  zu  Barton-on-the-Heath  der  captain  Robert  Dover,  ge- 
boren in  Norfolk  gegen  ende  des  16.  Jahrhunderts.  Er  wohnte 
in  unmittelbarer  nähe  von  Stratford-on-Avon;  wir  besitzen 
jedoch  keinerlei  anhaltspunkte  dafür,  dass  William  Shake- 
speare seinem  nachbar  jemals  einen  besuch  abgestattet  habe.2 


1  'An  Epigram  of  John  Hey  wood  (Proverbs,  part  I,  c.  1)  so  early  as 
1540—56,  informs  us  that  then  at  least  the  Cotswold  Games  were  celebrated; 

'He  foineth  like  a  bore,  the  beast  should  seem  bolde, 
For  he  is  as  ficrce  as  a  lyon  of  Cotswolde\ 

The  'lyon  of  Cotswolde7  having  been  one  of  the  sportive  assumptions  by 
the  youths,  in  'games'  involving  mirth  'fast  and  furious\  [Hone  notices 
this  in  his  Introduction  to  Strutt's  Sports  and  Paslimes,  1830:  p.  XXXVII, 
1S55.]'  —  (Vgl.  N.  Drake,  Shakespeare  and  his  Times  s.  123.  E.  F.)  — 
Grundverschieden  ist  die  bedeutun^  von  Cotswold-lions  bei  Collier  II,  401, 
wo  schafe  darunter  verstanden  sind.  'Have  at  the  lyons  on  cotsolde\ 
Thersites.  Vgl.  J.  0.  Halliwell's  Diclionary  of  Archaic  and  Provincial 
Words.  —  A  sheep  was  jocularly  called  a  Cotsold  or  Cotswold  Hon,  from 
the  extensive  pastures  in  that  part.  It  is  among  Ray's  Proverbs,  under 
Gloucestershire,  p.  242.    So  Harrington: 

So  then  the  mystery  froin  whence  the  name 
Of  Cotsold  lyons  first  to  England  came. 

Epigr.,  B.  III,  Ep.  18. 

Robert  Nares'  Glossary,  ed.  Halliwell-Wright  s.  v.  —  Ueber'/oÄ»  Heywood 
als  Dramatiker'  hat  W.  Swoboda  gehandelt  in  den  'Wiener  Beiträgen 
zur  deutschen  und  englischen  Philologie1.    Wien,  Braumüller,  1887. 

2  lieber  die  beziehungen  Shakespeare's  zu  den  Cotswold-  und  Dover- 
spielen  vgl.  R.  W.  Huntley  a.  a.  o.,  sowie  A.  B.  Grosart's  einleitung  zu 
dem  von  ihm  veranstalteten  neudruck  der  Dover-annalen. 

26* 


404  LbntZner* 

Es  mag  das  zu  bedauern  bleiben,  denn  Dover  muss  eine  höchst 
liebenswürdige  Persönlichkeit  gewesen  sein,  die  alle  jene  eigen- 
schaften  besass,  welche  ihre  fesselnde  kraft  auf  grosse  geister 
nicht  verfehlen:  natürliches,  einfaches  wesen,  munterkeit,  frohe 
lebenslust,  emsige  tätigkeit  und  dabei  keine  spur  von  ehrsucht 
Die  bibliothek  des  British  Museum  bewahrt  ein  in  seiner  art 
einziges  bändchen  gedichte,  zu  Dover's  ehren  verfasst  und  ver- 
öffentlicht. Nachdem  der  herausgeber  die  männlichen  tugenden 
verherrlicht  hat  von 

Dover,  that  his  knowledge  not  employs 
To  increase  his  neighbours'  quarreis  but  their  Joys, 

fügt  er  hinzu:  he  was  bred  an  attorney,  who  never  triedbut  trvo 
cases,  always  made  up  the  difference.  Alle  zeitgenössischen 
nachrichten  über  ihn  stimmen  darin  Uberein,  dass  sie  seinem 
edlen,  freigebigen  gemeinsinn  und  seiner  grossen  lebensfreudig- 
keit und  nächstenliebe  volle  anerkennung  zu  teil  werden  lassen. 
Dover  erscheint  als  schöner  typus  eines  naturwüchsigen,  mann- 
haften englischen  bürgers  jener  zeit:  ein  freier  aber  treuge- 
sinnter Untertan,  stets  bereit  für  sich  selber  einzustehen,  aber 
auch  leicht  überzeugt  und  versöhnt:  ein  kerniger  landjunker, 
gerötet  von  der  frischen  luft  der  berge,  gewandt  in  allen  leibes- 
übungen  und  sicher  vor  allem  im  sattel.1  Dem  anschein  nach 
besass  er  vermögen  genug  sich  gestatten  zu  können,  seine 
erfahrungen  als  Jurist  einzig  und  allein  dem  wole  seiner  mit- 
bürger  zu  widmen,  und  jedenfalls  muss  er  viel  zeit  zur  Ver- 
fügung gehabt  haben  für  alle  seine  lieblingsbeschäftigungen 
im  freien.  Wir  wissen  nicht,  ob  das  ihm  zu  dankende  wider- 
aufleben der  Cotswoldspiele  seinem  Wohnungswechsel  voraus- 
ging oder  folgte;  es  ist  aber  ziemlich  gewiss,  dass  er  zu  anfang 
des  17.  Jahrhunderts  von  Barton  wegzog  und  zu  Wickham  sich 
niederliess,  womit  wahrscheinlich  das  heutige  Winchcombe  ge- 
meint ist.  Vermutlich  baute  er  ein  eigenes  haus  zu  Stanway, 
uuweit  der  letztgenannten  stadt,  im  herzen  des  Cotswold.  Hier 
lebte  er  und  hier  starb  er. 

1  Dover  hat  ähnlicbkeit  mit  dem  am  15.  Aug.  des  Jahres  1493  auf  dem 
rückwege  von  Palästina  in  Rhodus  verstorbenen  herzog  Christoph  von 
Baiern- München.  Vgl.  Karl  Bartsch,  Ritter  spiegelY,  1054  ff.  und  Julius 
Bintz,  Die  volksthümlichen  Leibesübungen  des  Mittelalters.  Hamburg 
1879.  —  Leber  Christoph  von  Baiern  siehe  den  aufsatz  von  Riexler  In 
der  Allgemeinen  deutschen  Biographie  IV,  232—235;  daselbst  ist  auch  die 
sonstige  literatur  über  ihn  angegeben. 


DIE  COTSWOLD-SPIELE.  405 

Allgemein  bekannt  ist  die  historische  tatsache,  dass,  bald 
nachdem  Jakob  den  erledigten  tron  bestiegen  hatte,  puritaner 
aller  Schattierungen  den  neuen  könig  umschwirrten  und,  auf 
dessen  presbyterianische  antecedentien  fussend,  alle  nur  denk- 
baren anspräche  erhoben.  Nicht  minder  notorisch  ist,  dass  die 
kluge  Schlange  gegen  jene  Zauberkünste  sich  taub  zu  stellen 
verstand.  Ein  paar  leere  Zugeständnisse  waren  das  ganze,  was 
die  gestrengen  herren  beim  unterhause  erreichten,  und  diese 
wurden  später  als  vorwand  dazu  benutzt,  weitere  konzessionen 
ihnen  nicht  zu  gewähren.  Dem  könig  wurde  klar,  dass  fürst- 
liche prärogative  und  seine  sonstigen  lieblingsdoktrinen  bei  der 
gutsituierten,  konservativen  gesellschaftsklasse  weit  weniger  zu 
befürchten  hatten  auf  Opposition  zu  stossen,  als  bei  den  fieber- 
haft erregten  Schwärmern  eines  religiösen  fanatismus.  Die 
wolhabenden  stände  hielten  zu  dem  monarchen,  der,  seines 
wunderlichen,  krankhaften  wesens  ungeachtet,  ein  leidenschaft- 
licher Jäger  war  und  jederzeit  sich  bereit  zeigte,  Volksfeste 
und  öffentliche  belustigungen  zu  unterstützen:  insofern  sie  der 
loyalität  für  die  königliche  regierung  und  der  anhänglichkeit 
für  die  episkopalkirche  förderlich  waren.  Höchst  wahrschein- 
lich kümmerte  captain  Dover  sich  um  die  ereignisse  der  tages- 
politik  nicht.  Er  war  nicht  der  mann,  die  keimende  freiheit 
Englands  unter  der  herben  schale  eines  engherzigen  puritaner- 
tums  zu  erblicken.  Nach  art  des  unabhängigen  4  English  gentle- 
man'  hatte  er  vielmehr  einen  tiefgewurzelten  Widerwillen  gegen 
den  mürrischen  argwöhn,  womit  die  intoleranten  überfrommen, 
athletische  sports  und  harmlose  Vergnügungen  ansahen,  und 
der  von  je  das  Symptom  einer  mit  andächtiger  miene  einher- 
wandelnden  theologischen  duckmäuserei  gewesen  ist.  Darum 
beschloss  er,  dergleichen  vom  Cotswold  fern  zu  halten.1 

Der  englische  archäologe  Anthony  a  Wood  (1632 — 1695), 
der  viele  jähre  später  die  ermüdende  biographie  eines  gewissen 
Clement  Barksdale  schrieb,  berichtet  beiläufig  über  eine  weit 
interessantere  Cotswolder  persönlichkeit;  diesem  glücklichen 
zufalle  verdanken  wir  die  folgende  künde.  Dover  beschloss, 
den  spielfesten,  die  er  zu  feiern  plante,  einen  öffentlichen 
Charakter  zu   verleihen  und  erhielt  etwa  ums  jähr  1604  vom 


1  Vgl.  K.  Böddeker,  Die  öffentliche  Meinung  in  England  und  ihr 
Ausdruck  im  16—17.  Jahrhundert  (1886). 


406  LENTZNER, 

könig  die  erlaubniss,  einen  ihm  passend  erscheinenden  platz 
auf  den  Cotswolder  höhen  zur  abhaltung  dieser  Wettspiele  aas- 
wählen zu  dürfen.  Die  stelle,  die  er  nach  reiflicher  erwägung 
zum  spielfelde  bestimmte,  war  in  einiger  entfernung  östlich  von 
seinem  hause  zu  Stanway  gelegen,  nahe  bei  Chipping  Camp- 
den:  einem  kleinen,  altertümlichen,  jetzt  gänzlich  verfallenen 
marktflecken,  der  auf  der  offenen  landseite  ungefähr  halbwegs 
zwischen  Evesham  und  Stow-in-the-Wold  liegt.  Ein  bach  fliesst 
vom  spielplatze  durch  Campden  in  den  Stour,  der  eine  meile 
unterhalb  Stratford  in  den  Avon  mündet.  Hier  auf  den  weiten 
ebenen,  um  einen  kleinen  hügel  herum,  der  bis  auf  den  heu- 
tigen tag  den  namen  Dover9 s  Hill  führt,  beging  der  liebenswür- 
dige Hauptmann  im  festlichen  pomp  die  feierliche  einweibung 
seiner  weithin  berühmt  gewordenen  volksspiele. 

Auch  schon  im  Zeitalter  der  Elisabeth  gab  es  in  England 
verschiedene  orte,  die  ihrer  öffentlichen  rennen  und  spiele 
wegen  berühmtheit  erlangt  hatten.1  Unter  den  jungen  Camb- 
ridger Sparks  beschützten  die  pferdeliebhaber  die  Wettrennen 
von  Royston  und  Newmarket;  zu  Brackley  in  Northampton- 
shire  und  zu  Banstead  in  Surrey  pflegten  öffentliche  turnspiele 
abgehalten  zu  werden,  die,  in  ihrer  art  einzig,  von  hohem  rühm 
begleitet  waren ;  ebenso  erfreuten  sich  die  Sports  von  Salesbury 
Piain  seit  alter  zeit  eines  grossen  rufes.-  Dover  jedoch  hatte 
sich  die  aufgäbe  gestellt:  der  rühm  aller  dieser  Wettspiele  solle 
neben  dem  glänz  und  der  pracht  seiner  Cotswolder  feste  zu 
nichts  verschwinden.  Hierbei  stand  ihm  praktisch  helfend  ein 
gleichgesinnter  freund  bei  hofe  zur  seite.  Endymion  Porter, 
seiner  majestät  Groom  of  the  Bed-Chamber,  war  einer  jener  vom 
glück  begünstigten  Weltmänner,  die,  mit  sinn  für  kunst  und 


1  Vgl.  Th.  Vatke,  Kulturbilder  aus  AU- Engl  and.  Berlin  1887.  [Das 
Alt-England  dieses  buches  ist  das  England  Shakespeares.  Keinh.  PaulFs 
treffliche  'Bilder  aus  AU- England'  haben  im  wesentlichen  das  England 
Chaucer's  zum  gegenständ.] 

*  Vgl.  J.  P.  Höre,  History  of  Newmarket  and  Annais  of  the  Turf 
to  the  end  of  the  17 th  Century.  London  1886.  3  vols,  und  siehe  The  Athe- 
nceum  no.  3048,424;  3053,768.  -  W.  C.  Plenderlcath,  The  white  Horses 
of  the  West  of  England,  witli  Polices  of  some  other  ancient  Turf  Monu- 
ments. London  und  Calne,  und  siehe  The  Antiquary  XIII,  176.  —  Siehe 
auch  E.  M.  Plunket,  Merrie  Games  and  Rhymes  from  ye  olden  Tinte. 
London  1SS6,  und  vgl.  The  Athenaeum  no.  3027,  570.  -  Vgl.  ferner  John 
Ashton,  A  Century  of  Bailad st  illustrative  of  the  Life,  Manners  and 
Habits  of  the  English  Nation  during  the  Seventeenth  Century.  London. 
Elliot  Stock. 


DIE  COTSWOLD-SPIELE.  407 

Wissenschaft  ausgestattet,  sich  klar  bewusst  sind,  selber  keiner 
besondern  auszeichnung  fähig  zu  sein,  welche  es  sich  aber  zum 
vergnügen  gereichen  lassen,  die  rose,  die  sie  selbst  nicht  ihr 
eigen  nennen,  da  wo  sie  dieselbe  finden,  zu  pflegen  und  zu 
schützen.  Endymion  Porter  erfreute  sich  des  ehrentitels  eines 
Patron  of  Poets  und  verdiente  dieses  epitheton  in  anbetracht 
seines  vorzüglichen  Charakters  in  vollem  masse.  Er  verhalf  vielen 
zu  Stellungen,  ehren  und  geschenken,  wofür  man  ihn  durch 
encomiums  und  pareneticons  verewigte,  in  denen  stets  der  be- 
kannten passion  des  mondes  für  menschensöhne  seines  namens 
ebenso  geistreich  wie  monoton  gedacht  wird.  Porter  war  die 
geeignetste  persönlichkeit  und  wie  dazu  geschaffen,  dem  volks- 
freundlichen Dover  bei  seinen  festunternehmungen  zu  helfen,  und 
wir  finden,  dass  er  mit  freuden  auf  dessen  plane  einging. 

Ohne  zwar  sichere  bürgschaft  dafür  zu  haben,  können  wir 
uns  leicht  vorstellen,  dass  die  kühne  benennung  jener  athle- 
tischen spiele  als  Olympick  aus  Endymion's  poetischer  ader  ge- 
flossen sei,  denn  dem  schlichten  Dover  wäre  wol  schwerlich 
dergleichen  jemals  in  den  sinn  gekommen;  derselben  quelle 
entstammt  eine  gewisse  antike  würde,  womit  man  die  gym- 
nastischen Übungen,  wettläufe,  kraftproduktionen  und  kunst- 
stttcke  auf  dem  Cotswold  zu  bekleiden  liebte. 

Wer  auch  immer  die  erste  anregung  hierzu  gegeben  haben 
mag,  tatsache  bleibt,  dass  sein  Vorschlag  mit  grossartigem  erfolg 
gekrönt  ward.  Der  welke  humanismus  in  der  damaligen  ge- 
schmacksrichtung  wurde  entzündet  an  der  idee,  dass  England 
seinen  klassischen  Spielplatz  für  seine  beiden  haben  sollte:  mit 
dem  flüsschen  Stour  als  seinem  Alpheus  und  dem  Städtchen 
Chipping  Campden  als  seinem  Pisa.  Das  ganze  populäre  unter- 
nehmen bekam  dadurch  eine  art  literarischer  bedeutung.  Und 
als  im  laufe  der  zeit  die  reimschmiede  einander  schier  zu  über- 
bieten strebten,  erhielt  schliesslich  der  biedere  captain  Dover 
von  dem  überschwänglichsten  von  allen  den  titel:  the  great  In- 
ventur and  Champion  of  the  English  Olympicks,  Pythicks,  Nemicks, 
and  lsthmicks.  Das  waren  fürwahr  kühne  worte.  Die  dichter- 
linge  wollten  aber  —  wie  noch  heutzutage  —  ihr  körnlein  salz 
auch  dazu  geben.  Es  ist  indessen  erstaunlich,  dass  von  allen 
den  pedantischen  reimern,  die  Dover  und  seine  spielfeste  be- 
sungen haben,  kein  einziger  an  des  Phoebus  Apollo  besonderen 
gönnerschutz  der  pythischen  spiele  gedacht  hat. 


Prima  Jovi  magno  celubrantur  Olympia  Fisac, 

Parnassus  Clario  sacravit  Pythia  Phoebo, 

sind  hexameter,  zu  deren  reinheit  die  spräche  des  Ausonius 
im  würdigen  einklange  steht. 

Kndymiou  Porter  war  seibat  in  der  grafschaft  Gloucester- 
shire  geboren  und  betätigt«  fnr  Dover's  Unternehmung  ein  so 
lebhaftes  iuteresse,  das«  er  sogar  aus  der  garderobe  des  konigs 
abgelegte  robeu,  einen  fürstlichen  hut,  feder  und  krause  zu- 
sammenbrachte: um  die  eröffnungsfeierlichkeiten  mit  möglichst 
grosser  anmnt  und  wurde  vor  sich  gehen  zu  lassen.  Anf  einem 
ziemlich  groben  holzschnitte  aus  jener  zeit  besitzen  wir  ein 
bildniss  des  wackern  hanptmanns,  der  königlich  geschmückt 
seine  plumpe  tigur  in  eine  art  von  geschlitztem  atlasswamms 
gehüllt,  mit  von  seiner  majestät  erborgter  feder  am  breit- 
krempigen ritterliute  dargestellt  ist1 

Auf  der  schon  erwähnten,  nach  ihm  genannten  anhöhe 
stand  ein  gar  wunderliches  gebäude,  das  als  Dover  Castle  weit- 
hin bekannt  war:  eine  bewegliche  festung,  mit  geschUtz  und 
bemannung  ausgerüstet,  und,  nach  dem  bilde  zn  urteilen,  offen- 
bar anf  einem  ungeheuren  zapfen  oder  stift  ruhend,  zum  um- 
drehen eingerichtet,  wie  eine  Windmühle.  Diese  bnrg  hatte  eio 
kleines  fallgatter  nncl  zwei  seitenbollwerkc,  von  denen  jedes 
mit  zwei  mörderischen  kanonen  versehen  war,  welche  in  geeig- 
neten Zwischenräumen  abgefeuert  wurden,  um  die  ermattenden 
athletcD  aufzumuntern  nnd  frisch  zn  erhalten.  Diese  cannotu 
roaring  on  tke  wold,  tehick  from  Ihy  Castle  raltte  to  the  skies 
übten  auf  die  zeitgenössischen  gemltter  einen  nachhaltigen  ein- 
dmck  aus  und  nicht  selten  wurde  Dover  im  scherz  ermahnt, 
den  Cotswold  gegen  die  feinde  der  kröne  zu  beschirmen. 

Airjährlich  zn  pfingsten  versammelte  sich  die  ytntry  in 
Campden,  um  hei  den  Cotswolder  festlich keiten  anwesend  zn 
sein.  Eine  gelbe  fahne  flatterte  dann  auf  der  zinne  des  kastells, 
und  hornsigoale  verkündeten  den  anfang  der  spiele.  Captain 
Dover,  hoch  zu  ross,  fahrte  persönlich  die  Oberaufsicht,  wobei 
er  eine  gelbe  kokarde  an  seiner  jagdmntze  zu  tragen  pflegte.  In 
seiner  Vorliebe  für  die  gelbe  färbe  Bchcint  er  mit  den  Chinesen 

1  leb  habe  dieses  merkwürdige  blld  kopiert  und  ausserdem  ehe 
Photographie  davon  abnehmen  lassen.  IJas  original  befindet  sich  als 
Vignette  in  dem  nicht  minder  merkwürdigen  buche  Annalxa  Dubrtntim  In 
British  Museum. 


DIE  COTSWOLD-SP1ELE.  409 

gewetteifert  zu  haben.  Am  fusse  des  htigels  sowie  die  renn- 
bahnen  entlang  wurden  zelte  aufgesehlagen,  in  denen  lebens- 
mittel  aller  art  zu  haben- waren  und  wo  auch  schachpartieen 
öffentlich  ausgefochten  wurden.  In  betreff  der  festordnung  sind 
die  berichte  nicht  übereinstimmend;  es  mag  sein,  dass  das  Pro- 
gramm jedes  jähr  verändert  wurde.  Aus  den  nachrichten  eines 
gewissen  Robert  Griffin  geht  jedoch  hervor,  dass,  nachdem  das 
zeichen  mit  dem  hörn  gegeben  war,  die  festlichkeiten  in  der 
regel  mit  pferderennen  ihren  anfang  nahmen.  Die  landbewohner 
leisteten  dabei  das  unglaubliche  in  bändern  und  blumen,  womit 
sie  ihre  rennpferde  zu  schmücken  pflegten.  Von  einem  dichter 
wird  erzählt,  er  habe  beim  anblick  eines  solchen  prachtrosses 
geäussert,  that  if  Europe  had  seen  him  (den  zeiter)  so  garlanded 
and  prankedy  she  would  neuer  have  cast  eyes  upon  (he  Bull.  Der 
rennplatz  und  das  Spielfeld  waren  mehrere  englische  meilen 
lang  und  existierten  noch  bis  in  unsere  zeit  hinein1;  erst  vor 
einigen  jähren  Hess  lord  Harro wby  dieselben  zu  ackerland 
umpflügen. 

Die  Wettrennen  mit  pferden  waren  an  sich  nicht  so  originell 
als  der  gewöhnlich  darauffolgende  sport:  jagen  mit  Windhunden, 
und  zwar  mit  silver-footed  greyhounds.  Für  diese  war  Cotswold 
besonders  berühmt.  Wir  haben  bei  Shakespeare  eine  darauf 
bezügliche  stelle.  Gleich  in  der  ersten  scene  von  den  Mernj 
It'ives  of  Windsor  sagt  Slander  zu  Page:  How  does  your  fallow 
greyhound,  sir?     I  heard  say  he  was  outrun  on  Cotsall.2    Oflfen- 

1  Der  starke  hang  der  Engländer  nach  anstrengenden,  aufregenden 
Vergnügungen  ist  ein  charakterzug,  dem  wir  schon  bei  ihren  angelsäch- 
sischen vorfahren  begegnen  und  der  sich  bis  auf  den  heutigen  tag  geltend 
macht.  Schon  zu  angelsächsischen  Zeiten  scheint  jeder  ort  einen  öffent- 
lichen Spielplatz  gehabt  zu  haben,  in  derselben  weise,  wie  noch  heutigen 
tages  fast  jedes  dorf  in  England  seinen  cricket-ground  besitzt.  Die  jungen 
leute  übten  sich  dort  im  springen,  laufen,  ringen  und  ähnlichen  körper- 
lichen fertigkeiten.  Manche  orte,  die  allmälich  in  den  ruf  besonders  be- 
liebter versammlungsplätze  für  gewisse  tage  gelangten,  wurden  auf  diese 
weise  durch  das  leicht  erklärliche,  gleichzeitige  zusammenströmen  von 
Verkäufern  allerlei  art  zu  marktplätzen.  Wie  beliebt  überhaupt  spiele 
verschiedener  art  bei  den  Angelsachsen  waren,  beweist  schon  die  häufige 
anwendung  des  wortes  vlega  (play,  spiel)  in  metaphorischer  bedeutung. 
So  nannten  sie  selbst  den  kämpf  ein  spiel  der  schilde  (aescplega)  oder 
ein  spiel  der  hände  (handplega).  Das  römische  wort  gladiator  wird  durch 
plegere  (play er,  spieler)  übersetzt.  Vgl.  J.  Schipper,  Kulturzustände  der 
Angelsachsen^ 

2  How  does  your  fallow  greyhound,  sir?    I  heard  say  he  was  outrun 

on  Cotsall.    Merry  W.  W.,  I,  1. 
4This  might  refer  to  common  coursing,  and  therefore  does  not  at  all  affect 
the  date  of  the  play,  which  Warton  endeavoured  to  fix  from  the  establish- 


410  LRNTZNER, 

bar  bezieht  sieh  der  satz  /  heard  say  he  was  oulrun  auf  ein 
wettjagcD,  bei  welchem  der  windhund  des  Page  den  ersten 
preis  nicht  bekommen  hatte.  Auffallender  weise  fehlt  diese 
stelle  in  den  quartos  und  findet  sich  nur  in  der  ersten  folio- 
ausgabe;  es  ist  aber  irrig,  hieraus  vorschnell  schliessen  zu 
wollen,  wie  Warton*  getan  hat,  der  anfang  der  Cotswoldspiele 
sei  zwischen  161(J  und  1623  zu  setzen. 

Ohne  zweifei  hatten  ums  jähr  1623  die  Cotswolder  pfingst- 
festlichkeiten  eine  notorische  berllhmtheit  in  England  erlangt, 
wie  ein  zwanzigjähriger  erfolg  sie  zu  sichern  pflegt.  Der 
humane  Dover  bestand  darauf,  dass  nicht  den  hasen  zu  er- 
legen, sondern  die  ehre,  den  preis  zu  erringen,  das  endziel  der 
konkurrierenden  parteien  sein  müsse.  Er  war  emsig  bemüht, 
an  stelle  der  renn-  und  hetzjagden  so  viel  als  möglich  ritter- 
liche spiele  treten  zu  lassen.1 

Die  nun  folgenden  höchst  amüsanten   und   für  jene  zeit 

charakteristischen  leibesübungen  beschreibt  der  schon  genannte 

Robert  Gritfin  mit  diesen  Worten: 

Thi»  dune,  a  virgin  crew  of  matchle.ss  choiee 
Niuibly  set  forth,  attemlcd  with  a  noisc 

uicnt  of  Dover's  Games  on  Cotswold.  They  werc  not  foundcd  tili  tho 
reign  otMamcs  1.'    Nares  a.  a.  o. 

1  4The  Kaster  and  Whitsuntide  holidays  were  tlic  prineipal  tiraes 
when  the  nobility  indulgcd  themselves  in  running  their  horses,  and  there 
is  plenty  of  eviScnee  to  show  that  the  so-called  running  horses  of  Ed- 
ward the  Third  and  other  of  our  sovereigus  were  extremely  valuable; 
hut  there  is  no  ground  for  supposing  that  anything  like  betting  on  the 
turf  was  practised  until  what  may  bc  caüed  comparatively  modern  times. 
Horse-racing  was  advantageously  contrasted  with  card-playing,  dicing,  and 
stage-plays  by  an  old  puritanical  writer  of  Elizabeths  time.  But  towards 
the  end  of  the  seventeenth  Century  there  are  indications  of  the  evil  prac- 
tiee  of  betting.  —  Burton  says:  '  llorse-races  are  desports  of  great  men, 
and  good  in  themselves,  thou^h  many  gentlemen  by  such  means  gallop 
quite  out  of  their  fortunes'.  We  may  consider,  therefore,  the  vicious  paxt 
of  horse-racing  to  be  about  two  Centimes  old,  while  the  healthful  emu- 
lation  between  aecomplished  riders  is  ancient.  —  In  the  reign  of  James  I 
public  raecs  were  establishcd  in  many  parts  of  the  kingdoin,  and  the  prizo 
was  a  silver  bell/  Hodgetts1  Lecture  on  Sports  and  Pastimes.  1885.  — 
Ueber  keltische  spiele,  besonders  musikalische  Wettspiele,  hat  Hugo 
Schuchardt  iu  seinem  herrlichen  buche:  Romanisch  und  Ccltisch  ge- 
handelt. 

*  Warton  schliesstt  soweit  ich  sehe,  nicht,  der  anfang  der  Cotswold- 
spiele sei  zwischen  liilti  und  1623  zu  setzen;  er  sagt:  Maines  I.  caine  to 
the  crown  in  the  ycar  HiOit.  And  we  will  suppose  that  two  or  throe  more 
years  at  least  must  have  passed  beforc  these  games  could  have  been 
effectually  established.  I  would  therefore,  at  the  earliest,  dato  this  play 
[nämlich  die  Merry  Wives]  about  the  year  1007 \  In  Steevens*  Shake- 
speare-ausgabe  17s:>,  I,  24s,  woselbst  er  überhaupt  eine  sehr  hübsche  and 
kurze  notiz  über  die  Cotswoldspiele  gibt.  E.  F. 


DIE  COTSWOLD-SPIELE.  411 

Of  music  sweet,  excelling  that  of  spheres, 
Whose  well-kept  diapason  ravished  their's 

und  meint  damit  die  Sphären 

Of  all  that's  sensitive.    These  nymphs  advance 
Themselves  with  such  a  comely  grace  to  dance, 
Each  with  her  gallant  paired,  that  all  who  see 
Their  cunning  motion  and  agility 
Are  Struck  with  admiration. 

Diese  verse  erwecken  in  uns  die  Vorstellung  von  jenen  an- 
mutigen reigen,  welche  Herrick's1  fantasie  mit  Vorliebe  dichtete: 
klassische  tanze,  graziös  ausgeführt  von  luftig  gekleideten,  mit 
duftenden  bluten  bekränzten  Jungfrauen.  Die  Zeichnung  jedoch, 
die  ich  erwähnte,  zerstört  unsere  schönen  illusionen.  Das 
barocke  bild  zeigt  keinerlei  zarte  kontouren  von  blumenguir- 
landen  und  schleifen,  wie  Rafael's  schüler  sie  liebten;  nichts 
antikes  oder  auch  nur  pseudo-antikes;  alles  sehr  alltäglich. 
Drei  plumpe  dirnen  sind  abkonterfeit,  wie  sie  hölzern  einen 
bauerntanz  gewissenhaft  ausführen:  in  steifgestärkten  kattun- 
röcken  mit  mächtig  hoher  taille  und  mit  nichts  weiter  ge- 
schmückt als  einer  nüchternen  weissen  schürze  und  einer  ditto 
haiskrause.  Wie  üppig  ihre  weichen  locken  auch  gewesen  sein 
mögen,  dieselben  sind  züchtig  verborgen  unter  den  ehrbaren, 
hausbackenen  musselinhauben.  Die  liebliche  musik,  'excelling 
ihe  diapason  of  the  spheres',  rührt  von  einem  bausbäckigen 
burschen  her,  der  auf  dem  erdboden  hockend  mit  kräftigem 
atem  unverdrossen  den  dudelsack  bläst.  Die  gallant s  sind  nicht 
sichtbar.  Wie  es  scheint,  ist  der  hier  dargestellte  tanz  ein  pas 
seul,  worin  die  nymphen  nur  unter  einander  wetteifern. 

War  die  weibliche  Jugend  mit  dieser  artigen  kurzweil  zu 
ende,  dann  nahmen  die  sports  gewöhnlich  einen  allgemeineren 
Charakter  an.  Es  wurde  in  einem  teile  des  Spielfeldes  die 
unentbehrliche  quintane:  ein  renn-  oder  wurfpfahl  auf  irgend 
eine  weise  angebracht.  Quintain  war  zur  damaligen  zeit  das 
charakteristische  und  allgemeinste  der  englischen  volksspiele, 
starb  aber  in  den  tagen  des  Commonwealth  aus  und  ist  seit- 
dem nie  wider  in  aufnähme  gekommen.  'The  essence  of  the 
sport  was  to  run  a  tili  against  an  object  so  balanced  that  if  you 
failed  to  hit  it  al  the  exact  point,  some  punishment  or  other  feil 

1  Poems  by  Robert  Herrick  (1591—1674),  with  notes  by  Herbert  P. 
Hörne,  and  an  lntroduction  by  Ernest  Rhys.  London  1887.  —  Herrick1 's 
Hesperides,  Edition  Morley  (Universal  Library). 


412  LENTZNER, 

upon  you.  The  simple  childish  form  of  the  garnc  was  a  tub  of 
wa(er  poised  in  such  a  way  (ha(  if  (he  cowering  naked  schoolboy 
tvho  aUacked  i(  did  not  manage  to  strike  it  in  (he  cen(re,  it 
gave  htm  a  sudden  douche  of  the  mos(  depressing  kind.  The  most 
elaborate  form  was  an  armed  figure,  (urning  on  a  pivot,  against 
rvhich  a  man  rode  with  a  lance,  and  which,  in  case  he  failed 
(o  hit  a  certain  mark  on  (he  forehead  of  (he  figure,  srvung  round 
and  banged  him  behind  with  a  swinging  bag  of  sand.  Betrveen 
(hese  extremes,  (here  exis(ed  many  variedes  of  quin(ain,  ad  of 
(hem  ra(her  violent  specimens  of  good  old  English  horse-play' 

Ein  in  Cotswold  sehr  beliebtes  spiel  war  ferner  Balloon1: 
a  kind  of  hand-ball  played  with  a  large  leather  ball  like  the 
modern  foolball,  driven  (hrough  (he  air  from  person  (o  person, 
s(ruck  by  a  bracer  of  wood,  fas(ened  round  (he  hand  and  wrist 
for  protection:  eine  art  sehlag-  oder  stossball.  Noch  heutzu- 
tage kann  man  es  in  Frankreich,  z.  b.  in  den  öffentlichen 
gärten  von  Paris,  spielen  sehen. 

Wider  anderswo  wetteiferten  junge  leute  im  kntittelspiel 
(cudgel)  einander  zu  prügeln  und  sich  die  köpfe  zu  zerhauen. 
Dort  wurde  wett-  und  dauerlauf  in  der  verschiedensten  weise 
unternommen;  hier  ringen,  springen,  gerschleudern  und  bammer- 
werfen  geübt.  Jede  nur  denkbare  athletische  kunst  fand  er- 
mutigung  und  ausbildung,  und  alles  geschah  unter  der  persön- 
lichen leitung  von  captain  Robert  Dover.2 

An  preisen  für  die  sieger  fehlte  es  dabei  nicht  Wol  an 
fünfhundert  scheinen  zur  Verteilung  gekommen  zu  sein;  es  wird 
wenigstens  berichtet,  dass  eine  gleiche  zahl  von  festteilnehmern 
während  eines  ganzen  Jahres  die  Dover'sche  lieblingsfarbe  trug. 

1  Ueber  das  balloon-spiel  vgl.  Robert  Nares  a.  a.  o.  s.  48  f.  und  James 
Orchard  Halliwell  a.  a.  o.  s  1 3ti  f. 

*  Vgl.  D.  Walker,  Games  and  Sports,  Containing  the  various  m- 
door  games  and  sports,  the  out-of-door  games  and  sports,  (hose  of  (he 
seasons  etc.  With  many  engravinas.  London  1840.  —  F.  Gale,  Modern 
English  Sports.  London  1S85.  —  Sports,  Pastimes ,  and  Games  in  the  lsle 
ofWight.  English  Dialect  Socicty's  Pub!.  Vol.  XII,  p.  63  f.  —  Jos.  Strutt. 
The  Sports  and  Pastimes  of  the  People  of  England:  including  the  Rural 
and  Domestic  Recreations,  etc.  With  Addttions  and  a  copious  Index,  By 
William  Hone.  London  1875  (Ed.  pr.  Isoi,  4°;  Reprint  1810,  A*\  Hone's 
ausgäbe  zuerst  1830).  —  J.  Frede rick  Hodgctt's.  The  English  in  the 
Middle  Ages.  Leeture  IV:  Sports  and  Pastimes.  London  1885.  —  Wright. 
Bistor y  of  the  Domestic  Manners  and  Sentiments  in  England,  etc.  —  Sari 
Elze,  Privatalterthümer.  Vcrnügungcn  und  Spiele  im  Freien,  \\i  dessen 
Grundriss  der  englischen  Philologie.  Halle  1887,  s.  192  ff.  —  ED.Boame, 
Boys1  Games  und  Girls'  Games.    London  1888. 


DIE  COTSWOLD-SPIELE.  413 

Während  beinahe  vierzig  jähren  wurden  diese  spiele  all- 
sommerlich in  der  pfingstwoche  an  demselben  orte  abgehalten, 
so  dass  sie  als  die  berühmtesten  ihrer  art  weit  über  den  gau 
hinaus  bekannt  waren.  Aus  einem  umkreise  von  sechzig  und 
mehr  englischen  meilen  pflegte  massenhaft  die  gentry  herbei- 
zuströmen. Dennoch  ist  die  erinnerung  an  diese  grossartigen 
Volksfeste  eine  so  blasse,  dass  wahrscheinlich  nichts  davon 
auf  uns  gekommen  wäre  als  vielleicht  ein  halb  verschollenes 
gerächt,  und  dass  wir  von  ihrem  verdienstvollen  Stifter  absolut 
keine  künde  besässen,  hätten  nicht  Dover's  liebenswürdige 
eigenschaften  und  seine  persönliche  freundsohaft  mit  zeitge- 
nössischen dichtem  ein  bleibendes  denkmal  geschaffen* 

Diese  gedenktafel  ist  der  schon  erwähnte  kleine  band 
poetischer  ergtisse,  veröffentlicht  im  jähre  1636  unter  dem  titel: 
Annalia  Dubrensia,  or  Celebration  of  Captäin  Robert  Dover' s  Cots- 
wold  Games:  eines  der  seltensten1  englischen  bücher  des  17.  Jahr- 
hunderts.2 

Der  grobe  holzschnitt,  von  dem  ich  schon  gesprochen  habe, 
steht  dem  titelblatte  des  buches  voran.  Oben  zeigt  derselbe 
Dover  Castle  mit  seinen  geschützen,  von  denen  zwei  (are  ratt- 
ling  to  ihe  skies'.  Links  davon  tanzen  Jungfrauen,  während 
rechts  kntittelspiele,  ringen  und  springen  vor  sich  gehen.  Da- 
runter erblicken  wir  die  festlichen  zelte  und  eine  viereckige 
plaque,  die  Gosse  für  ein  facsimile  von  Dover's  gelbem  lieb- 
lingsabzeicben  hält.  In  der  mitte  speisen  vornehme  herrschaften 
an  einer  langen  tafel.  Dann  folgen  abbildungen  von  pferde- 
und  hunderennen.    Den  Vordergrund  unten  nimmt  Dover  selbst 


1  Vgl.  W.  Davis'  Second  Journey  Round  ihe  Library  of  a  Biblio- 
maniac.    London  1825. 

2  Ehe  Grosart  52  exemplare  für  seine  Subskribenten  drucken  konnte, 
war  lange  zeit  das  werkehen  (von  Warton  schon  kurz  beschrieben,  Shake- 
speare ed.  Steevens  1785,  1,  248  —  E.  F.)  unerreichbar.  Dank  der  bereit- 
willigkeit  des  Mr.  E.  A.  Bond  vom  British  Museum  bin  ich  in  der  läge, 
den  freunden  englischer  altertümer  aus  dem  kulturgeschichtlich  ebenso 
interessanten  als  literarhistorisch  merkwürdigen  biichlein  die  nachfolgen- 
den proben  nach  meiner  doppelt  kollationierten  handschrift  vorlegen  zu 
können.  Ich  habe  die  ausgäbe  von  1877  eigenhändig  abgeschrieben  und 
dabei  den  originaldruck  von  1636  der  Grenville  Library,  sowie  den  von 
E.  R.  Vyvyan  zu  Cheltenham  im  jähre  1878  veranstalteten  neudruck  benutzt. 
Die  vergleichung  meines  manuskripts  mit  den  drei  druckexemplaren  des 
Britischen  Museums  hat  Sir  Theodore  Martin  von  sachkundiger  hand  für 
mich  besorgen  lassen.  Vielleicht  entschliesse  ich  mich  zu  einer  kommen- 
tierten ausgäbe  der  Annalia  Dubrensia. 

*  Vgl.  an m.  1  auf  s.  415. 


414  LENTZNER, 

ein:  hoch  zu  rosa,  prächtig  zu  schauen  in  seinem  erborgten 
königlichen  pomp.  Links  von  ihm  sehen  wir  männer  Stangen 
werfen;  rechts  unten  wird  das  hammerschleudern  dargestellt 
Eine  Vervielfältigung  dieser  barocken,  aber  interessanten  Zeich- 
nung muss  ich  mir  versagen.1 

Die  physiognomie  des  buches  lässt  unschwer  erkennen, 
dasses  verspätet  kam.  Der  knabe  Ichabod2  fällt  einem  dabei 
in  den  sinn.  Die  Verherrlichung  der  Cotswolder  spielfeste  durch 
die  zeitgenössischen  sänger  stand  nicht  mehr  im  einklang  mit 
der  politischen  läge  des  landes  Die  fröhlichen  tage  des  roya- 
lisinus  waren  vorüber,  und  im  benachbarten  Kuckinghamshire 
verweigerte  ein  trotziger  bürger  (Mr.  Hampden)  die  Zahlung 
der  schiffsgelder,  auf  welchen  in  der  Zukunft  ein  ungeheueres 
Steuersystem  errichtet  werden  sollte.  König  Karl  hatte  seine 
quintain  ausgespielt;  sorglos  war  er  drauf  los  gegangen  und 
hatte  verloren;  nun  drehte  sich  die  knarrende  Staatsmaschine 
herum,  ihn  schmählich  zu  züchtigen.  Die  zeit  der  feiertags- 
lustbarkeiten  und  erntetänze,  der  hoek-feasts  und  barley-breaks* 
war  vorüber,  als  —  offenbar  ein  posthumns  —  inmitten  wachsen- 
der unruhcn  und  unzufriedenheiteil  dies  heitere  btlcblein  mit 
seinen  lobpreisungen  erschien. 

Aber  auch  in  einem  anderen  sinne  kam  es  zu  spät.  Denn 
sofern  wir  von  den  uns  bekannten  Verfassern  schliessen  können, 
stammt  es  aus  einer  dichterschule,  deren  mitglieder  entweder 
schon  tot,  oder  doch  hochbetagt  waren. 

Den  inhalt  des  merkwürdigen  bandes  bezeichnet  man  richtig 

1  Albrocht  von  Hall  er,  auf  seiner  Sehweizerrcise  1718,  preist  die  reste 
der  Schweizer  volksspiele  in  seinen  *  Alpen    also: 

So  sammelt  sich  ein  dorf  im  schatten  breiter  eichen, 
Wo  kunst  und  anmut  sich  um  lieb1  und  lob  bemüht. 
Hier  ringt  ein  kühnes  paar,  vermählt  den  ernst  dem  spiele, 
Umwindet  leib  um  leib,  und  schlinget  hütV  um  hilft*, 
I>ort  fliegt  ein  schwerer  stein  nach  dem  gesteckten  ziele. 
Von  starker  band  beseelt,  durch  die  zertrennte  luft. 

*  Ichabod  ist  zusammengesetzt  aus  I  und  Chabod.  Dies  letztere  wort 
bedeutet  herrlichkeit,  glänz,  ehre.  /  ist  «'ibkiirzung  flir  das  gewöhnlichere 
Eh  =  nichts.  Also  das  ganze:  nichtsherrlichkeit  oder  nicht  herrlichkeit, 
bezw.  die  herrlichkeit  ist  hinweg.    Vgl.  1  Saiu.  4,  21.  22. 

3  ' liarley-  Break e%  or,  A  warning  for  Wantons.  W ritten  by  W.  N. 
Gent.,  printed  at  London  by  Simon  fttaftbrd,  dwelling  in  the  cloth-fayr», 
neere  the  red  Lvon.  1<»07.'  Von  diesem  interessanten,  anonymen  buche 
hat  (iroaart  efnen  neudruck  geliefert.  —  Ausführliche  beschreibungen 
des  ländlichen  [  haschspie  les]  Hart  ihr  eak  geben  Nares  a.  a.  o.  s.  55  ff.  und 
Hallt  well  a.a.O.  s.  143.  —  Ueber  hock-feasts  bezw.  hock-tide  handeln 
Nares  a.  a.  o.  a.  425  und  Hall i well  a.  a.  o.  s.  452. 


DIE  COTSWOLD-SPIELE.  415 

als  eine  anthologie  von  originalversen  zur  ehre  und  zum  rühm 
captain  Robert  Dover's  gedichtet  von  dreiunddreissig  verschie- 
denen autoren.1 

Auf  der  liste  der  Verfasser  stehen  hervorragende  dichter- 
namen:  Ben  Jonson,  Michael  Drayton,  Thomas  Ran- 
dolph  und  Thomas  Heywood;  ferner  die  namen  bedeuten- 
der schriftsteiler:  Owen  Feltham,  William  Basse,  Sir  John 
Mennis  und  Shackerley  Marmion.  Von  einem  der  gedichte 
ist  der  Verfasser  ein  anonymus,  ein  anderes  ist  nur  mit  initialen 
unterzeichnet;  alle  übrigen  tragen  die  namen  mir  unbekannter 
personen,  welche  offenbar  dilettanten  gewesen  sind.  Heraus- 
gegeben hat  das  ganze  ein  Mr.  Mat.  Walbancke.2 

'  Michael  Drayton3  macht  den  anfang  mit  einigen  dreissig 
zeilen  guter,  tadelloser  verse  *to  his  noble  friend  Mr.  Robert  Dover 
on  his  brave  annual  assemblies  lipon  Cotswold*.  Er  wünscht  Eng- 
land glück  zu  der  errungenschaft  griechischer  glorie,  vergleicht 
die  cotswolder  mit  den  olympischen  spielen,  und  prophezeit, 
dass  zukünftige  geschlechter  ihre  jähre  nach  den  festen  von 
Cotswold  zählen  werden,  wie  Griechenland: 

Nurse  of  all  arts  and  of  all  famous  men, 
seine  Zeitrechnung  nach  Olympiaden  bestimmte.  Offenbar  hatten 
diese  verse  lange  zeit  im  manuskript  zirkuliert,  denn  mehrere 
der  anderen  autoren  nahmen  darauf  bezug;  überdies  ruhte 
Drayton,  als  die  Annalia  Dubrensia  veröffentlicht  wurden, 
schon  beinahe  ftinf  jähre  im  Poets'  Corner  der  Westminsterabtei. 
Dass  Dover  über  einen  tribut  von  Drayton's  heroischer  muse 
besonders  erfreut  sein  musste,  ist  natürlich.  Zwar  war,  im 
weltlichen  sinne,  Drayton  weder  ein  populärer  noch  ein  erfolg- 
reicher dichter;  aber  die  seinen  Schriften  eigene  kraft  und 
würde,  sowie  die  exclusive  Stellung,  welche  er,  entfernt  von 
den  literarischen  fehden,  einnahm,  verliehen  ihm  einen  gewissen 
vorrang.     Dieselbe  art  königlicher  dichterwürde  hatte  den  an- 


1  N.  Drake  führt  (Shakespeare  and  his  Times,  ed.  Baudry  s.  123)  ausser 
den  annalen  noch  ein  gedieht  von  Davenant  an:  'In  celebration  of  the 
yearcly  preserver  of  the  games  at  Cotswold'  (welches  in  Chalmer's  aus- 
gäbe leider  fehlt).  E.  F. 

a  A.B.  Grosart  gibt  in  der  einleitung  zu  seinem  neudrucke  der  Dover- 
annalen  auskunft  über  fast  alle  personen,  deren  namen  in  dem  buche  vor- 
kommen; Robert  F.  Tomes  Esq.  of  Weston-on-Avon  hat  das  verdienst, 
ihm  viele  Mitteilungen  gemacht  zu  haben. 

3  Ueber  Michael  Drayton's  leben  und  werke  siehe  A.  H.  BuUen's  ab- 
handlung  im  Dictionary  of  National  Biography,  vol.  XVI. 


416  LKNTZNER, 

mutigen,  höfischen  Samuel  Daniel  (1562 [63] — 1619)  umgeben, 
welcher  aber  früh  gestorben  war  und  dessen  nachfolger,  ge- 
wissermassen  als  nichtoffizieller  Poet  Laureate,  Drayton  gewesen 
zu  sein  scheint.  Der  Charakter  der  uns  hier  interessierenden 
verse  Hess  Gosse  die  etwas  gewagte  Vermutung  äussern:  sie 
seien  in  der  letzten  lebensperiode  Drayton's  geschrieben,  zu 
einer  zeit,  als  der  dichter  der  gefeierte  gast  des  Earl  of 
Dorset  war. 

Ben  Jonson1  (Johnson),  ein  weit  berühmterer  mann  als 
Drayton,  schenkte  als  angebinde  ein  kurzes  gedieht  zu  diesem 
seltenen  keepsake.  Wir  verstehen  den  melancholischen  sinn  der 
derben  verse  Jonsou's,  die  sichtlich  schon  viel  früher  verfasst 
waren,  wenn  wir  uns  seine  Verhältnisse  im  jähre  1636  ver- 
gegenwärtigen.  Um  1636  fühlte  er  weder  für  captain  Dover 
noch  für  dessen  olympische  spiele  interesse,  denn  sein  müh- 
sames leben  näherte  sich  rasch  einem  qualvollen  ende.  Vom 
schlagfluss  gelähmt,  hatte  er  lange  gegen  mangel  und  armut 
gekämpft,  und  unverdrossen  theaterstücke  und  Schauspiele  ge- 
schrieben; nun  fiel  ihm  auch  die  letzte  lieblingsarbeit:  The  Sad 
Shepherd  unvollendet  aus  den  bänden.  Noch  ein  paar  monate 
und  England  beklagte  inmitten  seiner  bürgerlichen  Unruhen  den 
tod  des  grossen  dichters.  Diese  verse  Jonson's  sind  knapp  und 
offenbar  widerwillig  geschrieben.  Gosse  vermutet  sogar,  Dover 
habe  vielleicht  dem  alten  manne  zugesetzt,  um  von  ihm  einen 
beitrag  zu  seinem  gartand  zu  bekommen.  Jedenfalls  gleicht 
der  ton  des  gedichtes  —  es  ist  das  letzte  von  des  Verfassers 
erzeugnissen,  deren  druck  er  erlebte  —  mehr  einer  brummigen 
Unfreundlichkeit,  als  einem  fröhlichen  lobgesauge.  Er  lehnt 
ab,  Drayton  in  seinen  kühnen  parallelen  zwischen  Chipping 
Campdeu  und  Pisa  in  Elis  zu  folgen: 

I  cannot  bring  my  Muse  to  drop  vics 
Twixt  Cotswold  and  the  Olympic  exereisc, 

hofft  aber,  dass,  der  scheinheiligen  ungeachtet,  kirehe  und  Staat 
blühen  und  gedeihen  mögen,  und  Robert  Dover  seinen  anteil 
an  diesem  edlen  werke  haben  werde. 

Thomas  Uandolph  (Randall)  hat  in  literarischer  hin- 
sieht das  beste  gedieht  zu  dieser  Sammlung  geliefert  Auch 
seine  verse  sind  ein  Opus  post humum,  denn  ein  Unfall  hatte 

1  Vgl.  Algemon  Charles  Swinburne,  The  Miscellaneous  Works  of 
Ben  Jonson  in  The  Forlnightly  Review  vom  1.  Juli  lsss,  8.  24  ff. 


DIE  COTSWOLD-SPIELE.  417 

dem  jungen  Verfasser  wenige  monate  zuvor  das  leben  geraubt: 
ein  höchst  beklagenswerter  vertust  für  die  englische  dichtung. 
The  stars  must  have  erred,  sagt  von  ihm  ein  moderner  kritiker, 
in  casiing  his  horoscope,  for  Randolph  had  none  of  that  preco- 
cioiis  ripeness  which  seerns  so  often  to  be  the  presage  of,  and  the 
consolation  for,  an  early  death.  His  genius,  which  had  something 
resolute  and  sturdy  about  it,  was  one  that  would  certainly  have 
raised  him,  at  least,  to  an  honourable  place  in  the  second  rank  of 
poets.  Seine  6  dramen  und  die  lyrischen  gedichte,  welche  er 
hinterlassen  hat,  nennt  Gosse :  the  infant  motions  of  a  wing  that 
meant  to  strike  hard  and  wide  into  the  empyrean  of  poelry. 

Was  Randolph  uns  geschenkt  hat,  zeigt  keine  spur  von 
hektik  oder  dergleichen;  keinerlei  Symptome  verraten  seinen 
nahen  tod.  Wäre  zu  leben  ihm  vergönnt  gewesen,  er  würde 
das  zeug  dazu  gehabt  haben,  die  kluft  zwischen  der  alten 
romantischen  und  der  neuen  didaktischen  schule  durch  eine 
gesunde  Volksdichtung  zu  überbrücken,  denn  vom  geiste  beider 
besass  er  ein  gutes  teil.  Durch  seine  Schriften  nimmt  er  in 
der  englischen  literatur  einen  besseren  platz  ein  als  Dryden 
oder  Gray  oder  Massinger  hätten  behaupten  können,  wenn  sie 
vor  ihrem  dreissigsten  lebensjahre  gestorben  wären. 

Randolph's  Eclogue  on  the  Palilia  and  noble  Assemblies 
revived  on  Cotswold  Hills  ist  ein  reizendes  idyll.  Zwei  hirten, 
Collen  und  Thenot,  führen  ein  gespräch  über  die  entartung 
der  englischen  schäfer.  Collen  ist  tief  betrübt,  seine  kame- 
raden  so  roh  und  tölpisch  zu  finden;  Thenot  erwidert,  dass 
dies  nicht  aus  mangel  an  fähigkeit  sein  könne,  denn  nirgends 
in  der  weit  treffe  man  männer  von  so  schlankem  wuchs,  so 
nervig  und  geschmeidig,  wie  die  Swains  von  England.  Collen 
gibt  den  puritanern  die  schuld  an  dem  groben,  bäuerischen 
wesen.  In  früheren  zeiten  hätten  die  englischen  athleten  in 
fröhlichen  Wettspielen  mit  einander  gekämpft  und  gestritten; 
dadurch  seien  anstand  und  anmut  gemeingut  unter  ihnen  ge- 
worden. Lieblich-bukolisch  schildert  er  dann  die  vergangenen 
tage  des  glucks  (vgl.  s.  425  in  alter  orthogr.): 

Early  in  May  up  got  the  jolly  rout, 
Calleil  by  the  lark,  and  spread  the  fields  about; 
One,  for  to  breathe  himself,  would  coursing  be 
From  this  same  beech  to  yonder  mulberry; 
A  second  leaped,  his  supple  nerves  to  try; 

Anglia,  XII.  band.  27 


418  LENTZNER, 

A  third  was  practising  his  melody; 
This  a  ncw  Jigg  was  footing;  others  were 
Busy  at  wrestling  or  to  throw  the  bar, 
Ambitious  which  sbould  boar  tbe  bell  away, 
And  kiss  the  nut  brown  Lady  of  the  May. 
This  stirred  them  up!    A  jolly  swain  was  he 
WI10111  Peg  and  Susan,  after  victory, 
Crowned  with  a  garland  they  had  made,  beset 
With  daisies,  pinks,  and  many  a  violet, 
Cowslip,  and  gillitiower.    Kewards,  though  sinall, 
Encourage  virtue;  bat  if  none  at  all 
Meet  her,  she  languisheth  and  dies,  as  now, 
Where  worth's  denied  the  honour  of  a  bough. 

Thenot  beklagt  die  abnähme  dieser  lustigen,  harmlosen 

spiele;  und  Collen  belehrt  ihn,  dass  sie  das  werk  griesgrämiger, 

übertrieben  frommer  leute  sei: 

These  teach  that  dancing  is  a  Jezebel, 
And  barley-break  the  ready  way  to  hell; 
The  morrice,  idols;  Whitsun  ales  ean  be 
But  profane  relics  of  a  jubilee; 
These,  in  a  zeal  to  express  how  much  they  do 
The  organs  hate,  have  silenced  bagpipes  too; 
And  haruiless  may-poles  all  are  railed  upon, 
As  if  they  were  the  towers  of  Babylon. 

Thenot  klagt  laut  über  die  betörten  frömmler  und  sehnt 
sich  nach  einer  zeit,  in  der  solche  unschuldige  Vergnügungen 
wider  aufnähme  finden  möchten.  Jetzt  kann  Collen  nicht  länger 
sich  enthalten  ihm  zu  sagen,  dass  seine  bitte  erhörung  gefunden 
hat:  Van  hath  approved  dancing  shall  be  this  year  holy  as  is  Ihe 
motion  of  a  sphere.  Thenot  schenkt  dieser  frohen  botschaft 
nicht  gleich  glauben  und  verlangt  aufkläruug.  Da  erzählt  ihm 
Collen,  er  sei  gerade  einem  schmucken  reiter  begegnet,  der  auf 
feurigem  rosse  über  die  ebene  nach  Cotswold  sprengte,  und 
der  ihm  auf  seine  frage,  wohin  er  so  wolgemut  und  festlich 
geputzt  eile,  den  h  11  gel  genannt  habe:  wo  pfeilschnelle  pferde 
um  preise  Wettrennen  und  Windhunde  jagen,  deren  gebeil  so 
wolklingend  und  so  laut,  dass  Orion  zum  himmel  herausschaue 
und  seine  eigenen  hunde  dabei  zu  sehen  wünsche.  Thenot  ist 
wider  fröhlich  und  will  wissen,  auf  wessen  geheiss  die  edlen 
spiele  von  neuem  begonnen  haben.  Er  erfährt,  dass  es  die  tat 
des  jovialen  Dover  sei.  Und  Collen  scbliesst,  indem  er  die 
mädchen  rundum  zusammenruft  und  sie  auffordert,  diesem 
grossen  manne  die  gebührenden  ehren  zu  erweisen: 


DIE  COTSWOLD-SPIELB.  419 

Go,  maids,  and  lilies  get, 
To  inake  bim  up  a  glorious  Coronet; 
Swains,  keep  bis  holiday,  and  each  man  swear 
To  saint  him  in  the  Shepherd's  Calendar. 

Es  ist  ein  sinnreiches,  artiges  gedieht:  eine  der  besten  eklogen, 
die  wir  im  Englischen  besitzen. 

Thomas  Heywood  ist  durch  eine  art  appendix  am  ende 
des  bnches  vertreten.  Er  erklärt,  nichts  neues  sagen  zu  können, 
nachdem  er  alle  die  lobpreisungen  von  33  verschiedenen  poeten 
gelesen.  Dieser  bewährte  Schriftsteller,  welcher  bei  mehr  als  200 
dramen  seinen  anteil  hatte  und  von  dem  eine  —  dem  dichter 
Cowley  irrtümlich  zugeschriebene  —  satyre  erzählt,  er  sei  bereit, 
über  jedes  beliebige  tbema  für  wenig  geld  zu  schreiben,  kann 
aber  in  Wirklichkeit  unmöglich  um  worte  in  Verlegenheit  ge- 
wesen sein.  Heywood  war  allerdings  zu  jener  zeit  schon  70 
jähre  alt,  aber  der  muntere  frohsinn  seiner  verse  hat  dem- 
nngeachtet  etwas  recht  trostvolles.  Wenn  auch  hochbetagt  und 
arm,  ist  der  Verfasser  des  Panegerick  sicherlich  nicht  tief  un- 
glücklich gewesen.  Es  ist  sogar  die  heiterkeit,  welche  seinem 
beitrage  einen  gewissen  wert  verleiht.  Ben  Jonson  hatte  sich 
geweigert,  Drayton  in  seiner  parallele  zwischen  Olympos  und 
Cotswold  beifall  zu  spenden;  Heywood  aber  nimmt  nicht  nur 
keinen  anstand,  dies  zu  tun,  sondern  vergleicht  auch  Dover 
mit  Herkules.1 

Ohne  dem  greisen  autor  den  schuldigen  respekt  zu  ver- 
sagen, muss  sein  gedieht  als  ein  recht  albernes  und  abge- 
schmacktes bezeichnet  werden. 

Owen  Feltham  hatte  sich  durch  seine  Resolves  einen 
namen  in  der  englischen  literatur  erworben.    Er  gehört  in  die 


1  Die  Cotswoldspiele  waren  eine  Volksbelustigung,  die  aus  dem  näm- 
lichen triebe  erwachsen  ist,  der  die  Hellenen  aus  allen  griechischen  gauen 
zu  den  olympischen  spielen  zusammenführte.  Es  mag  paradox  klingen, 
die  Cotswoldspiele  des  17.  Jahrhunderts  in  vergleich  zu  stellen  mit  den 
grossartigen,  ein  ganzes  volk  erregenden  athletischen  spielen,  die  auf  der 
olympischen  und  isthmischen  ebene  ausgekämpft  wurden.  Aber  so  gross 
der  unterschied  ist,  wenn  man  die  art  der  wettkämpfe  hier  und  dort  in 
betracht  zieht  sowol  wie  die  teilnähme  des  volkes  an  diesen  ereignissen, 
verbunden  werden  sie  durch  den  gemeinsamen  grundzug:  die  jugendfrische 
lust  an  der  betätigung  der  eigenen  kraft  in  freiem  wettkampfe  mit  gleich- 
gesinnten  Volksgenossen.  —  Das  im  jähre  1887  bei  Seemann  in  Leipzig 
erschienene  buch  von  Dr.  W.  Richter:  *J)ie  Spiele  der  Griechen  und  Römer' 
will  ich  hier  nicht  unerwähnt  lassen;  es  ist  dies  das  zweite  bändchen  der 
'Cullurbilder  aus  dem  cl assischen  Alter thume'.  Wenn  überhaupt  die  art 
und  weise,  wie  ein  volk  sich  erholt  und  vergnügt,  für  das  verständniss 

.      27* 


reihe  der  dichter  zweiten  ranges  und  bildet  insofern  eine  aus- 
nähme von  der  regel  unseres  buches,  als  er  jung  war  und 
noch  40  jähre  /.u  leben  hatte.  FelthauTs  gedieht  igt  in  guten, 
glatten  versen  abgefasst,  aber  affektiert  und  unverständlich  im 
höchsten  grade.  Derselbe  Vorwurf  trifft,  wenige  stellen  aus- 
genommen, seine  prosa, 

Shackerley  Marinion  ist  der  autor  einer  anmutigen 
epischen  dichtuug:  Cupid  und  Psyche,  sowie  mehrerer  verdienst- 
licher schauBpiele.  Er  liefert  eins  der  verständigsten  und  ge- 
niessbarsten  stücke  im  ganzen  bände,  indem  er  Dover  ohne 
lächerliche  Übertreibung  zu  seinem  guten  werke  glück  wünscht. 
Er  starb  bald  daranf  im  elend  an  einer  krankheit,  die  er  sieb 
als  soldat  in  der  truppe  des  Sir  John  Suckling  auf  den  märschen 
eines  unglücklichen  feldziiges  gegen  Schottland  zugezogen  hatte. 
Der  historiker  Anthony  a  Wood  nennt  ihn  a  goodly,  proper 
gentleman,  dessen  Verdiensten  bei  der  nacbwelt  nicht  die  ge- 
bührende auerkenuung  zu  teil  geworden  sei. 

Robert  Dover  selber  erwidert  am  schluss  auf  alle  ihm 
dargebrachten  glUekwllnsche  in  A  Cangratulatory  Poem  to  my 
Poetical  and  Learned  Friends,  Compilers  of  this  Book,  worin  er 
mit  gutem  huraor  seine  liebe  für  athletische  spiele  gegen  die 
puritauer  verteidigt,  die  stets  bei  der  hand  seien,  in  jeder  un- 
schuldigen kurzweil  wicked,  liorrid  sin  zu  wittern. 

So  viel  Über  den  Inhalt  eines  literarischen  denksteins  von 
ungewöhnlichem  interesse.  Der  mit  vielen  berühmten  namen 
gezierte  band  ist  bestimmt,  das  gedächtniss  an  eine  merk- 
würdige öffentliche  bewegung  wach  zu  erhalten,  von  der  ohne 
die  existenz  dieser  verse  wir  niemals  etwas  erfahren  haben 
würden.  Dem  zufall  allein  ist  es  zu  danken,  dass  Anthony 
ä  Wood  das  buch  besass  und  über  die  darin  gefeierte  Persön- 
lichkeit beiläufig  einige  notizen  niederschrieb. 

Die  apotheose  der  Cotswoldspiele  trägt  die  Jahreszahl  1630; 
für  die  zeit  ihres  uiedergangs  dürfte  1038  anzusetzen  Min; 
ihres  begrüuders  tod  erfolgte  bald  darauf  im  jähre  1641. 


seine»  wosen.i  von  nicht  zu  unterschätzender  bedeutung  ist,  so  Ut  du  In 
besonders  hohem  (trade,  bei  den  ((riechen  und  Hiiniern  der  fall:  bei  das 
ersteren,  weil  sieh  namentlich  in  den  spielt»  ■  I ■  ■  r  ideale  /,ng  f.cigt,  der 
diesem  vulke  eigentümlich  igt-  bei  den  letitereu,  weil  die  spanä  in  M 
innigem  ihm iiimcii bange  uiit  dem  wachstuini  Koma  und  seinem  «pitorn 
sltlliehen  verfalle  stehen.  Richter  verweilt  besonders 
nationalen  festen  zu  Olympia  und  Rom. 


DIE  COTSWOLD-SPIELE.  421 

Robert  Dover  hinterließe  einen  neffen  oder  enkel,  welcher 
unter  den  kleinen  dramendichtern  der  restaurationsepoche  ge- 
nannt wird.  Der  spiel-  und  rennplatz  blieb  lange  intakt.  Einer 
handschrift  zufolge,  die  Sir  Thomas  Winnington  besass,  fanden 
während  der  regierung  Karl's  II.  sports  dort  wider  statt.  Wahr- 
scheinlich um  dieselbe  zeit  ereignete  sich  in  der  nachbarschaft 
ein  unheimlicher  Zwischenfall,  der  einen  schauerlichen  kontrast 
zu  den  unschuldigen  volksspielen  bietet.1 

Das  janze  18.  Jahrhundert  hindurch  wurden  in  der  pfingst- 
woche  auf  dem  spielberge  von  Cotswold  feste  abgehalten.  Sie 
waren  aber  heruntergekommen  und  vulgär  geworden.2  Der 
glänz  und  die  herrlichkeit,  welche  captain  Dover  ihnen  ge- 
geben hatte,  waren  mit  dessen  tode  verschwunden.  In  ihrer 
ursprünglichen  gestalt  sind  sie  jedoch  wol  der  erinnerung  wert. 

Der  humane  geist,  welcher  diesen  harmlosen  sports  einen 
gewissen  adel  verlieh,  sowie  die  diesen  festen  eigentümliche 
anmutige  verquickung  von  antik  klassischem  geschmack  mit 
schlicht  bürgerlichem  wesen  und  echt  englischem  frohsinn:  sie 
sind  charakteristisch  für  die  beste  seite  der  royalistischen  partei 
im  17.  Jahrhundert. 

1  Mr.  William  Harrison,  the  Steward  of  a  wealthy  lady  of  Chipping 
Campden,  riding  out  from  home  one  day  in  1676  to  collect  the  rents  of 
his  mistress  at  Charringworth,  did  not  return  at  night.  A  servant  of  the 
house,  John  Perry,  was  sent  to  search  for  him  in  the  morning,  and  when 
he  returned  without  any  news,  a  general  examination  of  the  neighbour- 
hood  began.  In  a  lonely  spot  there  were  found  a  hat,  a  band,  and  a 
comb,  which  were  recognized  as  having  belonged  to  Mr.  Harrison,  and 
which  were  covered  with  blood.  The  oody  itself  was  not  discovered, 
but  the  trial  for  murder  began,  aud  suspicion  feil  upon  John  Perry.  This 
was  increased  by  his  confusion,  and  at  last,  cross-examined  betöre  the 
magistrates,  he  confessed  that  his  mothcr  and  his  brother  had  murdered 
Mr.  Harrison,  after  robbing  him  of  his  effects.  Circumstantial  evidence 
was  so  strong  against  the  prisoners  that,  although  the  dead  body  had 
not  been  discovered,  the  Perrys  were  found  guilty  of  the  murder,  and 
all  three  were  hanged,  John  Perry  protesting  with  his  last  breath  that  he 
had  made  a  mistake,  or  been  deluded  by  his  fancv.  Every  one  in  the 
district,  however,  was  satisfied  with  the  justice  oi  the  sentence,  when, 
after  two  years  were  passed,  one  day  Mr.  Harrison  came  quietly  riding 
into  Chipping  Campden,  with  the  story  that  he  had  been  met  on  the 
wold  by  a  party  ot  men,  who,  after  a  violent  struggle,  had  secured  him, 
had  ridden  hard  with  him  to  the  sea,  had  sailed  to  Turkey  with  him, 
and  had  sold  him  as  a  slave  to  a  Moslem  physician.  He  declared  that 
in  the  course  of  time  he  had  escaped  and  fled  on  board  a  vessel  bound 
for  Portugal,  whence  he  had  found  his  way  home  again.  What  part  of 
this  romantic  tale  was  true  we  know  not;  the  horrible  circumstance  is 
the  execution  of  the  family  of  the  Perrys  on  the  strength  of  an  halluci- 
nation.  —  Gosse,  a.  a.  o.,  s.  109  f. 

1  Vgl.  Rieh.  Graves'  Spiritual  Quixote  (British  Novelists,  vol.  XXXII, 
chap.  X). 


T 

•i 


422 


LENTZNER, 


Die  Cotswoldspiele  gewähren  einen  einblick  in  das  leben 
der  gentry  und  des  hanernstandes  in  entlegenen  distrikten  des 
damaligen  Englands. 

IL 
Proben  aus  Doyer's  annalen.1 

[Titelblatt.] 

Annalia  Dvbrensia. 

Vpon   the  yeerely  celebration  of 

Mr  Robert  Dovers  Olimpick 

Games  vpon  Cotswold-Hills. 

Written  by 


Michaeli  Drayton.     Esq. 
John  Trvsaell.    Gent. 
William  Dvrhain.    Oxon. 
William  Denny.     E»q. 
Thomas  Randall.     Cant. 
Ken :  Johnson. 
Jobn  Dovor.    Gent. 
Owen  Fcltham.    Gent. 
Francis  lzod.    Gent 
Klcholas  Wallin^ton.  Ox. 
John  Hallard.     Oxon. 


Timothy  Oglc.     Gent. 
William  Anibrose.    Oxon. 
William  Hella».    Gent. 
Thomas  Cole.     Oxon. 
William  Ba»t*.    Gent. 
Cnptahie  Menese. 
John  TrvBsell.    Gent. 
William  Tole.     Gent. 
Forriman  Rvtter.     Oxon. 
John  Stratford.    Gent. 
Thomas  Sanford.     Gent. 


Robert  Griffin.     Gent. 
John  Cole.    Gont. 
Robert  Dvrhain.     Oxon. 
A  Sirinx  Oxon. 
John  Monson.     Esq. 
Walton  Poole.    Gent. 
Richard  Wells.    Oxon. 
William  Fortl,.     Ei>q. 
Sliack:  Marmyon.    Gent. 
R.  N. 
Thomas  Heywood.    Gent. 


London, 
Printed  by  Robert  Raworth,  for  Mathe we  Walbancke,  1036. 


To  mv  worthv  Friend  Mr-  Robert  Dover. 

WORTHY   SlR, 

TF  anlangst  so  many  noble  Poetts  1  presume  to  play  \  the  Orator, 

blame  me  not,  The  incitements1  prom  \  ting3  mee  thereto,  in  any 

competent  and  indifferent  \  Judyment  being  excusable:  First  that 

their  flying  \  papers  aree  so  opportunely  to  my  hand,  which  havmg 

1  *A  eopy  of  the  Annalia  in  the  Orenville  Library  of  British  Museum 
has  a  printed  presentation-sheet  with  Autograph  Signatare  thus,  — 

1 040  (M.  S.) 

For  the  lmich  Honoure<l 

Sr.  Thomas  Trevor  Knight 

one  of  the  Barons  of 

the  Exehequer 

Kobert  Dover  Ins 

Presentation. 

In  the  saine  eopy  the  coiitributor  \\.  N..  on  the  title-pagc,  has  been  filled 

in  R:  NKWBVRGH:    Urosart  a.  a.  o. 

*  incitements  =  ineentives.  or  motives. 

•  prouiting  (sie)  =  promptrag. 


DIE  COTSWOLD-SPIELE.  423 

considerately  periised  (non  obstante  Dubrensi  patrono)  |  /  thought 
worthy  to  bee  published.  JVext  since  your  owne  modestie  \  seemed 
somewhat  adverse,  to  have  those  your  deserved  Encomions1  \  Im- 
prest,  which  in  the  hearts  of  all  your  Countrey-men,  and  others  \ 
have  tooke  such  deepe  Impression:  1  held  it  more  expedient  to  \ 
hazard  the  frowne  of  one  by  boldnesse,  then  the  discontents  of 
ma  |  ny  by  a  timorous  negligence.  Lastly  since  those  Quinque- 
nalia,  or  \  Olimpick  Games  (celebrated  every  Fift  yeere  onelyj 
begun  by  |  Hercules,  and  for  many  succeeding  ages  conlinued,  by 
all  the  Se-  |  mones  Heroes  and  prime  Princes  of  Greece,  are 
notv  utter-  \  ly  abandoned,  and  their  memorie  almost  extinguish't. 
Since  you,  \  to  tvhom  I  may  not  unpropperly2  give  the  denomi- 
nation  of  an  Hero  |  of  this  our  Age,  have*  in  these  your  Famous 
Annalia,  or  yeerely  \  Celebrationis,  not  onely  revised  the  memory 
of  the  Former;  But  \  adorned  these  your  Cotswald4  Hills  tvith 
such  Ovations  and  Tri-  \  umphs,  as  may  continue  their  memorie 
to  all  posteritie.  (First  \  craving  your  pardonj  I  commend  my 
seife  to  you  for  the  present:  \  And  your  Name  (thus  decored b 
by  your  Friends)  to  Perpetui-  \  tie. 

Yours  alwayes 

Mat:  Walbancke. 


TO  MY  NOBLE  |  Friend  Mr-  Robert  Dover,  on  his 
brave  aniui-  |  all  Assembües  vpon  Cotswo/d. 

DOVER,  to  doe  thee  Right,  who  will  not  striue, 
That  dost  in  these  dull  yron  Times  revive 
The  golden  Ages  glories;  which  poore  Wee 
Had  not  so  much  as  dream't  on  but  for  Theo? 
As  those  brave  Grecians  in  their  happy  dayes, 
On  Mount  Olympus  to  their  Bereutes 
Ordain'd  their  games  Olimpick,  and  so  nam'd 
Of  that  great  Mountaine;  for  those  pastimes  fam'd: 
Where  then  their  able  Youth,  Leapt,  Wrestled,  Ran, 
Threw  the  arm'd  Dart\  and  honour'd  was  the  Man 


1  Encomions  =  encomium,  from  the  Greek  (e yxca/xiov),  and  scarcely 
naturalized  at  the  date. 

a  unpropperly  =  iraproperly  —  as  with  the  last  word. 

3  ;oi   this  our  Age,  have',  &c.  —  misprinted  'of  this   our  Age. 
Have',  &c. 

4  Cotswald  (sie)  =  Cotswold. 

5  decored  =  decorated,  adorned.    This  word  oecurs  and  re-oecurs 
in  The  Bride  of  Lammermoor. 


424  LENTZNER, 

That  was  the  Victor;  In  the  Circute  there 

The  nimblc  Rider,  and  skil'd  Chariotere 

Strove  for  the  Garland;  In  those  noble  Times 

There  to  their  Harpes  the  Poets  sang  their  Rimes; 

That  whilst  Greece  flourisht,  and  was  oncly  then 

Nurse  of  all  Arts,  and  of  all  famous  men: 

Nu mb ring  their  yeers,  still  their  accounts  they  made, 

Either  from  this  or  that  Olimpiade. 

So  Dover,  from  these  Games,  by  thee  begun, 

Wee'l  reckon  Ours,  as  time  away  doth  run.  || 

Wee'l  have  thy  Statue  in  some  Rocke  cut  out, 

With  brave1  Inscriptions  garnished  about; 

And  vnder  written,  Loe,  this  was  the  man, 

Dover,  that  ftrsl  these  noble  Sports  began. 

Ladds  of  the  Hills,  and  Lasses  of  the  Vale, 

In  many  a  song,  and  many  a  merry  Tale 

Shall  mention  Thee;  and  having  leave  to  play, 

Vnto  thy  naine  shall  make  a  Holy  day. 

The  Cotswold  Shepheards  as  their  flocks  they  keepe, 

To  put  off  lazie  drowsinesse  and  sleepe, 

Shall  sit  to  teil,  and  heare  thy  Story  tould, 

That  night  shall  come  ere  they  their  flocks  can  fould. 

Michaeli  Drayton. 


AN  EPIGRAM  TO  MY  10  VI  ALL  |  Good  Fremd  Mr.\ 
Robert  Dover,  on  Ins  «rcat  |  Instauration  of  hisHunting, 

and  Pauncing  |  At  |  Cotswold.  j| 

Icannot  bring  uiy  Muse  to  dropp  Vies* 
Twixt  Cotswold,  and  the  Olimpicke  exerciso: 
But  I  can  teil  thee  Dover,  how  thy  Games 
Renew  the  Glories  of  our  blessed  Ieames\ 
How  they  doe  keepe  alive  bis  meinorie; 
With  the  Glad  Counlrey,  and  Posteritie: 
IIow  they  advance,  true  Love,  and  neighbourhood, 
And  doe  both  Church,  and  Common-wealth  the  good 
In  spite  of  Hipocrites,  who  are  the  woret 
Of  Subjects;  Let  such  envie,  tili  they  burst. 

Ben  Johnson. 


1  brave  =  grand,  showv. 

*  'to  dropp  Vies\  It  is  piain  a  word  has  been  inadvertently  left 
out  in  this  line:  Vies  =  wagers,  as  in  card-ganies.  (Grosart.)  Qremtdiffi- 
rulty  has  becn  found  in  the  measure  and  ineaning  of  this  line.  To  nie 
there  seems  to  be  none  if  we  take  Muse  to  be  a  dissyllable,  as  stmtmi 
was  a  trisyllable  (in  Habington  and  elsewhere),  and  if  we  unterstand  vU 
to  be  a  noun  equivalent  to  comparison.  —  (Gosse,  a.  a.  o.,  p.  106.) 


DIE  COTSWOLD-SPIELB.  425 

AN  EGLOGVE  ON  THE  VklÄLlkl\Aiui  Noble  Assem- 
blics  revived  on  |  Cotswold  |  Hills,  by  Mr\  ROBERT  D0VER.| 

Collen,  Thenot. 

WHat  Clod-pates,  Thenot,  are  our  Brittish  swainesl 
How  lubber-like  they  loll  upon  the  Piaines! 
No  life,  no  spirit  in  uml    Every  Clowne, 
Soone  as  hee  layes  his  Hooke  and  Tarbox  downe, 
That  ought  to  take  his  Reed,  and  cbant  his  Layes, 
Or  nimblie  rnn  the  wlndings  of  the  Maze, 
Now  gets  a  Bush  to  roome*  himselfe,  and  sleepe, 
Tis  hard  to  know  tbe  Sheepheard  from  the  sheepe: 
And  yet  me-thinks  our  English  pastures,  bee 
As  flowery  as  the  Lawnes  of  Arcadye, 
Our  Virgins  blithe,  as  theirs;  nor  can  proud  Greece 
Boast  purer  Aire,  nor  sheare  a  finer  fleece. 

The.    Yet  view  their  out-side  Collen,  you  would  say, 
They  have  as  much  brawne  in  their  necke,  as  they; 
Faire  Tempe  braggs  of  lustie  Annes,  that  swell 
With  able  sinews,  and  might  hurle  as  well 
The  weightie  Sledge ;  their  Leggs,  and  Thighs  of  bone, 
Great  as  Colossus,  yet  their  strengths  are  gone; 
They  looke  like  yonder  man  of  wood8  that  Stands 
To  bound  the  limits  of  the  Parish  lands: 
Dost  thou  ken,  Collen,  what  the  cause  might  bee 
Of  such  a  dull,  and  generali  Lethargie*! 

CoL    Swainel  with  their  sports,  their  soules  were  tane  away, 
Till  then  they  all  were  active;  every  day  || 
They  excercis'd  to  weild  their  limbes,  that  now 
Are  numb'd  to  everything,  but  flaue,  and  Plowe. 
Early  in  May  up  got  the  Jolly  route, 
Card  by  the  Larke,  and  spread  the  fields  aboute: 
One,  for  to  breath  himselfe,  would  coursing  bee 
From  this  same  Beech,  to  yonder  Mulberie; 
A  second  leapt,  his  supple  nerves  to  trie, 
A  third,  was  practicing  his  Melodie; 
This,  a  new  Jigg  was  footing;  Others,  were 
Busied  at  wrastling,  or  to  throw  the  Barre; 
Ambitious  which  should  beare  the  bell  away, 
And  kisse  the  Nut-browne-Lady  of  the  Maie : 
This  stirr'd  'um  up,  a  Jolly  Swaine  was  hee, 


1  'Palilia',  —  a  festival  celebrated  at  Rome,  annually,  on  the  21»*  of 
April,  in  honour  of  Pales,  the  tutelary  divinity  of  shepnords.  The  21»* 
of  April  was  the  traditionarv  date  of  Romulus'  fonnding  of  Rome,  and 
accordingly  the  festival  was  kept  as  the  dies  naiaiitius  of  Rome.  A.  a.  o. 

2  A roome'  —  misprinted  *roame\ 

8  'man  of  wood'  —  roughly  put  together  figure  of  a  'man'  —  often 
a'post*  merely. 


426  LENTZNER, 

Whom  Pag  and  Susan,  aftcr  victory, 
Crow'nd  with  a  Garland  they  had  made,  besot 
With  Dazies,  Pincks,  and  many  a  Violet, 
Cow-slipp,  and  Gilliflowrc;    Rewards,  though  small, 
Eneouragc  vertue:  But  if  none  at  all 
Mecte  her,  shee  languisheth,  and  dies,  as  now, 
Where  worth's  denicd  the  honour  of  a  bough; 
And,  Thenot,  This  the  cause  I  read  to  bee 
Of  such  a  dull,  and  generali  Lethargie: 

Then.    111  thrive  the  Lowt,  that  did  their  mirth  gaine-say, 
Wolves  haunt  bis  flocks,  that  tooke  thosc  sporte  away. 

Coli.    Sonie  melancholly  Swaines,  about  have  gone, 
To  teach  all  Zeale,  their  owne  Complection, 
Choler,  they  will  adniit,  sometimes,  I  see; 
But  Fleagme,  and  Sangvine,  no  Religions  bee; 
These  teach  that  Dauncing  is  a  Jezabel/, 
And  Barley-breake  *,  the  rcady  way  to  Hell, 
The  Morrice,  Idolls\  Whitson-ales  can  bee 
But  profane  Reliques,  of  a  Jubilee:  \\ 
These  in  a  Zeale,  t'expresse  how  mnch  they  doc 
The  Organs  hatc,  have  silenc'd  ßagg-pipes  too, 
And  harmlesse  May-poles,  all  are  rail'd  upon, 
As  if  they  were  the  Towers  of  Babilon: 
Sonie  thinke  not  fit,  there  should  be  any  sport 
T  the  Citie,  Tis  a  dish  proper  to  'th  Court; 
Mirth  not  becomes  'um,  let  the  sawcie  swaine 
Eate  Beefe,  and  Bacon,  and  goe  sweate  againe: 
Besides,  what  sport,  can  in  their  pastiuaes  bee, 
When  all,  is  but  ridiculous  fopperie. 

Thenot.    ( 'ollen !    I  once  the  famous  Spainc  did  see, 
A  Nation  glorious  for  her  Gravitie; 
Yct  there  an  hundred  Knights,  on  warlike  Steedes 
Did  skirmish  out  a  fight,  arm'd  but  with  Reeds, 
At  which  a  Thousand  Ladies  Eies*  did  gaze: 
Yct  was  no  better,  then  our  Prison  base.3 

1  *  Barley-breake':  vergleiche  das  gedieht  von  W.  N.  in  Grosart's 
Occasional  lssues. 

*  'At  which  a  thousand  Ladies  Eies  did  gaze':  The  reference  is  to 
the  famous  Juego  de  caüa  on  which  Mr.  W.  C.  Hazlitt  annotates  thus 
in  bis  Handolph  (p.  023):  'This  amusement  is  inentioned  as  one  of  the 
entertainuients  which  were  prepared  at  the  Court  of  Pentapolis  in  honour 
of  the  marriage  of  Apollonius,  Prince  of  Tvre  (Patterne  of  Painfull  Ad- 
uentures,  undated  edit.,  Sig.  E  2,  verso),  '1  may  not  discourse  at  large 
of  the  liberall  challenges  inade  and  proclaimed  at  the  tilt,  barriere,  running 
at  the  ring,  ioco  di  can,  managing  fierce  horses,  running  a  footo,  and 
daunsing  in  armour'. 

1  'Prison  base1  =  prisou-bars  —  a  rural  game  often  alluded  to  in 
early  English  writers,  e.  g.,  Cymbetine  (v.  3): 

'Lads  more  like  to  run 
The  country  base,  than  to  commit  such  slaughter1. 


DIE  COTSWOLD-SPIELE.  427 

What  is  the  barriers,  but  a  Courtly  way 

Of  our  more  downe-right  sport,  the  Cvdgell-play? 

Foote-ball  with  vs,  may  bee  with  thera,  ßaloone1; 

As  they  at  Tilt,  so  wee  att  Quintain  runne, 

And  those  old-pastimes  relish  best  with  mee, 

That  have  least  Art,  and  most  Simplicitye. 

Collen\    They  say,  at  Court  thero  is  an  Art, 

To  dance  a  Ladie's  honor  firom  her  hart; 

Such  wiles,  poore  Sheephards  know  not,  all  their  sence 

Is  dull  to  anything,  but  Innocence: 

The  Country  Lasse,  although  her  Dance  bee  good, 

Stirs  not  another's  Galliard  in  the  Blood; 

And  yet  their  sports  by  some  contrould  have  bin, 

Who  thinke  there  is  no  mirth,  but  what  is  Sin.1 

0  might  I  but  their  harmlesse  Gambolls  see! 

Restor'd  unto  an  ancient  Libertye, 

Where  spottlesse  daliance  traces  ore  the  Playnes, 

And  harmlesse  JSimphes,  jet8  it  with  harmlesse  Stvaynes. 

To  see  an  age  againe  of  Innocent  Loves, 

Twine  close  as  Vines,  yet  kisse,  as  chast  as  Doves. 

Me  thinkes  I  could  the  Thracian  Lyre  have  strung, 

Or  tun'd  my  Whislle,  to  the  Mantuan  song. 

Collen.    Then  tune  thy  Whislle  Boy,  and  string  thy  Lyre, 
That  age  is  come  againe,  thy  brave  desire 
Pan  hath  approv'd;  Dauncing  shall  bee  this  yeare 
Holy,  as  is  the  motion  of  a  Spheare. 

Thenol.    Collenl   With  sweeter  breath  Farne  never  blewe 
Her  sacred  Trump,  if  this  good  newes  bee  true? 

Col.  Know'st  thou  not  Colswold-hüt.  The.  Through  all  the  land, 
No  filier  Wooü  runnes  through  the  Spins t eis*  band. 
But  silly  Collen,  ill  thou  do'st  devine, 


1  'ßaloone1.    Ben  Jonson  in  Fox  (11,  2)  thus  refers  to  this  game: 

'While  otbers  haue  been  at  the  balloon 
I  haue  been  at  my  books'. 

Consult  Wright's  Prov.  Biet 

2  'Sin'—  the  period(.)  dropped  in  original. 

3  'jet'  —  stnit. 

4  '  Spins  ters1  =  Spinners.  A  good  example  of  the  word  as  applied 
to  unmarried  females,  who  of  old  were  supposed  to  be  all  diligent  Spinners. 
This  reininds  us  of  a  story  of  an  eccentric  old  Scottisb  clergyman,  who 
having  been  somewhat  disappointed  with  the  response  given  by  the  ladies 
of  his  congregation  to  an  appeal  for  home-spun  cloth  toward  a  bene- 
volent  objeet,  addressed  his  fair  auditory  thus:  'The  Leddies  [ladies]  now- 
a-days  put  me  in  mind  of  the  lilies'  —  pausing  at  this  pomt,  ana  with 
a  roguish  twinkle  of  his  ey  es,  planning  their  chagrin,  by  adding,  slowly  — 
'they  toil  not  neither  do  they  spin\  In  Elizabethan  English  spinster  did 
not  necessarily  imply  that  the  woman  was  unmarried.  Hercules  and 
Omphale  will  at  once  oeeur  to  the  reader  as  the  original  of  such  refe- 
rences;  but  the  Arcadia  (13,  1)  best  explains  the  term:  'And  this  effemi- 
nate  love  of  a  woman  doth  so  womanize  a  man,  that  if  he  yield  to  it,  it 
will  not  only  niake  bim  an  Amazon,  but  a  launder,  a  distaff,  a  Spinner,  or 


428  LENTZNER, 

Can'st  thou  mistake  a  ßramble,  for  a  Pinel 

Or  thinke  this  Bush  a  Cedur*)  or  suppose 

Yon  Hamlet,  where  to  sleepe  each  Sheapheard  goes, 

In  circuit,  buildings,  people,  power,  and  name 

Equalls  the  Bow  string'd  by  the  silver  Thamel 

As  well  thou  maiest,  their  Sports,  with  ours  comparc, 

As  the  soft  wooll  of  Lambes,  with  the  Goats  haire. 

Collen.    Last  Evening  Lad,  I  met  a  noble  Swayne, 
That  spurr'd  his  spright-full  Palfrey  ore  the  playne: 
His  head  with  Ribbands  crown'd,  and  deck't  as  gay, 
As  any  Lasse,  upon  her  Bridall  day. 
I  thought  (what  easie  faiths  we  Sheepheards  prove?) 
This,  not  the  Bull,  had  been  Europäers  love. 
I  ask't  the  cause,  they  tould  mee  this  was  hee, 
Whom  this  daye's  Tryumph,  crown'd  with  victory. 
Many  brave  Steeds  there  were,  some  you  should  finde 
So  fleete,  as  they  had  bin  sonnes  of  the  winde.  || 
Others  with  hoofes  eo  swifte,  beate  ore  the  race, 
As  if  some  Engine  shot  'um  to  the  place. 
So  many,  and  so  well-wing'd  Steeds  there  were, 
As  all  the  broode  of  Pegasus  had  bin  there: 
Rider  and  horse  could  not  distiuguish'd  bee, 
Both  seem'd  conjoyn'd,  a  Centaure's  Progeny. 
A  numerous  troupe  they  were,  yet  all  so  light, 
Earth  never  groan'd  *,  nor  feit  'um  in  their  flight. 
Such  Royall  pastimes  Colswold  mountaines  fill, 
When  Gentle-swaines  visit  her  glorious  Hill: 
Where  with  such  packs  of  Hounds,  they  hunting  go, 
As  Cyrus  never  woon'd*  his  Bügle  to; 
VVhose  noise  is  musicall,  and  with  füll  cries, 
Beat 's  ore  the  Field's  and  ecchoes  through  the  skies. 
Orion  hearing,  wish'd  to  leave  his  Spheare\ 
And  call  his  Dogge  from  heaven,  to  sport  it  there. 
Watt,  though  he  tted  for  life,  yet  joy'd  withall, 
So  brave  a  Dirge,  sung  forth  his  Funerall. 
Not  Syrens  sweetlier  rill;  Bares,  as  they  flie 
Looke  backe,  as  glad  to  listen,  loth  to  die. 

The.    No  doubt,  but  from  this  brave  Heroicke  fire, 
In  the  more  noble  hearts,  sparkes  of  desire 
May  warm  the  colder  Boores,  and  emulous  strite, 
Give  the  old  mirth,  and  Innocence  a  new  life; 
When  thoughts  of  Farne,  their  quickned  soules  shall  fill, 
At  ev'ry  glaunce  that  shewes  vm  Colswold  Hill. 


whatsoever  vile  occupation  their  idle  heads  can  imagine,  and  their  weak 
hands  perform \    Cf.  Grosart's  edition  of  Mar vell  in  Füller  Worthies* 


Library,  vol.  I,  p.  335. 

1  'groan'd*  =  misprinted  grooned. 
9  'woon'd*  =  wound. 


DIE  COTSWOLD-SPIELE.  429 

Coli.    There  Shepheard,  there  the  solemn-games  bee  plaide, 
Such  as  great  Theseus  or  Aleides  made. 
Such  as  Apollo  wishes  hee  had  seene, 
And  Jove  desires,  had  his  invention  beene. 
The  A/emaean  and  the  Isthmian  pastimes  still, 
Though  dead  in  Greece,  surviue  on  Cotswold  Hill.  \\ 

Then.    Oh  happy  lull!    The  gentle  Graces  nowe 
Shall  tripp  ore  Thine,  and  leave  Cilheroris  browe; 
Pernassus  Clift  shall  sinke  below  his  spring, 
And  every  Muse,  shall  on  thy  front'let  sing; 
The  Goddesses  againe,  in  strife  shall  bee, 
And  froin  mount  Ida,  make  appoale  to  thee: 
Olympus  pay  thee  homage;  and  in  dread, 
The  aged  Alpes,  shall  bow  his  snowie  head: 
Flora  with  all  her  störe,  thy  Temples  Crowne, 
Whose  height  shall  reach  the  starres;  gods  looking  downe, 
Shall  blesse  the  Incence,  that  thy  flowers  exhale, 
And  inake  thee  both  a  Mountaine,  and  a  Vale. 
How  many  Ladies  on  thy  Topp  shall  raeete, 
And  presse  thy  Tresses  with  their  Od'rous  feetel 
Whose  Eyes,  when  wondring  men  see  from  afarre, 
They'le  thioke  thee  heaven  and  each  of  them  a  starre. 

But  gentle  Collen  say,  what  god  or  man 
Farne  wee  for  this  great  worke,  Daphnis,  or  Panl 

Coli.    Daphnis  is  dead,  and  Pan  hath  broke  his  Reed, 
Teil  all  your  Flocks  'tis  Joviall  Dovkr's  deede. 
Behold  the  Shepheards  in  their  Ribbands  goe; 
And  shortly,  all  the  Nimphes  shall  weare  'um  too; 
Aniaz'd  to  see  such  Glorie  met  together, 
Blesse  Dover's  Pipe,  whose  musicke  call'd  'um  hither. 
Sport  you,  niy  Rams,  at  sound  of  Dover's  name; 
Bigg-bellied  Ewes,  make  hast  to  bring  a  Lambe, 
For  Dovers  fould;  Goe  maides,  and  Lillies  get, 
To  make  him  up  a  glorious  Coronet. 

Swaines  keepe  his  Holy-day;  and  each  man  sweare 

To  Saint  him  in  the  Shepheards  Kalender. 

Thomas  Randall.    Cant. 


A  PANEGERICK  TO  |  the  worthy  Mr. 

Robert  Dover. 


HAving  these  Panegeries1  now  read  over, 
To  thy  perpetuall  fame,  sweet  Master  Dover: 
What  Enthusiasme?  what  rapture  shall  I  raise, 
To  give  to  thee  thy  merrit,  and  due  praise? 


1  'Panegeries'  =  transition-form  of  panegyric.  (Oder  druckf.?  E.  F.) 


430  LKNTZNER, 

If  any  in  this  quaint  and  curious  age, 

Who  (allmost)  froin  the  Cradle  to  the  Stage, 

All  fancies  bring  in  rumor;  shall  of  thine 

Make  the  least  question?    Know  tis  bis;  not  mine. 

But  when  Ben:  Johnson,  and  brave  Draylons  na  nie 
Shall  be  Inscrib'd;  I  dare  proclaime  the  same 
To  be  a  worke  ennobled:  For  who  dare 
With  them  (and  these  here  intermixt)  compare. 

Now  to  the  thing  it  seife:  To  give  aecount 
Who  cannot  of  two-top't  Pernassus  iuount? 
Of  Pindus  Hill,  of  Teneriff  so  high, 
Ossa  and  Pelion1}  that  so  brave  the  sky, 
That  had  the  Gyanls  but  in  order  laide 
The  one  lipon  another?    They  had  niade 
Such  an  high  skalc  towards  heaven,  to  make  Jove  cease 
II is  claime  to  Earth,  and  with  man  mediate  peace. 

Olimpus  mount,  that  (even  to  this  day)  fills 
The  world  with  fame,  shall  to  thy  Cotswotd-Hills 
Give  place  and  honour;  Hercules  was  first 
Who  these  brave  gaines  begun:  thou  better  nurst.  || 
Dost  in  our  Anniverse1  most  nobly  strive 
To  doe  in  one  yeare,  what  Hee  did  in  five. 
Go  on;  go  on  brave  Dover,  uiy  Muse  too 
Shall  walke  with  thee;  great  Hercules  out-do. 

There  is  an  equall  ballance  in  your  fanies, 
He  made  the  Olimpick,  thou  the  Cotswold-games, 
And  who  can  say  is  best?  not  I,  nor  hee. 
Of  him  we  have  onely  heard,  but  we  knowe  thee. 
Thee  (noble  Dover)  Then  go  on;  bee  still 
The  man  thou  art?  and  maintaine  Cotswold  HUI: 

So  when  thy  glasse  is  runne;  and  sand  is  past: 

Thy  name  and  Fame,  shall  Hercules  out-last. 

Thomas  Heywood. 


TO  THE  GENEROVS  AND  NOBLY  |  Alinded,  Mr 
Robert  Doveu,  on  Ins  Hcroick  /mr-  |  ///ios  at  Cotswold.  ,j 

U  Vinmond  by  Fame  (brave  Dover)  I  can  now 
O  Teil  what  it  was,  old  Poels  meant  to  show 
In  the  faign'd  Stories  of  their  Pegasus 
Muses  and  Mount,  which  they  have  left  to  vs. 
Nor  needo  wee  wonder,  such  a  flow  of  yeares 
Should  rowle  away,  when  yet,  no  light  appeares 
Since  l*rophecyes\  and  Fat  es  Prcedictions 
Come  to  be  knowne,  and  are  fulfill'd  at  once:  || 


i  < 


Anniverse*  =  annivereary  or  annual  return  of  the  Sports. 


DIE  COrSWOLD-SPIELE.  431 

So  Delphos  spake  and  in  a  mistick  fould, 

Hid  that  at  once,  whick  acted  was  and  tould, 

What  then  was  Tip'd  by  Pegasus?    But  that 

Proud  troupe  of  fiery  Coursers,  mustred  at 

Thy  Colswoldl    Where  like  rapid  Spkeares  they  hurPd, 

Straine  for  a  Salt,  the  seasoning  of  the  world. 

Then  the  Sagatious  hound,  at  losses  mute 

Alone,  shewes  Natures  Logick  in  pursuite: 

But  at  thy  other  mecting,  hee  is  blinde 

That  cannot,  Muses  and  their  musicke  finde, 

Shewing  that  pleasure,  would  be  cold,  and  dye 

Without  converse,  and  noble  harniony, 

The  Ladyes  Muses  are;  there  may  you  chuse 

A  Patronesse,  each  Mistris,  is  a  Muse, 

Nor  does  Apolloes  harpe  ere  sound  more  high, 

Then  when  tis  vigor'd  from  a  Ladies  eye. 

Now  to  coinpleat  the  storie.    I  do  see 

How  future  times  will  learne  to  Title  theo. 

That  Yovth  Apollo:  So  mount  Helicon 

Will  Cotsrvoid  prove;  which  shall  be  fain'd1  alone: 

And  sacred  all,  unto  thy  happie  name, 

That  long  shall  dwell  in  the  faire  voice  of  Farne: 

For  great  thou  must  be,  and  as  first  have  prize, 

Or  eise,  as  th'exit  of  old  Propliesies. 

Sic  allusit  Ow:  Feltham. 


TO  Mr.  Robert  Dover,  VPON  HIS  |  Annuall  sports 

at  Cotswold.|| 

Heare  you  bad  owners,  of  inclosed  grounds, 
That  have  your  soules  as  narrow  as  your  bounds; 
When  you  have  rob'd  the  earth  of  her  increase, 
Stor'd  up  that  fading  treasure,  and  spoke  peace 
Vnto  your  wretched  thoughts;  the  barren  field 
Of  Cotsrvoid,  and  those  emulous  hüls  shall  yeeld 
A  crop  of  Ilonour,  unto  Dovers  Name, 
Richer  then  all  your  Stacks,  or  barnes  containe. 
Shepheards  rejoyce,  tis  hee  shall  make  you  free, 
And  every  yeere  proclaime  a  Jubilee: 
Ple  shall  invite  there,  many  a  lustie  Swaine, 
To  strive  in  hope  of  glory,  and  of  gaine: 
Pan  for  his  sake,  shall  often  passe  that  way, 
And  make  your  Mountaines,  his  Arcadia.  || 
No  venoni'd  rott,  shall  cause  your  sheepe  to  die, 

1  'faind':  qu.  —  faned?  i.  e.,  be  Dover's  fane  or  monument.    More 
probably  a  misprint  for  fam'd  or  xuade  famous  by  his  happie  name. 


432  LENTZNER, 

ßut  all  your  flocks  and  folds  shall  inultiplie. 

For  every  Ewe,  shall  beare  two  Lanibes  a  piece, 

And  every  Ramme  shall  weare  a  silver  fleece; 

The  best  of  all  their  wooll,  the  destinies 

Shall  chuse  to  spin  out  Dovers  liappy  dayes. 

No  more  let  Ida  now  presuine  at  all, 

To  boast  of  Joves  theft,  or  the  golden  ball, 

Nor  of1  the  Graces,  dauncing  on  the  plaine, 

For  heere  are  fairer  objecto  to  detaine 

The  gazers  eye:  Thousands  upon  this  greene, 

Shall  each  like  Venus,  and  Adonis  seeine; 

And  yet  not  one  of  all  that  numerous  presse 

Shall  feare  his  death,  or  hee,  her  wantonnesse. 

They  shall  be  busied  with  a  better  game, 

And  spend  their  strength  in  a  more  vertuous  flame: 

Heere  some  with  wrastling,  shall  prove  mastery, 

Others  in  hunting  try  their  Chivalrie, 

With  running,  Leaping,  throwing  of  the  barre: 

And  then  the  Niuiphes,  each  like  a  moving  starre, 

Shall  danee  for  prise,  all  with  their  active  sport 

Make  it  like  Mars  his,  or  like  Cinthias  court. 

Apollo  there,  shall  plant  his  youthfull  tree, 

And  compasse  Garlands  for  their  victory. 

The  ground,  so  soone  as  with  their  feete  tis  prest: 

Shall  with  a  faire  imbroidery  be  drest, 

And  trees  shall  feele  an  influence  from  their  heate, 

And  every  Thorne,  or  Bush,  shall  Balsam  sweate: 

The  Ayre  shall  raise  up  Eccho  from  her  den, 

Who  viewing  thee,  with  as  inuch  zeale  as  when 

Shee  lov'd  Narcissus,  shall  run  poast  to  Farne, 

And  borrow  her  shrill  Trumpet  to  Proclaime 

Thy  prayse,  whose  repercussive  sounds,  shall  strike 

Those  playnes  enamor'd  on  thy  worth:  then  like 

Lines  from  the  center  drawne,  shall  flie  from  hence, 

And  fill  this  Kingdomes  whole  circumference. 

Shack :  Marmyon. 

A  DIALOG  VE  BETWEKNE  Time  |  and  Farne,  on 
Mr.  DOVERS  aniversarie  Sports  |  on  Cotöwold. 

Time,  Fame. 

Time.  I YT  Hat  trumpets  shrill  sound,  tills  in  ine  eares? 

Fame.    ff    Tis  Farnes 

That  brings  thee  joyfull  news  (old  Time)  of  games, 
And  princely  sports,  spraug  up;  transcending  farre 

1  '  of  -  -  misprinted  if. 


DIB  COTSWOLD-SPlELß.  433 

The  Grecian,  Roman,  and  the  emulous  Car- 

thagian  Heroes  prowd  shewes,  when  they  most 

Swolne  with  their  wealth  and  leasure,  would  acost 

Vulgär  applause.    On  Cotswold  hüls  there  meets 

A  greater  troope  of  Gallants,  then  Bornes  streets 

Ere  saw  in  Pompeys  triumphs:  Beauties  too 

More  then  Dianaes  Beavie1  of  Nimphes  could  shew, 

On  their  great  hunting  daies:  There  in  the  morne, 

When  bright  Aurora  peepes,  a  Bügle  hörne 

The  summons  gives,  streight  thousands  fill  the  plaines 

On  stately  coursers;  whose  rieh  plumes  and  maines 

Excell  th'admired  Bucep  halte  there;  these 

Enuying  each  others  pompe;  striving  to  please 

Themselues  and  masters,  champe  their  scorned  Lores*, 

Trample  the  groaniog  earth,  paying  their  scores 

Of  Provender  in  lofty  curvetts :  These 

In  their  swift  course,  beclowd  the  azure  skies 

With  sinoake  from  fierie  nostrills  blowne;  and  flakes 

Of  fire  circle  their  sparkling  eyes:  Earth-quakes 

Their  Iron-hoofes  begett;  wherewith  they  rend 

Oid  Vestas  verdant  Roabe.    The  earth  they  send 

In  Atomes  to  the  heaven:  there  the  lowd  cry 

Of  hounds  through  liquid  Aire,  does  pierce  the  skie, 

And  charmes  the  lightning  gods;  and  grey-hounds  there 

Swifter  then  lightning,  course  the  flying  Hare. 

This  done ;  a  Virgin  crew  of  matchlesse  choyce, 

Nimbly  set  fortb,  attended  with  a  noyse8 

Of  musique  sweet;  excelling  that  of  Sphears; 

Whose  well-kept  Diapazon,  ravish'd  theirs 

Of  all  that's  sensitive.    These  Nimphes  advance 

Themselves,  with  such  a  comely  grace  to  daunce; 

Each  with  her  Gallant  pair'd,  that  all  who  see 

Their  eunning  motion,  and  Agillitie, 

Are  strucke  with  admiration;  thus  they  spend 

Their  sportfull  time,  tili  th'envious  Sun  giv's  end 

To  it,  and  day. 

Time.    This  newes  revives  my  blood, 
Shakes  off  my  Iron-coate;  this  brings  the  good 
And  golden  one,  my  infancie  first  wore: 
Nere  was  this  Famous  lsle  honour'd  before 
With  such  brave  games,  since  that  brave  Heroe  dy'd 
The  world's  chiefe  worthy;  and  stout  Brittons  pryd, 


1  'Beavie' =  bevy. 

*  'Lores1  «=>  Latin  lora  —  bridles. 

8  ' a  noyse'  =  concert  of  sweet  sounds,  as  in  a  'noise  of  musicians'. 
This  was  its  earlier  and  later  sense ,  i.  e.,  of  a  set  or  Company  of  musi- 
cians,  e.  g.,  Sneak's  noise  (Shakespeare)  or  Ruperte  noise,  meant  Sneak's 

AnglU,  XU.  bmnd.  28 


434  LENTZNER, 

Arthur,  with  bis  rotund !  of  Knights.    What's  hee 
That  instituts  these  Kingly  sports  and  glee? 

Farne.    It  is  a  noble  soule,  joviall,  and  free 
As  th'aire,  hospitable,  and  wittie. 
Well  mounted  comes  he  there,  attended  on 
By  thousands  of  the  flower  of  Albion : 
Grave  as  a  Persian  Sophie*,  his  aspect 
Circled  with  beames  of  Reverence,  drawes  respect 
From  each  spectator.    Noble  Dover  hight, 
Well  knowne  to  all. 

Time.    Sure  he's  a  worthy  Wight! 
What  is  each  victors  prize? 

Farne.    No  sin  all  reward: 
A  Castle,  Dover  Castle,  whose  trne  guard 
Speakes  in  the  voyce  of  angrie  Jove\  to  foes 
Thunder,  and  lightning:  but  to  friends,  it  shoes 
All  courteous  entertainement. 

Time.    A  guerdion  sure 
Worthy  the  brave  Dover.    Dover  shall  dure 
For  ever;  For  this  a  Monument  Ile  build 
To  him  of  Parian  Marble,  wrought  by  well  skil'd 
And  rare  Artificers;  embos'd,  and  chas'd, 
'T  shall  be  with  occidentall  gold;  quicke  hast 
Shall  fetch  me  Rubies  from  the  Orient  Rocks, 
Saphires,  all  gemms,  which  Memnons  mother  locks 
In  her  rieh  ehest;  t'adorne  this  Peice:  great  Jove\ 
It  shall  surpasse  thy  statue  plac'd  above, 
Iinprov'd  Olimpus\  the  worlds  third  wonder: 
And  beere  last  (maugre  thy  clapps  of  thunder) 
Wh  ile  I  shall  live. 

Farne.    And  I  will  sound  his  praise, 
Through  the  Earth's  Center,  to  th'antipodes, 
Botli  Poles  shall  ring  therewith;  and  th'axle  cracke 
To  bearc  its  weight:  so  Dover s  worth  shall  lacke 
No  helpe  of  Farne  \  'tis  fitting  such  as  hee 
Should  still  be  crown'd  with  ImmortaJitie. 

Robert  Griffin. 

or  Rupert's  set  of  players  or  band.    Siinilarly,  George  Herbert,  in  HK>f 
The  Family,  1.  I: 

'What  doth  this  noise  of  thoughts  within  my  heart 
As  if  they  had  a  part?' 

and  again,  144,  Aaron,  1.  s: 

4A  noise  of  passions  ringing  nie  for  dead7 

(Herberts  Poems,  Aldine  Edition,  by  A.B. ftroaart). 
1  '  rotund '  —  Round  Table. 
*  '  Sophie  \  title  of  the  Shah  of  Pereia. 


DIE  COTSWOLD-SPIELE.  435 

A  CONGRATVLATOR Y  POEM  To  my  Poeticall  and 
Leamed  Noble  JFriends,   Compilers  of  this  Booke. 

Icannot  teil  what  Plannet  rul'd,  when  I 
First  undertooke  this  mirth,  this  jollitie; 
Nor  can  I  give  account  to  you  at  all, 
How  this  conceit  into  my  braine  did  fall, 
Or  how  I  durst  assemble,  call  together 
Such  multitudes  of  people  as  come  hither. 
Whilst  Greece  frequented  active  Sports  and  Playes, 
Froin  other  men  they  bore  away  the  prayse; 
Their  Common-Wealths  did  flourish;  and  their  Men 
Vnmatch'd  were  for  worth  and  honour  then: 
But  when  they  once  those  pastimes  did  forsake, 
And  unto  drinking  did  themselues  betake,  || 
So  base  they  grew,  that  at  this  present  day 
They  are  not  men,  but  moving  lumps  of  Clay. 
I've  heard  our  fine  refined  Clergie  teach 
Of  the  Commandement,  it  is  a  breach 
To  play  at  any  Game,  for  gaine  or  coyne; 
T'is  theft  they  say,  mens  goods  you  doe  purloyne. 
For  Beasts,  or  Birds,  in  combat  for  to  fight, 
0  t'is  not  lawfull,  but  a  cruell  sight; 
One  silly  beast  another  to  pursue, 
'Gainst  nature  is,  and  ferefull  to  the  view: 
And  man  with  man,  their  activenesse  to  try, 
Forbidden  is,  much  härme  doth  come  thereby. 
Mix'd  dancing  is  a  wicked  horrid  sin, 
And  by  the  same  much  naughtinesse  hath  bin; 
That  I  admire  to  see  such  learning  showne, 
That  to  our  Churches  Eiders  were  not  knowne. 
Had  we  their  faith,  to  credit  what  they  say, 
We  inust  beleeve  all  Sports  are  tane  away; 
Whereby  I  see,  in  stead  of  active  things, 
What  härme  the  same  unto  our  Nation  brings; 
The  Pipe  and  Pot,  are  made  the  onely  prise 
Which  all  our  sprightfull  youth  doe  exercise: 
The  Meanes  and  Time,  which  they  therein  bestow, 
Is  bravely  spent,  and  makes  a  gallant  show. 
And  be  it  so;  What  is  it  unto  me? 
For  to  repine  there  at,  were  vanitie, 
Or  goe  about  to  alter  Natures  course 
So  well  approoved,  and  of  such  high  force; 
Yet  l  was  bold,  for  better  recreation, 
T'invent  these  Sports1,  to  countercheck  that  fashion 


'sports '  —  misprinted  spotts. 

28* 


436  LENT2NKR,   DIB  COTSWOLD-SPIELE. 

And  blesse  the  troope  that  come  our  sports  to  see, 
With  hearty  thankes,  and  friendly  courtesie. 
I  never  thought  that  any  one  of  you, 
In  written  poeins  would  the  same  allow. 
Nor  did  I  think,  the  same  could  ere  havo  wonne, 
The  generali  approbation  it  hath  donej 
And  uiuch  it  joyes  inee,  you  of  such  great  Farne, 
Have  undertaken  thus  to  praise  the  same; 
Whereby  I  am  much  incourag'd,  who  eise  might 
Forbeare  the  saine,  and  give  them  over  quite: 
I  were  ungrate,  and  might  be  thought  unkind, 
Not  to  give  Thanks,  where  so  much  Love  I  find. 
Though  some  of  you  more  sweetly  have  exprest 
Your  selues  each  way,  and  so  excell'd  the  rest, 
Yet  dare  I  not  returne  a  greater  praise, 
Nor  thanke  you  more  for  those  your  wittie  Layes: 
I  must  esteeme  your  love  a-like  in  this, 
Make  you  as  one,  or  eise  I  doe  amisse: 
For  I  beleeve,  the  weakest  line  you  write, 
Either  it  doth,  or  should  your  Love  recite. 
Let  those  that  bee  of  Melanchollie  forme, 
And  pensive  spirite,  fret  themselues,  and  storme; 
Let  snarling  Envie  barke,  pine,  and  grow  mad: 
Let  Carping  Momus,  powting  bee  and  sad; 
And  let  Content  and  Mirth  all  those  attend, 
That  doe  all  hermelesse  honest  sports  defend. 

Robert  Dover. 

Obernigk  Karl  Lentzner. 

bki  Breslau. 


ZUR 

METRIK  DER  MITTELENGLISCHEN  REIMEND- 
ALLITERIERENDEN  DICHTUNG. 

I.   Die  kurzzeilen. 

Die  beliebteste  strophenform  in  der  mittelenglischen  reimend- 
alliterierenden  dichtung l  ist  die  mit  der  reimstellung  abababab- 
cdddc  (vgl.  Schipper,  Engl.  Metr.  I,  219,  396).  Die  ersten  acht 
verse  sind  langzeilen,  der  neunte  (c)  entweder  ebenfalls  eine  lang- 
zeile  (GG)  oder  ein  sogenannter  bobvers  (Sas.,  AA),  die  letzten 
vier  kürzere  verse  von  angleicher  länge.  Ueber  die  auffassung 
dieser  letzteren  gehen  die  ansichten  sehr  auseinander.  Horst- 
mann (Anglia  I,  93)  hält  von  den  betreffenden  versen  der  Su- 
sanna die  ersten  drei  für  dreihebig,  mit  verlangsamtem  rhyth- 
mus,  mehr  jambisch  als  anapästisch,  den  letzten  für  eine  art 
adonischen  vers,  y!v^l,  also  flir  zweihebig.  Derselben 
ansieht  betreffs  GG  ist  Trautmann  (Anglia  II,  408).  Von  den 
drei  ersten  kurzversen  in  AA  sagt  Lübke  (The  Aunters  of 
Arthour  etc.,  Berliner  dissertation  1883,  s.  15),  die  zahl  der 
hebungen  schwanke  zwischen  zwei  und  drei;  eine  gleiche 
messung  der  verse  sei  nicht  möglich:  gegen  die  annähme  von 
zwei  hebungen  spreche  die  grosse  anzahl  von  versen  mit  mehr 
als  zwei  stark  betonten  silben,  gegen  die  annähme  von  drei 
hebungen  in  allen  versen  die  noch  grössere  anzahl  von  solchen, 
die  nur  zwei  zum  tragen  der  hebung  geeignete  silben  enthalten. 
Sicher  nur  zwei  hebungen  habe  in  allen  Strophen  der  letzte 
vers.  Gegen  die  begründung  dieser  auffassung  ist  einzuwenden, 
dass  ja  in  den  ersten  halbversen  der  langzeilen,  welche  auch 
Lübke  durchaus  als  zweihebig  ansieht,  oft  genug  'mehr  als 

1  Abkürzungen :  GG  =  Golagrus  und  Gawain  (hrsg.  von  Trautmann, 
Anglia  II,  395  ff.);  Sus.  =  Susanna  (hrsg.  von  Horstmann,  Anglia  I,  93  ff.); 
AA  =  The  Awntyrs  of  Arthure  (hrsg.  von  Madden  in  seinem  'Syr  Ga- 
wayne'  1839). 


438  luick, 

zwei  stark  betonte  gilben'  vorkommen,  in  einigen  denkmälern 
häufig,  in  anderen  weniger  off;.  AA  gehört  zu  den  letzteren, 
aber  6G  z.  b.  bietet  sehr  viel  belege.  —  Entgegen  diesen  an- 
dichten erklärt  Schipper  (Engl.  Metr.  I,  §  104,  s.  218  ff.)  die  verse 
des  abgesangs  für  durchaus  zweihebig,  d.  h.  für  halbverse  der 
stabreimzeile.  Dabei  bleibt  zunächst  unerklärt,  warum  der 
letzte  immer  ganz  merklich  kürzer  ist  als  die  drei  vorher- 
gehenden. Indess  führt  uns  jene  auffassung  auf  die  richtige 
spur  zur  erklärung  dieses  merkwürdigen  Verhältnisses.  Die 
halbverse  der  langzeile  sind  ja  durchaus  nicht  gleich  gebaut; 
ich  habe  Anglia  XI,  420  ff.  die  nicht  unbeträchtlichen  unter- 
schiede festgestellt.  Prüfen  wir  darauf  hin  die  in  frage  stehen- 
den kurzzeilen,  so  ergibt  sich,  dass  die  drei  ersten  derselben, 
die  längeren,  nichts  anderes  sind  als  erste  halbzeilen,  die 
vierte,  kürzere,  ein  zweiter  halbvers.  Die  abgesänge  der 
ersten  Strophen  von  Sus.,  AA  und  GG  mögen  dies  belegen: 

Sus.     wif>  Inne  \>e  sercle  of  sees 
Of  Krberi  and  A16es 
Of  alle  Mäner  of  trees 
Süf>ely  to  säy. 
AA     Bothe  the  kynge,  and  the  qwene, 
And  all  J?«  döghety  by-d6nc, 
Syr  Gäwane,  gayeste  on  grene, 
Dame  Gavenoure  he  ledis. 
GG      S6mbillit  to  bis  suimnövne, 
Ränkis  of  grete  renövne, 
Cumly  kingis  with  crövne 
Of  gold,  f>at  wes  cleir. 

Einen  äusseren  hinweis  für  die  richtigkeit  dieser  auffassung 
glaube  ich  darin  zu  erkennen,  dass  in  der  ersten  ausgäbe  des 
GG  voin  jähre  1508  (handschriften  sind  nicht  erhalten)  die 
letzte  zeile  jeder  strophe  auf  gleiche  linie  mit  der  elften  gesetzt 
wurde  (wie  auch  in  Trautmann's  abdruck  Anglia  II,  410  ff.),  die 
drei  ersten  kurzverse  also  auch  äusserlich  die  stelle  von  ersten 
halbversen  einnehmen,  der  vierte  dagegen  die  eines  zweiten. 
Der  beste  beweis  liegt  aber  darin,  dass  der  bau  dieser  Zeilen 
vollkommen  zu  unserer  annähme  stimmt  Die  verse  10 — 12 
zeigen  gewöhnlich  mehrsilbigen  auftakt  oder  rhythmische  neben- 
töne zwischen  den  Hebungen  oder  nach  der  zweiten  —  ganz  so 
wie  andere  erste  halbverse;  höchstens  durch  die  neigung,  diese 
eigentümlichkeiten  stärker  hervortreten  zu  lassen,  unterscheiden 
sie  sich  von  diesen.    Die  zeile  13  ist  für  gewöhnlich  nach  dem 


MITTELENGLISCHE  METRIK.  439 

typus  A(Aj)  gebaut,  (x)lxx-(x)>  aber  auch  die  anderen  typen 
finden  sich;  z.  b.: 

Sus.     AI  heore  falshäde    299 
AA     of  30116  bödy  bare    8,  14 
Appone  a  fair  f&lde    33,  13 
For  thi  mänh^de    27,  13 
GG      Quhen  be  ves  lightit  döun    130 
As  1  am  trew  knigbt    169 

(vgl.  noch  AA  22, 13;  29, 13;  47, 13;  GG  182, 362, 608, 920, 1258). 

Wir  haben  bisher  nnr  drei  der  wichtigsten  denkmäler  be- 
trachtet Denselben  ban  nnd  dieselbe  anordnnng  zeigen  die 
entsprechenden  verse  in  Raoul  Coilgear  (E.  E.  T.  S.  Extra  Ser.  38), 
dem  Poem  of  Fortune  (Rel.  Ant.  II,  7),  The  Büke  of  the  Howlat 
(ed.  Laing  1823),  Douglas'  prolog  zum  achten  buch  der  Aeneide 
(obwol  nach  schottischer  art  mit  schweren  Senkungssilben  über- 
laden), endlich  in  vielen  13  zeiligen  Strophen  der  mysterien. 

In  anderen  dichtungen  geht  der  kurzversgruppe,  die  wir 
bisher  gefunden  haben,  weder  eine  langzeile  noch  ein  bobvers, 
sondern  ein  kurzvers  voran  und  zwar  ein  zweiter  halbvers;  so 
in  The  Tale  of  the  Basyn  (hs.  aus  dem  ende  des  15.  Jahrhun- 
derts; am  besten  gedruckt  bei  Hazlitt,  Remains  of  the  Early 
Populär  Poetry  of  England,  London  1864,  111,42;  strophenform 
aaaaficccb).  Zu  gründe  gelegt  ist  dies  Schema  in  dem,  wol 
auch  dem  15.  Jahrhundert  angehörigen  Turnier  von  Tottenham 
(Hazlitt,  a.  a.  o.  III,  82,  strophenform  aaaa,bcccb)  und  in  der 
Dunbar  zugeschriebenen  Bailad  of  Kynd  Kiltock  (Laing  II,  35; 
abababab,cdddc).  In  dem  ersteren  gedieht  erscheint  jedoch  schon 
der  unterschied  zwischen  zweiten  und  ersten  halbzeilen  zum 
teil  verwischt,  in  dem  letzteren  könnten  andere  später  zu  be- 
sprechende Veränderungen  eingetreten  sein. 

Zwei  erste  halbverse  mehr  einem  zweiten  (durch  einen 
bobvers  mit  dem  aufgesang  verbunden)  weist  das  im  jähre  1306 
entstandene  lied  auf  die  Gefangennahme  und  Hinrichtung  Simon 
Fraser's  auf  (P.  L.  VI  bei  Böddeker,  Altengl.  Dichtungen  etc., 
strophenform  aaaa,bccb).  Wenigstens  liegt  diese  gliederung  zu 
gründe;  denn  auch  hier  schwindet  zum  teil  die  Scheidung 
zwischen  erstem  und  zweitem  halbvers,  offenbar  unter  den- 
selben einflüssen,  welchen  auch  die  langzeile  im  Süden  aus- 
gesetzt war.1 

1  Ueber  diese  einflüsse  handle  ich  in  meinem  beitrage  zu  PauPs 
Grundriss. 


440  LUICK, 

In  allen  diesen  fällen  glich  die  kurzversgruppe  einer  halben 

schweifreimstrophe,  sei  es  der  einfachen  oder  der  erweiterten. 

Eine  ganze  schwcifreirnstrophe  liegt  vor  in  Sayne  John  the  Euaun- 

gelist  {abababab,cddcdd\  hg.  v.  Perry,  E.  E.  T.  S.  26,  s.  87  ff.);  z.  b.: 

6,  \\  ff.    Ware  his  will  was  to  wende 
Or  hyin  lyked  to  lende 

Bathe  myldely  and  still. 
l>ou  hcld  \>e  ay  with  f>at  hende 
And  ferde  fortho  with  tbi  frende 

And  wroghte  at  his  wille. 

Aber  man  ging  in  diesen  eigentümlichen  bildungen  noch 

weiter.    Das  Thornton-ms.  (um  1440  entstanden)  überliefert  uns 

The  Romance  of  Sir  Degrevant  (hg.  von  Halliwell  in  den  Thornton 

Romances  1844,  s.  177  ff.    Die  zweite  strophe  lautet  (nach  dem 

druck  bei  Halliwell): 

Wyth  kyng  Arrtor,  y  wene, 
And  wyth  Gwennor  the  quenc, 
He  was  knowun  ffor  kene; 

That  comelych  knyght; 
In  Hethenesse  and  in  Spayne, 
In  ffraunce  and  in  Bryttayne, 
Wyth  Percevalle  and  Gawayne, 

ffor  herdy  and  wyght! 
He  was  dowghty  and  dere, 
And  ther  nevew  ffullc  nere, 
Ther  he  of  dedys  myght  y-horc, 

By  days  or  by  nyght. 
ffor-thy  they  namc  hem  that  stounde 
A  knyght  of  tabulle  round, 
As  maked  is  in  the  mappe-mound 

In  storye  füll  ryght 

Was  für  ein  veranlass  liegt  hier  vorV  Da  die  reimstellung 
die  der  schweifreimstrophe  ist,  könnte  man  versucht  sein,  die 
längeren  verse  Wer-,  die  kürzeren  dreitaktig  zu  lesen;  aber  man 
wird  sehr  bald  die  Unmöglichkeit  dieser  scansion  erkennen: 
ein  kleiner  teil  der  längeren  verse  Hesse  sich  zwar  so  fassen, 
die  m ehrzahl  ist  aber  entweder  gar  nicht  in  dieses  Schema 
zu  bringen  oder  nur,  wenn  man  vielfach  fehlen  der  Senkung 
annimmt,  während  sonst  in  diesen  balladen  ziemlich  regel- 
mässig hebung  und  Senkung  wechselt.  Die  kürzeren  veree 
fügen  sich  gar  nicht.  Auch  wenn  man  versucht,  diese  zwei- 
taktig,  die  längeren  dreitaktig  zu  lesen,  kommt  man  zu  keinem 
befriedigenden  rhythmus;  ausserdem  sind  derartige  schweifreim- 


MITTßLENGUSCHE  METRIK.  .  441 

Strophen  im  Mittelenglischen  gar  nicht  belegt  (Schipper,  Metr. 
I,  353  ff.).  Vergleicht  man  nun  diese  verse  mit  den  früher 
besprochenen,  so  erkennt  man  sofort,  dass  wir  hier  dasselbe 
metrnm  vor  ans  haben:  den  zweihebigen  vers.1  Die  halbverse 
der  stabreimzeile,  die  wir  früher  nur  im  anschlnss  an  lang- 
zeilen  fanden,  treten  also  hier  selbständig  auf.  Dass  der  Stab- 
reim schon  recht  vernachlässigt  und  verwildert  ist,  beweist 
nichts  gegen  diese  auffassang.  Aach  im  Altenglischen  erhielt 
sich  die  rhythmik  des  verses  länger  in  ursprünglicher  reinheit 
als  die  setzung  der  stäbe  (vgl.  Sievers,  Beitr.  X,  451)  and  da 
der  rhythmus  das  wesen  der  dichterischen  form  aasmacht,  ist 
dies  auch  in  der  natur  der  sache  begründet. 

In  derselben  vers-  and  strophenform  ist  eine  andere  im 
Thornton-ms.  überlieferte  'roraance'  geschrieben,  Sir  Perceval 
of  Gattes  (Halliwell  8. 1  ff.).  Die  setzung  der  stäbe  dürfte  etwas 
besser  zu  nennen  sein  als  im  früheren  denkmal.  Bemerkenswert 
ist  die,  wenn  auch  nicht  vollkommen  durchgeführte  strophen- 
verkettung:  jede  erste  zeile  widerholt  die  worte  der  letzten 
zeile  der  vorangehenden  Strophe.  Da  der  anfangsvers  der 
strophe  einer  ersten  halbzeile,  der  schlassvers  einer  zweiten 
entspricht,  also  verschiedenen  baues  sind,  so  kann  die  wider- 
holung,  auch  wenn  sie  syntaktisch  möglich  ist,  keine  wörtliche 
sein;  es  ist  nun  lehrreich  zu  beobachten,  wie  der  dichter  diesem 
rhythmischen  unterschiede  gerecht  zu  werden  sucht    Er  fügt 

reine  flickwörter  ein;  so: 

Norv  of  justyngez  thay  teile    8, 1 
There  he  lygges  in  the  felde    5, 1 
Withowttene  any  mercy    58, 1 
With  thaxre  wapyns  in  thaire  bände    72, 1; 

oder  ein  He  says,  He  sayde,  obwol  es  vorher  an  einem  inquit 
nicht  gefehlt  hat  (35, 1;  36, 1;  37, 1;  62, 1;  68, 1  u.  s.  w.);  oder 
er  erweitert  durch  schmückende  beiwörter;  z.  b.: 

With  wilde  bestez  for  to  playe    12, 1. 

Wenn  daher  gelegentlich  der  schlassvers  der  Strophe  za  lang 
ist  für  das  ausmass  eines  zweiten  halb  verses,  aber  wörtlich 
übereinstimmt  mit  dem  anfangsverse  der  nächsten  strophe,  so 


1  Ich  unterscheide  mit  Schipper  vier-  und  zweiheb  ige  verse  von 
vier-,  drei-,  zwei takt igen.  Erstere  sind  die  nacbkömmlinge  des  alteng- 
lischen Stabreim  verses,  letztere  die  nacbbildungen  fremder  metra  und  lassen 
im  prinzip  regelmässig  hebung  und  Senkung  wechseln  (vgl.  Schipper,  Engl. 
Metr.  I,  258). 


442  luick, 

haben  wir  gewiss  fehler  des  Schreibers  vor  uns,  der  bereits 
die  folgende  zeile  im  äuge  hatte. 

Dieselbe  strophenforra  liegt  noch  vor  in  The  Avowynge  of 
King  Arther,  Sir  Gatvan  etc.  (Robson,  Three  Early  Engl.  Metrical 
Komances  1842,  s.  57  ff.),  The  Disputation  bytwen  a  Crysten  Man 
and  a  Jeroe  (Horstmann,  Sammlung  altengl.  Leg.,  1878,  s.  204) 
und  The  Tale  of  the  Smyth  and  his  Dame  (Horstmann,  Altengl. 
Leg.,  neue  folge,  s.  322),  hier,  wie  es  scheint,  durch  die  Über- 
lieferung verderbt.  Ein  sehr  später  ausläufer  ist  das  gedieht  To 
AU  False  Fiattering  Freemen  of  Cambridge  (Hartshorne,  Ancient 
Metrical  Tales,  London  1829,  s.  222  ff.),  wol  unter  denselben 
südlichen  einflüssen  stehend  wie  das  früher  angeführte  lied 
auf  die  gefangennähme  Fraser's. 

Die  einfache  schweifreimstrophe  {aabccb)  aus  zweihebigen 
versen  findet  sich  in  dem  gedieht  The  Feesl,  einem  anhang  zum 
Turnier  von  Tottenham  (Hazlitt  a.  a.  o.  III,  93,  als  A  Bailad  auch 
gedruckt  bei  Hartshorne  a.  a.  o.  s.  145,  hs.  aus  dem  ausgange 
des  15.  Jahrhunderts)  und  dieselbe  strophe  verdoppelt  in  der 
reimstellung  aabccb ddbeeb  in  Roidand  and  Vernagu  (E.  E.  T.  S. 
Extra  Ser.  3S,  s.  37  ff.),  wenn  auch  der  versbau  anfangs  recht 
holprig  ist  und  erst  etwa  von  der  38.  strophe  (v.  437)  an  etwas 
glatter  wird.  Dieselbe  strophe  in  der  reimstellung  aabaabccbddb 
liegt  zu  gründe  in  Lybeaus  Disconus  (ltitson,  Ancient  Engleish 
Metrical  Komances,  London  1802,  II,  1  ff.;  auch  in  Percy's 
Folio-ms.,  ed.  by  Haies  and  Furnivall  II,  415  ff.). 

Aber  es  ist  eine  wichtige  einschränkende  bemerkung  zu 
machen.  Unser  metrum  tritt  keineswegs  immer  so  deutlich  zu 
tage  wie  es  nach  den  oben  gegebenen  proben  scheinen  möchte. 
So  lautet  der  anfang  von  Sir  Degrevant  im  Thornton-ras.  (vgl. 
Schleich,  Engl.  Stud.  XII,  141): 

Jhcsu,  lordo  in  trynite, 
Gn&untc  f>am  hevenc  forto  sec, 
I»at  luffes  gamene  and  glec 
And  gestis  to  fede. 

Die  ersten  zwei  versc  würden  sich  bequem  als  viertaktige  lesen 

lassen.     Und  vollends  der  anfang  von  Lybeaus  Disconus: 

Jhosu  Cryst,  our  savyour, 
And  his  modyr,  that  swete  flour, 

Helpe  heni  at  her  nede, 
That  harkeneth  of  a  conquerour, 
Wys  of  wytte  and  whyght  werrour, 

And  doughty  man  in  dede  etc. 


MITTELENGLISCHE  METRIK.  443 

Die  ganze  erste  Strophe  (12  zeilen)  kann  als  schweifreim- 
strophe  aus  vier-  und  dreitaktigen  versen  gelesen  werden,  sie 
ist  sogar  —  für  unser  ohr  wenigstens  —  in  dieser  scansion  viel 
wollantender.  Und  doch  verbietet  ans  eine  dnrchsieht  des 
ganzen  gedichtes  gleichtaktige  verse  anzunehmen;  man  ver- 
gleiche etwa  mit  dem  angeführten  stüek  die  verse  97  ff.: 

Wythoute  more  resoun 

Duk,  erl  and  baroun, 

Whesch  and  yede  to  mcte; 

Of  all  manere  fusoun, 

As  lordes  of  renoun, 

Ynowgh  they  hadde  ete. 
Das  sind  deutlich  zweihebige  verse.  Zeilen  dieser  art  und 
solche,  wie  sie  vorhin  angeführt  wurden,  sind  aber  keineswegs 
scharf  von  einander  geschieden,  sondern  bunt  vermischt.  — 
Und  auch  wo  zweihebige  verse  im  anschlüge  an  langzeilen  auf- 
treten, sind  in  späteren  denkmälern  solche  erscheinungen  be- 
merkbar.   Man  vergleiche  z.  b.  folgende  zwei  Strophenausgänge 

aus  The  Tale  of  the  Basyn: 

VIII.   And  £et  thu  may  not  the  XIV.  Hir  hert  began  to  glade 

Perdy,  thu  was  my  faders  eyre  She  anone  rijt  thoo 

Off  howse  and  londe,  that  was  so  feyre,  Slew  a  capon  or  twoo, 

And  ever  thou  lyves  in  dispayre;  And  other  gode  mete  ther-too 
What  deuoll,  how  may  this  be?  Hastely  she  made. 

Namentlich  bemerkenswert  in  dieser  beziehung  ist  aber 
das  Dunbar  zugeschriebene  gedieht  The  Droichis  Part  of  the 
Play  (Laing  II,  37).    Die  erste  Strophe  lautet: 

Harry,  harry,  hobillschowe! 
S6  quha  is  cummyn  nowe, 
Bot  I  wait  nevir  howe, 

With  the  quhorle  wynd? 
A  ferjand  owt  of  Soldane  land, 
A  gyand  sträng  for  to  stand, 
That  with  the  strenth  of  my  band, 

Beres  may  bind. 

Der  gleichtaktigen  scansion  setzen  sich,  wenn  auch  nicht  in  so 
grossen  masse,  dieselben  bedenken  entgegen,  wie  in  früheren 
denkmälern;  namentlich  die  kürzeren  verse  sind  ganz  wie  zwei- 
hebige gestaltet.  Aehnlich  ist  der  bau  der  verse  in  den  fol- 
genden drei  Strophen  und  wider  sind  besonders  die  kürzeren 
deutlich  (Farleis  to  find  12;  Licht  as  the  lynd  16;  Grete  of  re- 
noune  20;  Of  all  this  faire  Totvne  24;  With  a  hie  sowne  28); 
findet  sich  unter  ihnen  ja  auch  der  typus  Ct  (28,  vielleicht  24). 


444  luick, 

Die  schlusszeile  der  vierten  atrophe  dagegen  lägst  schon  drei- 
taktige  scansion  zu  (My  eldaris  bair  the  crownc  32)  und  dio 
fünfte  Strophe  setzt  ganz  anders  ein  als  die  früheren: 

My  fore  grantschir,  hecht  Fyn  Mac  Kowle, 
That  dang  the  de  vi  11,  and  gart  bim  yowle, 
The  skyis  ranyd  quhen  he  wald  scowle 
And  tniblit  all  the  air. 

In  dieser  art  geht  es  fort:  das  sind  unzweifelhaft  vier-  und  drei- 
taktige verse.  Sie  heben  sieh  aber  ganz  deutlieh  ab  von  den 
früheren  und  zeigen,  dass  diese  anders  zu  fassen  sind. 

Wir  müssen  also  annehmen,  dass  an  stelle  der  zweihebigen 
verse  in  späterer  zeit  vier-  und  dreitaktige  traten,  diese  für 
zweite,  jene  für  erste  halbverse.  Zum  überfluss  besitzen  wir 
auch  geradezu  ein  zeugniss  dafür  in  einer  der  bekannten  stellen 
in  könig  Jakob's  Revlis  and  Cavtelis,  welche  vom  'Tumbling- 
verse*  handeln  (vgl.  Schipper,  Engl.  Stud.  V,  490  f.).  Gemeint 
sind  mit  diesem  ausdruck  Strophen  aus  gereimten  stabversen. 
Nach  seinen  Weisungen  sind  sie  wesentlich  anapästisch  zu  lesen, 
wobei  die  uns  geläufige  scansion  mit  vier  hebungen  heraus- 
kommt. Ausdrücklich  nimmt  er  jedoch  davon  ans  'the  short 
lynes  of  aucht  in  the  hinder  end  of  the  verse  (=  Strophe),  the 
quhUk  flowis  as  vther  verses  dois';  und  von  diesen  sagt  er  früher, 
sie  halten  die  regel  ein:  'the  first  fute1  short  the  secound  lang, 
and  sa  furth\  d.  h.  sie  haben  jambischen  rhythmus.  Am  ende 
des  buches  gibt  er  als  beispiel  des  'Tumbling- verse'  eine  drei- 
zehnzeilige  Strophe  der  art,  wie  wir  sie  zu  beginn  besprochen 
haben  (ababababc,dddc);  die  kurzverse  lauten  nun: 

Bosydc  a  pot  baith  auld  and  worne, 
This  bratehard  in  ane  bus  was  bornc, 
They  fand  a  monster  on  the  morne, 
War  facit  nur  a  cat. 

Diese  zeilen  ergeben,  nach  könig  Jakob's  angaben  gelesen, 
deutlich  vier-  und  dreitaktige  verse. 

Man  wird  aber  auch  den  abstand  dieser  kurzzeilen  von 
denen  in  Sus.,  AA,  GG  u.  s.  w.  merken  und  nicht  aus  diesem 
zeugniss  schliessen  wollen,  dass  die  kurzverse  in  solchen 
Strophen  von  jeher  gleichtaktig  waren.  Weitere  beispiele  ftür 
diese  art  des  abgesanges  kommen  recht  häufig  vor  in  der  dra- 

1  fnt  bedeutet  hier  'silbe',  wie  pied  im  Altfranzösischen  (vgl.  Toblor, 
Vom  aftfr.  Versbau  s.  68). 


MITTBLENGLISCHB  METRIK.  445 

matischen  dichtnng  des  ausgehenden  mittelalters  (vgl.  Schipper, 
Engl.  Metr.  I,  392  ff.). 

Da  nnn  die  gleichtaktigen  verse  an  stelle  der  zweihebigen 
in  späteren  gedichten,  erst  im  15.  Jahrhundert,  auftreten,  da 
ferner  denkmäler,  welche  bald  die  eine,  bald  die  andere 
scansion  zu  erfordern  scheinen,  uns  deutlich  einen  Übergang 
zwischen  beiden  veranlassen  aufweisen,  so  haben  wir  gewiss 
nicht  an  ein  gleichberechtigtes  nebeneinanderbestehen  zweier 
verschiedener  bildungsarteu  des  abgesanges  zu  denken,  son- 
dern wir  müssen  annehmen,  dass  der  zweihebige  vers  durch 
gleichtaktige  allmählig  verdrängt  wurde.  Wie  wir  uns  dies 
vorzustellen  haben,  ist  fraglich.  Zwei  möglichkeiten  bieten 
sich.  Entweder  standen  sich  die  beiden  versmasse  so  nahe, 
dass  sie  sich  im  rhythmischen  geftihl  der  dichter  vermengten, 
und  minder  geschickte  bald  in  das  eine,  bald  in  das  andere 
hineingerieten.  Oder  die  zweihebigen  verse,  die  ja  von  anfang 
an  gern  eine  gewisse  fülle  zeigen,  haben  durch  verlang- 
samten Vortrag  und  durch  das  hervortreten  von  senkungs- 
silben  (namentlich  der  nebentöne)  wirklich  neue  hebungen  ge- 
wonnen, die  Strophen  oder  strophenteile,  in  denen  sie  auf- 
traten, wurden  den  schweifreimstrophen  aus  gleichtaktigen 
versen  ähnlich  und  dies  bewirkte  eine  völlige  angleichung. 
Das  letztere  ist  wol  wahrscheinlicher;  es  wäre  begreiflich, 
dass  die  halbzeile  des  stabreimverses  weniger  Widerstands- 
kraft gegen  ausgleichende  cinflüsse  besass  als  die  langzeile, 
dass  sie,  ihrem  ursprünglichen,  uralten  zusammenhange  ent- 
rissen, bald  ihre  lebensfähigkeit  verlor.  Mitten  in  diesem 
übergange  stünden  verse  wie  die  in  Lybeaus  Disconus.  Volles 
licht  könnte  indess  über  diesen  sehr  bemerkenswerten  Vor- 
gang, der  allerlei  fragen  nahe  legt,  erst  eine  nähere  Unter- 
suchung verbreiten. 

Zum  schluss  sei  noch  auf  eine  eigentümliche  bildung  hin- 
gewiesen, die  von  den  bisher  betrachteten  abweicht  und,  wie 
es  scheint,  vereinzelt  dasteht:  der  gereimte  abgesang  in  den 

strophenartigen  abschnitten  des  Syr  Garvayne;  z.  b.: 

1 6  ff.    Where  werre  &  wrake  &  wonder 
Bi  syj>ez  hatz  wont  j?er-inne 
&  oft  boj?e  blysse  &  blunder 
Ful  skete  hatz  skyfted  synne. 
33  ff.    As  hit  is  stad  &  stoken 
In  stori  stif  &  strong 


446  luick, 

With  lel  letteres  loken 

In  londe  so  batz  ben  longe. 

Wir  haben  hier  nur  erste  halbverse,  in  der  Stellung  abab 
reimend  vor  uns,  während  sonst  immer  erste  und  zweite  ver- 
bunden auftreten.  Zumeist  sind  sie  hier  auch  schon  sehr  ge- 
längt, als  ob  sie  im  Übergänge  zu  gleichtaktigen  versen  be- 
griffen wären;  auffällig  ist  aber  noch  ferner,  dass  sie  sich  nicht 
wie  sonst  vier-,  sondern  dreitaktigen  versen  nähern. 

IL    Der  einflnss  des  endreims  auf  die  rhythmik 

des  verses. 

In  meiner  Untersuchung  der  rhythmik  der  mittelenglischen 
stabreimzeile  (Anglia  XI,  392  ff.  u.  553  ff.)  habe  ich  jene  dich- 
tungen,  welche  ausser  dem  Stabreim  auch  noch  den  endreim 
verwenden,  ausgeschlossen,  da  eine  beeinflussung  der  rhythmik 
durch  den  letzteren  von  vorneherein  wahrscheinlich  war.  Bei 
einer  durchsieht  der  hierhergehörigen  denkmäler  hat  sich  mir 
ergeben,  dass  eine  solche  beeinflussung  in  der  tat  besteht,  ihr 
grad  aber  sehr  verschieden  ist  Es  lassen  sich  mehrere  rieh- 
tungen  metrischer  technik  erkennen,  die  ich  in  meinem  bei- 
trage zu  Paul's  Gruudriss  der  germ.  Philologie  in  aller  kürze 
zu  kennzeichnen  versuche.  Eine  eingehende  einzelnntersuchung 
hätte  dies  weiter  auszuführen.  Auf  gewisse  folgen  der  anwen- 
dung  des  endreims  jedoch,  welche,  wenigstens  im  14.  Jahrhun- 
dert, allen  richtnngen  gemeinsam  sind  und  in  den  epischen 
dichtungen  des  nordens  und  nördlichen  mittellandes  allein  den 
unterschied  zwischen  dem  gereimten  und  dem  reimlosen  stab- 
verse  ausmachen,  wollen  wir  im  folgenden  näher  eingehen. 

In  den  zu  Strophen  gebundenen  langzeilen  bleibt  der  erste 
halbvers  unberührt  vom  reim;  sein  bau  ist  daher  auch  derselbe 
wie  im  reimlosen  stabverse.  Im  zweiten  halbverse  sind  auf- 
fällig und  abweichend  gebaut  zunächst  fälle  wie  die  folgenden: 

w*  bis  knyghtehede    AA  S, 4         of  |>at  tresone    AA  23, 5 
at  a  rydynge    AA  23,  S  with  ane  castell    GG  44 

that  wes  riebest    GG  520  in  that  seniblee    GG  214. 

Man  könnte  geneigt  sein,  zunächst  die  fälle  mit  romanischen 
Wörtern  nach  dem  typus  A,  zu  skandieren,  also  tvith  ane  castell, 
in  that  semblee,  und  danach  auch  an  touverschiebung  in  ger- 
manischen Wörtern  denken,  wie  sie  in  den  gleichtaktigen  metren 
Üblich  ist,  also  lesen:  dt  a  rydynge  u.  s.  w.    Bei  einer  genauen 


L'^i.. 


MITTELENGLISCHE  METRIK.  447 

Untersuchung  der  Verhältnisse  ergeben  sich  indess,  namentlich 
aus  GG,  einer  dichtung,  welche  in  der  Setzung  der  stäbe  genau 
ist,  hinweise,  die  mir  diese  möglichkeit  auszuschliessen  scheinen. 
1)  In  allen  zweiten  halbversen  des  GG  ausser  den  fraglichen 
trägt  die  erste  hebung  den  Stabreim,  zumeist  auch  die  zweite, 
selten  die  zweite  allein  (40,  148  u.  s.  w.,  im  ganzen  21  fälle). 
Ganz  vereinzelt  finden  sich  verse,  in  denen  beide  hebungen 
des  Stabreimes  entbehren  (147,  165,  267,  auch  123).  Durch  jene 
betonung  nun  würde  eine  grosse  zahl  von  fällen  der  letzten  art 
herauskommen.  Zudem  würde  der  Stabreim,  der  doch  sicher- 
lich beabsichtigt  ist,  auf  eine  silbe  zwischen  den  hebungen 
fallen,  ohne  dass  eine  von  diesen  an  ihm  teil  nähme,  eine 
eigenttimlichkeit,  die  sonst  gar  nicht  vorkommt.  2)  Die  erste 
hebung  des  zweiten  halbverses,  mag  sie  nun  alliterieren  oder 
nicht,  wird  immer  von  einem  vollwort  gebildet  (subst.,  adjekl, 
verb.).  In  allen  jenen  fraglichen  fällen  gehen  aber  minder  ge- 
wichtige Wörter,  präpositionen,  Konjunktionen  u.  dergl.  voran.1 
Wenn  der  dichter  die  betonung  castell,  rydynge  beabsichtigt 
hätte,  so  würde  er  dafür  sorge  getragen  haben,  dass  ein  voll- 
wort vorausgeht.     Dies  kommt  nun  in  der  tat  manchmal  vor 

und  da  trägt  auch  immer  dieses  vollwort  den  Stabreim;  so: 
kene  and  crueü    46  and  braithly  bledand    S70 

I  teil  you  treuly    507  lang  and  lufly    922, 

(im  reim  auf  well,  teil,  castell;  hand,  land,  hand  u.  s.  w.),  verse 

also,  welche   offenbar  unter  den  typus  At,  (x)-xx-i  fallen 

(vgl.  noch  924,  973,  1091,  1196,  1239,  1246,  1265;   dazu   mit 

unregelmässigem  Stabreim  1303,  1311). 

Man  könnte  noch  an  eine  andere  möglichkeit  denken,  sowol 

für  die  früher  angezogenen  fälle  als  für  diese,  nämlich  zu  betonen: 

ät  a  rydynge  kene  and  cruell 

with  ane  castell  I  teil  you  treuly. 

Gegen  diese  auffassung  von  fällen  der  ersteren  art  spricht 
schon  das  oben  unter  2)  angeführte.  Aber  für  die  zweite 
gruppe  könnte  sie  deswegen  empfehlenswert  erscheinen,  weil 
auf  diese  weise  die  zwei  mit  dem  Stabreim  versehenen  silben 
in  die  hebung  treten.  Indess,  es  kommt  ja  oft  genug  vor, 
dass  ein  stab  in  die  Senkung  fällt,  sobald  die  normale  anzahl 
von  Stäben  bereits  vorhanden  ist;   man  denke  an  die  ersten 

1  Nur  einmal  v.  1211  his  grete  kyndnes  ein  adjektiv.  Dieses  wort 
aber  erscheint  auch  sonst  minder  betont,  vgl.  Anglia  XI,  397. 


448  lüick, 

halbzeilen  mit  drei  Stäben.  Ferner  würden  wir  durch  jene 
annähme  eine  grosse  anzahl  von  versen  erhalten,  die  ich  'ver- 
kürzte' genannt  habe,  d.h.  halbzeilen,  welche  statt  zweisilbiger 
erster  Senkung  nur  einsilbige  aufweisen  (vgl.  Anglia  XI,  417). 
Solche  kommen  in  G6  gelegentlich  vor: 

as  flour  vnfild    352  (:  child,  mild) 
to  say  at  saw    409, 

aber  so  viel  ich  sehe,  kaum  mit  klingendem  ausgang.  Es  ist 
daher  nicht  sehr  wahrscheinlich,  dass  der  dichter  durch  diese 
fälle  ihre  anzahl  so  bedeutend  vermehrt  hätte.  —  Zum  teil  noch 
deutlicher  liegen  die  Verhältnisse  bei  dem  älteren  AA.  Hier 
werden  verkürzte  verse,  wie  wir  weiter  unten  darzulegen  ge- 
legenheit  haben  werden,  in  noch  geringerer  zahl  zugelassen; 
nur  sechs  sind  gesichert.  Dagegen  finden  sich  15  durch  alle 
handschriften  beglaubigte  fälle  wie  wi  his  knyghtehede  8, 4  und 
zwei  der  art  wie  to  make  thy  menynge  19,4. 

Es  bleibt  also  nur  mehr  eine  scansion  übrig:  die  nach  dem 

typus  C,  beziehungsweise  C|i 

at  a  rydynge 
with  ane  cnstell. 

Diese  behandlung  des  nebentons  ist  in  dem  reimlosen  stabverse 
selten.  Während  im  Altenglischen  zweite  teile  von  compositis 
und  schwerere  ableitungssilben  sehr  gern  für  die  zweite  hebung 
von  C  verwendet  wurden,  ist  dies  im  Mittelenglischen  auf  com- 
posita  eingeschränkt  und  auch  hier  nicht  sehr  häufig.  Wir 
haben  also  ein  zurückgehen  auf  eine  altertümliche  betonungs- 
weise vor  uns  und  wir  erkennen  leicht,  wieso  die  dichter 
dazu  kamen.  Durch  die  gleichzeitige  gesetzmässige  anwen- 
dung  des  eiid-  und  Stabreims  konnte  ein  gewisser  widerstreit 
erzeugt  werden;  der  letztere  forderte  die  entschiedene  betonung 
der  Wurzelsilbe,  für  den  ersteren  waren  nebentonige  ableitungs- 
und  flexionssilben  (-y,  -ly,  -hu/,  -est)  sehr  bequem,  namentlich 
wenn,  was  gewöhnlich  der  fall  ist,  der  dichter  mehr  als  zwei 
reimworte  benötigte.  Das  beispiel  der  gleichtaktigen  verse, 
in  welchen  ja  jene  silben  häufig  auf  kosten  der  Wurzelsilbe 
zum  reim  herangezogen  wurden,  musste  den  gegensatz  ver- 
schärfen. Um  nun  diesen  entgegengesetzten  anforderungen 
gerecht  zu  werden,  griff  man  zunächst  auf  eine  altertümliche 
rhythmische  betonung  zurück  und  das  war  in  der  tat  eine 
untadlige  lösung  der  Schwierigkeit    Aber  diese  neubelebung 


MITTELENGUSCHE  METRIK.  449 

eines  bereits  im  absterben  begriffenen  branches  mochte  doch 
dem  sprachgeiste  und  der  betonungsentwickelnng  zn  wenig 
entsprechen,  nm  unbeschränkte  geltung  zu  erlangen;  es  drang 
doch  anch  jene  tonverschiebung  ein,  wie  sie  in  den  gleichtak- 
tigen metren  herrschte  und  gewann  mit  der  zeit  an  Verbreitung, 
obwol  die  der  stabreimdichtung  allerdings  angemessenere  be- 
tonung  rydynye,  cdstell  die  häufigere,  die  gewöhnliche  blieb.1 

Es  ergibt  sich  also  eine  sehr  einfache  regel  für  die  scansion 
des  zweiten  halbverses:  die  erste  hebung  trifft  die  Stammsilbe 
des  ersten  vollwortes,  die  zweite  die  reimsilbe;  in  welchem  ab- 
stände beide  von  einander  stehen,  kommt  nicht  in  betracht 

Dieselben  erscheinungen,  wie  die  besprochenen,  kommen 
auch  bei  anderen  typen  vor.    So: 

and  füll  chevailnis    GG  391 
for  his  paramöur    GG  538, 

gegenüber:  ^  and  ^^    QG  389 

that  pruuit  paramöur    GG  654. 

Weitere  belege  finden  sich  in  allen  anderen  hiehergehörigen 
dichtungen.  — 

In  den  kurzzeilen  der  aus  stabversen  gebildeten  Strophen 
werden  nach  unseren  früheren  ausftthrungen  sowol  erste  als 
zweite  halbverse  vom  reime  berührt  Die  letzteren  zeigen  hier 
ganz  dieselben  eigentümlichkeiten  wie  in  den  langzeilen,  ein 
neuerlicher  beweis,  dass  wirklich  zweite  halbzeilen  vorliegen.  So: 

Of  }>at  profete    Sus.  364  All  my  leuing    GG  1076 

To  faire  söpere    AA  26,13        With  outin  distänce    GG  1362. 

Wie  steht  es  nun  aber  mit  den  ersten  halbzeilen? 
Welchen  einfluss  übte  hier  der  endreim  aus?  Man  könnte,  da 
die  Ursache  dieselbe  ist,  auch  dieselbe  Wirkung  erwarten  wie 
im  zweiten  halbvers,  also  jenes  zurückgreifen  auf  eine  alter- 
tümliche betonung,  wie  riding;  was  aber  bei  dem  knapperen 
bau  der  zweiten  vershälfte  möglich  war,  konnte  nicht  auch  auf 
den  eine  grössere  fülle  erfordernden  ersten  halbvers  übertragen 
werden.  Die  gesammte  mittelenglische  stabreimdichtung  zeigt 
eine  abneigung  gegen  den  gebrauch  des  typus  C  im  ersten 
halbvers;   um  so  weniger  mochte  man  den  typus  Cx  hier  zu- 

1  In  der  Sus.  bilden  die  zweiten  halbverse  mit  dieser  letzteren  be- 
tonung 3  prozent  der  gesammtanzahl,  die  mit  ton  Verschiebung  0,3  prozent; 
ähnlich  steht  das  verhältniss  in  AA  (2,4 :  0,3)  und  GG  (5 :  1,3),  die  zunähme 
der  fälle  mit  ton  Verschiebung  ist  aber  doch  deutlich. 

Angli*,  XU.  band.  29 


450  LUICK, 

lassen.  Es  blieb  also  nichts  Übrig,  als  jene  bequemen  reim- 
gilben überhaupt  zu  vermeiden  oder  sie  mit  tonverscbiebung 
zu  gebrauchen,  wie  sie  ja  auch  in  der  zweiten  vershälfte  neben 
der  korrekten  betonung  vorkommt  und  immer  mehr  an  ans- 
dehnung  gewinnt.  In  der  tat  können  wir  beobachten,  wie 
anfangs  solche  fälle  gemieden,  aber  im  laufe  der  zeit  immer 
mehr  zugelassen  werden.  In  der  Sus.  bilden  die  ersten  balb- 
versen  entsprechenden  knrzzeilen,  welche  mit  tonverscbiebung 
reimen,  7  prozent  aller  solcher  kurzverse,  in  AA  11,  in  6G 
25  prozent. 

'Tonverscbiebung'  sagten  wir,  indem  wir  uns  vorläufig  eines 
ausdrucks  bedienten,  der  für  entsprechende  erscheinungen  im 
gleichtaktigen  reimverse  allgemein  üblich  ist  Dass  aber  in 
den  besprochenen  fällen,  sei  es  nun  am  ende  der  langzeilen 
oder  der  halbverse,  wirkliche  tonverscbiebung  eintrat,  wie 
sie  ten  Brink  für  die  gleichtaktigen  metren  bei  Chaucer  an- 
nimmt, bezweifle  ich  sehr.  Es  ist  bemerkenswert,  dass  alle 
fälle  nur  an  einer  versstelle  vorkommen,  dem  versende,  wäh- 
rend sie  in  den  glcichtaktigen  metren  auch  sonst  zu  treffen 
sind:  man  griff  offenbar  zu  einer  dem  weseu  des  Stabreim- 
verses  ganz  und  gar  zuwiderlaufenden  freiheit,  nur  um  die 
nötige  anzahl  von  reimwörtern  herbeizuschaffen,  was  bei  der 
grossen  zahl  der  ausserdem  geforderten  stabwörter  nicht  leicht 
war.  Wahrscheinlich  wird  man  also  durch  schwebende  be- 
tonung den  hier  mehr  als  in  gleichtaktigen  metren  ins  ohr 
fallenden  widerstreit  zwischen  wort-  und  verston  zu  verschleiern 
gesucht  haben. 

Wir  haben  im  voranstehenden  nur  zweisilbige  Wörter  im 
ange  gehabt;  anders  stand  es  mit  dreisilbigen  der  gestalt  IxxS 
wie  sie  häutig  am  Schlüsse  der  ersten  halbzeileu  vorkamen. 
Hier  konnte  ohne  beeinträchtigung  des  rhythmus  der  neben- 
ton zum  reim  verwendet  werden.  Wir  werden  also  zu  sean* 
diereu  haben: 

(hier  heor  hedes  gon  hyng 

)>c  wince  and  \>u  wederlyng.    Sus.  101  f. 

|>ou  Brak  godes  Coniaundeuient 

To  sie  such  an  Innocent 

with  cny  fals  Juggement.    Sus.  322  ff. 


t  \ 


1  Dreisilbige  Wörter  mit  der  betonung  -xx  seheinen,  so  weit  sie 
Überhaupt  an  dieser  versstelle  vorkommen,  bereits  zweisilbig  geworden 
zu  sein. 


MITTELENGLTSCHE  METRIK.  451 

Wen  diese  scansion  unwahrscheinlich  dünkt,  der  vergleiche 
damit,  was  das  verhältniss  von  reim  und  rhythmus  betrifft, 
ganz  gleich  gebaute  fälle  aus  neuenglischen  gedieh ten,  wie 
'Väin  rvere  Us  melody,  Böse  rviihout  thie*  und  andere,  die 
Schipper,  Engl.  Metr.  II,  145  f.,  angeführt  hat,  sowie  deutsche 
volkstümliche  lieder,  z.  b.:  'Brause  du  freiheitssang ,  brause  wie 
donnerklang9  und  die  bemerkungen  Stolte's  über  solche  fälle 
in  seinen  'Metrischen  Studien  über  das  deutsche  Volkslied' 
(Jahresbericht  über  das  realgymnasium  zu  Crefeld  1882 — 83) 
s.  30  ff.  —  lieber  die  auffassung  ähnlich  gebauter  versausgänge 
am  ende  des  16.  Jahrhunderts  (1589)  haben  wir  ein  lehrreiches 
zeugniss  in  einer  bemerkung  Puttenham's  in  seiner  'Arte  of 
English  Poesie',  s.  187  des  Arber'schen  neudrucks.  Er  sagt  vom 
daktylus,  er  sei  'tnost  vsuall  and  fit  for  our  vulgär  meeter  and 
most  agreeable  to  the  eare,  specially  if  ye  ouerlade  not  your  verse 
with  too  many  of  them  but  here  and  there  enterlace  a  Jambus  or 
some  other  foote  of  two  times  to  giue  him  grauitie  and  stay,  as 
in  this  quadrein  Trimeter  or  of  three  measures. 

Rendttr  ägäine  mfe  tlbVrtte 
and  set  yoür  capdue  free 
Glortoüs  Js  ttä  vietörfe 
Cönqutfröurs  üse  rvWi  leriifte. 

Where  ye  see  euery  verse  is  all  of  a  measure  and  y et  vnegall 
in  number  of  sillables'.  Aus  Puttenham's  Worten  wie  aus  seiner 
bezeichnung  geht  hervor,  dass  für  ihn  alle  verse  gleichmässig 
drei  hebungen  hatten,  also  nicht  etwa  die  reimenden  nebentöne 
in  den  dreisilbigen  Wörtern  als  neue  hebung  galten.  — 

Der  endreim  ändert  also  im  stabverse  zunächst  nur  die 
Verwendung  des  wortmaterials  in  etwas;  die  rhythmik  des 
verses  bleibt  dieselbe.  Im  norden  des  landes,  der  ja  auch  in 
sprachlicher  hinsieht  sich  als  viel  konservativer  erweist,  behält 
der  vers  von  gewissen,  auch  im  reimlosen  stabverse  üblichen, 
Überladungen  der  ersten  halbzeile  abgesehen,  auch  fllrdcrhin 
diese  gestalt.  Es  ist  sehr  bezeichnend  und  ein  neuerlicher 
beweis,  wie  tief  die  alten  typen  dem  rhythmischen  geflihle 
jener  zeit  eingeprägt  waren,  dass  noch  in  der  von  könig  Jakob 
als  beisjiiel  für  den  Tumbling-verse  angeführten  Strophe  (siehe 
oben  s.  444)  genau  die  gesetze  eingehalten  werden,  welche  in 
der  stabreimzeile  des  14.  Jahrhunderts  gelten.  Die  kennzeich- 
nenden unterschiede  zwischen  erstem  und  zweitem  halbverse 

29* 


452  lüick, 

treten  deutlich  zu  tage,  das  normale  ausmass  des  verses  wird 
weder  nach  oben  noch  nach  unten  hin  Überschritten.  Aber  auch 
die  rhythmische  mannigfaltigkeit  der  stabreimzeile  ist  keines- 
wegs, wie  man  erwarten  könnte,  einem  streben  nach  gleich- 
taktigkeit  gewichen;  unter  den  neun  zweiten  halbzeilen  finden 
sich  zwei  nach  dem  typus  C{: 

Ay  trott  and  into  troupes        fra  the  twylicht    4 

The  king  of  Fary  with  the  Court       of  the  Elf  quene    7, 

(wahrscheinlich  gehört  auch  2  nou  gif  I  reid  rieht  hierher)  and 

einer  nach  B(V 

In  the  hinder  end  of  harnest    vpon  Alhällow  ene    1. 

Es  ist  zu  bedauern,  dass  der  vierhebige  vers  nicht  in  dieser 
nördlichen  form  weiterlebte. 


III.   Zu  <The  Awntyrs  of  Arthure'. 

Lübke  sagt  in  seiner  oben  s.  437  angezogenen  dissertation, 

in  AA  seien  viersilbige  halbzeilen  nach  der  cäsur  sehr  häufig 

(z.  b.  I,  2, 6, 8;  II,  2, 5, 8),  seltener  vor  der  cäsur  (II,  4;  V,  1  etc.). 

Die  halbverse,  worauf  hier  bezug  genommen  wird,  sind: 

als  the  büke  tellis    I,  2  |>*  hir  hede  hydys    II,  5 

to  \>*  depe  dellis    I,  6  )>at  the  rayne  schrydes    II,  S 

by  frythis,  and  fellis    I,  8  Raylede  w*  rubes    II,  4  a 

|>at  glemet  füll  gaye    II,  2  Alle  darkis  the  dere    V,  la. 

LUbke  nimmt  also  für  dieses  gedieht  bereits  verstummung  des  -e 
in  den  endungen  -es,  -ed  an.  Das  ist  aber  nicht  statthaft.  Wie 
Murray  in  seinem  aufsatze  'The  Dialect  of  the  Southern  Counties 
of  Scotlaud,  (Transactions  of  the  Philological  Society  1870—72) 
s.  151  ausfuhrt,  war  zwar  im  Schottischen  schon  seit  ungefähr 
1340  dieser  vokal  stumm,  aber  in  'sustained  poetry'  —  und  zu 
dieser  müssen  wir  AA  rechnen  —  galten  noch  bis  ins  16.  Jahr- 
hundert jene  endungen  als  eigene  silben.  In  der  tat  finden 
wir  noch  in  66  (ende  des  15.  Jahrhunderts)  den  reim  deuinis: 
tnine  is  1228  f.  und  eine  ganze  reihe  solcher  reime  in  The  Büke 
of  the  Howlat  und  Douglas'  prolog.  Murray  gründet  seine 
behauptung  nur  auf  den  gebrauch  in  gleichtaktigen  metren; 
indess  auch  die  stabreimzeile  gibt  unzweifelhafte  hinweise  in 
dieser  richtung.  Durch  die  annehme  Lübke's  würde  eine  sehr 
grosse  anzahl  von  verkürzten  versen  entstehen;  diese  sind  nun, 
abgesehen  von  den  in  rede  stehenden  fällen,  ausserordentlich 
selten.    So  viel  ich  sehe  findet  sich  kein  fall,  der  von  allen 


MITTELENGLISCHB  METRIK.  453 

drei  handschriften  überliefert  würde.1  Diejenigen,  welche  sich 
nur  in  einer  finden  (I  weist  ihrer  am  meisten  auf),  können  wir 
füglich  als  zu  wenig  gesichert  bei  seite  lassen.2  Durch  zwei 
handschriften  gestützt  sind  folgende  zweite  halbverse: 

LD:     füll  thikke  folde    4,9 

He  carf  downe  clene    47,  5 

stände  vp  ryght    51,  7 
LI:      \>e  sone  schane  schene  (wex  clere  /)    26,4 

of  brynt  golde  bryghte    27, 4 
DI:      (was  /)  prodly  pight    28,2. 

Weniger  sicher  ist: 

LD:     to  make  repaire    53,8; 

vielleicht  liegt  Cj  vor.    Im  ersten  halbverse  bieten  LI: 

A  knyghte  sali  kenly  23,1. 
Wie  man  sieht,  wird  zumeist  die  einsilbige  Senkung  durch  ein 
gewichtigeres  wort  gebildet,  wodurch  für  den  ausfall  der  anderen 
seukungssilbe  ein  gewisser  ersatz  geschaffen  wird  (vgl.  über 
ähnliches  in  anderen  denkmälern  Anglia  XI,  417  f.).  Verkürzte 
verse  werden  also  nur  sehr  sparsam  und  nur  unter  erleich- 
ternden bedingungen  zugelassen.  Nähmen  wir  aber  verstummen 
des  -e  in  -es  und  -ed  an,  so  würde  sich  die  zahl  dieser  fälle 
(ohne  dass  jene  bedingung  einträte)  ganz  ausserordentlich 
steigern;   denn   diese   endungen   werden   häufig  an  der  stelle 

einer  der  zwei  normalen  senkungssilben  gebraucht: 

by  frythw,  and  fellis    I,  8 
}>at  glemet  füll  gaye    II,  2 

ferner:   -es  IV,  2,  3,  5,  6, 11,  13;  V,  2,  4,  5,  9;  VII,  1,  7  u.  s.  w.; 

-ed  IV,  10;  VI,  6;  IX,  C;  XII,  9  u.  s.w.    Dies  beweist,  dass  sie 

noch  als  eigene  silben  gesprochen  wurden. 

Viersilbige  zweite  halbverse  kommen  allerdings  vor: 

by  a  grene  welle    III,  2 
trewely  to  teile    III,  8. 

Sie  gehören  den  typen  C^  und  A2  an. 

Wien.  Karl  Luick. 

1  Ich  benutze  L  nach  dem  druck  in  Madden's  Syr  Gawayne,  I  nach 
dem  abdruek  Robson's  (Three  Early  Engl.  Metr.  Rom.),  D  kenne  ich  nur 
aus  den  Varianten  bei  Madden. 

2  Ihre  anzahl  ist  übrigens  auch  nicht  gross.  In  I  finde  ich  11  (23, 1;  28,8; 
33,4;  35,8;  3S,1,6;  47,2;  51,1,3;  52,4a)  in  L  3  fälle  (5,3;  13,7;  55,6). 


EIN  BRIEF  EMERSON'S. 

Concord,  30  April,  1848. 

My  Dear  Wiieeler. 

It  is  very  late  for  me  to  begin  to  thank  you  by  letter  for  your 
abundant  care  and  supply  of  my  wants,  and,  to  point  the  reproach,  here 
has  come  this  day  as  I  am  putting  pen  to  paper  to  send  by  Mr.  Mann  * 
to  morrow,  a  pair  of  books  from  Mr.  Weiss*,  brought  froin  your  own 
hands.  Two  füll  letters  I  have  received,  &  printed  the  substance  of  the 
same3,  &  had  tbe  reading  of  a  part  of  two  more  addressed  to  Robert 
Bartlctt*  since  I  wrote  you.  But,  all  winter,  from  1  Jannary  to  10  March, 
I  was  absont  from  home,  at  Washington,  Baltimore,  Phila.  &  N.  Y.,  & 
would  not  write  letters  to  Germany,  on  the  road.  —  What  shall  I  teil 
you.  Our  Dial,  enriched  by  your  manifold  Intelligence,  yet  languishes 
somewhat  in  the  scantiness  of  purchasing  patrons,  so  that  Miss  Peabody* 
wrote  me  at  N.  Y.  that  its  subscription-list  did  not  now  pay  its  ex- 
penses.  I  hoped  that  was  a  hint  not  to  be  mistaken,  that  I  might 
drop  it.  But  many  persons  expressed  so  much  regret  at  the  tho't 
of  its  dying,  that  it  is  to  live  one  year  more.  Ellery  Channing*  has 
written  lately  some  good  poems  for  it,  one,  cspecially,  called  "Death", 
&  a  copy  of  vorses  addressed  by  hiin  to  Elizabeth  Hoar.  Channing  has 
just  rented  the  little  ||  [p.  2]  red  house  next  below  mine7,  on  the  Turn- 
pike,  and  is  coming  to  live  here  next  week.  His  friend,  S.  G.  Ward,  is 
editing  a  volume  (about  the  size  of  one  of  your  TennysonV),  of  C.'s 
poetry,  whieh  will  appear  in  a  week  or  two.  Thoreau9  goes  next  week 
to  New  York:  My  brother  William  at  Staton  Island10  has  in  vi  t  od  him  to 
take  Charge  of  the  education  of  his  son,  for  a  year  or  more  &  the  neigh- 
borhood  to  the  city  offers  many  advantages  to  H.  T. 

Hawthorn*  remains  in  his  seat,  &  writcs  very  actively  for  all  the 
magazines.  Alcott11  &  I>ane  remain  also  in  their  cottage.  Wright  has 
withdrawn  from  them,  &  joins  the  Fourierists,  who  are  beginning  to  buy 
&  settle  land.  These  are  all  our  village  nows  of  any  Import:  only,  next 
weck,  they  begin  to  build  a  railroad,  whieh  may  unseat  us  all,  &  drive 
us  into  new  solitudes.  1  do  not  notice  any  very  valuable  signa  aboot 
us  in  the  litcrary  &  spiritual  realm.  Yet  I  found  at  Washington,  &  at 
N.  Y.  some  friends  whom  1  greatly  cherish.    I  thiuk  our  wide  Community 

*  So  im  mauuskript. 


FLÜGEL,    EIN  BRIEF  EMERSON'S.  455 

with  its  abundant  reading,  &  a  culture  not  dependant  on  onc  city,  but 

taking  place  every  whcre  in  detached  nervous  centres,  promises  to  yield, 

&  already  yields  a  great  deal   of  private  original  unviolatcd  thought  & 

character.     Nature    is    resolved    to    make  ||  [p.  3]   a   stand    against   the 

market,  which  has  grown  so  usurping  &  omnipotent.    Every thing  shall 

not  go  to  market;  so  she  inakes  shy  men,  cloistered  raaids,  &  angels 

in  lone  places. 

Brook  Farm12  is  an  experiment  of  another  kind,  where  a  hotbed 

culture  is  applied,  and  everything  private  is  published,  &  carried  to  its 

extreme.    I  learn  from  all  quarters,  that  a  great  deal  of  action  &  courage 

has  been  shown  there,  &  my  friend  Hawthorn  almost  regrets  that  he  had 

not  remained  there,  to  see  the  unfolding  &  issue  of  so  much  bold  life. 

He  should  have  staid  to  be  its  historian.    My  friend  Mr.  Bradford  writes 

me  from  B.  F.  that  he  has  formed  several  new  friendships  with  old  friends, 

such  new  grounds  of  character  have  been  disclosed.    They  nuraber  in  all 

about  95  souls.  —  You  will  have  heard  of  Carlyle's  new  work,  "Past  & 

Present".    I  am  just  now  printing  it  in  Boston18  (from  ms.  partly)  braving 

the  chances  of  piracy  from  New  York.    It  is  certain  to  be  populär  from 

the  fear  of  one  class  &  the  hope  of  another:  and  it  is  preliminary,  Carlyle 

seems  to  think,  to  Cromwell.    It  is  füll  of  brilliant  points  &  is  excellent 

history,  true  history  of  England  in  1843.  —  You  will  have  heard  of  Robert 

Bartlett's  illness,  &  the  great  anxiety  of  bis  friends  respecting  him.    He 

went  away,  I  heard,  in  good  spirits,  ||  [p.  4]  &  somewhat  amended:  but 

his  health  is  in  a  most  critical  condition.    It  is  a  great  grief  to  me,  who 

was  every  year  learning  to  value  him  more,  though  there  has  been  some- 

thing  curious ,  as  well  as  valuable,  in  his  unfolding  . .  .    Margaret  Füller 

thanks  you  for  your  account  of  Platen;  and  wishes  further  to  ask  you, 

to  send  her  a  copy  of  the  Vol.  III 14  of  Eckermann's  "  Con versations  with 

Goethe",  which  you  announced.    I  will  pay  your  brother  for  it.*    You 

have  kindly  offered  to  buy  for  me  books  or  drawings,  but  I  shall  not 

give  you  that  trouble.    I  read  little  &  not  adventurously,  but  mostly  in 

old  &  proven  books.    You  shall  see  &  hear  for  me,  and  teil  me  what  is 

the  hope  of  the  new  mines.    Meantime  I  shall  make  an  experiment  on 

the  two  new  books  you  have  sent  me,  or  at  least  in  person  on  Theodore 

Mundt.    Mr.  Mann  was  to  go  to  Berlin  directly,  &  take  on  Dials  to  you; 

I  am  sorry,  he  has  changed  his  plan,  &  goes  slower.    In  all  good  hope 

&  assurance,  your  friend,  n   TT/    ~ 

1  J  '  R.  W.  Emerson. 

Zur  erkläruDg  des  mitgeteilten  briefes  sei  kurz  das  fol- 
gende bemerkt. 

Charles  Stearns  Wheeler  war  ein  amerikanischer  gelehrter, 
welcher  als  Tutor  in  Greek  am  Harvard  College  von  1838  bis 
1842  tätig  gewesen  ist.    In  dieser  eigenschaft  gab  er  eine  vor- 


*     SX 


Am  ende  dieses  satzes  steht  auf  dem  (zusammengefalteten,  als 
briefumschlag  zugleich  benutzten)  b  rief  bogen  die  adresse:  Charles  Stearns 
Wheeler.    Darunter  ein  jetzt  unkenntliches  Siegel  mit  Umschrift. 


456  FLÜGEL, 

treffliche  Herodotausgabe  heraus  (vorwort  datiert  1.  März  1842). 
Neben  seinem  faehstudium  war  er  eifrig  literarisch  tätig  and 
sein  lebhaftes  interesse  an  den  neuesten  erscheinungen  der 
englischen  literatur  hatte  ihn  mit  Emerson  bekannt  gemacht, 
der  ihn  auch  bald  für  seine  Carlyleausgabe  als  korrekter 
gewann. 

Emerson  schreibt  am  C.  Aug.  1838  an  Carlyle  (Corr.  1, 171) 
in  bezug  auf  seine  ausgäbe  der  Miscellanies:  'I  am  sure  you 
will  like  our  edition.  It  has  been  most  carefully  corrected  by 
two  young  gentlemen  who  successively  volunteered  their  Ser- 
vices (the  second  when  the  first  was  called  away),  and  who, 
residing  in  Cambridge,  where  the  book  was  printed,  could 
easilier  oversee  it.  They  are  Henry  S.  McKean,  an  engineer, 
and  Charles  Stearns  Wheeler,  a  Divinity  Student,  —  working 
both  for  love  of  you'.  Mr.  Carlyle  erkannte  bald  die  dienste 
dieser  jungen  männer  und  schreibt  (25.  Sept  1838):  4For  the 
prcscnt,  thank  as  is  meet  all  friends  in  your  world  that  have 
interested  themselves  for  me.  Alas!  I  have  nothing  to  give 
but  thanks.  Henry  McKean,  Charles  Wheeler,  Convers  Francis; 
these  Names  shall  if  it  please  Heaven,  become  Persona  for  me, 
one  day\  Am  2.  Dezember  desselben  Jahres  dankt  Carlyle 
nochmals:  4To  my  two  young  friends,  Henry  S.  McKean  (be 
so  good  as  write  these  names  more  indisputably  for  me)  and 
Charles  Stearns  Wheeler,  in  particular,  I  will  beg  you  to  ex- 
press  emphatically  my  gratitude;  they  have  stood  by  me  with 
right  faithfulness,  and  made  the  correctest  printing;  a  great 
Service:  had  I  knowu  that  there  were  such  eyes  and  heads  acting 
in  behalf  of  me  there,  I  would  have  scraped  out  the  Editorial 
blotches  too  (notes  of  admiration,  dashes,  "We  think"s,  &c,  &c, 
common  in  Jeffrey's  time  in  the  Edinburgh  Review)  and  London 
misprints;  which  are  almost  the  only  deformities  that  remain 
now.  It  is  extremely  correct  printing  wherever  I  have  looked 
and  many  things  are  silently  amended;  it  is  the  most  funda- 
mental service  of  all'. 

Emerson's  Oarlyleansgabcn  scheinen  Wheeler  zu  einer 
amerikanischen  ausgäbe  von  Tcnnyson's  gedichten  angeregt  zu 
haben  (vgl.  anm.  S).  Wheelcr's  hoffnungsreiche  tätigkeit  als 
Schriftsteller.  besonders  in  Verbindung  mit  dem  neugegrttndeten 
1  Dial  \  wurde  zu  früh  unterbrochen  durch  ein  lungenleiden,  Ar 
welches  er  heilung  1842  in  Europa  suchte. 


EIN  BRIEF  EMERSON'S.  457 

Er  scheint  Carlyle  in  Cbelsea  einen  besuch  abgestattet  zu 
haben1  und  ging  dann  über  Berlin  nach  Leipzig,  wo  er  tief- 
betrauert von  seinen  amerikanischen  und  deutschen  freunden2 
am  13.  Juni  1843  im  alter  von  fünfundzwanzig  jähren  seinem 
leiden  erlag. 

Anmerkungen. 

1.  Horacc  Mann  (1796—1859),  berühmter  pädagogischer  Schrift- 
steller, besonders  bekannt  durch  seinen  Report  of  an  Educational  Tour 
in  Germany,  Great  Britain  and  Ireland  1843. 

2.  Rev.  John  Weiss  (1818— 1880).  Ursprünglich  unitarischer  geist- 
licher, seit  1869  einer  der  leiter  der  freireligiösen  bewegung,  erwarb  sich 
grosses  verdienst  um  die  deutsche  literatur  mit  seiner  Übersetzung  von 
Schiller's  philosophischen  werken.  Hauptwerk:  biographie  Theodore 
Parker's. 

3.  Diese  'Letters'  sind,  nach  Ireland's  handexemplar  des  Dial,  mit- 
geteilt inCooke's  vortrefflicher  quellen  Untersuchung;  sie  stehen  Dial  III, 
no.  3  und  no.  4;  vgl.  Journal  of  Speculative  Philosophy,  Concord,  Mass., 
1885  (vol.  19,  p.  225  ff.).  —  Ist  der  brief  im  4.  bände  des  Dial  (no.  3): 
4 Deutsche  Schnellpost'  ebenfalls  von  Wheeler?  Wie  lange  wird  Amerika 
zögern,  den  Dial  —  ein  hauptwerk  aus  der  interessantesten  periode  seiner 
literatur  —  wider  zugänglich  zu  machen? 

4.  Allibone  gibt  den  namen  nicht. 

5.  MissPeabody(*  1804,  noch  am  leben),  besonders  bekannt  durch 
ihre  pädagogische  tätigkeit.  Sie  führte  die  k  indergart  cd -schools  in  Amerika 
ein.    Ihre  werke  s.  bei  Allibone  und  J.  S.  Hart,  American  Literature  p.  557. 

Was  Emerson  an  Wheeler  schreibt,  berichtet  er  auch  an  Carlyle  am 
29.  April  1843  (Corr.  II,  32):  'I  have  hardly  space  left  to  say  what  I  would 
concerning  the  Dial.  I  heartily  hoped  I  had  done  with  it,  when  lately 
our  poor,  good,  . . .  Publishing  Miss  Peabody  wrote  me  that  its  subscription 
would  not  pay  its  expenses  (we  all  writing  for  love).  Bnt  certain  friends 
are  very  unwilling  it  should  die,  and  I  a  little  unwilling,  though  very  un- 
willing  to  be  the  life  of  it,  as  editor'. 

6.  William  Ellery  Channing  (*  1818),  dessen  gedichte  zuerst  1843 
erschienen,  verdankt  seinen  ersten  erfolg  als  dichter  entschieden  Emerson's 
bemühungen,  der  schon  1840  im  Dial  (New  Poetry  —  warum  nicht  in  die 


1  Emerson  an  Carlyle  am  1.  Juli  1842:  'Stearns  Wheeler,  the  Cam- 
bridge Tutor,  a  good  Grecian,  and  the  editor,  you  will  remember,  of  your 
American  Editions,  is  going  to  London  in  August  probably,  and  on  to 
Heidelberg,  &c.  He  means,  I  believe,  to  spend  two  years  in  Germany, 
and  will  come  to  see  you  on  bis  way;  a  man  whose  too  facilc  and  good- 
natured  manners  do  some  injustice  to  his  virtues,  to  his  great  industry 
and  real  knowledge.  He  has  been  corresponding  with  your  Tennyson, 
and  editing  his  Poems  here'.  —  Ob  Wheeler  wirklich  bei  Carlyle  war, 
vermag  ich  nicht  anzugeben. 

2  Zu  den  letzteren  gehörte  mein  gross vater.  der  damalige  amerika- 
nische konsul  zu  Leipzig,  Dr.  Johann  Gottfried  Flügel,  welchem  Wheeler 
den  hier  mitgeteilten  brief  aus  freundschaft  und  dankbarkeit  für  seine 
autographensammlung  schenkte. 


458  FLÜGEL, 

gesaramt  ausgäbe   der  werke  Emerson's  aufgenommen?)  für  den  damals 
noch  gänzlich  unbekannten  dichter  eintrat. 

Emerson  schreibt  an  Carlyle  am  30.  Oktober  1843  (Corr.  II,  39):  'He 
[nämlich  Henry  James]  carried  a  volume  of  poems  froin  my  friend  and 
nearest  neighbor,  W.  Ellery  Channing,  whereof  give  me,  1  pray  you,  the 
best  opinion  you  can.  I  am  determined  he  shall  bo  a  poet,  and  you  must 
find  him  such1.  —  Eine  zum  mindesten  ungezogene,  sehr  bissige  und  ober- 
flächliche kritik  über  Channing's  gedichte  steht  in  E.  A.  Poe's  Works  IV, 
256  ff.  —  Ich  vermag  nicht  anzugeben,  ob  Elizabeth  Hoar  mit  Samuel  Hoar 
in  beziehung  steht,  welchem  Emerson  einen  schönen  nachruf  widmete 
(Works,  X.  bd.,  Lectures  and  Biographical  Sketches). 

7.  Ueber  ihre  nachbarschaft  s.  anm.  6. 

8.  Vgl.  s.45«. 

0.  Henry  David  Thoreau  (1817— 1862),  eine  der  anziehendsten 
gestalten  der  amerikanischen  literaturgeschichte.  Aufsätze  Über  ihn  von 
Emerson  (Works  X,  421 — 452;  Lectures  etc.)  und  von  Lowell,  Study 
Windows  (ed.  Garnett  1887,  p.  137—152);  LowelTs  aufsatz  —  obwol  mit 
lobendem  schluss  —  scheint  Thoreau's  Charakter  nicht  gerecht  zu  werden, 
was  Thomas  Wentworth  Higginson  in  seiner  vortrefflichen  skizze 
Thoreau  (Short  Studies  of  American  Authors,  Boston  1888,  p.  22  ff.)  rügt. 
Vgl.  auch  Garnett's  Emerson  s.  157.  Es  wäre  zu  wünschen,  dass  Thoreau, 
der  auch  ausser  seinem  wald-  und  einsamkeitskultus  genug  des  bedeu- 
tenden bietet,  auch  in  Deutschland  bekannter  würde,  wozu  W.  H.Dirck's 
gute  (und  billige)  ausgäbe  von  'Waiden'  in  der  Camelot  Series  1888  au 
empfehlen  ist. 

10.  Emerson  an  Carlyle  von  New  York  IS.  März  1840  (Corr.  I,  209): 
'I  am  here  on  a  visit  to  my  brother,  who  is  a  lawyer  in  this  city,  and 
lives  at  Staten  Island'. 

11.  Emerson  an  Carlyle,  21.  April  1840  (Corr.  I,  285):  *A  Bronson 
Alcott,  who  is  a  great  man  if  he  cannot  write  well,  has  come  to  Concord 
with  his  wife  and  three  childrcn  and  taken  a  cottage  and  an  acre  of  ground 
to  get  his  living  by  the  help  of  God  and  his  own  spade.  I  see  that  some 
of  the  Education  people  in  England  have  a  school  called  "Alcott  House" 
after  my  friend.  At  home  here  he  is  despised  and  rejeeted  of  men  as 
much  as  was  ever  Pestalozzi.  But  the  creature  thinks  and  talks,  and  I  am 
glad  of  my  neighbor'.  Ueber  Alcott  (*  1 790)  vgl.  auch  Garnett's  Emerson  p. 06 
und  über  sein  Mittle  and  lucklesB  Community  at  Fruitland',  eb.  p.  10S.  — 
Ueber  I^ane  und  Wright  (vgl.  anm.  15)  vermag  ich  nichts  anzugeben. 

12.  Ueber  die  bekannte  Brook  Farm-bewegung  ist  der  abschnitt 
in  Emerson's  grundlegendem  aufsatze  Historie  Notes  of  Life  and  Letten 
in  New  England  (Works  X,  338  ff.)  zu  vergleichen:  4Tho  West  Roxbnry 
association  was  formed  in  1841,  by  a  Society  of  members,  men  and  women, 
who  bought  a  farm  in  West  Roxbnry  of  about  two  hundred  acres,  and 
took  posseRsion  of  the  place  in  April.  Mr.  George  Uipley  was  the  Pre- 
sident, and  I  think  Mr.  Charles  Dana  . . .  was  the  secretary.  Many  members 
took  shares  by  paying  inoney,  others  hcld  shares  by  their  labor . . .  Many 
persons  attracted  by  the  beauty  of  the  place  and  the  eulture  and  ambttkm 
of  the  Community,  joined  them  as  boarders,  and  lived  there  for  yeara. 


EIN  BRIEF  EMERSON'S.  459 

I  think  the  numbers  of  this  mixed  Community  soon  reached  eighty  or 
ninety  souls.  It  was  a  noble  and  generous  movement  in  the  projectors, 
to  try  an  experiment  of  better  living.  They  had  the  feeling  that  onr  ways 
of  living  were  too  conventional  and  expensive,  not  allowing  each  to  do 
what  he  had  a  talent  for,  and  not  permitting  men  to  combine  cultivation 
of  mind  and  heart  with  a  reasonable  amount  of  daily  labor ....  The 
Founders  of  Brook  Fann  shonld  have  this  praise,  that  they  made  what 
all  people  try  to  make,  an  agreeable  place  to  live  in  . . .  It  was  a  dose 
union  like  that  in  a  ship's  cabin,  of  clergymen,  young  collegians,  mer- 
chants,  mechanics,  farmer's  sons  and  daughters,  with  men  and  women  of 
rare  opportunities  and  rare  cultnre,  yet  assembled  there  by  a  sentiment 
which  all  shared,  some  of  them  hotly  shared,  of  the  honesty  of  a  life  of 
labor,  and  of  the  beauty  of  a  life  of  humanity  . . .' 

In  die  literaturgeschichte  führte  Hawthorne  die  Brook  Farm-bewegung 
ein  in  seiner  köstlichen  Blithedale  Romance.  Eine  volle  geschichte  der- 
selben ist  noch  nicht  veröffentlicht,  aber  angeführt  in  der  History  of  Coope- 
ration in  the  U.  S.  (Baltimore  Johns  Hopkins  Univ.  Studies  in  Hist  and  Pol. 
Science,  1888,  VI,  18):  John  T.  Codman,  of  Boston,  whose  unpublished 
History  of  Brook  Farm  was  freely  used  by  Mr.  Frothingham  in  his  Life 
of  Rev.  George  Ripley. 

13.  Ueber  Past  and  Present  vgl.  Emerson's  brief  an  Carlyle  vom 
29.  April  1843  (Corr.  II,  29)  nnd  die  von  Norton  daselbst  mitgeteilte  tage- 
bucbstelle  s.  33.  Ueber  die  amerikanische  ausgäbe  schreibt  Carlyle  an 
Emerson  vom  11.  März  und  1.  April  desselben  Jahres. 

14.  Der  dritte  band  Eckermann's  erschien  erst  1847,  so  dass. Mar- 
garet Füller  noch  vier  jähre  warten  musstel 

15.  (Zu  anm.  11)  Ich  vermute,  dass  unter  Wright  an  William  Bull 
Wright  (Dr.  Wright)  gedacht  ist  (1838—1880),  dessen  Stedman  in  seinen 
vortrefflichen  Poets  of  America  (s.  52)  gedenkt  Er  gehört  zu  der  dichter- 
schule, welche  Poe  als  die  'transcendental  poets'  geisselt. 

Leipzig.  Ewald  Flügel. 


ENGLISCHE  KOLLEKTANEEN. 

III. 

Reise:  journey,  voyage,  travel(s). 

Während  die  erklärung  Klöpper's  (Englische  Synoymik) 
journey,  nrspr.  Tagewerk,  tageszeit,  daraus  zunächst  tagereise; 
jetzt  das  gewöhnliche  wort  für  reise'  leicht  irre  führen 
kann,  ist  doch  auch  die  gewöhnliche1  Unterscheidung  von 
journey,  landreise,  voyage,  Seereise2,  travels^  lange,  weite 
und  beschwerliche  reisen,  besonders  entdeckungsreisen 
in  fremden  Weltteilen  für  letzteres  nicht  ganz  richtig. 

Vielmehr  deckt  sich  travels  mit  den  verschiedenen  bedeu- 
tungen  des  verbs  to  travel  wie  auch  von  traveller  als  1)  jeder 
reisende3,  sei  es  zum  vergnügen  oder  zu  bestimmten  zwecken; 
2)  geschäftsreisender4;  3)  reisender5,  bes.  entdeckungs-, 
forsch  ungsrei  sender. 

Dass  aber  eine  reise  machen  to  make  a  journey  oder 
a  voyage  heisst,  nicht  aber  to  make  a  travel*,  erklärt  sich  aus 
dem  umstände,  dass  travel  eben  abstrakt  (das)  reisen  = 

1  So  u.  a.  auch  Schmidt  zu  Dickens,  Chr.  Car.  27:  1 ,  5,  7. 

*  Klöpper:  'See-  und  wasserreise,  auch  reise  überhaupt*,  richtig, 
doch  veraltet.  Any  journey,  by  land  as  much  as  by  sea,  was  a  voyage. 
Trench,  Engl.  Fast  and  Present.  1S6.  So:  We  have  seen,  in  our  voyage 
through  ltfet  so  many  exceplions  to  it.    Fielding,  T.  J.  2,  247. 

3  Voyage  wird  in  diesem  sinne  heutzutage  doch  nur  vereinzelt  ge- 
braucht Ihe  Maus  and  annoyances  undergone  by  voyagcrs  are  fear 
worse  in  the  United  States  than  on  the  shores  of  ihe  Mersey,  wo  die  rede 
ist  von  der  behandlung  der  dampferpassagiere  seitens  der  Zollbeamten. 

4  Auch  commercial  traveller,  (geschäfts)  reisender,  daher  commerdal- 
hotel,  ein  von  geschäftsreisenden  besuchtes  hotel,  mit  billigeren  preisen.  — 
Dickens1  'Uncoiumercial  Traveller'  in  den  ( Household  Words':  beobteh- 
tungen  eines  nichthandlungsreisenden. 

•%  Um  mitglied  des  'Travellers'  Club'  in  Ixmdon  zu  werden,  braucht 
man  keine  entdeckungsreisen  gemacht  zu  haben. 

6  Das  verbum  to  travel  ersetzt  den  au sd ruck  to  make  m  travel,  der 
vereinzelt  (s.  oben  beispiel  von  Stevenson)  vorkommt;  auf  reiten  gehen: 
to  go,  sei  out  on  travels.    He  is  gone  to  travel.    Shakn  Per.  1,  8, 14. 


SATTLER,   ENGLISCHE  KOLLEKTANEEN.  461 

travelling  bedeutet.  Ans  diesem  gründe  findet  es  sich  denn 
anch  nur  höchst  selten  und  ausnahmsweise  mit  dem  bestimm- 
ten oder  unbestimmten  artikel  the  oder  a,  häufig  dagegen  —  bei 
Shakespeare  zehnmal  —  mit  einem  possessiven  pronomen  ver- 
bunden. 

IIow  many  tveary  steps 
Are  number'd  in  the  travel  ofone  mite?  Shak.,  L.L.L.  5,2,197. 
Call  it  a  travel  thal  thou  tak'st  for  pleasure.  Id.  R.I1I.  2,3,262. 
The  Cruise  of  the  Wallawy.    A  Travel  for  Temperance.    Harp. 

Mag.  1.  85,  210. 
Thal  general  laxily  came  from  his  inordinate  travel.    Eliot, 

Mddl.  1,  152. 
He  pursued  his  travel  homeward.    W.  Irving,  Sk.  B.  301. 
I  am  sorry  for  the  cause  that  has  cut  short  your  travel.  Payne, 

By  Proxy. 
We  began  to  make  our  toilsome  and  devious  travel  totvards  the 
eastern  verge.     Stevenson,  Kidnapped  201. 

Dieser  gebrauch  des  abstrakten  travel,  der  bei  Shakespeare 

vorherrscht l  findet  sich  aber  nicht  allein  in  der  älteren  spräche.2 

And  having  caught  Garns  and  Aristarchus ,  PauTs  companions 

in  travel,  they  rushed  inlo  the  streets.    Acts  19,29. 
Travel  is  really  the  last  step  to  be  taken.     Spectator  364. 
The  advantages  of  travel  tvere  by  seeing  a  great  deal  both  of 

men  and  manners.     Sterne,  S.  J.  1,  111. 

Fälschlich  heisst  es  daher  bei  Crabb,  English  Synonyms: 
'The  word  is  now  mostly  used  in  the  plural  number',  und 
bei  Klöpper,  Englische  Synonymik:  'Travels,  gewöhnlich  nur 
im  plural'.  Vielmehr  findet  sich  sowol  der  singular  wie  der 
plural  gebraucht,  wenn  auch  in  verschiedener  bedeutung: 
travel  (das)  reisen ;  travels  1)  reisen  allgemein,  2)  entdeckungs- 
reisen;  —  travel,  travels;  a  book  of  travel,  travels,  eine  reise- 
beschreibung.3 


To  journey  hat  dagegen  mehr  den  ausdruck  des  'wanderns'.  He  had 
been  —  ing  in  different  parts  of  the  world.  All  Year.  12./1.89,  36.  No 
man  could  —  many  leagues  in  those  countries  ...  In  our  country,  on 
the  contrary,  it  was  possible  to  live  long  and  to  travel  far . . .  Mac., 
Hist.  1,  285. 

1  Nach  Schmidt  (Shak esp. -Lex.)  16  mal,  travels  dagegen  nur  4  mal. 

2  Beispiele  aus  Addison  und  Bacon  auch  bei  Johnson. 

3  Johnson's  erklärung:  travel  1)  journey;  act  of  passing  from  one 
place  to  another.  2)  journey  of  curiosity  or  Instruction;  travels,  account 
of  occurrences  and  observations  of  a  journey  into  foreign  parts  —  ist  nicht 


462  SATTLER, 

They  rvere  bronm  and  sunburnt  by  travel.     Acad.  5./3. 83,  311. 
What  the  reading  of  History  is  to  thepast;  Travel  is  in  some 

measure  to  the  present.    Nichol,  Am.  Lit  5. 
She  devoured  poetry,  romance,  history,  travels  like  a  regulär 

bookrvorm.    Alcott,  L.  Women  1,  57. 
They  are  ihree  of  the  most  enchanting  books  of  travel  that 

I  have  read.    Sala,  111.  N.  15./12.  83,  571. 
In  looking  over  trvo   recent  books  of  travel  notv  before  us; 
und  gleich  darauf:  in  opening  a  book  of  travels.    Harp. 
Mag.  5.  83,  959. 
The  most  absurd  lies  rvhich  he  could  find  in  books  of  travels. 

Mac,  Gldsm.  129. 
//  was  the  first  of  a  series  of  books  of  travels.   Troll.,  Aut.  33. 
Weitere  beispiele:  Howells,  Chance  Acq.  104.    Works  of  travel: 
Graph.  6./1.  83,  7  u.  a. 

Einige  weitere  beispiele  werden  dartun,  wie  auch  heut- 
zutage noch  travel  überaus  häufig  und  in  so  prägnanter  weise 
gebraucht  wird,  dass  es  nur  durch  travelling  erklärt  und  ersetzt 
zu  werden  vermag. 

So  foreign  travel:  Eliot,  Mddl.  2,118;  Howells,  Ch.  Acq.  112; 
111.  N.  8./4.  71,  351;  Yates,  R.  Ahead.  1,  155.  —  American  travel: 
Graph.  8./12.  82,  511.  —  Rastern  travel:  Morley,  EngL  Lit  398. 
Egyptian  travel:  Nichol,  Am.  Lit  397.  —  European  travel:  Howells, 
M.  J.  2,  197.  —  Old  World  travel:  Id.,  Ch.  Acq.  164.  —  South 
Africim  travel:  Acad.  17./3.  83,  188.  So  bildet  Notes  of  Travel 
eine  stehende  rubrik  in  der  'Academy'  (1883,  p.  83,  137,  191 
u.  s.  w.).  Reminiscences  of  travel  (reiseerinuerungen):  Howells, 
M.  J.  2,  205. 

Modern  travel.     The  old  style  of  travel  brought  the  traveller 

into  contact  with  the  people.    All  Year  16./8.  64,  365. 
The  minute  luve  of  travel  lay  hold  of  htm.     Id.  8./12.  83,  65. 
In  the  same  number  a  shorf  series  of  travel  papers  will  be 

commenced.    Athen.  22.,  12.  83,  816. 
Many  months  of  travel  had  carried  me  across  the  great  plateau 
of  the  North.     Butler,  N.  W.  Land  225. 

ganz  zutreffend.  Die  sub  1  und  2  angeführten  beispiele  stimmen  dagegen 
völlig  mit  der  oben  im  texte  gegebenen  erklaning  Ubcrein.  Travel  in  the 
younger  sort  is  a  part  of  education  (Racon).  A  man  not  enlightened  by 
travel  or  reflexion   (Addison).    His  travels  ended  at  hfa  country-aemt 

Dryden).    In  my  travels  I  had  been  near  their  settling  out  in  Thetsaly 

Brown). 


i 


ENGLISCHE  KOLLEKTANEEN.  463 

At  a  very  early  age  he  developed  apassion  for  travel.     Cb.  J. 

25./8.  83,  529. 
The  easier   and   quieter  mode  of  travel  is  very  beneficial. 

Id.  4./7.  85,  418. 
His   dress  and  general  appearance  tvere  those  of  a  man  on 

travel.     Dick.,  L.  D.  3,  154. 
IVhen  semi-darkness  preoails  within  the  carriages,   travel  is 

almost  intolerable.    G.  Words  7.  85,  451. 
A  story  ofvoyage  and  travel  in  the  Ar  die  regiotis.     Graphic. 
Telegraph  and  Travel  by  Sir  F.  J.  Goldsmid.     Id.  6./1.  83,  7. 
A  somewhat  thrilling  story  for  three  days  of  peaceful  travel. 

Id.  6./1.  83,  28. 
Amenities  of  travel.     Id.  13./1.  83,  30. 
//is  love  of  travel  was  first  kindled  by  reading  Bruce' s  tra- 

vels.     Id.  1./12.  83,  534. 
Eight  Years  in  Japan,  Work,  Travel  and  Recreation  by  E.  G. 

Holtham. 
She  hastily  repaired  the  ravages  of  travel.  Howells,  M.  J.  1, 181. 
//  makes  travel  by  the  country  road  a  luxury.     Id.,  M.  C.  229. 
Mr.  A.  must  have  been  talking  of  travel  elsewhere.   Id.,  Cb.  A.  50. 
The  Canadian  railway  is  destined  possibly  lo  alter  the  course 

of  travel  and  traffic.     111.  N.  20./10.  83,  378. 
All   these   methods   of  travel  have  this  delight.    Lansdell, 

Sibiria  1,  307. 
These  thoughts  were  his  travelling-companions  for  nigh  fifty  miles 

of  travel.    Lever,  Lord  Kilg.  1,  252. 
Her  works  appeared  in  rapid  succession  tvith  an  occasional  light 

book  founded  on  travel.    Morley,  Engl.  Lit.  182. 
Steam  has  robbed  travel  of  ils  poetry.    O'Rell,  Jobn  Bull  20. 
Haies  had  aa/uired,  by  travel  and  diplomatic  service  in  foreign 

countries,   a  vast  amount  of  knowledge.     Smith,  Student's 

Engl.  Lit.  188. 
The  Colonel   was  a  person  of  great  travel  and  experience. 

Thack.,  Virgin. 

Bremen.  W.  Sattler. 


ZU  ANGLIA  XII,  375  ff. 

Auf  Sarrazin'»  aufsatz  nochmals  eingehend  zu  antworten 
halte  ich  für  unnötig. 

Wenn  jemand,  wie  es  S.  tut,  annimmt,  dass  die  Fat  Ap. 
dichterisch  der  Elene  näher  ständen  als  der  Juliana,  so  kann 
man  sich  auch  nicht  wundern,  wenn  er  zeitlich  Fat.  Ap.  gerade 
vor  das  vollendetste  werk  Cynewulfs,  vor  die  Elene,  setzt. 
Auch  von  seiner  ansieht,  dass  Fat.  Ap.  den  schluss  zum  An- 
dreas gebildet  hätten,  obgleich  gerade  die  geschichte  des  An- 
dreas ganz  anders  in  den  Fat.  Ap.  erzählt  wird,  lässt  sieh  S. 
nicht  abbringen,  er  wird  aber  auch  kaum  jemand  von  der 
richtigkeit  seiner  meinung  überzeugen.  Wenn  ferner  S.  die 
*  Widersprüche'  zwischen  der  Andreaslegende  in  Fat.  Ap.  mit 
der  darstellung  im  Andreas  nur  Abweichungen '  nennen  will, 
so  ist  dies  geschmackssache.  Die  tatsache  bleibt  bestehen, 
dass  Fat.  Ap.,  die  nach  S.  den  schluss  des  Andr.  bildeten,  die 
im  Andr.  enthaltene  legende  gar  nicht  kennen!  Ein  vergleich 
der  reihenfolge  der  apostel  in  Fat.  Ap.  ergibt,  dass  Cynewulf 
weder  den  evangelisten  Matthäus  und  Lukas,  noch  den  anord- 
nungen  Beda's,  des  Venantius  oder  des  ßreviariums  folgt,  son- 
dern sich  allen  gegenüber  Umstellungen  erlaubt  Warum  also 
hätte  er  nicht  den  Matthäus  auf  den  Andreas  können  folgen 
lassen?  Eine  vergleichung  der  Fata,  soweit  sie  den  Andreas 
betreifen,  mit  dem  s.  381  abgedruckten  texte  Beda's  zeigt,  wie 
wenig  übereinstimmendes  beide  haben.  S.  selbst  sägt:  'Beda's 
notizen  sind  meist  ausführlicher,  aber  bisweilen  geben  die 
Fata  genaueres,  so  bei  Philippus  und  besonders  bei  Thomas9. 
Die  Schilderung  von  dem  leben  und  tode  des  Matthäus  wider- 
spricht geradezu  der  Beda's  (und  somit  auch  wol  der  des 
Breviariums).  Man  sieht  also,  dass  Sarrazins  behauptung: 'Der 
inhalt  unseres  gedichtes  stimmt  im  wesentlichen  Uberein  mit 
dem,  was  das  ßreviarium  erzählt;  ebenso  auch  mit  den  angaben 
von  Beda's  martyrologium'  falsch  ist' 

Dies  möge  genügen.  Auch  bei  meiner  ansieht,  dass  sieh 
S.  direkt  widersprochen  habe  (vgl.  s.  875  anm.)  bleibe  ich. 

CtOHUS-LKlIV.Ki.  R.  WOLKER. 


BÜCHERANZEIGEN. 


Müllenhoff,  Karl.  Beovulf.  Untersuchungen  über  das 
angelsächsische  Epos  und  die  älteste  Geschichte 
der  germanischen  Seevölker.  Berlin,  Weidmann'sche 
Buchhandlung,  1889. 

H.  Lübke,  dem  wir  die  vorliegende  Veröffentlichung  der  Beowulf- 
studien  MüllenhofTs  in  letzter  instanz  verdanken,  gibt  uns  in  einer  vor- 
rede eine  Übersicht  über  MüllenhofTs  beschäftigung  mit  der  angelsäch- 
sischen poesie  und  namentlich  mit  deren  bedeutendstem  werke,  dem  Beo- 
wulf.  Der  vorrede  entnehmen  wir  auch,  dass  der  grössere  erste  teil  des 
vorliegenden  buches  (s.  1 — 109)  das  Beowulf  kolleg  des  Berliner  professors 
uns  vorführt,  während  der  schluss  (s.  110 — 160)  nur  die  im  jähre  1869  in 
Haupt's  Zeitschrift  bd.  XIV  veröffentlichte  abhandlung  über  'die  innere 
geschiente  des  Beowulf  wider  zum  abdruck  bringt. 

Die  Vorlesung  über  Beowulf  beginnt  unter  I.  mit  dem  Mythus,  Müllen- 
hoff widerholt  in  diesem  abschnitte  nur,  was  er  schon  früher  in  zwei  all- 
bekannten aufsätzen  aus  dem  jähre  1849:  'Sceaf  und  seine  nachkommen' 
(Haupt's  ztschr.  bd.  VII,  s.  410  —  419)  und  'Der  mythus  von  Beowulf ' 
(Haupt's  ztschr.  bd.  VII,  s.  419— 441)  des  weiteren  auseinandergesetzt.  — 
Der  zweite  abschnitt,  überschrieben  Die  geschichtlichen  Elemente,  handelt 
in  seinem  1.  kapitel  über  die  Geaten  und  Schweden,  Die  als  historisch 
beglaubigten  tatsachen  werden  in  gegensatz  gestellt  zu  den  rein  sagen- 
haften. Alle  historischen  demente  des  Beowulf  schliessen  sich  der  zeit 
nach  eng  an  den  Geatenkönig  Hygelac  an,  der  ein  ganz  bedeutender 
mann  gewesen  sein  inuss  und  dessen  bekannter  zug  an  den  Niederrhein 
zwischen  512  und  520  wol  das  wichtigste  geschichtliche  ereigniss  im  ganzen 
epos  ist.  Auf  Streitigkeiten  zwischen  den  Geaten  (d.  h.  den  bewohn ern 
des  südlichen  Schwedens)  und  den  Schweden  deuten  andere  erzählungen 
im  Beowulf  hin,  wobei  zu  bemerken  ist,  dass  Beowulf  selber,  der  grosse 
und  gewaltige  held  bei  allen  begebenheiten ,  die  der  historischen  Über- 
lieferung und  sage  angehören,  eine  sehr  untergeordnete  rolle  spielt,  und 
dass,  wo  er  das  einzige  mal  bedeutsam  in  den  Vordergrund  tritt,  nämlich 
bei  seiner  wunderbaren  rettung  durch  schwimmen  nach  Hygelac's  niederlage 
am  Niederrhein,  diese  übermenschliche  tat  wol  erst  von  dem  mythischen 
auf  den  historischen  Beowulf  übertragen  wurde.  —  Wenn  Müllenhoff  in 

Anglia,  XII.  band  30 


4  CG  BÜCHER  ANZEIGEN. 

k.ip.  2  —  Die  Dänen  —  auf  dieses  volk  besonders  eingeht,  so  betrachtet 
er  zunächst  als  wichtigstes  historisches  ereigniss  den  im  Beowulf  auch 
erwähnten  kämpf  der  Dänen  mit  den  Heaöobearden.  Nach  einer 
prüfung  der  ältesten  nachrichten  über  die  Dänen  kommt  MUllenhoff  zum 
Schlüsse,  dass  gegen  das  ende  des  5.  oder  anfang  des  0.  Jahrhunderts  die 
Dänen  das  gebiet,  das  von  da  an  Dänemark  heisst,  in  besitz  nahmen, 
indem  sie  ein  anderes  germanisches  volk  daraus  vertrieben.  Dieses  ver- 
drängte volk  ist  nun  dasjenige  der  Heaöobearden,  welche  nun  aller- 
dings nicht,  wie  oft  angenommen,  mit  den  Langobarden  identisch 
sind,  sondern  vielmehr  ein  stamm  der  II eruier  waren,  im  weiteren 
werden  uns  die  an  die  Dänen  im  Beowulf  sich  anschliessenden  Vorkomm- 
nisse in  ihrem  nordischen  gewande  vorgeführt,  auf  die  Verschiedenheit 
hingewiesen,  welche  in  der  darstellung  dieser  zwischen  der  nordischen 
fassung  und  unserem  angelsächsischen  gediente  besteht  und  welche  sich 
namentlich  dahin  konzentriert,  dass  in  den  nordischen  berichten  die  Heaöo- 
bearden Froda  und  Ingeld  als  Froöi  undlngjald  unter  die  dänischen 
könige  aufgenommen  wurden,  und  schliesslich  die  annähme  aufgestellt, 
dass  trotz  angegebener  Verschiedenheit  doch  im  ganzen  eine  so  merk- 
würdige und  überraschende  Übereinstimmung  in  der  darstellung  und  insce- 
nierung  in  beiden  fassungen  übrig  geblieben  ist,  dass  wir  als  grundstock 
der  Hcaöobeardenepisode  sowol  im  Angelsächsischen  als  Nordischen  alte 
dänische  lieder  anzunehmen  hätten  und  dass  die  angelsächsische  Über- 
lieferung auf  einer  älteren,  der  wirklichen  geschiente  naheliegenderen  stufe 
steht  als  die  dänische,  wie  sie  uns  z.  b.  bei  Saxo  Grammaticus  entgegen- 
tritt. Der  halle  Heorot  entspricht  in  der  dänischen  sage  wol  Hleiftr, 
der  königssitz  des  Hrolf  Kraki,  wobei  dann  allerdings  anzunehmen  ist, 
dass  die  im  angelsächsischen  epos  noch  dem  Hröfigär  zugeschriebenen 
taten  in  der  nordischen  sage  mit  Hrööulf,  Hröögär's  neffen,  der  eben 
mit  dem  nordischen  Hrolf  Kraki  identisch  ist,  in  Zusammenhang  ge- 
bracht wurden.  Endlich  werden  noch  mit  guten  gründen  andere  dünische 
könige,  wie  der  im  Beowulf  erwähnte  He  rem  öd  und  die  im  Widsl}>  an- 
geführten Sigelhere  und  Alewih  als  mythisch  bezeichnet.  —  Das  3.  kap. 
des  II.  abschnitten,  überschrieben  Die  Angeht  und  Sachsen,  hat  nun  nament- 
lich zur  aufgäbe  sich  gestellt,  uns  so  viel  als  möglich  zu  zeigen,  wie  denn 
überhaupt  die  Angelsachsen,  die  ja  im  Beowulf  gar  nicht  erwähnt  werden, 
dazu  kamen,  dieses  nordische  Völkerschaften  verherrlichende  epos  sn 
schreiben.  1'm  die  definitive  antwort  auf  diese  interessante  frage  vorzu- 
bereiten, wurden  die  germanischen  ansiedelungen  auf  der  britischen  insel 
näher  untersucht,  die  in  das  Beowulf lied  eingedrungene  anglische  crxäh- 
lung  von  Offa  und  der  l'ryfto  bis  ins  detail  hinein  betrachtet  und  auf 
s.  st  als  obige  frage  beantwortende  ergebnisse  hingestellt:  *1)  Die  erobe- 
rung  und  besiedelung  Englands  durch  die  Angeln  und  Sachsen  fällt  un- 
gefähr in  dieselbe  zeit,  in  dasselbe  Jahrhundert  (im  wesentlichen  450 — 550) 
wie  die  dänischen  und  skandinavischen  begebenheiten,  die  den  vornehm- 
sten historischen  inhalt  des  Beowulf  bilden.  2)  Von  den  einzelheiten  dor 
Übersiedelung,  von  den  vielfältigen  zügen,  die  zur  erobemng  des  Indes 
führten,  von  ihren  eigenen  taten  und  erfolgen  in  jener  grossen  xeH  haben 
die  Angelsachsen,    obgleich    nach   den   Zeugnissen   der  genealogiem   das 


BUCHER  ANZEIGEN.  467 

ganze  leben  damals  von  poesie  durchdrungen  und  begleitet  gewesen  sein 
inuss,  nur  unsichere  oder  dürftige  erinnerungen  bewahrt.  Es  ist  also  sehr 
erklärlich,  dass  auch  der  Beowulf  aus  dieser  zeit  gar  nichts  berichtet. 
3)  Garmund,  Ofta  und  Eomser,  die  einzigen  personen  aus  der  angelsäch- 
sischen geschichte,  die  im  Beowulf  genannt  werden,  gehören  der  vor- 
englischen epoche  der  Angeln  an  und  sind  seit  dieser  epoche  ununter- 
brochen bei  iIchi  Angelsachsen  selbst  bis  zur  abfassung  des  Beowulf  be- 
kannt geblieben. '  —  Das  unter  3)  aufgeführte  ergebniss  ruft  nun  endlich 
noch  die  frage,  wie  weit  wir  im  Beowulfsliede  noch  festländische  Vor- 
stellungen der  Angelsachsen  haben  und  auf  welchem  wege  und  durch 
welche  Vermittlung  jüngere  Vorstellungen  den  Angelsachsen  zugegangen 
sind.  Dieser  alten  festländischen  anschaungen  finden  sich  nun  aber  im 
Beowulfsliede  ausserordentlich  wenige,  viel  mehr  dagegen  in  dem  vor 
unserem  epos  entstandenem  gedieht  'Des  Sängers  Weitfahrt ',  das  dann 
einer  eingehenden  Untersuchung  gewürdigt  wird.  Als  Verbreiter  der  deut- 
schen sagen  in  England  nimmt  dann  Miillenhoff  die  den  Angelsachsen 
stammverwandten  und  auch  örtlich  nahen  Friesen  an.  Ihnen  verdanken 
die  Angelsachsen  die  kenntniss  der  nordseeheldensage,  wahrscheinlich  die 
der  binnendeutschen  und  auch  mancher  im  Beowulf  erwähnten  nordischen 
sagen.  —  Die  Schlussabhandlung  von  MüllenhofFs  werke  endlich  —  Die 
innere  Geschichte  des  Beorvulfs  —  ist,  wie  schon  oben  angedeutet,  nur 
ein  neudruck  des  gleichnamigen  aufsatzes  in  Haupt's  Zeitschrift  bd.  XIV, 
s.  193—244,  und  sie  soll,  weil  allbekannt,  hier  nicht  weiter  berücksichtigt 
werden.  —  Dem  herausgeber  des  vorliegenden  Werkes  aber  müssen  wir 
sicherlich  dank  wissen,  dass  er  es  uns  durch  diese  Veröffentlichung  ermög- 
licht hat,  die  so  hochbedeutenden  Untersuchungen  des  grossen  gelehrten 
im  zusammenhange  gemessen  zu  können.  G.  S. 


Englische  Studien.    Organ  für  englische  Philologie.    Herausge- 
geben  von  E.  K  öl  hing.    XII.  bd.,  heft  3.    Heilbronn,  Gebr. 

Henninger,  1889. 

Kleine  Publikationen  aus  der  Auchinleck-hs.  X.  J.  Caro:  Hörn  Childe 
and  Maiden  Rimnild.  (Es  wird  eine  literarische  einleitung  gegeben,  worin 
die  drei  bearbeitungen,  die  englischen  King  Hörn  und  Hörn  Childe  und 
die  französische  Hörn  et  Rimnild  auf  ihre  gemeinsamen  züge  und  ihre 
Verschiedenheiten  untersucht  werden.  Es  geschieht  dies,  weil  nach  des 
Verfassers  ansieht  Wissmann  und  Stimming  [Studien  I,  353  ff.]  diesen  ver- 
gleich nicht  erschöpfend  gegeben  haben.  Wissmann  nahm  an,  dass  K.  H. 
die  älteste  fassung  der  sage  darstelle.  Aus  ihr  entsprang  modifiziert  der 
französische  roman  und  aus  diesem  direkt  oder  aus  seiner  quelle  in  modi- 
fizierter form  II.  Ch.  Mit  H.  Ch.  stimmen  die  balladen  überein.  Stimming 
glaubt,  dass  K.  II.,  II.  Ch.  und  die  balladen  unmittelbar  aus  der  volkssage, 
R.  H.  dagegen  aus  einer  englischen  fassung  genommen  sei,  die  sich  aber 
nicht  mit  K.  II.  decke.  Caro's  ansieht  ist:  K.  II.  ist  die  älteste  der  drei 
fassungen,  ob  die  älteste  fassung  überhaupt,  bleibe  dahingestellt.  Hin- 
sichtlich R.  H.  hält  es  der  verf.  für  möglich,   dass  hier  eine  ganz  andere 

30* 


4G8  BÜCHERANZKIGEN. 

bearbeitung  als  K.  II.  zu  gründe  lag,  doch  auch  dass  der  dichter  mehrere 
bearbei hingen  kannte,  unter  welchen  auch  K.  H.  war.  Was  K.  H.  betrifft, 
tritt  Caro  entschieden  Stiniining  entgegen  und  glaubt,  dass  H.  Ch.  nach 
einer  direkten  vorläge,  nicht  aus  der  volkssage  bearbeitet  sei,  oder  dass 
auch  hier  der  dichter  mehrere  dichtungen,  wovon  aber  K.  H.  keine  ge- 
wesen sei,  vor  sich  gehabt  habe.  Darauf  folgt  eine  behandlung  des  dia- 
lektes,  metrums  und  stils  von  H.  Ch.  und  endlich  der  abdruck  des  textes 
nach  der  einzigen  handschrift.  Da  das  gedieht,  obgleich  schon  zweimal 
veröffentlicht,  bisher  doch  nur  schwer  zugänglich  war,  so  sei  Caro  filr 
seine  Veröffentlichung  bester  dank  ausgesprochen.) 

W.  Sattler:  Zur  englischen  grainniatik.  (Im  anschluss  an  Engl.Stud.X 
gibt  hier  der  fleissige  verf.  einen  ausserordentlich  reichen  beitrag  über  die 
anwendung  des  plurals  und  die  pluralformen  im  Neuenglischen.) 

Der  praktisch-pädagogische  teil  ist  in  diesem  hefte  vertreten  durch 
einen  aufsatz  von  W.  Swoboda:  Aneignung  eines  ' wortvorrats '  in  einer 
fremden  (besonders  der  englischen)  spräche. 

Literatur.  —  Miscellcn  (darunter  auch  ein  bericht  von  Pröscholdt 
über  den  neuphilologentag  in  Dresden). 


Englische  Studien.    XIII.  bd.,  lieft  1. 

(J.  L.  Kittredge:  Supposed  Ilistorical  Allusions  in  The  Squire's  Tale. 
(Der  aufsatz  ist  gegen  Brandl's  geistreiche  Vermutung  über  die  geschicht- 
lichen beziehungen  in  des  Junkers  erzählung  gerichtet.  In  einer  'Additional 
Note'  wendet  er  sich  auch  gegen  Brandl's  ansichten  über  Cliaucer's  Drenie). 

A.  Napier:  Altenglische  glossen  zu  Isidor's  Contra  Judoeos.  (Die 
glossen  stammen  aus  einer  Bodleianischen  hs.  in  Oxford.  Die  bs.  gehört 
wol  dem  9.  Jahrhundert  an.  Die  glossen  sind  zum  letzten  kapitel  des 
2.  buches  der  erwähuten  schrift.) 

F.  G.  Fleay:  Annais  of  the  Career  of  Nathaniel  Field.  (In  ähnlicher 
weise  wie  Fleay  in  der  Anglia  das  leben  der  Shirleys  oder  das  des  Samuel 
Daniel  bearbeitete,  wird  hier  in  knapper  analistischer  weise  das  leben 
eines  anderen  dramatikers  der  elisabethischen  zeit  gegeben.  Hierdurch 
erlangen  wir  zum  ersten  male  sichere  anhaltspunktc  über  das  leben  jenes 
bedeutenden  Schauspielers.) 

B.  Leonhardt:  Bonduca.  (Es  werden  hier  die  quellen  von  Beau- 
nioiit  und  Flctcher's  Bonduca  behandelt.  Das  ergebniss  der  eingehenden 
Untersuchung  ist,  dass  die  dichter  ihren  stoflf  nicht  aus  klassischen  Schrift- 
stellern, aus  Tacitus  oder  Dio  Cassius  entnahmen,  sondern  aus  Holinshed'a 
chronik  und  zur  Charakterisierung  einzelner  personell  die  stücke  The  Va- 
liant  Welshinan  und  Antonius  und  Cleopatra  benutzten.  Dass  übrigens, 
wie  Leonhardt  behauptet,  Bonduca  unter  die  Historien  gerechnet  werde, 
bestreiten  wir  ihm  ganz  entschieden.  Mit  demselben  rechte  könnte  man 
König  Lear  als  historie  bezeichnen!) 

Der  pädagogische  teil   enthält  einen  aufsatz  von  F.  Weinthaler; 
Kiniges  aus  der  Schulpraxis.    Kin  beitrag  zur  modernen  Schulunterrichts»  • 
frage.    -  Literatur.    -  Miscellen. 


BÜCHERANZEIGEN.  469 

Englische  Studien.    XIII.  bd.,  heft  2. 

M.  Kupferschmidt:  Ueber  das  hss.-verhältniss  der  Winchester- 
annalen.  (Unter  Winchesterannalen  versteht  der  verf.  den  ältesten,  allen 
fassungen  der  ags.  chronik  gemeinsamen  teil.  Es  wird  untersucht,  wie 
sich  in  diesem  stücke  die  uns  bekannten  7  hss.  der  chronik  zu  einander 
verhalten.  Der  verf.  kommt  zum  ergebniss:  dass  AG  eine  gruppe  bilden, 
die  durch  eine  gemeinsame  quelle  auf  die  Urschrift  zurückgehen.  BCDE 
bilden  wider  eine  gruppe  fiir  sich,  worin  BC  sich  näher  und  ebenso  DE 
sich  gleichfalls  näher  stehen.  F  wird  von  der  Untersuchung  ausgeschlossen, 
da  es  einen  gekürzten  und  veränderten  text  der  Winchesterjahrbücher  gibt.) 

L.  Kellner:  Sir  Clyomon  and  Sir  Clamydes.  (Kellner  führt  aus,  dass, 
wenn  dieses  stück  ernst  gemeint  sei,  wir  es  Peele  nicht  zuschreiben 
können.  So  weit  ist  sicherlich  dem  verf.  zuzustimmen.  Wenn  er  aber 
alsdann  nachzuweisen  sucht,  dass  möglicherweise  das  drama  nur  eine 
parodie  des  rittertums  sein  sollte  und  dann  doch  von  Peele  sein  könne, 
so  scheint  er  uns  dafür  doch  nicht  genügende  beweise  vorzubringen. 
Interessant  sind  die  mannigfachen  anklänge  in  Sir  Clyomon  an  Spenser, 
worauf  Kellner  zuerst  aufmerksam  macht.) 

Der  pädagogische  teil  ist  vertreten  durch  J.  F.Jameson:  Historical 
Writing  in  the  United  States  sime  1861.  (Es  ist  die  fortsetzung  der  Vor- 
lesungen, welche  Stud.  XII,  1  abgedruckt  wurden.  Im  vorliegenden  teile 
wird  die  neueste  zeit  behandelt.) 

Literatur.  (Hier  sei  erwähnt,  dass  Möller  ten  Brink's  Beowulf  be- 
spricht. Diese  besprechung  hat  den  umfang  einer  eigenen  abhandlung, 
s.  247-  315.)  B.W. 

B.  ten  Brink.  Geschichte  der  englischen  Literatur.  2.  bd. 
Bis  zur  tronbesteigung  Elisabeths.  1.  hälfte.  Berlin,  B.Oppen- 
heim, 1889. 

Mehr  als  elf  jähre  liegen  zwischen  dem  erscheinen  des  ersten  bandes 
von  ten  Brink's  englischer  literaturgeschichte  und  dem  der  ersten  hälfte 
des  zweiten  bandes.  Allerdings  hat  der  verf.  diesen  langen  Zeitraum  nicht 
unproduktiv  zugebracht:  er  beschenkte  uns  nicht  nur  mit  dem  werke 
'Chaucer's  Sprache  und  Verskunst11,  der  ersten  ausführlichen  grammatik 
und  vcrslehre  des  grossen  englischen  dichtere,  sondern  neuerdings  erhielten 
wir  auch  von  ihm  das  geistreiche  buch  über  den  Beowulf,  welches  ganz 
neue  gesichtspunkte  hinsichtlich  der  entstehung  dieses  gedientes  bringt.* 

Wenn  also  auch  sicherlich  jeder  fachgenosse  sehnlich  das  erscheinen 
des  zweiten  teiles  der  literaturgeschichte  ten  Brink's  wünschte,  so  sehen 
wir  doch  die  gründe  ein,  warum  sich  dasselbe  so  lange  hinzog,  and 
dürfen  mit  dem  verf.  darüber,  dass  er  andere  arbeiten  früher  erledigte, 
nicht  rechten. 

Der  zweite  teil  soll  sich  von  Wiclif  bis  zur  tronbesteigung  der  königin 
Elisabeth  erstrecken,  also  die  darstellung  der  mittelalterlichen  literatur  be- 


1  Vgl.  Anglia  VII,  anz.  s.  141  ff. 

2  Vgl.  Anglia  XI,  319  ff. 


470  BÜCHERANZEIGEN. 

enden  und  zur  neuzeit  überführen.  Von  diesem  teile  liegt  uns  aber  erat 
eine  hälft  e  vor,  den  schluss  des  vierten  und  den  anfang  des  fünften  buches 
enthaltend.  Trotz  dieser  äusserlichen  unvollständigkeit  bringt  uns  der 
vorliegende  halbband  zwei  ausserordentlich  wichtige  abschnitte:  1)  den 
über  Chaucer  und  2)  den  über  das  mittelalterliche  drauia,  welche  beide 
in  sich  abgeschlossen  sind.  In  beiden  wird  viel  neues  und  anregendes 
gegeben,  so  dass  wir  uns  nur  freuen  können,  dass  der  verf.  dies  stück 
einstweilen  mitgeteilt  hat,  wenn  auch  dasselbe  gerade  erst  recht  den 
wünsch  in  uns  weckt,  der  schlusshalbband  möge  recht  bald  erscheinen. 

Der  vorliegende  teil  hebt  an  mit  einer  darstellung,  wie  sich  das  ver- 
hältniss  zwischen  konig  und  kirche  einerseits  und  zwischen  könig  und 
Parlament  andrerseits  seit  dem  13.  Jahrhundert  gestaltete.  Während  im 
13.  Jahrhundert  der  könig  sehr  abhängig  vom  papste  war  und  sich  öfters 
sogar  gegen  den  willen  des  laudes  auf  dessen  seite  stellte,  war  Eduard  III. 
stets  national  gesinnt  und  hatte  daher  manche  fehden  mit  der  geistlichkeit 
durchzumachen.  Diese  betrachtung  führt  auf  Wyclif  und  seine  reforma- 
torische  tätigkeit  über.  Es  wird  gezeigt,  wie  Wyclif  von  einem  anhänger 
des  papstes,  der  nur  auch  zugleich  Engländer  sein  wollte,  allmählich  immer 
schrofferer  gegner  des  papsttums  wurde,  bis  er  1377  die  zusammen- 
berufung  eines  geistlichen  Parlamentes  veranlasste  und  sich  ganz  auf  die 
bibcl  stützend  als  erklärter  feind  Roms  zeigte.  Bis  dahin  hatte  Wyclif 
immer  die  mehrheit  der  Engländer  hinter  sich.  Doch  änderte  sich  dies, 
als  die  bauern,  die  reformation  als  deckmantel  zu  einer  gesellschaftlichen 
revolution  benutzten.  Nun  wandte  sich  der  englische  adel  mehr  und  mehr 
von  Wyclif  ab.  Wyclif  wurde  13S1  von  Oxford  entfernt  und  er  brachte 
nun  sein  lebeu  teils  als  reiseprediger,  teils  als  geistlicher  in  Lutterworth 
hin.  In  diese  zeit  fällt  das  Hauptwerk  seines  lebens,  nämlich  die  bibel- 
übersetzung.  Ten  Brink  gibt  das  urteil  über  Wyclif  als  Schriftsteller  ab, 
dass  er  ein  grosser  denker,  aber  kein  grosser  Stilist  gewesen  sei,  sein 
Latein  wäre  schwerfällig,  dagegen  sein  Englisch  klar  und  kernig,  wenn 
auch  spröde.  Die  beurbeitung  von  Purvoy  sei  bei  weitem  gewandter  als 
die  seines  meisters. 

Mit  abschnitt  V  beginnt  die  betrachtung  Chaucer's  und  seiner  werke, 
die  sich  bis  zum  ende  des  4.  buches  erstreckt  (s.  33—214).  Ten  Brink, 
der  beste  der  jetzt  lebenden  Chaucerkenner,  bietet  in  diesem  abschnitte 
nicht  nur  viele  besserungen  und  ergänzungen  zu  seinen  treulichen  Chaucer- 
Studien,  sondern  vollendet  darin  auch  dieses  buch,  so  dass  der  vorliegende 
band  jetzt  die  beste  betrachtung  von  Chaucer's  leben  und  werken  dar- 
stellt. Trefflich  leitet  eine  betrachtung  der  gesehmacksrichtung  der  da- 
maligen zeit  den  abschnitt  ein,  einer  zeit,  wo  das  ritterliche  wesen  aus- 
klang  und  einem  steifen  formal ismus,  einem  künstlich  geschraubten 
enthusiasmus  platz  machte,  der,  mit  allegorien  reichlich  ausgestattet, 
wenig  natürliches  zeigt,  es  sei  denn,  dass  er  manchmal  in  derbe  Sinnlich- 
keit verfällt.  Die  französischen  werke,  wie  der  lioman  von  der  Rose, 
die  dichtungen  des  Wilhelm  von  Machault  sind  die  haupt Vertreter  dieser 
richtung.  Ihnen  folgte  Chaucer  in  seinen  erstlingswerken,  die  aus  lays, 
rondels,  virelays  und  dergleichen  bestanden  und  vielleicht  sogar  in  fran- 
zösischer  spräche  geschrieben  waren.    Letzteres  hält  der  verf.  für  glaub- 


BÜCHER  ANZEIGEN.  471 

lieh,  da  am  hofe  zu  dieser  zeit  nur  Französisch  in  der  dichtkunst  gepflegt 
wurde:  eine  höfische  dichtung  in  englischer  spräche  gab  es  damals  nicht. 
Von  Zeitgenossen  Chaucer's  aber,  wie  z.  b.  von  Gower,  wissen  wir,  dass 
sie  in  französischer  spräche  dichteten.  Ohne  englische  Vorbilder  war  Ch. 
allerdings  beim  beginn  seiner  dichterischen  lauf  bahn  nicht,  doch  gehörten 
dieselben  dem  geistlichen  gebiete  oder  den  ritterromanen ,  die  aber 
meistens  sehr  im  bänkelsängertone  gehalten  waren,  an.  Erst  etwa  in  der 
zeit  von  des  dichters  geburt  interessierten  sich  auch  hohe  herren,  beson« 
ders  im  westen  Englands,  für  dichtung  in  der  Volkssprache.  Die  ersten 
versuche  Chaucer's  mögen,  nach  Gower's  zeugniss,  wol  erotischen  inhalts 
gewesen  sein.  Sein  erstes  grösseres  gedieht  schliesst  sich  an  den  tod 
der  herzogin  Blanche  1369  an.  Hier  zeigt  sich  der  Verfasser  zwar  von 
Wilhelm  von  Machault  abhängig  (auch  das  versmass  ist  das  bei  den 
Franzosen  beliebte  kurze  reimpaar),  doch  entbehrt  schon  dieses  stück 
nicht  der  Originalität.  Eine  eingehende  besprechung  dieses  gedichtes  gibt 
ten  Brink  gelegenheit  zu  manchen  treffenden  bemerkungen.  Darauf  wird 
das  erste  strophische  (siebenzeilige)  gedieht  des  dichters,  seine  'Com- 
pleynte  to  Pite'  betrachtet,  das  ten  Brink  in  die  jähre  1370—72  setzt. 

Der  abschnitt  VI  behandelt  die  italienische  zeit  des  dichters  und 
wird  daher  passend  eingeleitet  durch  eine  betrachtung  der  drei  Italiener 
Dante,  Petrarca  und  Boccaz.  Es  wird  hervorgehoben,  wie  Chaucer  nicht 
gehörig  vorbereitet  nach  Italien  kam  und  ihm  daher  für  manches  erst 
allmählich  das  verständniss  aufging,  für  anderes  aber  überhaupt  nicht. 
Petrarca  blieb  dem  Engländer  am  fernsten;  die  zeit  von  Ch.'s  lyrischer 
periode  war  vorbei,  daher  blieb  der  lyriker  Petrarca  ihm  fremd,  wenn  er 
auch  manches  (vor  allem  seine  Griseldiserzählung)  seinen  anderen  werken 
entlehnte.  Dante  wirkte  formell  auf  unsern  dichter,  auch  religiös.  Denn 
es  scheint  sich  letzterer,  worauf  ten  Brink  zuerst  aufmerksam  macht, 
gerade  damals  in  einer  religiösen  krisis  befunden  zu  haben.  Die  ab- 
fassung  des  Cäcilienlebens  mit  seinem  eingang  an  Maria,  auch  Chaucer's 
ABC,  das  ten  Brink  in  diese  zeit  setzt,  mag  dafür  zeugniss  ablegen.  Am 
meisten  wirkte  auf  unsern  dichter  Boccaz  ein.  War  Chaucer  auch  eine 
tiefer  angelegte  natur  als  dieser  Italiener,  so  gefiel  ihm  doch  der  rea- 
listische zug,  welcher  Boccaz  eigentümlich  ist  Zu  zwei  grossen  epen 
lieferte  er  ihm  den  stoff  und  auch  sonst  finden  wir  noch  vielfach  anleh- 
nungen  und  entlehnungen.  Aus  der  zeit  der  inneren  einkehr  Chaucer's 
scheint  ten  Brink  noch  die  bearbeitung  der  schrift  De  miseria  huinan« 
conditionis  des  Innocenz  zu  sein,  ein  werk,  das  uns  nicht  erhalten  ist. 
Nun  beginnt  hier  ten  Brink  eine  neue  periode  im  schaffen  des  dichters, 
wo  sich  dieser  als  schüler  der  renaissance  und  zugleich  zunächst  von 
Johann  von  Lancaster  stark  beeinflusst  zeigt.  An  den  anfang  dieses  ab- 
schnittes  stellt  der  verf.  die  Skandalgeschichte,  welche  den  titel  'Mars 
und  Venus '  führt,  und  die  bearbeitung  des  pikanten  Romans  von  der  Kose. 
Aus  diesem  werke  mag  Chaucer  manches  aus  dem  Boetius  kennen  gelernt 
haben  und  so  wurde  er  zu  seiner  Übertragung  jenes  Werkes  gebracht.  Er 
tritt  damit  in  die  reihe  der  prosaisten,  welche  noch  recht  spärlich  ver- 
treten sind:  Trevisa,  Mandeville,  Wiclif  sind  die  Vertreter  derselben.  Wir 
dürfen  uns  daher  nicht  wundern,  wenn  auch  des  dichters  prosa  recht  un- 


472  BÜCHERANZEIGEN. 

gclcnk  ist.  —  Zu  neuen  planen  brachte  den  dichter  die  Vermählung  des 
königs  Riehard  mit  Anna  von  Böhmen.  Das  *  Parlament  der  Vögel'  be- 
zieht sieh  ohne  zweifei  auf  die  königliche  Werbung.  Dies  gedieht  übt 
eine  weit  woltuendere  Wirkung  als  die  von  Johann  von  Gaunt  veran- 
lassten aus.  Doch,  wie  ten  Briuk  hervorhebt,  wurde  Chaucer  durch  den- 
selben hohen  herrn  auch  zu  einem  treffliehen  werke  angeregt,  zu  seinem 
Troilus.  Ten  Brink  gibt  eine  feine  ausfiihrung,  wie  der  dichter,  ohne 
wesentlich  zu  ändern,  aus  dem  werke  des  Boccaz  ein  ganz  anderes  schuf, 
worin  der  charakter  des  Troilus  vertieft,  der  der  Cryseydc  sehr  veredelt 
wurde.  Dem  einflussc  Gaunt's  ist  wol  die  gestillt  des  Pandarus  mit  seinem 
cynischen  wesen,  der  dem  schwärmerischen  Troilus  entgegentritt,  zuzu- 
schreiben. Auch  hier  zeigt  sieh  enger  Zusammenhang  mit  dem  Boctitis. 
Der  nächste  abschnitt  beschäftigt  sich  mit  der  lateinischen  dichtung  unter 
Richard  II.  Hierbei  ist  Gower's  zuerst  zu  gedenken,  der  neben  balladen 
in  französischer  spräche  ein  grosses  lateinisches  gedieht,  das  moralisch- 
didaktisch war  und  die  laster  und  tilgenden  behandelte,  unter  Eduard  III. 
verfasste:  Speculum  meditautis  geuaunt.  Er  trat  damit  neben  den  moral- 
prediger  Langland,  nur  dass  Gower,  worauf  schon  die  französische  spräche 
deutete,  sich  an  die  gebildeten,  Langiand  an  das  volk  wendete.  Die  *  Vox 
clainantis',  in  lateinischer  spräche  geschrieben,  bewegt  sich  in  gleichen 
bahnen,  doch  wahrscheinlich  enthält  die  Vox  noch  mehr  zeitgeschichtliches 
als  das  Speculum.  Da  letzteres  uns  verloren  ist,  fehlt  uns  das  mittel  zum 
vergleich.  Gower  zeigt  sich  nicht  so  tief  als  Chaucer,  auch  weniger  ein- 
heitlich. Etwas  pedantisches  geht  durch  alle  seine  gediente.  Im  gegen- 
satze  zu  Chaucer,  wie  ten  Brink  sehr  treffend  hervorhebt,  bewegt  er  sich 
noch  ganz  im  mittelalter,  während  Chaucer  eine  neue  geschmacksrichtung 
vertrat.  So  vertritt  Gower  auch,  besonders  in  seinen  späteren  gedichten, 
den  starren  katholizismus.  Anspielung  auf  Zeitverhältnisse  liebt  Gower, 
während  sie  Chaucer  fern  liegen.  Gower  stand  in  seiner  zeit,  wenn  er 
sie  auch  satirisch  betrachtet;  Chaucer,  durch  seine  ideale  auflfassung,  war 
getrennt  von  ihr  und  besonders  von  seinem  prosaischen  berufe.  Dadurch 
entstand  ein  Zwiespalt  in  Chaucer's  seele,  den  er  durch  die  dichtung  zu 
versöhnen  suchte.  Auf  diese  weise  wurde  eines  seiner  schönsten  gedichte, 
das  House  of  Farne  (13^4)  hervorgerufen,  das  aber,  wie  ten  Brink  in  feiner 
weise  zeigt,  ein  durchaus  persönliches  gedieht  ist. 

Mit  der  'Legende  der  guten  Frauen'  geht  der  dichter  zuerst  zu  einer 
neuen  art  der  dichtung  über,  in  der  er  nachher  seinen  hauptmhm  erwerben 
sollte,  zur  rahmen erzählung.  Auch  wird  hier  zuerst  das  heroische  reim- 
paar  angewendet.  Dies  werk  blieb  unvollendet.  Ten  Brink  hebt  scharf- 
sinnig hervor,  wie  man  merke,  dass  der  dichter  allmählich  die  frende  an 
diesem  gedichte  verlor.  Die  ersten  der  trauen,  wie  Thisbe,  Dido  sind 
trefflich  geschildert,  während  die  letzten,  z.  b.  Phyllis,  entschieden  zn  kurz 
kommen.  Nachdem  das  Schicksal  von  zehn  frauen  erzählt  ist  (ursprüng- 
lich sollte  die  geschiente  von  zwanzig  heldinnen  behandelt  werden),  bricht 
der  dichter  ab. 

Allerdings  war  die  nächste  zeit  für  den  dichter  auch  eine  sehr  trübe. 
Er  verlor  seine  gattin  und  bald  darauf  durch  die  wirren  der  zeit  auch 
seine  Stellung,  so  dass  er  in  bittere  not  kam.    Kein  wunder,  dass  seine 


BÜCHERANZEIGEN.  473 

dichtung  nun  ernst  wird.  Der  verlust  seiner  frau  legte  ihm  die  Verherr- 
lichung der  trauen  nahe,  doch  in  ernsterer  weise  als  dies  in  der  Legende 
geschehen  war.  Damals  mag,  wie  ten  Brink  sehr  glaublich  macht,  die 
geschichtc  der  Virginia  und  der  Griseldis  entstanden  sein.  Doch  lange 
Hess  sich  bei  Chaucer  der  humor  nicht  verbannen.  1389  wird  ihm  wider 
ein  amt  gegeben  und  nun  finden  wir  auch,  dass  seine  dichtung  wider 
frischen,  frühlichen  gcist  atmet.  Ten  Brink  nimmt  an,  damals  sei  die 
geschichte  der  frau  von  Bath,  mit  einer  nachher  beseitigten  umfänglichen 
einleitung,  geschrieben  worden  (vgl.  s.  131),  damals  die  erzählung  von 
Januar  und  Mai  entstanden. 

Durch  Chaucer's  legende  wurde  wahrscheinlich  Gower  zur  abfassung 
seines  grossen  englischen  gedichtes,  der  Confessio  Amantis,  angeregt. 
Doch  auch  hier  zeigt  sich  Gower  als  durchaus  mittelalterlicher  dichter. 
Die  einkleidung  der  crzählung  ist  sehr  schwerfällig  und  bietet  nichts  eigen- 
artiges dar.  Daher  ist  die  'Confessio'  als  ganzes  von  wenig  bedeutung, 
wenn  auch  die  einzelnen  erzählungen  oft  nicht  des  reizes  entbehren.  Für 
die  beste  geschichte  möchte  ten  Brink  die  halten,  welche  erzählt,  wie 
ritter  Florcnt  die  frage  löst,  was  von  den  frauen  am  meisten  gewünscht 
werde.  Wie  Gower  zur  Confessio  durch  Chaucer's  legende  gebracht  wurde, 
so  hält  es  ten  Brink  nicht  für  unwahrscheinlich,  dass  umgekehrt  wider 
ersteres  werk  Chaucer  zu  seinen  Canterbury geschienten  anregte.  Einigen 
einfluss  auf  die  anläge  des  ganzen  mögen  die  gesiebte  Peters  des  pflügers 
geübt  haben,  grösseren  noch  das  Decamerone  des  Boccaz:  im  grossen 
und  ganzen  aber  können  wir  den  plan  der  Cantcrburygeschichten  als  dem 
dichter  eigentümlich  bezeichnen.  Ten  Brink  bezeichnet  diese  dichtung, 
wie  sie  uns  jetzt  erhalten  ist,  nicht  als  einen  torso,  sondern  als  eine  reihe 
von  bruchstücken.  Er  hat  darin  durchaus  recht,  denn  wie  nun  weiter  in 
geistreicher  weise  gezeigt  wird,  fügen  sich  die  erzählungen  der  pilger  zu 
einzelnen  gruppen  zusammen,  welche  aber  nicht  nach  dem  grnndsatze* 
ähnliches  zu  vereinigen,  sondern  im  gegenteil  ähnliche  geschienten  zu 
trennen,  zusammengestellt  wurden.  Daher  zeigt  sich  in  den  meisten 
gruppen  grosse  mannigfaltigkeit.  Der  priester  sollte  wol  mit  seiner  buss- 
predigt das  ganze  abschliessen. 

Die  betrachtung  der  einen  unächten,  d.  h.  erst  eingefügten  erzählung, 
die  des  kochs  von  Gamelyn,  führt  ten  Brink  auf  eine  betrachtung  der  sage 
von  Bobin  Hood,  wobei  sich  herausstellt,  dass  dieselbe  vor  dem  14.  Jahr- 
hundert in  England  nicht  nachzuweisen  ist.  Den  schluss  des  4.  buches 
bildet  eine  betrachtung  von  Chaucer's  abhandlung  über  das  Astrolabium 
und  über  das  unvollendete  gedieht  von  Anelida  nnd  Arcite,  das  nur  wenig 
mit  'Palainon  und  Arcite'  gemein  hat,  ebenso  über  Chaucer's  lyrische 
dichtungen.  Auch  Langland's  spätere  Schriften  und  die  seiner  nachahmer, 
wie  die  von  Richard  dem  unberatenen,  von  des  Pflügers  Credo  u.  a.,  wie 
auch  Gower's  Chronica  tripartita  werden  besprochen. 

Das  5.  buch  ist  überschrieben:  Lancaster  und  York.  Schon  dieser 
titel  deutet  auf  Vorgänge  in  England,  welche  der  literatnr  sehr  nachteilig 
waren.  So  haben  wir  denn  auch  keinen  grossen  dichter  im  15.  Jahrhun- 
dert. Die  nachahmer  Chaucer's,  wie  Scogan  unÄ  Shirley,  erreichten  ihr 
vorbild  in  keiner  weise;  Gower  hatte  ganz  aufgehört  zu  dichten.    Am 


474  BÜCHERANZEIGEN. 

ersten  zu  nennen  sind  noch  Thomas  Occleve  und  John  Lydgate,  denn 
des  capcllauus  Johannes  versuch,  die  trostschrift  des  Bootius  in  acht- 
zolliger Strophe  zu  übertragen,  kann  man  nur  als  einen  recht  verfehlten 
versuch  betrachten.  Ten  Brink's  urteil  über  Occleve  ist  durchaus  beizu- 
stimmen: er  hatte  eine  gute  beobachtungsgabe,  weiss  klar  und  anschau- 
lich zu  erzählen,  auch  fehlt  ihm  nicht  ein  gewisser  humur,  so  dass  er  in 
bescheidenen  grenzen  gutes  leistet.  In  religiösen  gedienten  oder  auch, 
wenn  es  sich  um  die  Verherrlichung  der  frau  handelt,  wird  er  tiefinnig. 
Eine  gewisse  breite  der  darstellung,  widerholung  der  moralisierenden 
stellen  und  vielfach  Vernachlässigung  der  form  schaden  aber  seinen  werken. 
Das  gedieht  'Moder  of  God'  ist  daher  vielleicht  sein  bestes  erzeugniss, 
während  'La  Male  Regle7,  das  'Govemail  of  Princes'  und  das  gedieht  auf 
Oldcastle  unter  den  angeführten  fehlem  leiden.  Kulturgeschichtlich  sind 
alle  seine  dichtungen  von  interesse.  Von  ganz  anderem  wesen  ist  der 
fruchtbarste  schüler  Chaucers,  John  Lydgate.  Wie  ten  Brink  sehr  geist- 
reich ausführt,  war  er  von  natur  zum  volksdichtcr  geschaffen,  doch  zwang 
er  sich  zur  didaktisch- moralischen  dichtung  in  grossem  umfange.  Da- 
durch erhielt  seine  dichtung  etwas  pedantisches,  steifes  und  vielfach  lang- 
weiliges, er  wird  platt  und  überladet  seine  dichtung  mit  gelehrsamkeit. 
Seine  fruchtbarkeit  war,  da  ihm  das  reimen  leicht  fiel,  eine  ungeheuere, 
über  alles  mögliche  dichtete  er.  Später  wendete  er  sich  mehr  und  mehr 
der  geistlichen  dichtuug  zu.  Fast  alle  seine  grösseren  werke  sind  durch 
Chaucer  angeregt.  Das  Trojabuch,  1421  für  Heinrich  V.  vollendet,  wurde 
durch  Troilus,  die  geschiente  von  Theben  durch  die  geschiente  des  ritters, 
die  Falles  of  Princes  durch  die  erzählungen  des  manches  angeregt.  Auch 
in  seinen  Heiligenleben  ist  er,  wie  ten  Brink  andeutet,  von  Chaucer  bc- 
eiuflusst  (vgl.  s.  240).  Besprechungen  aller  dieser  werke  finden  sich  im 
vorliegenden  buche. 

Da  im  1 5.  Jahrhundert  nicht  viel  über  die  englische  litcratur  zu  be- 
richten ist,  lo  legt  hier  ten  Brink  die  behandlung  der  entwicklung  des 
dramas  von  seinen  frühesten  anfangen  bis  zur  entstehung  der  moralitäten 
ein.  Die  ältesten  spuren  des  englischen  dramas  weisen  auf  Heinrich  III. 
(bald  nach  der  mitte  des  13.  Jahrhunderts)  und  auf  das  östliche  mitteilend 
hin.  Neben  das  bekannte  'Harrowing  of  Hell'  stellt  der  verf.,  etwa  aus 
dem  ende  des  13.  Jahrhunderts,  das  spiel  Jakob  und  Esau,  welches  uns 
noch  in  der  Towueley-(Woodkirk-)saminlung  erhalten  ist  und  auch  noch 
in  dieser  Überlieferung  spuren  höheren  alters  trägt.  Die  Yorkspiele  werden 
mit  denen  von  Woodkirk  verglichen.  Sie  verhalten  sich  zu  einander  wie 
städtische  spiele  zu  bäurischen.  Letztere  sind  grobkörniger,  aber  auch 
witziger,  erstere  feiner,  aber  auch  farbloser.  Die  Chesterspiele  tragen  ein 
didaktischeres  und  gelehrteres  gepräge,  wie  schon  ihre  anklänge  an  fran- 
zösische misterien  beweisen.  Auch  scheinen  dieselben,  im  gegensatx  au 
allen  übrigen,  von  einem  redaktor  in  die  gegenwärtige  gestalt  gebracht 
worden  zu  sein.  Die  Coventryspiele  beschliessen  die  reihe  der  miitcrien- 
sammlungen.  Die  zwei  zunftspiele  von  Covcntry  werden  eingehend  be- 
handelt (die  reinigung  Maria  mit  Jesus  im  tempel  und  ein  weihnaehta* 
spiel).  Dann  folgt  eine  betrachtung  der  sogenannten  Coventrymtoteriem. 
Sehr  treffend  hebt  teil  Brink  hervor,  wie  sich  einzelne  gruppen  von  spielen 


BÜCHERANZEIGEN.  475 

absondern  lassen  und  wie  überhaupt  diese  Sammlung  kaum  ein  wirkliches 
ganze  bilde,  wie  auch  die  einzelnen  gruppen  wol  zu  verschiedenen  zeiten 
zur  auftührung  kamen.  Trotz  älterer  Überlieferung  trägt  diese  Sammlung 
einen  moderneren  charakter  als  die  anderen. 

Die  übrigen  Sammlungen,  von  welchen  wir  nur  Spielverzeichnisse, 
einzelne  spiele  oder  auch  nur  nachrichten  von  aufführungen  haben,  werden 
gleichfalls  besprochen.  Es  folgen  alsdann  die  stücke  des  15.  Jahrhunderts, 
wie:  Grablegung  Christi,  Kindermord,  Saul's  Bekehrung,  wie  sie  uns  eine 
Digby-hs.  und  eine  Bodleiana-hs.  überliefert. 

Sehr  beachtenswert  ist  auch  noch  das  über  das  Spiel  vom  Credo 
(s.  303)  gesagte,  welches  ganz  neue  ansichten  enthält.  Eine  eingehende 
betrachtung  der  älteren  moralitäten:  des  Spiels  vom  Paternoster,  des 
Schlosses  der  Beharrlichkeit,  von  Geist,  Wille  und  Verstand  und  Mensch- 
heit, wie  auch  von  Jedweder  und  endlich  von  Maria  Magdalena  beschliessen 
diesen  gehaltvollen  abschnitt. 

Wenn  wir  am  Schlüsse  unserer  besprechung  nochmals  nachdrücklich 
dem  herrn  verf.  die  bitte  aussprechen,  er  möge  bald  die  Schlusslieferung 
des  bandes  erscheinen  lassen,  so  möge  uns  derselbe  diese  bitte  nicht  ver- 
übeln: im  vorliegenden  hat  er  uns  soviel  des  trefflichen  und  neuen  ge- 
boten, dass  unser  wünsch  nach  mehr  immer  stärker  wird.  R.  W. 


Balg,  G.  H.    A  Comparative  Glossary  of  the  Gothic  Language 
with  especial  referenee  to  English   and  German.    Mayville, 

Wisconsin.    Part  VI,  VII,  VIII. 

Von  rc  wird  in  diesen  drei  heften  das  werk  bis  wa  gebracht,  das 
neunte  lieft  wird  also  wol  das  schlussheft  sein  und  damit  das  für  das 
Studium  des  Gotischen  in  Amerika  so  bedeutende  buch  zu  ende  gebracht 
sein.  Wir  wünschen  dem  verf.,  dass  seine  vielen  benifsgeschäfte  ihm  zeit 
lassen,  recht  bald  sein  mühsames  aber  verdienstliches  werk  vollenden 
zu  können.  R.  W. 


Chaucer,  The  Legend  of  Good  Women.    Ed.  by  Rev.  Walter  W. 
JSkeat.    Oxford,  Clarendon  Press. 

Während  bisher  Chaucer's  Cantcrburygcschichten  viel  und  gern  in 
England,  Amerika  und  Deutschland  gelesen  wurden,  blieb  die  andere 
rahmenerzählung  des  dichters,  die  Erzählungen  von  den  guten  Frauen, 
ziemlich  unbekannt.  Zum  teil  mag  diese  tatsache  sich  aus  dem  inhalte 
beider  werke  erklären,  denn  dass  die  Canterburygeschichten  bei  weitem 
fesselnder  als  das  andere  gedieht,  ist  gar  keine  trage.  Zum  teil  aber  wäre 
sicherlich  letzteres  bekannter  geworden,  wenn  wir  bisher  eine  gute,  zu- 
verlässige ausgäbe  mit  genügendem  wörterbuche  gehabt  hätten.  Eine 
solche  hat  uns  nun  Skeat  in  der  vorliegenden  gegeben.  Alles,  was  man 
zum  verständniss  der  dichtung  braucht,  ist  darin  enthalten.  Die  einleitung 
handelt  über  die  entstehung  des  gedichtes,  über  die  doppelte  gestaltung 


476  BÜCHERANZEIGEN. 

des  prologs  und  die  quellen  der  einzelnen  legenden.  Schade  ist,  dass 
filr  diesen  teil  der  einlcitung  Skeat  noch  nicht  den  zweiten  teil  von 
ten  Brink's  literaturgeschichte  zur  hand  hatte ;  er  hätte  daraus  noch  manche 
anregung  erhalten.1  Weiterhin  wird  über  das  inetnim  der  legende,  über 
die  handschriften,  die  drucke  u.  dergl.  gehandelt.  Dann  folgt  der  text, 
und  zwar  der  prolog  in  seinen  beiden  gestalten.  Eine  reiche  menge  von 
lesarten  wird  unter  dem  texte  gegeben.  Viele  anmerkungen  erklärender 
art  und  ein  Wörterbuch  beschliessen  das  ganze.  Hoffentlich  wird  durch 
dasselbe  das  interesse  für  die  Legende  von  den  guten  Frauen  recht 
weit  verbreitet.  R.  W. 


Ipomedon  in  drei  englischen  Bearbeitungen  herausgegeben  von 

Eugen  K  öl  hing.     Breslau,  W.  Kühner,  1889. 

Im  englischen  gedichte  von  Richard  Löwenherz  werden  v.  M5S  ff. 
berühmte  ritterromanstoffe  aufgezählt.  Darunter  findet  sich  auch  Ypoiny- 
done.  Dass  dieser  stotV  also  seiner  zeit  bekannt  gewesen  sein  inuss,  daran 
lässt  sich  nicht  zweifeln.  Dafür  spricht  auch,  dass  uns  derselbe  in  Eng- 
land in  zwei  verschiedenen  gereimten  und  einer  prosabearbeitung  erhalten 
ist.  Von  diesen  drei  gestaltuugen  war  bisher  nur  die  eine,  von  Kölbing 
an  zweite  stelle  gesetzte  (B)  bekannt,  die  unser  landsmann  Weber  seiner 
zeit  veröffentlicht  hatte.  A  und  die  prosaische  bearbeitung  C  werden  hier 
von  Kölbing  zum  ersten  male  mitgeteilt.  Schon  dadurch  hat  sich  der 
herausgeber  den  dank  aller  fachgenosseu  verdient,  in  erhöhtem  inasse  ist 
dies  jedoch  der  fall,  da  er  grammatische,  kritische  und  erklärende  bc- 
merkungen  in  reicher  fülle  gibt  und  uns  in  einer  umfangreichen  einleitung 
über  die  verschiedenen  behandlungen  des  Stoffes,  über  das  verhältniss 
der  englischen  bearbeitungen  untereinander  und  zum  französischen  roman 
eingehend  unterrichtet,  auch  Über  die  spräche  und  metrik  wie  über  die 
handschriften  und  ausgaben  handelt.  R.  W. 


Schmidt,  Aug.     Untersuchungen  Über  König  .Klfred's  Bedattber- 

aetzung.    Iuaugural-Dissertation.    Berlin  1889.  . 

Eine  sorgfältige  und  eingehende  Untersuchung  ergibt  dem  vcrfn  dass 
.Klfrcd's  arbeit  als  eine  äusserst  genaue  Übersetzung  zu  betrachten  ist; 
allerdings  hat  der  könig  insofern  seine  Selbständigkeit  gewahrt,  als  er 
sich  bei  der  auswahl  der  zu  übertragenden  abschnitte  von  bestimmten 
rücksichten  leiten  liess.  So  weit  ist  Schmidt  beizustimmen.  Wenn  er 
aber  dann,  auf  dieses  ergeh niss  gestützt,  meine  ansieht  (Grundriss  §  409), 
dass  die  bearbeitung  Beda's  4wol  unter  allen  grösseren  Übersetzungen  am 
schnellsten  gearbeitet  sei',  nicht  gerechtfertigt  findet,  so  sei  dagegen  er- 
widert, dass  ich  keinen  tadel  aussprechen  wollte  und  dass  ich  nirgends 

1  Es  ist  uns  nicht  entgangen,  dass  Skeat  diesen  zweiten  teil  s.  UV 
als  eben  erschienen  anführt,  doch  ersieht  man  aus  manchen  angaben,  dass 
er  denselben  noch  nicht  benutzt  hat. 


BÜCHERANZEIGEN.  477 

den  ausdruck  'flüchtig'  (vgl.  s.  fil)  brauchte.  'Flüchtig!  arbeitete  ein  mann 
wie  Alfred  niemals.  Auch  ich  habe,  schon  lange  bevor  ich  den  Grundriss 
schrieb,  genügend  viel  von  ^Elfred's  Übersetzung  mit  seiner  vorläge  ver- 
glichen, um  ein  urteil  über  seine  arbeitsweise  zu  gewinnen  und  das 
ergebniss  war  im  allgemeinen  dasselbe  wie  das  von  Schmidt.  Mein  aus- 
sprach im  Grundriss  aber  beruht  auf  der  schwererklärlichen  tatsache  (wofür 
ich  allerdings  §  468  eine  erklärong  versuchte),  dass  in  yElfred's  Beda  gar 
keine  zusätze  sind,  die  zu  machen  dem  künige  hier  so  nahe  gelegen  hätte. 

R.W. 


Dewitz,  Alb.  Untersuchungen  über  Alfred's  des  Grossen  westsäch- 
sische Uebersetzung  der  Cura  pastoralis  Gregor  s  und  ihr  Ver- 

hältniss  zum  Originale.  Breslauer  Inaug.-Diss.  Bunzlau  1889. 
Es  ist  recht  dankenswert,  dass  diese  Untersuchung  einmal  angestellt 
wurde,  um  so  mehr,  als  der  bearbeiter  derselben  voraussichtlich  wenig 
neues  finden  konnte.  Dass  die  Cura  am  genauesten  von  ^Elfred's  werken 
übertragen  ist,  stand  schon  fest;  kleine  abweichungen ,  wie  sie  Dewitz 
nachweist,  waren  damit  nicht  ausgeschlossen.  Interessant  sind  die  ab- 
schnitte III,  IV  und  V  (änderungen  im  satzbau;  in  der  grammatik  und 
im  stil),  die  manche  eigentümlichkeiten  allgemeinerer  natur  aufweisen. 
Vielleicht  gelangen  wir  doch  noch  bald  dazu,  eine  ^Elfredische  grammatik 
schreiben  zu  können.  Dazu  miiss  allerdings  erst  eine  neue  ausgäbe  der 
Hedaübersetzung  gedruckt  sein.  Doch  dazu  soll  ja  auch,  wie  wir  hören, 
jetzt  hoffnung  vorhanden  sein.  R.  W. 


Le  Morte  D'Arthur  by  Syr  Thomas  Malory.  The  Original  Edition 
of  William  Caxton  now  reprinted  and  edited  with  an  Intro- 
duetion  and  Glossary  by  H.  Oskar  Sommer.  With  an  Essay 
on  Malory's  Prose  Style  by  Andrew  Lang.  Voll.  Text. 
London,  David  Nutt,  1889. 

Dieses  werk,  welches  bald  nach  seinem  entstehen  von  Caxton  ge- 
druckt wurde,  ist  für  die  englische  literatur  von  grosser  bedeutung.  Nicht 
nur,  dass  es  in  älterer  zeit,  wie  z.  b.  von  Spenser,  öfters  benutzt  wurde, 
iu  neuester  zeit  schloss  noch  Tennyson  seine  Idylls  of  the  King  an  das- 
selbe an. 

Von  Caxton's  druck  sind  nur  zwei  abzüge  bekannt,  wovon  der  eine, 
die  Karl  Spencer  copy,  in  England  ist;  auf  dem  Britischen  Museum  be- 
findet sich  weder  dieser  älteste  noch  der  zweite  (von  Wynkyn  de  Worde 
149S),  sondern  erst  der  dritte  (Wynkyn  de  Worde  1529),  dann  die  drucke 
von  1557,  15<>9(V)  und  von  1634  (von  Thom.  Stansby),  die  alle  fehlerhaft 
sind.  In  unserem  Jahrhundert  haben  wir  eine  ausgäbe  von  Southey  (1817), 
die  angeblieh  Caxton's  druck  widergibt,  aber  von  ungenauigkeiten,  fehlem 
und  willkürlichen  änderungen  wimmelt.  Dasselbe  lässt  sich  von  Thom. 
Wright's  abdruck  (1850)  sagen,    dem   ausserdem  auch  nur  die  ausgäbe 


478  BÜCHER  ANZEIGEN. 

von  1031  zu  gründe  gelegt  ist.  Eine  Globe-ausgabc  von  Strachey  (1S6S 
und  1880)  ist  modernisiert  und  nicht  vollständig  gegeben.  Wir  hatten 
also  bisher  keine  zuverlässige,  überhaupt  keine  ausgäbe  dieses  wichtigen 
werkes  nach  Caxton's  druck. 

Da  das  exeniplar  von  Karl  Spencer  aber  nicht  vollständig  ist  (25  Seiten 
fehlen),  so  wurde  dieses  mit  dem  andreu,  welches  in  Amerika,  in  Brooklyn 
im  besitz  von  Mrs.  Abby  K.  Pope,  nach  einer  sorgfältigen  abschritt  aus 
den  anderen  drucken  verglichen.  Da  zeile  für  zeile,  wort  flir  wort  in 
diesem  ab  druck  der  ausgäbe  Uaxton's  entspricht,  so  kann  man  sich  denken, 
welche  mühe  der  herausgeber  übernahm.  Ihm  sei  daher  der  beste  dank, 
ebenso  dem  drucker  und  Verleger  für  ihre  mühe  abgestattet.  Es  ist  ein 
stattliches  werk  von  SGI  quartseiten.  Sommer  hat  sich  durch  diese  aus- 
gäbe sehr  verdient  um  die  englische  philologie  und  literaturgeschichte 
gemacht. 

Ein  zweiter  teil  wird  über  die  verschiedenen  drucke  handeln,  die 
lesarten  derselben  bringen.  Es  soll  die  spräche  und  der  stil  Malory's, 
auch  die  quellen  desselben  erörtert  werden.  Ein  namenverzeichniss  und 
eine  erklärung  der  veralteten  worte  sollen  das  ganze  werk  besch Hessen. 

Die  ausstattung  des  werkes  ist  eine  sehr  reiche,  auch  dafür  gebührt 
herausgeber  und  Verleger  der  beste  dank.  R.  W. 


Tiete,  Georg.    Zu  John  Gower's  Confessio  Amantis.    I.  Lexika- 
lisches.    Inaugnfal-  Dissertation.     Breslau  1889. 

Es  wird  hier  in  einer  sehr  Heissigen  Zusammenstellung  zum  ersten 
male  der  versuch  gemacht,  den  Wortschatz  der  Confessio  festzustellen, 
so  weit  derselbe  Gower  eigentümlich  ist.  Hoffentlich  verfolgt  der  verf. 
derartige  Studien  noch  weiter  und  beschenkt  die  englische  wortkunde  noch 
mit  umfangreicheren  ähnlichen  arbeiten.  R.  W. 


Günther,  Ernst.  Englisches  Leben  im  vierzehnten  Jahrhundert 
Dargestellt  nach  kThe  Vision  of  William  coneerning  Piere  the 
Plowman  by  Will.  Langland.    Inaug.-Diss.    Leipzig  1889. 

Zu  verwundern  ist,  dass  nicht  schon  längst  an  der  hand  von  Lang- 
land das  leben  in  England  im  14.  Jahrhundert  dargestellt  wurde,  als  seiten- 
stiiek  zur  geistreichen  Schilderung  Pauli's ,  die  bekanntlich  auf  Chaucer 
beruht.  Es  wird  nun  hier  versucht,  dies  in  zehn  abschnitten  zu  tun. 
Wenn  auch  die  darstellung  nicht  überall  abgerundet  ist  und  sich  manches 
noch  anders  hätte  verwerten  lassen,  so  liegt  doch  in  dieser  abhandlung 
ein  sehr  schätzenswerter  beitrag  zur  englischen  kulturgeschichte  des  mittel- 
alters  vor.  Die  abschnitte  sind  überschrieben:  1.  I^ondon.  2.  Das  haus 
und  seine  bewohner.  :».  Adel  und  bauern.  4.  Handel.  5.  Fahrende  lento. 
<;.  Pilger  und  eremiten.  7.  Weltgeistlichkeit.  s.  Klostergeistlichkeit 
(.t.  Rechtspflege,     lo.  (leistige  hildung.  R.  W. 


BÜCHERANZEIGEN.  479 

Cossack,  Herrn.    lieber  die  altenglische  metrische  Bearbeitung 

von  Boethius,  de  Consolatione  Philosophie.    Leipziger  Inaug.- 

Dissertation.     Leipzig-Reudnitz  1889. 

Der  verf.  will  nachweisen,  dass  diese  vom  capellanus  Johannes  ge- 
dichtete bearbeitung  der  Trostschrift  von  Johannes  Walton  im  jähre  1410 
im  auftrage  der  Elisabeth  Berkeley,  einer  dame  von  geistlichem  stände, 
gedichtet  worden  sei.  Der  dichter  (um  1390  geb.)  war  zögling  der  Uni- 
versität Oxford,  gehörte  hierauf  dem  kloster  Oseney  an,  wurde  capellanus 
(vielleicht  der  adligen  familie  Berkeley),  später  erzbischof  von  Dublin  und 
starb  um  1475.  Die  Übersetzung,  genau  wie  das  lateinische  original  ein- 
geteilt, wurde  mit  direkter  anlehnung  an  die  Übertragung  Chaucer's  aus- 
geführt; daneben  wurde  auch  der  lateinische  text  benutzt.  —  Wenn  wir 
die  frage  nach  der  Verfasserschaft  auch  nicht,  wie  der  verf.,  als  endgiltig 
erledigt  betrachten  können,  so  sind  doch  die  gründe  flir  Walton  als  Verfasser, 
welche  0.  vorbringt,  recht  gewichtige  und  beachtenswerte.         R.  W. 


Schleich.  Gustav.  Ueher  das  Verhältniss  der  mittelenglisehen 
Romanze  Ywain  und  Gawain  zu  ihrer  altfranzösisehen  Quelle. 
Wissenschaftliche  Beilage  zum  Programm  des  Andreas-Real- 
gymnasiums zu  Berlin.    Ostern  1889  (Progr.  no.  91). 

Der  gründliche  kenner  und  herausgeber  des  englischen  Ywain  und 
Gawain  gibt  hier  noch  einen  nachtrag  zu  seiner  musterhaften  ausgäbe. 
Während  er  in  der  ausgäbe  nur  im  allgemeinen  die  frage  behandelte,  wie 
sich  E  tdie  englische  ausgäbe)  zu  Crestiens'  gedieht  verhält,  behandelt  er 
hier,  welche  gruppe  des  französischen  gedichtes  wol  E  vorlag.  Förster 
fügte  E  seiner  zeit  der  gruppe  ß  (durch  hs.  P  und  H  vertreten)  ein,  doch 
ohne  beweise  für  sein  verfahren  zu  erbringen.  Schleich  untersucht  nun 
gründlich  die  frage  und  kommt,  trotz  mancher  anklänge  von  E  an  gruppe  y, 
auch  «,  zum  ergebuiss,  dass  Förster  beizustimmen  ist.  Die  Untersuchung 
führt  den  verf.  dann  auch  dazu,  die  gründe,  warum  E  oft  abwich,  zu 
untersuchen  und  dabei  häufig  uns  noch  neue  und  interessante  gesichts- 
punkte,  die  er  in  der  ausgäbe  nicht  erwähnte,  zu  eröffnen.  Kurzum,  die 
schrift  ist  wider  ein  wertvoller  beitrag  zur  kenntniss,  wie  Chrestiens  von 
Troies  in  England  behandelt  wurde.  R.  W. 


Landshoff.  Herrn.    Kindheit  Jesu,  ein  englisches  Gedicht  aus  dem 

14.  Jahrb.  I.  Verhältniss  der  IIss.  Inang.-Diss.  Berlin  1889. 
Es  wird  hier  nur  ein  erster  teil  einer  grösseren  abhandlung  uns  ge- 
boten. Er  beschäftigt  sich  mit  den  drei  hss.  dieses  gedichtes,  welche  alle 
drei  von  Horstmann  veröffentlicht  wurden.  Es  ergibt  sich,  dass  die  hs.  A 
(—  Addit.  Ms.  31,0-12  Brit.  Mus.)  eine  Sonderstellung  einnimmt,  während 
Ha  (=  Harl.  V.)54)  und  11  (=  Harl.  2,399)  eine  gruppe  bilden.  Ha  ist  die 
fehlerhafteste,  A  wol  die  beste  hs.,  weun  auch  H  widenun  an  einzelnen 
stellen  vor  A  den  Vorzug  verdient.  R.  W. 


480  BÜCHERANZRIGEN. 

Verhandlungen  des  dritten  allgemeinen  deutschen  Neuphilologen- 
tages am  28.,  20.,  30.  September  und  am  1.  Oktober  1888  zu 
Dresden.    Herausgegeben  vom  Vorstande  der  Versammlang. 

S.  Jahrgang.    Hannover  1889. 

Ucber  den  Dresdener  neupbilologentag  ist  schon  so  viel  geschrieben 
worden,  dass  es  uns  ferne  liegt,  diese  besprechungen  hier  vermehren  zu 
wollen.  Es  sei  liier  nur  auf  zwei  wichtige  punkte  aufmerksam  gemacht, 
die  sich  aus  dem  vorliegenden  berichte  ergeben:  1.  Es  ist  dem  vorstände 
noch  nachträglich  gelungen,  den  fehlbetrag,  welcher  von  allen  drei  neu- 
philologentagen  vorhanden  war,  zu  tilgen,  ohne  den  beitrag  der  mitglieder 
erhöhen  zu  müssen,  so  dass  jetzt  sogar  noch  ein,  wenn  auch  recht  imagi- 
närer, überschuss  da  ist;  wie  dies  geschehen  konnte,  ergibt  der  bericht. 
2.  Die  mitgliederzahl  des  nenphilologenverbandes  ist  von  700  im  Frank- 
furter bericht  auf  8M)  gestiegen.  R.  W. 


English  Wayfaring  Life  in  the  Middle  Ages  (XIVtb  Century)  by 
J.  J.  Jusseraud.     Translated   by  Lucy   Toulmin  Smith. 

Second  Ed.    London,  T.  Fisher  Unwin/l889.    451  ss.  8«. 

Jusscrand's  buch  ist  ein  werk  von  der  höchsten  bedeutung  und  wird 
sich  hoffentlich  in  der  zweiten  und  billigeren  aufläge  auch  in  Deutachland 
bald  den  verdienten  leserkreis  verschaffen,  namentlich  unter  den  Studenten. 
Sein  zweck  ist  zunächst  nur,  eine  wichtige  seite  des  kulturlebens  des 
englischen  Mittelalters  darzustellen,  welche,  wenn  auch  nicht  die  wich- 
tigste, doch  eine  sehr  wichtige  ist,  und  Seitenblicke  auf  alle  möglichen 
anderen  kulturfragen  zulässt. 

Als  material  benutzt  Jusserand  dabei  nicht  die  dichter,  sondern 
gerade  um  die  dichter  zu  erläutern,  quellen,  welche  in  der  literaturge- 
schichte  am  liebsten  bei  seite  geschoben  werden:  nämlich  die  Statuten, 
Petitionen,  rechtsmitteilungen  und  Urkunden  (welche  in  England  ja  seit 
der  mitte  dieses  Jahrhunderts  in  reichlichster  und  wissenschaftlich  ab- 
schliessender form  herausgegeben  werden).  Er  zieht  gelegentlich  natür- 
lich auch  Chaucer  und  Pierce  Ploughman  herbei,  aber  immer  erst  in  zweiter 
linie,  und  um  zu  zeigen,  wie  die  (nur  scheinbar  trockenen)  Urkunden  erat 
dazu  beitragen,  ein  volles  und  richtiges  bild  der  englischen  Vergangenheit 
zu  schaffen.  So  scheint  das  buch,  wie  kaum  ein  zweites,  klar  zu  machen, 
dass  die  englische  philologie,  besonders  die  englische  literaturgeschichte, 
ohne  quelleuninssigc,  genaueste  kenntniss  der  englischen  geschieht«  nicht 
zu  ihrem  ziele  kommt,  wie  sie  erst  im  engen  bunde  mit  jener  dasselbe 
erreicht:  das  ganze  leben  einer  epoche  zu  durchdringen. 

Das  englische  noinaden leben  des  luittelalters  (bei  Jusserand 
besonders  des  1 1.  Jahrhunderts)  behandelt  der  verf.  in  drei  abschnitten, 
von  denen  wir  nur  die  Überschriften  geben  wollen1,  mit  dem  ausdrück- 

1  1.  English  Koads  (1.  Iluads  and  Kridgcs;  2.  The  ordinary  Tra- 
veller and  the  Casual  Tasscr-hy;  ,H.  Security  of  the  Koads).  IL  Lay 
Wayfarers  (1.  Herbalists,  Charlatnns,  Minstrels,  Jugglera,  and  Tumblen; 


BÜCHER  ANZEIGEN.  481 

liehen  vermerken,  dass  das  buch  viel  mehr  noch  darbietet  als  die  Über- 
schriften selbst  andeuten.  So  ist  z.  b.  unter  11,  2 :  ltinerant  Merchants  and 
Pedlars  ausführlich  auf  den  exporthandel  des  englischen  Mittelalters  und 
seine  mittel  und  wege  eingegangen ;  ferner  findet  man  darin  über  messen 
und  markte,  ihre  gesetze,  sitten  und  gebrauche  und  beschränknngen  zu- 
verlässige angaben.  Das  kapitel  Pilgrims  führt  uns  nicht  nur  zu  den 
heiligen  statten  von  Walsingham  etc.  in  England,  sondern  nach  dem 
orient,  besonders  nach  dem  heiligen  lande  u.  s.  f. 

Das  buch  ist  eine  reiche  materialsammlung  in  schöner  form  darge- 
boten, und  wie  jede  materialsammfung  natürlich  der  erweiterung  fähig 
und  bedürftig.  Aber  es  würde  nur  wenig  am  platze  sein,  hier  viel  solcher 
einzelheiten  nachzutragen,  dass  der  Marshall  of  the  Minstrels  (s.  198)  auch 
Sergeaunt  of  the  Minstrels  hiess  (Percy  I,  372),  dass  die  älteste  und  inter- 
essanteste Minstrels1  Gallery  Englands  sich  zu  Penshurst  (Rent)  befindet 
und  besser  noch  zu  erwähnen  war  als  die  späte,  wenn  auch  sehr  schöne, 
zu  Hatfield  (s.  201),  dass  unter  den  gesetzen  gegen  die  reisenden  char- 
latans  8  Heinr.  VIII,  5  und  33  Heinr.  VIII,  8  hätte  nicht  fehlen  dürfen, 
dass  Seebohm  über  Thomas  More's  Stellung  zu  den  heiligen  das  ab- 
schliessende geliefert  hat  (und  zu  anderem  ergebniss  kam  als  Jusserand 
s.  354).  Wenn  uns  irgend  etwas  wirklich  vergessen  zu  sein  scheint,  so 
ist  es  das  wayfaring  life  des  englischen  Scholaren;  die  ältesten  Urkunden 
über  diesen  stammen  ja  allerdings  erst  ans  dem  frühen  15.  Jahrhundert, 
aber  das  in  denselben  sich  zeigende  leben  gehört  einer  weit  älteren 
epoche  an  und  Jusserand  hätte  dabei  gelegenheit  gehabt  (mit  dem  Stoffe 
von  Ansley's  Munimenta  Academica)  zu  zeigen,  dass  England  seine  'fah- 
renden schüler'  hatte  so  gut  wie  Deutschland. 

Ferner  vermisst  man  hier  und  da  andeutungen,  dass  bei  einzelnen 
erscheinungen  des  14.  Jahrhunderts  (z.  b.  bei  den  mit  besonderen  rechten 
versehenen  fährleuten,  den  wandernden  gerichten  etc.)  viel  ältere,  oft 
schon  heidnische  Überlieferungen  der  germanischen  vorzeit  weiter  wirkten; 
dadurch  wäre  einmal  der  kulturhistorischen  entwicklung  rechnung  getragen 
und  manches  sonderbare  erklärt  worden.  Aber  dies  und  ähnliches  sind 
dinge,  welche  in  einer  kritik  über  das  vorliegende  buch  nicht  den  räum 
für  das  ungeteilte  lob  wegnehmen  dürfen. 

Die  Übersetzung  des  buches  durch  Miss  Toulmin  Smith  (welche  hie 
und  da  das  buch  mit  anmerkungen1  bereichert  hat)  liest  sich  wie  ein 
originalwerk.  Nicht  den  geringsten  anteil  an  dem  lobe  des  buches  ver- 
dient aber  der  Verleger  für  die  geradezu  mustergültige  ausstattung.  Die 
01  Illustrationen  (teils  gute  Holzschnitte,  teils  schöne  und  deutliche  zinko- 
typien)  tragen  sicherlich  wesentlich  dazu  bei,  den  text  zu  veranschau- 
lichen.  Bilder  derart  sollten  in  keiner  kulturgeschichte  fehlen.    E.  F. 

2.  Messengers,  ltinerant  Merchants  and  Pedlars;  3.  Outlaws,  Wandering 
Workmen,  aud  Peasants  out  of  Bond).  III.  Religio us  Wayfarers 
(1.  Wandering  Preachers  and  Friars;  2.  Pardoners;  3.  Pilgrims  and  Pil- 
grimages). 

1  S.  393  an  in.  fehlt  Bovenschen's  name. 


Anglia,  XII.  band.  31 


482  BÜCHERANZEIGEN. 

An  Introduction  to  the  study  of  Robert  Browning's  Poetry  by  Hiram 
Corson.    Boston,  D.  C.  Heath  &  Co.,  1888.    X,  338.    8°. 

'The  hnportance  of  Robert  Browning's  poetry,  as  embodying  the 
profoundest  thought,  the  subtlest  and  uiost  complex  sentioient,  and  above 
all,  the  most  quickening  spirituality  of  the  age',  das  ist  das  urteil  Cor- 
son's  (s.  32)  über  die  bedeutung  BrowniDg's.  *  Browning  .  .  .  by  his  con- 
teiupt  of  Beauty,  or  inability  to  surely  cxpress  it,  fails  of  that  union  of 
art  and  spiritual  power,  which  always  characterizes  a  poet  entirely  great ', 
das  ist  das  urteil  Stedman's  in  seinen  vortrefflichen  Victorian  Poet«  (s.341). 
Diese  beiden  urteile,  wie  sie  sich  schroff  entgegenstehen,  zeigen  das,  was 
heutzutage  die  besten  köpfe  Über  Browning  denken.  Dabei  ist  Corson's 
urteil  nicht  absolut  übertrieben  und  dennoch  das  Stcdinan's  vollständig 
richtig!  Ueber  den  wert  des  gedankcn-,  geinüts-  und  phantasiegehaltes 
von  Brownings  dichtungen  wird  nur  eine  stimme  sein,  aber  wenn  es  sich 
um  gerechte  beurteilung  der  form  handelt,  wird  wol  der  tadel  (jedenfalls 
das  bedauern)  vorwiegen. 

Es  wäre  in  der  tat.  wuuderbar,  wenn  der  seit  vielen  Jahrzehnten 
stets  fast  einzig  an  der  form  Browning's  genommene  anstoss  unbegründet 
wäre.  Die  Verehrer  des  dichtere ,  namentlich  wenn  sie  einer,  der  vielen 
(jedes  Städtchen  Englands  und  Amerikas  unsicher  machenden)  Browning 
Societics  angehören,  pflegen  gern  mit  dem  Vorwurf  der  Oberflächlichkeit 
dem  tadelnden  kritiker  gegenüber  zur  hand  zu  sein,  sie  sagen,  Browning 
erfordere  ein  Studium,  er  wolle  nicht  als  nachmittagsloktüre  gelesen  sein  etc. 
Hecht  schön!  Jeder  grosse  dichter  erfordert  ein  ernstes  Studium!  Wir 
haben  unsere  Dante-,  Shakespeare-,  (Joethe-,  Schillerwissenschaft,  aber  bei 
keinem  dieser  dichter  finden  wir  kommentare  nötig,  welche  ein  poetisches 
werk  von  aufaug  bis  zu  ende,  vers  für  vers  grammatisch  und  syntak- 
tisch konstruieren  müssten,  und  aller  200  verse  uns  den  Inhalt  anzu- 
geben brauchten. 

Browning  wird  von  seinen  Verehrern  kühn  an  die  seite  dieser  gross- 
ten  dichter  gestellt  woher  kommt  es  nun,  dass  wir  die  feinsinnigsten 
uiiinner  syntaktisch  an  Browning  (ihrem  Zeitgenossen  und  landsmann)  sich 
abplagen  sehen? 

Es  liegt  an  dem  empfindlichen  inangel  grammatischer  klarheit  in  der 
spräche  des  dicht  ers;  er  ringt,  wie  sein  Sordello,  mit  der  spräche: 

Because  pereeptions  whole  —  like  those  he  sought 
To  clothe,  rejeet  so  pure  a  work  of  thought 
As  language  — . 

Aber  die  lobredner  Browning's  sollten  sich  nicht  täuschen  und  diese 
ausdrucksschwache  notwendigkeit  nennen  und  einen  voreug  der  mnse 
Browning's. 

Dass  aber  hinter  dieser  oft  verzweifelten  darstellung  mit  der  edelste 
und  bedeutendste  gedankeninhalt  ruht  (oder  verschüttet  ist),  den  unsere 
zeit  überhaupt  darbietet,  das  sollten  die  beständigen  tadler  Browning's 
ebenfalls  anerkenneu. 

l'nd  diese  verschütteten  schätze  zu  heben,  das  ist  der  sweck  der 
vielen,  zum  teil  vortrefflichen  erläuterungMchriften  von  Dowdenf  Mm. 


BÜCHERANZEIGEN.  483 

Sutherland  Orr,  Nettlesbip  u.  a.,  denen  sich  hier  ein  ausgezeichnetes  neues 
werk  von  professor  Corson  anschliesst. 

Das  werkclien  Corson's  (welches  für  den  anfänger  noch  den  beson- 
deren wert  hat,  dass  es  die  erläuterten  gedichte  selbst  mit  abdruckt)  ent- 
hält ausser  den  erläuterungen  und  dem  texte  eine  tüchtige  einleitung, 
auf  deren  fünf  kapitel  einzugehen  ist. 

Das  erste:  The  Spiritual  Ebb  und  Flow  exhibited  in  Euglish  Poetry 
froiu  Chaucer  to  Tennyson  —  ist  eine  kurze,  aber  vortreffliche  übersieht 
der  englischen  werke,  welche  4have  been  vitalized  from  the  Poet's  own 
soul'.  Eine  derartige  betrachtungsweise  der  literaturwerke,  nicht  nach 
entstehungsjahren  und  ausgaben,  sondern  nach  dem,  was  ihnen  die  seele 
des  dichters  selbst  eingehaucht  hat,  ist  höchst  wichtig  und  zeitgemäss. 

Das  zweite  kapitel  behandelt  Browning  als  subjektiven  dichter 
(nach  der  deutschen  ästhetischen  spräche)  und  gibt  eine  kurze  dar- 
stellung  der  überaus  gesunden,  idealen  lebensanschauung  des  dichters; 
diese  wird  von  Corson  formuliert  als:  the  regeneration  of  men  through 
a  personality  who  brings  fresh  stuff  for  them  to  mould.  Dies  kapitel 
Corson's  (s.  32—71)  ist  das  wichtigste  des  ganzen  buches,  es  war  schon 
durch  die  Papers  of  the  Browning  Society  (London)  bekannt. 

Das  dritte  ist  Browning's  Obscurity  überschrieben  und  versucht  gleich 
von  vornherein  (schlau!)  jeden  angriff  auf  des  dichters  spräche  zurückzu- 
schlagen mit  den  worten:  'It  was  long  the  fashion  with  skimming  readers 
and  perfunetory  critics  to  charge  Mr.  Browning  with  being  wilfully  obscure, 
unconsciously  careless  and  perversely  harsh';  es  werden  ferner  Goethe's 
bekannte  worte1  angeführt:  'Wer  einem  autor  dunkelheit  vorwerfen  will, 
sollte  erst  sein  eigenes  innere  beschauen,  ob  es  denn  da  auch  recht  hell 
ist7.  —  Das  ist  ebenfalls  recht  schön,  aber  der  beweis  für  Browning's 
'  helligkeit '  ist  noch  immer  nicht  geliefert.  Und  wenn  ferner  die  eigenen 
worte  des  dichters:  ll  never  pretended  to  offer  such  literature  a  should 
he  a  Substitute  for  a  cigar  or  a  game  of  dominoes  for  an  idle  man',  so 
rechtfertigt  dieser,  für  einen  grossen  Schriftsteller  selbstverständliche, 
grundsatz  noch  keine  Schwerfälligkeit  des  stils. 

Für  die  konstruktionsarbeit  an  Browning's  satzbau  gibt  Corson  im 
selbigen  kapitel  vier  regeln,  welche  für  das  verständniss  in  der  tat  sehr 
willkommen  sind;  und  zwar  sind  Browning's  eigentümlichkeiten:  1)  die 
auslassung  des  relativpronomens  im  nom.  aecusativ  und  dativ;  2)  der  ge- 
brauch des  infinitivs  ohne  to\  3)  der  gebrauch  des  conj.  praet.  für  den 
conditionalis ;  4)  der  gebrauch  des  dativs  ohne  präposition. 

Corsou  hätte  noch  als  5)  hinzufügen  können:  Umstellung  der  Satz- 
glieder nach  dem  versmass  (eine  'eigentümlichkeit',  die  etwas  mühe  bei 
der  ausfeilung  stets  zu  beseitigen  pflegt  —  bei  andern  dichtem).  Alle  diese 
regeln  sind  reichlich  durch  beispiele  erläutert,  und  einige  konstruktions- 
monstra  (z.  b.:  4To  be  by  him  themselves  made  act  ||  Not  watch  Sordello 
acting  each  of  them'  —  this  curious  mob  of  pronouns  von  Holt  Uutton 
genannt)  enträtselt. 


1  Die  worte  sind  falsch  citiert  s.  73),  st.  beschauen  :  besuchen;  sie  stehen 
nicht  Wahrheit  und  Dichtung,  sondern  Sprüche  in  Prosa  (Heuipel  no.  705). 

31* 


484  BÜCHERANZEIGEN. 

Der  vierte  und  kürzeste  abschnitt  der  cinleitung  ist  Browning's 
metrik  gewidmet. 

Der  folgende  teil  des  buches  bringt  die  erlauterungen,  welche 
grösstenteils  in  vortrefflichen  Inhaltsangaben  bestehen,  kurz  und  bündig 
abgefasst  und  in  der  tat  im  stände  sind,  die  Schwierigkeiten  der  lektüre 
/,u  beseitigen. 

Der  vorliegende  band  enthält  erlauterungen  zu  33  meist  kleineren 
gedienten  Browning's:  aus  den  Dramatis  Personae,  Dramatic  Romances, 
Men  and  Women,  Dramatic  Idyls,  Lyrics  etc.1,  es  wäre  aber  zu  hoffen,  das» 
prof.  Corson  bald  auch  die  grösseren  dichtungen  Browning's  mit  erlaute- 
rungen versähe  und  so  den  leser  über  den  mangel  des  dichters  hinweg 
zur  erkenntniss  und  zum  genusse  seiner  grosse  führte.  E.  F. 


The  Prelude,  or  Growth  of  a  Poets  Mind;  An  Autobiographical 
Poem  by  W.  Wordsworth.  With  Notes  by  A.J.George, 
M.  A.  Boston,  D.  C.  Heath  &  Co,  1888.  XXXII.  322  kl.  8«. 
Eine  amerikanische  Schulausgabe  von  Wordsworth's  interessantem 
werke,  welches  gewissermassen  den  Schlüssel  zu  seinem  denken  und 
schaffen  enthält.  Ueber  den  ästhetischen  wert  des  gedichts  (welches,  wie 
alles  von  Wordsworth,  in  Deutschland  ziemlich  kühl  aufgenommen  worden 
ist)  ist  hier  nicht  der  ort  zu  sprechen.  Als  lektüre  flir  die  schule  ist  es 
sicher  sehr  zu  empfehlen,  und  der  herausgeber  stellt  es  mit  begreiflichem 
enthusiasmus  sehr  hoch  —  aber  die  ganzen  lobeserhebungen  Über  das 
gedieht,  welche  die  einleitung  bringt,  beruhen  doch  einfach  auf  massloser 
und  grundloser  Übertreibung.  Da  hat  nach  Mr.Moir  (s.  XXIV)  seit  Homer  (1) 
kein  dichter  sich  der  dichtkunst  so  rein,  so  vollendet  und  so  ununter- 
brochen gewidmet  als  Wordsworth.  (Wie  'rein'  sich  '  Homer' der  dicht- 
kunst widmete  weiss  weder  Mr.  Moir  noch  sonst  wer,  ob  sich  jemand  so 
*un unterbrochen'  der  dichtkunst  widmete,  ist  flir  die  rangbestimmung 
eines  dichters  völlig  gleichgiltig,  und  dass  es  unzählige  gleich  'vollendete* 
dichter  als  Wordsworth  gibt  [unter  allen  literaturvölkern],  wird  wol  kein 
gesunder  leugnen!)  Da  kennt  ferner  ein  amerikanischer  Staatsmann, 
George  F.  Uoar,  keinen  mann,  der  gleich  tiefe  einsieht  in  die  moralischen 
kräfte  gehabt  hat  (welches  bild!),  welche  den  ström  der  geschichte  be- 
stimmen (s.  XVI)!  Bei  gelegenheit  der  Verleihung  des  ehrendoktortitels 
an  W.  von  seiten  der  Universität  Oxford,  nennt  der  herausgeber  Oxford: 
(the  foremost  University  of  his  land  and  the  world'  (s.  VII),  W.  ist  mit 
begreiflichem  offiziellen  kauderwelsch  damals  von  Oxford  genannt  worden 
4one  of  the  chief  glories  of  English  Poetry  and  the  greatest  name  since 
Milton'  (s.  Vll)!  Aber  was  sollen  Superlative  und  Übertreibungen  ntltaenV 
Der   schulknabe    wird    dadurch    wahrlich    nicht   mehr  gelockt  als  durch 

1  Man  vermisst  flir  die  einzelnen  gediente  genaue  citate.  —  Text- 
kritisch ist  bei  Browning  noch  manches  zu  beachten.  Z.  b.  in  James  Lee 
(Dram.  Pers.  Imu,  p.  1»)  5,  4:  Fell  two  red  fans  of  a  butterfly:  jetit  hat 
der  dichter  geändert :  Fall  etc.  —  Die  ausgäbe  letzter  hand  bietet 
interessante  dar  iu  dieser  hinsiebt. 


BÜCHEKANZEIGEN.  485 

eine  klare  und   wahre  Würdigung  des  Schriftstellers,  fllr  den  er  sich  er- 
wärmen soll. 

Die  anmerkungen  des  herausgebers  sind  tadellos  und  eine  wirkliche 
und  wesentliche  hüte  zum  verständniss  des  Werkes.  Sie  geben  kurz  und 
zuverlässig  (namentlich  topographisch  und  biographisch)  auskunft,  und 
machen  die  ausgäbe  besonders  für  schulzwecke  sehr  brauchbar;  und  wenn 
allmählich  die  gesammelten  werke  Wordsworth's  (mit  etwas  weniger  pane- 
gyrischen eiuleitungen,  aber  sonst  in  gleicher  weise)  erscheinen  sollen,  so 
wird  nicht  nur  die  schule,  sondern  auch  die  Wissenschaft  vorteil  ziehen. 

E.F. 

Leigh  Hunt  as  Poet  and  Essayist  being  the  choicest  passages  from 
bis  works  selected  and  edited  with  a  biographical  introduction 
by  Charles  Kent.  London  and  New  York,  F.  Warne  &  Co., 
1889.     XL VIII,  528.     8<>. 

Von  Charles  Kent  herausgegeben,  dem  freunde  Leigh  Hunt's,  erscheint 
eine  vortreffliche  auswahl  aus  dessen  poetischen  und  prosaischen  werken, 
in  der  tat  einem  bedürfnisse  abhelfend  und  zugleich  einen  neuen  wünsch 
erweckend:  nämlich  nach  einer  den  ansprüchen  der  Vollständigkeit  und 
der  Wissenschaft  genügenden  gesammtausgabe  der  werke  dieses  nicht  nur 
liebenswürdigen,  sondern  auch  höchst  bedeutenden  Schriftstellers.  (Uns 
erscheint  es  immer,  als  habe  seine  liebenswürdigkeit  der  auerkennung 
seiner  bedeutung  eintrag  getan,  denn  selbst  das  verdiente  lob  muss  heut- 
zutage mit  reklame  und  dampf  kraft  erstehen!) 

Es  ist  ein  zauber,  der  die  werke  Leigh  Hunt's  umgibt,  und  dieser 
ist  in  gegenwärtiger  auswahl  nicht  zerstört  worden,  sondern  feinfühlig 
gewahrt. 

Auf  eine  kurze  biographische  skizze  folgen  zunächst  die  poetischen 
stücke  (s.  1 — TS),  dann  die  prosaischen  (s.  81 — 524).  Letztere  enthalten 
zunächst  stücke  aus  den  jetzt  seltenen,  meist  nur  kurzlebigen  Zeitschriften 
Leigh  Hunt's  (The  News,  The  Examiner,  The  Reflector,  The  Round  Table, 
The  Indicator,  The  Liberal,  The  Comparison,  The  Chat  of  the  Week, 
The  Tatler,  London  Journal  und  Monthly  Repository).  lieber  die  auswahl 
des  gegebenen  lässt  sich  nur  sagen,  dass  sie  vortrefflich  ist  und  von  anfang 
bis  zu  ende  stücke  gibt,  die  zum  besten  gehören,  was  Leigh  Hunt  ge- 
schaffen hat.  Die  citate  zu  jedem  abschnitt  sind  genau  gegeben,  sogar 
mit  Jahreszahl,  was  den  wert  des  buches  noch  erhöht. 

Von  den  mehr  wissenschaftlichen  aufeätzen  Hunt's  (aus  der  Edin- 
burgh Review  etc.)  sind  abschnitte  gegeben  von:  The  Colman  Family1, 
Samuel  Pepys,  Madame  de  Sevigne,  George  Selwyn.  Aus  seinem  werke 
'Imagination  and  Fancy '  die  stücke  überChaucer,  Spenser,  Marlowe,  Shake- 
speare, Milton,  Coleridge,  Shelley,  Keats;  aus  *Wit  and  Humour'  über: 
Ben  Jonson,  Shakespeare,  Butler,  Dryden,  Pope,  Swift  und  Goldsmith. 

Die  auszüge  schliessen  mit  einem  abschnitte  aus  dem  Table  Talk 

1  Eine  kleine  ungenauigkeit:  s.  420  und  s.  420  ist  der  aufsatz  July 
1841  datiert,  s.  XXXVI  October  184t. 


488  HÜCHERANZKItiKN. 

statcs   nicht   die    Staaten,    sondern   (1i< 
roomt  wird  sich  häufig  durch  kurs 
neben  eare  of  die  bedeutung  aufschrit't  • 
per  adr.  in'  aufschrift  auf  brlefenV 

Scharfen  tadet  verdient  die   nnzuver 
Viele  Wörter  sind  auf  den  Seiten,  auf  ivelcl: 
111  finden,  so  z.  b.  ablebeu  s.  US,  zwei  km 
Bei   anderen   Wörtern   des   index   fehl!    die 
pflegen  s.  336,  hinter  dauer  s.  91 
Bei  bald  ist  verwiesen  auf  s.  3SS,  wo  das  v 
hange  steht:  a  nine  days'  teondur  =  eine  geschiente,  i 
wächst.    Das  schönste  aber  hat  der  verfertiger  dieses 
eingebildet.     Kr  verweist  da  auf  s. in,  und  was  findet  sieh 
livated  mind  ein  gebildeter  sinn!!! 

Auch  von  druekfehlern,  zum  teil  sogar  recht  stiirendeti, 
nicht  frei.  S.  3611,  z.  3  v.  «.  I.  the  uhites  =  die  weissen,  st.  d 
auf  s.  I,  z.  10  v.  n.  1.  hurt  st.  bout;  s.  3SS,  z.  t r.  v.  o.  I.  grax»  st 
z.  7  v.  u.  1.  Ae  st.  be;  s.  3*3,  z.  l*  v.  u.  I.  n/iipped  st.  wipped; 
v.  o.  I.  woudciitfer  st.  woodeufer  n.  s.  f. 

Dass  bei  der  menge  des  gebotenen  sturlVs  Inhaltlich  «[rfi  allerding» 
manches  findet,  das  in  Wörter  Wiehern  und  iilnilicheii  Sammlungen  fehlt, 
soll  nicht  verschwiegen  werden.  ]'.  I,. 


Materialien  für  das  neuenglische  Seminar.  Herausgegeben  von 
Ernet  Kegel.  Halle,  Max  Niemeyer.  II.  bd.  Thackcray's 
Lectures  on  tbe  Englisb  Hurnourists  of  tbe  Eighteenth  Cen- 
tury: Congreve  und  Addison.  Herausgeg.  von  E.  Kegel. 
flti  ss.  1887.  —  III.  bd.  Thaekeray'a  Lectures  etc.:  Steele. 
Herausgeg.  von  E.  Kegel.  84  u,  1886.  —  VIII.  bd.  Byron'« 
l'risoncr  of  Cbillou  und  Siege  of  Curintb.  Herauögeg. 
von  J.  (i.  C  Scliuler.    95  aa.     1880. 

Regers  dankenswertes  unternehmen,  durch  herausgäbe  neu  englischer 
Schriftwerke  geeignete  unterlagen  für  die  Übungen  im  neuenglischen  semlnai 
zu  schaffen,  sollte  anfangs  wol  auf  Thackerays  1-ectiires  sich  beschränken. 
Dieser  enge  rahmen  ist  aber  erweitert  und  der  Sammlung  der  ausgaben 
der  allgemeinere  titel:  'Materialien  für  das  neuenglische  Seminar'  gegeben 
worden.  Der  referent  der  beiden  zuerst  erschienenen  baudehon  (I.  Swift, 
VI.  Sterne  und  (joldsmith)  hat  in  seiner  lobenden  besprechung  in  Anglia 
VIII,  I"  zweck  und  anläge  der  ausgaben  bereits  dargelegt;  auch  die 
neuen  bandchen  verdienen  die  dort  wie  anderwärts  ausgesprochene  an- 
erkennung  in  vollem  masse.  Berück siclitigung  der  gesamtsten,  oft  nur 
schwer  zugängliuhen  literatur,  klare  darstellung  und  unbefangenes  urteil 
sind  ihre  haupt Vorzüge.  Heu  früheren  bändchen  gegenüber  zeichnen  dhs 
neuen  sieh  noch  durch  methodischere  anordnung  der  bibliographischen  an- 
gaben aus.     Uns  zeigt  sich  besonders  in  bd.  II,  wo  der  heraaageber  A.  die 


BÜCHERANZEIGEN.  487 

Dr.  E.  Regel  und  J.  G.  C.  Schuler,  B.  A.:  Einführung  in  das  heutige 
Englisch,  nach  Stämmen  geordnet,  mit  Berücksichtigung  der 
Synonymik.    Leipzig,  Teubner,  1889.    VI,  443.    8°. 

Unter  vorstehendein  titel  veröffentlichen  die  beiden  Verfasser  eine 
Sammlung  englischer  Wörter  und  redensarten,  die  in  der  hauptsache  wol 
von  Regel  herrührt,  der  aber  durch  Schuler's  mitarbeiterschaft  idioma- 
tische färbung  und  unbedingte  richtigkcit  gesichert  werden  sollte.  Was 
das  vorliegende  Vokabular  von  andern  büchern  dieser  art  wesentlich  unter- 
scheidet, ist  die  anordnung  nach  stammen.  Unter  voran  Stellung  eines 
grundwortes  werden  alle  von  demselben  abgeleiteten  Wörter  aufgeführt, 
da  aber,  wo  ein  passendes  neuenglisches  grundwort  fehlt,  ist  in  klammern 
das  lateinische  wort,  auf  welches  die  wortgruppe  sich  aufbaut,  vorgedruckt. 
Anregung  zu  dieser  art  der  anordnung  hat  Regel  durch  Hädicke's  nach 
diesem  grundsatz  gearbeitetes  französisches  Vokabular  empfangen.  Ref. 
bezweifelt,  dass  das  Englische  sich  ebenso  gut  wie  das  Französische  für 
diese  anordnung  eignet.  Der  eigentümliche  Charakter  der  engl,  spräche 
hat  den  zu  einem  und  demselben  stamm  gehörigen  engl.  Wörtern  oft  ein 
so  verschiedenes  aussehen  verliehen,  dass  ihre  Zusammenstellung  zu  einer 
gruppe  keinen  pädagogischen  wert  mehr  besitzt.  Man  vergleiche  beispiels- 
weise nur  die  unter  [dare]  aufgeführten  ableitungen:  dale,  edit,  die,  per- 
dition,  render,  rent,  traitor,  belray,  treason !  Dabei  sieht  man  nicht  recht  ein, 
warum  das  leicht  als  ableitung  von  dare  erkenntliche  add  eine  selbständige 
gruppe  bildet,  die  vom  grundwort  jedoch  unendlich  weiter  abweichenden 
bildungen  belray  u.  s.  w.  unter  dare  gestellt  werden.  Was  soll  ferner 
den,  der  nicht  schon  mit  einer  grösseren  anzahl  von  lautgesetzen  bekannt 
ist,  auf  den  gedanken  bringen,  haughty  unter  altus,  redoubl  unter  ducere, 
traitor  unter  dare  zu  suchen?  Wozu  wird  bei  astonish  b.  11  auf  tone  ver- 
wiesen, während  das  wort  unter  [lonare]  eingereiht  ist?  —  Hädicke's  franz. 
Vokabular  hat  vor  dem  Regel's  den  vorzug,  dass  es  im  Stoffe  sich  ausser- 
ordentlich beschränkt  und  deshalb  nur  solche  Wörter  zusammenstellt,  in 
denen  das  gemeinsame  etymon  leicht  erkenntlich  ist.  An  ein  solches 
Schulbuch  hat  auch  Regel  ursprünglich  gedacht,  wie  sein  entwurf  im 
Crossener  programm  von  1881  beweist.  Es  wäre  zu  wünschen  gewesen, 
dass  er  sich  mehr  an  die  dort  aufgestellten  grundsätze,  besonders  auch 
rücksichtlich  der  bezeichnung  der  ausspräche  und  betonung  gehalten  hätte. 
Die  in  der  vorliegenden  form  des  buches  angewendete  Western'sche  aus- 
sprachebezeichnung  hätte  einer  kurzen  erläuterung  bedurft. 

Man  kann  über  das  zuviel  oder  zuwenig  eines  solchen  Vokabulars 
verschiedener  ansieht  sein,  doch  hätten  bei  stammen  wie  brerv  und  deco- 
rate die  subst.  brewery  und  decoration,  bei  break  die  gerade  vom  deut- 
schen abweichende  bedeutung  zerreissen  (a  chain,  a  rope,  a  thread 
breaks)  nicht  fehlen  sollen.  Hingegen  konnten  Wörter  wie  somebody  und 
anybody,  ferner  die  doppelte  aufzählung  mancher  Wendungen  wie  bread 
and  butter  (s.  2?»  und  34),  inflammation  of  the  lungs  (s.  116  und  164),  das 
beispiel  a  dozen  bottles  of  winc  (s.  27)  neben  three  dozen  botttes  ofwine 
(s.  So)  u.  a.  recht  gut  unterbleiben.  Auch  in  der  angäbe  der  deutschen 
bedeutung  ist  manches  anfechtbar.    So  heisst  doch  s.  11  to  assemble  the 


488  BÜCHBRANZE1GBN. 

slatcs  nicht  die  Staaten,  sondern  die  stände  versammeln;  assembly- 
rooms  wird  sich  häufig  durch  kursaal  widergeben  lassen;  was  soll  8.  44 
neben  care  of  die  bedeutung  aufschrift?  fehlt  etwa  davor  'zu  händen, 
per  adr.  in '  aufschrift  auf  briefen  ? 

Scharfen  tadel  verdient  die  unzuverlässigkeit  des  deutschen  index. 
Viele  Wörter  sind  auf  den  seiten,  auf  welche  verwiesen  wird,  gar  nicht 
zu  finden,  so  z.  b.  abieben  s.  14S,  Zweikampf  s.  203,  eingedenk  s.  197. 
Bei  anderen  Wörtern  des  index  fehlt  die  Seitenangabe,  so  z.  b.  hinter 
pflegen  s.  336,  hinter  dauer  s.  90,  hinter  die  anker  lichten  s.  382. 
Bei  bald  ist  verwiesen  auf  s.  38S,  wo  das  wort  in  folgendem  zusammen- 
hange steht:  a  nine  days1  rvonder  =  eine  geschiente,  über  die  bald  gras 
wächst.  Das  schönste  aber  hat  der  verfertiger  dieses  index  geleistet  bei 
eingebildet.  Er  verweist  da  auf  s.  87,  und  was  findet  sich  dort?  a  cul- 
tivated  mind  ein  gebildeter  sinn!!! 

Auch  von  druckfehlern,  zum  teil  sogar  recht  störenden,  ist  das  buch 
nicht  frei.  S.  383,  z.  3  v.  u.  1.  the  whites  =  die  weissen,  st.  das  weissen; 
auf  s.  1,  z.  10  v.  u.  1.  butt  st.  böMt;  s.  353,  z.  15  v.  o.  1.  gr*ss  st.  gras;  s.  25, 
z.  7  v.  u.  1.  he  st.  be;  s.  383.  z.  18  v.  o.  1.  w^ipped  st.  wipped;  s.  388,  z.  19 
v.  o.  1.  woodeuffer  st.  woodeu/er  u.  s.  f. 

Dass  bei  der  menge  des  gebotenen  Stoffes  inhaltlich  sich  allerdings 
manches  findet,  das  in  Wörterbüchern  und  ähnlichen  Sammlungen  fehlt, 
soll  nicht  verschwiegen  werden.  P.  L. 


Materialien  für  das  neuenglische  Seminar.  Herausgegeben  von 
Ernst  Regel.  Halle,  Max  Niemeyer.  II.  bd.  Thackeray's 
Lee  tu  res  on  the  English  Humourists  of  the  Eighteenth  Cen- 
tury: Congreve  und  Addison.  Herausgeg.  von  E.Regel. 
96  S8.  1887.  —  III.  bd.  Thackeray's  Lectures  etc.:  Steele. 
Herausgeg.  von  E.  Regel.  84  ss.  1886.  —  VIII.  bd.  Byron'« 
Prisoner  of  Chillon  und  Siege  of  Corinth.  Herausgeg. 
von  J.  G.  C.  Schuler.     95  ss.     1886. 

Regelt  dankenswertes  unternehmen,  durch  herausgäbe  neuenglischer 
Schriftwerke  geeignete  unterlagen  fUr  die  Übungen  im  neuenglischen  seminar 
zu  schaffen,  sollte  anfangs  wol  auf  Thackeray's  lectures  sich  beschränken. 
Dieser  enge  rahmen  ist  aber  erweitert  und  der  Sammlung  der  ausgaben 
der  allgemeinere  titel:  'Materialien  für  das  neuenglische  Seminar'  gegeben 
worden.  Der  referent  der  beiden  zuerst  erschienenen  bändelten  (1.  Swift, 
VI.  Sterne  und  Goldsmith)  hat  in  seiner  lobenden  besprechung  in  Anglia 
VIII,  177  zweck  und  anläge  der  ausgaben  bereits  dargelegt;  auch  die 
neuen  bändchen  verdienen  die  dort  wie  anderwärts  ausgesprochene  an- 
erkennung  in  vollem  masse.  Berücksichtigung  der  gesammten,  oft  nur 
schwer  zugänglichen  literatur,  klare  darstellung  und  unbefangene«  urteil 
sind  ihre  hauptvorzüge.  Deu  früheren  bändchen  gegenüber  zeichnen  die 
neuen  sich  noch  durch  methodischere  anordnung  der  bibliographischen  an- 
gaben aus.    Das  zeigt  sich  besonders  in  bd.  II,  wo  der  herausgebe!  A.  die 


büchekanzeigen.  489 

Originalausgaben  der  einzelnen  werke,  ß.  spätere  einzelausgaben ,  C.  die 
gesammelten  werke,  D.  die  Übersetzungen  und  E.  arbeiten  über  Con- 
greve  (beziehentlich  Addison)  mit  erschöpfender  Vollständigkeit  auf- 
zählt. Der  bibliographie  folgt  eine  Schilderung  von  Congreve's  leben  und 
charakter,  der  sich  dann  eine  besprechung  seiner  bedeutung  als  drama- 
tiker  und  humorist  anschliesst.  Regel  stellt  von  den  dramen  The  Way 
of  the  World  am  tiefsten;  als  gelungenstes  bezeichnet  er  The  Double 
Dealer,  dessen  inhalt  er  uns  zur  veranschaulichung  des  Charakters  und 
der  motive  des  damaligen  lustspiels  kurz  vorführt.  Recht  dankenswert 
ist  auch  die  beigäbe  eines  briefes  Congreve's  an  Dennis,  in  welchem 
Congreve  sich  über  begriff  und  wesen  des  humors  ausspricht.  Die  an- 
111  erklingen  sind  meist  sachlicher  natur.  Bei  anm.  10  hätte  erwähnt  werden 
können,  dass  Thackeray  hier  den  älteren  Pitt  im  äuge  hatte,  der  in  Cam- 
bridge studierte  und  für  Öld  Saruni  ins  parlament  kam.  —  Anm.  50b  wird 
erst  recht  verständlich,  wenn  man  weiss,  dass  Billingsgate  der  grosse 
Londoner  fischmarkt  ist,  was  man  doch  nicht  als  jedem  bekannt  voraus- 
setzen darf. 

Auch  bei  Addison  schildert  der  herausgeber  nach  der  bibliographie 
zunächst  sein  leben  und  seinen  Charakter,  und  dann  seine  Stellung  als 
lyriker,  dramatiker  und  essayist.  Er  folgt  hierin  häufig  der  darstell ung 
von  Courthope,  verweist  dabei  aber  fortwährend  zur  begründung  und  er- 
läuterung  seiner  urteile  auf  die  werke,  besonders  die  moralischen  Wochen- 
schriften. In  der  erwähnung  des  Freeholder  (s.  58)  ist  wol  die  irrtümliche 
angäbe,  er  habe  bis  zum  9.  Juni  1716  gedauert,  aus  einem  dnickfehler  zu 
erklären,  indem  vom  setzer  auf  s.  58,  z.  3  v.u.  nach  1715  [bis  2]  weg- 
gelassen wurde,  da  die  letzte  nummer  (55)  doch  am  29.  Juni  erschien. 
Zum  text  der  Lecture  sei  noch  bemerkt,  dass  auf  s.  73  in  der  anführung 
der  verse  aus  Addisons  gedieht  The  Campaign  v.  12:  'To  fainting  squa- 
drons  /ent  the  timely  aid',  die  Tickell'sche  ausgäbe  der  werke  Addison's 
die  lesart  sent  hat.  Ob  es  sich  hier  um  einen  druckfehler  oder  um  ver- 
schiedene lesarten  handelt,  vermag  ref.  nicht  zu  entscheiden.  —  Auch 
hier  sind  die  anmerkungen  des  herausgebers  vorwiegend  sachlicher  natur. 
Leider  enthält  das  bändchen  eine  reihe  oft  recht  störender  druckfehler. 
S.  1 1,  z.  23  v.  o.  1.  petrcadillo  st.  pecadillo;  s.  27,  z.  11  v.  u.  1.  rfown  st.  fown; 
s.  34,  z.  5  v.  u.  1.  of  st.  or;  s.  38,  z.  8  v.  u.  1.  may,  ten  to  one,  st.  may  ten, 
to  one;  s.  44,  z.  21  v.  u.  1.  U  st.  is;  s.  45,  z.  22  v.  u.  1.  of  st.  af\  s.  49,  z.  3 
v.  u.  1.  3r«i  st.  ;j"(1;  s.  73,  z.  5  v.  u.  darf  nur  ein  Sternchen  statt  zwei  stehen; 
s.  7t>,  z.  5  v.  ii.  1.  weak  st.  we<?k;  s.  77,  z.  5  v.  o.  1.  of  st.  af;  s.  90,  anm.  52, 
z.  3  1.  das  stürmische  st.  dass  /finnische;  s.  90,  anm.  57,  z.  3  muss  nach 
machinery  ein  gedan kenstrich  statt  eines  bindestriches  stehen. 

Band  111  ist  ausschliesslich  Steele  gewidmet.  An  erster  stelle  der 
bibliographischen  angaben  findet  sich  hier  eine  kritische  besprechung  der 
Hteratur  über  Steele;  solche  orientierende  winke  sind  gerade  in  der  reichen 
litcratur  über  einen  mann,  der  die  verschiedenste  beurteilung  erfahren 
hat,  recht  am  platze.  Nach  aufzählung  der  ausgaben  wendet  Regel  sich 
dann  zur  betrachtung  von  Steele's  leben  und  charakter,  der  er  hauptsäch- 
lich die  darstcllung  von  Dobson  (Selections  from  Steele,  with  Introduction 
and  Notes,  Oxford  1885)  zu  gründe  legt  und  lehrt  ihn  uns  endlich  als 


490  BÜCHERANZEIGEN. 

dramatiker  und  essayisten  kennen.  Eine  knappe  Charakteristik  des  Tatler, 
Speetator  und  Guardian  beschliesst  die  einleitung.  —  Die  aufgäbe,  Steele 
als  menschen  und  schriftsteiler  zu  schildern,  gehurt  jedenfalls  zu  den 
dankbarsten,  denn  es  gibt  wenig  Persönlichkeiten  in  der  literatur  von 
solcher  liebeuswürdigkeit  und  herzlicbkeit,  wenige,  bei  denen  selbst  im 
kämpfe  gegen  torheiten  und  laster  der  zeit  echt  menschliche  teilnähme 
so  sehr  zu  tage  tritt  wie  gerade  bei  Steele.  Regel  löst  seine  aufgäbe  mit 
wärme  für  seinen  beiden  und  ist  bemüht,  ihn  nach  mannigfacher  ver- 
kennung und  Unterschätzung,  besonders  Addison  gegenüber,  nach  seinem 
vollen  verdienst  zu  würdigen.  Er  kommt  dabei  zu  dem  ergebniss,  dass 
in  den  moralischen  Wochenschriften  'der  inspirierende  geist,  der  erfin- 
dende genius,  der  frische  und  lebenskraft  sprudelnde,  mit  einem  worte 
der  genialere  von  beiden  Steele,  nicht  Addison  ist'.  Mit  recht  weist  der 
herausgeber  neben  Steele's  kritischen  auch  auf  die  moralphilosophischen 
beitrage  hin :  ihnen  ist  es  in  erster  linie  zu  danken,  dass  England  ans  der 
moralischen  versumpftheit  wider  zur  achtung  der  frauen  und  zur  heilig- 
haltung der  ehe  zurückgeführt  wurde.  Nur  in  dem  glatten  und  gefeilten 
stile  gebührt  Addison  der  vorzug,  während  andrerseits  ein  gewisses  sich- 
gehenlassen den  beitragen  Steele's  grössere  natürlichkeit  und  innigkeit 
verleiht.  Wenn  Regel  bei  der  Wertschätzung  der  einzelnen  Wochen- 
schriften untereinander  den  Tatler  über  den  regelroässigercn  Speetator 
stellt,  so  liegt  das  wol  zum  teil  mit  darin  begründet,  dass  ersterer  mehr 
vom  geiste  Steele's,  letzterer  mehr  vom  geiste  Addison's  durchweht  ist.  — 
Dem  texte  von  Thackeray's  Lectnre  ist  eine  fülle  von  anmerkungen  bei- 
gegeben, die  den  leser  mit  den  darin  vorkommenden  personen  und  ört- 
lichkeiten, sowie  mit  gewissen  eigentümlichkeiten  von  Steele's  spräche 
bekannt  machen.  Aus  den  reichen  beziehungen  zur  politischen,  literatnr- 
und  kulturgeschichte ,  die  sich  hier  anknüpfen  lassen,  sieht  man,  dass 
Regel  mit  der  herausgäbe  der  Lectures  einen  glücklichen  griff  getan  hat. 
Der  Student  gewinnt  einen  trefflichen  einblick  in  das  ganze  geistige  und 
politische  leben  und  treiben  jener  tage,  in  denen  politik  und  literatur  in 
regster  Wechselwirkung  standen.  Leider  sind  auch  in  diesem  bandchen, 
trotz  des  beigefügten  druckfehlcrverzeichnisses,  noch  eine  menge  versehen 
unberücksichtigt  geblieben:  S.  24,  z.  22  v.  u.  1.  ste//t  st.  stillt;  s.  26,  s.  11 
v.  o.  1.  «nsuccessful  st.  «nsuccessful  j  s.  3S,  z.  1 7  v.  u.  1.  a/i  answer  st  a  an- 
»wer;  s.  4i>,  z.  3  v.  o.  1.  Not',  st.  Noir.;  s.  47,  z.  4  v.  u.  1.  fraby  st.  Aaby;  s.  48, 
anm.,  z.  14  v.  o.  1.  full-Aottomcd  st.  full-bMttomed;  s.  63,  z.  3  v.  o.  1.  acquain- 
tance  st.  acquaintacc;  s.  r>S,  z.  I  v.  u.  1.  sinmd  st.  sinnend;  s.  69,  z.  3  T.  u. 

1.  Richard  st.  Rinhard;  s.  71,  anm.  24,  z.  2  1.  gebraucht  st.  gebraucht;  s.  72t 
anm.  30,  z.  2  1.  Macaub/y  st.  Macaulcry;  s.  74,  anm.  52,  z.  2  1.  1776  st.  107B, 
s.  7.-1,  anm.  ."»7,  /..  3  1.  1/35  st.  1.757;  s.  7s,  anm.  102,  z.  2  1.  Lying  st.  Lyng. 
Mehrfach  ist  am-h  die  Verwechselung  von  u  und  n  im  druck  übersehen. 

Während  Regel's  ausgaben  von  Thackeray's  Lectures  fttr  die  Tor- 
gesehritteneren  des  seminars  bestimmt  sind,  hat  Schuler  in  Byron's 
Trisoner  of  Chillon  und  Siege  of  Corinth  einen  stoff  für  die  niederen 
kurse  liefern  wollen.  Der  herausgeber  beginnt  mit  einer  knapp  gehaltenem 
hiogruphic  des  dichters,  gibt  sodann  die  bibliographic  (1.  Byron's  werke; 

2.  ausgaben  und  Übersetzungen;  3.  werke  und  aufsütze  Über  Byron)  und 


BÜCHERANZEIGEN.  491 

versieht  jedes  der  beiden  gediente  mit  einer  besonderen  einleitung  über 
seine  entstehung,  nebst  einer  darstellung  der  metrik.  Dem  text  ist  die 
grosse  Murray 'sehe  ausgäbe  zu  gründe  gelegt;  lesarten  aus  B.'s  manu- 
Skripten  sind  als  anbang  beigegeben.  Die  anmerkungen  sind  hier,  ab- 
weichend von  Regel's  ausgaben,  am  fusse  jeder  seite  gedruckt;  da  sie 
vorwiegend  sprachlicher  natur  sind,  ist  dies  nur  zu  billigen. 

In  den  bibliographischen  angaben  vermissen  wir  allerdings  Regel's 
Vollständigkeit;  so  fehlen  z.  b.  Gordon,  Life  and  Genius  of  Lord  Byron, 
1S24;  Kennedy,  Conversations  on  Religion  with  Lord  Byron  etc.,  183*»;  von 
neueren  werken:  Engel,  Lord  Byron,  Eine  Autobiographie  u.  s.  w.  Auch 
sei  hier  auf  die  inzwischen  erschienene  englische  literaturgeschichte  von 
Bleibtreu  hingewiesen,  der  B.  ausführlich  behandelt  (bd.  II,  s.  151—325). 
Die  allitteration  bei  B.,  auf  die  der  herausgeber  s.  19,  anm.  10  hinweist, 
ist  nebst  derselben  erscheinung  bei  Bnrns,  Moore  und  Scott  zum  gegen- 
ständ einer  besonderen  Untersuchung  gemacht  worden  von  Zeuner  (Die 
Allitteration  bei  neuenglischen  Dichtern,  Halle  1880,  Diss.).  —  In  dem 
unregelmässigen  versmasse  des  prologs  und  des  zweiten  teiles  der  Siege 
of  Corinth  (von  v.  379)  sucht  der  herausgeber  das  lesen  der  verse  da- 
durch zu  unterstützen,  dass  er  die  vorkommenden  anapäste  nach  ihrer 
stelluug  im  verse  durch  Vordruck  der  buchstaben  a,  b,  c,  d  für  ihr  vor- 
kommen im  1.,  2.,  3.,  4.  takte  bezeichnet.  Es  wäre  jedenfalls  einfacher  und 
übersichtlicher  gewesen,  die  haupttakte  tragenden  silben  mit  accenten  zu 
versehen.  Ob  überhaupt  die  anwendung  der  terminologie  der  klassischen 
metrik  auf  so  unregelmässige  metren  sich  empfiehlt,  bleibe  dahingestellt. 
Auch  erscheint  es  überflüssig,  jede  härte  im  reime  namhaft  zu  machen; 
der  hinweis  auf  einige  allgemeine  gesichtspunkte  hätte  völlig  genügt. 

Die  anmerkungen  sind,  wie  schon  erwähnt,  in  der  hauptsache  sprach- 
licher art;  den  deutungen  und  Übersetzungsvorschlägen  dunkler  oder 
schwieriger  stellen  wird  man  im  allgemeinen  seine  Zustimmung  nicht  ver- 
sagen können.  Nur  an  der  etwas  verwickelten  stelle  v.  909  (S.  of  C.)  sind 
wir  abweichender  ansieht  und  möchten  das  when  nicht  zu  pictured  there, 
sondern  zu  we  kneeling  see  u.  s.  w.  konstruieren.  —  In  den  sachlichen  an- 
merkungen ist  der  herausgeber  manchmal  zu  freigebig;  der  zug  des  Xerxes 
nach  Griechenland  (anm.  15  der  S.  ofC),  die  namen  Patroklus  (v.  765), 
Salamis  und  Megara  (zu  v.  719)  bedürfen  für  studierende  doch  wahrlich 
nicht  erst  der  erklärung!  Aufgefallen  ist  ref.  in  B.\s  eigener  anmerkung 
zu  Prisoner  v.  111  die  namensform  St.  Gingo.  Zwar  findet  sich  dieselbe 
schon  in  der  englischen  ausgäbe  von  1839,  es  kann  aber  doch  nicht  der 
geringste  zweifei  obwalten,  dass  damit  der  kleine  ort  St.  Gingo/pA  gemeint 
ist.  Handelt  es  sich  hier  nicht  vielleicht  um  einen  druckfehler,  der  sich  von 
ausgäbe  zu  ausgäbe  weiter  geschleppt  hat?  Es  ist  dies  um  so  leichter 
erklärlich,  als  der  name  in  den  meisten  ausgaben  am  ende  der  zeile  steht ; 
es  liegt  also  die  Vermutung  nahe,  dass  beim  ersten  druck  die  buchstaben 
Iph   absprangen   und   der  fehler  so  übersehen  wurde. 

Von  druckfehlern  fielen  uns  folgende  auf:  gleich  im  inhaltsverzeichniss 
z.  1  muss  es  heissen  ^graphische  statt  £i7>/iögraphische  notiz;  s.  50,  anm. 
zu  v.  "is  1.  s/aekeuing  st.  s/ackening;  s.  52,  B.'s  anm.  z.  3  1.  campaign  st. 
compaign;     s.  72,  anm.  2  1.  51b  st.  S\b;    s.  70,  v.  013  1.  words  st.  wor/ds; 


492  BÜCHER  ANZEIGEN. 

8.  91,  v.  9*4  1.  aff/icted;  8.  »2,  B.'s  anm.  z.  2  1.  wor  st.  Aor;  8.  93,  z.  9  der  les- 
arten  1.  a/id  st.  awd.  —  Von  diesen  kleinen  ausstellungen  abgesehen,  bietet 
die  ausgäbe  viel  nützliches  und  brauchbares  und  sei  nebst  den  übrigen 
der  Sammlung  hiermit  warm  empfohlen.  P.  L. 


Mary  Putnam  Jacobi,  M.  D.  Pbilological  Notes  on  Primary  Edu- 
cation  and  the  Study  of  Languages.  New  York  and  London, 
G.  P.  Putnam's  Sons*,  1889.    120  ss. 

Das  vorliegende  buch  ist  ein  beitrag  zur  reform  des  Unterrichts,  be- 
sonders in  den  sprachen.  Während  im  ersten  teile  desselben  auf  grund 
physiologischer  gesetze  und  beobachtungen  gezeigt  wird,  dass  der  an- 
schauungsunterricht  dem  Sprachunterricht  voraufgehen  muss,  dass  ge- 
dankeninhalt  zu  gewinnen  ist,  che  gedankenausdruck  gelehrt  werden  kann, 
behandelt  der  zweite,  fiir  die  leser  dieser  Zeitschrift  interessantere  teil  die 
Sprachstudien  im  rahmen  der  erziehung  und  in  ihrem  verhältniss  zu  ein- 
ander. Als  geeignetste  zeit  für  das  erlernen  fremder  sprachen  wird  das 
alter  zwischen  sieben  und  fünfzehn  jähren  hingestellt;  die  beiden  ersten 
jähre  sollen  hauptsächlich  dem  einprägen  von  Wörtern,  als  den  anschauungs- 
gegenständen  am  nächsten  stehend,  gewidmet  werden;  dabei  wird  das 
gleichzeitige  betreiben  mehrerer  fremder  sprachen,  z.  b.  Latein,  Franzö- 
sisch und  Deutsch,  neben  Englisch  als  muttersprache  empfohlen.  Dass 
dieses  wortstudium  ein  vergleichendes,  mit  hinweis  auf  Grimm's  lautver- 
schiebungsgesetz,  sein  soll,  dürfte  doch  an  ein  so  jugendliches  alter  eine 
zu  hohe  forderung  sein.  —  An  das  Studium  der  Wörter  schliesst  sich 
dann  das  ihrer  gegenseitigen  beziehungen  im  satze,  die  grammatik,  an, 
und  zwar  auf  analytischem  wege.  Dem  schüler  seien  nicht  fertige  dekli- 
nations-  und  konjugationstabellen  vorzulegen,  sondern  er  müsse  unter 
anleitung  des  lehrers  zerstreute  tatsachen  sammelu,  sie  vergleichen  und 
aus  ihnen  ein  gesetz  gewinnen  lernen.  Der  grammatische  Unterricht  soll 
nie  zur  hauptsache  werden  und  sich  immer  auf  das  wesentliche  und  all- 
gemein giltige  beschränken.  Anziehende,  dem  verständniss  des  Schillers 
angepasste  texte  seien  die  beste  einfUhrung  in  die  spräche;  baldmögliche 
bekanntschaft  mit  den  klassischen  Schriftstellern  wird  als  unzweckmässtg 
zurückgewiesen.  —  Das  Griechische  soll  nach  dem  zehnten  lebensjahre  in 
gleicher  weise  begonnen  werden  und  allmälich  an  stelle  des  Französischen 
treten.  Mit  dem  sechzehnten  jähre  könne  dann  das  systematische  Sprach- 
studium aufhören,  um  nun  die  zeit  auf  erfassung  schwierigerer  gruppen 
von  tatsachen,  womöglich  mit  hilfe  der  gewonnenen  Sprachkenntnisse  zu 
verwenden.  Die  notwendigkeit  gründlicher  philologischer  ausbildung  vor 
der  erwerbung  eingehenderer  kenntnisse  der  uns  umgebenden  weit  wird 
als  überkommener  aberglaube  bezeichnet. 

Viele  der  vorgetragenen  sätze  sind  bei  uns  längst  bekannt  und  zum 
teil  sogar  allgemein  anerkannt;  immerhin  ist  es  erfreulich  zu  sehen,  dass 
auch  im  ausländ  eine  gesündere  richtung  im  Sprachunterricht  sich  bemerk- 
lich macht.  Eine  wahrhaft  glänzende  ausstattung  erhöht  noch  die  lesbar- 
keit  des  buches.  P.  L. 


BÜCHERANZEIGEN.  493 

Eingelieferte  amerikanische  werke. 

English  Culture  in  Virginia.    A  Study  of  the  Gilmer  Letters  and 

an  Account  of  the  English  Professors  obtained  by  Jefferson 

for  the  University  of  Virginia.    By  W.  P.  Trent.     Baltimore 

(Johns  Hopkins  University  Studies  in  Hist.  and  Polit.  Science 

7,  5-6).     1889.     141  ss.  8». 

Wie  schon  auf  dem  titel  gesagt  ist,  enthält  die  vorliegende  Studie 
eine  skizze  der  ältesten  geschichte  der  University  of  Virginia  (welche 
besonders  durch  Jefferson's  enthusiasmus  und  bemühungen  ins  leben  ge- 
rufen wurde1),  und  zwar  beruht  dieselbe  auf  dem  material,  welches  die 
korrespondenz  F.  W.  Gilmer's  liefert.  Gilmer  war  Jurist  (und  erster  pro- 
fessor  für  recht  an  dieser  Universität)  und  wurde  von  Jefferson  nach  Eng- 
land geschickt,  um  daselbst  diejenigen  professoren  für  das  neue  institut 
anzuwerben,  welche  Amerika  damals  noch  nicht  selbst  darbot.  Wir  er- 
halten durch  die  briefe  einen  interessanten  einblick  nicht  nur  in  das 
geistige  leben  Virginias,  sondern  auch  Englands.  Die  briefe  aus  London, 
Oxford,  Cambridge,  Edinburgh  zeigen  uns  ein  klares  urteil  über  die  lite 
rarischen  grossen  dieser  orte  (besonders  interessant  sind  die  briefe  von 
Dugald  Stewart,  Samuel  Parr,  Tho.  Campbell  u.  a.).  Von  Gilmer  selbst 
gewinnt  man  dabei  (wie  die  männer,  mit  denen  er  in  England  in  berüh- 
rung  kam)  einen  äusserst  günstigen  eindruck;  zur  Charakteristik  des 
inannes  sei  kurz  sein  selbstbekenntniss  (von  s.  73)  angeführt: 

'I  have  already  said  that  I  am  fondly  attached  to  the  sciences; 
and  the  strength  of  that  attachment  is  proportional  to  each,  as  it  appears 
to  nie  calculated  to  advance  the  interests  of  mankind.  In  the  univer- 
sity of  Cambridge  I  have  often  thought  that  this  object  is  too  much 
lost  sight'  of ;  and  that  the  great  body  of  talent  in  that  seat  of  know- 
ledge  is  frequently  directed  to  points  of  comparatively  minor  impor- 
tance,  and  thus  in  a  great  measure  thrown  away  whilst  it  might  be 
employed  in  a  manner  so  highly  beneficial  both  for  England  and  the 
whole  world'. 

Da  Gilmer  in  der  blute  der  jähre  ( 1 826)  hinweggerissen  wurde,  konnte 
Trent  den  abschluss  der  frühesten  geschichte  der  Universität  nicht  aus 
seiner  hauptquelle  geben.  Besonders  interessant  sind  einige  im  anhange 
mitgeteilte  briefe  Ticknor's  (vor  allem  der  von  Göttingen  30.  1.  1817  über 
die  tageseinteilung  der  deutschen  gelehrten). 

Wenn  bei  der  höchst  anziehend  geschriebenen  skizze  Trent's  etwas 
zu  wünschen  übrig  bliebe,  so  wäre  das  nur,  noch  mehr  briefe*  abgedruckt 
zu  sehen ;  doch  darf  man  wol  hoffen,  dass  Trent  diesem  wünsche  (gewiss 
vieler)  an  anderer  stelle  nachkommen  wird.  E.  F. 

1  Vgl.  H.  B.  Adam's  quellenwerk:  Tho.  Jefferson  and  the  Univertity 
of  Virginia,  1SS8. 

*  Trent  standen  zwei  grössere  briefsammlungen  (in  Privatbesitz)  zur 
Verfügung  (vgl.  s.  8),  aus  denen  nur  einzelnes,  aber  ungenau,  bisher  abge- 
druckt war  (vgl.  s.  29). 


494  BÜCHERANZEIGEN. 

The  Household  History  of  the  United  States  and  its  People  by 
Edward  Eggleston.  New  York,  U.  Appleton  &  Co.,  1889. 
XVI,  396.    8°. 

Die  vorliegende  geschiente  der  Vereinigten  Staaten  ist,  wie  schon 
der  titel  besagt,  mehr  populären  Charakters,  aber  wie  schon  der  erste 
blick  auf  den  text  zeigt,  keineswegs  eine  jener  wie  pilze  aus  der  erde 
schiessenden  koinpilationen,  sondern  die  frucht  eingehender  Studien,  und 
zwar  besonders  auf  dein  gebiete  der  amerikanischen  kulturgeschichte. 

Diese  vorarbeiten  zu  dem  grösseren  werke  (dessen  baldiges  er- 
scheinen wir  dem  Verfasser  und  der  Wissenschaft  herzlich  wünschen), 
kommen  dem  kleineren  zu  gute  und  verleihen  ihm  seinen  reiz  und  seinen 
wert.  Die  anordnung  des  Stoffes  in  62  kapiteln  ist  übersichtlich  und  die 
fortlaufende  klare  darstellung  wird  lebhafter  durch  eingestreute  kleinere 
biographische  skizzen  und  durch  anekdoten,  welche,  wie  der  verf.  mit 
recht  sagt:  'lend  the  charm  of  a  human  and  personal  interest  to  the  broader 
facts  of  the  nation's  history'.  Die  berühmten  worte  Daniel  Webster's: 
'Wo  nced  a  history  of  firesides'  (vgl.  vorrede)  sind  tatsächlich  bis  zu 
einem  gewissen  grade  mit  dem  gegenwärtigen  buche  erfüllt  worden. 

Was  zu  der  vortrefflichkeit  des  textes  noch  hinzu  kommt  und  den 
wert  des  buches  erhöht,  das  sind  die  ganz  besonders  zu  rühmenden  zahl- 
reichen illustratiouen,  deren  auswahl  sicher  unter  grossen  Schwierigkeiten 
mit  kritik  und  völliger  beherrschung  des  Stoffes  getroffen  ist. 

Die  holzstücke  der  portr&ts  sind  zwar  uicht  alle  neu,  sondern  zu  einein 
teile  z.  b.  aus  Harper's  Magazine  bekannt,  aber  sie  sind  fast  *  ausnahmslos 
so  vortrefflich,  dass  es  gar  nicht  not  getan  hätte,  andere  zu  wählen. 

Es  sei  zum  schluss  noch  auf  das  knappe,  aber  gute  und  schön  illu- 
strierte kapitel  über  amerikanische  literaturgcschichte  hingewiesen,  und 
damit  das  buch  in  jeder  beziehung  warm  empfohlen.  E.  F. 


Household  History  of  the  U.  S.  by  E.  Eggleston.  School  Edition 

Diese  Schulausgabe  ist  ein  auszug  aus  dem  obigen  werke,  mit  den- 
selben bildern  ausgestattet.  Jedes  der  kapitel  ist  durch  angefügte  fragen 
für  den  schulgebrauch  besonders  brauchbar  gemacht.  Der  amerikanische 
schulknabe  ist  jedenfalls  um  solch  vortreffliches  lesebuch  zu  beneiden,  wo 
text  und  bild  wetteifern,  das  Interesse  an  der  vaterländischen  geschieht« 
zu  erwecken.  E.  F. 

Atlantic  Essays  by  Thomas  Wentworth  Higginson.   Boston. 
Lee  &  Shephard,  1889.    341  as.  kl.  8°. 

Die  Atlantic  Essays  von  Higginson  tragen  ihren  titel  mit  recht  — 
nicht  etwa  weil  sie  nur  atlantische  fragen  behandelten,  sondern  weil  der 
geist,  der  sie  durchweht,  rein  atlantisch  ist,  vollständig  amerikanisch.   Es 

1  Nicht  sehr  schön  ist  Walter  Raleigh's  bild;  es  wäre  da  besser  ent- 
weder das  berühmte  Vollbild  (gestochen  z.  b.  vor  E.  Edwards*  Life  of  R.) 


BÜCHERANZEIGEN.  495 

sind  allerdings  nur  drei  essays,  welche  sich  direkt  auf  Amerika  beziehen 
(Aniericanism  in  Literature  1870,  Literature  as  an  Art  1867,  A  Plea  tbr 
Culture  1867),  aber  alle  sind  mit  bezug  auf  Amerika  geschrieben.  Und 
zwar  haben  diese  essays  fast  alle  das  ziel,  den  stand  des  geschmackes 
an  literarischen  stoßen  klassischer  zu  gestalten,  die  klassischen  literaturen 
(namentlich  die  griechische,  deren  begeisterter  Verfechter  Higginson  ist, 
vgl.  die  essays  Greek  (Joddesses  und  Sappho)  in  Amerika  zu  ihrem  rechte 
zu  verhelfen.  Mit  der  frauenfrage  (vgl.  den  5.  essay) l  hätte  man  sich  hier 
nicht  zu  befassen,  wenn  dieselbe  nicht  im  Vordergründe  der  amerikanischen 
kultur  stäude  und  alle  gebiete  des  geistigen  lebens  von  Amerika  berührte 
und  beeinflusste. 

Der  essay  Aniericanism  in  Literature  gipfelt  in  dem  satze:  'We  are 
aiming  at  something  better  than  our  English  fathers,  and  we  pay  for  it 
by  greater  vacillations  and  vibrations  of  movement'  —  nur  erscheint,  so 
sehr  wir  geneigt  sind,  dem  Amerikaner  entgegen  zu  kommen,  solcher 
ausspruch  übertrieben,  und  jedenfalls  in  diesem  essay  nicht  näher  aus- 
geführt und  begründet.  Die  literaturen  nicht  nur  Englands,  sondern  aller 
länder,  welche  eine  grosse  Hteratur  besitzeu  und  schaffen,  haben  ein  und 
dasselbe  ziel  und  können  nur  eins  haben;  Amerika  hat  kein  beson- 
ders ueues,  ebensowenig  wie  ein  neues  ethisches  oder  religiöses  ideal. 

Die  erzählenden  skizzen:  A  Charge  with  Prince  Rupert,  Mademoi- 
selle's  Campaign,  The  Puritan  Minister  und  Fayal  sind  sämmtlich  durch 
die  Vorzüge  von  Iligginson's  stil:  die  lebhaftigkeit  und  frische  der  Schilde- 
rung ausgezeichnet,  die  seiner  grösseren  novelle  Malbone-  einen  dauernden 
platz  in  der  amerikanischen  literaturgeschichte  gesichert  hat.        E.  F. 


Army  Life  in  a  black  Regiment  by  TU.  W.  Higginsoii.    Boston, 

Lee  &  Shepard,  1882.     296  ss.  kl.  8». 

Das  vorliegende  buch  enthält  eines  der  interessantesten  kulturbilder 
aus  dem  grossen  amerikanischen  kriege.  Es  behandelt  die  erfahrungen, 
welche  Higginson,  als  oberst  im  1.  freiwilligen  negerregiment  zu  sammeln 
gelegenheit  hatte,  und  niemand  wird  das  buch  aus  der  hand  legen,  ohne 
bedauern,  nicht  länger  unter  den  biederen  schwarzen  (hier  merkwürdiger- 
weise stets  nüchternen)  kürbissessern  verweilen  zu  können. 

Für  die  englische  phüologie,  der  das  buch  auch  angehört,  bringt  es 
stoff  zu  dialektstudien  und  ein  abschnitt:  Negro  Spirituals  wird  als  quelle 
für  diesen  teil  der  englischen  Volkslieder  dienen;  in  der  tat  ist  die  treue 
widergabe  von  37  negerliedern  (oft  heimlich  den  sängern  und  dichtem 
nachgeschrieben)  die  reichste  liedersammlung  dieser  art. 

Das  hauptmerkzeichen  der  lieder  ist  ein  religiöser  zug,  der  über- 

oder  eines  der  brustbilder  vor  der  History  of  the  World  widerzugeben 
gewesen;  ferner  fehlt  ein  bild  von  van  Buren  (von  sämmtlichen  anderen 
Präsidenten  sind  porträts  gegeben). 

1  Von  T.  W.  Higginson  stammt  das  nahezu  klassische  *  Common  sense 
about  women'. 

*  Malbone :  An  Oldport  Romance  by  T.  W.  Higginson.  Boston,  Lee 
&  Shepard,  1*82. 


496  bOcheranzrigkn. 

haupt  in  dem  geistesleben  des  negers  eine  grosse  rolle  zu  spielen  scheint 
(s.  22,  26,  :i3);  eigentlich  sind  es  nur  drei  lieder  der  Sammlung  (no.  35, 
31»,  37),  welche  sich  von  diesem  religiös-kirchlichen  charakter  befreien, 
aber  im  ganzen  nicht  über  den  ersteren  an  wert  stehen. 

Man  ist  Higginson  sehr  zu  danke  verpflichtet  flir  die  Sammlung  und 
Veröffentlichung  dieser  lieder  —  in  denen  aber  weder  der  hauptinhalt, 
noch  die  Hauptbedeutung  von  Higginson's  werke  besteht.  E.  F. 


Travellers  and  Outlaws.  Episodes  in  American  History  by  Th.  W. 
Higginson.  Boston,  Lee  &  Shepard,  1889.  340  ss.  kl.  8°. 
Travellers  and  Outlaws  sind  acht  fesselnde  kulturbilder ,  von  denen 
das  erste  (Old  Salem  Sea  Captains)  höchst  interessante  gestalten  aus 
Hawthorne's  geburtsstadt  vorführt,  das  zweite  aus  William  Ellery's  tage- 
büchern  ein  stück  kulturgcschichte  aus  dem  grossen  Freiheitskriege  gibt. 
Das  dritte  behandelt  den  berüchtigten  vagabunden  Tufts  (nach  dessen 
eigener  lebensbeschreibung).  Es  ist  allerdings  nicht  'love  of  bad  Com- 
pany', was  diese  skizze  so  ausserordentlich  fesselnd  macht,  sondern  die 
darstellung  der  fabelhaften  abenteuer  dieses  patrons,  der  einen  merk- 
würdig dunkeln  hintergrund  zu  den  glänzenden  helden  seiner  zeit  bildet. 
Aus  seinem  (liebes Vokabular  (lexikographisch  noch  nicht  ausgebeutet!) 
gibt  uus  Higginson  einige  interessante  proben  (s.  1 12).  Die  beiden  nächsten 
essays  behandeln  die  Maroons  von  Surinam  und  Jamaika  und  der  letzteren 
trauriges,  tragisches  ende.  Die  drei  schlussessays  (von  denen  derjenige 
über  den  hehlen  Nat  Turner  mit  besonderer  liebe  ausgeführt  zu  seiu 
scheint)  geben  die  geschiente  von  den  negeraufständen  Gabricl's,  Den- 
mark  Yesey's  und  Nat  Turner1»,  jeder  denkwürdig  und  von  beständiger 
auziehungkraft. 

Higginson's  skizzen  verdienen  in  hohem  masse  aus  der  Vergessen- 
heit der  Zeitschriften,  in  denen  sie  zuerst  erschienen,  entrückt  zu  werden; 
sie  sind  die  fruchte  von  eingehenden  quellenstudien ,  aber  mit  solchem 
geschick  und  mit  solcher  stilistischen  fertigkeit  geschrieben,  dass  sie  sich 
wie  novellen  lesen.  Ein  anhang  gibt  genaue  reehenschaft  und  hinweise 
auf  die  quellen.  E.  F. 


Berichtigung. 
S.  271,  z.  12  v.  ii.  lies  mery  fllr  merry. 


Ctxxc-tr;^  (,■  ^  r^K  ''iM/ 


ANGLO-SAXONICA  MINORA.1 

I  here  publish  a  series  of  prayers  and  confessions  from 
two  Mss.,  viz.  Royal  2  B.  V  (=  B)  and  Tiberius  A.  3  (=  T),  both 
in  the  British  Museum.  The  former  is  a  well  preserved  quarto 
containing  the  latin  Psalter  with  middle  10th  Century  glosses 
(see  Anglia  XI,  p.  103,  III.  note  1).  Before  and  after  it  some 
prayers  in  an  early  llth  Century  handwriting  are  found,  which 
will  be  printed  from  this  Ms.  below. 

The  Ms.  has  been  described  —  and  specimens  of  it  have 
been  published  —  by  Wanley  on  p.  182  and  by  Wülker  (Anglia 
II,  356  f.).  The  '  unsinnige  rasuren'  of  which  W.  speaks  are 
most  likely  owing  to  a  desire  of  some  possessor2  to  change 
the  Gallican  text  into  a  Roman  one  so  as  to  bring  it  in  accord 
with  the  Roman  glosses.  Besides  the  Psalter  and  the  orations 
our  Ms.  contains  a  couple  of  glosses  on  fo.  lro  in  the  margin: 
hat  weder  cälida  ausa  (i.  e.  aura)  ceald  weder  (frigida  ausa)  wwt 
weder  (timida  ausa)  webt  umidum.  On  fo.  lvo,  fo.  2. 3. 4. 5  some 
latin  is  found  and  on  fo.  6ro  some  sentences  which  have  been 
published  by  W.  (as  above  p.  373  f.).  Only  ib.  p.  374,  1.  3  the 
Ms.  has  apeostrafo,  and  not  apeostrad,  and  the  Ms.  reads:  ib.  4 
Senescunt  quae?  — 

On  fo.  6VÜ  we  find  no.  X,  where  it  in  written  in  two  columns. 
On  fo.  7  there  is  only  some  Latin  and  on  fo.  8  etc.  the  Psalter  and 
Canticles  are  found.  Our  next  oration  (no.  XI)  begins  on  fo.  189vo 
On  fo.  195vo  a  note  oecurs  which  obtains  also  in  Ms.  Tib.  A  3. 
fo.  44  and  Ms.  Caligula  A.  15  fo.  131™  (cf.  Anglia  XI,  3).  In  our 
Ms.  this  note  is  written  in  the  somewhat  irregulär  later  hand  of 

1  Second  article,  a  continuation  of  Anglia  XI,  97—120. 

9  Most  likely  a  contemporary  one.  The  name  of  a  later  possessor 
—  Lumley  —  appears  twice  at  the  bottom  of  a  page. 

3  Ib.  p.  369,  1.  6  from  bottom  the  Bis.  reads  7nt  and  not  f>e\  p.  370, 
11.  6  and  12  the  Ms.  reads  gdd  and  wines  respectively. 

Anglia,  XII.  band.  32 


498  LOGRMAN, 

the  corrections  to  the  treatise  foand  on  the  same  page  (below 
no.  XI).    On  fo.  196  we  have  a  Confessio  et  Oratio  (cf.  Anglia 
XI,  111),  and  on  fol.  197vo  some  stray  words  occur  —  written 
very  illegibly  all  over  the  page  — ,  of  which   my  notes  give 
the  following: 
ned  wint . .  scolde  . . .  ham  |  . . .  der      me  . .  me  . .  wse  . . .  cyr- 
can  |  )>a  äse  . .  scj>  me  was  . .  leofre  on  er  ...  y  wae  an  ponne 
J?a  . .  wis  . .  |  swa  hit   aefre  gewjTJ^e  .  amen  |  do  a*le  . .  seo 
hl&fdige  . . .  gyrnaÖ  eenbe  . . .  |  to  .  ceolre  Öe  on  ece  yrfe 
gretaÖ  gram. 
The  Ms.  Tiberius  A  3  has  been  fally  deseribed  by  me  in 
the  third  chapter  of  the  Introduction  to  The  Rule  of  S.  Benet, 
published  for  the  Early  English  Text  Society  (p.  XIX— XXV). 
It  is  the   collection   of  treatises  no.  XXV  (see  Wanley  p.  93) 
which  I  printed  partly  (fos.  44ro — 45ro)  in  a  former  number  of 
the  Anglia  and  of  which  the  rest  will  be  fonnd  below.    Of 
this   fo.  46vo — fo.  50ro   are   here  published  as  variants  to  Ms. 
Royal  2  B  V  and  fo.  50vo— 55ro  (not  57  as  stated  in  the  de- 
scription  on  p.  XXII),  in  füll. 

As  to  the  manner  of  editing,  I  have  tried  to  adhere  strictly 
to  the  Ms.  The  following  shonld  be  observed:  The  letters  a, 
b  etc.  stand  on  the  right  band  of  the  word  to  which  they  refer; 
as  well  as  the  figures  1,  2  etc.  The  latter  refer  to  the  variae 
lectiones;  the  former  to  the  notes  at  the  bottom  of  the  page. 

A  dash  ( )  under  a  word  indicates  in  a  few  solitary  in- 

stances  that  the  word  in  question  is  on  erasure  and  in  the 
same  handwriting  as  the  rest  of  the  piece.  Italics  without 
a  note  indicate  the  well  known  Ms.  abbreviations,  bot  those 
with  figures  to  them  refer  to  the  corresponding  notes. 

4Corrector'  and  'Correction'1  refer  to  the  man  that  Sub- 
stitut ed,  as  would  seem  almost  systematically,  certain  forms 
and  words  for  others  less  known.  All  these  4 corrections'  are 
made  above  the  line.  The  word  labove  the  line'  as  well  as 
'corrected'  were  reserved  to  indicate  the  changes  made  by 
the  scribe  himself. 

The  scribe's  p  very  much  resembles  a  p  in  many  cases. 
This  has  been  tacitly  corrected. 

1  The  stroke  in  the  Ms.  through  most  of  these  lCor^ection•,  oould 
not  be  rendered  in  this  edition  without  too  great  an  ezpeute  for  the 
printing  offico. 


ANGLO-SAXONICA  MINORA.  499 

Some  of  the  length-strokes  would  appear  to  have  been 
added  later  on,  and  some  —  perhaps  owing  to  this  very  cir- 
camstance  —  stand  over  the  wrong  vowel,  especially  over  one 
following  that  for  which  it  was  intended. 

Variae  lectiones  —  including  some  notes  on  the  variants  — 
are  given  very  conscientiously  and,  it  is  hoped,  correctly.  But 
they  have  been  omitted  in  the  following  cases.  1°  Where 
they  differed  only  tlirough  being  contracted  in  one  Ms.  and 
not  in  the  other.  2°  Where  one  word  has  a  capital  letter, 
and  the  other  not.  3°  Where  one  word  presents  an  t  instead 
of  the  y  of  the  other  or  vice  versa.  These  latter  differences 
are  legion  and  would  have  materially  swelled  the  bulk  of 
these  notes,  and  as  the  Ms.  dates  from  late  10th  to  middle  llth 
Century  these  variants  can  hardly  be  of  interest  to  any  one. 

It  will  be  seen  that  the  lcorrections'  in  B  nearly  always 
coincide  with  the  readings  of  T.  An  investigation  as  to  whether 
one  Ms.  has  copied  them  from  the  other1,  or  both  from  a  com- 
mon original  might  yield  some  interesting  result.  The  language 
too  is  not  without  importance.  Like  the  whole  of  this  codex  our 
treatises  show  Kentish  influence.  But  an  examination  of  these 
points  may  be  reserved  for  an  other  opportunity.  For  the  for- 
mer actual  autopsy  of  the  Mss.  would  be  absolutely  necessary. 

1  Cf.  note  104  to  XII. 

X. 

ORATIO  PRO  PECCATISy 

iyina  drihten  leof  forb  j^inre  J?aere  micelan  mildheortnysse .  7 
for  ealra  Jrinra  haligra  lufan  7  ge  earnuncga2.ge  miltsa 
me  synfullum  .  swa  swa3  }>in  msera  willab  si .  7  min  mod  to 
Jnnum  willan  gestranga  .  7  ge  staÖola  .  7  min  drihten  ne  laet 
me  naefre  ßerlicum  deaÖe  of  pissum  earman  life4  gewitan.ac 
loce  hweune5  min  tima6  beo.7  J?in  willab  si.pcet  ic  J?is  lsene 
lif 7  forlaetan  sceole . laet  me  mid  gedefhysse  mine  dagas  ge- 
endian.  Eac  ic  bidde  pe  min  drihten  leof  for8  J?ines  sylfes 
godnisse9.  )>#/  J>u  me  of  (tissere  worulde  ne  laete 10 . »r  ic  }>urh 

*  In  read  characters.  b  A  hole  in  the  parchment,  which  does  not 
affect  the  text,  having  been  there  before  the  vellum  was  written  on. 

Variants  of  Ms.  Tiberius  A.  3.  fo.  46™  (=  T.). 

1  No  heading.  2  earnuncga  8  swa  swa  *  life  gewitan  6  hwsenne 
•  tima    7  lif    H  omitted.    9  godnesse    ,0  ls§te 

82* 


500  LOGEMAN, 

}>ine  micelan11  mildheortnysse  forgyfennysse  haebbe .  ealles  päd» 
pe  ic  aefre  ongean  )>inne  mseran  willan  geworhte .  daeges  oÖÖe 
niht8est2 .  gewealdes  oÖÖe13  ungewealdes  .  on  worde  .  oSSe  on 
weorce  .  oÖÖe l3  on  minum  pystrum  gej>ance.  Heofona14  heah 
cyning .  ealles  raiddan  eardes  onlysend .  ge  miltsa  me  earminge . 
8wa  swa  J?u  wille .  7  J>urh  padt  pcet  Öu 15  wille .  7  syle  me  minra 
gjlta  arfulle  forgyf ennesse 16  ge  on17  {risson  life.ge  on  )>am  to 
weardan  .  7  min  drihten  forgyf  me  soöe  breowe 18 .  7  andet- 
nj'8se19.7  böte20  minra  synna .  7  abwyrf21  me  fram  minum 
unrihtwisnyssum  to  pinum  willan  .  7  to  minre  J>earfe  .  7  min 
drihten  forgyf  me  rihtne  geleafan22  7  softe  lufe  7  eadmod- 
nj'sse .  7  arfostnysse  .  7  claennj'sse23  7  onbryrdnjsse24 .  7  strencfto 
wiö  deofle8  costnunga  7  gej?ild  on25  earfoftnj'ssum  .  7  gemet- 
fiestnysse26  on  geaundfuln\rssum.  And27  min  drihten  genehxa 
J>a  heardheortnysse  minre  }>aere  stajnenran  heortan  .  7  forgif 
me  teara  genihtsumnysse  .  pcet  ic  maege  p&  misdaeda28  bew6- 
pau2,J  .7  behreowsian  .  pe  ic  earming  daeghwamlice30  ongean 
pinue  willan  gewyrce  .  and31  min  drihten  leof .  on  liht  minre32 
heortan  getane  mid  lifes  andgyte33 .  7  onliht  mine  word  .  7 
daida  .  7  minne  lichaman  7  sawle34  7  eall  min35  lif  mid  gast- 
licum  andgyte:'6 .  7  forgyf  me  J>ine  mildheortnysse  ge  on  }>$f8- 
sum 3T  life  .  ge  on  )>am  toweardan  and  min  drihten  aelmihtig 
god.3s  Si  pe  lof39  7  wuldor  7  }>anc  a  on  ecnysse40.  7  eallnm 
}>inumc  halgam  .  ealra  paera41  gjfena  .  7  miltsa  .  7  goda .  |>e 
Ön42  me  aefre  forgeafe  .  7  ealra  paera  ara43 .  pe  Öu44  me  sj'n- 
fullum  to  forlete.45  Ic  bidde  pe  min  drihten  eadmodlice  pißt 
Öu*5  helpe  ealra  minra  freonda  .  7  maga .  7  ealra  )>aera  pe  to 
minre48  gebedraedene  J>encaÖ  .  7  hthtaß  ljbbendra  7  forÖge- 
witenra47  7  forgyf  Öam48  lybbendon  gesundfulnysse  on  frissum40 

c  next  column. 


11  miclan  "  nihtes  18  oJ?J>e  M  Heofena  ,5  Jni  l6  forgifenysse 
"  \mum  u  hreowc  ltf  andetnysse  (wrong  quantity)  w  böte  "  aw5Tf 
w  gelefan  *3  fo.  47r«>  «  onbridnesse  **  torn  away.  M  gemetfestnesse . 
M  An  .  **  urisdseda,  prob,  meant  for  inisdwda.  *»  bewepan  *  dM- 
wauilice    31  An .     M  niire    M  andgite  (wrong  quantity)    J4  sawle    *  min 

**  andgite;  d  above  the  line.  37  bisum  aH  g8d.  a  c  over  the  a:  most 
probably  to  indicate  shortness  of  vowel.  See  Napier's  note  Anglia  XI, 
1  and  2,  in  the  former  case  it  may  be  supposed  to  be  a  correction  of  the 
sign  of  length  to  mann.  1t  appears  to  be  one  of  the  many  peculiarities  of 
this  'Sammek-odex'.  Cf.  XII,  note  10b,  and  The  Academy  (1889),  nos.  909, 
910,  911,  and  920.  —  w  lof  *°  ecnesse  4l  t>»ra;  a  corr.  from  e.  «Im 
"ara  4I  |»u  46  lete  4*  )»u .  **  minre;  n  above  the  line.  4T  gewltenart 
4H  pam       i9  )msuui 


ANGLO-SAXONICA  MINORA.  501 

life  .  7  on  psmi  toweardan  ece50  m^rhÖe .  7  syle  J>am  forÖge- 
witenum  heora  gylta  arfulle  forgyfennesse51 .  7  heofonan62  rices 
gefean  ä  on  ecn^sse.53  Eac  ic  bidde  pe  min  drihtenb  J>aet 
Öu54  gemiltsige  eallum  J?am  peh  me  göd  dydon  .  7  god55  taeh- 
ton  .  7  syle  ece56  forgyfennysse57  eallum  )?am  }>e  me  aefre  yfel 
cwsedou  oÖÖe  pohton  oÖÖe58  gyta59  to  donne  J?encaÖ  .  7  ge- 
stranga  hi  to  )rinum  wyllan  .  7  gemiltsa  eallum  cristenum 
folce  .  lybbendum  7  forögewitenum  .  eallum  j?am  pe  aefre  ful- 
wihtes  baeÖ  underfengon.60  Si  pe  löf61  7  wuldor  ä62  butan63 
ende  .  amen. 

50  &ce  51  forgifenysse  5t  heofenan  .  63  ecnesse  6i  \>u .  55  göd . 
56  ece  ö7  forgyfennesse  58  ojtye  69  gyta  (wrong  quantity)  *>  under- 
fengum    61  lof    M  a .    63  buten  . 


M 


XL 

jrna  drihten  god  selmibtig  .  ic  \>e  eom  andetta '  minra  synna 
para  pe  ic2  in  minre  gemeinste3  wi}>4  pe  geworhte.  Min 
dryhten  god  aelmihtig  ic  pe  eom  andetta5  böte6  for  mines  licho- 
mone7  unsj'fernessun*8  }?ara  pe  ic  daeges  7  nihtes  worhte  ic  eom 
ge  wita  morpres  7f  icf  eomf  wedloga  7  manra  a)>ae9  gewita*  ic 
hit  pe  min  god  andette  for  ealle  mine10  daeda11  gegodesge12 
yrfles.  Min  drihten  god  aelmihtig  ic  eom  oferfongen13  mid- 
synnuw  to  wyrmlice  forpon  pe  ic14  /brgemeleasadef15  pinra16 
beboda.    Ic  eom  andetta17  böte18  for  ealles  mines  lichoman19 

te 

gecynde20  .  7    for   ealle   J?a   westmas21   Öe22  minan  s^nfullan 

(fol.  190a)  lichoman23  gesettesyntf/    Nu  ic  pe  bidde  min  drihten 

for  ealra24  J?inra  haligra  lufan  peah  ic  pe  j?us  8jTnful  to  cige  . 

for  minum  nyd|>earfum  pcpt  pu  gehaele  mine  sawle  for  minum 

synnum.    IVßn  drihten  god  for  ealra  {rinra  apostola  weorÖunge25 

e  0  changed  into  «?;  erasure  of  -an  after  lichomon?  It  looks  as 
though  a  corrector  first  wanted  to  change  lic  homon  into  lichoman  by 
putting  that  at  thc  end,  than  changing  his  mind  wiped(sicl)  out  an  and 
—  very  clunisily  —  correctcd  o  into  a.  f  These  words  or  letters  are 
written  above  the  line. 

1  andetta  (wrong  quantity)  *  ic  (cf.  14)  3  gymeleaste  *  wiÖ 
5  andette  6  böte  7  lichainan,  and  after  this  word  we  have  fo.  47vo. 
s  un  of  unsvfernessuni  pasted  ovcr  in  consequence  of  the  restoration  of 
the  Ms.  after  the  fire  of  1731.  9  aöa .  ,0  mine .  "  d£da  "  yfeles . 
13  ofer  fagcn  (read  ofer  fagen  (—  oferfangen).  "  ic  (cf.  2.  C>2)  I3  forgirae- 
leasade  "5  |>inc  17  andette  ,h  böte  ,9  lichaman  *°  gecynde  2I  wiest- 
mas  .    --  pa  .    jri  lichamam  (sie)    24  eallra    25  wcorjmnge 


502  LOGEMAN, 

ic  }>e  halsige26  pect  j?u  me  ne  forla§te27  on  J^sem28  egesfullan 
domes  d»ge  peah  ic  awäcode.  Min  drihten  god  for  minre29 
tyddernesse 30  J>eah  ic  )?inef  bebodu  ne  heolde/  Nu  ic .  |>ef  J?eah 
halsige31  min  drihten  god  for  J?aere  }>rowunge  pe  ]>u  J>rowodest 
for  ealra  manna  luelo32 .  7  ic  \>e  halsige  aelmihtig  god33  for34 

re 

pmvun  wuldorlican  wnldor35  haele  me  for  sojrfaestra36  sawla  on- 
fenge.37    Min  drihten  god  foröon38  pu  waere  in  byrgenne  ge  set« 

o 

ne  laet  me  belucan39  in40  synfulra  monna40  gardung  stowe.42 
Nu   ic    minum43   ge   wyrhtum    )>U8   w&ce   truwige   for  minum 

uyn 

firenlustfullujn44  dcedum.h  Min  drihten  god45  selmihtig  forgif 
me  minra  synna  alfs46  sa346  for  minre  njrdj>earfe.    Min  drihten 

o 

god47  aclmihtig  foröon48  }>u  w«6re  eadig  in49  Öinre  modor  in- 
nope  ne  forlaet  me.  Min  sanclus  michaäl  archangelus  (foL  190vo) 
beo  pu  me  fingere  to  )>aem  heofenÄcan1  sc^ppende  to  »lmih- 
tigum  god51  e/j52  for  minuw  monigfealdum53  synnum.  Min  drih- 
ten god54  seleme56  ge  de  fe56  breowe67  7  so)>e68  andetnesse'9 

0 

ealra60  minra61  synna  }>ara  Öe  ic62  in63  minre64  gemeleste65 

o  i 

ged^de  wiÖ  weras  oÖÖe  wiÖ  wif  oÖÖe  in66  deglum  me  mid 

■yn 

firenfulluro67  daedum67  gefjlde.     Min  drihten  god  ne  Uet  me 

*****  «  --* — 

*  syn 

synfulne  mon68  deoflum  geg&n  )>eah  hi69  me    Jms  firenlice70 

•  •  ••   • 

costedon71  foröon72  J>u  on  spi  daguin73  ge  scopg  heofonaxf  7 

o 

eorj>an  7  ea//ef74  werold*  gesceafta.'  Min  drihten  god  for  ealr»7* 

k  erasure?  h  added  in  corr.'a  hand.  l  /  corr.  from  6?  J  if  isadded 
in  the  line  by  corrector.  k  The  e  of  werold  is  changed  into  0,  which  has 
bcen  put  ovor  it  all  the  same  by  corrector. 

M  halsic.  "  forl»te.  **  J?am  w  minre,  n  above  the  Une. 
90  tyndderncsse ,  a  niistake  for  the   right  reading  of  B.        *'  halsige. 

w  hifclo  33  god  .  3*  )nmim  M  wuldre,  re  on  erasure.  M  soöfaeatra 
87  onfrenge  **  foröon .  C3W  belucan .  *°  on  .c  41  manna  41  stowe  4*  mi- 
nun  .  44  8ynfullumc  45  god  40  lisse  47  god  .  4H  forj?on  .  ••  on  Wnre 
60  michael '.       51  god      ö*  et  not  in  T.  (cf.  note  j).      M  niEenigfealdum 

54  god  .  M  syle  .  M  gedßfe  57  reowe  .  M  soöe .  M  andetnysse . 
w  eallra.  6I  mi;ira,  r  above  the  line.  *"  ic,  cf.  2.  14.  M  on .  ••  minre, 
1  above  the  line.  te  gymeleastc .  '"  on  diglum  .  "  synfullnm  .  dedmn 
•"  man  öy  hine .,  wrong  for  reading  of  B.  7 '  synlice .  7I  after  costedon 
fo.  4S«\    71  for)»on  .    73  gescopt;    74  woruldgescefta .    7S  ealre 


ANGLOSAXON1CA  MINOR  A.  503 

j>a&re76  ge  sceafte  pe  pu  onsyx  dagum77  gesceapen  haefdest  7 
J?a  pu  gerestes78  on  paem  seofeöan'79  daege.  Min  drihtett  god8ü 

ing  * 

for  pinan81  restandaege 82  ge  hael83  mine  sawle  from84  deofles 
anwealde  of  pem*b  synfullan   ham   for)?on  Öaer86  biß   sorhful 

syn 

wop.  Min  drihten  god  ne  laßt  me  aslfdon  on  J>a  firenfnllan87 
eardung  stowe  }>eah  mine  ge  wyrhta  j?us88  wice  syn  for  mlnuiw 
gemelystum 89    Nn  ic  }>e  bidde  min  drihtett  pset  )m  me  seile90 

y  o 

(/od*90  in  ge  hydf90  7  ge  mindf9°  poet  ic  ge  lyfe  in91   Öe91  7 

o 

in91  8a91  ealle  pe  for  pinum  naman  )?rowodon.  Min  drihten  ic 
pe  bidde  for  ealra  jrinra  apastola  arwyr/>nesse192  )>aet  8u93  me 

0  o 

ne  sceade94  of  }>aem  sojrfaestan95  Öe  in  Öe  gelyfa)>  in  fieder  7 

o 

on{  suna  7  in  päd«  ne{  halgan  gastg95  Nu96  ic  halsige  J>a  heo- 

y 
fanlican97  faemnan  sawctam  marian  swelce  ic  michahäl97  7  ga- 

brtel98   7   rapbael"  .  iohawne*  .  7  petrus100  •  7  panlus101  7  an- 

dreäs102  .  iobawies103   7   i&cob104;  mathäus105   7   itidas106  phi- 

lippus107  7  bartholomews108  thom&s109   7  iicob110;  symon111  7 

tadd6us.112    Nu  ic  halsige  )>a  cristes  )?egnas  for  hiora113  ealdor- 

lican  setle  pcet  ge  me  synfulng114  mon116  ne  sceadon  on  pa, 

lan  y 

earmfulra116  J?eostra117  for  minum  yfluiw118  weorcum.    Per  te 

•  •  •  • 

iesxxm  ehristem  salvator  mnndi  qui  in  trinitate  perfecta  vivis  et 

regnas  in  secuta  seculorwro  amen.119 
1  p  corrected  from  bl 


76  gescefte  "  gescepen .  78  gerestest .  79  seofeöan  «°  god,  but  on 
erasure  R1  )wian,  but  in  above  the  line.  M  rescing,  sie,  read  resting. 
83  geh*l .  84  fram  «  p&m  .  M  J?aer  87  sinfullan  **  J>as,  read  J>us  with  B. 
89  gymealeastum ,  read  gynie-  gymae?-  leastum.  *»  sylle  god  in^egyd 
(^e,  above  the  line,  ineant  for  eh,  so  as  to  correct  gyd  into  gehyd.)  ge- 
mynd.  91  on  pe  7  on  p*.  OT  arwirfmy  sse ;  w  corrected  from  r.  M  fm. 
94  sceade .  95— 95  The  whole  of  this  passage  in  T.  runs  as  follow:  soÖ- 
ftestan  pe  on  psene  halgan  gast .  96— °®  Nu  ic  bidde  halsige  p&  heofen- 
lican;  where  bidde  is  most  likely  a  marginal  gloss,  transcribed  into  the 
text.  97  raichael  w  gabriel .  "  Kaphael .  10°  Petrus  wl  Paulus  109  An- 
dreas l0S  Johannes .  ,<M  Jacob us  .  1M  Matheus  loa  iudas,  erased.  ,07  Phi- 
lip/ms, p  erased.  108  Bartholomeus  109  Thomas  llc  Jacobus .  ,n  Simon . 
112  Taddeus .  n3  heora  1U  synfulne  m  man .  U6  earmfullan,  erasure 
of  a  aftcr  m.    ll7  )>ystra    1,H  yfelum  .    ll9  Amen. 


504  LOGEMAN, 

XII. 


a 


TMm*1  drihtiu  ftlmihtig  god  si  pe2  wuldor  7  J?onc3  paes  pe  Öu 
me  oppe4  aenigum  men6  aefre  to  miltsum  forgeafe.    Min  drih- 

a 

ien  sie  pe6  )>oncf6  j?aes  |>e  pu*  to  wlite  Jnne  englas  gescope7  7 
ealhitfi  halgum  sawlum  to  ge  fean  7  )?a  ealle  )rinum  naman 

a         o  a 

wuldrien8  in8  ecnesse.8    Min  drihten  sy  J>e9  aelmihtignm  }>onc10 

o  a 

)?8D8  pe  pn  waere11  in  menniscne  lichoman12  acenned  7  ealra 

a 

J>ara  eadmodnesse  pe  J>u  for  eallum  monnm13  cynne13  adrngi . 
7  «teowdest .  (fo.  191 vo)  forgif  me  for  j?aere14  eadmodnesse14 

a 

miltsae14   7  are15  minre1*  synna.    Min   drillten  crist  sie16  pe16 

a  od 

}>onc16  paes  pe  pun  in18  fulwihtes18  bse)?18  astige18  unsynnig 

a 

ealra  svnna  moncvnne19  to  micelre  blisse20  forlaetnesse  ealra 

»  mV 

minra  gyn  11  a  para  pe  ic  aefre21  gefremede  wiÖ  amig*  gesceafte. 

a 

Min  drihtin  sie22  pe  ponc22  p&a  pe  pu  feo wertig  daga  7  nihta 

a  o 

moncynnes23  synna  in24  westenne24  festes/25  7  Öaes26  leahtras 
ofer  swiödesf 27  7  dioful  gentpradest.  Forgif  me  forpaes  faesten- 
nes28  are28  forlaetnesse 28  ealra  minra  synna  7  |>aes  pe  ic  to 
tyt29  for  minum  synnum30  fauste  .  7  mine  leahtras  oferswiÖ  .31 
psetr  deofol32  naefre32  ne  mote  minre  sawle  ne  min  um  licho- 

derian  a 

man33  sce^an.34    Min  driht^n  sie35  pe  )?onc35  J>aes  pe  pu  lete 

a 

Hnne36  lichoman36  oferfön  7  gibindan  7  swingan  nnsjunigne.37 
Forgif  me  for  )?aere  swingellan  Öe38  pe  nngileaffulle  swungon 

■ynna 

7  slogan  eall39  pcel  on  me  J>urh  firena40  wunda  gelegen  wo41 
m  erasure. 

1  I)  in,  D  Wrongly  rubricated  for  M  *  Öe .  3  |>anc  4  oÖÖe  *  men . 
•  öc  J>anc  .  7  gesceope  .  •  wuldrian  on  ecnvssc  .  °  Öe  .  ,0  J>anc .  ,l  on 
"  lichaman  ,3  mancynne  "  pere  eadmodnysse  miltae  w  are  minra 
10  si  Öc  )>anc  "  a  vertical  strvke  after  pu  1H  on  fulwihtes  baeÖ  astige. 
19  mancynne  *»  after  blisse,  T.  adds  dorne,  i.  e.  do  me  without  which  B. 
is  unintelligiblc.  2I  n>fre,  f  corr.  from  r.  n  siöe  J>anc  .  M  mancynnes 
*4  on  westenc  w  fspstes .  **  |»a?s  *7  oferswiöe  dest .  M  ftestenei  Are 
forlietnysse  w  \<t  **  erasure  bcfore  synnuui  3I  ofswiö,  read  ofcrswiÖ 
with  B.  M  dooful  nrrfre,  a*  corr.  from  anothcr  letter?  M  licham,  -  after 
which  erasure;  vi.  .'iti.  **  derian.  M  siöe  |>ane .  M  licham(sic!)  cf.  35. 
37  UHsynuiiitjc,  read  unsynnigno  with  B.    3H  }»e  .    :w*  eal .    *°  synna .    M  sl . 


ANGLO-SAXONICA  MINORA.  505 

pcet1  pu  past  od  me  min  haelend  ge  hsele  purh  pine  mildheort- 

a  a 

iiesse.42  Min  drihten  sie43  pe  ponc  paes  pe  pu  for  monna44 
lufan  ge  prowadest" .  7  pcet  pu  (fo.  192 ro)  cet°  foran  eorölices 

gebolodest 

deman  heahsetlef  ge  stode  7  bis  domas  on  pe  sylfum  aremdest45 
Forgif  me  for  paere46  eadmodnesse  p«s  domses47  ponne  ic  cet{ 

a 

for  anf  pinum  heabsetle48  stonde49  pcet  pu  ponne  me{  nef  for- 
deine  ac  me  milde  7   arfulge60  weorpe.50    Min  drihten  sie51 

a 

pe  ponc51  paes  pe  pu  on  Öin52  paef*  haiige  heafod63  Igte53  pyr- 

a 

nenne53  beah  asettgn.54  Forgif  me  for  pines  beafdes  are55  eall 
pcet  ic  aefre  mid  mines  beafdes55  gewealde  p656,  purh  aenig57 
pinc  abnlge58  ic  pe  bidde  min  drihten  paes  ealles  forgifnesse. 

a 

Min  drihten  sie59  pg59  ponc59  paes  pe  pu  forlete60  on  }>innef61 

a  *  spatl 

ondwlitan  pa  earman  7  pa  unlaedan  beora  horb62  spfwan.    For- 

•  •    •  • 

a 

gif  me  for  paere  Örowunge63  pe  bi  on  pinne  ondwlitan64  spaet 

a 

ledon65  pcet  pu  geclaensige66  from67  eallum  besmitenessum68  ge 

a  *  a 

minnef  lichoman.69    Min  drihten  sie70  pe  ponc  paes  pe  pu  Igte71 

a "  be 

pinne  lichoman72  onreafian73  Öines74  hraegles75  7  hine  pa  on 

ahön  a  e 

rode  ahebbeu76  7  for  ealles  moncynnes76  haelo77  pin  feorh  ge 

'  a 

sealdest.    Forgif  me  for  paere  are78  pines  lichoman79  7  pines 

medo  forgifnesse 

hraegles80  pcet  pu   ongere  me81  ealra  minra  sjuna  (fo.l92vo) 

a 

mildelice.  Min  drihten  sie82  pe  ponc82  paes  pe  pu  pin  haiige 
sweorb&n  ge  eadmeddest83  to  pon  pcet  pu  on84  rode  galgan 

n  wadest;  read  prowadest.  °  added  at  conunencement  of  the  line. 
p  added  on  erasure? 

42  müdheortnysse .  48  si  pe  panc .  44  mana,  read  manna  45  gepolo- 
dest .  *6  pere  eadmodnysse .  47  douaes .  48  heahsetle  49  stände .  M  ar- 
full  geweoröe .  51  si  Öe  panc  52  pinum  M  heofod  lete  prinnene;  prin- 
nene,  a  legitimate  form  of  pyrnenne?  M  asettan .  55— 65  are  eall  pcet  ic 
aefre  mid  mines  heafdes,  not  in  T.;  T  is  evidently  corrupt.  M  pe  .  67  anig 
68  ä  bulge  59  si  pe  panc .  *°  lete  6I  pinum  andwlite  OT  spati  63  proh- 
unge,  a  most  intercsting  spelling.  64  andwlitan  tt  spaetlodon .  w  ge- 
clensie  .  67  fram  <*  besmitennyssum  6Ö  lichaman  .  70  si  pe  panc .  7I  lete 
72  lichaman,  meant  no  doubt  for  lichaman.  73  bereafian.  74  pynes 
75  hraegeles  7ü  ähon,  meant  for  ahön.  77  hrele  .  78  are  .  7®  lichaman  . 
*°  hrspgeles  .    H1  tbrgit'enesse  .   H2  si  pe  panc    M  ge  eadmeddest    M  omitted. 


( 


506  LOGEMAN, 

underhnfge.86  Forgif  me  forl»tnesse86  ealra  p&ra*  oferh^gda87 
7  p&s  unnyttan88  gielpes89  pe  ic  »fre  me  selfnuiw90  üpahöf91 

a 

to   unrihte.    Min  drihtoi  sie92  pe  )>onc92  J>»8  |>e  \>u  }>e03  on 

ra  a        a*  a 

rödetreow  ahöfe94  7  eallum95  monniuw95  synne  awurpe  |>»iw96 

o 

Öe  ••  seife 9«  woldon  in 97  pe  gilyfan 98  7  gihyhtan.  Forgif  me  for 
}>«re99  are  Jrinre  Örowunge100  pcet  Öu101  me  hiebbe  Öurh102  8a lw 

syn 

of  eallum103  minum    firenum104    wundum*.     Min  drihtm  sie105 

_  •  •    •  • 

a 

pe  }?onc105  j>aes  pe  ]>n  mid  pinum  py*m  clsenan  mü^e107  7 
tangan  ecedr|08  of  geallan109  badest  f.1!0  Forgif  me  for  Jwre 
eadmodnesse111  Jnnes112  muj?es113  eallae113  J>a  biternesse114  pe 
ic{  aefre  »t  J>inre  heortan  ge  fremede  oppe  ic  »fre  mid  muj?e115 

geoweede 

tö  unny/tef  agelde   ponne   ic  meto^e116  ge  biddan  scolde.117 

•vle  me  drihten  h»a  etiles  forglfoesaellS 

7  Jrinne  naman  wuröian  7  wuldrian  alet  in  Ö«s  ealles 
for  }>ines   mu^es119   ire119   7  pinre*119  tangan   7  }>inra  weo- 

a 

l*ra,.12°     Min    drihten   sie111   p$   )>oncm   p&8   pe   |>u  Öinem 

earmas    on    rode    a)?enedest    7    )nne   handa123  7   fei124  let§ 

mid  (fo.  193ro)    nseglnm125  )?urhdrifan    7    J?ine  -sine-  sidan  ge 

q  nearly  erased.      r  Ms.  eledl  cf.  variae  lectlones. 
•  e  changed  into  o. 


**  underhnige .  M  fortotnysse .  "  oferhigda  M  unntttan,  ni  above  the 
line.  ••  gylpes  *>  sjifum  91  üp  a  '  ofx  sie;  cf.  94.  M  siÖe  )*nc  n  pe, 
omitted  w  dohfe  (=  ahofe)  see  91.  *  ealra  manna  M  )>amj>e  seife .  w  on 
*  gelefan .  "  pere  l0°  {rowunge .  101  Öu  m  J>urh  }>a  10»  ealum  **  syn 
wundum,  sie;  a  mistake  mtroduced  by  B.  having  been  copied  too  closely? 
The  corrector  in  B.  himself  has  committed  the  blander  of  looking  npon 
firenum  as  a  subst.  instead  of  an  adjeetive,  and  he  changed  it  aecoraingjy. 
106  si  pe  banc  104  }>y,  not  in  T.  and  rightly  so;  it  is  merely  a0partial 
dittography  of  pinum,  and  in  B.  nearly  erased.  107  inuÖe .  Hm  eced  in 
T.  for  ürst  c  (over  the  e)  see  X,  note  38  (infra  154).  The  second  c  may 
be  a  /  in  the  Ms.  see  note  to  B.  10»  eallan,  an  interesting  spellinf. 
110  bergdest .  in  eadmodnysse  m  T.  here  wrongly  inserts  p*  tc. 
118  mnoes  ealle  lu  biternysse  .  m  muöc  .  "•  me  to  pe  in  three 
words.  In  B.  it  would  seem  as  if  the  scribe  who  writes  metope  takes 
it  as  metode.  i17  see  olde.  llH  forgifenysse .  "9  muöes  are,  after  which 
a  hole  in  the  parchment,  by  which  the  following  word  (B.  pmra)  is 
affected.  It  looks  like  . .  onra.  1W  welera.  ,S1  si  öe  ^anc,  after  which 
the  same  hole  in  the  parchment  as  is  referred  to  in  note  119.  Hence 
.cm  instead  of  pars.  m  Hne-  ,M  and*.  m  fei*  somewhat  ei&ced, 
hardly  a  legitimatc  spelling  for  fet,  so  a  mistake?  But  see  Sievers  §  94 
anmerkung.      ur'  ncfy(him)  somewhat  effaced. 


ANGLO-SAXONICA  MINOKA.  507 

a 

wundian  7  waeter  7  blöd  ofirnan126  7  J?»t  moncynne127  eces 
lifes  to  wedde  ge  settest .  J?am  pe  hit  mid  rihte  ge  earnia}?.128 
Forgif  me  for  }?inra  wunda  &re  )>#*  }>u  ge  hsel  od  me  ealra 

■ynna 

minra    firena129   wunda  7  me130  forgif  pcet   ic   nsefre   unme- 

*****  a 

n 

deme  ne  untrmw  to  }>inum  lichoman 131  .  7  to  p'mum  blöde  ne 

ange  u 

gene  }>e132  ac  me  forgif  pcet  me  sio  ondfengnes133  m<5134  to  to 
a 

ecere*  hs&lo  ge  weorJ>an.134    Min  drihten  sie136  pe  J?onc136  J>®8 

a 

pe  pu  16te136  pmne  lichoman137  ongrsef  algcgan138.  7  in139  hell- 

a  se 

grundas139  astig*.  7  ealle  haliganv140  sawla  J>onan  aleddest140 
7  dioful  ge141  nföradest  7  helle  duru  to  wurpe  for  manna142 
lufan.    Forgif  me  for  Öaere  äre  ponne  min  lichoma*143  ge  dr6- 

on 

fed143  lic  ge  pcet  pu  Sonne  minne  gast  in144  Öaw  grundas  ne 
säende145  ne  hi146  ne  sete  in  helle  wita.146    Min  drihten  sie147 

a 

pe  ponc147  pses  pe   pn  pine  eagan   7  pine  earan  for  manna 

o 

lufan  in 148  deaße  betyndest.148  Forgif  me  min  drihten  eal  )>aet 
pe  ic  aefre  mid  minu/w  eagiun  to  unnyttg 149  ge  sawe  15°  o)>J>e  160 
mid  minum  earuro  to  unnjtte  ge  hjnrde  sele  me  pm  (fo.  193vo) 
ealles  forgifnesse !51  oforx  )>inra  eagena*162  ire .  7  )rinra  eärena*. 

a 

Min  drihten  sie 153  pe  }?onc163  p&s  pe  pu  mid  pinxwi  J>aro  clsenan 
hrife154    hungor    7  J>urst*  7   c^le   J?rowodest    Forgif  me  for 

d  a  syn 

bsere  are155  forlaetnesse 156  ealra  frecennesse 1M  7  firen157  lusta 

•        ••••«. 

*  mö  to  to  ecere  —  second  to  above  the  line.  The  0  of  first  to  is 
changed  into.e.  So:  mote  to  ecere.  v  haiige  or  haiig  an.  Ms.  haiig.  w  b~ 
corr.  from  a.      x  0  changed  into  e  by  corrector.      y  e  changed  into  ce. 


W6ofyrnan.  127mancynne.  ,MgeearaiaJ?  1W  synna  ,30m6  ,S1  licha- 
man .  13S  gange,  wrong  quantity.  183  andfenges  ,s*  mote  to  ecere  haelo 
geweoröan  .  I3S  si  pe  panc  ,36  lete  13T  lichaniam .  ,88  alecgan  ,w  on 
helle  grundas  14°  halge  sawle  |?anan  (fo.  49vo>  aleddest  (this  word  in  pale 
ink).  m  gentyaradest .  u%  mana.  "*  lichama  gedrefed  lu  sie!  T. 
has  the  two  prep.  written  next  to  each  other  instead  of  on  over  in. 
145  s&nde .  I46  hine  sette  on  helle  wita.  U7  siöe  |>anc .  U8  on  dea}?e 
betyndest .  uo  un  nytte,  with  an  erasure  between  the  two  parts.  0 ,5°  ge- 
säwe  oJ>{>e  r>1  forgyfenesse  .  18t  'eagena  ws  si  pe  J?anc  l54  hnfe,  for 
the  c  cf.  X,  note  38;  supra  108  etc.  ,66  are  forketnysse.  I50  frecednysse 
167  synlusta . 


508  LOGEMAN, 

o 

pe  aBfre  in168  me  grfremede  w«§ron159  7  me  mid  hwylcre160 

•  •   •  •  •  •   • 

8umre  o 

hwu  gu  gife  7  mid  suman  spearcan  p&B  halgan  gastes  in161 

•    •  •  •  • 

lyht  for  paere  äre  J>ines  J>aes  halgan  inno)>aes162  s6  äraes163  mid* 

a 

godcundnesse  ge164  fyllyd.    Min  dribtew  sie165  pe  ponc165  Öaes 

J>e  }>u  Jrinne  hricg166  7   }>ine  cneownon167  oliuöt/s"  dune  ge- 

bigdest .  7  Jnne  tearas  gute168  7  formanna  c^nne  to  pinum(m 
faeder  gebaede170  for  }?aere  äre  ic  J?e  bidde  min  drillten169  J?«Bt 

gemiltaige  tlaw 

jm  me  alaete170  ealles  J>aes  J>e  ic{  to  saene171  w#sf  minef 
leomu  forÖe  to  b*gannebb  172  7  mine  tearas  to  geotanne  7  me 
forgif  poet  ic  mote  in  nefl™  on{  j?aro  geryme174  beon  pe  Öu  J>a 
fore  ge  bsedse*175  mingi  swij?  froma176  7  paßt  ic  mote  cüman 
beforan  Öin  heahsetl  7  mine  heortan  7  mine  eagan  onlyht  pcet 

o  a  g,  betan 

ic  maege  in177  )>inre  lufe  heran178.  7  mine  synne179  cwtyan.180 

Min  drihte/i  sie181  }?e  }>onc181  J>aes  (fo.  194ro)  J>e  )?u  }>me182  fet 

°.  * 

lete  in182  deaÖe  acölian183  pe  pn  aerestf  mid  eodest™  7  mon- 

cyn184  to  lyfe185  la  jodest  .  forgif  me  for  jrinra  föta186  are 

eal l86  psßt  ic  aefre  mid  minuw  fotum  unnyttes  ge  eode  oÖÖe  on- 

ged$-de  a 

nyttaes187  agelde.187    Min  drihte/i  crist  sie188  pe  J?onc188  ealles 


►  •    •  •   • 


j>aes  halgan  innoj>es  are  se!"  waes  &  mid  godcundnesse190  ge 

y 

filled  !»o .  forgif  me  for  Jnnes  inno^es  äre  eal  j?aet  pe  min  in»oJ>!91 
sy  mid  ge  qlled192  unrihtra  lusta193  oJ>)>e  unfaestene  oJ>J^e  on19S 
idlum  gilpe194  o)>j?e!94  on  taßlnesse195  oJ?f>e195  on  twispraece  oJ?J>e 

*  above  the  line,  add.  by  corrector.  »»  1  made  into  *?  **  1  one 
rasure,  but  not  the  stroke  over  it.       <*  Ms.  eddesH 

im  on  iw  wseron .  löü  sumere .  Wl  on  '••  innoÖes  IM  a  wies, 
and  thus  B.  must  be  corrected.  1C4  gefylled  .  c  lM  si  be  J>anc  J>«s  ,ai  ricg . 
167  cneowu  .  on.  which  read  in  B.  ,68  agutc  .  cf.  a,  note  38:  supra  154 
etc.  lfl0  A  hole  in  the  parchuient  in  these  two  words,  not  affecting  any 
letters.  It0  gebifede  —  gcuiiltsie  ,71  slaw  ,7a  gebiganne  minne. 
m  geryme  .  m  gcbaede .  17ft  inin  geswij»  froma  not  in  T.  m  on . 
""  heran  .  17»  synna  ,w  gebetan  .  ,81  si  )»e  J*nc .  M  f>ine  (meant  for 
/>ine)  fet  lete  on .  "°  acölian  (meant  for  acölian).  Wi  mancVnn  ,ts  lifo 
,H6  fota  are  eal .  Is7  unnyttes  gedyde .  IHH  si  pe  |>anc  ,B»  firat  word  of 
fo.  5<^°.  I9ü  godcundnysse  gefylleH  ,91  innoÖ  m  gefylled  m  lustim 
(read  lusta)  ooö<»  onfa*stene  oöoe  on .    IW  gylpe  oJ?)>e     *96  tylnesso  0ÖÖ0 


ANGLO-SAXONICA  MINORA.  509 

y  y 

on  dirnnm196  gelegere  o^e  on  ffelre197  trumnesse197  oppe  on 

yfelum  nifre 

tolatum  ntye199  seghwylce  gjitas199  ic  eom  nu  for  minre  earman 

•  •    •••••  • •    •  • 

sawle200  Öearfe200  andetta  pe  ealles  paes  pe  ic  aefre  mid  be- 
smiten  waes  .  forgif  me  for  J>ines  inno)>e8201  äre  pset  pn  adi- 
]ig/ef202  eane  mine  leahtras  of  minum  innoJ>e203  pcet  hie204  syn 

a 

cla>ne.20r>    Min  drihtin  sie206  pe  ponc206  pses  pe  pu  }?uM£fgagt. 

a 

pinum*  fseder  bebude207 .  ps,  pn  woldest  for  monna208  cynne 
dea)*  J?rowian.  forgif  me  for  pseve'209  are209  ponne*  ic  scyle  of 

a 

Ibisse  weorulde  2,°  feran210  pcet  J?u  ponne2U  minuro  gaste  (fo.l94vo) 
on  fö212  mid  sibbe  7  ic  hine  mote  Öe  bebeodan  pehes  pead 

derian 

bi213  se  awyrgda  gast  sceaj?8an2u  mote.214  Min  drihten  sie215 
pe  |>onc215  p&s  pe  |>u  of  deaöe  arise  eallum  monna216  cynne 
to  gefean  .  forgif  me  for  p&re  aeristg217  are217  pcet  }>u  me  of 

syn  na 

firenan21*  de&pe  awecce219  on  dömes220  dsege  mid  )?inutfi  halgum 

■  •   •  •    • 

7  me  poune  aerist  forgife  7  ece221  lif.    Min  drihten  sie222  pe 

a 

}?ouc222  |>*es  pe  pn  on  heofonas223  astige 223.  forgif  me  for  pinnm 

a 

upstige  .  of{  J>sew224  halgum  pinnm  fultum  pcet  ic  mege225  Öurh 
pomie  fultum*  of  minum  synnum  upastigan226  to  )?inre  mildheort- 
nesse227  i'ip228  becuman  of  {risse  deafilicnesse.929    Min  drillten 

a 

sie230  pe  ponc230  Öes  pe  pu  haligne  gast  onsaendest231  )>inuiw231 
fore  sprecenu/w  pegnnm  to  psem232  pcet  hie233  Jnnne  to  c^me 

a  a  aß 

bodedon66234  7  j?ine  mihte  moncynne235  laerdgn236  7  segdon236. 

•  •  •  • 

dd  added  later.  ee  de  of  bodedon  is  on  erasure;  first  0  changed 
into  e  by  a  stroke.  The  scribe  possibly  wanted  to  change  the  second  0, 
then  discovering  his  mistake  put  again  an  o  over  the  first  one. 

uw  (iymum  197  yfelre  truinnysse  ,98  yfeluni  niöe  lw  geltas . 
200  sawla>  ^earfe  ao1  in  noöes  *°*  adilige  (1  of  a  dt  (Ige  is  above  the  line) 
ealle.  *°3  innoöe  ii04  hi .  2Ü5  claene .  **  si  Öe  }>anc;  sie!  ™  bebudu, 
read  with  B.  bebude.  208  manna .  cynne  .  **  piere  (sie)  are  .  *10  woru- 
lude  (r  corrected  from  a)  faran  2n  J?onne(sic!]  21>  on  fö  .  "8  him  which 
read  in  B.  2U  derian  mote  .  *15  si  Öe  panc  (sie !)  2W  mann  cynne,  and 
erasure  of  um  after  mann.  217  aeriste  äre  *218  synna  119  awecce,  corrected 
from  aweccen  by  erasure  of  n.  22°  domes  "'  ece  *"  si  pe  J>anc 
228  heofenas  astige  22*  J>am  226  maege  burh  ponnefsicn  286  upastige, 
but  read  -an  with  B.  227  mildheortnysse  *»  7  up  '***  deaölicnvsse .  **>  si 
Öe  |*anc  |>aes  231  onsendest  Jnnun(sicl)  232  J?am  2M  hi  a5*  bodedon. 
235  manc}  nne      2M  laerdan  7  ssedan . 


510  LOGRMAN, 

forgif  me  for  ps&re  are237  Jrines  halgan  gastes  hwelcne"  hwaet238 
hwogn  sprecan  pine  godcnndnesse230  minre  sawle  to  ecere  hselo.240 

a  p»nne 

Min  drihten  crist  sie241  pe  )>onc241  p&&  pe  Jm  nn  hwonne 242  ctmst* 

_  ••••••••• 

a 

to  dorne243  eallum  mon  cynne244  7  eallum  sawlum  bi)>248  aerist245 

a 

forgifen  mid  lic(fo.  lOö^homan248  7  biom  ponne  bioJ>247  demidr 
eallum  ftiforan f  )>\num  heabsetle  be  hiora  selfra 248  ge  wyrbtum. 
Min  drihten  for  Jrinre249  mielan  mildheortnesse250  ne  fordern251 

o  a 

pu  me  ponne  jn262  Öa252  wyrstan  hond253  ne  m6  ne  ascrtf  to 

y 

pcern™  pe  Öu  J>onw*  to  cwist255  ge  wftaÖ  g6256  awtrgde  fram 

o 

me  in2&7  psc  ecan258  witu  helle  brynes  .  pe  eow  wses  ge  gear- 
wod  fram  fruman  midd  g*g  aneardes259  for  eower  gaslnesse280 
g*elrahh2ftl  dsßda  J>a  sculon262  brücan  deaj>es263  bntan  dreame 
a  to2«4  witan  fcore.264    Min  dribtam  god  «lmihtig265  sie2«5  pe 

a  a 

}>onc28&  pses  pe  }>u  }>onne11  »tjiv^est  }>inra  honda288  dolh  swaT 
/>ar  7  Jrinre  sidan  7  j>inre  fotakk  7  ealle267  Jrine  eadmodngsse288 
on  Jjaem28"  mielan  daßge  beoÖ  on27ü  pe  selfum271  gesyne .  forgif 
me  ponne  min  drihten  for  }>inre  eadmodnesse288  eal  pect  ic  nu 

a 

litlg  eadmodnesse  on  minam  lfchoman272  for  pinum  naman  ge- 

forgy  mde 

J>rowode  7  to  fela273  agelda273  on  minre274  gemekasnesse f  *7* 

a  gefremede 

godra  d«da .  yfelass278  to  fela  araefnde.277  Gyt  ic  pe  bidde 
min  hselend  forgif  me  for  Öinra  wunda  &re  psdt  pu*  ge  h»le 

synna 

on  me  ealra  monra  firena278  wunda  peet  ic279  min  Sonn«  n§280 

•  •  •  •    • 

tf  htvelcne  crossed  out  and  htvoet  in  the  margin  in  later  band,  n  £ 
nearly  erased  and  evidently  meant  to  be  quite  so.  It  points  to  an  original 
reading  middangeardes.  hh  Erasure.  Ms.  geel  or  gal?  ll  stroke  over 
secondn.      kk  a  corrected  from  other  letter? 


tst  fre  ss»  WÄt  WUgu  *»  godcundnv'sse .  ,4°  belo  *41  si  pe 
banc  u*  j>aeime  9>s  dorne  Ui  maneynne*  tM  biß  fi&rist.  tM  liohaman 
S4T  big  un  gyif^g  U9  pmTe  sm  müdheortnysse  .  M1  fordern  »onj«. 
*»  hand  *" J>am  **  to  cwyst  «•  ge .  MT  on  **  ecan  «•  middan- 
geardes .0  *"  gaelnysse  .  *"  gaelra .  *■  sculon  *•  deaöes  .  *•  to 
widan  feore  (sic!)j  for  c  cf.  X.t  note  38  etc.  w  «lmihteg  si  8e  J*nc 
*•  handa  Mf  ealle  (sie)  i?  or  remnant  of  some  other  letter,  perhan«  c. 
*•  eadmodnysse  *••  bam  ^  on  ,n  sylfum  •»  lichaman  *•»  faale 
forgymde  m  mire .  "5  gymealeasnysse,  read  gymelia$ny$$*.  m  yfelea 
177  gefremede     ,Ti  synna     ,T9  ic?     *  ne 


ANGLOSAXONICA  MINOR A.  511 

a 

J>urfe  scoman281  for  J>*em282  miclan  (fo.  195vo)  f>reate  heofon- 
warena  7  ealra  eoröwarena.  Ac  forgif  me  pcet  ic  mote  beon 
mid  }>inum  gecorenum  halgum  p&  Öe  on  )>&283  swißeranhand284 

y 

beoÖ  to  }>a3m28r>  }>u  |?onne  cwist.286  CumaÖ  ge  gebletsode287  7 
onfoJ>287  mines  federrice288  per  eow  ge  gearwod  w«s  fram  fru- 
man    midd?  aneardes*™  eowere  welwisse290  welrvillendnysse11 

a  

godra  dseda  J^aer  gemoten291  eallum  halgum  lifgeanram292  libban293 

o  

mid  dreame  butan  dea)>e293  in294  swegle  butan  susl§294  mid 

am  o 

fseder  7  mid  sana  7  mid  J>ae2ft5  halgum  gaste  a  in296  genesse.296 


amen. 

11  in  the  margin.      mm  libban  in  the  margin  to  Ufgean. 


281  scamian  ***  J>am  **  {>a  **•  swibranhand  *86  }>am  W6  cwyst 
*H1  geblesode  7  onfoö  ***  fseder  rice  2W  mtddangeardes  a9°  wel  willend- 
nesse  5W1  ge  motan  "^  libban  **■  deaöe  W4  on  swegle  buton  susle 
8«*  |>am      296  on  ecnesse. 

XIII. 

Drihten  p\\  eart  seippend  ealra  gescefta  forgyf  me  aerest  pcet 
ic  pe  eunne  ribte  7  gescadwislice  biddan  J>#f  ic  masge  ge  earnian 
J>#{  ic  si  J>aes  wjrÖe  pcet  }>u  me  for  pinre  mildheortnesse  alise  7  ge- 
freolsige.  Ic  clypige  to  Öe  drihten l  )?u  pe  eall  geworhtest  J>#*  elles 
geweoröan  ne  mihte  ne  eac  wunian  ne  mihte  butan  pe.  Ic  clypige 
to  pe  drihten  px\  pe  n&m2  gesceafte3  ne  forlaet4 .  to  nahte  ge- 
weoröan.  To  pam  ic  clipige  pe  eall  gesceafte  smicere  geworhte 
bütan  selcum  andweorce5.  To  pe  fc  clypige  pe  nsefre  nan  yfelne 
worhtest .  ac  »lc  göd  wärest.  Ic  pe  halsige  Jm  arfresta  .  7  w#l- 
willenda*  7  welw^rcenda  drihten  pcet  Jm  m6  under  fö  Jtfnne 
flyman  for  )?am  ic  waes  geoÖfn  .  7  p&  fleah  fram  pe  to  deofle . 
7  ful  eode  bis  willan  7  micel  broc  ge)>olade  on  his  )?eowdome . 
Ac  gif  pe  nu,  }>incÖ  swä  swä  iu  pincÖ  genoh  lange  ic  wffis  on 
}>am  bis  msere  7  on  j^sere  scame  J>e  hi  me  on  gebrohton.  Ac 
onfoh  me  nu  pine  agenne  )>eowan  for  }>ani  ic  eom  fleonde  fram 
heom.    Hwaet  hi  me  under  fengon  «r  )?a  ic  seeoe  fram  pe  to 

hiom  nu  ic  pe  gesollt  hsebbe.    Ac  on  tyn  me  }rine  dura7  7  tsec 

1  fo.  51™.  *  read  naVt*  8  a  above  the  line.  4  One  letter  erased? 
6  n  partly  on  erasure.  6  0  corrected  into  <b!  7  For  a  c  here  and 
elsewhere  over  vowels,  see  note  38  to  X,  etc. 


512  LOGEMAN, 

me  hu  ic  sceole  to*  pe  cuman  n»bbe  ic  Öe  naht  to  bringan  ne 

buton  godne .  willan  for  psun  pe  ic  seif  naht  elles  nebbe  ne  ic 
naht  betere  nat  ponne  ic  lufige  peet  heofonlice  7  \>cet  gastlice 

ofer  \>cet  eorölice  swa  ic  eac  do  god  feder  for  )?am  ic  me  naht 

betere  nat  )?onne  }nvt  Ac  ic  nat  hu  ic  seeol  cuman  to  pe  buton 
)>u  me  laere.  Ac  ge  ta3C  hit  me  7  ge  fultuma  me.  Gif  pe  )>urh 
getreowa  findan  J>a  pe  findan  forgef  me  }>onne  craeft.  Gif  pe 
|>urh  hwylcne  operne  craeft  findan  pa,  pe  findan  sele  me  j>a  ge 
triode  forgef  me  }>onne  craeft.  Gif  pe  j>urh  wisdom  findan  J>a 
pe  findan  forgef  me  J>aene  wisdom  7  ge  yc  hine  on  me.  Eala 
hu  [>in  godnes  is  to  wundrianne .  for  [>am  hio  is  ungelic  eallum 
oprum  godum.  Ic  wilnigende  cuman  to  j>e  .  7  waes  ealles  pe 
ic  on  }>am  wege  habban  J>e«rf9  |  ,0  Ic  wilnige  to  \>e  .  7  J?aes 
swiÖost  J>e  ac  bütan  to  pe  cuman  ne  maeg.  Gif  pu  me  forlaetst 
l'onne  for  wurj?e  ic  Ac  ic  wat  J>eah  peet  p\\  me  nelt  forlaetan  . 
buton  ic  pe  for  laete  .  ne  ic  eac  nelle  forlifetan  pe  .  for  J>am  Jm 
eart  |>>#/  hjhs/e11  god.  Nis  nan  )>ara  pe  pe  rihte  secÖ  )>#/  he 
pe  ne  finde  }>a  äna  |>e  onriht  secaÖ  pe  pü  unriht  laerst  peet  hi 
pe  secan  7  him  getaeest  hu  hi  pe  secan  sculon  wälla  god  faeder 
wel  atys  nie  of  )>am  ge  dwolan  pe  ic  08  J>is  on  dwelede  7  git 

dwelige  .  7  getaec  me  }>aene  weg  pe  menan  feond  on  gemete 
aer  ic  to  pe  cume  .  gif  ic  naht  ofer  pe  ne  lufige.  Ic  pe  halsige 
peet  ic  pe  gemete  7  gif  ic  aeniges  Ringes  ungemetlice  7  unribt- 
lice  wilnige  ge  freo  me  J>aes  .  7  gedome  )>aes  wyröne  peet  ic  pe 
mote  geseon.  Du  selesta  faeder .  7  )?u  wisesta .  ic  pe  befeste 
mine  lichaman  peet  pn  hine  gehaele  hälne.  Ic  nat  peak  hwgs 
ic  (>aer  bidde  pe  nyttes  pxl  unnyttes  me  sylfum  ne  )>i13nathn 
lange  l>u  hine  halne  wilt  gehealdan  for  p\  ic  hine  befeste  pe . 
7  bebeode  for  }>am  }m  bet  w&st  ponne  ic  wite  .  hwaes  ic  be 
)>earf  u  for  pam  ic  bidde  .  peet  J>u  me  simle  lafere  J>a  hwile  }>e 
ic  on  J>isum  lichaman  .  7  on  pysse  worulde  .  sy  7  gefultamg  ne 
J>#/  ic  s\mle  J>aene  raed  araedige  pe  pe  licwyröe  sy .  7  me  frem- 
full  .  7  )>earf  lic  si  .  for  bam  lifum  .  7  be/st ,5  7  nytwyrÖost  sj  7 
nu  git  ofer  ealle  o}>re  )>ing  ic  ge  pe  geornlicost  bidde  peet  pn 
me  eallunga  to  gec^rre  .  7  ne  laet  me  nan  wuht  ofer  winnan 

8  a  letter  erased  above  o\  cl  •  a  above  the  line.  ,0  16.  61*°. 
11  st  corrected  from  one  or  two  other  letters.  If  />*,  reAd  ge,  =  i  ?  cf. 
note  13.       IS  Ms.  p  =  J>e?  cf.  Hart,  Mod.  Language  Notes  I,  175,  Ib.  II, 

281  and  see  II,  444.  See  XV,  notes  12  and  IS  u  Erasure  of  one  letter. 
w  /  above  tbe  line. 


ANGLO-SAXONICA  MINOR A.  513 

on  t?issnm  wege  pcet  ic  ne  mage  cuman  to  pe  7  geclsensia  me 
J>a  wile  pe  ic  on  pisse  worolde  si .  gedome  eadmodne  .  7  syle 

me  ofer  hyda.     Dome  gescadwisne  .  7  rihtwisne  .  7  for  J?an- 

colne  .  7  fulfremedne 16   7  gedome  lufigendwe16  .  7  andgitfulne  / 

pmcs  wisdomos   7   gedome  wirÖne   pcet   ifc   si   wunigende   on  j  <- 

pinnm  eadigan  rice  si  tut  swä.  ! 

XIV. 

Gif  pn  nu  laeof17  eal  swa  pe  micel  )?earf  is  andetnysse  don 
ealra  )?inra  synna  j?onne  do  J?u  pcet  mid  ealre  (fo.  52ro)  georful- 
nys8e18.  7  mid  ealre  eadmodnysse .  7  ne  gescamige19  pe  a8  eow20  . 
naht .  for  pam  panan  cymS  forgifnes  .  bütan  andetnesse  nis  nan 
forgefenes  micle  betere  is  }>am  men  pcet  him  scamige  her  on  life 
beforan  anan21  men  .  his  synna  )>onne  him  seyle  eft  geseamian 
on  godes  dorne  aet  foran  heofenwaran  .  7  eoröwaran  .  7  hel- 
waran  .-7  helwaran  .  pvex  ne  m»g  nan  man  nan  ping  gode  be 
diglian  .  {ues  pe  he  aefre  her  on  life  geworhte  godes  oÖÖe 
yfeles  .  for  ]>am  se  pe  be  hyt  his  leahtras  .  ne  biö  he  geriht- 
wisad  .  7  se  pe  hi22  soölice  geandet  he  aljsÖ  his  sawle  of 
deaÖe  ealswa  ure  leofa  drillten  on  his  god  spelle  cweÖ  .  doÖ 
diiidbote  eowra  synna  .  soÖlice  heofena  .  rice23  to  eow  genea- 
laecÖ  .  hit  micel  neod  )>onne  we  fela  Jmrh  deofles  lare  doft 
ongean  godes  willan  .  7  bebod  pcet  we  }>onne  eac  )?urh  soÖe  ^ 
eadmödnesse24 .  andetnysse  betan  psst  georne  hreowsigende  . 
eal  swa  hit  gesettan  haiige  faederas  .  7  ealle  pa.  yfelan  getane 
pe  pe  T  U8  eow2°  on  heortan  becuma^  Jmrh  deofles  onbrincg 
andette  l  weß°2«  pxa  )>a  )rinum  x  wram  «<>»"»»  "  scrirfte28  pcet  pn 
mote  l>urh  softe  andetnysse  7  dsedbote  habban  heofena  rice 
swiöe  dysig  is  se  man  7  dyrstig  se  pe  syngaö  gelöme  beforan 
godes  eagan  eall  swa  we  ealles  to  oft  doÖ  .  7  he  Joanne  for- 
scamaö  pcet  hit  anan  men  an  dette  for  |>am  nis  nan  man  on 
l'isuni  life  geboran  butan  synnum  bütan  gode  annnum29  pe 
his 3ü  leof  ful  cuö  J?eos  haiige  .  7  )>eos  clajne  tid  laenten  faeste- 

16  n  above  the  line.  "  i.  e.  leof.  18  Read  qeornfulnysse.  Iö  t  in- 
distinet.  20  Added  in  a  8 mall  contemporary  handwriting  above  the  line. 
Gloss  to  pe.  2I  Meant  for  anan!  w  hi.  Read  him.  M  Erasure  of  d  be- 
fore  rice.  *4  0  corrected  from  u.  M  becumafi,  written  in  a  neater  hand- 
writing. On  erasure?  2Ö  t  we  get  small  cont.  h.;  cf.  notes  18  and  25. 
Gloss  to  pu.  21  i  urum  eowrum  (w  above  the  line)  small  cont.  h.  See 
notes  18.  24.  Gloss  to  pinum.  M  scrirfte,  sie.  Read  scrifte.  w  an- 
unum,  read  an  um.      *>  his  =  is. 

Anglia,  XII.  band.  33 


514  LOGEMAN, 

nes  on  J>aere  }m  scealt  Jrine  gymeal^ste 31 .  7  for  gaegednyssa 
j?inum  gaslicnm32  scrifte  ge  andettan  .  7  midfestene  .  7  mid 
waeccum  .  7  mid  gebednm  .  7  mid  aelmesdaedum  .  fram  synum 
pe  ajnvean  pmt  pM  bliöelice  mid  gastlicre  bliese  p&  easterlican 
maersunge  cristes  aeristes  .  gebidan  mote  .  7  J^aes  halgan  hnsles 
Eigene  mid  gelefan  underfon  .  to  forgifen^sse  ealra  }>inra 
synna  .  7  to  gecfennysse  deoflicra  costnunga  .  p\s  feortig  daga 
festen .  (fo.  52 Vü)  us  is  git  8e33  to  teo  Jring  dagum  J>aes  geares . 
7  swa  hwaet  swa  we  on  twelf  monjmm  mis  doö  on  worde. 
o^e  on  weorce  on  dede  o}>}?e  on  raede  on  aeraete84  oJ>J>e  on 
oferdrince  o^e  on  o)>rum  leabtrum  eal  we  hit  magan .  7  motan 
mid  godes  lefe  7  mid  ures  scriftes  on  fiesere  halgan  tide  ge- 
betan  .  gif  we  geornlice  ure  festen  begaS  7  ure  aelmes  san  7 

gebeda  eal  swa  crist  sylf  ns  laerefr  behydaö  eower .  aelmesse 

0  c 

witodlice  7  gebit  for  eow  .  7  eal  swa  waeter  adwaescÖ  pcet  fyr 
swa  adwaescÖ  eac  seo  aelmesse  }>a  senne.  Drihten  on  him 
sylfum  astealde  pis  festen  .  7  feste  on  an  )>urh  his  godcnndan 

mihte  feowertig  daga  .  7  nihta  fram  eallnm  earölicum  biglefam  . 
witodlice  on  eallnm  tidum  gedafenaÖ  cristenum  mannam  pcet 
hi  gode  weorc  began  .  7  aelmes  deda  7  swa  J>eah  swy  fost  on 
f>issere  halgan  tide  .  for  }>am  pe  we  habhaft  micele  neode  }>a 
hwile  pe  we  her  syndon  on  }>ysan  laenan  life  7  on  pyssm  ge- 

witendlicam  pcet  we  )?onne  on  J>aere  toweardan  wurulde  magan 
7  motan  becuman  to  life  )?aes  he  fon  cnndan 35  rices .  7  to  |^am 
wnldre  ]>aere  6can  eadignesse  .  J>aer  we  motan  si]>)>an  onsorh- 
lice36  libban  7  rixian  bntan  selcere  ge  endange  mid  urum 
drih/ne 37  haelendum  criste  7  mid  eallnm  his  hal .  gnm  gif  we 
hit  ge  hearnian  willaÖ  mid  urum  godam  daedum  .  nis  nanes 

mannes  maeÖ  pcet  mähte  oppe  cnnne  asaecgan  eal  pcet  god  . 

7  p9,  yönessa  pe  god  haefö  gegearwod  eallnm  J>am  pe  hine 

InfiaÖ  7  bis  beboda  healdan  willaÖ  .  7  gelestan  gif  we  pornie 
willaÖ  his  willan  wercan  7  on  his  lnfe  ^nrhwnnian  )>onne  ge 
earnige  we  ns  bntan  aelcan  tweon  heofena  rice  mid  criste  selfan 

7  mid  eallan  his  balgnm.    Ealra  aerest  nn  leof  a  J>ena  pe  ead- 

31  ce  evidently  corrected  from  ee.  n  i.  v.  gastlicumA  See  Sievers* 
§  1%,  anm.  3,  and  a  most  interesting  article  by-Wright,  Mod.  Language 
Notes  I,  3:  'On  silent  T  in  English'.  "  Meant  for  qeset.  **  A  mis- 
take  for  ofermte.  M  =  (W.  S.)  heofoncundan.  *  Read  orsorhlice. 
17  t  above  llne,  one  letter  erased;  1? 


ANGLO-SAXONTCA  MINOR A.  515 

modlice  to  earöan  on  godes  ge  (fo.  53ro)  sihöe38  to  gebede  .  7 

bide  J>a  eadigan  aanctam  marian  )rine  leofan  hlaefdian  .  7  pa 
hagan  apöstolas  .  7  haiige  martiras*9  7  .  J>a  halgan  confessores . 
7  J>a  msersodan  faemnen  }>#*  bi  gebiddan  to  drihtne  for  p&  ]>cet 
se  aelmibtiga  god  gesylle  pe  fulne  wisdom  .  7  gewitt .  7  soft 
ändgit  to  andete  enne40  ealle  Jrine  synna  .  J>e  Jm  gemanan 
mage  op  pis  ne  andweardan  daeg  )><£{  J>e  naefre  deoful  aet  witan 
ne  mage  pcel  pn  bütan  andetnysse  .  7  böte  heofenan  of  life  ne 
gewite  aer  pn  ealle  J?ine  synna  gebete .  7  syö  J>an  ans  üp  glaed- 
liee  7  bliÖelice .  mid  truwan  7  mid  soÖan  geleafan  .  7  c$'Ö  us 
J>ine  neode  .  7  /*mra  *ait>/<i  pearfe41  7  we  }>e  willaÖ  swiÖe 
georne  mid  inweordre  heortan  fore  gebiddan  pcet  god  aelmih- 
tig  pe  getiwige 42 .  7  jnne  bene  gehyre. 

88  sihd'e  in  the  ins.  *•  The  italicised  words  are  in  pale  ink  and  in 
a  rough  handwriting.  For  haqan  read  halgan.  *°  i.  e.  and  et  enne.  "  In 
pale  ink.    sarvlä  ineant  for  siirvla.        **  Read  getipige. 

XV. 

CONFESSIO. 

Ic  andette  pe  Indnlgentia1  —  Se  aelmibtiga  god  j?egescop 
heofenas  and  eorÖan  .  7  ealle  gescefta  gemiltfsa2  me  .  7  do3 
pe  forgifnysse  ealra  pinra  synna  pe  pu  aofre  geworhtest .  fvam 
fremde4  Jrines  cristen  domes  08  J>as  tide  .  7  alyse  pe  god  fram 

eallum  yfelum  .  7  gehealde  J>e  aefre  god  on  eallum  gödum  weor- 
cnm  .  7  laede  pe  crist  J>aes  lifigendan  godes  sunn  to  )>am  ecan 
life  into  heofenan  rfces  mtrhÖe  pe  crist  sylf  be  bäten  hsefÖ 
eallum  |>am  mannnm  }>e  hine  lufiaÖ  .  7  bis  beboda  healdaÖ  .  7 
se  leofa  drihten  nele  pcet  aenig  mann  forweoröa .  ae  be  wile 
pcel  ealle  beon  ha/e5 .  7  ebene .  7  tosoÖ  faestnysse  .  7  to  böte 
gee^rran  eal  swa  drihten  mid  his  J>am  halgan  .  7  )?am  claenan 
muÖ  cwide  gecwaßÖ  .  onswa  hwilenm  daege  swa  we  sjufulla 
man  biÖ  gecjrred  to  criste  he  leofaÖ  .  7  ne  swelt.  Ic  wille 
biddan  minne  leofan  drihtne  pe  nu  is  .  7  ä  waes  7  afre  biß 
butan  synnum  7  )?urh  his  prowunga .  7  f>urh  is  halgan  rode  7 
)mrh  his  balgan  blödes  ago/inesse6  pcet  he  pe  for  gyfennesse 
(fo.  53vo)  do  ealra  Jrinra  senna  pe  pn  on  eallum  fnnum  life  ge- 
fremeÖ  haefst  08  )?is  .  7  ic  bidde  god  aßlmihtigne  pcet  he  ne 
gelte  aefterjnnum  wacrange7  earnungum  ac  aefter  Jrinum  warcan8 

1  Erasure.  %  d  above  the  line.  8  0  crossed  as  if  corrector  from  e. 
4  frempe  i.  e.  Ws.  frympe.  6  /  corr.  from  1.  6  le  above  the  line.  7  rvacran 
for  wacanl  =  wacum.      8  iparomfor  worcanl  =  weorcum. 

33* 


514  LOGEMAN, 

nes  on  J>rere  pu  scealt  Jrine  gymeal#ste31 .  7  for  gaegedntssa 
}?inum  gaslicum32  scrifte  ge  andettan  .  7  midfestene  .  7  mid 
wreccum  .  7  mid  gebedum  .  7  mid  relmesdredum  .  fram  synum 
pe  apwean  J>£?/  }>u  bliöelice  mid  gastlicre  blisse  p&  easterlican 
mrersunge  cristes  tristes  .  gebidan  mote  .  7  p&B  halgan  husles 
Eigene  mid  gelefan  underfon  .  to  forgifenvsse  ealra  Jrinra 
synna  .  7  to  geclrennysse  deoflicra  costnunga  .  J>is  feortig  daga 
festen .  (fo.  52vu)  us  is  git  *e33  to  teo  }>ing  dagum  J?res  geares. 
7  swa  hwret  swa  we  on  twelf  mon^um  mis  doö  on  worde . 
oppe  on  weorce  on  dede  o^e  on  rrede  on  rerrete34  o^e  on 
oferdrince  o(^e  on  o)n*am  leabtrnm  eal  we  hit  magan .  7  motan 
mid  godes  lefe  7  mid  nres  scriftes  on  fiesere  halgan  tide  ge- 
betan  .  gif  we  geornlice  ure  festen  begaÖ  7  ure  relmes  san  7 

gebeda  eal  swa  crist  sylf  us  lrerefr  behjdaö  eower .  reimesse 

c  0 

witodlice  7  gebit  for  eow  .  7  eal  swa  waeter  adwaescÖ  pcet  fyr 
swa  adwrescÖ  eac  seo  reimesse  pa  senne.  Drihten  on  him 
sylfum  astealde  pi&  festen  .  7  feste  on  an  J>urh  his  godenndan 

mihte  feowertig  daga  .  7  nihta  fram  eal  1  um  earÖlicum  biglefnm  . 
witodlice  on  eallum  tidum  gedafenaÖ  cristennm  mannam  pcet 
hi  gode  weorc  began  .  7  relmes  deda  7  swa  J>eah  swy  )>ost  on 
Jrissere  halgan  tide  .  for  }>am  pe  we  habbaÖ  mieele  neode  J>a 
hwile  pe  we  her  syndon  on  }>ysan  lrenan  life  7  on  J>^san  ge- 

witeudlieum  pcet  we  j?onne  on  )>aere  toweardan  wurulde  magan 
7  motan  becuman  to  life  )?res  he  fon  cundan35  riees .  7  to  f>am 
waldre  ^rere  6can  eadignesse  .  J>aer  we  motan  si^an  onsorh- 
lice36  libban  7  rixian  bntan  seleere  ge  endange  mid  nram 
drih/ne 3"  hselendum  eriste  7  mid  eallum  his  hal .  gum  gif  we 
hit  ge  hearnian  willaÖ  mid  urum  godam  dredum  .  nis  nanes 

manne8  mreö  pcet  mähte  o^e  eanne  asrecgan  eal  pat  god . 

7  J>a  yftnessa  pe  god  hrefö  gegearwod  eallum  J>am  pe  hine 

lufiaÖ  7  his  beboda  healdan  willaÖ  .  7  gelestan  gif  we  f>onne 
willaÖ  his  willan  werean  7  on  his  lufe  {mrhwunian  }>onne  ge 
earnige  we  ns  bntan  relean  tweon  heofena  rice  mid  eriste  selfan 

7  mid  eallan  his  halgum.    Ealra  rerest  na  leof  a  J>ena  pe  ead- 

31  cr  evident \y  conrected  from  ee.  »  i.  9.  gasUicwn.l  See  Slevertf* 
§  196,  anm.  3.  and  a  most  interesting  article  by-Wright,  Mod.  I  Angnage 
Notes  I,  3:  40n  silent  T  in  English'.  "  Meant  for  geset.  M  A  mnv 
take  for  ofermtt.  M  =  (W.  S.)  heofoncundmn.  *•  Read  onorklic* 
"  /  above  llne,  one  letter  eraaed;  1? 


ANGLO-SAXONICA  MINOR A.  515 

modlice  to  earöan  on  godes  ge  (fo.  53ro)  sihÖe38  to  gebede  .  7 

bide  )>a  eadigan  sanc/am  marian  }>ine  leofan  hlaefdian  .  7  pa 
hagan  apöstolas  .  7  haiige  martiras*9  7  .  p&  halgan  confessores. 
7  J>a  m&rsodan  faemnen  ]>cet  hi  gebiddan  to  drihtne  for  pk  pcet 
se  aelmihtiga  god  gesylle  pe  fulne  wisdom  .  7  gewitt .  7  soö 
ändgit  to  andete  enne40  ealle  Jrine  synna  .  pe  pn  gemunan 
mage  o]>  \>ib  ne  andweardan  daeg  pcet  pe  naßfre  deoful  aet  witan 
ne  mage  pcet  \>n  bütan  andetnysse  .  7  böte  heofenan  of  life  ne 
gewite  aer  pü  ealle  Jnne  sjrnna  gebete  .  7  syö  }>an  aris  üp  glaed- 
lice  7  bliÖelice  .  mid  truwan  7  mid  soÖan  geleafan  .  7  cjr8  us 
)>ine  neode  .  7  /*wra  saw/a  pearfe41  7  we  )>e  willaft  swifte 
georne  mid  inweordre  heortan  fore  gebiddan  pcet  god  aelmih- 
tig  pe  getiwige 42 .  7  )4ne  bene  geh  vre. 

38  «iA/fe  in  the  ms.  39  The  italicised  words  are  in  pale  ink  and  in 
a  rongh  handwriting.  For  hagan  read  halgan.  *°  i.  e.  andetenne.  4I  In 
pale  ink.    sawlä  meant  for  sätvla.        49  Read  ge  tipige. 

XV. 

CONFESSIO. 

Ic  andette  pe  Iudulgentia1  —  Se  aelmihtiga  god  )?egescop 
heofenas  and  eorßan  .  7  ealle  gescefta  gemiltfsa2  me  .  7  do3 
pe  forgifnysse  ealra  )>inra  synna  pe  pn  aefre  geworhtest .  fram 
fremde4  }rines  cristen  domes  oÖ  J>as  tide  .  7  alyse  pe  god  fram 

eallum  yfelum  .  7  gehealde  pe  aßfre  god  on  eallum  gödum  weor- 
eum  .  7  laede  pe  crist  }>aes  lifigendan  godes  sunu  to  psun  ecan 
life  into  heofenan  rices  mtrhSe  pe  crist  svlf  be  bäten  hsefÖ 

vi  fr 

eallum  )>am  mannum  pe  hine  lufiaS  .  7  his  beboda  healdaÖ  .  7 
se  leofa  drihten  nele  pcet  aenig  mann  forweorÖa .  ac  he  wile 
pcet  ealle  beon  ha/e5 .  7  claene  .  7  tosoÖ  faestnysse  .  7  to  böte 
gecyrran  eal  swa  drihten  mid  his  )?am  halgan  .  7  )?am  claenan 
muß  cwide  gecwaeÖ  .  onswa  hwilcum  daege  swa  we  synfulla 
man  biÖ  gecyrred  to  criste  he  leofaÖ  .  7  ne  swelt.  Ic  wille 
biddan  minne  leofan  drihtne  pe  nu  is  .  7  ä  waes  7  afre  biÖ 
butan  synnnm  7  }>urh  his  }>rowunga .  7  pm\\  is  halgan  rode  7 
J>urh  his  halgan  blödes  agotenesse6  }?#*  he  }>e  for  gyfennesse 
(fo.  53vo)  do  ealra  )>inra  senna  pe  pu  on  eallum  Jrinum  life  ge- 
fremeS  haefst  oÖ  p\%  .  7  ic  bidde  god  aelmihtigne  pcet  he  ne 
gelte  aefterfrinum  wacrange7  earnungum  ac  aefter  Jrinum  warcan8 

1  Era8ure.  2  rf  above  the  line.  s  0  crossed  as  if  corrector  from  e. 
4  frempe  i.  e.  Ws.  frympe.  6  /  corr.  from  t.  6  te  above  the  line.  7  rvacran 
for  wacanl  =  wacum.      8  warcanfor  tvorcanl  =  weorcum. 

33* 


518  LOGEMAN,   ANGLO-SAXONICA  MINOKA. 

his  )?am   halgan  dyrwurÖan  blöde  s^lle  pc  forgyfeness  eallra 

pinra  synna  \>e  ]>u  aefre  &i\>  oppe  aer  gelobtest  oJ>j?e  geworbtest 

for  his  miclan  7  maeran  mildbeortnesse  .  7  efter  J>isan  laenan 

life  mid  bim  wununge  on  J>aere  6cean  worulde  on  godes  blisse . 

7  on  his  myrhÖe  ]>e  naefre  to  nanum  ende  nycemÖ.    Getyf  aefre 

georne  on  god  aelmihtigne  .  7  on  }>ane  snnu  .  7  on  [>one  balgan 

gast  7  gelyf  eac  pcet  ealle  menn  sculan  arisan  on  domes  daeg 

of  deaöe  .  7  bet .  7  be  hreowsia  aefre  swiöe  georne  .  ealles  )?aes 

pe  \>u  to  yfele  haefst  geloht .  7  gecwaedon  7  geworht .  god  bit  )>e 

forgjfe .  7  ic  mote  foh(?)  nu  on  pin  faesten  mid  godes  geleue  7 

mid  minre  .  7  began  bit  mid17  ealre  georfulnesse18  7  claennesse 

7  mid  geswicenysse  ^inra  gylta .  7  faest  aelce  daege  to  nones  7 

to  anes  maeles   7  forgang  hwit .  7  be  beorh  (fo.  55ro)  pe  wiÖ 

J>a  eahta  heahsynna  ]>e{9  \>vl  }>a  ne  fremige  \cet  is  gitsunge  .  7 

gifernes  Galnes .  7  weamodnes .  7  unrotnes .  7  asolcennes20  Gilp- 

geornes  .  7  ofermodines  seo  is  heofod  .  7  wyrtrama  ealra  leahtra 

0 
nis   J>eah    nan   man   lybbend    on    )?isan  life  \>e  butan  suman 

Jjyssa  leahtra  beon  mage  ae  hit  is  micel  pearf  )?#*  se  }>e  aslide 
7  on  senne  befeale  pcet  he  eft  raöe  arise  7  georne  bete  \asi 

he  aer  to  braec  swa  his  scrift  him  taece  7  aefre  raa21  aeft  swj'lces 
geswice  for  J>am  hit  his  gecyndlic  J>#f  se  earma  man  syngie 
ac  hit  his  swj'Öe  deofllic  .  7  egeslic  pcel  he  on  synnum  Jmr 
wunie  forÖ  08  his  ende  .  7  lufa  )?inne  drihten  mid  eallum 
mode  .  7  mid  eallum  maegne  .  7  eallum  mibtum  .  7  ealre  in- 
werdre  heortan  faestlice  .  7  beo  earmum  mannum  milde  .  7  man 

j>aere 24  7  aelmes  georn ** .  to  godes  — 23  ciric  geornn  .  7  teo  Jwng 
georn .  .22  to  godes  cyrecan  .  7  earmum  mannum  }>onne  biß  god 
J>e  milde .  7  bliöe  7  j?u  mid  him  most  )>onne  libban .  7  rlxian . 
in  ealra  worulda  woruld  äbtitan  aeleum  ende  amen. 

I  havc  no  othcr  0.  E.  rcferenccs  but  I  suspect  an  othcr  inst&nces  of  our  ex- 
pression  to  bc  hiddcn  in  Dedpum  eedpe  gehöhte  quoted  by  Bosw.-Toller 
in  voce  ceap.  The  translation  (at  a  great  [deep]  price'  seeras  rather  fiur- 
fetehed.  17  Between  mid  and  ealra  there  is  a  stroke  in  the  Ms.  which 
looks  likc  part  of  /  erased.    I8  Read  geornfulnesse.    Itt  Ms.  j>.    See  note  1 1 

to  XIV  and  snpra  passiin.  *'  n  above  the  line.  "  ce/re  ma\  modern 
English  evermorcV  I  have  no  othcr  referenees  before  1250.  n  n  erased. 
M  Erasurc  of  ono  lettcr.       **  read  man  pwmre. 

Ghent,  June  1889.  II.  Logeman. 


DIE  QUELLE  VON  BEN  JONSON'S 

VOLPONE. 

Der  gelehrte  Gifford  hat  zwar  io  seiner  ausgäbe  von  Ben 
Jonson's  werken  bereits  an  zwei  stellen l  des  Volpone  auf  ent- 
lehnungen  aus  Petronius  aufmerksam  gemacht,  jedoch  habe 
ich  weder  bei  ihm  noch  bei  andern  herausgeben]  oder  literar- 
historikern  die  tatsache  ausgesprochen  gefunden,  dass  der  eng- 
lische dichter  die  idee  und  mehrere  episoden  seines  dramas 
dem  satirischen  Schelmenroman  des  alten  Römers  verdankt. 
Ich  werde  dies  im  folgenden  nachzuweisen  suchen,  wobei  ich 
den  lat.  text  nach  der  zweiten  ausgäbe  von  Bticheler  (Petronii 
Satirae  et  über  Priapeoruum,  Berolini  1871)  citiere.2 

Nachdem  Eumolpus,  Encolpius,  Giton  und  einige  Sklaven 
aus  einem  Schiffbruche  an  der  unteritalienischen  küste  nur  das 
nackte  leben  gerettet  haben,  kommen  sie  in  die  nähe  von  Cro- 
ton  (Bticheler  p.  78—80),  über  welche  Stadt  ihnen  ein  gutsver- 
walter  (vilicus)  folgende  auskunft  gibt: 

'si  negotiatores  estis,  mutete  propositum  aliudque  vitae  praesidium 
quaerite.  sin  autem  urbanioris  notae  homines  sustinetis  semper  men- 
tiri,  recta  ad  hierum  curritis.  in  hac  enim  urbe  non  literarum  studia 
celebrantur,  non  eloquentia  locuin  habet,  non  frugal itas  sanctique  mores 
laudibus  ad  fructum  perveniunt,  sed  quoscumque  homines  in  hac  urbe 
videritis,  scitote  in  duas  partes  esse  divisos.  nam  aut  captantur  aut 
captant.  in  hac  urbe  nemo  liberos  tollit,  quia  quisquis  suos  heredes 
habet,  non  ad  cenas,  non  ad  spectacula  admittitur,  sed  omnibus  pro- 

1  In  dem  vod  Cunningham  besorgten  dreibändigen  neudruck  (London, 
Chatto  &  Windus)  p.  339  und  p.  342  in  den  anmerkungen. 

2  Da  der  Volpone  im  jähre  1605  zuerst  gespielt  wurde,  kann  B.  J. 
natürlich  nur  eine  vor  dieser  zeit  erschienene  ausgäbe  benutzt  haben. 
Von  solchen  besitzt  die  hiesige  Universitätsbibliothek:  1)  die  ausgäbe  des 
Joh.  Sambucus ,  Antverpiae  1565;  2)  ex  recognitione  Jani  Dousae,  Lug- 
duni  Batavorum  15S5;  3)  eine  anonyme,  Lutetiae  1587;  4)  von  Joa.  a  Wou- 
weren,  Lutetiae  Parisiorum  1601;  5)  desgl.  ex  officina  Plantiniana  Raphe- 
lengij  1604.  —  Die  abweichungen  dieser  ältesten  texte  sind  jedoch  so  un- 
erheblich, dass  wir  sie  für  unsere  zwecke  ausser  acht  lassen  dürfen. 


520  HOLTHAUSEN, 

prohibetur  commodis,  inter  ignominioBos  latitat.  qui  vero  nee  uxores 
unquam  duxerunt  nec  proxiinas  necessitudines  habent,  ad  sumraos 
honores  perveniunt,  id  est  soli  militares,  soll  fortissimi  atque  etiam 
innocentes  habentur.  adhibitis'  inquit  'oppidum  tan  quam  in  pesti- 
lentia  campos,  in  quibus  nihil  aliud  est  nisi  cadavera,  quae  lacerantur, 
aut  cor  vi,  qui  lacerant. 

Nach  einer  lticke  heisst  es  in  cap.  117,  p.  81  weiter: 

prudentior  Eumolpus  convertit  ad  novitatem  rei  mentem  genusque 
divinationis  sibi  non  displicere  confessus  est.  iocari  ego  senem  poc- 
tica  levitate  credebam,  cum  illo  'utinam  quidem'  inquit  'sufliecret 
largior  scoena  [id  est  vestis  human ior],  instrumentum  lautius,  quod 
praeberet  mendacio  fidem:  non  mehercules  penam  istam  differrem, 
sed  continuo  vos  ad  magnas  opes  ducerem 'quid  ergo'  in- 
quit Eumolpus,  'cessamus  mimum  componere?  facite  ergo  me  domi- 
num, si  negotiatio  placet'.  nemo  ausus  est  artem  damnare  nihil  an- 
ferentem.  itaque  ut  duraret  inter  omnes  tutum  mendacium,  in  verba 
Eumolpi  sacramentum  iuravimus:  uri,  vinciri,  verberari  ferroque  necari, 
et  quiequid  aliud  Eumolpus  iussisset.  tanquam  legitimi  gladiatores 
domino  corpora  animasque  religiosissime  addieimus.  post  peractum 
sacramentum   serviliter  ficti  dominum   consalutamus,    elatumque  ab 

Eumolpo  filium  pariter  condiseimus, ideoque  de  civitate  sua 

miserrimum  senem  exisse,  ne  aut  clientes  sodalesque  filii  sui  aut  sepulc- 
rum  quotidie  causam  lacrimarum  cerneret.  accessisse  huic  tristitiae 
proximum  naufragium,  quo  amplius  vicies  sestertium  amiserit;  nec 
illum  iactura  moveri,  sed  destitutum  ministerio  non  agnoscere  digni- 
tatem  suam.  praeterea  habere  in  Africa  trecenties  sestertium  fundis 
nominibusque  depositum;  nam  familiam  quidem  tarn  magnam  per 
agros  Numidiae  esse  sparsam,  ut  possit  vel  Carthaginem  capere. 
seeundum1  hanc  formulam  imperamus  Eumolpo,  ut  plurimum  tussiat, 
ut  sit  modo  solutioris  stomachi  eibosque  omnes  palam  damnet;  loqua- 
tur  aunim  et  argentum  fundosque  mendaces  et  perpetuam  terrarum 
sterilitatem ;  sedeat  praeterea  quotidie  ad  rationes  tabulasque  testa- 
menti  omnibus  mensibus  renovet 

Nachdem  Eumolpus  sein  gedieht  über  den  btirgerkrieg  vorge- 
tragen, gelangen  die  reisenden  nach  Croton  (BUch.  p.  90): 

ubi  quidem  parvo  deversorio  refecti,  postero  die  amplioris  fortunae 
domum  quaerentes  ineidimus*  in  turbam  heredipetarum  sciscitantium, 
quod  genus  hominum  aut  unde  veniremus.  ex  praescripto  ergo  con- 
silii  communis  exaggerata  verborum  volubilitate,  unde  aut  qui  esse- 
mus,  haud  dubio  credentibus  indicaviuius.  qui  statim  opes  suas  summo 
cum  certamine  in  Eumolpum  congesserunt. 

Certatim  omnes  heredipetae  muneribus  gratiam  Eumolpi  solli- 
citant 

Cap.  125.    dum  haec  magno  tempore  Crotone  aguotur  et  Eu- 
molpus felicitate  plenus  prioris  fortunae  esset  oblitus  statum  adeo, 

1  Diese  stelle  hat  bereits  Giflford  p.  342,  note  8  angezogen,  vgl.  oben. 
"  Auch  diese  stelle  hat  schon  Giflord  p.  .Wia  anm.  herangezogen. 


BEN  JONSON1S  VOLPONE.  521 

ut  suis  iactaret,  neminem  gratiae  suae  ibi  posse  resistere 

ceterum  ego,  etei  quotidie  raagis  magisque  superfluentibus  bonis  sagi- 
natum  corpus  impleveram 

Sehen  wir  zunächst,  was  Ben  Jonson  aus  dem  bisher  aas- 
gehobenen gemacht  hat  Der  Eumolpus  des  Petronius  ist  bei 
ihm  zu  dem  schlauen  Volpone  geworden,  der  vagabundierende 
spitzbube  und  päderast  Encolpius  zu  Volpone's  vertrautem 
diener  und  helfe rehelfer  Mosoa,  dessen  lustknaben  Oiton  wir 
in  dem  hermaphroditen  Androgyno  in  diensten  Volpone's 
widerfinden;  die  erbscbleicher  von  Croton  sind  durch  Voltore, 
Corbaccio  und  Gorvino  repräsentiert;  die  bezeichnenden  namen 
der  beiden  letzteren  dürften  durch  Petron's  bild  von  den  raben 
(cor vi)  veranlasst  sein. 

Der  dichter  bat  Italien  als  Schauplatz  beibehalten  und 
nur  das  berühmte  und  berüchtigte  Venedig  an  stelle  des* ver- 
gessenen Croton  gesetzt;  wenn  er  die  handlang  aus  dem  klassi- 
schen altertum  in  die  lebendige  und  verständlichere  gegenwart 
verlegte,  folgte  er  nur  dem  zuge  der  zeit  Dieser  entsprechend 
sind  auch  die  figuren  des  Stückes  umgestaltet  worden.  Es  be- 
ginnt mit  ähnlichen  Voraussetzungen  wie  die  betrügerei  des 
Eumolpus  in  Croton:  Volpone,  der  keine  kinder  und  verwanten 
hat,  stellt  sich  krank1  und  weiss  mit  hilfe  Mosca's  die  erb- 
schleicher  durch  Versprechung  seines  naehlasses  zu  reichlichen 
geschenken  zu  bewegen1;  nur  ist  er  nicht  ein  zufällig  in 
die  Stadt  verschlagener  pechvogel,  wie  der  dichter  des  Petro- 
nius, sondern  ein  bereits  begüterter,  eingesessener  'magnifieo'. 
Uebrigens  hat  Jonson  dem  original  noch  einen  zug  entlehnt: 
Volpone  ist  wie  Eumolpus  ein  lüstling.  Wegen  dieser  eigen- 
schaft  muss  ich  den  leser  auf  das  verweisen,  was  Petron  in 
cap.  85  ff.,  94  ff.  und  140  von  den  unzüchtigen  neigungen  seines 
helden  erzählt.  Dementsprechend  lässt  Ben  Jonson  seinen  Vol- 
pone sagen: 
1  °  'Prepare 

Me  rausic,  dances,  banquets,  all  delights; 

The  Turk  is  not  more  sensual  in  hiß  pleasures 

Than  will  Volpone'  (I,  1,  p.  349a). 

Und  wie  lodert  bei  Mosca's  darauf  folgender  Schilderung  von 
der  schönen  jungen  frau  Corvino's  gleich  seine  Sinnlichkeit  auf, 
mit  welchem  eifer  sucht  er  sie  zu  gewinnen,  und  endlieh,  als 
der  habsüchtige  ehemann  sie  ihm  persönlich  überliefert  hat 


1  Ich  verweise  auf  die  von  Gifford  verglichenen  stellen,  8.  oben. 


522  HOLTHAUSEN, 

(III,  6),  durch  Versprechungen,  Schmeicheleien  and  endlich  ge- 
walt  sich  ihrer  zu  bemächtigen!  Die  eben  berührte  episode 
hat  aber  Jonson  (was  Gifford  entgangen  zu  sein  scheint)  eben- 
falls dem  roman  des  Petronius  entlehnt,  allerdings  mit  einigen, 
durch  die  veränderten  Zeiten  und  anschauungen  bedingten 
Umgestaltungen.  In  cap.  104  (Buch.  p.  104  f.)  erzählt  Encolpius 
weiter: 

matrona  inter  priiuas  honesta,  Philomela  nomine,  quae  multas  saepe 
hereditates  officio  aetatis  extorserat,  tum  anus  et  floris  extincti,  filium 
filiamque  ingerebat  orbis  senibus,  et  per  hanc  successionem  artem 
suam  perseverabat  extendere.    ea  ergo  ad  Eumolpum  venit  et  com- 

mendare  liberos  suos  eius  prüden tiae  bonitatique credere  se 

et  vota  sua.  illum  esse  solum,  qui  praeceptis  etiam  salubribus  in- 
struere  iuvenes  quotidie  posset.    ad  snmmam,  relinquere  se  pueros 

in  domo  Eumolpi,  ut  illum  loquentem  audirent quae  sola 

posset  hereditas  iuvenibus  dari.  nee  aliter  fecit  ac  dixerat,  filiamque 
speciosissimam  cum  fratre  ephebo  in  cubiculo  reliquit  simulavitque 
se  in  templum  ire  advota  nuneupanda.  Eumolpus,  qui  tarn  fmgi  erat 
ut  Uli  etiam  ego  puer  viderer,  non  distulit  puellam  invitare  ad  pig- 
niaca  sacra.  sed  et  podagricum  se  esse  lumborumque  solntorum  omni- 
bu8  dixerat,  et  si  non  servasset  integram  simulationem,  periclitabatur 
totam  paene  tragoediam  evertere 

Die  erbschleicherin  Philomela  hat  Ben  Jonson  zu  dem 
habsüchtigen  kaufmann  Corvino  umgewandelt,  der  sich  durch 
Mosca  in  der  3.  scene  des  2.  aktes  überreden  läset,  sein  junges 
schönes  weib  dem  angeblich  ganz  entkräfteten  und  lenden- 
lahmen1 Volpone  als  letztes  mittel  zur  widerherstellung  seiner 
gesunkenen  wärme  und  geschwundenen  kräfte  zu  überlassen. 


1  So  erscheint  er  den  besuchern  im   l.akt,  wo  Mosca  akt  2,  sc.  8 
(p.  360b)  von  ihm  sagt: 

(That  nought  can  warm  his  blood.  sir,  but  a  fever; 

Nor  any  incantation  raise  his  spirtt: 

A  long  forgetfulness  hath  seized  that  part\ 

Und  Corvino  nennt  ihn,  um  die  bedenken  seiner  frau  zu  beseitigen: 

'An  old  decrepit  wretch, 
That  has  no  sense,  no  sinew; 


a  voiee,  a  shadow; 
And  what  can  this  man  hurt  you?'  (III,  6,  p.  368a) 

Dementsprechend  hustet  und  redet  Volpone  (p.  369  a),  als  Mosca  das  ehe* 
paar  zu  ihm  führt;  Mosca  nennt  ihn  in  der  ersten  gerichtsscene  (IV,  2, 
p.  381a)  'so  weak,  so  fecble',  Voltore  'not  able  to  indure  the  air\  als 
man  sein  erscheinen  fordert,  und  der  letztere  versichert: 

4  But  sure,  the  sight  will  rather  move  yonr  pities 
Than  Indignation \ 

Diese  rolle  weiss  Volpone  denn  auch  später,  als  er  auf  einer  bahre  rn  den 


BEN  jonson's  volponb.  528 

Die  ärzte  haben  verschiedenes  angeraten  nnd  angewandt,  um 
die  schwäche  des  alten  zu  beseitigen  nnd 

(at  last  they  resolved 
That  to  preserve  him,  was  no  other  means 
But  some  young  woman  must  be  straight  sought  out, 
Lu8ty,  and  fall  of  juice,  to  sleep  by  him'  (p.  360a). 

Dieses  mittel  erinnert  zu  sehr  an  das  im  1.  buche  der  könige, 
eap.  I,  1 — 4  vom  alten  kttnig  David  erzählte,  als  dass  man 
nicht  eine  entlehnnng  ans  dieser  geschichte  annehmen  sollte. 
Es  heisst  dort  nämlich  (nach  der  Bevised  Version): 

(Now  king  David  was  old  and  stricken  in  years;  and  they 
covered  him  with  clothes,  bat  he  gat  no  heat.  Wherefore  his  ser- 
vants  said  unto  him:  "Let  there  be  sought  for  my  lord  the  king  a 
young  virgin:  and  let  her  stand  before  the  king,  and  cherish  him; 
and  let  her  lie  in  thy  bosom,  that  my  lord  the  king  may  get  heat". 
So  they  sought  for  a  fair  yoang  damsel  throughout  all  the  coasts  of 
Israel,  and  found  Abishag  the  Shunnamite,  and  brought  her  to  the 
king.  And  the  damsel  was  very  fair;  and  she  eherished  the  king, 
and  ministered  to  him;  bat  the  king  knew  her  not.' 

Freilich  hat  Ben  Jonson  diese  episode  wider  eigenartig  um- 
gestaltet und  zur  weiterfthrung  der  handlang  benutzt:  was 
Philomela  freiwillig  tut,  dazu  entschließet  sich  Corvino  erst 
auf  zureden  Mosca's  nach  einigem  kämpfe  —  wobei  allerdings 
die  habsucht  bald  über  die  eifersucht  siegt  — ,  während  bei 
Petron  die  matter  ihre  tochter  dem  Wüstling  überläset,  vertraut 
ihm  bei  Jonson  der  gatte  die  gattin  an  —  beide  handeln  zwar 
als  erbschleicher,  aber  die  nächsten  motive  zum  entschluss 
sind .  doch  verschieden.  Der  römische  Schreiber  sagt  nichts 
von  einer  Weigerung  des  geopferten  mädchens,  der  englische 
dramatiker  weiss  die  scene  zwischen  dem  überredenden,  be- 
fehlenden, drohenden,  wütenden  gatten  und  der  mit  weiblichem 
Schamgefühl  ihre  ehre  verteitigenden  Celia  wunderbar  auszu- 
malen. Philomela  bringt  ihre  kinder  angeblich  zur  erziehung 
und  belehrung,  Corvino  seine  gattin  direkt  zu  medizinischen 
zwecken.  Eumolpus  stillt  seine  lust,  ohne  auf  widerstand  zu 
stossen  und  braucht  keine  Überredungskünste  anzuwenden, 
Volpone  bittet  und  verspricht,  schmeichelt  und  singt  verbuhlte 
lieder,  und  muss  sich  schliesslich  doch  noch,  als  er  gewalt 
anwenden  will,  seine  beute  entgehen  lassen.    Für  Eumolpus 


saal  gebracht  wird  (p.  384)  trefflich  durchzuführen,  and  die  beredsamkeit 
des  advokatcn  Voltore  schildert  seine  Unfähigkeit  für  das  ihm  zur  last 
gelegte  verbrechen  bei  dieser  gelegenheit  mit  gut  gewühlten  Worten, 


524  HOLTHAUSEN, 

hat  die  angelegenheit  keine  weiteren  folgen,  aber  für  Volpone 

wird  sie  verhängnissvoll  der  anfang  vom  ende. 

Noch  einen  umstand,  der  am  ende  der  erhaltenen  frag- 

mente  des  Petron  erzählt  wird,  die  eigenartige  dttpiernng  der 

crbschleicher,  hat  Ben  Jonson  in  origineller  weise  benutzt  und 

unigebildet.  In  cap.  140  f.  (Buch.  p.  105,  z.  35)  sagt  Encolpius: 
'nee  ulli  enim  celerius  homines  ineidere  debent  in  malam  fortunam, 
quam  qui  alienum  coneupiseunt.  unde  plani  autem,  unde  levatores 
viverent,  nisi  aut  locellos  aut  sonantes  aere  sacellos  pro  hamis  in 
turbam  mitterent?    sicut  muta  animalia  eibo  inescantur,  sie  homines 

non  caperentur  nisi  spei  aliquid  niorderent ex  Africa  navis, 

ut  promiscras,  cum  peeunia  tua  et  familia  non  venit.  captatores  iam 
exhausti  liberalitatem  iinminuerunt.  itaque  aut  fallor,  aut  fortuna 
communis  coepit  redire  ad  poenitentiam  tuam'. 

Darauf  folgt  eine  lUcke,  in  welcher  berichtet  sein  muss,  wie 
Eumolpus  ein  die  erbschleicher  verhöhnendes  testament  machte. 
Aus  diesem  sind  folgende  Sätze  erhalten: 

'ouines  qui  in  testamento  roeo  legata  haben t,  praeter  libertos  meos 
hac  condicione  pereipient,  quae  dedi,  si  corpus  meum  in  partes  con- 
eiderint  et  astante  populo  comederint'. 

Nachdem  hierfür  ironisch  einige  trostgründe  angegeben  sind, 

erklart  sich  ein  gewisser  Gorgias,  verblendet  durch  die  menge 

des  erhofften  gewinns,  sogar  zu  diesem  eklen  mahle  bereit! 

Der  schluss  des  testamentes,  so  weit  es  überliefert  ist,  führt 

noch  weiter  aus,  mit  welchen  erwägungen  die  scheu  vor  dem 

genusse  von  menschenfleisch  zu  besiegen  sei. 

Ben  Jonson  lässt  seinen  beiden,  übermütig  geworden  durch 
den  glücklichen  ausgang  des  prozesses,  in  der  1.  scene  des 
5.  aktes  den  tollen  gedanken  fassen,  sich  tot  zu  stellen  und 
Mosca  scheinbar  als  Universalerben  einzusetzen,  um  sich  an 
der  enttäuschung  und  dem  ärger  der  betrogenen  erbschleicher 
ungesehen  oder  unerkannt  zu  weiden.  Eumolpus  sowol  wie 
Volpone  haben  dieselbe  absieht,  suchen  sie  aber  durch  ver- 
schiedene mittel  zu  erreichen. 

Ueberblicken  wir  nun  das  ganze:  thema,  liguren  und  de- 
mente der  handlung,  so  ist  klar,  dass  Jonson  das  erstere  ganz 
seinem  vorbilde  entlehnt  hat:  ein  betrüger  erwirbt  sich  ver- 
mögen, indem  er  einer  anzahl  von  erbschleichern  verspricht, 
sie  in  seinem  testamente  zu  Universalerben  einzusetzen,  wofür 
sie  ihn  reichlich  beschenken.  Aber  der  englische  dichter  hat 
diesen  gedanken  noch  erweitert,  sein  Volpone  wird  durch  den 
erfolg  übermütig,  schmiedet  plan  auf  plan  und  richtet  sich 


BEN  jonson's  volpone.  525 

selbst  zu  gründe,  da  ihm  sein  gefügigstes  Werkzeug  untreu 
wird.  —  Von  wirklich  vorliegenden  figuren  übernahm  Ben  Jon- 
son  den  haupthelden  Volpone  =  Eumolpus,  dessen  'parasiten' 
Mosca  =  Encolpius,  den  diener  Androgyno  =  Giton.  Volpone 
entlehnte  er  als  schlauen  betrttger  und  lttstling,  streifte  ihm  da- 
gegen die  eigenschaften  eines  fahrenden  dichters,  philosophen 
und  heruntergekommenen  landstreichers  ab,  wofür  er  ihn  zum 
venezianischen  magnifico  machte.  Mosca  ist  ganz  umgearbeitet 
worden,  von  seinem  vorbilde  hat  er  nichts  als  die  Schlauheit 
und  Verschlagenheit  behalten.  Giton  ist  sehr  verblasst  und 
zu  der  rolle  eines  unbedeutenden  dieners  herabgesunken,  zum 
spassmacher  ftir  seinen  herrn.  —  Die  bloss  angedeuteten  erb- 
schleicher  von  Croton  dagegen  sind  vom  dichter  prächtig  heraus- 
gearbeitet und  individualisiert  worden;  Corvino,  Corbaccio  und 
Voltore  stehen  als  charakteristische  typen  in  lebensvoller  per- 
sönlichkeit da.  —  Von  wirklichen  handlungselementen  über- 
nahm Ben  Jonson  die  scene,  wo  die  matrone  ihre  schöne 
tochter  dem  alten  lüstling  überliefert,  schuf  es  aber  mit  Ver- 
wendung eines  leiblichsten  motivs  derart  um,  dass  aus  der 
mutter  ein  gatte,  aus  der  tochter  dessen  junges  weib  wurde, 
zu  dem  der  betrtiger  in  unzüchtiger  lust  entbrannt  ist.  Wäh- 
rend die  alte  ihr  kind  aus  eigenem  antriebe  bringt  und  dies 
sieh  auch  willig  ergibt,  lässt  der  englische  dichter  den  ebenso 
habgierigen  wie  eifersüchtigen  ehemann  durch  Mosca  über- 
reden, die  widerstrebende  keusche  gattin  zu  dem  angeblich 
kranken  Volpone  zu  schleppen.  —  Das  wegen  der  schlechten 
Überlieferung  unklare  motiv  von  der  Verhöhnung  der  erb- 
schleicher  durch  ein  testament  hat  Jonson  wunderbar  verwen- 
det, um  seinen  helden  sich  durch  Übermut  selbst  stürzen  zu 
lassen.  Seine  erben  sollen  zwar  nicht  sein  fleisch  verzehren, 
aber  vor  neid  und  ärger  vergehen,  wenn  sie  den  gehofffcen  fetten 
bissen  sich  durch  Mosca  weggeschnappt  sehen  müssen. 

Ich  hoffe  noch  durch  weitere  quellenuntersuchungen  zeigen 
zu  können,  wie  Ben  Jonson,  trotz  vieler  entlehnungen,  sich  doch 
in  der  Umgestaltung  und  Verwertung  fremden  gutes  als  selb- 
ständig schaffender  dichter  zeigt,  der  das  ausländische  national 
und  das  überkommene  persönlich  zum  geistigen  eigentum  zu 
machen  versteht. 

Göttingen.  F.  Hoj/thausen. 


ZU  MIDDLETON'S  <NO  WIT,  NO  HELP 

LIKE  A  WOMAN'S'. 

In  der  1.  scene  des  2.  aktes  der  genannten  komüdie l  gibt 
Weatherwise  der  Lady  Goldenflecce  und  ihren  anbetern,  Sir 
Gilbert  Lambstone,  Popperton  und  Overdone  in  seinem  hause 
ein  gastmahl,  wobei  er  ein  gericht  in  form  der  zwölf  zeichen 
des  tierkreises  auftragen  lässt.  Dieselben  werden  sodann  dem 
Charakter  der  gaste  gemäss  in  witziger  weise  verteilt;  zu  den 
übrig  bleibenden  speisen  dürfen  sich  die  pächter  setzen.  Die 
betreffende  stelle  lautet  (Bullen  IV,  p.  323  f.): 

[Music.  The  banquet  is  brought  in,  six  of  Weatherwise's  Tenants 
carrying  the  Twelve  Signs,  Aries,  Taurus,  Geniini,  Cancer,  Leo,  Virgo, 
Libra,  Scorpio,  Sagittarius,  Capricorn,  Aquarius,  and  Pisces,  made  of 
Canqueting-stuff. 

Z.  Gold.     What,  the  Twelve  Signs! 

Wea.         These  are  the  signs  of  love,  widow. 

Er  verteilt  dann  die  platze: 

Sweet  widow,  take  your  place  at  Aries  here, 
That's  the  head  sign;  a  widow  is  the  head 
Till  ehe  be  married.  [Lady  G.  sits. 


Taurus  —  sir  Gilbert  Lambstone,  that's  for  you; 
The  say  you  're  a  good  town-bull. 

And  Gemini  for  master  Pepperton, 

He  had  two  boys  at  once  by  his  last  wife. 

Cancer,  the  crab,  for  master  Overdone, 

For  when  a  thing's  past  fifty,  it  grows  crooked. 

Z.  Gold.     Now  for  yourself,  sir. 

Wea.         Take  no  care  for  me,  widow;  I  can  be  anywhere:  here  's 
Leo,  heart  and  back;  Virgo,  gute  and  belly: 

1  Ich  eitlere  nach  der  neuen  ausgäbe  von  Bullen:  The  Works  of 
Thomas  Middleton,  London  1885,  wo  das  stück  im  vierten  bände  p.  277  ff. 
gedruckt  Ist. 


HOLTHAUSEN,  MIDDLETON'S  NO  WTT,  NO  HELP  RTC  527 

I  can  go  lower  yet,  and  yet  fare  better, 
Since  Sagittarius  fits  me  the  thighs. 

Obgleich  der  dichter  gar  wol  diese  idee  Weatherwise's,  der 
an  alle  kalenderprophezeiungen  glaubt  und  stets  einen  alma- 
nach  in  der  tasche  trägt,  selbständig  erfanden  haben  kann, 
so  ist  doch  die  Übereinstimmung  mit  einer  stelle  im  Petron 
zu  schlagend,  als  dass  man  nicht  an  entlehnung  aus  diesem 
glauben  sollte. 

Bei  der  Schilderung  von  Trimalchio's  grossartigem  gast- 
mahl  heisst  es  (Bücheler2  p.  21)  in  cap.  35: 

*  laudatio nem  ferculum  est  insecutum  plane  non  pro  expectatione  mag- 
num;  novitas  tarnen  omnium  convertit  ocolos.  rotundnm  enim  repo- 
sitorium  duodecim  habebat  signa  in  orbe  disposita,  super  quae  pro- 
prium convenientemque  materiae  structor  imposuerat  cibum:  super 
arietem  cicer  arietinum,  super  taurum  bubulae  frustum,  super  geminos 
testiculos  ac  rienes,  super  cancrum  coronam,  super  leonem  ficum 
Africanam,  super  yirginem  steribiculam,  super  libram  Stateram  in 
cuius  altera  parte  scriblita  erat,  in  altera  placenta,  super  scorpionem 
pisculum  marinum,  super  sagittarium  oclopetam,  super  aquariam  an- 
serem,  super  pisces  duos  mullos .' 

Middleton  hat  —  wenn  überhaupt  in  diesem  punkte  benutzung 
Petron's  vorliegt  —  die  quelle  insofern  umgestaltet,  als  er 
nicht  die  speisen,  sondern  die  gaste  auf  die  einzelnen 
zeichen  verteilt,  wodurch  entschieden  eine  noch  komischere 
Wirkung  erzielt  ist  als  im  originale. 

Göttingen.  F.  Holthausen. 


STRAY  GLEANINGS. 

1.   O.E.  clim  in  Corpus  Gl.  427. 

This  gloss  i8  found  on  p.  49  of  Sweet's  Oldest  English 
Texts;  in  Wright-Wülker  col.  12,  1.  14,  in  Wright  II,  103: 
Caluarium,  calunerclim.  The  first  part  of  this  gloss  is  evi- 
dently  an  Englishing  of  the  lemma,  but  the  second  part  is  by 
no  means  so  clear.  Sweet  mentions  the  word  in  his  glossary 
on  p.  629.  According  to  bim  the  i  is  long,  and  he  is  therefore 
most  likely  of  the  same  view  as  that  proponnded  by  Dieter 
(Ueber  Sprache  und  Mundart  der  ältesten  englischen  Denkmäler 
der  Epinaler  und  Cambridger  Glossen  p.  7  note)  who  suggests 
that  the  word  should  belong  to  the  root  of*climan  postulated 
by  Ettmüller  (395).  This  view  would  at  first  sight  seem  to  be 
favoured  by  Wright-Wülker  197.27/28:  Caluarium,  strictura,  uel 
cahverclympe,  —  especially  since  this  Ms.  (Harl.  3376)  presents 
many  points  of  resemblance  with  the  Corpus  glossary,  —  but 
of  this  more  anon.  The  difficulty  in  connecting  these  two  words 
(viz.  -clim  and  *climan)  lies  not  so  much  in  the  form  (although 
we  have  no  certain  indication  that  the  i  is  long)  as  in  the 
meaning.  — 

Prof.  Gall6e  of  Utrecht  has  collected  some  words  show- 
ing  how  a  consonant,  followed  by  a  nasal  or  liquid  presents 
the  somewhat  stränge  phenomcnon  of  sometimes  conforming 
to  the  rules  of  the  1"  consonantshift,  and  sometimes  on  the 
other  band  remaining  unshifted.  (See:  Etudes  Arch£ologiques, 
Linguistiques  et  Historiques,  dädiäes  a  M.  le  Dr-  C.  Leeman 
p.  279  ff.,  and  cf.  Kluge,  Beitr.  X,  339.)  Thus  we  have  Duteh  krmg 
by  the  side  of  ring  (formerly  hring)  as  compared  with  Greek 
xQlxog,  xlQxog,  lat.  circus.  We  have  English  (to)  Clinch  and,  with- 
out  nasal  clickei  (see  Mayhew  and  Skeat,  M.  E.  Diel  in  voce)  by 
the  side  of  link  =  an  older  hl  ine.    Now  there  is  an  O.E.  word 


LOGEMAN,   STRAY  GLEANINGS.  529 

Mine,  meaning,  a  hill,  rising  ground.  See  Bosworth-Toller's 
interesting  quotations.  The  Links  would  appear  to  be  the  proper 
name  of  a  hilly  part  of  the  country  around  Edinborough.  Link, 
says  Wright  (Prov.  Dict.  in  voce)  is  'A  green  or  wooded  bank 
on  the  side  of  a  hill  between  two  pieces  of  eultivated  land\ 
He  also  gives  a  sand-hill  as  the  meaning.  See  further  ib.  in 
voc.  linck,  linchet,  Halliwell  in  voce  and  the  following  quotation 
from  Cassell's  Encyclopsedic  Dictionary:  Upon  the  links,  or 
downs  close  to  them,  were  seen  four  or  five  huts  inhabited 
by  fishers  (Scott:  Antiquary  eh.  XI). 

From  what  I  have  quoted  from  Galläe's  article  it  will  be 
clear  that  in  the  Teutonic  languages  we  may  expect  a  form 
commencing  with  a  k  to  exist  by  the  side  of  a  form  with  h 
(with  h  is  afterwards  dropped). 

The  forms  with  c  are  simply  legion  in  the  Continental  dialects, 
especially  in  place- names,  E.  g.  Low  Saxon  klenk,  H.  6.  Klang, 
'auf  die  Klänge'  i.  e.  lon  the  sandbanks  on  the  shore'  (Gallöe 
p.  280).  This  will  be  gathered  from  an  other  article  of  Prof. 
Gallee's  from  which,  as  it  will  probably  be  just  as  little  acces- 
sible  as  the  foregoing,  I  take  the  liberty  to  produce  some  ex- 
tracts.  ;By  a  comparison  of  these  various  words  and  their  signi- 
fications,  one  sees  that  to  bend  is  probably  the  oldest  signi- 
fication;  hence  we  have  it  in  the  meaning  of  to  be  round,  to 
form  a  circle,  therefore  to  Surround  any  thing  quiie  and  further: 
'to  Surround  anything  quite  or  partly,  as  if  by  a  circle  or  a 
curve;  out  of  the  signification:  to  be  round,  that  of  to  elevate 
oneself  above  a  level  developped  itself .  Now,  just  as  well  as  a 
bend  can  curve  upwards,  it  can  go  downwards;  hence  by  the 
side  of  the  notion  'elevation'  we  get  that  of  'depth' ....  (No- 
mina Geographica  Neerlandica)  1886,  p.  85.  Hence  we  have 
link  etc.  in  the  meaning  of  volley  as  well  as  of  hill. 

Add  to  this  the  significations  of  wood  and  rivulet  which  the 
word  assumes  sometimes  and  we  can  nnderstand  the  enormous 
amount  of  proper  names  where  the  word  klink,  or  kling,  figures. 
See  ib.  p.  86,  where  a  good  many  are  enumerated. 

As  to  the  form  with  h  (see  Nom.  Geogr.  Neerl.  p.  87)  it 
exists  in  Old  English  as  stated  before.  Now  it  would  be 
very  stränge  if  in  Old  English  only,  the  two  forms  did  not 
exist  side  by  side.  After  what  has  gone  before  I  need  hardly 
state  that  I  suppose  the  form  *clinc  to  be  hid  in  the  more 

Anglia,  XU.  band.  34 


530  LOGEMAN, 

or  less  mysterious  clim  for  which  see  supra.  Graphically  the 
change  is  very  slight,  and  the  fact  of  *clinc  being  a  rare  form 
may  account  for  its  having  beeu  misread.  The  copyist  may 
have  thought  of  the  same  word  which  we  find  in  the  Harleian 
glossary  (clympe ;  cf.  supra). 

Has  this  hypothetic.al  *clinc,  —  unlike  Mine  —  left  no 
traces  in  Modern  English?  1  dare  not  be  positive  bot  would 
submit  the  following  quotation  to  the  judgment  of  others.  The 
change  of  meaning  from  wood  to  that  of  park  is  certainly  not 
so  great  as  to  arouse  snspicion:  'It  was  common  to  speak  of 
Paris  Garden  as  the  place  for  these  Sports,  whether  the  circle 
in  question  was  in  Paris  Garden  or  in  the  Clink;  it  being  pre- 
mised  that  Paris  Garden  was  the  King's  manor  or  property  of 
a  lord  and  copyholders,  and  the  Clink  was  the  Bishop  of  Win- 
chcster's  manor,  and  contained  or  consisted  of  his  park9.  — 
(Notes  and  Queries,  June  4.  1887,  p.  442).1 


2.   Haupte  Zeitschrift  IX,  503k 

We  here  find  stoieorum  glossed  by  slcerleornera.  The  stoiei 
here  referred  to,  whatever  the  meaning,  could  certainly  not  be 
called:  teachers  of  history.  Stoieorum,  a  more  or  less  legitimate 
form,  must  be  connected  with  Greek  oroixtlov,  a  simple  sonnd, 
an  element  as  opposed  to  YQafifia,  a  Single  letter.  Henee  we 
may  confidently  snppose  stcerleornera  to  be  corrnpted  from  steef- 
leornera.  The  difference  between  ötoix*Iov  and  YQapfia  will 
not  have  been  pereeived  by  the  original  glossator.  It  may 
have  been  this  very  difference  that  caused  the  copyist  to  mis- 
understand  the  text  before  him. 


3.   Englische  Studien  VIII,  474. 
Kluge  therc  pnblished  an  0.  E.  text  from  which  I  eopy  a 

few  lines: 

Swa  hwset  swa  |>u  halfst,  hafa  to  mildheortnysse  .  \>&t  (nn 

1  This  quotation  will  suftice,  I  fancy,  to  establish  the  meaning  of 
park.  Possessora  of  more  provincial  glossaries  than  here  at  my  diapoaal 
(Halliwell  and  Wright  where  it  is  not  found)  will  probably  be  able  to 
supply  more  instances.  Just  now  (Dec.  89)  Dr.  Murrav's  latest  oomet  to 
hand,  in  which  I  find  no  traces  of  clink  =  wood  or  bill.  But  of  aoilte 
it  may  be  merely  a  dialectal  word  or  hid  in  tome  more  proper 


STRAY  GLEANINGS.  5H1 

maegen  gehelpe  J>earfan  waedlunge  and  gif  ]m  hwsenne  gelo- 
godne  on  nead  j>earfe  ongitst .  and  gif  J>u  hwaene  on  waedle 
be  preafodne  .  and  gif  jw  hwaene  on  ienigura  pigum  aidlodne 
acnsewst .  and  gif  \>\\  hwaene  of  j>rihtene  oÖÖe  geead  medne 
gesihst  mid  \>san  gehelpe  ne  forseoh  pu  cenine  .  ne  forhoga 
senine. 
It  will  hardly  require  any  comment  if  I  propose  to  read 

the  italicised  words  respectively  as  follows: 

be  pearfodne  andgitsf,  Jnngum  ()?!gum);  ce  (=  ä)  hine. 
The  ehange  of  cenine  to  ce  hine  is  very  slight  and  the  cor- 

ruption  will  have  crept  in  through  the  word  cenine  following 

directly  after. 

4.   Wright-Wülker  p.  100,  1.  44. 

We  here  find  herbam  glossed  by  goerd  (see  note),  which 
the  latest  editor  changes  to  gcers.  ßut  the  form  gcerd  =  graßd, 
I  think,  is  perfectly  legitimate.  So  far  as  I  am  aware  gcerd 
does  not  obtain  any  more  but  gred,  the  Mercian  representative 
of  grced  may  be  found  in  the  Vespasian  Hymns  7.  4  (Sweet, 
0.  E.  T.  p.  409);  where  Sweet  wrongly  stars  the  gloss.  See  on 
the  word  gred:  Modern  Language  Notes  II,  284  (J.  M.  Hart). 

Ghent.  Mav  1880.  H.  Logeman. 


34* 


DIE  PRÄSENTISCHEN  TEMPORA 

BEI  CHAUCER. 

Als  text  sind  zu  gründe  gelegt:  I.  für  Chaucer's  werke 
folgende  aasgaben: 

1 .  The  Poetical  Works  of  Geoffrey  Chaucer  in  six  volumes  edited  by 
Richard  Morris,  L.L.D.  with  memoir  by  Sir  Harris  Nicolas.  In  the 
Aldine  Edition  of  the  British  Poets,  London  18S6.  (Unsere  citate 
beziehen  sich  auf  diese  ausgäbe,  wo  nicht  ausdrücklich  eine  andere 
genannt  ist.) 

2.  A  Six-Text  Print  of  Chaucer's  Canterbury  Tales  in  Parallel  Columns 
from  the  following  mss.:  1)  The  Ellesniere  (in  unserer  abhandlung 
mit  der  abkürzuug  £  bezeichnet).  2)  The  Hengwrt  154  (=  H). 
3)  The  Cambridge  Univ.  Library  Gg  4.  27  (=  C).  4)  The  Corpus 
Christi  College  Oxford  (=  Corpus).  5)  The  Petworth  (==  P).  6)  The 
Lansdowne  (=  L). 

3.  Die  Chaucer-edition  von  Gilmans:  da  zur  vergleichung  herangezogen, 
wo  eine  ausgäbe  von  hss.,  wie  die  Six-Text-ed.  nicht  vorlag. 

4.  Für  das  Astrolabe:  die  ed.  von  Skeat  in  der  Early  English  Text 
Society. 

5.  Für  den  Boethius:  die  ed.  von  Morris  in  der  Early  English  Text 
Society. 

IL  Bei  vergleichung  der  originale  und  quellen  von  Chaucer's 
werken  sind  benutzt  folgende  ausgaben: 

1.  Zur  Tale  of  Melibeus:  Albertani  Brixiensis  Liber  Consolationis  et 
Consilii  ed.  Thor  Sundby  Pro  Societate  Chauceriana  London  1878. 

2.  Zum  Boethius:  die  Editio  Teubneriana. 

3.  Zum  Romaunt  of  the  Rose:  die  ausgaben  des  Roman  de  la  Rose  1)  von 
Meon,  4  bdc.  Paris  1814.  2)  Die  ausgäbe  des  1.  teils  Li  Romans  de 
la  Rose,  premiere  partie  par  Guillaume  de  Lorris  vom  Oberlehrer 
Dr.  PUschel  im  Jahresbericht  vom  Friedrichs-gymnasium,  Berlin  1872. 
3)  Le  Roman  de  la  Rose  par  Guillaume  de  Lorris  et  Jean  de  Mann 
dit  Clopinel  ed.  Amsterdam  1 735  (bezeichnet  mit  0.  A.). 

Citiert  ist  überall,  wo  nicht  ausdrücklich  eine  andere  quelle 
angegeben  ist,  nach  der  ausgäbe  von  Morris  und  zwar  gewöhn- 
lich nach  der  verszahl,  nur  in  der  Tale  of  Melibeus  und  in 


GRAEF,   PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  533 

der  Persones  Tale  nach  der  Seitenzahl  mit  beifttgung  der  Zeilen- 
zahl der  betreffenden  seite.  Die  abkürzungen  sind  derartig, 
dass  es  zu  ihrer  erklärung  keiner  bemerkung  bedarf. 


Einleitung. 

Wenn  wir  in  der  art  der  behandlang  unseres  Stoffes  von 
bisherigen  arbeiten  dieser  art  abweichen,  so  geschah  dies,  weil 
es  ans  schien,  dass  bei  Übernahme  der  behandlangsweise  aas 
einer  der  ans  bekannten  abhandlangen  über  tempora  ein  be- 
friedigender einblick  in  den  gebrauch  der  präsentischen  tem- 
pora bei  Chaucer  nicht  gewonnen  werden  könne.  Wir  sind  in 
unserer  abhandlang  nicht  von  dem  grandsatze  aasgegangen, 
eine  methodische  einteilang  mit  rücksichtsloser  konseqaenz 
überall  durchzuführen,  sondern  wir  haben  es  für  wesentlicher 
erachtet,  ans  je  den  speziellen  bedürfhissen  anzupassen,  die 
aas  der  art  des  einzelstoffes  erwachsen.  So  finden  sich  z.  b. 
wol  paragraphen  über  begrenzung  der  zeitsphäre  beim  prae- 
sens und  beim  perfectum,  nicht  aber  beim  futurum. 

Was  unsere  Unterscheidung  der  tempora  in  echte  und  stell- 
vertretende bezüglich  relative  betrifft,  so  ist  dazu  noch  folgen- 
des über  das  wesen  der  tempora  im  allgemeinen  zu  erwähnen: 

Das  tempus  bestimmt  die  zeitsphäre,  in  welcher  ein  verbal- 
begriff verwirklicht  gedacht  wird.  Wir  haben  demgemäss  in 
jedem  tempus  das  produkt  zweier  begriffsfaktoren  zu  sehen 
und  zwar  sind  diese  1)  der  wortbegriff  oder  der  verbale  faktor, 
2)  der  zeitbegriff  oder  der  temporale  faktor.  Bei  den  verben, 
die  eine  tätigkeit  bezeichnen,  kommt  dazu  noch  der  begriff 
des  tätigkeitsträgers,  der  jedoch  in  bezug  auf  das  tempus  von 
untergeordneter  bedeutung  ist 

Obige  zwei  begriffe  sind  nicht  in  allen  temporibus  gleich 
stark  betont.  Es  lässt  sich  sogar,  sobald  die  im  tempus  liegende 
Zeitbestimmung  durch  andere  mittel  schon  hinlänglich  deutlich 
ist,  eine  Vernachlässigung  des  zeitbegriffs  in  gewissen  tempo- 
ribus beobachten,  welche  so  weit  geht,  dass  eine  zeitform  für 
eine  ganz  andere  zeitsphäre  angewendet  werden  kann,  als  für 
die  im  tempus  bestimmte.  Diese  erscheinung  findet  sich  jedoch 
nur  bei  dem  temporibus  der  praesentialreihe,  für  welche  sich 
dementsprechend  die  einteilung  in  echte  und  stellvertretende 
bezüglich  relative  notwendig  macht. 


534  ÜRAEF, 

Was  die  vcisehiedenen  modi  der  einzelnen  Zeitformen  be- 
trifft, so  ist  zu  bemerken,  dass  bei  der  feststellung  des  ge- 
brauche der  tempora  nur  der  indicativ  als  die  aussageform 
der  wirklich  gedachten  handlung  in  betracht  kommt,  da  nur 
hier  der  zeitbegriff  als  solcher  massgebend  für  die  Verwendung 
der  verschiedenen  formen  ist,  während  im  conjunctiv  der  zeit- 
begriff gegenüber  dem  begriff  der  irrealität  ganz  in  den  hinter- 
grund  tritt.    Vgl.  auch  Brinkmann  II,  s.  673,  5. 

Die  werke,  von  denen  Chaucer's  autorschaft  nicht  mit 
Sicherheit  feststeht,  glaubten  wir  nicht  unbeachtet  lassen  zu 
dürfen,  und  so  haben  wir  da,  wo  es  sich  um  bemerkenswerte 
erscheinungen  handelte,  stets  auch  das  verhalten  dieser  werke 
zu  den  betreffenden  erscheinungen  geprüft.  Den  Romaunt  of 
the  Rose  haben  wir  in  einem  anhange  einer  besonderen  be- 
tracht ung  in  stetem  vergleich  zu  seinem  original  unterzogen, 
um  so  festzustellen,  wie  weit  der  vom  original  abweichende 
Sprachgebrauch  des  Übersetzers  mit  dem  bei  Chaucer  festge- 
stellten gebrauch  der  präsentischen  tempora  übereinstimmt 
Ebenso  ist  von  den  echten  werken,  zum  Boethius  durchweg, 
das  lateinische  original  und  zur  Tale  of  Melibeus  bei  bemer- 
kenswerten stellen  die  lateinische  quelle  Albertani  Brixiensis 
Liber  Consolationis  et  Consilii  zur  vergleichung  herangezogen 
worden. 

Wenn  wir  uns  schliesslich  hie  und  da  darauf  eingelassen 
haben,  zu  konstatierten  erscheinungen  eine  erklärung  zu  ver- 
suchen, so  mag  uns  da,  wo  uns  hieraus  ein  Vorwurf  entstehen 
sollte,  das  wort  Tobler's  zur  entschuldigung  dienen:  'Und  be- 
greifen möchte  doch  mancher  gerne,  nicht  stehen  bleiben  bei 
einem  verzeichniss  von  unleugbaren  einzelnen  tatsachen,  noch 
auch  bei  einem  darausgezogenen  beobachtungsfacit,  wenn  das- 
selbe dem  verstände  unnahbar  bleibt'.    Verm.  Beitr.  37,  8. 209. 


I.  TEIL. 

Das  praesens. 

Grimm,  Gr.  IV,  140.  -  MUtzner,  Gr.  II,  IX  —  Koch  §  42. 

'Das  praesens  bezeichnet  eine  tätigkeit,  welche  der  seit 
angehört,  in  welcher  sie  ausgesprochen  wird.'    M.  a.  a.  o. 

Das  präsens  ist  von  allen  temporibus  dasjenige,  welche* 


PRÄS.  TEMPOKA  BEI  CHAUCEK.  535 

die  temporale  beziehung  am  wenigsten  betont.  Dieselbe  wird 
vielmehr  vom  sprechenden  meist  als  selbstverständlich  voraus- 
gesetzt und  nur  in  ganz  besonderen  fällen  als  gesondertes 
moment  gefühlt. 

Kap.  1. 
Das  praesens  als  echtes  tempus. 

§  1.    Das  temporale  element  im  praesens. 

a)  Das  praesens  trägt  die  zeitliche  begrenzung  des  verbal- 
begriffs  lediglich  in  sich  selbst 

T.  Lawe  477.        This  constable  was  not  lord  of  the  place, 

Of  which  I  speke  .... 
T.  Knight  35.       This  duk  of  whom  I  make  mencioun. 
T.  Reeve  160.      Sehe  seyde  'Allast  your  höre  goth  to  the  fen'. 

n.  dgl.  m. 

b)  Das  praesens  wird  in  seiner  zeitlichen  begrenzung  des 
verbalbegriffs  durch  eine  dazutretende  Zeitbestimmung  gestützt 

Prol.  720.  But  now  is  tyme  .... 

T.  Knight  425.      Thou  walkest  now  in  Thebes  at  thi  large 

T.  Lawe  478.        And  yit  I  holde  my  pees'. 

Die  funktion  der  Zeitbestimmung  kann  eine  Ortsbestimmung 

übernehmen. 

T.  Knight  961.     At  the  request  of  the  qneen  that  kneleth  here. 

T.  Clerk  II,  166.  And  here  I  swere. 

Troilus  II,  1253.  'Ncce,  ise  who  comth  here  ryde. 

Pr.  Schipm.  12.     (I  smel  a  loller  in  the  wind'  quod  he. 

T.  Schipm.  149.    He  nie  no  more  cosyn  unto  me, 

Than  is  this  leef  that  hongeth  on  the  tre. 
T.  Pardoner  206.  What  corps  is  that,  that  passeth  her  forthby.  u.dgl.m. 

c)  Das  praesens  wird  in  seiner  zeitlichen  begrenzung  des 
verbalbegriffes  durch  gegenüberstellung  eines  anderen  tempus 
gestützt 

a)   Dies  kann  sein  ein  tempus  der  präsentischen  reihe  und 

zwar  das  perfectum. 

T.  Clerk  III,  38.  But  I  desire,  as  I  have  doon  byfore 

ib.  I,  12.  Thus  in  delyt  he  ly  veth  and  hath  don  yore 

T.  Lawe  174.        Uousbondes  ben  al  goode,  and  han  be  yore. 

u.  dgl.  m. 

Das  futurum. 

T.  Knight  285 whom  I  love  and  serve, 

And  evere  schal  unto  niyn  herte  sterve. 


536  GKAEF, 

T.  Knight  325.      Lovc  if  the  liste;  for  I  lovc  and  ay  schal. 
T.  Clerk  III,  61.   This  wil  is  in  uiyn  hert  and  ay  schal  be. 

u.  so  sehr  oft. 

ß)  ein  tempns  der  präteritalreihe  und  zwar  hier  nur  das 
praetcritum  seihst. 

T.  Knight  699.      But  ther  as  I  was  wont  to  hotc  Arcite 

Now  hoote  I  Philostratc. 
T.  Clerk  V,  30.     I  woot  and  wist  alway. 
T.  Lawe  733.        As  strong  as  cver  he  was,  he  is  right  now. 

u.  so  sehr  oft. 

§  2.    Ueber  die  grenzbestimmung  der  zeitsphäre 

des  praesens. 

1.  'Das  praesens  bezeichnet  eine  tätigkeit,  welche  der  zeit 
angehört,  in  der  sie  ausgesprochen  wird.'  M.  II,  s.  73.  Die 
nähere  begrenzung  dieser  zeitsphäre  ist  dem  subjektiven  be- 
dürfniss  des  redenden  überlassen,  indem  er  dieselbe  einerseits 
auf  einen  moment  beschränken,  andererseits  auf  Zeitabschnitte 
beliebiger  grosse  ausdehnen  kann,  sobald  er  sie  nur  in  gegen- 
satz  zu  einem  andern  Zeitabschnitt  setzt  und  somit  dem  prae- 
sens eine  bestimmt  begrenzte  zeitsphäre  zuweist 

Die  zeitsphäre  der  gegenwart  wird 

a)  auf  den  moment  der  aussage  beschränkt. 

T.  Pardoner  206.  What  corps  is  that,  that  passe th  her  forthby. 
ib.  69.  I  say  it  now  wepyng  with  pitous  vois. 

u.  so  oft;  vgl.  beispiele  sub  §  1. 

b)  auf  Zeitabschnitte  beliebiger  grosse  erweitert 

T.  Pard.  199.  These  riottoura  thre,  of  which  I  you  teile, 

ib.  266.  Thus  walk  I  lyk  a  resteles  caytif. 

ib.  732.  So  how  I  vanysshe  flessh  and  blood  and  skyn. 

T.  N.  P.  4.  This  wydowe,  of  which  I  teile  yow  my  talo. 

u.  so  oft.  Das  praesens  bezeichnet  hier  die  ganze  zeit,  welche 
die  erzählung  der  geschiente  in  ansprach  nimmt  —  also  einen 
ganz  beliebigen  Zeitabschnitt. 

2.  Dabei  werden  zumeist  auch  handlungen  der  unmittel- 
baren Vergangenheit  oder  der  unmittelbaren  zukunft  mit  in  die 
gegenwart  gerechnet  indem  der  redende,  der  in  lebhafter  be- 
ziehung  zu  diesen  handlungen  steht,  dieselbe  in  keiner  weise 
als  von  seiner  gegenwart  getrennt  empfindet 

a)    Die  nächste  Vergangenheit 

T.  Knight  267.      *  Whether  neistow  in  ernest  or  in  pleyV 

T.  Frere  254.         Ne  herest  nought  thon,  what  the  carter  saith. 


PRÄS.  TEMPOKA  BEI  CHAUCER.  537 

T.  Clerk  IV,  20.   For  to  myn  eeris  cometh  the  vois  so  smerte  .  .  . 

T.  Squyer  102.     He  sayde:  The  kyng  of  Araby  and  Inde 

My  liege  lord,  on  this  solempne  day 
Saluteth  you  as  he  best  can  or  may 
He  sendeth  you . . .  By  me . . . This  stede  of  bras' . . . 

T.  Melib.  149, 31—  32.    wher  as  ye  sayn:    quelle:  dixisti. 

Ebenso  T.  Miller  304;  T.  Frere  158,  329;  T.  Somp.  426;  Pr.  Ba. 
337,  348  u.  s.  w. 

Anmerkung.  Es  ist  aber  ein  unterschied  zu  machen,  ob  der 
redende  die  nächste  Vergangenheit  an  sich  noch  in  seiner  anschauung  als 
im  Zusammenhang  mit  der  gegenwart  stehend  fühlt,  [wegen  der  kürze  der 
zwischen  seiner  gegenwart  und  dieser  eben  verflossenen  Vergangenheit 
liegenden  zeit]  oder  ob  dieser  Zusammenhang  der  beiden  zeitsphären,  die 
der  redende  im  übrigen  als  deutlich  getrennt  empfindet,  nur  durch  eine 
beiden  gleichmässig  angehörige  handlung  hervorgerufen  wird.  Da  man 
im  letzteren  falle  für  die  eine  handlung  auch  nur  ein  tempus  zu  setzen 
pflegt,  so  entsteht  die  trage,  welches  tempus  —  das  praesens  oder  das 
perfectum,  welche  eigentlich  beide  nebeneinander  stehen  sollten  —  den 
vorrang  vor  dem  andern  haben  soll.  —  Der  Deutsche  und  der  Franzose 
ziehen  hier  das  praesens  vor,  der  Engländer  das  perfectum.  Dies  zeigt 
sich  auch  schon  bei  Chaucer.  —  Doch  ist  ein  fall  auszunehmen.  Soll  es 
nämlich  besonders  betont  werden,  dass  eine  an  sich  der  Vergangenheit 
angehörige  handlung  auffälliger  weise  noch  bis  in  die  gegenwart  hinein- 
reicht, —  so  steht  stets  das  praesens. 

T.  N.  Pr.  74  By  God,  me  mette  I  was  in  such  meschief 

Rightnow,  that  yit  myn  hert  is  sore  afright  u.ö. 
Troilus  V,  1351    But  in  two  monethes  yit  ye  not  retourne. 

Sonst  steht  bei  Chaucer  im  obigen  falle  schon  vorwiegend  das  perfectum; 
vgl.  Perfectum  s.  40.    Jedoch  findet  sich  auch  das  praesens;  vgl.  ib.  s.  43. 

b)   Die  nächste  zukunft. 

Dem   redenden   schwebt   eine   unmittelbar  bevorstehende 
handlang  so  lebhaft  vor,  dass  er  sie  schon  als  gegenwärtig 
empfindet. 
T.Miller  534.       'I  comeanon.' 

ib.  537.  For  after  this  I  hope  ther  cometh  more. 

ib.  630.  He  thought,  'Alias,  for  now  cometh  Noes  flood!' 

T.  Bathe  154.       The  nexte  thing,  that  I  require  the, 

Thou  shalt  it  doo. 
Pr.  Maunc.  104.     'wel,  sir'  quod  he,  *now  herkyn  what  I  say.? 

und  so  oft. 

3.  Anders  liegt  der  fall  in  folgenden  beispielen,  die  nicht 
dadurch  erklärt  werden  können,  dass  der  redende  die  ver- 
gangene handlung  zu  seiner  gegenwart  rechnet,  —  sondern 
wo  das  praesens  unverkennbar  statt  des  perfecta  steht 


538  GKAEF, 


T.  Miller  580.       Why  ryse  ye  so  rathe? 

=  Warum  seid  ihr  so  früh  auf? 
T.  Lawe  807.        Of  which  the  nanie  in  my  text  nought  I  fynde. 

Dasselbe  T.  Monk  265;  Troilus  IV,  1387  u.  öfter. 

Gerade  dies  verb  steht  fast  regelmässig  im  praesens  in 
diesem  zusammenbange. 
T.  Bathe  6.  This  was  the  old  oppynyoun  as  I  rede; 

Dasselbe  T.  Lawe  997;  T.  Nonne  Pr.  290  u.  öfter. 

Aach  dies  verb  findet  sich  ziemlich  ziemlich  häufig  so. 
Troilus  II,  653.    Lo !  this  is  he. 

Which  that  myn  uncle  swerth  he  moot  be  dede. 
ib.  V,  1282.  Paraunter  ther  thow  dremest  of  this  boor, 

It  may  so  be  that  it  may  signifye  .... 
Lucrecia  45.         And  axeth  hem  (what  tydynges  heren  ye 
Adriane  203.        That  I  nc  repente  not  to  yeve  yow  lyfc 
Phyllis  157.  But  syn  thus  synfully  ye  me  begile,  .  .  . 

n.  andere  mehr. 

Das  ne.  /  forgel  haben  wir  bei  Chaucer  nicht  nachweisen 
können. 

Dieser  gebrauch  des  praesens  ist  als  folge  einer  starken 
kttrznng  von  ausdrücken  anzusehen,  deren  umfangreiche  gram- 
matische form  ihrem  klaren  und  einfachen  gedankeninhalte 
gegenüber  als  zu  umständlich  empfunden  wurde.  —  So  sagte 
man  statt:  Es  ist  mir  bekannt,  denn  ich  habe  gelesen,  gehört, 
gesehen,  erfahren  etc.  —  ich  lese,  ich  höre,  ich  sehe,  ich  er- 
fahre und  ähnlich  in  den  Übrigen  fällen.  —  Diese  ausdrucks- 
weise ist  zwar  grammatisch  auffällig,  aber  bezüglich  ihres 
Inhaltes  so  absolut  klar,  dass  ein  missverständniss  gar  nicht 
möglich.  — 

Anmerkung.    Hieran  reiht  M.  den  gebrauch  des  praes.  bei  quellen« 
angaben  von  citaten. 
T.  Miller  343.       For  thus  seith  Salonion. 
T.  Clerk  VI,  216.  As  saith  seint  Jame,  if  ye  his  pistril  rede. 
Ebenso  Pr.  Bathe  49,  51,  64,  91,  182,  325,  652;   T.  Bathe  269,  309,  336; 
T.  Somp.  314;  Pr.  Lawe  25,  76,  77;  T.  Lawe  309;  T.  March  881,  998—1007 
u.  sehr  oft. 

M.  scheint  jedoch  übersehen  zu  haben,  dass  es  sich  hier  um  eine 
rein  bildliche  ausdrucksweise  handelt,  indem  der  autor  statt  seines  werkes 
gesetzt  wird  und  'sagen'  sowie  ähnliche  ausdrücke  die  bedeutung  haben : 
'es  steht  geschrieben  in',  4es  wird  gesagt  in7  u.  8.  w. 

An  die  frage,  wann  dies  bezw.  das  betreffende  buch  geschrieben 
worden  ist,  wird  hierbei  gar  nicht  gedacht.  Es  handelt  sich  nur  darum, 
zu  konstatieren,  dass  eine  gewisse  meinung,  die  der  schriftsteiler  aus- 
spricht, auch  durch  bUcherstcllon  gestützt  wird. 


PRÄS,  TEMPORA  BEI  CHAUCEK.  539 

Diese  rcdcweise  ist  also  eine  bildliche  und  ihr  inhalt  gehört  nicht 
der  Vergangenheit,  sondern  der  gegenwart  an.  Wenn  es  überhaupt  nötig 
ist,  einen  beweis  hierfür  anzuführen,  so  mögen  die  folgenden  stellen  als 
solcher  angesehen  werden. 

T.  Knight  340 as  olde  bookes  sayn,  .... 

T.  Bathe  126.       Redith  Ovyd,  and  ther  ye  niow  it  leere. 

T.  March  1040.     The  Romayn  gestes  eek  make  remembraunce 

T.  Melib.  157,24.  for  the  book  saith:    quelle  s.  52,14:  Scriptum  est 

enim. 

ib.  166,  11.  for  the  book  saith:    quelle  s.  2,  1:  scriptum  est 

namque    u.  so  oft. 

T.  Monk  127        as  saith  the  Prophe. 
Ebenso  T.  Bathe  312;  T.  Monk  470,  508;  T.  N.  Pr.  443,  509  u.  s.  w.    Ganz 
originelle  beispiele  sind: 

Pr.  Lawe  93.        Metamorphoseos  wot  what  I  mene. 

T.  N.  Pr.  539.        as  saith  us  (Eneydos). 
S.  T.  4549,  ebenso  E.  H.C.  zeigen  seith;  Corpus,  P.  L.,  seyde.    T.  Monk 
665:  as  saith  Machabe,  ebenso  alle  hss.  der  S.  T.  3845. 

Hertzberg,  Uebers.  der  C.  T.  in  der  anm.  s.  614,  bemerkt  dazu  sehr 
treffend:  'Was  die  namensform  Metamorphoseos  betrifft,  so  glaube  ich  . . 
.  . .  nicht,  dass  Chaucer  sich  darunter  einen  menschen  vorgestellt  habe' 
(er  spricht  öfters  von  büchern  in  der  bekannten  figur  wie  von  personen). 
Wir  haben  also  hier  durchaus  kein  praes.  vor  uns,  dass  an  stelle  eines 
praet.  oder  perf.  steht,  sondern  ein  gewöhnliches  praes.,  dass  semer  natur 
nach  unter  kap.  3  gehört;  vgl.  kap.  3,  4. 

Allerdings  kann  bei  anfUhrung  von  aussprüchen  berühmter  personen 
auch  das  praet.  stehen.  Dann  aber  ist  es  klar,  dass  dieselben  auch  wirk- 
lich als  personen  gefühlt  werden  und  es  handelt  sich  nicht  um  eine  bild- 
liche redeweise. 

Pr.  Coke  6.  Wel  seyde  Salomon  in  bis  language. 

Ebenso  T.  Bathe  96—97;  Pr.  Bathe  12,  16,  64—65,  73,  108,  111;  T.Miller 
41 — 42  u.  öfter.  Auffällig  ist  jedoch,  dass  die  beiden  tempora  unmittelbar 
nebeneinander  stehen. 

Pr.  Bathe.  Thapostil,  when  he  spekth  of  maydenhede, 

He  sayde. 

T.  Bathe  269.       Wel  can  the  wyse  poet  of  Florence, 

That  hatte  Daunt,  speke  of  this  sentence. 
u.  öfter;  vgl.  kap.  3,  4. 

Kap.  2. 

Das  praesens  als  stellvertretendes  tempus. 

Das  praesens  kann  sich  seiner  temporalen  eigentümlich- 
keit  so  weit  entkleiden,  dass  es  die  zeitsphäre  der  Verwirk- 
lichung eines  verbalbegriffs  nur  noch  relativ  fixiert,  indem  es 
nun  nicht  mehr  die  zeit  jener  Verwirklichung  bestimmt,  son- 
dern nur  deren  dauer  begrenzt. 


540  GRAEF, 

Dieser  fall  tritt  ein,  wenn  das  praesens  andere  tempora 
vertritt  und  zwar  kann  es  eine  derartige  Vertretung  über- 
nehmen 1)  für  das  praeteritum,  2)  für  das  futur. 

§  1.    Das  praesens  historicnm. 

Handelt  es  sich  darum,  überraschend  schnell  eintretende 
oder  in  rascher  folge  einander  drängende  ereignisse  entsprechend 
darzustellen,  so  kann,  besonders  wenn  die  zeitliche  beziehung 
durch  den  Zusammenhang  schon  hinreichend  bestimmt  ist,  die 
zeitsphäre  der  handlung  durch  das  tempus  gänzlich  ignoriert 
werden.  Dies  geschieht  in  der  absieht,  die  ganze  kraft  der 
Vorstellung  auf  den  verbalbegriff  zu  konzentrieren  und  ihn  von 
allen  anderen  nebenbegriffen,  die  in  diesem  falle  nur  hemmend 
auf  die  darstellung  einwirken,  zu  befreien.  Da  nun  das  prae- 
sens von  allen  temporibus  dasjenige  ist,  welches  den  verbal- 
begriff am  wenigsten  durch  den  zeitbegriff  beschränkt,  bezw. 
in  unserem  sinne  abschwächt,  so  ist  es  das  für  obige  dar- 
stellungsweise am  meisten  geeignete  tempus. 

Das  ideal  für  diese  darstellungsweise  wäre,  wenn  man 
die  verbalbegriffe  aller  beziehung  auf  zeit  und  person  ent- 
kleiden und  so  die  reinen  verbalbegriffe  an  einander  reihen 
könnte.  Dies  haben  denn  auch  einige  sprachen  im  infinitivus 
historicus  erreicht. 

Derartige  infinitive  finden  sich  auch  bei  Chaucer1,  wenn 

man  sie  auch  wegen  ihres  sehr  vereinzelten  Vorkommens  nicht 

mit  dem  namen  historische  infinitive  belegt,  sondern  sie  besser 

als  infinitive  des  ausrufs  auffasst.    Ein  wesentlicher  unterschied 

zwischen  diesen  beiden  arten  des  infinitive  existiert  aber  absolut 

nicht,  denn  beide  verdanken  ihre  entstehung  gleichmässig  der 

lebhaftigkeit  der  darstellung.    Der  infinitiv  steht  in  den  vier 

zu  belegenden  fällen,  um  teils  die  ausserge wohnlich  rasche, 

teils  die  ausserordentlich  heftige  art  der  ausführung  der  betr. 

handlung  zu  bezeichnen  —  und  zwar  steht  der  infinitiv  mit 

und  ohne  to. 
Troilus  II,  1107.  'By  God'  quod  he,  *I  hope  alway  byhynde!' 

And  sbe  to  laugb,  it  thoughte  hire  herte  breste. 
Ebenso  £.  ed.  G.  II,  ib.  s.  467. 

1  Fiedler  u.  Sachs,  b.  II  syntax  s.  54,  führen  einige  weitere  beispiele 
für  diesen  infinitiv  im  Engl,  an,  von  denen  jedoch  die  aus  Ch.  citierten,  wie 
auf  den  ersten  blick  erhellt,  zu  streichen  sind.  Aufrecht  zu  erhalten  sind 
nur  zwei  der  dort  angeführten  beispiele,  nämlich  das  erste  und  dritte. 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  541 

Troil.  11,1731.*.  .  .  .  God  hym  amende!' 

And  inwarde  thus  ful  softely  bygynne: 

'Nece,  I  conjure,  and  heighly  you  defende,  .  .  . 

Farne  II,  388  (am  anfang  eines  absatzes). 

And  I  adoun  to  loken  thoo, 
And  behelde  feldes  and  playnes,  .  .  . 
Die  stelle  ist  jedoch  unsicher,  denn  E.  ed.  6.  III,  s.  33  zeigt: 

And  I  adoun  gan  loken  thoo 
And  behelde  feldes  and  playnes  .  .  . 

Welche  lesart  die  richtige  ist,  konnten  wir,  wie  auch  bei  fol- 
gendem beispiel,  nicht  entscheiden,  da  uns  keine  handschriften 
zu  geböte  standen.  Ferner  ein  beispiel  aus  dem  unsicheren 
Ch.  Dream  1653. 

For  when  the  tirae  ye  set  was  past, 
The  queene  to  counsaile  sone  in  hast 
What  was  to  doe,  and  said(,)  great  blame 
Your  acquaintaunce  cause  would  .  .  . 

Auch  hier  weicht  E.  ed.  6.  III,  s.  632  ab: 

For  when  the  Time  ye  set  was  past, 
The  queene  took  counsaile  sone  in  hast, 
What  was  to  doe. 
Es  ist  noch  ein  höherer  grad  von  lebhaftigkeit  in  dieser 

richtung  hin  möglich,  indem  das  verbum  ganz  ausgelassen  wird. 

Der  satz  nimmt  dann  vollständig  das  gepräge  eines  ausrufs  an. 

Troil.  I,  1072.  But  Troylus  lay  tho  no  lenger  doun, 
But  up  anone  upon  his  steede  bay, 
And  in  the  feelde,  he  pleyde  the  leoune,  .  .  . 

ib.  II,  133.       'As  helpe  me  God,  I  not  nought  what  ye  mene. 
'And  I  youre  borough,  ne  nevere  shal,  for  me, 
This  thynge  be  told  to  yow,  as  mote  I  thryveP 

ib.  II,  786 ek  men  ben  so  untrewe, 

That  right  anon,  as  cessed  is  hire  leste, 

So  ceseth  love,  and  forth  to  love  a  newe. 

Anmerkung.  Das  Neuenglische  kann  eine  ausserordentlich  rasche 
aufeinanderfolge  von  handlungen  dadurch  wirksam  darstellen,  dass  es  alle 
nebenbeziehungen  aus  den  verbalbegriffen  ausscheidet  und  als  prädikat 
setzt,  während  die  verbalbegriffe  als  infinitive  das  Subjekt  bilden  —  ein 
gebrauch,  der  sich  bei  Chaucer  noch'  nicht  findet. 

To  rush  forward  —  to  shatter  the  door  —  to  seize  Jone  in 
his  ariiis  —  to  hurry  from  the  mansion  —  seemed  to  him  the  work 
of  an  instant!  —  Bulwer,  The  Last  Days  of  Pompeii  V,  5  (Tauchnitz- 
ed.  s.  411,  z.  17—19). 

Das  psychologische  moment,  welches  M.  II,  s.  74  als  erklä- 
rung  des  praesens  historicum  anführt,  erklärt  nur  dasjenige 
praes.  bist,   welches  nicht  die  handlungen  in  rascher  aufein- 


542  GRAEF, 

anderfolge  bezw.  in  energischer  hewegung  darstellt,  sondern, 
'mit  interesse  bei  der  beschreibung  von  scenen  verweilend', 
eine  panse  in  der  erzählung  eintreten  läset,  um  so  das  bild 
in  seiner  vollen  kraft  einen  moment  lang  ungestört  wirken  zu 
lassen.  Es  bedeutet  also  einen  rnhepnnkt  in  der  erzählung 
und  ist  von  dem  obenerwähnten  praes.  bist  wol  zu  unter- 
scheiden. Dass  in  der  tat  ein  sehr  wesentlicher  unterschied 
zwischen  diesen  beiden  arten  des  praes.  bist  besteht,  zeigt  die 
tatsache,  dass  das  Mhd.,  welches  nur  die  letztere  art  kennt; 
vgl.  Grimm,  Gram.  IV,  142  ff. 

Wir  behandeln  desshalb  beide  arten  getrennt,  und  zwar: 

A.  Das  praes.  bist,  im  fortschritt  der  erzählung. 

B.  Das  praes.  bist,  im  stillstand  der  erzählung. 

Anmerkung.  Wenn  wir  das  praes.  bist,  im  folgenden  ausführlicher 
behandeln,  als  es  das  grammatische  interesse  dieses  tempus  zu  erfordern 
scheint,  so  geschieht  dies  aus  zwei  gründen.  Einmal,  weil  es  notig  igt, 
um  einen  Überblick  über  das  allmählige  vordringen  des  praes.  bist,  im 
Me.  zu  erlangen,  die  ausdehnung  des  gebrauchs  desselben  bei  einseinen 
Schriftstellern,  die  als  grosse  etappen  gelten  können,  genau  festzustellen  — 
zweitens  aber,  weil  es  einen  wesentlichen  einblick  in  die  eigenart  der 
darstellungsweise  gibt,  zu  beobachten,  in  welcher  weise  ein  dichter  nicht 
nur  im  grossen  und  ganzen,  sondern  gerade  im  einseinen  derartige  dar- 
Stellungsmittel,  wie  das  praes.  bist.,  verwendet. 

A.    Das  praes.  hist.  im  fortschritt  der  erzählung. 

Gust.  Rudolph  s.  201. 

1.  Uas  praes.  hist.  bezeichnet  einfach  den  fortschritt  der 
handluug. 

a)  Es  bezeichnet  gegenüber  dem  praeteritum  den  wich- 
tigeren fortschritt  der  handlung. 

T.  Knight  610.  By  helpyng  of  a  frend  brak  bis  prisoun, 

And  fleeth  the  cite  fast  as  he  may  go. 

T.  Uwe  1005. 

And  whan  sehe  saugh  hir  fader  in  the  streete, 
Sehe  light  adoun  and  falle  th  him  to  feete. 

T.  Clerk  III,  1 29. 

He  tolde  poynt  for  poynt,  in  schort  and  playn, 
And  him  presentith  with  his  doughter  deere. 

Ebenso  T.  Lawe  778—780;  T.  Knight  1783;  T.  Sehipman  299; 

Tesbe  179—181  u.  öfter. 

b)  Es  bezeichnet  bisweilen  den  fortschritt  der  handlung 
gegenüber  dem  praeteritum.  welches  dann  das  tempus  der 
nebenumstände  ist. 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAÜCER.  543 

T.  Miller  508.  He  rometh  to  the  carpenteres  hous, 

And  stille  he  stant  under  the  schot  wyndowe; 
Unto  his  brest  it  raught,  it  was  so  lowe; 
And  softe  he  cowhith  with  a  semysoun. 
T.  Knight  1359. 

And  in  hire  hour  he  walketh  forth  a  paas 
Unto  the  lystes,  ther  hir  temple  was. 
T.  Lawe  505.  Sone  after  comth  this  constable  hom  agayn, 
And  eek  Alla,  that  was  kyng  of  that  lond. 
Ebenso  T.  Squyer  I,  288  u.  öfter. 

c)   Nicht  selten  jedoch  steht  es  im  Wechsel  mit  dem  prae- 
teritnm,  ohne  dass  ein  anderer  grund  für  seine  anwendung  zn 
erkennen  wäre  als  die  absieht,  abwechslung  in  die  erzählung 
zu  bringen. 
T.Reeve  147.  This  melier  goth  agayn,  and  no  word  seyde, 

Bat  doth  his  note,  and  with  the  Clerkes  pleyde 
Phil.  77—80.    .  .  .:  and  yaf  him  yeftes  grete, 

And  him  conveyth  thurgh  the  inaistir  strete 

Of  Athenes,  and  to  the  see  him  broghte 

And  tnrneth  home;  no  malyce  he  ne  thoghte. 

Ebenso  T.  Knight  2098—2104  u.  so  oft. 

Diese  angeführten  stellen  sind  besonders  interessant,  weil 
das  praes.  hist.  und  das  praeteritum  hier  ganz  regelmässig  mit 
einander  wechseln. 

Auffallend  sind  die  beispiele,  wo  praes.  hisl  und  prae- 
teritum ohne  jeden  erkennbaren  grund  unmittelbar  neben  ein- 
ander stehen. 
T.  Lawe  240.  They  sworen  and  assenten  every  man 

To  lyfe  with  hir  and  dye 
ib.  3*22.  But  al  to  deere  they  bought  it  ar  they  ryse. 

T. Clerk 1, 120.  With  hertly  wil  thay  sworen  and  assentyn 
Lucrecia  125.  She  axeth  grace,  and  seyde  al  that  she  kan. 

Es  scheint  uns  nach  analogie  der  übrigen  stellen  (vgl.  aueh 
weiter  unten  die  stellen  Troilus  I,  473  sub  B  1, 5.  d)  nieht  nötig, 
in  den  beiden  letzten  beispielen  assenten  als  synkopiertes  prae- 
teritum aufzufassen.  Vgl.  ten  Brink,  Chaucer's  Sprache  u.  Vers- 
kunst, Leipzig  1884,  §  194. 

In  den  meisten  fällen  scheint  hier  der  reim  einen  starken 
einfluss  geübt  zu  haben. 

2.  Das  praes.  hist.  dient  dazu,  mit  übergehung  aller  neben- 
umstände nur  die  hauptmomente  anzuführen,  und  so  verleiht 
es  der  darstellung  etwas  abgerissenes,  stossweise  vorrückende«, 
oder  es  bezeichnet  nur  das  resultat  einer  ha ndlungs reihe,  mit 


544  GRAEP, 

Übergebung  dieser  selbst,  und  gibt  gewissennassen  nur  eine 
knrze  Inhaltsangabe  derselben. 

a)  Es  bezeichnet  nnr  die  hauptmomente  der  handlnng: 

T.  Miller  310.  This  carpenter  goth  forth,  and  comth  agayn. 

T.  Clerk  IV,  195. 

His  wyves  fader  in  his  court  he  kepith, 
TU  tbat  the  soule  out  of  his  body  crepith. 

T.  Bathe  216.  And  takith  his  wyf,  and  goth  with  hir  to  bedde. 

Ebenso  T.  Frere  106—8;  T.  Clerk  VI,  169—71;  T.  Marcb  615—16; 
T.Squyer  I,  164—65.  II,  36—38, 165.  II,  93—94;  T.  Pardoner 
243—44;  Troilns  V,  186  n.  öfter. 

Ein  besonders  hervorzuhebender  fall  findet  sich 

T.  Squyer  I,  267. 

This  noble  kyng  is  set  upon  his  trone; 
This  straunge  knight  is  fet  to  hiin  ful  sone. 

wo  die  beiden  praes.  bist  durch  den  binnenreim  ganz  beson- 
ders hervorgehoben  werden. 

b)  Es  gibt  nur  das  endergebniss  einer  kürzeren  oder  länge- 
ren handlungsreihe  an,  indem  diese  selbst  übergangen  wird. 

T.  Lawe  276.  What  schuld  I  in  this  tale  lenger  tary? 

Sehe  rideth  to  the  sowdan  on  a  day, 
ib.  867.  .  .  .  but  schortly  this  is  thende, 

Hom-ward  to  Rome  they  schapen  hcni  to  wende, 
ib.  1049.  And  dame  Custaunce,  fynally  to  say, 

Toward  the  toun  of  Roine  goth  hir  way. 
Ypcrniystre  114. 

And  shortly,  leste  this  tale  be  to  longe, 

This  Lyno  and  she  beth  i-broght  to  bedde. 

Ebenso  T.  Lawe  893;  T.  Schipman  313—314;  Troilus  IV,  117; 
Lucrecia  106;  Ypsiphile  277;  Adriane  285— 88;  Philom.  30— 32 

U.  80  Oft. 

Anmerkung.  Dies  praes.  hist.  zeigt  grosse  Ähnlichkeit  mit  dem 
praesens  der  berichteretattung;  vgl.  weiter  unten. 

c)  Hieran  schliesst  sich  unmittelbar  der  gebrauch  des  praes. 
hist  im  abschluss  einer  handlungsreihe.  Das  letzte  verb,  wel- 
ches an  sich  noch  einen  fortschritt  der  handlung  bezeichnet, 
steht  im  praes.  hist.  und  schliesst  so  die  betreffende  handlungs- 
reihe wirksam  ab. 

T.  Bathe  62.      And  takith  his  leve,  and  wendith  forth  bis  weye. 
T.Frank 291.     And  home  they  gon  in  joye  and  in  solas. 
T.  Schipm.  322.  And  forth  he  rideth  hom  to  his  abbay  .  .  . 

Ebenso  T.  Knight  170;  T.Miller  434;  T.Reeve233,240;  T.Uwe 
140, 1033, 1059—60;  T.  Bathe  131;  T.Somp.458;  T.  Marcb  521, 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  545 

558—60  (mehrere  verben  im  praes.  bist);  T.  Sqyuer  II,  46;  T. 
Frank  876;  T.  Pardoner  389,  416;  T.  Monk  638-40;  T.  Nonne 
Pr.  174;  Troilus  V,  1658;  Dido  28;  Adriane  57,  277;  Ypsiphile 
140-41,  229—30;  Philomene  56;  Phillis  88;  Ypermystre  60 
n.  so  sehr  oft 

Unsichere  werke:  C.  of  Love  1431,  1435;  Ch.  Dream  786. 

So  findet  es  sich  oft  am  ende  einer  Strophe,  eines  ab- 
schnittes,  oder  selbst  einer  tale.  T.  Lawe  287,  301,  630,  672, 
777;  T.  Bathe  216;  T.  Clerk  I,  132—33, 138—40  (ende  der  tale), 
IV,  7;  T.  Frank  74,  85;  Pari,  of  Foules  532;  Troilus  I,  1012. 
III,  1771  (ende  der  erzählung);  Tesbe  181  u.  öfter. 

Diesem  gebrauche  entsprechend  zeigt  sich  das  praes.  bist, 
hin  und  wider  im  temporalsatz  mit  til,  wo  es  der  bandlung 
des  hauptsatzes  den  abschluss  gibt. 

T.  Schipman  297. 

Thay  drynke,  and  speke,  and  rome  a  while  and  playe, 
Til  that  dan  Jonen  rydeth  to  his  abbaye. 

Phillis  20-28. 

The  see  .  .  .  posseth  hym  up  and  donne 

Til  Neptnnns  hath  of  hym  compassyoun,  .  .  .    u.  öfter. 

3.  Das  praes.  bist,  steht  zur  einleitung  und  wirksamen 
anklindigung  einer  neuen  handlungsreihe.  Gewöhnlich  steht 
dann  nur  ein  praes.  bist.,  selten  zwei  oder  mehrere,  zu  beginn 
derselben,  während  die  erzählung  sich  dann  im  praet.  weiter- 
spinnt. Dieser  gebrauch  des  praes.  bist,  ist  bei  Chaucer  ausser- 
ordentlich beliebt. 

a)    Es  leitet  eine  neue  handlungsreihe  ein, 
a)   ohne  besondere  merkmale. 
T.Miller  260.  Adoun  he  goth,  and  tolde  his  mayster  soone  .  .  . 
T.  Reeve  9f>.   This  Aleyn  maketh  redy  al  his  gere 
And  on  an  hors  the  sak  he  cast  anoon. 
Ebenso  T.  Miller  169,  T.  Lawe  999;  T.  Frank  504;  T.  Doctour 
153,  207;  (Ch.  Dream  1569);  Ypsiphile  106  u.  s.  w. 

Zwei  praes.  bist.: 
T.lteeve  151.  This  Johan  goth  out,  and  fynt  his  hors  away 
And  gan  to  crye  ...    u.  öfter. 

ß)  Es  steht  entsprechend  seiner  funktion  am  anfang  eines 
absatzes  oder  einer  strophe:  T.  Lawe  309,351,407,491  (zwei 
praes.  bist.),  778,  813,  869,  876,  897,  904,  918;  T.  Clerk  II,  65. 
III,  148;  T.  Frank  603;  T.  See.  Nonne  218  (zwei  praes.  hist); 
T.  Monk  704;  Troilus  V,  1547, 1681  u.  s.  w. 

Anglia,  XII.  band.  35 


546  GRAEF, 

7)  Besonders  zu  behandeln  sind  die  verba  dieendi  zur  ein- 
leitnng  der  direkten  rede.  Diese  stehen  nach  Bockhoff  s.  16 
und  Rudolph  s.  262  in  den  betreffenden  altfranzösischen  denk- 
mälern  besonders  häufig  im  praesens  historicum.  Bei  Chancer 
können  wir  dies  nicht  konstatieren;  im  gegenteil  macht  sich 
die  neigung  geltend,  diese  verba  ins  praet.  zu  setzen,  selbst 
wenn  sie  unmittelbar  auf  ein  praes.  hist.  folgen. 

T.  Miller  576.  Tbis  Absolon  knokketh  al  esily, 

And  seyde:  '.  .  . 
T.  Doct.  247.  Sehe  riseth  up,  and  to  hir  fader  sayde:  *.  .  . 
T.  Monk  219.  Hut  Daniel  expoundith  it  anoon, 

And  sayde:  '.  .  . 

Ebenso  T.  Knight  361—65  (sechs  praes.  bist),  1361—62,  1906; 
T.  Miller  239;  T.  Reeve  151—52;  T.  Lawe  277—78,  351—52; 
T.  March  583—84  u.  öfter. 

Desshalb  ist  das  praes.  hist.  jedoch  hier  nicht  ausge- 
schlossen —  es  finden  sich  sogar  eine  ganze  anzahl  von  fällen 
mit  demselben.  Aber  es  ist  dann  meist  durch  anderweitige 
gründe  verursacht: 

So  durch  die  betonung  der  art  und  weise,  in  welcher  eine 
haudlung  ausgeführt  wird. 
T.Miller  511.  And  softe  he  cowhith  with  a  semysoun:  '.  .  . 

Ebenso  T.  Somp.  338;  Adriane  325;  Philomene  101. 

T.  March  1122.  And  sehe  answerith:  4 —  um  das  schnelle, 
schlagfertige  erfolgen  der  antwort  zu  bezeichnen. 

T.  March  893  steht  es  im  consecutivsatz;  vgl.  unten. 

Dido  385—90  wird  die  verzweiflungsvolle  klage  der  Dido 
im  praes.  hist.  geschildert  und  daran  schliesst  sich  an:  And 
seith:  ' —  also  durch  die  lebhaftigkeit  der  ganzen  Schilderung 
bewirkt. 

Nur  verhältni8smässig  wenig  stellen  bleiben  übrig,  in  denen 
das  praes.  hist.  auf  grund  seiner  einleitenden  funktion  steht 

T. Knight 702.  Tbis  Palamon  answereth:  4.  .  . 
T.Lawe284.    The  sawdan  seith:  *.  .  . 
Lucrecia  44.    And  bad  hir  servauntes  doon  hir  besynesse, 
And  axeth  hem:  (.  .  .      u.  andere. 

Jedenfalls  finden  sich  diese  beispiele  in  ganz  verschwindender 
minderzahl  gegenüber  denen,  in  welchen  die  direkte  rede  durch 
das  praeteritum  der  verba  dieendi  eingeleitet  wird. 

Etwas  anderes  ist  es  bei  der  anführung  indirekter  rede; 
wenn  nämlich  der  inhalt  der  rede  im  praes.  hist  gegeben  wird, 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  547 

so  steht  meist  auch  das  einleitende  verbum  dicendi  im  praes. 

historicnra. 
T.  Lawe  523.   But  nevertheles  ther  was  gret  mornyng 

Among  the  people,  and  seyn  they  can  not  gesse  .  .  . 
ib.  780.  And  asketh  wher  his  wyf  and  his  child  ys. 

T.  Frank  294.  He  seith,  he  may  not  fro  his  deth  asterte 

Hirn  sein eth,  he  felith  his  herte  colde. 
Troil.V,  1430.  But  in  hire  letre  made  she  swich  feeste, 

That  wonder  was,  and  swerth  she  loveth  hym  beste, 
und  so  öfter. 

Seltener  findet  sich  das  einleitende  verb.  die.  im  praes.  hist., 

wenn  der  inhalt  der  indirekten  rede  im  praet.  steht. 
Lucrecia  154.  Hir  freu  des  axen  what  hir  aylen  myghte. 

b)  Entsprechend  der  sub  a  angeführten  funktion  wird  es 
gern  verwandt,  am  nach  längerem  stillstand  der  erzählung  die 
abgebrochene  handlung  wider  aufzunehmen. 

a)  nach  einer  längeren  reflexion:  T.  Lawe  218.  Nachdem 
der  Verfasser  sich  in  einer  reflexion  von  drei  Strophen  ergangen 

hat,  setzt  endlich  die  handlung  wider  ein  mit: 

To  schippe  is  brought  this  woful  faire  may  de. 
Ebenso  ib.  407,  687,  848,  947,  und  zwar  setzt  es  in  diesen  mit 
einer  neuen  Strophe  an,  und  so  öfter. 

ß)   nach  einer  längeren  rede  oder  wechselrede  der  helden. 
T.  Frere238.  And  with  that  word  thay  riden  forth  her  way. 
Ebenso  ib.  106;  T.  Somp.  94  (anfang  eines  absatzes  und  zwei 
praes.  hist);  T.  March  330;  T.  Squyer  1, 161  u.  öfter. 

4.  So  eignet  sich  das  praes.  hist  auch  ganz  besonders 
dazu,  die  einem  vorgange  unmittelbar  folgende  handlung  wirk- 
sam darzustellen.    Dieser  Vorgang  kann  bestehen 

a)  in  einer  handlung. 

T.Miller 623.  Of  goth  the  skyn  an  hande  brede  aboute. 
Als  unmittelbare  folge  der  berührung  mit  dem  glühenden  eisen. 
Das  praes.  hist.  steht  besonders  wirksam  am  anfang  des  verses. 

ib.  033.  And  doun  he  goth  .  .  . 

(sc.  er  hat  soeben  den  strick  durchgeschnitten,  an  dem  er  hing). 
T.CLVI,  169.  Waltier  hir  gladith,  and  hir  sorwe  slakith, 
T.Squ.  11,36.  Her  maistres  clepeth  wominen  a  gret  route 
And  up  they  risen  .  .  .    u.  öfter. 

b)  In  einem  befehl,  einer  bitte,  aufforderung. 

T.  Knight  2010.   His  officers  with  swifte  foot  they  renne, 
And  ryde  anon  at  his  comaundement. 

in  folge  eines  soeben  erhaltenen  befehls.    Ebenso 

T.  March.  7 17.  And  sehe  obeieth  be  hir  lief  or  loth. 

35* 


548  GRAEF, 

T.  Pard.  506.  Anon  thay  kisse  and  riden  forth  her  waye. 
In  ausftihrung  der  an  sie  ergangenen  aufforderung  —  Ebenso 
T.  Miller  248;  T.  Frank  752;  T.  Schipraan  67;,Ypermystre  111. 

c)  in  einer  rede,  Verkündigung,  mitteilung  etc,  mag  die- 
selbe in  direkter  oder  indirekter  rede  stehen. 

T.  Knight  1703. 

The  voice  of  the  poepul  touchith  heven  .  .  . 
In  folge  der  verkttndignng  des  herolds.    Ebenso  ib.  1012 — 13 
(direkte  rede). 

T.  Miller  428.  This  seely  carpenter  bygynneth  quake; 

In  folge  der  ihm  soeben  (von  Nicolas)  gemachten  mitteilung. 

T.  Bathe  372.  This  knight  avysith  him,  and  sore  sikith. 

In  folge  der  ihm  soeben  gestellten  alternative  (direkte  rede). 

T.  Frank  846.  'No,  no7  quod  he,  and  sorwfully  he  siketh. 
In  folge  der  eben  durch  seine  antwort  konstatierten  tatsache. 
Aehnliche  fälle  T.  Frank  25  (indirekte  rede),  801  (direkte 
rede);  Adriane  238  (direkte  rede)  u.  öfter. 

d)  in  einer  Überlegung  in  gestalt  eines  Selbstgespräches, 
in  einem  gefassten  beschluss  oder  in  einer  Versicherung. 

T. Rceve  29S.  'Alias!'  quod  sehe,  *I  had  alraost  mysgoon; 
I  had  alniost  goon  to  the  Clerkes  bed, 
Ey,  benedicite!  than  had  I  foule  i-sped!' 
And  forth  sehe  goth,  til  sehe  the  cradil  fand. 

Tesbe  150.      4If  it  so  falle  that  my  Pirauius  .  .  . 

ße  conien  hider,  and  may  nie  nat  fynde, 

He  may  ine  holden  fals,  and  ek  unkynde. 

And  oute  she  comith,  and  after  hym  gan  espien. 

Troil.IV,91S.  Goth  Pandarus,  and  Troilus  he  soughte. 

In  folge  eines  soeben  gefassten  beschlusses.  Auch  hier  steht 
das  praes.  hist.  sehr  wirksam  am  versanfang  und  zugleich  am 
anfang  der  Strophe. 

T.Frank  826.  *My  trouthe  wol  1  kepe,  I  wol  uoght  lye.' 
With  herte  soor  he  goth  unto  bis  cofre 
And  broughte  gold  unto  this  philosophre. 
Zur  bestätigung  seiner  Versicherung. 

5.  Ganz  besonders  ist  diese  art  des  praes.  hist  beliebt  zur 
darstellung  lebhafter  beweg ung,  welch  letztere  äusserlich  oder 
innerlich  sein  kann.  Es  sucht  hier  den  eindruck  der  gleich« 
zeitigkeit  bei  in  der  tat  sich  folgenden  handlungen  zu  erwecken. 
a)  Die  bewegung  ist  äusserlich,  d.  h.  sie  bezieht  sieh  nur 
auf  Vorgänge  körperlicher  natur. 

So  bildet  das  praes.  hist.  ein  treffliches  darsteilungsmittel 
a)   für  schnell  auf  einander  drängende  handlungen. 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  549 

T.Knight  1744—51. 

In  goth  the  speres  ful  sadly  in  arrest 

Tber  seen  men  who  can  juste,  and  who  can  ryde; 

In  goth  the  scharpe  spore  into  the  aide. 

Ther  schyveren  Schaftes  upon  schuldres  thykke; 

He  feeleth  thurgh  the  herte-spon  the  prikke. 

Up  sprengen  Speeres  on  twenty  foot  on  night. 

Out  goon  the  swerdes  as  the  silver  bright. 

The  helmes  thei  to-hewen  and  to-schrede,  .  .  . 

Aehnlich  T.  Lawe  866;  Cleopatra  56-60,  61—70  u.  öfter.  Wie 

es  bei  dieser  art  des  praes.  bist,  lediglich  auf  betonung  der 

verbalbegriffe  abgesehen  ist,  zeigt  sich  hier  wie  auch  in  später 

folgenden  beispielen  sehr  deutlich  daran,  dass  dieselben  und 

zwar  teils  auf  künstliche  weise  (durch  inversion)  an  die  vers- 

anfönge  gestellt  sind. 

ß)   um  das  unaufhaltsame,  unabwendbare,  unerbittlich  ein- 
tretende zu  bezeichnen. 

T.Knight  1885—88. 

Swelleth  the  brest  of  Arcyte,  and  the  sore 
Encresceth  at  bis  herte  more  and  more 
The  clothred  blood,  for  eny  lecbe-craft 
Corrumpith  and  .  .  . 

Aehnlich  T.  Lawe  196;  T.  Clerk  III,  89;  Troilus  V,  59, 1760—61; 

Philomene  103  u.  öfter. 

/)   um  den  eindruck  des  emsigen,  eifrigen,  eiligen,  hastigen, 
geschäftigen  zu  erhöhen. 

T.  Miller  559.  Who  rubbith  now,  who  froteth  now  his  lippes 

With  dust,  with  sand,  with  straw,  with  cloth,  with  clippes 
But  Absolon? 

T.  March767.  He  kombith  bim,  he  pruneth  him  and  pyketh 
He  doth  al  that  unto  his  lady  likith,  .  .  . 

T.Schipman  302. 

Now  goth  tliis  marchaund  faste  and  bnsily 

About  his  neede,  and  bieth  and  creaunceth,  .  .  . 

Ebenso  T.  Miller  575;  T.  March  12,  563,  711;  T.  Squyer  II,  292, 

296;  T.  Frank  96,  99,  520—22;  T.  Ch.  Y.  311;  T.  Pardoner  376; 

T.  N.  Pr.  362—63;  T.  Manne  52;  Troilus  V,  772  u.  s.  w. 

6)   um  das  plötzliche,  unerwartete,  Überraschende  eines 

Vorgangs  hervorzuheben. 
T.  Kn.  1707.    Up  goth  the  trompes  and  the  melodye. 
ib.  1783.  And  by  the  force  of  twenti  he  is  take  .  .  . 

T. March  765.  Up  ryseth  Damyan  the  nexte  morwe, 

All  passed  was  his  siknes  and  his  sorwe. 
Cleopatra  50.  Up  gooth  the  trompe  .  .  . 


550  GRAEF, 

and  so  in  allen  den  stellen ,  wo  ein  praes.  bist,  eine  kampf- 
oder  lärmscene  eröffnet;  vgl.  sub  a. 

Ferner  T.  March  330;  T.  Pardoner  243;  Cleopatra  75  n.  ö. 

•  e)  am  das  längst  mit  Spannung  erwartete,  durch  andere 
handlangen  schon  vorbereitete  eintreten  eines  ereignisses  an- 
zukündigen. 

Adriane  141.    The  gayler  cometh,  and  with  bym  Theseus. 
ib.  300.  Ryght  in  the  dawenynge  awaketh  shee, 

And  gropeth  in  the  bed,  and  fonde  ryght  noght. 
(Ch.  Dream  1149. 

Forth  goeth  the  ship,  outgoeth  the  sonde.) 

Ebenso  T.  Reeve  98;  Ch.  Dream  1569  u.  öfter. 

£)  um  das  sofortige,  präzise  eintreten  eines  ereignisses  zu 
bezeichnen.  —  Hierher  kann  man  zunächst  alle  sub  4  ange- 
führten stellen  zählen,  ebenso  die  mehrzahl  derjenigen  sab  3  a 
ad  a)  und  ß)  erwähnten.  Ferner  aber  besonders  die  stellen, 
wo  ein  dabeistehendes  anon  oder  ein  adverb  ähnlicher  bedeu- 

tung  diesen  sinn  des  praes.  hist.  unzweifelhaft  macht. 
T.  Somp.  318.  Anoon  the  knight  bifore  the  juge  is  brought. 
T.  Cl.  II,  104.  And  in  sehe  goth  withouten  lenger  let. 

Ebenso  T.  Miller  502;  T.  Reeve  143;  T.  Squyer  1, 164;  T.  Prio- 
resse 177;  T.  Monk  219;  Troilus  I,  324.  III,  699;  Dido  153,  287; 
Tesbe  100—101  u.  andere. 

Hierher  gehören  auch  die  fälle,  wo  eine  adverbiale  be- 
stimmung  wie  therwithai  eine  folgende  handlung  als  gleich- 
zeitig mit  der  vorhergehenden  darzustellen  sucht 

T.Miller 600.  He  cowheth  first,  and  knokketh  therwithai  .  .  . 
Tesbe  177.      And  therwithai  she  lyfteth  up  bis  heed 
Ypermystre  105. 

And  therwithai  a  costrel  taketh  he  tho 

And  seyde. 

fr)   So  kann  ganz  allgemein  auch  das  energische  einer 

handlung  das  praes.  hist.  hervorrufen. 
T.  Pard.  389.  And  forth  he  goth,  no  lenger  wold  he  tarye. 
T.  Doct.  247.  Sehe  riseth  up,  and  to  hir  fader  sayde. 
T.  Schipman  379. 

And  up  he  goth,  and  maketh  it  ful  tough. 

Ebenso  T.  Schipman  75—77,  250;  T.  N.  Pr.  214;  (Ch.  Dream  663) 
und  so  oft. 

b)  Die  bewegung  ist  innerlich,  d.h.  sie  bezieht  sieh  auf 
Vorgänge  seelischer  natur. 

Das  praes.  hist.  wird  hervorgerufen: 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  551 

a)   durch  das  heftige  derartiger  bewegung.    So  beson- 
ders in  klagen: 
T.Frank  91.    Sehe  mourneth,  waketh,  wayleth,  fasteth,  pley- 

neth, .  .  . 
Ebenso  T.  Knight  361—64  (6  praes.  hist);    T.  Miller  432—33 
(4  pr.  h.);  T.  March  828  (2  pr.  h.),  848;  T.  Frank  89,  388;  Troi- 
lusV,211(3);  Anelida  172— 77(8);  Dido240— 41  (4),  385— 90(8). 
Im  wntansbruch: 
Troil.  V,  207.  He  curseth  Jove,  Apollo,  and  ek  Cnpide; 
He  eurseth  Geres,  Bachus  and  Cipride  .  .  . 
Die  innere  unrnhe: 
Troil.  V,  561.  Fro  thennes-forth  he  rydeth  up  and  down,  .  .  . 

ß)  durch  das  unermüdliche  derselben.    So  besonders  im 
ausdruck  der  freu  de,  des  fröhlichen  festjubels  und  der  zärt- 
lichen liebkosung. 
T.Frank 369.  He  nought  entendeth  to  no  suche  matere, 

But  daunceth,  justith,  and  maketh  good  cheere. 
Adriane  272.   There  festen  they,  there  dauncen  they  and  synge 
T.  March  579.  He  lallith  hir,  he  kissith  hir  ful  ofte; 
ib.  1167.  He  kissith  hir,  and  clippith  hir  ful  ofte,  .  .  . 

Ebenso  T.  March  583,  704;  T.  Schipman  327—328;  Troilus  III, 
1669—70  (5  pr.  h.)  u.  öfter. 

B.    Das  praes.  hist.  im  stillstände  der  ersählung. 

Das  praesens,  dessen  Zeitbegrenzung  fast  ganz  von  dem 
belieben  (der  anschauung)  des  sprechenden  abhängt,  hat  weit 
mehr,  als  das  praeteritum,  die  fähigkeit,  sich  dem  subjektiven 
bedttrfniss  des  redenden  anzupassen,  und  zwar  sowol  wenn 
dieser  rasch  von  tat  zu  tat  eilen  will  und  so  die  dauer  der 
Verwirklichung  der  verbalbegriffe  möglichst  kurz  darstellen 
muss,  als  auch  umgekehrt,  wenn  er  mit  interesse  bei  einer 
Situation  zu  verweilen  und  so  die  zeitsphäre  der  Verwirklichung 
des  verbalbegriffes  möglichst  auszudehnen  wünscht  Während 
es  aber  bei  dem  praes.  hist.  sub  A  nur  darauf  ankam,  alle 
nebenbegriffe  [und  damit  auch  den  zeitbegriff]  gegenüber  dem 
verbalbegriff  möglichst  zu  unterdrücken,  um  so  die  ganze  wucht 
des  accents  auf  diesen  konzentrieren  zu  können,  so  gilt  es  hier 
[da  die  objektiv  im  rücken  des  hörers  liegende  Situation  ihm 
subjektiv  nahe  gebracht  werden  soll,  nm  ihm  so  ein  tieferes 
versenken  in  dieselbe  zu  ermöglichen]  gerade  den  zeitbegriff 
der  gegenwart  zu  betonen.    Das  praesens  steht  also  hier  auf 


Kr 


52  GKAEF, 

grund  seiner  eigenschaft  als  zeitform  der  gegenwart  and  nicht 
wie  oben  als  notbehelf  und  aus  mangel  einer  verbalform,  in 
welcher  der  temporale  begriff  gänzlich  eliminiert  werden  könnte 
[wie  etwa  im  infinitivus  historicus],  und  es  erklärt  sich  hier 
nur  aus  psychologischen  gründen. 
Dies  praes.  bist,  kann  stehen: 
I.  in  der  Schilderung; 

IL  in  der  reflexion,  welche  der  Verfasser  an  eine 
Situation  der  erzählung  anknüpft. 
I.  In  der  Schilderung. 

1.   In  der  eigentlichen  Schilderung. 

a)  Besonders  beliebt  ist  das  praes.  bist,  in  der  einleitenden 
Schilderung,  in  welcher  der  Schriftsteller  sein  publikum  ttber  die 
besonderen  örtlichen  und  zeitlichen  nebenumstände,  über  den 
Charakter  der  eingeführten  personen,  ihre  äussere  läge,  ihre 

Verhältnisse,  ihre  gewohnheiten,  ihr  äusseres  u.  s.  w.  orientiert. 

T.  Clerk  II,  225—28.       This  Walter 

In  Goddes  pees  lyveth  ful  esily 

At  hoine,  and  outward  grace  ynough  hath  he. 

T.  Pard.  4.       Wher  as  with  lutes,  harpes  and  gyternes, 

Thay  d  au  nee  and  play  at  dees,  bothe  day  and  night 
And  ete  also,  and  drynk  over  her  raigbt,  .  .  . 

T.  Sire  Thopas  16. 

His  rode  is  lik  scarlet  en  grayn  .  .  . 

Phillis  11.       Distroyedys  of  Troye  the  citee. 

Ebenso  und  ähnlich  T.  Knight  479—80,  633—38  (die  herrliche 

Schilderung  des  erwachenden  morgens).    T.  Miller  162 — 63;  T. 

March  651;  T.  Doctour  41;  T.  Schipman  36—37;  T.  Sire  Thopas 

49,  55,  171,  174,  190,  202  u.  öfter. 

Hierher  gehören  auch  die  eine  handlung  vorbereitenden 

Schilderungen  wie  Ypersmystre  46: 

The  array  ys  wroght,  the  tyme  ys  faste  by 
And  thus  Lyno  hath  of  his  fadres  brother 
The  doghter  wedded,  ...    u.  andere. 

b)  Ebenso  steht  es  gern  in  der  abschliessenden,  rasch 
überleitenden  Schilderung.  Der  Verfasser  wirft,  ehe  er  sich  von 
der  eben  dargestellten  handlungsreihe,  episode  oder  Schilderung 
zu  einer  neuen  wendet,  noch  einen  kurzen  rückblick  auf  die 
erstere  und  fasst  die  hervorgerufene  Situation,  an  welche  die 
neue  handlungsreihe  anknüpfen  soll,  summarisch  in  einer  kurzen 
Schilderung  zusammen. 

T.Squ.l,  212.  Of  sondry  thoughtes  thus  they  jangle  and  trete. 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  553 

T.  Ch.  Y.  375.  Thus  maketh  he  is  introduccioun. 

T.  Kn.  1900.    Nature  hath  now  no  dominacioun. 

ib.  2243.  For  now  is  Palomon  in  al  his  wele,  .  .  . 

Ebenso  T.  Miller  467;  T.  Reeve  194;  T.Clerk  VI,  183;  T.  March 
598;  T.  Squyer  I,  244,  253;  T.  Frank  32,  72;  Troilus  V,  1101; 
Anelida  179, 196;  Cleopatra  71;  Phyllis  45;  Ypermystre59  u.  so 
olt  Oft  steht  es  so  am  ende  einer  Strophe:  Pari,  of  Fonles  532, 
Troilus  I,  1092.  III,  1631  u.  s.  w. 

Anmerkung.    Stellen  wie  T.  Knight  2249: 

Thus  endeth  Palomon  and  Emelyc 
sind  nicht  als  praes.  hist.  aufzufassen,  sondern  als  pracs.  logicum,  indem 
die  namen  kurz  gebraucht  sind  für  'die  geschichte  von'. 

c)  Ueberhaupt  in  irgendwie  eingehenden  Schilderungen, 
auch  mitten  im  gange  der  handlung. 

T.  Frank  516—19. 

Janus  sit  by  the  fuyr  with  double  berd 
And  drynketh  of  his  bügle  hörn  the  wyn, 
Biforn  him  stont  the  braun  of  toskid  swyn, 
And  (nowel)  crieth  every  lusty  man. 

T.  Schipman  82. 

His  bookes  and  his  bagges  many  oon 
He  hath  byforn  him  on  his  counter  bord. 

Dido  273—77. 

Upon  a  thikke  palfrey,  paper  white, 

Sitte  Dido,  al  in  golde  and  perrey  wreighe. 

And  she  is  faire  as  is  the  bryghte  morwe. 

Ebenso  T.  Knight  1648;  T.  Frank  765;  T.  Schipman  90;  Yper- 
mystre  49—54  (5  praes.  hist.)  u.  öfter. 

Anmerkung.     Die   fortschreitende   handlung   steht  hier,   um   den 

gegensatz  auch  im  tempus  auszudrücken,  gern  im  praeteritum. 

T.  Miller  237.  This  sely  carpenter  hath  gret  mervaile 

Of  Nicholas,  or  what  thing  may  him  ayle, 

And  seyde  .  .  . 

und  so  oft.    Oft  steht  jedoch  dieselbe  ebenfalls  im  praes.  hist. 

Lucrecia  153.  She  sytte  in  halle  with  a  sorowful  syghte. 

Hir  frendes  axen  what  hir  aylen  myghte, 

And  who  was  dede,  and  she  sytte  aye  wepynge. 
und  öfter. 

Ein  besonders  wirksames  mittel  zur  erhöhung  der  leb- 
haftigkeit  der  Schilderung  ist  die  anrede  des  erzählers  einer- 
seits an  sein  publikum,  andrerseits,  und  dies  ist  noch  wirk- 
samer, an  die  personen  der  erzählung.  Beide  arten  der  anrede 
stehen  meist  im  praet.  hist. 

a)    an  sein  publikum. 


554  GRAEF, 

T.  Kn.  1270.    Ther  maistow  so  coniyng  with  Palomoun 
Ligurge  himself,  the  grete  kyng  of  Trace. 
ib.  1688.  Ther  mayst  thou  see  devysyng  of  hermeys. 

Ebenso  T.  Clerk  II,  69  und  an  anderen  stellen. 

ß)  an  die  personen  der  erzählung.  Hier  besonders  ist  das 
praes.  bist,  das  vorwiegende  tempns. 

T.  March  544—47. 

0  January  .  .  se  how  thy  Dam y an, 
Thyn  oughne  squier  and  thy  borne  man, 
Entendith  for  to  do  the  vilonye. 

T.  Frank  362—65. 

0,  blisful  art  thou  now,  thou  Dorigen, 

That  hast  thin  lustry  housbonde  in  thin  armes, 

That  loveth  the,  as  his  owen  hertes  lyf. 

Ebenso  T.  Lawe  533—34,  673—77,  705—6;  T.  Ch.  Y.  67,  68, 
70,  72;  T.  Monk  87;  Troilus  I,  524;  Philomene  112—13  u.  öfter. 

d)  So  ist  das  praes.  bist,  auch  geeignet  znr  hervorhebnng 
des  gegensatzes  einer  Situation,  an  der  die  erzählung  eben  an- 
gelangt ist,  gegenüber  einer  früheren,  welche  oft  im  praeteritum 
daneben  gestellt  ist. 

T.  Monk  82.    Ther  was  no  bond  with  which  men  might  him  bynde. 
But  now  is  he  in  prisoun  in  a  cave. 

Troilus  IV,  1126. 

And  thus  she  lith,  with  hewes  pale  and  grene, 
That  whilom  fressh  and  fairest  was  to  sene. 

Ebenso  T.  Monk  379, 382, 384;  Troilus  IV,  840;  T.  Reeve  77—78 

und  öfter. 

2.  Das  praes.  bist,  steht  oft,  wenn  ein  besonderer  ton  auf 
der  art  und  weise  ruht,  in  der  sich  ein  Vorgang  vollzieht  Dies 
kann  stattfinden: 

a)   durch  bilder  und  gleichnisse,  welche  mit  demselben  in 

parallele  gesetzt  werden. 

a)   Bilder. 
T.ReevelS".  Wery  and  wete  as  bestys  in  the  reyn 

Comth  sely  Johan,  and  with  him  comth  Aleyn. 
T.  Lawe  957.   .  .  .  as  domb  sehe  stant  as  a  tree. 
T.  Clerk  III,  90. 

And  as  a  lamb  sehe  sitteth  meeke  and  stille. 
T.  Schipman  209. 

And  forth  sehe  goth,  as  joly  as  a  pye. 

Ebenso  T.  March  769;  T.  Somp.  96;  T.  Knight  740;  T.  Sqoyer 
1, 162— 63;  T.  Schipman  369;  T.  Prioresse  222;  Ypermyrtre  122 
und  öfter. 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAÜCER.  555 

ß)  Gleichnisse. 

T.Sqn.  1,174.  It  staiit,  as  it  were  to  the  ground  i-glewed. 

Troilus  IV,  1404. 

And  as  the  bryddes,  whan  the  sonne  is  shene, 
Deuten  in  hire  songes,  in  leves  grene, 
Right  so  the  wordes  that  they  spak  ifeere 
Deliten  hem,  and  make  hire  hertes  chere. 

Ypsiph.  217.    Or  as  a  welle  that  were  botomeles, 

Right  so  kan  Jason  ne  have  no  pes.    u.  öfter. 

b)   durch  adverbiale  bestimmungen  der  art  und  weise  oder 
durch  sonstige,  näher  schildernde  znsätze. 
Dieselben  bezeichnen 

a)  das  feierliche  einer  handlang,  eines  auftrittes,  einer 
erscheinnng. 
T.  March459.  Forth  comth  the  preost,  with  stoole  about  his  necke. 
T.Lawe2l8.  To  schippe  is  broaght  this  wofnl  faire  mayde 
Solempnely,  with  every  circumstance. 

Ebenso  T.  Squyer  1, 170—71,  260,  Adriane  259  u.  öfter. 
ß)   das  rührende,  mitleiderregende,  ergreifende. 

T.  Lawe821.   Hire  childe  crieth  and  sehe  pytonsly. 

T.  Cl.  V,  113.  The  folk  hir  folwen  wepyng  in  hir  weye. 

Ebenso  und  ähnlich  T.  Lawe  872, 1055—56:  T.  Clerk  V,  110; 
T.  Frank  610-13;  T.  Monk  373,  421;  Lucrecia  153,  155-56 
und  öfter. 

Bisweilen  erfolgt  nur  die  besondere  betonung  der  art  und 
weise  durch  das  adverb  (how),  während  das  rührende  in  den 
verbalbegriffen  selbst  liegt 
Tesbe  167-73.       Who  koude  write  .  .  .    (164) 

And  how  she  Iyth  and  swowneth  on  the  grounde? 

And  how  she  wepe  of  teres  fuk  his  wounde? 

How  medeleth  she  his  blood  with  hir  compleynte? 

How  with  his  blood  hir  selven  gan  she  peynte? 

How  clippeth  she  the  dede  corps?  alias! 

How  dooth  this  woful  Tesbe  in  this  cas? 

How  kysseth  she  his  frosty  monthe  so  colde? 

und  ähnlich  öfter. 

y)  kurz  das  aussergewöhnliehe  bezw.  spezifisch  eigentüm- 
liche einer  einzelnen  handlung;  dies  geschieht 

aa)   durch  adverbien,  und  zwar 

ad)   durch  selbständige  adverbien. 

T.Miller  248.  This  knave  goth  him  up  ful  sturdily  .  .  . 
T.Reevel42.  And  to  the  hors  he  goth  him  faire  and  wel. 
T.  Lawe  632.  Unto  the  kynges  moder  he  goth  ful  swithe. 
And  salueth  hire  fair  in  his  langage. 


556  GRAEF, 

Ebenso  T.Miller  224,  460;  T.  Reeve  137;  T.Clerk  VI,  84;  T. 
March  696;  T.  Sire  Thopas  119;  Lucrecia  79—80;  Ypermystrc 
118  und  so  sehr  oft. 

ßß)  durch  adverbien,  welche  auf  eine  folgende  oder  voran- 
gehende ausführlichere  Schilderung  hinweisend,  diese  in  be- 
ziehung  zu  der  handlung  setzen,  auf  welche  sie  sich  beziehen. 

Troil.  V,  859.  Fro  that  demaunde  he  so  descendeth  doun 

To  axen  hire. 
ib.  V,  1524.      And  so  descendeth  doun  from  gestes  olde 

To  Diomede,  .  .  . 

Ebenso  Philomene  59;  (Ch.  Dream  1589)  u.  öfter. 

Hierher  sind  auch  die  zahlreichen  durch  thus  eingeleiteten 
praes.  bist,  zu  zählen,  welche  sub  l,b  von  einem  anderen  gc- 
sichtspunkte  aus  betrachtet  sind. 

Unmittelbar  hieran  schliesst  sich  der  gebrauch  des  praes. 
bist,  im  Vordersatz  des  consecutiven  Satzgefüges.   S.  unten  6,  b. 

bh)   durch  sonstige  schildernde  zusätze. 

T.Miller  464.  Withouten  wordes  mo  thcy  goon  to  bedde. 

ib.  553.  And  Absolon  goth  forth  a  sory  paas. 

T.  Clerk  II,  106. 

He  by  the  hond  than  takith  this  olde  man,  .  .  . 
Ebenso  T.Lawe  311;  T.Somp.462;  T.  Frank  765;  (Flower  and 
Leaf  419—20);  Cleopatra  121;  Tesbe  97  u.  so  oft. 

Besonders  deutlich  zeigt  sich  der  einfluss  der  besonderen 
betonung  der  art  und  weise  auf  die  setzung  des  praes.  bist,  da 
wo  dasselbe  mit  einem  adverb  der  art  und  weise  unmittelbar 
neben  dem  praeteritum  steht. 

T.  Miller  454.  This  carpenter  seyd  Ins  devocioun, 

And  stille  he  sitt,  .  .  . 
T.Lawe  961.  He  wept  and  him  excuseth  pitously. 
Pr.Bathes03.  And  ner  he  cam,  and  knelith  faire  adoun. 
Ypsiph.  1S2.    He  loketh  pitousely,  but  noght  he  saydc.   u.  öfter. 

3.  Das  praes.  bist,  steht  gern  bei  handlungen  und  zu- 
ständen längerer  dauer. 

a)  Der  verbalbegrilf  seihst  schliesst  den  l>egriff  einer 
längeren  daner  in  sieh.    So  besonders  to  nayte. 

T.  Clerk  IV,  «9. 

He  wayteth,  if  by  word  or  countenaunce  .  .  . 

Ebenso  T. March  852;  T.Squyer  1,79-80;  T.Frank  563;  T.Prio- 
resse  134  u.  öfter. 

to  dtreile:  T.Frank  85. 

And  dwelleth  there  two  yeer. 


PRÄS.  TEMPORA  BKI  CHAÜCER.  567 

to  sojourne:  Troilus  V,  213  u.  öfter. 

And  in  this  wyse  he  neigh  til  day  sojourneth. 

to  lyve:  T.  Clerk  VI,  190  u.  öfter. 

Ful  many  a  yer  in  heigh  prosperite1 

Ly  ven  these  two  in  concord  and  in  rest.  u.  andere. 

ß)  Der  begriff  der  daner  wird  durch  eine  Zeitbestimmung 
hervorgerufen. 
T.  Prior.  183.  Upon  bis  beere  ay  litb  this  innocent  .  .  . 
T.  Monk  189.  .  .  .  and  ever  he  is  afere 

To  doon  amys  or  more  to  trespace. 
Ebenso  T.  Reeve  279,  302;  T.  Clerk  VI,  81;  T.  March  507;  T. 
Frank  561;  T.  Monk  357;  Troilus  IV,  670.  V,  771—72, 1444—45 
und  öfter. 

Anmerkung.    In  folgendem  beispiele  kann  man  die  Ursache  des 
praes.  hist.  deutlich  beobachten: 
T.  Lawe  768.  And  ever  sehe  prayeth  hir  child  to  hold  his  pees, 
And  took  hir  leve,  and  with  an  holy  entente 
Sehe  blesseth  hire,  and  to  the  schip  sehe  wente. 
Das  praet.  trägt  die  schlichte  handlung,  während  da,  wo  zusätze  der  dauer 
oder  der  art  und  weise  hinzukommen,  sofort  das  praes.  hist.  erscheint. 

4.  Hierher  gehören  auch  die  fälle,  wo  das  praes.  hist  in 
der  indirekten  rede  steht,  indem  die  worte,  gedanken  oder 
absichten  der  handelnden  personen,  oder  besonders  wichtige 
stellen  aus  Schriftstücken,  briefen  u.  s.  w.  dem  Verfasser  so  leb- 
haft vorschweben,  dass  er  sie  gleichsam  zu  hören  glaubt  und 
sie  desshalb  in  das  praesens  setzt 

a)  So  beginnt  er  die  indirekte  rede  oft  mit  dem  praete- 
ritum  und  verfällt  mit  dem  wachsenden  interesse,  das  der 
inhalt  der  darstellung  erweckt,  in  das  praesens. 

T.  Knight  1661. 

Som  sayde  he  lokede  grym  and  wolde  fyghte; 

He  hath  a  sparth  of  twenti  pound  of  wighte. 
ib.  1847.  Men  seyde  eek,  that  Arcita  shoulde  nought  dye, 

He  schal  be  helyd  of  his  maladye 
S.  T.  2705.  £.  H.  G.  Corpus  und  L.  zeigen  auch  das  erste  mal  schal,  nur 
P.  stützt  shu/d. 
T.  Miller  105.  And  swor  hir  oth  by  seynt  Thomas  of  Kent, 

That  sehe  wolde  be  at  his  commaundement, 

Whan  that  sehe  may  hir  leysir  wel  aspye. 
T.  Lawe  140—43.  They  ben  acordid,  . . .  that . . .  alle  his  lieges  schuld 

i-crystned  be, 

And  he  schal  have  Constance  in  mariage. 
Troil.  V,  859.  Fro  that  demaunde  he  so  descendeth  doun 

To  axen  hire,  if  that  hire  straunge  thoughte 


558  GRAEF, 

The  Grekis  gyse,  and  werkes  that  they  wroughte? 
And  whi  hire  fader  tarieth  so  longe 
To  wedden  hire  unto  som  worthy  wighte? 
Ehenso  T.  Lawe  246—49,  652—58;  T.  March  385—86;  Troilus 
V,  771—  75,  1430—31;  Ypsiphile  50—52  n.  öfter. 

b)    Die  indirekte  rede  beginnt  gleich  mit  dem  praes.  hist 
T.  Lawe  988.  Som  men  wolde  seye,  that  hir  child  Maurice 

Doth  his  me8aage  unto  the  emperour  .  .  . 
T.  March  839.  For  whan  he  wist  it  may  noon  other  be 
Troilus  I,  90.  And  sayden  that  he  and  alle  his  kyn  atoones 

Ben  worthy  for  to  brennen  alle  fei  and  bones. 

Ebenso  T.  Lawe  314—15;  T.Clerk  IV,  135  —  36;  T.  March 
971—72;  Troilus  I,  83.  III,  1678—79.  IV,  117—19;  Ypsiphile 
201—2  u.  öfter. 

Die  lebhaftigkeit  dieser  darstellungsweise  wird  bisweilen 
so  gross,  dass  der  Verfasser  ohne  jede  vermittlang  in  direkte 
rede  fällt.    So: 

Dido  305.        This  Dido  hath  suspecion  of  this, 

And  thoughte  wel  that  hit  was  al  amys; 
For  in  his  bedde  he  lythe  a  nyght  and  siketh, 
She  asketh  him  anoon  what  him  mysliketh; 
(My  dere  herte  which  that  I  love  mooste?' 

Ypsiphile  159—75  stellt  alle  drei  Stadien  dar.  Die  rede 
des  Ercules  wird  in  indirekter  rede  angeführt  und  so  steht 
anfangs  das  praeteritum.  160—164  fällt  jedoch  der  Verfasser 
schon  in  das  praes.  hist  —  Das  praeteritum  tritt  dann  wider 
ein,  um  171 — 175  jedoch  plötzlich  in  direkte  rede  überzu- 
gehen, die  freilich  von  den  herausgebern  nicht  als  solche  an- 
gezeigt ist  [weder  von  Morris  V,  s.  324,  noch  von  Gilmans  Ell, 

S.  138|536_4oJ. 

Anmerkung.    Hier  schliessen  sich  einige  stellen  an,  wo  es  sich 
allerdings  nicht  um  indirekte  rede  handelt,  die  aber  insofern  mit  den  hier 
behandelnden  fällen  übereinstimmen,  als  eine  im  praet.  stehende,  einen 
fortsehritt  bezeichnende  handlang  [dort  tat/ de  —  hier  eine  beliebige 
handhing]  nach  ihrem  inhalt  näher  erläutert  und  ausgeführt  wird  —  aus- 
flihrungen,  die  im  praes.  bist,  geschehen. 
T.Frank  169.  And  schopen  for  to  pleyen  somwhere  elles. 
(sc.)      They  leden  hire  by  ryveres  and  by  weites, 
And  eek  in  other  places  delitables; 
They  daunce  and  playe  at  chesse  and  at  table«. 
Ypsiphile  197—200. 

A  letter  sente  she  to  hym  certeyn, 

And  him  repreveth  of  his  grete  untronthe, 

And  prayeth  him  on  hir  to  bave  tome  routhe. 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  559 

Cleopatra  10—12. 

So  fil  yt,  as  Fortune  hym  oght  a  shame 
Rebel  unto  the  tonne  of  Rorae  ys  hee. 

Duchesse  r>6.   So  it  befil,  therafter  sone, 

This  king  wol  wenden  over  se. 
Und  an  anderen  stellen,  doch  nicht  häufig. 

c)   Einen  noch  höheren  grad  von  lebhaftigkeit  erreicht  der 

Schriftsteller,  wenn  die  indirekte  rede,  welche  im  praes.  bist. 

steht,  gar  nicht  durch  ein  verbum  dicendi  eingeleitet  ist.  [Das 

praes.  bist,  erweckt  hier  anwillkürlich  die  Vorstellung  direkter 

rede.]    Diese  ausdrucksweise  ermöglicht  bei  aller  deutlichkeit 

eine  kürze,  welche  die  lebendigkeit  und  frische  der  darstellung 

bedeutend  erhöht. 
T. March371.  Nedith  no  more  for  him  to  gon  ne  ryde. 
ib.  382.  Suffisith  him  bis  youthe  and  hir  beaute. 

T.  Pard.  248.  Deth  schal  be  deed,  if  that  they  may  him  heute. 
Troilus  IV,  647. 

That  al  this  world  ne  inyghte  hire  love  unbynde, 

Ne  Troilus  out  of  hire  herte  caste; 

She  wol  ben  bis  whil  that  hire  lif  may  laste. 

Dieses  beispiel  ist  sehr  deutlich.  Nachdem  der  Schriftsteller 
bis  v.  648  die  empfindung  der  Criseyde  objektiv  geschildert 
hat,  glaubt  man  sie,  v.  649,  plötzlich  selbst  reden  zu  hören. 
Ebenso  T.  Frank  710—11;  Troilus  V,  186—87,  1112—13;  Cleo- 
patra 50—51,  92  u.  öfter. 

Die  frage,  ob  direkte  oder  indirekte  rede,  ist  im  folgenden 

beispiel  gar  nicht  zu  entscheiden. 
Troilus  II,  1583  (wir  citieren  die  ganze,  stelle): 

After  compleynt  hym  gönnen  they  to  preyse, 
As  folk  don  yet  when  som  wight  hath  bygonne 
To  preyse  a  man,  and  up  with  prys  him  rayse 
A  thousande  fold  yet  heighere  than  the  sonne; 
He  is,  he  kan,  that  fewe  lordes  könne, 
And  Pandarus,  of  that  thei  wold  afferme, 
He  naught  forgat  hire  preysynge  to  conferme. 

5.  Das  praes.  bist,  steht  oft,  um  die  Wichtigkeit  gewisser 
neben  umstände  für  den  späteren  verlauf  der  handlung  anzu- 
deuten. [Wenn  dieselben  im  praet.  stehen,  so  werden  sie  meist 
durch  now  eingeleitet  (vgl.  das  deutsche  nun,  nun  aber).  Troilus 

I,  113:  Aow  was  this  Ector  pitous  of  nature  u.  so  oft.] 
T.Reeve236.  The  cradil  at  hire  beddes  feet  is  set, 

To  rokken,  and  to  yive  the  child  to  souke. 
T.  Lawe934.  This  Alla  hath  the  face  in  remembraunce 

Of  dame  Custaunce,  and  thereon  mused  he  .  .  . 


560  GRAEF, 

T.  Schipin.  62.  This  nobil  monk  of  which  I  yow  devyse, 

Hath  of  bis  abbot,  as  hiui  list,  licence,  .  .  . 
Philoni.  132.     But  letteres  kan  she  weve  to  and  froo  .  .  . 

Meist  finden  derartige  nebenumstände  ihre  stelle  im  relativsatz, 

und  zwar  kann  der  letztere  schildernd,  determinierend,  bezw. 

näher  bezeichnend,  näher  erklärend  oder  beschränkend  sein. 

a)  Schildernd. 

T.  Kn.  2022.    Whan  it  was  day  he  brought  hem  to  the  halle, 
That  roreth  of  the  cry  and  of  the  soun. 

T.  Lawe  592—94.  Jhesus 

Made  Alla  wedde  ful  solempnely 

This  holy  mayde,  that  is  bright  and  schene. 

Ebenso  T.  Miller  471—72;  T.  Lawe  621;  T.  March  408,  713, 1084; 

T.  Squyer  I,  182;  Philoin.  7 — 8.    Auffällig  erscheint  das  praes. 

bist,  in  Farne  III,  111  (Gilmans  ib.): 

There  herd  1  pleyen  upon  an  harpe 

That  sowneth  bothe  wel  and  sharpe 

Orpheus  ful  craftely. 
Man  möchte  dabei  wol  an  ein  praes.  logicum  denken,  —  doch 
spricht  der  Zusammenhang  zu  deutlich  dafür,  dass  es  praes. 
bist,  sein  muss. 

b)  Determinierend,  bezw.  näher  bezeichnend. 

T.  Kn.  1039.    In  al  the  lond  ther  nas  no  craftys  man, 

That  geoinetry  or  arsmetrike  can. 
T.  Miller  572.  A  soofte  paas  went  he  over  the  strete 

Unto  a  sinyth,  men  clepith  dann  Gerveys,  .  .  . 
T.  Schipin.  95.  A  mayde  child  com  in  hir  compaignie, 

Wh  ich  as  hir  list  sehe  may  governe  and  gye. 

Ebenso  T.  Somp.  60;  Troilus  IV,  657.  V,  460;  Adriane  75,  257 
und  öfter. 

c)  Näher  erklärend. 

T.  Clerk  IV,  152. 

This  marquys  writen  hath  in  special 

A  letter,  in  which  he  schewith  his  entente. 

T.  March  752.  Right  of  hir  hond  a  letter  makede  sehe, 

In  which  sehe  granntith  him  hir  verray  grace.  u. öfter. 

d)  Beschränkend.  * 
T.Miller  232.  He  nolde  answere,  for  nought  that  may  bifidle. 
Lucrccia  125.  She  axoth  grace,  and  seyde  al  that  she  kan.   u.  öfter. 

Das  praes.  bist  im  relativsatze  macht  oft  den  eindruck, 
als  habe  der  erzähler  den  Standpunkt  der  erzählung  in  einer 
gewissen  nachlässigkeit  fallen  lassen  und  sei  in  seinem  eigenen 
fortgefahren.  Dazu  sind  besonders  die  beiden  folgenden  be- 
merkenswerten stellen  zu  vergleichen: 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  561 

T.  Frank  94—95.  Hire  frendes  .  .  . 

Conforted  hire  in  al  that  ever  they  mighte  or  may« 

Troil.  I,  473.    And  yet  was  he,  wher-so  men  went  or  riden, 
Fonnde  oon  the  best,  .  .  . 

Doch  ändert  das  wenig  an  der  tatsache;  denn  ob  mit  ab- 
siebt des  Verfassers  oder  nicht,  zweifellos  ist  es,  dass  die  leb- 
baftigkeit  der  darstellung  das  praesens  auch  in  diesen  fällen 
veranlasst  hat.  Oefters  wird  das  praes.  bist,  im  relativsatze 
durch  das  praes.  hist  des  regierenden  hauptsatzes  hervorge- 
rufen: so  T.  Squyer  1, 171;  T.  Frank  520,  526;  T.  Doct.  158—59; 
Troilus  I,  84.  V,  187;  Lucrecia  124  und  so  oft,  doch  im  allge- 
meinen scheint  die  consecutio  temporum  auf  Setzung  oder  nicht- 
setzung  des  praes.  hist.  so  gut  wie  keinen  einfluss  zu  haben, 
wie  aus  den  im  ganzen  abschnitt  angeführten  beispielen  zur 
genüge  hervorgeht.  — 

Entsprechend  dem  sub  2  und  3  angeführten  gebrauche  des 
praes.  hist.  steht  dasselbe  gern  in  folgenden  Satzarten. 

a)  in  vergleichungssätzen,  und  zwar  sowol  realer  wie 
irrealer  art  (vgl.  2,  a). 

a)  im  realen  vergleichungssatz:  und  zwar  steht  das 
praes.  hist. 

aa)   sowol  im  vorder-  wie  im  nachsatz. 

aa)   vergleich  der  gleichheii 
T.  Kn.  010.      By  helpyng  of  a  freend  brak  his  prisoun, 
And  fleeth  the  cite  fast  as  he  may  goo. 
T.  Cl.  II,  81.    And  cometh  hom  as  soone  as  ever  sehe  may. 

Ebenso  T.  Knight  617, 1857  (die  vergleichungspartikel  ist  aus- 
gelassen: as  he  wel  can,  vgl. Hertzberg  2717  'so  gut  er  kann'); 
Pr.  Somp.  33;  Troilus  V,  1100—1  u.  öfter. 

ßß)  vergleich  der  Ungleichheit 
T.  Cl.  VI,  50.  Für  she  is  fairer,  as  they  demen  alle, 

Than  is  Grislld,  and  more  tender  of  age.    u.  öfter. 

bb)   Nur  im  nachsatz. 
T.Lawe  1001.  As  ferforth  as  his  connyng  may  suffise. 
Lucrecia  75.    And  ay  the  more  he  was  in  dispaire, 
The  more  he  covetyth  .  .  . 

Ebenso  T.  Clerk  1, 124.  IV,  131;  T.  March  691  u.  öfter. 

cc)   Nur  im  Vordersatz. 
T,  March  769.  And  eek  to  January  he  goth  as  lowe 

As  ever  did  a  dogge  for  the  bowe. 
Ypsiph.  181.    Thise  Jason  is  as  coy  as  ys  a  mayde. 

Das  praesens  im  nachsatz  ist  praes.  log.  —  und  so  öfter. 

Anglift,  XII.  band.  30 


562  6RABF, 

ß)  im  irrealen  vergleich ungssatz.  —  Hier  kann  das  praes. 
bist  nur  im  Vordersätze  stehen,  während  der  vergleich  als  irreal 
gedacht  im  conj.  praet.  zn  stehen  pflegt. 

T.Reeve231.  He  yoxeth,  and  he  speketh  thurgh  the  nose 
As  he  were  on  the  qnakke  or  on  the  pose. 

T.  Prior.  142.   Sehe  goth,  as  sehe  were  half  out  of  hir  mynde, 
To  every  place. 

T.  N.Pr.  359.   He  lokith  as  it  were  a  grim  lioun. 

Ebenso  T.  Squyer  I,  174;  T.  Frank  810  u.  öfter. 

b)  im  consecutiven  satzgefttge.  Zwischen  a)  und  b)  stehen 
beispiele  wie  folgendes: 

T. March500.  Queen  Esther  lokede  never  with  such  an  ye 
On  Assuere,  so  meke  a  look  hath  sehe; 

a)  im  haupt-  oder  Vordersatz. 

T.  Kn.  2245.    And  Emely  him  loveth  so  tendirly, 

And  he  hir  serveth  al  so  gentilly,  That  .  .  . 

T.Miller  102.  This  parisch  clerk,  this  joly  Absolon 

Hath  in  his  herte  such  a  love  longyng,  That  .  .  . 

T.Lawe56l— 63.  This  Alla  kyng  hath  such  compassioun  .  .  That  .  . 

Ebenso  T.  Clerk  III,  3.  VI,  173;  T.  March  498,  799;  Troilns  IV, 
20,  342,  650;  Anelida  186;  Dido  83;  Philom.  120;  Ypermystre 
123,  124  u.  öfter. 

Im  unsicheren  Ch.  Dream  2021  u.  öfter. 

Der  hauptsatz  kann  auch  nachstehen: 

Phyllis  20.      Hyra  were  lever  than  al  the  worlde  a-londe, 

So  hunteth  hym  the  tempest  to  and  fro.   u.  so  öfter. 

ß)  im  nachsatz,  dem  eigentlichen  consecutivsatz.  Die 
handlung  desselben  erhält  durch  den  Vordersatz  einen  außer- 
gewöhnlichen accent. 

T. Cl.  11,216.  And  couthe  so  the  poeples  hert  embrace, 

That  eech  hir  loveth  that  lokith  in  hir  face. 

T.  Monk  430.  And  mete  and  drynk  he  hadde 

So  smal  that  wel  unnethe  it  may  sufifise 

Philomene  65  »66. 

He  caste  hys  firy  hert  lipon  hir  soo, 

That  he  wol  have  hir  how-soo  that  hyt  goo,  .  .  . 

Ebenso  T.  Reeve  100;  T.  March  448-51,  734—36;  T.  Squyer 
1,260—63;  Troilus  IV,  27—  28,315;  Anelida  120, 184;  Farne  m, 
590—92;  Lucrecia  137—39;  Adriane  18—20;  Ypermygtre  29 
u.  öfter. 

In  Dido  295  ist  der  consecutivsatz  zugleich  wider  Vorder- 
satz zu  einem  anderen  consecutivsatz,  und  so  ist  das  praes. 
bist  hier  doppelt  begründet 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  563 

Doune  come  the  rayne,  with  haile  and  sleet  so  faste, 
With  hevenes  fire,  that  ys  so  sore  agaste 
This  noble  quene,  and  also  hire  ineynee, 
That  .  .  . 

/)   Sowol  im  vorder-  wie  im  nachsatze. 

T.  Knight  117—10. 

The  reede  statue  of  Mars  with  spere  and  targe 
So  schyneth  in  his  white  baner  large, 
That  alle  the  feeldes  gliteren  up  and  doun. 

T.  Cl.  VI,  78.   With  so  glad  chier  his  gestes  sehe  receyveth, 
And  so  eonnyngly  everich  in  his  degre, 
That  no  defaute  no  man  aparceyveth,  .  .  . 

T.  March  771—73. 

He  is  so  plesaunt  unto  every  man, 

That  every  wight  is  fayn  to  speke  him  good. 

Ebenso  T.  Knight  419—20, 596—98, 635—36, 816—18, 1335—37, 
1627—28;  T.Miller  185—86,  200—201;  T.  Lawe  309—10;  T. 
March  346— 48;  631—32,849—51;  T.  Pardoner  10-11;  T.  Prio- 
resse 103 — 5  u.  öfter. 

In  umgekehrter  Stellung. 

T.  March  605.  The  slakke  skyn  about  his  nekke  schaketh, 

Whil  that  he  song,  so  chaunteth  he  and  craketh. 

Dido  266.         An  huntynge  w  o  1  this  lusty  fresshe  queene, 

So  p  r  i  k  e  t  h  hire  this  newe  joly  woo.    u.  öfter. 

c)   In  sätzen,  in  denen  die  Vorstellung  der  dauer  einer 

handlung  besonders  hervorgehoben  wird ;  vgl.  3.  s.  556. 

a)   Im  haupt-  bezw.  Vordersatz  zum  temporalsatz  mit  ///,  — 

der  dem  Vordersatz  des  consecutiven  Satzgefüges  sehr  nahe  steht. 
T.Reeve301.  And  forth  sehe  goth,  til  sehe  the  cradil  fand. 
T.Schipm.318.  In  mirth  al  night  a  bisy  lif  thay  lede 

Til  it  was  day. 
Dido  45.  So  longe  he  walke th  in  this  wildernesse, 

Til  at  the  last  .  .  . 

Ebenso  T.  Reeve  139;  T.  Lawe  1060;   T.  Clerk  II,  97—98;   T. 

Frank  78—79;  Phillis  26—28  u.  öfter. 

whan  steht  in  fast  gleicher  bedeutung  mit  til  in 
T.  Lawe  495.   He  wayteth  whan  the  constable  was  aweye,  . .  u. öfter 

ß)    Im   temporalsatz   mit  whil,  rvhiles,  jedoch  nur,  wenn 
derselbe  die  gleichzeitigkeit  zweier  handlungen  ausspricht;  im 
Lateinischen  ist  das  praes.  hist.  nach  dum  regel. 
aa)    mit  rrhiles. 
T.  Squ.  I,  69.   Whil  that  the  kyng  sit  thus  in  his  nobleye, 
T.  Monk  327.  Ne  never  might  her  fomen  doon  hem  fle 
Ay  while  that  Odenakes  day  es  laste. 

36* 


564  GRAEF, 

Kommt  das  praes.  bist,  nach  whiles  unter  anderen  als 
obigen  bedingungen  vor,  so  ist  es  ans  anderen  Ursachen  zu 
erklären  und  gehört  nicht  hierher. 

bb)    mit  as. 

T.Ueeve  194.  Thus  pleyneth  Johan,  as  he  goth  by  the  way. 

T.  Clerk  V,  113. 

The  folk  hir  folwen  wepyng  in  hir  weye, 
And  fortune  ay  thay  cursen  as  thay  goon. 

T.  Prioresse  56  u.  öfter. 

IL   In  der  reflexion. 

1.  Wenn  der  Verfasser  eine  reflexion  an  eine  Situation 
oder  an  ein  ereigniss  der  erzählung  anknüpfen  will,  so  tut  er 
dies  meist  im  praes.  bist,  um  dadurch,  dass  er  dem  gegen- 
stände der  reflexion  das  gepräge  des  unmittelbar  vorliegenden, 
gegenwärtigen  verleiht,  das  interesse  des  hörers  oder  lesers 
zu  erhöhen. 

T.  Kn.  599.     And  eek  therto  he  is  a  prisoner 

Perpetually,  nat  oonly  for  a  yeer! 
T.  Cl.  111,  9.     lle  .  .  .  fond  hir  ever  good,  what  needith  it 

Hire  to  tempte? 
Pr.Maunc. 89.  [What  needith  it?  he  drank  ynough  biforn.] 
Troil.IV,  174.  This  folk  desiren  now  delyveraunce 

()f  Anterior,  that  brought  hem  to  myschaunce. 
ib.  V,  1M2.       Swich  fin  hath,  lo!  this  Troilus  for  love! 

Swich  fyn  hath  al  his  grete  worthynesse! 

Swich  fyn  hath  his  estat  real  above! 

Swich  fyn  his  luste,  swich  fyn  hath  his  noblessc. 

Swich  fyn  hath  false  worldes  brotelnesse! 

Interessant  ist  hier,  dass  im  letzten  verse  das  praes.  log. 
ganz  unmittelbar  neben  dem  praes.  bist,  steht. 

Ebenso  steht  das  praes.  bist.:  T.  Miller  199;  T.  Lawe  401; 
T.Frank  108;  Troilus  V,  449, 1565;  Dido  400;  Lucrecia  118—25 
und  so  sehr  oft. 

Solche  reflexionen  erhalten  oft  einen  sehr  lebhaften  Cha- 
rakter dadurch,  dass  der  dichter  die  personen  der  erzählung 
anredet.    Auch  hier  steht  das  praes.  bist,  mit  Vorliebe. 

T.  Prior.  122.  0  cursed  folk!    0  Hcrodes  al  newe! 

What  may  your  evyl  entente  you  availeV 
Adriane  07.     Wel  in  ay  stow  wepe,  O  woful  Thesciis, 

That  art  a  kynges  sone,  and  dainpned  thus! 

Ebenso  T.  Prioresse  12t)  u.  öfter. 

2.  Hierher  sind  auch  die  (Übrigens  nicht  gerade  zahlreichen) 
■teilen  zu  zählen,  in  denen  das  praes«  bist  den  inhalt  einer  fol- 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCBR.  565 

genden  episode  im  voraus  kurz  angibt  und  so  gewissermassen 

die  funktion  einer  Überschrift  ttbernimmt 
T.  Lawe  368.  0  many  a  sory  mele  may  sehe  bayte, 
After  hir  deth  ful  ofte  may  sehe  wayte, 
Or  that  the  wilde  wawe  wol  hir  dry  ve 
Unto  the  place  theras  sehe  schal  arryve.    u.  öfter. 

Bemerkungen.  1.  Während  es  sehr  erklärlich  ist,  dass  in  den 
fällen  sub  A  sich  hauptsächlich  verba  derbewegung  im  praes. hist. 
finden,  so  ist  es  andrerseits  doch  bemerkenswert,  dass  in  den  fällen  sab  B 
ein  auffällig  häufiges  vorkommen  der  hilfsverba  besonders  von  may  and 
can  za  beobachten  ist. 

2.  Wie  sehr  sich  das  praes.  hist.  in  der  spräche  Chaucer's  schon  be- 
festigt hatte,  zeigen  die  zahlreichen  stellen,  in  denen  es  ohne  weiteres 
neben  dem  praes.  log.  vorkommt.  Eine  Verwechslung  der  durch  die  beiden 
tempora  bezeichneten,  verschiedenen  zeitsphären  war  also  schon  völlig 
ausgeschlossen.  Hier  ist  jedoch  zu  erwähnen,  dass  sich  bei  Chaucer  das 
praesens  hin  und  wider  in  präteritaler  darstellung  findet,  ohne  ein  praes. 
hist  zu  sein.  Es  ist  dann  ein  Wechsel  des  Standpunktes  anzunehmen, 
der  teils  aus  einer  gewissen  lebhaftigkeit,  teils  aber  auch  aus  einer  un- 
verkennbaren nachlässigkeit  zu  erklären  ist. 

Astrolabe  II,  §  1,  8.  Tho  leide  I  my  rewle  ouer  this  forseide  day  & 
fond  the  point  of  my  rewle  in  the  bordare  vp-on  the  firste  degree 
of  aries;  ...  &  thus  knowe  I  this  conclusionn  .  .  . 

ib.  II,  §  40,  12.    &  thanne  set  I  the  point  of  F  vpward (15)  & 

thus  hauy  2  degrees  by-twixe  my  to  prikkes;  than  leide  I  down 
softely  my  compas  .  .  . 
ib.  II,  §  40,  37.    &  thanne  set  I  the  point  of  F  downward  in  the  same 
signe  .  .  .    (39)  &  thus  hauy  3  degrees  by-twixe  bothe  prikkes; 
thanne  sette  I  the  degree  .  .  ., 
[dass  set  in  beiden  fällen  praeteritum  ist,  ist  nach  dem  vorangehenden 
(36)  tho  tok  I  und  nach  dem  folgenden  (41)  tho  tok  Imy  Label  f  leide 
it  fix  .  .  .  anzunehmen]. 

Boethius  I,  192—94.    pei  .  .  .  to  drowen  me  criynge, and 

tornen  and  to  renten  my  clo|?es  [G.  zeigt  jedoch  koruen  statt 
tornen]. 
ib.  I,  150.    derknesses  forleften  me,  and  to   myn  eyen  repeyre 
ageyne  her  firste  strenke)*  [C.  zeigt  jedoch  repeyrede]. 

3.  Um  einen  ungefähren  Überblick  über  die  ausdehnnng  des  praes. 
hist.  bei  Chaucer  zu  ermöglichen,  geben  wir  eine  statistische  Zusammen- 
stellung der  erzählenden  tempora  in  der  Knightes  und  der  Clerk  of  Oxen- 
fordes  Tale,  deren  stil  für  Chaucer  wol  als  mastergütig  bezeichnet  werden 
darf.  Hierbei  sind  sämmtliche  tempora  der  direkten  rede,  sämmtliche  rein 
persönlichen  beraerkungen  des  dichtere  (as  I  you  tolde  first,  of  tvhich  I 
firsl  bigan  u.  dgl.),  sowie  sämmtliche  stellen,  wo  die  verbalform  sowol 
praesens  wie  praeteritum  sein  kann  (wepen  bothe  yong  and  olde  u.  dgl.) 
ausgeschlossen  worden.  In  der  Knightes  Tale  sind  von  1021  temporibus 
der  erzähhing  970  solche  der  werdenden,  51  der  vollendeten  handlang. 


566  GRAEF, 

Von  diesen  970  entfallen  727  —  mithin  ca.  75  °/0  —  auf  das  praeteritum, 
213  —  mithin  ca.  22  %  —  auf  das  praes.  hist.  und  30  —  mithin  ca.  3%  — 
auf  das  perf.  hist.  I  (vgl.  Perfectum). 

Etwas  ungünstiger  für  das  praes.  hist.  stellt  sich  das  verhältniss  in 
der  Clerk  of  Oxenfordes  Tale,  wo  von  491  temporibus  der  fortschreitenden 
handlung  389  —  mithin  ca.  77  %  —  auf  das  praet.,  83  —  mithin  ca.  17  °/0  — 
auf  das  praes.  hist.  und  19  —  mithin  ca.  4%  — -  auf  das  perf.  hist  I  ent- 
fallen. —  In  summa  findet  sich  das  praes.  hist.  in  den  Canterbury  Tales 
ca.  1150  mal.  —  Im  afr.  Rolandsliede  findet  es  sich  nach  Bockhoff  s.  15 
1500  mal.  Dabei  ist  jedoch  zu  beachten,  dass  einerseits  die  Tale  of  Me- 
libeus  und  die  Persones  Tale  bei  obiger  aufstellung  nicht  mit  in  betracht 
kommen,  andrerseits  auch  die  zahlreichen  prologe  ihrer  natur  nach  nur 
sehr  wenig  erzählende  tempora  enthalten ,  so  dass  diese  zahl  an  sich 
geringer  erscheint,  als  sie  tatsächlich  im  vergleich  zu  den  übrigen  erzäh- 
lenden temporibus  sich  stellt. 

Besonders  stark  vertreten  ist  das  erzählende  praesens  in  folgenden 
Tales:  T.  Knight,  T.Miller,  T.  Reeve,  T.  Lawe,  T.Clerk,  T.  March,  T. 
Squyer  —  etwas  weniger  stark,  aber  immer  noch  in  stattlicher  anzahl,  in 
T.  Frank,  T.  Schipman  und  in  Sire  Topas.  Auffallend  spärlich  zeigt  es 
sich  in  der  T.  Somp.  (9  mal),  T.  See.  Nonne  (2  mal),  T.  Doctour  (7  mal) 
und  der  T.  Maunciple  (nur  ein  einziges  mal :  vers  52). 

Ausserdem  ist  zu  bemerken,  dass  die  Legende  of  9  Goode  Wymmen 
und  die  Caunterbury  Tales  sich  vor  allen  übrigen  werken  Chaucer's  durch 
eine  besonders  ausgiebige  Verwendung  des  historischen  praesens  aus- 
zeichnen. — 

§2.    Das  praesens  für  das  futurum. 

Grimm  IV,  139  u.  176  ff.  —  Heyse  II,  6,  757.  —  Koch  §  42  u.  46. 

Mätzner  II,  75:  'Bei  dem  mangel  einer  besonderen  form 
für  das  futurum  haben  die  älteren  germanischen  mundarten 
grossenteils  die  von  dem  Standpunkt  des  redenden  aus  zu- 
künftigen tätigkeiten  durch  das  praesens ausgedrückt' 

Dieser  gebrauch  findet  sich  auch  bei  Chaucer,  aber  nur 
unter  der  bedingung,  dass  der  futurische  sinn  dieser  praesentia 
durch  den  Zusammenhang  zweifellos  klarliegt  Man  könnte 
dieses  verhältniss  vielleicht  auch  so  auffassen,  dass  der  begriff 
des  zukünftigen  nicht  im  tempus,  sondern  auf  andere  weise 
(meist  durch  adverbiale  Zeitbestimmungen)  ausgedrückt  wird. 
Es  ist  hierbei  jedoch  zu  bemerken,  dass  in  einzelnen  fällen, 
wo  die  abstrakte,  streng  logische  denkart  futurische  ausdrucks- 
weise vorziehen  würde,  es  gar  nicht  in  der  absieht  des  reden* 
den  liegt,  das  zukünftige  der  handlung  zu  betonen,  sondern 
wo  er  im  gegenteil  durch  das  bestreben,  einen  anderen  be- 
griff (als  den  des  zukünftigen)  in  den  Vordergrund  zu  stellen, 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  567 

absichtlich  das  futurum  vermeidet  —  Das  futurum  würde 
dann  dem  gedanken  des  redenden  eine  ganz  falsche  färbung 
geben. 

I.  Das  praesens  steht  also  in  solchen  fällen  nicht  statt 
des  futurs,  sondern  in  eigener  funktion.    Solche  fälle  sind: 

1.  Das  praesens  hat  präsentische  bedeutung,  schliesst  aber 
darum  die  zukunft  von  der  zeitsphäre  der  handlung  nicht  aus, 
sondern  in  der  anschauung  des  redenden  bilden  gegenwart  und 
zukunft  in  bezug  auf  Verwirklichung  der  betreffenden  handlung 
eine  zeitsphäre. 

T.  Knight  310.     For  wel  thou  wost 

That  thou  and  I  been  dampned  to  prisoun 
Perpetually,  us  gayneth  no  raunsoun. 

ib.  2168.  ...  the  harde  stoon 

Under  oure  foot,  on  wbich  we  tredo  and  goon, 
Yith  wastetb  it,  as  it  lith  by  the  weye. 

T. Reeve318.  But  evermo  .  .  . 

I  am  tbin  owen  clerk. 

T. Bathe  378.  I  do  no  fors  the  whether  of  the  tuo, 
For  as  yow  likith,  it  suffisith  me. 

Troilus  111,881. 

I  am,  til  God  me  bettere  mynde  sende, 

At  dulcarnon,  right  at  my  wittes  ende    u.  s.  w. 

2.  Das  praes.  steht  in  der  absieht,  das  zukünftige  ereigniss 
aus  der  entfernteren  zeitsphäre  in  die  unmittelbare  gegenwart 
zu  verlegen,  um  so  die  unbedingte  Sicherheit  anzuzeigen,  mit 
welcher  nacli  Überzeugung  des  redenden  das  betreffende  ereig- 
niss eintritt,  —  bezw.  ausbleibt. 

T.  Kn.  264.      I  nam  but  deed,  ther  nys  no  more  to  seye. 

T.Miller  422.  Help  us  to  skape,  or  we  be  ded  echon. 
T.  Miller  110,  416  und  so  sehr  häufig. 

Anmerkung.  Vergleiche  hierzu  den  gleichen  gebrauch  im  Afr., 
BockhoÖ*  s.  11:  mort  sunt  Rol.  577;  morz  estes  ib.  3513;  morz  ies  ib.  3955, 
während  doch  das  Afr.  gerade  in  bezug  auf  die  Verwendung  des  futurs 
ausserordentlich  genau  verfahrt. 

3.  Die  präsentische  anschauung  geht  gleichberechtigt  neben 
der  futurischen  her,  indem  diese  den  ton  mehr  auf  die  zeit- 
sphäre, jene  mehr  auf  das  geschehen  an  sich  legt. 

T.  Kn.  710.      Ye  ben  the  cause  wherfore  that  I  dye.    (dass.  ib.  88.) 
T.  Miller  91.    I  wis,  but  if  I  have  my  wille 

For  derne  love  of  the,  lomman,  I  spüle. 
ib.  317.  To  no  wight  thou  schalt  this  counsel  wreye 

For  it  is  Cristes  counsel  that  I  seye  .  .  .' 
T.Reevel79.  They  get  hym  nat  so  lightly,  by  my  croun! 


568  GRAEF, 

T.  Schipm.  328.    And  forth  he  rideth  hom  to  this  abbay, 

Or  wher  him  list,  nor  more  of  him  I  say. 
Pr.  Persone  31.  Thow  getist  fable  noon  1-told  for  me. 
Hierher  gehören  die  meisten  fälle  sab  relativsatz,  vgl  II,  2,  c 
4.  Der  verbalbegriff  drückt  an  sich  etwas  werdendes  nnd 
damit  in  die  Zukunft  hineinragendes  ans,  so  dass  das  praes. 
in  bezng  auf  den  Standpunkt  des  redenden  schon  von  vorn- 
herein etwas  zukünftiges  einschliesst. 

So  rvaxen: 
T.  Knight  2166.    The  brode  ryver  som  tyme  wexeth  drye. 

(som  tyme  =  einst). 

So  come: 

T.  Kn.  780—85.    Right  as  the  honter  in  the  regne  of  Trace, 

That  stondeth  in  the  gappe  with  a  spere 
And  thenketh:  Here  cometh  my  mortel  enemy. 

T.  Miller  537.       For  after  this  I  hope  ther  cometh  more    u.  s.  w. 

II.  Da,  wo  man  schliesslich  das  praes.  zur  bezeichnnng 
einer  zukünftigen  handlung  findet,  kann  man  nicht  sagen,  dass 
das  praes.  statt  des  futurums  stehe,  —  sondern  der  begriff  des 
zukünftigen  ist  hier  nicht  im  tempus,  sondern  anderweitig  aas- 
gedrückt und  zwar 
1.    Im  hauptsatz. 

a)  Durch  eine  adverbiale  Zeitbestimmung. 

T.  Persone  274,  12.    Wher  ben  thanne  the  gaye  robes,  and  die  softe 

scheetis,  and  the  smale  schirtes? 
ib.  302,  13.    this  day  thay  prayse,  to  morwe  thay  blame. 
Troilus  V,  1122.  For  ought  I  woot,  byfor  noon  sykerly, 

Into  this  town  ne  cometh  not  here  Criseyde. 
Farne  I,  353.        Eke,  though  I  myghte  duro  ever, 

That  I  have  do,  rekever  I  never    n.  so  oft. 

b)  Oft  erhält  der  nebensatz  die  bedeutung  einer  futur. 

Zeitbestimmung. 

d)   Temporalsätze. 
T.  Knight  1399.    Thanne  rckke  I  nat,  whan  I  have  lost  my  lyf, 

Though  that  Arcite  have  hir  to  his  wyf. 
M.  189,  6—8.    and  thanne,  whan  I  knowo  here  wille  and  here  enteit, 

I  may  counseile  yow  the  more  seurly. 
Troilus  111,881.  1  am,  til  God  me  bettcre  mynde  sende; 

At  dulcarnon    u.  s.  w. 

ß)   Bedingungssätze. 
Troilus  I,  636.      If  thow  do  so.  thi  witte  is  wele  bywared 
ib.  I,  694.  Wo  hym  that  is  allone, 

For,  and  he  falle,  he  hath  non  helpe  him  to  ryse. 
ib.  I,  715.  If  God  wil  thow  art  nought  agast  of  me,    n.  8.  w. 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  569 

Ebenso  ein  versteckter  bedingungssatz: 

Troilus  I,  953—55. 

Now  looke  that  atempree  be  thi  brydel, 

Or  elles  alle  oure  labour  is  on  ydel.    u.  öfter. 

Anmerkung.  Das  praesens  kann  überhaupt  nicht  nur  da  stehen, 
wo  die  streng  logische  anschauungsweise  das  futur  erwartet,  sondern  auch 
da,  wo  sonst  modale  hilfsverben  mit  dem  infinitiv  des  betreffenden  be- 
griffsverbs  demselben  gedanken  eine  feinere  und  schärfere  nüancierung 
geben,  auf  welche  es  dem  redenden  jedoch,  wenn  er  nur  das  praesens 
des  begriffsverbs  setzt,  weniger  ankommt. 

So  1.  Müssen. 

a)  müssen  =  nicht  anders  können  (prämissen  und  schluss 

sind  nicht  als  solche  ausgesprochen). 
Boece  I,  227.   we  scorne  swiche  rauiners  and  honters  of  foulest  pinges. 

=  wir  müssen  sie  verachten, 
ib.  976.    \>er  nis  nat  whi  f>ou  sholdest  wene  \>i  seif  a  wreche  .  for  Ringes 
)?at  now  semen  soory  passen  also.    u.  so  oft. 

b)  müssen  =  notwendiger  schluss. 

Astrolabe  II,  §  38,  18.  &  yif  thow  drawe  a  cros-lyne  ouer-thwart  the 
compas  Justly  over  the  lyne  Meridional,  than  hastow  est  and  west. 

ib.  II,  §  25,  25.  &  thanne  hastow  the  heighte  of  the  heuedes  of  aries 
&  libra. 

Ebenso  ib.  IL  §  29,  18 ;  §  37,  1  und  sehr  oft. 

Aus  der  Vorstellung,  dass  diese  folgen  notwendig  eintreten, 
geht  die  Vorstellung  hervor,  dass  sie  zweifellos  sicher  ein- 
treten, und  um  diese  unbedingte  Sicherheit  auszudrücken,  steht 
das  praesens. 

c)  müssen  =  notwendige  prämisse  zu  einem  gegebenen 
schluss,  —  z.  b.  notwendige  handlung  zur  erreichung  einer  ab- 
sieht, zur  erfüllung  einer  bedingung  —  oft  eine  versteckte  auf- 

forderung. 
Astrolabe  II,  §  42,  10.  &  aftyrward,  whan  J>ou  seest  hym  (sc.  ]>e  tour) 
at  2,  J>er  pou  settest  an-o|>er  prikke,  J>an  )>ou  fyndest  between 
too  prikkys  60  fett;  )?an  J>ou  schalt  fynde  ^at  10  is  |>e  6-party  of  60. 
And  }?en  is  10  fete  )?e  altitude  of  J>e  tour.  =  und  dann,  wenn  du 
ihn  bei  2  siehst,  wo  du  wider  ein  zeichen  setzen  musst,  findest 
du  zwischen  2  (den  beiden)  zeichen  60  fuss.    u.  so  öfter. 

2.    Sollen. 

a)  Sollen  =  imperativ.  Umschreibung.  Hier  ist  nur  eine 
stelle  zu  belegen  und  selbst  diese  ist  unsicher.  Sie  ist  aber 
gerade  desshalb  um  so  interessanter,  als  sie  zeigt,  dass  das 
praesens  zum  ausdruck  dieser  nüance  schon  von  Chaucer  nicht 
mehr  als  geeignet  empfunden  wurde. 


570  GRAKF, 

Harl.  ed.  Morris:  T.  Persone  282,  21.    And  therfore  seyde  the  aungel  to 
Joseph,  thow  (schalt)  clepe  his  name  Jhesus. 

Ebenso  S.  T.:  E.  286,  H  und  C.    Aber  Corpus  in  Übereinstimmung 

mit  P  und  L  zeigt: 

286    \>ovl  clepest  his  name  ihesus. 

b)   Sollen  =  futurische  Umschreibung  in  allen  möglichen 
nüancen. 

a)   in  der  prophezeiung. 
T.  Persone  273,11.    Agayns  honours  han  they  in  helle  schäme  and 

confusioun. 
Vgl.  dazu  ib.  273,  27.    Agayns  riches  of  this  world  schuln  thay  han 
mysese  of  povert.    u.  so  öfter. 
ß)   in  der  drohung. 
T.  Pard.  290.  Thou  partist  nought  so  lightly,  by  seint  Johan.   u. öfter. 

/)   im  versprechen. 
Troilus  II,  1531.  Thow  shalt  the  bettere  pleyne, 

And  hast  the  lasse  nede    u.  öfter. 

6)   in  der  Versicherung. 

Pr.  Persone  3 1 .    Thow  g  e  t  i  s  t  fable  noon  i-told  for  me. 

Vgl.  weitere  beispiele  sub  I,  3.  T.  Reeve  179,  T.  Miller  92  u.  öfter. 
t)   in  der  rein  futurischen  Umschreibung.    Siehe  oben  IL 

3.  Können,  jedoch  nur,  wenn  der  sinn  negativ  ist 
Boethius  3397.    For  foreine  shrewednesse  ne  bygynnej?  nat  fro  ]?e 

corages  of  good  folk  hire  propre  hononre. 

Vgl.  dazu  die  ne.  randglosse  der  herausgeber:  The  wickedness  of 
another  cannot  deprive  a  virtuous  soul  of  its  own  honour. 
ib.  627.    And  for)?i  he  J?at  forletej?  certeyne  ordinaunce  of  doynge  by 
ouerj?rowyng  wey  ...    he  ne  haj?  no  glade  issue  or  ende  of  hys 
werkes  .  .  .  (dessen  werke  können  unmöglich  ein  gutes  ende 
nehmen). 
Pr.  Miller  43.       Leeve  brother  Osewold, 

Who  hath  oo  wyf,  he  is  no  cokewold. 
(der  kann  natürlich  auch  kein  hahnrei  sein),    u.  so  öfter. 

4.  Wollen. 

a)  in  eigener  bedeutung  (hier  ist  das  praesens  selten). 
Astrolabe  II,  §  29,  9.    set  the  point  of  thy  gret  Rewle  ther  thow  takest 

thyne   Altitudes,  vp-on  as  many  degrees  in  his  bordure  fro  his  Meri- 

dional  as  was  the  point  of  thy  label  fro  the  lyne  Meridional  .... 

=  wo  du  deine  höhen  nehmen  willst,    u.  so  öfter. 

Anmerkung.    Einen  ganz  speziellen   und  interessanten  fall  für 

diese  erscheinung  [dass  nämlich  modal verba  mit  dem  Infinitiv  eines  be- 

griffsverbs  durch  die  einfachen  verbalformen  des  letzteren,  so  weit  es  sich 

um  das  praesens  oder  das  praeteritum  handelt,  vertreten  werden  können], 

bietet  das  lateinische  imperfectum  de  conatu  dar. 

b)  als  futurische  Umschreibung. 


PRÄS.  TEMPOKA  BEI  CHAUCEK.  571 

Astrolabe  II,  §  36,  11.  set  thanne  the  nadir  of  the  assendent  on  the 
ende  of  the  4  howre,  J>an  wol  the  bygynnyng  of  the  6  house  sittc 
on  the  Midnyght  lyne  .  ]>e  bygynnyng  of  the  7  hows  is  nadir  of 
the  Assendent  .  .  . 

und  so  bis  §  36, 17  stets  w,  während  vorher  in  genau  dem- 
selben zusammenhange  §  36,  2,  — 5,  — 7,  — 10  wol  steht.  — 
und  so  häufig. 

5.  Pflegen.  Gerade  dieses  verhältniss  kann  in  den  meisten 
fällen  vom  praesens  allein  genügend  ausgedrückt  werden,  zumal 
da  der  Zusammenhang  hier  stets  jeden  zweifei  beseitigt,  —  nur 
da,  wo  es  sich  um  eine  ganz  besondere  hervorhebung  des  be- 
griffs  der  widerholung  handelt,  treten  die  entsprechenden  modal- 

verba  ein  (meist  wol). 
T.  Prioresse  49.    As  smale  childer  doon  in  her  childhede. 
Hertzberg  13,430.  '.  .  .  so  wie  allerwegen 

In  solchem  alter  kleine  kinder  pflegen.' 

und  so  ausserordentlich  häufig;  vgl.  hierzu  kap.  3,  la. 

2.   Im  nebensatz. 

a)   im  tempöralsatz 

d)   mit  ar,  or,  er. 
T.  Ch.  Y.  49.   I  wol  doon  a  maystry  er  I  go! 
T.  Persone  272,  10—12.    suflfre,  Lord,  that  I  may  a  while  .  .  .  weepe, 

or  I  go  .  .  .  to  the  derke  lond. 
Philom.  74.      That  she  may  seen  me  sones  or  I  deye. 

Ebenso  Prol.  Coke  35,  38;  Pr.  Ch.  Y.  156;  Troilus  1, 1014.  II,  214, 

278.  III,  891.  V,  1801  u.  so  oft. 

ß)   mit  til. 
Pr.  Ch.  Y.  70.   ...  al  this  ground  on  which  we  ben  ridynge 

Til  that  we  comen  to  Caimterbury  toun  .  .  . 
Troil.III,  717.  Youre  wommen  slepen  alle,  I  undertake 

So  that  for  hem  the  housmen  myghte  myne, 

And  slepen  wollen  til  the  sonne  shyne. 
ib.  III,  S81.      I  am,  til  God  me  bettere  mynde  sende, 

At  dulcarnon,  .  .  . 
Boeth.  146S.    al  J?e  peoples  }?at  phebus  \>e  sonne  may  seen  comyng  from 
his  outerest  arysyng  til  he  hideth  his  bemes  vndir  J>e  wawes. 

Das  erste  und  letzte  beispiel  zeigen  recht  deutlich,  wie  in 
///  ursprünglich  ein  raumverhältniss  zu  gründe  liegt,  das  erst 
auf  die  zeit  übertragen  ist  —  und  so  erklärt  sich  auch  das 
praesens  hier  sehr  gut  in  eigener  funktion. 

Ebenso  Astrolabe  II,  §  7, 12;  II,  §  12, 1  —  §  12,  3  —  §  12, 
04 -§  14,  4  —  §23,  2  -§23,9  -§27,3  -§28,4  -§38, 12; 
Boethius  741  u.  so  oft. 


572  GRAEF, 

trhan  in  der  bedeutung  von  ///. 
Astrolabe  II,  §  35,  6.    Awaite  wel  thanne  whan  pat  thi  sterre  fix  is  in 
the  sarae  altitude 

Ebenso  II,  §  25,  21  u.  öfter. 

/)    mit  tvhan,  tvhen,  whanne,  rvhanne  that  —  meist  in  der 
bedeutung  von  4so  bald  als'. 
T.Reevel31.  The  more  queynte  knakkes  that  they  make, 

The  more  wol  I  stele,  whan  I  take. 
T.Clerk  II,  159. 

And  eek  whan  I  say  ye,  ye  say  not  nay, 

Neyther  by  word,  ne  frownyng  countenaunce. 

Swer  this,  and  here  swer  I  our  alliance. 
T.  Pard.  338.  Whan  it  is  night,  we  wol  this  tresour  carie  .  .  . 
Troil.  V,  91)2.  That  when  I  se  that  I  nevere  er  sey, 

Thanne  wol  I  werke  .  .  . 
ib.  II,  1740.      That  wol  ye  bothe  seyne,  when  ye  ben  oon. 
Prol.9  G.  W.  101. 

That  schal  I  seyn,  whanne  that  I  see  my  tyme. 

Ebenso  T.  Miller  384;  Pr.  Frere  27;   T.  Prioresse  82;  Melibeus 
180,  7;  T.  Doctour  71;  T.  Ch.  Y.  1)4  u.  so  oft. 

d)  as  swyth  as  —  ebenfalls  in  der  bedeutung  von  'so  bald  als'. 
Troil.V,  13S3.  For  was  ther  never  herte  yit  so  blühe 

To  have  hys  lyf,  as  I  shal  ben  as  swyth 
A  s  I  y  o  u  s  e  e.    u.  öfter. 

t)    mit  fvhil,  whiles,  whils,  whil  that. 
T.Knight487.  For  I  moot  weope  and  weyle,  whil  that  I  lyve. 
Pr.Ch.Y.lS3.  Whil  1  lyve  schal  I  it  quite  never. 

(Cuckow  and  N.  140). 
T. Ch.Y.  126.  And  sehet  the  dore,  whils  we  ben  aboute 
Our  privetee,  that  no  man  us  aspye, 
Whil  es  we  werken  in  this  philosophie. 
T.  Pard.  3Mi.    I  schal  ryf  him  thurgh  the  sydes  tweye 

Whils  thou  strogelest  with  him  as  in  game. 

Ebenso  T.  Knight  1557—00;  Pr.  Bathe  157;  Melib.  190,33  u.ö. 

£)    mit  as  fer  as. 
T.Frank  257.  .  .  .  as  fer  as  1  have  wit, 

I  wolc  ben  his  to  whom  that  I  am  knyt.    ö.  öfter. 

b)    Im  lokalsatz. 
T.  Soinp.  512.  I  schal  defame  him  everal  wher  I  speke. 
T.  Pard.  33S.  wo  wol  this  tresour  carie 

By  oon  assent,  ther  as  us  liketh  best. 
T.N.  Pr.  1>5.  This  night  I  schal  be  murdrid  ther  I  lye. 
Astrolabe  II,  $  31,  7.    but  waitc  in  which  azymut  }>at  thi  sonne  en- 
treth  at  his  arisyng. 

Ebeuso  T.  Pardouer  339;  A«trolabc  U,  §  27,  5  —  §  25, 5  o,  80  oft. 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCER.  573 

c)  Im  relativsatz. 

a)  Der  relativsatz  vertritt  ein  adjectiv.  —  Hier  bedarf  das 
verb  des  relativsatzes  meist  noch  einer  ausdrücklich  auf  die 
zakunft  weisenden  Zeitbestimmung. 

Melib.  197,  21.    he  is  so  .  .  merciable,  that  he  wil  .  .  bringe  us  to  the 

blisse  that  never  hath  ende. 
T.  Nonne  Pr.  803—6.       Macrobius  .  .  . 

Affermeth  dremes,  and  saith  that  thay  been 
Warnyng  of  thinges  that  men  after  seen. 
Vgl.  dazu  ib.  311.    ...  dremes  ben  som  tyme 

Warnyng  of  thinges  that  schal  after  falle,    n.  Öfter. 
ß)   Der  relativsatz  vertritt  ein  Substantiv. 

T.  See.  N.  78.  Yet  pray  I  you  that  reden  that  I  write.    u.  so  öfter. 

7)   Der  relativsatz  ist  zugleich  bedingungsatz. 
T.  Kn.  1693.    And  he  that  is  at  meschief  schal  be  take. 
ib.  850.  .  .  .  anon  he  schal  be  deed, 

That  smyteth  eny  strook,  that  I  may  seen. 
Pr.  Monk  34.  That  schal  he  fynde  that  hire  mysdoth  or  saith. 
T.  Pard.  333.  And  he  that  hath  the  cut,  with  herte  blithe 

Schal  renne  to  the  tonn. 

T.  Schipman  138;  T.  See.  Nonne  78  u.  öfter. 

d)  Im  bedingungssatz ,  aber  nur,  wenn  die  bedingung  in 
ein  temporal verhältniss  eingekleidet  ist. 

T.Frank  264.  Loke,  what  day  that  endelong  Bryteyne 

Ye  remewe  alle  the  rokkes,  ston  by  stoon,  .  .  . 

Pers. 287, 11.  God  wot,  that  what  day  ye  ete  therof,  youre  eyen 
schal  open  .  .  . 

u.  öfter;  vgl.  oben  a,  7. 

Anmerkung  1.  In  allen  diesen  fallen  ist  der  fnturische  sinn  des 
praesens  im  nebensatze  durch  den  hanptsatz,  der  meist  einen  futur  oder 
einen  imperativ  enthält,  deutlich  angezeigt. 

Anmerkung  2.  Im  gewöhnlichen  bedingungssatze  steht  nicht  das 
zeitverhältniss  im  Vordergrund,  sondern  das  verhältniss  von  möglichkeit 
und  Wirklichkeit  —  und  es  gilt  hier  nicht  den  begriff  der  zukunft,  son- 
dern den  der  ungewissheit  zu  betonen.  Es  ist  eine  verkennung  des  tat- 
sächlichen Verhältnisses,  hier  eine  Vertretung  des  futurums  durch  den 
conj.  praes.  anzunehmen,  wie  dies  Brinkmann  II,  s.  685b.  nnd  vor  und 
nach  ihm  andere  tun,  indem  sie  diese  sätze  den  obigen  anreihen. 

Selbst  in  bedingungssätzen,  in  denen  die  handlnng  unzweifelhaft  nur 
als  zukünftig  aufgefasst  werden  kann,  tritt  dies  zn  tage. 
Pr.  Miller  31.  And  therefore  if  that  I  mys-speke  or  seye 
Wyte  it  the  ale  of  Southwerk,  I  yon  preye. 
(Er  weiss  es  gar  nicht,  ob  er  es  tun  wird).  —  Dies  drückt  der  conj.  ans; 
stände  das  futur,  so  würde  dadurch  ausgedrückt,  dass  er  es  schon  ganz 
bestimmt  wüsste.    Also  futur  und  conj.  praes.  ergeben  einen  verschie- 
denen sinn.    Stände  dagegen  der  indic.  praeaentia,  so  wäre  die  annähme, 


574  GRAEP, 

dass  hier  eine  Vertretung  des  futurs  vorliege,  noch  eher  berechtigt,  ob- 
gleich auch  der  indic.  praes.  dem  gedanken  eine  andere  färbung  gibt  als 
das  futur  —  nämlich  die  der  grösseren  selbstgewissheit  Der  indic.  praes. 
setzt  eine  handlung  schon  als  wirklich,  während  das  futurum  sie  als  zu- 
künftig und  damit  nur  erst  als  vorgestellt  bezeichnet.  —  Aehnliches  ist 
zum  concessivsatz  zu  bemerken. 

III.  Hin  und  wider  findet  sich  das  praesens  auch  da,  wo 
die  streng-logische  ausdrucksweise  das  futurum  II  verlangen 
würde.  Da  von  einem  gebrauch  des  futurum  II  bei  Chaucer 
noch  nicht  die  rede  sein  kann  (vgl.  fut.  II),  so  gelangt  ent- 
weder der  begriff  der  Vollendung  im  futurum  gar  nicht  zum 
ausdruck,  so  dass  fut.  I  (Koch  II,  §  47)  und  praesens  sich  in 
die  funktionen  desselben  teilen  —  oder  er  findet  seinen  aus- 
druck im  perfect  und  der  begriff  der  zukunft  wird  anderweitig, 
ausserhalb  des  tempus  bezeichnet.    Vgl.  Perf.  kap.  2,  §  2. 

Das  praesens  findet  sich  so: 

Bocthius  3405.    )>an  at  arst  skal  he  faylen  of  mede  whan  he  forletif* 

to  ben  good. 
Original  IV,  Prose  8,  19.    tum  suo  praemio  carebit,  cum  probus  esse 

desierit. 
T.  Melib.  196,  14.    And  I  pray  yow,   that  ye  wol  forbere  now  to  do 

vengeaunce  ...    (18)  that  ye  have  noon  cause  to  repente  yow  of 

thing  that  ye  doon. 
T. Nonne Pr.  122.  'whan  we  fle  fro  thise  beeiues, 

For  Goddis  love,  as  tak  so  in  laxatyf. 
Troilus  IV,  1247.  I  shal  wele  bryngen  it  aboute 

To  com  ayein,  soon  efter  that  I  go.    u.  so  oft. 

Diese  erscheinung  ist  aber  eigentlich  weniger  vom  gram- 
matischen, als  vielmehr  vom  psychologischen  Standpunkte  ans 
bemerkenswert  Sie  zeigt,  dass  die  damalige  denkweise  die 
zeitsphäre  der  zukunft  noch  nicht  so  scharf  von  der  gegenwart 
trennte,  als  der  schriftgebrauch  späterer,  im  logischen  denken 
besser  geschulter  generationen.  Dasselbe  gilt  von  all  den  sab 
§  2  angeführten  fällen,  daher  denn  auch  noch  heute  dieser  ge- 
brauch, besonders  für  die  sub  II  angeführten  fälle  in  der  volks- 
und  gewöhnlichen  Umgangssprache  nichts  seltenes  ist 

Es  muss  also  betont  werden,  dass  bei  Chaucer  von  einer 
Vertretung  des  futurs  durch  das  praesens,  wie  dies  im  Alteng- 
lischen der  fall  war,  nicht  mehr  die  rede  sein  kann;  da,  wo  es 
gilt,  den  begriff  des  zukünftigen  als  wesentlich  zu  bezeichnen, 
zeigt  Chaucer  stets  futurische  (umschreibende)  Zeitformen;  da, 
wo  wir  jedoch  das  praesens  finden,  wälireud  die  streng-logisebe 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAUCRR.  575 

denkweise  das  futur  verlangen  würde,  ist  dies  nicht  für  die 
spräche,  d.  i.  grammatisch,  sondern  für  die  anschaunngsweise, 
d.  h.  psychologisch  bemerkenswert  So  lässt  sich  auch  für  die 
form  ben  bei  Chaucer  keine  besondere,  fatarische  bedeutang 
mehr  nachweisen,  welche  M.  II,  76  für  beom  im  Angelsäch- 
sischen belegt 

Kap.  3. 

Das  praesens  kein  tempus,  sondern  nnr  subjekttragende 

verbalform. 

Dasjenige,  was  eine  verbalform  zum  tempus  macht,  ist  die 
eigen schaft,  die  zeitsphäre  zu  bestimmen,  in  welcher  ein 
verbalbegriff  verwirklicht  gedacht  wird. 

Nur  da,  wo  diese  bestimmung  eine  absolute  ist,  ist  das 
tempus  ein  echtes  tempus. 

Da,  wo  diese  bestimmung  nur  relativ,  d.  h.  mit  bezug  auf 
die  zeitsphäre  einer  anderen  handlung  geschieht,  sinkt  das 
tempus  zum  stellvertretenden  oder  besser  zum  tempus  rela- 
tivum  herab. 

Verliert  die  form  des  tempus  jede  zeitbestimmende  funktion, 
gilt  also  das  von  ihr  ausgesagte  nicht  für  eine  bestimmte  zeit- 
sphäre, sondern  gleichmässig  für  alle,  —  bezw.  negiert  gleich- 
massig  für  keine,  so  hat  die  verbalform  aufgehört,  tempus  zu 
sein.    Sie  ist  dann  nur  noch  subjekttragende  verbalform. 
Auf  dieser  stufe  finden  wir  das  praesens 
1.   da,  wo  es  tempus  des  prädikats  ist,  welches  von  seinem 
Subjekt  etwas  in  dessen  Wesensbeschaffenheit  liegendes  aussagt 
a)   Es  dient  dazu,  tätigkeiten  auszusprechen,  die  aus  der 
Wesensbeschaffenheit  des  Subjekts  hervorgehen  und  an  keine 
zeitsphäre  gebunden  sind. 

d)  Das  praesens  steht  ohne  Zeitbestimmungen.   Man  kann 
es  hier  meist  mit  ( pflegen'  umschreiben. 
Boethius  1433.    Also  musyk  makej?  musiciens  .and  fysik  make^phi- 

siciens,  and  rhetorik  rhetoriens  .  .  . 
T.Frank  222.      That  langnisshith  as  fuyr  doth  in  helle 
ib.  227.  .  .  .  at  datmces 

Ther  yong  folk  kepen  here  observannces. 
T.  Squyer  196.     They  murmured,  as  doth  a  swarm  of  been. 
T.  Persone  329,  4.    for  it  (this  vertn)  enhannslth  and  enforceth  the 
soule,  right  as  accidie  abateth  it  and  makith  it  feble. 

Und  so  unzählige  male. 


576  GRAEF, 

ß)  Es  steht  ein  adverb  der  zeit  dabei,  das  die  widerkehr 
der  handlung  ausdrücklich  bezeichnet. 

Astrolabe  II,  §28,14.    thise  signes  arisen  euer-mo  by-twyxe  the 

verrey  este  &  the  verrey  sowth  in  owre  orisonte. 
T.  Frank  51.    For  in  this  worlde  certeyn  no  wight  ther  nys, 
That  he  ne  doth  or  saith  som  tyme  amys. 
ib.  54.  Wyn,  wo,  or  chaungynge  of  couiplexioun, 

Causeth  ful  often  to  don  amys  .  .  . 
T.  Persone  339,30.    a  man  somtyme  forgetith  by  tbo  morwe,  what 
he  dide  at  eve. 
und  so  ganz  gewöhnlich. 

b)  Es  dient  dazu,  die  angehörigkeit  von  eigenschaften 
auszusprechen,  die  in  der  Wesensbeschaffenheit  des  Subjekts 
begründet  und  in  ihrer  existenz  an  keine  bestimmte  zeitsphüre 
gebunden  sind. 

T.  Kn.  1 77.      That  Einelie,  that  fairer  was  to  seene, 

Than  is  the  lilie  on  hire  stalkes  grene. 
T.Frank  199.  That  freisseher  was  and  jolyer  of  array 

As  to  my  dorne,  than  is  the  monthe  of  May. 
T.  Persone  341,2.    these  two  synnes  ben  so  neih  cosyns,  that  ofte 

tyme  thay  wol  not  departe. 
ib.  329,  1.    This  vertu  is  so  mighty  and  so  rigorous,  that  .  .  . 
Boethius  1432.    in  whoin   p&t  swiftenesse  is(,)    Sothe  it  is  )>at  he  is 
swyfte.    u.  s.  w. 

c)  Es  dient  behufs  klassifikation  des  Subjekts  dazu,  das- 
selbe unter  begriffe,  welche  seine  wesensbeschaffenheit  näher 
erläutern  und  in  ihrer  geltung  an  keine  zeitsphilre  gebunden 
sind,   zu  subsumieren.    Hier  sinkt  das  existentialverbum   zur 

copula  herab. 
T.Frank  39.    Love  is  a  thing  as  any  spirit  fire, 
T.  Persone  330, 14.    Avance  .  .  .  is  a  likerousnes  in  hert  to  have 

erthely  thinges. 
ib.  338, 27.  Glotenye  is  unresonable  and  desordeyned  coveytise  ...  u. s.w. 

2.   In  allgemeinen  erfahrungssätzen  und  Sinnsprüchen. 

T.  Kn.  681.      Seide  is  the  Fryday  al  the  wyke  Mike 
ib.  954.  A  man  m  o  o  t  ben  a  fool  other  yong  or  olde. 

ib.  1591.  Men  may  the  eelde  at-renne,  but  nat  atrede. 

ib.  C<>3.  For  soth  is  seyde,  goon  ful  many  yeeres, 

That  feld  hath  eyen,  and  the  woode  hath  eeres.  u. B.w. 

:\.   Zum  ausdruck  allgemeiner  Verhältnisse. 

T.  Lawe  932.   Now  was  this  child  as  lik  unto  Custannoe, 

As  possible  is  a  creatur*  to  be. 
Astrolabe  I,  §  16,  10.    5  of  thise  degrees  maken  a  MUewey,  &  3  Mfle- 
wey  maken  an  howre  .  .  . 


PRÄS.  TEMPORA  BEI  CHAÜCER.  577 

Ebenso  in  dem  formelhaften  as  who  seip  —  gleichsam,  als  ob 
(Boethius  1977  u.  s.  w.),  und  in  dem  ausdruck  ähnlicher  art  (hat 
is  to  sayn  (M.  140, 6.  171, 25  u.  s.  w.)  and  so  sehr  oft. 

4.  In  der  berichterstattang.  Aach  hier  ist  das  vom  prae- 
sens ausgesagte  an  keine  zeitsphäre  gebunden,  bezw.  keiner 
bestimmten  zeitsphäre  zugewiesen. 

a)  Bei  quellenangaben  von  citaten. 

T. See. N.  120.  This  mayden  bright  Cecilie,  as  hir  lyf  saith, 
Was  comen  of  Romayns  and  of  noble  kynde. 

Zahlreiche  beispiele  hierzu  sub  kap.  1,  §  2, 3  anmerkung. 

b)  Bei  inhaltsangaben. 

Pr.  Bathe  650.  And  thanne  wold  he  upon  his  book  seeker 

That  ilke  proverbe  of  Ecclesiaste, 

Wher  he  comaundith  and  forbedith  faste;  .  .  . 
Pr. Clerk  41.    I  say  that  he  first  with  heigh  stile  enditith 

[Er  he  the  body  of  his  tale  writith] 

A  proheme,  in  the  which  descrivith  he 

Piemounde,  and  of  Saluces  the  contre, 

And  spekith  of  Appenyne  .  .  . 
T.  Persone  272,  26.    The  cause  why  that  Job  calleth,  helle  the  lond 
of  derknes,  understondith,  that  he  elepith  it  lond  or  eorthe,  for 
it  is  stable. 
Parl.of  F.  36.  First  teile  thhyt,(se.29  This  booke)whanScipion  was  come 

Into  Aufryke,  how  he  mette  Maasynysse,  .  .  . 
ib.  39.  Than  telleth  he  hir  speche  and  al  the  blysse 

That  was  betwixt  hem  .  .  . 

Ebenso  Prol.  Melib.  26—27;  T.  See  Nonne  113, 271;  T.  Monk  137, 

728—30;  Boethius  1531—32  u.  so  öfter. 

Interessant  ist,  dass  das  praesens  hier  mit  dem  praete- 

ritum  wechselt 
Boethius  1976.    For  whiche  J>ing  catullus  elepid  aconsol  of  Rome  }>at 
hyzt  nonius  postum .  or  hoch  as  who  sety  he  clepij?  hym  a  con- 
gregacionn  of  uices  in  his  brest  as  a  postum  is  ful  of  corrupeioun. 

Vgl.  weitere  beispiele  sub  kap.  1,  §  2,  anmerkung  zu  3. 
Husum.  A.  Graef. 

Anmerkung.  Ad  s.  40,  z.  4  meiner  abhandlung  über  das  perfek- 
tum  bei  Chaucer  ist  zu  bemerken,  dass  bei  Fiedler  und  Sachs  IL  s.  80, 
ausg.  1861  allerdings  ein  vereinzeltes  beispiel  aus  Ch.  für  den  betreffenden 
perfektgebrauch  angeführt  ist  —  ein  beispiel,  das  in  seiner  vereinzeltheit 
jedoch  als  hinreichender  beleg  für  den  betreffenden  gebrauch  des  perf. 
im  Me.  schwerlich  anzusehen  sein  dürfte. 


AngU»,  XII.  band.  37 


zu 

FISCHER,  SPRACHE  UND  AUTORSCHAFT 

DER  MITTELENGL.  LEGENDEN   ST.  EDITHA 

UND  ST.  ETHELDREDA. 

Die  Anglia  XI,  175 — 218  abgedruckte  abhandlung  Fischer's, 
die  denselben  gegenständ  behandelt  wie  meine  fast  zwei  jähre 
vorher  erschienene  dissertation  und  sich  in  fast  allen  punkten 
gegen  dieselbe  wendet,  kann  auch  mir  insofern  erwünscht  sein, 
als  sie  mich  der  Verpflichtung  überhebt,  zahlreiche  druckfehler, 
ungenauigkeiten  und  irrtümer  einer  besonders  während  des 
drucks  überstürzten  arbeit  selber  berichtigen  zu  müssen. 

Es  ist  auch  jetzt  nicht  meine  absieht,  auf  einzelheiten  oder 
kleinere  missverständnisse  einzugehen,  sondern  ich  werde  mich, 
bei  der  knappheit  von  zeit  und  räum,  auf  wenige  hauptpunkte 
beschränken. 

Doch  benutze  ich  diese  gelegenheit,  um  den  mehrfach  er- 
hobenen tadel  zurückzuweisen,  dass  die  Schreibung  gar  nicht 
oder  ungenügend  berücksichtigt  sei,  da  meine  dissertation  nnr 
eine  reimuntersuchung  bietet  und  bieten  sollte;  die  Schreibung 
ist  nicht  'leider  nur',  sondern  'leider  auch9  an  wenigen  punk- 
ten berührt 

Die  Live s  of  Saints  Bokenam's  zeigen  beispiele  genug,  dass  me. 
legenden  nicht  immer  der  einteilung  und  einschnitte  entbehren,  sondern 
oft  recht  künstlich  und  kompliziert  gebaut  sind.  Es  ist  also  nicht  ntttig, 
die  stelle  in  der  mitte  der  Ed.,  in  welcher  der  dichter  versichert,  die 
ereignisse  bis  zur  translation  wahrheitsgetreu  geschildert  tu  haben  ud 
die  Verzeihung  des  iesers  Air  etwaige  missgriffe  erbittet,  für  den  abseUvta 
eines  ganzen  zu  halten.  Fassen  wir  sie  aber  auch  nur  als  seMusf  elfte* 
ersten  teils,  so  Hegt  doch  der  gedankc  nahe,  das«  nicht  allein  die  latttr- 
licho  gliederung  des  Stoffes,  die  doch  bei  ganz  ähnlichen  Verhältnissen 
fllr  die  Eth.  nicht  zu  einer  Zweiteilung  geführt  hat,  sondern  hauptsleMkh 
eine  pause  zwischen  der  abfassung  beider  teile  unsern  kunstlosen  cUektar 


HEUSER,   ZU  FISCHER  ANGLIA  XI.  579 

zu  einem  deutlichen  abschluss  für  teil  I  veranlasst  hat.  Die  Widersprüche, 
die  sich  gerade  zwischen  den  angaben  am  Schlüsse  des  ersten  und  am 
anfange  des  zweiten  teils  finden  und  die  es  Fischer  nicht  gelungen  ist 
wegzudeuteln,  finden  hierdurch  ihre  genügende  erklärung,  ohne  dass  man 
desshalb,  wie  ich  es  früher  getan,  zur  annähme  von  zwei  Verfassern  zu 
schreiten  braucht  Dieselbe  ist  unhaltbar,  da  die  sprachlichen  differenzen, 
die  sich  festhalten  Hessen,  zu  gering  sind  und  auf  zufall  beruhen  können. 

Den  Widerspruch  bei  den  angaben  über  das  todes-  und  translations- 
jahr  der  S.  Editha  hat  Fischer  nicht  verstanden.  Wenn  der  todestag  in 
das  4.  regierungsjahr  künig  Etheldrede's  fällt,  so  kann  die  translation  nach 
mindestens  12  jähren  nicht  im  15.,  sondern  frühestens  im  IC.  regierungs- 
jahre  desselben  stattfinden. 

Fischer  nimmt  ferner  an,  dass  Editha  12  jähre  und  einen  teil  des  13. 
bis  zur  translation  im  grabe  lag.  Dabei  bleibt  merkwürdig,  dass  Ed.  I, 
2365  steht  '13  jähre',  Ed.  II,  2395  dagegen  'das  13.  wollte  Gott  sie  dort 
nicht  mehr  verborgen  bleiben  lassen1. 

Ausserdem  ist  die  natürliche  auffassung  der  stelle  in  Ed.  I  als 
'13  jähre'  und  nicht  als  '12  jähre  und  etwas'  zur  genüge  gesichert  durch 
eine  bislang  übersehene  stelle  Ed.  II,  3367 :  ihrettene  yeere  and  more  und 
auch  durch  die  von  Horstmann  abgedruckte  latein.  vita  S.  Ed.:  13  annis 
elapsis  . . . 

Andrerseits  tritt  die  angäbe  Ed.  II,  2391  ff.  zu  bestimmt  und  zu  aus- 
führlich auf,  um  lediglich  auf  flüchtigkeit  oder  Schreibfehler  zu  beruhen. 
Wir  müssen  daher  zwei  Versionen  über  die  betreffende  anzahl  von  jähren 
annehmen,  die  dem  dichter  beide  bekannt  waren  und  bei  ihm  Verwirrung 
hervorriefen.  Wenn  aber  diese  schwankenden  angaben  sich  innerhalb  30 
zeilen  zeigen  und  dazwischen  ein  einschnitt  oder  schluss  liegt,  so  hat  man 
anzunehmen,  dass  der  dichter  an  dieser  stelle  seine  arbeit  unterbrach. 

Anmerkung.  Die  von  mir  als  auffällig  bezeichnete  stelle  in  dem 
latein.  anhange  erklärt  sich  dadurch,  dass  die  angeführten  werke  nicht 
quellen  im  strengen  sinne  sind,  der  betr.  ausdruck  also  nicht  genau 
genommen  werden  darf. 

§2. 

Bei  der  folgenden  behandlung  der  fortsetzung  von  ae.  m  in  ge- 
schlossener silbe,  der  sichersten  und  massgebenden  quelle  des  me.  ä,  be- 
schränke ich  mich  auf  die  Ed.,  die  ich  jetzt  in  bezug  auf  die  Schreibung 
einer  genauen  Untersuchung  unterworfen  habe. 

Die  beweisenden  reime  haben  bei  Fischer  eine  sehr  zweifelhafte  be- 
reicherung  erfahren  durch  die  fälle  von  than  (then)  i.  r. :  e.  Schon  frühme. 
findet  sich  neben  than  die  nebenform  then,  theonne,  vgl  auch  ne.  then, 
so  dass  das  wort  für  das  verhalten  von  me.  ä  in  keiner  weise  mass- 
gebend ist. 

Die  reime  von  ae.  ce  :  e  in  falte,  satte  hält  er  nicht  für  beweisend. 

Auch  ich  halte  jetzt  die  a-form  in  fache  (fetch)  und  dem  prt.  fatte  für 
eine  berechtigte  form  in  unserem  denk  mal,  wie  aus  der  konsequenten 
Schreibung  hervorgeht:  fache  i.  r.  2927,  4120,  innerhalb  des  verses  2930, 
4078.    falte  :  1931,  2198,  2316,  2700,  2815,  2807.     Nur  einmal,  v.  4696,  finde 

37* 


580  HEUSER, 

ich  für  das  prt.  fetten.  Dagegen  ist  ausser  dem  einmal  i.  r.  angeglichenen 
satte  (für  seile)  118  nicht  der  leiseste  grund  vorhanden,  eine  Vermischung 
von  satte  (ae.  scet)  und  seile  (ae.  seile)  anzunehmen,  sete  (=  scel)  24SC» 
ist  wol  analogieform  nach  dem  pl.  prt.  seien. 

Fischer's  resultat  für  die  entwicklung  des  ae.  ce  in  unseren  denk- 
malern  ist:  ae.  et  wird  vorwiegend  zu  a,  vor  s,  d,  n  auch  zu  e.  Wenn 
er  aber  vor  s,  d,  n,  wir  müssen  hinzufügen  t,  nebenformen  ansetzt,  so 
haben  wir  diese  für  Vs  a^er  &He  un^  gerade  für  die  häufigeren  reim- 
Wörter.  Man  sieht  dann  nicht  ein,  weshalb  sie  für  den  kleinen  rest,  fiir 
den  zufällig  keine  reimbelege  vorhanden  sind,  ausgeschlossen  werden. 
Solche  nebenformerklärungcn  sind  ebenso  bequem  wie  unwahrscheinlich. 

Die  sporadischen  bindungen  von  a:o,  die  nach  Fischer  charakte- 
ristisch für  den  laut  des  a  sind,  beweisen  genau  ebenso  viel  wie  die 
sporadischen  bindungen  von  e:o,  nämlich  gar  nichts.  Vgl.  1769  redde  : 
god,  3742  dode  (=  did) :  blöde  \  Eth.  381  god  :  dodde  (ae.  dt  ad).  Neben 
crasse  (cross) :  was  steht  cresse  :  lesse. 

Die  sporadischen  reime  :  t  finden  sich  für  zwei  fälle:  then  neben 
lhan,  tves  neben  was,  wo  sichere,  auch  durch  die  Schreibung  gestützte 
^-nebenformen  vorliegen. 

Die  Schreibung  habe  ich  bisher  nur  mit  einer  dürftigen  und  unrich- 
tigen bemerkung  gestreift,  die  aber  leider  von  Fischer  aeeeptiert  ist. 

Tatsächlich  findet  sich  durchaus  nicht  a  und  e  für  ae.  ce  geschrieben, 
sondern  konsequent  a.  Ich  bemerke  in  der  Ed.  nur  einmal,  i.  r.  ange- 
glichen, e:  939  lest:  rest.  4620  metede,  4621  melte  gehen  nicht  zurück 
auf  das  ae.  prt.  tndsl,  sondern  sind  durch  analogie  entstandene  schwache 
formen;  24S6  sete  ist  bereits  besprochen. 

Wenn  sich  i.  r.  von  a :  e  überhaupt  angleichung  findet,  so  ist  stets 
e  an  a  angeglichen,  mit  ausnähme  des  eben  erwähnten  falles.  So  häufig 
bei  der  endung  -ness,  die  sich  auch  innerhalb  des  verses  mit  a  findet; 
ferner  1582  masse  icorvn fasse,  2923  fast :  upbarsle  (inf.)  4411,  4735  fast: 
rast  (=  rest),  IIS  satte  (set) :  /hat,  3843  p'adde  :  hadde,  4743  hadde  : 
spadde.  Der  umstand,  dass  der  Schreiber  bei  angleichung  t.  r.  nicht  e 
für  n  schrieb,  sondern  a  fiir  e,  ist  zufall,  beweist  aber  immerhin,  dass  der 
Schreiber  wenigstens  die  Fischer'schen  nebenfonnen  nicht  kannte  oder 
nicht  zu  gebrauchen  wusste. 

Ich  halte  also  die  annähme  eines  hellen,  ^-ähnlichen  lautes  flir  das 
a  in  unseren  denkmälern  fest  und  erkenne  als  doppelformen  nur  tkmn, 
then  und  was,  tves  an. 

§3- 

Für  ä  in  unseren  denkmälern  einen  ^-ähnlichen  laut  anzunehmen, 
erschien  mir  früher  zu  gewagt,  so  dass  ich  lieber  versuchte,  dfa  darauf 
hinweisenden  reime  wegzuerklären.  Das  ist  mir  indess  nur  sehr  unvoll- 
kommen gelungen,  auch  werden  durch  eine  solche  annähme,  die  für  das 
1 5.  Jahrhundert  nicht  allzu  sehr  befremden  darf,  so  viele  Schwierigkeiten 
aus  dem  wege  geräumt,  dass  ich  jetzt  glaube,  sie  machen  au  dürfen.  Ein 
heller,  <r-ähnlicher  laut  für  ä  wird  gefordert:  1)  durch  reime  von  4:  -n*SS€p 
encresse.    Ich  habe  früher  dieser  Schwierigkeit  durch  annähme  von  fäkal- 


ZU  FISCHER  ANGLIA  XI.  581 

tativer  verdumpfung  von  e  vor  ss,  st  auszuweichen  gesucht,  also  nicht, 
wie  mir  Fischer  unterschiebt,  durch  reime  von  -ess i  ä  für  letzteres,  son- 
dern flir  ersteres  den  «-laut  beweisen  wollen. 

2)  durch  made  i  sayde  (sBde)  338,  863,  :  dradde  (drede)  4543,  :  gade 
Eth.  1074.    Diese  falle  habe  ich  früher  wegzuerklären  versucht. 

3)  durch  reime  von  ä i  ä,  das  seinerseits  wider  mit  :  c  reimt.  Diese 
bindungen  verlieren  nur  bei  der  annähme  eines  helleren  lautes  auch  für  a 
ihre  Schwierigkeit.  Fischer,  der  für  ae.  äs  bei  ziemlich  häufigen  i-reinicn 
nur  doppelformen  vor  s,  d,  n  anerkennt,  kommt  für  ä  (bei  ihm  festes  a) 
ebenfalls  zu  der  annähme  eines  ^-ähnlichen  lautes,  und  zwar  auf  grund 
eines  durchaus  ungenügenden  materials,  denn  cache :  fache  stellt  sich  zu 
den  reimen  von  ä:ä  [vgl.  King  Hörn  H  1243  cacche  i  vacche,  1390  cecche  : 
vecche  und  die  ne.  ausspräche],  scante i  plente  ist  einer  korrumpierten 
stelle  entnommen.  Es  bleibt  also  als  einziger  von  den  drei  angeführten 
sicheren  fällen  grace i  encresse,  gewiss  in  unseren  ungenauen  denk  malern 
ein  genügender  rückhalt  flir  die  aufstellung  einer  so  schwerwiegenden 
behauptung. 

§4. 

Für  od  und  66  habe  ich  mischung  im  reime  nur  vor  nasal  und  im 
auslaut  angenommen.  Fischer  ist  anderer  meinung,  kann  aber  den  ein- 
zigen von  mir  angeführten  ausnahmefall  nur  um  einen  richtigen  pore :  öd 
und  zwei  falsche  goth,  both  i  loth  vermehren. 

§5- 
Für  die  tftf-reiiue  habe  ich  relative  reimreinheit  nachzuweisen  ver- 
sucht und  bin  dabei  zu  falschen  resultaten  gekommen,  nicht  durch  falsche, 
sondern  durch  unvollständige  beobachtung,  indem  ich  wol  die  reime  von 
ee.ee,  eeiee,  eeiee,  eeiee,  aber  nicht  die  von  eeiee  zusammenstellte. 

4444  4t'     44  '  4    4  4     4 

Ueberflüssig  ist  nur  die  Zusammenstellung  von   <ie:ee. 

Die  angeführten  zahlen  —  Ed. 1, 13  ee: ee,  13  eeiee,  2  ee :ee\  vor r: 
Ed. 1, 16  eeiee  (verdruckt  s.  19,  richtig  s.  16),  10  ee:  ee  (verdr.  s.19,  richtig 
s.  16);  Ed.  II,  21  ee  :  ee  (verdr.  s.  16,  richtig  s.  19),  4  ee  :  ee  —  stimmen  im 
wesentlichen  zu  den  von  Fischer  angegebenen,  wenn  man  in  betracht 
zieht,  1)  dass  F.  sich  widerholende  reime  nur  einmal,  ich  sie  entsprechend 
oft  rechne;  2)  dass  F.  für  nede,  der  ee  statt  ee,  für  lede  (ae.  legde)  ee 
statt  ee  oder  ee,  für  rere  ee  statt  ee  ansetzt,  und  3)  dass  er  zuweilen 
ungenau  ist:  so  fehlen  für  Yeiee  Ed!  I  die  reime  299,  278,  5S2,  1726  (559, 
1519,  1962  rechnet  er  anders);  slepe  :  mete  1666  findet  sich  unter  ee.ee. 
Von  reinen  //-reimen  für  die  Ed.  I  hat  F.  richtig  angegeben:  86,  114,  1 19, 
930,  2346,  also  fünf,  die  übrigen  sind  anders  aufzufassen;  von  reinen 
/?<r-reimen  vor  r  findet  sich  als  einziger  2908  eyer  (==  ctr)  :  ner,  der  sich 
noch  dazu  ebenfalls  als  ee :  ee  auffassen  lässt.  Diese  geringe  zahl  der 
reinen  //-reime  beweist  zur  genüge,  dass  eeiee  etc.  wol  absolut,  aber 
nicht  relativ  selten  sein  kann  und  dass  an  reimreinheit,  selbst  wenn 
sich  die  übrigen  Verhältnisse  günstiger  stellten,  als  sie  tun,  nicht  zu 
denken  ist. 

Fischer  führt  seinen  gegenbeweis  auf  die  denkbar  umständlichste 


582  HEUSER, 

weise,  nämlich  durch  eine  Zusammenstellung  des  gesammten  ungeheueren 
materials  der  £*-reime  in  der  Editha. 

Anmerkung.  Ich  hatte  die  relative  reimreinheit  deriV-  und  ee~ 
reime,  ausser  vor  r,  in  Ed.  I  dadurch  möglich  zu  machen  gesucht,  dass  ich 
fiir  ta  vor  d,  das  ausser  zu  kürzen  stets  :  ee  reimt,  eine  Sonderstellung 
annahm;  die  übrigen  unreinen  reime  finden  sich  auch  bei  Chaucer. 

Kürzung  von  ee  vor  d. 

Ich  habe  früher  kürzung  für  sämintliche  fälle  von  ia  vor  d  ange- 
nommen was  auch  das  wahrscheinlichste  ist;  sicher  beweisen  lassen  sich 
indess  nur  d2dt  hZd  (he'afod),  vgl.  2659,  4584.  4590.  Fischer  zieht  nur 
dtd  in  betracht,  und  hier  zeigt  sich  zwischen  den  beiden  teilen  der  Ed. 
kein  unterschied  in  der  neigung  zur  kürze. 

Von  den  sonstigen  von  ihm  angeführten  reimen  ? :  ce  ist  nur  richtig 
2360,  der  auch  von  mir  angeführt  ist,  unsicher  ist  die  quantität  des  e  in 
dede  (=  did)  und  in  bed  (ae.  bead),  das  sich  noch  dazu  mit  bad  (ae.  boed) 
vermischt  hat. 

Merkwürdig  ist  die  angäbe  F. 's,  dass  Ed.  I  von  ungekürztem  c  vor 
d  34  fälle  in  41  reim  paaren,  Ed.  II  23  in  58  zähle.  Der  Ursprung  dieser 
zahlen  ist  mir  unklar;  sollte  F.  vielleicht  alle  fälle  fiir  gekürzt  halten,  in 
denen  der  Schreiber  dd  fiir  d  gesetzt  hat?  Die  konsonanten Verdopplung 
beweist  in  unseren  denkmäleni  für  kürze  des  vorhergehenden  vokale  gar 
nichts,  vgl.  tnadde,  herre  (=  ae.  hacr)  etc. 

Schliesslich  möchte  ich  noch  bemerken,  dass  ich  weder  aus  den 
relativ  bedeutend  zahlreicheren  reimen  von  ee  :  ee  vor  r  für  Ed.  1,  noch 
aus  der  vorgeschritteneren  kürzung  vor  d  für  Ed.  II  auf  höheres  alter 
geschlossen  habe,  wie  mir  Fischer  zumutet. 

§6. 

Fischer  wirft  meine  behandlung  der  fortsetzung  des  ae.  eo  in  der 
Editha,  wo  sich  nur  spuren  in  der  Schreibung  zeigen,  und  in  dem  sdw. 
dialekt,  wo  wir  eine  regelmässige,  in  reim  und  Schreibung  ausgeprägte 
entwicklung  finden,  zusammen  und  scheint  sogar  das  hauptgewicht  auf 
die  erstere  zu  legen.  Ich  habe  die  unzweifelhaften  spuren  für  die  Ed. 
konstatiert,  aber  eine  Untersuchung  nur  da  geführt,  wo  sie  möglich  ist, 
nämlich  für  den  sdw.  dialekt. 

Für  diesen  scheint  es  mir  allerdings  nicht  sehr  zweifelhaft  zu  sein, 
welchen  laut  wir  für  die  selbständig  gebliebene  fortsetzung  von  ae.  eo 
annehmen  müssen,  wenn  man  sich  -  was  F.  allerdings  nicht  tut  —  das 
verhäitniss  von  io  zum  afrz.  <7-laut,  mit  dem  es  sämmtliche  bexeichnungen 
gemein  hat,  vergegenwärtigt.  So  wird  ins  Me.  gedrungenes  afrz.  6  durch 
eo  bezeichnet  [vgl.  jetzt  auch  die  beispiele  von  Stunnfels,  Anglia  IX,  555, 
die  dieser  indess  nicht  richtig  deutet];  andererseits  findet  sich  in  anjrjo- 
normannischen  hss.  eo  zur  bezeichnung  des  d'-lautes  verwandt,  x.  b.  wie 
Koch,  (Jhardry  s.  169  zu  Josaphaz  v.  2  bemerkt,  fast  ausnahmslos  in  der 
hs.  O  des  betreffenden  denkmals  [dagegen  findet  sich  eo  nicht  im  Com* 
putus  und  Anbau].  Für  diese  wenig  beachtete  Schreibung  des  Agn.,  die 
auch  Koch  ohne  weitere  bemerkung  lässt,  kann  ich  nur  eine  benrteilnnjj 
anführen,  Koschwitz,  Ueberlieferung  und  Sprache  der  chanson  du  ▼ojago 


ZU  FISCHER  ANGLIA  XI.  588 

de  Charlemagne  s.  29:  'Die  bezeichnung  des  lat.  ö  mit  eo  ist  speziell  agn. 
und  kann  nur  den  laut  ö  repräsentiert  haben'. 

Anmerkung  1.  e  vor  r:  afrz.  u  habe  ich  nicht  als  e  :  ö,  sondern 
als  ö :  ü  (oder  der  von  ten  Brink  angenommenen  nuance)  getost 

Anmerkung  2.  thuse  entspricht  nicht  dem  mld.  plural  thise,  son- 
dern dem  sdw.  theos,  denn  wir  finden  für  den  plural  nur  3  mal  thise: 
2687,  3635,  3809  neben  gewöhnlichem  thuse \  für  den  sing,  dagegen  nur 
3  mal  Ihns  1494,  1890,  2796  neben  dem  gewöhnlichen  this  innerhalb  des 
verses.    Im  reime  wird  es  zuweilen  angeglichen. 

§7. 

Die  auffallenden  reime  von  aiii  in  unseren  denkmälera  erklärt  F.  durch 
diphthongierung  von  i,  die  indess  noch  nicht  vollendet  zu  sein  brauche, 
und  er  wird  in  dieser  annähme  bestärkt  durch  die  Schreibung  ey  für  t. 

Zu  den  betreffenden  reimen  tilge  ich  den  bisher  übersehenen  Ed.  610 
priory  :  day  hinzu;  Utk  :  feyth  erklärt  F.  genügend  durch  Verwechslung 
von  lyen  und  leyen\  teinde  (von  ae.  tynan)  :l  hatte  ich  früher  falsch  auf- 
gefasst,  es  bleiben  also  nur  reime  von  ausl.  ai :  t  und  3  mal  leyde  :  t.  Was 
diese  reime  anbelangt,  so  halte  ich  einmal  die  diphthongierung  von  I  ftir 
unwahrscheinlich  oder  doch  sicher  nicht  so  weit  fortgeschritten,  um  ai- 
reime  zu  ermöglichen,  andrerseits,  gäbe  man  selbst  die  diphthongierung 
von  1  zu,  ist  sie  nicht  im  stände,  alle  vorliegenden  fälle  zu  erklären. 

1.  Aus  der  völlig  unaufgeklärten  Schreibung  ^t/fUri,  aber  auch  ftir?, 
2,  Y,  lässt  sich  vorläufig  überhaupt  nichts  schUessen,  am  wenigsten 
für  den  reim. 

2.  *  zeigt  sonst  nicht  immer  selbstreime,  sondern  auch  solche,  die  nur 
für  einen  Maut  möglich  sind: 

Ed.  3787  this  (Y) :  rys  (l),  3656  pryse  :  use,  Woltrude ;  1 2707, 2967, 
3239,  2835  (:  gekürztem  I  in  bytydde  [prt.]  2916). 

Vgl.  auch:  255,  1182  servyse  :  ryse,  1057  :  wyse}  4972  story  : 
by  etc.;  ferner  3387  rvhitte  (=  wiht)  :  smytte  [muss  nicht  t  vor  gt 
gleichzeitig  mit  l  diphthongiert  werden?). 

3.  Für  zwei  fälle:  610  priory,  4456  remedy(:ai),  wo  diphthongierung 
nie  stattgefunden  hat,  muss  Fischer  sie  ebenfalls  annehmen. 

4.  Reime  von  ausl.  t  :  ai  sind  auch  sonst  nachzuweisen:  Firumbras 
cryc  :  seye\  Kol.  many  :  say,  nay\  S.  of  Troy  cryy  by  :  way;  Guy 
of  Warwick  envye :  seye;  vgl.  ferner  Holthaus,  Anglia  VIII,  anz.  121 
für  Lonelich,  Holy  Grail  way  :  velonye,  :  certahüye,  :  sekerlye  etc. 
Also  es  reimt  ebensowol  Y  und  tonlos  werdendes  t :  ai,  wie  I.  Solche 
reime  beweisen  weder  die  diphthongierung  von  I,  noch,  wie  Holt- 
haus will,  die  monophthongierung  von  ai  zu  *,  da  er  nur  reime 
ai :  t,  nicht  ai :  e  aus  Lonelich  anführt. 

Es  bleibt  kaum  eine  andere  möglichkeit  übrig,  als  in  diesen 
Reimen  bindung  von  t  (lang  oder  kurz)  zu  dem  zweiten  element 
des  diphthongcn  ai  zu  sehen. 

5.  leyde  reimt  ausser  zu  syde  auch  zu  Woltrude.  Man  setzt  also  hier, 
ebenso  wie  in  den  reimen  von  sayde  :  Woltrude  und :  made  (sprich 
mäd)  am  besten  die  berechtigte  tf-nebenform  ein. 


584  HEUSER,   ZU  FISCHER  ANGLIA  XI. 

§8. 

Reime  bei  ungleichen  konsonanten. 

In  F. 's  Zusammenstellung  der  betreffenden  reime  (s.  210)  sind  die 
tälle  nicht  vollständig  angeführt  und  die  sich  widerholenden  reime  der- 
selben Wörter  nur  einmal  gerechnet.  Ich  führe  im  folgenden  sämmtliche 
fälle,  die  in  der  Ed.  vorkommen,  an. 

pit  522,  887,  1281,  1666,  2516,  2748,  3016,  3679,  3732,  4135,  4352. 

p  :  k  3355,  4336,  4400,  4907. 

kit  1181. 

dd  :  bb  4816,  3983. 

m  :  n  98,  3519  —  2077  rende  :  fr  ende  (für  fremde). 

n:v  1697;    ri  v  4052. 

Ausserdem  t :  d,  t i  th,  s  :  sh,  s  :  st,  p  :  pt,  tt i  pt,  ch  :  rch\  nd  :  mb 
bei  F.  ist  der  Eth.  entnommen,  k  :  d  3028  von  mir  emendicrt. 

Ich  führe  noch  die  reime  ungleicher  konsonanten  aus  folgenden 
anderen  denkmälern  an. 

Guy  of  Warwick,  ed.  Zupitza,  einl.  s.  XII:  pik,  t  :  k,  thif,  nding, 
m  i  n,  l i  r  (1  fall),  /  :  n  (1),  m  :  v  (1);  ausserdem  d  :  t,  nd  :  nt,  rd  :  rt. 

Schottische  Legenden,  nach  Buss,  Anglia  IX,  512.  Man  vgl.  auch  die 
bemerkungen  von  Buss.  pik,  p  :  t,  k  i  t,  th  i  f,  ng  :  nd,  min,  m  :  nd; 
ausserdem  d  i  l,  s  i  sh,  n  :  ng,  n  i  nd. 

King  Hörn,  nach  Wissmann,  Untersuchungen  s.  54 :  p  :  k,  p :  (,  k :  t, 
th  i  f(v),  mm,  ng  i  Id,  nd  :  ng,  vir  (1),  /  :  r  (2);  vgl.  auch  dotier  :  lofle, 
:  ofte\  ausserdem  je  1  mal  ss ist,  xi xt,  rt i rst,  U i pl.  —  felage i have etc. 
stellen  sich  wol  zu  trewe :  leve. 

The  stacyons  of  Jerusalem,  Horstmann,  Altengl.  Legenden  N.  F.  8.  357: 
tip  113,  131,  476,  823;  tik  671,  687;  ft  i  %t  127,  301;  dd  i  bb  341;  n:m 
58,  71,  121  u.  ö.;  ng  i  mb  543.    Ausserdem  / :  d  125,  497. 

Die  reime,  die  durch  metathetisches  r  oder  durch  £  vor  dem  l  des 
einen  reimwortes  unrein  werden,  sind  nicht  berücksichtigt. 

Als  resultat  lässt  sich  aufstellen. 

1.  Nur  ungenaue  oder  halbreine  reime  und  darum  nicht  selten  sind: 
s  i  sh,  dil,  lith,  s  i  st,  xi  xt,  p  i  pt,  pt :  //  u.  ähnl. 

2.  Nicht  ungenaue,  sondern  eine  besondere  art  von  reimen,  die  gleich- 
artigkeit  der  konsonanten  erfordern,  sind  solche  von  tenuis :  tenuis, 
media  :  media,  asp. :  asp.,  nas. :  nas.,  oder  wol  Überhaupt  liquida : 
liquida  [vielleicht  auch  v  i  liqu.].  Halbreine  reime  sind  sie  desshsib 
nicht,  weil  die  betreffenden  mit  einander  gebundenen  konsonanten 
zwar  gleichartig,  aber  nicht  ähnlich  lautend  und  verwandt  sind. 

3.  Reime  von  k  i  d,  ithr  :  b,  :  f  etc.  sind  falsche  reime  und  fast  gar 
nicht  zu  belegen.  Hier  sind  die  konsonanten  weder  verwandt  noch 
gleichartig. 

Hannover,  Dez.  1888.  W.  Heuseil 


LIEDERSAMMLUNGEN 
DES  XVI.  JAHRHUNDERTS,  BESONDERS  AUS 

DER  ZEIT  HEINRICH'S  VIII. 

II. 

Von  den  schon  unter  Heinrich  VIII.  gedruckten  lieder- 
saniralungen  ist  leider  nur  ein  geringer  und  auch  seinem  werte 
nach  nicht  sehr  bedeutender  teil  auf  uns  gekommen.  Vielleicht 
die  berühmteste  gedruckte  Sammlung  von  liedern  (ich  nehme 
auch  hier  die  eigentlichen  bailaden  aus,  vgl.  oben  8.  225)  ist 
diejenige,  von  der  überhaupt  nur  ein  blatt  im  kleinsten  oktav 
erhalten  ist:  die  Sammlung  der  weihnachtslieder,  welche 
Wynkyn  de  Worde  1521  veranstaltete. 

Dies  blättchen  befand  sich  ehemals  im  besitze  Hearne's 
und  ihm  verdanken  wir  gewiss,  dass  es  überhaupt  aufbewahrt 
worden  ist.  Es  ging  auf  die  Bodleian  Library  über  und  wurde 
der  inneren  Zusammengehörigkeit  halber  nach  blatt  94  der  un- 
schätzbaren Douce-fragnients  eingeheftet:  als  blatt  94 b. 

Das  Douce-fragment  94:  Christmas  Carolles  newely  Im- 
printed  (mit  rohem  holzschnitt  auf  dem  titelblättchen)  ist  leider 
ein  druck  'ohne  jähr',  und  so  kann  das  genaue  datum  nur 
schwer  festgestellt  werden,  es  dürfte  aber  wol  etwas  jünger 
sein  als  der  druck  von  Wynkyn  de  Worde;  dass  freilich  die 
daselbst  aufbewahrten  lieder  selbst  gleichzeitig  mit  denen  von 
Wynkyn  de  Worde  entstanden  seien,  ist  sehr  wahrscheinlich. 

Die  fünfte  der  mitgeteilten  liedersammlungen  (v.  j.  1530) 
ist  im  Britischen  Museum  aufbewahrt  (früher  C.  31.  b.  22,  jetzt 
K.  1.  c.  1,  also  unter  der  musikliteratur);  sie  enthält  einige  wirk- 
lich gute  stücke,  neben  recht  wertlosen  und  recht  schlechten 
(nach  inhalt  und  form).  Von  liedern  aus  diesem  drucke  ist 
(so  weit  mir  bekannt)  seit  Ritson  nur  eins  bisher  wider  ab- 
gedruckt worden  in  E.  F.  Rimbault's  Little  Book  of  Songs  and 


586  FLÜGEL, 

Ballack  1851  (daselbst  als  no.  XXI:  By  by  lullabie  etc.),  sonst 
ist  der  forscher  ruhig  an  diesem  bändchen  (welches  sogar  in 
den  show  cases  des  British  Museum  ausgestellt  gewesen)  vor- 
über gegangen,  und  selbst  Chapell  hat  sich  begnügt  (Populär 
Music  of  the  olden  Time  I,  55)  dasselbe  zu  besehreiben:  4The 
first  collection  of  songs  in  parts  that  was  printed  in  Engbind 
was  in  1530;  bat  of  that  only  a  base  part  now  remains.  It 
contained  compositions  by  Cornisli,  Pygot,  Ashwell,  Taverner, 
Gwynneth,  Jones,  Dr.  Cowper  and  Dr.  Fairfax'.1 

Der  'Bassus1  ist  ein  kleines  bändchen  in  querquart  und 
gibt  unter  den  noten,  die  im  folgenden  abgedruckten  texte, 
ohne  jede  vers-  und  Stropheneinteilung.  Ein  umstand,  der  zu 
berücksichtigen  ist,  da  ich  glaube,  dass  die  im  folgenden  ge- 
gebene verseinteilung  im  einzelnen  noch  zu  verändern  und  zu 
verbessern  ist. 

Die  komponisten  (und  dichter?)  vom  'Bastms'  sind  schon 
aus  den  oben  (aus  Add.  Ms.  31922  und  Royal  Ms.  App.  58)  ver- 
öffentlichten liedern  zum  teil  bekannt,  sie  begegnen  auch  sonst 
noch  häufig  (z.  b.  Add.  Ms.  5405  u.  a.).  Ueber  ihre  gesammt- 
bedeutung  für  die  englische  literatur  wird  wol  das  beste  lieht 
verbreitet  werden,  wenn  eine  noch  grössere  zahl  der  von  mir 
kopierten  liederhandschriften  abgedruckt  ist. 

Dem  exemplar  des  'Bassus'  im  Britischen  Museum  (ein 
anderes  ist  zur  zeit  nicht  bekannt)  sind  handschriftlich  zwei 
lieder  beigefügt:  das  eine  ist  eines  der  beliebten  unsinnigen 
lieder2,  welches  wol  schwer  in  vernünftige  verse  zn  bringen 
wäre;  das  andere  ist  ein  patriotisches  lied  auf  Heinrich  VIII., 
den  'Defender  of  owr  feythe',  es  mag  gnt  gemeint  gewesen  sein, 
—  vielleicht  eine  Schmeichelei  eines  hofmusikns  (Cornysbe?)  — 
aber  es  ist  poetisch  sehr  wenig  wert.  Der  anfang  ist  der 
gleiche  mit  dem  aus  Royal  Ms.  App.  58  (vgl.  oben  s.  264)  ver- 
öffentlichten, auch  sonst  haben  beide  lieder  noch  viel  mit  ein- 
ander gemein3,  vor  allem  die  Verworrenheit  der  form. 

1  Seit  Chappcll  hat  Herford  in  seineu  vortrefflichen  Stadies  im  the 
literary  relations  etc.  p.  2  auf  dies  '  Boke '  hingewiesen. 

8  Von  denen  das  Porkington  Ms.  proben  gibt,  ReliqoJae  Antiqnme 
I,  81.  64.  85. 

3  Gänzlich  verschieden  -  -  bis  auf  den  gleichlautenden  anfing  —  bt 
das  lied  aus  K[ing]  II|enry'sj  Mirth  in  Ravenscroft's  Deuteromen  1609, 
no.  10,  welches  ich  mit  dieser  ganzen  sammlang  später  absudruckea 
gedenke. 


LIEDERSAMMLUNGEN.  587 

3'. 

Fragment  der  Christmasse  Carolles  von  Wynkyn  de  Worde.    1521. 

(Douce  Fragments  94 b.) 
A  caroll  of  huntynge. 

As  I  came  by  a  grene  forest  sydc 

I  raet  with  a  forster  y»*  badde  me  abyde 

With  hey  go  bet   hey  go  bet ,'  hey  go .  howe 
H   Underneth  a  tre  I  dyde  me  set 

And  with  a  grete  hert  anone  I  inet 

I  badde  let  slyppe  ■'  and  sayd  hey  go  bet 

With  hey  go  bet .'  hey  go  bet  howe. 
11   I  had  not  stände  there  but  a  whyle 

For  the  mountenaunce  of  a  myle 

There  came  a  grete  herte  without  gyle 

There  he  gothe    there  he  gothe.  &c. 

We  shall  haue  sporte  and  game  ynowe. 
H   Talbot  my  hoüde  with  a  mery  taste 

All  about  the  grene  wode  he  gau  cast 

1  toke  my  hörne  and  blewe  him  a  blast 

with  tro    ro    ro  /  ro  :  tro  /  ro  /  ro  /  ro. 

With  hey  go  bet  /  hey  go  bet.  &c. 

There  he  gothe  ;  there  he  goth.  &c. 

We  shall  haue  sport  and  game  ynowe. 

H   Finis. 

f     A  caroll  bringyng  in  the  bores  heed. 

H   Caput  apri  differo* 

Reddens  laudens'  doraino 

The  bores  heed  in  hande  bring  1 

with  garlans  gay  and  rosemary 

I  pray  yow  all  synge  inerely 
Qui  estis  in  conuiuio. 
H   The  bores  heed  I  vnderstande 

Is  the  [c]hefe3  seruyce  in  this  lande 

Loke  where  euer  it  be  fände. 
Semite  cum  cantico. 
H   Be  gladde  lordes  bothe  more  and  lasse 

For  this  hath  ordeyned  ouer  stcwarde 

To  chere  you  all  this  christmasse 

The  bores  heed  with  mustarde. 

Finis. 

f1  Thus  endeth  the  Christmasse  carolles  /  newely  enprinted  at  Londö  /  in 
the  fletestrete  at  the  sygne  of  the  sonne  by  wynkyn  de   worde.    The 

yere  of  our  lorde  .M.Ü.XXI. 

1  1.  und  2.  siehe  s.  226  und  256. 

*  So  im  druck.  3  Im  druck:  thefe. 


588  FLÜGEL, 

4. 

Chrittmas  Carolles.  newHy  Inprintcd.    Ohne  jähr. 

(Douce  Fragmente  1*4.} 

%  A  caroll  of  the  bvrth  <»f  Chrvst 

•  • 

C    Couie  to  Bethleera  and  ye  shal  se 
Puer  natu»  est  hodie. 
A  woman  a  mayd  &c. 
Synfull  man  &c. 

00  the  crosse  &c. 

^!    Farewell  aduent  &  haue  good  daye 
Chrystmas  is  come,  nowe  go  thy  way 
(Jet  the  hence  what  doest  thou  here 
Thou  hast  no  loue  of  no  beggere 
Thou  unkest  vs  fast  with  euyll  chere 
With  farewell  aduent. 
Thou  takest  on  y«  more  thä  doth  y«  lent 
The[n]'  d wellest  so  long  that  y°°  art  shent. 

*j    Whan  alleluya  is  a  lofte 

1  go  gay  and  syt  softe 
And  than  I  am  mery  ofte 

As  any  byrde  on  brere 
^  Whan  laus  tibi  conieth  to  towne 
Than  ine  behoueth  to  kncle  downe 
And  euer  to  be  in  orisowne 
As  it  were  a  frere. 
••"  Koone  at  Kaster  erimeth  alleluya 
With  butter  diese  and  a  tansay 
It  is  nothynge  to  my  pay 
That  he  taryeth  away  so  long« 
••"  Myght  I  byde  shere  thureday 
Laus  tibi  shall  go  away 
And  1  haue  wepte  that  I  may 
Though  he  neuer  come  vs  amouge. 

Finis. 


In  the  honour  of  Christes  byrth 
Syng  wc  al  with  ioye  and  myrthe. 

IN  this  tyine  of  Chiystmas 
Bytwyxte  an  oxe  and  an  aase 
A  uiayden  delyuered  was 

Of  Christ  her  dere  son  dere. 
•1    The  husband  of  Mary 

[Saft]  Joseph  stnode  her  by 
And  saide  he  was  ready 

To  scrue  her  if  nede  were. 

Im  drucke  Thcu  (ob  Thou  gemeint?) 


LIEDERSAMMLUNGEN. 


589 


H    Wh  an  she  her  deare  sonne  se 
She  set  him  on  her  kne 
And  song  hydder  to  nie. 

Cum  basse  thy  moder  deare. 
$  On  her  lap  she  hiui  layde 
And  with  her  pappe  he  playde 
And  euer  sang  the  mayde 

Cüine  basse  thy  niother  dere. 
•"   With  lyppes  collyng 

II is  niouth  ofte  she  dyd  kysse 
And  sayd  sweete  hert  myne 
I  pray  you  make  good  chere. 
W  To  this  chylde  let  vs  pray 
That  borne  was  on  this  day 
Of  Mary  the  mylde  may 

To  graunt  vs  all  good  chere. 
11    Finis. 


M>. 


5. 


M  11    Bassus. 

[\h]   In  this  boke  ar  coteynyd  .XX.  sfiges  .IX.  of  jjjj. 
of  thre  p*rtes. 
Uli.  partes 


p^tes  and  .XI. 
jjj.  partes 


Pater  noster 

By  by 

She  in ay  be  eallyd 

The  bella 

My  loue  niournyth 

Pleasure  it  is 

Ut  re  my  fa  sol  la. 

Ut  re  my  fa  sol  la. 


Cornysh 

Pygot 

Ashwell 

Tauernar 

Gwvnneth 

Cornysh 

Fayrfax 

Cowper 


In  youth  Cowper 

Beware  my  lytyll  fynger 
So  great  vnkyndnes        Cowper 
Who  shall  haue  my  fayr 

lady  Jones 

Mynyon  goo  trym 
Joly  felow  Joly 
And  wyl  ye  serue  me  soo 
My  harte  my  tnynde       Tauernar 
Loue  wyll  I  Tauernar 

My  hartes  lust  Fayrfax 

I   Fa  la  soll  Cornyshe 

.    Anno  dni  .M.CCCCC.XXX.    Decimo  die  mensis  Octobris. 

[Äj;  2»]  Pater  noster  qni  es  in  celis  santificetur  nonie  tuii  adueniat  regnö 
tuum  fiat  volunt&s  tua  sicut  in  celo  et  in  terra  pane"  nostrii  quo- 
tidianü  da  nobis  hodie  et  dimitte  nobis  debita  [2b]  nostra  sicut  et 
nos  Dimittimns  debitoribus  nostris  Et  ne  nos  inducas  In  tempta- 
cionem  sed  libera  nos  a  malo.    Amen.  Cornyshe. 

[3»]  In  youth  in  age  both  in  welth  and  woo 

auxiliu  meum  a  domino. 
[3b]  Though  po[etts  feyn  that  fortüe  by  her  chaüce 

ad  her  frewyl  doth  oppres  &  aduftce 

forttie  dothe  mysse  her  wyl  ä  lyberte 

Then  trust  to  vertu  let  fortüe  go 


590 


FLÜGEL, 


[4*]    auxilium  raeu  a  domi[no. 

Of  grace  diufe  wyth  heufly  assystes 

yf  vertu  do  reniaf  e  v*-rtu  all  way 

wh£  she  lyst  may  call  fortiis  chauoc  agayn 

what  [fors  1  then  thowgh  fortunc  be-  my  foo 

Auxiliil  meu  a  domino. 


^  1 II 1 8. 


Cowper. 


15»]     By  by  lullaby 

by  by  lullaby 

rockid  I  my  chyld 

by  by  by  by  by  by  lullaby 

rockyd  i  my  child 

f  a  dre  late  as  I  lay 

me  yought  i  hard 

a  maydyn  say 

&  spak  thes  wordys  mylde 

my  lytil  sone 

with  the  i  play 
[bh]     &  co  she  sog 

by  lullay 

th"8  rockyd  she  her  chyld 


r  mis. 


by  by  lullabi 

by  by  lullabi 

rockid  1  may  child  by  by. 

The  merueld  I 

ryght  sore  of  thys 

a  mayd  to  haue 

a  child  I  wys  (G»;  $j] 

By  by  lullaby 

tli»«  rockyd  she  her  chyld 

by  by  lullaby 

by  [by]  lullaby 

rockid  I  my  chyld 

by  by  by  by  by  lullabi 

rockyd  I  my  chylde 


Bewar  my  lytyl  fynger 
syr  I  yow  desyre 
bewar  my  lytyl  fynger 
bewar  my  lytyl  fynger 
bewar  my  lytyl  fynger  syr 

[7  »]     1  yow  ||  desyre 

bewar  my  lytyl  fiuger  syr 

1  yow  desyre. 

ye  wryng  my  band  so  sore 

I  pray  yow  do  no  more 

ala8  alas  ther  for 

ye  hurt  my  lytyl  ffger 

why  so  do  ye  say 

ye  be  a  wätö  may 

[7'»]     I  do  but  wyth  yow  play 
beware  my  lytyl  fynger 
beware  my  littil  finger  syr 
I  yow  vt  supra. 
Syr  no  mor  of  suche  sport 
for  I  haue  littil  cdfort 

[b"|     of  your  hether  re  ||  sort 
to  hurt  my  littil  ffger 
for  soth  goodly  mastres 
i  am  Mori  for  yowr  disese 


a  lac  what  may  yow  plese 
bewar  my  littil  ffger  |&c.| 
For  soth  ye  be  to  blÄe  [&*>] 

1  wis  it  wyl  not  fräe 
yt  ys  to  yow  gret  softe 
to  hurt  my  lytyl  fynger 
yt  was  agayn  my  wyl  certayn. 
yet  wold  I  haue  yt  hole  agayn 
for  I  am  sory  for  your  payn 
t>ewar  my  lytyl  fyn  ||  ger  [&c]  [9*] 
Seyng  for  the  cause  ye  be  sory 
1  wold  be  glad  wyth  you  for  to 

mary 
so  that  ye  wold  not  ov«  \6g  taiy 
to  hele  my  lytyl  fynger 
I  sayd  ||  wyth  a  ioyful  harte 

agayiie    [9  b] 
of  that  1  wolde  be  ful  fayn 
and  for  your  sake  to  take  sumpayn 
to  heel  your  littyl  finger 
bewar  my  littyl  finger    |&c] 
Then  we  hothe  agrede    [10*;  G j] 
I  pray  yow  by  owr  weddf  g  weile 
&  thä  we  hall  baue  lyttyl  nede 


LIEDERSAMMLUNGEN. 


591 


to  hele  my  lyttyl  ffger 
that  I  wyl  by  gods  grace 
I  shal  deck  your  mynyö  face 
that  yt  shal  shy  ne  feuery  place 
[10  b]  &  heie  y0nr  lytyl  fiTger. 

bewar  my  lytyl  ffger 


Alas  my  lytyl  ffger 

and  0  my  lytyl  fynger 

a  lady  marcy 

ye  hurt  my  lytyl  fynger 

beware  my  lytyl  fynger 

syr  I  yow  desyre     vt  snpra 


Finia. 


[11»]  She  may  be  calryd 
a  souerftt  lady 
That  ys  a  mayd 
and  beryth  a  baby 

A  mayd  perles 
hath  borne  godys  son 
nature  gaue  place 

[1 1 b]   when  gostly  grace 
sub'tude  reson. 
she  may  be  callyd 


As  for  bewty 

or  hy  gentrye 

she  is  the  floure 

by  god  electe 

for  this  ef  ||  fect  [12*] 

ma*  to  socour 

she  may  be  callyd 

a  souerant  lady 

That  ys  a  mayd    vt  supra 

Of  vyrgyns  quene 
lodester  of  lyght 
whom  to  honor 


A  son  erat  lady 

that  is  a  mayd    vt  supra 

[12h]  we  onght  ||  endeuer 

vs  day  &  ny[ght] 

She  may  be  callyd    [&c.] 

The  bella  the  bella 
[13*]  we  maydfs  beryth  ||  the  bella    [2  mal  widerholt] 
[I3b]   How  praty  &  p*°per  now  that  we  be 

so  cöly  vnder  kella    vt  supra    the  bella  the  bella 
[14»;  $i]   we  be  maydyns  fayr  &  gent 

wyth  yes  gTey  &  browys  bent 

we  be  cü  for  thys  ftent 
[14b]  our  selfys  now  for  to  sell||la[I]  the  bel[la]    vt  snpra.1 

[15b]  So  gTet  vnkyndnes  wythoute  deseruyng 

was  neuer  shewyd  to  man  erthly 

saue  only  to  me  In  wo  now  endnryng 
[16»]  as  man  most  infortunate  wythout  any  |  remedy 

for  her  fauor  haue  I  lost  whom  I  lonyd  only 

wythout  thought  to  haue  ehangyd 

as  I  dyd  promise 

Euer  to  haue  seruyd  her 

In  most  hübyll  wyse. 
[16b]  Bat  now  I  am  rewardyd 

1  Assay  you  then  non  of  ther  spyce  for  it  wyl  make 
your  bely  to  swell  .  the  bella    vt  supra 
[15»]   for  then  euery  man  wyl  laugh  yow  to  skorn 
and  say  kytt  hath  got  a  clap  vnder  a  thorne 
alak  wher  shal  we  then  dwella  .  the  bel[la]    vt  snpra. 


592  FLÜGEL, 

wyth  a  small  recompence 
by  a  surinyse  of  thein 
that  be  most  vntr[e]w  deuiyd 
I  am  to  haue  done 
A  gret  oflfence 
[17*]   to  her  that  iny  sorous  en  ||  cresyth  new  &  new 
wyth  her  vnkynd  delyng  for  all  that  1  do  shew 
for  my  decleracion  though  I  be  beleued 
so  well  as  other  whych  sor  hath  uie  greuyd. 
[17b]   But  on  my  fortunc  wyl  1  neuer  complayn 
[S]ol  that  for  euer  I  be  refusyd  of  her 
that  now  I  am  in  gret  dysdayn 
through  falce  wordys  whyche  be  all  fenyd 
[18*;  (Sj]   tu  cause  tue  to  lese  ||  her  that  I  best  louyd 
whych  I  trust  verely  wyth  out  deseruyng 
wyll  not  refuse  me  for  a  falce  surmysyng 

Finis  quod  docter  Cowper. 

flSb]    WHo  shall  haue  my  fayr  lady 
who  but  I  who  but  I  who 
who  shall  haue  my  fayr  lady 
who  hath  more  ryght  therto  [?] 
This  lady  clere  For  loue  swetnes 

That  1  sheu  here  &  joy  ßdles 

[19*]   mä  soul  yt  ys  trust  [ye  I  made  my  lady  fire 

to  cryst  most  dere  vnto  my  lyknes 

it  hath  no  pere  I  gaue  her  quicnes 

ther  for  thys  song  syng  we  in  paradyse  tu  be. 

who  shal    vt  supra.  who  shal  haue    vtsupra    (19*] 

0  my  swet  störe 
my  true  loue  therfore 
thy  place  yt  ys  a  buue 
what  man  mav  do  more 
than  only  dy  therfore 
lady  for  thy  loue 
who  shall    vt  supra. 
Finis.8 

Mynyon  go  trym  go  tryin 
&  mynyou  go  trym  go  trym 
thys  ys  a  song 
thes  men  among 
of  mynyon  go  trym. 

[20»»]   Thys  mynyon 
ys  in  London 

'  Im  drucke:  to.        *  Von  K.  Jons.   Ein  weltliches  lied  mit  gleichem 
anfaug  Add.  Ms.  4:>t>5,  toi.  *#*•«». 


LIEDERSAMMLUNGEN.  593 


freshe  as  any  jay 

ther  ys  wyth  hyui 

hys  mastres  tri" 

fresh  f  her  aray 

wytli  mynyon  go  trf 

uiynyon  go  trf  go    vt  supra. 

[21  a)    Thys  mynyon  ys  to  wyne  ||  Goone 
ther  to  111  akc  bale  chere 
then  folowyth  trym 
as  slie  wold  swyui 
A  mastres  sanspere 
wyth  mynyon  go  trf 
mynyon  go  trf    vt  snpra. 

[2I'»|   Thys  mynyon  wyll  syng  ||  A  none 
there  to  sprig  &  dauce 
ye  shall  se  trym 
shake  bone  &  lim 
non  lyke  hece  to  frailce 
with  uiynyon  go  trym 
mynyon  go  tri" 

[22*;  gj]   wheu  all  is  done  this  uiynyon 
ys  A  rutterkyn 
non  lyke  to  hym 
but  only  trym 
hys  owne  suterkyn 
wyth  mynyon  go  trim 
mynyou  go  trym  go    vt  supra. 

Fiuis. 


[22 h]   Joly  felowe  ioly 
ioly  felowe  ioly 
yf  thou  haue  but  ly tyll  uiony 
spend  it  not  f  foly 


A  prety  we"che  may  be  plesur 
in  dalyance  she  may  endure 
yf  she  be  trym  proper  &  pure  [23  b] 
Joly  felow  ioly 

but  sped  yt  on  A  prety  w^che      ioly  felow  ioly  ioly  vt  supra. 
&  she  slial   help  the  at  A         Ly  tyll  mony  dothgret  com  |j  fort  [24»] 

pfche  |   spende  [it]  on  the  mynyon  sort 

28 «]    hey  ioly  felow  io  ||  ly  ioly       \   delytyng  in  honest  dysport1 
hey  ioly  felow  ioly.  hey  Joly  j   Joly  felow  Joly    vt  supra. 

Finis. 

[24 b]   ANd  wyll  ye  serue  me  so 

For  my  kyndnes  thus  to  serue  me  soo 

In  fayth  ye  be  to  blame 

for  my  good  wyll  me  to  dyffame. 

1  Im  drucke:  dysporst. 

Anglia,  XII.  band.  SS 


594  FLÜGEL, 

[25«]   äd  therof  to  make  A  game 
and  yet  to  serue  me  so. 
And  wyll  ye  serue  me  soo 
For  my  kyndnes    vt  supra. 
Be  crist  spare  not  hardely 

[25 *»]   1  trust  ons  or  ||  tbat  I  dye 

to  do  as  iuoche  for  yow  pcrdy 
&  yf  ye  serue  me  soo 
And  wyl  ye  serue  me  so 
For  my  kyndnes    vt  supra 
why  then  a  dew  Adew  I  wyll  be  playn 
[2t»»;  ©j]    be  surc  your  ||  Company  I  schal  refrayn 
which  at  length  shall  be  to  your  payu 
I  fors  not  though  ye  serue  me  so 
And  wyll  ye  serue  me  so 
tbr  my  kfdnes    vt  supra 


[2üh]   MI  hart  my  niynde  ad  my  hole  poure 

my  seruyce  trew  wyth  all  my  uiyght 

on  lod  or  see  f  storme  and  shour 

1  geue  to  yow  be  day  &  nyght 

&  eke  my  body  for  to  fyght 
[27*1   My  goods  also  be  at  your  plesur 

Take  me  &  myne  as  yowre  owne  tresure 

when  your  wyll  is  be  uygt  or  day 

to  ryde  or  go  I  wyll  be  prest 
[27  »»|   &  not  to  refuse  that  l  ||  do  may 

to  perysh  tue  hart  wyth  in  my  brest 

aduersät  trobles  at  your  request 

shal  nie  not  dere  but  to  be  pleasure 

take  me  and  myn  as  your  owne  tresure 
[2$*]   yf  ye  fare  well  gicat  myrth  I  make 

yf  you  mysfare  the  contrary 

my  grefe  doth  grow  my  myrth  doth  slake 

and  redy  I  am  strayt  for  to  dye 
[2b b]   as  ye  do  fare  euyn  ||  so  fare  I 

your  wo  my  payn  your  Joy  my  plesur 

take  me  and  myne  as  yourc  owne  treasnre 

yow  for  to  please  it  ys  my  uiynd 
[29*]   and  you  to  serue  my  wyll  yt  ys 

what  shuld  1  more  thus  wast  my  wynd 

1  haue  no  thyng  that  you  ean  myse 

nur  ought  can  do  wyth  my  seruyce 

and  |so  I]  shal  be  at  your  pleasure 
[29 h]   take  me  and  myne  ||  as  youre  own  treasure. 

Finis.  (Tauerner.) 


LIEDERSAMMLUNGEN. 


595 


LOue  wyll  I  &  leue  so  yt  may  befall 
I  hold  yt  great  wysdom  in  that  gouernatfce 
[30 »;  £j]   a  hard  thfg  it  is  proue  it  who  ||  so  shall 

A  mannys  thought  to  know  by  hys  coiitenance 
Sum  tyme  I  was  in  loays  daüce 
&  cowde  not  be  wäre  tyll  I  dyd  aspy1 
how  that  1  rode  on  mocke  toll  preuely. 

quod  Master  Tauerner. 


[30 b]   ANd  1  mankynd  haue  not  in 

mynd 
my  loue  that  mornyth  for  me 
who  is  my  loue      [for  me 
but  god  Aboue 

[31«]   that  born  was  of  mary[!] 
ad  on  the  rode 
hys  precious  blöde 
he  shed  to  make  me  fre 
whoin  shold  I  proue 
so  true  of  loue 
so  getyll  &  curtes  as  he 
that  kfg  of  blys 
my  loue  he  ys 

[31  h]   that  mornyth  so  sor  [for  me 
The  father  hys  son 
frö  heuyn  sent  down 
&  borne  was  of  A  mayd 
The  prophesye  of  Isay 
fulfyllyd  he 

and  sayd  behold  mankynd 
thy  niaker  most  louyng  for 

thy  loue 

[32  »]   Couie  to  dye  what  ys  thy  [mynd 
to  be  so  vnkynd 
syth  I  so  mourne  for  the  for  the 
that  virgyns  chyld 
most  uieke  and  myld 
alonly  for  my  sake 
hys  fathers  wyll 


for  to  rulfyl 

he  came  great  payns  to  take 

and  soffred  deth 

as  scrypt[ur  sayth  [32 b] 

that  we  shuld  sauyd  be 

on  good  fryday 

wherfor  I  say 

he  mournyd  sore  for  me  for  me 

Such  payne  and  smart  as  in  hys 

he  suffred  for  mankynd     [hart 

can  no  man  take 

nor  mournfg  make 

so  mekly  for  hys  frend         [33  »] 

the  cruel  Jeus 

wold  not  refuse 

to  nayel  hym  to  a  tre 

and  wyth  a  dart 

to  perce  hys  hart 

thus  monrnyd  he  for  me. 

Now  cryst  Jhü 

of  lone  most  trew 

haue  mercy  apon  [me  [SS»>] 

I  axe  the  grace 

for  my  trespas 

that  I  haue  done  to  the 

for  thy  swet  name 

saue  me  from  shame 

and  all  adversytye 

for  marys  sake  to  the  me  take 

and  mourn  no  more  for  me. 

(Johö  gwynneth,  eb.) 


[34»;3j]  PLeasnre  yt  ys 
to  here  I  wys 
the  byrd[e]s*  synge 
the  dere  in  the  dale 
the  shepe  in  the  vale 


1  Druck:  asspy.       *  byrds  im  druck. 


88* 


596  FLÜGEL, 

the  corne  spryngyng 
Gods  purayaunce 
for  sustenaunce 
yt  ys  for  man 
tben  we  alwayse 
[34  ••]   to  hyin  ||  giuc  prase 
&  thfik  hyin  than 
&  tliäk  liym  than. 

Finis.  Cornysbe. 

[3ü*]!    MI  hartys  lust  &  all  my  plesure 

ys  geuyn  wlier  I  may  not  take  it  ageyne  » 
do  ye  repent  (?)  naye  I  mako  you  suer 
what  ys  the  cause  then  ye  do  eopl[ay]n[?]  ;* 
[3f> b]   yt  plesyth  iny  ||  hart  to  shew  part  of  my  payn  / 
to  whom[V|  to  you[!|  pease  that  wyll  not  l>e[!] 
all  these  wordys  to  nie  they  be  in  vayn[,] 
complayn  you  wbere  ye  may  haue  remedyj!] 
[37 u]   I-  do  coplayn  and  ffd  no  relese[!] 

yee  do  ye  so[V]  I  pray  you  tel  mc  how[!] 
My  lady  lyst  not  my  paynys  to  redres[!] 
say  ye  soth[V]  yee  I  make  god  a  vowe[!] 
[37 b]   wbo  ys  your  la||dy[V]  I  put  ease  you[!] 
who  I[,l  nay  be  ye  suer  yt  ys  not  soo[!] 
In  fayth  ye  be[I]  wby  do  ye  swer  now[V] 
for  in  good  fayth  I  loue  you  and  no  moo[!) 
|3S*;Äj)    No  mo  but  me[V]  no  so  sayd  I|!] 

may  I  you  trust[?]  yee  I  make  yow  sure|!] 
I  fere  nay[I]  yes  1  shall  teil  yow  wby[I] 
teil  on  let  here[!]  ye  haue  my  hart  in  cure[!) 

[3Sb]:l  your  hart  nay[V]  yes  wyth  out  mesure 

1  Der  schluss  von  34 b,  35 *  und  35 '»  sind  mit  einer  komposition  su 
folgendein  texte  ausgefüllt:  Concordana  niusycallJugyd  by  the  ere  of  syg- 
tys  gydyng  to  thexpert  thyng  touchyng  dotli  execute  the  souns  that  were 
of  Tubais  hammers  by  pictagoras  contryuyng  As  to  thys  matter  nothyng 
to  smellyng  The  thQ"  we  shall  gyue  laude  to  hym  that  gyueth  vs  all. 

*  Druck:  ya. 

:i  Nun  folgen  noch  dreizehn  Seiten  singiibungen  ohne  text  mit  der 
Unterschrift:  Qu  od  Doctor  Couper.  Dann  folgt  handschriftlich  einreftlgt: 
Hehold  &  see  &c.  und  das  oben  im  text  gegebene  patriotische  Hed. 

Den  text  des  folgenden  Iicdes  (von  Thomas  Stretton)  wage  ich  nicht 
in  versc  abzuteilen. 

Behold  &  see  how  byrds  dothe  fly  coke  crow  mydey  pype  mery 
And  wyll  you  go  to  L[o]ndon  to  bv  a  calffes  hede  thvrty  herryngi  for 
a  peny"  fy  yt  is  dogge  cheppe  call  the  boy  colyn  chynke  yesterday 
was  owr  dame  kow  broght  to  grase  w»th  heyffe  Sc  how  Rdbelow  cry 
owt  a  pace  hardlv  Ho  were  wyll  be  grene  that  is  but  reson  &  they  cü 
yn  season  w*i»  sl:ikc  cost  nie  nawglit  tomlyn  whether  go  y°w  now  to 
catche  bvrd>a  w(  byrdlyme  &  rods[.]all  sparos  sehall  keep  theyr  oatta 
füll  shoft    Cu  to  mc  ctl  podyngs  wyll  be  dere  tbryps  and  chytterlysga 


LIEDERSAMMLUNGEN. 


597 


I  do  you  loue[!]  I  pray  you  say  not  so[!] 

in  feyth  I  do  [!]  may  I  of  you  be  suro  [?] 

yee  in  good  fayth[!]   Then  am  I  yours  all  soo[!] 


Anhang. 


By  a  banke  as  I  ley 

uiiisyg  In  my  mynd 

on  thyngs  that  were  past 

In  the  mery  monthe  of  niey 

[som]1  what  before  the  dey 

nicthoght  I  hard  at  the  last 

how  a  byrd  begä  ftül  fast 

w*  notis  hy  w*  notis  hya 

armonyously  to  syng 

blessyd  is  that  lond 

of  ye  lords  own  hond 

yt  hathe  a  nobull  kyng 

yt  h/a/n/b/k/    yt  h/a/n/b/kg» 

The  nyghtyngall 

ye  lady  &  mestres  of  all 

Musyk  syttyng 

In  the  valle  syngyng 

wl  notis  siualle 

she  inarblythe  the  wonders  thik 

uiy  spryttes  the  waxyd  quyk 

for  ioy  to  here  for  Ioy  to  here* 

how  she  begä  to  syng 

blessyd  she  seyd 

ynglond  awake 

Re[j]ois3  bothe  nyght  &  dey 

&  such  myrthis  make 


now  for  thy  princes  sake 

&  put  all  care  awey 

Wherfor  comfort  and  assey 

this  joyfull  song  this  joyfull  song* 

wlth  me  to  syng 

blessyd  &c. 

This  excellent  pr*nce  of  myght 

y«  defender  of  owr  feythe 

who  cä  sey  nay 

gods  own  chosen  knyght 

wlth  the  for  to  fyght 

that  ageynst  bis  word  do  sey 

now  lord  as  thow  best  may 

send  hy  long  lyff  send  hf  long  ly ff 2 

th£  may  we  surly  syng 

blessyd  [&c] 

None  may  w*ih  htf  cöpare 

thorow  owt  all  crystendu* 

we  may  ryght  well  sey  so 

god  keepe  hf  styll  frö  care 

&  send  hf  well  to  fare 

Whersoeu"  he  ryde  or  go 

his  heuynes  ouer  wo 

his  pleser  ouer  joy  his  plesur 

ou«  joy 
wherfor  sure  now  let  vs  syng:  || 


ouer  blow  my  hörne  behynde  cö  blow  A  torne  Agayne  robyn  &  bende 
on  thy  bow  wl  torne    Ageyne  Kobyne  &  bend  on  thv  bow. 

qnod  samont  notterts. 

1  Druck:  and  what.      *  Widerholt      8  Druck:  Reyoes. 


Leipzig. 


Ewai-d  Flügel. 


ON  CODEX  JUNIUS  XI. 

(pp.  143  to  212.) 

It  is  well  known  that  the  tcxt  of  the  so-called  Casdmon 
pocms  rests  on  the  authority  of  a  single  manuscript  —  Codex 
Junius  XI. 

Having  reeently  examined  tbe  part  of  this  MS.  which  con- 
tains  tbe  Exodus  and  Daniel  pocms,  viz.  pp.il43  to  212,  I  pro- 
pose  now  (1)  to  make  a  few  remarks  on  sections  B,  C,  and  D 
of  Prof.  Stoddard's  article  on  the  Codex  (Anglia  X),  as  far  as 
they  concern  the  pagcs  above  mentioned;  (2)  to  make  a  few 
additions  to  the  eollation  of  Exodus  and  Daniel  by  Prof.  Sievers 
in  Haupt  XV,  459;  (3)  to  give  a  list  of  instances  in  which 
Grcin's  edition  of  these  poems  varies  from  the  MS.  without 
attention  being  called  to  the  fact  in  the  foot-notes;  (4)  to  give 
a  list  of  similar  variations  in  the  tatest  independent  edition 
of  the  Exodus,  viz.  that  by  Prof.  F.  Kluge  (Angelsächs.  Lese- 
buch pp.  85—00);  and  (5)  to  offer  a  few  comments  on  the 
textual  suggestions  by  0.  Hofer  in  the  anhang  to  bis  article: 
*Ueber  die  entstehung  des  Daniel'  {Anglia  XII). 

1.   Stoddard  B. 

Five  places  are  mentioned  in  which  folios  have  been  re- 
moved  between  p.  143  and  p.  213,  viz.  164,  174,  180,  182  and 
212.    I  will  take  np  these  cases  in  order. 

I.  The  first  is  nnimportant,  sincc  pp.  104  and  105  are 
both  entirely  blank. 

II.  No  break  in  the  sensc  is  noticeable  at  p.  174.  the  last 
word  of  which  -  -  beorna  -  -  is  a  genitive  dcpending  on 
unrim,  the  first  word  on  p.  175.  The  supposed  missing 
folio  m u st  therefore  have  been  blank  on  both  sides,  since 
thcre  are  no  picturcs  in  the  Codex  after  p.  90.    There  aro 


LAWRENCE,  ON  CODEX  JÜNIUS  XL  599 

no  knife  marks  either  on  p.  174  or  on  p.  175.  There  is, 
it  is  true ,  a  narrow  slip  of  parehment  between  the  pages, 
which  forma  part  of,  and  holds  in,  folio  175 — 6,  the  string 
of  Gathering  XIV  passing  here.  This  folio  was  probably 
in  its  present  condition  when  the  Codex  was  bound. 

III.  The  case  of  pp.  180  and  181  is  more  important,  because 
here  there  is  a  manifest  break  in  the  poem.  That  a 
folio  has  been  '  roughly  torn  out'  is,  however,  not  possible. 
The  'fragment'  between  pp.  180  and  181,  which  is  about 
3  inches  long,  by  »/s-  of  an  inch  broad,  has  a  sharp 
cdge  such  as  a  knife,  bnt  not  sneh  as  tearing,  would 
leave.  It  serves  to  hold  in  folio  169 — 170,  and  is  broad 
enough  to  cover  almost  completely  a  Perforation  which 
extends  from  p.  172  to  p.  182,  bnt  of  which  there  is  no 
trace  in  the  fragment  itself.  The  resnlt  of  my  examina- 
tion,  in  which  I  had  the  valnable  assistance  of  Prof.  Napier 
and  Mr.  Madan,  is  that  the  discontinnity  in  the  poem  at 
this  point  must  be  put  down  to  the  scribe. 

IV.  The  evidence  for  the  removal  of  a  folio  at  pp.  182  and 
183  is  strong,  as  here  the  npper  part  of  a  fragment  inter- 
vening  between  the  pages  coincides  exactly  with  a  knife 
mark  on  page  182.    Yet  the  sense  is  not  broken. 

V.  The  interesting  Suggestion  that  at  p.  212  a  folio  has  been 
cut  out,  containing  the  conclnsion  of  the  Daniel,  most,  I 
fear,  bc  rejected.  The  only  external  evidence  for  this  is 
the  existence,  in  the  upper  part  of  p.  212,  of  a  cut  3  in. 
long,  of  which  half  goes  right  through  the  parehment 
This,  in  the  absence  of  any  fragment  between  pp.  212 
and  213,  seems  hardly  enough  to  argue*  the  excision  of 
an  entire  folio. 

C. 
The  marginal  letters  Xb  are  not  peculiar  to  Codex  Jun.  XI 
(cp.  Academy,  March  16  and  23,  1889).  Mr.  St.  seems  not  to 
have  noticed  the  marginal  words  healf  trymt  (p.  98)  and  healf 
um  (p.  100).  Prof.  Napier  suggests  that  the  seeond  word  is  an 
abbreviation  of  tramet,  pagina  (cp.  Schröder,  Benedietinerregel 
p.  133, 1. 2),  pL  irametas  (Germania  XXIII,  p.  398);  against  which 
the  only  objeetion  is  the  y  in  the  word  as  given  on  p.  98. 

It  is  significant  that  these  marginal  words  oeeur  immediately 
betöre  the  first  blank  half-pages  in  the  MS.,  the  last  picture 


600  LAWRENCE, 

(which  is  unfinished)  being,  as  already  mentioned,  on  p.  00. 
Such  blank  Spaces  are  frcquent  throughout  the  first  portion 
of  Codex  Jim.  XI,  that  is  up  to  p.  212,  and  were  no  doubt 
intended  for  illustrations.  The  marginal  words  in  question, 
bowever,  occur  nowbere  eise  tban  on  pp.  98  and  100. 

Stoddard  D. 

The  MS.  omits  the  numbering  of  two  chapters  (not  of  one 
only,  as  S.  states)  between  XL1X  and  LV,  viz.  of  LII  and  LIV, 
commencing  on  pages  184  and  199  respectively.  Thorpc  also 
omits  the  number  LIV,  nor  does  he  give  any  sign  to  show 
where  the  chapter  begins,  although  the  initial  I>  on  p.  199  is 
iinusually  large,  going  throngh  five  lines. 

The  three  numbers  omitted  between  XXXVII  and  XLVII 
are  XLIII,  XLIV,  and  XLV,  absent  from  pp.  146,  148  and  149, 
respectively.  The  initials  havc  also  been  omitted,  bat  Spaces 
are  left  for  them. 

Chap.  XLIV  brcaks  off  abrnptly  with  the  words  'wr  ge\ 
There  is  no  possibility  here  of  a  folio  having  been  cut  ont,  as 
pp.  148  and  149  belong  to  the  same  leaf,  the  string  of  Gather- 
ing  XII  passing  between  them.  The  gathering  possesses  only 
3  leaves.  It  is  probable,  therefore,  that,  as  Stoddard  suggcsts, 
a  whole  leaf  has  been  lost  at  this  place. 

2.   Additions  to  Sievers's  Collation. 

Exodus  30S :  MS.  leo}> 

„  327:  MS.  hand.    This  a  altered  froiu  an  e.    Junius  reads  hcläd, 

but  corrects  to  hand  in  the  *  Errata'. 

„  331:  MS.  mod-gade.    The  connecting  stroke  slightly  curved.1 

n  458:  MS.  mod-gode 

„  525:  MS.  Run 

Daniel  102:  MS.  gengum.    More  like  geaguui. 

n  210:  MS.  onmalde.    The  a  adapted  from  e. 

„  400:  MS.  breostum.    The  r  altered  froin  a. 

„  430;  MS.  sien,on.    (The  mark  ,  usually  signifies  an  Omission.) 

„  499:  MS.  wyrtum.    The  r  an  afterthought  for  rv. 

„  530:  MS.  8itytro.    More  like  saytro. 

n  629:  MS.  herewoxan.    For  sa,  the  scribe  wrote  first  of  all  r,  tho 


1  A  hyphen  at  the  end  of  a  line  where  a  word  has  been  left  un- 
finished  is  pretty  frecpient,  but  by  no  means  regulär.  The  hyphens,  like 
the  accents,  may  have  been  added  by  a  later  hand;  but  were  that  the 
case  the  former  would  probably  occur  more  regularly,  and  the  latter  would 
probably  have  a  more  uniform  slant  than  we  find.  * 


ON  CODEX  JUNIÜS  XI, 


601 


second  stroke  of  which  is  used  for  thc  completion  of  the  s 
and  commencement  of  the  a.  I  read  the  word  at  first  here- 
worin. 

The  foregoing  additions  have  to  do  merely  with  peculiar- 
ities  in  writing  which  have  not  affected  the  printed  texts.  The 
following  are  more  important:  — 

1.  Additions  to  Sievers: 

Thorpe  MS. 

Exodus  v.  1 75 :    cining  cyning 

Daniel    v.  138:    gecwaedon  gcwsedon 

(so  also  Junius) 
„       v.  682:     litel  lytel 

2.  Errors  in  Sievers: 

Siev.  (Haupt  X)  MS. 

Exodus  v.  161:    hreopan  hwreopan 

v.  177:    hei  het 

v.  532 :    wirecum  wreccuin  (cf.  p.  608). 


n 
n 


3.   Grein's  Variations. 

Tliosc  printed  in  italies  are  shared  by  Thorpe.  Thc  nnmer- 
ons  instances  in  which  Grein  has  p  for  Ö  are  not  included  in 
thc  subjoined  list. 


Grein 

MS. 

Exodus 

V.   1       .   . 

habbaö     .    . 

.    .    habaÖ 

n 

4     .  . 

uproder    .    .    . 

.    uprodor 

n 

6     .  . 

lifgendra  .    . 

.    .    lifigendra 

n 

17     .  . 

magoraswan 

.    magorseswum 

n 

67     .  . 

uiearclondum    . 

.    .    mearclandum 

n 

107     .  . 

her g es      .    .    . 

.    heriges 

n 

115     .  . 

n 

118     .  . 

wedrum    .    . 

.    .    wederum 

n 

122     .  . 

)?ain  here^reate 

.    in  t>am  here^reate 

n 

146     .  . 

pa  heo  his  . 

.    .    9a  heo  heo  his 

n 

156     .  . 

Faraones .    .    . 

.    faraonis 

n 

165     .  . 

sefenleod  .    .    , 

.    .    aefenleoÖ 

n 

175     .  . 

.    .    cyning 

!? 

176     .  . 

wselhlencan  .    . 

,    .    hw&lhlencan 

n 

177     .  . 

heht     .    .    .    . 

.    het 

!? 

179     .  . 

eagum      .    .    . 

.    eagan 

n 

200     .  . 

on  wicum 

.    .    in  wicum 

•  * 

227     .  . 

«fieles      .    . 

.    .    seÖel&n 

» 

249     .  . 

beorhtest      .    . 

.    beorhtost 

55 

266     .  . 

ondrsedan     .    . 

.    andrsedan 

!5 

321  (uote) 

gyldene    .    . 

.    .    gyldenne 

n 

333     .  . 

saewicinge    .    . 

.    saewicinga« 

"5 

352     .  . 

Moyses    .    .    . 

.    moises 

602 


LAWRENCE, 

Grein 

MS. 

Exodus 

v.  371     .  . 

gehrvces    .    . 

.    .    gehaes 

n 

386     .  . 

beorg  .    .    . 

.    .    beorh 

n 

411     .  . 

eaforan     .    .    . 

.    .    eaferan 

r» 

424     .  . 

ealdre  .    .    . 

.    .    aldre 

n 

443     .  . 

Egypte     .    . 

.    .    egipte 

n 

470     .  . 

asaeled      .    .    . 

.    aesseled 

n 

477     .  . 

blodegsan     . 

.    .    blodegesan 

n 

500     .  . 

]>&  he  .    .    .    , 

.    .    Öa|>e 

n 

504     .  . 

heorofaeöinuiu 

.    .    huru  faeoimiui 

n 

524     .  . 

ginfsest     .    .    . 

.    gin  faesten 

n 

n         •   • 

caßgum      .    .    . 

.    esegon 

n 

520     .  . 

tueotodes      .    . 

metodes 

n 

532  (notc) 

wineccura 

.    .    wreecum 

n 

537     .  . 

gehwylces     . 

.    .    gohylees 

n 

544     .  . 

gsestas      .    . 

.    .    gastas 

n 

577     .  . 

golon  .    .    .    . 

.    galan 

• 

586     .  . 

heom    .    .    . 

.    .    heo 

»i 

5S9     .  . 

niapst    .    .    . 

.    .    in* 

Daniel 

V.  22     .  . 

lifgan    .    .    . 

.    .    hweorfan 

n 

23     .  . 

Israela      .    . 

.    .    israhela 

n 

34     .  . 

]>&\n  he     .     .    . 

.    f>am  |?e 

n 

62     .  . 

swilcc  all      .     . 

.    swilc  call 

n 

85     .  . 

n  all  es  .    .    .    . 

.    nales 

n 

91     .  . 

Ananias  .     .     . 

.    .    annanias 

r» 

138     .  . 

tjecwccdon    .    . 

.    .    gewsedon 

n 

176 

for  J^ain  he  .    . 

,    .    for  f>ara  |*e 

n 

183     .  . 

efncdon    .    . 

.    .    efndon 

n 

18*     .  . 

l>ri    .    .    .    . 

.    .    |>ry 

r» 

192  dioto 

herige  .    .    . 

.    .    herige 

ji 

207     .  . 

J?wt  |?is    .    .    . 

.    t>a  pis 

n 

20h     .  . 

|>isiie    .    .    . 

.    .    |?ysne 

n 

227  inote) 

wa  he  tvecs  .    . 

\>&  he  wies 

n 

232     .  . 

ginge   .    .    . 

.    .    geonge 

n 

254     .  . 

ofen     .    .    .    . 

.    ofn 

n 

266     .  . 

f>e  f>a  .    .    . 

.    .    we  |»a 

n 

268     .  . 

gefegon    .    . 

.    .    gefaegon 

» 

269     .  . 

ajning      .    .    . 

.    eynig 

» 

292     .  . 

seippend  .    .     . 

.    .    scyppend 

fj 

310     .  . 

forlspt  .    .    . 

.    .    forlct 

n 

317 

heora    .    .    . 

.    .    hyra 

n 

324     .  . 

|>;rt  |?U8  bis 

.    )>jet  his 

n 

356     .  . 

Ana  Dias    .    . 

.    .    annanias 

r» 

365     .  . 

heofenas  .    . 

.    .    heofonas 

n 

366     .  . 

on  rudcruio  .    . 

,    .    ot'  rodenim 

n 

381      .  . 

biestige    .    . 

.    .    bletsige 

n 

407  <«"'«) 

gewurbati 

.    .    gewuröad 

n 

429     .  . 

|>set      .    .    . 

.    .    hit 

ON  CODEX  JUNIUS  XI. 


603 


Daniel    v.  435 
443 


n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
n 
■ 
n 
n 
n 
n 


480 

489 

501 

505 

516 

583 

589 

592 

606 

609  (note) 

612 

621 

623 

624 

6S2 

701 

704 


r> 


712 
720 
727 
748 


Grein 
|*    .    .    . 
}>egen  .    . 
uionige     . 
tacn     .    . 
hlifode     . 
scilde  .    . 
wyrtruman 
yuib  seofon 
aweorpe  . 
firene   .    . 
on  sefan  . 
coro    .    . 
wyllc   .    . 
soniod 
locacle 
wildeora  . 
litel      .    . 
sidestan   . 
hebt     .    . 
/>«... 
Salomonen 
lygeword 
Sennara  . 
biere    .    . 


MS. 

|?egn 

monig 

tacen 

hlfode 

scylde 

wyrtruuiain 

ymbc  scofau 

awor])e 

fyrene 

in  sefan 

eart 

wille 

sauiod 

locode 

wild-deora 

lytcl 

siSestan 

het  (cf.  also  Hofer,  Anglia 

}>aui  XII,  p.  202) 

salomanes 

ligeword 

sennera 

bere 


The  only  instanec  in  whidi  therc  is  any  diflieulty  in  decid- 
ing  what  is  thc  MS.  reading  i«  that  of  trreccum  (Cod.  Jun.  XI, 
p.  169;  Exodus  v.  532). 

All  the  editors  agree  that  this  is  the  word  rcquired  by 
the  sense,  bat  all,  with  thc  exccption  of  Jnnins,  have  failed  to 
see  that  it  is  really  the  reading  of  the  MS.  They  give  it  in 
their  notes  as  follows: 

Thorpe,  Grein,  Kluge:    wineccum    MS. 


Bouterwek : 
Sievers : 


wrineccum    MS. 

wirecum   MS.  (c  for  cc  doubtless  by 
a  printer's  error). 

The  diffieulty  is  caused  by  a  V-shaped  cnt  which  com- 
pletely  divides  page  169.  The  word  wreccum  (minus  the  w) 
occnrs  just  in  the  angle  of  the  V,  the  left  arm  of  which  has 
sliced  off,  on  the  uppcr  side  of  the  cut,  the  curved  portion  of 
thc  wen  where  it  was  tbickest,  and  on  the  lower  side,  the  part 
of  the  left  stroke  of  the  r  which  extended  bclow  the  line.  It 
happens  that  in  the  stitching  together  of  the  two  parts  of  the 
page  (which  has  been  clumsily  done  with  a  coloured  thread 


604 


LOGEMAN, 


of  twisted  silk)  the  part  severed  from  the  w  has  been  brought 
jnst  opposite  the  end  eut  from  the  r,  so  that  the  two  together 
present  at  first  sigbt  the  appearance  of  an  /.  The  Iower  part 
of  this  apparent  letter,  however,  is  exactly  what  is  wanted  to 
complete  the  letter  r  which  comes  next  to  it  on  the  right, 
wbilst  the  upper  part  would  just  supply  what  is  laeking  in 
the  w  on  the  left.  On  the  other  hand,  the  lower  part  finishes 
straight,  likc  the  first  stroke  of  an  r,  and  not  with  the  slight 
eurvc  to  the  right  usnal  in  the  i.  The  reading  wreccum  is 
thcrefore,  1  think,  unquestionable.1 


4.    Kluge's  Variations. 

Instanees  in  which  />  is  given  for  Ö"  are  hcrc  inclnded,  as 
Prof.  Klage's  edition,  for  the  most  part,  conforms  to  the  MS.  in 
the  use  of  these  letters. 


n 


n 


n 


n 


Exodus  v.  4 
47 
104 
115 
118 
141 
143 
17« 
178 
205 
223 
232 
237 
259 
2(>(> 
274 
27li 
277 
283 
30S 
321 
343 
354 
Ina 
477 
503 


rt 


n 


n 


n 


n 


n 


Kluge 

uproder    . 
deofolgild 
liftweg 
bearn  .    . 
wedrum    . 
J>cah|?e     . 
micles  .    . 
wa'lhlencan 
fyrdgetrum 
|*    .    .    . 
Fyrst  .    . 
tyn  hund . 
tane     .    . 
I'ealiöe 
ondnedan 
)>as  .    .    . 

t>8     .     .     . 

lifgendra  . 
wjelfsesten 
looö  .  . 
gyldenc  . 
gußcyst  . 
landfruina 
|>wr  .  . 
blodegsan 
and  saca  . 


MS. 

uprodor 

deofolgyld 

lif  weg 

baru 

wederum 

Öeah|?e 

uüceles 

hwaelhlcncan 

syrdgetrutu 

9a 

fyrd 

X.  hund 

ilane 

)?eah|>c 

andnedan 

das 

Öa 

lifigendra 

wealfaesten 

\eo\> 

gyldenne 

guÖcysto 

leodfruma 

Ö:er 

blodegesan 

7  saca  (=  andsaca) 


Prof.  Napier,  to  whuui  I  liavc  »howu  the  word,  confirms  my  view. 


ON  CODEX  JUNIUS  XI. 


605 


Kluge 

Exodus  v.  532  inote)   winecctim 

„  f>37    .  .    geliwylces 

5h(>    .  .    heom   .    . 


» 


MS. 
wreceum 
gchylcea 
heo. 


5.   Anhang  to  article  by  Hofer  in  Anglia  XII. 


Dan. 


n 
n 


n 
n 
n 


Hofer 
v.  (>1  gestreona  wol  im  MS. 

i*8  bcorn  beo(?)  bead  radiert. 

zu  beorn  bebead. 
110  warf  (G.) 
249  lu(V)fuui    verbessert    zu 

leufuui. 


310  äne 


332  )>aer 
413  sendon 

701  t6  soinble  verbessert  zu 
to  symblc. 

704  liet 

Ilkley,  NEAR  Leeds. 


Comtnenf. 

gestreona  quite  clearly  in  MS.:  ge- 
streonti  only  in  Ettm.. 

bebead  frora  böbead  or  babead:  no 
letter-space  between  e  and  b. 

MS.  and  G.  both  swaef. 

The/,  merely,  on  the  erasure.  There 
had  been  a  small  brown  spot  at  the 
place,  which  the  scribe  has  tried, 
unsuccessfully,  to  erase.  The  ink 
of  the  /  has  run,  but  not  so  as  to 
make  the  letter  illegible.  How- 
ever,  to  make  assurance  sure,  a 
small  /  has  been  written  in  the 
margin. 

MS.  äna;  which  needs  no  alteration. 
The  form  äna  oecurs  for  sing. 
masc.  fem.  and  neutr.  (cf.  Sehr  ad  er, 
Studien  zur  <A£lfric'schen  Syntax 
§52,3,a;  F.  Kluge,  Engl.  Studien 
IX,  36),  as  well  as  for  the  Plural 
(Schrader  §  52,  3,  b). 

? 

MS.  syndon.    Why  alter? 

MS.  tosymble  froin  to  som-.  Prob- 
ably  the  scribe  was  thinkrng  of 
tösomne. 

MS.  het,  as  Hofer  conjeetures. 

John  Lawrence. 


ZU  ANGLIA  XÜ,  530,  2. 

Mein  verehrter  freund  Dr.  Logeman  wird  es  mir  hoffent- 
lieh nieht  Übel  nehmen,  wenn  ich  seinen  an  der  genannten 
stelle  niedergelegten  Vermutungen x  über  stoicorum  :  stcerleornera 
in  Haupt's  Zeitschrift  IX,  503  b  widerspreche.  Wie  aus  dem 
zusammenhange  des  textes  hervorgeht,  kann  stoicorum  durchaus 
nichts  mit  oroix^ov  zu  tun  haben.  Es  heisst  nämlich  in  dem 
betreffenden  kap.  44  nach  der  ausgäbe  von  Giles  (S.  Aldhelmi 
Opera,  Oxonii  1844)  s.  58:  '.  . .  omnes  philosophorum  syllogis- 
mos  et  Epicuri  sectas  atque  Aristotelis  argumenta,  simulque 
quinqucnnem  Stoicorum  taciturnitatem  perfecte  juxta  sophis- 
matum  disciplinas  didicisset . . .'  Der  glossator  hat  vielmehr 
stoicorum  für  storicorum  =  historicorum  (vgl.  spät-  und  vulgär- 
lateinisch storia  =  historia)  genommen  oder  gelesen,  und  dem- 
gemäss  übersetzt.  Wir  dürfen  daher  stierleornera  nicht  mit  L. 
in  stv/lcornera  ändern.  Eine  wirkliche  Verwechselung  der 
beiden  worte  findet  sich  aber  in  Wright-Wttlker's  Anglo-Saxon 
and  Old  Engtish  Vocabularies  I,  416,  23,  wo  Historiographus 
flllschlich  durch  sterf-  statt  stwr-trritere  glossiert  ist 

OoiTINGEN.  F.  IIOLTHAUSEN. 

1  Die  ieh  tliireh  den  korrekturbogen  kennen  lernte. 


ZU  PARTANOPK  OF  RL01& 

(tower  erwähnt  in  Heiner  4:1  ballade  anter  andern  sagen« 
Kioflfen  auch  Iitrianoß*.1  Obgleich  die  ballade  in  franittsiscber 
spräche  ahgefasst  ist,  so  dtlrfen  wir  hier  doch  wol  an  ein 
gedieht  in  Knglisch  denken«  worauf  der  dichter  anspielt  Es 
int  uns  nun  auch  ein  englisches  icedicht  erhalten,  das  diesen 
stoff  behandelt,  und  es  wurde  dies  nach  einer  nicht  vollstän- 
digen handschrift  von  W.  E.  Kuckley  für  den  Koxburghc  Clnb 
herausgcgc^ien.'  Da  Kuckley  diese  bandschrift  des  IT».  Jahr- 
hunderts nl*  wüque  bezeichnet.  sc>  dürfte  es  nicht  uninter- 
essant nein,  wenn  für  einen  etwaigen  herausgeber  des  gedieh* 
Ich  noch  folgende  hnichsttlckc  abgedruckt  werden.  Ich  lieaa 
nie  früher  einmal  in  der  absieht,  dieses  gedieht  neuberaussa- 
^elien.  abschreiben.  Die  alischrift  ist  von  heim  tJeorg  Parker 
auf  der  Itodleiaua  angefertigt  (IH82i  und  öfter  mit  der  urhand- 
schrill  verglichen  wonlcn.  Da  mir  hier  kein  abxug  des  ab- 
drucks  des  Koxhurghc-Clulis  zur  haud  ist  sii  unterlasse  ich  eine 
vergleich uug  desselben. 

Die  abgedruckten  handsehriften  sind  nach  Parkers  angäbe 
ans  dein   I."».  Jahrhundert 

Km  wllrdc  mich  sehr  freuen,  wenn  jemand  unter  den 
jüngeren  fuchgenossen  durch  diese  Veröffentlichung  veranlasst 
würde,  den  l*nrhmopr  <>f  iilois  einmal  ucuhcrauszngehen. 

1  Vfl   KaJbuU  an<1  otlnr  IW»«.  by  Jofen  <«o»<*f      l»riatc«l  fro»  iW 
Orijeiiuü  äaaiiM-ri}it  in  ihr  Ubrmry  «>f  tfer  Minjui»  «>f  SuflurU  ml  Irrall 
Printen!  für  tbr  Ko&buricbr  Hub,  1>l> 

•  «inlruokt   IVÜ.     4* 


608  WÜLKER, 

A  Fragment  of  a  15th  Century  MS.  (belonging  to  Lord  Robartes)  with 
corresponding  Portions  from  the  University  College  MS.,  Oxford. 

UNI  VERS  IT V  COLLEGE  MS.  188.* 

(p.  04)     [Hur  bell  which  was  hevy  to  bere*2  3430* 

This  lady  bad  both  shame  and  fere 
For  she  was  in  right  gretc  doute  3432* 

Hur  women  stode  rounde  aboute 
Hur  bede  and  pressede  wonder  nyghe 
To  have  a  sigbt  of  hur  lady  3435* 

On  hur  they  loke  wonder  faste 
And  nere  they  eome  at  the  laste 
Hur  lady  better  to  devyse 
Then  they  thought  in  all  wyse 
And  sbe  bad  ben  glad  and  not  hevy  3440* 

The  bade  beute  not  passyngly 
Hur  beute  made  hur  maly[n]eoly  sese 

(p.  95)     So  that  there  was  none  of  that  prese 
That  they  ne  were  in  hert  sory 
That  they  bad  so  reprovydc  their  lady  3445* 

And  all  stode  still  in  on  acorde 
That  none  of  hem  durste  say  a  worde 
1!   With  in  a  white  come  in  auonc  3446* 

A  symly  lady  and  a  fayre  one 
In  hir  persone  was  fonde  no  lake  3450* 

Hir  bere  henge  tressede  at  hur  bake 
Well  bangynge  downe  at  her  feete 
She  of  her  beute  to  other  was  mete 
And  so  haunswerynge  in  iche  degre 
That  she  was  pressede  passynge  of  beute        3455* 
Her  array  to  reherse  to  reherse'*  bere 
Hit  uedv1h  not  for  in  beste  manere 
She  was  arravde  in  the  beste  that  ireshe  mav 
Who  so  luste  to  bere  of  hir  arraye 
Let  hym  go  to  the  frenehe  boke  3460* 

And  who-so  will  it  overloke 
To  teil  it  in  prose  or  in  ryme 
For  nie  it  were  a  longe  tyme 

1  See   the  text   printed  by  tlie  lioxburKhe  Club,  p.  272.  *  Froui 

1.  3430*  to  1.  34V2*  :ire  fr« »in  tW  MS.  K:iwl.  l'oetrv  14.         3  Sic! 


ZU  PARTANOPE  OF  BLOIS.  609 


LORD  ROBARTES*  MS, 

*  *  * 

•K  V  *l* 

[For  sb]e  was  in  ryght  gret  doute  3432* 

[Hur  w]o/wmen  stode  all  rownde  a-boute 

[Hur  be]d  and  presed  wondyr  nye 

[To  hav]e  a  syght  off  hur  lady  2435* 

[On  hur]  they  lokyn  wondyr  fast 

[And  ne]rre  they  come  att  )>e  last 

[Hur  la]dy  better  to  A-Vyse 

[Th]an  thay  thowght  in  all  wyse 

[And  sh]e  had  ben  glad  and  not  heuy  3440* 

[She  ha]d  beuate1  and  not  passyngly 

[Hur  bejuate1  made  hur  malyncoly  sees 

[So  that  th]er  were  non  of  )>at  prees 

[That  th]ay  ne  were  on  hert  sory 

[That  thay]  hfad  so]  reprouyfde]  her  lady        3445* 

[And  all  stode  s]tyll  [In  on]  a-corde 

[That  none  of  h]em  deir  to  say  more  a  word 

[With-in  a]  whyle  come  in  a-non  3448* 

[A]  s[ymly]  lady  and  a  fayre  on 

[In  her  persone]  was  found  no  lacke  3450* 

[Hir  here]  hyng  tressyd  at  hur  bakke 

[Welln]y  honged  downe  to  her  fete 

[She  o]ff  he[r]  beuate1  to  other  was  [mete] 

[And  so  haun]8eryng  in  eche  degre  3454* 

[That  she  was]  presed  passyngly  off  beuate1*2 

*  *  * 

*  *  * 

•ff  3f»  *f» 

*  *  * 

$t  Hf  *f» 

t>en  here  who-so  wyll  loke3  3461* 

[To  teil]  hyt  in  pr^cesse  or  yn  ryme 
[For  mej  hyt  wer  a  long  tyme 


1  Sic!  a  Bottom  line. 

3  Top  line  of  col. 

Anglia,  XI I.  baiid.  39 


610  WÜLKER, 

[Partanope]  UNI  VERS  1TY  COLLEGE  MS. 

And  it  is  a  mater  tbereto  nedles 

For  iche  man  wol  well  without  les  3405* 

A  lady  that  is  of  hyghe  degre 

Arrayde  in  the  beste  manere  most  neds  be 

What  nedyth  to  speke  of  hir  forhede 

Of  hir  nose  mouth  or  lyppes  rede 

Of  hir  sbape  or  of  hir  armes  small  3470* 

Of  this  and  more  right  a  gretc  tall 

Myne  autor  seyth  which  shall  not  fyne 

Hern  to  rehersc  I  will  resyne 

For  she  was  holde  on  of  the  fayreste 

That  was  on  lyve  and  also  the  godlyeste         3475* 

With  ijl  delle  that  myght  be 

And  Urake  forsothe  hight  she 

Syster  she  was  to  feyre  Melyore 

For  she  come  furthe  with  hert  sore 

Streight  to  the  bede  there  as  she  lay  34S0* 

This  other  lady  when  she  here  sey 

Had  withdrawe  and  don  her  reverence] 

(f.  59 b)    Why  sayde  he  I  dyd  her  tresoun2  4500 

Where-fore  1  haue  des^ruyd  wele 
Euer  to  lyve  in  care  and  doule 
Tyll  that  her  lust  ys  to  for-yeve  me 
ffor  as  she  woll  so  mote  hyt  be 
Hcdyr  I  bronght  An  ambeler  gray  45tf5 

Fall  late  he  was  her*  fast  by 
Füll  leene  and  megre  now  ys  he 
I  trow  he  ys  fledde  to  the  see 
Yf  ony  body  hym  hydyr  wold  fett 
Vpon  hym  I  myght  wele  sett  4570 

Than  myght  I  streyght  ryde  forth  with  yow 
Bat  wyth  all  myn  hert  I  pray  yow  now 
To  euery  wyght  hyt  vnknow  be 
That  my  name  ys  now  Partanope 
And  late  me  pryvely  som-wher*  sorgeron         4575 
Wher*  no  man  shall  se  me  morne 

1  Sic  in  MS.,  but?  *  p.  154  of  printed  text. 


Zu  PARTANOPE  OF  BLOIS.  611 

LORD  RO BARTES*  MS.  [Partanope.] 

And  i]t  ys  A  mater  pertn  füll  nedeles 

For  echje  man  wote  well  w/tÄ[-out]  lees 

A  lady]  \>at  ys  off  hey  degre 

Arrayde]  in  |>e  best  mane[r  m]ost  be 

What]  nedyth  hyt  to  speke  off  her*  forhede 

Of  hir]  nose  moutli  and  lyppys  rede 

Of  hir]  shap  or  off  hur  armys  smalle  ;uto* 

Of  this  |  And  more  A  ryght  gret  tale 

Myne  a]uctor  hatli  whych  shal  not  serue 

nVJow  to  reherse  y  wyll  reserue 

For  she]  was  holdyn  one  off  J>e  fayrest  3474* 

That  w]as  on  lyue  and  one  off  the  godlyest 

With  ij  d]ele  that  myght  be 

And  Vrjake  for-sothe  hyte  she 

Syster]  she  was  to  fayre  Melyoure 

For  she  co]me  fo(?)rthe  with  hert  sore 

Streigjht  to  the  bedd  ther  as  she  lay  3480* 

Tliis  otjhyr  lady  whan  she  hur  say 

Had  with]-drawen  and  done  here  reuerencse1 


Where-fore]  y  haue  desirued  well  4561 

Euer  to  l]yue  in  care  and  doole 

Tyli  that  her]  lust  be  to  forgeue  me 

For  as  sjhe  wolle  so  mote  it  be 

Hedyr  I  brjought  An  Amier  gray  4565 

Füll  late]  he  was  here  fast  by 

Füll  leenje  and  megre  now  is  he 

I  trow  h]e  be  fledde  to  the  see 

Yf  ony  bo]dy  hym  heder  wyll  ffette 

V])on  hy]m  y  myght  well  sytte  4570 

Than  myg]ht  y  than  straugh  ryde  with  you 

But  wjih  a]ll  myn  hert  y  pray  you 

To  euery  w]yght  it  vnknowe  be 

That  my]  name  is  partanope 

And  late]  me  pryvely  sumwhere  soiouren        4575 

Where  no)  man  shall  se  me  morne 

1  The  bottom  line,  with  an  inch  of  margin  below. 

89» 


612  WÜLKER, 

[Partanope.]         CNIVERS1TV  COLLEGE  MS. 

Ne  that  my  lady  me  neuer  see 
To  haue  the  nieii  despyte  of  me 
11  Sertes  sayd  this  goode  Vrak 

All  thys  I  dar*  well  vndyrtake  458o 

As  they  wer*  spekyng  of  thys  Aray 
They  sey  wher*  come  hys  Palfray 
Anon  to  her  thys  horse  was  fett 
And  Partanope  on  hym  was  sett 
Streyght  to  the  böte  bothe  they  ryde  4585 

Calme  was  the  see  fayr*  was  the  tyde 
The  buoth1  wyth  good  wyll  they  row  echone 
Thus  at  the  Shypp*  they  wer*  a-none 
In  goth  Vrak  and  Partanope 
And  in  cometh  After  all  the  meyne  J590 

Vrak  marak  to  her  dyd  ealle 
Whych  lond  ys  next  vs  of  all 
Seytli  She  mow  teil  vs  blyve 
Ther*  I  wold  wyth  myth  a-ryve 
Madame  sayth  marak  truly  4595 

Her*  ys  an  Ile  bat  fast  vs  by 
The  lond  of  Salence  men  to  hit  call 
The  lond  ys  next  vs  now  of  all 
(f.  (50)      To  maruk  sayd  this  goode  Vrak 

In  all  the  hast  I  pray  the  mak  4000 

They  Shypp*  redy  in  all  degree 

That  vndyr  sayle  in  hast  we  be 

maruk  byddyth  hys  men  a  pase 

600  hye  yow  fast  to  the  wyndase 

And  pull  the  Ankr*  vp  in  hast  4605 

The  sayle  ther-wyth  a-doune  he  cast 

(f.  Gl)      ffor  She  that  lyueth  in  Chastyte  4695 

Whan  folk  pley  thau  lowreth  She 
She  hath  no  Joy  of  myry  dalyauns 
Late  her  go  forth  wyth  myschauns  469s 

And  beaute  of  her  ueu*r  take  heede 
Ye  mow  not  A-corde  wvth-outeu  drede  4700 

1  both  alte  red  tu  booth. 


ZU  PARTANOPE  OF  BLOIS.  613 

LORD  ROB ARTEST  MS.  [Partanope.] 

[Ne  thatj  my  lady  me  euer  see 

[To  have]  the  more  despite  of  me 

[Sertes  sa]yde  this  Goode  Vrake 

[All  thys]  y  darre  well  vndertake  4580 

[As  they]  were  spekyng  of  this  Aray1    .  4581 

*  *  * 

*  *  * 

*  *  * 

*  *  * 

*  *  * 

[The  bootli  wytfi  good]  wyll  J?ay  row  echon2     3587 
[Thus  at  the  Shypp  they]  were  anone 
[In  goth  Vrak  and  part]  anop[e] 

[And  in  cometn  after]  alt  tfhe  meyne]  4590 

*  *  * 

*  *  * 

*  *  * 

[There  I  wold  wyth]  mygfrt  [aryu]e 

[Mada]m  sayde  Marok  trulfye]  4595 

[Ilere]  ys  an  yle  but  ffast  [byej 

[The  l]and  of  Salence  me[n  do  hit  call] 

[The]  lond  ys  [next]  vs  [now  of  all] 

[To  M]aruk  [sayd  this]  gode  Vrak 

(In  al]l  [the]  h[ast  I  pray]  the  make  4600 

[Thy]  ship  [redy]  in  all  degree 

[That]  vnder  sayle  in  hast  we  be 

[Maru]k  byddeth  hur  men  a  place 

[Goo]  hyeth  fast  to  the  wyndace 

[And]  pulle  the  Ankor  vp  in  hast  4605 

[The]  sayle  ther-wytli  a-[d]owne  he  [cast 


Lete  hur  go  fforth  wyth  my  schau  nee3  4698 

And  beaute  of  hur  neuer  take  hede 
ye  may  not  Accord  w/tÄ-outen  drede 

1  Bot  tum  line.       2  Top  line  of  col.       3  An  inch  of  uiargin  »bove, 
and  at  tbe  back  of  1.  4561. 


614  WÜLKER, 

[Partanope.]  rMVERSITV  COLLEGE  MS. 

ffor  beaute  louyd  all  gentylnesse 
Honoure  noble  and  largenesse 
ffayr*  specti  and  ther-to  fall  of  plesauns 
louyng  botTi  pley  to  sying  and  danns 
Chastyte  putteth  beaute  oute  of  aray  1705 

She  wyll  never  suffre  her  be  fresh  and  gay 
Bat  shadows  bere  euer  wyth  mornyng  cheyr* 
Of  her  hath  She  a  füll  lewde  feere? 
ffor  beaute  desyretli  to  haue  the  coloure 
Of  the  fayre  freysli  Rose  floure  4710 

And  louetb  also  to  lyve  in  Jolyte 
Desyryng  to  haue  hye  prosperyte 
Bat  that  soule  that  may  not  haue 
To  her  love  neyther  knyght  ne  knave 
Gentyllman  ne  yoman  of  no  degre  4715 

(t.  61 b)    Late  her  than  lyve  in  chastyte1  47  ir» 

Betther  a  grett  dele  than  She  doth  nie  4717 

For  yf  I  speke  to  her  of  ony  love  471  s 

Be  god  that  sytteth  in  hevyn  a-bove  4710 

To  me  She  Answeryd  so  Shortely  1720 

That  of  hyr  worden  a-basshed  am  I  4721 

For  wan  I  wold  som  tyme  in  counsayle 

Shew  myn  hert  to  her  som  dele 

She  Answered  me  in  word*.**  so  hye 

I  had  as  lyef  my  counsayll  erye  4725 

In  london  at  the  Crosse  in  ehepe 

She  gyffetli  me  cause  ater  to  wepe  4727 

Than  for  to  lagh  thys  ys  no  nay 

And  som  tyme  whan  that  1  assay 

To  gyf  her  a  yeft  brocli  or  rynge  47;to 

That  woll  She  not  take  for  no  thyng 

Tims  rüde  ys  chastyte  and  not  curtayse 

She  hath  me  grevyd  in  many  wyse 

But  now  I  woll  late  all  ladyes  be 

PAnd  teil  forth  of  Partanope  4735 

artanope2  hath  now  for-sake 

1  No  gap  in  the  Univ.  Coli.  MS.  *  V  great  initial  lütter. 


ZU  PARTANOPB  OF  BLOIS.  615 

LORD  ROBARTES  MS.  [PartanopcJ 

For  beaute  loueth  AH  Jentilnesse 
Honowre  noble  and  largenesse  4602 

Favre  speche  and  therto  füll  [of]  plesaunce 
lonyng  both  play  to  syng  and  daunce 
Chastite  putteth  beaute  oute  of  A-ray  4705 

She  wyll  neuer  suffer  hur  be  ffreshe  [and  gay] 
but  shadow  hur  euer  witÄ  mornyng  ch[ere] 
Of  hur  hath  she  A  füll  lowde  flrere 
For  beaute  desyreth  to  haue  the  eoloure 
Of  the  ffresshe  ffayre  rose  ffloure  4710 

And  loueth  Also  to  leue  in  Jolite 
Desyryng  to  haue  prosperite 
but  that  ffoule  ]>at  may  not  haue 
To  hur  loue  nother  knyglit  ne  knaue 
Gentilman  ne  yomaii  of  no  dfegrej  4715 

lete  hur  than  leue  in  Chastite  4716 

Yette  vnknowe  y  loue  well  Chastite1  4716* 

better  A  grete  dele  than  she  doth  me  4717 

F°r  yf  y  speke  to  hur  of  any  loue  4718 

by  godde  that  sytte  in  heven  A-boue  4719 

To  me  she  Aunsweretfi  so  shortly  4720 

*  *  * 

*  *  * 

*  *  * 

*  *  * 

*  *  * 

*  *  * 

she  geueth  me  ca[u]se  After  to  wepe  4727 

than  forto  laugfi  this  is  no  nay 

And  sumtyme  whan  pat  y  assay 

To  geue  hur  a  y[eft]  broche  or  ryng  4730 

That  wyll  sh[e  not]  take  for  no-thyng 

This  rüde  is  Chastite  and  not  eurtay[se[ 

She  hatli  me  gr[e]ved  in  many  wyse 

but  now  woll  y  lete  All  ladyes  be 

And  teile  forth  of  partanope  3735 

[pjartanope  hatli  now  clene  forsake 

Yet  vnknowe  I  loue  chattete  in  the  Rawlinson  MS. 


616  WÜLKER, 

[Partanope.J  rmVERSlTY  COLLEGE  MS. 

The  wod-wou8  lyfe  and  hatli  hym  tako 

To  the  goutfrnauns  all  fully 

Of  fayre  Vrak  and  of  pursewy 

And  they  be  redy  I  yow  plygtit  4740 

Hym  to  comfort  wyth  all  her  myght 

Both  hym  washe  and  ley  hym  soft 

She  hym  feyned  lettres  füll  oft 

Of  comfort  endyted  So  goodely 

And  beri  an  hond  that  trulv  1745 

They  wer«  hym  sent  fro  melioure 

To  heele  hys  woand  that  preved  hym  sore        4747 

LORD  ROBARTES'  MS. 

t> 

o 

f 

a 

ff 

h 


A 
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S  (or  b?) 
b  .    .    . 

y  •   •   • 

ye    .    . 

P  [or  V| 

y(<0  •   • 


As 

w 

As' 

1  This  colunin  eouies   noxt  al'ter  that  beginning  witli  1.  3432* ;  or  it 
may  be  at  the  bopnninfc  of  that  sheet. 

''  Bottom  lim1,  with  an  inch  of  margin  below. 


ZV  PAKTANOP1  Of  BLOI&. 

IM  HD  HOB  AH  T ES*  MS.  ;rartajtope.| 

The  wodwoys  lyf  and  bath  hym  t(akc] 

To  the  (ionernaunee  Alle  fally 

Of  ffayre  vrak  and  of  persewey 

And  thay  be  redy  now  plyght  4740 

hym  to  eoofort  wytli  All  her  myght 

both  hym  waaahe  and  ley  hym  softe 

She  hym  ffeyned  lettirva  fall  ofte 

Of  eoofort  endited  110  Oodelv 

And  bare  Ad  hond  that  troly  474s 

Thev  were  hvm  aent  fro  melvoare 

•  •  • 

To  hole  hi«  wound'that  preued  h\m  nore.1         4747 

LOH D  HOHAHTES*  MS. 

wytli  hym  they  shall  be  well  A-pay|dep 
off  yowre-selff  be  not  dynmayed 

thvn  mav  best  be  hadde  voare  nbame 

•  •  • 

for  none  off  them  than  may  yow  blajme| 
they  wvll  A-gre  hem  to  youre  detyrje] 
Syth  that  ye  ly*t  ffally  yonre  pleaajure) 
hem  thn*  to  teil  than  mögt  thav  be 

off  vonre  coan*avle  and  00  mav  vee 

•  •  •    • 

Knie  them  all  rvglit  a*  ve  Ivst 

Madam  mc  thvnketh  thv*  va  W  beut 

•  •     •      » 

for  vff  ve  take  a-nother  lord 
thowph  hyt  be  All  here  a-eord 
for  thv*  ve  ahnll  oft  here  blame 
h\t  »hall  fnll  fonle  Apeyre  yonrr  .  . 
:fP  Ii\m  lady  aunaweryd  y«ore  tjamc) 

Me  thynkytli  |»at  y*  icretly  A  frafme] 
that  v  nhnld  euer  bv«  lone  l>e 

tliat  hath  Ivs  faleelv  hetraved  me 

*  •  •  • 

For  vff  that  euer  toke  hvm  to  l<»rd 
In»  und  v  nhald  nener  A-eord 

» 

*u*n»r  fullv  |mt  knowe  >c  off  l<mc 


1     Ij^T    •  rrhotl   . 

'  '•  ,  iiM-lt«  *   of  margta    »W>w.   *n<l  it  Hark  of  pftf*  bejp*ft4fttf  «Hh 
l.  ."»4:t2*  *  |  K«»r  *h|«\ 


618  WCLKBR, 

f  Partanope.)  LnRIß  IHM  AKT  ES?  MS. 

ye  besyed  yow  (not?)1  neuer  to  prouc 

ther-vn  ncvther  vov  ue 

for  trulv  suster  witÄ 


An 

to 

An 


thy 

An 

tak 

)>at 

now 

her 

all  thys  mater  ve  let  now  be2 
And  ther-of  spekyth  no  more  to  nie 
grct  sorow  makytli  thyn  fayre  niay[dc] 
And  w/t/i  here  suster  ys  euell  a-payde 
that  hur  entent  mav  not  be 

* 

parformyd  as  she  wyll  yn  no  degre 

She  syglied  She  weped  fful  tendyrlye 

These  wordys  she  sayd  füll  pytuusly 

yn  loue  ys  A  wondyr  thyng 

A  lytell  wretli  hatli  neuer  non  enfdyngj 

A  god  lord  that  syttyst  A-boue 

hard  thyng  hyt  ys  one  for  to  loue 

svth  for  A  word  or  lvtell  de-bate 

eehc  8hall  o\>er  for  euer  hate 

And  after  they  spake  no  more 

but  partanope  wepte  wondyr  sorc 

he  ys  reson  And  stond  vppon  hys  fc(te) 

Vrak  »ett  hyr  downe  to  wepe 

All  the  ladves  that  ther-vn  beue 

Ar  wroth  And  heuy  wyth  the  qucne* 

1  vet  V         *  No  margin  above,  and  at  back  of  i»*kc  beicinninic  witb 
1.  .Miil  ;|vii  \wtv\ 

1  lhe  bottoiu  linc,  with  P  «  inehcs  of  margiii  bclow. 


[8] 


ZU  PARTANOPE  OF  BLOIS.  619 

LORD  ROBARTEX  MS.  [Partanope/| 

wherto  wepe  ye  thys  s l 

yc  shend  yowre  selflfe  A 

hyt  ys  sythen  A-mendy 

ther-for  my  counsayle 

leuc  all  thys  sorrow  fo 

or  eis  we  shall  oflf  yow 

be  so  encombred  that 

we  shull  knowe  yow 

vster  sayd  thys 

thys  counsel  th 

May  neuer  setell  in 

V  feie  here-off  so  ded 

that  truly  and  by  god 

My  thynketli  y  coude 

A-las  suster  y  am  not 

he  hatli  done  me  so 

And  god  wote  coansay 

For  onys  A  grete  oflf 

]>at  y  for-gaffe  hym 

And  now  be  hath  quy 

thes  two  defawtar  gee 

that  truly  suster  y  r 

'Adam  than 

A  cause  ye  h     


oflf  hur  pr*sence2 

fayre  Vrake 

ur  ehe  spake 

r  goddys  loue  haue  mercy 

hyp  and  hyde  yowre  foly 

s  well  we  see 

t  may  hap  to  be 

ys  in  vayne 

haue (s?)  fayne 

be-hold  hem  well 

euery  dele 

1  *i  inch  of  uiargin  above;  and  at  the  back  of  leaf  beginning:  (off 
hur  pr^sence'. 

2  3  4  inch  of  margiu  above;  and  at  back  of  *  wherto  wepe'. 


620  WÜLKER,    ZU  PARTANOPE  OF  BLOIS. 

[Partanope.]               LORD  RO BARTES'  MS. 
no  thyng  mysdo 


Uro 

myn  adayce 
botli  manly  and  wyse 
shall  no  man  fynd 
hym  thorow  grece  and  ynde 
ym  to  youre  loue 
ig  youre  reproue 
do  ful  folylye 
w  vntrwlye 
found  vnstabull 
ay  be  pardonabnlt 

vnd 


A  bet 

At  s 

At  v 

And 

Saf 

To 

Ga 

To 

bete 

e 

(End  of  4Partonope,  Fragment.) 
Gohlis-Leipzig.  R.  Wülker. 


BÜOHERANZETGEN. 


The  Century  Dictionary.  An  Encyclopedic  Lexieon  of  the  English 
Language.  Prepared  under  the  Superintendence  of  William 
Dwight  Whitney,  Ph.  D.  LL.  D.,  Professor  of  Comparative 
Philology  and  Sanskrit  in  Yale  Univ.  In  Six  Vol.  Vol.  I. 
Part  I  (A — Appei).    New  York,  The  Century  Comp.  (London, 

T.  Fisher  Unwin).    272  ss.    gr.  4<>. 

Es  wäre  schwer,  von  einem  so  grossen  wörterbuche,  wie  dem  vor- 
liegenden, schon  nach  der  ersten  lieferung  ein  urteil  abzugeben,  geht  es 
doch  selbst  in  bezug  auf  das  Wörterbuch  der  Philological  Society  noch  so, 
dass  man  mit  jeder  neuen  lieferung  erst  mehr  und  mehr  in  den  plan  und 
die  vortrefflichkeit  des  werkes  eindringt;  aber  eines  kann  man  schon 
nach  der  ersten  lieferung  des  Century  Dictionary  getrost  behaupten :  dass 
es  sich  um  ein  im  höchsten  grade  bedeutendes  unternehmen  handelt, 
welches  für  die  geschichte  der  englischen  lexicographie  in  gewissem  sinne 
epochemachend  ist.  Es  sind  ganz  andere  zwecke,  welche  das  Wörterbuch 
der  Philol.  Soc.  und  das  gegenwärtige  verfolgen ,  das  eine  bietet  doch  in 
erster  linie  dem  forscher  den  längst  entbehrten  sicheren  anhält,  während 
das  Century  Dictionary  für  die  benutzung  des  gebildeten  im  allgemeinen 
bestimmt  ist;  aber  trotzdem  lassen  sich  beide  Wörterbücher  mit  einander 
vergleichen;  beide  werden,  vollendet,  die  umfangreichsten  werke  der  art 
sein,  beide  sind  durch  zusammenwirken  vieler  fachleute  entstanden,  und 
beide  haben  das  ziel,  die  neuesten  und  sichersten  forschungen  zu  ver- 
werten. y 

Das  Century  Dictionary  ist  ein  hervorragendes  amerikanisches 
werk,  prof.  Whitney  steht  an  der  spitze,  ihm  zur  seite  7  'editorial  assi- 
stants'  und  diesen  wird  der  stoff  durch  33  mitarbeite!*,  sämmtlich  fach- 
leuten  von  nauien,  zugeführt.  So  kommt  es,  dass  die  behandlung  der 
einzelnen  artikel  ganz  vortrefflich  ist,  besonders  die  ausarbeitung  und 
priuision  der  definitionen  kann  als  mustergiltig  gerühmt  werden.  Auch 
die  belege  sind  zahlreich  und  gut  (und  grösstenteils  wenigstens  selb- 
ständig), aber  freilich  mit  der  art,  die  belege  zu  geben,  bekennen  wir  uns 
nicht  einverstanden.  Da  findet  sich  mancher  satz  aus  W.  K.  Parker,  Fair- 
t'ax's  Tnmsl.  °f  Tasso,  Latimer,  Disraeli  —  aber  keine  Seitenzahl  und  kein 
verweis;  diese  stellen,  wo  bloss  der  name  angegeben,  sind  zum  glück  nur 


622  BÜCHERANZEIGEN. 

ausnahmen,  meist  ist  das  citat  genau  gegeben.  Aus  dem  prospekt  ersehen 
wir,  dass  vor  allem  der  Wortschatz  seit  dem  16.  Jahrhundert  bis  auf  das 
19.  (gerade  mit  besonderer  berücksichtigung  der  bedeutungsveränderungen 
auch  der  gesprochenen  spräche  des  letzteren)  behandelt  werden  soll,  und 
welchen  umfang  das  werk  einnehmen  wird,  geht  aus  der  vorläufigen  be- 
rech nun  g  des  bereits  fertig  gedruckten  teiles  hervor:  demnach  wird  der 
gesammtumfang  auf  6500  quartseiten  auflaufen,  auf  denen  200,000 '  separate 
words'  zu  behandeln  sind;  in  den  text  selbst  werden  6000  bilder  einge- 
fügt werden,  denen  man  nach  der  ersten  lieferung  nur  das  höchste  lob 
zollen  kann,  bezüglich  der  auswahl  und  ausfuhrung.  Wir  Deutsche  sind 
ja  in  unseren  Wörterbüchern  im  allgemeinen  mit  recht  einem  bilderschmuck 
fern  geblieben,  der  meist  weiter  keinen  erfolg  hat,  als  den  für  andere 
dinge  kostbaren  räum  wegzunehmen,  und  viele  bilder  im  Worcester  und 
Webster  sind  einfach  der  art.  Aber  bei  wie  viel  ausdrücken  (allein  z.  b. 
aus  der  baukunst  u.  s.  f.)  ist  ein  bild  im  stände,  eine  lange  definition  zu 
sparen?  Und  das  ist  in  erster  linie  auch  das  verdienst  der  bilder  in 
gegenwärtigem  wörterbuche,  dass  sie  reichhaltig,  aber  doch  nur  da  wo 
sie  nötig  sind,  sich  finden,  und  dass  sie  überall  mit  der  grössten  feinheir, 
schärfe  und  Schönheit  ausgeführt  sind. 

Die  bilder  stehen  unter  besonderer  aufsieht  eines  Departement  of 
lllustrations,  unter  direktion  des  herrn  W.  L.  Fräser  und  sind  jedes  einzeln 
ein  kunstwerk. 

Auch  die  äussere  aiisstattung  der  typen  ist  musterhaft,  und  so  wird 
das  werk  wol  das  ideal  glänzend  erreichen,  welchem  WTorcester  und 
Webster  nachstrebten:  eiu  gediegnes,  reichhaltiges  und  zuverlässiges 
nachschlagebuch  zu  liefern.  Wir  wünschen  dem  Century  Dictionary  allen 
erfolg,  den  es  in  hervorragendem  maasse  verdient,  denn  es  ist  ein  eng- 
lisches Wörterbuch,  wie  es  bis  jetzt  noch  wirklich  gefehlt  hat.     E.  F. 


Gesammelte  Abhandlungen  von  Dr.  Alexander  Schmidt.    Mit  einer 
Lebensskizze  herausgegeben  von  Freunden  des  Verstorbenen. 

[Mit  Porträt]     Berlin,  G.  Reimer,  1889.    380  ss.    8°. 

Wol  jeder  wird  die  gesammelten  aufsätze  von  Alex.  Schmidt  mit 
grosser  Spannung  zur  hand  nehmen  und  jeder  wird,  nachdem  er  sie  ge- 
lesen, den  herausgebern  grossen  dank  wissen.  Nicht  als  ob  diese  ab- 
handhingen die  Wissenschaft  wesentlich  förderten  und  Alex.  Schmidt's 
namen  als  gelehrten  noch  höhere  lorbeern  einbrächten,  sondern  weil  ein 
ganzer,  grosser  und  liebenswürdiger  mann  aus  diesem  buche,  wie  aus 
wenigen,  sich  offenbart. 

Von  den  aufsätzen  selbst  ist  keiner  neu,  aber  gerade  die  inter- 
essantesten waren  in  schulprogrammen  versteckt,  und  zerstreut  waren  sie 
alle,  so  dass  die  Sammlung  tatsächlich  willkommen  sein  muss.  Wir  geben 
nur  kurz  eine  Inhaltsangabe  und  wünschen,  dass  jeder,  der  den  namen 
Schinidt's  verehrt,  interessc  für  die  englische  literatur  hat  und  einige 
genussreiche  stunden  sich  bereiten  will,  zum  buche  selbst  greife. 


BÜCHERANZBIGEN.  623 

Der  l.aufsatz  behandelt:  Voltaire1  s  Verdienste  vm  die  Einführung 
Shakespeare's  in  Frankreich  (1664),  der  2.:  Essay  on  the  Life  and  Dra- 
malic  Writings  of  Ben  Jonson  (v.  j.  1847)  lässt  nur  eines  bedauern,  dass 
in  AI.  Schmidt's  nachlass  sich  keine  deutsche  urbchandlung  dazu  vor- 
gefunden hat,  denn  das  englische  gewand  kleidet  nicht  recht  und  ruft 
(wie  Elzes  englischer  Addisonstelzenstil)  stets  die  unheimliche  idee  des 
unnatürlichen  hervor.  Mit  dem  inhalte  hat  man  Ursache  desto  zufriedener 
zu  sein,  namentlich  mit  der  rücksichtslosen  Offenheit,  mit  der  AI.  Schmidt 
den  sittlichen  wert  von  Ben  Jonson's  dramen  beurteilt  Wer  ein  offenes 
wort  über  Volpone  und  den  Alchemist  zu  lesen  wünscht,  wird  sich  freuen, 
in  AI.  Schmidt  einen  bundesgenossen  gegen  die  Überschätzung  an  sich 
völlig  wertlosen  und  elendeu  zeuges  zu  finden.  Der  nächste  aufsatz: 
Miltons  dramatische  Dichtungen  (18f>4,  Vortrag)  hat  doppelten  wert:  ein- 
mal durch  die  ausgezeichnete  Interpretation  und  musterhafte  deutsche 
Übersetzung  vom  Comus  und  Samson,  dann  aber  durch  die  vortreffliche 
biographische  einleitung  (worin  sich  wider  der  mann  AI.  Schmidt  mehr 
zeigt,  als  der  gelehrte).  Ein  grosses  Übersetzertalent  zeigen  auch  die  8 
lieder  der  schottischen  kavalicre,  die  in  dem  Denkstein  gesetzt  den  Manen 
des  Dichters  W.  E.  Aytoun  gesammelt  sind.  Die  folgenden  4  aufsätze: 
Zur  Textkritik  des  King  Lear  (Anglia  1879),  (Juarlos  und  Folio  von 
Richard  11 L  (Shakesp.-.Tahrb.  XV),  Die  ältesten  Ausgaben  des  Sommer- 
nacht slraumes  (1881,  progr.),  Zur  Shakespeare' sehen  Textkritik  (Shakesp.- 
Jahrb.  III),  sind  schon  seit  einer  reihe  von  jähren  bekannt,  sie  sind  des 
Verfassers  eigenstem  gebiete  entlehnt,  mit  solcher  klarheit  und  schärfe 
durchgearbeitet,  dass  man  nur  bedauert,  dass  AI.  Schmidt  nicht  noch  mehr 
ähnliches  geschrieben,  aus  dein  grossen  schätze  seiner  Shakespearekennt- 
nisse geschöpft.  —  Eine  Vorlesung  über  Walter  Scott  (vortrag  v.j.  IStil) 
macht  den  beschluss,  sie  gibt  ein  schönes  bild  von  der  tüchtigen  Persön- 
lichkeit Scott's. 

Was  dem  vorliegenden  werke  besonders  noch  anziehung  verleiht,  ist 
eine  kurze  lebensskizze  Schmidt's  (s.  4—25);  sie  behandelt  ausser  dem  an 
sich  ja  ziemlich  einfach  verlaufenen  leben  des  grossen  gelehrten  noch 
kurz  (vielleicht  allzu  kurz)  seine  werke.  Eine  viel  grössere  ausführüch- 
keit  gerade  dieser  einleitung  hätte  den  herausgebern  nur  noch  mehr  dank 
eingetragen.  Die  vortreffliche  nachbildung  eines  medaillonporträts  (von  der 
hand  des  prof.  Rausch)  ziert  das  auch  sonst  schön  ausgestattete  werk. 

Wir  versuchen  schliesslich  noch  kurz  die  hauptdaten  von  Alexander 
Schmidt's  leben  und  werken  nach  der  lebensskizze  zusammenzustellen: 

1810.   .5.  Dez.  geb.  zu  K aschin  ( Gouv.  Twer)  t.  Russf.  (v.  deutschen  Eitern). 

1834.    Abiturientenexamen  zu  Königsberg. 

1838.   Doctorgrad  erworben. 

1840.   Hilfslehrer  an  der  St.  Pt  tri  schule  zu  Dan  zig  (mit  der  facultas 
für  alle  möglichen  fächer,  aber  nicht  filr  Deutsch  und  Englisch !). 

1842.   Sacherklärende  Anmerkungen  zu  Shakespeare's  Dramen. 

1847.   Essay  on  the  Life  and  Dramatic  Writings  of  Ben  Jonson  (progr.) 

1853.   Maeaulay'8  Lieder  vom  alten  Rom  (übers.). 

1854  (—1885).    Direktor  der  höheren  bürget schule  (später:  des  Lobe- 
nicht' sehen  reaigymnasiums)  zu  Königsberg  i.  Pr. 


622  BÜCHERANZEIGEN. 

ausnahmen,  meist  ist  das  citat  genau  gegeben.  Aus  dem  prospekt  ersehen 
wir,  dass  vor  aHein  der  Wortschatz  seit  dem  16.  Jahrhundert  bis  auf  das 
19.  (gerade  mit  besonderer  berücksichtigung  der  bedeutungsveränderungen 
auch  der  gesprochenen  spräche  des  letzteren)  behandelt  werden  soll,  uud 
welchen  umfang  das  werk  einnehmen  wird,  geht  aus  der  vorläufigen  be- 
rechnung  des  bereits  fertig  gedruckten  teilcs  hervor:  demnach  wird  der 
gesammtumfang  auf  6500  quartseiten  auflaufen,  auf  denen  200,000 'separate 
words'  zu  behandeln  sind;  in  den  text  selbst  werden  6000  bilder  einge- 
fügt werden,  denen  man  nach  der  ersten  lieferung  nur  das  höchste  lob 
zollen  kann,  bezüglich  der  auswahl  und  ausflihrung.  Wir  Deutsche  sind 
ja  in  unseren  Wörterbüchern  im  allgemeinen  mit  recht  einem  bilderschmuck 
fern  geblieben,  der  meist  weiter  keinen  erfolg  hat,  als  den  für  andere 
dinge  kostbaren  räum  wegzunehmen,  und  viele  bilder  im  Worcester  und 
Webster  sind  einfach  der  art.  Aber  bei  wie  viel  ausdrücken  (allein  z.  b. 
aus  der  baukunst  u.  s.  f.)  ist  ein  bild  im  stände,  eine  lange  definition  zu 
sparen?  Und  das  ist  in  erster  linie  auch  das  verdienst  der  bilder  in 
gegenwärtigem  wörterbuche,  dass  sie  reichhaltig,  aber  doch  nur  da  wo 
sie  nötig  sind,  sich  finden,  und  dass  sie  überall  mit  der  grössten  feinheit, 
schärfe  und  Schönheit  ausgeführt  sind. 

Die  bilder  stehen  unter  besonderer  aufsieht  eines  Departement  of 
Illustrations,  unter  direktion  des  herrn  W.  L.  Fräser  und  sind  jedes  einzeln 
ein  kunstwerk. 

Auch  die  äussere  ausstattung  der  typen  ist  musterhaft,  und  so  wird 
das  werk  wol  das  ideal  glänzend  erreichen,  welchem  Worcester  und 
Webster  nachstrebten:  eiu  gediegnes,  reichhaltiges  und  zuverlässiges 
nachschlagebuch  zu  liefern.  Wir  wünschen  dem  Century  Dictionary  allen 
erfolg,  den  es  in  hervorragendem  maasse  verdient,  denn  es  ist  ein  eng- 
lisches Wörterbuch,  wie  es  bis  jetzt  noch  wirklieh  gefehlt  hat.     E.  F. 


Gesammelte  Abhandlungen  von  Dr.  Alexander  Schmidt.  Mit  einer 
Lehensskizze  herausgegeben  von  Freunden  des  Verstorbenen. 
[Mit  Porträt]     Berlin,  O.  Reimer,  1889.    380  ss.    8°. 

Wol  jeder  wird  die  gesammelten  aufsätze  von  Alex.  Schmidt  mit 
grosser  Spannung  zur  hand  nehmen  und  jeder  wird,  nachdem  er  sie  ge- 
lesen, den  herausgebern  grossen  dank  wissen.  Nicht  als  ob  diese  Ab- 
handlungen die  Wissenschaft  wesentlich  forderten  und  Alex.  Schmidt's 
namen  als  gelehrten  noch  höhere  lorbeern  einbrächten,  sondern  weil  ein 
ganzer,  grosser  und  liebenswürdiger  mann  aus  diesem  buche,  wie  aus 
wenigen,  sich  offenbart. 

Von  den  aufsätzen  selbst  ist  keiner  neu,  aber  gerade  die  inter- 
essantesten waren  in  schulprogrammen  versteckt,  und  zerstreut  waren  sie 
alle,  so  dass  die  Sammlung  tatsächlich  willkommen  sein  muss.  Wir  geben 
nur  kurz  eine  inhaltsangabe  und  wünschen,  dass  jeder,  der  den  namen 
Schmidt's  verehrt,  interesse  flir  die  englische  literatur  hat  und  einige 
genussreiche  stunden  sich  bereiten  will,  zum  buche  selbst  greife. 


BÜCHERANZEIGEN.  623 

Der  l.aufsatz  bebandelt:  Voltaires  Verdienste  um  die  Einführung 
Shakespeares  in  Frankreich  (1864),  der  2.:  Essay  on  (he  Life  and  Dra- 
inage Writings  of  Ben  Jonson  (v.  j.  1847)  lässt  nur  eines  bedauern,  dass 
in  AI.  Schmidt's  nachlass  sieb  keine  deutsche  urbehandlung  dazu  vor- 
gefunden hat,  denn  das  englische  gewand  kleidet  nicht  recht  und  ruft 
(wie  Elzes  englischer  Addisonstelzenstil)  stets  die  unbeimlicbe  idee  des 
unnatürlichen  hervor.  Mit  dem  Inhalte  bat  man  Ursache  desto  zufriedener 
zu  sein,  namentlich  mit  der  rücksichtslosen  Offenheit,  mit  der  AI.  Schmidt 
den  sittlichen  wert  von  Ben  Jonson's  draraen  beurteilt.  Wer  ein  offenes 
wort  über  Yolpone  und  den  Alcbemist  zu  lesen  wünscht,  wird  sieb  freuen, 
in  AI.  Schmidt  einen  bundesgeuossen  gegen  die  Überschätzung  an  sich 
völlig  wertlosen  und  elenden  zeuges  zu  finden.  Der  nächste  aufsatz: 
Mi'tons  dramatische  Dichtungen  (18(>4,  Vortrag)  bat  doppelten  wert:  ein- 
mal durch  die  ausgezeichnete  interpretation  und  musterhafte  deutsche 
Übersetzung  vom  Comus  und  Samson,  dann  aber  dureb  die  vortreffliche 
biographische  einleitung  (worin  sich  wider  der  mann  AI.  Scbmidt  mehr 
zeigt,  als  der  gelehrte).  Ein  grosses  Übersetzertalent  zeigen  auch  die  8 
lieder  der  schottischen  kavaliere,  die  iu  dem  Denkstein  gesetzt  den  Manen 
des  Dichters  W.E.Aytoun  gesammelt  sind.  Die  folgenden  4  aufsätze: 
Zur  Textkritik  des  King  Lear  (Anglia  1879),  (Juarlos  und  Folio  von 
Richard  111.  (Shakesp.-.Jahrb.  XV),  Die  ältesten  Ausgaben  des  Sommer- 
nacht's traumes  (1881,  progr.),  Zur  Shakespeare' sehen  Textkritik  (Shakesp.- 
.Jahrb.  111),  sind  schon  seit  einer  reihe  von  jähren  bekannt,  sie  sind  des 
Verfassers  eigenstem  gebiete  entlehnt,  mit  solcher  klarheit  und  schärfe 
durchgearbeitet,  dass  man  nur  bedauert,  dass  AI.  Scbmidt  nicht  noch  mehr 
ähnliches  geschrieben,  aus  dem  grossen  schätze  seiner  Shakespearekennt- 
nisse  geschöpft.  —  Eine  Vorlesung  über  Walter  Scott  (vortrag  v.j.  1801) 
macht  den  beschluss,  sie  gibt  ein  schönes  bild  von  der  tüchtigen  Persön- 
lichkeit Scott's. 

Was  dem  vorliegenden  werke  besonders  noch  anziebung  verleibt,  ist 
eine  kurze  lebeusskizze  Schmidt's  (s.  4—25);  sie  behandelt  ausser  dem  an 
sich  ja  ziemlich  einfach  verlaufenen  leben  des  grossen  gelehrten  noch 
kurz  (vielleicht  allzu  kurz)  seine  werke.  Eine  viel  grössere  ausfiihrlich- 
keit  gerade  dieser  einleitung  hätte  den  herausgeberu  nur  noch  mehr  dank 
eingetragen.  Die  vortreffliche  nacbbildung  eines  inedaillonporträts  (von  der 
band  des  prof.  Rausch)  ziert  das  auch  sonst  schön  ausgestattete  werk. 

Wir  versuchen  schliesslich  noch  kurz  die  hauptdaten  von  Alexander 
Schmidt's  leben  und  werken  nach  der  lebensskizze  zusammenzustellen: 

1810.    .5.  Dez.  geb.  zu  Kaschin  (Gouv.  Twer)  i.  Russl.  (v.  deutschen  Eltern). 

Ib84.    Abilurientenexamen  zu  Königsberg. 

1  ^ 3 S .    Doclorgrad  erworben. 

1S40.    Hilfslehrer  an  der  St.  Petrischule  zu  D einzig  (mit  der  facultas 
für  alle  möglichen  fäcber,  aber  nicht  für  Deutsch  und  Englisch !). 

1842.   Sacherklärende  Anmerkungen  zu  Shakespeare's  Dramen. 

1847.   Essay  ou  the  Life  and  Dramatic  Writings  of  Ben  Jonson  (progr.) 

1853.   Maeaulay's  Lieder  vom  alten  Rom  (übers.). 

1854  (—1885).    Direktor  der  höheren  bürg  er  schule  (später:  des  Lö  be- 
ute h(' sehen  re(dgymnasiums)  zu  Königsberg  i.  Pr. 


•Ü4  RlCHERAXZEIGEN. 

:>*■:.   Walter  Scott  ivortraci. 

:>M.   Mihon's  Pramansche  Dichtungen  (Vortrag). 

Voltaire  s  Verdienste  um  d.  Erafnhrg.  Shakespeare9«  in 
:v^-:;v   Arhrit  dm  SktkffpcAre-Lcxicon  (ersch.  I  1874,  II  1S75)i 
■.>t*    Ein  Denkstein  sese;«  den  Manen  des  Dichters  William 

stoune  Arrour.  «  JW£7  - 
>?"    "!.    KoilaktioTi  von   22  >':**£ e^peare-drameii  fttr  die  nei 

xor.  Schliß"*  vlNrs;  rsunr  der  deutschen  Shnkesp.-GeseHaeasft. 
:*•*    .";:r  Sh.Nke^artsrr.ti.   [V-x:kr::ik    Shakesp.-Jahrb.  IQ). 

>">     Aiiscabe  des  Co^-"jkT.::> 

A.lSa::    .  _-  r;\:kr;r.k  i:*  K:nr  l^ear  tAngü*  IQ). 
^      >-.   <„*—■.>    t-:.  V:lv  -  --i  Ek-huri  111.  (Shakesp. -Jahrb.  XV). 
v»      l»i;  x\>:;i   \-so\t   *i>  >oxiT2«»aeh«traiiines  (progr.). 

^;      ki.scfc.V  .:.;>  .*.:..-<  Oa*sar 

:*  .  **  r.t     c»   i   ••  f:-£      F*~  E.F. 


vx 


~i«   C-tci    **■*!*   r   inexakt  Hster)  1783—1789  by  John 
:   >i:      --:  ^l     >.■*:  ?  xr:  N  V.  H-nriiton.  MiflBin  &  Co. 

_»'r        X»  ..,      ^»    >5s 

Y'ji  *r-*  «:-«.>.>  \o  xi  *>.■»•  *-inr  axrocitatrren  Stellung  rflham 
iaa.i.  v.ir.]  o.  ■■.-.•:  i^-*  .-ic-w  ;  LVicracang  des  qneUenmateriab 
:ai:  i>  *.;».-.  .\i.-sv--.i,£  *  iiu;  lxtsjAm«  der  'Constitution'. 
"_h-  i^-.^s.  !•.-  .•*.-*•  ».x  :-.-t  \ji  -i^^K-i  crs^tÄrkae  <  vdcke  nickt  doreh 
.ci  r^-^:  i  .  i  *^*  .\\->."'.  »  .  *■■  ^  i-S.-n  *cs  die  jakre  Tom  friedeas- 
-o^^?sc  '■>  .  l*  :^v.  n.  -  .-is:  \  •*  a  ^tc  darEber  ^~n-f  umfaaat) 
r-r:   n  »e  *ci   ivi  ^,  t    .^v^'-  •■»    ■■  "*■-■"    £*  «*sn*  diplnantiurhn  and 

iTisrivx^  .i^\^.  :^  a.  ^r  m  rnndi  gefegt  ist,  um  die 
:^r>  !t    -  -c-    .V     >  o  >*<   ix*  . .  -.«*.     Es  Hesemekt  daa  back 

rujt  .  •!»-  's.-!"*  I?  *v  .v*  .^-.>.'  :?^  *v  i  •  >  jMkviopkiscken  warkea 
:a-:    ^..t^.1"  .    « .  ^  *v    ..w    r.»\\    ;v>   v>^o  ieäc^«  Veeka#nssen  kffa*** 

»r^  :s^»o->e*  *;^  ^^  ^  •  ■>■  -  ■■"■,  «ji<-iv«\«mA(  fansaBkeiten  —  nia 
^»r>  •-•.  ^-=  h.  i*>*  ^.  '-  *  "v  \  -  .-.  >  x  *. -i-sjc^cs  de?  MI  ist.  Dasaeia- 
.t  "ä  kit  % .-.  ^  -.vw  s*  ■•^•■•«  \  ■ '  :  s.*:  l  >.  s.  **&.  JJ7)  and  dai 
»:       -»*>        . • -..       ^-       >.^  vä  i     a«   «iaccncai  gwtaUtn  dar 


BÜCHERANZEIGEN.  625 

The  Ideals  of  the  Republic  or  Great  Words  from  Great  Americans. 

N.  Y.  and  London,  G.  P.  Putnam's  Sons  [1889].  173  ss.  12°. 

Ein  neues  bändchen  der  reizenden  Knickerbocker  Nuggets  bringt 
(offenbar  zur  hundertjährigen  feier  von  Washington^  inauguration)  den 
genauen  textabdrack  von  acht  bedeutenden  denkmälern  der  amerikanischen 
geschiente.  Zunächst  die  Unabhängigkeitserklärung  und  die* Constitution', 
dann  Washington^  erste  und  zweite  Inaugural  Address,  seine  abschieds- 
rede  (1790),  die  zwei  Inaugural  Addresses  von  Lincoln,  mit  seiner  Gettys- 
burg  Address. 

Besonders  wertvoll  ist  der  kritische  text  von  Washington^  abschieds- 
rede :  nach  W.?s  konzepte  mit  allen  Änderungen  und  änderungsplänen  W.'s 
gegeben  (nach  dem  neudrucke  des  autographs  im  besitze  von  James  Lenox 
1  sr>r»,  jetzt  zu  einer  grossen  Seltenheit  geworden). 

Wenn  man  auch  noch  manches  andere  dokument  in  dem  kleinen 
bändchen  gern  erblicken  würde,  so  ist  es  doch  gewiss,  dass  die  darin 
gegebenen  acht  die  wichtigsten  marksteine  der  entwickelung  des  ameri- 
kanischen volkes  bezeichnen  und  es  ist  freudig  anzuerkennen,  dass  die 
ausstattung  eine  des  inhalts  würdige  ist.  E.  F. 


'The  Fighting  Veres'.  Lives  of  Sir  Francis  Vere  . . .  and  of  Sir 
Horace  Vere  . .  .  by  Clements  R.  Markham.  Boston  and 
N.  Y.,  Houghton,  Mifflin  &  Co.    1888.    VII,  508  ss.  gr.  8°. 

Nicht  nur  eine  episode,  sondern  eigentlich  die  ganze  geschiente  des 
niederländischen  krieges  der  Elisabeth  (der  auch  in  der  literatur  jener  zeit 
eine  wichtige  rolle  spielt)  ist  in  der  geschiente  der  beiden,  besonders  des 
älteren,  Vere  inbegriffen  —  und  die  geschichte  dieser  beiden  männer  ab- 
schliessend behandelt  zu  haben  ist  das  verdienst  des  vorliegenden  werkes. 
Man  könnte  sich  wundern,  wie  nach  Motley  neues  und  wertvolles  gebracht 
werden  könnte,  aber  gerade  die  beurteilung  von  Francis  Vere  durch  Motley 
ist  einer  der  wenigen  sehr  schwachen  punkte  in  dem  unsterblichen  werke 
des  grossen  historikers.  Motley's  urteil  über  Vere's  Charakter,  besonders 
über  die  von  Vere  hinterlassenen  Commentaries  (welche  Motley  nur  in 
einem  französischen  auszuge  kannte !  vgl.  s.  303)  ist  nicht  nur  falsch,  son- 
dern scheint  absichtlich  ungerecht:  Bei  gelegenheit  der  besprechung 
der  Schlacht  von  Nieuport  deckt  Markham  dies  auf  (vgl.  s.  299,  302,  328, 
:U!>,  3tfo).  Wir  können  dem  verf.  dafiir  nur  dankbar  sein,  dass  er  den 
nanien  dieses  vortrefflichen  mannes  gereinigt  hat  vor  übelwollender  kritik 
und  dabei  ein  höchst  anziehendes  Charakterbild  geliefert  hat. 

Im  einzelnen  ist  allerdings  noch  manches  nachzutragen  und  grössere 
uusführlichkeit  zu  wünschen.  So  z.  b.  weiss  man  nicht,  warum  von  Golding 
nur  die  Übersetzung  von  Bariffe  angeführt  ist  (s.  18),  so  ist  Edward  Earl 
of  Oxford  zu  kurz  abgetan;  von  seinen  gedienten  sind  nur  die  aus  dem 
Paradise  of  Dainty  Devices  1578  angeführt,  und  das  wichtige  dokument 
aus  dem  State  Paper  Office  (Domestic  Ser.  Eliz.  vol.  151,  no.  45)  nicht  be- 
nutzt.   Bei  gelegenheit  von  Leicester's  landimg  in  Vlissingen  (s.  79)  hätte 

Anglia,  XU.  band.  40 


624  BÜCHERANZEIGEN. 

1861.   Walter  Scott  (vortrag). 

1864.   Milton's  Dramatische  Dichtungen  (vortrag). 

—  Voltaire's  Verdienste  um  d.  EinfUhrg.  Shakespeare's  in  Frankreicn. 
1864—73.   Arbeit  am  Shakespeare-Lexicon  (ersch.  I  1874,  II  1875). 
1866.   Ein  Denkstein  gesetzt  den  Manen  des  Dichters  William  Edmond- 

stoune  Aytoun  (progr.). 
1867—71.    Redaktion  von  22  Shakespeare-dramen  für  die  neuausgabc 

von  Schlegel's  Übersetzung  der  deutschen  Shakesp.-Gesellschaft. 
1868.   Zur  Shakespcare'schen  Textkritik  (Shakesp.- Jahrb.  III). 
1876.   Lalla  Kookh  (übers,  in  2.  auf!.). 

1878.  Ausgabe  des  Coriolanus. 

1879.  Ausgabe  des  King  Lear. 

—  Aufsatz:  Zur  Textkritik  des  King  Lear  (Anglia  III). 

1886.  Die  Quartos  und  Folio  von  Richard  III.  (Shakesp .-Jahrb.  XV). 

1881.  Die  ältesten  Ausgaben  des  Sominernachtstraumes  (progr.). 

1882.  Ausgabe  des  Julius  Caesar. 
1886.  Shakespeare-Lexicon,  2.  aufl. 

18S7.    27.  Juni  gest.  zu  Königsberg  i.  Pr.  E.  F. 


The   Critical   Period  of  American  History  1783—1789  by  John 
Fiske.    4th  ed.     Boston  and  N.  V.,  Houston,  Mifflin  &  Co. 

1889.    XVIII,  368  88. 

Ein  werk,  welches  sich  mit  recht  einer  autoritativen  Stellung  rühmen 
kann,  durch  die  tiefe  und  originelle  durchdringung  des  quellen materials 
und  die  klare  darstellung  der  entwickelungsphasen  der  '  Constitution  \ 
Die  *  kritische  periode'  der  amerikanischen  geschichte  (welche  nicht  durch 
den  frieden  von  1 783  beendet  wurde,  sondern  erst  die  jähre  vom  friedens- 
schlusse  bis  zur  errungenen  'Constitution'  und  darüber  hinaus  umfasst) 
wird  in  sieben  kapiteln  dargestellt,  denen  die  genaue  diplomatische  und 
parlamentarische  entwickelung  der  läge  zu  gründe  gelegt  ist,  um  die 
historische  folge  der  ereignisse  klar  zu  zeigen.  Es  beherrscht  das  buch 
beinahe  eine  Schroffheit  der  erzählung  (die  in  F.'s  philosophischen  werken 
nicht  auffällt),  welche  das  intcresse  des  lesers  leicht  beeinflussen  künnte 
und  die  menschliche  seite  des  interesses  fast  zurückdrängt,  aber  dieser 
stil  ist  begründet  genug  und  hat  den  grossen  vorteil,  dass  die  darstellung 
der  ereignisse  nie  gestört  wird  durch  anekdotenhafte  einzelheiten  —  wie 
dies  in  dem  sonst  so  trefflichen  buche  Macmasters  der  fall  ist  Dass  ein- 
zelne anekdotenhafte  zttge  eingeflochten  sind  (z.  b.  s.  305,  327)  und  den 
stil  etwas  mildern,  versteht  sich  und  macht  die  ehernen  gestalten  der 
begründer  des  amerikanischen  Staates  etwas  greifbarer.  Eine  gedrängte 
quellenttbersicht  zum  Schlüsse  gibt  ein  kritisches  bild  der  einschlägigen 
literatur  und  zugleich  auch  äusserlich  einen  einblick  in  die  gewissenhaften 
und  umfassenden  vorarbeiten  des  Verfassers. 

Das  ganze  buch  reibt  sich  passend  an  die  im  gleichen  verlag  er- 
scheinenden vortrefflichen  Serien:  American  Coniroonwealths  nnd  American 
Statestuen  an.  E.  F. 


BÜCHERANZEIGRN.  625 

The  Ideals  of  the  Republic  or  Great  Words  from  Great  Americans. 

N.  Y.  and  London,  G.  P.  Putnam's  Sons  [1889].  173  ss.  12°. 

Ein  neues  bändchen  der  reizenden  Knickerbocker  Nuggets  bringt 
(offenbar  zur  hundertjährigen  feier  von  Washington^  inauguration)  den 
genauen  textabdrack  von  acht  bedeutenden  denkmälern  der  amerikanischen 
geschiente.  Zunächst  die  Unabhängigkeitserklärung  und  die '  Constitution \ 
dann  Washington^  erste  und  zweite  Inaugural  Address,  seine  abschieds- 
rede  (1796),  die  zwei  Inaugural  Addresses  von  Lincoln,  mit  seiner  Gettys- 
burg  Address. 

Besonders  wertvoll  ist  der  kritische  text  von  Washington^  abschieds- 
rede :  nach  W.'s  konzepte  mit  allen  änderungen  und  änderungsplänen  W.'s 
gegeben  (nach  dem  neudrucke  des  antographs  im  besitze  von  James  Lenox 
lfcf>(>,  jetzt  zu  einer  grossen  Seltenheit  geworden). 

Wenn  man  auch  noch  manches  andere  dokument  in  dem  kleinen 
bändchen  gern  erblicken  würde,  so  ist  es  doch  gewiss,  dass  die  darin 
gegebenen  acht  die  wichtigsten  marksteine  der  entwickelung  des  ameri- 
kanischen Volkes  bezeichnen  und  es  ist  freudig  anzuerkennen,  dass  die 
ausstattung  eine  des  inhalts  würdige  ist.  £.  F. 


'The  Fighting  Veres'.  Lives  of  Sir  Francis  Vere  . . .  and  of  Sir 
Horace  Vere  . . .  by  Clements  R.  Markham.  Boston  and 
N.  Y.,  Houghton,  Mifflin  &  Co.  1888.  VII,  508  ss.  gr.  8°. 
Nicht  nur  eine  episode,  sondern  eigentlich  die  ganze  geschiente  des 
niederländischen  krieges  der  Elisabeth  (der  auch  in  der  literatur  jener  zeit 
eine  wichtige  rolle  spielt)  ist  in  der  geschichte  der  beiden,  besonders  des 
älteren,  Vere  inbegriffen  —  und  die  geschichte  dieser  beiden  männer  ab- 
schliessend behandelt  zu  haben  ist  das  verdienst  des  vorliegenden  werkes. 
Man  könnte  sich  wundern,  wie  nach  Motley  neues  und  wertvolles  gebracht 
werden  könnte,  aber  gerade  die  beurteilung  von  Francis  Vere  durch  Motley 
ist  einer  der  wenigen  sehr  schwachen  punkte  in  dem  unsterblichen  werke 
des  grossen  historikers.  Motley's  urteil  über  Vere's  Charakter,  besonders 
über  die  von  Vere  Unterlassenen  Commentaries  (welche  Motley  nur  in 
einem  französischen  auszuge  kannte!  vgl.  s.  303)  ist  nicht  nur  falsch,  son- 
dern scheint  absichtlich  ungerecht:  Bei  gelegenheit  der  besprechung 
der  schlacht  von  Nieuport  deckt  Markham  dies  auf  (vgl.  s.  299,  302,  328, 
349,  360).  Wir  können  dem  verf.  dafür  nur  dankbar  sein,  dass  er  den 
namen  dieses  vortrefflichen  mannes  gereinigt  hat  vor  übelwollender  kritik 
und  dabei  ein  höchst  anziehendes  Charakterbild  geliefert  hat. 

Im  einzelnen  ist  allerdings  noch  manches  nachzutragen  nnd  grössere 
Ausführlichkeit  zu  wünschen.  So  z.  b.  weiss  man  nicht,  warum  von  Qoldmg 
nur  die  Übersetzung  von  Bariffe  angeführt  ist  (s.  18),  so  ist  Edward  Eari 
of  Oxford  zu  kurz  abgetan;  von  seinen  gedienten  sind  nur  die  ans  dem 
Paradise  of  Dainty  Devices  1578  angeführt,  nnd  das  wichtige  dokument 
aus  dem  State  Paper  Office  (Domestic  Ser.  Eliz.  vol.  151,  no.  45)  nicht  be- 
nutzt   Bei  gelegenheit  von  Leicester's  landung  in  Vlissingen  (s.  79)  hätte 

Anglia,  XIL  band.  40 


626  BÜCHERANZEIGEti. 

das  interessante  gern  aide  der  Haarlemer  gallerie  angeführt  zu  werden  ver- 
dient. Der  abschnitt  über  Sidney,  dem  allerdings  ein  grösserer  platz  ein- 
geräumt ist,  scheint  nicht  ganz  aus  den  quellen  geschrieben  zu  sein.  Hie 
und  da  ist  eine  beurteilung  allzu  günstig,  wie  z.  b.  von  Leicester's  fähig- 
keit  (8. 97;  ein  richtiges  urteil  s.  73),  oder  von  Elisabeths  Stellung  zu  den 
Generalstaaten  (s.  32;  das  richtige  urteil  s.  66);  man  vermisst  an  solchen 
stellen  beweise,  d.  h.  genauere  citate. 

Aber  alles  dies  sind  dinge,  welche  das  eigentliche  leben  Vere's  nicht 
zu  nahe  berühren,  und  den  wert  des  buches  nicht  treffen. 

Mehr  als  anhang  ist  das  leben  des  biederen,  aber  unbedeutenderen 
jüngeren  (Horace)  Vere  gegeben;  dasselbe  war  nie  anfeindungen  ausge- 
setzt, und  deshalb  ist  die  behandlung  der  erzählung  weniger  kritisch,  als 
schildernd. 

Was  die  ausstattung  des  buches  anbetrifft,  so  ist  dieselbe  tadellos 
und  glänzend.  Die  von  Markham  nach  genauester  terrainkenntniss  ge- 
schilderten niederländischen  örtlichkeiten  werden  in  zahlreichen  karten 
vorgeführt.  Zwei  porträts  sind  in  vortrefflichem  holzschnitt  beigegeben 
und  ein  erschöpfender  index.  £.  F. 


Poet-Lore.    A  Monthly  Magazine  devoted  to  Shakespeare  and 

Browning,  and  the  Comparative  Study  of  Literature. 

Januarheft:  D.  G.  Brinton,  Fascettes  of  Love:  from  Browning.  — 
Helen  A.  Clarke,  A  New  Willow  Song.  With  Music.  -  Charl.  Pend- 
le ton,  A  Study  in  Shakespeare^  Fairy  Rhythms.  —  Societies.  —  The 
Study.  —  The  Stage.  —  Notes  and  News. 

Februarheft:  H.  L.  Wayland,  Kemarks  on  some  Passages  in  Rabbi 
ben  Ezra.  —  J.  Parker  Norrie,  The  Editors  of  Shakespeare:  Halliwell- 
Phillipps.  —  W.  H.  Wyman,  Recent  Bacon  -  Shakespeare  Literature.  — 
Societies.  —  The  Study.  —  The  Stage.  —  Notes  and  News. 

Märzheft:  H.  Howard  Furness,  Tbe  Study  of  Shakespeare.  — 
Helen  A.  Clarke,  Paracelsus  and  The  Date  of  Ethics.  —  Societies  etc. 

Aprilheft:  Morton  W.  Easton,  Tendencies  of  English  and  French 
Literature  during  the  Elizabethan  Period.  —  A.  Eastman  Cross,  Mrs. 
Browning's  Sonncts  from  the  Portuguese.  —  Th.  Child,  French  Versions 
of  the  Willow  Song.  With  Music.  —  Societies.  —  The  Study.  -  The 
Stage.  —  The  Library.  —  Notes  and  News. 

Maiheft:  L.  M.Griffiths,  Romeo  and  Rosaline.  --  F.  E.  Sehe  Hing, 
A  Word  on  English  Literature  in  America.  —  S.  W.Brooks,  Souie  Pre- 
deeessors  of  Spenser.  —  Societies  etc. 

Juniheft:  W.  T.  Harris,  Einersou's  'Brahma'  and  the  'Bhagavid 
Gita\  —  T.  IL  do  Beer,  Shakespeare  in  Dutch.  -  Papers  on  the  Brown- 
ing Society  in  Boston.  —  Societies  etc. 

Juliheft:  Th.  Child:  Othello  in  Paris.  —  Papers  on  the  Browning 
Society  in  Boston.  —  Societies  etc.  —  Music:  'My  Star1  (Words  by 
Browning;  Music  by  Helen  Clarke). 

Atigtisrheft:    Dr.  Edw.  Berdoc,  Bruwuiug%s  Scieuce.  —  Th.  Child, 


BÜCHERANZEIGEN.  627 

Othello  in  Paris.  —  Papers  of  the  Shakspere  Society  of  Philadelphia  (Rieh. 
Ashhurst,  Prolegoinena  to  Henry  IV).  —  The  Study  etc. 

Septemberheft:  Prof.  W.  T.  Harris,  Goethe's  »World  Spirit '  and  the 
Vishnu  of  the  'Bhagavid  Gita\  —  J.  Ph.  Fruit,  Shakespeare^  Egoism.  — 
Papers  of  the  Browning  Society  of  the  New  Century  Club  (H.Morris, 
Browning  versus  Browning).  —  Societies  etc. 

Oktoberheft:  V.  D.  Scudder,  Woinanhood  in  Modern  Poetry.  — 
E.  Hausknecht,  Shakespeare  in  Japan.  Translated.  —  Papers  of  the 
Browning  Society  of  the  New  Century  Club  (AI.  Groff ,  The  True  Great- 
ness  of  Browning).  —  The  Study  etc.  —  Publishers'  Scrap  Book. 

Weitere  hefte  Hegen  uns  nicht  vor. 


Englische  Studien.  Herausg.  von  Eugen  Kölbiug.  XIII.  bd., 
H.  lieft,     lleilbroun.  Henninger. 

.1.  Zupitza:  Die  romanze  von  Athelston.  I.  IL  (Die  schon  so  sehr 
lange  uns  versprochene  arbeit  von  Zupitza  liegt  nun  zum  grösseren  teil 
vor.  I.  gibt  den  text  der  über  soo  verse  umfassenden  reimerzählung  nach 
der  einzigen  hs.  zu  Cambridge.  Zwar  wurde  dieses  gedieht  schon  zweimal 
veröffentlicht,  von  Hartshorne  und  von  Wright,  doch  ersieht  man  aus  den 
abweichenden  lesarten,  dass  ein  neudruck  desselben  ganz  erwünscht  war. 
II.  gibt  anmerkungen  zum  gedieht  in  reicher  fülle,  erklärender  und  kri- 
tischer art.  Hier  stehen  auch  die  abweichenden  lesungen  der  früheren 
herausgeher,  während  änderungen  gegen  die  hs.,  welche  Zupitza  vor- 
nahm, unter  dem  texte  bemerkt  sind.  III.  wird  wol  eine  literargeschicht- 
liche  einleitung  enthalten.) 

P.  Holzhausen:  Dryden's  heroisches  drama.  (Auch  diese  arbeit  ist 
hier  noch  nicht  vollständig  gedruckt.  Sie  schliesst  sich  an  Bobertag's 
abhandlung  an,  doch  entwickelt  sie  in  durchaus  selbständiger  weise  Dry- 
den's theorie  des  heroischen  drainas  und  betrachtet  die  einzelnen  stücke 
dieser  art.  Behandelt  werden  hier:  The  Indian  Queen;  Secret  Love,  or 
The  Maiden  Queen,  das  allerdings  nur  teilweise  hierher  gehört;  Tyrannic 
Love,  or  The  Royal  Martyr;  The  Conquest  of  Granada;  Marriage  a  la 
Mode;  Amboyna,  or  The  Cruelties  of  the  Dutch  to  the  English  Merchants; 
Aureng  Zebc;  The  Staate  of  Innocence,  and  Fall  of  Man.  Man  sieht, 
dass  hier  auch  stücke  besprochen  sind,  die  gewöhnlich  nicht  zu  den 
heroischen  dramen  gerechnet  werden,  doch  weiss  Holzhausen  seinen  Stand- 
punkt sehr  wol  zu  verteidigen.  Warum  eine  betrachtung  vom  Indian 
Emperour,  einer  fortsetzung  der  Indian  Queen,  nicht  auf  diese  folgt,  son- 
dern an  ganz  andere  stelle  gewiesen  wird,  sieht  man  nicht  ein.  —  Wenn 
die  ganze  abhandlung  vorliegt,  kommen  wir  noch  einmal  darauf  zurück, 
da  bis  jetzt  der  verf.  noch  wenig  seiner  eigenen  ansichten  vorträgt.) 

G.  Wendt:  Das  englische  haus  der  gemeinen.  (Wendt  wiU  hier  das 
wissenswerteste  über  das  hans  der  gemeinen  im  englischen  Parlamente 
zusammenstellen;  besonders  das,  was  für  einen  lebrer  des  Englischen  zu 
wissen  von  Wichtigkeit  ist.  Es  ist  diese  absieht  dem  verf.  auch  recht  wol 
gelungen.    Allerdings  hätten  wir  den  aufsatz  doch  gerne  noch  etwas  um- 

40* 


628  BÜCHERANZEIGEN. 

fangreicbcr  gesehen,  denn  zwanzig  Seiten,  um  über  das  parlamentsgebäude, 
die  Wähler,  den  wahhnodus,  die  gewählten,  die  konstituierung  des  Unter- 
hauses, den  geschäftsgang,  die  koinuiissionen,  die  geschäftsordnung  und 
die  parteien  zu  handeln,  ist  recht  knapp.) 

Literatur.  —  Miseellen.  K.  W. 


Chaucer's  Canterbury  Tales.  Aunotated  and  accented,  witli 
Illustrations  of  English  Life  in  Chaucer's  Time.  By  John 
Saunders.  New  and  Revised  Edition.  With  IlliiRtrations 
from  the  Ellesniere  MS.     London,  1889. 

Dies  nützliche  buch,  welches  seiner  zeit  in  seiner  ersten  aufläge 
ausserordentlich  viel  zur  Verbreitung  der  kenutniss  Chaucer's  in  England 
beitrug,  war  jähre  lang  vollständig  vergriffen.  Mit  Unterstützung  Furni- 
vall'8  hat  nun  Saunders  dasselbe  ganz  neu  bearbeitet.  In  diesem  neuen 
gewande  wird  es  allen  alten  freunden  sehr  willkommen  sein  und  sich 
hoffentlich  recht  viele  neue  hinzu  erwerben. 

Zuerst  gibt  der  verf.  eine  Übersicht  in  tabellenform  über  die  herrscher 
in  Europa  zu  Chaucer's  zeit  und  über  die  gleichzeitigen  weltgeschicht- 
lichen ereignisse ;  ebenso  über  die  damaligen  literaturwerke  Englands  und 
über  Chaucer's  leben  und  werke.  Es  folgt  darauf  eine  betrachtung  des 
Tabard  und  darauf  werden  die  einzelnen  gruppen  der  pilger  eingehend 
durchgenommen.  1.  Chivalry  (The  Knight,  The  Squire,  The  Yeoiuan); 
2.  Keligion  (The  Keligious  Orders,  The  Monk,  The  Prioress,  The  Friar, 
The  Sumpnour,  The  Pardoner,  The  Parson).  3.  Professional  Men  (The 
Sergeant-at-Law,  The  Manciple,  The  Doctour  of  Physic,  The  Alchemist, 
The  Clerk  ot  Oxenford).  4.  Trade  and  Commerce  (Agriculture,  The 
Franklin,  The  Miller,  The  Keeve,  The  Ploughman).  5.  Trade  and  Com- 
merce, continued  (The  Merchant,  The  Shipman,  The  Haberdasher  etc., 
The  Cook's  Tale  of  the  Prentice,  The  Cook,  The  Wife  of  Bath). 

Nach  dieser  cinleitung  werden  die  einzelnen  geschienten  vorgeführt. 
Es  geschieht  dies  in  der  weise,  dass  der  ganze  inhalt  derselben  erzählt 
wird  und  die  hauptstellen  in  der  Ursprache,  mit  erklärnng  der  unbekann- 
ten Wörter,  so  dass  jedermann  dieselben,  auch  wenn  er  kein  Altenglisch 
versteht,  leicht  lesen  kann.  Jeder  geschiente  werden  auch  noch  literar- 
geschichtliche  und  erklärende  bemerkungen  beigefügt,  so  dass  man  über 
alles  zum  verständniss  notwendige  vollständig  unterrichtet  wird. 

Da  das  buch  besonders  für  den  familienkreis  bestimmt  ist,  so  werden 
die  erzählungeii,  welche  anstössiger  natur  sind,  nur  in  auszügen  gegeben. 
Es  sind  dies  die  erzählungen  des  müllers,  des  Verwalters,  des  kaufmanns 
und  des  Schiffers.    Man  kann  also  das  werk  jedem  in  die  hand  geben. 

Besonders  sei  noch  darauf  aufmerksam  gemacht,  dass  diesem  buche 
auch  die  abbildungen  der  pilger  nach  der  Ellesmerehandschrift  beigefügt 
sind.  Chaucer  beginnt  die  reihe,  es  folgen  22  bilder.  Wenn  dieselben 
auch  durchaus  keine  kunstwerke  sind,  so  sind  sie  doch  sehr  charakte- 
ristisch und  erhöhen  den  wert  des  buches  noch  sehr. 


BÜCHERANZEIGEN.  629 

Allen  freunden  der  englischen  literatnr,  die  sich  mit  dem  haupt- 
werke  Chaucer's  bekannt  machen  wollen,  sei  daher  Saunder's  werk  an- 
gelegentlichst empfohlen.  R.  W. 


Library  of  Anglo-Saxon  Poetry:  Vol.  III.  Cynewulf  s  Elene.  An 
Old  English  Poem,  edited  with  Introduction,  Latin  Original, 
Notes,   and   Complete   Dictionary.     By  Charles  W.  Kent. 

Boston  and  London,  1889. 

Dieses  buch  müsste  einen  anderen  titel  führen,  es  müsste  heissen: 
Cynewulf  s  Elene,  ed.  with  the  Latin  Original,  and  Complete  Glossary  by 
Zupitza.  Translated  by  Charles  Kent.  Denn  der  text  ist  der  von  Zupitza, 
das  Wörterbuch  ebenfalls  das  von  Zupitza.  Nur  die  einleitung  und  die 
noten  sind  grösstenteils  eigentum  Kent's. 

Die  einleitung  zerfällt  in  1.  Manuscript.  2.  Airthor.  3.  Theme,  Plan,  and 
Literary  Merit  of  the  Poem.     4.  Metrical  Introduction.    5.  Bibliography. 

Bei  der  abhandlung  über  das  manuskript  muss  man  sich  billig  wun- 
dem, dass  Napier's  entdeckung  für  Kent  noch  nicht  da  zu  sein  scheint, 
denn  sie  wird  mit  keinem  worte  erwähnt.  Hinsichtlich  der  frage,  wie  die 
hs.  nach  Vercelli  gekommen  sei,  schliesst  er  sich  der  ansieht  Pauli's  und 
des  kritikers  der  Quarterly  Review  an,  die  nachher  Cook  eifrig  verteidigte : 
dass  die  hs.  durch  kardinal  Guala  nach  Vercelli  gebracht  worden  sei. 
Kent  meint:  'This  chain  of  cireumstauces,  construeted  upon  evidence  ad- 
duced  and  compared  by  Cook,  may  not  be  flawless,  but  it  represents  at 
present  not  only  the  most  plausible,  but  by  far  the  best  substantiated 
theory  to  aecount  for  the  presence  of  this  famous  book  in  Vercelli'.  — 
Darauf  sei  erwidert: 

Cook  beginnt  seinen  aufsatz:  Cardinal  Guala  and  the  Vercelli  Book 
mit  der  behauptung,  dass  ich  mit  *  evident  disapprobation'  die  in  der 
Quarterly  Review  und  von  Pauli  aufgestellte  ansieht  bespräche.  Dies  ist 
nur  bedingt  richtig!  Allerdings  spreche  ich  mit  *  evident  disapprobation' 
von  Pnuli'ä  verfahren,  auf  die  bislang  vorgebrachten  gründe  hin  so  zu- 
versichtlich zu  tun  wie  Pauli  und  zu  schreiben:  'Es  ist  längst  bekannt, 
dass  das  (Vercelli-)  buch  erst  im  jähre  12 IS  mit  dem  kardinal  Guala  nach 
Vercelli  kam'.  Dies  scheint  mir  ein  sehr  unkritisches  verfahren  zu  sein! 
Wenn  aber  Cook  und  Kent  glauben,  dass  die  von  ersterem  vorgebrachten 
gründe  überzeugend  seien,  muss  ich  entschieden  widersprechen.  Alle  be- 
ruhen auf  schwacher  unterläge,  so  weit  sie  des  kardinals  kenntniss  der 
englischen  spräche  und  sein  interesse  für  englische  literatur  betreffen. 
Wenn  durch  englisches  geld  das  kloster  und  die  kirche  S.  Andrea  in  Ver- 
celli gegründet  wurden,  wie  feststeht,  so  geht  daraus  nicht  hervor,  dass 
bücher  und  Handschriften  in  englischer  spräche  nach  Vercelli  kamen. 
Wenn  sich  der  kardinal  für  englische  (d.  h.  normannische)  bankunst  inter- 
essierte, so  braucht  er  dies  nicht  für  'English  letters '  getan  zu  haben. 
Ks  beruht  auf  einer  gänzlichen  verkennung  der  damaligen  Verhältnisse, 
vorauszusetzen,  dass  Guala,  weil  er  an  dem  Französisch  redenden  hofe 
und  mit  Latein   sprechenden  gelehrten  verkehrte,  Englisch  verstanden 


630  BÜCHER  ANZEIGEN. 

haben  müsse.  Dafür,  dass  Guala  Englisch  verstanden  habe,  bringt  Cook 
keinen  einzigen  entscheidenden  gnind  vor.  Aber  auch  selbst  wenn  wir 
dies  zugeben  wollten,  so  verstand  er  darum  noch  lange  kein  Angelsäch- 
sisch, eine  schrift  und  spräche,  die  im  13.  Jahrhundert  wol  nur  wenige 
Engländer  noch  lesen  und  ins  Englische  übertragen  konnten,  vielweniger 
fremde.  Dass  der  ruf  der  klosterschule  einen  später  berühmten  eng- 
lischen gelehrten,  Adam  Marsh,  anzog,  beweist  gar  nichts  für  die  eng- 
lischen kenntnisse  Guala's,  denn  um  Englisch  oder  Angelsächsisch  zu 
lernen,  kam  Marsh  doch  nicht  nach  Vercelli.  Die  uns  von  Marsh  erhal- 
tenen briefe,  welche  nach  dieser  stadt  gerichtet  waren,  sind  lateinisch, 
nicht  englisch,  geschrieben.  Auch  dass  Guala  eine  grosse  büchersamiu- 
lung  besass,  beweist  nichts,  im  gegenteil,  diese  grosse  Sammlung  hat  er 
keinesfalls  dem  kloster  zu  Vercelli  vermacht,  sonst  müsste  man  sicher 
dort  etwas  davon  wissen.  Dort  aber  weiss  man  gar  nichts  von  einer 
solchen  grossartigen  Schenkung.  Wenn  von  büchern,  die  im  besitz  des 
kardinals  waren,  genannt  werden  (vgl.  Cook  s.  7):  'Bibliotheca  magna  de 
littera  Parisiensi  cooperta  purpurn,  et  ornata  floribus  aureis,  et  littera» 
capitales  aureai  .  . .  item  alia  Bibliotheca  de  littera  ltoloniensi  cum  corio 
rubeo;  item  Bibliotheca  de  litera  Anglicana',  so  heisst  das  natürlich  nicht, 
wie  Cook  glauben  machen  will,  ein  buch  in  englischer  spräche,  sondern 
(worauf  *  littera  Parisiensis,  littera  Boloniensis'  deutlich  hinweisen)  ein  buch 
in  englischem  duetus,  das  einen  englischen  Schreiber  verrät.  Der  inhalt 
wird  so  gut  wie  der  des  buches  vom  Pariser  Schreiber  *un  corpo  della  Sacra 
Scrittura'  (natürlich  lateinisch)  gewesen  sein.  —  Ich  bleibe  daher  nach  wie 
vor  bei  meiner  ansieht,  die  ich  Grundriss  8.  237  aussprach. 

Wunderbar  ist  im  abschnitt  'Author'  Kent's  behauptung:  Kemble  first 
discovered  that  the  runes  in  the  Kiddles  . . .  gave  the  name  Cynewulf ! ! ! 
Hier  zeigt  sich  auch  deutlich,  dass  Keut  von  Napier's  entdeckung,  die 
schon  1S8S  veröffentlicht  wurde,  noch  nichts  weiss,  obgleich  er  die  dritte 
ausgäbe  von  Zupitza's  Elene  sicherlich  in  der  hand  hatte. 

Die  bibliographie  ist  aus  Zupitza's  übersieht  über  die  literatur  und 
meinem  Grundriss  zusammengetragen.  Man  sieht  nicht  recht  ein,  nadi 
welchen  grundsätzen  Kent  dieselbe  gibt.  Zupitza  hielt  sich  nur  an  das, 
was  sich  auf  die  Elene  bezieht.  Kent  gibt  auch  noch  Schriften  über  Cyne- 
wulf im  allgemeinen.  Wollte  er  dies,  so  fehlt  noch  manches,  was  seit 
18b5,  dem  erscheinungsjahre  meines  Grundrisses,  veröffentlicht  wurde. 

Gehen  wir  nun  auf  die  ausgäbe  gelbst  ein,  so  ist  zwar  im  ganzen 
wenig  zu  bemerken,  da  sich  Kent  eng  an  die  zweite  ausgäbe  Zupitza's 
im  text  und  an  die  dritte  im  glossar  anschlieast.  Zupitza  gibt  aber  die 
lesarten  der  anderen  ausgaben  unter  dem  texte  und  sein  Wörterbuch  um- 
fasst  auch  die  Wörter,  welche  sich  nur  in  anmerkungen  finden.  Da  Kent 
diese  lesarten  weglässt,  das  glossar  aber  nach  Zupitza  gibt,  so  finden 
sich  eine  reihe  von  Wörtern  darin,  welche  in  dem  texte  gar  nicht  vor- 
kommen, z.  b.  v.  :t|  bur genta.  Zupitza  hat  dazu  Etttnüller's  änderung 
burgeatu  oder  burggealu.  Kent  hat  aus  Z.'s  Wörterbuch  bürgert  und 
bürgend  mit  verweis  auf  31,  obgleich  dort  nur  die  letztere  form  steht; 
ebenso  zu  v.  1 1  Sl  sige  und  sigor,  obgleich  im  text  nur  die  entere  form; 
ebenso  531  gehHu  und  giäd,  1 021»  anbroce  und  unbrarce,  4151  gedyrsian, 


FLÜGEL,    NACHTRAG.  631 

aber  dies  wort  steht  wol  in  Z.'s  an m erklingen ,  nicht  aber  bei  Kent.  In 
Kent's  Notes  finden  sich  diese  Wörter  auch  nicht.  Die  gegebenen  bei- 
spiele  mögen  für  unseren  zweck  genügen,  sie  lassen  sich  mit  leichtigkeit 
noch  stark  vermehren. 

Ein  arger  missstand  in  Kent's  texte  ist,  dass  er  gar  nicht  angibt,  wie 
die  handschrift  lautet,  sondern  ohne  bemerkung  seine,  oder  vielmehr  Z.'s, 
änderung  einsetzt.  So  lesen  wir  v.  21  Hugas.  In  den  anmerkungen  finden 
wir  die  sonderbare  bemerkung:  *  Grimm  reads  Hunas,  Grein  translated 
llunen\  Demnach  sieht  es  aus,  als  ob  Hu^as  die  lesart  der  hs.  und 
Hunas  änderung  sei,  während  es  gerade  umgekehrt  ist.  Ausserdem  scheint 
Kent  nur  Grein's  Übersetzung,  nicht  aber  seine  ausgäbe  zn  kennen,  wenn 
er  auch  den  titel  anführt,  denn  sonst  hätte  er  doch  wol  auch  Grein's 
lesung  anführen  müssen !  v.  54S  ändert  Zupitza  gthwcer  in  gehrvcene. 
Letzteres  druckt  Kent,  ohne  aber  die  lesung  der  hs.  anzugeben.  Ueber 
die  anläge  des  Wörterbuches  sei  bemerkt,  dass  Kent  praktischer  weise 
das  />,  wo  man  es  zu  suchen  gewohnt  ist,  nach  t  stellt  und  nicht  der 
grille  Zupitza'8  folgt,  p  ganz  an  das  ende  zu  stellen.  Ebenso  wenig  ver- 
sucht er  es  mit  Z.,  einen  buchstaben,  den  das  Angelsächsische  gar  nicht 
kannte,  nämlich  j  statt  i,  in  dasselbe  einzuführen. 

Manche  abweichungen  von  Z.  benihen  auf  druckfehlem;  z.  b.  gefrem- 
man  575  soll  heissen  515,  gefremede  298  soll  heissen  299  u.  a. 

Die  anmerkungen  sind  meist  für  einen  recht  niederen  stand  von 
kenntnissen  berechnet.  Wem  rvces  noch  als  'Sd.p.  s.  pret.  front  wesan' 
erklärt  werden  niuss;  hwil  =  NE.  white,  by  metathesis\  tid  =  tide  in  WhiU 
suntide,  Shrovetide\  eard  has  nothing  to  do  with  eortie,  der  befindet  sich 
noch  sehr  in  den  anfangen  des  Angelsächsischen  und  dem  wäre  es  viel- 
leicht besser,  erst  noch  etwas  anderes  als  die  Elene  zu  lesen.  Doch  Kent 
muss  am  besten  wissen,  welche  schüler  er  vor  sich  haben  wird. 

Auf  alle  fälle  ist  bei  einer  zweiten  aufläge  das  ganze  buch  noch 
einmal  einer  genauen  durchsieht  zu  unterwerfen.  R.  W. 


Nachtrag  zu  s.  16  (Pyramys  and  Tysbe). 

Der  Schreiber  des  Bai  Hol  Ms.  entnahm  seine  fassung  von  v.  1 — 171 
und  v.  177 — 191  wörtlich  aus  dem  3.  buche  von  Gower's  Confessio  Amantis, 
ed.  Pauli  I,  324  ff. 

Allerdings  sind  einige  abweichungen  vorhanden,  auf  welche  ich  be- 
sonders den  künftigen  herausgeber  von  Gower's  werken  aufmerksam  machen 
möchte,  da  sie  auf  den  text  desselben  hie  und  da  ein  licht  werfen. 

Ich  kann  mich  hier  nur  auf  die  wichtigsten  Varianten  beschränken, 
möchte  aber  bemerken,  dass  auch  für  die  metrik  der  vergleich  dieser 
fassung  aus  dem  ende  des  15.  oder  anfang  des  16.  Jahrhunderts  mit  dem 
original  von  interesse  ist  (besonders  was  die  endungssilben  betrifft  in 
v.  55  u.  s.  f.). 


632  FLÜGEL,    NACHTRAG. 

Varianten  (Pauli's  text  liest):  v.  S.  d wellend  .  within  a  »trete.  — 
v.  11.  But  wowe  to  wowe.  —  12.  hath  in.  —  16.  lond  that  for.  —  17.  Men 
wistcn  none.  —  IS.  and  feil  so  as  it  shulde.  —  21.  tlie  thyngs.  —  22.  they 
ne  niight  Ins  hoods  escape.  —  23/24.  That  he  his  ffyre  on  heme  ne  caste  ;| 
Wherof  her  harts  he  overcaste.  —  25.  folow  thilke  lore  &  sue.  —  30.  they 
mighten  winne  a  speeche.  —  3S.  that  für  eu«\  —  41.  upon  flir  thorow.  — 
54.  the  für  by.  —  56.  the  für  a.  —  59.  lyked  flir  lyketh.  —  62:  comend 
a  leon.  —  64.  In  haste  .  And  she  tho  fledde  away.  —  67.  upon  therbage.  — 
69.  there  out.  —  71.  he  hath.  —  72.  thilke  für  the.  —  76  (lautet):  bebledde 
aboute  and  all  forgnawe.  —  77.  he  straught  him.  —  82.  were  in.  —  92/93. 
so  sore  aflight  ||  A  mannes  herte  &c.  —  94.  To  him.  —  98.  she  be.  — 
106.  up  to  the  heven  he  gan  to  calle  ||  And  praide  &c.  —  113.  swerd  to 
ground.  —  US.  For  she  within  a  while  cam.  —  123.  Speke  out  for  her 
herte  shette.  —  132.  cleped  art.  —  136.  Of  thilke  unhap.  —  138.  here  I  se.  — 
139.  Bledend.  —  148.  Withouten  joy.  —  152.  word  where.  —  163.  thus  both 
on  a  swerd  bledend.  —  164.  liggend.  —  165  ff.  spricht  der  Confessor, 
dessen  rede  jedoch  von  v.  172—176  durch  selbständige  verse  ersetzt  ist. 
Von  v.  177—191  sind  die  verse  wider  dem  Confessor  entnommen,  mit 
geringfügigen  abweichungen.    v.  189  ist  Gowcr's  suche  a  rees  verändert. 


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:  TLATE